Festgelände Stralauer Straße 1 am rechten Spreeufer gegenüber des S-Bahnhofs Treptower Park.

Tropical Island. AFFB mit Kunstmesse, Designermarkt und Livemusik – erst das Essen, dann die Kultur

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das afrikanische Essensfest Berlin heißt original African Food Festival Berlin (AFFB). In Berlin führt der Weg nach Afrika übers Englische. Berlin ist eben keine Insel (mehr). Warum sollte das AFFB eine (tropische) Insel sein? A tropical island? Auch wenn wir alle verglobalisiert werden, oder nun aufgrund des Trumpschen Rückzugs aus G7 ja jetzt irgendwie doch nicht, verstehen die meisten Deutschen deutsch noch am besten. Schon klar, Weltsprache englisch. Die Filmfestivals Berlinale und SEEFF führen englisch als Festivalsprache genau wie manch andere Hauptstadtveranstaltungen (z.B. „Writing in Migration)“.

Natürlich hat die englische Sprache weltweit eine gewisse Dominanz erreicht. Doch feixen die Latinos seit den 80er Jahren, dass von Miami bis San Diego bald alles spanisch spricht. Die meisten Sprecher eines Volkes hat das Chinesische – und die Einwohnerzahl Indiens könnte bald, nachdem China die Ein-Kind-Politik jahrelang verfolgte, die Chinesen von ihrem Spitzenplatz ablösen. Auf die Sprachen gehen wir unten in einem eigenen Abschnitt ein, damit es einem wie Schuppen von den Augen fällt.

Kurz gesagt ist englisch eine Lingua franca für die (Exil-)Afrikaner. Für wenig Sprachbegabte ist englisch – auch unter Landsleuten – die Krücke, mit der man so gut laufen kann, dass deutsch bisweilen vernachlässigt wird. Berlin macht es ihnen leicht, nicht nur der Coffee ist aus Togo.

Anderseits führen die ausschließlich englischsprachigen Handzettel und Flyer dazu, dass deutschsprachige Berliner sich abgeschreckt fühlen oder schlicht nicht verstehen, was dort annonciert wird. Für Zweisprachigkeit mag ja auf einer postkartengroßen Werbung nicht viel Platz sein. Doch einladend und aufgeschlossen geht noch besser.

Eine Postleitzahl ist auf der Karte, die unter anderem im Babylon-Kino in Mitte auslag, auch nicht zu finden. Halten wir einfach mal fest: Es gibt Kommunikationshindernisse.

Das AFFB am 9. und 10. Juni: Ein Tropical island

Das Food Festival hatte je nach Betrachtung schon ein, zwei oder drei Vorgänger unter derselben Leitung, aber in anderem Rahmen. Es hieß eben nicht immer so. War kleiner.

2017 war es schon einmal am Osthafen. Warum tropisch? Warum Insel?

Tropisch waren die Temperaturen am Samstag, den 9. Juni allemal. Die Sonne schien krass und die abendlichen dunklen Wolken verdunkelten zwar die Sonne, aber die nicht mitgebrachten Regenschirme konnte man steckenlassen. Mancherorts in Deutschland maß man 42 Grad im Schatten. Am Sonntag dann nachmittags drei Regengüsse mit großen Tropfen, ohne dass die Wärme – sagte ich Hitze? – verschwand.

Warum Insel? Das Gelände am Hafen – welche bewohnte Insel hätte keinen, nicht wenigstens einen kleinen Anleger? – hat eine natürliche und zwei künstlich-natürliche Grenzen. Es ist überhaupt nur von einer Seite zugänglich – von der Straße – und von dort wegen der straßenseitigen Gebäude nicht einsehbar. Im Süden – hört sich auch schon nach Insel an, „Süden“ – bildet die Spree die Grenze. Im Osten und Westen Brücken. Nur im Norden ist das eindrucksvolle Haus Alt-Stralau 1 Zugang und Bollwerk zugleich.

Das Essen im Vordergrund, die Kultur im gut sichtbaren Hintergrund

Von der Esskultur mal abgesehen wurde dem Geist viel geboten. Writing in Migration, ein von der KBB (Kulturveranstaltungen des Bundes) veranstaltetes Festival afrikanischer Literatur, kooperiert mit dem AFFB. Es gab einen Büchertisch.

Für die Ohren und zum Tanzen „Live Acts“, also Konzerte, und zwar von MARY MAY und Gue Gue. Musik auch von Discjockeys: Selecta Maestro aus London, Djs Jamie, Jon, Nomi, Boris, Mo Lateef, Haizel und Chadna.

Fürs Auge die Kunstmesse „AFFB Art Fair“ mit „Upcoming African artists“, also Künstern, denen eine große Zukunft bevorsteht und den AFFB Designer Market, Kunsthandwerk, Design, Textildesign. Im Fachjargon „African inspired goods“. Waren, deren Herstellung vom Geist des afrikanischen Kontinents angeregt wurde.
Weiterhin wurden „Workshops“ und „Talks“ angeboten. An die Werkstätten hat man sich schon gewöhnt, Gespräche und Podiumsdiskussionen kennt man auch noch unter anderen Namen.

Natürlich gab es eine Kinderecke „Kids corner“ mit „beach“, am Strand.

Die Sache mit der Sprache: Was in Indien und Afrika anders ist

In Indien gibt es etwa 20 Hauptsprachen, Telugu, Kannada, ja, auch Hindi. Doch sollte uns die phonetische Ähnlichkeit der Wörter „Indien“ und Hindi“ nicht darüberhinwegtäuschen, dass weniger als jeder Sechste Inder Hindi spricht. Die Lösung für Wirtschaft und Volk: Englisch ist die Verkehrssprache. Und in Afrika?
Da wir hier kein Afrikanistikstudium ersetzen können, greifen wir nur drei Länder des südlich von uns gelegenen Kontinents heraus.

Angola: die Kolonialsprache weit verbreitet, und trotzdem …

Kühlschrankmagnet Angola, Sammelzugabe einer Tankstelle aus dem Jahr 2006 (WM). Afrikanisches Land
Flagge Angolas auf einem Magneten zur Herren-Fußball-WM 2006 („Sommermärchen“). © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser
Zuerst Angola. Warum Angola? Erstens wollen wir wegen des Alphabets im Westen anfangen, im Westen des Südteils (also im Südwesten), zweitens aus verschiedenen Himmelsrichtungen Staaten stichprobenartig betrachten.

Außerdem ist Angola wohl das Land, in dem sich die Kolonialsprache am weitesten verbreitet hat. Ein Drittel der Angolaner sind portugiesische Muttersprachler. Und trotzdem sehen wir sogar hier, dass es einfach „zu viele“ Sprachen gibt. Von vielen davon kennt man in Europa noch nicht mal den Namen.

„Unter den afrikanischen Sprachen Angolas am weitesten verbreitet sind das Umbundu, von der ethnischen Gruppe der Ovimbundu gesprochen, das Kimbundu der Ambundu und das Kikongo der Bakongo sowie dessen Kreolvariante Kituba .“ Der Wikipediaartikel fährt in der Version des AFFB-Wochenendes fort:
„Andere Sprachen sind Ngangela, Oshivambo (Kwanyama, Ndonga), Mwila, Nkhumbi, Otjiherero und Chokwe sowie das im 20. Jahrhundert von Rückwanderern aus dem Zaire eingeführte Lingala.“
11 beziehungsweise 12 Sprachen habe ich gezählt, portugiesisch war noch gar nicht dabei. Ein Einzelfall? Nein.

Die Sklaven auf den Farmen im Süden der USA konnten auch nicht miteinander sprechen, darauf wurde zum Beispiel in der Berliner PFF (Protestant Faith Fellowship) zurecht immer wieder hingewiesen.

Vielleicht ist Angola einfach zu groß? Kolonien wurden ja meist den Völkern ziemlich link abgeluchst, um es einmal salopp und umgangssprachlich auszudrücken.

Der Senegal

Also schauen wir einmal nach Senegal. Der Senegal liegt im Westen am Atlantik, nicht allzuweit südlich von den Kanaren. Insgesamt gibt es zurzeit etwa 15 Millionen Senegalesen.
Die sechs senegalesischen Hauptsprachen Wolof, Serer, Diola, Pulaar, Soninke und Mandinka gehören zwar alle zur Niger-Kordofanischen Sprachfamilie, doch die Sprecher können sich nicht verstehen.
Dabei ist der westafrikanische Senegal klein. Die Bonner Republik, die Bundesrepublik Deutschland in den Grenzen von 1988, war bereits ein Viertel größer als das Land, das aussieht wie ein Gesicht, das nach Westen guckt, mit Dakar als Nase. Der Staat umschließt außerdem das längliche Gambia, als sei es die Zunge im Munde Senegals.

120 Sprachen im Tschad

Hangeln wir uns weiter im Alphabet nach Tschad, sind wir wieder in einem großen Land, das etwa dreieinhalbmal soviel Fläche aufweist wie das heutige Deutschland.

Der Tschad ist nur unwesentlich größer als Angola. Ein Binnenland zwischen Niger und Sudan, zwischen Libyen und der Zentralafrikanischen Republik. Hier wohnen weit weniger als 14 Millionen Menschen auf einer Riesenfläche. 10 Einwohner pro Quadratkilometer. Im Norden ist es nicht heiß wie in der Sahara. Da ist Sahara.

Im Tschad gibt es 120 Sprachen. Die Amtssprachen sind französisch und arabisch, wichtig ist auch das Sara. Ja, Sara ist eine Sprache. Nicht nur ein Name. Weitere nennenswerte Sprachen sind Bagimi, Dazaga, Tedaga und Zaghawa. Sara ist mit knapp einem Drittel der tschadischen Sprecher die zweitwichtigste Sprache.

Zum Vergleich: In der Bundesrepublik gibt es nur eine Handvoll deutsche Sprachen, bei sechsmal soviel Einwohnern.

Die Bibel spricht nicht umsonst von Babylon und meint damit weder das Babylon-Kino in der Dresdner Straße noch das in Mitte.

Das viele Englisch sei also vorübergehend verziehen. Auf die Dauer ist die Frage allerdings berechtigt, warum deutsch für das AFFB nicht wichtiger ist. Das Fest in der deutschen Hauptstadt hätte bestimmt mehr deutschsprachige Gäste, wenn diese von dem Festival erfahren würden.

Ein tropical island ist Berlin nicht, trotz der um die Wiedervereinigung und in den 80er Jahren beliebten Postkarten von Claudia Katz-Palme. Sie kolorierte beliebte Motive wie von der Gedächtniskirche und dem Kurfürstendamm und fügte von Hand Palmen und wilde Tiere hinzu.

Ob ein solches tropical island ein Paradies wäre, ist auch noch zu klären. Klärungsbedarf heißt Kommunikation. Und die sollte in der deutschen Hauptstadt ab und zu mal auf deutsch ablaufen. Understand? Vastehste?




Rainer Anton Niedermeier im April 2018 im Roten Salon der Volksbühne in Berlin-Mitte

Wortgewand. Ein Gedicht

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Inspiriert von der Wortgewalt, Sprachgewalt, Direktheit und Kühnheit RANs, der wie ein Fels in der BRANdung steht. RAN ist die Abkürzung, sind die Initialen von Rainer Anton Niedermeier. Wortgewand. Ein Gedicht. Wenn nicht RAN gewidmet, (wäre es) so doch ohne ihn so nie entstanden.

Wortgewand

Wortgewandt umschrieben
innerlich getrieben
Klarstellung
Alleinstellung
Aufhellung
Aufklärung
Wortumhüllt
eingepackt
Aufgefüllt
Angefüllt
Satt

ran-poetry.de
http://ran-poetry.de/

Ran is dran! Ein Geburtstagsgedicht für Rainer Anton Niedermeier

Rainer Anton Niedermeier
ist kein Niederschreier.

Ein Kommentar in Wortgewand

Was bei der AfD-Demo, der Demonstration der Alternative für Deutschland, und der Gegendemo störte, war das Niederschreien, das, was alle können und wofür man keine Argumente brauchte.

Ja, wir lasen bei den Kollegen, die Demo der AfD in Berlin hätte 5.000 Mitläufer gehabt, die Gegen-Demo habe 25.000 auf die Beine, Barken und Barkassen gebracht. Für die, die nicht rechnen können, wurde sogleich hinzugefügt, das seien viel mehr und fünfmal soviel. Soweit, so gut. Politische Auseinandersetzung, friedliche, ist gut. Dazu gehört in einem Lande der Meinungsfreiheit wie der Bundesrepublik Deutschland, dass man seine Meinung sagen kann, nicht nur zuhause. Dass man sie nicht zu flüstern braucht. Dass man sie am Stammtisch sagen kann, in Leipzig an einem Montag, in Hamburg oder auf Usedom an der Ostsee an einem Sonntag, in Bonn, in Köln auf der Domplatte, überall in Deutschland. Auf Helgoland, auch wenn Pakete dorthin extra kosten, worauf bei jedem Einkauf online hingewiesen wird.

Man kann seine Meinung sagen.

Sie in ein Wortgewand kleiden.
Wortgewandt darf man beneiden;
ein bisschen.
Wortgewandt darf man alles. Fast alles, wenn es im Rahmen der Verfassung und der Gesetze ist.

Gedanke, Wort oder Handlung

Was der Mensch kann oder tut, ist entweder Gedanke, Wort, oder Handlung.

Die Gedanken sind frei.

Die Worte. Man kann sie äußern. Oder schweigen.

„Reden ist Gold“, heißt ein Buch.
„Schweigen ist Gold“ ein Sprichwort.
Denken Sie selbst. Reden Sie selbst – oder lassen es bleiben.

Flüstern, sprechen, reden, singen, lobpreisen
alles ist möglich, alles ist edel.
Rädelsführer führen die Rede.

Handeln.
Das Wort ist mehrdeutig.
Handeln ist erlaubt.
Im Rahmen der Gesetze.
Im Rahmen der 10 Gebote.
Handeln ist Wirtschaft.

Niederschreien und einfach nur mehr sein als die anderen ist plump.
„Kommt alle“ hängt grau in einem Hinterhof.
Wozu? Habt ihr nichts zu tun? Warum alle?

Wer wirklich etwas zu sagen hat, wird gehört werden.

Wenn ein paar tausend wirklich nichts zu sagen haben, dann lasst sie doch.
Ignoriert sie doch. Es ist doch egal.

Aber, um Himmels willen: Lasst die Leute die Meinung sagen.

Die Meinungsfreiheit ist ein kostbares Gut.
Wer heute jemandem die Meinung verbietet, dem wird sie vielleicht einmal selbst verboten.
Niemand will das. Mund verbieten hatten wir schon.
Woanders. Hier, früher. Fast überall. in vielen Formen.

Denken vorschreiben. Mund verbieten. Es reicht.

Passt nicht in die Zeit.

Mund verbieten hatten wir schon.

Was wir jetzt brauchen, ist mehr, muss phantasievoller und anders sein.

Oder ehrlich und direkt.

Meinemeinung.

 

 

Aha.




Evolution of Concrete, Beton der Firma Cemex in einer Ausstellung in der mexikanischen Botschaft Berlin Frühjahr 2018

Beton schmeckt. „Taste of Cement“: Filmpremiere in Berlin mit Regisseur

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Beton schmeckt der Wirtschaft. Filmregisseur Ziad Kalthoum entwirft ein Szenario, bei dem man sich fragen muss, ob vielleicht die Chefs von multinationalen Baufirmen ab und zu in Davos und anderswo mit den Waffenproduzenten beim Plausch sitzen. Der Film „Taste of Cement“ zeigt Syrer, die im Libanon arbeiten. Bauarbeiter. In ihrer Heimat fliegen die Kugeln, hat bauen wenig Sinn. Deshalb sind die Arbeiter hier.

„Taste of Cement“ im heutigen Libanon

Der kurze Weg, ein ähnliches Klima und die gleiche Sprache zogen sie an. Dubai wäre auch in Frage gekommen, oder Katar, wo die Stadien für die Fußball-WM gebaut werden. Doch ist der Persische Golf auch nicht weit weg von Indien und Pakistan, die beide ein riesiges Arbeitskräftereservoir darstellen. Araber in Arabien zu sein, heißt nicht, bei der Arbeitsplatzvergabe automatisch an 1. Stelle zu stehen.

Die Schweiz des Nahen Ostens: der Libanon

Libanon war die Schweiz des Nahen Ostens. Stabil, reich, schön; sogar Berge gibt es: den Libanon und den Anti-Libanon. Doch dann änderte sich alles von einem Tag auf den anderen. Durch den Bürgerkrieg. Viele flohen, manche bestimmt auch nach Syrien, das 1980 kriegsmäßig nicht so viele Baustellen hatte. Der Yom-Kippur-Krieg war vorbei, die syrischen Golanhöhen blieben besetzt und der anstehende Golfkrieg tangierte Damaskus nur als Bündnispartner einer der beiden Beteiligten.

Bestimmt gingen auch libanesische Bauarbeiter nach Syrien. Israel betrachtete Syrien als Lieblingsfeind: Stabil, verlässlich, säkular und berechenbar. Wer die Golanhöhen beherrscht, sichert oder bedroht das nahe Damaskus, die Hauptstadt Syriens. Syrien war also trotz des Kriegszustands mit Israel – Ägypten hatte gerade erst in Präsident Carters Beisein mit Israel Frieden geschlossen, eine Sensation – ein Hort des Friedens, oder besser: Eine Insel des Friedens. Und des Wohlstands.

Ähnlich wie in Libyen, mit dem Syrien als VAR sogar einmal eine staatliche Gemeinschaft bildete, war das Bruttosozialprodukt hoch, auch das Pro-Kopf-Einkommen.

Libyen war das reichste Land Afrikas, bevor Muammar al-Gaddafi in Ungnade fiel und nach Krieg und Bürgerkrieg getötet wurde. Heute ist das Land, das von französischen und US-Flugzeugen angegriffen wurde, so unsicher und instabil, dass immer wieder Öl-Pipelines kaputtgehen. In Bengasi wurde vor wenigen Jahren sogar der US-Botschafter ermordet, ein ungeheuerlicher Vorgang.

Blick aufs Mittelmeer – Berlinale und „Taste of Cement“

Der Film „Taste of Cement“ ist bisher noch nicht gezeigt worden, wir konnten ihn also auch noch nicht anschauen. Wie das bei Premieren so ist. Der Text von den Organisatoren lautet wie folgt:
„In den strahlend blauen Himmel über Beirut wachsen neue Wolkenkratzer mit Traumblick auf das Mittelmeer.“

Sofort erinnert man sich an den ellenlangen Installationsfilm von Forum Expanded der Internationalen Filmfestspiele Berlin, der im Februar als erste Station in der Akademie der Künste am Hanseatenweg gezeigt wurde. Eine Schwimmerin – die libanesische Regisseurin – zieht ihre Bahn. Der Film dauerte etwa 12 Stunden, davon war die Filmemacherin ca. 9 Stunden im Wasser. Mit Pausen. Das Morgenlicht und Abendlicht, das unterschiedliche Blau des Poolwassers und Meerwassers faszinierten den geduldigen Beobachter.

Zeit wurde erlebbar durch das veränderte Licht, das auf den veränderten Sonnenstand rückschließen ließ.

Zuschauen konnte man bei der Berlinale jeden Tag und bequem im 1. Stock der Akademie in Liegesesseln platznehmen. Der Horizont war aus den Bildern der Standkamera, die nicht bewegt wurde, herausgeschnitten worden. Die Installation zeigte also den oberen und unteren Streifen des Bildes, unten einen Pool mit einer einsamen Schwimmerin, dahinter das landnahe Mittelmeer mit Booten und oben den Himmeln mit gelegentlichen Flugzeugen.

Das zyklische Zeiterleben in „Taste of Cement“ scheint aus dem Kreislauf von Neubau, Stehen des Hauses, Zerstörung des Gebäudes, Abriss der Ruine, Liegen des Schutthaufens und Beräumung zu bestehen.

Beirut heute – Frieden nährt

Beirut heute ist frei von Krieg und Bürgerkrieg. Im Libanon wohnen eine Million Syrer, Kriegflüchtlinge. Vielleicht anderthalb Millionen. Eine riesige Zahl für das kleine Land. Noch kleiner als Jordanien, wo es viele Flüchtlingslager auf der grünen Wiese gibt, die dort Wüste heißt.

Beirut ist dabei, sich zu erholen, hat Lehren aus dem Krieg gezogen. Ehen zwischen Moslems und Christen sind verboten. Verliebt sich doch mal jemand, fliegt er nach Zypern zum Heiraten.

Teile und herrsche machte aus einem fruchtbaren Land voller Möglichkeiten jahrelang eine Hölle mit vielen Toten und Zerstörung. Nach dem Ende der Kampfhandlungen: Wiederaufbau. Jetzt ist Syrien dran. Krieg und Bürgerkrieg. Nach dem Ende der Kampfhandlungen wird auch dort an den Wiederaufbau gedacht werden.

In der Bundesrepublik Deutschland führten die Umstände, die Mithilfe der Vertriebenen, die sich wieder ein schönes Leben aufbauen wollten, und eine bestimmte Politik bekannterweise zum Wirtschaftswunder. Damaskus darf zwar keinen Marshallplan erwarten. Aber viele Syrer, die auf dem Bau arbeiten, werden wohl nach dem Ende des Schießens und Bombardements zurückgehen. Sie werden dringend gebraucht.

„Taste of Cement“ in Syrien

Weiter im Text der Organisatoren:

„Tagsüber werden sie [die neuen Wolkenkratzer] von syrischen Bauarbeitern errichtet. Zu Hause in ihrer Heimat zerstört der Krieg zur gleichen Zeit ihre eigenen Häuser.“

„Auch nachts dürfen sie die Baustelle nicht verlassen, sie müssen hinunter in die Keller der Betongiganten, wo sie kochen, hoffen, schlafen.
Mit der Visualisierung von Tätigkeiten auf der Baustelle, die an expressionistische Filme erinnern, entsteht durch Bilder, Sprache und Geräusche ein essayistisches Porträt der Bauarbeiter.

Doch dann gibt es auch Bilder von Menschen, die nach dem Einsturz eines Hauses mit bloßen Händen die Verschütteten versuchen auszugraben.“

„So entsteht ein eindringliches Gleichnis von Krieg, Zerstörung und Neubeginn.“

„Der syrische Regisseur Ziad Kalthoum hat mit »Taste of Cement – Der Geschmack von Zement« ein poetisches, emotionales und bildgewaltiges Werk geschaffen, das mehr ist als ein Film – es ist eine Erfahrung.“

„Taste of Cement“: Filmografische Angaben

Originaltitel: „Taste of Cement“(wörtlich übersetzt: „Der Geschmack des Zements“, gemeint ist auch: „Der Geschmack des Betons.“ In der englischen Sprache wird für ‚Beton‘ statt ‚concrete‘ oft fälschlich das Wort ‚cement‘ verwendet.)
Land: Deutschland
Jahr: 2017
Regie: Ziad Kalthoum
Länge: 85 Minuten

Premiere von „Taste of Cement“ (OmU) in Anwesenheit des Regisseurs am Pfingstmontag, den 21. Mai 2018 um 19 Uhr im Kino Moviemento Berlin, Kottbusser Damm 22, Berlin-Kreuzberg.

Moviemento-Kino
Kottbusser Damm 22
10967 Berlin

U-Bahnhof Hermannplatz

www.moviemento.de

Weiteres zu diesjährigen Filmpremieren:

Am Ende des Krieges warf das Nahen der Front ihre Schatten voraus:

Ich möcht‘ noch ein bisschen leben. Film „Über Leben in Demmin“ von Martin Farkas (Überleben)

Eine besonders elegante Methode, immer im Frieden zu leben – die Erde verlassen wie Kazimierz Blaszczak:

Marspole. „First Pole on Mars“ von Agnieszka Elbanowska im Fsk-Kino Oranienplatz (Filmpolska)




Autokennzeichen mit Buchstaben und Zahlen, indisch-arabischen Ziffern

Die spinnen, die Römer! Deutsche Autokennzeichen werden mit römischen Ziffern ausgestattet

Berlin, Deutschland (Kultexpresso). Manchmal freut man sich, dass die Politiker und Bürokraten so viel Freizeit haben. Der seit Generationen überlieferte Büroschlaf, Thema vieler Karikaturen in Tageszeitungen (als es noch Zeitungen gab, oder Karikaturen), findet oder fand wohl eher in der öffentlichen Verwaltung denn in der freien Wirtschaft statt. Doch römische Ziffern auf Autokennzeichen? Geht das nicht zu weit? Doch es ist wahr!

Diese Sache schlägt dem Faß fast den Boden aus, so dass es mal wieder Zeit ist, ein Fass aufzumachen. Zudem jetzt am Ende der Fastenzeit. Für Burökraten könnte man „Handlungsfasten“ vor Ostern einführen. Ausgenommen natürlich bei BER, Elbphilharmonie, Staatsoper und anderen Fässern ohne Boden, wo als bodenlose Frechheit täglich Millionen in nicht vorhandene Löcher gestopft werden. Auf deutsch: versenkt.

Und jetzt das: Schon wieder eine Neuerung: RÖMISCHE ZAHLEN AN KENNZEICHEN AN AUTOS; äh, Entschuldigung, Kraftfahrzeugen.

Blöde Neuerung? Römische Ziffern an Autokennzeichen!

Autokennzeichen mit Buchstaben und Zahlen /Ziffern
Links: Lateinischer Buchstabe, in der Mitte zwei römische Ziffern (2) und rechts eine arabische. Aktuelles Autokennzeichen (Ausschnitt). © 2018, Foto/BU: Dirk Fithalm

Wir waren Zeugen der jüngsten Verschlimmbesserung. Römische Ziffern? Abgesehen davon, dass in der Bundesrepublik sowieso kaum noch jemand deutsch spricht, können auch viele Deutsche nachweislich römische Ziffern nicht lesen, geschweige denn vorlesen.

VII wird da schon mal zu „V i i“, sprich „Vau -i-i“. Oder VI zu „Vau-eins“. Ungelogen war ich Zeuge solchen gesprochenen Geschehens und der Entrüstung einer Direktorin, um nicht zu sagen: Fassungslosigkeit. Doch es ist wahr.

Und nun, da immer weniger deutsch lesen können und unser bundesdeutsches Selbstbewusstsein durch PISA gepiesackt wird, sollen wir auch noch Probleme mit den Zahlen bekommen!

Ein Trick von Verlegern, die mehr Nachhilfebücher mit Mathe für Kids verkaufen wollen? Z.B. „Elterncoach Mathe: Sicher helfen bei Hausaufgaben & Co.“ und „Lernen interaktiv Mathematik – Die ideale Nachhilfe am PC“? Bisher konnten wenigstens die Eltern Kopfrechnen.
Jetzt wird man immer mehr Kunden gewinnen für Bücher wie dieses von Benjamin Prüfer: „Mathe für Mamas und Papas“.

Ich wusste gar nicht, dass auch Verleger genügend Geld für Lobbyarbeit haben. Ich dachte, das wären nur Pharmaunternehmen, Beraterfirmen und Waffenhersteller.

Müssen wir uns jetzt an VI, IV, I und II auf Autokennzeichen gewöhnen?

Jetzt haben wir also den Salat. Den Buchstabensalat. Dabei können sich die Römer ja noch nicht einmal einigen, wie sie denn die „4“ schreiben:

„IV“ oder „IIII“, wie auf vielen alten Uhren zu sehen?

Wer noch nicht mal bis drei zählen kann, sondern nur 1+1 zusammenrechnen, dem kann man „5+3 = 8“, also VIII kaum zumuten. Oder gar im zweistelligen Bereich „XII“, also 10+1+1= 10+2= 12. Oder „XI“.

Von der Subtraktion ganz zu schweigen: „IV“ oder „IX“ statt „4“ und „9“. Und warum subtrahiert man eigentlich bei IV und IX, nicht aber bei „VI“ und „XI“. Fragen über Fragen.

Autokennzeichen wie S – VI 202, B – II 7122 oder HH – IV 1234 sind jedenfalls ab sofort laut Gesetz und Straßenverkehrszulassungsverordnung erlaubt und erwünscht. Seit dem 1. April 2018.

Wieder haben die Parlamentarier die Ferien ausgenutzt, hier die Osterferien, um so ein perfides und überflüssiges Gesetz durchzuboxen und jetzt müssen wir Bürger uns das jeden Tag ansehen!

Bis einem die Augen tränen, zum Heulen.

Oder sind es Freudentränen? Wir haben ja sonst kaum noch was zu Lachen.

– Weiteres rund ums Auto:

Autos sollen nach Farben sortiert werden. „Unser Dorf wird schöner“ in Berlin




Szene aus dem Film "The Limehouse Golem".

Bill Nighy galoppiert im Gothik-Gruselthriller „The Limehouse Golem“ als Inspector John Kildare durch Londons Gassen und Gossen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Im Bezirk Limehouse der britischen Hauptstadt muss Bill Nighy als Inspektor John Kildare eine Mordserie lösen und zwar zu einer Zeit, in der auch der Dichter und Denker, Philosoph und Ökonom, Journalist und Protagonist der Arbeiterbewegung Karl Marx, der auch sowohl in einer Staatsbilbiothek als auch durch Limehouse geistert, in London lebte.

Szene aus dem Film "The Limehouse Golem".
Eine Szene aus dem Film The Limehouse Golem“ mit mit Douglas Booth und Eddie Marsan. © Copyright 2016 Number 9 Films (Limehouse) Limited / Nick Wall

In einem Viertel, in dem die Belogenen und Betrogenen wohnen, Armut und Elend zuhause sind, jagt Inspektor John Kildare mit Hilfe von Constable Flood (Daniel Mays) einen Mörder, der völlig durchgeknallt scheint und seine Opfer barbarisch zurichtet, aber auch Poesie hinterlässt und also Spuren legt. Kildare kommt mit der jungen Schauspielerin Lizzie Cree (Olivia Cooke) in Kontakt, die wegen Mordes an ihrem Mann zum Tod durch den Strang verurteilt werden soll. Kildare will sowohl die junge Frau retten, also auch den Mörder, der im Milieu der Bühnendarsteller zu Hause scheint, fangen.

Szene aus dem Film "The Limehouse Golem".
Im Bild die Darsteller Bill Nighy, Daniel Mays und María Valverd in dem Film „The Limehouse Golem“. © Copyright 2016 Number 9 Films (Limehouse) Limited / Nick Wall

„The Limehouse Golem“ von Regisseur Juan Carlos Medina ist von vielem Etwas und von dem ein wenig: Horror- und Historienfilm, Komödie und Tragödie, Polizei- und Kriminalfilm, Gothik-Gruselfilm und Thriller, aber vor allem anspruchsvolles Erzählkino, das auf einem Roman des historisch bewanderten Autoren Peter Ackroyd aus dem Jahr 1994 basiert. Jane Goldman schrieb das Drehbuch, das zwischen geschichtlichem Matsch und gehobenem Krimi zu schwanken scheint.

Ursprünglich sollte Alan Rickman die Rolle des Inspektor vom Scotland Yard im viktorianischen London übernehmen, doch seine Gesundheit schwand und Nighy übernahm. Rickman starb im Januar 2016 an Krebs.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage zum Gothik-Gruselthriller „The Limehouse Golem“ im KULTUREXPRESSO.

Filmografische Angaben

Szene aus dem Film "The Limehouse Golem".
Olivia Cooke überrascht mit ihrer darstellerischen Leistung in dem Film „The Limehouse Golem“ angnehm. © Copyright 2016 Number 9 Films (Limehouse) Limited / Nick Wall

Originaltitel: The Limehouse Golem
Land: UK
Jahr: 2016
Regie: Juan Carlos Medina
Buch: Jane Goldman nach einem Roman von Peter Ackroyd
Kamera: Simon Dennis
Musik: Johan Sonderqvist
Darsteller: Bill Nighy, Douglas Booth, Olivia Cooke, Eddie Marsan, Maria Valverde, Sam Reid
Lange: 109 Minuten
Im BRD-Kino: ab 31. August 2017
FSK: ab 16 Jahren
BRD-Verleih: Concorde Filmverleih
Web: www.limehousegolem-film.de

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Ole Bolle wurde unter dem Titel „Marx mit Messer und Bill Nighy als Inspektor John Kildare mit Mühe beim Lösen der Morde in Limehouse im WELTEXPRESS am 28.2.2018 erstveröffentlicht.




litauischer "Ameisenhaufen": Verköstigung für jedermann am Litauenstand der Grünen Woche IGW

Ein Ameisenhaufen. Gut besuchte Grüne Woche in Berlin, deutschschweizer Dialekt, litauische Leckereien und ein Besuchstipp

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wer am 19. Januar, dem 1. Messetag der Internationalen Grünen Woche (IGW), ins Tagesprogramm schaute, durfte die Augen aufreißen: Ein litauischer „Ameisenhaufen“ war angekündigt. Mit Verköstigung für jedermann von 11.50 bis 15 Uhr am Litauenstand.

Lebende Tiere auf der Grünen Woche

Nun gibt es ja so manche Tiere auf der IGW. In Halle 3.2 den Erlebnisbauernhof mit Rindviechern (böse Zungen behaupten, die seien manchmal auch in anderen Hallen zu finden). Die holländischen Hummeln in Halle 18. Und dann natürlich Halle 25, die Tierhalle.

Insekten essen?

Ameisen sind nahrhaft, unter anderem für Ameisenbären. Wie war das mit den Aborigines? Aber in Europa, als litauische Spezialität? Auf einer der größten Messen Mitteleuropas in einem G7-Staat?
Im Rahmen einer Pressekonferenz im Vorfeld untersuchte ein Wissenschaftler der TU München, was denn am „Allheilmittel“ Insektennahrung dran sei. Er entzauberte viele Mythen. Aber er ging eher auf Heuschrecken ein und dass bei den Forschungen nicht die fliegende Art gezüchtet wird. Aus Sicherheitsgründen.
Kaum die Rede von den staatenbildenden Insekten, die in Alphabetbüchern für Kindern gern das ABC einleiten.

Noch ein ganz bisschen weiter hinten im Alphabet als die Heuschrecken stehen die Hummeln, doch die werden in Holland und den ganzen Niederlanden zur Bestäubung der Pflanzen eingesetzt, um Tomaten und ähnliches Obst und Gemüse zu produzieren. Ein Nutztier, dass man zum Fressen gern hat, aber nicht isst. Zur Freude der Veganer.

Eine litauische Spezialität

Chinesen essen alles, sagt man. Doch welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Haufen Ameisen aus dem Baltikum? Weiß man sich zwischen Wilna und Kaunas, zwischen Klaipeda (Memel) und russischer Grenze nicht anders zu helfen, als die Ameisen zu verspeisen? Wird man der Ameisen sonst nicht Herr, die haufenweise herumliegen?

Der Ameisenhaufen

Wir müssen den Ameisenhaufen wohl auflösen, beziehungsweise das Rätsel dahinter.
Ameisenhaufen heißt auf litauisch „skruzdelynas“. Es ist auch der Name einer süßen Köstlichkeit, ein Teil des kulinarischen Erbes des kleinen Ostseeanrainers. Dort werden nicht etwa Ameisen gebraten und gezuckert, sondern verschiedenste Gebäckwaren kunstvoll aufgetürmt. Diese werden dann mit Mohn bestreut und Honig überzogen (also doch Bärennahrung!). Der riesige Haufen für alle, die früh genug auf der Messe und in Halle 8 waren, wurde vom Landwirtschaftsministerium präsentiert.

Rund zwei Meter hoch wurde das Naschwerk und wog „um die 200“ Kilogramm. Es wurde erst auf der Messe dekoriert, aus feierlichem Anlass. Danach wurde verköstigt.

Das Schlemmerereignis war bis 15 Uhr eingeplant. Um 15.30 entstand das Photo. Erst zwischen halb vier und vier war tabula rasa: der große, flache, quadratische Tisch mit den hochstehenden Kanten war geleert. Spektakulär! Spektakulärer als Spekulatius, spekulieren wir.

100 Jahre Litauen

Ein Jahrhundert ist es erst her, dass Litauen gegründet wurde. Deswegen in diesem Jahr eine zünftige Hundertjahrfeier. Die Unabhängigkeit wurde am 16. Februar 1918 erklärt und am 11. März 1990, Gorbatschow sei Dank, nach einer langen, leidvollen Geschichte wiedererlangt.

Heute ist Litauen mit 65.300 Quadratkilometern 25mal so groß wie Luxemburg (genauer 25,25 mal so groß).

Die Stadt Berlin (oder das Land), in der die Grüne Woche stattfindet, hat eineinviertel mal so viele Einwohner (3,575 Millionen). Es gibt also etwa 2,8 Millionen Litauer.

Die Ameise

Das kleine erstaunliche Tierchen, über dessen Kopf hinweg wir Menschen und Menschchen bestimmen wollen, ob es gegessen wird oder nicht, bildet Staaten wie die Bienen. Die Bienen, von denen Einstein das Überleben der Menschen abhängig macht, sind vielleicht noch einen Tick erstaunlicher.

Beide sind jedenfalls ein guter Grund, so manchen Kanister Glyphosat verschlossen zu lassen. Denn wenn es den Bienen an den Kragen geht, ist der Ofen aus.
Manche Schreiberlinge sprachen im Zusammenhang mit den Chinesen in der Volksrepublik China, besonders unter Mao Zedong, von den „blauen Ameisen“. Die einer Uniform gleichende blaue Standardkleidung und die Emsigkeit der chinesischen Arbeiter, die Berge versetzten, führte zu dieser Wortwahl.

Schweizerdeutscher Reichtum: Ameisen zum Anbeißen und Ambeisse

Statt Menschen nach Tieren zu benennen, nennen die Deutschschweizer Tiere nach, ja wonach eigentlich? Manchmal, so scheint es jedenfalls nach Tieren.

Unter dem Motto „Grüezi Berlin“ gibt es am Stand der Schweiz in Halle 17 Postkarten, auf denen ein Geständnis steht.

„Wir verstehen uns manchmal untereinander selbst nicht“.

Das liegt an den Dialekten.

Manch deutschsprechender Schweizer findet Ameisen zum Anbeißen; das läßt zumindest die Vokabel „Ambeisse“ vermuten. Man schriebe „Ambeiße“, hätte man denn das „ß“. Doch die Schweizer sind reich und nett.

Die Schweizer sind reich und nett

Reich genug, um auf einen Buchstaben zu verzichten. Nett, weil so die Sprecher der drei anderen Hauptsprachen der Confoederation Helvetica entlastet werden. Sie kennen nur das s und Doppel-s. Man konzentriert sich innerschweizerisch auf das Erlernen wichtiger inländischer Fremdsprachen und erreicht so Mehrsprachigkeit und Einheit in der Eidgenossenschaft.

„Ham“ sagt man schon mal innerfamiliär, wenn man zubeißen will. „Hambeissi“ ist nicht denglisch für „Schinken ess ich“. Es ist wie „Ambeesse“ und „Umbeisse“ in anderen Kantonen oder Dörfern ein Ameisenwort.

„Aaweissi“ auch; es bedeutet nicht: „Ah, das weiß ich!“

„Embesse“ ist auch nicht pidgin für Botschaft (embassy), sondern – Sie wissen schon.
„Uuwaisse“ keine Berliner Weiße, „Èmèès“ kein Mais und nicht der Plural von EM (effektive Mikroorganismen). „Umpeisse“ sagt man mancherorts, „Bumbessli“ erinnert an Bumblebee, die Hummel. In „Immesse“ könnte man die Imme hören, in „Äbes“ schwäbisch.

„Oomeisele“ enthält eine Meise, „Bääramsle“ Bär und Amsel, „Wurmöisli“ – ja, genau.
Mit „Ampeissele“ und „Aambeissig“ sind wir wieder am Anfang angelangt. Wenn die Schweizer sparen, dann nicht am Wortschatz.

Die „Stecknadel“ und die „Tüte“ bringen es übrigens nur auf ein Dutzend Wortvarianten, der „Hahn“ erstaunlicherweise nur auf 10. Die wichtige „Katze“ immerhin auf 14 Wörter neben dem Hochdeutschen.

Bei der Ameis‘ wimmelt es geradezu von Varianten (anderthalb Dutzend).

Wie man um den Ameisenhaufen“ herumkommt

Die ganze Grüne Woche ist ein „Ameisenhaufen“. Ganz besonders voll ist es am Samstag und auch der Freitag ist gut besucht. Die Menschen, die den Ameisen größenmäßig am nächsten kommen, Kinder unter sechs Jahren, haben an allen Tagen freien Eintritt.
Doch wann sollte man sich aufschwingen, wenn man Gewusel und Gewimmel nicht mag?

Ein Sonderangebot der Messe Berlin lässt aufhorchen: Das Sonntagsticket. Es ist im doppelten Sinne günstig: Es kostet nur 10 Euro, für Schüler und Studenten 5, und sonntags ist es leerer! Wirklich, man sollte es kaum glauben.

Auf den Leitmessen ITB und Frankfurter Buchmesse gab und gibt es Fachbesuchertage. Die Allgemeinheit darf erst am Wochenende hinein oder ab Freitag. Dadurch ist es Samstag und Sonntag dort besonders voll. Denn ähnlich wie am Kudamm die normale Fahrspur auch von Taxis und Bussen benutzt werden darf ist Fachbesuchern am Wochenende der Besuch natürlich nicht verboten.
Bei der Internationalen Grünen Woche ist das etwas anders.

Auswärtige nutzen am liebsten den Freitag (bekanntlich der stärkste Reisetag bei der Deutschen Bahn) und den Samstag für einen Besuch. Der Sonntag dient als Reisetag, zur Erholung und Vorbereitung auf die Arbeitswoche; Gläubige brauchen auch noch Zeit für den Gottesdienst. Um diesem Ungleichgewicht entgegenzusteuern, führte die Grüne Woche die Sonntagseintrittskarte ein. Auch die Schulklassen kommen eben zwischen Montag und Freitag.

Wer Geld – und Zeit beim Messerundgang – sparen möchte, sollte also am besten auf den letzten Tag der Woche setzen.

weitere Berichterstattung über die diesjährige Grüne Woche:

Sie laufen durch Hessen und Partnerland Bulgarien … Die Internationale Grüne Woche ist auch ein Ort für Musik, Tanz und kleine Konzerte

https://www.gruenewoche.de/




Unter dem neuen Palazoo-Zelt am Bahnhof Zoo, Hertzallee. Einer der wenigen Pfeiler.

Palazzo? PalaZOO! Hans-Peter Wodarz und Kolja Kleeberg mit Super-Zelt auf ehemaliger Riesenrad-Freifläche am Berliner Zoo

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Palazzo wird langsam erwachsen. Die Kinderkrankheiten sind ausgestanden, das Konzept ist geblieben. Jedes Jahr eine neue Show, beste Musik und ein exquisites Vier-Gang-Menü. Doch was nützte es, falls man nicht gerade auf dem Super-VIP-Logenplatz direkt vor der Bühne saß?

Viele Plätze im zweiten und dritten Ring waren ganz gut, doch die Pfeiler versperrten zu oft die Sicht auf die Künstler. Diese weigerten sich, im freien Sichtfeld eines bestimmten Zuschauers zu jonglieren, tanzen, singen und springen – sie bewegten sich ständig!

Sogar wenn sie sich dicht unter die Decke, pardon, unter das (Himmels-)Zelt schwangen, gerieten die Artisten manchmal außer Sicht. Oder sie erschienen wegen eines der vielen Pfeiler zweigeteilt wie die zersägte Jungfrau, die früher im Zirkus ein Klassiker war. Und das war schade, denn die Darbietungen waren wirklich exquisit.

Lauter Hingucker, auf dem Teller, der Bühne, in der Manege

Doch nun ist alles anders! 14 LKW brachten einen neuen, 15 Tonnen schweren Spiegelpalast, der mit 140 Lüstern ausgeleuchtet wird. Jetzt kann man praktisch von jedem Platz aus so gut wie alles sehen.

Palazzo war schon lange ein Erlebnis für Gaumen, Augen und Ohren; wenn man sich die Zeit nimmt, kann man es jetzt richtig genießen.

Wer zum Beispiel in Berlin-Tegel landet, setzt sich in den 109er Bus und lässt sich kohlendioxidfreundlich und entspannt kutschieren. So biegt man am Adenauerplatz auf den Kurfürstendamm ein und am Kranzlereck Richtung Zoo. Statt an der Haltestelle „Zoologischer Garten – Endhaltestelle“ auszusteigen, fährt man nach dem Motto „Sie können noch bis zur Betriebshaltestelle mitfahren“ bis zur allerletzten Station. Mit dem Bus X9 vom Flughafen Tegel (TXL) erzielt man ein ähnliches Ergebnis, sogar schneller, verpasst nur den einstimmenden Blick auf den Ku‘damm.

Am Ziel angekommen keine Spur von dem Matsch, den so manches Zirkuszelt umgibt. Auf breiten, mit dezent bunten Steinen gepflasterten und gut beleuchteten Wegen geht es vorbei an Pflanzungen. Am Eingang tritt man durch die eventuell bereits gewohnten Holztüren ein. Nicht durch einen Vorhang, wohlgemerkt.

Sofort ist man in der angenehm gut beheizten und gut schallgedämmten Palazzowelt.

Circus Flicflac erlaubte sich an derselben Stelle noch den Scherz mit einer Reihe von Türen von Dixitoiletten – natürlich in einem anderen Zelt. Das war eine Saison zuvor und ist Schnee von gestern, längst vergessen.

Palazzo hat hier alles verbessert, nicht nur sich selbst an allen Ecken und Enden, sondern auch das Umfeld.
Im „Spiegelpalast“ des Palazzo kann man sich so wohl fühlen wie in jeder anderen edlen Location. Im Foyer ein Getränk zu sich nehmen, Smalltalk pflegen und – sich willkommen geheißen fühlen. Oft begrüßen einen die Gastgeber Wodarz und Kleeberg persönlich. Einem schönen Abend, auch wenn man diesen nicht zu früh loben soll, steht nichts mehr im Wege. Außer – der größte Feind des Menschen ist der Mensch – man steht sich selbst oder dem Genuss im Wege.

Nach der Begrüßung interessiert die meisten das Menü

Wie bei der Show so steht auch im Programmheft eine herzliche Begrüßung am Anfang, dann steht das Menü im Fokus. Die Neugierde auf die Darbietungen können die meisten wohl im Zaume halten, nicht aber ihre Frage: „Was gibt es denn heute?“

Eine Antwort, ohne die es nicht geht: Vegetarisch oder nicht?

Auf den Seiten 6 und 7 wird das Vier-Gang-Menü dargestellt, in seiner klassischen und vegetarischen Variante, unter denen man rechtzeitig auswählen muss. Da diese Entscheidung weniger von der Speisekarte abhängt als von grundsätzlichen Überlegungen, konzentriere ich mich auf das Vegetarische.
Der Schnickschnack von ‚vegan‘ ist nichts für Kolja Kleeberg und wäre auch aus organisatorischen Gründen schwierig. Die einzelnen Gänge werden innerhalb von 10 Minuten serviert. Das bedeutet, dass beispielsweise alle 1,7 Sekunden eine Vorspeise die Küche verlässt. Mehr als zwei Menüs würden die Logistik sprengen. Eine Veganvorgabe zudem die Gestaltungsmöglichkeiten beim Menü stark eingrenzen und wohl auch nicht den Geschmack der Mehrheit treffen.
Beide Menüvarianten haben als 4. Gang ein identisches Dessert.

Die Speisekarte

„Vegetarisch“ beginnt mit Rote-Bete-Linsen mit Tamarindendressing, Wildkräutersalat und gepufftem Wildreis.
Wer sagt, das habe er schon einmal gegessen, dem glauben wir nicht.
Im Zwischengang gibt es ein Klare Tomaten-Consommé mit Basilikumsoufflé und weißen Bohnen. Schließlich will man ja auch ein kleines bisschen satt werden.
Der Hauptgang bietet einen Pilzstrudel mit Taleggio, violettem Senf und wildem Broccoli.
Zum Nachtisch darf man sich freuen auf eine Tarte von Dulce de Leche mit Gewürzmandarinen, dunklem Schokoladensorbet und Pistazienmacaron.

Die klassische Variante, die noch die Mehrheit bestellen dürfte, kombiniert das Tomatenconsommé mit Krustentieren, Garnelen und Meeressprossen-
Im Hauptgang gibt es Kalbsfilet im Steinpilzbrotmantel an Rotweinschalotten, Liebstöckelsalz und Panisse

Schau an, was für eine Show

Zu verantworten hat die Show Verena Schmidt. Die unprätentiöse kleine Frau kann definitiv leicht übersehen werden – was ihr nicht angemessen ist, vielleicht aber ihre Arbeit als „Artistic Director“ erleichtert. Sie meint von sich selbst, dass die drei Wörter ‚Neugierig‘, ‚strukturiert‘ und ‚ehrgeizig‘ sie am besten beschreiben. Die gute Art von ehrgeizig und die Strukturiertheit glauben wir ihr aufs Wort. Unstrukturiert könnte man so etwas Tolles nicht auf die Beine stellen. Und Neugier? Dieses Jahr ist so eine runde, erstklassige Show zustandegekommen, dass die Fähigkeit und der Wunsch, Neues zu entdecken zu wollen, wohl dazugehört.

Tänzerinnen und Humor

Der Abend besteht aus vielen Elementen, die Revuetänzerinnen Natalie Brooker und Chanelle Freeland gehören dazu. Freeland sagt, der bislang beste Moment ihres Lebens sei das Gefühl gewesen, nach mehrjährigen Reisen nach Hause zu kommen. Nach Hause, das ist für die beiden Australien. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass sie als Ort, den jeder einmal im Leben besucht haben sollte, Byron Bay angeben. Wegen der wunderschönen Strände und Berge. Cool wie Models blicken sie in die Kamera, etwas farblos und blass scheint es. Sie sind groß und schlank, fast hager. Um beurteilen zu können, was die beiden „drauf haben“, müssten sie länger am Stück auftreten.

Glanz & Gloria

Die neue Show heißt „Glanz und Gloria“, das wird ihnen auch zugeschrieben. Sie treten in edlen, handgefertigten Kostümen auf.
Bei der Vielzahl von Künstlern, die auftreten – während der Saison sind rund 80 Mitarbeiter und Künstler täglich auf den Beinen – haben es die Komiker und die Artisten leichter, die Aufmerksamkeit zu erheischen als die Tänzer.
Ein Clown braucht quasi nur die Zeit bis zur Pointe zu überbrücken und was die Artisten präsentieren, gehört meist in die Schublade „Wow“. Comedy Director ist Aitor Basauri aus Spanien; sein Vorbild ist Harpo Marx, der Entertainer.
Es schickt Miss Frisky ins Rennen, die durch den Abend führt und Zahir Circo, Comedians, die zaubern können. Tolle Männer.

Miss Frisky tut recht vulgär, kann aber so singen, dass man sie sofort ernst nimmt! Sie war erfolgreich an der Oxford-Universität und absolvierte die Royal Academy of Music mit Auszeichnung.
Mir persönlich gefiel der Gesang viel besser als ihre Rolle als Moderatorin mit rosa Perücke. Geschmackssache. Wenn gerade nicht Palazzo-Saison ist, tourt sie solo oder im Komikduo „Frisky & Mannish“ um die Welt.

Die Band ist bekannt

Die deutschkanadischen Lonely Hearts sind reumütig in den Palazzo-Schoß zurückgekehrt, schön.
Von den Showacts möchte ich so wenig wie möglich verraten, außer das sie sehenswerte, nie gesehene Kracher sind.

Wenn der Wecker nicht klingelt

Zahir Circo, das sind Kike Aguilera aus Barcelona und Luciano Martin aus Buenos Aires. Die Lingua Franca Spanisch ermöglicht ihre reibungslose Zusammenarbeit. Kike findet, das beste am Künsterleben sei, dass morgens kein Wecker klingelt. Er bedankt sich dafür bei der Welt, in dem er ihr Lachen schenkt.

Männer, die nicht sägen können

Zum Glück ist es ihnen noch nicht gelungen, sich zu zersägen. Entweder gelingt das nur Jungfrauen oder sie haben es einfach nicht drauf.
Schön, dass Zerstörungswut nicht immer zielführend ist.
Kikes unvergesslichster Auftritt war vor gut zehn Jahren in einem Flüchtlingslager in Namibia. Vor tauben und blinden Kindern.

Anschrift: Neue Adresse: Hertzallee am Bahnhof Zoo, 10787 Berlin
Viele Kudammbusse und/oder die Direktverbindungen 109/ X9 zum Flughafen Tegel.
Bus 46, 49, X34, X49, 110, 100 und 200. S-Bahnen der Stadtbahn und U2. Seit dem Brand in der Silvesternacht keine Regionalzüge.




Musikgruppe Walk-a-tones in Hessen-Halle 22 auf der83. Internationalen Grüne Woche IGW 2018

Sie laufen durch Hessen und Partnerland Bulgarien … Die Internationale Grüne Woche ist auch ein Ort für Musik, Tanz und kleine Konzerte

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Als Konzertsaal sind sie ungeeignet, die Messehallen am ICC und Berliner Funkturm. Man kann sie sehr variabel umbauen, doch gibt es auf der Messe einfach zu viele Nebengeräusche. Trotzdem jagt auf der Internationalen Grünen Woche 10 Tage lang eine Vorstellung die nächste, oft sogar gleichzeitig in mehreren Hallen. Bereits bei der feierlichen Eröffnung am Donnerstag abend zeigte das Partnerland Bulgarien, dass es ein Hort der Kultur ist.

Nicht das Gastland ist für die Unterhaltung bei der Auftaktveranstaltung zuständig. Bulgarische Musiker und Tänzer lieferten eine tolle Show ab und zeigten, dass verstaubte Vorstellungen von dem osteuropäischen Land überholt sind. Sie erzeugten mit Musik und Tanz mehr Begeisterung beim Publikum als der gutgelaunte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt und sein bulgarischer Amtskollege Rumen Porodzanov.

Die Landwirtschaftsminister, die Urwälder und die Musik

Christian Schmidt (CSU) und Porodzanov, Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, hielten vor geladenen Gästen durchaus wichtige Reden. Schmidt machte sich um die Insekten Sorgen und versicherte, dass nur soviel Glyphosat eingesetzt würde, wie nötig. Bienenhecken und Blütenstreifen sollen den kleinen Viechern das Überleben ermöglichen.
Porodzanov überraschte viele mit der Information, dass 10% der bulgarischen Wälder jahrhundertelalt sind.

Partnerland Bulgarien bietet Berge, Rosenduft und Musik

Wunderschöne Bilder von Rosen, Feldern und Bergen waren auf riesigen Großbildflächen zu sehen, eine technische Meisterleistung.

Doch die Begeisterung entstand immer wieder durch die Musik. Sie ließ die Zuhörer mitgehen und am Ende frohgemut den Saal verlassen.

Dudelsack und Volkstanz

Am Freitag, die Messehallen sind endlich geöffnet, eröffneten die Bulgaren den Stand der Partnerlandes. Tänzer in traditionellen Trachten fließen durch den Saal. Ein Dudelsackspieler fasziniert das Publikum. Traditions- und Liedgutpflege lässt europaweit erkennen, wie erstaunlich weit das Instrument verbreitet war. Der Dudelsack gehört nicht nur nach Schottland.

Das Partnerland Bulgarien und das ABC

Beschwingt stellen sich so die Besucher nach Köstlichkeiten an. Auf der Grünen Woche wird ihnen allerhand geboten, und bei weitem nicht nur für Gaumen und Magen.
Das Partnerland Bulgarien steht im Länderalphabet hinter Botswana. Vergangenes Jahr elektrisierten afrikanische Tänzer auf der Riesenbühne im ICC-Ersatz City Cube die Zuschauer. Die Grüne Woche 2017 hatte Ungarn als Partnerland, die ITB Botswana. Ob das Partnerland nach dem Alphabet ausgesucht wird? Ist bald China oder Cuba dran? Kuba dürfte dann vielleicht gegen Extragebühr 10 Tage lang einen Buchstaben am Cube überhängen.

Was wird früher fertig: BER oder ICC?

Das ICC Berlin zwischen Ringbahn und Funkturm ist übrigens noch geschlossen. Die letzten Flüchtlinge zogen im September kurz vor Beginn der IFA aus. Umbau und Sanierung werden in die Länge gezogen. Das internationale Kongresszentrum ICC lässt sich unterteilen wie ein Schiff mit Schotten. Die Sanierung könnte längst auf einem guten Weg sein. Im Gegensatz zu dem neuen Flughafen auf der grünen Wiese, der 2012 eröffnet werden sollte, sind hier keinesfalls die Architekten, Bauarbeiter oder Bauplaner schuld. Die Arbeiten werden einfach nicht begonnen, die Landespolitiker schieben den Schwarzen Peter einem Investor zu und verursachen so trotz voller Kassen Stillstand.

Messe braucht Gebäude, ICC steht leer: Dornröschenschlaf

Die Messe Berlin ist eine Melkkuh der Stadt, viele Messen sind Leitmessen und ziehen Hunderttausende in die Hauptstadt. Messechef Göke hat seit Jahren Platzprobleme und denkt an den nächsten Neubau auf dem Messegelände. Derweil ziehen die Massen vom S-Bahnhof Messe Nord/ ICC am architektonischen Wunderwerk vorbei Richtung Funkturm und Sommergarten. Das „Alumonster“ ICC, wie mancher Berliner es liebevoll nennt, ein hochdurchdachter Ort der Geschäftigkeit und Begegnung, schläft noch einen Dornröschenschlaf.

Aroma der Sonne, Erlebnisse der Sinne

Währenddessen ist in Halle 10.2 – in der Nähe des „Großen Sterns“ – das Gedränge groß. Das Partnerland Bulgarien der 83. Grünen Woche feiert unter dem Motto „Aroma der Sonne“ die zusätzliche Aufmerksamkeit. Auf der Homepage der Grünen Woche oder IGW steht dazu: „Erlebnisse für alle Sinne“. Das trifft den Nagel auf den Kopf.
Die Augen essen nicht nur mit, sondern erfreuen sich an den Künstlern und Tänzern mit ihren farbigen Kleidern, bunten Tüchern und typischen Kopfbedeckungen. Die Ohren kommen auch auf ihre Kosten.

Hessen in Halle 22 nicht ohne Musik

Wer nach einiger Zeit nicht mehr sicher ist, ob ihn die Dudelsackmusik erfreut oder nicht, verlässt die Halle 10.2. (Das Wort „Gedudel“ wird heute meist nicht mehr neutral gebraucht.) Irgendwann trudelt er vielleicht in Halle 22 ein. Stand 151 ist vom hessischen Ministerium für Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV) gemietet. Doch keine Sorge, die Länderhalle Hessen findet man auf dem Weg zum Ausgang Nord am Hammerskjöldplatz ganz automatisch.

20er-Jahre-Klänge bei der 83. IGW seit 1926

Vielleicht wird man von den Klängen der 20er Jahre dazu bewegt, die Schritte zu verlangsamen. Sich an den gastlichen Tischen des wohlhabenden Bundeslandes niederzulassen und hessische Spezialitäten zu probieren. Ein halbes Dutzend Musiker stimmt „der kleine Kaktus“ auf dem Balkon und manch andere Melodie an, die einst kleine, vielstimmige Herrenensembles sangen. Die „Walk-a-tones“ bestehen aus einer Sängerin und einem Sänger, zwei Akustikgitarren, Geige und Kontrabass.

Sonst nur auf geschlossenen Gesellschaften, jetzt auf der Grünen Woche

Die Gruppe spielt meist auf geschlossenen Gesellschaften in Frankfurt am Main und „Umgebung“. Eine Platte oder CD haben sie nicht herausgebracht. Sie covern eher. Eine seltene Gelegenheit, die Walk-a-tones und ihre Leadsängerin zu erleben, ist die Grüne Woche. Hier kann man eine Eintrittskarte kaufen und ist dabei. Langeweile ist anderswo. Fürs leibliche Wohl ist gesorgt.

Eintrittskarten: Dauerkarte 42 Euro, Tageskarte 15 Euro, Schulklassen mit Schulnachweis 4 Euro pro Schüler, Familienkarte 31 Euro, Gruppenkarte 12 Euro ab 20 Personen, Sonntags-Ticket 10 Euro, diese für Schüler und Studenten 5 Euro.

Ab Freitag, den 19. Januar 2018. Ort Messegelände am Funkturm und ICC in Berlin-Charlottenburg. S-Bahn Messe Nord/ICC (S41/ S42 Ring).

https://www.gruenewoche.de/

www.walk-a-tones.de

Hier geht es zum Artikel über die Grüne Woche des vergangenen Jahres:

Es grünt so grün… – Internationale Grüne Woche und Green-Me-Filmfestival lassen Berlin erstrahlen




Kloster Chorin

Der Choriner Musiksommer 2018 – zum 55. Mal im größten Konzertsaal Brandenburgs

Chorin, Brandenburg, Deutschland (Kulturexpresso). Bereits zum 55. Male findet der Choriner Musiksommer vom 23. Juni bis 26. August 2018 in der Klosterkirche des Klosters Chorin statt – mit 2000 Plätzen, davon 1225 Sitzplätzen, der größte Konzertsaal Brandenburgs, wenn auch nur im Sommer. Jahr für Jahr zieht er 23.000 bis 25.000 Besucher an. 2017 waren es 23.900, 2018 werden 24.000 erwartet.

Dieser Tage gab der Künstlerische Leiter, Christoph Drescher, das Programm 2018 bekannt. 18 Konzerte sind geplant. Um im Bild der Klosterkirche zu bleiben, »ruht» das Programm auf drei »Pfeilern»: den klassischen Sinfoniekonzerten, der Chormusik sowie den Blechbläsern und Perkussionisten. Nach dem Streben in den vergangenen Jahren nach mehr Vielfalt nimmt nun doch das klassische Sinfoniekonzert wieder mehr Raum ein. Ob Klavierquartett oder Saxophonquartett, Akkordeon solo, Vokaloktett oder Abiturienten des Dresdner Kreuzchors a capella, diese »Formate» (im Neusprech) möchte man nicht nur hören, sondern auch sehen. Das können die Inhaber der Rasenplätze im Klosterhof nicht, wenn auch die Rasenplätze ihren eigenen, für Chorin typischen Reiz haben. Entweder bieten die Veranstalter diese Plätze im Einzelfall nicht an oder die Leute werden enttäuscht. Und auch die Konzertbesucher in der Tiefe der Halle oder im Seitenschiff sehen wenig oder nichts.

Den besten Klang und das beste Erlebnis haben alle beim Sinfonieorchester. 2018 werden statt neun deren zehn spielen. Eines davon ist erstmals die MDR-Kammersymphonie Leipzig mit einem erlesenen Programm vom Barock (Vivaldi) bis zum Neoklassizismus (Respighi). In den »Vier Jahreszeiten» von Vivaldi brilliert die 17jährige Geigerin Anne Luisa Kramb. Zuverlässige Qualität versprechen die »Stammorchester»: Das Konzerthausorchester (früher Berliner Sinfonieorchester, seit 1968 in Chorin!) am 6. Juli, unter anderem mit dem Cellokonzert von Robert Schumann, gespielt von Anastasia Kobekina, und dem »Ohrwurm» »Aus der Neuen Welt» von Antonin Dvorák, das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt mit vier Konzerten (davon später) und schließlich am 26. August das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung des neuen Chefdirigenten Wladimir Jurowski. Es spielt die »Prager» Sinfonie von Mozart und »Also sprach Zarathustra» von Richard Strauss.

Neue »Feste» sind das Orchester der Komischen Oper Berlin, das sich glänzend eingeführt hat, und das auch diesmal mit dem 16jährigen schwedischen Geiger Daniel Lozakovich mit dem Violinkonzert D-Dur von Tschaikowski bezaubern wird (am 7. Juli). Dann die Staatskapelle Halle am 12. August mit Brahms` Klavierkonzert Nr. 2, gespielt von der kroatischen Pianistin Marina Filjak, und Schumanns Vierter, und schließlich die Staatskapelle Weimar am 25. August. Bei ihr können die Holzbläser ihre Kunst beweisen mit Mozarts berühmter Serenade »Gran Partita». Es folgt Tschaikowskis 4. Sinfonie. Erneut zu Gast ist am 8. Juli das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus mit Robert Schumanns Klavierkonzert, gespielt von Yejin Gil, und Brahms`Vierter – dafür braucht man keine Werbung. »Beethoven pur» mit der 5. und 7. Sinfonie bringt das junge norddeutsche Kammerorchester »ensemble reflektor» am 4. August. Etwas schmal sieht es aus mit nur einem Orchester aus den Nachbarländern, nämlich mit der Stettiner Philharmonie am 11. August mit Werken von Mozart und Mendelssohn-Bartholdy. Wie viel Zugkraft das auf das von Drescher beschworene Besucherinteresse in Polen hat, wäre zu hinterfragen.

Noch einmal »groß rauskommen» soll der nach elf Jahren scheidende Chefdirigent des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt, Howard Griffith, der auch als Moderator beliebt ist. Er dirigiert ein monumentales Eröffnungskonzert mit Gustav Mahlers´ »Auferstehungssinfonie» sowie sein persönliches Finale am 19. August mit einer Liebeserklärung an England mit Elgars Cellokonzert, gespielt von Natalie Clein, und Dvoraks »Englischer» Sinfonie.

Auf dünnes Eis begibt sich Griffith am 14. Juli mit Filmmusiken aus Kriegsfilmen. »Ob Kalter Krieg, Befreiungs- und Bürgerkriege und nicht zuletzt komisch-fiktive Kriege – überall finden sich spannende Filmmusiken», erklärt das Programmheft. Wofür sollen sich die Hörer begeistern? Zum Kriege gehört schmissige Musik (mit rhythmischem Klatschen?). »Wie schön ist doch der Krieg, und erst in der Musik»? Den Berlinern und Brandenburgern könnte »Der Fall von Berlin» mit der Musik von Dmitri Schostakowitsch zu denken geben, aber nichts Genaues weiß man nicht.

Choriner-Akustik-gerecht werden die Konzerte des 800jährigen Dresdner Kreuzchors am 30. Juni und am 1. Juli sein, und ebenso die Blechbläserensembles »World Brass» am 21. Juli und »Canadian Brass» am 28. Juli. Erstere widmen sich der Faszination Weltraum mit Werken von Bach, Mozart, Beethoven und Gustav Holst (»Die Planeten»), letztere dem Erbe von Leonard Bernstein anlässlich dessen 100. Geburtstag. Das bekannte Problem werden die für den 15. Juli angekündigten Percussionisten aus Hamburg haben. Zu hören sind sie bestimmt, aber nicht von allen zu sehen.

Von den Stammorchestern fehlen erneut die Berliner Symphoniker. Ein bewährtes und beliebtes Orchester, wurden sie von dem unvergessenen Künstlerischen Leiter des Musiksommers, Gunther Wolff, regelmäßig und, wie er betonte, aus Solidarität eingeladen, weil ihnen der Berliner Senat die Zuschüsse gestrichen hatte – als »Zeichen guten Willens» bei dem aussichtslosen Versuch, vom Bundesverfassungsgericht die Staatsschulden erlassen zu bekommen. Der neue Künstlerische Leiter Christoph Drescher ließ sie 2015 weg, mit dem Versprechen an den Intendanten Jochen Thärichen, »dann aber sicher 2016». Nun vier Jahre nichts. Wohlgemerkt: Solidarität ist kein Mitleid, sondern in der Arbeiterbewegung der Beistand für den Bruder im Klassenkampf. Doch nicht allein um ein gebrochenes Versprechen geht es. In ihrem Repertoire haben die Berliner Symphoniker und ihr Chefdirigent Lior Shambadal das Violinkonzert von Josef Kaminski (1903-1972), das Klavierkonzert op.41 von Paul Ben-Haim (1897-1984), das Klavierkonzert von Josef Tal (1910-2008) und andere. Es handelt sich um Werke jüdischer Komponisten, die von den Nazis aus Deutschland und aus den okkupierten Ländern vertrieben wurden, ihre Arbeit in Palästina und Israel fortsetzten und große Werke schufen, die in Deutschland und Europa unbekannt sind. Vertriebene oder ermordete jüdische Wissenschaftler, Schriftsteller, Maler, Komponisten hinterließen Lücken, die nie geschlossen wurden. Die Komponisten fehlen in der Literatur wie die Schriftsteller. Letztere kann und konnte man nachdrucken. Aber ästhetische Tendenzen ihrer Zeit konnten die exilierten Künstler nicht beeinflussen. Jene Kompositionen ur- oder erstaufzuführen, war das Ziel des Festivals NEW LIFE – Lebenswege – im Juli in Berlin. Was die Berliner Symphoniker hier Neues, Schönes zu bieten haben, sollte man dem Choriner Publikum nicht vorenthalten.

Der Vorverkauf läuft seit dem 1. Dezember über das Büro des Choriner Musiksommers, über die Homepage Choriner Musiksommer und über alle bekannten Vorverkaufsstellen. Die Preise bleiben unverändert 8 bis 29 Euro, für sechs aufwendigere Konzerte bis zu 33 Euro.

Anmerkungen:

Der Beitrag von Dr. Sigurd Schulze wurd im WELTEXPRESS am 6. Dezember 2017 erstveröffentlicht.




Festival "Around the World in 14 Films" in Berlin.

Mehr als 14 … Blicke über den Tellerrand. Das Film-Festival „Around The World In 14 Films“ als Schlüssel zur Welt

Around The World In 14 Films“. Berliner kennen auch die Französische und Russische Filmwoche sowie die italienische, die sich als „Italian Film Festival“ bewirbt, um nur die Filmfestspiele der jüngsten Zeit zu nennen. Alle diese Länderreihen wie Mexiko Scope und Hellas-Filmbox sind sehr gut und nötig, auch die länderübergreifenderen wie das Kurdische Filmfest und das JFFB. Sie ermöglichen den Einblick in das Filmschaffen einer spezifischen „Industrie“, um einmal das hässliche, unlängst aus dem Amerikanischen eingedeutschte Wort zu benutzen.

Der Vorteil der Länderreihen

Sie lassen innerhalb eines Landes wie der Französischen Republik oder der Russischen Föderation Quervergleiche zu. Sie ermöglichen Dolmetschern kurze Wege. Es ist leichter Festivalgäste, die vielleicht in mehreren Streifen mitgespielt haben, einzuladen. Patriotismus und die nationale Fluglinie, wenn sie denn die Liberalisierung des Luftlinienmarktes überlebt hat, helfen bei der Finanzierung der Anreise und früher auch bei dem Transport der 35-mm-Kopien.

Ganz besonders ist es, wenn ein Festival untertitelte Filme gebiert. Das griechische Filmfest Hellas-Filmbox, das aufgrund geringen Budgets gerade in der Anfangszeit viele Mitarbeiter mehrerer Nationen zusammengeschweißt hat, hat dieses Jahr eine Herkulesaufgabe gestemmt: Alle Filme waren untertitelt. Meist auf deutsch.

Die Mehrheit der Filmwerke lag aber nur in der Originalversion vor. Es wurde also nicht nur das (kulturelle) Miteinander gefördert, sondern neue OmU-Versionen erschaffen; vieles davon ehrenamtlich bzw. ohne Honorar, aber von guter Qualität. Zweisprachigkeit ist der Schlüssel zum Verständnis der Völker. Man denke nur an den  Rosetta Stone, den Stein von Rosetta, der ein ganzes Alphabet entzifferbar machte.

Auch können Kunst- und Photoausstellungen ein solches Filmfest wunderbar abrunden und ergänzen, man denke an die Hellas-Filmbox 2017 oder das Italian Filmfestival „Tuscia-Filmfest“, das flankiert wurde von einer kleinen, feinen Ausstellung von Drehorten der norditalienischen Region.

Zuletzt können auch griechischer Wein, italienische und polnische Spezialitäten, die ohnehin in den Spielfilmen abgelichtet werden, zu einem guten Gesamterlebnis beitragen. Doch wenn man nicht nur sehen will, was bei Filmpolska auf den Teller kommt, hilft ein Blick über den Rand.

Der Blick über den Tellerrand Land

Die Berlinale und die Filmfeste Hamburg und München versehen die deutschen Millionenstädte mit internationalem Flair. Besonders in der bayrischen Hauptstadt, aber auch bei anderen wichtigen Filmfestspielen versorgt sich der Organisator der „Around The World In 14 Films“ mit Material.

Was in der deutschen Hauptstadt ankommt, ist erlesen, ausgesucht, oft Weltklasse.

Rund um die Welt in 14 Filmen‘ darf man zwar nicht zu wörtlich nehmen, denn immer wieder lassen sich die Macher von neuen Werken wichtiger Filmemacher begeistern.

So ähnlich wie das in „Generation“ umbenannte Kinderfilmfest der Berlinale seit einigen Jahren in „Kplus“ und „14plus“ unterscheidet, sollte man korrekter Weise von 14+Filmen sprechen.

Doch der Kern bleibt: Eine Weltreise aus einem guten Dutzend guter Filme.

Dazu eine Besonderheit: Statt sektionsweise zugeordneten, von der KBB bezahlten Moderatoren wie bei der Berlinale gibt es Paten, die den Film vorstellen und das Gespräch führen. Das können Filmschaffende oder andere Personen sein. Sie sprechen mit den Machern des aktuellen Films, so diese denn vor Ort sind.

Ein Hoch auf das Kino in der Kulturbrauerei

durchaus einfach mal für seine Flexibilität loben muss.

Eine Flexibilität, die noch nie selbstverständlich war, aber durch die Digitalisierung immer geringer geworden ist. In manchen großen Kinos werden einmal in der Woche alle Filme auf den Server gespielt – danach lässt sich nichts mehr ändern. Selbst das Filmkunst 66 hat vor kurzer Zeit den letzten 35-Millimeter-Projektor abbauen lassen. Zuwenig benutzt war er und Platz schaffte die Entfernung auch.

Dass ein Kino wie das Cinestar in der Kulturbrauerei im doppelten Sinne die Größe hat, auch während eines Festivals kurzfristig einen zusätzlichen Saal zur Verfügung zu stellen, ist außergewöhnlich.

die Plätze Gieß‘ Wasser zur Suppe, dann werden alle satt.

Kino in der KulturBrauerei (Cinestar), Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin

www.14films.de

www.filmpolska.de

Neu und am ersten Tag gleich ausverkauft! Das erste mexikanische Filmfestival in Deutschland heißt Mexico Scope