Kloster Chorin

Der Choriner Musiksommer 2018 – zum 55. Mal im größten Konzertsaal Brandenburgs

Chorin, Brandenburg, Deutschland (Kulturexpresso). Bereits zum 55. Male findet der Choriner Musiksommer vom 23. Juni bis 26. August 2018 in der Klosterkirche des Klosters Chorin statt – mit 2000 Plätzen, davon 1225 Sitzplätzen, der größte Konzertsaal Brandenburgs, wenn auch nur im Sommer. Jahr für Jahr zieht er 23.000 bis 25.000 Besucher an. 2017 waren es 23.900, 2018 werden 24.000 erwartet.

Dieser Tage gab der Künstlerische Leiter, Christoph Drescher, das Programm 2018 bekannt. 18 Konzerte sind geplant. Um im Bild der Klosterkirche zu bleiben, »ruht» das Programm auf drei »Pfeilern»: den klassischen Sinfoniekonzerten, der Chormusik sowie den Blechbläsern und Perkussionisten. Nach dem Streben in den vergangenen Jahren nach mehr Vielfalt nimmt nun doch das klassische Sinfoniekonzert wieder mehr Raum ein. Ob Klavierquartett oder Saxophonquartett, Akkordeon solo, Vokaloktett oder Abiturienten des Dresdner Kreuzchors a capella, diese »Formate» (im Neusprech) möchte man nicht nur hören, sondern auch sehen. Das können die Inhaber der Rasenplätze im Klosterhof nicht, wenn auch die Rasenplätze ihren eigenen, für Chorin typischen Reiz haben. Entweder bieten die Veranstalter diese Plätze im Einzelfall nicht an oder die Leute werden enttäuscht. Und auch die Konzertbesucher in der Tiefe der Halle oder im Seitenschiff sehen wenig oder nichts.

Den besten Klang und das beste Erlebnis haben alle beim Sinfonieorchester. 2018 werden statt neun deren zehn spielen. Eines davon ist erstmals die MDR-Kammersymphonie Leipzig mit einem erlesenen Programm vom Barock (Vivaldi) bis zum Neoklassizismus (Respighi). In den »Vier Jahreszeiten» von Vivaldi brilliert die 17jährige Geigerin Anne Luisa Kramb. Zuverlässige Qualität versprechen die »Stammorchester»: Das Konzerthausorchester (früher Berliner Sinfonieorchester, seit 1968 in Chorin!) am 6. Juli, unter anderem mit dem Cellokonzert von Robert Schumann, gespielt von Anastasia Kobekina, und dem »Ohrwurm» »Aus der Neuen Welt» von Antonin Dvorák, das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt mit vier Konzerten (davon später) und schließlich am 26. August das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung des neuen Chefdirigenten Wladimir Jurowski. Es spielt die »Prager» Sinfonie von Mozart und »Also sprach Zarathustra» von Richard Strauss.

Neue »Feste» sind das Orchester der Komischen Oper Berlin, das sich glänzend eingeführt hat, und das auch diesmal mit dem 16jährigen schwedischen Geiger Daniel Lozakovich mit dem Violinkonzert D-Dur von Tschaikowski bezaubern wird (am 7. Juli). Dann die Staatskapelle Halle am 12. August mit Brahms` Klavierkonzert Nr. 2, gespielt von der kroatischen Pianistin Marina Filjak, und Schumanns Vierter, und schließlich die Staatskapelle Weimar am 25. August. Bei ihr können die Holzbläser ihre Kunst beweisen mit Mozarts berühmter Serenade »Gran Partita». Es folgt Tschaikowskis 4. Sinfonie. Erneut zu Gast ist am 8. Juli das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus mit Robert Schumanns Klavierkonzert, gespielt von Yejin Gil, und Brahms`Vierter – dafür braucht man keine Werbung. »Beethoven pur» mit der 5. und 7. Sinfonie bringt das junge norddeutsche Kammerorchester »ensemble reflektor» am 4. August. Etwas schmal sieht es aus mit nur einem Orchester aus den Nachbarländern, nämlich mit der Stettiner Philharmonie am 11. August mit Werken von Mozart und Mendelssohn-Bartholdy. Wie viel Zugkraft das auf das von Drescher beschworene Besucherinteresse in Polen hat, wäre zu hinterfragen.

Noch einmal »groß rauskommen» soll der nach elf Jahren scheidende Chefdirigent des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt, Howard Griffith, der auch als Moderator beliebt ist. Er dirigiert ein monumentales Eröffnungskonzert mit Gustav Mahlers´ »Auferstehungssinfonie» sowie sein persönliches Finale am 19. August mit einer Liebeserklärung an England mit Elgars Cellokonzert, gespielt von Natalie Clein, und Dvoraks »Englischer» Sinfonie.

Auf dünnes Eis begibt sich Griffith am 14. Juli mit Filmmusiken aus Kriegsfilmen. »Ob Kalter Krieg, Befreiungs- und Bürgerkriege und nicht zuletzt komisch-fiktive Kriege – überall finden sich spannende Filmmusiken», erklärt das Programmheft. Wofür sollen sich die Hörer begeistern? Zum Kriege gehört schmissige Musik (mit rhythmischem Klatschen?). »Wie schön ist doch der Krieg, und erst in der Musik»? Den Berlinern und Brandenburgern könnte »Der Fall von Berlin» mit der Musik von Dmitri Schostakowitsch zu denken geben, aber nichts Genaues weiß man nicht.

Choriner-Akustik-gerecht werden die Konzerte des 800jährigen Dresdner Kreuzchors am 30. Juni und am 1. Juli sein, und ebenso die Blechbläserensembles »World Brass» am 21. Juli und »Canadian Brass» am 28. Juli. Erstere widmen sich der Faszination Weltraum mit Werken von Bach, Mozart, Beethoven und Gustav Holst (»Die Planeten»), letztere dem Erbe von Leonard Bernstein anlässlich dessen 100. Geburtstag. Das bekannte Problem werden die für den 15. Juli angekündigten Percussionisten aus Hamburg haben. Zu hören sind sie bestimmt, aber nicht von allen zu sehen.

Von den Stammorchestern fehlen erneut die Berliner Symphoniker. Ein bewährtes und beliebtes Orchester, wurden sie von dem unvergessenen Künstlerischen Leiter des Musiksommers, Gunther Wolff, regelmäßig und, wie er betonte, aus Solidarität eingeladen, weil ihnen der Berliner Senat die Zuschüsse gestrichen hatte – als »Zeichen guten Willens» bei dem aussichtslosen Versuch, vom Bundesverfassungsgericht die Staatsschulden erlassen zu bekommen. Der neue Künstlerische Leiter Christoph Drescher ließ sie 2015 weg, mit dem Versprechen an den Intendanten Jochen Thärichen, »dann aber sicher 2016». Nun vier Jahre nichts. Wohlgemerkt: Solidarität ist kein Mitleid, sondern in der Arbeiterbewegung der Beistand für den Bruder im Klassenkampf. Doch nicht allein um ein gebrochenes Versprechen geht es. In ihrem Repertoire haben die Berliner Symphoniker und ihr Chefdirigent Lior Shambadal das Violinkonzert von Josef Kaminski (1903-1972), das Klavierkonzert op.41 von Paul Ben-Haim (1897-1984), das Klavierkonzert von Josef Tal (1910-2008) und andere. Es handelt sich um Werke jüdischer Komponisten, die von den Nazis aus Deutschland und aus den okkupierten Ländern vertrieben wurden, ihre Arbeit in Palästina und Israel fortsetzten und große Werke schufen, die in Deutschland und Europa unbekannt sind. Vertriebene oder ermordete jüdische Wissenschaftler, Schriftsteller, Maler, Komponisten hinterließen Lücken, die nie geschlossen wurden. Die Komponisten fehlen in der Literatur wie die Schriftsteller. Letztere kann und konnte man nachdrucken. Aber ästhetische Tendenzen ihrer Zeit konnten die exilierten Künstler nicht beeinflussen. Jene Kompositionen ur- oder erstaufzuführen, war das Ziel des Festivals NEW LIFE – Lebenswege – im Juli in Berlin. Was die Berliner Symphoniker hier Neues, Schönes zu bieten haben, sollte man dem Choriner Publikum nicht vorenthalten.

Der Vorverkauf läuft seit dem 1. Dezember über das Büro des Choriner Musiksommers, über die Homepage Choriner Musiksommer und über alle bekannten Vorverkaufsstellen. Die Preise bleiben unverändert 8 bis 29 Euro, für sechs aufwendigere Konzerte bis zu 33 Euro.

Anmerkungen:

Der Beitrag von Dr. Sigurd Schulze wurd im WELTEXPRESS am 6. Dezember 2017 erstveröffentlicht.




Festival "Around the World in 14 Films" in Berlin.

Mehr als 14 … Blicke über den Tellerrand. Das Film-Festival „Around The World In 14 Films“ als Schlüssel zur Welt

Around The World In 14 Films“. Berliner kennen auch die Französische und Russische Filmwoche sowie die italienische, die sich als „Italian Film Festival“ bewirbt, um nur die Filmfestspiele der jüngsten Zeit zu nennen. Alle diese Länderreihen wie Mexiko Scope und Hellas-Filmbox sind sehr gut und nötig, auch die länderübergreifenderen wie das Kurdische Filmfest und das JFFB. Sie ermöglichen den Einblick in das Filmschaffen einer spezifischen „Industrie“, um einmal das hässliche, unlängst aus dem Amerikanischen eingedeutschte Wort zu benutzen.

Der Vorteil der Länderreihen

Sie lassen innerhalb eines Landes wie der Französischen Republik oder der Russischen Föderation Quervergleiche zu. Sie ermöglichen Dolmetschern kurze Wege. Es ist leichter Festivalgäste, die vielleicht in mehreren Streifen mitgespielt haben, einzuladen. Patriotismus und die nationale Fluglinie, wenn sie denn die Liberalisierung des Luftlinienmarktes überlebt hat, helfen bei der Finanzierung der Anreise und früher auch bei dem Transport der 35-mm-Kopien.

Ganz besonders ist es, wenn ein Festival untertitelte Filme gebiert. Das griechische Filmfest Hellas-Filmbox, das aufgrund geringen Budgets gerade in der Anfangszeit viele Mitarbeiter mehrerer Nationen zusammengeschweißt hat, hat dieses Jahr eine Herkulesaufgabe gestemmt: Alle Filme waren untertitelt. Meist auf deutsch.

Die Mehrheit der Filmwerke lag aber nur in der Originalversion vor. Es wurde also nicht nur das (kulturelle) Miteinander gefördert, sondern neue OmU-Versionen erschaffen; vieles davon ehrenamtlich bzw. ohne Honorar, aber von guter Qualität. Zweisprachigkeit ist der Schlüssel zum Verständnis der Völker. Man denke nur an den  Rosetta Stone, den Stein von Rosetta, der ein ganzes Alphabet entzifferbar machte.

Auch können Kunst- und Photoausstellungen ein solches Filmfest wunderbar abrunden und ergänzen, man denke an die Hellas-Filmbox 2017 oder das Italian Filmfestival „Tuscia-Filmfest“, das flankiert wurde von einer kleinen, feinen Ausstellung von Drehorten der norditalienischen Region.

Zuletzt können auch griechischer Wein, italienische und polnische Spezialitäten, die ohnehin in den Spielfilmen abgelichtet werden, zu einem guten Gesamterlebnis beitragen. Doch wenn man nicht nur sehen will, was bei Filmpolska auf den Teller kommt, hilft ein Blick über den Rand.

Der Blick über den Tellerrand Land

Die Berlinale und die Filmfeste Hamburg und München versehen die deutschen Millionenstädte mit internationalem Flair. Besonders in der bayrischen Hauptstadt, aber auch bei anderen wichtigen Filmfestspielen versorgt sich der Organisator der „Around The World In 14 Films“ mit Material.

Was in der deutschen Hauptstadt ankommt, ist erlesen, ausgesucht, oft Weltklasse.

Rund um die Welt in 14 Filmen‘ darf man zwar nicht zu wörtlich nehmen, denn immer wieder lassen sich die Macher von neuen Werken wichtiger Filmemacher begeistern.

So ähnlich wie das in „Generation“ umbenannte Kinderfilmfest der Berlinale seit einigen Jahren in „Kplus“ und „14plus“ unterscheidet, sollte man korrekter Weise von 14+Filmen sprechen.

Doch der Kern bleibt: Eine Weltreise aus einem guten Dutzend guter Filme.

Dazu eine Besonderheit: Statt sektionsweise zugeordneten, von der KBB bezahlten Moderatoren wie bei der Berlinale gibt es Paten, die den Film vorstellen und das Gespräch führen. Das können Filmschaffende oder andere Personen sein. Sie sprechen mit den Machern des aktuellen Films, so diese denn vor Ort sind.

Ein Hoch auf das Kino in der Kulturbrauerei

durchaus einfach mal für seine Flexibilität loben muss.

Eine Flexibilität, die noch nie selbstverständlich war, aber durch die Digitalisierung immer geringer geworden ist. In manchen großen Kinos werden einmal in der Woche alle Filme auf den Server gespielt – danach lässt sich nichts mehr ändern. Selbst das Filmkunst 66 hat vor kurzer Zeit den letzten 35-Millimeter-Projektor abbauen lassen. Zuwenig benutzt war er und Platz schaffte die Entfernung auch.

Dass ein Kino wie das Cinestar in der Kulturbrauerei im doppelten Sinne die Größe hat, auch während eines Festivals kurzfristig einen zusätzlichen Saal zur Verfügung zu stellen, ist außergewöhnlich.

die Plätze Gieß‘ Wasser zur Suppe, dann werden alle satt.

Kino in der KulturBrauerei (Cinestar), Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin

www.14films.de




Lüneburger Rathaus

Heidi aus der Heide und Heidrun in Hannover. H. Hentschel und H. Giese mit Malerei in der niedersächsischen Hauptstadt; Heiko Bolting macht Musik

Lüneburg, Deutschland (Kulturexpresso). Am Freitag, den 1.12. ab 18 Uhr heißt es in Hannover ‚Vorhang auf!‘ zur Ausstellung von Kunst lebender Künstlerinnen; die Praxis für komplementäre Medizin lädt ein zum „interessanten Austausch, Beisammensein und Sinnesgenuss“. Heidrun Giese und Heidi Hentschel stellen aus.
Für Frau Hentschel ist es die Debütausstellung. Die Lüneburger Künstlerin arbeitete lange mit verschiedenen Techniken, darunter Aquarell.
Vor nicht langer Zeit hat sie Acryl entdeckt und arbeitet gern damit. „Es ist ein leichtes Malen und falls man einmal etwas korrigieren möchte, kann man einfach eine Stelle übermalen.“ Seit Jahren, seit Jahrzehnten malt sie schon. In ihrer erfrischend direkten Art gesteht sie: „Man malt für sich selbst. Man sollte seine Nachkommen nicht mit der Verwaltung eines großen Nachlasses belasten.“ Heidi Hentschel ist weitgereist verfügt über eine hervorragende Allgemeinbildung, kennt die Ebstorfer Weltkarte genauso wie die Hagia Sophia in Istanbul aus eigener Anschauung.

Vogel – Menschen

Eine ihrer Arbeiten ist in einer Mischtechnik aus Acryl mit Federn entstanden. „Thunderbird“ heißt das Werk.
Hentschel erläutert: „Der Schöpfungsmythos der Dakota (auch Lakota, d. Red.) fußt auf dem Thunderbird. Der Vogel verursacht u.a. den Donner, durch das Schlagen mit den Flügeln. Vor allem aber hat er die ersten Menschen geboren“.
Ihre Kenntnisse machen vor den Ureinwohnern Nordamerikas nicht halt.

Hei-mat Hann.

Auf der Vernissage am Kaland des Dezember spielt Heiko Bolting die Musik. In der Praxis für Komplementäre Medizin arbeiten zwei Frauen. Die eine heißt Heidrun. Heidrun Zumpe. Sie stellt am Freitagabend nicht aus. Doch fast scheint es, als würden hier nur die eine Hauptrolle spielen, deren Vorname mit einem „H“ wie Hannover beginnt. Die Landeshauptstadt hat das einzelne „H“ als Autokennzeichen, obwohl die größere (Millionen-) Stadt Hamburg auch mit einem „H“ beginnt. Da der Stadtstaat eine Hansestadt ist, hatte Hannover Glück. Hamburg erhielt zur Kennzeichnung das „HH“ – ebenfalls die Initialen der Lüneburger Malerin Heidi Hentschel – und das kürzere, meist wichtigere Einbuchstabenkennzeichen ging an die niedersächsische Hauptstadt.

Historisch ist Hannover die Kurzfassung des Kurfürstentums Lüneburg-Braunschweig, auch Kurhannover genannt. Lange verband eine Personalunion die Kurfürstenwürde mit dem englischen Thron. Bis im 19. Jahrhundert Queen Victoria auftauchte. Ein altes Gesetz verbat eine Frau auf dem hannoverschen Thron. Langsam gabelten sich die norddeutschen und englischen Wege bis zur Umbenennung in das „Haus Windsor“.

In der Praxis für komplementäre Medizin sitzen zwei Frauen wenn nicht auf dem Thron, so doch am Hebel. Auch die Künstler, die sie einladen, sind zwei Frauen. Doch scheint es fast noch eine Regel oder Vorbedingung zu geben: Ein Vorname, der, genau wie die „Heimat“, mit der Silbe „Hei“ beginnt. Sogar der männliche Musiker fällt unter diese Regel.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Doch die Ärztin und Heilprakterin vor Ort heißt Jutta Franke. Zwar kommt das „J“ im Alphabet gleich anschließend, jedoch ist das mit der Vornamenvorsilbenhäufung wohl alles nur Zufall. Oder?

Heidrun Giese malt abstrakt, Heidi Hentschel gegenständlich. Doch Hentschel nimmt Giese gleich in Schutz. „Nichtgegenständliches Malen ist nicht einfacher. Sie arbeitet mit mehreren Schichten, Ebenen – das ist nicht leicht.“

Gieses Bild auf der Einladungskarte ist ein Hingucker, auf den man lange gucken kann. Das Werk Hentschels auf der Postkarte zeigt Blumen; beide sind farblich sehr gut aufeinander abgestimmt, auch mit der Farbe der Schrift. Harmonie scheint in dieser Praxis großgeschrieben zu werden.

Ansonsten ist Hannover die Stadt von Bundesligaverein ’96, von Flughafen Langenhagen und der Bundesministerin Ursula von der Leyen. Von der Leyen ist die Nr 1. zumindest der CDU-Landesliste, kandidierte aber auch direkt in einem Hannoveraner Wahlkreis.
Seit kurzem ist Hannover eine Stadt, die für ein Land mit einer Großen Koalition steht, nachdem rotgrün überraschend an einer Stimme scheiterte.

Malerei
Ausstellung ab 1.12.2017, 18 Uhr.
Praxis für komplementäre Medizin

Große Barlinge 21
30171 Hannover

Tel. 0511 / 920 100 94

http://www.praxis-jutta-franke.de/




Restaurant Hellas im Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Nothing new. Und doch … Alles neu beim griechischen Filmfestival Hellas-Filmbox im Januar 2018 in Berlin-Friedrichshain (Urban Spree)!

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es wurde aus dem Stand zur größten griechischen Kulturveranstaltung außerhalb Griechenlands: Das Filmfest „Hellas Filmbox Berlin“. Sie, die Box, zeigte innerhalb eines Jahres mehr als 130 griechische Filme, über 60 davon mit eigens für die Festival-Vorführungen angefertigten deutschen Untertiteln (!!) Es wurde also nicht nur Kultur gezeigt, sondern auch Kultur produziert. Seit Babylon uns durch Sprachen trennt, ist das Übersetzen gar nicht genug zu schätzen.
Die Hellas-Filmbox brachte innerhalb von 12 Monaten mehr als 200 griechische und deutsche Kreative, vor allem Filmschaffende, zusammen und ermöglichte einem – vorwiegend deutschen – Live-Publikum von mehr als 10.000 Menschen neue Einblicke.

Das Fest wurde in dieser Zeit in einem halben Tausend Presseberichten in deutschen und griechischen Medien thematisiert, darunter die ARD, das ZDF, 3Sat, Bild und Stern. (Ca. 1% davon auf Kulturexpresso)

Ein weiterer Rückblick auf die Leistungen dieses, man muss einfach sagen, tollen Filmfestivals, unten. Es ist das wärmste Filmfest, das ich je erlebt habe.

Zweimal fand es statt, beim 3. Mal wird es dreifach umgekrempelt, personell und inhaltlich am neuen Ort.

Neu verortet

1. Neuer Ort: im „Urban Spree“ auf dem RAW-Gelände Berlin-Friedrichshain, Revaler Straße 99, 10245 Berlin, (Nähe U- + S-Bahnhof Warschauer Straße, U1, S3, S5, S7).
Ein 1.700 Quadratmeter Raum für Kunst auf einem 70.000 Quadratmeter großen Gelände, dass dem Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Platz bot, Züge zu reparieren, im Deutschen Reich und in der DDR.
Die Urban-Spree-Galerie ist 400 Quadratmeter groß.

Schachtel ausgepackt

Was bietet die „ausgepackte“ Hellas-Filmbox? „Filme, Konzerte, Ausstellungen, Workshops, Diskussionen“ – das gab‘s auch 2017 schon – doch über die Stadt verstreut.
Marktplatz, Laden und Leckereienpfad
Dazu kommen ein griechischer Markt (Greek Market), ein Café-Shop, ein Lebensmittel- und Spezialitätenpfad (-Track) in der griechischen Ecke (Greek Corner).

Ein Fest für alle 5 Sinne, nicht nur den Hörsinn (Konzerte) und für die Augen (Ausstellungen und Filme). Das passt zusammen – all das für 5 Tage an einem „angesagten“ Berliner Ort.

Die Dynamik, die aus der Schaffenskraft der Künstler, der Kraft der vielen ehrenamtlichen Helfer und der Herzenswärme entstand, war rührend. Jeder wollte und konnte irgendetwas beitragen, es gab hervorragende Musiker, Theaterschauspieler, das Kleid der Moderatorin war extra für das Fest entworfen worden, und und und …

Vicky Leandros sang persönlich.

Besser geht es nicht.

Aber könnte man nicht versuchen, es noch besser zu machen? Lernen ist wie Schwimmen gegen den Strom. Wer gut und erfolgreich ist, darf nicht einfach stehenbleiben.

Vielleicht ist es eine gute Idee, an EINEM Ort zusammenzukommen und zu feiern, statt Filme in einem Kino zu zeigen, nebenan Theater zu spielen und die Ausstellung in Friedrichshain zu verorten, wie es 2017 war.

Panta re, alles fließt: aus welcher Sprache stammt das noch?

Verbesserungen sind immer möglich, und so sehr die Architektur von Hans Poelzig aus den Jahren 1928/29 betört, gibt es eben im Babylon-Mitte im Winter auch Nachteile. Der Weg zwischen Kino 1 und Kino 2-3 muss unter freiem Himmel zurückgelegt werden, wo ist die Garderobe? Die Hellas-Filmbox hätte wohl auf die Dauer dort den Rahmen gesprengt, schon 2017 gab es nicht Platz genug für alle Projekte.

Vielleicht ist der ideale Ort für eine solche Riesenveranstaltung wie die Hellas-Filmbox – oder die neue Hellas-Filmbox – noch nicht gebaut, vielleicht sollte man griechischen und deutschen Architekten eine Brache zur Verfügung stellen und Geld dafür sammeln, dort den ultimativen Hellas Film-Campus zu errichten, mit Konzertsaal, griechischer Galerie und Gastronomie?

Dynamik und Spaß

Doch ist die Dynamik nicht zu unterschätzen. Wo Talent und Spaß aufeinandertreffen, Geld nicht für alles die Voraussetzung ist, entsteht soviel neues und soviele neue Ideen, dass auch ein solcher Campus ständig umgebaut werden müsste.

Das ICC, ein ideales Congresscentrum am Funkturm, müsste mal schnell überholt werden um wieder zu erstrahlen und weiter Preise zu gewinnen.

Der ideale Flughafen der kürzesten Wege, im Sechseck-Look der Bienenwabe als Symbol für Emsigkeit und eine Abkehr von spannungsgeladenen Viereck, der Berliner Flughafen Tegel (TXL), musste auch erweitert werden. Wenn der BER endlich fertig sein würde und Tegel weiterbetrieben, könnte man die Anbauten wieder zurückbauen und die ursprüngliche Schönheit noch besser erkennen als heute.

Die Hellas-Filmbox ist so ein Magnet, ein Durchlauferhitzer für geistige Beweglichkeit, inter- und binationalen kulturellen, sprachlichen, menschlichen, freundschaftlichen Austausch, dass jegliche Architektur, die zu statisch wäre, auf die Dauer nicht mehr passen würde wie ein Maßanzug.
Man darf gespannt sein, wenn man von einem Veranstaltungsort zum anderen, auch auf der Berlinale ein leidiges Thema, nicht mehr mit dem Taxi fahren muss, was das bewirkt. Meines Erachtens kann es viel Positives bringen und einen Messe-Effekt haben, Stichwort Synergien.

Personalien – neu und bekannt

2. Die neuen Festivaldirektoren werden Ioanna Kriona und Dimitris Argyriou sein, der dieses Jahr die „New Vision“ betreute und selbst einen Kurzfilm beitrug.

O-Ton Hellas-Filmbox: „Beide Filmemacher stehen für einen länderübergreifenden, spannenden, emotionalen und publikumsaffinen Kulturdiskurs mit großartigen Künstlern, Querdenkern, innovativen Filmemachern und begnadeten Individualisten.“

Kein Boxenstop, sondern Talk in der Box

3. Neuer Charakter: Im Zentrum des Festivals stehen die „Box Talks“ – eine Kombination aus Workshop, Unterhaltung und Künstlerporträt. Geplant sind drei solche „Box Talks“ an drei Tagen, bei denen immer ein deutscher und ein griechischer Filmemacher bzw. Künstler im Mittelpunkt ist. Jeder der Eingeladenen stellt in einem – von einem Moderator geführten – Gespräch sein Werk schlaglichtartig vor, diskutiert darüber und nimmt an der kontroversen Debatte über diverse Themen teil. Folgendes ist möglich und erwünscht: Filmausschnitte, Trailer, „Blinks“, Thesen, Antithesen, Live-Performances, Dialog, Pamphlete, Manifeste, Konzepte, Happenings.

Es wird wieder einen Wettbewerb in der Rubrik „New Vision“ geben sowie zwei Film-Retrospektiven.

So, alles in allem kann man sagen, dass es eine gelungener Mischung ist, die auf Tradition aufbaut. Ähnlich wie die Berlinale mit ihrer Retrospektive und den Berlins Classics. Bei beiden gibt es zwei Retrospektiven.
Selbstverständlich gerät das neue nicht aus dem Blick. Ein Filmfest ohne Premieren würde bedeuten, dass keine Produktion stattgefunden hat. Oder es wäre kein eigentliches Fest, sondern eine Reihe. Der Reiz des Neuen gehört schon dazu. Und ein Wettbewerb ist doch fast obligatorisch.
Zusammenfassend kann man sagen: Alle Kriterien erfüllt, grünes Licht, mögen die Gäste kommen!

Rückschau

In den Worten der Festivalmacher (besser kann es kaum ausdrücken):

Die „Hellas-Filmbox Berlin war von Anfang an nicht nur ein Filmfestival, das Griechenland im Fokus hatte. Es war vor allem ein Statement für das kreative Griechenland. Ein Statement für eine sich wieder neu zu definierende Beziehung zwischen Deutschland und Griechenland in einem auseinanderbrechenden Europa.“

Die „Hellas-Filmbox Berlin hat den deutsch-griechischen Dialog in einer für beide Länder politisch und zwischenmenschlich schwierigen Zeit in Gang gehalten. Das ist während der beiden ersten Filmfestival-Editionen im Januar 2016 und Januar 2017 sowie während der Roadshow durch Deutschland außerordentlich gut gelungen.“

Wir brauchen weltweite Erwärmung!

„Ein alternativ-spektakuläres Festival mit vielen Überraschungen und Highlights; ein aufregendes Ereignis mitten im lauen deutschen Winter“ versprechen die Veranstalter; aufregend und warmherzig wird es bestimmt wieder, ob der Winter in Berlin wieder so lau wird, wissen wir noch nicht. Al Gore und seine „Eine unbequeme Wahrheit“ besagt, dass wir über das Wetter gar nichts wissen und Vergangenheit nicht einfach in die Zukunft überführen können. Sollte es globale Erwärmung tatsächlich geben, führte sie nicht überall zu höheren Temperaturen. Der Golfstrom aus dem Golf von Mexiko begünstigt ganz Westeuropa, vor allem die britischen Inseln, aber auch die Nordseeanrainer wie die Bundesrepublik und Norwegen. Eine Schreckensvision wäre die Abschaltung dieses Wärmestroms.

Umso so dringender benötigen wir in Mitteleuropa und anderswo die griechische Sonne und Herzenswärme.

„Hellas-Filmbox Berlin Unboxed“
Was? Das Filmfest Hellas-Filmbox Berlin – zum 3. Mal
Wann? 24.-28.1.2018
Wo? Urban Spree

www.hellasfilmbox.de




Maulwürfe unter dem Rasen der Rennbahn – Daniel Craig, Channing Tatum und Hilary Swank in dem Spielfilm „Logan Lucky“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Channing Tatum ist spätestens seit „Magic Mike“ in der 1. Liga, Adam Driver stellte seine Vielfalt an den Wasserfällen von „Paterson“ in New Jersey unter Beweis (Kinostart: 17. November 2016), Doch am frohesten machte mich am neuen Steven-Soderbergh-Streifen, dass Daniel Craig endlich mal eine Rolle bekam, die mir gefiel. Craig überzeugte mich persönlich als Bond in Bolivien nicht. Agent Doppelnull darf und muss töten, das galt auch für Daniel Craig. Doch als Mitarbeiter im Geheimdienst ihrer Majestät der Königin von England stelle ich mir einen eleganten Gentleman mit versteckter Grausamkeit vor. Das Vereinte Königreich von Großbritannien und Nordirland mag voller Marotten seien, hatte das aber eigentlich nicht verdient. Umso mehr gefällt Craig mit blond gefärbtem Bürstenschnitt im Knast. Dass er dort ist, hat in der 118-minütigen Actionkomödie „Logan Lucky“ natürlich seinen Sinn. Allein das Zusammentreffen der Filmbrüder Tatum/Driver mit Craig im Gefängnis ist voller Komik.

Überraschungen und Zufälle

Später überzeugen glaubwürdige Überraschungen – ja, so ist es manchmal im Leben, nichts läuft wie geplant.
Manches ist natürlich auch etwas unglaubwürdig, doch gehen wir ins Kino, um uns den Alltag von Frau Meyer oder Herrn Krause anzuschauen? Sicher nicht.

Als zum Schluss Hilary Swank und Adam Driver zusammen ein Bier trinken und sich schöne Augen machen, riecht es nach einer Fortsetzung.

Die ist mir immer noch lieber als irgendein Remake, zum Beispiel von „Flatliners“. Schlimm genug, dass hervorragende Filme wie die skandinavische Krimitrilogie mit Naomi Rapace nach kurzer Zeit neuverfilmt werden, bloß weil in den USA die Zuschauer nicht daran gewöhnt sind, synchronisierte Filme anzuschauen oder gar untertitelte.

Der Urfilm „Flatliners“ spielte mit der Grenze von Leben und Tod und Elementen den Schreckens. Okay, Filmgeschichte, hat man gesehen, abgehakt. Aber noch einmal?

Dann lieber eine Fortsetzung von dem Klamauk (im positiven Sinne), den Logan-Glück-im-Unglück darstellt.
Dagegen spricht, dass es sich um eine Buchverfilmung handelt.

„Logan Lucky“ spielt in North Carolina und West Virginia

Für den Film spricht, dass die Gegend in den USA, wo er spielt, North Carolina und West Virginia, zu selten im Film gezeigt wird und mal die Ausmerksamkeit in eine andere Richtung lenkt. Kalifornien und immer wieder New York flimmern meist über die Bildschirme und Leinwände, das kann irgendwann auch einseitig werden. Unser Planet ist zu groß, um nur ein paar Ecken zu zeigen.

Viele gute und sehr gute Filme wurden im Fernsehen noch nie gezeigt. Wie wäre es mal mit einer Reihe „Filme von Debra Granik“?
In „Winter’s Bone“ wird auch eine Gegend gezeigt, in der vorwiegend Weiße leben, die unterdurchschnittlich viel verdienen (Südmissouri). Ohne Berlinale hätte es der Spielfilm vielleicht nie nach Deutschland geschafft. Und dass, obwohl Jennifer Lawrence mitspielt, der Mockingjay-Silver-Linings-und-und-Superstar.

Soderbergh, der außer „Magic Mike“ (2012) und „Haywire“ (im selben Jahr) vor allem „Ocean’s Eleven“ ff. drehte (2001, 2004, 2007), passt zu einem gut geplanten Coup. Ein Verbrechen wie ein fast undurchführbarer Raub erfordert Planung. Ein Spielfilm erfordert Planung. Doch außer den Schauspielern ist an einem Film eigentlich alles planbar, zwar nicht vorhersehbar, doch bestimmbar. Wenn das Geld da ist, kann eine Szene beliebig oft gedreht werden, bis zum 27. Take. Zufälle glaubwürdig einzubauen, kann man planen.

Dass trotz eines guten Buches und Drehbuches manches trotzdem unglaubwürdig wirkt – who cares?
Das Leben schrieb viel unglaubwürdigere Geschichten. Einige sind sogar verfilmt worden.

Man kann bei einem Krimi und einer Actionkomödie keinen gesetzestreuen Film erwarten. In jedem Tatort sterben Menschen. So ist das eben heute.

Aber nach „Logan Lucky“ hat man ein beschwingtes Gefühl, schöpft irgendwie Hoffnung, hat gelacht oder wenigstens die Mundwinkel oben gehabt. Das kann man nicht bei jedem Film heute sagen.

Dieser Film ist kein Muss, kein „Captain Fantastic“, aber irgendwas hat man schon verpasst, wenn man nicht da war.

Riley Keough überzeugt als der wilden Brüder Schwester Mellie, die einiges in die Hand nehmen kann.

Katie Holmes ist selbstsicher dabei.

Hilary Swank ist wie immer sehr gut, reicht von der Rolle her (nicht wegen ihres Spiels) nicht an Frances McDormand als Ermittlerin in „Fargo“ heran (1996), aber es gibt einen entfernten Anklang einer Parallele.

Allein der entzückenden Katherine Waterston beim Flirten zuzusehen mit dem Halbtrottel, den Channing Tatum spielt, wäre ein Grund hinzugehen.


Der andere Driver

„Baby Driver“ würde ich wohl insgesamt vorziehen, doch das ist Geschmackssache. Es kommen heute so viele Filme ins Kino, dass man sich schon beeilen muss, sie anzuschauen, bevor sie wieder aus dem Programm geworfen werden.
(Zudem, wenn sie, wie Baby Driver, statt am 31. August zu starten, schon im Juli anlaufen und man urlaubsbedingt Terminprobleme bekommt.)

„Logan Lucky“- Regie: Steven Soderbergh, mit: Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig, Riley Keough, Katie Holmes, Hilary Swank, Seth MacFarlane, Katherine Waterston u.v.a.

Kinostart: 14. September 2017

FSK ab 12 Jahren.

Unter anderem hier im Kino:

Berlin:
– Cinemax Potsdamer Platz z.B. 17.10 und 20.20 Uhr
– Cinestar Treptower Park und Tegel
– Colosseum, Schönhauser Allee
– Cubix am Alex ab 8. Oktober 2017
– Uci-Kinowelt Gropiuspassagen, Johannisthaler Chaussee 295
– Zoo-Palast

– Babylon, Dresdner Straße, Originalversion (analog)

Bochum:
– Uci Cineworld Ruhrpark

Boizenburg:
– Kino Boizenburg, Reichenstraße 19 (DF)
19.30 Uhr

Borken:
– Cinema

Celle:
– Kammerspiele

Dortmund:
– Cinestar, Steinstraße 44 (DF)

Dresden:
– KIF Kino in der Fabrik, Tharandter Straße 33
– Ufa-Kristallpalast, Sankt-Petersburger Straße 24a

Düsseldorf:
– Metropol
Uci-Kinowelt

Göttingen:
– Cinemaxx, ab 6. Oktober

Kiel:
– Cinemaxx

Ludwigshafen:
– Cinestar

Mannheim:
Cinemax

Neubrandenburg:
– Cinestar, ab 6. Oktober

Oranienburg:
– Filmpalast, Berliner Straße 40, ab 6. Oktober

Recklinghausen:
– Cineworld

Rendsburg
– Schauburg, Schleifmühlenstraße 8

Rietschen:
– Kino-Café

Schleswig:
-Filmtheater Capitol

und viele andere!

(Alle Angaben ohne Gewähr.)

Inhalt (Spoiler)

Die Brüder Jimmy und Clyde Logan werden vom Pech verfolgt. Während der impulsive Jimmy (Channing Tatum) einen Job nach dem nächsten verliert, wird Barkeeper Clyde (Adam Driver), der nur einen Arm hat, oder ist es die Hand?, immer wieder schikaniert. Und dann wären da noch die Geldsorgen. Aber Jimmy hat eine brillante Idee, die den beiden aus der misslichen Lage helfen soll: Ein Raubüberfall im großen Stil! Das prestigeträchtigste und legendärste NASCAR-Rennen der Welt auf dem Charlotte Motor Speedway in Concord, North Carolina bietet scheinbar die perfekten Voraussetzungen für einen cleveren, unterirdischen Raubzug! Die Brüder brauchen unbedingt einen Safeknacker, den berüchtigten platinblonden Safeknacker des Landes: Joe Bang (Daniel Craig) – der sitzt allerdings noch im Gefängnis. Während der Planung des großen Coups tauchen immer neue Hindernisse auf, doch gemeinsam mit ihrer Schwester Mellie (Riley Keough) setzen die beiden Brüder alles daran, ihre lebenslange Pechsträhne endlich zu beenden…




Endspurt der italienischen 72 Stunden. 7 von 52 Berliner Orten für authentisches Essen – ein Sonntagsausflug!

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 52 Ziele in rund 3 Tagen – das wird natürlich kaum jemand vollständig versuchen, bedeutete es doch, im Durchschnitt 17 Lokale pro Tag zu besuchen. Oder anders gerechnet: Bei 20 Stunden Fahrtzeit (weniger als eine halbe Stunde pro Ziel, auch ohne Taxi machbarer als die 80 Tage um die Welt zu seiner Zeit) bleibt eine ganze Stunde zum Verweilen je Gaststätte. Rechnerisch, denn keine ist rund um die Uhr geöffnet.

Deshalb hier ein halbes Dutzend Adressen, damit man sie nicht erst suchen muss – als Tour zusammengestellt.
(Mit der BVG bzw. U-Bahn. Ortskundige, Navi-Nutzer und Taxikunden haben das Ziel schon gefunden.):

Wie beginnen zentral und touren dann spiralförmig im Uhrzeigersinn durch die Bezirke Tempelhof-Schöneberg, Mitte, Kreuzberg-Friedrichshain und Neukölln.

Auch die Fugger kamen rum: Trattoria a’Muntagnola

Der Anfangspunkt liegt in Ku’damm-Nähe. Schon der Gründer des KaDeWe, dass in der reichsten Stadt Preußens lag (Charlottenburg), wusste, was eine gute Lage ist: Der Wittenbergplatz.
Die U-Bahnlinien 1,2,3 und viele Busse sowie die Nähe des Fernbahnhofs Zoo machen ihn gut erreichbar. Vom KaDeWe gehen wir rechts in die Bayreuther Straße und ihre Verlängerung nach Süden, die Welserstraße. Dort befand sich das Berlinale-Kino „Arsenal“. Nach links in die Fugger liegt bald auf der rechten Seite die gesuchte Trattoria.
Dort erwartet uns eine freundliche Gastwirtin (siehe Bild) mit ihrer Familie.
Es ist täglich geöffnet, die Küche von 17-24 Uhr.

Trattoria a’Muntagnola, Fuggerstraße 27, 10777 Berlin, Tel. (030) 2 11 66 42 www.muntagnola.de

Parma (di Vinibenedetti) in Wedding

Je nachdem, wir satt wir sind, fahren wir jetzt in den Wedding, (Zurück zum Wittenbergplatz, mit Bus 46 zum Zoo, oder mit der U2; oder mit der U1/U3 bis Kurfürtendamm oder Spichernstraße; jedenfalls zur U9, dort umsteigen Richtung Osloer Straße bis Leopoldplatz.)
Parma, wo der Schinken herkommt, liegt im Norden Berlins nördlich des U-Bahnhofs Leopoldplatz in der Utrechter Straße 31 in 13347 Berlin (Ecke Malplaquetstraße, die vom Platz als Abkürzung hierherführt). Tel (030) 49 08 98 85 .

Weiter ginge es zurück zum „Leo“ und dann mit der anderen U-Bahn-Linie, der U6 Richtung Alt-Mariendorf bis zum S-Bahnhof Wedding. Dort in die Ringbahn S41 bis Ostkreuz. (In Fahrtrichtung hinten aussteigen.)

[Lässt man das „Parma“ aus, fährt man vom Wittenbergplatz mit dem 46er oder der U2 Richtung Ruhleben zum Zoo und von dort mit der S-Bahn bis Ostkreuz.]

Der Ausgang Richtung Sonntagstraße (!) führt automatisch rechts in die Neue Bahnhofstraße. Die 7b an der nächsten Ecke ist unser Ziel. An der Ampelkreuzung mit der Boxhagener Straße liegt rechts, also diagonal gegenüber der Bäckerei „Süß“, die Trattoria Napoletana „Jamme Ja“.

Jammeja statt Jamaica in Friedrichshain

JammeJa bietet italienisches „Street Food“ (Essen an der Straße?) aus Neapel und Catering. Info und Reservierung Tel. (030) 49 08 18 04 (eine fast achsensymmetrische Nummer, in der nur die 9 an zweiter Stelle stört).
www.jammeja.de
(Die Haltestelle der Straßenbahnlinie 21, gleichzeitig Bushaltestelle des 240ers, heißt „Neue Bahnhofstraße“.)

Zurück zum Bahnhof Ostkreuz von dort mit S- und U-Bahn zum Bahnhof Schönleinstraße.
Je nachdem, was früher fährt, gibt es zwei Möglichkeiten. Gleich unten am Gleis mit der S7 und 75 bis Jannowitzbrücke, dort in die Ubahn Richtung Hermannstraße bis Schönlein-.
Oder: Mit der Ringbahn S 41 bis S- und U-Bahnhof Hermannstraße und dort in die U-Bahn, die dort nur in eine Richtung fährt, ebenfalls bis U Schönleinstraße.
Das dauert etwa 20 Minuten.

Jetzt zum Wasser: Zur Kottbusser Brücke und dann am Maybachufer entlang zur Nummer 21.

Ammazza che Pizza – frei übersetzt: „Was für eine Pizza!“

Das 7-Euro-Angebot gibt es auch in der Pizzeria Romana „BY D. & J. Gravina“,
Maybachufer 21, 12047 Berlino. Tel (030) 89 61 65 56.
Der Chef verspricht Sooo eine tolle Pizza.

Vielleicht ist man ja auch schon für den Nachtisch reif, dann gleich zum U-Bahnhof Boddinstraße U8. Von dort führt ein 12minütiger Fußweg von 740 Metern Richtung Westen, Richtung Flughafen Tempelhof (in die Nähe der nördlichen Landebahn).

Der Weg soll lohnen, denn das nächste Angebot ist namentlich erste Sahne.

Hausgemachtes ohne Gluten: Erste Sahne!

Vom Bahnhof Boddinstraße nicht in selbige oder die Rollbergstraße, wo das neue Kino ist, sondern auf der Westseite der Hauptstraße (der Hermannstr.) in die Selchower Straße. Benannt nach dem Ort, der vom Möchtegern-Flughafen BER umschlossen wird. Die nächste links in die Weisestraße, dann rechts in die Herrfurthstraße. Nach ein paar Schritten ist man am Herrfurthplatz, einer Perle des Schillerkiezes mit der Genezarethkirche und dem Café Selig.
Selig oder stolz wie Oskar kann man nun links in die Schillerpromenade einbiegen, über den Mittelstreifen promenieren. Bis zur nächsten Ecke, dort rechts in die Kienitzer 116, das ist gleich das zweite Haus von der Ecke, an der das Promenaden-Eck ist.

Die Konditorei Erste Sahne ist ein wenig anders, gut anders.
Ein schöner Name, eine außergewöhnliche Visitenkarte in einem doppelt großen Format; ein Spiel mit lateinischen Buchstaben.
Das Café Erste Sahne Otium wird Otivm geschrieben, als sei der Name in Stein gemeißelt. Das Versprechen: „Bei erste Sahne ist alles nur aus den besten Zutaten und ohne Gluten hausgemacht.“ „Deswegen haben wir keine Cola…“ „Was noch?! Äh, ja! Mehr Infos auf www.otivm.de .“ Wenn die Leckereien so frisch sind wie die Eigenwerbung, dann nichts wie hin.
Angenehm auch der längere Fußweg, einige Kalorien verschwinden wieder und Dr. Siegfried Block empfahl in seinen Büchern 5 Kilometer Fußweg pro Tag. 2 x 740 zum Bahnhof Boddinstraße sind nur anderthalb km.

Jetzt ein Eis?

Noch ein Eis? Wer zur letzten Station zu Fuß laufen will, geht die Schillerpromenade zurück und an der Kirche weiter geradeaus in die Fontanestraße, dann Karlsgarten- und Wissmannstraße zum Hermannplatz, weiter nach Norden über Kottbusser Damm, Brücke und Straße zum Kottbusser Tor und dann an der Hochbahn entlang bis zur Skalitzer Straße 77.

(Mit der U-Bahn geht’s von der Boddinstraße Richtung Wittenau bis Kottbusser Tor, dort umsteigen in die U1 Richtung Warschauer Straße bis U-Bhf. Schlesisches Tor. Die gesuchte Adresse ist direkt an der Hochbahn.)

Duo – im heißen Sizilien und in Kreuzberg gibt es Eis

Sizilianisches Eis hat hier Tradition seit 1972, als das hier West-Berlin und Kreuzberg 36 war (nach der Postzustellbezeichnung SO 36 für Südost). Antonio Tomasello ist heute unter der Postleitzahl 10997 erreichbar und hat eine Website (duoicecream.de), sonst hat sich nicht zuviel geändert in 45 Jahren. Doch: Die Telefonnummer ist eine Handynummer (01577 9527020).

Nach diesem leckeren (Sonn-) Tag eilt man nach Hause. Warum ging die 72 Stunden-Aktion eigentlich nicht noch 48 Std. länger?? Haben die Italiener nichts von dem Brückentag und dem Feiertag der deutschen Einheit gewusst?

Der kombinierte Rundgang mit Rundfahrt geht vom Schöneberg (und ggf. Wedding) im Westen über Neapel im Osten (Jamme Ja) wieder in den „Westen“ nach Neukölln und Kreuzberg. Auch am 3. Oktober kann man seine private Tour der deutschen Einheit machen.
Eine Reise in die Vergangenheit und Zukunft, eine Reise in der Gegenwart und nach Italien, und vor allem – eine Reise in den Geschmack.

Lebens- und Nahrungsmittel aus dem Netz – nicht nur Fische

Wer zählen kann, ist klar im Vorteil. Das weiß nicht nur John Allen Paulos, der Autor von „Zahlenblind“. Wieviele Gaststätten wurden bis hierher vorgestellt? Sechs. Wieviele sind in der Überschrift versprochen?

Aus Datenschutzgründen kennen nur Sie das siebte Siegel, pardon Ziel, denn das ist Ihre persönliche Anschrift.

Es gibt genug Gründe, das Haus nicht zu verlassen.
Heute regnete es. Und der Himmel sieht immer noch grau aus.
Wir waren schon beim Gottesdienst und wollen nicht wieder hinaus.
Vergangenen Sonntag waren wir doch schon draußen, da mussten wir wählen und Tegel retten.
Nicht schoon wieder vor die Tür.
[Aufzählung unvollständig.]

Okay, capito.

Dafür gibt es Lieferdienste. Auch für die, die keine heiße Pizza im Karton möchten, sondern selbst kochen.

Außer Konkurrenz nimmt Quomi an der Aktion „72 hours“, der „Azione“ teil. Das ist ein Netzdienst für Leute, die nicht einkaufen wollen, keine Zeit haben oder nicht wissen, wo sie die Zutaten für ein bestimmtes Gericht herbekommen. So etwas ist auch in der Bundesrepublik bekannt.

Das Unternehmen sitzt in Italien und beliefert den dortigen Markt: Man suche eine Speise aus, klicke auf „bestellen“ und erhält dann alles, was benötigt wird, um das Entsprechende zuzubereiten.
Dazu muss natürlich eine Lieferinfrastruktur vorhanden sein und der Abstand zwischen Lebensmittel und Empfänger nicht zu groß.
24 Stunden soll die Lieferzeit betragen, das ist im Ausland nicht zu garantieren, außer vielleicht in Nizza – übrigens ein italienisches Wort – und Laibach, Klagenfurt, Zagreb, Rijeka, Innsbruck, Vaduz, Lausanne, Grenoble, Aix, Avignon – kurz: in grenznahen Bereichen.

Für Berlin als erster deutscher Stadt wird jetzt ein solcher Dienst in einem Drittel von 72 Stunden garantiert. Sollte es in der deutschen Hauptstadt gut laufen, ist eine Ausdehnung auf andere Regionen geplant.

Das letzte Wort ist ein „quote“ (englisch für Zitat) von Quomi in true Italian authentic words. Da sieht man gleich mal, wie gut man italienisch kann. Vielleicht viel besser als man dachte. (Die ersten beiden Wörter bedeuten ’saisonale Rezepte ‚ und liegen damit voll im Trend.)
Ricette stagionali ed ingredienti freschi dall’Italia direttamente a casa tua.




Es ist der Horror! Meiden Sie die Kinos, ab 28. September kommt der Schrecken in Form von Stephen Kings S…

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Bücherregale sind schon lange nicht mehr sicher vor ihm, die Videotheken auch nicht. Nun steht der neue Horror vor der Tür. Gerade eröffnete er das Fantasy-Film-Fest, das unter dem Motto Fear Good Movies keine Feelgood-Movies anbietet, sondern Fantasy und Blutigeres.

Auf dem Umschlag seiner Bücher, die gern mal in rot-schwarz oder grün-schwarz gehalten sind, steht schon mal eindeutig, worum es geht: „Der Alptraum beginnt …“, heißt es zum Beispiel auf dem Cover von „The Green Mile“. Bei „Es“ steht zur Erläuterung auf der Rückseite des Bandes: „Das Böse in Gestalt eines namenlosen Grauens“.
Die deutsche Übersetzung von „It“ – man beachte das kleine ‚t‘, das ‚Ei-ti‘ gesprochene „IT“, dass neumodisch denglisch nichts anderes als EDV bedeutet, besteht aus zwei Großbuchstaben – erschien bereits 1990.
Rechtzeitig zum Kinostart spendiert der Heyne-Verlag für seine Taschenbücher einen leicht abziehbaren Aufkleber „Jetzt im Kino“.
Bill Skarsgard spielt im Film den Clown Pennywise.

Doch langsam, denn so einfach ist es nicht. Die deutschsprachige TB.-Ausgabe aus den 80er Jahren, die im Jahr der Wiedervereinigung erschien, war gekürzt.
Erst 2011 erschien im März die neubearbeitete, erstmals vollständige Taschenbuchausgabe. Vielleicht wollte man angesichts des Majakalenderdatums 2012 rechtzeitig sein, sonst wäre das Buch vielleicht nie erschienen …

In diesem Jahr 2017 wurde das dicke Büchlein wiederaufgelegt. Der Umschlag dieser 2. Auflage wurde von Nele Schütz Design in München gestaltet – unter Verwendung eines Motivs von Warner Bros. Die Urheberrechte des farbigen Motivs – ein Kind mit blauer Hose, Gummistiefeln und einer knallgelben Regenjacke – liegen dementsprechend bei Warner Bros. Entertainment Inc. Falls Zweifel entstehen, steht das auch noch einmal auf englisch dort: All Rights reserved. Und zwar für das „Motion Picture Artwork“. Den Hinweis finden wir im Impressum und auf dem Umschlag des Heyne-Taschenbuchs.
Genannt auch: „Das Buch zur großen Neuverfilmung“.

Die multimediale Verflechtung in Zeiten, da sich (fast) jeder freiwillig ein Handy oder ein Smartphone kauft, führt dazu, dass hinten auf dem Umschlag so ein hässlicher, schwarzweißer QR-Code prangt, der einem den Trailer zum Film verheißt. Wer eine Flatrate hat und Empfang, kann also gleich, das Buch noch in der Hand, den Trailer anschauen.

Wer bis hierhin alle englischen Wörter verstanden hat, dem machen weitere Hinweise im Impressum nichts aus. Der Wälzer mit 1533 Seiten (!), den man, sollte man es denn lesen, also lange nicht aus der Hand legen wird, ist „Printed in Germany“. (Die Druckerschwärze für das Wort „Western“ wird seit zweieinhalb Jahrzehnten eingespart.) Genauer gesagt in der Druckerei C.H.Beck in Nördlingen, wo auch die Bindung erfolgte. Der gute alte Wilhelm-Heyne-Verlag, der sich selbst Wilhelm Heyne Verlag schreibt – eine Unart, mit der Verlage vor einem Jahrhundert begannen – ist übrigens keine GmbH und auch kein ganz deutsches Unternehmen mehr, sondern Teil der Verlagsgruppe Random House GmbH. Immerhin: beider Sitz ist München.
Die Originalausgabe erschien bei Viking Press, New York. Aus dem amerikanischen Englisch ins Deutsche übersetzt von Alexandra von Reinhardt und Joachim Körber. Bearbeitet und teilweise neu übersetzt von Anja Heppelmann.
Geschrieben von 37 Jahren in Neuengland: „Dieses Buch wurde am 9. September 1981 in Bangor, Maine begonnen und am 28. Dezember 1985 in Bangor, Maine, beendet.“

Mehr als vier Jahre hat der Verfasser – mit Unterbrechungen – an diesem Werk gesessen. Manch einer braucht genauso lange, um 1500 Seiten zu lesen.

So weit es King in seinem Beruf gebracht hat – ob der Familienname half? – und so weit, wie die Phantasie mit ihm durchging, so bodenständig ist er in der Nähe seines Geburtsortes geblieben. Gerademal 129 Meilen sind es über die Interstate 95 von Portland, Maine nach Bangor, wo der Schriftsteller zusammen mit seiner Frau Tabitha King immer noch lebt. Man braucht noch nicht einmal den Bundesstaat zu verlassen und beide Orte sind Hafenstädte. King stiftete Bangor ein Sportstadion und besitzt drei kleine Rundfunksender. Viele von Kings Geschichten spielen hier oder haben einen Bezug zu der 30.000-Einwohner-Stadt, die 1853 gegründet wurde und im 18. Jahrhundert Sunbury hieß.

Auf dem schiffbaren Fluss, der zwischen Bangor und seiner Nachbarstadt Brewer liegt, verkehren Eisbrecher, 90 Kilometer vom offenem Meer entfernt.

Eisig wird es einem auch beim Einsteigen in Kings Geschichten. Der Konsum will also gut überlegt sein. Denn tausende andere Bücher warten darauf, gelesen zu werden. Berücksichtigt man die Tatsache, dass man von 100.000 Büchern, die jährlich auf der Frankfurter Buchmesse neu erscheinen, in seinem Leben nur einen Bruchteil lesen kann, will es doppelt gut überlegt sein.
Wem es darauf ankommt, wenigstens eine möglichst große Anzahl von Buchtiteln am Lebensende abgehakt zu haben, dem ist von der Lektüre ebenfalls abzuraten. Es sei denn, man liest so schnell wie Mao Tse-tung und im echten Leben mangelt es an Schrecken.




Jung, frisch, philharmonisch und klassisch. Ostseeklänge: Carl Nielsen, Sergej Prokofjew und Kaija Saariaho im Konzerthaus Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Werke von Saariaho, Prokofjew, Nielsen, so steht es auf der Eintrittskarte. Wer Sergej Prokofjew nicht kennt, für den war es höchste Eisenbahn und das Konzert ein Muss. Nielsen klingt zumindest nicht unbekannt, aber wer ist dieser Saariaho? Sprachkenntnisse sagen einem: Ein Finne. Vielleicht hilft das Programmheft weiter, dass am Eingang käuflich zu erwerben ist. Gleich zu Beginn steht im Programm unter „Programm“: Kaija Saariaho (geb. 1952), LATERNA MAGICA für Orchester. Erleichtert nimmt man das Geburtsdatum aus der Zeit der Koreakriegs zur Kenntnis. Nichts, dass man hätte kennen müssen. „Laterna Magica“ sagt einem schon eher etwas, aber Kaija? Wieder stößt man an die sanfte Wand der eigenen Unkenntnis.
Saariaho heißt mit vollem Namen Kaija Anneli Saariaho Der finnische Komponist ist eine Frau. Sie wurde am 14. Oktober 1952 in Helsinki geboren. Mit anderen Worten: In gut zwei Wochen feiert sie ihren 65. Geburtstag und ein Geschenk hat die Komponistin sicher: Dass ihre Musik im altehrwürdigen Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte gespielt wurde, an einem ruhigen, noch angenehm spätsommerlich-frühherbstlich warmen Abend. Dunkel genug, um ins Konzert zu gehen, warm genug, um nach dem Musikgenuss noch ein paar Bushaltestellen weit zu Fuß zu gehen, oder U-Bahnhöfe. Denn wer wollte sich nach einer so exquisiten Entspannung, die einem exzellente Musiker bescherten, schon in der deutschen Hauptstadt hinter das Steuer des eigenen Wagens setzen? Zudem man vorher lange einen Parkplatz hätte suchen müssen oder das Parkhaus für mehrere Stunden bezahlen.

Die jungen Musiker und Musikerinnen auf der Bühne haben alles, was ihre hauptberuflich tätigen Kollegen auch haben, außer vielleicht einen Tick Enthusiasmus und Begeisterung mehr, und vor allem fehlt ihnen manches, das als Fehlendes zur Tugend zählt.
Ihnen fehlt zwar wohl kaum der Ehrgeiz, doch vermutlich die Überheblichkeit, Hochnäsigkeit, die Starallüren, die Routine samt aller ihrer Nachteile, und auch das Ego scheint nch nicht so groß zu sein. Stattdessen spürt man bis in den Zuschauerraum hinein Freundschaft und Harmonie. Philharmonie.

64 Jahre, für eine Komponistin ist das wenig. Dirigent Jukka-Pekka Saraste, der bei der Stückauswahl naturgemäß ein Wörtchen mitreden konnte, hat die fast gleichaltrige Saariaho zurecht mit gepusht. Wäre Bach ein Unbekannter gewesen, hätte Karajan ihn trotzdem spielen müssen. Herbert von Karajan ist zugegeben Österreicher, doch das tut nichts zur Sache.
Übrigens: nebenbei gesagt ist Jukka-Pekka zwar ein eindeutig finnischer, doch kein seltener Name. Noch nicht einmal ein Name, an dem man das Geburtsjahrzehnt ablesen könnte, so wie bei dem in Deutschland den Namen Claudia zu Sarastes Geburtsjahr 1956 plus minus ein paar Jahre als typisch zuordnen kann.
Valkeapää, der Regisseur von Muukalainen (Der Besucher) und anderen Filmen, die einige Preise einheimsten und u.a. in Venedig zu sehen waren, ist Jahrgang 1977 und trägt denselben Vornamen.
Saraste wählte Saariaho nicht, weil sie etwa aus demselben Ort stammten. In China wäre eine derartige Solidarität normal.
Saraste wurde in der 20.000-Einwohner-Kleinstadt Heinola geboren. Die liegt zwar auch in Südfinnland, aber in der Nähe von Lahti und fast 140 Kilometer von der Hauptstadt Suomis entfernt.

Eine berechtigte Frage wäre, warum der Dirigent hier so eng mit der Jungen Deutschen Philharmonie zusammenarbeitet. In dem Zusammenhang ist es vielleicht gut zu wissen, dass er nicht nur Künstlerischer Leiter des Sibelius-Festivals in Lahti ist, 30 Kilometer von Heinola entfernt, sondern seit Beginn der Saison 2010/2011 Chefdirigent des WDR-Sinfonieorchesters Köln ist (bis mindestens 2019).

Zeitgenössische Musik lag ihm schon früh am Herzen. 1983 gründete er mit Esa-Pekka Salonen das Avanti Chamber Orchestra vor allem für genau diese Musik.

Dabei ist das kein Rückzugsort, keine Nische.

Sarastes Karriere kann sich sehen lassen. Nicht nur in Oslo war er der Hauptdirigent. Es scheint fast, als hätte er eine Vorliebe für Orte mit Os: Orchester in London leitete er ebenso wie das Toronto und Boston Symphony Orchestra. Doch er war auch in Mailand und Dresden, um nur einige herausragende Stationen zu nennen.

Auch der Name Carl Nielsen taucht in Sarastes Wirken zentral auf: Die Schallplattenaufnahmen des Dirigenten umfassen Gesamtaufnahmen der Sinfonien von Jean Sibelius, um den man in Finnland nicht herumkommt und Carl Nielsens (1865-1931). Der Däne aus Fünen starb in Kopenhagen. Im Konzerthaus hörte man nach der Pause die 4. op. 29 („Das Unauslöschliche“). Ein schöner Titel. Die Sätze: Allegro – poco allegretto – poco adagio quasi andante und letztlich wieder Allegro.

Für die Jugend auf der Bühne zweifellos geeignet. An einzelnen Stellen hatte man wirklich das Gefühl, dass der handwerkliche Aspekt des Musizierens, die Arbeit, hervortrat, so schnell fast sägeartig huschte der Bogen über die verschiedenen Saiteninstrumente.

Apropos: Ein schöne Geste des Dirigenten zum Schluss, als er nach dem Empfang der Blumen diese sogleich und entschlossen an eine hervorragende Bratschistin weiterreichte.

Von Sergej Prokofjew mit dem scharfen ‚S‘ wurde das Konzert für Klavier und Orchester Nr.3 gegeben (in C-Dur op.26). Warum Ostseemusik? Nun, nachdem das Zarenreich vor Jahrhunderten Schweden als europäische Großmacht besiegt hatte (Schweden gehörten und anderem Teile Norddeutschlands, so auf der Insel Rügen), war ein Zugang zum baltischen Meer geschaffen worden. Sehr wichtig für den „Mann mit den zugenähten Ärmeln“ wie das Riesenreich aufgrund des Mangels an eisfreien Überseehäfen genannt wurde.
Sogleich wurde St. Petersburg dort an der östlichsten Ostsee gebaut, Keimzelle zunächst die Haseninsel in der Newa, nach abgeschlossenem Städtebau wurde die Metropole zur Hauptstadt des gesamten Reiches bestimmt, obwohl ganz am Westrand gelegen. Prokofjew selbst stammt aus Bachmut in der Oblast Donezk, die eher am Asowschen und Schwarzen Meer liegt, und starb in Moskau. Der russische Komponist war auch ein brillanter Pianist. Prompt muss also ein Solist am Flügel Platz nehmen; in Berlin Nikolai Lugansky. Dieser angenehme Zeitgenosse mit dem Lächeln im Gesicht legte sich am Klavier mächtig ins Zeug und interpretierte Prokofjew angemessen. Viel Energie konnte man in die Pause mitnehmen. Ganz sicher ein, wenn nicht der Höhepunkt des Abends.

Lugansky, der Moskauer mit dem absoluten Gehör, arbeitete schon mit Neeme und Paavo Järvi, Kurt Masur und Kent Nagano zusammen, unter vielen anderen.

Stellvertretend für viele andere sehr gute Musiker im Orchester sei hier wenigstens ein Name genannt: Caroline Fischbeck. Die Violonistin ist in ihren Zwanzigern und hört wohl seit der Geburt Musik. Auch ihr Vater ist, vor allem in Halle, als Konzertmusiker tätig. Manchen wird es eben in die Wiege gelegt, was nicht bedeutet, dass der Fleiß fehlen darf.




Not macht erfinderisch. In dem Spielfilm „Kingsman – The Golden Circle“ wird wieder mal die Welt gerettet

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Donald Trump hatte Sorge, dass man ihn missverstünde. Deshalb kam die unmissverständliche Warnung an Nord-Korea und die Welt: Notfalls müsse das Land vernichtet werden.
Was dies mit dem neuen Kingsman-Film „The Golden Circle“ zu tun hat, möchte nicht verraten werden. Was der Spielfilm mit den ehrwürdigen englischen Agenten, die von besten Londoner Schneidern gekleidet werden, mit den USA zu hat?

In dem ersten Film ging es doch darum, dass der private Geheimdienst mit undenkbaren technischen Möglichkeiten die Welt rettet – und nicht die Vereinigten Staaten. Nur soviel sei verraten:

Der Hinweis steckt in der Liebe zum Detail, und manchmal sollte man sich entspannen, zurücklehnen, genießen – und alles bereits Gesehene noch einmal mit neuen Augen betrachten.

Das beste Versteck ist das, wo man schon nachgeschaut hat.

Und wenige Buchstaben können den Unterschied machen …

Vierzehntägig und Vierzehntäglich.

Resolution und Revolution.

Schein oder Schwein.

Der Grund, warum wir aus vielen Dutzend Fotos das obige auswählten, ist folgender: Es enthält einen entscheidenden Hinweis, wohin die Reise der Kingsmen diesmal geht.

Der Hinweis besteht nur aus zwei Buchstaben.

Sie finden diese in einer Ecke des Bildes eindeutig, aber unscheinbar.

Gute Reise!

„Kingsman – The Golden Circle“
Regie: Matthew Vaughn
Darsteller: Julianne Moore, Channing Tatum, Jeff Bridges, Taron Egerton, Colin Firth, Mark Strong, Sir Elton John, Halle Berry, Matthew Vaughn

Wie stark der Cast ist, mag sich daran vorstellen, dass Regisseur und Drehbuch es sich leisten können, ein Ausnahmetalent wie Channing Tatum einfach mal kurz fast bis zum Ende des Films aus dem Verkehr zu ziehen …

Länge: ca. 140 Minuten

Bundesweiter Kinostart: Donnerstag, 21. September 2017




Gute Musik und offene Ohren. OPEN HOUSE in der Heilig-Kreuz-Kirche mit den „Different Voices of Berlin“ und Jocelyn B. Smith

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Geht es um die Musik? Das Essen? Das gemeinsame Erleben? Am 16. 9. zur Prime Time – Samstagabend um 20 Uhr – gibt es ein tolles Event an einem zentralen Ort in Berlin, der bereits in vielen Konzerten seine gute Akustik bewiesen hat: Der Heilig-Kreuz-Kirche Zossener Straße am Blücherplatz neben der AGB am Halleschen Tor. Der Zentralbau mit der Spirale im Boden ermöglicht das Zuschauen und -hören nicht nur frontal, sondern auch von oben und seitlich; viele Nischen bieten Platz für ein Café, einen Büchertisch, gute Gespräche und vieles mehr.
Die Jazz-, Blues-, Gospel- & Spiritual- und ichweißnichtwasnoch-Sängerin Jocelyn B. Smith aus New York braucht man kaum noch vorzustellen. Die Königin der Löwen sang sich am Brandenburger Tor in die Herzen der Deutschen und ist immer wieder mal on tour – allein, mit Volker Schlott oder anderen. Sie singt so, dass vielen der Mund offensteht, spielt am Flügel, schreibt selbst ihre Lieder, arrangiert und und und. Die Chöre 4bridges und „Different Voices of Berlin“ gründete sie nach 2000, über „Körper Geist Seele“ suchte sie damals Mitglieder. Letztlich möchte sie Gutes tun, mit ihrer Stimme, ihrem Wirken, ihrem Einfluss, zum Beispiel beim Kampf gegen Landminen, die weltweit viele spielende Kinder verstümmelten.

Der integrative Chor „Different Voices of Berlin“ stand nicht nur beim Karneval der Kulturen und in Kirchen auf der Bühne, auch beim Fernsehgottesdienst, sondern auch zum Beispiel vor Bundesministerin Ursula von der Leyen. Wohnungslose und Wohnungsbesitzer dürfen mitsingen, Arme und Reiche.

Am Samstag ist der Eintritt frei, es darf aber gespendet werden. Die Spenden gehen zugunsten des Zentrums Gitschiner 15, benannt nach der Hausnummer in der Gitschiner Straße an der Hochbahn der U1. Malen und Musik machen kann dort auch der, der sich Leinwände und Farben oder Musikinstrumente und den Unterricht nicht leisten kann. Schön auch der Untertitel: „Zentrum für Gesundheit und Kultur …“, etwas Positives steht im Vordergrund, die Anti-Haltung kommt erst danach: Zentrum gegen Ausgrenzung und Armut.

Zum Teil selbstgeschriebenes Repertoire

Musikalisch wird schon mal der eine oder andere Gassenhauer vorgetragen, der gute Laune bringt.
„Von Geburt an beginnt das Erlebnis …“, so beginnt „Der ewige Kreis“, ein Song aus dem Hamburger Musical „König der Löwen“. Different Voices ist der erste Chor, der das Lied singen durfte.
Auch Lieder von Jocelyn B. Smith durften mitunter vorgetragen werden, doch baut der Chor urheberrechtsmäßig sicher sein Repertoire aus: Bereits mehrere Lieder wurden selbstgeschrieben. Wer weiß, ob dieses Mal wieder etwas Neues auf dem Programm steht.

Auf jeden Fall musikalisch ein Genuss; dass leibliche Leckerbissen auch serviert werden sollen, wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen, aber tut doppelt gut, wenn auch Gäste da sind, die sich wieder einmal richtig satt essen können.
Und offene Ohren haben bestimmt nicht nur die Zuhörer, sondern auch die Leute vor Ort.

Als Gast ist die Sängerin Johanna Amelie mit Gitarre angekündigt.

Eine gute Veranstaltung zur richtigen Zeit. Am Ende der warmen Jahreszeit droht die kalte und vorsorgen ist besser als frieren lassen.

Wer ausschließlich aus musikalischen Gründen kommt, wird trotzdem auf seine Kosten kommen, dafür haben der Chor und seine Leiterin Jocelyn B. Smith bisher immer gesorgt.