Jocelyn im Glück! Jocelyn B. Smith erhält vom Berliner Rundfunk 91,4 die Weihnachtsüberraschung für ihr Wirken mit den Different Voices of Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Selten hab ich Jocelyn B. Smith so glücklich gesehen. Forschen Schrittes kam sie über den Bürgersteig der Gitschiner Straße vor der Hausnr. 15, mit einem schönen Blumenstrauß in der Hand. Doch das allein kann nicht der Grund gewesen sein, erhält die Künstlerin doch nach fast jedem Konzert (mindestens) einen Strauß – und die Anzahl ihrer Konzerte ist Legion. Was also war passiert? Natascha ist schuld.

Initiatorin Natascha

Sie ist aus Steglitz, Mutter – und sie singt. Damit hat sie mit Jocelyn B. Smith schon mehrere Dinge gemeinsam. Natascha singt im Chor mit Namen Different Voices of Berlin, den Frau Smith leitet. Zusammen gab es schon viele besondere Auftritte, zum Beispiel am Brandenburger Tor, vor Bundesministerin Ursula von der Leyen, als diese noch das Amt in einem anderen Ressort bekleidete, oder auch bei Wohltätigkeitsveranstaltungen wie dem Open House in der Heilig-Kreuz-Kirche „Ein Konzert für alle – mit und ohne Dach über dem Kopf“ oder einer Weihnachtsfeier für Arme und Obdachlose.

Singer-Songwriter

Der Chor bildet eine Art Familie und macht vieles zusammen; Lieder schreiben gehört dazu. Die „Different Voices“ sind mit Jocelyn B. Smith schon vor Jahren unter die Songwriter gegangen, singen Lieder, die sonst nirgends zu hören sind und schaffen es durchaus, eine halbe oder Dreiviertelstunde aufzutreten, ohne ein einziges Mal auf fremde Texte oder Musik zurückgreifen zu müssen.

Die Weihnachtsüberraschungen des Berliner Rundfunks

Zu Weihnachten möchte der Berliner Rundfunk Berliner ehren und ihnen Gutes tun, die sich ständig engagieren, ohne daraus viel Hehl zu machen. Um von diesen heimlichen Helden zu erfahren, muss sie natürlich jemand vorschlagen – woher soll der Sender sonst von denen wissen, die unter dem Radar Gutes tun. Zum anderen wird dem Berliner Rundfunk 91,4 damit natürlich Arbeit abgenommen, doch davon bleibt genug übrig: Eine Auswahl muss getroffen werden, wer denn wirklich jetzt in Frage kommt und den Preis erhalten soll, Telefonate müssen geführt werden, eine Recherche stattfinden, die Tatsachen überprüft werden, ein Termin gefunden werden und letztlich eine Mannschaft zum Treffpunkt.

Berlin sagt „Danke!“

Das Ganze läuft beim Berliner Rundfunk unter dem Motto „BERLIN SAGT DANKE“.

Der Sender meint: Wir sind immer wieder überwältigt von den vielen Berlinerinnen und Berlinern, die sich bereit erklären, anderen zu helfen. Das geht sicher nicht nur uns so.“ Deshalb kann man im Funkhaus anrufen oder online einen Fragebogen ausfüllen unter www.berliner-rundfunk.de/. Dort steht in der Adventszeit: „Wir möchten von Ihnen wissen: Wer ist Ihr ganz persönlicher Held, Ihr Alltagsengel, der immer wieder hilft, und das ganz selbstverständlich?
Wer setzt sich für andere ein, packt Dinge an und engagiert sich selbstlos – in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft oder bei ganz unbekannten Menschen? Gibt es jemanden in Ihrem Umfeld, der sich ehrenamtlich engagiert?“

Vielleicht haben Sie das auch schon mal im Radio gehört: „Diese Menschen, die Helden des Alltags, wollen wir überraschen und zu einem exklusiven Weihnachtsessen einladen. Damit sagen wir zusammen mit Ihnen „Danke“!“

Die Sonne scheint

Nachdem diese Vorarbeit geleistet wurde und noch eine Menge zu tun sein wird – für die Gastgeber und die Köche – geht es in medias res: Janette, die Radiomoderatorin, trifft Natascha einen Steinwurf vom Geschehen entfernt. Nachdem alles Wichtige besprochen ist, geht man auf Sendung und der Überraschung entgegen. Mit Mikro, Kabel und Techniker. Natascha mimt den einheimischen Führer (‚location scout‘:).

Man hört, wie das Team eine Treppe hinansteigt. Von Ferne musikalische Klänge. Beim Näherkommen stellt sich heraus: Es ist ein gemischter Chor, der probt. Es erklingt „Ich wünsche Dir“ „vom Glück das Empfinden …“ mit einem Text der Künstlerin Mechthild Korn. Manche Wünsche gehen schneller in Erfüllung, als man denkt! Wie passend; wenn das kein Zufall ist!

Ein Rundfunkbeitrag nacherzählt

Janette platzt herein, unterbricht die Probe und erklärt für Hörer und überraschte Chorleiterin gleichzeitig, warum sie hier sind, dass Natascha sich gemeldet hätte, im Namen aller Mitglieder. Dass Jocelyn als Heldin ausgewählt worden sei. O-Ton Jocelyn: „Ich bin geflasht!“ Dass einfach mal die gewürdigt werden sollen, die es verdient haben, weil sie selbstlos tätig sind. Und dass sich der „Berliner Rundfunk 91.4“ mit einem Essen bedanken will, weil man wolle, dass sich Jocelyn B. Smith einfach mal einen schönen Abend mache. Sogar singen würden die Mitarbeiter des Senders, doch Jocelyn könne sie gern anleiten.

„Das können wir besser machen“

Jocelyn Schlusswort: „Mir sind friedliches Miteinander und Toleranz sehr wichtig; als Mutter („Mom“), als Musikerin, als Mensch. Und das können wir besser machen.“

Link: https://www.berliner-rundfunk.de/programm/berlin-sagt-danke/

Neue Berliner Rundfunk GmbH & Co. KG, Grunewaldstraße 3, 12165 Berlin, Telefon: (030) 201 91 400




Festival "Around the World in 14 Films" in Berlin.

Mehr als 14 … Blicke über den Tellerrand. Das Film-Festival „Around The World In 14 Films“ als Schlüssel zur Welt

Around The World In 14 Films“. Berliner kennen auch die Französische und Russische Filmwoche sowie die italienische, die sich als „Italian Film Festival“ bewirbt, um nur die Filmfestspiele der jüngsten Zeit zu nennen. Alle diese Länderreihen wie Mexiko Scope und Hellas-Filmbox sind sehr gut und nötig, auch die länderübergreifenderen wie das Kurdische Filmfest und das JFFB. Sie ermöglichen den Einblick in das Filmschaffen einer spezifischen „Industrie“, um einmal das hässliche, unlängst aus dem Amerikanischen eingedeutschte Wort zu benutzen.

Der Vorteil der Länderreihen

Sie lassen innerhalb eines Landes wie der Französischen Republik oder der Russischen Föderation Quervergleiche zu. Sie ermöglichen Dolmetschern kurze Wege. Es ist leichter Festivalgäste, die vielleicht in mehreren Streifen mitgespielt haben, einzuladen. Patriotismus und die nationale Fluglinie, wenn sie denn die Liberalisierung des Luftlinienmarktes überlebt hat, helfen bei der Finanzierung der Anreise und früher auch bei dem Transport der 35-mm-Kopien.

Ganz besonders ist es, wenn ein Festival untertitelte Filme gebiert. Das griechische Filmfest Hellas-Filmbox, das aufgrund geringen Budgets gerade in der Anfangszeit viele Mitarbeiter mehrerer Nationen zusammengeschweißt hat, hat dieses Jahr eine Herkulesaufgabe gestemmt: Alle Filme waren untertitelt. Meist auf deutsch.

Die Mehrheit der Filmwerke lag aber nur in der Originalversion vor. Es wurde also nicht nur das (kulturelle) Miteinander gefördert, sondern neue OmU-Versionen erschaffen; vieles davon ehrenamtlich bzw. ohne Honorar, aber von guter Qualität. Zweisprachigkeit ist der Schlüssel zum Verständnis der Völker. Man denken nur an den  Rosetta Stone, den Stein von Rosetta, der ein ganzes Alphabet entzifferbar machte.

Auch können Kunst- und Photoausstellungen ein solches Filmfest wunderbar abrunden und ergänzen, man denke an die Hellas-Filmbox 2017 oder das Italian Filmfestival „Tuscia-Filmfest“, das flankiert wurde von einer kleinen, feinen Ausstellung von Drehorten der norditalienischen Region.

Zuletzt können auch griechischer Wein, italienische und polnische Spezialitäten, die ohnehin in den Spielfilmen abgelichtet werden, zu einem guten Gesamterlebnis beitragen. Doch wenn man nicht nur sehen will, was bei Filmpolska auf den Teller kommt, hilft ein Blick über den Rand.

Der Blick über den Tellerrand Land

Die Berlinale und die Filmfeste Hamburg und München versehen die deutschen Millionenstädte mit internationalem Flair. Besonders in der bayrischen Hauptstadt, aber auch bei anderen wichtigen Filmfestspielen versorgt sich der Organisator der „Around The World In 14 Films“ mit Material.

Was in der deutschen Hauptstadt ankommt, ist erlesen, ausgesucht, oft Weltklasse.

Rund um die Welt in 14 Filmen‘ darf man zwar nicht zu wörtlich nehmen, denn immer wieder lassen sich die Macher von neuen Werken wichtiger Filmemacher begeistern.

So ähnlich wie das in „Generation“ umbenannte Kinderfilmfest der Berlinale seit einigen Jahren in „Kplus“ und „14plus“ unterscheidet, sollte man korrekter Weise von 14+Filmen sprechen.

Doch der Kern bleibt: Eine Weltreise aus einem guten Dutzend guter Filme.

Dazu eine Besonderheit: Statt sektionsweise zugeordneten, von der KBB bezahlten Moderatoren wie bei der Berlinale gibt es Paten, die den Film vorstellen und das Gespräch führen. Das können Filmschaffende oder andere Personen sein. Sie sprechen mit den Machern des aktuellen Films, so diese denn vor Ort sind.

Ein Hoch auf das Kino in der Kulturbrauerei

durchaus einfach mal für seine Flexibilität loben muss.

Eine Flexibilität, die noch nie selbstverständlich war, aber durch die Digitalisierung immer geringer geworden ist. In manchen großen Kinos werden einmal in der Woche alle Filme auf den Server gespielt – danach lässt sich nichts mehr ändern. Selbst das Filmkunst 66 hat vor kurzer Zeit den letzten 35-Millimeter-Projektor abbauen lassen. Zuwenig benutzt war er und Platz schaffte die Entfernung auch.

Dass ein Kino wie das Cinestar in der Kulturbrauerei im doppelten Sinne die Größe hat, auch während eines Festivals kurzfristig einen zusätzlichen Saal zur Verfügung zu stellen, ist außergewöhnlich.

die Plätze Gieß‘ Wasser zur Suppe, dann werden alle satt.

Kino in der KulturBrauerei (Cinestar), Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin

www.14films.de




Mexikanische Jenseitstiere, wie sie in dem Disney-Pixar-Film Coco zu sehen sind

Rosaanas farbige Tiere. Vernissage der Ausstellung „Animales de colores“ am 9.12., Musik: C. Frenn, Malerei von Rosaana Velasco

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wer den Disney-Pixar-Zeichentrickfilm „Coco“ kennt, der seit dem 30. November bundesweit in den Kinos ist, weiß, wie farbig in der Vorstellung der Mexikaner Tiere sein können. Die Berliner Künstlerin Rosaana Velasco präsentiert nun ihre Vision bunter Tiere im Chipi Chipi. Das duale Jahr zwischen Mexiko und der Bundesrepublik Deutschland hat noch einmal den kulturellen Reichtum des alten Landes zwischen Atlantik und Pazifik gezeigt. Einen Teil dieses Reichtums erschafft Rosaana Velasco immer wieder neu. Die Deutschmexikanerin wird bei der Eröffnung anwesend sein. Keine Selbstverständlichkeit, tourt sie doch von einer Ausstellung zur nächsten, gerade baute sie in Nordrhein-Westfalen ein Kunstwerk wieder ab, demnächst wird sie den Großen Teich überqueren und auch Pariser Galerien beherbergten bereits Teile ihres Oevres.

Zitat aus dem Artikel in Kulturexpresso vom 18. November 2017 („Von Rosaana Velasco gestalteter mexikanischer Totenaltar am Volkstrauertag und bis zum Totensonntag, dem Thementag Lateinamerika, im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln zu besichtigen“): „Die Vorstellungswelt der Mexikaner und Mexikanerinnen ist besonders reich und bunt, genannt seien vor allem die Geisttiere, die die Seelen führen sollen. Sie sind sehr bunt und ähneln lebenden Tierarten nur bedingt. Die in allen Farben schillernden Fabelwesen bereichern einen Trickspielfilm ungemein.“

Gemeint ist der Animationsfilm „Coco“, der seit dem 30. November 2017 mit großem Erfolg auch in den deutschen Kinos zu sehen ist, nachdem er in den Vereinigten Staaten von Mexiko zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten wurde (zusammen mit „Ramon“) und in den Vereinigten Staaten von Amerika an die 1. Stelle der Kinocharts gelangte.

Der Hund ist bunt

Ein ständiger Begleiter der Hauptfigur, des talentierten, gitarrespielenden kleinen Jungen, ist ein Hund. Dieser erfährt eine nur in Trickfilmen mögliche Metamorphose, Verwandlung, von einem braunen Fell- zu einem buntleuchtenden Geisttier.

Kein Tischlervogel

Ein Werk wird heute nicht zu sehen sein: der putzige Tischlervogel „Pájaro Carpintero“, ein echter Hingucker. Velasco hatte das Gemälde für die Opfer der September-Erdbeben in Mexiko-Stadt, Puebla und Umgebung zur Verfügung gestellt, bei der Auktion mit Matthias Fischer kam es sogleich unter den Hammer (Kulturexpresso berichtete am 25. Oktober: „Im Tiergarten, im Tiergarten ist Kunstauktion. Versteigerung zugunsten der Erdbebenopfer in Mexiko-Stadt mit Werken von Bianca Monroy, Vanessa Enriquez, …“)

Umso gespannter kann man sein, welche echten oder Phantasietiere sie mit Farbe abgebildet hat. Ist der Riesen-Hai aus dem Tapir dabei?

Ausstellung „Animales de colores“
„Vernissage“ am Nachmittag, Samstag den 9.12.2017 um 15 Uhr.
Begrüßung: Marcela Villanueva
Musikalische Begleitung C. Frenn
Anschrift & Öffnungszeiten
„Chipi Chipi Bombón“ – Craft-Eis, Warschauer Straße 12, 10243 Berlin

Dauer der Ausstellung: 9.12.2017- 9.1.2018, Montag bis Sonntag 15-23 Uhr

Anfahrt:
Das Haus Warschauer Straße 12 befindet sich etwas nördlich der Grünberger Straße auf der Westseite des Boulevards. Es ist etwa das dritte Haus von der Ecke.

(Auto: Viele Halteverbote, wenige Parkplätze, bei Anfahrt mit dem Auto Zeit auch für die Wege von und zum Parkplatz einplanen. Inanspruchnahme öffentlicher Verkehrsmittel empfehlenswert. Schnee- und Glättewarnung.)

S- + U-Bahnhof Warschauer Straße S 3, 5, 7, 75, 9, U-Bahn-Linie U 1, Straßenbahn Tram M10, Bus 248, 347

Nichts für Veggies

Rosaana Velascos Ausstellung „Animales de colores“ wird unterstützt von Karne-Kunst, einer Organisation zur Förderung lateinamerikanischer Kunst in der Bundesrepublik Deutschland. Karne ist tatsächlich das Fleisch, das wir aus dem Wort „Karneval“ kennen. Es wird absichtlich mit „K“ geschrieben, als ob es ein deutsches Wort wäre und soll an die Bereicherung erinnern, die die mexikanische, mittel- und südamerikanische Kunst & Kultur mit ihrer Sinnlichkeit für die kühlen deutschen Dichter, Denker und Erfinder darstellt.
Andere Projekte waren und werden sein:
7.9. bis 15.11.2017. „Mujeres latinoamericanas“ (‚Lateinamerikanische Frauen‘), (Xochi Berlín)
4.11. bis 8.12.2017 Blumenportäts („Floral portraits“) von Isabela Savastano. (Chipi-Chipi)
Samstag, 16.12.2017: „Transcurso“-Party, Musik & Ausstelung (music and exhibition). (Peterburg Art Space)

www.karnekunst.com




Elefantenwolke

Geheim! Die Fremde in Das Fremde in der Fremde – an einem unbekannten, brutal nebulösen Ort. Björn Zahns Stück mit Betty-Despoina Athanasiadou bringt die Message in die Botschaft

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wir Journalisten sind gewohnt, Informationen zu überliefern. Bei einem Theaterstück Ort, Zeit und vielleicht noch den Eintrittspreis. Einen Preis, den man in diesem Fall gewiss zahlen muss, ist, selbst den Ort herauszufinden. Denn wir kennen ihn nicht. Nicht, dass wir ihn wüssten und verheimlichen – er ist tatsächlich geheim. Ein Geheimtip, der seinen Namen verdient. Der Aufführungsort ist Berlin. Die Uhrzeit steht fest: 21 Uhr. Viel Spaß beim Suchen.

Berlin ist größer als ein Drittel Luxemburgs. Viermal so groß wie Malta, die Insel. Aussichtslos. Die Veranstaltung wird deshalb zweimal wiederholt, nach der Premiere am Samstag, 9. Dezember, am 15.12., Freitag, und am Donnerstag, den 21.12. Fände die Theateraufführung in Jübar, Hanum oder Oedeme statt, hätte man vielleicht eine Chance, den Ort zu finden und pünktlich zu kommen. Nicht so in der deutschen Hauptstadt. Da hilft es auch wenig, dass das „Theater in einer Berliner Botschaft“ ‚ist‘. Von den Kneipen, die sich „Botschaft“ nennen, einmal ganz zu schweigen. Fast in jeder Kirche wird die ‚Gute Nachricht‘ verkündet, Gotteshäuser sind Orte für Botschaften. Zählt die Vertretung der 1911 gegründeten Republik China, als Taiwan bekannt, dazu?
Ein Konsulat wird es wohl nicht sein, der Veranstaltungsort für das Event.

Und das Stück?

Nebulös

Wir wissen von dem Stück nicht mehr als der Leser. Mancher Leser durchbohrt vielleicht mit dem Laserstrahl der Kenntnis den Nebel des Unwissens.

Nebel

Das Theater heißt „Nebel brutal“. Brutal ist die schonungslose Wahrheit, die man manchmal nicht hören möchte, wie in den im August 2017 aufgeführten „Wirtuationen“, die gar nicht wirr erschrecken ließen wie der Löwe, Tiger oder Bär, die im klaren Wasser ihr Spiegelbild erblicken und es für einen Fremden halten.
„wir wissen das
wir wissen, dass wir jetzt dran sind
wir waren zu lange nicht dran
allmählich müssen wir dran sein
und es wird bald sein
jetzt“.

Mit Verlaub, wem läuft da nicht ein Schauer den Rücken herunter?
Dem Ignoranten? Dem Schönfärber? Dem Ewiggestrigen? Dem Gläubigen, der um die Realität einen allzubrüchigen Kokon zu stricken versucht?

Der Reiz des Unbekannten

Die erste Zigarette wurde (genauso wenig wie die zweite, wenn sie denn folgte) nicht geraucht, weil sie schmeckte. Auch nicht wegen des unweigerlichen Hustens. Sie hatte soziale oder Entdeckungsgründe.
Drogen, Alkohol – in der Jugend vom Reiz des Neuen umgeben. Einem Nebel, den zu durchdringen man durchs „Ausprobieren“ hofft(e). Vergeblich. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Eyes Wide Shut

So eine Veranstaltung wie die Aufführung des Stückes „Das Fremde“ lässt sich nur noch vergleichen mit der Swingerparty aus „Eyes wide shut“. In dem Spielfilm ist das zentrale Ereignis eine geschlossene Veranstaltung an einem geheimen Ort, zu dem man Zutritt nur nach Einladung hätte, ohne eigentlich eine Einladungskarte vorzeigen zu können.

Heimlich muss sie stattfinden, da die sexuellen Ausschweifungen, denen maskierte Wohlhabende frönen, nicht in das moralische Bild der umgebenden Gesellschaft der USA passen. Die puritanisch-frigiden Sonntagsreden der Politiker und Moralapostel, die den Wert der Familie predigen, würden als Doppelmoral enttarnt, wenn die Öffentlichkeit von dem Event oder den aus dem Fernsehen bekannten Teilnehmern erführe.
„Geachtete Mitglieder der Gemeinde“ und „tragende Säulen der Gesellschaft“ würden mit Stumpf und Stiel ausgerottet, hinfortgejagt, geteert und gefedert, wenn ihr Treiben ans Licht käme.

Spannend ist das Theaterstück also allemal. Selbst wenn gar nichts passierte. Selbst, wenn es nicht treffend „Das Fremde“ hieße.

Der erste Farbfilm, der erste 3D-Film, die erste Rundfunk-oder Fernsehübertragung wäre auch dann mit Spannung verfolgt worden, wenn sie Oma Krause beim Stricken oder die Bilder einer Verkehrsüberwachungskamera gezeigt hätten.

Der geheime Ort – nur ein Marketingtrick? Nun, niemand will Massen von Interessierten abweisen, seien es nun vor dem begrenzten Platz der Räumlichkeiten der Botschaften Lesothos, Monacos oder Bruneis oder vor den großzügigeren Palais der ehemaligen Besatzungsmächte.

Wir sind also doppelt und dreifach gespannt und haben selbst ob der Reservierungspflicht keine Teilnahmegarantie.

Das Fremde in und außerhalb der Dose

Yoko Tawada verfasste „Das Fremde in der Dose“. Die deutschschreibende Japanerin aus Hamburg verpackte es noch oder beschrieb das Eingedoste.
Bekanntes in der Dose wäre die Berliner Luft.

Nebel schwebt in der Luft und entzieht sich dem Zugriff fast wie die Wolken. Filmemacher wie Hitchcock oder einige Japaner wussten das in Farbe und Schwarzweiß zu nutzen.

Das Theaterplakat zeigt einen Menschen (eine Figur?) unter einer pelzigen, flocatiähnlichen (furry) Maske. Ein gute Verbildlichung des Fremden.

Fremd ist das, was wir noch nicht kennen. Es gibt Menschen, darunter Politiker, die fahren jedes Jahr an denselben Ort in Urlaub. Dieser war ihnen beim ersten Mal fremd.

Lernen wir jemanden kennen, wandelt sich der Fremde automatisch in einen Bekannten.

Das Unbekannte, das wir entdecken, wir zwangsläufig bekannt.

Kolumbus entdeckte Amerika. Die Wikinger und Indianer (First Nations) kannten es, nannten es Schildkröteninsel.
Die Europäer bemühten Amerigo Vespucci zur Benennung, einen Europäer. Unter dem Namen ‚Amerika‘ ist es heute auch dort bekannt.

Philip Reis erfand das Telefon, Konrad Zuse den Computer.
Vielleicht benutzten Außerirdische, uns Fremde, die anderen bekannt sein mögen, nach ähnlichen Prinzipien funktionierende Geräte schon lange.

Das Fremde ist nur so lange fremd, wie wir es nicht kennengelernt haben. Die Fremde ist nur so lange fremd, wie wir sie nicht kennengelernt haben.

Das Fremde.
Ein theatrales Mixtape von Björn Zahn. Eine Nebel-brutal-Produktion.
(Erläuterung ‚Mixtape‘ für Einheimische, denen die englische Sprache oder der Begriff fremd ist: Das Mixtape ist ein Begriff aus der Zeit, als Compact-Cassetten alternativlos waren oder nur vom überlegenen Tonband ersetzt werden konnten (oder, von den wenigen, die sie selber pressen konnten, von Schallplatten). Das unbespielte, „leere“ Band – Tape – wurde dann zum Mixtape, wenn man nach eingenem Gusto dort etwas aufnahm, mehr als ein, zwei Stücke – Quellen konnten Radio und Schallplatte sein.)

9., 15. & 21.12.2017 jeweils um 21 Uhr. Theater in einer Berliner Botschaft. GEHEIMER ORT. Begrenzte Teilnehmerzahl.
Nur mit Reservierung.
(Anmeldung und Infos zur Location unter nebelbrutal@gmail.com)
Darsteller: Betty-Despoina Athanasiadou, Marc C. Behrens, Lena Milde, Simon Mayer, Björn Zahn, Celina Basra und Till-Jan Meinen.

Regie/ Kostüm/ Konzept: Björn Zahn
(Mit Unterstützung des Theaterhauses Mitte.)




Kunst in den Keller? MoKuzuMimi-Vernissage mit Andrea Wallgren, Eva Sörensen … 22 Künstlern & Ricarda Baubkus mit Bach auf dem Cello

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Teure Mieten im Wedding? Ein Witz? Nicht ganz, und wie immer bei Mieten: Nicht überall. Alles ist lokal. Wer hätte das in den 80ern gedacht: dass in den teils halbverfallenen Altbauten, in denen viele Studenten und Gastarbeiter unterkamen, einmal schicke Apartments angesagt sind. Ein Grund: Die Umbenennung. Was früher Wedding oder Moabit war, ist heute „Mitte“. Mitte ist Macht (Regierungsviertel), Mitte ist Merkel und Unter den Linden, Mitte ist wichtig, und zentral. Roter Wedding war einmal. Entrümpelung. Wohnungs- und Ateliermieten können ruhig steigen, denn sie bedeuten Aufschwung. Niedrige Mieten gibt es in Hellersdorf. Der Ausweg für alle Weddinger – bitteschön!
Simone Weil beschrieb die Folgen der Entwurzelung.

Wie es dazu kam? MoKuzuMimi – Moderne Kunstateliers zu minimalen Mieten … ermöglichte der ehemalige Gesobau-Chef Dr. Rolf Brüning bereits vor 30 Jahren, legte den Grundstein für den Kulturstandort Gerichtshöfe. Jetzt ist manches anders und selbst die Gesobau will gentrifizieren: die Kunst soll „in den Keller“ (ins Souterrain), das Gewerbe nach „JotWeDe“ …


Auf der Sonnenseite

und auf die Sonnenseite kommen die schicken Apartments.
Alle Jahre wieder laden die Künstler in den Gerichtshöfen Wedding immer am Nikolaustag ein zu MoKuzuMimi. Das steht für „Moderne Kunst zum Mitnehmen“. Dahinter verbirgt sich eine originelle Verkaufsvernissage mit kleinformatiger Kunst in transparenten Tüten zu erschwinglichen Preisen.

22 von 70

22 Künstlerinnen und Künstler „tapezieren“ die Wände einer Atelieretage in den Gerichtshöfen mit kunstgefüllten, transparenten Plastiktüten.

Nichtkunst? Kommt gar nicht in die Tüte!

Die durchsichtigen Plastiktüten, durch die man, ohne Hand anzulegen meist schon das Objekt erkennen kann, werden von 18 Uhr bis 23.59 Uhr, kurz: bis Mitternacht zu weihnachtlich „spendablen“ Preisen von maximal 100 Euro zum Kauf angeboten.

Kunst, Kunsthandwerk, Schmuck

Im Angebot sind Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Objekte und Schmuck. Wer verkauft, darf eine Tüte nachhängen, so ist fast den ganzen Abend für ein gleichbleibend großes Angebot gesorgt.

Knabbereien-cum-Campanula-Cello

Für die Besucher gibt es u.a. Glühwein und Knabbereien, der Nikolaus kommt vorbei und für besinnliche Stimmung sorgt Ricarda Baubkus mit Bach-Werken auf einem Campanula-Cello.

Malerei, Mieten und Mediation – Hintergrund und aktueller Stand

„Seit 1983 arbeiten etwa 70 Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Herkunft in den sechs Weddinger Gewerbehöfen der GESOBAU AG zwischen Gericht- und Wiesenstraße (Baujahr 1912). Seit 2004 sind viele der Künstler im Verein „Kunst in den Gerichtshöfen e.V.“ organisiert und öffnen regelmäßig ihre Ateliers, zum Beispiel zur „Langen Nacht der Gerichtshöfe“.

‚Mi‘ wie in Berliner Mischung

Hier gibt es sie noch, die „Berliner Mischung“ aus Wohnen, Gewerbe und Handwerk, doch ihr Bestand ist inzwischen gefährdet. Nach heftigem Protest der Künstler und Gewerbetreibenden und einem klaren Bekenntnis der Bezirksverordnetenversammlung Mitte zum Bestandserhalt der Gerichtshöfe mit ihrer Mischnutzung hat die Eigentümerin, die landeseigene Wohnbaugesellschaft GESOBAU, die Modernisierungsmaßnahmen um zwei Jahre verschoben. Aktuell läuft ein Mediationsverfahren, um eine einvernehmliche Lösung im Konsens mit allen Beteiligten zu finden.“ (Unterstützung bei der Recherche: Ines Schilgen PR-Management)

Wann?

Veranstaltungsdatum und Uhrzeit: Mittwoch, 6.12.2017 ab 18.00 Uhr bis Mitternacht

Wo?

Adresse: Gerichtshöfe Wedding, Atelieretage Aufgang 8, 3. OG, Zugang wahlweise über Gerichtstr. 12/13 oder Wiesenstr. 62 (näher), 13347 Berlin-Mitte

Anfahrt/ Verkehrsverbindungen: S-Bahnhof Wedding (Ringbahn S4 = 41/42); S-Bhf- Humboldthain (Nord-Süd-S-Bahn S2 etc.), BVG: U-Bhf. Wedding (U6), Bus M27, 120, 247




Lüneburger Rathaus

Heidi aus der Heide und Heidrun in Hannover. H. Hentschel und H. Giese mit Malerei in der niedersächsischen Hauptstadt; Heiko Bolting macht Musik

Lüneburg, Deutschland (Kulturexpresso). Am Freitag, den 1.12. ab 18 Uhr heißt es in Hannover ‚Vorhang auf!‘ zur Ausstellung von Kunst lebender Künstlerinnen; die Praxis für komplementäre Medizin lädt ein zum „interessanten Austausch, Beisammensein und Sinnesgenuss“. Heidrun Giese und Heidi Hentschel stellen aus.
Für Frau Hentschel ist es die Debütausstellung. Die Lüneburger Künstlerin arbeitete lange mit verschiedenen Techniken, darunter Aquarell.
Vor nicht langer Zeit hat sie Acryl entdeckt und arbeitet gern damit. „Es ist ein leichtes Malen und falls man einmal etwas korrigieren möchte, kann man einfach eine Stelle übermalen.“ Seit Jahren, seit Jahrzehnten malt sie schon. In ihrer erfrischend direkten Art gesteht sie: „Man malt für sich selbst. Man sollte seine Nachkommen nicht mit der Verwaltung eines großen Nachlasses belasten.“ Heidi Hentschel ist weitgereist verfügt über eine hervorragende Allgemeinbildung, kennt die Ebstorfer Weltkarte genauso wie die Hagia Sophia in Istanbul aus eigener Anschauung.

Vogel – Menschen

Eine ihrer Arbeiten ist in einer Mischtechnik aus Acryl mit Federn entstanden. „Thunderbird“ heißt das Werk.
Hentschel erläutert: „Der Schöpfungsmythos der Dakota (auch Lakota, d. Red.) fußt auf dem Thunderbird. Der Vogel verursacht u.a. den Donner, durch das Schlagen mit den Flügeln. Vor allem aber hat er die ersten Menschen geboren“.
Ihre Kenntnisse machen vor den Ureinwohnern Nordamerikas nicht halt.

Hei-mat Hann.

Auf der Vernissage am Kaland des Dezember spielt Heiko Bolting die Musik. In der Praxis für Komplementäre Medizin arbeiten zwei Frauen. Die eine heißt Heidrun. Heidrun Zumpe. Sie stellt am Freitagabend nicht aus. Doch fast scheint es, als würden hier nur die eine Hauptrolle spielen, deren Vorname mit einem „H“ wie Hannover beginnt. Die Landeshauptstadt hat das einzelne „H“ als Autokennzeichen, obwohl die größere (Millionen-) Stadt Hamburg auch mit einem „H“ beginnt. Da der Stadtstaat eine Hansestadt ist, hatte Hannover Glück. Hamburg erhielt zur Kennzeichnung das „HH“ – ebenfalls die Initialen der Lüneburger Malerin Heidi Hentschel – und das kürzere, meist wichtigere Einbuchstabenkennzeichen ging an die niedersächsische Hauptstadt.

Historisch ist Hannover die Kurzfassung des Kurfürstentums Lüneburg-Braunschweig, auch Kurhannover genannt. Lange verband eine Personalunion die Kurfürstenwürde mit dem englischen Thron. Bis im 19. Jahrhundert Queen Victoria auftauchte. Ein altes Gesetz verbat eine Frau auf dem hannoverschen Thron. Langsam gabelten sich die norddeutschen und englischen Wege bis zur Umbenennung in das „Haus Windsor“.

In der Praxis für komplementäre Medizin sitzen zwei Frauen wenn nicht auf dem Thron, so doch am Hebel. Auch die Künstler, die sie einladen, sind zwei Frauen. Doch scheint es fast noch eine Regel oder Vorbedingung zu geben: Ein Vorname, der, genau wie die „Heimat“, mit der Silbe „Hei“ beginnt. Sogar der männliche Musiker fällt unter diese Regel.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Doch die Ärztin und Heilprakterin vor Ort heißt Jutta Franke. Zwar kommt das „J“ im Alphabet gleich anschließend, jedoch ist das mit der Vornamenvorsilbenhäufung wohl alles nur Zufall. Oder?

Heidrun Giese malt abstrakt, Heidi Hentschel gegenständlich. Doch Hentschel nimmt Giese gleich in Schutz. „Nichtgegenständliches Malen ist nicht einfacher. Sie arbeitet mit mehreren Schichten, Ebenen – das ist nicht leicht.“

Gieses Bild auf der Einladungskarte ist ein Hingucker, auf den man lange gucken kann. Das Werk Hentschels auf der Postkarte zeigt Blumen; beide sind farblich sehr gut aufeinander abgestimmt, auch mit der Farbe der Schrift. Harmonie scheint in dieser Praxis großgeschrieben zu werden.

Ansonsten ist Hannover die Stadt von Bundesligaverein ’96, von Flughafen Langenhagen und der Bundesministerin Ursula von der Leyen. Von der Leyen ist die Nr 1. zumindest der CDU-Landesliste, kandidierte aber auch direkt in einem Hannoveraner Wahlkreis.
Seit kurzem ist Hannover eine Stadt, die für ein Land mit einer Großen Koalition steht, nachdem rotgrün überraschend an einer Stimme scheiterte.

Malerei
Ausstellung ab 1.12.2017, 18 Uhr.
Praxis für komplementäre Medizin

Große Barlinge 21
30171 Hannover

Tel. 0511 / 920 100 94

http://www.praxis-jutta-franke.de/




Die Erstausgabe von "Zwischen den Wegen", herausgegeben von Jennifer Herbst und Bianca Monroy (Berlin 2017).

Sind wir nur Sternenstaub, kleine Lichtpunkte? Film- und Buchpremiere von „Irgendwo – zwischen den Wegen“ der Herausgeberinnen Bianca Monroy und Jennifer Herbst

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Gleich der Premieren zwei und dann auch noch Eintritt frei! Egal, ob man mit Udos Sonderzug fährt, am 28.11.2017 um 17.45 Uhr gibt es im Rathaus Pankow eine Filmpremiere und eine Buchpräsentation. Der Film heißt „Das sind wir – irgendwann“, Regie: Daniellis Hernandez Calderon. Das Buch heißt „Irgendwo zwischen den Wegen“. Es enthält Kunst und Texte unter anderem der Projektleiterin Bianca Monroy, einer Mexikanerin. Die Künstlerin hatte jüngst mehrere Werke gespendet, um Erdbebenopfern in Mexiko-Stadt zu helfen. Wir sind gespannt und drücken die Daumen!

Um Anmeldung wird gebeten, der Eintritt ist frei.
Mem.unterwegs@gmail.com

28.11.2017, 17.45 Uhr (!)

Rathaus Pankow
Breite Straße 24a-26
13187 Berlin

„Irgendwo – Zwischen den Wegen“
ISBn 978-3-00-058350-6
69 Seiten + Impressum
1. Auflage 250 Stück
etwa Format DIN A4. Broschur




Esther

Von Frieden über freaky bis Peace. Esther Filly Ridstyle live in Berlin und Oldenburg

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Oldenburgerin Esther Filly ist überall auf der Welt zuhause – oder in Niedersachsen. Ihre musikalische Heimat ist ihr dritter Name –
Ridstyle. Ridstyle ist eigentlich – Esther Filly. Der Musikstil ist nach dem englischen Wort „to get rid of“ benannt, etwas loswerden, sich befreien, sich lösen. Wie sagte Lebensenergiespezialist Bernd Senf? Die Lösung der Bindung ist die Lösung.

Esther Filly hat sich von vielem gelöst, ohne die ewigen inneren Werte des Guten aufzugeben. Was gut ist? Das Leben, die Musik, und der Frieden, der alles ermöglicht. Esther Filly hängt ihr Fähnchen nicht in den Wind – sie hat sich den Frieden um der Hals gehängt. Frieden glitzert und ist schön. Falls die Kette mit dem Friedensanhänger mal nicht da sein sollte – die Musikerin hat sich den Frieden auch auf die Haut tätowieren lassen. Sie meint es ernst, ist aber total freaky, schwer zu fassen, aber verlässlich.

Dadurch, dass sie so schwer in eine Schublade zu stecken ist, – persönlich auch, aber vor allem musikalisch – ermöglicht sie den Zuschauern und -hörern, sich selbst zu lösen. Von überkommenen Vorstellungen zum Beispiel.

Spielt sie nun Soul, Motown, oder Blues? R&B? Spielt sie Songs anderer oder schreibt sie selbst? Zumindest diese Frage lässt sich eindeutig mit einem sowohl – als auch beantworten.

Wenn Sie andere imitiert, bleibt sie trotzdem unverwechselbar.

Besonders gelungen ist ihre Amy Winehouse, wäre sie noch unter uns, müsste man zweimal auf die Bühne schauen, um sicher zu sein, wer da singt. Die Tiefe und Rauchigkeit der Stimme, die um Leid weiß, sich aber für Lebenslust entscheidet, ist den beiden wohl gemein. Das Leben auskosten, nicht nur lau dahinplätschern lassen, das passt zu Esther Filly.

Hamburg

Im realen Leben ist sie wohl in Hamburg geboren. Die Hansestadt, die am neuen Jungfernstieg 19 – nah an Binnenalster und Kennedybrücke – den Übersee-Klub beherbergt, ist weltoffen, wie man auf den ersten Blick am Hafen sieht.

Übersee

Der Überseeklub, nach eigenem Bekunden der Förderung der Demokratie, der Toleranz und des Gedankens der Völkerverständigung verpflichtet, zeigt in die richtige Richtung. Am 24.11. erhielt der Klub den Mestemacher-gemeinsam-leben-Preis 2017 in der Rubrik „anderer Lifestyle-Modell-Typ“.

Das ist die Hamburger Luft, Luft, Luft

In Hamburg weht immer wieder eine frische Brise von der Nordsee. Oder der Wind dreht und bringt salzärmere Ostseeluft aus dem Baltikum, oder Eiseskälte aus dem Norden vom Pol. Oder die würzige Luft von den grünen Weiten Niedersachsens, in der sich ostfriesischer Humor und Kurzangebundenheit, Weitsicht und Unbeugsamkeit mit Oldenburger Stolz und Kultur, Braunschweiger Löwenkraft und Lüneburger Heideduft mischen.

Nicht zu sicher sein

Sollte man zu sicher auf dem festen Boden der „Tatsachen“ stehen, spült einem auch schon einmal eine Sturmflut um die Füße. Die meisten Millionäre Deutschlands sollen hier wohnen. Mit Engstirnigkeit wären die Hanseaten wohl nicht so weit gekommen. Weltweiter Handel mit China und Mexiko, Brasilien und Südafrika, Indien und Thailand ist ohne Begegnung mit fremden Kulturen und etwas Diplomatie unmöglich. Nicht umsonst gibt es in Hamburg die meisten Konsulate.

In Berlin – und: So ein Zufall!

Esther Filly ist hier und da und bleibt nicht lange an einem Ort. Am Freitag, dem 24.11. hat sie – natürlich? – nicht nur ein Konzert in der Hauptstadt. Bei der Verleihung der Mestemacher-Preise „gemeinsam-leben“, die das Wirgefühl stärken sollen, ist Esther die musikalischer Atempause. Nachdem in den Kategorien „Großfamilie“, „Institutionalisiertes Mehrgenerationenhaus“ und „Wohngemeinschaft“ die von Ulrike Detmers, Unternehmerin und als Professorin Beamte des Landes Nordrhein-Westfalen, initiierten Preise vergeben sind, mischt Esther F. den Saal auf. Ob es ein Zufall ist, das alle Buchstaben von E-s-t-h-e-r in Mestemacher enthalten sind? Sogar in der richtigen Reihenfolge? M-est-emac-her? Carmen Thomas hätte an diesem Zauber des Zufalls ihre Freude, genau wie an dem Anagrammgeheimnis. Doch wir haben keine Zeit, Buchstaben zu verschieben, Esther Filly fegt an uns vorbei. Kaum sind die Preise vergeben, singt jemand, kommt von hinten in den Saal. Die Gäste sitzen am runden Tisch, Filly umfegt sie, umkreist die Gäste, nimmt die Bühne im Sturm, verbreitet gute Laune. Wäre der Begriff nicht zu altbacken und militärisch, würde „Stimmungskanone“ auf Esther Filly passen wie die Faust aufs Auge.

Gelöst

Filly ist auf der Bühne, umarmt Ulrike Detmers und bittet alle hinzu und hinauf zum Tanzen. Der Saal erhebt sich, wogt, schunkelt wie auf dem Oktoberfest und reckt die Arme empor in die Luft, nach oben, nach Höherem strebend, wie beim Gottesdienst in einer Baptistengemeinde. Esther Filly ist mitreißend, Ridstyle hebt die Sofasitzer hoch und lässt sie fliegen. Lasten fallen ab. Sie singt den Godfather of Soul, so dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Eigene Lieder wie „Freaky“ von 2016, das sie sich auch hat eintätowieren lassen. In der Mitte des Auftritts Amy Winehouse und dann noch einer ihre eigenen Songs, wo es um „Making Love“ geht, eine je nach Zusammenhang durchaus auch platonisch gemeinte Sache.

Making Love

Wer 7 Tage die Woche liebt, hat für Hass keine Zeit. Für noch größere Dummheiten wie Kleinkrieg oder Krieg schon gar nicht. „Freaky“, sagt Filly am Mikro, ist wie für das von Ulrike Detmers propagierte Wirgefühl geschrieben. Die beiden und den ganzen Saal verbinden gemeinsame Werte. Man feiert gemeinsam das halbvolle Glas, man tanzt zusammen und singt sogar ein bisschen. Es kann gelingen, das Gute, besonders, wenn alle zusammen an einem Strang ziehen.

Kraftpaket

Esther Filly zieht mit. Das Kraftpaket hat die sanft-gute Atmosphäre im Saal, die vielleicht einen ganz kleinen Tick zu lau war, in gute Laune verwandelt. Die Stimmung ist nun gelöst.
Gelöst? War da nicht was?

Esther Filly zieht weiter, ein Punkkonzert steht noch auf dem Programm!

Als Gast geht Esther für einen Song mit Deutschlands ältester Punkband RAZZIA auf die Bühne!
Der Frische Wind aus Deutschlands Norden zieht im muffig-verrauchten Kreuzberg ein.
Im SO 36 in der Oranienstraße 190 (10999 Berlin) Fliehende Stürme – der Rest. Da bleibt wohl nicht viel „rest“ (Ausruhen).

Das Phänomen Esther Filly, die ein bisschen aussieht wie Penny MacLean oder Sissy Perlinger, hat bestimmt auch einige gute Eigenschaften mit diesen Powerfrauen gemein. Jocelyn B. Smith ist auch eine Powerfrau, aber wieder anders, spiritueller, mit einer unglaublichen Stimme.

Wohltätigkeit

Jocelyn B. Smith und Esther Filly verbindet ihr soziales Engagement für Arme in den beiden größten Städten Deutschlands. In den nichtöffentlichen Veranstaltungen unterstützt Esther Filly am 12.12. die Bedürftigen-Weihnachtsfeier in HH, Jocelyn B. Smith die Obdachlosen-Weihnachtsfeier Mitte Dezember in Berlin.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte und einmal Esther Filly erleben erhellt noch mehr.

Ihre Tourdaten in Kürze:

25.11. ab 20 Uhr in Oldenburg i.Oldenburg: Lange Einkaufsnacht im „Famila-Einkaufsland Wechloy“

9.12. um 18.30 Uhr: Mörser Weihnachtsmarkt mit Esther Filly & Amy Winehouse

White Christmas in Concert 2017, „Europas größte Weihnachtsshow“:
14.12. Göttingen, Lokhalle
15.12. Oldenburg i.O.: Große Ewe-Arena
16.12. Oberhausen, K.-P.-Arena
17.12. Münster, Westfalen: MCC-Halle Münsterland

31.12.2017 Goslar, Silvesterball im Hotel Achtermann www.der-achtermann.de




Tage und Nächte werden zur Zeit. Leben, Traum und Tod des Kanuten und Louisianagründers Sieur de la Salle

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Tage und Nächte werden zur Zeit“. So heißt die Überschrift des 16. Kapitels in Walter Bauers Sieur-de-la-Salle-Biographie „Folge dem Pfeil“. Walter Bauer, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits drei Jahre in Kanada lebte, erzählt die Geschichte des französischen Kolonialpioniers René Robert Cavelier (genannt Sieur de la Salle). Abenteuerlust, Pioniersinn, Tatendrang und reiche Phantasie bewogen La Salle, 1666 nach Kanada auszuwandern.

Zur Zeit des Großen Kurfürsten und Dorotheas von Braunschweig und Lüneburg

Der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm von Brandenburg, hatte noch 22 weitere Regierungsjahre vor sich, wusste das aber nicht. Luise Henriette von Oranien, die Kurfürstin, sollte ein Jahr später sterben. Noch ein Jahr später heiratete Friedrich Wilhelm die Herzogin Dorothea von Braunschweig und Lüneburg, geborene Prinzessin von Holstein-Glücksburg.

Montreal und Ottawa

La Salle siedelte oberhalb Montreals, damals ein französischer Außenposten, am Ottawafluß. Er betrat Neuland, auf dem nur Ureinwohner lebten. Er campte unter ihnen, den „Indianern“, und führte Expeditionen durch, den Ottawa hinauf und nach Ohio. Sein Traum: Das Quellgebiet des Mississippi zu erreichen um dem Strom bis zur Mündung zu folgen. 1682 erreichte den Oberlauf und verwirklichte seinen Traum. (Fünf Jahre nach der Geburt des letzte, siebten Kindes von Friedrich Wilhelm und Dorothea.)

Gründer Louisianas

Nach der minimalinvasiven Art der Fortbewegung des Amazonasgebietes, die er aus Quebec kannte, befuhr er den Fluß mit dem Boot bis zur Mündung in den Golf von Mexiko, wo er Louisiana gründete. Seine nächste und letzte Expedition führte ihn mit Schiffen in das Mündungsgebiet zurück, wo er eines gewaltsamen Todes starb.

Louis quatorze

Bevor das passierte, verschwanden die Schiffe. Eine kleine Kolonie lebte mit Frauen und Kindern im winzigen Fort St. Louis, abgeschnitten von der restlichen „westlichen“ Welt. König Ludwig XIV., nachdem die „Festung“ benannt wurde, hatte La Salle stets unterstützt, anders als die Kolonisten in Kanada.

Pfarrer niedergetrampelt

Es entstand eine Situation, in der sich die Zeit auflöste, kleinste Ereignisse wollkommene Abwechslung brachten und wochenlang für Gesprächsstoff sorgten. Ein Wildschwein ging einen Pater an, ein anderer wurde von einem verletzten Büffel niedergetrampelt.

Was passiert, wenn sich eine kleine Gruppe aus einer Kultur quasi isoliert im Nichts wiederfindet?

Die Franzosen waren allein in der Prärie. Sogar La Salle ließ sie allein, das er immer wieder den Mississippi suchte. Einmal kehrten von 20 Mann acht zurück.
Unklar, ob sie jemals wieder Kontakt mit ihrer Geburtszivilisation hätten, entstand ein anderes Zeitgefühl und Kulturempfinden. Das scheinbar endlos weite Präriegras trug das Seine bei. –
Bauer beschreibt Banditen und Bauern, Indianer und Siedler in ihrer Landschaft meisterlich.

„Es war Sommer von weißer Glut, …“

Zeit-Zitate

„Das Leben kam langsam wieder zu ihnen zurück, die Tage hatten ihre Ordnung, und von der Höhe der Siedlung sahen sie die blühende Prärie mit weidenden Büffelherden, …“

„Das Leben kam wieder, …“ „Sie wußten nichts von der Welt, eine andere Zeit hatten sie begonnen. In der Welt, die sie betreten hatten, gab es weder die Majestät des Königs in Versailles, noch kamen die Nachrichten über Krieg und Frieden, die zu Hause in Frankreich ihr Leben verdunkelt oder erhellt hatten, hierher.“

„Daß ein neues Haus bezogen werden konnte, war wichtig. Der Zimmermeister, der eines Tages in der Prärie verschwand, als er […] von der Jagd zurückkam, war unersetzbar. War er von Indianern überfallen worden, hatte er sich verirrt? Darüber sprachen sie.“ (S. 273)

„Und die Zeit ging über sie dahin und nahm Tage und Nächte mit“, „Aus dem Sommer wurde Herbst, warm und mild. Nichts veränderte sich.“ (S. 274)

„– und er fragte sich selbst, ob er das alles jemals für möglich gehalten hatte. Gewesen und vorbei, und die schwarzen Raben des Vorbei, Vorbei und Nimmermehr gruben sich in seinen Geist.“
„Hier war er, […] unter diesem Himmel von gläserner Klarheit, an diesem Strande, leer, einsam, von keinem berührt und keiner würde kommen, nie.“ „Und wo war der Strom?“
Irgendwo floß er mit der Geduld und Langmut des Wassers, das die Zeit nicht kennt, durch das Land – […]“ (S. 275)

Seitdem es ISB-Nummern gibt, ist der Text wohl nicht mehr erschienen. Das vergriffene Buch findet man nur noch in Antiquariaten oder über Abebooks, booklooker & Co.

Bibliographische Angaben

Bauer, Walter: Folge dem Pfeil. Leben, Traum und Tod des Sieur de la Salle. Welt im Buch, Kurt-Desch-Verlag 1956. 319 Seiten




Rosaana Velasco

Von Rosaana Velasco gestalteter mexikanischer Totenaltar am Volkstrauertag und bis zum Totensonntag, dem Thementag Lateinamerika, im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln zu besichtigen

Köln/ Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Berliner Künstlerinnen Rosaana Velasco und Liliana Cobos Pineda gestalteten einen Altar, der seit dem „Tag der Toten“, der in Mexiko die Friedhöfe heiter belebt, im Kölner Museum Rautenstrauch-Joest steht. Ein neuer Disneyfilm, der am 30. November bundesweit in die Kinos kommt, erhellt die Bedeutung eines solchen Altars. Doch dann wird er bereits abgebaut sein. Der 26. des Monats ist der letzte Schautag, gleichzeitig Totensonntag und Thementag Lateinamerika in Köln.

Die Deutschmexikanerin war bei der Eröffnung und auch zwischendurch in Köln anwesend.

Alles gerät in Vergessenheit, wenn es nicht erinnert wird

Erinnerung ist eine zentrale Funktion der Seele, der Geschichte und sogar der Politik. Das aus Indien stammende Wort „Yoga“ bedeutet unter anderem auch Erinnerung und Verbindung. Erinnern wir uns an etwas, verbinden wir uns damit; erinnern wir uns an jemanden, verbinden wir uns mit ihm.
(Für genderkorrekte-Leser: mit ihm oder ihr, doch darum ging es gerade nicht.)
Yoga schafft eine Verbindung, auch zu Gott, wenn man ihn denn kennt.
Wie soll man sich an jemanden erinnern, den man nicht kennt?

Strautenrauch oder Rautenstrauch? Das Museum

1901 wurde ein Völkerkundemuseum in Köln gegründet, das noch zu Preußen gehörte. Preußen endete durch das zögerliche Verhalten Max von Badens und des deutschen Kaisers im Verlauf der Ereignisse von 1914/1918/1919 und folgende. Die Weltkriege zerstörten nicht nur Feld und Flur, Gesundheit und Menschenleben von Tausenden und Abertausenden, sondern auch Preußen.
Köln gibt es noch, obwohl es im 20. Jahrhundert auch Zerstörungen erlitt und eine Teil-Zwangsevakuierung stattfand.

Alles geht um Erinnerung

Das Völkerkundemuseum darf jetzt „Ethnologisches Museum“ heißen. Im Zuge der Entdeutschung, Entwurzelung?, Korrektur: freiwilligen Internationalisierung der deutschen Sprache werden die Wörter teils immer länger. Statt eines international untauglichen „ö“s enthält das politisch korrekte Wort für das Museum jetzt zwei „o“.

Erinnerung an Wörter

Auch bei den Wörtern kommt es eben auf die Erinnerung an. Das „Oberhaupt“ und die Wendung „erhobenen Hauptes“ erinnert uns an ein altes Synonym für Kopf (das Haupt), das andernfalls wohl schon der Vergessenheit anheimgefallen wäre. Sprichwörter wie „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ an ausgerottete Währungen. Doch dazu muss man sie ab und zu benutzen. Wenn „die junge Generation“ mit dem Handy kommuniziert, chattet, gamet, sich Apps downloaded (schreibt man das ‚auf deutsch so?), bleibt wohl wenig Platz für „alte“ Wörter, die bis vor kurzem über Generationen weitergegeben wurden. Jetzt veralten sie anscheinend in Windeseile. Oder sie werden veraltet. Indem neue Wörter und Begriffe schnell und in großer Zahl auftauchen.

Erinnerung an Verstorbene

Der Disneyfilm „Coco“ stellt es so dar, als ob alles darauf ankäme, das ein Photo des geliebten verstorbenen Menschen, zum Beispiel eines Verwandten, auf dem Altar stehen müsse. Kein Photo, kein Friedhofsbesuch.

Die zweite Stufe des Todes, der endgültige Tod, ist der durch das Vergessen. Filmisch dargestellt durch die Auflösung in – nichts. Wer von niemandem mehr erinnert wird, muss auch aus dem Jenseits verschwinden.

Auf den Wortschatz übertragen bedeutet das: Jahrzehntelang unbenutzte Begriffe werden erst als „veraltend“, dann als „obsolet“ bezeichnet und Verschwinden letztlich aus dem Duden.

Ein Film über Erinnerung

In dem in Kürze in die deutschen Kinos kommenden Spielfilm „Coco“ – in Mexiko läuft der Film zurzeit schon – gibt es einen Ohrwurm „Recuerda me“, zu deutsch: Erinnere Dich an mich. In der deutschen Fassung des Zeichentrickfilms heißt das umgedichtete Lied „Denk stets an mich“. Es geht um die Erinnerung.

Zeichentrickfilm

Heute wird so ein Film Animationsfilm genannt, in Anlehnung an den englischen Terminus „animation“. Dieses Wort ist zwar im deutschen unverständlicher, hat sich jedoch bereits und wurde eingebürgert. Verwendet jemand das Wort Zeichentrickfilm, wird er belehrt, dass „Zeichentrick“ ja etwas anderes sei als „Animation“. In der Tat, Animation findet im Urlaub in Tunesien statt. Unterhaltung gibt es woanders. Trotz neuer Technik und neuer Computerprogramme wird immer noch gezeichnet; ob nun am Bildschirm oder Zeichenbrett, who cares?

„Anime“ ist ein japanisches Wort und der Duden verzeichnet für die Bezeichnung „Animation“ an zweiter Stelle folgendes: „(Film-) Verfahren, das unbelebten Objekten im Trickfilm Bewegung verleiht“. Wie das geschieht, dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Neu in der deutschen Sprache ist unter anderem der „Stop-Motion-Film“.

Passender als mit einem Zeichentrickfilm hätte man die Problematik wohl kaum darstellen können.
Jeder Film ist ein Trick, da er zwei Dutzend statische Bilder zur Illusion einer lebenden Szene erweckt.

Dieser Trickfilm ist gezeichnet, da man so ganz genau sowieso nicht weiß, wie es „da drüben“ aussieht und auch keine Fotos schießen kann.

Nebenbei wird dabei das belebt, was bereits tot ist. Im Film wirkungsvoll: die Skelette.

Die Animation führt zu einer Reanimation.

Die Vorstellungswelt der Mexikaner und Mexikanerinnen ist besonders reich und bunt, genannt seien vor allem die Geisttiere, die die Seelen führen sollen. Sie sind sehr bunt und ähneln lebenden Tierarten nur bedingt. Die in allen Farben schillernden Fabelwesen bereichern einen Trickspielfilm ungemein.

Übrigens sind die Lieder in der deutschen Fassung des Animations-/ Zeichentrickfilms „Coco“ sehr gut gelungen, genauso wie die Songs in der Originalfassung. Das Original des Disney-Pixar-Films ist auf englisch.

Kalendertage und die Mitternachtsgrenze

Der Dia de los Muertos (Tag der Toten) ist am 1. November. Allerdings führt eine kurze Antwort auf die Frage des „Wann?“ in die Irre.

Anders als der Volkstrauertag (19.11.2017) und der Totensonntag (2017 am 26.11.), die nicht nur immer an einem Sonntag liegen, sondern auch mit Mitternacht abgeschlossen sind, ist der Tag der Toten, der „dia de los muertos“, zwar am 1. November; doch gefeiert wird vom Abend durch die Nacht bis hin zum Sonnenaufgang. So, wie der Sabbat (Schabbat) zum Sonnenuntergang beginnt und am Samstag bei Sonnenuntergang endet, überschreitet auch der „Dia de los muertos“ die Mitternachtsgrenze.

Tag und Nacht

Wir haben uns daran gewöhnt, das Zweigespann von Tag und Nacht als „Tag“ abzutun und die Nacht dabei zu vergessen. Nur im Reisebüro interessiert noch, wieviele TAGE und wieviele NÄCHTE bei einer Reise vergehen. (Die Anzahl kann durchaus abweichen.)
Dadurch gerät die Nacht in Vergessenheit. Da nachts weniger zum Bruttosozialprodukt beigetragen wird und viele sie ohnehin verschlafen, ist sie weniger wichtig und wird seltener erwähnt.

Jede Nacht enthält ein „Ach“

Trotzdem wird es immer wieder Nacht, am Südpol seltener, in Mitteleuropa häufiger, am Äquator abrupter.

Es ist Zeit, im Bewusstsein eine Synthese zu finden. Genau, wie die mexikanische Art und Weise, Allerheiligen und Allerseelen freudig auf dem Friedhof zu feiern, beim Verständnis des Welt, des Lebens und eines harmonischen Zusammenlebens über alle Generationen hinweg helfen kann, kann man Zeit anders sehen. Die Hautfarbe des Menschen ist nicht wichtig; warum sollte die Farbe der Tageszeit/Nachtzeit, das hell/ dunkel so wichtig sein, so getrennt wahrgenommen werden?

Eine andere, ganzheitlichere oder ganzheitliche Wahrnehmung ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Tage und Nächte werden zur Zeit

„Tage und Nächte werden zur Zeit“.

So eine tieffühlende Kapitelüberschrift aus einem Walter-Bauer-Buch („Folge dem Pfeil“).

Dieser nachwirkende Satz soll das Schlusswort sein.

Tage und Nächte werden zur Zeit.

Anschrift, Anfahrt, Öffnungszeiten

Rautenstrauch-Joest-Museum, Kulturen der Welt
Cäcilienstraße 29-33
50667 Köln
Telefon: (0221) 221 313 56
eine leicht zu merkende Nummer.
Öffnungszeiten: Di.-Sonntag 10- 18 Uhr, donnerstags 10-20 Uhr (1. Donnerstag im Monat bis 22 Uhr)
Anfahrt: Bahnlinien 1, 3, 4, 7, 9, 16 und 18, Haltestelle Neumarkt, Bus 136 und 146, dito.

Querverweise zu weiteren Info

Ein Pdf zum mexikanischen Totentag findet man online unter
http://www.museenkoeln.de/Downloads/rautenstrauch/Flyer_Mex_Totentag%202017.pdf
Helmut Frangenberg schrieb am 30.10.2017 im Kölner Stadtanzeiger den Artikel „Mexiko-Tag im Rautenstrauch-Joest-Museum. Ein buntes Fest für die Toten“. Dieser ist auch online abrufbar unter https://www.ksta.de/28741552 .