Neu und am ersten Tag gleich ausverkauft! Das erste mexikanische Filmfestival in Deutschland heißt Mexico Scope

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 12. Oktober geboren: das erste deutsche Mexiko-Filmfest. Mit einem sanft abgefederten Paukenschlag wurde es eröffnet: Mit der Deutschlandpremiere von „Me estás matando Susana“, soviel wie „Du nervst echt, Susanna!“ mit Gael García Bernal, Verónica Echegui und Ashley Hinshaw. Der große Saal des Kinos Babylon-Mitte, in dem Hans Poelzigs Zwanziger-Jahre-Architektur besonders gut zur Geltung kommt, ausverkauft! Über ein halbes Tausend Besucher gleich am ersten Tag der 1. Festival-Ausgabe (1st edition) – beeindruckend. Die Veranstalter haben Erfahrung durch das kolumbianische Filmfest „Panorama“. Mitorganisator Fernando Huerta hat es schon dreimal mit großem Erfolg durchgeführt. Es hätte wohl sogar pünktlich beginnen, wenn sich nicht kurz vor zwanzig Uhr lange Schlangen vor den Kassen gebildet hätten, die bis auf den Rosa-Luxemburg-Platz hinausreichten – auf dem der laue Herbstabend zum Glück so warm war wie die Begrüßung durch die Gastgeber und Susana Garduno, Kulturattaché an der Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten in der Bundesrepublik Deutschland. Ein tolles Team verbreitete eine sehr angenehme Atmosphäre, in der Geschäftigkeit kaum zu spüren war und alles wie am Schnürchen lief. Genannt seien Carolina Padilla (Press and Operations), Jóse Luis Urriago Novoa (Program an Content) und Vanessa Meyer (Marketing & Communications).

Eine Mannschaft mit Erfahrung

Jóse Luis Urriago Novoa und Fernando Huerta zeichneten für das Kolumbien-Filmfest „Panorama“ verantwortlich, die freundliche und äußerst kompetente Vanessa Meyer bringt ihre reichen Erfahrungen vom Fashion-Film-Festival ein. Auch ihre Dreisprachigkeit brachte sie auf die Bühne.

„Brauchen Sie eine englische Übersetzung?“

Etwas erschreckend für den deutschsprachigen Besucher: Sogar das Englische gibt es nur auf Anfrage, außer natürlich bei der Unntetitelung der Filme. Bei der ausverkauften Eröffnungsveranstaltung hatten zum Glück einige Zuschauer den Mut, zuzugeben, dass SPANISCH ALLEIN als Kommunikationssprache in der deutschen Hauptstadt wohl nicht für jeden ausreicht.
Also wurde englisch gedolmetscht und spanisch gesprochen. Bilingualität, wohin man schaut.

Bis zum 15. Oktober gibt es ein volles Programm, am Sonntag in Kino 2 und 3 des Babylons mit der Tür zur Hirtenstraße. Karten am Haupteingang.

Das Programm des letzten Tages:

im großen Saal (Saal 1):
18.15 Uhr:

Sopladora de Hojas (Leaf Blower, der Blätterpuster), eine Komödie, die nicht nur fast jeden zum Lachen brachte, sondern auch starke emotionale Reaktionen des Publikums bescherte, von „Oh, nein“ über „Oohhh!“ bis zum Applaus. 3 Jugendliche beschäftigen sich in Mexiko-Stadt auf einer kleinen Grünfläche um die Ecke nicht mit dem Laubharken, sondern mit der Sehnsucht nach einer Freundin und der Ehrlichkeit. Brüllend komisch. Papier, Stein, Schere mit neuen Regeln?

20.15 Uhr, der „Closing Film“ oder Abschlussfilm „Tempestad“. Tatiana Huezos 105minütiges Meisterwerk von 2016 erhielt beim Caligari-Preis der Berlinale vor einem Jahr eine lobende Erwähnung. Ein FILm aus dem Forum der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

22.15 Atras hay Relampagos (Lightnig falls behind)

Saal 2:
18 Uhr

Te prometo Anarquía (I Promise you Anarchy)
Skater haben Spaß. Als Lebensunterhalt verkaufen sie im Krankenhaus ihr Blut. Vom Filmfestival in Locarno in der Schweiz eingeflogen.
Intensiv. Erschütternd. Aber gut.
Regie: Julio Hernández Cordón

Mexiko, Bundesrepublik Deutschland, 2015

Saal 3:
19.45 Uhr

El Charro de Toloquilla (The Charro de Toloquilla) von
José Villalobos Romero
90 Minuten (OmeU)

Das Leben des Mariachi-Sängers Jaime García Domínguez‘.




Heute oder nie? Moon Suk wird ihren Salon weltreisebedingt schließen – Zu Gast: die Pianistin Sara de Ascaniis

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Moon Suk reiste 1989 zu einem Aufnahmestudium nach Deutschland, seitdem hat sie hier ein beispiellose Karriere hingelegt und das Kunst- und Musikleben entscheidend bereichert. Seit 3 Jahren ließ sie die Berliner Salonkultur wieder aufleben und zieht vervorragende junge Künstler an. Diesmal die Pianistin Sara de Ascaniis. Die Italienerin ist bei der Koreanerin zu Gast, doch Länder zählen schon lange nicht mehr in der Welt der Musik. Sprachen, ja. Sara de Ascaniis hat beim Lesen der Noten und Partituren zweifellos einen Heimvorteil, da sie als Muttersprachlerin nicht erst lernen muss, was adagio bedeutet, oder andante oder piano. Das Piano, Klavier, der Flügel ist ihr Instrument. Sie studierte in Vicenza in Venetien, das ca. 60 Kilometer nordwestlich von Venedig liegt. Die norditalienische Großstadt mit etwa 112.000 Einwohnern ist unter anderem für ihre Keramik und Musikintrumente bekannt. Andrea Palladio Renaissancebauwerke führten zur Anerkennung eines Unesco-Welterbes.

Sara de Ascaniis‘ Italien

Sara de Ascaniis Eltern sind Musiker, haben aber ihr aber alle Freiheit gelassen. Nach einer Veranstaltung wiederholte die Zweieinhalbjährige das gerade mehrfach gehörte Hauptthema am Klavier, was bei den Eltern Erstaunen auslöste und sie langsam an das Instrument heranführen ließ. Von Schulbeginn an begann dann eine zehnjährige Ausbildung. Es ist diese Freiheit und Freiwilligkeit, die Sara de Ascaniis‘ Ausdruck und Entfaltung ermöglicht gemacht hat. „Perfekte“ Pianisten, deren technische, teils seelenlose „Perfektion“ wenig lebendig und noch weniger herlich ist, deckeln einen Teil ihrer Persönlichkeit, um in einem kleinen Teilbereich bessere Ergebnisse zu erzielen. Professor Bernd Senf würde von Unterdrückung der Lebensenergie sprechen.

Qualität durch Freiheit und Freiwilligkeit

Dass Sara de Ascaniis‘ Entwicklung wunderbar und in Freiheit geschah, ist nicht anders vorstellbar. Wenn sie als Violinduo mit Julia Pérez Gámez auftritt, ist ihre Fähigkeit, ganz im Spiel zu versinken und gleichzeitig perfekt mit ihrer Partnerin zu harmonieren, voll ausgebildet. Ein Genuss, dies zu beobachten. Der Musikgenuss ergibt sich von ganz allein.

Moon Suks Verdienst, ist es immer wieder solche begnadeten Talente aufzuspüren, die doch sehr menschlich sind. Von Moon Suks Kunst und Gesang – die Sopranistin beherrscht allein 500 Stücke auswendig – wäre noch viel zu berichten.

Moon Suk setzt sich in einen VW-Bus und ist dann einfach mal weg

An dieser Stelle kurz der Hinweis, dass ihre Berliner Tage vorübergehend gezählt sind. 2018 wird sie auf eine vielleicht anderthalbjährige Weltreise gehen – in einem VW-Bus? – und unterwegs mit örtlichen Künstlern auftreten. Ein Datum der Wiederkehr wurde nicht festgelegt.

Der monatliche Salon pausiert auf unbestimmte Zeit – was das heißen kann, wissen wir vom ICC

Der monatliche Salon wird also ab Anfang der Jahres auf unbestimmte Zeit aussetzen. Die 1000 glücklichen Zuhörer ihre monatlichen Salons und diejenigen, die es bisher nicht schafften, werden wohl jetzt zum Run auf die Eintrittskarten ansetzen. Lediglich 50 werden für die Beletage in der Charlottenburger Altbauwohnung am Olivaer Platz verkauft.
Als einmal 70 Musikliebhaber Einlass begehrten, wurde es einfach zu eng.

Zu allem Guten obendrauf gibt es auch noch ein selbstzubereitetes schwäbisch-koreanisches Dinner-Büfett.

Sonntag, 15. Oktober 2017: „Musikalisches Oktoberfest“ im Salon Moon

www.salonmoon.de

www.moonsuk.de




Restaurant Hellas im Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Nothing new. Und doch … Alles neu beim griechischen Filmfestival Hellas-Filmbox im Januar 2018 in Berlin-Friedrichshain (Urban Spree)!

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es wurde aus dem Stand zur größten griechischen Kulturveranstaltung außerhalb Griechenlands: Das Filmfest „Hellas Filmbox Berlin“. Sie, die Box, zeigte innerhalb eines Jahres mehr als 130 griechische Filme, über 60 davon mit eigens für die Festival-Vorführungen angefertigten deutschen Untertiteln (!!) Es wurde also nicht nur Kultur gezeigt, sondern auch Kultur produziert. Seit Babylon uns durch Sprachen trennt, ist das Übersetzen gar nicht genug zu schätzen.
Die Hellas-Filmbox brachte innerhalb von 12 Monaten mehr als 200 griechische und deutsche Kreative, vor allem Filmschaffende, zusammen und ermöglichte einem – vorwiegend deutschen – Live-Publikum von mehr als 10.000 Menschen neue Einblicke.

Das Fest wurde in dieser Zeit in einem halben Tausend Presseberichten in deutschen und griechischen Medien thematisiert, darunter die ARD, das ZDF, 3Sat, Bild und Stern. (Ca. 1% davon auf Kulturexpresso)

Ein weiterer Rückblick auf die Leistungen dieses, man muss einfach sagen, tollen Filmfestivals, unten. Es ist das wärmste Filmfest, das ich je erlebt habe.

Zweimal fand es statt, beim 3. Mal wird es dreifach umgekrempelt, personell und inhaltlich am neuen Ort.

Neu verortet

1. Neuer Ort: im „Urban Spree“ auf dem RAW-Gelände Berlin-Friedrichshain, Revaler Straße 99, 10245 Berlin, (Nähe U- + S-Bahnhof Warschauer Straße, U1, S3, S5, S7).
Ein 1.700 Quadratmeter Raum für Kunst auf einem 70.000 Quadratmeter großen Gelände, dass dem Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Platz bot, Züge zu reparieren, im Deutschen Reich und in der DDR.
Die Urban-Spree-Galerie ist 400 Quadratmeter groß.

Schachtel ausgepackt

Was bietet die „ausgepackte“ Hellas-Filmbox? „Filme, Konzerte, Ausstellungen, Workshops, Diskussionen“ – das gab‘s auch 2017 schon – doch über die Stadt verstreut.
Marktplatz, Laden und Leckereienpfad
Dazu kommen ein griechischer Markt (Greek Market), ein Café-Shop, ein Lebensmittel- und Spezialitätenpfad (-Track) in der griechischen Ecke (Greek Corner).

Ein Fest für alle 5 Sinne, nicht nur den Hörsinn (Konzerte) und für die Augen (Ausstellungen und Filme). Das passt zusammen – all das für 5 Tage an einem „angesagten“ Berliner Ort.

Die Dynamik, die aus der Schaffenskraft der Künstler, der Kraft der vielen ehrenamtlichen Helfer und der Herzenswärme entstand, war rührend. Jeder wollte und konnte irgendetwas beitragen, es gab hervorragende Musiker, Theaterschauspieler, das Kleid der Moderatorin war extra für das Fest entworfen worden, und und und …

Vicky Leandros sang persönlich.

Besser geht es nicht.

Aber könnte man nicht versuchen, es noch besser zu machen? Lernen ist wie Schwimmen gegen den Strom. Wer gut und erfolgreich ist, darf nicht einfach stehenbleiben.

Vielleicht ist es eine gute Idee, an EINEM Ort zusammenzukommen und zu feiern, statt Filme in einem Kino zu zeigen, nebenan Theater zu spielen und die Ausstellung in Friedrichshain zu verorten, wie es 2017 war.

Panta re, alles fließt: aus welcher Sprache stammt das noch?

Verbesserungen sind immer möglich, und so sehr die Architektur von Hans Poelzig aus den Jahren 1928/29 betört, gibt es eben im Babylon-Mitte im Winter auch Nachteile. Der Weg zwischen Kino 1 und Kino 2-3 muss unter freiem Himmel zurückgelegt werden, wo ist die Garderobe? Die Hellas-Filmbox hätte wohl auf die Dauer dort den Rahmen gesprengt, schon 2017 gab es nicht Platz genug für alle Projekte.

Vielleicht ist der ideale Ort für eine solche Riesenveranstaltung wie die Hellas-Filmbox – oder die neue Hellas-Filmbox – noch nicht gebaut, vielleicht sollte man griechischen und deutschen Architekten eine Brache zur Verfügung stellen und Geld dafür sammeln, dort den ultimativen Hellas Film-Campus zu errichten, mit Konzertsaal, griechischer Galerie und Gastronomie?

Dynamik und Spaß

Doch ist die Dynamik nicht zu unterschätzen. Wo Talent und Spaß aufeinandertreffen, Geld nicht für alles die Voraussetzung ist, entsteht soviel neues und soviele neue Ideen, dass auch ein solcher Campus ständig umgebaut werden müsste.

Das ICC, ein ideales Congresscentrum am Funkturm, müsste mal schnell überholt werden um wieder zu erstrahlen und weiter Preise zu gewinnen.

Der ideale Flughafen der kürzesten Wege, im Sechseck-Look der Bienenwabe als Symbol für Emsigkeit und eine Abkehr von spannungsgeladenen Viereck, der Berliner Flughafen Tegel (TXL), musste auch erweitert werden. Wenn der BER endlich fertig sein würde und Tegel weiterbetrieben, könnte man die Anbauten wieder zurückbauen und die ursprüngliche Schönheit noch besser erkennen als heute.

Die Hellas-Filmbox ist so ein Magnet, ein Durchlauferhitzer für geistige Beweglichkeit, inter- und binationalen kulturellen, sprachlichen, menschlichen, freundschaftlichen Austausch, dass jegliche Architektur, die zu statisch wäre, auf die Dauer nicht mehr passen würde wie ein Maßanzug.
Man darf gespannt sein, wenn man von einem Veranstaltungsort zum anderen, auch auf der Berlinale ein leidiges Thema, nicht mehr mit dem Taxi fahren muss, was das bewirkt. Meines Erachtens kann es viel Positives bringen und einen Messe-Effekt haben, Stichwort Synergien.

Personalien – neu und bekannt

2. Die neuen Festivaldirektoren werden Ioanna Kriona und Dimitris Argyriou sein, der dieses Jahr die „New Vision“ betreute und selbst einen Kurzfilm beitrug.

O-Ton Hellas-Filmbox: „Beide Filmemacher stehen für einen länderübergreifenden, spannenden, emotionalen und publikumsaffinen Kulturdiskurs mit großartigen Künstlern, Querdenkern, innovativen Filmemachern und begnadeten Individualisten.“

Kein Boxenstop, sondern Talk in der Box

3. Neuer Charakter: Im Zentrum des Festivals stehen die „Box Talks“ – eine Kombination aus Workshop, Unterhaltung und Künstlerporträt. Geplant sind drei solche „Box Talks“ an drei Tagen, bei denen immer ein deutscher und ein griechischer Filmemacher bzw. Künstler im Mittelpunkt ist. Jeder der Eingeladenen stellt in einem – von einem Moderator geführten – Gespräch sein Werk schlaglichtartig vor, diskutiert darüber und nimmt an der kontroversen Debatte über diverse Themen teil. Folgendes ist möglich und erwünscht: Filmausschnitte, Trailer, „Blinks“, Thesen, Antithesen, Live-Performances, Dialog, Pamphlete, Manifeste, Konzepte, Happenings.

Es wird wieder einen Wettbewerb in der Rubrik „New Vision“ geben sowie zwei Film-Retrospektiven.

Rückschau

In den Worten der Festivalmacher (besser kann es kaum ausdrücken):

Die „Hellas-Filmbox Berlin war von Anfang an nicht nur ein Filmfestival, das Griechenland im Fokus hatte. Es war vor allem ein Statement für das kreative Griechenland. Ein Statement für eine sich wieder neu zu definierende Beziehung zwischen Deutschland und Griechenland in einem auseinanderbrechenden Europa.“

Die „Hellas-Filmbox Berlin hat den deutsch-griechischen Dialog in einer für beide Länder politisch und zwischenmenschlich schwierigen Zeit in Gang gehalten. Das ist während der beiden ersten Filmfestival-Editionen im Januar 2016 und Januar 2017 sowie während der Roadshow durch Deutschland außerordentlich gut gelungen.“

Wir brauchen weltweite Erwärmung!

„Ein alternativ-spektakuläres Festival mit vielen Überraschungen und Highlights; ein aufregendes Ereignis mitten im lauen deutschen Winter“ versprechen die Veranstalter; aufregend und warmherzig wird es bestimmt wieder, ob der Winter in Berlin wieder so lau wird, wissen wir noch nicht. Al Gore und seine „Eine unbequeme Wahrheit“ besagt, dass wir über das Wetter gar nichts wissen und Vergangenheit nicht einfach in die Zukunft überführen können. Sollte es globale Erwärmung tatsächlich geben, führte sie nicht überall zu höheren Temperaturen. Der Golfstrom aus dem Golf von Mexiko begünstigt ganz Westeuropa, vor allem die britischen Inseln, aber auch die Nordseeanrainer wie die Bundesrepublik und Norwegen. Eine Schreckensvision wäre die Abschaltung dieses Wärmestroms.

Umso so dringender benötigen wir in Mitteleuropa und anderswo die griechische Sonne und Herzenswärme.

„Hellas-Filmbox Berlin Unboxed“
Was? Das Filmfest Hellas-Filmbox Berlin – zum 3. Mal
Wann? 24.-28.1.2018
Wo? Urban Spree




Taiwan Republik auf der ITB Berlin

Altes ist gut. Alte Filme jetzt verbessert: Die Filme „Dragon Inn“ und „A Touch of Zen“ aus Taiwan Republik China wurden digital remastered

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 10.10. feiert die Republik China ihren Nationalfeiertag, den „Double tenth“, den doppelten Zehnten. Aus diesem Anlass weisen wir auf den Kinostart von „A Touch of Zen“ und „Dragon Inn“ in digitalisierter Fassung in ausgewählten Kinos hin. „Ein Hauch von Zen“ ist einer der einflussreichsten chinesischen Filme überhaupt.
Die Bezeichnung „der Kampfkunstfilm, der eine ganze Generation von Filmemachern inspirierte“, ist keine Übertreibung, sondern durchaus zutreffend.
„A Touch of Zen“ und „Dragon Inn“, zwei Klassiker des asiatischen Kinos von 1971 und 1967, feiern ihre Wiederaufführung, restauriert und 4K-remastered vom Taiwan- Filminstitut.
„A Touch of Zen“ und „Dragon Inn“ sind die ultimativen und für das Genre richtungsweisenden Martial-Arts-Filme und beeindrucken bis heute mit ihren poetischen Bildern und dramatischen Kampfchoreographien.

Sie gehören beide zum Wuxia-Genre. Das sind vereinfacht gesagt Kampfkunstfilme mit ritterlichen Helden, die das richtige tun.

„Dragon Inn“

– Im deutschsprachigen Raum bekannt unter dem Titel „Die Herberge zum Drachentor“, Originaltitel „Lóngmén Kèzhàn“, international auch „Dragon Gate Inn“. Lóngmén bedeutet Drachentor.
(Von dem Wort Tiananmen, Tor der Himmlischen Friedens, kennt man die Silbe ‚.men‘ bzw. das Wort ‚Men‘.
Long, der Drache, taucht unten in Mr. Long wieder auf, eigentlich: „Herr Drache“.)

Regie/ Drehbuch: King Hu

mit Feng Hsu (bzw. Hsu Feng), Lingfeng Shangguan, Chun Shih, Ying Bai

Republik China Taiwan 1967, Originalfassung mit deutschen Untertiteln (OmdtU), 111 Min.

Gedreht: 1966.

Inhalt: Nach einer erfolgreichen Intrige wird General Yu (sprich: Jü) von seinem politischen Gegner Obereunuch Zhao (sprich: Dschau) hingerichtet und seine Kinder aus China verbannt. Doch die Kinder des Generals sind dem Obereunuchen Zhao ein Dorn im Auge und daher setzt er alles daran, sie auf ihrem Weg ins Exil umzubringen. An der einsamen Herberge zum Drachentor legt er einen Hinterhalt. Doch die treuen Gefolgsleute des gemeuchelten Generals eilen den Kindern zur Hilfe. Es entfesselt sich ein Kampf um Leben und Tod.

„A Touch of Zen“ ( „Ein Hauch von Zen“, „Hsia-nǚ“)

– deutscher Titel „Ein Hauch von Zen“, Originaltitel „Hsia-nǚ“ („Xiánǚ“) wörtlich ‚ritterliche Heldin‘, wörtliche Übersetzung ins Englische: Hero woman “

Regie/ Drehbuch: King Hu
Das Drehbuch basiert von der Story her auf einer Geschichte von P’u Sung-ling (in anderer Umschrift Pu Songling, 1640-1715).
Darsteller: Feng Hsu, Shih Chun, Bai Ying, Tien Peng, Roy Chiao Hung
(Sprich: Feng Chü, e wie in ‚kommen‘ und ch wie in ‚ich‘.)

Republik China Taiwan 1971, Originalfassung mit deutschen Untertiteln (OmdtU), 180 Min.

Gedreht ab 1968, anderen Angaben zufolge ab 1969.

Der Film erschien in Taiwan zunächst in 2 Teilen, 1970 und 1971, zusammen mit 200 Minuten Dauer. Der erste Teil wurde schon gezeigt, als die Dreharbeiten am 2. Teil im vollen Gange waren. Ende 1971 wurde eine Fassung in einem Stück daraus für den Hongkonger Markt, sie hatte 187 Minuten.
Auf dem Filmfestival in Cannes lief der Streifen 1975 und gewann verdient und prompt einen Preis.

Inhalt: Die Geschichte handelt vom jungen Gelehrten Gu (sprich: Q, in anderer Umschrift Ku), der in der Nähe eines heruntergekommenen Herrenhauses lebt, das verflucht sein soll. Eines Tages begegnet er der mysteriösen Schönheit Yang, die sich im Herrenhaus versteckt. Die beiden kommen einander näher und nach einer leidenschaftlichen Nacht offenbart sie ihm, dass ihr Vater, ein ehrenhafter Offizier, vom machtvollen Eunuchen Wei (sprich: Wej) auf grausame Weise ermordet wurde. Wei und seine Männer sind ebenfalls auf der Suche nach ihr, mit einem einzigen Ziel: die Auslöschung ihrer gesamten Familie. Gu findet sich plötzlich inmitten von Yangs Überlebenskampf wieder, denn Wei ist den beiden dicht auf der Spur. Ein Kampf von epischen Ausmaßen zwischen Gut und Böse entbrennt.

Beide Filme im Verleih von Rapid Eye Movies.

Auch aktuell: Ausgezeichnete Filme aus Taiwan

Dass aus der Republik China, Entschuldigung, aus Taiwan nicht nur hervorragende Technik kommt wie die auf der IFA vorgestellte von der Firma Asus, sondern immer wieder auch gute und interessante Filme, zeigten in diesem Jahr die internationale Premiere von „Ri Chang Dui Hua (Small Talk)“ von Hui-chen Huang auf der Berlinale in der Reihe „Panorama Dokumente“ und weitere Berlinalefilme.

Im Wettbewerb der hochgelobte Spielfilm „Mr. Long“ (sprich : Lung) von Sabu (Monday, Ten no chasuke), eine Koproduktion von Japan, der Bundesrepublik Deutschland, Hongkong, China und Taiwan mit Chen Chang, Sho Aoyagi, Yiti Yao, Junyin Bai und anderen. In Berlin fand im Februar die Weltpremiere statt.

2016 lief im ersten Quartal auf der Berlinale und im Rahmen des Spotlights dann vom 21.-30. Oktober 2016 im Rahmen des 14. „Morelia International Film Festival“ in Mexiko, wo eine ganze Programmreihe den Internationalen Filmfestspielen Berlin gewidmet wurde, der Kurzfilm „Jin Zhi Xia Mao“ („Anchorage Prohibited“) von Wei Liang Chiang (Taiwan; Wei sprich Wej), der den Audi Short Film Award gewann.


Formosa, Taiwan und die Republik China

In den 40ern, 50ern und 60ern war der Begriff Formosa als Äquivalent von Taiwan, Republik China sehr verbreitet. Eigentlich können alle drei Begriffe synonym verwendet werden, doch warum die Veränderungen?
„Formosa“ ist ein portugiesisches Wort und drückt aus, wie toll die „Entdecker“ diese Insel fanden. Es ist eine Großinsel, das macht sie ums famoser. (Ilha formosa = die schöne Insel.)
Die Portugiesen waren hervorragende Seefahrer und unter den Kolonialmächten (Europas) die ersten, dadurch erhielten einige Orte an den Küsten der Welt portugiesische Namen, in China auch Macao, das als winzige Enklave, die imwesentlichen aus drei Inselchen bestand sogar Hongkong überlebte, lange nachdem Portugal Angola, Mosambik und andere Territorien aufgegeben hatte.

Taiwan ist ein Wort aus der chinesischen Sprache ( und bildlich lautet den Namen eines Ureinwohnervolkes, Tayowan, ab, das im Gebiet der heutigen Stadt Tainan im Süden der Insel wohnte, wo die Niederländer sich niedergelassen hatten. – Taiwan bedeutet nicht Terrassen-Bucht, das sind nur die Bedeutungen der sinnfreien phonetischen Wörter Tai und Wan zusammengenommen).
Es ist heute „pc“ (sprich „pih-ssi, alles andere ist nicht pc), also politisch korrekt, diesen Staat Taiwan zu nennen. Eine zeitlang sagte man auf englisch gern „Taiwan R.O.C.“, die Abkürzung für Republic of China. Ein bisschen versteckt wie das Kürzel „RSA“, wenn man es in Europa auf Obst fand, für Republik Südafrika, als seit den 70er Jahren die Apartheidspolitik langsam aber sicher weltweit nicht mehr haltbar wurde.
Doch was hat „Taiwan“ zu verstecken? So etwas wie die Apartheidspolitik? Nein, ganz und gar nicht. Taiwan hat ein anderes Problem – das andere China. Und das wurde seit Nixons Besuch Anfang der 70er und Kissingers detaillierter Umsetzung – oder war Kissinger der Initiator? – erst in den USA und dann international gesellschaftsfähig, Mao und die Kommunistische Partei hin oder her.
Die Bundesrepublik Deutschland, selbst erst seit 1973 in den UNO und seit 1990 souverän, spielte da mit, obwohl das Gesellschaftsystem der Volksrepublik China vom eigenem abwich und einem nicht genehm war. Doch wenn Washington mt Peking Beziehungen aufnahm, musste das richtig sein. Die Kommunisten im eigenen Land waren weiter verpönt und ihre Parteien verboten, die Beziehungen zu Peking trübte das nicht. Zweierlei Maß?

Die Politik bestimmt die Sprache mit, so heißt in Deutschland das Land heute amtlicherseits Taiwan, in der Schweiz heißt es amtlich Taiwan (Chinesisches Taipei). Zwischen der BRD und der Republik China gab es nie diplomatische Beziehungen, aber sehr gute wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen, die sich bis 1980 auch in Reisen niederschlugen. In den 80ern durften dann erst Gruppen, dann Rucksacktouristen in die Volksrepublik China. Heute besuchen die meisten Chinareisenden die Volksrepublik, aufgrund der Größe des Landes und der Kunstschätze durchaus verständlich.
Sowohl die VR China als auch die BRD und die DDR wurden 1949 gegründet, aber die Geschichte verlief in China prinzipiell anders.

Die Geschichte und die Anfänge der Republik

Als in China die Zöpfe fielen, war es mit dem Kaiserreich vorbei. Puyi war noch ein Kind, die Kaiserinwitwe die Zügel in der Hand, aber sie konnte sich mit und in dem halbkolonialen, halbfeudalen Land nicht mehr durchsetzen, aus dem die Kolonialmächte sich vor allem an der Küste leckere Stücke herausgeschnitten hatte. Franzosen, Briten, Engländer, Russen, Deutsche und andere.

Was auf das chinesische Kaiserreich, das etwa 5000 Jahre alt war, folgte, das war die REPUBLIK CHINA, auf chinesisch Zhōnghuá Mínguó, auf englisch Republic of China.
Die gibt es heute noch (!), so wie auch die Schweiz und England zwischen 1911 und heute mehr oder weniger in der gleich Form bestehen. Das so etwas geht, sind die Deutschen gar nicht mehr gewöhnt, die Russen auch nicht, die Österreicher schon überhaußt nicht. Dabei waren das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und das Zarenreich neben England und Frankreich die einzigen Weltmächte.

Die Republik China hatten im Inneren starke Probleme, Bürgerkrieg, Warlords und ab den 20ern die Kommunistische Partei. Die hatte jahrelang nur 100 und dann wenig hundert Mitglieder, wurde aber bald vom Staat auch militärisch bekämpft. Nach dem römischen Motto „Wehret den Anfängen“. Aus republikanischer Sicht zurecht, wie man heute sieht. Zur Republik China gehörte auch Tibet, die Mongolei konnte sich ob der Schwäche Pekings herauslösen genauso wie Tuwa in der geographischen Mitte Asiens, das eigentlich auch chinesisches Staatsgebiet ist.
Entscheidend ist nun, dass die Republikaner den Bürgerkrieg nach einem blutigen Zweiten Weltkrieg, der in Asien länger dauerte, nämlich von 1937-1945, verloren.
Die Landung und der Einmarsch Japans führten zwischen den verfeindeten Bürgerkriegsparteien der staatstreuen Republikaner und der Kommunisten, die an die Macht wollten, zu einem Burgfrieden.
Nach 1945 wurde der Bürgerkrieg, der Ende der Zwanziger begann und in den 30ern den berühmten „Langen Marsch“ einschloss, fortgesetzt. Er endete mit einem Sieg der Kommunisten, die aber nicht das gesamte chinesische Territorium unter Kontrolle hatten. Ihnen fehlte die Macht über das vorher schon gelöste Tuwa und die Mongolei benauso wie über Tibet, manche abgelegene Gebiete in den Bergen, wo kleine Völker lebten und über einige Inseln vor der südlichen Küste. Macao und Hongkong waren sowieso noch Kolonien und blieben es bis 1997 und 1999, dem Ablauf der Pachtverträge für das Hinterland der New Territories usw.
Wohin gingen die Republikaner? Zunächst einmal gingen sie nicht, sie flohen und flohen mit dem Schiff. Die größte der Inseln, die sie dauerhaft unter Kontrolle halten konnten, ist Taiwan (Formosa).

Taiwan, 1911 nicht Teil Chinas, 1912 nicht Teil der Republik China

Jetzt das Kuriose: Die Republik China, die sich von Sinkiang (und Tibet) bis ans Gelbe Meer, also den Stillen Ozean erstreckte, von Russland bis nach Vietnam, beherrschte Taiwan 1912 gar nicht.
Der Machtschwund im 19. Jahrhundert durch Kolonialismus, die Einfuhr von Drogen, „Kanonenbootdiplomatie“ und drei Opiumkriege hatte das Kaiserreich China so geschwächt, dass das erstarkte Japan, dass sich nach einer Zeit der Innenschau in dieser Zeit nach außen geöffnet hatte 1895 einen Krieg gegen China gewinnen konnte.
Beute: Die Ryukyu-Inseln und Taiwan. 50 Jahre land herrschten de Japaner auf Formosa, die alten Menschen sprechen immer noch japanisch. Erst die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki machten dem ein Ende.
Die Besiegung Japans durch Chinesen (mit einem hohen Blutzoll) und US-Amerikaner führte zum Wiederaufflammen des Bürgerkriegs, nachdem der äußere Feind auf seine Heimatinseln zurückgekehrt war.
Vier Jahre Kampf und am Ende gaben die Republikaner fast das gesamte chinesische Territorium auf. Zogen sich im Wesentlichen auf die Inseln Taiwan zurück. Als am 1. Oktober 1949 in Peking die kommunistische Volksrepublik China gegründet wurde, gab es zwei chinesische Staaten.

Sie haben bis heute Bestand.

Die Republik, die das Kaiserreich ablöste, befindet sich auf Land, das ihr 1912 vielleicht de jure gehörte, de facto jedenfalls nicht.

Heute ist dieses Land, sind diese Inseln die einzige Zuflucht.

Die 7. US-Flotte garantierte lange die Unversehrtheit der Republik China, in dem sie im Zweifel sich in die Taiwanstraße schieben konnte und zwischen die Kontrahenten.
Freilich gestaltet sich die Lage heute etwas anders. Das finanzkräftige Taiwan, die finanzkräftige Republik China mit ihren großen Währungsreserven investiert seit langem nicht nur in Hongkong, sondern auch auf dem Festland in Unternehmen, die ihren Sitz in der Volksrepublik China haben. Auch haben die Wahlen der vergangenen Jahrzehnte unterschiedliche Ergebnisse gebracht. Die Macht der Kuomindang, der Staatspartei Sun Yatsens und Tschiang Kaischeks, ist nicht mehr dieselbe.
Schön dass auch in gute Filme investiert wird und nicht nur in Waffen.

Hsu Feng – Geschichte (in) einer Person

Wie sich die Geschichte Chinas in einer Person abbildet, zeigt das Beispiel der Schauspielerin Feng Hsu bzw. Hsu Feng (Xu Feng) „aus Taiwan“. 1950 wurde sie auf der Insel geboren, ein Jahr, nachdem die letzten Truppen und Republikchinesen vom Festland geflohen waren.
Ihr Vater stammte aus Fujian, einer Küstenprovinz auf dem Festland, ihre Mutter aus der Mandschurei, das heute im Nordosten Chinas liegt, lange Zeit japanisch besetzt war bzw. ein eigener (Marionetten-)Staat unter dem letzten Kaiser Chinas, Pu Yi, mit dem Namen Manschukuo.
Sie war also keine „Taiwanesin“, wie das heute genannt wird. Sie ist Chinesin, wie Millionen anderer, die nach 1945 auf die Insel kamen. Taiwanesen sind im engeren Sinne nur die Ureinwohner.




Platonische Liebe zwischen alt und jung für jung und alt. Der Spielfilm Victoria und Abdul, jetzt im Kino, konnte nach einem Tagebuchfund entstehen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine Liebesgeschichte. Zwischen zwei ungleichen Partnern. Ältere Frau und jüngerer Mann? Eine Inländerin mit einem Ausländer? Eine Weiße mit einem Dunkelhäutigen? Eine Christin mit einem Nichtchristen? Das alles, und noch viel mehr … und die Umgebung findet das alles gar nicht witzig. Doch sie kann es nicht verhindern. Denn die alte weiße Frau, die sich mit dem nichtchristlichen Ausländer einlässt, ist – die Königin von England. Wer einmal in Großbritannien war, kennt vielleicht die Häuser im viktorianischen Stil. Die sind, wie so manches mehr, nach Queen Victoria benannt, der Königin Viktoria, um die es hier im neuen Film „Victoria & A.“ geht, der deutschlandweit am 28. September 2017 in die Kinos kam.

Königin über das größte Weltreich der Geschichte

Victoria, die Siegreiche, die Siegerin, die Erste im größten Weltreich der Weltgeschichte. Das britische Reich, durch die Flotte verwaltet und erreichbar, war einschließlich seiner Kolonien größer als das Weltreich des Mongolenherrschers Dschingis Khan. Britische Könige und Königinnen gab es viele, nicht nach allen sind Möbelstücke, Baustile oder Epochen benannt.

Ein entscheidendes Kriterium, unter anderen Monarchen hervorzustechen und doppelt in die Geschichte einzugehen, ist ein langes Leben respektive eine langen Herrschenszeit.

Die Kangxi-Kaiser von China (sprich Kang-chi mit ‚ch‘ wie ich ‚euch‘), herrschten über ein halbes Jahrhundert. Es geht die Sage, es ist sogar ziemlich genau überliefert, ein chinesischer Kaiser habe nach 60 Jahren abgedankt, weil er nicht länger als sein Vater habe herrschen wollen, dessen Leistung ihm wichtiger schien und dessen Ruhm er deswegen nicht schmälern wollte.
Der Große Kurfürst herrschte 49 Jahre über Brandenburg, der preußische König und Kurfürst von Brandenburg Friedrich II., der alte Fritz, brachte es exakt 100 Jahre später auf 47 Regentschaftsjahre. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Heerscharen von deutschen Jungs Friedrich oder Wilhelm getauft oder Friedrich Wilhelm.

Königin Viktoria ist so alt und hat so lange geherrscht, dass ihr im Film Worte in den Mund gelegt werden wie: Ich sterbe einfach nicht.

Doch dann lebt die zähe Dame noch einmal auf.

Ausgerechnet ein Turbanträger hat es ihr angetan. Sie sind sich sehr verbunden, es entwickelt sich eine immer tiefere Beziehung zwischeneinander, doch stößt die Verbindung, die keine ist, auf immer stärkeren Widerstand ihrer Bediensteten, Untergebenen und Kinder.

Palastrevolution

Was ein Palastrevolution ist? In „Rebellen vom Liang Schan Moor“, in Japan als Serie verfilmt und sehr erfolgreich, werden die ehrlichen, in Kampfsport bewanderten Kämpfer für das Gute den bestechlichen Adeligen und Ministern gegenübergestellt.
Auf der einen Seite die Guten, die eine hohe Ethik im Hintergrund haben und das beste für ihr Land wollen, auf der anderen Seite der intrigierende Hofstaat, der kurzsichtig ist, auf den eigenen Vorteil bedacht, verwöhnt, egoistisch und skrupellos.
Als Kind schien es mir ziemlich unwahrscheinlich, dass der Kanzler soviel Einfluss haben könnte und den Kaiser so vom Volke isolieren, dass man ihm alles habe vorspiegeln können.
So als ob Erich Honecker ständig nur die Protokollstrecke fährt.

„Victoria & Abdul“ zeichnet diesen Konflikt, der wirklich innerhalb der Mauern des Palasts ausgetragen wird, sehr nachvollziehbar.
Und alles nur wegen dieses Dieners, der aus einer anderen Ecke des Riesenreiches gekommen ist; mit dem Dampfer. Wenn man die Dunkelhäutigen nicht mag, dann soll man sie nicht erobern. Wenn man ihr Land erobert, soll man sich nicht wundern, wenn ihre Einwohner das Mutterland erreichen. Sei es als Diener. Und es ist dann auch nicht ausgeschlossen, dass mal einer Inder in höchste Kreise aufsteigt.
Heute würde man wohl sagen: Ein Pakistani. Doch das war nach der Teilung und die kam nach der Unabhängigkeit Ende der 1940er Jahre. Weder im 19. Jahrhundert noch zu Beginn des 20. war nicht im entferntesten daran zu denken.
1887, als die Geschichte (Story) beginnt, war Gandhi – in der echten Geschichte (History – his story) – noch nicht einmal in Südafrika angekommen. Gandhi, genannt Mahatma, weilte mit Unterbrechung von 1893-1914 in Südafrika.

Ein bisschen erinnert das an einen Witz aus Indien:
Wer ist der mächtigste Mann in einem Dorf? Der Bürgermeister!
Und wer ist noch mächtiger als er? Seine Frau.

Davor hat das engste Umfeld der Königin vielleicht Angst gehabt. Aber vor allem um eigene Pfründe, Macht etc. Ein Mischung aus Neid, Eifersucht – versteckt hinter englischer Höflichkeit, eine Höf-lichkeit, die wohl höflicher als bei Hofe nicht geht.

Ein entzückender, herzlicher Film. Die Selbstbehauptung der Königin ist spannend zu beobachten – die Behauptung der Königin (!), die seit dem 1. Mai 1876 auch noch Kaiserin (von Indien!) wurde (Victoria Regina & Imperatrix). Danach nahm sie übrigens am öffentlichen Leben wieder teil. Etwa 10 Jahre später, 1887 das 50. Thronjubiläum, bei dem sie Abdul kennenlernt. 1897 das 60. Thronjubiläum – da war sie schon die am längsten regierende Monarchin Englands, Schottlands und Großbritanniens. Sie stirbt auf der Isle of Wight (“natürlich“). Sie war am 24. Mai 1819 im Kensington Palace geboren worden.

Geschichte

Königin Victoria war die am längsten amtierende britische Monarchin mit über 63 Jahren und sieben Monaten.
Erst 2015 wurde sie von Queen Elisabeth II. eingeholt (am 9. September).

Sie war verheiratet mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha.
Als dieser 1861 starb, zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück; herrschte aber noch 40 Jahr – bis ins 20. Jahrhundert hinein.

Seit 1714 im Barock hatte eine Personalunion zwischen Großbritannien und dem Kurfürstentum Lüneburg-Braunschweig, später kurz „Hannover“, bestanden. Hatte der König seinen Sitz in Hannover, herrschte er von dort auch über das britische Weltreich.

Diese Verhältnisse endeten am 20. Juni 1837 mit Viktorias Thronbesteigung. Aufgrund eines Gesetzes, das zwischen Frauen und Männern unterschied. Heute fiele es unter die Gender-Frage.
Das Salische Gesetz schloss Frauen von der Thronfolge aus. Dumm gelaufen. Vielleicht wäre der Erste Weltkrieg ausgefallen oder zumindest nicht so ungünstig für das Deutsche Reich verlaufen, wenn eine direkte Verbindung, nicht bloß eine Verwandtschaft, zwischen „England“ und Hannover als Teil des Deutschen Reiches, bestanden hätte.

Ein ganzes Zeitalter, das „viktorianische Zeitalter“, wurde nach Queen Victoria benannt. Nicht nur dem British Empire, nein auch der Mittelschicht ging es gut bis sehr gut.

Viktoria ist die Ururgroßmutter der jetzigen Königin. Übrigens auch die deren Mannes Philip.

Bei ihrer Geburt hieß die historische Victoria, die zu dem Film „Victoria und Abdul“ gehört, Her Royal Highness Princess Alexandrina Victoria of Kent.

Victoria und Victoria

Nicht zu verwechseln mit Kaiserin Friedrich, der Ehefrau des deutschen Kaisers Friedrich III., der Königin von Preußen. Deutsche Kaiserin und gleichzeitig –
Victoria Adelaide Mary Louisa, Prinzessin von Großbritannien und Irland; sie wurde erst 1840 geboren (da hatte die „Film-Queen“ in realitas bereits den Thron bestiegen). Sie ist die Mutter des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II. und starb im selben Jahr wie „unsere“ Königin Viktoria, am 5. August 1901 (auf Schloss Friedrichshof in Kronberg).

Die Queen Viktoria aus dem Film starb am 22. Januar.

Kurios: Nimmt man die ersten drei Buchstaben des Namen ihres Mannes (Albert), fügt ein ‚Du‘ hinzu und schüttelt die Buchstaben etwas durch, erhält man ‚Abdul‘.

Filmdaten

Bundesweiter Kinostart: 28. September 2017

112 Minuten. FSK ab 6 Jahren.

Besetzung: Judi Dench, Ali Fazal, Adeel Akhtar, Simon Callow, Michael Gambon, Eddie Izzard, Ruth McCabe, Tim Pigott-Smith, Julian Wadham, Olivia Williams, Fenella Woolgar

Regie: Stephen Frears

Drehbuch: Lee Hall

Inhalt:
Bei den prunkvollen Feierlichkeiten anlässlich ihres 50. Thronjubiläums 1887 lernt die manchmal etwas eigensinnige britische Monarchin Queen Victoria (Judi Dench) den jungen indischen Bediensteten Abdul Karim (Ali Fazal) kennen. Zur Überraschung ihrer Familie und Berater nimmt sie Abdul in ihr Gefolge auf – zunächst als Diener am königlichen Hof…




Maulwürfe unter dem Rasen der Rennbahn – Daniel Craig, Channing Tatum und Hilary Swank in dem Spielfilm „Logan Lucky“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Channing Tatum ist spätestens seit „Magic Mike“ in der 1. Liga, Adam Driver stellte seine Vielfalt an den Wasserfällen von „Paterson“ in New Jersey unter Beweis (Kinostart: 17. November 2016), Doch am frohesten machte mich am neuen Steven-Soderbergh-Streifen, dass Daniel Craig endlich mal eine Rolle bekam, die mir gefiel. Craig überzeugte mich persönlich als Bond in Bolivien nicht. Agent Doppelnull darf und muss töten, das galt auch für Daniel Craig. Doch als Mitarbeiter im Geheimdienst ihrer Majestät der Königin von England stelle ich mir einen eleganten Gentleman mit versteckter Grausamkeit vor. Das Vereinte Königreich von Großbritannien und Nordirland mag voller Marotten seien, hatte das aber eigentlich nicht verdient. Umso mehr gefällt Craig mit blond gefärbtem Bürstenschnitt im Knast. Dass er dort ist, hat in der 118-minütigen Actionkomödie „Logan Lucky“ natürlich seinen Sinn. Allein das Zusammentreffen der Filmbrüder Tatum/Driver mit Craig im Gefängnis ist voller Komik.

Überraschungen und Zufälle

Später überzeugen glaubwürdige Überraschungen – ja, so ist es manchmal im Leben, nichts läuft wie geplant.
Manches ist natürlich auch etwas unglaubwürdig, doch gehen wir ins Kino, um uns den Alltag von Frau Meyer oder Herrn Krause anzuschauen? Sicher nicht.

Als zum Schluss Hilary Swank und Adam Driver zusammen ein Bier trinken und sich schöne Augen machen, riecht es nach einer Fortsetzung.

Die ist mir immer noch lieber als irgendein Remake, zum Beispiel von „Flatliners“. Schlimm genug, dass hervorragende Filme wie die skandinavische Krimitrilogie mit Naomi Rapace nach kurzer Zeit neuverfilmt werden, bloß weil in den USA die Zuschauer nicht daran gewöhnt sind, synchronisierte Filme anzuschauen oder gar untertitelte.

Der Urfilm „Flatliners“ spielte mit der Grenze von Leben und Tod und Elementen den Schreckens. Okay, Filmgeschichte, hat man gesehen, abgehakt. Aber noch einmal?

Dann lieber eine Fortsetzung von dem Klamauk (im positiven Sinne), den Logan-Glück-im-Unglück darstellt.
Dagegen spricht, dass es sich um eine Buchverfilmung handelt.

„Logan Lucky“ spielt in North Carolina und West Virginia

Für den Film spricht, dass die Gegend in den USA, wo er spielt, North Carolina und West Virginia, zu selten im Film gezeigt wird und mal die Ausmerksamkeit in eine andere Richtung lenkt. Kalifornien und immer wieder New York flimmern meist über die Bildschirme und Leinwände, das kann irgendwann auch einseitig werden. Unser Planet ist zu groß, um nur ein paar Ecken zu zeigen.

Viele gute und sehr gute Filme wurden im Fernsehen noch nie gezeigt. Wie wäre es mal mit einer Reihe „Filme von Debra Granik“?
In „Winter’s Bone“ wird auch eine Gegend gezeigt, in der vorwiegend Weiße leben, die unterdurchschnittlich viel verdienen (Südmissouri). Ohne Berlinale hätte es der Spielfilm vielleicht nie nach Deutschland geschafft. Und dass, obwohl Jennifer Lawrence mitspielt, der Mockingjay-Silver-Linings-und-und-Superstar.

Soderbergh, der außer „Magic Mike“ (2012) und „Haywire“ (im selben Jahr) vor allem „Ocean’s Eleven“ ff. drehte (2001, 2004, 2007), passt zu einem gut geplanten Coup. Ein Verbrechen wie ein fast undurchführbarer Raub erfordert Planung. Ein Spielfilm erfordert Planung. Doch außer den Schauspielern ist an einem Film eigentlich alles planbar, zwar nicht vorhersehbar, doch bestimmbar. Wenn das Geld da ist, kann eine Szene beliebig oft gedreht werden, bis zum 27. Take. Zufälle glaubwürdig einzubauen, kann man planen.

Dass trotz eines guten Buches und Drehbuches manches trotzdem unglaubwürdig wirkt – who cares?
Das Leben schrieb viel unglaubwürdigere Geschichten. Einige sind sogar verfilmt worden.

Man kann bei einem Krimi und einer Actionkomödie keinen gesetzestreuen Film erwarten. In jedem Tatort sterben Menschen. So ist das eben heute.

Aber nach „Logan Lucky“ hat man ein beschwingtes Gefühl, schöpft irgendwie Hoffnung, hat gelacht oder wenigstens die Mundwinkel oben gehabt. Das kann man nicht bei jedem Film heute sagen.

Dieser Film ist kein Muss, kein „Captain Fantastic“, aber irgendwas hat man schon verpasst, wenn man nicht da war.

Riley Keough überzeugt als der wilden Brüder Schwester Mellie, die einiges in die Hand nehmen kann.

Katie Holmes ist selbstsicher dabei.

Hilary Swank ist wie immer sehr gut, reicht von der Rolle her (nicht wegen ihres Spiels) nicht an Frances McDormand als Ermittlerin in „Fargo“ heran (1996), aber es gibt einen entfernten Anklang einer Parallele.

Allein der entzückenden Katherine Waterston beim Flirten zuzusehen mit dem Halbtrottel, den Channing Tatum spielt, wäre ein Grund hinzugehen.


Der andere Driver

„Baby Driver“ würde ich wohl insgesamt vorziehen, doch das ist Geschmackssache. Es kommen heute so viele Filme ins Kino, dass man sich schon beeilen muss, sie anzuschauen, bevor sie wieder aus dem Programm geworfen werden.
(Zudem, wenn sie, wie Baby Driver, statt am 31. August zu starten, schon im Juli anlaufen und man urlaubsbedingt Terminprobleme bekommt.)

„Logan Lucky“- Regie: Steven Soderbergh, mit: Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig, Riley Keough, Katie Holmes, Hilary Swank, Seth MacFarlane, Katherine Waterston u.v.a.

Kinostart: 14. September 2017

FSK ab 12 Jahren.

Unter anderem hier im Kino:

Berlin:
– Cinemax Potsdamer Platz z.B. 17.10 und 20.20 Uhr
– Cinestar Treptower Park und Tegel
– Colosseum, Schönhauser Allee
– Cubix am Alex ab 8. Oktober 2017
– Uci-Kinowelt Gropiuspassagen, Johannisthaler Chaussee 295
– Zoo-Palast

– Babylon, Dresdner Straße, Originalversion (analog)

Bochum:
– Uci Cineworld Ruhrpark

Boizenburg:
– Kino Boizenburg, Reichenstraße 19 (DF)
19.30 Uhr

Borken:
– Cinema

Celle:
– Kammerspiele

Dortmund:
– Cinestar, Steinstraße 44 (DF)

Dresden:
– KIF Kino in der Fabrik, Tharandter Straße 33
– Ufa-Kristallpalast, Sankt-Petersburger Straße 24a

Düsseldorf:
– Metropol
Uci-Kinowelt

Göttingen:
– Cinemaxx, ab 6. Oktober

Kiel:
– Cinemaxx

Ludwigshafen:
– Cinestar

Mannheim:
Cinemax

Neubrandenburg:
– Cinestar, ab 6. Oktober

Oranienburg:
– Filmpalast, Berliner Straße 40, ab 6. Oktober

Recklinghausen:
– Cineworld

Rendsburg
– Schauburg, Schleifmühlenstraße 8

Rietschen:
– Kino-Café

Schleswig:
-Filmtheater Capitol

und viele andere!

(Alle Angaben ohne Gewähr.)

Inhalt (Spoiler)

Die Brüder Jimmy und Clyde Logan werden vom Pech verfolgt. Während der impulsive Jimmy (Channing Tatum) einen Job nach dem nächsten verliert, wird Barkeeper Clyde (Adam Driver), der nur einen Arm hat, oder ist es die Hand?, immer wieder schikaniert. Und dann wären da noch die Geldsorgen. Aber Jimmy hat eine brillante Idee, die den beiden aus der misslichen Lage helfen soll: Ein Raubüberfall im großen Stil! Das prestigeträchtigste und legendärste NASCAR-Rennen der Welt auf dem Charlotte Motor Speedway in Concord, North Carolina bietet scheinbar die perfekten Voraussetzungen für einen cleveren, unterirdischen Raubzug! Die Brüder brauchen unbedingt einen Safeknacker, den berüchtigten platinblonden Safeknacker des Landes: Joe Bang (Daniel Craig) – der sitzt allerdings noch im Gefängnis. Während der Planung des großen Coups tauchen immer neue Hindernisse auf, doch gemeinsam mit ihrer Schwester Mellie (Riley Keough) setzen die beiden Brüder alles daran, ihre lebenslange Pechsträhne endlich zu beenden…




Carpe Diem – Ewiges Leben und Sieg über den Tod! Eine experimentelle Oper beschließt die Kosmismus-Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Tag geschenkt, wo könnte man den besser verbringen als im Haus der Kulturen der Welt? Der 3. Oktober liegt an einem Dienstag. Nach dem ersten Besuch im Hause zum Thema Kosmismus blieb der Wunsch, tiefer zu gehen, doch ständig kam etwas dazwischen. Da endlich, der Tag der deutschen Einheit am Horizont! Nun wird’s was! Die Ausstellung „Art Without Death: Russischer Kosmismus“ ist zur Finissage sogar bis 22 Uhr geöffnet, Ausschlafen freigestellt.
Und es lockt ein von den Ideen des Russischen Kosmismus inspiriertes neues Werk mit einer digitalen Übersetzung von Klängen in visuelle Muster: Dorit Chrysler (Theremin, Sprechgesang) und Carsten Nicolai (Sampled ANS-Synthesizer) präsentieren um 20 Uhr eine Experimentaloper.

    Victory over Death!
    Победа над смертью!
    Sieg über den Tod!

Die Russische Revolution und die Entdeckungen jener Jahre ermutigten Künstler und Wissenschaftler zu Pionierarbeiten.
Dorit Chrysler und Carsten Nicolai schaffen mit verschiedenen Instrumenten, gesampelten Sounds und Bildern eine Performance, die an diese Geschichte anknüpft.

Der Erfinder Léon Theremin und das russische Saxophon

Der sowjetische Forscher Léon Theremin entwickelte das gleichnamige Instrument als eines der ersten elektronischen Instrumente überhaupt und ließ es 1928 patentieren.
Für „Sieg über den Tod!“ spielt Chrysler zwei speziell gefertigte Theremins: Die Peilantenne auf der linken Seite des Instruments kontrolliert die Lautstärke, während die aufgerichtete Antenne die Tonhöhe aussteuert. Die elektrischen Signale des Instruments werden verstärkt und an einen Lautsprecher gesendet.

Nicolai spielt gesampelte Sounds, die vom legendären ANS-Synthesizer generiert werden.
Das optoelektronische Musikinstrument ist eine Erfindung des sowjetischen Ingenieurs Evgeny Murzin (1914-1970) und nach dem Avantgardekomponisten Alexander (Nikolajewitsch) Skrjabin (A. N. S.) benannt. Der Moskauer Pianist und Komponist lebte von 1872–1915.

Exkurs: Namenkunde

Übrigens sagt niemand alle drei Teile des Namens. Man spricht man neutral von Alexander Skrjabin. Da der Familienname nicht selten ist, kann man den Vornamen dazusagen. Zudem auch Alexanders Sohn Julian (1908-1919) Pianist und Komponist wurde. Russische Musiker würden unter sich im vertrauten Ton auch von Sascha Skrjabin sprechen. Dieser Vorname ist nicht wie im Deutschen (Sascha Hehn) eigenständig, sondern ein Diminutiv von „Alexander“ wie das im Deutschen, Englischen und vielen anderen Sprachen gebräuchliche Kurzwort Alex.
Solange er lebte, wurde Skrjabin selbst mit Alexander Nikolajewitsch angesprochen (oder genannt), eine respektvolle Anrede, die nicht zu vertraut ist. Niemand hätte im Alltag Alexander Skrjabin gesagt, außer vielleicht der Polizei. Im Pass steht in Russland und Weißrussland immer „Alexander“, nie Sascha oder Alex. In der Bundesrepublik Deutschland ist das anders, hier können auch Kurzformen wie Hans, Tanja, Alex den offiziellen Rufnamen bilden. Sogar Verkleinerungsformen kommen zum Zuge, meist zum Leidwesen der Kinder.
Der in Kanada und den Vereinigten Staaten gebräuchliche Mittelname entspricht nicht dem Patronym oder Vatersnamen im Russischen.

Murzins Erfindung

Technisch basiert Murzins Erfindung auf der Methode der graphischen Tonaufzeichnung, die auch im Kino zum Einsatz kommt. Das Verfahren wurde in der Sowjetunion parallel zu ähnlichen in den USA verwendeten Systemen entwickelt. Es erlaubt das Generieren des Bildes einer Klangwelle beziehungsweise das Synthetisieren eines Klangs aus einem künstlich gezeichneten Sound-Spektrogramm. Tarkovsky-Fans werden die vom ANS erzeugten Klänge vertraut sein: Der Komponist Edward Artemiev (Eduard Artemjew), geboren 1937 in Nowosibirsk, erschuf mit diesem Synthesizer die ikonische Filmmusik zu „Solaris“ (1972).

Alexander Svyatogors „Biokosmistisches Manifest“

Dorit Chrysler wird außerdem – als Referenz an die Geschichte des „Gesamtkunstwerks“ – das 1922 vom futuristischen Dichter Alexander Svyatogor geschriebene Biokosmistische Manifest aufführen:
„Die Fragen der Unsterblichkeit und des Interplanetarismus dürfen weder unabhängig voneinander betrachtet noch automatisch miteinander verbunden werden. Beide ergeben sich aus dem jeweils anderen Phänomen und ergänzen einander. Sie konstituieren ein einheitliches, organisches Ganzes – vereint unter einem einzigen Begriff: Biokosmismus.“

Die (Klang-) Künstlerin Dorit Chrysler: Komponistin und Theremin-Spielerin

Dorit Chrysler wurde in Graz geboren und lebt in New York und Österreich. Die virtuose Theremin-Spielerin, Klangkünstlerin und Komponistin ist Mitgründerin der NY Theremin Society und Initiatorin der ersten Theremin-Akademie KidCoolThereminSchool. Für diese entwickelte sie einen eigenen Lehrplan für die frühkindliche Erziehung im Bereich elektronische Musik. Weitere neue Werke Chryslers werden demnächst bei der Ars Electronica zur Aufführung kommen, eine Auftragsarbeit wird sie beim Steirischen Herbstfestival vorstellen und im Rahmen der „Sisters Academy“ wird eine Sound Performance bei Den Frie, CPH zu hören sein. Chrysler realisierte zahlreiche künstlerische Koproduktionen, unter anderem mit Jesper Just, Phillippe Quesne, Anders Trentemøller, Cluster, Sasha Waltz und Elliot Sharp.

Carsten Nicolai aus Karl-Marx-Stadt

Carsten Nicolai aka Alva Noto ist einer der renommiertesten Künstler an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft und bekannt für seinen minimalistischen Ansatz. 1965 in Karl-Marx-Stadt (dem heutigen Chemnitz) geboren gehört er einer Generation an, die vor allem im Grenzbereich von Musik, Kunst und Wissenschaft kreativ tätig ist. Als bildender Künstler will Nicolai die Grenzen zwischen den sensorischen Wahrnehmungen des Menschen überwinden, indem er technische Phänomene wie Klang und Lichtfrequenzen für das Auge und Ohr wahrnehmbar macht. Seine Installationen sind von faszinierender Eleganz und Konsistenz und werden durch ihre minimalistische Ästhetik ausgezeichnet. Neben Teilnahmen an großen internationalen Ausstellungen wie der documenta X sowie der 49. und 50. Biennale von Venedig werden Nicolais Werke weltweit in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert. Zu seinem künstlerischen Oeuvre zählen auch die unter dem Pseudonym Alva Noto durchgeführten Klangexperimente, die von einem prägnanten Reduktionismus begleitet unmittelbar in die Sphäre elektronischer Musik führen. Für sie entwickelt Nicolai alias Alva Noto eigene Zeichencodes, eine spezifische Akustik und visuelle Symbole.

Russischer Kosmismus – Begeisterung für Wissenschaft und Technik inklusive

Der Russische Kosmismus stand für die Forderung nach physischer Unsterblichkeit, Wiedererweckung der Toten und Reisen ins All. In seinen Lehren verbanden sich westliche Aufklärung und östliche Philosophie, russisch-orthodoxe Tradition und Marxismus, gepaart mit der Begeisterung für Wissenschaft und Technik. Die Bewegung inspirierte sowjetische Denkerinnen und Denker, fiel später der Unterdrückung durch den Stalinismus zum Opfer und ist heute nahezu vergessen.

Eine Utopie – und ein Opfer des Stalinismus

„Art Without Death: Russischer Kosmismus“ blickt auf diese verwegene Utopie und ihre Resonanzen in Kunst, Wissenschaft und Politik. Die Ausstellung verknüpft Arbeiten der russischen Avantgarde aus der Sammlung Costakis – ausgewählt von Boris Groys – mit zeitgenössischen Positionen: Filme von Anton Vidokle und eine Installation von Arseny Zhilyaev reflektieren philosophische, wissenschaftliche und künstlerische Konzepte des Russischen Kosmismus.

„Art without Death: Russischer Kosmismus“ endet mit dem Konzert Sieg über den Tod! um 22 Uhr

Art Without Death: Russischer Kosmismus ist Teil von „100 Jahre Gegenwart“ und wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Das Haus der Kulturen der Welt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Auswärtigen Amt.

Eintrittskarten: tickets@hkw.de / +49 – (0)30 – 39 78 7175, Online www.hkw.de/cosmism

Oper: 3. Oktober 2017, 20 Uhr
Ausstellung: bis 22 Uhr
Kombiticket (Konzert und Ausstellung) EUR 10/ermäßigt EUR 8

Haus der Kulturen der Welt (ehem. Kongreßhalle), John-Foster-Dulles-Allee im nördlichen Großen Tiergarten




Harfe

Der Feiertag macht’s möglich: Morgens Harfe und sax live. Das Jerusalem-Duo begleitet ökumenischen Gottesdienst in Mainz am Tag der deutschen Einheit

Berlin/ Mainz, Deutschland (Kulturexpresso). Mit dem Zweiten hätten Sie mehr gesehen (außer, Sie halten etwas zu). Doch obwohl der ökumenische Gottesdienst zum säkularen Tag der deutschen Einheit in Mainz abgehalten wird, sendet nicht das ZDF, sondern die ARD. Damit sitzen Sie wenigstens in der 1. Reihe, im Heimkino mag das gehen, im Cinemax, Cinestar oder Filmkunst 66 gilt das nicht als Vorteil. Widersprüchlich ist die Werbung, die leicht zu Antiwerbung gerieren könnte, dächte man darüber nach. Wer wirbt schon für Fern-SEHEN damit, dass er sich die Augen zuhält? Zugegeben nur eines, doch der 3D-Effekt, den viele versuchen, mit den verschiedensten Tricks und teurer Technik zu erreichen, ist automatisch – weg. Zudem könnten Blinde sich beleidigt fühlen, wenn sie jene Augen-Zuhalte-Werbung denn sehen könnten. Denn ein gutes sehendes Auge wäre für viele Sehbehinderte ein Geschenk des Himmels. Doch so, wie sich nicht nur Affen die Augen zuhalten, weil sie es nicht mit ansehen können (ursprünglich, um nichts Böses zu sehen), ruinieren junge Leute freiwillig ihr Gehör in zu lauten Discos und ihre Gesundheit mit Drogen und Alkohol.
Doch wollen wir nicht nörgeln und meckern, sondern feiern! Jene Sorte feiern, die auch ohne Bier auskommt, obschon Dr. Helmut Kohl sehr daran gelegen war, dass man den deutschen Feiertag draußen verbringen kann. Zum Beispiel auf dem Oktoberfest. Obwohl das im September stattfindet. Wenn schon der Tag der deutsche Einheit am 17. Juni wegfiel, der an den Volksaufstand 1953 erinnerte.

Harfenklänge zum Fest

Michail Gorbatschow sei Dank wurden 1990 die DDR und die BRD zu einer neuen Bundesrepublik Deutschland vereinigt, der Berliner Republik. die auf die Bonner folgte. Deutschland errang damit erstmals seit 1945 die Souveränität und konnte wieder über den eigenen Luftraum bestimmen.
Der Freude über die „Wiedervereinigung“ muss einfach Luft gemacht werden, trotz aller Häme gegen Ossis, hoher zusätzlicher Steuerbelastung der Wessis und unzufriedener Mainstreampolitiker, die nicht ganz verstehen, warum in den neuen Bundesländern und im Osten Berlins so viele die Linken und die AfD wählen.

Feiern mit Musik

Feiern also, Fête, Party. Da darf die Musik nicht fehlen. Schon früh um zehn, wenn viele noch in den Federn schlummern, spielt das Jerusalem-Duo. Allerdings kein ganzes Konzert, sondern
im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes. Warum am Tag der deutschen Einheit überhaupt ein Gottesdienst gefeiert wird, obwohl es kein Sonntag ist (gut, manche feiern auch am Samstag), sei dahingestellt. Feiern steht ja im Mittelpunkt, nicht die Kritik und der Dissens. (Mutet es nicht schon ein bisschen merkwürdig an, nachdem der Sonntag am Dienstag nur zwei Tage her sein wird und die deutsche Einheit keine religiöse Angelegenheit ist?)

Einheit

Zum Thema Vereinigung passt immerhin die Ökumene, die zeigt, dass man sich zusammenschließen kann, auch wenn man anderer Meinung ist.
Da das geteilte Deutschland kein natürlicher Zustand für ein Volk, für ein Staatsvolk war, sondern eher Machtausübung nach dem Prinzip „Divide et impera – Teile und herrsche“, können sich die Deutschen wirklich freuen.

Gründe zu feiern

Feiern kann der Souverän auch sein Wahlrecht in freier, geheimer, direkter und allgemeiner Wahl, das auch für Frauen und nicht in drei Klassen gilt.
Ein weiterer Grund zum Feiern ist die Nichtdurchführung des Morgenthau-Planes, der Wirtschaft und Kultur der Deutschen zurückgeworfen hätte. Dann schon lieber Care-Pakete und Marshallplan.
Nur ewige Nörgler können dem Morgenthau-Plan Gutes abgewinnen und Stichworte wie Selbstversorgung und „Zurück zur Natur“ ins Feld führen. Auch wenn saisonal, regional und bio zurzeit im Trend liegen.

Also: Musik!

Die Harfe zählt mit zu den festlichsten Instrumenten überhaupt; die Ehrfurcht vor ihr lässt das Gerede und Gequatsche im Publikum umgehend verstummen. Morgen früh um 10 braucht man nur den Fernseher einzuschalten, die Rundfunkgebühren sind schon bezahlt. Das 1. Programm ist bei vielen Geräten festeingestellt, man braucht dann noch nicht einmal den Programmknopf zu berühren. Derart früh am Morgen an einem Feiertag durchaus von Vorteil.

Mainzer Dom

Gespannt sein darf man auf die Akustik in Mainzer Dom. Der Hohe Dom zu Mainz ist 83einhalb Meter hoch (Höhe des Westturms: 83,50 Meter mit Wetterhahn, Höhe des Mittelschiffs 28 Meter).
Friedrich II. wurde 1212 hier durch Siegfried II. von Eppstein gekrönt (nicht der alte Fritz).

Andere Könige auch, darunter Agnes von Poitou im 11. Jahrhundert.

Das Recht zum weltlichen Herrschen ist keine Geschlechterfrage, das Wahlrecht hingegen schon. Bis ins 20. Jahrhundert, sogar in der direkten Demokratie der Schweiz, wie der wunderbare Spielfilm „DIE GÖTTLICHE ORDNUNG“ seit August diesen Jahres in Deutschland zeigt. (Als eines der letzten europäischen Länder führte die Schweiz erst 1971 das Wahlrecht für Frauen ein.)

1942, 1944 und ’45 trafen mehrere Fliegerbomben den Mainzer Dom, zerstörten Dächer, die abbrannten, und das OG des Kreuzgangs. Zum Glück blieben die Gewölbe heil und die Geschichte des Doms konnte trotz der Luftangriffe weitergehen.

1975 beging man die 1000-Jahr-Feier des Gebäudes, das nun schon 1042 Jahre steht.

Das Duo

Das Jerusalem-Duo versteht sich als eine neue Stimme in der Musikwelt, die die Grenzen der konventionellen Genres überschreitet.

Was wäre das Leben ohne Zufälle?

Frau Hila Ofek und Andre Tsirlin haben an der „Jerusalem Academy of Music and Dance“ studiert und wie viele gute Dinge im Leben ergab sich auch der erste Auftritt des Jerusalem-Duos eher zufällig.
Die Harfenistin Hila Ofek war zur Hochzeit eines Freundes eingeladen, um mit einem Flötisten zu aufzutreten, der aber leider krankheitsbedingt absagen musste.
Eine spontane, zuerst halb im Scherz gemeinte Idee, dass André den Flötisten ersetzen könnte, wurde in die Tat umgesetzt.

„Flöte oder Saxophon – egal!“

„Die Leute interessiert nicht, ob es eine Flöte oder Saxophon ist, sie kümmern sich nur um die Musik“, sagte die Mutter der Braut.
Es kam, wie es kommen sollte, die Aufführung war ein großer Erfolg und ein Kompliment das häufig gemacht wurde, war, dass die Kombination der beiden Instrumente so natürlich und melodisch klingt und nichts vermissen lässt.

Selten gehörte Kombination

Im Zusammentreffen eines der ältesten mit einem der jüngsten Instrumente der Musikgeschichte eröffnete sich ein bislang selten gehörtes Klangerlebnis.
„Die individuellen Klangfarben des Jerusalem-Duos auf ihren so sehr unterschiedlichen Instrumenten macht es manchmal fast unmöglich, zu erkennen, welches der Instrumente spielt“, meinte Florance Sitruck, ehemalige künstlerische Leiterin des Internationalen israelischen Harfenwettbewerbs.

Nach ihrer ersten gemeinsamen Auftritten konzertierte das „Jerusalem-Duo“ in zahlreichen Städten Europas und Israels, nahm an wichtigen Festivals teil, erhielt prestigeträchtige Stipendien wie Live Musik Now in Frankfurt und gewann mehrere Wettbewerbe wie zum Beispiel den 3. Internationalen TEREM-CROSSOVER-Wettbewerb in St. Petersburg.

Auftritte mit Giora Feidman

Darüber hinaus arbeiteten sie bereits erfolgreich mit so renommierten Künstlern wie Giora Feidman zusammen. Auf seiner Tournee im Januar waren die beiden die „special guests“ und traten im Dom auf, in Wesel und Ratzeburg, sowie in der Heilig-Kreuz-Kirche Augsburg, der Friedenskirche in Ludwigsburg und der Martinikirche in Siegen, aber auch an weltlichen Orten wie dem Rossini-Saal in Bad Kissingen und der Stadthalle in Biberach an der Riß.
Mainz wurde auf der Januar-Rundreise nicht angesteuert, aber jetzt.

Am 3.10.2017 um 10 Uhr übertragen ARD und SWR live den ökumenischen Gottesdienst aus dem Hohen Dom zu Mainz, als offizielle Feierlichkeit zum Tag der Deutschen Einheit – musikalisch umrahmt vom Jerusalem-Duo.

Das Jerusalem-Duo:
Hila Ofek, Harfe
Andre Tsirlin, Saxophon




Endspurt der italienischen 72 Stunden. 7 von 52 Berliner Orten für authentisches Essen – ein Sonntagsausflug!

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 52 Ziele in rund 3 Tagen – das wird natürlich kaum jemand vollständig versuchen, bedeutete es doch, im Durchschnitt 17 Lokale pro Tag zu besuchen. Oder anders gerechnet: Bei 20 Stunden Fahrtzeit (weniger als eine halbe Stunde pro Ziel, auch ohne Taxi machbarer als die 80 Tage um die Welt zu seiner Zeit) bleibt eine ganze Stunde zum Verweilen je Gaststätte. Rechnerisch, denn keine ist rund um die Uhr geöffnet.

Deshalb hier ein halbes Dutzend Adressen, damit man sie nicht erst suchen muss – als Tour zusammengestellt.
(Mit der BVG bzw. U-Bahn. Ortskundige, Navi-Nutzer und Taxikunden haben das Ziel schon gefunden.):

Wie beginnen zentral und touren dann spiralförmig im Uhrzeigersinn durch die Bezirke Tempelhof-Schöneberg, Mitte, Kreuzberg-Friedrichshain und Neukölln.

Auch die Fugger kamen rum: Trattoria a’Muntagnola

Der Anfangspunkt liegt in Ku’damm-Nähe. Schon der Gründer des KaDeWe, dass in der reichsten Stadt Preußens lag (Charlottenburg), wusste, was eine gute Lage ist: Der Wittenbergplatz.
Die U-Bahnlinien 1,2,3 und viele Busse sowie die Nähe des Fernbahnhofs Zoo machen ihn gut erreichbar. Vom KaDeWe gehen wir rechts in die Bayreuther Straße und ihre Verlängerung nach Süden, die Welserstraße. Dort befand sich das Berlinale-Kino „Arsenal“. Nach links in die Fugger liegt bald auf der rechten Seite die gesuchte Trattoria.
Dort erwartet uns eine freundliche Gastwirtin (siehe Bild) mit ihrer Familie.
Es ist täglich geöffnet, die Küche von 17-24 Uhr.

Trattoria a’Muntagnola, Fuggerstraße 27, 10777 Berlin, Tel. (030) 2 11 66 42 www.muntagnola.de

Parma (di Vinibenedetti) in Wedding

Je nachdem, wir satt wir sind, fahren wir jetzt in den Wedding, (Zurück zum Wittenbergplatz, mit Bus 46 zum Zoo, oder mit der U2; oder mit der U1/U3 bis Kurfürtendamm oder Spichernstraße; jedenfalls zur U9, dort umsteigen Richtung Osloer Straße bis Leopoldplatz.)
Parma, wo der Schinken herkommt, liegt im Norden Berlins nördlich des U-Bahnhofs Leopoldplatz in der Utrechter Straße 31 in 13347 Berlin (Ecke Malplaquetstraße, die vom Platz als Abkürzung hierherführt). Tel (030) 49 08 98 85 .

Weiter ginge es zurück zum „Leo“ und dann mit der anderen U-Bahn-Linie, der U6 Richtung Alt-Mariendorf bis zum S-Bahnhof Wedding. Dort in die Ringbahn S41 bis Ostkreuz. (In Fahrtrichtung hinten aussteigen.)

[Lässt man das „Parma“ aus, fährt man vom Wittenbergplatz mit dem 46er oder der U2 Richtung Ruhleben zum Zoo und von dort mit der S-Bahn bis Ostkreuz.]

Der Ausgang Richtung Sonntagstraße (!) führt automatisch rechts in die Neue Bahnhofstraße. Die 7b an der nächsten Ecke ist unser Ziel. An der Ampelkreuzung mit der Boxhagener Straße liegt rechts, also diagonal gegenüber der Bäckerei „Süß“, die Trattoria Napoletana „Jamme Ja“.

Jammeja statt Jamaica in Friedrichshain

JammeJa bietet italienisches „Street Food“ (Essen an der Straße?) aus Neapel und Catering. Info und Reservierung Tel. (030) 49 08 18 04 (eine fast achsensymmetrische Nummer, in der nur die 9 an zweiter Stelle stört).
www.jammeja.de
(Die Haltestelle der Straßenbahnlinie 21, gleichzeitig Bushaltestelle des 240ers, heißt „Neue Bahnhofstraße“.)

Zurück zum Bahnhof Ostkreuz von dort mit S- und U-Bahn zum Bahnhof Schönleinstraße.
Je nachdem, was früher fährt, gibt es zwei Möglichkeiten. Gleich unten am Gleis mit der S7 und 75 bis Jannowitzbrücke, dort in die Ubahn Richtung Hermannstraße bis Schönlein-.
Oder: Mit der Ringbahn S 41 bis S- und U-Bahnhof Hermannstraße und dort in die U-Bahn, die dort nur in eine Richtung fährt, ebenfalls bis U Schönleinstraße.
Das dauert etwa 20 Minuten.

Jetzt zum Wasser: Zur Kottbusser Brücke und dann am Maybachufer entlang zur Nummer 21.

Ammazza che Pizza – frei übersetzt: „Was für eine Pizza!“

Das 7-Euro-Angebot gibt es auch in der Pizzeria Romana „BY D. & J. Gravina“,
Maybachufer 21, 12047 Berlino. Tel (030) 89 61 65 56.
Der Chef verspricht Sooo eine tolle Pizza.

Vielleicht ist man ja auch schon für den Nachtisch reif, dann gleich zum U-Bahnhof Boddinstraße U8. Von dort führt ein 12minütiger Fußweg von 740 Metern Richtung Westen, Richtung Flughafen Tempelhof (in die Nähe der nördlichen Landebahn).

Der Weg soll lohnen, denn das nächste Angebot ist namentlich erste Sahne.

Hausgemachtes ohne Gluten: Erste Sahne!

Vom Bahnhof Boddinstraße nicht in selbige oder die Rollbergstraße, wo das neue Kino ist, sondern auf der Westseite der Hauptstraße (der Hermannstr.) in die Selchower Straße. Benannt nach dem Ort, der vom Möchtegern-Flughafen BER umschlossen wird. Die nächste links in die Weisestraße, dann rechts in die Herrfurthstraße. Nach ein paar Schritten ist man am Herrfurthplatz, einer Perle des Schillerkiezes mit der Genezarethkirche und dem Café Selig.
Selig oder stolz wie Oskar kann man nun links in die Schillerpromenade einbiegen, über den Mittelstreifen promenieren. Bis zur nächsten Ecke, dort rechts in die Kienitzer 116, das ist gleich das zweite Haus von der Ecke, an der das Promenaden-Eck ist.

Die Konditorei Erste Sahne ist ein wenig anders, gut anders.
Ein schöner Name, eine außergewöhnliche Visitenkarte in einem doppelt großen Format; ein Spiel mit lateinischen Buchstaben.
Das Café Erste Sahne Otium wird Otivm geschrieben, als sei der Name in Stein gemeißelt. Das Versprechen: „Bei erste Sahne ist alles nur aus den besten Zutaten und ohne Gluten hausgemacht.“ „Deswegen haben wir keine Cola…“ „Was noch?! Äh, ja! Mehr Infos auf www.otivm.de .“ Wenn die Leckereien so frisch sind wie die Eigenwerbung, dann nichts wie hin.
Angenehm auch der längere Fußweg, einige Kalorien verschwinden wieder und Dr. Siegfried Block empfahl in seinen Büchern 5 Kilometer Fußweg pro Tag. 2 x 740 zum Bahnhof Boddinstraße sind nur anderthalb km.

Jetzt ein Eis?

Noch ein Eis? Wer zur letzten Station zu Fuß laufen will, geht die Schillerpromenade zurück und an der Kirche weiter geradeaus in die Fontanestraße, dann Karlsgarten- und Wissmannstraße zum Hermannplatz, weiter nach Norden über Kottbusser Damm, Brücke und Straße zum Kottbusser Tor und dann an der Hochbahn entlang bis zur Skalitzer Straße 77.

(Mit der U-Bahn geht’s von der Boddinstraße Richtung Wittenau bis Kottbusser Tor, dort umsteigen in die U1 Richtung Warschauer Straße bis U-Bhf. Schlesisches Tor. Die gesuchte Adresse ist direkt an der Hochbahn.)

Duo – im heißen Sizilien und in Kreuzberg gibt es Eis

Sizilianisches Eis hat hier Tradition seit 1972, als das hier West-Berlin und Kreuzberg 36 war (nach der Postzustellbezeichnung SO 36 für Südost). Antonio Tomasello ist heute unter der Postleitzahl 10997 erreichbar und hat eine Website (duoicecream.de), sonst hat sich nicht zuviel geändert in 45 Jahren. Doch: Die Telefonnummer ist eine Handynummer (01577 9527020).

Nach diesem leckeren (Sonn-) Tag eilt man nach Hause. Warum ging die 72 Stunden-Aktion eigentlich nicht noch 48 Std. länger?? Haben die Italiener nichts von dem Brückentag und dem Feiertag der deutschen Einheit gewusst?

Der kombinierte Rundgang mit Rundfahrt geht vom Schöneberg (und ggf. Wedding) im Westen über Neapel im Osten (Jamme Ja) wieder in den „Westen“ nach Neukölln und Kreuzberg. Auch am 3. Oktober kann man seine private Tour der deutschen Einheit machen.
Eine Reise in die Vergangenheit und Zukunft, eine Reise in der Gegenwart und nach Italien, und vor allem – eine Reise in den Geschmack.

Lebens- und Nahrungsmittel aus dem Netz – nicht nur Fische

Wer zählen kann, ist klar im Vorteil. Das weiß nicht nur John Allen Paulos, der Autor von „Zahlenblind“. Wieviele Gaststätten wurden bis hierher vorgestellt? Sechs. Wieviele sind in der Überschrift versprochen?

Aus Datenschutzgründen kennen nur Sie das siebte Siegel, pardon Ziel, denn das ist Ihre persönliche Anschrift.

Es gibt genug Gründe, das Haus nicht zu verlassen.
Heute regnete es. Und der Himmel sieht immer noch grau aus.
Wir waren schon beim Gottesdienst und wollen nicht wieder hinaus.
Vergangenen Sonntag waren wir doch schon draußen, da mussten wir wählen und Tegel retten.
Nicht schoon wieder vor die Tür.
[Aufzählung unvollständig.]

Okay, capito.

Dafür gibt es Lieferdienste. Auch für die, die keine heiße Pizza im Karton möchten, sondern selbst kochen.

Außer Konkurrenz nimmt Quomi an der Aktion „72 hours“, der „Azione“ teil. Das ist ein Netzdienst für Leute, die nicht einkaufen wollen, keine Zeit haben oder nicht wissen, wo sie die Zutaten für ein bestimmtes Gericht herbekommen. So etwas ist auch in der Bundesrepublik bekannt.

Das Unternehmen sitzt in Italien und beliefert den dortigen Markt: Man suche eine Speise aus, klicke auf „bestellen“ und erhält dann alles, was benötigt wird, um das Entsprechende zuzubereiten.
Dazu muss natürlich eine Lieferinfrastruktur vorhanden sein und der Abstand zwischen Lebensmittel und Empfänger nicht zu groß.
24 Stunden soll die Lieferzeit betragen, das ist im Ausland nicht zu garantieren, außer vielleicht in Nizza – übrigens ein italienisches Wort – und Laibach, Klagenfurt, Zagreb, Rijeka, Innsbruck, Vaduz, Lausanne, Grenoble, Aix, Avignon – kurz: in grenznahen Bereichen.

Für Berlin als erster deutscher Stadt wird jetzt ein solcher Dienst in einem Drittel von 72 Stunden garantiert. Sollte es in der deutschen Hauptstadt gut laufen, ist eine Ausdehnung auf andere Regionen geplant.

Das letzte Wort ist ein „quote“ (englisch für Zitat) von Quomi in true Italian authentic words. Da sieht man gleich mal, wie gut man italienisch kann. Vielleicht viel besser als man dachte. (Die ersten beiden Wörter bedeuten ’saisonale Rezepte ‚ und liegen damit voll im Trend.)
Ricette stagionali ed ingredienti freschi dall’Italia direttamente a casa tua.




72 Stunden italienisch – ohne Russell Crowe und Liam Neeson. An 52 Orten in Berlin hervorragend authentisch essen zum Fest-Preis

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 72 Stunden haben ihren eigenen Reiz. Aller guten Dinge sind drei und 3 Tage à 24 h ergeben 72. Mit einem englischen Plakat wirbt Italien für seine Küche in Berlin. Originell: Von Donnerstag abend bis Sonntag abend gibt es an so vielen Berliner Orten, wie das Jahr Wochen hat, etwas für 7,- Euro (sic). Ja, Sie haben richtig gelesen, nur 7 Euro, und es handelt sich um beste Qualität, lauter italienische Spezialitäten – Gaumenfreude pur! Man fragt sich nur, warum alles nur auf englisch geschrieben steht und wozu die Deutschen soviel italienisch gelernt haben? Ob das Collegium musicum, die Berliner Philharmoniker oder die Junge Deutsche Philharmonie – alle kulturbeflissenen Laien- und Profimusiker arbeiten, zumindest im klassischen Bereich, mit allegro, allegretto, forte und fortissimo. Carl Nielsen sprach dänisch und ist schon seit 1931 tot – trotzdem hatte weder die Junge deutsche Philharmonie, die ihn am Mittwoch abend im Konzerthaus aufführte, noch das Publikum Probleme, die Satzfolge „Allegro – poco allegretto – poco adagio quasi andante – Allegro“ zu verstehen.
Jeder sagt oder versteht „Ciao!“ und „Arrivederci“, Buona Sierra und Prego, vielleicht ein bisschen berlinerisch eingeschliffen, aber tutto capito. Und tutti kennen Pizza aus der Pizzeria, bloß beim Plural streiten sich die Pizze mit den Pizzen.

Wenn italienisch schon die Lingua franca der Musik ist, warum sollte genussbetonte Werbung für italienische Küche in Deutschland nicht wenigstens zweisprachig sein?

Für den Mund = bocca

Doch zurück zu den Köstlichkeiten, die man nicht mit dem Bocca della Verità – dem Mund der Wahrheit und schon gar nicht „bocca chiuso“ zu sich nehmen kann. Letzteres die Choranweisung für das Summen: „mit geschlossenem Munde“.
Wer gedankenlos auf englisch losplappert, sollte öfter mal „tenere la bocca chiusa“ – den Mund halten. Es sei denn, er will seine Muttersprache verlieren. Wörter werden nämlich schneller vergessen, als man denkt. Erst denken, dann sprechen.

Wirklich italienisches authentisches Essen

72 Stunden lang seit Donnerstag abend 19 Uhr – sorry: 7 p.m. – gibt es „True Italian authentic food“. True Italian ist immerhin ein Warenzeichen, registered Trademark, das kann man schlecht auf italienisch oder deutsch ausdrücken, „Nutella“, „Mercedes“ und „Volkswagen“ werden auch nicht übersetzt. Vielleicht hätte man besser als Beispiel Daimler-Benz wählen wollen, das Mercedes ein spanischer Mädchenname ist. Doch das Prinzip ist klar – „Tru Itäljän“ ist verziehen. Doch was gibt es eigentlich ab Sonntag abend? Ist das italienische Essen dann nicht mehr authentisch??

Ein konkretes Beispiel

Etwas unverständlich war die „Kampagne“, der Werbe-Feldzug dann doch, nicht nur wegen des Englischen, sondern auch weil Fragen offenblieben. Konnte in den teilnehmenden Restaurants an den 4 Tagen noch à la carte gegessen werden? Kosten alle Gerichte nun an diesen Tagen 7 Euro oder nur manche oder nur eines, oder ein Extrabraten, der für die Aktion extra gekocht wurde?

Jedes Restaurant (oder Café etc.) warb mit einem Gericht, der Sala da Mangiare in der Mainzer Straße 23 in 12053 Berlin mit „Pasta stuffed with buffalo ricotta and roasted almonds with safran sauce“ + Wein oder alkoholfreies Getränk = 7 Euro. Der feste Betrag gab jedem eine Richtschnur und den Gästen respektive Kunden Sicherheit. Sieben Euro ist genug für den Gastwirt, etwas zu verdienen an einem Gericht, das in größerer Zahl nachgefragt wird, auch wenn es aus Wirtes Sicht im ungünstigsten Fall dabei bliebe. 7 Euro ist aus Gastes Sicht ein Anreiz zu probieren, den Hintern hochzukriegen und neue Orte aufzusuchen.

Den Rest des Jahres möchte man auch satt werden und allein der Gedanke an die ganzen Lokale und Speisen lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Angesichts der Liste der Teilnehmer ist bestimmt nicht jeder Besuchswunsch realisierbar und so bleibt auch morgen noch etwas zu tun, noch ein Ziel aufzusuchen.

Wenig hilfreich trotzdem die Angaben sämtlich in Fremdsprache. Nicht jede oder jeder in Berlin versteht das Englische – oder wollte man nur englischsprachige Touristen ansprechen?
Doch wohl eher weniger, denn Kasse über das Jahr hinweg machen die Berliner und Stammkunden. Die Werbeaktion hat bestimmt einiges gekostet, wäre das Übersetzen in Deutsche so teuer geworden? Sicher nicht.

„Mit Büffelricotta gefüllte Nudeln“ oder in Gottes Namen Pasta, dazu „Röstmandeln mit Safransauce“. Warum nicht? Verständlicher für viele allemal. Das „Good friends“ in der Kantstraße legt die Speisekarte in einer Handvoll Sprachen vor.

„Sala da Mangiare“ klingt vielleicht besser als Eßsaal oder Kantine, doch ist es genau das. Das Chinarestaurant „Shitang“ am Kurfürstendamm zwischen Joachim-Friedrich- und Nestorstraße meinte dasselbe (inzwischen geschlossen).

Das Italo-Restaurant ist übrigens weder in Friedrichshain noch in Wilmersdorf, sondern in Neukölln zwischen Flughafen- und Boddinstraße unweit des U-Bahnhofs. Auf der anderen Seite der Hermannstraße etwa 1 km entfernt im Schillerkiez das ebenfalls teilnehmende „Erste Sahne“.

Immer wieder: 72 Stunden

„72 Stunden – The Next Three Days“ heißt der Thriller von 2008, in dem Laras Chefin mit einem Feuerlöscher erschlagen wird. Beim Film hat der Countdown, dass Ultimatum, einen immanenten Sinn: Es muss spannend bleiben.
Beim italienischen Essen, dass mit Annelletti Siciliani, Baccala, Caponata, Culurgiones, Frisella, Pizza fritta i Pasta alla norma, Polpette di cinghiale und mehr eigentlich spannend genug ist, möchte man in Ruhe genießen, doch bietet der abgesteckte Zeitrahmen den Anreiz, viele Gourmettempel und Genussecken aufzusuchen, die man sonst nie im Leben gesehen hätte.
Da noch nicht einmal Taxifahrer alle Straßen dieser Stadt gesehen haben, eine sinnvolle Sache, die neue Erlebnisse und vielleicht Freundschaften verheißt.
Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) wählte jahrelang mit Erfolg dieses Zeitfenster, um mit zig tausenden Teilnehmern eine gemeinnützige soziale, ökologische oder interkulturelle Aufgabe innerhalb von 6 Dutzend Stunden zu lösen.

Die Berliner 72-Stunden-Aktion ist ein Versuchsballon oder eine tolle Sache. Eine Kampagne, die sich jemand ausgedacht hat und im Sand versickert oder ein voller Erfolg. Das werden wohl die Berliner und ihre Gäste mit den Füßen entscheiden, mit denen sie abstimmen.
Die Deutschen sind gerade in Abstimmungslaune und die Zahl 3, die eine 4 ist, passt dazu. 72 Std. sind drei Tage, wenn sie um Mitternacht begännen und endeten; sie fangen aber Donnerstagabend an und enden Sonntag, mit Freitag und Samstag sind das vier Tage.
Deutschland wählte Jamaica bestehend aus drei Farben, doch mit CDU/CSU sind es vier Parteien.

Die Entscheidung für den Flughafen Tegel fiel am Sonntag, den 24. September. Die Entscheidung über „72 hrs“ – „The longest happy hour of the best Italian food in Berlin“ wird eine Woche später am Sonntagabend fallen – oder wenn die Stimmen in den Kassen ausgezählt sind.