Kultur- und Sozialzentrum Gitschiner 15 in Kreuzberg

Ich weiß, wo Du wohnst. Wir sehen uns. This is Where I Live – internationale Kunstkontakte

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wir sehen uns – das klingt immer positiv. „Ich weiß, wo Du wohnst“, soweit es nicht beiläufig ausgesprochen wird, könnte von Ängstlichen oder Menschen mit schlechtem Gewissen oder Leichen im Keller als Drohung aufgefasst werden. Bei Nomaden, Obdachlosen oder Menschen ohne festen Wohnsitz führt der Satz ad absurdum. Wie das Zen-Koan von dem Klatschen der einen Hand (vgl. die Bücher von Nathalie Neuhäusser oder Ulrich Dehn) zeigt es ein unauflösbares Paradoxon: Wer nicht wohnt, wohnt nicht wo. Wo wohnt, wer nicht wohnt?

Kunst und Musik, könnte man denken, steht bei Menschen, die aus eigener Kraft ihre grundsätzlichsten Bedürfnisse nicht decken wollen oder können, hinten an. eiGanz weit hinten. Wie eine Berliner Professorin zum Thema Brötchenerwerb einmal sagte: „Brot kauft man immer, Bücher nicht“.

Trotzdem pfeift sich so mancher auch in verzweifelten Situationen ein Liedchen, wenn er nicht gerade aus dem letzten Loch pfeift.

Oder malt. Malt sich etwas aus, wie es besser sein könnte. Drückt sich mit Pinsel und Leinwand, Staffelei und Palette aus. Beschreibt vielleicht den Ist-Zustand seiner Umgebung, so trostlos sie sein möge. So wie die Gitschiner 15 kunstinteressierte Arme und Normalverdiener zusammenführen möchte, so wie dort in Kreuzberg Künstlern die Möglichkeit gegeben wird, Kunst herzustellen, auch wenn das Geld für die Farbe nicht reicht, gibt es weltweit mehrere Institutionen.

Wohin mit der Kunst, wenn man kein Dach über dem Kopf hat?

Doch dann kommt der nächste Schritt: Was macht man mit der Kunst? Was macht man mit den Bildern? Herbert Normalverbraucher hat möglicherweise schon wenig Platz, doch trotzdem eine Abstellkammer. Ob er nun zur Miete wohnt oder Eigentümer ist. Doch wo haben die Ärmsten ihre Abstellkammer?

Es gibt eine Initiative, die mittellosen Künstlern nicht nur das Malen ermöglicht, Ateliers zur Verfügung stellt, sondern auch Ausstellungsmöglichkeiten verschafft. Bedingung von „This is Where I Live“ ist, dass die Bildermaler obdachlos sind oder waren.

Einmal im Jahr – jetzt werden dann die Bilder nicht nur in den örtlichen Hilfszentren in den jeweiligen Ländern ausgestellt, sondern sogar um die Welt geschickt.

Teilnehmer aus fast aller Welt

Doppelvernissage in der Gitschiner 15 in Kreuzberg
Plakate zu den Ausstellungen „Cishuman“ und „THIS IS WHERE I LIVE“ – internationaler Kulturaustausch. Bis 1.9.2018. Foto/BU: Dirk Fithalm

Die Länder, aus denen die teilnehmenden Helfer und ihre Einrichtungen stammen, sind auf vier Kontinenten: Eurasien, Amerika und Australien. Die Vereinigten Staaten sind dabei und andere angelsächsische Länder wie Großbritannien, Australien und Neuseeland. Die Bundesrepublik Deutschland und das einmalige Indien.

Sie haben Papiere

An der internationalen, einmal im Jahr organisierten Austauschausstellung „This is where I live“ beteiligt sich das Kulturzentrum „Gitschiner 15“ zum dritten Mal und präsentiert ab 1. Juni 10 Werke in verschiedenen Techniken auf Papier, geschaffen von „Künstlerinnen und Künstlern aus den Städten“ New York, Mumbai, London, Auckland und Melbourne, wie die hauseigene Website verlautbart. „Die Künstler waren oder sind obdachlos.“

Gleichzeitig werden in diesen 5 Städten Zeichnungen und Gemälde von Gästen der Gitschiner 15 ausgestellt. Darunter Werke von Ursula Manthei. Nicht alle Künstler nehmen an dem internationalen Kulturaustausch teil.

Frau Manthei hatte in Berlin bereits eine Einzelausstellung:

Tauwetter-Kopfstand. Ursula Manthei eröffnet ihre Ausstellung von Zeichnungen und Aquarellen persönlich

Doppelausstellung mit Doppelvernissage eröffnet

Gleichzeitig zeigt der 19jährige Nils Ben Brahim ca. 40 Bilder und Collagen in Acryl- und Mischtechnik. Er nennt seine Ausstellung „CISHUMAN“; so wie auch eines seiner Bilder. Der Berliner nutzt das Atelier im Kulturzentrum Gitschiner 15.

Ausstellung im Kultur- und Sozialzentrum Gitschiner 15 in Berlin Kreuzberg
Ausstellung „Cishuman“ im Aufbau. Treppenhausgalerie im Kulturzentrum Gitschiner 15 in Berlin, bis 1.9.2018. Foto/BU: Dirk Fithalm

Genaueres über „Cishuman“ und einzelne Werke:

Unter die Oberfläche: „Cishuman“, erste Ausstellung von Nils Ben Brahim


www.nilsbenbrahim.com

Vergangene und noch nicht vergangene Ausstellungen 2018: Wir sehen uns!

Die Ende Mai abgehängten Vorgängerpräsentationen in der Café- und Treppenhausgalerie hießen „Blau“ von Mariyan Dyankov Dyankov (36), 25 kraftvolle Bilder, und „Wir sehen uns“. Der doppeldeutige Satz betitelt eine Schau des 75jährigen Fotografen Willy Giro. Die abgelichteten Gesichter sind die der Gäste des Kulturzentrums. Wie die Musikerin Jocelyn B. Smith.

Unsere geneigten Leser könnten nach der Lektüre von Bertrand Russell (Warum ich kein Christ bin) und Ayn Rand (Atlas shrugged/ Wer ist John Galt?) zweifeln, ob Sozialarbeit wirklich Gutes gebiert. Diesen könnte man zu Unvoreingenommenheit raten. Konzentration auf die Kunst.

Gute Betrachtungsgründe könnten außer dem Kunstgenuss auch folgende sein:

– Generationenübergreifend: Drei der erwähnten Künstler sind 19, 36 und 75 Jahre jung; auch Frau Manthei ist im Rentenalter. Wofür sich die Unternehmerin und Professorin Ulrike Detmers mit den Mestemacher-Preisen für „gemeinsam-leben“ „Großfamilie“, „Institutionalisiertes Mehrgenerationenhaus“ einsetzt, das wird hier gelebt.

– Nicht-ausgrenzend: Menschen mit viel Geld sind hier genauso gern gesehen wie jene mit wenig. (Die Vokabel inklusiv ist leider schon besetzt.)

Wir sehen uns!

Die Fotoausstellung wird teilweise fortbestehen und ist Ende Mai nicht (oder nicht vollständig) abgebaut worden. (Einzelheiten ggf. erfragen: Telefonnummern (und „Hotlines“): Verwaltung: 030 / 695 366 14. Sozialbüro: 030 / 695 366 13. Fahrradwerkstatt: 030 / 695 366 16.)

Der Ausstellungstitel könnte auch als Motto dienen. Wir sehen uns!

Öffnungszeiten: Die Kultur- (und Sozial-) Einrichtung, und damit auch die Ausstellungen, sind geöffnet Mo.-Mi. 9-17 Uhr, donnerstags später 11-17 Uhr und freitags nur von 9-14 Uhr.

Dauer: Die Ausstellungen werden den ganzen Juni, Juli und August über bis einschließlich 31.8.2018 gezeigt. Eintritt frei. Laut Plakat bis 1.9.‘18 bzw. 1.9.2018 (beides gut zu merken ohne Punkte als Eselsbrücke: bis 19 18 oder 19 20 18).

Anschrift/Adresse: Treppenhausgalerie, Gitschiner Straße 15 (Berlin-Kreuzberg), 10969 Berlin

Verkehrsanbindung:
Parkplätze im öffentlichen Straßenraum vorhanden, auch in der Alexandrinenstraße

BVG (ÖPNV): U-Bahnhof: Prinzenstraße (U1), oder Hallesches Tor U6/U1/ Bus M41/ 248, Hallesches Tor Anfang Juni auf der U6 nur mit Schienenersatzverkehr erreichbar vom Platz der Luftbrücke)
www.gitschiner15.de




Nils Ben Brahim beim Aufbau seiner ersten Ausstellung

Unter die Oberfläche: „Cishuman“, erste Ausstellung von Nils Ben Brahim

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es ist nicht die erste Einzelausstellung des jungen Künstlers, es ist seine erste Ausstellung überhaupt: „Cishuman“ von Nils Ben Brahim, keine zwanzig Jahre alt und jünger wirkend, aber enorm belesen. Das wirkt sich unter anderem darin aus, dass sich bei fast jedem seiner Bilder Bezüge finden lassen. Darunter Namen, die man bei 18-, 19Jährigen nicht erwartet: Bakunin, Basquiat, Benjamin – und immer noch sind wir beim Buchstaben „B“ wie Berlin oder B. Traven. So unterschiedliche Figuren wie Walter Benjamin und Paul Klee, Marut-Traven, Lars von Trier und Vinterberg.

Teilweise bezieht sich Ben Brahim nur auf eine Ebene. Bei dem Bild „Das Fest“ nur auf den gleichlautenden Titel des 101minütigen Spielfilmes auf dem Jahr 1998 (dänischer Originaltitel „Festen“), der von Thomas Vinterberg nach den Regeln der Gruppe Dogma 95 gedreht wurde. Nicht auf den Inhalt.

Das könnte man für oberflächlich halten, doch genau das ist es nicht.

Sowohl mit seiner Maltechnik geht er unter die Oberfläche, in der er mehrere Schichten schafft, die er wiederum stellenweise durchstößt, zerschabt, übermalt und erneut bearbeitet und damit die Reliefstruktur des Kunstwerks verstärkt, als auch inhaltlich.

Jedes seiner Werke will unter die Unterfläche gehen.

Ein Gespräch mit dem Künstler der Ausstellung „Cishuman“

„Kurz vorab: Was ist eigentlich ‚Cishuman‘?“

Nils Ben Brahim: „Diesen Ausdruck habe ich erfunden. Das Wort gibt es nicht.“ (Gab es nicht; d. Red.)

Was bedeutet es es? „Es steht im Gegensatz zu ‚transhuman‘“. Neoliberalisten versuchen zwar, jenen Begriff positiv zu besetzen, doch letztlich wirkt er entmenschlichend.

Was könnte man synonym verwenden?

Nils Ben Brahim: „Es gibt kein Synonym in einem Wort“.

„… deshalb haben Sie den Begriff erfunden.“

Nils Ben Brahim: „Ja. Am ehesten kommt ihm nahe: ‚sich auf den Augenblick beziehend, auf das Jetzt‘. ‚Sich auf den Menschen beziehend‘.“

Frage an den Künstler: „Wie soll denn die Botschaft an den Besucher aussehen?“

Möge sich der Besucher mit den Bildern beschäftigen

„Das geht ja in der Postmoderne eh verloren. Dort geht es um Sensationen und Vermarktbarkeit.“

Das zentrale Wort, an dem man sich reiben und dem man widersprechen kann, sei:
Oberflächlichkeit“.

„Ich versuche, die Oberfläche aufzubrechen.“

„Meine Bilder sind ja prinzipiell nicht immer leicht zu verstehen.“

Der Künstler verbessert sich: „Schwer.“ Das ergäbe:

‚Meine Bilder sind ja prinzipiell schwer zu verstehen.‘

Er korrigiert sich nochmals: „Gar nicht.“
„‘Gar nicht‘ klingt besser.“

Gerade deswegen – oder trotzdem – wünscht sich Nils Ben Brahim, dass sich der Besucher mit den Bildern beschäftigen möge. Um dann zum Beispiel den anarchistischen Künstler Ret Marut, Kulturminister der Münchener Räterepublik, zu entdecken, der später als Schriftsteller unter dem Pseudonym B.Traven weltberühmt wurde.

Oder Paul Klee.

Oder Walter Benjamin und seine Ideen und Ansichten.

Unter der Oberfläche schnorcheln

Nils Ben Brahim meint, dass seine Collagen unter der oder die Oberfläche des Kapitalismus gehen.

Wir fragen nach: „Wie schnorcheln?“ „Ja.“

Das stellen wir uns so vor:
Noch im Licht. In der lichtdurchfluteten Oberschicht des Wassers, dort wohin man nicht tauchen muss; aber die Oberfläche bereits durchbrechen, durchstoßen. Die Fluten der Ignoranz, verhärteter Strukturen, die, wie Bernd Senf es formuliert, sich vom Main Stream zum Main Block entwickelt haben.

Das Credo des jungen, verheißungsvollen Künstlers, von dem noch viel zu erwarten ist:

Durch Aufbrechen der Oberfläche kann man einen Neustart schaffen.

Bilder einer Ausstellung – „Cishuman“

Bildtitelschilder der Ausstellung "Cishuman" in der Gitschiner Straße 15 in Berlin-Kreuzberg.
„Cishuman“. „Schurkenstaat.“ „Mut zum Aufbruch“. Titel von Nils Ben Brahim. © 2018, Foto/BU: Dirk Fithalm

„Serieller Abfall“
Serie mit 3 Bildern (bis dato)
(Hängungsort: 2. Stock auf dem mit Sitzbank erweiterten Treppenabsatz.)
Jedes Bild weist das gleiche Gesicht mehrfach auf. Darunter Zeitgenossen wie Mahdi, der allerdings nicht Modell stand, sondern nach einem Foto gemalt wurde oder der Übersetzer und Denker Walter Benjamin, dessen Werk „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit“ den Ausgangspunkt von Ben Brahims Überlegungen darstellt.

Brahim stellt Porträts verschiedener Qualität auf einem Gemälde nebeneinander und merkt an:
Technik könnte das nicht. Ein Kopiergerät, ein Scanner, kopiert nur tumb das immer selbe und schöpft:- nichts.

Ein Mensch dagegen macht beim Kopieren immer Fehler, wie wir an den Bibelübersetzungen und den Bibelkopisten sehen können. Handschriftliche Manuskripte langer heiliger Schriften sind nicht zu 100 Prozent identisch. Über Jahrtausende können erhebliche Abweichungen entstehen. Unverständnis. Ganz falsche Wege in der Exegese.

Serieller Abfall: 3 Bilder einer Ausstellung in der Gitschiner Straße 15, Zentrum für Gesundheit und Kultur gegen Ausgrenzung und Armut; für Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen.
Nils Ben Brahim vor „Serieller Abfall“, einer Bilderserie. Teil der Ausstellung „Cishuman“ in der Gitschiner 15. © 2018, Foto/BU: Dirk Fithalm

Maltechnisch bezieht sich Ben Brahim unter anderem auf Basquiat und Paul Klee. Basquiat malte u.a. auch in Schichten und schrieb oder zeichnete Wörter auf die Leinwand. Auch Fotos werden auf dem Malgrund befestigt und anschließend in die Gesamtkomposition einbezogen.

Er verwendet gern Acrylfarben und Mischtechnik

Bei Klee, den er mit seiner Beachtung lobt, nimmt er zum Beispiel das Verhältnis von Bildmitte zum Bildrand auf und, wie es scheint, auch den Bildtitel.

Ist heute wirklich alles vermarktbar?

Bild „Unvermarktbare Subkulturen“
(Hängungsort: Zwischen 1. und 2. Stock kurz über dem halben Treppenabsatz)

„Es gibt noch Unvermarktbares.“

Das ist eine zentrale Aussage und Erkenntnis des Künstlers, der eigentlich ständig durch seine Werke Kapitalismuskritik übt.

Das Bild „Unvermarktbare Subkulturen“ diene als Beweis dafür, dass der Markt noch nicht alles aufnehmen kann-. Es gibt noch Unvermarktbares. Man kann Sch…e im Internet bestellen und sie essen, es gibt für fast alles einen Markt“, hält der junge Wilde richtig fest.

Billiger als Basquiat

Die Preisspanne (Price range) der Bilder bewegt sich zwischen Euro 200 und 800. Der Künstler stellt fest, dass tatsächlich jeweils nur ein Bild diese Eckdaten aufweist und sich alle anderen Bilder preislich dazwischen befinden; die größeren zum Beispiel bei EUR 600.

Am Dienstag waren 34 Schilder, kleine, weiße Schildchen mit der Bildbenennung, hergestellt worden. Am Mittwoch waren es schon 52.

Die offizielle Version, wieviele Bilder es seien, lautet – auch vonseiten des Künstlers – „etwa 40“.

Die meisten hängen im Treppenhaus des alten, aus Ziegelsteinen gemauerten Gewerbebaues, das 3 Etagen erschließt, bevor es vor dem frisch reovierten Dach haltmacht, das wegen unsinniger Auflagen nicht mit Solarzellen ausgestattet werden durfte.

Einige werden auf Staffeleien präsentiert werden.

Wie anstrengend es ist, aufzubauen, zudem bei der am Dienstag vorherrschenden Hitze und der Schwüle am Mittwoch, den 30. Mai, erfuhr der junge Mann am eigenen Leib.
Trotzdem lehnte er Hilfe bei der Hängung ab und beschäftigte sich tagelang damit. Immerhin hat er rechtzeitig begonnen und eine Woche Zeit mitgebracht. Dienstag nachmittag war die vorige Ausstellung komplett abgehängt, 24 Stunden später hätte man, in Unkenntnis über die Anzahl der Exponate, denken können, die Ausstellung hinge; wären da nicht die Bilderstapel in der Ecke vor der Kreativetage im zweiten Stock.

KE – Künstleretage, Kreativetage oder Kulturexpresso?

Die interne Abkürzung für die für die Künstleretage „Kreativetage“ in Kreuzberg ist übrigens KE. Ganz genauso wie bei Kulturexpresso.

Produktiv ist er, Nils Ben Brahim. In kurzer Zeit hat er bereits ein Oeuvre von bemerkenswertem Umfang geschaffen.

www.nilsbenbrahim.com
Es gibt auch ein Bild mit dem Titel „Cishuman“. Es ähnelt jenem, das man auf dem Handzettel und Ausstellungsplakat finden kann.
Doch bei genauer Lektüre des Flyers liest man auf der Ab-Bild-ung oben die Worte: „Flugtaxis – das schaffen wir!“ Dementsprechend ist das Bild, das als Motiv auf dem Handzettel und Plakat reproduziert wurde, „Flugtaxis“ betitelt.

Bild "Cishuman" von M. Ben Brahim auf Plakat zur gleichlautenden Ausstellung in Berlin
Plakat zur Ausstellung „Cishuman“, das Bild „Flugtaxis“ aus dem Jahr 2018 zeigend (Mischtechnik auf Leinwand). Foto/BU: Dirk Fithalm

Gitschiner 15/ Zentrum für Gesundheit und Kultur, gegen Ausgrenzung und Armut. (Gitschiner15)

Treppenhausgalerie
Gitschiner Straße 15
Berlin-Kreuzberg (61)
10969 Berlin
Tel. 69536614
www.gitschiner15.de
(Zentrum: ab 11 Uhr), Ausstellungseröffnung am Freitag, den 1. Juni 2018 um 18 Uhr. (Bis 1.9.18)

Viele Gruppenausstellungen sind in der Gitschiner 15 bereits gezeigt worden, doch nur wenige Einzelausstellungen:

Tauwetter-Kopfstand. Ursula Manthei eröffnet ihre Ausstellung von Zeichnungen und Aquarellen persönlich

Neben der Kunst ist die Musik ein wichtiger Bestandteil der Kultur, die in Kreuzberg gepflegt wird:

Gute Musik und offene Ohren. OPEN HOUSE in der Heilig-Kreuz-Kirche mit den „Different Voices of Berlin“ und Jocelyn B. Smith

Etwas mehr über Jean-Michel Basquiat findet man hier:

Jean-Michel Basquiat – der James Baldwin der Kunst? Basquiat-Film zur Basquiat-Ausstellung




Evolution of Concrete, Beton der Firma Cemex in einer Ausstellung in der mexikanischen Botschaft Berlin Frühjahr 2018

Beton schmeckt. „Taste of Cement“: Filmpremiere in Berlin mit Regisseur

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Beton schmeckt der Wirtschaft. Filmregisseur Ziad Kalthoum entwirft ein Szenario, bei dem man sich fragen muss, ob vielleicht die Chefs von multinationalen Baufirmen ab und zu in Davos und anderswo mit den Waffenproduzenten beim Plausch sitzen. Der Film „Taste of Cement“ zeigt Syrer, die im Libanon arbeiten. Bauarbeiter. In ihrer Heimat fliegen die Kugeln, hat bauen wenig Sinn. Deshalb sind die Arbeiter hier.

„Taste of Cement“ im heutigen Libanon

Der kurze Weg, ein ähnliches Klima und die gleiche Sprache zogen sie an. Dubai wäre auch in Frage gekommen, oder Katar, wo die Stadien für die Fußball-WM gebaut werden. Doch ist der Persische Golf auch nicht weit weg von Indien und Pakistan, die beide ein riesiges Arbeitskräftereservoir darstellen. Araber in Arabien zu sein, heißt nicht, bei der Arbeitsplatzvergabe automatisch an 1. Stelle zu stehen.

Die Schweiz des Nahen Ostens: der Libanon

Libanon war die Schweiz des Nahen Ostens. Stabil, reich, schön; sogar Berge gibt es: den Libanon und den Anti-Libanon. Doch dann änderte sich alles von einem Tag auf den anderen. Durch den Bürgerkrieg. Viele flohen, manche bestimmt auch nach Syrien, das 1980 kriegsmäßig nicht so viele Baustellen hatte. Der Yom-Kippur-Krieg war vorbei, die syrischen Golanhöhen blieben besetzt und der anstehende Golfkrieg tangierte Damaskus nur als Bündnispartner einer der beiden Beteiligten.

Bestimmt gingen auch libanesische Bauarbeiter nach Syrien. Israel betrachtete Syrien als Lieblingsfeind: Stabil, verlässlich, säkular und berechenbar. Wer die Golanhöhen beherrscht, sichert oder bedroht das nahe Damaskus, die Hauptstadt Syriens. Syrien war also trotz des Kriegszustands mit Israel – Ägypten hatte gerade erst in Präsident Carters Beisein mit Israel Frieden geschlossen, eine Sensation – ein Hort des Friedens, oder besser: Eine Insel des Friedens. Und des Wohlstands.

Ähnlich wie in Libyen, mit dem Syrien als VAR sogar einmal eine staatliche Gemeinschaft bildete, war das Bruttosozialprodukt hoch, auch das Pro-Kopf-Einkommen.

Libyen war das reichste Land Afrikas, bevor Muammar al-Gaddafi in Ungnade fiel und nach Krieg und Bürgerkrieg getötet wurde. Heute ist das Land, das von französischen und US-Flugzeugen angegriffen wurde, so unsicher und instabil, dass immer wieder Öl-Pipelines kaputtgehen. In Bengasi wurde vor wenigen Jahren sogar der US-Botschafter ermordet, ein ungeheuerlicher Vorgang.

Blick aufs Mittelmeer – Berlinale und „Taste of Cement“

Der Film „Taste of Cement“ ist bisher noch nicht gezeigt worden, wir konnten ihn also auch noch nicht anschauen. Wie das bei Premieren so ist. Der Text von den Organisatoren lautet wie folgt:
„In den strahlend blauen Himmel über Beirut wachsen neue Wolkenkratzer mit Traumblick auf das Mittelmeer.“

Sofort erinnert man sich an den ellenlangen Installationsfilm von Forum Expanded der Internationalen Filmfestspiele Berlin, der im Februar als erste Station in der Akademie der Künste am Hanseatenweg gezeigt wurde. Eine Schwimmerin – die libanesische Regisseurin – zieht ihre Bahn. Der Film dauerte etwa 12 Stunden, davon war die Filmemacherin ca. 9 Stunden im Wasser. Mit Pausen. Das Morgenlicht und Abendlicht, das unterschiedliche Blau des Poolwassers und Meerwassers faszinierten den geduldigen Beobachter.

Zeit wurde erlebbar durch das veränderte Licht, das auf den veränderten Sonnenstand rückschließen ließ.

Zuschauen konnte man bei der Berlinale jeden Tag und bequem im 1. Stock der Akademie in Liegesesseln platznehmen. Der Horizont war aus den Bildern der Standkamera, die nicht bewegt wurde, herausgeschnitten worden. Die Installation zeigte also den oberen und unteren Streifen des Bildes, unten einen Pool mit einer einsamen Schwimmerin, dahinter das landnahe Mittelmeer mit Booten und oben den Himmeln mit gelegentlichen Flugzeugen.

Das zyklische Zeiterleben in „Taste of Cement“ scheint aus dem Kreislauf von Neubau, Stehen des Hauses, Zerstörung des Gebäudes, Abriss der Ruine, Liegen des Schutthaufens und Beräumung zu bestehen.

Beirut heute – Frieden nährt

Beirut heute ist frei von Krieg und Bürgerkrieg. Im Libanon wohnen eine Million Syrer, Kriegflüchtlinge. Vielleicht anderthalb Millionen. Eine riesige Zahl für das kleine Land. Noch kleiner als Jordanien, wo es viele Flüchtlingslager auf der grünen Wiese gibt, die dort Wüste heißt.

Beirut ist dabei, sich zu erholen, hat Lehren aus dem Krieg gezogen. Ehen zwischen Moslems und Christen sind verboten. Verliebt sich doch mal jemand, fliegt er nach Zypern zum Heiraten.

Teile und herrsche machte aus einem fruchtbaren Land voller Möglichkeiten jahrelang eine Hölle mit vielen Toten und Zerstörung. Nach dem Ende der Kampfhandlungen: Wiederaufbau. Jetzt ist Syrien dran. Krieg und Bürgerkrieg. Nach dem Ende der Kampfhandlungen wird auch dort an den Wiederaufbau gedacht werden.

In der Bundesrepublik Deutschland führten die Umstände, die Mithilfe der Vertriebenen, die sich wieder ein schönes Leben aufbauen wollten, und eine bestimmte Politik bekannterweise zum Wirtschaftswunder. Damaskus darf zwar keinen Marshallplan erwarten. Aber viele Syrer, die auf dem Bau arbeiten, werden wohl nach dem Ende des Schießens und Bombardements zurückgehen. Sie werden dringend gebraucht.

„Taste of Cement“ in Syrien

Weiter im Text der Organisatoren:

„Tagsüber werden sie [die neuen Wolkenkratzer] von syrischen Bauarbeitern errichtet. Zu Hause in ihrer Heimat zerstört der Krieg zur gleichen Zeit ihre eigenen Häuser.“

„Auch nachts dürfen sie die Baustelle nicht verlassen, sie müssen hinunter in die Keller der Betongiganten, wo sie kochen, hoffen, schlafen.
Mit der Visualisierung von Tätigkeiten auf der Baustelle, die an expressionistische Filme erinnern, entsteht durch Bilder, Sprache und Geräusche ein essayistisches Porträt der Bauarbeiter.

Doch dann gibt es auch Bilder von Menschen, die nach dem Einsturz eines Hauses mit bloßen Händen die Verschütteten versuchen auszugraben.“

„So entsteht ein eindringliches Gleichnis von Krieg, Zerstörung und Neubeginn.“

„Der syrische Regisseur Ziad Kalthoum hat mit »Taste of Cement – Der Geschmack von Zement« ein poetisches, emotionales und bildgewaltiges Werk geschaffen, das mehr ist als ein Film – es ist eine Erfahrung.“

„Taste of Cement“: Filmografische Angaben

Originaltitel: „Taste of Cement“(wörtlich übersetzt: „Der Geschmack des Zements“, gemeint ist auch: „Der Geschmack des Betons.“ In der englischen Sprache wird für ‚Beton‘ statt ‚concrete‘ oft fälschlich das Wort ‚cement‘ verwendet.)
Land: Deutschland
Jahr: 2017
Regie: Ziad Kalthoum
Länge: 85 Minuten

Premiere von „Taste of Cement“ (OmU) in Anwesenheit des Regisseurs am Pfingstmontag, den 21. Mai 2018 um 19 Uhr im Kino Moviemento Berlin, Kottbusser Damm 22, Berlin-Kreuzberg.

Moviemento-Kino
Kottbusser Damm 22
10967 Berlin

U-Bahnhof Hermannplatz

www.moviemento.de

Weiteres zu diesjährigen Filmpremieren:

Am Ende des Krieges warf das Nahen der Front ihre Schatten voraus:

Ich möcht‘ noch ein bisschen leben. Film „Über Leben in Demmin“ von Martin Farkas (Überleben)

Eine besonders elegante Methode, immer im Frieden zu leben – die Erde verlassen wie Kazimierz Blaszczak:

Marspole. „First Pole on Mars“ von Agnieszka Elbanowska im Fsk-Kino Oranienplatz (Filmpolska)




Autokennzeichen mit Buchstaben und Zahlen, indisch-arabischen Ziffern

Die spinnen, die Römer! Deutsche Autokennzeichen werden mit römischen Ziffern ausgestattet

Berlin, Deutschland (Kultexpresso). Manchmal freut man sich, dass die Politiker und Bürokraten so viel Freizeit haben. Der seit Generationen überlieferte Büroschlaf, Thema vieler Karikaturen in Tageszeitungen (als es noch Zeitungen gab, oder Karikaturen), findet oder fand wohl eher in der öffentlichen Verwaltung denn in der freien Wirtschaft statt. Doch römische Ziffern auf Autokennzeichen? Geht das nicht zu weit? Doch es ist wahr!

Diese Sache schlägt dem Faß fast den Boden aus, so dass es mal wieder Zeit ist, ein Fass aufzumachen. Zudem jetzt am Ende der Fastenzeit. Für Burökraten könnte man „Handlungsfasten“ vor Ostern einführen. Ausgenommen natürlich bei BER, Elbphilharmonie, Staatsoper und anderen Fässern ohne Boden, wo als bodenlose Frechheit täglich Millionen in nicht vorhandene Löcher gestopft werden. Auf deutsch: versenkt.

Und jetzt das: Schon wieder eine Neuerung: RÖMISCHE ZAHLEN AN KENNZEICHEN AN AUTOS; äh, Entschuldigung, Kraftfahrzeugen.

Blöde Neuerung? Römische Ziffern an Autokennzeichen!

Autokennzeichen mit Buchstaben und Zahlen /Ziffern
Links: Lateinischer Buchstabe, in der Mitte zwei römische Ziffern (2) und rechts eine arabische. Aktuelles Autokennzeichen (Ausschnitt). © 2018, Foto/BU: Dirk Fithalm

Wir waren Zeugen der jüngsten Verschlimmbesserung. Römische Ziffern? Abgesehen davon, dass in der Bundesrepublik sowieso kaum noch jemand deutsch spricht, können auch viele Deutsche nachweislich römische Ziffern nicht lesen, geschweige denn vorlesen.

VII wird da schon mal zu „V i i“, sprich „Vau -i-i“. Oder VI zu „Vau-eins“. Ungelogen war ich Zeuge solchen gesprochenen Geschehens und der Entrüstung einer Direktorin, um nicht zu sagen: Fassungslosigkeit. Doch es ist wahr.

Und nun, da immer weniger deutsch lesen können und unser bundesdeutsches Selbstbewusstsein durch PISA gepiesackt wird, sollen wir auch noch Probleme mit den Zahlen bekommen!

Ein Trick von Verlegern, die mehr Nachhilfebücher mit Mathe für Kids verkaufen wollen? Z.B. „Elterncoach Mathe: Sicher helfen bei Hausaufgaben & Co.“ und „Lernen interaktiv Mathematik – Die ideale Nachhilfe am PC“? Bisher konnten wenigstens die Eltern Kopfrechnen.
Jetzt wird man immer mehr Kunden gewinnen für Bücher wie dieses von Benjamin Prüfer: „Mathe für Mamas und Papas“.

Ich wusste gar nicht, dass auch Verleger genügend Geld für Lobbyarbeit haben. Ich dachte, das wären nur Pharmaunternehmen, Beraterfirmen und Waffenhersteller.

Müssen wir uns jetzt an VI, IV, I und II auf Autokennzeichen gewöhnen?

Jetzt haben wir also den Salat. Den Buchstabensalat. Dabei können sich die Römer ja noch nicht einmal einigen, wie sie denn die „4“ schreiben:

„IV“ oder „IIII“, wie auf vielen alten Uhren zu sehen?

Wer noch nicht mal bis drei zählen kann, sondern nur 1+1 zusammenrechnen, dem kann man „5+3 = 8“, also VIII kaum zumuten. Oder gar im zweistelligen Bereich „XII“, also 10+1+1= 10+2= 12. Oder „XI“.

Von der Subtraktion ganz zu schweigen: „IV“ oder „IX“ statt „4“ und „9“. Und warum subtrahiert man eigentlich bei IV und IX, nicht aber bei „VI“ und „XI“. Fragen über Fragen.

Autokennzeichen wie S – VI 202, B – II 7122 oder HH – IV 1234 sind jedenfalls ab sofort laut Gesetz und Straßenverkehrszulassungsverordnung erlaubt und erwünscht. Seit dem 1. April 2018.

Wieder haben die Parlamentarier die Ferien ausgenutzt, hier die Osterferien, um so ein perfides und überflüssiges Gesetz durchzuboxen und jetzt müssen wir Bürger uns das jeden Tag ansehen!

Bis einem die Augen tränen, zum Heulen.

Oder sind es Freudentränen? Wir haben ja sonst kaum noch was zu Lachen.

– Weiteres rund ums Auto:

Autos sollen nach Farben sortiert werden. „Unser Dorf wird schöner“ in Berlin




Regisseur Martin Farkas bei der Preview des Films "Über Leben in Demmin"/ "Über Leben in Demmin" in Berlin-Charlottenburg am 20. März 2018

Ich möcht‘ noch ein bisschen leben. Film „Über Leben in Demmin“ von Martin Farkas (Überleben)

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Filmplakat zeigt einen Tätowierten. Demütig beugt sich der Mann aus Demmin vor. Dabei sind furchteinflößende Motive zu sehen. Regisseur Martin Farkas, der am 20. März persönlich zur Berliner Preview ins Filmkunst 66 gekommen ist, erzählt, wie er anfänglich Angst hatte. Unnötig, wie sich herausstellte; heute verbindet ihn eher eine Freundschaft mit dem Bäcker aus Demmin. Einem Familienmenschen wie viele aus dem Film „Über Leben in Demmin“. Einem Mann, der hart arbeitet.

Worum geht es eigentlich in dem Film „Über Leben in Demmin“? Um das Überleben?

Das Filmplakat setzt die beiden ersten Wörter des Titels „Über Leben in Demmin“ um 90° versetzt. ÜBER steht senkrecht, die Buchstaben liegen aufeinander, das „R“ oben. LEBEN ist dann normal gedruckt: Waagerecht. Dadurch gibt es gewollt zwei Lesarten: „Überleben in Demmin“ ist auch denk-und lesbar.

Aufmerksam geworden ist Martin Farkas, ein Mann, der zuhören kann, auf Demmin über die Trauermärsche, die viele zu einfach als „Rechtendemos“ bezeichnen. Diese Märsche, die Gegendemonstrationen und das große Polizeiaufgebot bilden die Klammer des Films.

Doch man könnte diesen Dokumentarfilm nicht drehen, wenn da nicht etwas dran wäre. Wenn es die Trauer nicht gäbe. Wenn es weder Grund noch Anlass gegeben hätte.

Am 30. April 1945 besetzt die Rote Armee Demmin. Die Stadt wurde kampflos übergeben. Wehrmacht und SS hatten die Stadt aufgegeben und die Brücken gesprengt, Straßen- und Eisenbahnbrücken. Demmin liegt mitten im sternförmigen Flusssystem der Peene. Hier im vorpommerschen Tiefland fließen die Peene, Trebel und Tollense zusammen. Die Stadt war voller Flüchtlinge zum Beispiel aus Ostpreußen, aber an eine weitere Flucht war jetzt nicht mehr zu denken.

Teils unklare historische Faktenlage fördert Mythen und Eigeninterpretationen

Bei und nach der Besetzung der Stadt kam es zu Plünderungen, Vergewaltigungen und anderen teils brutalen Verbrechen. Währenddessen und im Vorfeld kam es zu massenhaften Selbstmorden vor allem von Frauen mit ihren Kindern. Viele erhängten sich, andere ertränkten sich und ihre Nachkommen in der Peene und Tollense. Über 600, wahrscheinlich etwa 900 Menschen starben. Jeder 17. Einwohner. Exakte Zahlen gibt es nicht. Dann brannte Demmin drei Tage lang. 80% der Altstadt wurden zerstört. Bis in die 50er Jahre wurden in Trümmern und Ruinen Leichenteile gefunden.

Der Massenfreitod von Demmin ist zahlenmäßig hervorstechend in der deutschen Geschichte. Niemand ist bisher auf die Idee gekommen, einen Zusammenhang mit dem zeitlich synchronen Selbstmord des Reichskanzlers zu sehen. Vielleicht auch deshab, weil der Reichssender Hamburg zwar am 1. Mai den Tod Hitlers am 30. April meldete, aber nicht von einem Selbstmord sprach.

Martin Farkas‘ Interesse ist geweckt und er kommt dann nicht drumherum, der Sache auf den Grund zu gehen. Er wird mehrere Monate in Demmin wohnen und immer wiederkommen. Um zu drehen, mit kleiner und großer Crew, um Veränderungen zu dokumentieren. Und die gibt es, und sie sind interessant. Auch wenn einmal in dem Streifen der Satz: „Demmin ist eine tote Stadt“ fällt. Im Zusammenhang mit zu vielen neuen Supermärkten auf der grünen Wiese, die die Gegend nicht verträgt.

Verödung von Innenstädten ist auch anderswo ein Problem. Landflucht ebenso. Doch hier kommt mehr zusammen. Die Arbeitslosigkeit liegt hier bei 22-24%, einem der höchsten Werte für eine Gemeinde, auch für Mecklenburg-Vorpommern und die ehemalige DDR.

Es scheint gut, dass hier plötzlich Aufmerksamkeit entsteht. Martin Farkas ist quer oder besser gesagt diagonal durch die ganze Republik gereist, von links unten nach rechts oben.

Wann war und ist der Film „Über Leben in Demmin“ im Kino?

Weltpremiere feierte „Überleben in Demmin“, um einmal die Schreibweise zu variieren, auf dem Dokumentarfilmfest „Dok Leipzig“. Vergangenen Mittwoch, am 14. März, gab es eine Vorführung in München.
Die Preview oder Vorvorführung im Filmkunst 66 in Berlin-Charlottenburg in der Bleibtreustraße 12 am Dienstag, den 20. März 2018 war von vielen Gästen besucht, geladenen und zahlenden. Filmcrew und Produzenten; andere Filmemacher, Schauspieler – viele waren anwesend, der größere der beiden Kinosäle brechend voll.

Knut Elstermann moderierte das aufschlussreiche Filmgespräch mit – ganz demokratisch –
Fragen aus dem Publikum („Q&A“).

Der deutschlandweite Kinostart ist am Donnerstag, den 22. März 2018. Gleichzeitig mit dem Filmstart wird es am 22.3.2018 in Demmin (!) eine große Premiere geben. Die Mecklenburg-Vorpommern-Premiere und Demmin-Premiere.

Das wird spannend.

Martin Farkas‘ dritter Film hat schon jetzt etwas verändert. Er hat Arbeitsplätze in der Region geschaffen und Verständnis. Rechte und solche, die es werden wollten, sind im Dialog mit denen, die Rechte haben. Das Recht zuzuhören, den Ball flachzuhalten und Verantwortung zu übernehmen.

Das ist gelungen.

Demmin und Deutschland brauchen nicht in erster Linie Trillerpfeifen. Beide brauchen Verstehen. Mehr Zuhörer als Zuschauer. Geschichte ist geschehen. Es gibt einen Grund für Traurigkeit und Trauer. Ohne ihm auf den Grund zu gehen, kommen wir nicht weiter.

Nicht auf dem flachen Land unweit vom Ostseestrand. Nicht im Allgäu und auch nicht im All.

Und der Film soll fortgesetzt werden. Wir prophezeien: Weiterer Beifall ist gewiss.

Film „Über Leben in Demmin“ : Deutscher Kinostart 22. März 2018

 

www.demmin-film.de

D ok. – Politikvergessen – träumend? „Lost in politics“-Debatte (statt „… in translation“) auf dem Filmfest Dok Leipzig




Buch-Cover Gisela Breitling

Gisela Breitling: Künstlerin, Autorin und Frauenrechtlerin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Keine Ahnung, warum jetzt fast alle alten Leute an Demenz erkranken. So erging es auch Gisela Breitling. Man kann ihr nicht vorwerfen, unbewusst gelebt zu haben. Nein. Sie hat sich ausgedrückt. Sie malte; und sie schrieb. Was sie nicht tat: Gisela Breitling schwieg nicht. Künstlerin, Autorin, Feministin – alles richtig, um sie zu charakterisieren. Alter schützt vor Torheit nicht, vor Alzheimer erst recht.

Ende der 80er fasste ein Stuttgarter Verlag Breitlings Wirken so zusammen: Gisela Breitling,
1939 in Berlin geboren,

1962-68 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Berlin

1968 Stipendium des Institut Francais de Berlin für Paris

Ernennung zur Meisterschülerin

1977/78 Stipendium Villa Massimo, Rom

seit 1965 zahlreiche Einzel- und Gruppenaustellungen im In- und Ausland

zahlreiche Textveröffentlichungen*

die Künstlerin lebt in Berlin.

In der obigen Zeile irrt der Verlag inzwischen. 1987 irrte er nicht, doch Gisela Breitlings Leben, dass zuletzt in einer Seniorenresidenz in Lankwitz stattfand, ist vorüber.

Gisela Breitling starb am 12. März 2018.

In Berlin.

Dort, wo sie auch am 27. Mai 1939 geboren wurde.

In einem Wonnemonat, in einem Großdeutschen Reich, in dem noch vieles möglich war und Krieg keine Selbstverständlichkeit. Einem Deutschen Reich, das nicht mehr in den Grenzen von 1937 lebte, sondern das Sudetenland „heimgeholt“ hatte und die nördlichste Stadt Deutschlands wieder Memel nannte. Dafür bezahlte Deutschland und Millionen andere teuer. Brutale und menschenverachtende Jahre standen bevor, doch war das halbes Dutzend Jahre vor ihrer Geburt schon voller Grausamkeit.

Gisela Breitling: Selbstbildnisse in den alten dunklen Farben eines Poussin

Ein Künstler, der in so eine Zeit hineingeboren wurde, nur wenige Monate vor dem bis dahin größten Krieg der Menschheitsgeschichte, gerade mal ein Vierteljahr und ein paar Tage, würde wohl solche Bilder malen. Solche Bilder wie ihre Selbstporträts. Hermann Peter Piwitt beschrieb sie als „Selbstbildnisse in den alten dunkeln Farben eines Lorenzo Lotto, eines Poussin.“ Doch er fährt nach der Beschreibung dieser speziellen Dunkelheit auch lobend fort „von einer solchen Ruhe des Ausdrucks, daß man sich dazustellen möchte, ins Bild hinein, um an ihrem furchtlosen Für-sich-Sein teilzuhaben.“ (Hermann P. Piwitt, „Vor-bilder weiblich“, Stuttgart 1987).

Gisela Breitling malte Traumbilder von Frauen aus Mythologie und Geschichte

„Oder es wird in Allegorien und Traumbildern von heimgesuchten Frauen aus Mythologie und Geschichte erzählt“, schrieb er, was man unterschreiben kann. Die passenden Werke heißen „Unbefleckte Empfängnis“ oder „Martyrium der Venus“. Niedergemacht von einem „kalten Gottesauge“.
Seneca Falls ist Motiv, heute fast unbekannt. Im Juli 1848 fand hier auf Initiative von Elizabeth Cady-Stanton und Lucretia Mott die Seneca Falls Convention, der erste Frauenrechtskongress der USA, statt.

Breitling porträtierte Olympe De Gouges (1748-93), die Frauenrechtlerin und Schriftstellerin. Sie wurde in Frankreich zur Zeit der Terrorherrschaft Robbespierres geköpft.

Der Kampf der Gisela Breitling, „Suffragette“ und die göttliche Ordnung

Es sollte noch Jahrhunderte dauern, bis die Frauen wenigstens ein Wahlrecht erhielten, selbst in „urdemokratischen Ländern“ wie dem Vereinigten Königreich oder der Schweiz. In der Eidgenossenschaft wurde das Wahlrecht 1971 eingeführt, wie der Spielfilm „Die Göttliche Ordnung“ wunderschön zu berichten weiß. In Großbritannien geschah es ein paar Jahre früher. 1918 erteilte das Parlament das Wahlrecht für Frauen über 30.

1903 hatte Emmeline Pankhurst in Großbritannien die „Women’s Social and Political Union“ gegründet, eine bürgerliche Frauenbewegung, die in den folgenden Jahren sowohl durch passiven Widerstand, als auch durch öffentliche Proteste bis hin zu Hungerstreiks auf sich aufmerksam machte. Neben dem Wahlrecht kämpfte sie für die allgemeine Gleichstellung der Frau.

Schön dargestellt in dem Spielfilm „SUFFRAGETTE – TATEN STATT WORTE“ u.a. mit Carey Mulligan, Helena Bonham Carter und MERYL STREEP als Frau Pankhurst, der am 16. Juni ‘16 als DVD und Blu-Ray erschien.

Das Frauenwahlrecht im deutschsprachigen Raum

Der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, Ralf Wieland, lud am Mittwoch, dem 7. März 2018, um 18 Uhr anlässlich des 100. Jubiläums der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland ins Berliner Landesparlament zu einer Feierstunde ein. Die Festrede hielt Sabine Schudoma, Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs des Landes Berlin.

Eingeführt wurde das Wahlrecht im Deutschen Reich im selben Jahr wie im Vereinigten Königreich: 1918.

Als eines der letzten europäischen Länder führte die Schweiz erst 1971 das Wahlrecht für Frauen ein.

Am 28. Juni 2017 feierte „DIE GÖTTLICHE ORDNUNG“ Deutschlandpremiere beim 35. Filmfest München. Der deutsche Kinostart der Komödie, die im Jahr ‘71 spielt, war am 3. August ‘17. Hauptdarsteller sind Marie Leuenberger und Max Simonischek. Weitere Darstellerinnen: Sibylle Brunner, Marta Zoffoli, Rachel Braunschweig, Bettina Stucky und Ella Rumpf. Gedreht wurde er von Petra Volpe und damit von einer Regisseurin.

Die Gemeinsamkeiten von Gisela Breitling und Salvador Dali

Breitling hat etwas mit Dali gemein. „Neben der Malerei befasst er sich am eifrigsten mit schriftstellerischer Arbeit“, schreibt Fleur Cowles (1908-2009) in „The Case of Salvador Dali“ (Heinemann 1959).
Die US-Amerikanerin Fleur Fenton Cowles, selbst Autorin, Herausgeberin und Künstlerin, fährt fort: „Wenn auch einige Maler seiner Generation mit entsprechendem Ruf sich nebenher als Schriftsteller betätigen, hat er (Dali) doch durch seine recht eindrucksvolle Bibliographie von Büchern, Prosastücken und Essays bereits einen Platz in der Literatur errungen, der selbst vor seinen Feinden sicher ist.“

Dali entwarf Schmuck und Bühnenbilder, Kleider und Schlipse. Er illustrierte und schrieb Bücher, malte Kulissen und Werbeplakate, dekorierte Schaufenster, arbeitete an Drehbüchern mit, machte Filmtrickzeichnungen und Filmausstattungen, schrieb Aufsätze und hielt Vorlesungen.

Vielleicht war Dali breiter aufgestellt, wie es heute in der Wirtschaftssprache unschön heißt. Vielleicht war Dali auf mehr verschiedenen Feldern unterwegs. Aber die Hauptbeschäftigung der beiden ist identisch.

Gisela Breitling verfasste unter anderem *„Der verborgene Eros: Weiblichkeit und Männlichkeit im Zerrspiegel der Künste“ (Fischer, Frankfurt/Main 1990) und „Feministischer Liebesbrief oder Notizen für M.“ in der von Rodrigo Jokisch herausgegebenen Anthologie „Annäherungsversuche“ (Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1984, ISBN 3499178036). „So wollen wir denn wieder über Liebe reden“. In dem Sachbuch geht es um Emanzipation; wie das damals hieß.

Gisela Breitling konzentrierte sich auf das Malen und Schreiben; und den Feminismus. Vielleicht sollte man sagen: die Gerechtigkeit.

Sie entriss viele wichtige Frauen dem Vergessen. Fällt sie dem Vergessen jetzt selbst anheim?




Stadtteilzentrum Eichkamp am Grunewald in Berlin.

Der Lietzensee liest in Eichkamp. Lesung der Charlottenburg-Autorin Irene Fritsch aus ihrem neuesten Roman „Wilde Zeiten am Lietzensee“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Bisher war Irene Fritsch vor allem im Pianocafé am Lietzensee vertreten. Zumindest subjektiv. Ihre Bücher waren dort zu finden und die Autorin soll auch dort in der Herbartstraße/ Ecke Neue Kantstraße gewesen sein … Irene Fritsch hat bereits mehrere Bücher geschrieben und immer wieder geht es um den Berliner Bezirk Charlottenburg, der seit 2001 Teil des Großbezirks Charlottenburg-Wilmersdorf ist. Auch die Schauplätze ihres neuen Werkes „Wilde Zeiten am Lietzensee“ liegen in ihrer Mehrzahl in Charlottenburg. Der gut dokumentierte Klausenerplatz in Schlossnähe, wo selbst Veröffentlichungen erscheinen, und der Lietzenseepark liegen im Kiez.

Charlottenburg, das ist die einstige kurfürstliche, dann königliche Residenz, die diesen Namen seit 1705 trägt. Von Anfang an war sie Stadt. Der Adelssitz wurde gleichzeitig umbenannt und hieß einst Lietzenburg oder Lützenburg. Die Umgehungsstraße zum Ku’damm oder Kurfürstendamm trägt deshalb den Namen Lietzenburger Straße. Lietzow oder Lützow hieß ein altes Dorf, aus dem aber die barocke Stadt nicht entstand. Es handelt sich bei der Neugründung im 18. Jahrhundert um eine kurfürstliche Privatstadt.

Zum Inhalt des Romans „Wilde Zeiten am Lietzensee“

Auf einer Bank im Lietzenseepark findet Anna eine Tote – und erkennt sie wieder. Die Frau hatte sich vor wenigen Tagen nach einer Dagmar erkundigt, mit der sie vor Jahrzehnten befreundet war.

Anna kannte keine Dagmar, aber sie beginnt zu recherchieren und findet allmählich Hinweise auf Vorgänge, die sich in den 70er Jahren in einer WG am Lietzensee, im nahegelegenen Klausenerplatz-Kiez und auf dem Campus der Pädagogischen Hochschule Lankwitz abspielten.

Zwei Freundinnen gerieten damals in den Strudel von linksextremen Aktivitäten, Kontakten zur Stasi und Fluchthilfeunternehmen. Ihr wildes Leben mit Haschorgien, Sex und Eifersucht endete schließlich in Verrat und Mord.

Gelingt es Anna, die verworrenen Ereignisse zu klären, obwohl sie dabei in Lebensgefahr gerät?

Roman-Lesung „Wilde Zeiten am Lietzensee“ mit Irene Fritsch

Wann? Dienstag, den 13. März 2018, 19.30 Uhr

Ende der Veranstaltung: um 22 Uhr

Wo? Veranstaltungsort:
Haus Eichkamp (des Siedlervereins Eichkamp), Zikadenweg 42a (Ecke Maikäferpfad), 14055 Berlin
Telefon: (030) 37 30 61 25
Anfahrt: Bus 349, Haltestelle Maikäferpfad.
In den Maikäferpfad hinein, das Haus liegt dann rechts hinter einer Kreuzung.

Mit Fußweg: S-Bahnhof Grunewald (an der Potsdamer Strecke) oder
S Messe Süd (Eichkamp) an der Strecke Richtung Heerstraße, Olympiastadion, Spandau.

hauseichkamp.de

Musik im Stadtteil, „Eintritt frei“. W. Fuchs, E. Mursky und Yasuko Fuchs-Imanaga spielen im Berliner Haus Eichkamp Kammermusik der Romantik




Aus Tradition gut. Das Hofbräu München, Wirtshaus Berlin an der Karl-Liebknecht-Straße ist die Adresse für bayerische Küche

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es ist angenehm, wenn auch mal etwas Bestand hat. Auch wenn ich nicht so beunruhigt von der Amtseinführung des derzeitigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump war wie viele andere, so ist doch bei vielen in den vergangenen vier, fünf Jahren der Eindruck entstanden, dass die Welt nicht mehr so ist, wie sie früher war. Auch nicht mehr so sicher. Umso mehr entsteht bei vielen das Bedürfnis nach Althergebrachtem, nach etwas, woran man sich festhalten kann.

© Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow

Die Berliner Abgeordetenhauswahl ließ realistisch keine andere Prognose zu, wie es dann auch kam: rot-rot-grün. Das schmeckte auch vielen Wählern einer dieser drei Parteien nicht. Vor der Bundestagswahl gingen in ganz Deutschland von Schleswig-Holstein bis Bayern die Emotionen etwas höher. Was dann kam, war zunächst nicht beunruhigend: Die Union wurde wieder stärkste Kraft. Meist übersehen: Dieses Mal sogar alternativlos. Es ging nur mit einem Kanzler oder einer Kanzlerin aus der Union. Das hatte etwas beruhigendes, obwohl in der Presse viel gemeckert und genörgelt wurde über Reformstau und so weiter.

© Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow

Die Union besteht aus zwei Parteien, und solange man noch von der Jamaica-Koalition träumen durfte, die ein übermütiger halbjunger Politiker einer kleinen Partei platzen ließ, stand nicht nur Merkel als Kanzlerin fest, sondern auch Horst Seehofer als treuer Weggefährte. Das hat mit politischen Überzeugungen gar nicht oder nur wenig zu tun; hier geht es um Sich-Wohlfühlen, Heimat und Tradition. Und die kann Bayern bieten. Auch den Norddeutschen. In unsicheren Zeiten wahrscheinlich noch mehr als in sicheren.

Bayern bietet mehr Lebensqualität

Gerade las man in Berliner Tageszeitungen, dass die Kriminalität in der Bundeshauptstadt zwar zurückgegangen sei, vor allem bei Einbrüchen und Taschendiebstahl, doch dass die Aufklärungsquote im südlichen Freistaat seit Jahren höher liegt, bei etwa 60 Prozent. Ein Grund, sich wohler zu fühlen, wenn man dort wohnt oder 5 Euro mit sich herumträgt.

Hofbräu Berlin: Für die, die nicht nach Bayern ziehen können

© Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow

Den Luxus, in Bayern zu wohnen, können sich viele Berliner nicht leisten. Die bayerische Küche dagegen schon. Am besten bedient ist man wohl im geräumigen Hofbräu in der Nähe vom Alex.

Hier servieren die Kellnerinnen (noch) im Dirndl. Es gibt Kaiserschmarrn und Live-Musik. Natürlich auch Brezen oder Brezn und alles andere, was bayerisch ist.

Hach, ist das schön!

Hofbräu München, Wirtshaus Berlin

Karl-Liebknecht-Straße 30, 10178 Berlin, Telefon: (030) 6 79 66 55 20

Öffnungszeiten: An den passenden Tagen bis 2 Uhr nachts geöffnet.




Nelson Ferreira.

Wassergestalt. Der Spielfilm „The Shape of Water“ gewinnt am meisten: 4 Oscars „…– Das Flüstern des Wassers“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Gute an dem herzensberührenden Film „The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ ist, dass er zeitgleich mit dem Berlinale-Startschuss seit dem 15. Februar in den deutschen Kinos ist. Mit 13 Nominierungen für die Academy Awards war „The Shape of Water“ der Spitzenreiter der Oscar-Saison 2018. Die Verleihungen erfolgten am Sonntag, den 4. März, in Mitteleuropa am 5. März Ortszeit tief in der Nacht beziehungsweise sehr früh am Montag morgen, wenn es noch dunkel ist.
Dabei ist eine hohe Anzahl von Nominierungen keine Garantie dafür, auch nur eine einzige Trophäe zu erhalten. So funktioniert das nicht in Kalifornien.

„True Grit“ und „American Hustle“ waren 2010 beziehungsweise 2014 jeweils 10mal nominiert – und gingen komplett leer aus.
„Am Wendepunkt“ („The Turning Point“), 1977, und „Die Farbe Lila“ (1985) waren sogar 11mal nominiert und gewannen: nichts. 0 Trophäen.

Bereits vorher vielfach gekürt: „(The) Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“

Shape of Water
Hauptdarstellerin Sally Hawkins (Elisa) und Octavia Spencer (Zelda) in „Shape of Water“. © 2017 Twentieth Century Fox

Seit der Ehrung mit dem Goldenen Löwen als Bester Film bei den Internationalen Filmfestspielen Venedig 2017 hat „The Shape of Water– Das Flüstern des Wassers“ zahlreiche weitere Preise und Nominierungen ergattert. Darunter 2 Golden Globes, 4 „Critics‘ Choice Movie Awards“ und den „Producers Guild of America (PGA) Award“.
Regisseur Guillermo del Toro wurde nicht nur von der Directors‘ Guild of America für die Beste Regie in einem Spielfilm ausgezeichnet, sondern in dieser Kategorie auch von der Los Angeles Film Critics Association. Diese Filmkritikervereinigung von Los Angeles kürte auch Sally Hawkins als Beste Hauptdarstellerin.

Frances McDermond gewann den Oscar als Beste Hauptdarstellerin für „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“.
Eine starke Leistung der beliebten Darstellerin, die wohl die beste Rolle bei „Fargo“ zeigte.

Bei so starker Konkurrenz blieben „Shape of Water“ „nur“ 4 Oscars. Es kann nur einer gewinnen.

„Shape of Water“ und Guillermo del Toro wurden letztlich auch Gesamtsieger. Kein anderer Film gewann mehr. („Dunkirk“ gewann drei Oscars.) Der mexikanische Regisseur fasste diese Oscars auch als Signal für Kanada, Mexiko und Lateinamerika auf.

Mit „Shape of Water“ hat der richtige Film gewonnen.




Willem Dafoe auf der Berlinale Goldener Ehrenbär Internationale Filmfestspiele Berlin.

Erntezeit für Willem Dafoe. Nach der Oscar-Nominierung erhielt er in Berlin den Goldenen Ehrenbären

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Um es gleich zu sagen: den „Oscar“ für die beste männliche Nebenrolle erhielt 2018 Sam Rockwell. Best supporting actor – and the Oscar goes to: Sam Rockwell – „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Willem Dafoe war nominiert für „The Florida Project“. Ein guter Film, ein interessanter Film, und ein Streifen, der in das Selbstdarstellungsportfolio der Filmindustrie von Los Angeles gepasst hätte. Bereits 1986 war Dafoe, geboren am 22. Juli 1955, für einen Oscar nominiert und natürlich für eine männliche Nebenrolle. Auch die Rolle passte zu ihm: Der selbstlose Sergeant Elias. In dem (Anti-)Kriegsfilm und Vietnamdrama „Platoon“ („Der Zug“). Das war und ist auch die Rolle des Helden. Und die passt immer mehr zu ihm.

Willem Dafoe – alt und weise. Was? Alt?

Am 20.2.2018 erhielt er in Berlin die Ehrung „Goldener Ehrenbär“. Für diejenigen unter uns, die nur englisch verstehen: Ein „Lifetime-Achievement Award“. Wohl selten war Dafoe in einer Pressekonferenz so gelöst und weise. Eine Rolle, die ihm gut steht. Der Schauspieler sagte viele gute und wichtige Dinge. Dinge, die Bestand haben. Nicht dieses oberflächliche Zeug, das viele von sich geben oder geben sollen, weil ihre PR-Agenten es ihnen raten.

Als eine Frage an ihn gestellt wurde, in der das Wort „alt“ vorkam, spielte er überzeugend Entrüstung. „Was, Sie meinen, ich sei alt? Wollen Sie sagen, dass ich alt sei? Ich?“ Rechtzeitig löste er die Spannung durch Lachen auf, doch lang genug hielt er alle hin, dass man es ihm abnehmen hätte können.

Oscarnominierungen von 1986-2018 kann auch nicht jeder aufweisen. Schon gar nicht die aus dem „Klub“ derjenigen, die wie Amy Winehouse oder James Dean mit 27, 24 oder 28 Jahren die Weltenbühne verließen. Umspannen doch allein Dafoes Nominierungen schon 32 Jahre.

Viele Oscarnominierungen

Neben der Figur des selbstlosen Sergeant Elias 1986 war Willem Dafoe, eigentlich William Dafoe, 2001 für den „Max Schreck“ in E. Elias Merhiges „Shadow of the Vampire“ nominiert. Für den Oscar, natürlich als bester Nebendarsteller, den Golden Globe und weitere Auszeichnungen.

Ob Dafoe als Nebendarsteller so brilliert, weil er das zweitjüngste Kind von acht Geschwistern ist?

Die aktuelle Oscar-Nominierung 2018 war seine dritte. Willem Dafoe erhielt sie für die Nebenrolle des Motelmanagers Bobby, in Sean Bakers Streifen „The Florida Project“. Der Film aus dem Jahr 2017 heißt auf deutsch „Das Florida-Projekt“.

Allein die drei erwähnten großen Produktionen illustrieren bereits die Bandbreite von Willem Dafoes schauspielerischen Können. Der Militärfilm aus den 80ern, ein Schreckensstreifen und aktuell schlüpfte Dafoe in die Rolle eines sozial eingestellten Managers mit klaren Regeln, der Unterkunft bietet.

Und das passt zu dem, was er uns in Berlin gesagt hat:
Er sagte, er habe viele verschiedene Rollen angenommen und sich nie einem Genre verschlossen. „Die Früchte dieser Einstellung kann ich jetzt ernten.“ So beziehungsweise ganz ähnlich äußerte er sich im Februar (auf englisch).
2018 erntet er nicht nur die Früchte seines Schaffens und seiner Offenheit, in dem er sich Rollen jedes denkbaren Films aussuchen kann, sondern auch Ährungen, … ähm, Ehrungen.

Insgesamt ist Dafoes Werk eine Hundertschaft.

Großer Wille, kleines m. Willem.

Gereift und geliebt: Willem Dafoe

Wer Dafoe ein kleines bisschen näher kennenlernt, wird feststellen, dass er ein äußerst angenehmer Zeitgenosse ist, der vieles richtig macht.

Wir gratulieren Willem Dafoe von Herzen zu der Auszeichnung „Goldener Ehrenbär“!

Oscar hin oder her.

Dafoe ist Wer.

www.berlinale.de