Weihnachten auf dem Balkon.

„Weihnachten auf dem Balkon“ in der Komödie am Kurfürstendamm

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der ganz normale Weihnachtswahnsinn mit Lachmuskel-Aktivitäts-Garantie! Der französische junge Erfolgsautor Gilles Dyrek karikiert ein fröhliches Weihnachtsfest in Paris.

In jedem deutschen Haushalt dieser Zeit könnte es ähnlich ablaufen: der tolpatschige Ehemann Patrick (Tino Führer in einer Doppelrolle) lässt nicht nur die Weihnachtsgans und -ente, sondern gleich auch die Schokoladentorte auf den Boden fallen.

Seine ständig am Rande des Nervenzusammenbruchs agierende gestresste Ehefrau Eliane (Adisat Sementisch in einer Doppelrolle) hat’s nicht leicht. Die ewig herumkommandierende, meckernde Schwiegermutter ist zu Besuch (Dela Dabulamanzi) und lässt „die Puppen tanzen“.

Ihr zweiter Sohn Etienne (Harald Effenberg in einer Doppelrolle) ist ebenfalls zum Weihnachtsessen gekommen, telefoniert ständig mit seiner Geliebten auf dem Balkon. Der halbwüchsige Sohnemann Sébastien (Olivier Dupont in einer Doppelrolle) im Gruftie-Look lässt sein Frettchen auf dem Tisch des Hausens für Grausen sorgen.

In der Nachbarwohnung ist der „normale Weihnachtswahnsinn“ ebenfalls im vollen Gange: Die hochschwangere Anne-Cécile entbindet, ihre Schwägerin Marjorie „schleppt“ den dritten Freund namens Christophe in Folge an, der nicht Arzt ist, wie sie behauptet, sondern Metzger und bei der Geburt doch noch helfen kann, ihr Vater Jacques will unbedingt den Weihnachtsmann für die Kleinen spielen und darf nicht, springt in der Nachbarwohnung ein, weil Klein-Hubert sich nicht mehr beruhigen mag, bevor nicht der Weihnachtsmann auftaucht. Jaques, der ein Alkoholproblem hat, lässt sich dort mit Champagner „volllaufen“ und flirtet heftig und erfolgreich mit der Schwiegermutter.

Alles in allem wurden zwei Stunden mit Pause vergnüglicher, turbulenter Szenen mit sechs Schauspielern in zwölf Rollen auf zwei Balkonen in zwei Familien auf die Bühne gebracht.

Mit „Oh, Du fröhliche …“ beginnt die Komödie, mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ endet das rasante, mit witzigen Dialogen gespickte Stück. Das Publikum singt das Weihnachtslied am Schluss mit, bevor nicht endender Applaus erschallt.




“Heisenberg” am Renaissance-Theater Berlin – Über eine romantische und kafkaeske Komödie um Quantenphysik und Liebe

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Stück, wo man unvermittelt laut loslachen muss, ob der bizarren, im Stakkato explodierenden Äußerungen der ca. 40-jährigen, teil sehr ordinären, sich ständig in Lügen neu erfindenden Georgie (meisterhaft gespielt von Susanna Simon), stets aus dem Zusammenhang gerissene, direkte Fragen, Antworten, Attacken („Du fetter alter Sack!“) an und auf ihren 33 Jahre älteren Partner, den Metzger Alex (brilliant dargestellt von Walter Kreye). Eineinhalb Stunden inszenieren die beiden ihr Kennen- und sich Liebenlernen auf einer minimalistischen Bühne, ausgestattet mit einer verschiebbaren treppenähnlichen Konstruktion, die alles darstellen kann: Bahnhof, wo sie sich zuerst kennenlernten, Riesenbett auf dem sie sich lieben, Restaurant, wohin Alex Georgie ausführt oder einen Naturpark in den USA, wohin die beiden sich begeben auf der vergeblichen Suche nach Georgies Sohn – oder doch zu sich selbst?

In den Szenenwechseln mit verdunkelter Bühne, wo im Hintergrund in einem Permanentfilm eine äußerst stark frequentierte Londoner Straße mit geschäftig daherlaufenden Menschen gezeigt wird, wird das 68er-Publikum (und ältere) mit Liedern von John Lennon und Beatles-Songs beglückt.

Wieso heißt das Stück Heisenberg? Und wieso Heisenberg? Werner Karl Heisenberg war ein deutscher Kernphysiker und Nobelpreisträger, der zu den bedeutendsten Physikern des 20. Jahrhunderts zählt. Die Heisenbergsche Unschärferelation oder Unbestimmtheitsrelation (seltener auch Unschärfeprinzip) ist die Aussage der Quantenphysik, dass zwei komplementäre Eigenschaften eines Teilchens nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmbar sind. (Quelle: Wikipedia)

Eineinhalb Stunden konzentriertes, bravouröses Spiel der beiden Darsteller – es ist sicher eine Herausforderung, diese Beckett-ähnlichen Texte lernen und abrufen zu können! Das Publikum gouttiert dies mit großem Beifall und Bravo-Rufen. Autor Simon Stephens hierzu: „Die Idee, dass ein Teilchen sich unvorhersehbar verhält und dass man das vorhergesehene Verhalten des Teilchens nicht wirklich beobachten kann, hat mich gefesselt. Ich hatte das Gefühl, dass darin vielfältige Metaphern für das Leben, das Theater und die Musik enthalten sind.“

Ironischerweise passt das Stück auch noch nur zu gut in unsere heutige Zeit, wo ein kleiner dicker Koreaner und ein missratener Abkömmling eines in die USA ausgewanderten Deutschen die Welt mit der Atombombe zerstören wollen: Der US-amerikanischer Historiker Thomas Powers porträtierte Heisenberg als Held des Widerstands (Heisenbergs Krieg, 1993); er habe trotz Kenntnis der richtigen Werte die kritische Masse unerreichbar hoch erscheinen lassen. Für Paul L. Rose dagegen war Heisenberg ein unfähiger Nazi, der die Bombe entwickeln wollte, allerdings scheiterte (Heisenberg und das Atombombenprojekt der Nazis, 2001). (Quelle: Zeit.de/Wissen)

Wieder einmal hat Intendant Horst Filohn ein zielsicheres, „goldenes“ Händchen bewiesen beim Griff nach diesem preisgekrönten Autorenstück.

Ein Stück, welches anregt und das begeisterte Publikum beim Verlassen des mit wunderschönen Art-Deco-Holztäfelungen bestückten Theaters in Danach-Gespräche bei einem Glas Wein entlässt.




Das Gespenst von Canterville

Garantiert gruselfrei oder Ein Familienmusical mit Geist – „Das Gespenst von Canterville“ im Theater am Kurfürstendamm in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine witzige, ausgezeichnete Musical-Adaptation vom berühmten Roman „The Ghost of Canterville“ von Oscar Wilde wird auf der Ku’dammbühne namens Theater am Kurfürstendamm für Groß und Klein gesungen und getanzt.

Der amerikanische Botschafter Hiram B. Otis kauft das altehrwürdige Schloss Canterville trotz zahlreicher Warnungen, dass es dort spukt. Kurz nach dem Einzug geht es auch schon los: Ein Poltergeist macht sich bemerkbar. Doch die pragmatischen Amerikaner lassen sich nicht aus dem Konzept bringen. Leider lässt sich auch Sir Simon (ein besonders unangenehmer Vorfahre der Cantervilles) nicht so schnell von seinem Vorhaben abbringen, die neuen Besitzer mal gehörig zu erschrecken. Aber egal, was er sich auch einfallen lässt, immer wieder prallt sein Spuk an der fröhlichen Familie ab. Bis schließlich die Tochter Virginia auf das verzweifelte und selbst schon völlig verängstigte Gespenst trifft und sich seiner annimmt.

Die Puppenspieler Andreas Pfaffenberg spielt und singt herrlich gleichzeitig den Butler und die Haushälterin, die als witzige 1 Meter große Handpuppe für Stimmung sorgt. Musicaldarstellerin Henriette Schreiner singt und tanzt in Dreifachrolle einmal die Tochter des amerikanischen Diplomatenpaars und auch spielt sie einen der Rabauken-Zwillingsbrüder – auch als 1 m große Handpuppe. Genauso der 20-jährige Joshua Edelsbacher, der den jungen Duke spielt und auch einen der Handpuppenzwillinge, die ständig Schabernack und Unsinn treiben. Am schwersten hat es das Schlossgepenst, Sir Simon de Canterville (Mathias Kusche), der sich ständig behaupten muss.

So kommuniziert er mit den Kleinen im Publikum, die auch rege mitgehen und auf seine Fragen ins Publikum, wie er sich vor den Zwillingen retten soll, aufgeregt mit hellen Kinderstimmchen aus dem Off antworten. Die ganz Kleinen fürchten sich stellenweise dann doch ein wenig, aber gleich geht das muntere Treiben auf der Bühne weiter. Ein 5-jähriges Mädchen kommt freiwillig auf die Bühne und gibt dem Geist Tipps, wie es am besten Menschen erschrecken kann. Zur Belohnung erhält sie einen blinkenden Zauberweihnachtsstab mit Stern. Auch der zwölfjährige Benjamin sitzt in einer Reihe gleichaltriger und verlässt den Saal mit einem Song des Musicals auf den Lippen. Das Publikum muss nämlich auch den Refrain mitsingen: „Du bist das Gespenst von Canterville und wir hören Dir gerne zu.“

Ein wundervolles Musical mit vielen hübschen Songs und witzigen Gespenstertanzszenen, erfrischend und lustig, für Groß und Klein und garantiert gruselfrei ab einem Alter von vier Jahren.

Die Premiere fand am 18. November 2017 statt. Das Stück wird im Theater am Kurfürstendamm noch bis 27. Dezember 2017 gespielt.




Pelléas et Mélisande

„Pelléas et Mélisande“ in der Komischen Oper Berlin – Eine Literaturoper von Claude Debussy

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wieder ein Geniestreich vom Intendanten Barrie Kosky! Nachdem er das Berliner Pubklikum eine ganze Saison hindurch mit revueartigen, quirligen, schillernden Operetten in der Nazizeit verfolgter jüdischer Komponisten verzaubert hatte, zeigt er jetzt – spätestens nach seiner großartigen Inszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ in Bayreuth das breite Repertoire seines Talents und eher „die dunkle Seite der Macht“.

Das Psychodrama Maurice Maeterlinck’s verkleidet im Rahmen eines klassischen Märchens mit Schlössern, Königen und Prinzessinnen, erzählt von der unmöglichen, verbotenen Liebe Mélisandes mit Pelléas, Bruder von Golaud, mit dem sie verheiratet ist. Die Eifersucht gipfelt in einen Brudermord – Mélisande zerbricht daran und stirbt.

Auf einem dunklen, ultraschlichten, raffinierten, minimalistischen Bühnebild mit verschachtelten Drehelementen wird die märchenhafte Romanvorlage des flämischen Literaturnobelpreisträgers Maeterlinck quasi wie in der molekulearen Küche auf den Inhalt reduziert, um dem mächtigen psychologischen, dramatischen Inhalt zur Geltung zu helfen.

„Vor einer überladenen Ausstattung drohen die Sänger*innen ins Zwergenhafte zu schrumpfen“, begründet Barry Kosky seine Entscheidung – der man nur Beifall zollen kann! „Ich wollte kein Meer, keine Türen, keinen Turm und auch kein lang herabfallendes Haar.“

Die Bühne dreht die brillianten Sänger*innen ständig so, dass keine großartigen Auf- und Abtritte erfolgen, sondern alles „wie ein Uhrwerk“ ineinandergreift.

Dies erleichtert dem Zuschauer, die komplexe, verwickelte Familiengeschichte eher zu durchdringen mit all ihrem Grauen und Verdrängtem oder wie Debussy sagte: „Die „Menschlichkeit“, ein vertrautes Abbild eigener Seelenzustände: verdrängte Gefühle, blinder Zorn, seelische und körperliche Gewalt – ohne rechtes Wissen darum – die Qualen der Liebe, stumpf ertragener Schmerz, nacktes Ausgeliefertsein und stumme Ausweglosigkeit.“

Hervorragend dirigiert der Kanadier Jordan de Souza das Orchester der Komischen Oper, seit dieser Saison Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin und empfindet die Musik Debussys so: „Die Musik sprießt und grünt förmlich aus dem Text, in einem Fließen, das alles ins Wanken bringt. Debussy überführt Maeterlincks Drama in eine höhere Sphäre. Man hat das Gefühl eine neue Galaxie zu betreten.“

„…jene dämmrige, flüchtige, schwebende Musik mit ihren unendlich subtilen Abstufungen, ihrer hauchfeinen Textur, ihrem delikaten Wohlklang, ihrer merkwürdigen widerhallenden Dissonanzen, ihrem einzigartigen Reichtum an Stimmungen, ihrer verschatteten Schönheit, ihrer exquisiten und elaborierten Kunstfertigkeit.“schwärmt 1907 der US-amerikanische Musikkritiker Laurence Gilman. Treffender kann man es kaum beschreiben.

Eine eindringliche, durch und durch gehende Inszenierung mit Tiefenwirkung und einem hervorragenden Ensemble.




Anna Netrebko und Yusif Eyvazov

Zwei Juwelen der Oper strahlen am Berliner Abendhimmel – Zum Konzert in der Berliner Waldbühne von Anna Netrebko und Yusif Eyvazov mit den schönsten Arien und Duetten von Verdi und Puccini

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Anna Netrebko und Yusif Eyvazov traten in der Berliner Waldbühne auf, um die schönsten Arien und Duetten von Verdi und Puccini darzubieten.

Oper unterm Abendhimmel

So muss es sich mit der Zaubernixe Lorelei am Rhein zugetragen haben, die arme Schiffer dazu brachte, ihre Schiffe am Felsen zerschellen zu lassen, während sie ihrem betörenden Gesang lauschten. Wie die Sirene Lorelei wirkt Anna Netrebko mit ihren nunmehr langen blonden Haaren, die ihr sehr gut stehen und ihren wechselnden, geschmackvollen Glitzerroben an diesem Abend der nicht enden wollenden herzergreifenden, romantischen Arien von Verdi, Puccini und anderen Liebesliederkomponisten.

Bildete die Operndiva schon mit Rolando Villazon ein Gesangstraumpaar, so hat sie mit ihrem nunmehr zweiten Ehemann Yusif Eyvazov ein ebenbürtiges Herzblatt für ihr Leben und auf der Bühne gefunden – ein schönes Paar in jeder Hinsicht. Viele sagen, dass La Netrebko nach der Geburt ihres Sohnes Tiago eine noch schönere Stimme habe als zuvor. Sicher spielen die Hormone eine Rolle, jedoch auch der Schicksalsschlag, dass der kleine Tiago ein Autist ist – ein Reifeprozess für jeden, der einen kranken Angehörigen hat.

15.000 begeisterte Zuschauer zollten dem Duo frenetischen Beifall bei ihrem einzigen gemeinsamen Konzert in Deutschland. Yusif, Aserbaidschaner, wollte erst dem Berufsbild seines Vaters, einem Meteorologen, folgen. Durch Zufall wurde man auf seine Stimme aufmerksam. Schon bei den diesjährigen Salzburger Festspielen umjubelte ein Millionenpublikum die beiden in der dortigen phantastischen Aida-Aufführung, die via Arte-TV übertragen wurde.

Auch an diesem Abend sangen die beiden Auszüge aus Aida. Die Stimme der gebürtigen Russin und jetzt österreichische Staatsbürgerin Anna Netrebko als die äthiopische gefangene Königstochter geht durch und durch und nicht nur einmal gibt es Gänsehautfeeling während des Konzertes. Was für ein Stimmkolorit, welch warmes, samtiges Timbre, was für ein hohes C! Was für eine Stimmkraft, auch wenn es um leisere Töne geht. Umwerfend, bezaubernd, brilliant und einzigartig!

War es damals die die Primadonna Assoluta Maria Callas, so hat unsere Zeit ihre würdige, ebenbürtige Nachfolgerin gefunden. Auch wenn Yusif den geliebten ägyptischen Heerführer Ramades singt, hält das Publikum den Atem an. Sein sehr klares, unter die Haut gehendes warmes Timbre und Kolorit ist Beweis, dass es gut ist, dass er kein Meterologe wurde. Der Meistersänger wäre ein Verlust für die Opernwelt gewesen. Bei seinem „Vincero“ aus Nessun dorma fängt das Publikum an, unvermittelt zu jubeln.

Als Liebespaar par excellence tanzen sie eng umschlungen während das Orchester spielt. Hinreißend! Macbeth, Il trovatore, Nabuccos Gefangenenchor, Celeste, Nessun dorma, Tosca, Carmen. Keine Wünsche wurden offengelassen für das kundige Berliner Publikum, welches im Takt mitwiegte und klatschte.

Nicht nur auf der Bühne, auch die Treppen ins Publikum stieg Anna hinauf in einem langen, roten, asiatischen Seidenkleid mit Glitzerkäppi. Sie rührte das Publikum zu Tränen mit ihrer „Turandot“. Das war eine Anna Netrebko zum Verlieben.

Auch die zu jedem Lied wechselnde Anstrahlen des Bühnenensembles mit passenden Theaterkulissen – ägyptisch für die Aida und so fort – trug zum Genuss des stimmungsvollen Opernabends bei, dem Petrus ebenfalls Wohlwollen entgegen brachte und die Regenschauer anderswo verteilte. Oder war es doch der „Anti-Regenanzug“ des Veranstalters Prof. Peter Schwenkos, der das Publikum beschwor, die Daumen zu drücken. Die Pause wurde dann auch aus meteorologischen Gründen auf 10 Minuten gekürzt – war doch ein Meteorologe mit ihm Spiel? 100%-ige Zustimmung zu Schwenkos Statement: „Eine Ausnahmekünstlerin und Jahrhundertsopranistin, der zu recht ein Millionenpublikum zu Füßen liegt.“ Er betreut die Diva nun im 14. Jahr mit der DEAG.

Bei Anna’s „O mio babbino caro“, welches sie in türkisfarbenem, langen Glitzerkleid vorgetrug, erschien sie wie die leibhaftige Verkörperung der Zaubernixe Lorelei – in jeder Hinsicht, keine Frage.

Anna und Yusif bedankten sich bei dem Publikum und krönten den Abend mit drei äußerst romantischen Stücken von ihrem ersten gemeinsamen Album „Romanza“, La Fantasia, Ricomincerò und Cantami.

Bei dem romantischen, italienischen Duett „Cantami“ hängt der Himmel voller Geigen – dem Liebespaar wie auf den Leib geschrieben – das Herz schmachtet! Ein veritables Traumpaar, welches vom Publikum mit frenetischem Applaus und mit Standing Ovations verabschiedet wurde nach der Zugabe des Publikumslieblings von Verdi‘s „Libiamo“ aus La Traviata.
Die Konzertaufzeichnung wird am 10.09. um 22 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

Einlasskontrolle als Ärgernis

Kleine Anmerkung zur Einlasskontrolle: So beruhigend die Sicherheitskontrollen am Einlass auch sein mögen, die Auswahl des Personals lässt leider zu wünschen übrig, dem es teilweise an Menschenkenntnis mangelt. So wurde mancher der älteren Herrschaften nach sehr langem Schlangestehen vor den Kontrollen einfach weggeschickt, weil zum Beispiel die Taschen zu groß waren. „Sie müssen die Tasche wegschmeißen!“, erklärte einer. Das muss bei allem Verständnis wirklich nicht sein. Ein wenig mehr an freundlicher Kulanz gerade bei den gebrechlicheren Semestern könnte nicht schaden, schließlich sind sie zahlende Gäste.

Ja zum Rauchverbot

Lobend ist zu erwähnen, dass die wenigen Raucher sich sehr rücksichtsvoll verhalten haben. Ein generelles Rauchverbot wäre zu bevorzugen – schließlich ist in Opernhäusern auch das Rauchen nicht erlaubt.




Powerfrau Gayle Tufts mit „Superwoman“ im Tipi am Kanzleramt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Eigentlich plante ich die Show in der Annahme, dass Hillary Clinton die Wahl in den USA gewinnt“, erklärt die quirlige und witzige US-Amerikanerin Gayle Tufts in Bezug auf ihre neue Musik-, Tanz- und Comedyshow „Superwoman“.

Tatsächlich wirft sie sich vor der Pause ihres atemberaubenden Song- und Parlier-Parcours durch deutsch-amerikanische Superwomen-Geschichten auf den Boden und schreit minutenlang „sorry, sorry, sorry“, nachdem sie vorher sagte: „Es gibt zwei schlimme Wörter in den USA: Donald Trump!“ Die Hälfte der US-Amerikaner habe Depressionen wegen ihm und das Phänomen des „Trump-Rump“ (Trump-Hinterteil) grassiere, weil jeder sich aus Frust mindestens 7 kg Übergewicht „anfresse“. Auf solche Sätze folgt großes Gelächter im Publikum, das von Sympathiebekundungen begleitet wird.

Zwischen romantischen oder rockig-fetzigen Songs, die alle zum Thema Superwoman passen, redet sie in „D’English“ über Superwomen.

Hier seien zu nennen als allererstes „Lady Liberty“. Gekleidet in die amerikanische Flagge wie ein griechischer Umhang drapiert, die Fackel mit der Rechten in die Luft ragend, singt Gayle Trump-Rump „Liberty“ gemäss Emma Lazarus (jüdisch-amerikanischen Dichterin) 1883 verfasstes Gedicht „The New Colossus“ (in das Podest der New Yorker Freiheitsstatue eingraviert): „Give me your tired, your poor, Your huddled masses yearning to breathe free.

The wretched refuse of your teeming shore. Send these, the homeless, tempest-tost to me, I lift my lamp beside the golden door!“ In Zeiten des Mauerbaus und Abschiebungen sei die Welt am Ende, so Tufts, die Demokratie sei kein Gesellschaftstanz!
Sie spricht uns Trump-Gegnern aus der Seele, sagt, dass Melania, die Trump-Gattin, die einzig Vernünftige sei – sie würde erst gar nicht ins weiße Haus ziehen und möglichst weit weg von ihm bleiben. Gayles spricht über alles zeitgeist-gemässe: „Kale“ sei das neue Superfood in New York, wo sie mit ihrem Bremer Gatten einen 10 $ teuren Smoothie trank. Als ihr Mann sie fragte, wie sie denn „Kale“ übersetze, was überall angepriesen werde, sagte sie „Grünkohl“, woraufhin ihr Mann, der „Bremer“ sagte: „Für 10 $ Grünkohl und das ohne „Pinkel“. Ja, sie erzählt viel von den deutsch-amerikanischen Wahlverwandtschaften. Alltagsheldinnen wie die Krankenschwester Petra aus Berlin-Buch, die ihr die Hand hielt in schwierigen Zeiten, Nobelpreisträgerin Malala, VorbilderInnen wie Superwoman und wie sie alle heißen. Ein Hubschrauber fliegt über das Tipi. Gayle: „Aha, Angela Merkel ist zurück von Putin.“

Gayle wird begleitet vom Pianisten und Kompositeur Marian Lux und Martin Krause vom Babelsberger Filmorchester am Schlagzeug. Zwei behende, junge Tänzer begleiten ihre spritzige Choreographie in wechselnden Kostümen.

Gayle, mal in rotem, sexy Kleid, dann in türkisfarbenem Superwoman-Dress mit wehendem rotem Umhang oder saphirblauem Seidenkleid – Die Choreographie untermalt einen bunten Abend, in dem kein Auge trocken bleibt, sei es wegen ihres Wortwitzes, sei es wegen romantischer, zu Herzen gehender Songs.

Der Song beim Herausgehen der Gäste ist „Hero“ von David Bowie – „We can be Heroes forever and ever!“ – right on, sister!

Die Show läuft noch bis 20.Mai 2017.




Juan-les-Pins für Gourmets, Park- und Gartenliebhaber – Erstes Festival der Gärten an der Côte d’Azur

Juan-les-Pins, Frankreich (Kulturexpresso). Juan-les-Pins, das Seebad an der Côte d’Azur, gehört zur Gemeinde Antibes. Daher der Doppelname Antibes-Juan-les-Pins für zwei Orte an der traumhaft schönen Halbinsel Cap d’Antibes, mit dem legendären Hôtel du Cap-Eden-Roc, einem der teuersten Hotels der Welt, gelegen.

© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch

Die Gegend ist berühmt für ihre außergewöhnlich bezaubernden, öffentlich zugänglichen Parks und Gärten der Côte d’Azur. In Ergänzung hierzu – sozusagen als I-Tüpfelchen und Bonbon obendrauf – findet 2017 zum ersten Mal ein Wettbewerb statt: das Festival der Gärten, in dem Landschaftsgärtner aller Couleur ihre ausgefallenen zeitgenössischen Kompositionen und Attraktionen dem Publikum und einer Jury präsentieren.

In Antibes selbst gibt es zum Beispiel den Rosengarten der Villa Eilenroc zu bestaunen und den Botanischen Garten der Villa Thuret – alle auf der Halbinsel Cap d’Antibes gelegen.

Diese Halbinsel der Reichen, die gerne unter sich bleiben, ist felsig und verfügt nur über den Plage de la Garoupe mit kleinen Privatstränden.

Bekannt wurde Cap d`Antibes vor allem durch den  Roman Tender is the Night (Zährlich ist die Nacht) von F. Scott Fitzgerald.

Rosengarten der Villa Eilenroc (Fondation Beaumont)

© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch

Um 1860 herum gehörte es für die reichen Nordeuropäer zum guten Ton, sich eine Villa an der Côte d’Azur zuzulegen. Direkt neben der prächtigen Villa samt Garten des russischen Milliardärs Abramovic gelegen, befindet sich die in neoklassizistischem Stil erbaute Villa Eilenroc, heute im Besitz der Stadt Antibes. Ihr elf Hektar großer Garten, vom Landschaftsarchitekten Jacques Greber gestaltet, diente einst als repräsentativer Empfangsort von tout Côte d’Azur, die mit Luxusautomobilen vorfuhren. Heutzutage finden dort im Sommer Klassik-Open-Air-Konzerte mit Blick auf die Villa und das Meer statt. Ein Öko-Museum wurde angelegt und vor dem Rosengarten ein Duftgarten mit würzig riechenden Kräutern der Region. „1000 Rosenvarianten der Côte d’Azur sind im Rosengarten vertreten, die besonders gut und intensiv duften, wenn sie im Schatten stehen“, wie Thierry, der Gärtner erklärt. Er hat nicht zu viel versprochen. Die Düfte sind umwerfend, bezaubernd, noch nie gerochen und von vielfältigster Art. Hinter dem Rosengarten schließen sich ein Oliven-, Zitronen- und Orangenbaumhain an.
Ein 3,7 km langer, von der Villa ausgehender Panorama-Küstenwanderweg führt vom Cap d’Antibes und dem Strand der Villa Eilenroc zum Strand Anse de la Garoupe, wo einst Picasso seine Vormittage verbrachte, um sich mit Freunden zu treffen. Der Spaziergang lohnt sich auch für Gourmets, denn an dem Ort ist heute reich an Luxusrestaurants.

Pâtissier Cristian Cotard

Nach dem Besuch des Gartens empfiehlt sich ein Mittagessen im Pâtisserie-Restaurant La Closerie des berühmten Pâtissiers Christian Cotard in Antibes. Die verlockenden Angebote sind bezahlbar. Cotard richtete mit seiner Frau eine hübsche oasenartige Villa samt Kochschule ein, nicht zuletzt um seine preisgekrönte Pâtisserie zu verkosten. Auch Touristen können hier annäherungsweise das Handwerk des Chocolatiers-Pâtissiers erlernen. Hervorzuheben ist die Schokoladenkuchen-Komposition Fort carré, die das Fort Carré in Antibes widerspiegelt. „Eigentlich wollte ich ja etwas anderes werden“, flachst Christian Cotard, der dann doch in die Fußstapfen seines Vaters, ein berühmter Pâtisserie in Menton stieg.

Botanischer Garten Villa Thuret (Cap d‘Antibes)

© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch

Dieser herrliche, verwilderte riesige Garten auf einem Felsenvorsprung vor dem Meer, bereits von Berühmtheiten wie der Schriftstellerin Georges Sand gelobt, wurde vom Botanisten Gustave Thuret (von 1815 bis 1899) angelegt. Thuret, der 1869 korrespondierendes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften wurde, ist in deutschsprachigen Landen vor allem als Forscher von Algen an der Atlantikküste bekannt. Die 1857 gegründete meeresbiologische Forschungsstation und der Jardin botanique de la Villa Thuret ist eine unter Park- und Gartenliebhabern weltweit bekannte Attraktion am Mittelmeer. 2500 exotische Baum- und -Sträucherarten des mediterranen Klimas wurden Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts gepflanzt um ihrer Seltenheit oder Geschichte willen. Heute wird der Garten vom Gartenbau-Institut Institut National de la Recherche Agronomique verwaltet und ist weiterhin ein Ort der wissenschaftlichen Forschung über Botanik und Akklimatisation. Hier wachsen unter anderem Mimosengewächse, große Eukalyptusbäume und „schüchternen“ Pinien. Mit schüchternen Pinien sind Pinienbäume gemeint, die einerseits eng zusammenstehend aufwachsen, sich andererseits in der Krone nicht berühren.

Juan-les-Pins – La Pinède Gould

© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch

Am Strand des einst mondänen Seebades voll von Künstlern, Reichen und Schönen, beim Pinienhain Pinède Gould, sind zeitlich begrenzte Installationen von Gartenvorschlägen im Rahmen des Festival des Jardins de la Côte d’Azur zu bestaunen: Les Ondées (Die Überflutung) von M. Vincent Capmartin trägt der Wasserknappheit der Region Rechnung. Unter einem schattenspendenden Dach tropft Regen herunter, der auf die aromatisch riechenden Sträucher und Blumen fällt und ihren Duft hierbei verstärkt. In den daneben installierten Bulles Encensées (das sind Duftkugeln aus Holzstreben) vom Kollektiv der Jardiniers nomades findet sich in mannshohen, licht- und sichtdurchlässigen Kugeln die Biodiversität der Region in Schalen präsentiert. Sitze geben Gelegenheit zum Genießen. Die Böden sind teils mit Teppichen aus Muscheln oder anderem Material belegt. Pinède Gould und M. Vincent Capmartin sind nur zwei von zahlreichen jungen, vielversprechenden Gärten- und Landschaftsarchitekten, die dem Zeitgeist Ausdruck verleihen und in Juan-les-Pins zu bestaunen sind.

Reisehinweise:

Anreise: Juan-les-Pins im Département Alpes-Maritimes ist über den Flughafen Nizza und die Autobahn A 8 zu erreichen. Eine TGV-Schnellzug-Haltestelle wurde neu angelegt, so dass die Anreise mit der Bahn flott und famos vonstatten geht.
Busse: Die Busse der Envibus, Linie 200, verbinden Antibes mit der näheren Umgebung Côte d’Azur nach Cannes und Nizza. Fahrpreis: 1,50 €

Übernachtung: Allen Budgetgrößen kann Genüge getan werden: von Campingplätzen und Jugendherberge bis zum 5-Sterne-Hotel.

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde von Office de Tourisme und Congrès Antibes-Juan-les-Pins unterstützt.




Kunst und Antiquitäten in Antibes – Stadt der Kunst und des Kunsthandwerks

Antibes, Frankreich (Kulturexpresso). Sanft rauscht das Meer und bricht sich an Felsbrocken am ehemaligen Festungshafen Port Vaubaun der von den Griechen gegründeten Stadt Antibes, unweit des „Quai des Milliardaires“, den der russische Milliardär Abramovic anlegen ließ. Hier ankern die riesigen Luxusjachten von Menschen, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. Bei Sonnenaufgang lässt sich das geschäftige Treiben der Angestellten betrachten, die für alles sorgen, bevor vereinzelt Jachten auf einen Törn aufbrechen. Dazwischen findet sich auch das Yachtcharterschiffchen Navire Moguntia. Die Crew bietet Schwimmen mit den Delfinen an. Hierzu wird per Satellit nach Delfinschwärmen Ausschau gehalten, so ein Crewmitglied. Die Frage, ob auch therapeutisches Schwimmen mit Patienten angeboten wird, wird bejaht. „Delfine erkennen Kranke sofort und schwimmen auf sie zu“, erklärt das Crewmitglied weiter. Ganz billig ist es nicht, aber für einen Tag voller Außergewöhnlichkeiten mit allem Drum und Dran nicht zu viel! Mehr Meeressäugetiere, Eisbären sind im „Marineland“ in Antibes zu bewundern. Auch hier können die Delfine im Becken besucht werden! „Viele Touristen kommen nur deshalb nach Antibes“, klagt Lucy vom Tourismusbüro.

© 2017, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Foto: Eva-Maria Koch

Ausgiebig lässt sich auf den noch vorhandenen Festungsmauern am Hafen spazieren mit bezauberndem Panoramablick auf die Alpes-Maritimes, Nizza und Antibes und den Yachthafen, mit 1.700 Liegeplätzen einer der größten Europas! Eine riesige, weiße, begehbare Drahtgestell-Installation namens „Nomade“ ziert seit kurzem die Festungsmauer – zwischen vielen Buchstaben, die keinen Sinn ergeben sollen, lässt sich das Panorama einmal anders genießen. Auch das große Picasso-Museum im ehemaligen Grimaldi-Schloss ist neben anderen ein Muss.

Antibes, zwischen Cannes und Nizza gelegen, besteht nur teilweise aus nicht sichtbaren Milliardären. Durch die pittoresken, engen Gässchen mit ihren Boutiquen, Läden, Restaurants und Galerien der ehemaligen Jetsetter-Stadt laufen neben flanierenden Einwohnern und Touristen auch Vierergruppen von Soldaten Streife. Das Patrouillieren ist der aktuellen politischen Situation geschuldet und die Regierenden tragen damit dem Bedürfnis nach Sicherheit der Bevölkerung Rechnung. Sie stören nicht, ganz im Gegenteil trägt deren Anwesenheit erheblich zum Wohlbefinden bei, wenn man beim Bummeln nicht Angst haben muss, ungeschützt Attentätern ausgesetzt zu sein.

Marché Couvert Provençal, Platz Cours Masséna

© 2017, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Foto: Eva-Maria Koch

Zurück zum Vergnügen! Besonders authentisch und pittoresk ist der Marché Provençal auf dem Platz Cours Masséna. Frische Produkte der Region, Blumen wie Lavendel, Pfingstrosen, Früchte, Gemüse wie Tomaten, Auberginen, Zuccini, Oliven in allen vielfältligen Natur- und Zubereitungsformen, Fische, Seifen, Käse, Gewürze werden von charmanten HändlerInnen feilgeboten: La Provence wie sie leibt und lebt.

Europas bester Antiquitäten- und Kunstmarkt

In Antibes lockt seit einigen Jahren im Frühjahr und im Sommer der europaweit beste und exklusivste Antiquitäten- und Kunstmarkt mit 120 Ausstellern rund 25.000 Besucher an. Unter großen, weißen Eventzelten am Port Vauban sind exquisite antike Möbel zu bestaunen – und zu kaufen, wenn es das Portemonnaie erlaubt: Louis XVI, ganze Zimmertäfelungen aus Turiner Schlössern, Samurai-Rüstungen, kostbare Vasen, Schmuck, Gemälde und auch witzige, moderne und zeitgenössische Gemälde und Skulpturen finden ihre Abnehmer, präsentiert von namhaften, edlen Galeristen. Auch wenn die persönliche Geldbörse keine Käufe erlauben sollte, einen Besuch wert ist diese kostbare Sammlung von schönen Dingen aller Art, die zum Staunen verführt, schon.

Nach einer kleinen Pause im Restaurant „Le Nacional“ am Place Nationale mit seinem oasenähnlichen, ruhigen, sonnigen Innenhof und einem Steak aus einem Spezialkohleofen geht es weiter mit den Kunst- und Kulturgenüssen: Auf zu den
Künstlerateliers in der Galerie municipale Les Bains Douches.

In der Festungsmauer am Port Vauban, die Festung wurde von Festungsstar-Architekten Louis XIV. Vauban konzipiert, waren einst in ehemaligen Militäranlagen zur Hygiene für die Bewohner eine Aneinanderreihung von Zimmern zum Duschen und Baden angelegt worden. Diese steinernen Zimmer werden seit einigen Jahren an zahlreiche KünstlerInnen vermietet, die hier ihre Ateliers haben, arbeiten und ihre Werke ausstellen.

Die KünsterlerInnen

Der antiboise, warmherzige Sculpteur Claude Urbani zum Beispiel mit seiner farben- und lebensfrohen Skulpturen- und Gemäldesammlung erzählt so lebendig – als ob Picasso vor einem stünde – von der Entstehungsgeschichte seiner Kunst und von Antibes. Man könnte seinem südfranzösischen Charme ausstrahlenden Plaudern „aus dem Nähkästchen“ stundenlang zuhören, denn er ist ein wirklicher Insider, der auch schon in Deutschland auf Schloss Würtemberg eine Mäzenin fand. Auch die beiden Hélènes „Les Helènes“ sind keine Helleninen, sondern authentische, gestandene, langhaarige, blonde Bildhauerinnen, die äußerst attraktive lange, große Holzskulpturen präsentieren, in die zum Beispiel Glas eingearbeitet ist. „Es ist Holz aus der Region.“ so eine der Hélènes. Auch wertvolle Bronzemasken und -skulpturen sowie Schmuck runden ihre Werkschau ab, die von großem künstlerischen Können zeugen. Auch die anderen Ateliers sind eins um andere interessanter als das andere. So kann man zum Beispiel in der Galerie Didier Saba dem Glasbläser bei der Arbeit zuschauen, wie er witzige Kreationen ins Leben ruft wie bunte Papageien mit Hüten.

Restaurantstraße entlang der Galeries Bain-Douches

Entlang der Straße der Galerien können Erfrischungen und französische Küche in zahlreichen Restaurants und Bistrots genossen werden – der spannenden Wanderung durch die Ateliers muss Tribut gezollt werden! In den angrenzenden Gässchen findet sich in der Rue Thuret ein typisch französisches Seifengeschäft, um beim Thema Bain-Douches zu bleiben. Im Comptoir des Savonniers bleibt kein Seifenwunsch offen: alle schönen Farben, alle diversen Formen, alle feinen Düfte – bislang noch nirgendwo in dieser Vielfältigkeit gesehen und gerochen – dieses Seifengeschäft ist ein Geheimtipp.

Reisehinweise:

Anreise: Antibes Juan-les-Pins im Département Alpes-Maritimes (die von weitem mit ihren schneebedeckten Kuppen zu sehen sind) ist über den Flughafen Nizza und die Autobahn A 8 zu erreichen – auch eine TGV-Schnellzug-Haltestelle wurde neu angelegt. Auch hier keine weiteren störenden, offensichtlichen Sicherungsmaßnahmen, lediglich sind die abfliegenden Passagiere an einem Spezialterminal „Kiss and Fly“ „abzuliefern“. Die Autos parken nicht mehr auf Parkplätzen, sondern die Gäste werden hier samt Gepäck abgeladen und die Autos müssen weiterfahren. In Nizza selbst ist der Boulevard des Anglais mittlerweile durch Betonpoller gesichert. Die Lebensfreude nach dem schrecklichen Attentat von 2016 mit 80 Toten siegt und niemand lässt sich in seinem Tun beeinträchtigen. Das Leben geht weiter.
Busse der Linie 200 verbinden Antibes mit der näheren Umgebung an der Côte d’Azur sowie nach Cannes und Nizza. Der Fahrpreis beträgt 1,50 Euro.

Übernachtung: Allen Budgetgrößen kann Genüge getan werden. Besucher können sich auf Campingplätzen ein Plätchen, in Jugendherbergen ein Bett und Hotels bis hin zum Fünf-Sterne-Hotel ein Zimmer buchen.

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde von Office de Tourisme und Congrès Antibes-Juan-les-Pins unterstützt.




Kultur pur in Aix-en-Provence

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Alljährlich an Ostern werden an den berühmten Festspielorten der Welt Klassikfestivals inszeniert. In Aix-en-Provence spielt nun das fünfte Jahr in Folge die Crème de la Crème der Klassikmusik in neugebauten Kulturstätten, zu denen neben dem Grand Théâtre de Provence weitere Spielstätten zählen.

Renaud Capuçon, begnadeter Violonist mit Welt-Renommée, rief dieses ins Leben, tatkräftig von Mäzenen unterstützt. Sein Bruder, der ebenfalls berühmte und begnadete Cellist Gautier Capuçon ist neben weiteren Berühmtheiten selbstverständlich „mit von der Partie“. Er bezauberte unser Berliner Publikum bereits 2016, als er beim „Young European Classic“ Festival junge Franzosen auf der Bühne begleitete.

Im Konzert „Renaud Capuçon and Friends“ hat der sympatische Renaud seine Freunde eingeladen, die witzige, charmante Sopranistin Julie Fuchs aus Avignon, François Lambret und Nicolas Angelich am Piano, Gerard Caussé – Bratsche und Gautier Capuçon – Violoncello. Zuerst singt die bezaubernde Julie Fuchs mit ihrem kristallklaren Sopran Arien von Rossini, Mozart, Léhar und Oberfeld. Sie bezirzt das Publikum und flirtet mit ihren Mitspielern mit französischem Charme – es ist eine wahre Freude! Nach der Pause wird das Quattuor No. 1, op. 25 von Johannes Brahms gespielt – ein Hochgenuss und herzergreifend, mit welch meisterhaftem Spiel und vor allem Zusammenspiel dieses in Szene gesetzt wird.

Am darauffolgenden Abend spielt Renaud Capuçon zusammen mit dem weltberühmten Schweizer Dirigenten Charles Dutoit und dem Royal Philharmonic Orchesta Hector Berlioz (Ouverture Le Carneval Romain, op. 9) und Felix Mendelssohn-Bartoldy (Concerto pour violon en mi mineur, op. 64).

Renaud Capuçon spielt brilliant-magnetisierend und allen im Publikum geht sein Spiel unter die Haut und erzeugt Gänsehautgefühl. An den Stellen, wo er solo spielt, könnte man eine Stecknadel auf den Boden fallen hören, so hypnotisiert ist das Publikum von seinem unglaublich begnadeten, meisterlichen Spiel. Es ist einfach überwältigend und von niemandem in der Welt zu toppen, hierin sind sich alle einig! Dutoit dirigiert das Royal Philharmonic Orchesta dann nach der Pause solo zu Antonín Dvořák’s Symphonie No. 9 en mi mineur, op. 95 „Du nouveau Monde“. Das Publikum gibt stehende Ovationen.

Wer an kommenden Oster- oder Sommerfestivals teilnehmen möchte, erreicht Aix-en-Provence sehr gut über den Flughafen von Marseille mit Überlandbus-Anbindung (Cars Phocéens). Zwar hat der diesmal zu frische April 2017 auch vor dem „Midi“ nicht halt gemacht und der Mistral blies dazu, aber ein Sommertag war auch zu verzeichnen – was wohl eher die Regel bei den übrigen Festivals.

Aix-en-Provence – Kultur pur

© 2017, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Foto: Eva-Maria Koch

Die geschichtsträchtige, trotzdem junge Universitätsstadt Aix-en-Provence mit seinem südfranzösischen Flair bietet auch tagsüber ein reichhaltiges, anregendes Programm, gut mit den öffentlichen Bussen oder auch zu Fuß zu bewältigen. So fasziniert als Erstes der brunnenreiche „Cours Mirabeau“, eine mit hohen, prächtigen Plantanen bepflanzte Prachtstraße, die zum Bummeln einlädt. In Straßencafé-Restaurants wie dem berühmten „2 Garçons“ lässt sich das bunte Treiben gut bei Vin Rosé und einer Platte „Fruits de Mer“ beobachten. Wer von den über 600 Käsesorten Frankreichs probieren will, dem empfiehlt sich die benachbarte „Fromagerie du Passage Agard“. Auch die Altstadt-Gässchen von Aix-en-Provence sind mehr als sehenswert, eine Führung empfiehlt sich.

An den verschiedenen Plätzen der Stadt (Place de la Rotonde, Place Richelm, Place de l’hôtel de ville) finden pittoreske Obst- und Blumenmärkte statt, am Samstag entlang des Cours Mirabeau ein typisch provençalischer Wochenmarkt mit Obst, Gemüse, Kleidung, Tischdecken, Mitbringseln und vielem anderen mehr.

Sicherheit geht vor

Der öffentlichen Sicherheit und der der Touristen wird sichtbar Rechnung getragen! In Vierertrupps laufen Soldaten mit Maschinengewehren herum, von bewaffneten Polizisten bewachte Betonhindernisse vor dem Cours Mirabeau verhindern ungewolltes Eindringen auf den Boulevard von potentiellen Lastwagenattentätern. Den Tourismusbähnchen und kleinen Bussen fahren Polizeiautos hinterher. Es ist jedoch nicht störend, sondern ganz im Gegenteil beruhigend – dem Terrorismus von heute muss überall Rechnung getragen werden. Für Sicherheit in Frankreich ist gesorgt.

Atelier Césanne, Picasso, Museen und Galerien

Der Maler Paul Cézanne, Sohn der Stadt, hat überall seine Spuren hinterlassen. So ist sein Atelier zu besichtigen in seinem ehemaligen Haus. Im einstündigen, lebendigen Erzählen einer Mitarbeiterin wird der Maler zum Leben erweckt. Danach schnell zum Hôtel Caumont Centre d’Art. Das museale Haus an sich ist schon eine Sehenswürdigkeit mit seiner noblen, französischen Architektur. Die Innenräume des Hotels sind voller antiker Möbel. Eine Ausstellung über Marylin Monroe bezaubert aktuell. In einem Kinosaal läuft in einer Dauerschleife ein sehenswerter Film über Paul Cézanne, von dem Picasso sagte: „Was wäre ich ohne ihn!“

Picasso, auch er überall! Im Musée Granet und in der nicht weit entfernten Chapelle des pénitents blancs dürfen die reichhaltig vorhandenen Picassobilder und Werke anderer Meister sogar fotografiert werden. Von Cézanne sind der Stadt leider nicht viele Werke erhalten geblieben – er brilliert in den renommiertesten Museen der Welt.

Wer noch mehr „Hunger“ auf Kultur hat, dem sei die Fondation Vasarély wärmstens zu empfehlen, mit den öffentlichen Bussen gut zu erreichen. Das von Vasarély konzipierte Haus besteht aus einer wabenförmigen Struktur – in jeder der Alveolen hängen meterhohe umwerfende Vasarely-Werke. Leider hat Vandalismus und der „Zahn der Zeit“ stark an allem „genagt“, so dass die Alveolen paarweise renoviert werden. Einige sind schon wieder ganz gut „in Schuss“, andere sind nicht begehbar wegen Baugerüsten, man kann jedoch trotzdem einen Blick auf die Werke erhaschen. Die Fondation ist nicht „flüssig“, so dass die Renovierungsmaßnahmen sich leider seit Jahren hinziehen, aber erfolgreich.

Aix-en-Provence ist eine wahre Schatztruhe und Augenweide. Sie bietet Römerkultur und Thermalquellen. Daher der Name Aix, der sich vom Lateinischen Aqua ableitet und Wasser bedeutet. Die südfranzösische Lebensart und Savoir vivre springt in der Woche und an einem langen Wochenende auf Reisende über. Vor allem im Sommer, wenn alljährlich in Aix-en-Provence das internationale Lyrikfestival mit Opern aller Art stattfindet. Spätestens dann, wenn die Sonne schön scheint, lassen sich noch weitere antike und zeitgenössische Kulturstätten erkunden. Die Auswahl ist riesig. Vive la culture – vive la France!

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde unterstützt von Office de Tourisme d’Aix-en-Provence.




„7“ oder Sieben Choreographien von Martin Schläpfer – Das Ballett am Rhein tanzt Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 7 e-moll

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Genial, spannend, erotisch, phantasievoll, unendlich vielfältig, Power und Dynamik – ein Feuerwerk von kreativen Choreografie-Elementen des Züricher Starchoreografen Marin Schläpfer – all in black and white. Dies skizziert in einigen Worten die 90 Minuten Brillianz ohne Pause, die die Zuschauer mit frenetischem Beifall belohnen.

Gustav Mahlers vielseitiges, romantisch-dynamisches Oeuvre wird von einer CD gespielt (Leonard Bernstein, N.Y.) und betanzt auf einer minimalistisch-schwarzen Bühne. Was für eine ausgezeichnete Idee des Intendanten Nacho Duato, dieses befreundete Ballett aus Düsseldorf/Duisburg nach Berlin einzuladen, um Berliner Sehgewohnheiten zu durchbrechen.

Die TänzerInnen tanzen im raschen Wechsel, mal als SolistIn, mal als Sturm von TänzerInnen, als Trio(s), Pas-de-deux(s) sei es in Barfußlook-Schläppchen, Spitzentanzschuhen oder auch mit stampfenden, den Boden erzittern lassenden Stiefeln in schwarz-weißem Outfit, die Männer in Legero-Outfit, Tänzerinnen in Cocktailkleidern mit teils offenem, langem Haar lassen die langen Beine in 180 Grad zum Himmel aufspringen. Wildes auf dem Boden rollen, Hebungen, Tänzer mit nacktem Oberkörper, Liebespaare sitzen sich küssend auf dem Boden, als auf einmal ein Tänzer aufspringt und die Dame des Nachbarn ergreift – ein Bäumchen-wechsel-Dich mit getanztem Liebeskummer. Eine Solistin erscheint mit einem Schemel auf der Bühne, witzig und schelmisch lächelnd und ist auf einmal von der gesamten Compagnie umringt, alle mit Schemeln und es wird Reise nach Jerusalem inszeniert. Witzig, wie ein Trio polonaiseartig von der Bühne tanzt, wobei die Tänzerin vorne lachend den Arm von oben nach unten zieht, als ob sie eine Dampflocksirene betätigt und Abgang von der Bühne mit einem „Tchou, tchou“! Mimik und Fratzenschneiden sind auch mit von der Partie in der Choreografie.

In der zweiten Hälfte des Geschehens geht eine Jalousie im Fond hoch, ein weißer Hintergrund erscheint, auf den im Folgenden changierende, zarte Pastellfarben projeziert werden in bleu-Türkis, rosé oder den Sonnenuntergang simulierend.

Teilweise vergisst man, dass die herrliche Musik Mahlers gespielt wird, so mitreißend zieht dieses furiose Geschehen auf der Bühne die Zuschauer in seinen Bann. Alles in allem ein unvergesslicher, fantasievoller Ballettabend!

Weitere Vorstellungen noch am 12. und 13. April 2017.