Ausstellung "Legende Queen Elisabeth II." im Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

Queen Elizabeth II. in Gemälden, Fotografien, Briefmarken, Münzen und Medaillen aus der Sammlung Luciano Pelizzari – Ausstellung „Legende Queen Elisabeth II.“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Völklingen, Saarland (Kulturexpresso). „Es war nicht geplant, dass das Datum der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle mit der Ausstellungseröffnung zusammenfällt“, erklärt verschmitzt lächelnd Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des saarländischen zum Kultur- und Sciencecenter umfunktionierten Ex-Stahlproduktions-Weltkulturerbes auf der Pressekonferenz im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Er ergänzt: „Wir hatten das Datum schon früher festgelegt“ und fügt an, dass die Ausstellung „Legende Queen Elisabeth II.“ die dritte Ausstellung zum Thema Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland und die Motivation der „Brexit“ sowie die Zeitgeschichte gewesen sei.

Die 450.000 Euro teure Ausstellung mit ihren 1.500 Exponaten umfasse vier Stränge: 1. Die geschichtliche Biografie der Queen von ihrer Geburt bis heute, 2. Die über Jahrzehnte hinweg entstandene Sammlung Luciano Pelizzaris mit Fotos unterschiedlicher Künstler (Leibovitz e.a.), 3. eine historische, millionenschwere Briefmarkensammlung aus dem gesamten Commonwealth mit Queen- und Königsfamilie-Portraits, „vor der sich Philatelisten aus der gesamten Welt hinknien“, so Prof. Grewenig, „samt blauer und roter Mauritius und die schwarze Penny Black. Die Briefmarkensammlung der Queen ist die größte der Welt.“ und 4. Erinnerungsporzellan aus der Sammlung Marina Minelli. Es sind historische Porzellane und Teeservice, die speziell anlässlich der Krönungs- und Hochzeitszeremonien der britischen Königs-und Königinnenhäupter speziell angefertigt wurden. Das Krönungsporzellan der Queen – ein Musthave für alle Briten, so Prof. Grewenig. Prince Harry und die zukünftige Prinzessin Meghan sind noch nicht dabei – sie heiraten heute!

„Und nun hier ein Goldschatz“, lockt Ausstellungsleiter Frank Krämer die zahlreich erschienene Pressemeute zu gesicherten Glasvitrinen – Goldmünzen mit Konterfeis Elisabeth II. und auch ihrer Familie.
Ob denn auch etwas anderes gezeigt werde als nur die Hochglanzseiten, will eine Kollegin wissen –
an Bildern wären hier zu erwähnen das ungewöhnliche Portrait Lucian Freuds, Andy Warhols respektabler Siebdruck in bekannter Manier, den er zwei Jahre vor seinem Tod fertigte oder auch „God save the Queen“ von Jef Aerosol, der sie in seinem Sprühlackportrait einfach zusammen mit einem „Sexpistols“-Mitglied auf ihrem Plattencover „God save the Queen“ abbildet, auch das Drama um den Tod Lady Dis wird dokumentiert.

Herausragend und beeindruckend ist nach wie vor die Haltung der jungen, extrem hübschen Elisabeth, die in den Kriegsjahren gegen Nazi-Deutschland ihrem Volk schon als Adoleszente in Radioansprachen Mut machte „Wir als Kinder…“ und auch lernte, Lastwagen zu fahren und zu reparieren. Die zu sehenden Fotos und zu hörenden Radioauszüge aus dieser Zeit zeigen den Mut und edlen Charakter dieser unvergleichlichen Ikone.

„Die Queen ist die am meisten dargestellte Person des 20. Jahrhunderts“, sagt Prof. Grewenig, „die alle Präsidenten der USA und Deutschlands getroffen hat, um nur zwei Beispiele zu nennen.“

„Mein Sohn sagt, die Queen sei wie seine Großmutter für ihn“, erzählt eine französische Kollegin. Ja, sie hat uns alle schon seit unserer Geburt begleitet und dank ihrer Disziplin bis heute, bis sie sich durch Charles eines Tages in den wohlverdienten Ruhestand versetzen lassen wird.

Wird ein zehnminütiges Video am Anfang der Ausstellung die Queen-Fans und Royalty-Interessierten heute vom Fernseher weglocken, wenn Millionen vor den TV-Empfängern die Prunkhochzeit ihres Enkels Harry mit Meghan gebannt verfolgen? Sicher in der Folgezeit – gerechnet werde mit 50.000 Besuchern, meint Prof. Grewenig.

Die Ausstellung in der Völklinger Hütte findet vom 19. Mai 2018 bis zum 6. Januar 2019 statt.




João Penalva im Mudam in Luxemburg.

João Penalva im Mudam in Luxemburg – Ausstellung vom 3. März bis zum 16. September 2018

Luxemburg (Kulturexpresso). Und wieder einmal zeigt es sich, dass sich über Geschmack streiten lässt. Unbestreitbar ist, dass die erste monografische Ausstellung des in London lebenden portugiesischen Künstlers João Penalva im Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, kurz Mudam, in Luxemburg von hoher Kunstfertigkeit und Geschmack auf seine Art zeugt. Ob es einen anspricht, ist jedoch eine andere Sache, und hier zeigt sich die Freiheit der Kunst und des Kunstempfindens. Die Ausstellung begann am 3. März und soll bis zum 16. September 2018 laufen.

João Penalva im Mudam in Luxemburg.
Ein Blick in die João-Penalva-Ausstellung im Mudam in Luxemburg. © 2018, Foto; Eva-Maria Koch

Sehr duster und betont dunkel gehalten wirken die Werke – was sicher viele anspricht, aber nicht unbedingt alle. Gezeigt werden Werke von 2001 bis heute, mit denen der Künstler die 700 m² im Untergeschoss des Museums „bespielt“. In einem der mit roten Samtvorhängen verhangenen Räume, empfiehlt es sich, vorher die Taschenlampenfunktion seines Smartphones auf Funktionstauglichkeit zu testen, damit man sich zurecht findet, denn so schnell adaptieren sich die Augen nicht auf das Dunkel, das nur ein geheimnisvolles Dämmerlicht zu durchdringen – es besteht Stolpergefahr.

Dabei handelt es sich um die monumentale Installation Pavlina and Dr. Erlenmeyer (2010). Diese sich über zwei Räume erstreckende Arbeit erzählt zunächst, in der gedämpften Atmosphäre eines Ausstellungsraums, vom Leben des deutschen Chemikers Carl Emil Erlenmeyer (1825-1909), dessen Forschungen zur Entdeckung des Naphthalins geführt hatten. Im zweiten Raum nimmt der Albtraum von Pavlina, einer pensionierten Insektenforscherin, Gestalt an in Form des beweglichen Bildes einer gigantischen Kleidermotte. Als Meister der Inszenierung geleitet der Künstler mit leichter Hand sein Publikum mit seinen minutiösen Kompositionen durch fiktive und vieldeutige Welten. Durch einen Türspalt entdeckt der Besucher Door (2018), ein neues vom Mudam produziertes filmisches Werk.

João Penalva im Mudam in Luxemburg.
Ein Blick in die João-Penalva-Ausstellung im Mudam in Luxemburg. © 2018, Foto; Eva-Maria Koch

Penalvas international renommiertes Werk umfasst sowohl Einzelarbeiten von persönlichem Charakter als auch raumgreifend inszenierte Installationen, in denen Malerei, Fotografie, Dokumente, Text und Ton sich zu visuellen Erzählungen verbinden und die den Besucher in ein künstlerisches Universum entführen, das zwischen dem Realen und dem Fiktiven oszilliert.
Im Foyer des Museums werden die großformatigen und ungebundenen Bücher, die der Künstler seit 2007 ausstellt, so auf Tischen präsentiert, dass der Betrachter sitzend in ihnen frei blättern kann. Zu den zehn bereits existierenden Büchern kommen zwei neue hinzu, Michio Harada (2015) und Boro (2017), in denen Penalvas Interesse für Asien, und insbesondere für die japanische Kultur und Ästhetik, zum Ausdruck kommt.

Anlässlich der Ausstellung publiziert das Mudam gemeinsam mit Edition Cantz The Asian Books, wo erstmalig alle Künstlerbücher mit einem Bezug zu Asien, sei dieser faktisch oder fiktiv, vereint sind.

João Penalva im Mudam in Luxemburg.
Ein Blick in die João-Penalva-Ausstellung im Mudam in Luxemburg. © 2018, Foto; Eva-Maria Koch

Scheinbar mühelos wechselt Penalva von einem Medium zum anderen: So übernimmt er auch die künstlerische Leitung einer außergewöhnlichen Veranstaltung, die den Endpunkt seiner Ausstellung bildet. Es handelt sich um die von der National Ballet Company of Portugal produzierte Tanzaufführung Fifteen Dancers and Changeable Tempo, die am 15. September 2018 im Grand Théâtre in Luxemburg zu sehen sein wird.

João Penalva, geboren 1949 in Lissabon, begann seine Laufbahn als professioneller Tänzer, er arbeitete in Tanzkompanien von international bekannten Choreografen wie Pina Bausch und Gerhard Bohner, um sich schließlich in London niederzulassen wo er 1981 sein Studium an der Chelsea School of Art abgeschlossen hat. 1996 vertrat er Portugal auf der Biennale von São Paulo und 2001 auf der Biennale von Venedig, er stellte ebenfalls 2001 auf der Berliner Biennale und 2002 auf der Biennale von Sydney aus. Einzelausstellungen hatte er u.a. in folgenden Institutionen: Camden Arts Centre, London und Tramway, Glasgow, 2000; The Power Plant, Toronto, 2003; Serralves Museum, Porto, und Ludwig Museum, Budapest, 2005; Irish Museum of Modern Art, Dublin, 2006; Lunds Konsthall, Lund, 2010; Calouste Gulbenkian Museum, Lissabon, 2011; Kunsthallen Brandts, Odense, Dänemark; Berlinische Galerie, 2012; Royal Festival Hall, London, 2013; Trondheim Kunstmuseum, Norwegen, 2014. Ebenfalls nahm er an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, darunter in folgenden Institutionen: Haus der Kunst, München; Folkwang Museum, Essen; Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21, Düsseldorf; Museum of Contemporary Art, Taipei; KIASMA Museum of Contemporary Art, Helsinki; Contemporary Art Center, Vilnius; Australian Centre for Contemporary Art, Melbourne; Wellcome Collection, Hayward Gallery, und Tate Modern, London. Im Jahre 2003 erhielt er ein Stipendium für das Berliner Künstlerprogramm des DAAD.

Wer es etwas fröhlicher, heller, erheiternder, witziger und lichter mag, kann unter den drei Parallelausstellungen im Mudam in Luxemburg die der Eurasierin Su-Mei Tse wählen, die alle Räume des Erdgeschosses bespielt.




Don Giovanni

Dunkel war’s! – Don Giovanni an der wiedereröffneten Staatsoper Berlin Unter den Linden – Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Handlung des Stücks Don Giovanni aus der Feder von Wolfgang Amadeus Mozart nach einem Libretto von Lorenzo Da Ponte ist schnell erzählt: Wundervolle Arien begleiten einen sexsüchtigen Maniac, der sein scham- und charakterloses Sexsucht-Unwesen bis zum Mord betreibt. Ein vollkommen enthemmter Don Giovanni demütigt alle Betroffenen (insbesondere die Damenwelt) bis aufs Blut und letztendlich wird der Wüstling vom Jenseits mit dem Tod bestraft.

Die Staatskapelle Berlin unter der musikalischen Leitung von Allessandro de Marchi und Sänger*innen wie Christopher Maltmann (Don Giovanni), Donna Anna (Maria Bengtsson), Paolo Fanale (Don Ottavio), Donna Elvira (Dorothea Röschmann), Leporello (Mikhail Petrenko), Zerlina (Anna Prohaska) bieten einen hochkarätigen Musikgenuss und lassen die erstklassige Akustik im Saal zur Geltung kommen.

Inzenierung von Claus Guth: Über Geschmack lässt sich streiten oder doch nicht? Es wurde in der Inszenierung an allem gespart: Strom, da kaum Licht auf der Bühne, Bühnenkosten, da 3 Stunden ständig ein dunkler Wald sich um die eigenen Achse drehte (für die Bekämpfung des Klimawandels ist Stromsparen ja angesagt!) und auch die Kostüme waren eine Enttäuschung („Gammlerlook – dunkel, versteht sich! – second hand vom Flohmarkt gekauft?). Man hat in Berlin schon kreativere, espritvollere Bühneninszenierungen gesehen, wenn schon provoziert oder etwas unterstrichen werden soll! Es stand zwar Mozart drauf – es war optisch jedoch kein Mozart drin!

„Dramma giocoso“ heißt eigentlich „lustiges Drama“. Hier zeigte sich jedoch ein „Dramma depressiva“. Giocosa wurde jedoch durch das ständige Dusterdunkel konterkariert, dass sich durch das depressive Bühnenbild auf Mozarts fröhliche Musik wie „The Fog“ legte und in keinster Weise Mozarts fröhlicher Musik gerecht wurde, insbesondere durch mangelnde Ästhetik! So war es z.B. irritierend und vom Hochgenuss des Gesanges ablenkend, wenn von einer besonders exquisiten Weinsorte gesungen wurde, die man trank – mit einer Bierdose in der Hand! Schade! Erhellend war es auch nicht, aus diesem Dusterdunkelwald auf einmal mit Autoscheinwerfern von einem im Wald auftauchenden Autoo geblendet zu werden, die ins Publikum gerichtet waren! Ging es darum, dass das Publikum möglichst wenig von den Protagonisten sehen sollte, die kaum ausgeleuchtet waren auf dieser ewig dunklen Bühne – durch Blendung sieht man erst recht nichts, abgesehen davon, dass es sehr unangenehm ist! (Sonnenbrille nicht vergessen!)

Als der fröhliche lebenslustige Mensch, wie Mozart geschildert und in Filmen dargestellt wird, wäre er sicher damit auch nicht einverstanden gewesen!

In jedem Fall hat die düster-dunkle Bühneninszenierung den herausragenden Musikgenuss erheblich gemindert. Was will uns der Künstler damit sagen, dass sich auf der neuen, teuren Drehbühne über die 3:15 Stunden (mit Pause) ständig der Schwarzwald um die eigene Achse zu drehen scheint: Riesige Nadelbäume ragen in den Bühnenhimmel – im Dunkeln! Geht es um „die dunkle Seite der Macht“ oder einen Seitenhieb auf „Dunkel-Deutschland“ bzw. „Dunkel-Österreich“ – die Inszenierung wurde aus der Geburtsstadt Mozart’s Salzburg importiert. Ist der allgegenwärtige Esprit Mozarts vielleicht mit der kaum noch scheinenden Wintersonne perdu gegangen – alles dunkel oder was? Vielleicht war es auch nur gut gemeint mit den Großstädtern, die zu wenig Natur zu Gesicht bekommen? Saurer Regen, Klimawandel? Nichts gegen Nadelwälder, aber auf der Bühne im Dunkeln nicht sehr witzig! Genug spekuliert – über Geschmack lässt sich streiten!

Schade, ein witziges, kreatives, von Esprit flirrendes Bühnenbild hätte der wundervollen gesanglichen, unter die Haut gehenden Gesangsdarbietung aller Künstler*nnen noch mehr Glanz verleihen können. Viel Zwischenapplaus und frenetischer Schlussapplaus zollte den Sänger*innen und dem Orchester Applaus.

Zur renovierten Staatsoper Unter den Linden

Rein optisch hat sich an der „Staatsoper Berlin Unter den Linden“ durch die Jahre dauernden Renovierungsarbeiten kaum etwas verändert im Zuschauerraum. Die Sitze sind bequemer geworden, die Akustik sowieso. Der neue „Apollosaal“, der auch für die Pause genutzt werden kann, betört durch seine Kristalllüster und Dekors.




Die Tanzstunde in der Komödie am Kurfürstendamm

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). “One thing you can’t hide, is when you’re crippled inside…” – diese allgemeingültige Erkenntnis sang schon vor Jahrzehnten unser Love-and-Peace-Guru John Lennon. Und genau darum geht es in diesem anrührenden Bühnenstück Die Tanzstunde in der Komödie am Kurfürstendamm, um Beziehungen und „Verkrüppelt“-Sein, innen und außen.

Ever Montgomery, an Asperger-Syndrom leidender Nerd und Hochschulprofessor an einer renommierten New Yorker Universität (eindringlich und brillant gespielt von Oliver Mommsen), will für die Gala im Anschluss an eine Preisverleihung an ihn in einer einzigen Tanzstunde tanzen lernen.

Auf Anraten des Hausmeisters hat er sich hierfür seine Nachbarin und Broadway-Tänzerin Senga Quinn ausgeschaut (bezaubernd gespielt von Tanja Wedhorn), die in dem Moment seines Besuchs gerade zu Tode betrübt mit einer orthopädischen Orthese um ihr rechtes Bein in ihrem Appartment sitzt: Ein Taxi hat sie zum „Krüppel“ gefahren – eine OP ist unmöglich, da sie keine Narkose überleben würde – ihre Karriere als berühmte Broadway-Tänzerin ist quasi vorbei.

Beide sind also schwerstens gehandicapt. Sehr zögerlich lässt sich Senga auf Ever‘s Angebot ein, ihr für diese besondere Tanzstunde 2153 Dollar zu zahlen. Die Neugier bringt sie dazu, es anzunehmen.

Hier erst beginnen die besonderen Probleme: Ever bekommt Schreikrämpfe bei Berührungen, Händeschütteln, Wangenküsse und Umarmungen müssen unter Vorsichtsmaßnahmen geübt werden, damit er Senga nicht umwirft aus Panik.

Im Laufe der Tanzstunde kommen die beiden sich dann doch so näher, dass sie ein Liebespaar werden. Absurde Situationen entstehen, voller Wortwitz, so dass das Publikum im vollbesetzten Haus aus dem Lachen kaum herauskommt – obwohl es auch traurige, eindringlich berührende Momente gibt, denn bei Senga zeigen sich schwere seelische, verdrängte Kindheitstraumata. Ever hilft ihr, gute Ärzte zu finden, sowohl Chirurgen als auch Psychiater. Ein paar wie gemacht füreinander.

Schöne Disco-Songs begleiten diese zweistündige Aufführung (mit Pause), wie „If you could read my mind”, „Ladies Night“, “You ́re the one that I want”, “Let ́s talk about Sex” und in der Schluss-Traumszene hotten die beiden profimässig à la Broadway über die Bühne und reißen das Publikum fast von den Stühlen.

Der amerikanische, renommierte Autor Mark St. Germain schrieb diese berührende Komödie, die als eines der letzten Aufführungen vor dem Abriss der Kudamm-Bühnen unter der Regie von Martin Wölfer inszeniert wird.

Der Schlussapplaus nahm kein Ende!

Informationen

Die Tanzstunde
in der Komödie am Kurfürstendamm
von Mark St. Germain, Deutsch von John Birke
Regie: Martin Woelffer
Bühne und Kostüm: Julia Hattstein
Choreographie: Annette Reckendorf
Schauspieler: mit Tanja Wedhorn und Oliver Mommsen
Premiere: am 14. Januar 2018
Vorstellungen: bis 25. Februar 2018
Spieldauer: zwei Stunden, eine Pause




Frau Luna

Frau Luna – eine glitzernde, schillernde Reise-Revue zum Mond im Tipi am Kanzlerinnenamt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Überall glitzert es im Tipi am Kanzleramt wie Sternenstaub der Milchstraße und stimmt schon beim Entrée im sehr gut besuchten Haus ein auf die vergnügliche burlesk-phantastische Ausstattungsoperette Frau Luna des Komponisten Paul Lincke (Uraufführung 1899 im Berliner Apollo-Theater).

Der erste von 2 Akten entführt mit seiner gekonnt auf die damalige Zeit getrimmten Bühne und Akteuren in ein Berliner Arbeitermilieu („Berliner Etagenkolorit“), wo der Fliegerei- und Weltall-Begeisterte Mechaniker Fritz Steppke, dynamisch und ultrawitzig dargestellt von Benedikt Eichhorn (von Pigor & Eichhorn) ein Gefährt für eine Reise zum Mond gebastelt hat und mit seinen Freunden Schneider Lämmermeister (ebenfalls zum Brüllen komisch dargestellt von Thomas Pigor) und Steuerbeamter a.D. Pannecke (Max Gertsch) dorthin fliegen möchte. Er wohnt zur Untermiete bei der Witwe Pusebach (zum Schreien komisch präsentiert von Christoph Marti von „Die Geschwister Pfister“) in Berlin. Er ist verlobt mit der Pusebach-Nichte Marie (niedlich dargestellt und sehr gut gesungen von Sharon Brauner, Nichte von Arthur Brauner). Heimlich stehlen sich die Gefährten von Witwe und Nichte davon und das Mondgefährt steigt eines Nachts in den Berliner Himmel zum Mond.

Der Mond als Luna-Park mit ewiger Vergnüglichkeit. Theophil, Haushofmeister auf dem Mond (schillernd dargestellt von Tobias Bonn von „Die Geschwister Pfister) erzählt den Mondfeen (entzückende Ballettdamen, in wechselnden Kostümen je nach Situation die Szenerie begleitend) von seinem einmaligen Ausflug auf die Erde, wo er ein Stelldichein mit der Witwe Panneck hatte. Stella, Zofe von Frau Luna (Anna Mateur in Bestform, auch sehr gut singend!) hat ein Auge auf ihn – er will sie wegen „mangelnden Geldüberflusses“ heiraten.

Ein heiteres Treiben herrscht, dass die Glitzerbühne bebt: Venus (witziger Fausto Israel), Mars (Gert Thumser) und weitere illustre Gäste feiern die Feste, wie sie fallen. Prinz Sternschnuppe (Katharina Thalbach, brillant wie immer) macht Frau Luna (Cora Frost, ebenfalls herausragend) seit Jahrtausenden vergeblich den Hof und dieses Mal entflammt sie leider auch noch für Steppke. Alle geben sich amourösen Beliebigkeiten hin und ein Bäumchen-Wechsel-Dich Verwirrspiel beginnt: Pannecke, mit Witwe Pusebach verlobt, turtelt mit Frau Venus. Der Stella liebende Theophil leiht bei Prinz Sternschnuppe für die Rückkehr der Erdlinge das Sphärenmobil des Prinzen aus (süße Idee: ein Senioren-Elektromobil mit Glitzer), denn ihr Gefährt ist defekt. Nach vielen Tanzeinlagen, schönen Arien „Schlösser, die im Monde liegen“ (hinreißend Sharon Brauner) und bekannten Gassenhauern mit Publikums-Mitklatscheffekt wie der Marsch „Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft“ und dem Duett „Schenk mir doch ein kleines bißchen Liebe“ ist das Happy-End perfekt. „Auf dem Mond wird auch nur mit Wasser gekocht“ erkennen die Erdlinge bevor sie in ihre Berliner Mansardenwohnung zurückreisen.

Alles in allem ein äußerst vergnüglicher Abend mit gekonnter Inszenierung mit einem die Turbulenzen bestens und beschwingt begleitenden Orchester.

Anmerkung

In einer vorherigen Fassung wurde berichtet, dass Sharon Brauner die Tochter von Arthur Brauner sei. Richtig ist, dass sie die Nichte ist. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.




Weihnachten auf dem Balkon.

„Weihnachten auf dem Balkon“ in der Komödie am Kurfürstendamm

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der ganz normale Weihnachtswahnsinn mit Lachmuskel-Aktivitäts-Garantie! Der französische junge Erfolgsautor Gilles Dyrek karikiert ein fröhliches Weihnachtsfest in Paris.

In jedem deutschen Haushalt dieser Zeit könnte es ähnlich ablaufen: der tolpatschige Ehemann Patrick (Tino Führer in einer Doppelrolle) lässt nicht nur die Weihnachtsgans und -ente, sondern gleich auch die Schokoladentorte auf den Boden fallen.

Seine ständig am Rande des Nervenzusammenbruchs agierende gestresste Ehefrau Eliane (Adisat Sementisch in einer Doppelrolle) hat’s nicht leicht. Die ewig herumkommandierende, meckernde Schwiegermutter ist zu Besuch (Dela Dabulamanzi) und lässt „die Puppen tanzen“.

Ihr zweiter Sohn Etienne (Harald Effenberg in einer Doppelrolle) ist ebenfalls zum Weihnachtsessen gekommen, telefoniert ständig mit seiner Geliebten auf dem Balkon. Der halbwüchsige Sohnemann Sébastien (Olivier Dupont in einer Doppelrolle) im Gruftie-Look lässt sein Frettchen auf dem Tisch des Hausens für Grausen sorgen.

In der Nachbarwohnung ist der „normale Weihnachtswahnsinn“ ebenfalls im vollen Gange: Die hochschwangere Anne-Cécile entbindet, ihre Schwägerin Marjorie „schleppt“ den dritten Freund namens Christophe in Folge an, der nicht Arzt ist, wie sie behauptet, sondern Metzger und bei der Geburt doch noch helfen kann, ihr Vater Jacques will unbedingt den Weihnachtsmann für die Kleinen spielen und darf nicht, springt in der Nachbarwohnung ein, weil Klein-Hubert sich nicht mehr beruhigen mag, bevor nicht der Weihnachtsmann auftaucht. Jaques, der ein Alkoholproblem hat, lässt sich dort mit Champagner „volllaufen“ und flirtet heftig und erfolgreich mit der Schwiegermutter.

Alles in allem wurden zwei Stunden mit Pause vergnüglicher, turbulenter Szenen mit sechs Schauspielern in zwölf Rollen auf zwei Balkonen in zwei Familien auf die Bühne gebracht.

Mit „Oh, Du fröhliche …“ beginnt die Komödie, mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ endet das rasante, mit witzigen Dialogen gespickte Stück. Das Publikum singt das Weihnachtslied am Schluss mit, bevor nicht endender Applaus erschallt.




“Heisenberg” am Renaissance-Theater Berlin – Über eine romantische und kafkaeske Komödie um Quantenphysik und Liebe

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Stück, wo man unvermittelt laut loslachen muss, ob der bizarren, im Stakkato explodierenden Äußerungen der ca. 40-jährigen, teil sehr ordinären, sich ständig in Lügen neu erfindenden Georgie (meisterhaft gespielt von Susanna Simon), stets aus dem Zusammenhang gerissene, direkte Fragen, Antworten, Attacken („Du fetter alter Sack!“) an und auf ihren 33 Jahre älteren Partner, den Metzger Alex (brilliant dargestellt von Walter Kreye). Eineinhalb Stunden inszenieren die beiden ihr Kennen- und sich Liebenlernen auf einer minimalistischen Bühne, ausgestattet mit einer verschiebbaren treppenähnlichen Konstruktion, die alles darstellen kann: Bahnhof, wo sie sich zuerst kennenlernten, Riesenbett auf dem sie sich lieben, Restaurant, wohin Alex Georgie ausführt oder einen Naturpark in den USA, wohin die beiden sich begeben auf der vergeblichen Suche nach Georgies Sohn – oder doch zu sich selbst?

In den Szenenwechseln mit verdunkelter Bühne, wo im Hintergrund in einem Permanentfilm eine äußerst stark frequentierte Londoner Straße mit geschäftig daherlaufenden Menschen gezeigt wird, wird das 68er-Publikum (und ältere) mit Liedern von John Lennon und Beatles-Songs beglückt.

Wieso heißt das Stück Heisenberg? Und wieso Heisenberg? Werner Karl Heisenberg war ein deutscher Kernphysiker und Nobelpreisträger, der zu den bedeutendsten Physikern des 20. Jahrhunderts zählt. Die Heisenbergsche Unschärferelation oder Unbestimmtheitsrelation (seltener auch Unschärfeprinzip) ist die Aussage der Quantenphysik, dass zwei komplementäre Eigenschaften eines Teilchens nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmbar sind. (Quelle: Wikipedia)

Eineinhalb Stunden konzentriertes, bravouröses Spiel der beiden Darsteller – es ist sicher eine Herausforderung, diese Beckett-ähnlichen Texte lernen und abrufen zu können! Das Publikum gouttiert dies mit großem Beifall und Bravo-Rufen. Autor Simon Stephens hierzu: „Die Idee, dass ein Teilchen sich unvorhersehbar verhält und dass man das vorhergesehene Verhalten des Teilchens nicht wirklich beobachten kann, hat mich gefesselt. Ich hatte das Gefühl, dass darin vielfältige Metaphern für das Leben, das Theater und die Musik enthalten sind.“

Ironischerweise passt das Stück auch noch nur zu gut in unsere heutige Zeit, wo ein kleiner dicker Koreaner und ein missratener Abkömmling eines in die USA ausgewanderten Deutschen die Welt mit der Atombombe zerstören wollen: Der US-amerikanischer Historiker Thomas Powers porträtierte Heisenberg als Held des Widerstands (Heisenbergs Krieg, 1993); er habe trotz Kenntnis der richtigen Werte die kritische Masse unerreichbar hoch erscheinen lassen. Für Paul L. Rose dagegen war Heisenberg ein unfähiger Nazi, der die Bombe entwickeln wollte, allerdings scheiterte (Heisenberg und das Atombombenprojekt der Nazis, 2001). (Quelle: Zeit.de/Wissen)

Wieder einmal hat Intendant Horst Filohn ein zielsicheres, „goldenes“ Händchen bewiesen beim Griff nach diesem preisgekrönten Autorenstück.

Ein Stück, welches anregt und das begeisterte Publikum beim Verlassen des mit wunderschönen Art-Deco-Holztäfelungen bestückten Theaters in Danach-Gespräche bei einem Glas Wein entlässt.




Das Gespenst von Canterville

Garantiert gruselfrei oder Ein Familienmusical mit Geist – „Das Gespenst von Canterville“ im Theater am Kurfürstendamm in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine witzige, ausgezeichnete Musical-Adaptation vom berühmten Roman „The Ghost of Canterville“ von Oscar Wilde wird auf der Ku’dammbühne namens Theater am Kurfürstendamm für Groß und Klein gesungen und getanzt.

Der amerikanische Botschafter Hiram B. Otis kauft das altehrwürdige Schloss Canterville trotz zahlreicher Warnungen, dass es dort spukt. Kurz nach dem Einzug geht es auch schon los: Ein Poltergeist macht sich bemerkbar. Doch die pragmatischen Amerikaner lassen sich nicht aus dem Konzept bringen. Leider lässt sich auch Sir Simon (ein besonders unangenehmer Vorfahre der Cantervilles) nicht so schnell von seinem Vorhaben abbringen, die neuen Besitzer mal gehörig zu erschrecken. Aber egal, was er sich auch einfallen lässt, immer wieder prallt sein Spuk an der fröhlichen Familie ab. Bis schließlich die Tochter Virginia auf das verzweifelte und selbst schon völlig verängstigte Gespenst trifft und sich seiner annimmt.

Die Puppenspieler Andreas Pfaffenberg spielt und singt herrlich gleichzeitig den Butler und die Haushälterin, die als witzige 1 Meter große Handpuppe für Stimmung sorgt. Musicaldarstellerin Henriette Schreiner singt und tanzt in Dreifachrolle einmal die Tochter des amerikanischen Diplomatenpaars und auch spielt sie einen der Rabauken-Zwillingsbrüder – auch als 1 m große Handpuppe. Genauso der 20-jährige Joshua Edelsbacher, der den jungen Duke spielt und auch einen der Handpuppenzwillinge, die ständig Schabernack und Unsinn treiben. Am schwersten hat es das Schlossgepenst, Sir Simon de Canterville (Mathias Kusche), der sich ständig behaupten muss.

So kommuniziert er mit den Kleinen im Publikum, die auch rege mitgehen und auf seine Fragen ins Publikum, wie er sich vor den Zwillingen retten soll, aufgeregt mit hellen Kinderstimmchen aus dem Off antworten. Die ganz Kleinen fürchten sich stellenweise dann doch ein wenig, aber gleich geht das muntere Treiben auf der Bühne weiter. Ein 5-jähriges Mädchen kommt freiwillig auf die Bühne und gibt dem Geist Tipps, wie es am besten Menschen erschrecken kann. Zur Belohnung erhält sie einen blinkenden Zauberweihnachtsstab mit Stern. Auch der zwölfjährige Benjamin sitzt in einer Reihe gleichaltriger und verlässt den Saal mit einem Song des Musicals auf den Lippen. Das Publikum muss nämlich auch den Refrain mitsingen: „Du bist das Gespenst von Canterville und wir hören Dir gerne zu.“

Ein wundervolles Musical mit vielen hübschen Songs und witzigen Gespenstertanzszenen, erfrischend und lustig, für Groß und Klein und garantiert gruselfrei ab einem Alter von vier Jahren.

Die Premiere fand am 18. November 2017 statt. Das Stück wird im Theater am Kurfürstendamm noch bis 27. Dezember 2017 gespielt.




Pelléas et Mélisande

„Pelléas et Mélisande“ in der Komischen Oper Berlin – Eine Literaturoper von Claude Debussy

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wieder ein Geniestreich vom Intendanten Barrie Kosky! Nachdem er das Berliner Pubklikum eine ganze Saison hindurch mit revueartigen, quirligen, schillernden Operetten in der Nazizeit verfolgter jüdischer Komponisten verzaubert hatte, zeigt er jetzt – spätestens nach seiner großartigen Inszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ in Bayreuth das breite Repertoire seines Talents und eher „die dunkle Seite der Macht“.

Das Psychodrama Maurice Maeterlinck’s verkleidet im Rahmen eines klassischen Märchens mit Schlössern, Königen und Prinzessinnen, erzählt von der unmöglichen, verbotenen Liebe Mélisandes mit Pelléas, Bruder von Golaud, mit dem sie verheiratet ist. Die Eifersucht gipfelt in einen Brudermord – Mélisande zerbricht daran und stirbt.

Auf einem dunklen, ultraschlichten, raffinierten, minimalistischen Bühnebild mit verschachtelten Drehelementen wird die märchenhafte Romanvorlage des flämischen Literaturnobelpreisträgers Maeterlinck quasi wie in der molekulearen Küche auf den Inhalt reduziert, um dem mächtigen psychologischen, dramatischen Inhalt zur Geltung zu helfen.

„Vor einer überladenen Ausstattung drohen die Sänger*innen ins Zwergenhafte zu schrumpfen“, begründet Barry Kosky seine Entscheidung – der man nur Beifall zollen kann! „Ich wollte kein Meer, keine Türen, keinen Turm und auch kein lang herabfallendes Haar.“

Die Bühne dreht die brillianten Sänger*innen ständig so, dass keine großartigen Auf- und Abtritte erfolgen, sondern alles „wie ein Uhrwerk“ ineinandergreift.

Dies erleichtert dem Zuschauer, die komplexe, verwickelte Familiengeschichte eher zu durchdringen mit all ihrem Grauen und Verdrängtem oder wie Debussy sagte: „Die „Menschlichkeit“, ein vertrautes Abbild eigener Seelenzustände: verdrängte Gefühle, blinder Zorn, seelische und körperliche Gewalt – ohne rechtes Wissen darum – die Qualen der Liebe, stumpf ertragener Schmerz, nacktes Ausgeliefertsein und stumme Ausweglosigkeit.“

Hervorragend dirigiert der Kanadier Jordan de Souza das Orchester der Komischen Oper, seit dieser Saison Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin und empfindet die Musik Debussys so: „Die Musik sprießt und grünt förmlich aus dem Text, in einem Fließen, das alles ins Wanken bringt. Debussy überführt Maeterlincks Drama in eine höhere Sphäre. Man hat das Gefühl eine neue Galaxie zu betreten.“

„…jene dämmrige, flüchtige, schwebende Musik mit ihren unendlich subtilen Abstufungen, ihrer hauchfeinen Textur, ihrem delikaten Wohlklang, ihrer merkwürdigen widerhallenden Dissonanzen, ihrem einzigartigen Reichtum an Stimmungen, ihrer verschatteten Schönheit, ihrer exquisiten und elaborierten Kunstfertigkeit.“schwärmt 1907 der US-amerikanische Musikkritiker Laurence Gilman. Treffender kann man es kaum beschreiben.

Eine eindringliche, durch und durch gehende Inszenierung mit Tiefenwirkung und einem hervorragenden Ensemble.




Anna Netrebko und Yusif Eyvazov

Zwei Juwelen der Oper strahlen am Berliner Abendhimmel – Zum Konzert in der Berliner Waldbühne von Anna Netrebko und Yusif Eyvazov mit den schönsten Arien und Duetten von Verdi und Puccini

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Anna Netrebko und Yusif Eyvazov traten in der Berliner Waldbühne auf, um die schönsten Arien und Duetten von Verdi und Puccini darzubieten.

Oper unterm Abendhimmel

So muss es sich mit der Zaubernixe Lorelei am Rhein zugetragen haben, die arme Schiffer dazu brachte, ihre Schiffe am Felsen zerschellen zu lassen, während sie ihrem betörenden Gesang lauschten. Wie die Sirene Lorelei wirkt Anna Netrebko mit ihren nunmehr langen blonden Haaren, die ihr sehr gut stehen und ihren wechselnden, geschmackvollen Glitzerroben an diesem Abend der nicht enden wollenden herzergreifenden, romantischen Arien von Verdi, Puccini und anderen Liebesliederkomponisten.

Bildete die Operndiva schon mit Rolando Villazon ein Gesangstraumpaar, so hat sie mit ihrem nunmehr zweiten Ehemann Yusif Eyvazov ein ebenbürtiges Herzblatt für ihr Leben und auf der Bühne gefunden – ein schönes Paar in jeder Hinsicht. Viele sagen, dass La Netrebko nach der Geburt ihres Sohnes Tiago eine noch schönere Stimme habe als zuvor. Sicher spielen die Hormone eine Rolle, jedoch auch der Schicksalsschlag, dass der kleine Tiago ein Autist ist – ein Reifeprozess für jeden, der einen kranken Angehörigen hat.

15.000 begeisterte Zuschauer zollten dem Duo frenetischen Beifall bei ihrem einzigen gemeinsamen Konzert in Deutschland. Yusif, Aserbaidschaner, wollte erst dem Berufsbild seines Vaters, einem Meteorologen, folgen. Durch Zufall wurde man auf seine Stimme aufmerksam. Schon bei den diesjährigen Salzburger Festspielen umjubelte ein Millionenpublikum die beiden in der dortigen phantastischen Aida-Aufführung, die via Arte-TV übertragen wurde.

Auch an diesem Abend sangen die beiden Auszüge aus Aida. Die Stimme der gebürtigen Russin und jetzt österreichische Staatsbürgerin Anna Netrebko als die äthiopische gefangene Königstochter geht durch und durch und nicht nur einmal gibt es Gänsehautfeeling während des Konzertes. Was für ein Stimmkolorit, welch warmes, samtiges Timbre, was für ein hohes C! Was für eine Stimmkraft, auch wenn es um leisere Töne geht. Umwerfend, bezaubernd, brilliant und einzigartig!

War es damals die die Primadonna Assoluta Maria Callas, so hat unsere Zeit ihre würdige, ebenbürtige Nachfolgerin gefunden. Auch wenn Yusif den geliebten ägyptischen Heerführer Ramades singt, hält das Publikum den Atem an. Sein sehr klares, unter die Haut gehendes warmes Timbre und Kolorit ist Beweis, dass es gut ist, dass er kein Meterologe wurde. Der Meistersänger wäre ein Verlust für die Opernwelt gewesen. Bei seinem „Vincero“ aus Nessun dorma fängt das Publikum an, unvermittelt zu jubeln.

Als Liebespaar par excellence tanzen sie eng umschlungen während das Orchester spielt. Hinreißend! Macbeth, Il trovatore, Nabuccos Gefangenenchor, Celeste, Nessun dorma, Tosca, Carmen. Keine Wünsche wurden offengelassen für das kundige Berliner Publikum, welches im Takt mitwiegte und klatschte.

Nicht nur auf der Bühne, auch die Treppen ins Publikum stieg Anna hinauf in einem langen, roten, asiatischen Seidenkleid mit Glitzerkäppi. Sie rührte das Publikum zu Tränen mit ihrer „Turandot“. Das war eine Anna Netrebko zum Verlieben.

Auch die zu jedem Lied wechselnde Anstrahlen des Bühnenensembles mit passenden Theaterkulissen – ägyptisch für die Aida und so fort – trug zum Genuss des stimmungsvollen Opernabends bei, dem Petrus ebenfalls Wohlwollen entgegen brachte und die Regenschauer anderswo verteilte. Oder war es doch der „Anti-Regenanzug“ des Veranstalters Prof. Peter Schwenkos, der das Publikum beschwor, die Daumen zu drücken. Die Pause wurde dann auch aus meteorologischen Gründen auf 10 Minuten gekürzt – war doch ein Meteorologe mit ihm Spiel? 100%-ige Zustimmung zu Schwenkos Statement: „Eine Ausnahmekünstlerin und Jahrhundertsopranistin, der zu recht ein Millionenpublikum zu Füßen liegt.“ Er betreut die Diva nun im 14. Jahr mit der DEAG.

Bei Anna’s „O mio babbino caro“, welches sie in türkisfarbenem, langen Glitzerkleid vorgetrug, erschien sie wie die leibhaftige Verkörperung der Zaubernixe Lorelei – in jeder Hinsicht, keine Frage.

Anna und Yusif bedankten sich bei dem Publikum und krönten den Abend mit drei äußerst romantischen Stücken von ihrem ersten gemeinsamen Album „Romanza“, La Fantasia, Ricomincerò und Cantami.

Bei dem romantischen, italienischen Duett „Cantami“ hängt der Himmel voller Geigen – dem Liebespaar wie auf den Leib geschrieben – das Herz schmachtet! Ein veritables Traumpaar, welches vom Publikum mit frenetischem Applaus und mit Standing Ovations verabschiedet wurde nach der Zugabe des Publikumslieblings von Verdi‘s „Libiamo“ aus La Traviata.
Die Konzertaufzeichnung wird am 10.09. um 22 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

Einlasskontrolle als Ärgernis

Kleine Anmerkung zur Einlasskontrolle: So beruhigend die Sicherheitskontrollen am Einlass auch sein mögen, die Auswahl des Personals lässt leider zu wünschen übrig, dem es teilweise an Menschenkenntnis mangelt. So wurde mancher der älteren Herrschaften nach sehr langem Schlangestehen vor den Kontrollen einfach weggeschickt, weil zum Beispiel die Taschen zu groß waren. „Sie müssen die Tasche wegschmeißen!“, erklärte einer. Das muss bei allem Verständnis wirklich nicht sein. Ein wenig mehr an freundlicher Kulanz gerade bei den gebrechlicheren Semestern könnte nicht schaden, schließlich sind sie zahlende Gäste.

Ja zum Rauchverbot

Lobend ist zu erwähnen, dass die wenigen Raucher sich sehr rücksichtsvoll verhalten haben. Ein generelles Rauchverbot wäre zu bevorzugen – schließlich ist in Opernhäusern auch das Rauchen nicht erlaubt.