Selahattin Demirtas

„Morgengrauen – Geschichten eines politischen Gefangenen“, gelesen für Selahattin Demirtas im Berliner Maxim-Gorki-Theater

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Eine Frau wird Opfer staatlicher Willkür, nur weil sie zur falschen Zeit auf dem Weg zur Arbeit ist. Ein Vater sieht sich gezwungen, über seine Tochter zu richten, um die Ehre der Familie zu retten. Einem Mädchen bleibt nur die Flucht von zu Hause, damit es selbst über sein Leben bestimmen kann.“ Diese „Schicksalsgeschichten“ würde der inhaftierte türkische Oppositionspolitiker Selahattin Demirtas „eindrücklich erzählen“, teilt die Verlagsgruppe Random House GmbH mit Sitz in München mit.

"Morgengrauen" von Selahattin Demirtas.
„Morgengrauen“ von Selahattin Demirtas. © Penguin Hardcover

Wohl wahr: In München zu sitzen ist allemal besser als im Hochsicherheitsgefängnis Edirne in der Türkei wie Selahattin Demirtas. Deswegen soll am 19. Juni 2018, ab 18 Uhr, im Berliner Maxim-Gorki-Theater eine „Solidaritätslesung“ genannte Veranstaltung mit dem Titel „Morgengrauen – Geschichten eines politischen Gefangenen“ stattfinden, für die laut Verlagsmitteilung kein Eintritt entrichtet werden müsse.

Das Maxim-Gorki-Theater kündigt zudem nach der Lesung, die „eine Veranstaltung des Penguin-Verlags in Kooperation mit dem Kultur-Forum Türkei-Deutschland und dem Gorki-Forum“ sei, ein Gespräch zur Lage der politischen Gefangenen in der Türkei mit Cem Özdemir und Can Dündar an.

Wir werden im Lichtsaal hören, ob den Geschichten, „die in der Türkei von Hundertausenden gelesen werden“, „politische Wucht“ innewohnt. Lesen sollen Deutsche die türkischen Texte von Demirtas ab Herbst können.

Vielleicht kommt der Politiker der Demokratischen Partei der Völker, der für die Präsidentschaftswahl am 24. Juni 2018 aus dem Gefängnis heraus kandidiert, vorher frei.




Chicks on Speed

On Speed: Chicks flying for 20 years in der Berliner Volksbühne

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ins Große Haus der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz laden am Donnerstag, den 10. Mai 2018, Chicks on Speed ein.

Das als Performance-Projekt an der Münchner Akademie der Künste gegründete multinationale Kunstkollektiv für Musik, Performance, Design und Visuelles, das fünf Studioalben sowie zahlreiche EPs veröffentlicht hat, feiert 20-jähriges Jubiläum und präsentiert unter dem Titel On Speed: Chicks flying for 20 years einen Stilmix aus neuen Medien, Fashionhacks und visueller Livemusik.

Mehr zu den Chicks on Fratzebuch und auf der Heimatseite Chicksonspeed-Records im Weltnetz.




In der Reihe „Belanglose Filmpreise“ hier und heute: Lola Langweilig

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Nichts ist langweiliger als Schnee von gestern und dafür gab es heute Preise, Lola genannt. Vor über 2.000 Gästen in einer der Hallen der Messe Berlin wurde heute die 68. Verleihung des Deutschen Filmpreises gefeiert.

Zum 14. Mal stimmten Mitglieder der Deutschen Filmakademie über die Gewinner ab. Von über 1900 Mitgliedern ist die Rede. Tanzende Präsidentin der Veranstaltung ist Iris Berben und der Tanzbär-Moderator der Gala im Palais unterm Funkturm, auf der Lolas in 16 Kategorien vergeben wurden, war Edin Hasanovic.

Die Kategorien reichen von Bester Spielfilm, Bester Dokumentarfilm und Bester Kinderfilm über Bestes Drehbuch und Beste Regie bis zur Besten Kamera/Bildgestaltung und Besten Schnitt. Irgendwo sind auch Beste Schauspieler in Haupt- und Nebenrollen in zwei Geschlechtern (also männlich und weiblich) dran. Merken kann sich den Mist und Murks kaum einer der geladenen Gäste.

Neben Berben und Hasanovic sprach vor allem auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Preise gingen an den Spielfilm „Drei Tage in Quiberon“ von Karsten Stöter, die Doku „Beuys“ von Thomas Kufus und den Kinderfilm „Amelie rennt“.

Fatih Akin und Hark Bohm wurden für das Drehbuch zum Film „Aus dem Nichts“ geehrt und Emily Atef für die Regie zu „Drei Tage in Quiberon“. Für diesen Film räumten Marie Bäumer als beste Hauptdarstellerin und Birgit Minichmayr als beste Nebenrollendarstellerin sowie Robert Gwisdek als bester Nebendarsteller, Thomas W. Kiennast als bester Kameramann sowie Christoph M. Kaiser und Julian Maas als beste Filmmusiker Preise ab. Das Romy-Schneider-Gedächtnis-Drama war zudem in ein, zwei weiteren Kategorien nominiert.

Besucherstärkster Film ist dieser aber genau so wenig wie weitere nominierte wie „Aus dem Nichts“, „Der Hauptmann“, „Western“, „Das Kongo-Tribunal“, „In den Gängen“ oder „Manifesto“. Diese Lola gab es für „Fack Ju Göthe 3“. Shit happens andauernd und zu dem Shit gehört dieser Lola-Scheiß.

Wieso, weshalb und warum … Das fragen wir uns auch, doch die Fragen gehen weiter, denn Fragesteller stoßen auf mangelnde Offenheit beim Deutschen Filmpreis. Da waren die Laudatoren leider viel gesprächiger, obwohl sie von den knapp 3 Millionen Euro Preisgeldern der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien keinen Cent kriegen.




Tziporela.

„Odd Birdz“ von der Comedy-Theatergruppe Tziporela aus Tel Aviv in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die bei immer mehr Leuten in immer weiteren Ländern der Welt bekannte Comedy-Theatergruppe Tziporela wird nach ihrem erfolgreichen Debüt 2015 am Broadway in New York mit ihrem Programm „Odd Birdz“ am 18., 19. und 22. April 2018 im Berliner Admiralspalast ihre Deutschlandpremiere feiern.

Das israelische Indie-Ensemble aus Tel Aviv wurde von neun Absolventen der renommierten Theaterschule Nissan Nativ gegründet und besteht seit über zehn Jahren. Wie gut sie mittlerweile sind, werden wir sehen. Und darüber berichten!




Szene aus dem Film "Die Verlegerin" von Steven Spielberg.

Ben Bradlee und Kay Graham gemeinsam gegen Richard Nixon – Zum Drama „Die Verlegerin“ von Steven Spielberg

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der von Steven Spielberg in nur acht Monaten fertiggestellte Film über die Verlegerin der „Washington Post“, Katherine „Kay“ Graham, wird als eine kurze Geschichte über einen Höhepunkt des investigativen Journalismus erzählt, bei dem die Kapitalistin und der Lohnarbeiter, in diesem Fall und Film Chefredakteur Ban Bradlee, getrennt marschieren und gemeinsam zuschlagen.

So will es das von Liz Hannah und Josh Singer geschreibene Drehbuch und nicht anders.

Der Film verklärt und verklebt den durchaus durchschimmernden Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital im Gleichschritt von Verlegerin und Chefredakteur gegen den Staat des Kapitals. Nunja, es ist nicht gleich der ganze Staat, aber immerhin die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika. Die bösen Buben sitzen im Weißen Haus und der böseste ist Richard Nixon.

Letztendlich gewinnt die Verlegerin und andere Verleger, was daran liegt, dass der Staat nicht widersprechende Interessen von Kapitalfraktionen vereinen und fixieren oder wenigstens ruhigstellen kann, aber auch daran, dass sich die Nixon-Regierung einerseits als schlecht und das Oberste Gericht andererseits als gut darstellen.

Und dass die Regierung unter US-Präsident Richard Nixon so schlecht war die der Vietnamkrieg, das belegen die Pentagon-Papiere 1971. Die hatte der Ökonom, Friedensaktivist und Whistleblower Daniel „Dan“ Ellsberg, der die Papiere, die anschließend kopiert wurden, aus einem Archiv des Pentagons geschmuggelt.

Dan Ellsberg holte die geheimen Pentagon-Papiere ans Licht und die New York Times (NYT) brachte das Betrügen und Lügen, das Fehlverhalten und die Desinformation der US-Regierung erstmals an die Öffentlichkeit. Die geht dagegen vor. Doch die Pentagon-Papiere landen auch bei der Washington Post und zwar auf dem Schreibtisch von Bradlee. Daraus geht hervor, dass der Vietnamkrieg aus anderen als den bislang bekannten Gründen begonnen wurde und nicht zu gewinnen sei, was sowohl Nixon als auch seine Vorgänger Johnson, Kennedy und Eisenhower verschwiegen.

Die Konflikte in den Köpfen von Verlegerin und Chefredakteur werden gezeigt, doch sie währen mehr oder weniger kurz. Zwar müssen die Verantwortlichen fürchten, wegen Hochverrats im Gefängnis zu landen, und die Verlegerin um ihr Kapital, doch Kay Graham, die Beziehungen zu Personen pflegt, die in den Pentagon-Papieren belastet werden, gibt Bradlee, der ihr klarmachen konnte, dass die Pflicht der Presse die Veröffentlichung der Wahrheit in Klarheit sei, die Zustimmug zur Enthüllung in ihrer Zeitung und die Druckmaschinen laufen heiß.

Weil auch in der Post auf der Titelseite berichtet wird, sehen wir Kay Graham und Ben Bradlee neben denen Verantwortlichen der NYT vor den Obersten Gerichtshofherren sitzen.

Die hören, hören, hören und verkünden das Urteil, dass sowohl den Verlegern das Recht zuspricht, Staatsgeheimnisse zu veröffentlichen, als auch Journalisten das Recht, ihre Quelle geheim zu halten. Spielberg feiert in dem Film vor allem den Sieg für den Enthüllungsjournalismus und die Pressefreiheit von Verlegerin und Chefredakteur.

Allerdings zeigt der Film mit dem deutschen Titel „Die Verlegerin“ zudem Verhältnisse in einem Verlag, über wichtige Wochen und das Verhalten von Personen der „Post“ in Washington, weswegen der Originaltitel schlicht und ergreifend „The Post“ lautet.

Die Filmemacher erzählten zugleich vom Verhältnis der Presse zum Kapital und zum Staat des Kapitals. Kay Graham muss aufgrund klammer Kassen Aktien auslegen. Sie will ihren Laden an die Börse bringen und braucht die Herren der Banken und die Herren und Damen mit viel Geld als gut gelaunte Käufer. Die Verlegerin reist schweren Herzens nach New York. Sie will an die Wall Street, weil sie muss. Sie muss ihr zu leichtes Konto auffüllen. Ja, schweren Herzens, schließlich sind Aktien Anteilsscheine, mit denen Graham zwar Geld einnimmt, denn die Aktien werden ausgegeben, aber Anteile am vererbten Familieneigentum abgibt.

Richtig, der Film ist voll, aber die Handlungen, in dessen Mittelpunkt Graham als Verlegerin und Frau steht, werden flott erzählt. Das Kinoerlebnis ist ein durchdachtes Drama und viel Biopic als man denkt, also weit weniger Politthriller.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Lohnarbeiter Ben Bradlee und Kapitalistin Katherine Graham im Gleichschritt und im Film „Die Verlegerin“ von Steven Spielberg im KULTUREXPRESSO.

Filmografische Angaben

Originaltitel: The Post
Deutscher Titel: Die Verlegerin
Genre: Drama, Biopic
Land: USA
Jahr: 2017
Regie: Steven Spielberg
Buch: Liz Hannah und Josh Singer
Kamera: Janusz Kaminski
Musik: John Williams
Schnitt: Sarah Broshar und Michael Kahn
Darsteller: Meryl Streep, Tom Hanks, Alison Brie, Carrie Coon, David Cross, Bruce Greenwood, Tracy Letts, Bob Odenkirk, Sarah Paulson, Michael Stuhlbarg, Jesse Plemans, Matthew Rhys, Zach Woods, Pat Healy, John Rue, Philip Casnoff, Brant Langdon, Bradley Whitford
Produktion: 20th Century Fox, Amblin Entertainment
Verleih: Universal Pictures Germany
FSK: ab 6 Jahre
Länge: 117 Minuten
Kinostart: 22. Februar 2018




Szene aus dem Film "Die Verlegerin" von Steven Spielberg.

Fotoreportage: Lohnarbeiter Ben Bradlee und Kapitalistin Katherine Graham im Gleichschritt und im Film „Die Verlegerin“ von Steven Spielberg

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der von Steven Spielberg in nur acht Monaten fertiggestellte Film über die Verlegerin der „Washington Post“, Katherine „Kay“ Graham, wird als eine kurze Geschichte über einen Höhepunkt des investigativen Journalismus erzählt, bei dem die Kapitalistin und der Lohnarbeiter, in diesem Film Chefredakteur Ban Bradlee, getrennt marschieren und gemeinsam zuschlagen.

Der Film verklärt und verklebt den Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital im Gleichschritt von Verlegerin und Chefredakteur gegen den Staat des Kapitals. Das liegt offensichtlich an bösen Buben im Weißen Haus, aber letztendlich daran, dass der Staat nicht widersprechende Interessen von Kapitalfraktionen vereinen und fixieren oder wenigstens ruhigstellen kann.

Der Film mit dem deutschen Titel „Die Verlegerin“ berichtet zudem über Verhältnisse in einem Verlag, über wichtige Wochen der „Post“ in Washington, weswegen der Originaltitel schlicht und ergreifend „The Post“ lautet. Die Filmemacher erzählten auf Basis des Drehbuches der Autoren Liz Hannah und Josh Singer zugleich vom Verhältnis der Presse zum Kapital und zum Staat des Kapitals. Kay Graham muss aufgrund klammer Kassen Aktien auslegen. Sie will ihren Laden an die Börse bringen und braucht die Herren des Geldes. Die Verlegerin reist schweren Herzens nach New York an die Wall Street. Schließlich sind Aktien Anteilsscheine, mit denen sie zwar Geld einnimmt, aber Anteile am vererbten Familieneigentum abgibt.

Mehr Text zum Film im Beitrag von Lenina Sachs mit dem Titel Ben Bradlee und Kay Graham gemeinsam gegen Richard Nixon – Zum Drama „Die Verlegerin“ von Steven Spielberg im KULTUREXPRESSO.




Berliner Dom.

„Drum immer weg mit ihnen!“ – Ausstellung „Luther, Bach – und die Juden“ im Berliner Dom

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Morgen wird in Berlin die Ausstellung „Luther, Bach – und die Juden“ des Bachhauses Eisenach im Berliner Dom, Kaiserflur, am Lustgarten eröffnet.

„Von Luthers berüchtigten antijüdischen Schriften über die Frage des Antijudaismus in Bachs Passionen bis hin zu der Wiederentdeckung von Bachs Musik in Kreisen des Berliner jüdischen Bürgertums in Aufklärung und Romantik“ solle „die Frühjahrsausstellung des Bachhauses Eisenach im Berliner Dom“ laut Pressemitteilung von Artefakt Kulturkonzepte vom 28.2.2018 führen.

Zuvor und vor allem zuerst wurde die Ausstellung 2016 in Eisenach gezeigt.

Martin Luther hatte 1543 dazu aufgerufen, die Synagogen der Juden zu verbrennen und sie aus dem Land zu treiben: „Drum immer weg mit ihnen!“. Das gelang den mehr oder weniger christlichen Judenfeinden und Faschisten besonders zwischen 1933 und 1945.

Immerhin würde „die Evangelische Kirche Luthers antijüdische Schriften“ heute „als „Dokumente der Schande“ bewerten, heißt es in der Pressemitteilung und auch, dass „Luthers theologisch begründeter Judenhass und sein Aufruf zur Gewalt an Juden … über Jahrhunderte in den Gebieten der Reformation wirksam“ blieben. „In Johann Sebastian Bachs 52 Titel umfassenden privaten ‚Theologischen Bibliothek‘ finden sich auch solche, welche die – nach Luther – ‚ewige Verdammnis‘ der Juden thematisieren. Ist auch Bachs Kirchenmusik hiervon beeinflusst, wurde er in seinen Passionsmusiken gar selbst, wie manche gemeint haben, zum „gewaltigen Gestalter lutherischer Judenpolemik“?“

Viele Frage, eine Ausstellung, die Antworten auf vorgenannte Fragen gibt. Zugleich ginge es um die Wiederentdeckung von Bachs Musik in Aufklärung und Romantik, die der deutsche Komponist, Kantor, Orgel- und Cembalovirtuose des Barocks vor allem der Bach-Liebe und Bach-Pflege eines bürgerlichen Berliner Judentums verdankt.




Rolling Stones.

„No Filter 2018“ oder Rüstige Rock-Rentner wollen erneut auf Dienstreise gehen – Die Europa-Tour der Rolling Stones geplant und verkündet

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Man reibt sich schon verdutzt die Augen, wenn man Pressemitteilungen wie die vom heutigen Morgen, Montag, den 26. Februar 2018, liest. Darin teil FKP Scorpio mit, dass die Rolling Stones 2018 erneut auf Europa-Tour gehen würde und dabei nach Berlin und Stuttgart kommen würden.

Alle Jahre wieder und wer nicht will, der hat schon die rüstigen Rock-Rentner auf einer oder mehrerer ihrer Reisen gesehen und gehört.

Wie auch immer, diese rollenden Steine, die aus den Herren Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts und Ronnie Wood bestehen, sollen am 22. Juni im Berliner Olympiastadion und am 30. Juni in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena spielen.

Klassiker wie „Satisfaction“, „Paint It Black“, “Tumbling Dice“ und „Brown Sugar“ und „wechselnde Hits“ sowie Überraschungssongs würden auf der Tour „Stones – No Filer 2018“ auf die Bühne und große LED-Leinwände gebracht.




Die krasse Geschichte von Kris Kelvin oder Solaris in der Box

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In der Box des Berliner DT finden am 2. März 2018 um 20 Uhr die Premiere der Produktion Solaris auf Basis des gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem, Deutsch von Irmtraud Zimmermann-Göllheim, Fassung von András Dömötör und Meike Schmitz, statt.

Ob sich Regisseur András Dömötör an dem Stoff über den Planeten Solaris auch die Zähne ausbeißt, das können Besucher zudem in weiteren Vorstellungen, in denen Elias Arens, Esther Maria Hilsemer, Jeremy Mockridge und Timo Weisschnur auf der Bühne der Box stehen, sehen. Das aus dem Polnischen in viele Sprache übersetze Buch über einen wundersamen Ozean und exotische Materie wurde schon mehrfach verfilmt und oftmals auf die Bühne gebracht.

Angeblich soll Dömötör die Geschichte des Psychologen Kris Kelvin, der Solaris erforscht und erstmals selbst zur Raumstation reist, um dort nach dem Rechten zu sehen und „um die Arbeit voranzutreiben“, „als absurd-komischen Trip zwischen Realität und Fiktion inszenieren und sich der Frage nach den Grenzen menschlicher Erkenntnis widmen“.

Wir erinnern uns, dass Kris den Andeutungen der Besatzung über geheimnisvolle Gäste zunächst keinen Glauben schenkt, bis er plötzlich seiner längst verstorbenen Geliebten Harey gegenübersteht. Die Absurditäten werden immer pessimistischer als euphorischer und die Welten zwischen Wahn und Wirklichkeit immer schmaler. Selbst gute Gewissheiten stehen nach dem Auftauchen der Schönen auf wackeligen Beinen.

Wir dürfen gespannt sein, was daran komisch sein soll.




Szene aus dem Polit-Thriller "Detroit".

Schwarze Wut und schwarzer Schmerz – Tödliche Sommertage 1967 in Detroit von Kathryn Bigelow famos auf Film gebannt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Was soll man anderes erzählen als die Wahrheit? Der Film über die Zustände im Sommer 1967 in Detroit, die der Aufstände wert waren, ist grandios gelungen.

Der Thriller mit dem einprägsamen wie schlichten, kurzen und knackigen Titel „Detroit“ ist in seiner Geschichte, die nicht vergehen will, gnadenlos spannend und bleibt mit seinen Banalitäten brisant bis heute.

Szene aus dem Polit-Thriller "Detroit".
Szene aus dem Polit-Thriller „Detroit“. © Concorde

Die Regisseurin Kathryn Bigelow, die mit „Near Dark“ und „Blue Steel“ bekannt wurde und mit „The Hurt Locker“ berühmt, schaffte bedrückende Einblicke in eine schmerzhafte Nacht voller schicksalhafter Ereignisse im Sommer 1967 in der Motor-City Detroit. Dass der Sommer 1967 nicht für alle einer der Gitarenklänge und Blumengirlanden, Anarchie und freien Liebe war, das wird nach wenigen Minuten klar.

Das Drehbuch zu diesem spannenden Film mit thrill schrieb Mark Boal, der für „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ bereits wie Bigelow einen Oscar bekam. Seine Weise des Erzählens zieht den Kinogänger ins Geschehen, so dass sich die Faust ballt. Dass dazu auch die Hauptdarsteller beitragen, das ist klar. In „Detroit“ auptrollen spielen John Boyega („Star Wars: Das Erwachen der Macht“), Anthony Mackie („Tödliches Kommando – The Hurt Locker“, „The First Avenger: Civil War“), Will Poulter („The Revenant“), Algee Smith („Army Wives”), Samira Wiley („Orange is the New Black“), Jack Reynor („Macbeth”), Hannah Murray („Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer“), Tyler James Williams („The Walking Dead“), Jason Mitchell („Kong: Skull Island“) und John Krasinski („Promised Land“).

Szene aus dem Polit-Thriller "Detroit".
Szene aus dem Polit-Thriller „Detroit“. © Concorde

Sie alle bringen US-amerikanische Geschichte hautnah in die Gehirne der Zu-spät-Geborenen, denen die Erfahrung fehlt. Das Establishment der USA wurde 1967 von politischen und sozialen Unruhen geprüft und antwortete mit Unterdrückung. Zur jahrhundertelangen Ungleichheit und Unterdrückung gesellte sich der Krieg in Fernost. Im Vietnamkrieg wurden vor allem Schwarze verheizt.

Dass die Wut wuchs bei den Belogenen und Betrogenen, vor allem beim Lumpenproletariat, das in den USA damals vor allem aus Negern, Schwarzen, Afroamerikanern bestand, das war kein Wunder. Die heftigsten Ausbrüche gab es in den Megastädten, den Metropole, wo Menschenmassen aus verschiedenen Millieus aufeinanderprallten.

Szene aus dem Polit-Thriller "Detroit".
Szene aus dem Polit-Thriller „Detroit“. © Concorde

Bigelows Film fokussiert sich auf die schreckenerregenden Ereignisse eines Abends während der Aufstände der unteren Millionen, die zu Bürgerrechtsaufständen verklärt werden, in Detroit. Dazu heißt es in einer AIM-Pressemitteilung vom 16.11.2017: „Als zwei Tage nach Beginn der Revolte auf der Anlage eines Motels Pistolenschüsse gemeldet werden, rückt die Polizei mit einem Großaufgebot an. Statt sachlich zu ermitteln, kommt es zu einer von Vorurteilen und Gewalt geprägten Razzia.“

Die anwesenden Motelgäste müssen sich einem mörderischen Verhör unterziehen – in Isolation sollen sie durch Einschüchterung zum Geständnis gedrängt werden. Das lebensbedrohliche Machtspiel eskaliert: mit tödlichem Ausgang. Drei schwarze Jugendliche wurden von  weißen Polizisten ermordet, weitere schwarze Jugendliche, darunter zwei weiße Mädchen, übel zugerichtet, misshandelt und verprügelt.

Szene aus dem Polit-Thriller "Detroit".
Szene aus dem Polit-Thriller „Detroit“. © Concorde

Das was unter „1967 Detroit riot“ oder „12th Street riot“ in die Geschichte einging, ist nicht vergangen. Der Auslöser war damals eine Razzia in einer Schwarzen-Bar. Am Ende solle s laut Wikipedia 1189 Verletzte, 7000 Verhaftete und 43 Tote in Detroit. Während des Aufruhrs brannten 1400 Häuser, vor allem Geschäftshäuser. Hunderte Läden wurden geplündert.

Dass der Film „‚Detroit‘ … nun mitten hinein in die aktuelle Diskussion um „Black Lives Matter“, Polizeigewalt gegen Schwarze und offenen Rassismus von ‚White Supremacy‘ und ‚Alt-Right‘-Bewegungen“ sticht, wie Andreas Borcholte in „Spiegel-Online“ (22.11.2017) schreibt, das ist gut so für ein Land, in dem Typen wie Trump regieren.

Fotoreportage

Siehe auch die Fotoreportage zum Politthriller „Detroit“ von Kathryn Bigelow im KULTUREXPRESSO.

Filmografische Angaben

Titel: Detroit
Land, Jahr: USA 2017
Genre: Thriller
Regie: Kathryn Bigelow
Drehbuch: Mark Boal
Darsteller: John Boyega, Will Poulter, Algee Smith, Anthony Mackie, Jason Mitchell, Kaitlyn Dever, Jack Reynor, John Krasinski
Produktion: Annapurna Pictures, Page 1, First Light Production
Verleih: Concorde
Länge: 143 Minuten
FSK: ab 12
Kinostart in der BRD: 23. November 2017