"Johnny English - Man lebt nur dreimal"

Einer blieb übrig oder der Premiumagent der Premierministerin – Die Eins unter den Nullen: „Johnny English – Man lebt nur dreimal“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der dritte Teil der Johnny-English-Reihe läuft in den Kinos und im Weltnetz. Er trägt passenderweise den Titel „Johnny English – Man lebt nur dreimal“ und ist sowohl eine Persiflage auf James-Bond-Filme als auch eine Geheimagent-seiner-Majestät-Actionkomödie aus dem Jahr 2018. In der Fortsetzung zu „Johnny English – Der Spion, der es versiebte“ und „Johnny English – Jetzt erst recht!“ hetzt English im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland in wilden Verfolgungsjagden wahnwitzigen Ganoven hinterher.

"Johnny English - Man lebt nur dreimal"
Rowan Atkinson als Johnny English und Olga Kurylenko als Ophelia in „Johnny English – Man lebt nur dreimal“. © 2018 Universal Studios and Studiocanal SAS

Doch Johnny English (Rowan Atkinson) muss dieses Mal nicht nur in der britischen Welt besteht, sondern auch in der digitalen. Alle geheimen Doppelnull-Agenten wurden durch die Attacke eines mysteriösen Hackers enttarnt. Nun sucht die Premierministerin (Emma Thompson) einen Premiumagenten, der den Nullen und Einsen widerstehen kann. English, der längst als Erdkundelehrer seinen Schülern allerlei Spionagetricks lehrt, und andere Alteisen werden rekrutieren. Weil er während der Vertragsunterzeichnung die anderen versehentlich um die Ecke bringt, bleibt er die einzige Wahl, wird also als Eins angeheuert und auf den fiesen Fall angesetzt. Als Partner wünscht sich English seinen alten Kollegen Jeremy Bough zurück und ganz alter Schule einen Aston-Martin.

Mit seinen kompromisslos analogen Methoden wird Johnny English fern der Insel zur letzten Hoffnung des Geheimdienstes Ihrer Majestät. Ohne Smartphone und Schlepptop oder anderen digitalen Schnickschnack findet er den Feind im Fadenkreuz seiner Erfahrungen und Erkenntnisse. English ist oldschool und gen­t­le­man­like.

"Johnny English - Man lebt nur dreimal"
Rowan Atkinson als Johnny English in „Johnny English – Man lebt nur dreimal“. © 2018 Universal Studios and Studiocanal SAS

Die Geschichte, die auf der Leinwand erzählt wird, wirkt runder und in sich stimmiger, obwohl nach wie vor die eine oder andere Szene im Gesamtkunstwerk erscheint, als sei sie mal hineingeschnitten worden, weil sie jemand mag. Hier und da darf lauthals gelacht werden, doch über Schenkelklopfer und Slapstick hin zum feingeistigen Humor reicht er nicht. English ist leicht Komödie, längst nicht Loriot.

Für „Johnny English – Man lebt nur dreimal“ wurde das erfolgreiche Team der ersten beiden Folgen wieder zusammengekauft. Neben Weltstar-Komiker Rowan Atkinson, der ein weiteres Mal die Titelrolle spielt, sorgen Drehbuchautor William Davies und die Produzenten Tim Bevan und Eric Fellner von Working Title Films sowie Chris Clark auch bei Johnny Englishs drittem Agenten-Abenteuer für spaßige Spannung und muntere Missgeschicke. Die Regie hat David Kerr übernommen.

"Johnny English - Man lebt nur dreimal"
Rowan Atkinson als Johnny English und Ben Miller as Bough in „Johnny English – Man lebt nur dreimal“. © 2018 Universal Studios and Studiocanal SAS

In weiteren Rollen sind Olga Kurylenko (James Bond 007: Ein Quantum Trost, Oblivion), Ben Miller (Paddington 2), Jake Lacy (How to be Single, Carol) und die zweifache Oscar-Preisträgerin Emma Thompson (Sinn & Sinnlichkeit, Tatsächlich … Liebe) zu sehen.

Mehr Reklame für den Film, der am 5. Oktober 2018 in den britischen, am 18. Oktober 2018 in den deutschen und am 26. Oktober 2018 in den US-amerikanischen Kinos startete, unter https://www.facebook.com/Johnny.English.DE/ im Weltnetz.

Filmografische Angaben

Originaltitel: Johnny English Strikes Again
Deutscher Titel: Johnny English – Man lebt nur dreimal
Land: Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland, Vereinigte Staaten von Amerika, Frankreich
Jahr: 2018
Regie: David Kerr
Buch: William Davies
Kamera: Florian Hoffmeister
Schnitt: Tony Cranstoun und Mark Everson
Musik: Howard Goodall
Schauspieler: Rowan Atkinson, Ben Miller, Olga Kurylenko, Jake Lacy, Emma Thompson, Adam James, Matthew Beard, Vicki Pepperdine, Pippa Bennett-Warner, Miranda Hennessy, Irena Tyshyna, David Mumeni, Tuncay Gunes, Charles Dance, Michael Gambon, Edward Fox
Produktion: Tim Bevan, Eric Fellner und Chris Clark
Altersfreigabe: FSK 6, JMK 8
Länge: 89 Minuten




Vorankündigung einer neuen Aktion vom Zentrum für Politische Schönheit im November

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) sei laut Impressum der Heimatseite www.politicalbeauty.de „ein Projekt von Dr. Philipp Ruch in Berlin“.

Auf dieser Heimatseite wird vom Verantwortlichen Ruch das ZPS als „eine Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit – zum Schutz der Menschheit“ vorgestellt. Außerdem sei diese Veranstaltung „ein Zentrum des intellektuellen Widerstands gegen Rechts“.

Neun Aktionen des ZPS werden gelistet, ganz oben steht „Holocaust-Mahnmal Bornhagen“.

Ob die Aktionisten „Menschlichkeit als Waffe“ zeigten, den „aggressiven Humanismus“ vertraten und „mit den Gesetzen der Wirklichkeit“ experimentierten? Widerstand sei „eine Kunst, die weh tun, reizen und verstören muss“.

Weiter im Text: „Grundüberzeugung des ZPS ist, dass die Lehren des Holocaust durch die Wiederholung politischer Teilnahmslosigkeit, Flüchtlingsabwehr und Feigheit annulliert werden und dass Deutschland aus der Geschichte nicht nur lernen, sondern auch handeln muss. Das ZPS gehört zu den innovativsten Inkubatoren politischer Aktionskunst in Deutschland.“

Die Inkubatoren scheinen für November 2018 laut Pressemitteilung des Maxim-Gorki-Theaters Berlin vom 19.10.2018 „eine neue Arbeit“ zu planen.

„Wie immer wird die Aktion kurzfristig auf www.politicalbeauty.de und www.gorki.de bekanntgegeben, wir werden Sie außerdem per Mail darüber informieren“, lauten die letzten Worte zur Ankündigung. Die Welt darf gespannt sein.




In 22 Buchstaben zur Identität? – Zur Ausstellung „A wie Jüdisch“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das hebräische Alphabet besteht bekanntlich aus 22 Buchstaben, die wie die aramäische Schrift auf der phönizischen Schrift basiert, aber von rechts nach links geschrieben wird.

Mithilfe dieser 22 Buchstaben und dank ihrer Freude will das Jüdische Museum Berlin wollen die Macher der Ausstellung „Schlagworte und Begriffe“ – hört, hört – „untersucht“ haben, und fragen, woran sich ‚das Jüdische‘ in Deutschland heute festmacht“.

Die Ausstellung, die laut Stiftung Jüdisches Museum Berlin am 26. November 2018 beginnen solle und bis 30. September 2019 geplant sei, sollte zeigen, das „ganz unterschiedliche Aspekte deutsch-jüdischer Gegenwart herausgestellt und normierende Vorstellungen hinterfragt“ würden.

Wenn 22 Buchstaben beziehungsweise 22 „Impressionen“ nicht zur Identität führen, dann doch wohl „durch die Gegenwart“ von „Musik und Jugendkultur, Erinnerung und Traditionen, Sprachen und Heimat“.

Dass die Impressionen „den deutschen Alltag von säkularen oder religiösen, alteingesessenen oder gerade in Deutschland angekommenen Jüdinnen und Juden“ beleuchten würden, das wird nicht verschwiegen.

Auf der Heimatseite des Jüdischen Museums Berlin heißt es weiter zur bevorstehenden Ausstellung: „Wer kennt die ‚Jewrovision‘? Unter dem Stichwort ‚Jugend‘ stellt die Ausstellung den größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb für Kinder und Jugendliche vor. Der Buchstabe ‚Daled‘ steht für ‚Desintegration‘ und beschreibt eine provokative Bewegung einer neuen Generation jüdischer Künstler, die sich von der deutschen Erinnerungskultur nicht mehr als Opfer vereinnehmen lassen wollen. Von Facebook ins Museum schaffte es der Post eines jungen Israeli, der seinen Umzug nach Berlin mit den günstigen Schokopuddingpreisen im deutschen Discounter begründete – und damit in Israel eine Debatte auslöste. Und auch die Orte für den besten Hummus Berlins dürfen in einer Schau über die deutsch-jüdische Gegenwart nicht fehlen.“

Wenn Kultur kulinarisch wird, dann bin ich dabei, und will in der Eric F. Ross Galerie im Libeskind-Bau sehen, was die Macher, zu denen laut Veranstalter auch Berliner Schüler gehören würden, gemacht haben.

Jüdisches Museum Berlin

Libeskind-Bau EG, Eric F. Ross Galerie, 
Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Öffnungszeiten: täglich von 10 Uhr bis 20 Uhr

Eintritt: Mit dem Museumsticket (8 Euro, ermäßigt 3 Euro)

Mehr Informationen: https://www.jmberlin.de/a-wie-juedisch




"The Equalizer 2" mit Denzel Washington.

Ein Regierungsagent im Ruhestand sieht rot oder Washington bei jedem Wetter, Denzel Washington! – Zum Film „The Equalizer 2“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Nein, es ist nicht Charles Bronson, der rot sieht. Der US-amerikanische Schauspieler litauischer und tatarischer Abstammung starb 2003.

Und der Mann, der rot sieht, taucht auch nicht in einem neuen Teil der Death-Wish-Reihe auf, sondern in „The Equalizer 2“. Richtig, die Rede ist von Denzel Washington. Im zweiten Teil fährt er Taxi und greift immer dann ein, wenn andere sich im Ton und in der Tag vergreifen. Als Kämpfer für das Gute muss er im Laufe der 120 Minuten gegen seine Ex-Kollegen ran, nachdem diese seine Freundin und Führungsagentin Susan Plummer (Melissa Leo) in Paris umbringen. Ja, es hätte auch Berlin sein können, egal.

Hauptsache Rache, egal wo, aber nicht egal wie, sondern ein bisschen besser als Bronson, der den Bösen in der Nacht das Fürchten lehrte. Andererseits ist es bei Washington auch nicht gerade taghell, noch nicht einmal in Washington, wo ein rechter Wind weht.

Und so wie in „Ein Mann sieht rot“ Bronson das belebende Element war, so ist es Washington für „The Equalizer“. Der zweifache Oscar-Preisträger setzt seinen Dackel- und Dödelblick auf, fährt Taxi und auf gute Tagen ab, und streut seinen Überschuss an Moral meisterlich über die Nebendarsteller, sofern sie es verdienen, selbst wenn das Richard Wenk als Autor ihm die Füße wegzieht.

Wenk und Regisseur Antoine Fuqua lassen Washington offensichtlich durch einen trockener Rachethriller tapern, in dem aufziehende Sturm nur noch von Washingtons Zorn überboten wird. Alle Wetter.

Die Erzählung ist durchaus kurzweilig, aber vorhersehbar in ihrem Verlauf. Zu oft bekommt der Kopf mal Pause. Die Geschichte dürfte zudem Antirassisten und Philosemiten zu Tränen rühren. Für einen Thriller ist das dann doch zu viel Brei. Mit Bronson wäre das nicht pasiert.

Filmografische Angaben

Originaltitel: The Equalizer 2
Deutscher Titel: The Equalizer 2
Land: USA
Jahr: 2018
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Richard Wenk
Kamera: Oliver Wood
Schnitt: Conrad Buff IV
Musik: Harry Gregson-Williams
Schauspieler: Denzel Washington. U.a. sind Pedro Pascal, Bill Pullman, Melissa Leo, Ashton Sanders, Sakina Jaffrey, Jonathan Scarf, Orson Bean
Länge: 121 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16




Selahattin Demirtas: "Morgengrauen"

Geschichten aus einem kleinasiatischen muselmanischen Morgenland – Zum Buch „Morgengrauen“ von Selahattin Demirtas

17Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Storys von Selahattin Demirtas sind auf 144 Seiten eine verschlüsselte sowie subtile Erzählung für die Belogenen und Betrogenen. Einer davon ist der Autor selbst.

Er saß im Hochsicherheitsgefängnis von Edirne und schrieb dort diese Geschichten, die als Protest gegen Erdogan und die seinen sowie die AKP gelesen werden können, denn der 1973 in Palu im von Türken besetzten Kurdistan, wie die einen sagen, oder – die anderen – Armenien, geborene Demirtaş. Dennoch ist Demirtas Zaza und gehört zu einem weiteren Volk auf türkischem Staatsgebiet, dessen Sprache und Kultur unterdrückt wird. Die meisten Zaza dürften sich mehr oder weniger als Kurden sehen, von denen sie auch als solche betrachtet werden.

Während sein Bruder in der PKK gegen die Erdogan-Türken kämpfte, wählte er den Weg der Paragrafen und Parlamente. Er stieg im Februar 2018 zum Co-Vorsitzender der Demokratischen Partei der Völker (HDP) auf, obwohl er seit November 2016 gefangengehalten wird.

Das von Gerhard Meier übersetzte literarische Werk plädiert für einen parlamentarisch-demokratischen Weg, für den Demirtas als Liberaler plädiert und das durchaus einprägsam und mit Humor.

Demirtas schreibe laut Verlag darüber, wie es ist: „Wenn eine Frau Opfer staatlicher Willkür wird, nur weil sie zur falschen Zeit auf dem Weg zur Arbeit ist. Wenn ein Vater sich gezwungen sieht, über seine Tochter zu richten, um die Ehre der Familie zu retten. Wenn einem Mädchen nur die Flucht von zu Hause bleibt, um selbst über sein Leben zu bestimmen.“

Er schreibt über Zustände in der Türkei, die der Aufstände wert sind.

Bibliographische Angaben

Selahattin Demirtas, Morgengrauen, Storys, aus dem Türkischen von Gerhard Meier, Originaltitel: Seher, 144 Seiten, Format: 12,5 x 20,0 cm, gebunden, Pappband mit Banderole, Originalverlag: Dipnot Yayinlari, Verlag: Penguin, 1. Auflage, München, Oktober 2018, ISBN: 978-3-328-60061-9, Preise: 16 EUR (D), 16,50 EUR (A), 22,90 sFr




Zwei Kenner erklären den Simplicissimus – Zum Buch „Simplicissimus 1896-1933, herausgegeben von Reinhard Klimt und Hans Zimmermann

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Simplicissimus ist alles andere als einfältig und einfach zu erklären. Hohn und Spott oder auch Spottdichtung zu verstehen, das scheint schon schwer. Beides, also Verstehen und Erklären, ist alles andere als easy peasy. Vielleicht kümmern sich deswegen gleich zwei Männer darum, was keineswegs kinderleicht scheint, nämlich die Herausgabe eines Buches unter dem Titel „Simplicissimus“, das kürzlich im Verlag Langen Müller erschien.

Jedenfalls heißen die Herren Reinhard Klimmt und Hans Zimmermann. Klimmt? Zimmermann? Ja, der eine ist Soze oder war das, von 1998 bis 1999 sogar Miniterpräsident und von 1999 bis 2000 Minister unter Kriegskanzler Schröder, also dem Kanzler, der ohne Kriegserklärung gegen Jugoslawien einen Angriffskrieg führte, völkerrechtswidrig versteht sich, und den anderen Arbeiter, die im eigenen Land, weswegen die SPD alles andere als eine Arbeiterpartei ist und ohne „Glück Auf“ mit A. Nahles weiter in die Grube der Bedeutungslosigkeit fährt. Klimmt sei jetzt – irgendwie wie Schröder und andere Sozen – Berater. Was sonst?! Laut Verlag betreibe er zudem „ein Antiquariat“ und lebe „auch privat mit und zwischen seinen Büchern“. Andere leben mit diversen Damen oder Dackel und so gesehen hat Klimmt sein Altenteil doch ganz gut getroffen.

Dem anderen, Zimmermann, ist einmal seine Bibliothek abgebrannt. Seine selbstverständlich nicht. Der Großbrand in der zum Weltkulturerbe gehörenden Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar ist schon über ein Dutzend Jahre her. Zeit vergeht. Egal. Zimmermann verwaltet heute die Zeitschriften des Simplicissimus. Er sei laut Verlag „zuständig“ für dessen „Digitalisierung, Erschließung und Erforschung“. Wenn man mit mit Digitalisierung und Erschließung und so weiter Geld verdienen kann, warum nicht?!

Ein Ausgedienter und ein (Lohn-)Arbeiter geben also ein Buch mit 300 Seiten ungefähr im A4-Format heraus mit „150 Abbildungen“ (sic!). Im Grunde ist fast jede Seite bebildert und zwar großflächig. Nein, wir wollen nicht kleingeistig sein, sollen doch die Bilder für sich sprechen. Denen dürfte das kinderleicht fallen. Jedenfalls notiert der Verlag zur „großen Simplicissimus-Edition“, dass die Herausgeber „zwei ausgewiesenen Simplicissimus-Kennern“ seien und „politische und gesellschaftliche Zusammenhänge … kommentieren und erklären“ würden. In dieser Reihenfolge. Kann man machen. Warum nicht?!

Allein schon, dass das vorliegende Werk wirklich die wichtigsten Karikaturen aus dem Erscheinungszeitraum des Simplicissimus von 1896 bis 1930 versammelt, ist ein Lob wert.

Bibliographische Angaben

Reinhard Klimmt und Hans Zimmermann (Herausgeber), Simplicissimus 1896 – 1930, Die satirische Wochenzeitschrift – Neuedition der erfolgreichen Satire-Zeitschrift, 300 Seiten, 150 Abbildungen, Einband: gebunden, Verlag: Langen-Müller, 1. Auflage 2018, ISBN: 978-3-7844-3437-7, Unverbindliche Preisempfehlung: 48 EUR (D), 49,40 EUR (A), 59,90 sFr




Vollpfosten.

Viele Vollpfosten machen noch keine Entlassung oder „Künstler, Kulturschaffende und Kulturvermittler“, die sich nicht entblöden

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dass Dutzende „Künstlerinnen und Künstler, Kulturschaffende, Kulturvermittlerinnen und -vermittler“ (sic!) den Rücktritt des Bundesinnenministers Horst Seehofer (CSU) forderten, davon ist derzeit viel zu lesen und zu hören. Von beinahe 300 Unterzeichnern ist die Rede, die sich in einer „Erklärung zur Politik des Bundesinnenministers Horst Seehofer“ (Berlin, 21.9.2018) besonders „entsetzt“ zeigen, „dass der Bundesinnenminister fortwährend die Arbeitsfähigkeit der Bundesregierung sabotiert und dem internationalen Ansehen des Landes schadet“.

Wenn das so ist, dann darf alle paar Tage mit einer Erklärung von Künstlern, Kulturschaffenden und Kulturvermittlern wie Hugo Egon Balder zu diesem oder jenem Minister gerechnet werden samt einer Rücktrittsforderung aus gutem Grund. Andere und zwar Gewählte haben gute Gründe, Minister zu ernennen. Das ist Aufgabe des Bundespräsidenten, der Minister auf Vorschlag des Bundeskanzlers ernennt und entlässt.

Dass Jan Böttcher, Matthias Luthardt, Rebecca Raue, Moritz Rinke und Mathias Schönsee, die kaum einer in der Berliner Republik kennt, das nicht dürfen, das ist gut so.

Sie dürfen auch nicht die Bundesminister und die Richtlinien der Bundesregierung bestimmen, das macht der Bundeskanzler. Seehofer ist Merkels Minister. Punkt.

Die fünf Genannten wie Unbekannten sind angeblich die Verfasser des sich „Erklärung zur Politik des Bundesinnenministers Horst Seehofer“ nennenden Geschriebenem. Dass sie unbekannt und bedeutungslos sind, das sollte niemanden stören, aber dass sich dieser Abfassung aus dem Abflussrohr bundesdeutscher Kunst und Kultur nicht nur Hunderte anschließen, sondern Tausende, ja, Zehntausende, die sich für Künstler, Kulturschaffende und oder Kulturvermittler halten, das steht zu befürchten.

Wahrlich, wahrlich, zu viele halten sich für Künstler und nicht still, sondern behaupten, dass Seehofer „die Migrationsfrage zur ‚Mutter aller politischen Probleme‘ erklärt und damit 18,6 Millionen Menschen, die mit migrantischen Wurzeln in Deutschland leben, in Geiselhaft“ genommen habe. Dass Seehofer vieles Tut und manches Unterlässt, das ist wohl wahr, aber dass er das Unterstellte gemacht haben soll, das ist so falsch wie die Erklärung, scheint aber den Künstlern Wurst zu sein, die auch nicht von Können kommt, sondern aus der Fleischfabrik – in der Regel jedenfalls. Nein, diese Künstler sind keine Wissenschaftler, die es besser wissen müssten, sie sind Metzger, die das Messer wetzen. Das ist der neue Mob der alten Linken, die sich mit der Antifa Zeckenbiss, die mit ihrem Video die Republik in Rage brachte, gemein macht. Die Antifa Zeckenbiss muss mit ihrem Video als Beweis herhalten für Hetzjagden (Merkel, CDU) und Pogrom (Trittin, Grüne), die es in Chemnitz nicht gegeben hat. Gegen hat es muselmanische Messerstecher. Der Tote und die Verletzten sind der Beweis. Doch das interessiert diesen Mob, der sich hinter Hetze formiert, nicht.

Unter seehofermussgehen.de werden diese Künstler, die sich nicht entblöden, beim Namen genannt.

Das ZDF-Satiremagazin mit dem Titel „Heute-Show“ verleiht vermutlich zum Jahresende wieder den „Goldenen Vollpfosten“ für eine besondere Dummheit. Ich schlage diese Künstler vor. Alle!




"Die Gerechten" von Albert Camus im Berliner Maxim-Gorki-Theater.

Das Drama „Die Gerechten“ von Albert Camus demnächst am Maxim-Gorki-Theater in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Nicht nur für mich wird es mal wieder Zeit, das Drama „Die Gerechten“ von Albert Camus zu sehen und über das Theaterstück, das auf einer wahren Begebenheit basiert, nachzudenken.

1905 verübte die Terror-Truppe (oder Freiheitskämpfer, d.I.d.t.? der Sozialrevolutionäre in Moskau einen Anschlag auf den russischen Großfürsten Sergei. „1931 wurden“ laut Wikipedia „bei Payot in Paris in französischer Übersetzung die von Boris Savinkov 1909 veröffentlichten und 1917 ergänzten Erinnerungen eines Terroristen publiziert“, die Camus gelesen haben muss wie auch den 1933 von Irène Némirovsky geschriebenen Roman L’affaire Courilof (Der Fall Kurilow, 1995). Daraus zog der französischer Schriftsteller und Philosoph, Nobelpreisträger für Literatur und Existentialist Camus den Stoff für sein Drama in fünf Akten.

Das Drama in der Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel wird unter der Regie von Sebastian Baumgarten neu aufgelegt. Am Samstag, den 29. September, soll um 19.30 Uhr auf der Bühne des Maxim-Gorki-Theaters Premiere sein und auf der Bühne sollen Mazen Aljubbeh, Jonas Dassler, Lea Draeger, Aram Tafreshian und Till Wonka stehen.

In einer Pressemitteilung der Maxim-Gorki-Theaters vom 12.9.2018 heißt es zur Premierenankündigung: „Die Gerechten von Albert Camus ist einerseits ein spannender politischer Kriminalfall auf Basis einer wahren Geschichte: des Attentats 1905 auf den Großfürsten und Zarenonkel Sergej, mit dem russische Revolutionäre der staatlichen Barbarei ein Ende setzen wollten. Auf der anderen Seite verstrickt Camus mit diesem Stück über Terrorismus seine Figuren in den Widerspruch zwischen Rechtfertigung der Gewalt und dem Tragen persönlicher Schuld. Sebastian Baumgarten sucht mit Camus in der russischen Geschichte nach einem Verstärker, der die aktuellen Kollisionen erfahrbar macht.“

Anmerkung:

Mehr zum Drama „Die Gerechten“ von Albert Camus nachdem ich das Stück gesehen habe.

d.I.d.t. = der Idiot der tippt




Der Buchladen der Florence Green

Emily Mortimer und Bill Nighy beim Freiheitskämpfchen in einem Fischerdörfchen gegen Patricia Clarkson – Zum Rosamunde-Pilcher-Filmchen „Der Buchladen der Florence Green“ von Isabel Coixet

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Schauspieler Emily Mortimer, Bill Nighy und Patricia Clarkson versprechen Klasse in einem Kinofilm, der die Klassenfrage kratzt.

Auf der 68. Berlinale lief im Februar 2018 ein wenig beachteter aber durchaus beachtlicher Beitrag aus dem kleiner gewordenen Großbritannien, nebenbei bemerkt auch aus Spanien und Deutschland, der im Jahr 2017 produziert wurde. Bei „Der Buchladen der Florence Green“ handelt es sich um eine klassische Literaturverfilmung von Isabel Coixet, die nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb und zwar auf Basis des Buches „The Bookshop“ von Penelope Fitzgerald.

Coixets Geschichte ist schnell erzählt. Ende der Neunzehnhundertfünfzigerjahre will die junge Witwe Florence Green, ihr Mann starb im letzten Krieg, ihre Trauer hinter sich lassen und einen lang gehegten Traum zu wirklichen. Sie kauft ein verwittertes Haus in dem verschlafenen englischen Küstenort Hardborough in Suffolk am Mare Germanicum und eröffnet darin gegen anfängliche leichte Widerstände eine Buchhandlung. Dass das Vorurteile und schlafende Hunde weckt, das glaubt der Zustauer gerne und so stößt die naive Liberale und selbständige Lohnarbeiterin, die für Einkommen schuftet, auf Gegenwehr der örtlichen Bourgeoisie und Feuerwehr, die vom Vermögen lebt.

Die Bewohner der Provinz im Osten von Old England und vor allem die Fischer und sonstigen Einwohner des Fischerdörfchen Hardborough kamen bisland kaum mit den kulturellen Umbrüchen in den fernen urbanen Zentren in Kontakt, geschweigen denn, dass sie damit konfrontiert wurden, wie beisielsweise mit zeitgenössischer Literatur à la „Lolita“ von Vladimir Nabokov oder „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury.

Der von Florence Green gehauchte Wind der Liberalität scheint einige aus ihrer Lethargie zu reißen.

Florence Green findet in dem zurückgezogen lebenden Edmund Brundish (Bill Nighy) eine verwandte Seele, doch in Violet Gamart (Patricia Clarkson), einer Lokalgröße der Bourgeoisie, die eifersüchtig über ihr Einflussgebiet wacht, die Leute auf ihrem Land überwacht und bestraft, aber als Mäzenin Aftergang belohnt, auch eine nicht zu unterschätzende Kontrahentin. Lustig, dass Green ganz in Rot gekleidet der goldklitzernden Dame anfangs ihre Aufwartung macht.

Die Adaption von Penelope Fitzgeralds Roman von 1978 darf als eine Hommage an die Bibliophilie verstanden werden. Doch am Ende siegt die besitzende Klasse über die Büchernärrin. Der liberale Zeitgeist verschwindet in Gestalt der Green übers Wasser, während im Hintergrund Rauch aufsteigt. Ihr Buchladen geht in Flammen auf, angezündet von ihrer rechten Hand, ihrer Schülerhilfe fürs Entstauben und Bringen von Büchern.

Regisseurin Isabel Coixet, die auch das Drehbuch schrieb, gelang einerseits ein eigenständiges Werk einer wagemutigen jungen und hübschen Frau, die ihren Blick in Bücher und nicht auf Männer wirft und an der Kurste der Klassengesellschaft kratzt. Die Fratze gediegener Konversation, hinter der sich die Böswilligkeit der provinziellen Bourgeoisie, des eingebürgerten Establishments verbirgt, entlarvt sich von selbst.

Andererseits spielt Coixet mit Symbolen wie dem Buch „Fahrenheit 451“ ohne die Sache beim Namen zu nennen. Dass die Gesellschaft der Gentlemen-Piraten des zwangsvereinigten Königreiches, das von London aus regiert wird, ein System ist, in dem das gemeine Volk abhängig, anonym und unmündig gehalten wird, das hätte man deutlicher rausstellen können. Zudem ist Coixets Literaturverfilmung kaum von einem Rosamunde-Pilcher-Filmchen zu unterscheiden. Der Berlinale-Beitrag mag für viele Betrachter trotz Emily Mortimerm Bill Nighy und Patricia Clarkson langweilig sein. Vielleicht sind auf der anderen seite die Bilder von Jean-Claude Larrieu wegen dieser Schauspieler sehr sehenswert.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Freiheitskämpfchen in einem Fischerdörfchen in dem Film „Der Buchladen der Florence Green“ von Isabel Coixet von Stefan Pribnow.

Filmografische Angaben

Originaltitel: The Bookshop
Deutscher Titel: Der Buchladen der Florence Green
Land: UK, Spanien, BRD
Jahr: 2017
Regie: Isabel Coixet
Drehbuch: Isabel Coixet basierend auf dem Buch „The Bookshop“ von Penelope Fitzgerald
Musik: Alfonso Vilallonga
Kamera: Jean-Claude Larrieu
Schnitt: Bernat Aragonés
Ton: Albert Gay
Production Design: Llorenç Miquel
Kostüm: Mercè Paloma
Maske: Montse Sanfeliu
Regieassistenz: Luca Vacchi
Casting: Jeremy Zimmermann
Production Managers: Jordi Berenguer, Alex Boyd
Produzenten: Joan Bas, Jaume Banacolocha, Adolfo Blanco, Chris Curling
Ausführende Produzenten: Albert Sagalés, Manuel Monzón, Paz Recolons, Fernando Riera
Co-Produzenten: Jamila Wenske, Sol Bondy
Co-Produktion: One Two Films, Berlin
Schauspieler: Emily Mortimer (Florence Green), Patricia Clarkson (Violet Gamart), Bill Nighy (Edmund Brundish), Honor Kneafsey (Christine), James Lance (Milo North), Harvey Bennett (Wally), Michael Fitzgerald (Mr Raven), Jorge Suquet (Mr Thornton), Hunter Tremayne (Mr Keble), Frances Barber (Jessie), Gary Piquer (Mr Gill), Lucy Tillett (Mrs Gilling), Lana O’Kell (Ivy Welford), Nigel O’Neill (Mr Deben), Toby Gibson (Peter Gipping), Charlotte Vega (Kattie), Mary O’Driscoll (Mrs Keble), Karen Ardiff (Mrs Deben), Rachel Gadd (Female Inspector), Richard Felix (William), Barry Barnes (Inspector Sheppard), Nick Devlin (Harold)
Länge: 112 Minuten
Originalsprache: Englisch




Szene aus dem Film "Die Hände meiner Mutter" von Florian Eichinger.

„Die Hände meiner Mutter“ vor Augen führen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Die Hände meiner Mutter“ von Florian Eichinger ist ein vielschichtiges deutsches Drama, das den Missbrauch von Jungen durch Mütter allen, die ihn gucken, vor Augen führt.

Die nächste Vor-Augen-Führung findet am Donnerstag, den 19. Juli, eine Stunde vor Mitternacht im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) statt. Das ist eine beschissene Sendezeit, aber der beschissene Sender mit Sitz in Mainz bringt wenigstens den Film, weswegen vielen Leuten im Land der Mainzelmännchen das ZDF als nicht ganz so beschissen gilt. Zudem ist sexueller Missbrauch auch von Jungen und jungen Männern keinesfalls ein Tabu, das man knacken müsse, auch wenn die Medientanten und Presseonkels beim ZDF das so schreiben, doch für diese reißerische Werbung und also Lüge kann der Filmemacher Florian Eichinger, welcher die Widersprüche des neben dem Staat größten autoritären Systems Familie vor Augen führen, wenig.

Dazu heißt es in einer Pressemitteilung des ZDF vom 17.7.2018: „Als sein vierjähriger Sohn Adam nach einem Toilettengang mit der Großmutter Renate (Katrin Pollitt) eine kleine Schnittwunde hat, erinnert sich Markus (Andreas Döhler) zum ersten Mal daran, was seine Mutter ihm angetan hat, als er selbst noch ein Kind war. Markus vertraut sich seiner Frau Monika (Jessica Schwarz) an, die zuerst irritiert reagiert, ihn aber dann dabei unterstützt, sich seinen Erinnerungen zu stellen. Markus sucht die Konfrontation mit seiner Mutter und beginnt eine Therapie. Sein offener Umgang mit dem erlebten sexuellen Missbrauch fördert in seiner Ursprungsfamilie weitere Geheimnisse zutage. Obwohl er versucht, alles richtig zu machen, merkt Markus, wie sein Leben und seine Beziehung langsam auseinanderfallen.“

Der 1971 in Ludwigsburg geborene Florian Eichinger, der das Buch schrieb und Regie führte, erhielt für seinen Film 2016 beim Filmfest München, auf dem für den Film die Premiere lief, den Hauptpreis der Reihe Neues Deutsches Kino. Zu Recht!

Filmografische Angaben

Titel: Die Hände meiner Mutter
Ort: Deutschland
Jahr: 2016
Genre: Drama
Buch: Florian Eichinger
Regie: Florian Eichinger
Kamera: Timo Schwarz
Schnitt: Jan Gerold
Musik: André Feldhaus
Ton: Urs Krüger
Schauspieler: Andreas Döhler, Jessica Schwarz, Katrin Pollitt, Heiko Pinkowski, Sebastian Fräsdorf, Katharina Behrens, Tatja Seibt, Peter Maertens, Karin Neuhäuser, Rasmus Dahlstedt und andere
Produzenten: Mike Beilfuß, Florian Eichinger, Matthias Greving, Cord Lappe
Produktion: Kinescope Film GmbH in Zusammenarbeit mit Bergfilm Produktion in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel mit Unterstützung von Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen, Deutscher Filmförderfonds
Länge: 106 Minuten