Tom Marcus: Undercover gegen den Terror.

Wenn einem der Gestank von Pisse entgegenschlägt oder Ein fesselnder Bericht über einen Krieg im Geheimen – Zum Buch „Undercover gegen den Terror“ von Tom Marcus

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Tom Marcus wurde nach den Anschlägen vom 7. Juli 2005 in London rekrutiert. Er verbrachte fünf Jahre bei einer verdeckten Sondereinheit in Nordirland, bevor er nach intensivem Training in der Undercover-Terrorabwehr des MI5 eingesetzt wurde.

„Undercover gegen interne und externe Bedrohungen, den Terror und zum Schutz der größten Geheimnisse des Landes“, dass sei eine „tägliche Entscheidung, die Leben oder Tod bedeuten“, schreibt Marcus. Und der Verlag ergänzt, dass das „ein nie enden wollender Kampf“ gewesen sei, „den viele seiner Kollegen nicht überleben sollten“.

Der 288 Seiten starke Bericht in scheinbar schonungsloser Ich-Erzähler-Manier von Tom Marcus, der schon mit 16 Jahren beim Militär des sich Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland nennenden Staates des Kapitals, des Adels und der Bourgeoisie diente, wurde 2016 unter dem Originaltitel „Soldier Spy“ in englischer Sprache erstveröffentlicht.

Darin lesen wir, dass Marcus, der „bewaffnet in der Welt herumgelaufen war“, nicht nur Pisse roch, sondern auch Scheiße erlebte. Für ihn ist – aus Erfahrung zur Erkenntnis gekommen – „die Welt der Geheimdienste … total beschissen, finster, gefährlich und absolut gnadenlos“. Das kann man so schreiben und auch, dass diese Welt krank macht.

Tom Marcus wurde krank. Für „posttraumatische Belastungsstörungen“ kriege man keine Medaillen um den Hals wie Helden, die im Einsatz die Beine verlieren, resümiert der auch unter Hypervigilanz leidende und Diazepam in hohen Dosen schluckende Soldat und Spion vom Security Service in Thames House im letzten Kapitel seiner „wahren Geschichte als Geheimagent“, das mit „Der Neuanfang“ überschrieben ist.

Bibliographische Angaben

Tom Marcus, Undercover gegen den Terror, Meine wahre Geschichte als Geheimagent beim MI5, 288 Seiten, Deckenband, Verlag: Riva, 1. Auflage München, August 2017, ISBN: 978-3-7423-0187-1, Preis: 19,99 EUR




Sandra Miriam Schneider: Achtsames Schreiben.

Experimente bis der Arzt kommt – Zum Buch „Achtsames Schreiben“ von Sandra Miriam Schneider

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Übers Schreiben ist viel geschrieben worden und seit Sokrates, der selbst nichts Schriftliches von sich gab, ist alles gesagt. Dem Meister aller Meister noch ein Machwerk draufzusetzen, das gleicht meist einem Griff in die Tonne des Diogenes oder einem Griff ins Klo. Ganz wie man möchte.

Vom Hund gebissen: Sandra Miriam Schneider, über die unter einem Bild von Jürgen Salzmann am äußersten Rand der Einbanddecke ihres Buches „Achtsames Schreiben“ zu lesen steht, dass sie Dozentin, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Kreativitätstrainerin, Buchhändlerin, Gründerin und Coachin, ja, Schreibcoachin sei. Na toll!

Schneider schusterte ein Buch voll „Apfelkern und Achtsamkeit“ in nicht drei oder vier Dimensionen, sondern fünf. Fantastisch!

Ihr Körper scheint bei dieser Kopfgeburt mitgeschrieben zu haben, während sie sich aus dem Inneren beobachtet haben muss. Anders kann man sich das nicht erklären. Wahnsinn!

Doch davon, das Verständnislose zu begreifen, rät sie ab. Gut so! „Der Weg ist das Ziel.“ Reicht. Wer sich auf diesem in die „Sechs-Sinne-Woche“ macht, dem dürfte mit Karacho Klassenfahrt garantiert sein.

Womöglich kommt einem beim Lesen dieses Buches sogar die Frage nach dem Sinn in den Sinn. Geht mehr?

Nein, mehr Achterbahn in Warpgeschwindigkeit ohne psychedelische Versuchsanordnung geht nicht.

Wer nicht von halluzinogenen Pilzen ergriffen sein mag, der greife zu diesem Buch aus dem Dudenverlag. Die Wirkung ist äußerst ähnlich.

Schon nach der ersten Seite schweben Schreiberlinge und solche, die es werden wollen, auf Wolke zwölf, als sei man auf einer richtigen Psilocybin-Reise. „Turn on, tune in, drop out“ (freu sich, wer`s kennt)!

Vorsicht: Die sowohl unzähligen als auch unbeschreiblichen „Experimente“ könnten Leser beim Schreiben auf den halluzinogenen Hosenboden holen. Auf jeden Fall dann, wenn`s einer liest. Wuff.

Bibliographische Angaben

Sandra Miriam Schneider, Achtsames Schreiben, Wie Sie Klarheit und Gelassenheit gewinnen, 160 Seiten, Reihe: Kreatives Schreiben, Format: Format: 14,8 x 21,0 cm, Dudenverlag, 1. Auflage, Berlin, März 2018, ISBN: 978-3-411-70557-3, Preis: 15 EUR (D), 15,50 EUR (A)




Die Ladengalerie "Mall of Berlin" in Berlin.

14. Gallery Weekend Berlin – Kunst- oder Ladengalerie, das ist hier die Frage

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Zum 14. Mal findet in Berlin das Gallery Weekend Berlin statt. Doch die Frage, die sich viele Berliner und solche, die es werden wollen, stellen, lautet: Kunst- oder Ladengalerie – wenn überhaupt.

A propos Wochenende. Die Zeit zwischen dem Ende einer Arbeitswoche und dem Beginn einer weiteren Arbeitswoche nennen Normalsterbliche in der Regel Wochenende. Bei immer mehr Lohnarbeitern liegt dieses Wochenende nicht an zwei vollen und lohnarbeitsfreien Tagen, sie kommen nur noch auf einen Tag, den Sonntag.

Die Besserverdienenden hingegen kommen auf ein Wochenende, das am Freitag nach eins beginnt, wenn jeder seins macht. Da bleibt immerhin der Samstag für den großen Einkauf in der Ladengalerie oder dem Discounter.

Die Reichen hingegen, von denen es auch in Berlin immer mehr gibt, haben mehr Tage Wochenende als Woche. Das wird wohl der Grund dafür sein, dass die „Gallery Weekend Berlin“ genannte Veranstaltung bereits am Donnerstag, den 26.4.2018, beginnt und am Sonntag, den 29.4.2018, endet.

Zudem brauchen die kleinen Könige der Kunst vier Tage, um wenigstens ein paar der 47 Galerien abzuklappern, denn das Klappern gehört zum Geschäft mit den Galerien wie die Geschäftemacher. Vier vollgestopfte Tage mit vollgestopften Galerien, die mehr oder weniger überlaufen werden. Das scheint so schweißtreibend wie ein Berlin-Marathon. Ähnlich stinken die Teilnehmer auf diesem Markt der Kunst, die auch ein Schaulaufen ist. Wer`s mag.

Die gute Nachricht für die Gelassenen: die meisten Ausstellungen sind auch noch im Mai zu sehen, wenn die Wichtigtuer weniger sowie Raum und Zeit mehr sind – als wenn die anderen in der Ladengalerie sind.




"Lerne lachen ohne zu weinen" von Kurt Tucholsky.

Tucholsky taugt auch hier und heute gegen den fruchtbaren Schoß des Faschismus – Zum Buch „Lerne lachen ohne zu weinen“ von Kurt Tucholsky

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Lerne lachen ohne zu weinen“ lautet der Titel eines Buches von Kurt Tucholsky aus dem Marixverlag, das dem Andenken Jakopps gewidmet ist.

Der Text des Titels folgt der Ausgabe Berlin 1932, obwohl es im Oktober 1931 in Berlin beim Rowohlt-Verlag erschien. Am 10. Mai 1933 verbrannten die Faschisten auch dieses Werk auf dem Kaiser-Franz-Joseph-Platz, der jedoch Opernplatz genannt wurde und heute als Bebelplatz bekannt ist. Auf dem Platz Unter den Linden vor der Humboldt-Universität verbrannten 70 000 Studenten, Professoren, Mitglieder der SA und SS nicht nur Bücher von Tucholsky, sondern auch von Heinrich Mann und Erich Kästner, Karl Marx und Sigmund Freud. Geplant wurde diese Bücherverbrennung von der Deutschen Studentenschaft.

Spätestens 33 im vergangenen Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung hatten die Anarchisten, Sozialisten und Kommunisten das Lachen längst verlernt. Sozialdemokraten und Christdemokraten beziehungsweise die politischen Katholiken vom Zentrum verlernten das Lachen später. Sie hätten auf Tucholsky hören und ihn 1931 lesen sollen. Dann hätte sie verstanden, dass „alle Ideologen, die im Namen des ‚Volkes‘ Partikularinteressen durchsetzen wollen und so den Einzelnen um Kopf und Kragen bringen“, wie es im Nachwort (S. 401) des mir vorliegenden Buches, aus dem ich gerne zitiere, denn besser könnte ich es nicht formulieren, heißt: „Als wohl verkaufsstärkster, scharfsinnigster und unterhaltsamster politischer Journalist der Weimarer Republik war Tucholsky ein ewiger, aber selten falsch liegender Motzer, und – wenn die Formulierung nur nicht so abgegriffen wäre – ein unbeugsamer Kämpfer für das Gute und Gerechte. Und obwohl er und seine Kollegen der ‚Weltbühne‘ alles in ihrer Macht stehende versucht hatten, um das drohende Unheil abzuwenden, brachte es ihm nichts als Verbitterung, Exil und schließlich den Tod. 1935 starb Tucholsky in Göteborg durch eine Überdosis Schlaftabletten. So wurde das Buch, das Sie in ihren Händen halten, zu seinem letzten.“

Dieses Buch darf ich Ihnen wärmstens empfehlen, denn – um es mit Bertolt Brecht zu sagen, auch wenn es auch abgegriffen klingen mag -: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Der Kampf in der Gesellschaft des aktuellen Kapitalismus, der Klassenkampf von unten gegen die Ausbeuter von Natur und Menschen, gegen die Kriegstreiber in der Presse, den Parteien und Parlamenten scheint eine nie endende Geschichte.

„Was Tucholsky über die gruseligen und bellizistischen Ressentiments schreibt, die sich in den Medien seiner Zeit finden, kann man heute getrost auf weite Teile des Feuilletons und den Zeitgeist der deutschen Intellektuellen übertragen.“ (S. 402). Wohl wahr, dass nach dem Krieg vor dem Krieg ist.

Um für den Frieden kämpfen zu können und wachsam zu sein, hilft dieses Buch.

Bibliographische Angaben

Kurt Tucholsky, Lerne lachen ohne zu weinen, 416 Seiten, gebunden in feines Leinen, Format: 12,5 x 20 cm. Marixverlag, 2. Auflage, Wiesbaden, Oktober 2017, ISBN: 978-3-7374-0980-3, Preis: 16 EUR




"Berlin-Wedding" - Das Fotobuch.

Der Stadtteil der Ausländer und Abgehängten oder Von Muselmanen und Möchtegern – Über das Fotobuch „Berlin-Wedding“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Über alles scheiden sich die Geister, auch über Berlin-Wedding. Die Gelehrten sowieso und dabei mischen die arbeitslosen Akademiker, von denen auch einige im Berliner Stadtteil Wedding wohnen, denn den Bezirk gibt es nicht mehr, der grob nach der bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und dem Fall der Mauer zum französischen Sektor gehörte.

Franzosen und auch Deutsche sind kaum noch da, es sei denn, man zählt auch die Ausländer mit deutschem Pass dazu, dann kommt man knapp auf die Hälfte der heute rund 85 000 Bewohner. Der Rest und dominierend sind Muselmanen aus der Türkei sowie aus allerlei anderen arabischen und afrikanischen Staaten. Die Rest-Deutschen sind die Abgehängten, die aus der Unterschichte, alle anderen sind Ausländer. Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Durch den Wedding kamen auch Fotografen, deren ausgewählte Bilder es in das von Julia Boek und Axel Völcker herausgegebene Fotobuch „Berlin-Wedding“ schafften. Die über 160 Abbildungen auf insgesamt 236 Seiten stammen von Dorothee Deiss, Espen Eichhöfer, Annette Hauschild, Heinrich Holtgeve, Tobias Kruse, Hendrik Lietmann, Julius Matuschik, Dawin Meckel, Thomas Meyer, Andreas Muhs, Frank Schirmeister, Jordis Antonia Schlösser, Ina Schoenenburg, Linn Schröder, Heinrich Völkel und Maurice Weiss. Das im Bielefelder Verlag Kerber im Juli 2017 erschienene Buch wurde – ohne fremdes Moos vor allem im Wedding nix los – vom Bezirksamt Mitte von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Kunst und Kultur und des Amts für Stadtentwicklung zu dem Klein-Wedding jetzt gehört, gefördert.

Wedding? Nix wie weg!

Das vorliegende Buch war quasi der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung „Berlin-Wedding. Ein Stadtteil – 16 fotografische Postionen“, die am 30. Juni 2017 in der Galerie Wedding, Raum für zeitgenössische Kunst, in der Müllerstraße eröffnet wurde und längst wieder Schnee von gestern ist, wie die meisten Versuche, sich aus dem Elend im Wedding zu erlösen. Wer`s kann, der zieht aus dem sich muselmanisierenden Mistmatsch mit Möchtegern und Gernegroß, der von Schlaumeiern, die von „gelebter Vielfalt“, von „gelebter, gesellschaftlicher Diversität“ und von „Gegensätzen“, die sich anziehen würden, faseln, gerne Melting Pot genannt wird, weg. Wohnen im Wedding? An dieser Frage scheiden sich die Geister nicht. Sie antworten: Nix wie weg!

Bibliographische Angaben

Berlin-Wedding, Das Fotobuch – The Photobook, Herausgeber: Axel Völcker und Julia Boek, Texte von Julia Boek, Enno Kaufhold, Sprachen: Deutsch und Englisch, 236 Seiten, 132 farbige und 33 s/w Abbildungen, Hardcover, gebunden, Format: 24,00 x 30,00 cm Verlag: Kerber, 1. Auflage, Bielefeld, Berlin Juli 2017, ISBN: 978-3-7356-0386-9, Preis: 40 EUR, 49,12 CHF




Martin Roth: "Widerrede!"

Im Aftergang von London-Kapitalismus, NATO und EU – Zum Buch „Widerrede!“ von Martin Roth

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wohl wahr, dass „eine Familie … über Populismus, Werte und politisches Engagement“ redet, wie der Untertitel des Buches „Widerrede!“ von Martin Roth, das 2017 in der Gesellschaft mit beschränkter Haftung namens Verlag und Buchhandlung der Evangelischen Gesellschaft erschien, andeutet.

Dabei ist bereits die GmbH einer dieser Widersprüche und zugleich eine von vielen Erscheinungsformen einer Gesellschaft der Ware und des Spektakels, auch wenn bei der Aufzählung wirklich wichtiger Wesensmerkmale der aktuellen kapitalistischen Gesellschaft der Shareholder Value heute bei vielen Rednern an erster Stelle steht. Doch der ist nur die Spitze des Eisbergs, der sich im Jahrhunderte währenden Verhältnis von Reichtum und Religion herauskristallisiert hat.

Nein, nichts davon steht in Roths Widerrede, die in der Schublade Idealismus verschwinden kann, weil falsches Erklären schlicht das Ergebnis von falschem Verstehen ist. Dass die Kritik daraufhin in einem „Plädoyer für eine neue, intensive Diskussion zwischen den Generationen und mehr Engagement für unsere Demokratie“ (sic!) besteht, um Bestehendes wie die EU zu bewahren, das wundert wenig. Richtig, Martin Roth bedauert den Brexit. Ich würde mich sogar über den Untergang der übrig gebliebenen Großbriten samt ihres mit Kreuz und Knute zwangsvereinigten Königreiches freuen. Fuck dem London-Kapitalismus!

Nebenbei bemerkt gilt das viel zitierte „Fuck the EU“ von US-Amerikanern wie Victoria Nuland auch für die Belogenen und Betrogenen auf dieser Seite des NATO-Atlantiks und das mehr denn je. Mit anderen Worten: Scheiß auf die EU, aber voll! Denn die EU dient wie die NATO dazu, die Deutschen zu kontrollieren, klein zu halten und kaputt zu machen.

Der Inhalt des annähernd 100 Seiten im ungefähren A5-Format umfassenden Buches, das sich in Vorwort und Einleitung, Hauptteil mit Reden über Deutschland, Europa, die Welt und Interview sowie einen Schluss, in dem es heißt, dass Johanna Henkel-Waldhofer „den roten Faden der „Widerrede!“ ersonnen, „die Diskussionen der Familien“ koordiniert und „die Texte“ zusammengeführt habe, gliedert, gibt darüber keine Auskunft.

Das Nachwort beinhaltet zudem Danksagungen und den Hinweis, dass es zu dem Buch „digitale Seiten“ gebe und zwar unter www.widerrede-buch.de, auf denen sowohl „Anregungen für das eigene Engagement“ als auch „Adressen von Initiativen und Aktionen zusammengestellt“ seien.

Denn darauf zielt das Buch, das durchaus als „Appell für mehr politisches Engagement“ verstanden werden kann, ab: mit der NATO und der EU zu gehen wie mit der Konjunktur des Kapitals. Das aber ist widerlicher Aftergang und weder Widerrede noch Widerstand.

Bibliographische Angaben

Martin Roth, Widerrede!, Eine Familie diskutiert über Populismus, Werte und politisches Engagement, 95 Seiten, Verlag und Buchhandlung der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart, 1. Auflage, Stuttgart 2017, ISBN: 978-3-945369-45-6




"Ich distanziere mich von allem" von und mit Kat Kaufmann.

„Ich distanziere mich von allem“ von und mit Kat Kaufmann

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Selten so gelacht. Der Theaterdiscounter in Berlin bringt am 21. und 22. Februar 2018 ab 20 Uhr ein Stück mit dem tollen Titel „Ich distanziere mich von allem“ von Kat Kaufmann.

Da möchte man glatt mitmachen.

Und auch der Untertitel „Und jetzt gut‘ Nacht“ ist nicht von schlechten Eltern und bei Tagen wie diesen von der Hand zu weisen.

Worum es geht? Mehr wissen wir auch nicht, zitieren aber gerne wie folgt das, was wir und alle anderen auch auf der Heimatseite des Theaterdiscounters lesen können: „Kat Kaufmann, Kultautorin von Superposition, klickt sich mit ihrer neuesten Figur Alina durch das Leben und die Netzblase im Postfeminismus. Die Generation Y befragt ihre Whys, gefangen zwischen Selbstinszenierung, Kontrolle und Optimierungszwang. Als Youtuberin postet sie Schminktutorials, DIYs und Lifestyle-Ratgeber. Da ist alles dabei. Und ja, Mama, damit kann man jetzt Geld verdienen! Von zuhause und direkt am Computer. Immer auf Sendung: Selfies überall.

Gemeinsam mit Marie Bues vom Stuttgarter Theater RAMPE und Schauspielerin Rachel Behringer vom Theater Lübeck entwickelt Kat Kaufmann ein weibliches Solo über freies Denken jenseits von Normierungen und Geschlechter-zuschreibungen in einer von Algorithmen kontrollierten Welt. Erinnerungen an das Vertraute in der eigenen Vergangenheit schleichen sich in die befremdliche Gegenwart; Text, Bilder und Musik vermischen sich – innen und außen. Und immer habe ich diesen einen Traum, wie ich falle und falle, aus dem Fenster, und es ist verdammt weit und ich sehe mein Gesicht in der Kamera und ich lächle, und darüber steht: Alina war live.

Aha, Kat Kaufmann „klickt“ selbst.

Bei so viel wohlwollende Werbung muss ich mir das Stück von und mit Kat Kaufmann wohl in einer der beiden Nächte reinpfeifen.




Vorhang auf, Bühne frei. Und immer schon fair.

Überflüssiges Gerede oder Irgendetwas mit fair und Film

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit Wochen wirft die Berlinale ihre Schatten voraus. Bald gehen die Lichter an Roten Teppichen und in Lichtspielhäusern an. Kino total. 400 Filme. Und immer dabei: das Lumpenproletariat. Hier und heute ist von Leuten die Rede, die ganz hinten, am Ende, am Arsch der Gesellschaft und in der Regel immer anstehen. Manche haben einen elenden Abstieg hinter sich, manche kamen nie hoch.

Ruinierte Kleinbürger und Proletarier, die in Leiderkleidern auf dem Filmfest lümmeln, allerlei Tagelöhner und Gagenabkassierer, Almosenempfänger und Hungerleider tummeln sich in den kommenden Tagen rund um den Marlene-Dietrich-Platz in Berlin, wo die Herzkammer der Berlinale schlägt. Manche meinen, das sei der Auspuff.

Allerlei Enddarm ist auch dabei, wie das von Crew United am 15. Februar 2018 in Berlin veranstaltete Diskussionsforum „Film but Fair – Impulse, Diskussion und Preisverleihung FairFilmAward 2018“.

Schon der Titel der Veranstaltung lässt einem kritischen Kritiker die Fußnägel kringeln. Von „but“ und „Fairness“ ist die Rede bei denen, die von Freiheit nach dem Prinzip der Gleichheit keinen Begriff zu bilden in der Lage und Willens scheinen.

Kein Wunder, dass die Crew United genannte Veranstaltung Unterstützung von „der Pensionskasse Rundfunk und dem Medienboards Berlin-Brandenburg sowie „über 30 Branchenverbänden und Verdi“ fand. Letztere Veranstaltungen sind nämlich Teil des Problems und nicht der Lösung.

Wer nichts besseres zu erledigen hat als sich selbst, der lasse sich einladen, um Erzählungen über die „Kreativbranche“ im Allgemeinen, „Leuchtturmbeispiele“ im Besonderen sowie „der Prekarisierung von Film- und Fernsehschaffenden“ par excellence zu lauschen und der Verleihung des Fair-Film-Awards zu folgen. Vielleicht gibt es anschließend wenigstens Speis und Trank für lau. Mehr als eine Suppenküche ist für viele der Belogenen und Betrogenen die Berlinale nicht. Ihnen geschieht wie geschehen: sie werden abgespeist.

Fürs Palaver am 15. Februar 2018 von 16.30 bis 19 Uhr im Kesselhaus der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin, das „per Livestream“ auf www.out-takes.de und www.facebook.com/crewunited übertragen werden soll, wurden nachstehende Personen als „bestätigte Gäste“ per Pressemitteilung vom 8.2.2018 durch eine PR-Agentur wie folgt verkündet: Prof. Carl Bergengruen, Geschäftsführer MFG Baden-Württemberg, Jutta Brückner, Regisseurin und Autorin, Fabian Eder, Vorstandsvorsitzender des Dachverbands der österreichischen Filmschaffenden und der Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden VdFS GenmbH, Lisa Jopt, Schauspielerin und Vorsitzende des ensemble-netzwerks e.V., Alexander Thies, Vorsitzender des Gesamtvorstands der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen e.V., Frank Werneke, Stellvertretender Bundesvorsitzender der ver.di und Magdalena Ziomek-Frackowiak, Geschäftsführung und Vorstand SMartDe eG. Moderiert werde das Palaver von Lisa Basten (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Autorin von „Wir Kreative!“) und Rüdiger Suchsland (Filmkritiker, Regisseur und Cultural Activist).

Ist das noch Enddarm oder schon Ausscheidung?




"Moving Lines".

„Moving Lines“ im Felleshus in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Moving Lines“. Vom 9. Februar bis zum 15. April zeigt die Schwedische Botschaft die interaktive Klangkunstausstellung „Lines“ des Künstlers Anders Lind im Berliner Felleshus.

Lind ist zwar Klangkünstler, Komponist und Dozent für Musik am Institut für Ästhetik und Kreativität an der Universität Umeå in Schweden, doch er zeigt Linien an der Wand, auf dem Boden und von der Decke hängend die in Kombination mit Sensoren und Elektronik drei originelle Musikinstrumente bilden würden, die mithilfe des Körpers zum Klingen gebracht werden würden. Um sie zu spielen, würde es einerseits „keiner musikalischen Vorkenntnisse“ bedürfen, andererseits böten die Instrumente „aber auch erfahrenen Musiker/innen und Komponist/innen … neue musikalische Herausforderungen und Möglichkeiten“.

Drei Tänzer/innen und die Choreografin Canan Erek werden eine Woche lang dieses Kunstwerk ergänzen und, wie es auf der Webseite Nordische Botschaften heißt, „sich der Herausforderung stellen, die tänzerische Bewegung im Raum mit den musikalischen Linien im wahrsten Sinne des Wortes in Einklang zu bringen“.

Das erinnert beim Lesen schmerzhaft an die Erzählung, manche Menschen könnten ihren Namen tanzen oder es zumindest versuchen, aber hören oder sehen Sie selbst!

An zwei Samstagen würden die Tänzer/innen ihre Ergebnisse in einem Showcase präsentieren und anschließend zum Ausprobieren einladen. Mitmachen beim Musizieren und zwar ohne Vorkenntnisse!

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Veranstaltung vom 9. Februar bis 15. April 2018 im Felleshus der Nordischen Botschaften, Rauchstraße 1, 10787 Berlin.




Mehr nackte Nymphen – oder weniger?

Manchester, UK (Kulturexpresso). Wer kennt außerhalb von Manchester die Kunstgalerie in Manchester? Niemand? Jetzt schon, denn die Verantwortlichen hängten ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert wegen der Darstellung von Frauen als nackte Nymphen darin ab.

Sie entfernten das Gemälde „Hylas and the Nymphs“ (1896) von dem englischen Maler John William Waterhouse aus ihrer Ausstellung.

Darin wird eine Szene aus der antiken Mythologie, in der ein junger Mann von mehreren nackten Nymphen in einen Teich in den Tod gelockt wird, gezeigt.

Kuratorin Clare Gannaway von der Manchester Art Gallery behauptete in einer Pressemitteilung, dass von Zensur keine Rede sein könne.

Mehr unter http://manchesterartgallery.org/blog/presenting-the-female-body-challenging-a-victorian-fantasy/