"Die Gerechten" von Albert Camus im Berliner Maxim-Gorki-Theater.

Das Drama „Die Gerechten“ von Albert Camus demnächst am Maxim-Gorki-Theater in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Nicht nur für mich wird es mal wieder Zeit, das Drama „Die Gerechten“ von Albert Camus zu sehen und über das Theaterstück, das auf einer wahren Begebenheit basiert, nachzudenken.

1905 verübte die Terror-Truppe (oder Freiheitskämpfer, d.I.d.t.? der Sozialrevolutionäre in Moskau einen Anschlag auf den russischen Großfürsten Sergei. „1931 wurden“ laut Wikipedia „bei Payot in Paris in französischer Übersetzung die von Boris Savinkov 1909 veröffentlichten und 1917 ergänzten Erinnerungen eines Terroristen publiziert“, die Camus gelesen haben muss wie auch den 1933 von Irène Némirovsky geschriebenen Roman L’affaire Courilof (Der Fall Kurilow, 1995). Daraus zog der französischer Schriftsteller und Philosoph, Nobelpreisträger für Literatur und Existentialist Camus den Stoff für sein Drama in fünf Akten.

Das Drama in der Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel wird unter der Regie von Sebastian Baumgarten neu aufgelegt. Am Samstag, den 29. September, soll um 19.30 Uhr auf der Bühne des Maxim-Gorki-Theaters Premiere sein und auf der Bühne sollen Mazen Aljubbeh, Jonas Dassler, Lea Draeger, Aram Tafreshian und Till Wonka stehen.

In einer Pressemitteilung der Maxim-Gorki-Theaters vom 12.9.2018 heißt es zur Premierenankündigung: „Die Gerechten von Albert Camus ist einerseits ein spannender politischer Kriminalfall auf Basis einer wahren Geschichte: des Attentats 1905 auf den Großfürsten und Zarenonkel Sergej, mit dem russische Revolutionäre der staatlichen Barbarei ein Ende setzen wollten. Auf der anderen Seite verstrickt Camus mit diesem Stück über Terrorismus seine Figuren in den Widerspruch zwischen Rechtfertigung der Gewalt und dem Tragen persönlicher Schuld. Sebastian Baumgarten sucht mit Camus in der russischen Geschichte nach einem Verstärker, der die aktuellen Kollisionen erfahrbar macht.“

Anmerkung:

Mehr zum Drama „Die Gerechten“ von Albert Camus nachdem ich das Stück gesehen habe.

d.I.d.t. = der Idiot der tippt




Der Buchladen der Florence Green

Emily Mortimer und Bill Nighy beim Freiheitskämpfchen in einem Fischerdörfchen gegen Patricia Clarkson – Zum Rosamunde-Pilcher-Filmchen „Der Buchladen der Florence Green“ von Isabel Coixet

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Schauspieler Emily Mortimer, Bill Nighy und Patricia Clarkson versprechen Klasse in einem Kinofilm, der die Klassenfrage kratzt.

Auf der 68. Berlinale lief im Februar 2018 ein wenig beachteter aber durchaus beachtlicher Beitrag aus dem kleiner gewordenen Großbritannien, nebenbei bemerkt auch aus Spanien und Deutschland, der im Jahr 2017 produziert wurde. Bei „Der Buchladen der Florence Green“ handelt es sich um eine klassische Literaturverfilmung von Isabel Coixet, die nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb und zwar auf Basis des Buches „The Bookshop“ von Penelope Fitzgerald.

Coixets Geschichte ist schnell erzählt. Ende der Neunzehnhundertfünfzigerjahre will die junge Witwe Florence Green, ihr Mann starb im letzten Krieg, ihre Trauer hinter sich lassen und einen lang gehegten Traum zu wirklichen. Sie kauft ein verwittertes Haus in dem verschlafenen englischen Küstenort Hardborough in Suffolk am Mare Germanicum und eröffnet darin gegen anfängliche leichte Widerstände eine Buchhandlung. Dass das Vorurteile und schlafende Hunde weckt, das glaubt der Zustauer gerne und so stößt die naive Liberale und selbständige Lohnarbeiterin, die für Einkommen schuftet, auf Gegenwehr der örtlichen Bourgeoisie und Feuerwehr, die vom Vermögen lebt.

Die Bewohner der Provinz im Osten von Old England und vor allem die Fischer und sonstigen Einwohner des Fischerdörfchen Hardborough kamen bisland kaum mit den kulturellen Umbrüchen in den fernen urbanen Zentren in Kontakt, geschweigen denn, dass sie damit konfrontiert wurden, wie beisielsweise mit zeitgenössischer Literatur à la „Lolita“ von Vladimir Nabokov oder „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury.

Der von Florence Green gehauchte Wind der Liberalität scheint einige aus ihrer Lethargie zu reißen.

Florence Green findet in dem zurückgezogen lebenden Edmund Brundish (Bill Nighy) eine verwandte Seele, doch in Violet Gamart (Patricia Clarkson), einer Lokalgröße der Bourgeoisie, die eifersüchtig über ihr Einflussgebiet wacht, die Leute auf ihrem Land überwacht und bestraft, aber als Mäzenin Aftergang belohnt, auch eine nicht zu unterschätzende Kontrahentin. Lustig, dass Green ganz in Rot gekleidet der goldklitzernden Dame anfangs ihre Aufwartung macht.

Die Adaption von Penelope Fitzgeralds Roman von 1978 darf als eine Hommage an die Bibliophilie verstanden werden. Doch am Ende siegt die besitzende Klasse über die Büchernärrin. Der liberale Zeitgeist verschwindet in Gestalt der Green übers Wasser, während im Hintergrund Rauch aufsteigt. Ihr Buchladen geht in Flammen auf, angezündet von ihrer rechten Hand, ihrer Schülerhilfe fürs Entstauben und Bringen von Büchern.

Regisseurin Isabel Coixet, die auch das Drehbuch schrieb, gelang einerseits ein eigenständiges Werk einer wagemutigen jungen und hübschen Frau, die ihren Blick in Bücher und nicht auf Männer wirft und an der Kurste der Klassengesellschaft kratzt. Die Fratze gediegener Konversation, hinter der sich die Böswilligkeit der provinziellen Bourgeoisie, des eingebürgerten Establishments verbirgt, entlarvt sich von selbst.

Andererseits spielt Coixet mit Symbolen wie dem Buch „Fahrenheit 451“ ohne die Sache beim Namen zu nennen. Dass die Gesellschaft der Gentlemen-Piraten des zwangsvereinigten Königreiches, das von London aus regiert wird, ein System ist, in dem das gemeine Volk abhängig, anonym und unmündig gehalten wird, das hätte man deutlicher rausstellen können. Zudem ist Coixets Literaturverfilmung kaum von einem Rosamunde-Pilcher-Filmchen zu unterscheiden. Der Berlinale-Beitrag mag für viele Betrachter trotz Emily Mortimerm Bill Nighy und Patricia Clarkson langweilig sein. Vielleicht sind auf der anderen seite die Bilder von Jean-Claude Larrieu wegen dieser Schauspieler sehr sehenswert.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Freiheitskämpfchen in einem Fischerdörfchen in dem Film „Der Buchladen der Florence Green“ von Isabel Coixet von Stefan Pribnow.

Filmografische Angaben

Originaltitel: The Bookshop
Deutscher Titel: Der Buchladen der Florence Green
Land: UK, Spanien, BRD
Jahr: 2017
Regie: Isabel Coixet
Drehbuch: Isabel Coixet basierend auf dem Buch „The Bookshop“ von Penelope Fitzgerald
Musik: Alfonso Vilallonga
Kamera: Jean-Claude Larrieu
Schnitt: Bernat Aragonés
Ton: Albert Gay
Production Design: Llorenç Miquel
Kostüm: Mercè Paloma
Maske: Montse Sanfeliu
Regieassistenz: Luca Vacchi
Casting: Jeremy Zimmermann
Production Managers: Jordi Berenguer, Alex Boyd
Produzenten: Joan Bas, Jaume Banacolocha, Adolfo Blanco, Chris Curling
Ausführende Produzenten: Albert Sagalés, Manuel Monzón, Paz Recolons, Fernando Riera
Co-Produzenten: Jamila Wenske, Sol Bondy
Co-Produktion: One Two Films, Berlin
Schauspieler: Emily Mortimer (Florence Green), Patricia Clarkson (Violet Gamart), Bill Nighy (Edmund Brundish), Honor Kneafsey (Christine), James Lance (Milo North), Harvey Bennett (Wally), Michael Fitzgerald (Mr Raven), Jorge Suquet (Mr Thornton), Hunter Tremayne (Mr Keble), Frances Barber (Jessie), Gary Piquer (Mr Gill), Lucy Tillett (Mrs Gilling), Lana O’Kell (Ivy Welford), Nigel O’Neill (Mr Deben), Toby Gibson (Peter Gipping), Charlotte Vega (Kattie), Mary O’Driscoll (Mrs Keble), Karen Ardiff (Mrs Deben), Rachel Gadd (Female Inspector), Richard Felix (William), Barry Barnes (Inspector Sheppard), Nick Devlin (Harold)
Länge: 112 Minuten
Originalsprache: Englisch




Szene aus dem Film "Die Hände meiner Mutter" von Florian Eichinger.

„Die Hände meiner Mutter“ vor Augen führen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Die Hände meiner Mutter“ von Florian Eichinger ist ein vielschichtiges deutsches Drama, das den Missbrauch von Jungen durch Mütter allen, die ihn gucken, vor Augen führt.

Die nächste Vor-Augen-Führung findet am Donnerstag, den 19. Juli, eine Stunde vor Mitternacht im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) statt. Das ist eine beschissene Sendezeit, aber der beschissene Sender mit Sitz in Mainz bringt wenigstens den Film, weswegen vielen Leuten im Land der Mainzelmännchen das ZDF als nicht ganz so beschissen gilt. Zudem ist sexueller Missbrauch auch von Jungen und jungen Männern keinesfalls ein Tabu, das man knacken müsse, auch wenn die Medientanten und Presseonkels beim ZDF das so schreiben, doch für diese reißerische Werbung und also Lüge kann der Filmemacher Florian Eichinger, welcher die Widersprüche des neben dem Staat größten autoritären Systems Familie vor Augen führen, wenig.

Dazu heißt es in einer Pressemitteilung des ZDF vom 17.7.2018: „Als sein vierjähriger Sohn Adam nach einem Toilettengang mit der Großmutter Renate (Katrin Pollitt) eine kleine Schnittwunde hat, erinnert sich Markus (Andreas Döhler) zum ersten Mal daran, was seine Mutter ihm angetan hat, als er selbst noch ein Kind war. Markus vertraut sich seiner Frau Monika (Jessica Schwarz) an, die zuerst irritiert reagiert, ihn aber dann dabei unterstützt, sich seinen Erinnerungen zu stellen. Markus sucht die Konfrontation mit seiner Mutter und beginnt eine Therapie. Sein offener Umgang mit dem erlebten sexuellen Missbrauch fördert in seiner Ursprungsfamilie weitere Geheimnisse zutage. Obwohl er versucht, alles richtig zu machen, merkt Markus, wie sein Leben und seine Beziehung langsam auseinanderfallen.“

Der 1971 in Ludwigsburg geborene Florian Eichinger, der das Buch schrieb und Regie führte, erhielt für seinen Film 2016 beim Filmfest München, auf dem für den Film die Premiere lief, den Hauptpreis der Reihe Neues Deutsches Kino. Zu Recht!

Filmografische Angaben

Titel: Die Hände meiner Mutter
Ort: Deutschland
Jahr: 2016
Genre: Drama
Buch: Florian Eichinger
Regie: Florian Eichinger
Kamera: Timo Schwarz
Schnitt: Jan Gerold
Musik: André Feldhaus
Ton: Urs Krüger
Schauspieler: Andreas Döhler, Jessica Schwarz, Katrin Pollitt, Heiko Pinkowski, Sebastian Fräsdorf, Katharina Behrens, Tatja Seibt, Peter Maertens, Karin Neuhäuser, Rasmus Dahlstedt und andere
Produzenten: Mike Beilfuß, Florian Eichinger, Matthias Greving, Cord Lappe
Produktion: Kinescope Film GmbH in Zusammenarbeit mit Bergfilm Produktion in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel mit Unterstützung von Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen, Deutscher Filmförderfonds
Länge: 106 Minuten




Ein Länderporträt über Georgien von Dieter Boden.

Georgien, die einst „fröhlichste Baracke im Lager der Sowjetrepubliken“ – Ein Länderporträt von Dieter Boden

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Wer Georgien überlebt, der macht fünf Kreuze. Genau so viele sind auf der Flagge des Staates Georgien zu sehen, in dem auch Armenier und Aserie, aber auch Osseten, Russen und Griechen zuhause sind. Doch die Abchasier, die in der „Republik Abchasien“ ihr Zuhause gefunden zu haben scheinen, und die Osseten, die mittlerweile in Südossetien leben, wollen so überhaupt nichts mit den Georgiern zu tun haben. So ist das im und um den Kaukasus. Zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meer geht es halt hoch her.

Dort, wo 327 nach unserer Zeitrechnung das Christentum unter dem georgischen König Mirian Staatsreligion wurde, mussten sich die Einwohner oft gegen einfallende Araber, Mongolen, Perser, Osmanen und Russen wehren. Selten genug gelang das, so dass Georgien diesen und jenen Eroberern gehorchen mussten.

Davon wird auch der 1940 geborene Dieter Boden ein Lied singen können, der Dr. phil., der nach seinem Studium der Slawistik, Anglistik und Politologie an den Universitäten Münster und Hamburg in den Staatsdienst eintrat, genauer gesagt: ins Auswärtige Amt. Seine Einsätze führten ihn in den Kaukasus, 1995/96 und von 1999 bis 2002 leitete Boden OSZE- und UN-Missionen in Georgien. 2009/10 fungierte er als außenpolitischer Berater der kasachischen Regierung. Noch heute engagiert sich Boden „im Rahmen zivilgesellschaftlicher Projektarbeit im Kaukasus“, worauf der Verlag Ch. Links hinweist.

„O sind, Du Schöne, sing mir nicht,
Georgiens wehmutsvolle Lieder.
Sie wecken wie ein Traumgesicht mir
fernes Land und Leben wieder.“

Das schrieb der russische Schriftsteller Alexander Puschin 1828 und damit beginnt Dieter Boden, der 1969 zum ersten Mal in dieses Land kam, in dem er „später über mehrere Jahre lebte (S. 9) sein 200 Seiten umfassendes Länderporträt Georgien, dessen Kurs laut Boden „konsequent auf die Integration in die Europäische Union gerichtet“ sei (S. 20f.). In seiner Einführung bemerkt Boden, dass Georgien „insbesondere seit dem 19. Jahrhundert mit Deutschland … besondere Beziehungen“ pflege. „Bereits in den 1810er Jahren ließen sich deutsche Siedler in Georgien nieder, später wandten sich die kulturellen und geistigen Eliten Georgiens engagiert Deutschland zu. Selbst in der Sowjetunion wurde wohl nirgend so intensiv Deutsch gelernt wie in Georgien; die Germanistische Fakultät an der Staatsuniversität von Tbilissi genoss einen exzellenten Ruf, der weit über die Grenzen der georgischen Sowjetrepublik hinausreichte. Trotz der tiefen Zäsur durch den Zweiten Weltkrieg wirkt diese Tradition bis in unsere Zeit fort.“

Im Folgenden berichtet Boden über „Georgien im Umbruch“ seit der Unabhängigkeit von 1991, wirf einen „Blick zurück in die Geschichte“, vor allem auf die mit Russen und unter Stalin, gewährt seine Betrachtung auf „Georgien in jüngerer Zeit“ unter Schewardnadse, Saakaschwili und Iwanischwili, informiert über „Die Sezessionskonflikte um Abchasien und Südossetien“, befasst sich mit der „Hauptstadt Tbilissi“, „Der Vielfalt der Regionen“, „Georgiens Wirtschaft“, „Kultur und Religion“ sowie „Lebensart und Mentalität“. „Deutsch-georgische Begegnungen“ beschließen das beachtliche, sachlichdienliche und in einfacher Sprache geschriebene Buch, für das der Autor auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin einen Preis erhielt.

Bibliographische Angaben

Dieter Boden, Georgien, Ein Länderporträt, 200 Seiten, Klappenbroschur, Format: 12,5 x 20,5 cm, eine Karte, Ch.-Links-Verlag, 1. Auflage, Berlin Mai 2018, ISBN: 978-3-86153-994-0, Preis: 18 EUR (D)




Habemus Berlinale-Pärchen: Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Italiener und eine Holländerin sollen in die Fußstapfen von Dieter Kosslick treten, der seit dem 1. Mai 2001 Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin ist. Kosslicks Vertrag läuft im Frühling 2019 aus.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte vor ein paar Wochen, dass sie sich als Nachfolger zwei wünsche. „Ich persönlich befürworte eine Doppelspitze, nach dem Vorbild anderer Festivals“, sagte sie dem Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND) Mitte Mai 2018. Sie verriet, dass sie „mit vielen, auch internationalen Bewerbern …, mit Produzenten, Regisseuren, Schauspielern und Festivalkennern“ gesprochen habe und zeigte sich „zuversichtlich, im Sommer das Ergebnis der Findungskommission präsentieren zu können“.

Weißer Rauch stieg nun auf. Habemus Berlinale-Pärchen. Am 22. Juni 2018 stimmte laut Pressemitteilung (22.6.2018) „der Aufsichtsrat der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB) dem Vorschlag der Findungskommission“ zu, „Carlo Chatrian als künstlerischen Direktor und Mariette Rissenbeek als Geschäftsführerin der Internationalen Filmfestspiele Berlin ab 2020 zu berufen“.

Chatrian habe bereits beim Filmfestival in Locarno sein kuratorisches Können bewiesen, behaupten die einen und hoffen auf bessere Zeiten für die Berlinale. Doch was soll besser werden? Das Publikum erscheint bereits in Massen zum größten Publikumsfilmfestival der Welt. Sollen es noch mehr werden oder wieder weniger?

Die Sektionen der Berlinale nahmen unter Kosslick zu. Sie verdoppelten sich und das war richtig und wichtig. Sollen es noch mehr werden oder wieder weniger?

Warum muss es ein Italiener sein? Was soll das?! Gibt es keinen Deutschen oder besser noch einen waschechten Berliner, der die Berlinale leiten kann? Wenn die Berlinale berlinerischer wäre und weniger schwul und lesbisch, das wäre schon eine gute Besserung.

Leute, die sich für Kritiker halten, lamentieren, die Berlinale müsse „jünger, frecher, internationaler, experimentierfreudiger“ werden. Jung und alt, frech und fromm, national und vor allem international, bodenständig und abgehoben, alles war immer auf der Berlinale vertreten. Gibt es überhaupt noch ein Tabu, das noch nicht geknackt wurde? Wenn die Filmemacher dieser Welt weniger Wert auf Experimentierfreudigkeit und mehr auf handwerkliches Können legen würden, dann wäre auch der Berlinale geholfen.

Und wer meint, dass der Fall Holländerin Rissenbeek nur ein Geschmäckle habe, der ist ein Käsköpp. Das geht gar nicht.

Die als Managing Director auf der Website der German Films Service + Marketing GmbH geführte Mariette Rissenbeek gehört nicht nur dem Aufsichtsrat der bundeseigenen Gesellschaft KBB an, sie sitzt auch in der Findungskommission, die die KBB Ende 2017 eingesetzt hatte.

Schon jetzt startet das Berlinale-Pärchen mit einer Panne. Schöne Scheiße!




Tom Marcus: Undercover gegen den Terror.

Wenn einem der Gestank von Pisse entgegenschlägt oder Ein fesselnder Bericht über einen Krieg im Geheimen – Zum Buch „Undercover gegen den Terror“ von Tom Marcus

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Tom Marcus wurde nach den Anschlägen vom 7. Juli 2005 in London rekrutiert. Er verbrachte fünf Jahre bei einer verdeckten Sondereinheit in Nordirland, bevor er nach intensivem Training in der Undercover-Terrorabwehr des MI5 eingesetzt wurde.

„Undercover gegen interne und externe Bedrohungen, den Terror und zum Schutz der größten Geheimnisse des Landes“, dass sei eine „tägliche Entscheidung, die Leben oder Tod bedeuten“, schreibt Marcus. Und der Verlag ergänzt, dass das „ein nie enden wollender Kampf“ gewesen sei, „den viele seiner Kollegen nicht überleben sollten“.

Der 288 Seiten starke Bericht in scheinbar schonungsloser Ich-Erzähler-Manier von Tom Marcus, der schon mit 16 Jahren beim Militär des sich Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland nennenden Staates des Kapitals, des Adels und der Bourgeoisie diente, wurde 2016 unter dem Originaltitel „Soldier Spy“ in englischer Sprache erstveröffentlicht.

Darin lesen wir, dass Marcus, der „bewaffnet in der Welt herumgelaufen war“, nicht nur Pisse roch, sondern auch Scheiße erlebte. Für ihn ist – aus Erfahrung zur Erkenntnis gekommen – „die Welt der Geheimdienste … total beschissen, finster, gefährlich und absolut gnadenlos“. Das kann man so schreiben und auch, dass diese Welt krank macht.

Tom Marcus wurde krank. Für „posttraumatische Belastungsstörungen“ kriege man keine Medaillen um den Hals wie Helden, die im Einsatz die Beine verlieren, resümiert der auch unter Hypervigilanz leidende und Diazepam in hohen Dosen schluckende Soldat und Spion vom Security Service in Thames House im letzten Kapitel seiner „wahren Geschichte als Geheimagent“, das mit „Der Neuanfang“ überschrieben ist.

Bibliographische Angaben

Tom Marcus, Undercover gegen den Terror, Meine wahre Geschichte als Geheimagent beim MI5, 288 Seiten, Deckenband, Verlag: Riva, 1. Auflage München, August 2017, ISBN: 978-3-7423-0187-1, Preis: 19,99 EUR




Sandra Miriam Schneider: Achtsames Schreiben.

Experimente bis der Arzt kommt – Zum Buch „Achtsames Schreiben“ von Sandra Miriam Schneider

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Übers Schreiben ist viel geschrieben worden und seit Sokrates, der selbst nichts Schriftliches von sich gab, ist alles gesagt. Dem Meister aller Meister noch ein Machwerk draufzusetzen, das gleicht meist einem Griff in die Tonne des Diogenes oder einem Griff ins Klo. Ganz wie man möchte.

Vom Hund gebissen: Sandra Miriam Schneider, über die unter einem Bild von Jürgen Salzmann am äußersten Rand der Einbanddecke ihres Buches „Achtsames Schreiben“ zu lesen steht, dass sie Dozentin, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Kreativitätstrainerin, Buchhändlerin, Gründerin und Coachin, ja, Schreibcoachin sei. Na toll!

Schneider schusterte ein Buch voll „Apfelkern und Achtsamkeit“ in nicht drei oder vier Dimensionen, sondern fünf. Fantastisch!

Ihr Körper scheint bei dieser Kopfgeburt mitgeschrieben zu haben, während sie sich aus dem Inneren beobachtet haben muss. Anders kann man sich das nicht erklären. Wahnsinn!

Doch davon, das Verständnislose zu begreifen, rät sie ab. Gut so! „Der Weg ist das Ziel.“ Reicht. Wer sich auf diesem in die „Sechs-Sinne-Woche“ macht, dem dürfte mit Karacho Klassenfahrt garantiert sein.

Womöglich kommt einem beim Lesen dieses Buches sogar die Frage nach dem Sinn in den Sinn. Geht mehr?

Nein, mehr Achterbahn in Warpgeschwindigkeit ohne psychedelische Versuchsanordnung geht nicht.

Wer nicht von halluzinogenen Pilzen ergriffen sein mag, der greife zu diesem Buch aus dem Dudenverlag. Die Wirkung ist äußerst ähnlich.

Schon nach der ersten Seite schweben Schreiberlinge und solche, die es werden wollen, auf Wolke zwölf, als sei man auf einer richtigen Psilocybin-Reise. „Turn on, tune in, drop out“ (freu sich, wer`s kennt)!

Vorsicht: Die sowohl unzähligen als auch unbeschreiblichen „Experimente“ könnten Leser beim Schreiben auf den halluzinogenen Hosenboden holen. Auf jeden Fall dann, wenn`s einer liest. Wuff.

Bibliographische Angaben

Sandra Miriam Schneider, Achtsames Schreiben, Wie Sie Klarheit und Gelassenheit gewinnen, 160 Seiten, Reihe: Kreatives Schreiben, Format: Format: 14,8 x 21,0 cm, Dudenverlag, 1. Auflage, Berlin, März 2018, ISBN: 978-3-411-70557-3, Preis: 15 EUR (D), 15,50 EUR (A)




Die Ladengalerie "Mall of Berlin" in Berlin.

14. Gallery Weekend Berlin – Kunst- oder Ladengalerie, das ist hier die Frage

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Zum 14. Mal findet in Berlin das Gallery Weekend Berlin statt. Doch die Frage, die sich viele Berliner und solche, die es werden wollen, stellen, lautet: Kunst- oder Ladengalerie – wenn überhaupt.

A propos Wochenende. Die Zeit zwischen dem Ende einer Arbeitswoche und dem Beginn einer weiteren Arbeitswoche nennen Normalsterbliche in der Regel Wochenende. Bei immer mehr Lohnarbeitern liegt dieses Wochenende nicht an zwei vollen und lohnarbeitsfreien Tagen, sie kommen nur noch auf einen Tag, den Sonntag.

Die Besserverdienenden hingegen kommen auf ein Wochenende, das am Freitag nach eins beginnt, wenn jeder seins macht. Da bleibt immerhin der Samstag für den großen Einkauf in der Ladengalerie oder dem Discounter.

Die Reichen hingegen, von denen es auch in Berlin immer mehr gibt, haben mehr Tage Wochenende als Woche. Das wird wohl der Grund dafür sein, dass die „Gallery Weekend Berlin“ genannte Veranstaltung bereits am Donnerstag, den 26.4.2018, beginnt und am Sonntag, den 29.4.2018, endet.

Zudem brauchen die kleinen Könige der Kunst vier Tage, um wenigstens ein paar der 47 Galerien abzuklappern, denn das Klappern gehört zum Geschäft mit den Galerien wie die Geschäftemacher. Vier vollgestopfte Tage mit vollgestopften Galerien, die mehr oder weniger überlaufen werden. Das scheint so schweißtreibend wie ein Berlin-Marathon. Ähnlich stinken die Teilnehmer auf diesem Markt der Kunst, die auch ein Schaulaufen ist. Wer`s mag.

Die gute Nachricht für die Gelassenen: die meisten Ausstellungen sind auch noch im Mai zu sehen, wenn die Wichtigtuer weniger sowie Raum und Zeit mehr sind – als wenn die anderen in der Ladengalerie sind.




"Lerne lachen ohne zu weinen" von Kurt Tucholsky.

Tucholsky taugt auch hier und heute gegen den fruchtbaren Schoß des Faschismus – Zum Buch „Lerne lachen ohne zu weinen“ von Kurt Tucholsky

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Lerne lachen ohne zu weinen“ lautet der Titel eines Buches von Kurt Tucholsky aus dem Marixverlag, das dem Andenken Jakopps gewidmet ist.

Der Text des Titels folgt der Ausgabe Berlin 1932, obwohl es im Oktober 1931 in Berlin beim Rowohlt-Verlag erschien. Am 10. Mai 1933 verbrannten die Faschisten auch dieses Werk auf dem Kaiser-Franz-Joseph-Platz, der jedoch Opernplatz genannt wurde und heute als Bebelplatz bekannt ist. Auf dem Platz Unter den Linden vor der Humboldt-Universität verbrannten 70 000 Studenten, Professoren, Mitglieder der SA und SS nicht nur Bücher von Tucholsky, sondern auch von Heinrich Mann und Erich Kästner, Karl Marx und Sigmund Freud. Geplant wurde diese Bücherverbrennung von der Deutschen Studentenschaft.

Spätestens 33 im vergangenen Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung hatten die Anarchisten, Sozialisten und Kommunisten das Lachen längst verlernt. Sozialdemokraten und Christdemokraten beziehungsweise die politischen Katholiken vom Zentrum verlernten das Lachen später. Sie hätten auf Tucholsky hören und ihn 1931 lesen sollen. Dann hätte sie verstanden, dass „alle Ideologen, die im Namen des ‚Volkes‘ Partikularinteressen durchsetzen wollen und so den Einzelnen um Kopf und Kragen bringen“, wie es im Nachwort (S. 401) des mir vorliegenden Buches, aus dem ich gerne zitiere, denn besser könnte ich es nicht formulieren, heißt: „Als wohl verkaufsstärkster, scharfsinnigster und unterhaltsamster politischer Journalist der Weimarer Republik war Tucholsky ein ewiger, aber selten falsch liegender Motzer, und – wenn die Formulierung nur nicht so abgegriffen wäre – ein unbeugsamer Kämpfer für das Gute und Gerechte. Und obwohl er und seine Kollegen der ‚Weltbühne‘ alles in ihrer Macht stehende versucht hatten, um das drohende Unheil abzuwenden, brachte es ihm nichts als Verbitterung, Exil und schließlich den Tod. 1935 starb Tucholsky in Göteborg durch eine Überdosis Schlaftabletten. So wurde das Buch, das Sie in ihren Händen halten, zu seinem letzten.“

Dieses Buch darf ich Ihnen wärmstens empfehlen, denn – um es mit Bertolt Brecht zu sagen, auch wenn es auch abgegriffen klingen mag -: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Der Kampf in der Gesellschaft des aktuellen Kapitalismus, der Klassenkampf von unten gegen die Ausbeuter von Natur und Menschen, gegen die Kriegstreiber in der Presse, den Parteien und Parlamenten scheint eine nie endende Geschichte.

„Was Tucholsky über die gruseligen und bellizistischen Ressentiments schreibt, die sich in den Medien seiner Zeit finden, kann man heute getrost auf weite Teile des Feuilletons und den Zeitgeist der deutschen Intellektuellen übertragen.“ (S. 402). Wohl wahr, dass nach dem Krieg vor dem Krieg ist.

Um für den Frieden kämpfen zu können und wachsam zu sein, hilft dieses Buch.

Bibliographische Angaben

Kurt Tucholsky, Lerne lachen ohne zu weinen, 416 Seiten, gebunden in feines Leinen, Format: 12,5 x 20 cm. Marixverlag, 2. Auflage, Wiesbaden, Oktober 2017, ISBN: 978-3-7374-0980-3, Preis: 16 EUR




"Berlin-Wedding" - Das Fotobuch.

Der Stadtteil der Ausländer und Abgehängten oder Von Muselmanen und Möchtegern – Über das Fotobuch „Berlin-Wedding“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Über alles scheiden sich die Geister, auch über Berlin-Wedding. Die Gelehrten sowieso und dabei mischen die arbeitslosen Akademiker, von denen auch einige im Berliner Stadtteil Wedding wohnen, denn den Bezirk gibt es nicht mehr, der grob nach der bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und dem Fall der Mauer zum französischen Sektor gehörte.

Franzosen und auch Deutsche sind kaum noch da, es sei denn, man zählt auch die Ausländer mit deutschem Pass dazu, dann kommt man knapp auf die Hälfte der heute rund 85 000 Bewohner. Der Rest und dominierend sind Muselmanen aus der Türkei sowie aus allerlei anderen arabischen und afrikanischen Staaten. Die Rest-Deutschen sind die Abgehängten, die aus der Unterschichte, alle anderen sind Ausländer. Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Durch den Wedding kamen auch Fotografen, deren ausgewählte Bilder es in das von Julia Boek und Axel Völcker herausgegebene Fotobuch „Berlin-Wedding“ schafften. Die über 160 Abbildungen auf insgesamt 236 Seiten stammen von Dorothee Deiss, Espen Eichhöfer, Annette Hauschild, Heinrich Holtgeve, Tobias Kruse, Hendrik Lietmann, Julius Matuschik, Dawin Meckel, Thomas Meyer, Andreas Muhs, Frank Schirmeister, Jordis Antonia Schlösser, Ina Schoenenburg, Linn Schröder, Heinrich Völkel und Maurice Weiss. Das im Bielefelder Verlag Kerber im Juli 2017 erschienene Buch wurde – ohne fremdes Moos vor allem im Wedding nix los – vom Bezirksamt Mitte von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Kunst und Kultur und des Amts für Stadtentwicklung zu dem Klein-Wedding jetzt gehört, gefördert.

Wedding? Nix wie weg!

Das vorliegende Buch war quasi der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung „Berlin-Wedding. Ein Stadtteil – 16 fotografische Postionen“, die am 30. Juni 2017 in der Galerie Wedding, Raum für zeitgenössische Kunst, in der Müllerstraße eröffnet wurde und längst wieder Schnee von gestern ist, wie die meisten Versuche, sich aus dem Elend im Wedding zu erlösen. Wer`s kann, der zieht aus dem sich muselmanisierenden Mistmatsch mit Möchtegern und Gernegroß, der von Schlaumeiern, die von „gelebter Vielfalt“, von „gelebter, gesellschaftlicher Diversität“ und von „Gegensätzen“, die sich anziehen würden, faseln, gerne Melting Pot genannt wird, weg. Wohnen im Wedding? An dieser Frage scheiden sich die Geister nicht. Sie antworten: Nix wie weg!

Bibliographische Angaben

Berlin-Wedding, Das Fotobuch – The Photobook, Herausgeber: Axel Völcker und Julia Boek, Texte von Julia Boek, Enno Kaufhold, Sprachen: Deutsch und Englisch, 236 Seiten, 132 farbige und 33 s/w Abbildungen, Hardcover, gebunden, Format: 24,00 x 30,00 cm Verlag: Kerber, 1. Auflage, Bielefeld, Berlin Juli 2017, ISBN: 978-3-7356-0386-9, Preis: 40 EUR, 49,12 CHF