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Benjamin Britten’s Oper „Tod in Venedig“ – Unterwegs mit der Benjamin Britten-Reihe an der Deutschen Oper Berlin

Benjamin Britten’s Oper „Tod in Venedig“ – Unterwegs mit der Benjamin Britten-Reihe an der Deutschen Oper Berlin
© Copyright: Marcus Lieberenz/bildbuehne.de
Szene mit Paul Nilon (Gustav von Aschenbach) aus "Tod in Venedig" von Benjamin Britten.

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „In meiner Heimat Ägypten dürfte diese Oper niemals aufgeführt werden“, sagt der total begeisterte, attraktive, junge Ägypter, der mit seinem Partner Händchen hält. Sie bilden wie viele andere am 19. März 2017 in Berlin das Publikum der Premiere „Tod in Venedig“ von Benjamin Britten. Dazu zahlt auch der Berliner Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit, der mit Lebensgefährten Jörn Kubicki strahlend die Treppe hinunterschwebt.

Wer kennt nicht die morbide deutsche Kulturgut-Novelle von Thomas Mann „Tod in Venedig“ und eventuell sogar deren Verfilmung von Lucino Visconti, 1971 mit dem unglaublich erotischen zarten blonden Jüngling Tadzio (Björn Andresen)?

Der stets leistungsbezogene, alternde Schriftsteller Gustav von Aschenbach leidet an einem Burnout und ist zu künstlerischer Leistung nicht mehr in der Lage. Der Familienvater verordnet sich selbst einen Aufenthalt in Venedig. Hier jedoch erlebt er den „Totalabsturz“ – der geachtete Schriftsteller mit hoher Reputation wird zum Opfer seiner „niederen Instinkte“, leidet deswegen höllische Seelenqualen und verfällt im von Cholera gezeichneten Venedig seiner Leidenschaft für einen Jüngling aus gutem polnischen Hause – es folgt der Tod.

Die 12-Ton-Elemente enthaltend Oper „Death in Venice“ war die letzte des avantgardistischen, britischen Komponisten Benjamin Britten – selbst homosexuell. Die zweieinhalbstündige Oper komponierend war sein Versuch, eine lebensbedrohliche Herzoperation hinauszuzögern.

Von Aschenbach wird vom Briten Paul Nilon hervorragend gesungen, vom Publikum mit großen Applaus goutiert. Frenetischen Applaus erhält der international renommierte, amerikanische, junge Bassbariton Seth Carico, seit der Spielzeit 2012/2013 zum Ensemble der Deutschen Oper Berlin gehörend. Carico singt fünf Rollen: der alte Gondoliere, der Hotelmanager, der Coiffeur, Anführer der Straßensänger, Stimme des Dionysios. Auch Tai Oney als Stimme des Apollo erhält großen Applaus! Tadzio wird gekonnt vom Schauspieler Rauand Taleb pantomimisch dargestellt.

Das Bühnenbild ist spartanisch – Wände und Fußboden werden angestrahlt, mal in Giftgrün, mal in Sonnenuntergangsgelb – je nachdem. Im ersten Akt befindet sich im Hintergrund ein riesiger ornamentreicher Bilderrahmen, in dem sich das verblichene Portrait eines jungen, südländisch aussehenden Mannes befindet – Sinnbild für Aschenbach oder auch die dahinschwindende Jugendlichkeit im Allgemeinen. Im zweiten Akt ist das Bild verschwunden – lediglich der Rahmen bleibt bestehen. Im Hintergrund ist mit riesigen schwarzen Lettern „Achtung“ auf gelb-grünen Hintergrund gemalt – Achtung, für: Das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Tadzio ist nicht wie in dem Visconti-Film ein zarter, blonder Jüngling, sondern ein durchtrainierter schwarzhaariger Jugendlicher, der mit einer gleichaltrigen, ebenfalls durchtrainierten Gruppe akrobatische Übungen am imaginären Strand vollführt.

Diese hinreißende Oper als Ganzes erhielt großen Publikumsapplaus, Donald Runnicles als Dirigent insbesondere, das Orchester und der Chor der Deutschen Oper stellten erneut ihr meisterhaftes Können unter Beweis.

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