Christ Wickham: Das Mittelalter.

Schwerblütige Eleganz – Annotation zum Buch „Das Mittelalter“ von Chris Wickham

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein sattes Buch zum europäischen Mittelalter versüßt mir gegenwärtig die sommerliche Hitze. Der Engländer Chris Wickham ist Professor in Oxford und ein Meister der schönen Sätze.

Ja, es ist ein elegantes Buch; obwohl zwangsläufig viel Blut vergossen wird, schafft es Wickham, nicht nur durch die Fakten zu fesseln. Er gehört zu dieser coolen Generation Wissenschaftler, die ihren Leser lieben und alles daransetzen, uns intelligent zu unterhalten.

Das Wüten der Pest, der Fall von Byzanz, die größenwahnsinnigen Späße der großen Ritterorden, Wickham bleibt immer smoof am Thema und nimmt uns mit zum manchmal tödlichen Reigen der mittelalterlichen Großmächte.

Wir haben Teil an den sozialen und politischen Veränderungen in Europa, sind zu Gast bei Krönungsfeiern, Gemetzeln und unerklärlichen Visionen.

Wickham schlägt das Rad bis in unsere Gegenwart und liefert eine kundige Betrachtung der mittelalterlichen Weltordnung.

Bibliographische Angaben

Chris Wickham, Das Mittelalter, Europa von 500 bis 1500, 550 Seiten, farbiger Tafelteil, aus dem Englischen von Susanne Held (Originaltitel: Medieval Europe), gebunden mit Schutzumschlag, Verlag: Klett-Cotta, 1. Auflage, Stuttgart 2018, ISBN: 3-608-96208-6, Preis: 35 EUR




Alice Schmidt: Tagebühcer der Jahre 1948/49.

Abenteuerliches aus dem Hause Schmidt = Alice & Arno – Die „Tagebücher der Jahre 1948/49“ von Alice Schmidt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Leser Arno Schmidts bewegten sich schon immer im Promillebereich. Zu schwer verständlich, unnahbar, zu wenig Kritik an den politischen Verhältnissen, zu weltabgewandt, unverständliche Sprache, Frauenfeind, sind nur einige der Bemerkungen, mit denen man sich als Arno Schmidt Fan herumschlagen muss. Ohne nun eines dieser Vorurteile zu beackern, möchte ich mich hiermit in aller Öffentlichkeit als verblendeter Arnofan outen.

Der herzensgute Suhrkampverlag wirft in schöner Regelmäßigkeit späte Perlen aus dem Hause Schmidt auf den kümmerlichen Markt der Schmidtfanatiker. Ein paar verpeilte Professoren, denen die Haare aus der Nase und den Ohren als Scheitel dienen, vielleicht noch 4-9 Nonnen, Dietmar Dath und ein paar Verwirrte, die es gern schön vertrackt haben, freuen sich dann über die neusten Elaborate.

Aktuell bekommen wir es mit den Tagebüchern von Schmidts Braut Alice zu tun. Als brave Schmidtergebene kümmerte sie sich Zeit ihres Lebens um Arno und dessen Werk. Insofern wundert es nicht, wenn auch in ihren Tagebüchern ihre schaffende Sorge nur um den teuren Gatten Arno kreist. Arno hat keinen Schnaps mehr, Arno wird vom bitterbösen Rowohltverlag geärgert, Arno hat keinen Bock jeden Tag selbstgesuchte Pilze zu vertilgen, ja, es ist kein Geld in der Kasse. Die füllt sich nur dann auf, wenn Alice mit den feinen Paketen aus den USA (von Arnos Schwester) auf den Schwarzmarkt geht. Ohne diese Geschäfte wären die Schmidts wahrscheinlich in den Jahren 1948/49 verhungert. Es blieben nur trocken Brot und Kohlsuppe satt. Die Kohlsuppe natürlich ohne Fett. Vielleicht ein Schlückchen Cointreau. Oder zwei.

1948 betrugen die literarischen Gesamteinnahmen Arnos gerade einmal 538 Mark, inklusive einer Fahrgeldrückerstattung von Rowohlt über 17,50 Mark. Bücher konnte man damit nicht kaufen, geschweige denn die lieben Kollegen zu treffen, um mit ihnen über den Zustand der deutschen Literatur zu beraten.

Diese schrecklichen Wahrheiten und noch viel mehr schildert Alice in ihren Tagebüchern. Wir dürfen noch viel erwarten, die Sammlung der Stiftung ist beträchtlich. Ganz besonders freue ich mich über eine kritische Ausgabe der Fernsehzeitungen der Schmidts, sie haben darin alle gesehen Sendungen markiert und mit wertvollen Randbemerkungen versehen. Ja, sie sind weitestgehend erhalten, Schmidts wussten frühzeitig, was sie der Nachwelt (Ich, ein paar verpeilte Professoren, denen die Haare aus der Nase und den Ohren als Scheitel dienen, vielleicht noch 4-9 Nonnen, Dietmar Dath und ein paar Verwirrte) schulden. Bis zur kritischen Ausgabe der kommentierten Fernsehzeitschriften ist es leider noch ein Stück. Bis dahin begnügen wir uns mit den mitteilungsdichten Tagebüchern (geschrieben mit selbst angerührter Tinte!) der Alice, die in ausreichender Zahl vorhanden sind. Natürlich sind diese (echt schmidtig!!!) mit diversen Kürzeln, Halbsätzen, unverständlichen Hieroglyphen und nur den beiden Schmidts begreiflichen Worten vollgepackt. Eine Lesewohltat! Ein paar Beispiele: A bedeutet Arno, manchmal auch Abend. Großes L bedeutet Liebe, im Sinne von: Heute gevögelt! Um euch nicht auf die Folter zu spannen: Gevögelt wurde bei den Schmidts ca. dreimal im Monat. Kleines l bedeutet lesen. Annähernd jeden Tag. Rob: robotta, familiensprachlich für Hausarbeit. Bobv: Im Nachbardorf Borg Buttermilch und Vollmilch holen. Wat: Wanderung um den Tisch, die Arno Schmidt bei Aufregung antrat.

Kauft euch dieses Kleinod der Schmidtforschung und genießt die willkommene Unterbrechung eures langweiligen Alltags!

Bibliographische Angaben

Alice Schmidt, Tagebücher der Jahre 1948/49, Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung im Suhrkamp Verlag, 210 Seiten, Halbleinen, Suhrkamp Verlag, 1. Auflage, Berlin, März 2018, ISBN: 3-518-80420-9, Preise: 32 EUR (D), 32,90 EUR (A), 42,90 sFr




Uwe Schütte (Hrsg.): Mensch - Maschinen - Musik. Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk.

Wir sind die Roboter – Zum Buch „Mensch – Maschinen – Musik. Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk“ von Uwe Schütte

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Vom Bücherhimmel herab stieg Uwe Schütte mit einer munteren Schar und erklärt uns das Musik– und Kunstphänomen Kraftwerk.

Geboren im Kling-Klang Studio zu Düsseldorf, stehen Kraftwerk heute neben Goethe und Joseph Beys für deutschen Geist im kulturgeschichtlichem Raum.

In Mensch – Maschinen – Musik: Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk wird diese Sphäre fachgerecht aufgeschüttelt. Für das Buch von Herausgeber Uwe Schütte schrieben Ulrich Adelt, Max Dax, Heinrich Deisl, Alexander Harden, Ralf Hütter, Marcus S. Kleiner, Alexander Kluge, Pavel Kracík, Alke Lorenzen, Stephen Mallinder, Didi Neidhart, Sean Nye, Christopher Petit, Melanie Schiller, Ingeborg Schober, Eckhard Schumacher, Uwe Schütte, Enno Stahl, Jost Uhrmacher, Johannes Ullmaier, Axel Winne und Olaf Zimmermann.

Ich bin kein großer Fachmann, mag aber Stücke wie Autobahn, Modell oder Roboter und flüchte vor der Tour de France.

Das ist nach der Lektüre nicht anders, doch die Auseinandersetzung mit den Düsseldorfern schließt naturgemäß andere Türchen ihres Werks auf und eröffnet damit neue, kleine und große Hörperspektiven.
Allein der Einfluss auf Elektromusik, Rap und Techno ist enorm, ganz zu schweigen von ihrem inszenatorischen Bühnendrang, der ganze Musikergenerationen beeinflusste. Wenn heute, statt der greisen Herren, Roboter auf der Bühne stehen, und das im Publikum keinen stört, dass man es nicht mit Live Musik im eigentlichen Sinn zu tun haben, ist das schon eine dolle Nummer. Also Hut ab vor Kraftwerk und diesem Buch, dieses sich feinsinnig am deutschen Kulturbrocken Kraftwerk abarbeitet.

Bibliographische Angaben

Uwe Schütte (Herausgeber), Mensch – Maschinen – Musik, Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk, 368 Seiten, gebunden, Fadenheftung, Leseband, Format: 12,5 × 20,5 cm, C. W. Leske Verlag, 1. Auflage, Düsseldorf 2018, ISBN: 3-946595-01-4, Preise: 24,90 EUR (D), 25,60 EUR (A) und sFr 32 sFr (auch als E-Buch erhältlich)




"Mittendrin. Fußballfans in Deutschland" von Anne Hahn und Frank Willmann.

Ein beeindruckendes Standardwerk zur Fankultur in Deutschland – Zum Buch „Mittendrin. Fußballfans in Deutschland“ von Anne Hahn und Frank Willmann

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Selten hat sich ein Buch derart umfänglich mit Fankultur im Fußball beschäftigt. Die beiden Autoren haben an fünf Schwerpunktorten unterschiedliche Fußballfans aus diversen Szenen interviewt. Die aus allen Altersschichten stammenden Fans erzählen von ihrem Alltag, ihrer politischen Haltung, ihren Vorstelllungen von Fußball und Fußballkultur. Das Überraschende ist die Vielfalt der Meinungen und die wohltuend ruhige Art der Portraits. Nie wird die moralische Keule geschwungen, jeder/jede kann ausreden, niemand wird verurteilt oder besonders in den Vordergrund gestellt. Die rechte Braut aus Dortmund steht neben der politisch engagierten Babelsbergerin, egal ob Bayern, 1860, Hertha oder Union, alle vereint die Sehnsucht nach Gemeinschaft und die Freude am Spiel ihrer Helden.

Konterkariert werden diese Fanportraits von Fanarbeitern, Polizisten, Wissenschaftlern, Fananwälten und Funktionären. Sogar ein Philosoph kommt zu Wort, der den Fußball in schöne Worte zaubert.

In den Texten wird immer wieder die Frage nach der Politik gestellt. Das zeichnet dieses wahrlich vielschichtige Buch besonders aus, dass es wie ein Seismograph die gegenwärtige Stimmung aufzeigt und kein schwieriges Thema ausspart.

Das großformatige und über ein Kilo schwere Buch ist zudem mit 160 Fotos illustriert, die von den Fotografen Marco Bertram und Karl van Worm stammen. Die beiden Fotografen haben die Fans auf ihren Wegen ins Stadion begleitet und eindringliche, wunderbare Bilder fernab von Kitsch und Sozialromantik eingefangen.

So ein Buch fehlte bisher in Deutschland, es regt zum Denken an, erklärt präzise fußballpolitische Zusammenhänge, beleuchtet kritisch die gesamte Szene – und ist trotzdem vereint in der Liebe zum Fußball, seinen Fans und deren kickenden Heroen. Ganz große Arbeit, ein Muss für jede Uni, jedes denkende Wesen, dass sich mit dem Fußball und seinem gesellschaftlichen Stellenwert beschäftigt. Ein fettes Lob an die Bundeszentrale für politische Bildung, die so ein Werk möglich machte.

Bibliographische Angaben

Anne Hahn und Frank Willmann, Mittendrin. Fußballfans in Deutschland, 264 Seiten, 160 teils ganzseitige Farbfotos, Bundeszentrale für politische Bildung, Reihe: Zeitbilder, 1. Auflage, Bonn, März 2018, ISBN: 3-8389-7169-8, Bestellnummer: 3987, Bereitstellungspauschale: 4,50 EUR


Von einem weiteren Buch zum Fußball und dass er es bereits zu einem eigenen Museum gebracht hat, erfährt man hier:

Schickt den Schiri ins Museum! – Bitteschön: Der Autor hat eine Vorstellung für sein Buch „Urs Meier – Mein Leben auf Ballhöhe“ im Deutschen Fußballmuseum




"Warschauer Punk-Pakt" von Alexander Pehlemann.

Eine fleißige Biene der Ostpunkforschung – Annotation zum Buch „Warschauer Punkpakt“ von Alexander Pehlemann

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso) Der Wahlleipziger Pehlemann wühlt sich seit Jahren durch die Historie des Punk. Dabei hat es ihm besonders der Osten angetan, auf zahlreichen Reisen knüpfte er fruchtbringende Kontakte, die nun im Buch „Warschauer Punkpakt: Punk im Ostblock 1977–1989“ mündeten.

Pehlemann fächert die Landkarte der einstigen Ostblockstatten vor uns auf und bietet zu diversen Themen lesenswerte Beiträge. Die stammen manchmal von ihm, dann wieder von versierten Hobbyforschern und einstigen Szenegrößen, die heute ein Leben im Verborgenen führen.

Gerade diese Beiträge sind in ihrer Verletzlichkeit voller Charme. Man spürt die Wunden unter dem Verband, die ein Leben im Sub-Ground mit sich bringt.

Das wohltuende Werk bietet Schwerpunktländer und Orte der Punkhistorie und glänzt mit jeweiligen Diskografien, daneben verweist es auf Fanzines und weiterführende Materialsammlungen. Eine schnieke Fotoauswahl rundet das Buch ab, dem ich eine Menge Leser wünsche.

Bibliographische Angaben

Alexander Pehlemann (Herausgeber), Warschauer Punkpakt: Punk im Ostblock 1977–1989, 320 Seiten, Verlag: Ventil, 1. Auflage, Mainz 2018, ISBN 3-95575-087-9, Preis: 25 EUR




Die Farben der Erde. Asien.

Die faszinierendsten Naturlandschaften in dem Bildband „Die Farben der Erde, Asien“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es gibt sie: Bildbände, wo Faktenwissen und brillante Fotos in einer sensiblen Kombination präsentiert werden. Kein Kontinent auf dem Globus zeigt eine größere Vielfalt von Klimazonen und Landschaftstypen. So reicht Asien von Polarwelten am 80. Grad nördlicher Breite bis hinab zum Äquator.

Anja Kaupert und Andrea Lammert sind für die präzisen und einfühlsamen Texte zur Begleitung der meist großformatigen Fotos verantwortlich.

Zwischen den Höhenzügen des Himalaya waschen Frauen auch noch heute in Bergbächen ihre Wäsche, singend, lachend und Geschichten austauschend.

Was für ein Segen! Mit dieser Kernaussage wird unserem technisierten und durchorganisierten westlichen Lebensstil mit seinen narzisstischen Auswüchsen und Depressionen ein Spiegel vorgehalten.
Weiter heißt es: Landschaften liegen so stumm da, als seien sie tot. Ja von weitem, aber die Bilder bringen dem Betrachter wichtige Details nahe; auf Farbtafeln mit Vögeln oder farbenprächtigen Pflanzen wird die Vielfalt des Lebens unter tropischen Verhältnissen offenkundig.

Gerade in Südasien, zwischen Afghanistan und Indochina lebt mehr als ein Fünftel der Menschheit. Dazwischen trennen die höchsten Gebirge mit alleine 14 Achttausendern Kultur- und Vegetationsregionen der unterschiedlichsten Art.

Dieser Band ist der vorläufig letzte einer Reihe von sehr gewichtigen Bildbänden – alle jeweils im Schuber. Sie widmen sich einzeln den Kontinenten (und der Heimat der Deutschen, der Bundesrepublik). Der erste Band erschien über den ganzen Globus, ein Band erschien über Deutschland allein, jedes Produkt sehr aufwändig gestaltet und gefertigt. Eine Meisterleistung ist die Bildauswahl, die eine monatelange akribische Arbeit erfordert, um zu dieser Zusammenstellung zu kommen.

Das Kompendium „Die Farben der Erde“ ist eines der derzeitig besten Vermächtnisse eines Verlages über die Naturschätze unseres bedrohten Globus.

Bibliographische Angaben

Die Farben der Erde, Asien, Die faszinierendsten Naturlandschaften des größten Kontinents, außergewöhnliches Großformat, Doppelseite 92,4 cm, 360 Seiten, 576 Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag und Schuber, Format: 36,2 x 29,5 cm, Verlag: Kunth, 1. Auflage, München 2018, ISBN: 978-3-95504-124-3; Preis: 98 EUR (D)

Aus dieser Reihe über Südamerika und die Antarktis:

Sinfonien in Bildern – Annotation zu den Farben der Erde „Südamerika und Antarktis“

Aus dieser Reihe über Australien und Ozeanien, also mit Traumzielen der Südsee:

Vom Ayers Rock nach Bora Bora – Annotation zum Bildband „Die Farben der Erde – Australien und Ozeanien“

Der Bildband über die Bundesrepublik Deutschland aus dem Kunth-Verlag:

Immer wieder „neu“: Deutschland – Annotation zum Bildband „Deutschland“




Die Poesie des Fußballs. Buch.

Fußballsprache entschlüsselt! – Annotation zum Buch „Die Poesie des Fußballs“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Liebe Expertinnen, im Sammelband „Die Poesie des Fußballs: Von Abwehrschlachten, Schönspielern und Tikitaka“ wird die Fußballsprache ein für allemal auf den Kopf gestellt, ordentlich durchgeschüttelt und dann im Würfelbecher vor euch ausgebreitet.

Wer endgültige Klärungen der schönsten und peinlichsten Floskeln vorgesetzt bekommen werden mag, ist bei diesem schickem Wer des Fußballsprechs richtig. Ein Sack voll Autoren und einige wenige Autorinnen schütteln ihre Wundertüte aus und klären Fachbegriffe wie: Ergebniskosmetik, Schönspier oder Pille. Ja, es ist alles Gold was glänzt. Nein, Geld macht auch keinen Fußballprofi glücklich.

Fein illustriert von Julian Hennemann ist dieses Poetenlexikon ein passendes Werk, um die Weltmeisterschaft noch besser zu genießen, bzw. zu ertragen.

Ran an die Buchläden, holt euch diese allwissende Kladde und lest euch glücklich!

Bibliographische Angaben

Stefan Krankenhagen und‎ Heiko Rothenpieler (Herausgeber), Die Poesie des Fußballs, Von Abwehrschlachten, Schönspielern und Tikitaka, Illustrator: Julian Hennemann,‎ 256 Seiten, Verlag: Blumenbar, Berlin 2018, ISBN: 3-351-05047-4, Preis: 20 EUR (D)




Ein Länderporträt über Georgien von Dieter Boden.

Georgien, die einst „fröhlichste Baracke im Lager der Sowjetrepubliken“ – Ein Länderporträt von Dieter Boden

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Wer Georgien überlebt, der macht fünf Kreuze. Genau so viele sind auf der Flagge des Staates Georgien zu sehen, in dem auch Armenier und Aserie, aber auch Osseten, Russen und Griechen zuhause sind. Doch die Abchasier, die in der „Republik Abchasien“ ihr Zuhause gefunden zu haben scheinen, und die Osseten, die mittlerweile in Südossetien leben, wollen so überhaupt nichts mit den Georgiern zu tun haben. So ist das im und um den Kaukasus. Zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meer geht es halt hoch her.

Dort, wo 327 nach unserer Zeitrechnung das Christentum unter dem georgischen König Mirian Staatsreligion wurde, mussten sich die Einwohner oft gegen einfallende Araber, Mongolen, Perser, Osmanen und Russen wehren. Selten genug gelang das, so dass Georgien diesen und jenen Eroberern gehorchen mussten.

Davon wird auch der 1940 geborene Dieter Boden ein Lied singen können, der Dr. phil., der nach seinem Studium der Slawistik, Anglistik und Politologie an den Universitäten Münster und Hamburg in den Staatsdienst eintrat, genauer gesagt: ins Auswärtige Amt. Seine Einsätze führten ihn in den Kaukasus, 1995/96 und von 1999 bis 2002 leitete Boden OSZE- und UN-Missionen in Georgien. 2009/10 fungierte er als außenpolitischer Berater der kasachischen Regierung. Noch heute engagiert sich Boden „im Rahmen zivilgesellschaftlicher Projektarbeit im Kaukasus“, worauf der Verlag Ch. Links hinweist.

„O sind, Du Schöne, sing mir nicht,
Georgiens wehmutsvolle Lieder.
Sie wecken wie ein Traumgesicht mir
fernes Land und Leben wieder.“

Das schrieb der russische Schriftsteller Alexander Puschin 1828 und damit beginnt Dieter Boden, der 1969 zum ersten Mal in dieses Land kam, in dem er „später über mehrere Jahre lebte (S. 9) sein 200 Seiten umfassendes Länderporträt Georgien, dessen Kurs laut Boden „konsequent auf die Integration in die Europäische Union gerichtet“ sei (S. 20f.). In seiner Einführung bemerkt Boden, dass Georgien „insbesondere seit dem 19. Jahrhundert mit Deutschland … besondere Beziehungen“ pflege. „Bereits in den 1810er Jahren ließen sich deutsche Siedler in Georgien nieder, später wandten sich die kulturellen und geistigen Eliten Georgiens engagiert Deutschland zu. Selbst in der Sowjetunion wurde wohl nirgend so intensiv Deutsch gelernt wie in Georgien; die Germanistische Fakultät an der Staatsuniversität von Tbilissi genoss einen exzellenten Ruf, der weit über die Grenzen der georgischen Sowjetrepublik hinausreichte. Trotz der tiefen Zäsur durch den Zweiten Weltkrieg wirkt diese Tradition bis in unsere Zeit fort.“

Im Folgenden berichtet Boden über „Georgien im Umbruch“ seit der Unabhängigkeit von 1991, wirf einen „Blick zurück in die Geschichte“, vor allem auf die mit Russen und unter Stalin, gewährt seine Betrachtung auf „Georgien in jüngerer Zeit“ unter Schewardnadse, Saakaschwili und Iwanischwili, informiert über „Die Sezessionskonflikte um Abchasien und Südossetien“, befasst sich mit der „Hauptstadt Tbilissi“, „Der Vielfalt der Regionen“, „Georgiens Wirtschaft“, „Kultur und Religion“ sowie „Lebensart und Mentalität“. „Deutsch-georgische Begegnungen“ beschließen das beachtliche, sachlichdienliche und in einfacher Sprache geschriebene Buch, für das der Autor auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin einen Preis erhielt.

Bibliographische Angaben

Dieter Boden, Georgien, Ein Länderporträt, 200 Seiten, Klappenbroschur, Format: 12,5 x 20,5 cm, eine Karte, Ch.-Links-Verlag, 1. Auflage, Berlin Mai 2018, ISBN: 978-3-86153-994-0, Preis: 18 EUR (D)




SEEFFerdchen. Kinderbuchautoren lesen in Weddinger Kinderkunstwerkstatt: Diesmal Renate Straetling

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit geraumer Zeit gibt es in der Kinderkunstwerkstatt Seepferdchen in Berlin-Mitte donnerstags eine Vorlesegruppe, die am frühen Abend stattfindet. Die Uhrzeit verschiebt sich meist zwischen 17.30 und 19.30 Uhr, manchmal bedingt durch den Gitarren- oder Klavierunterricht, den die Leiterin Silke Fischbeck erteilt. Einmalig wird am Donnerstag, den 5. Juli 2018 Renate Straetling den Vorleseabend übernehmen. Die Kinderbuchautorin wird aus ihren Büchern lesen. Ihre Bibliographie umfasst mindestens vier Titel und vergrößert sich ständig. Sie weiß, wovon sie spricht – oder schreibt. Vielleicht schreibt sie ja für jedes ihrer Kinder und eventuell kommenden Kindeskinder ein Buch. Man weiß nie, ob Enkel kommen werden. Kein Nachkomme könnte jemals sagen: „Mir hast du aber kein Buch geschrieben.“ Denn Renate Straetling hat schon genügend Titel parat.

Bücher von Renate Straetling

Wir sortieren folgende meist 2016 erschienenen Titel aufsteigend nach den enthaltenen Zahlen:

Am schönsten gefällt mir „Ein Fabeltiere-ABC27 Fabeln namhafter Autoren“. 26 Buchstaben benutzen wir, mit „ß“ beginnt keine Fabel, und drei Umlaute kämen infrage. „Ä“ wie „Äffchen“ bietet sich bestimmt an, vielleicht ist auch „ö“ wie „Öhrchen“ oder „Ü“ wie der übermütige Uhu dabei. Von 29 möglichen Anfangsbuchstaben sind also 2 weggelassen worden. Y ist ja auch schwierig und es sollte nicht um Vollständigkeit gehen.

30 Fabeln – List, Natur und Komplexität“. Dieses Buch enthält eine Tiergeschichte mehr, als das Alphabet zusammen mit den Umlauten Buchstaben hat. Diesmal könnte man das Eszett (ß) mitzählen. Aber es geht hier nicht um die Anfangsbuchstaben, sondern um den Inhalt.

42 Advents-, Weihnachts- und Wintergedichte“: Kurz nach dem Johannistag und Sommersonnenwende etwas außer der Zeit, bestimmt aber irgendwann wieder aktuell. Eisessen, Sonnenbaden und Freibadbesuche dauern in Berlin nicht ewig.

Die fabelhafte Renate Straetling ist der Lyrik genauso verpflicht wie den Fabelwesen.

Sehr poetisch und mit einem kleinen Stabreim beginnend der Titel: „Milchstraßenschein milliardner Sterne: …: – 88 Nachtgedichte namhafter DichterInnen“. „Guten Abend – gut Nacht/ grad hab ich an Dich gedacht…“

Jürgen Kratzenberg, Renate Straetling, Christel Maria Zwillus – Kinderbuchautoren geben sich die Klinke in die Hand

Buch aus dem AAVAA-Verlag "NAO. 1. Buch. Peter und die geheimnisvolle Muschel"
Cover des Kinderbuchs „Nao“ von Jürgen Kratzenberg. © Foto: Dirk Fithalm, 2018

Renate Straetling ist weder die einzige noch die erste Verfasserin, die in dieser Einrichtung aufkreuzte. Christel Maria Zwillus gehört ebenfalls zu diesem Kreis. Sie denkt sich „Geschichten für alle, die sich eine Kinderseele bewahrt haben“, aus. „Traumflügel“ heißt eines ihrer Hörbücher.
http://traumfluegel.de

„Wer weiß, wohin“ es sie noch verschlägt. Zurzeit lebt die freie Autorin in der Hauptstadt. Die märchenhaft schöne CMZ schreibt (und illustriert!) Märchen, Drehbücher und Theaterstücke.
Christel Maria Z. könnte man vielleicht am besten mit einem Zitat von Ralph Waldo Emerson charakterisieren. „Glück ist ein Parfum, das man nicht über jemanden verschütten kann, ohne selbst etwas davon abzubekommen.“ Zitiert aus dem 14. Kapitel von Raymond Hulls „Alles ist erreichbar“, „Freundschaft und Liebe“. (Mvg 1970, zitiert nach Rowohlt 1973/ 1995, S. 141.)

Auch Jürgen Kratzenberg war bereits im „Seepferdchen“ zu Gast, das bereits auf ein Jahrzehnt mit schwierigen und weniger schwierigen Kindern zurückblicken kann. Er verfasste das Kinderbuch „NAO – Peter und die geheimnisvolle Muschel“.

Die Vereinsvorsitzende Silke Fischbeck illustriert übrigens selbst Kinderbücher; schrieb fünf Dutzend Lieder und vertonte sie. Jürgen Kratzenberg, ein bekannter Musiker, half Frau Fischbeck bei der Vertonung von 60 Liedern auf drei Audio-Kassetten bzw. CDs.

Renate Straetling liest aus ihren besten Büchern

Wann? Donnerstag, 5.7.2018 um 18 Uhr

Wo? Kinderkunstwerkstatt Seepferdchen, Brüsseler Straße 43, Berlin-Wedding, 13353 Berlin
http://www.seepferdchen-berlin.de

Nähe U-Bahnhof Seestraße U6 (welcher sonst? I See.)
(in Fahrtrichtung Tegel der hintere Ausgang)

BVG-Bus 106, 120, Straßenbahnen 50 + M13

Leser aus Lesotho – Brüsseler Kiez grenzt ans Afrikanische Viertel

PS: Das Seepferdchen hält einen Rekord. Es ist der langsamste Fisch. SEEFF hat mit Seestraße oder -pferdchen nichts zu tun, es ist ein Südosteuropafilmfest; die Abkürzung für South East European Film Festival. Mit dem SEHEN in die SEELE hat das aber schon zu tun (nicht mit SEEN). Ein Auge ist im Signet des Filmfestivals zu finden.

Wie man sieht, ist jeder Buchstabe wichtig.

Leser aus lauter Ländern – Luxemburg, Libanon und am liebsten LESotho – lernen lesen, langsam Laut für Laut. Läuft.

Das Thema aus Christel Maria Zwillus‘ Buch „Wer weiß, wohin?“ ist ähnlich Thema eines Liedes und Gedichtes: Altern, Lebensende, Rückschau.
RZ 70. Ein Gedicht für Rolf Zuckowski, der 7 mal 70 Kinderlieder schrieb und sang
https://kulturexpresso.de/rz-70-ein-gedicht-fuer-rolf-zuckowski-der-7-mal-70-kinderlieder-schrieb-und-sang/ Silke Fischbeck machte einen Vertonungsvorschlag für das Lied.

Hier ein Hinweis auf eine frühere Seepferdchen-Aktivität, die etwa ein Jahr zurückliegt:

Seepferdchen singen Rolf Zuckowski. Konzert im Rahmen des Gehsteigfestes im Stadtschloss in Berlin




Wido 40 oder WD-40? Die Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg wird 300 und 40

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg zählt zu den beliebtesten Einkaufstraßen Deutschlands. Dazu beigetragen hat die Einrichtung einer Fußgängerzone im Anschluss und Zusammenhang mit dem West-Berliner U-Bahnbau der Linie 7, die im Westen inzwischen am Rathaus Spandau endet.

Die Fußgängerzone der Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg – nur möglich durch U-Bahnbau und neue Verkehrsführungen

Reste der Dachkonstruktion, Eingang U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße U-Bahn-Linie 7 (U7) und provisorische Fahrstraße zur Baustelle, 60er Hausnummern
Bauarbeiten in der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße Ecke Kantstraße am U-Bahnhof der U7. Lampenmast im Vordergrund ist Teil der abgebauten Überdachung. © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

Da die West-Berliner nach dem Mauerbau die S-Bahn boykottierten, um damit ihrem Protest gegen das Aus- und Einsperren der Ost-Berliner und Brandenburger Ausdruck zu geben, investierte der Westen viel in neue Bus-und U-Bahnlinien. Die Buslinien verkehrten teilweise parallel zu S-Bahnlinien, so die A 65 zur Ringbahn S4 und der 66er über die AVUS in des Südwesten Richtung Wannsee (S7).

Neue U-Bahnlinien, die auch die Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg anbanden – Folge des Mauerbaus

Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße Ecke Kantstraße am U-Bahnhof der U7 mit Behelfsstraße für die Bauarbeiten an der Westseite. In diesem Teil gab es eine Straßen-Überdachung. © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

Die Linie G (heute die orange Linie U9) verband das neue, unfreiwillige Zentrum der Freien Berlins, also der Sektoren unter der ultimativen Militärverwaltung Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten von Amerika, mit seinem nahen Norden (Wedding) und Süden (Steglitz). Die Linie U7, die „blaue“, genauer: die hellblaue, ist inzwischen die längste U-Bahnlinie Deutschlands. Als könne ihr der Rekord streitig gemacht werden, soll sie jetzt noch verlängert werden, damit man endlich zum Flughafen Berlin-Schönefeld mit der U-Bahn fahren kann. Da ist der Flughafen außerhalb der Stadtgrenze, den es schon seit DDR-Zeiten gibt.

Der Längenrekord war in der 1970ern nicht abzusehen. Die Überlegung, eine Fußgängerzone einzurichten, gab es. Es sollte die erste im Berliner S-Bahnring werden. Die allererste gab es nämlich schon im Westberliner Tegel: Die Gorkistraße. Auch in Ostberlin wurden später Fußgängerbereiche eröffnet. So in der 80er Jahren die Kastanien-Zone unweit der heutigen „Gärten der Welt“, in denen Karin Bretzinger immer wieder Geschichten erzählt.

Die langsamere wirtschaftliche Entwicklung in den Ländern des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RgW) und der geringere Wohlstand führte zu einer geringeren Anzahl von kleineren Kraftfahrzeugen auf den Straßen, die das Problem von Staus und Übermotorisierung im Osten Berlins nicht so schnell erkennen ließen.

Buchveröffentlichung gleichen Namens zur Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg

Buchhandlung Goethe- Ecke Wilmersdorfer Straße in der Westberliner Fußgängerzone 2016, am Abend, im Dunkeln
Buchhandlung in der Wilmersdorfer Straße Ecke Goethestraße. © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

Kurz gesagt betreffen die 40 Jahre, die heute seit 1978 gefeiert werden, nur die Fußgängerzone. Die eigentliche Straße, die einzige die anfangs zwei Namen trug, war Teil des Gründungskonzepts Charlottenburgs im Barock. Beim Tode Sophie-Charlottes 1705, Tochter des Kurfürsten von Lüneburg-Braunschweig, entschied sich der tief trauernde König in Preußen und brandenburgische Kurfürst Friedrich III., das Schloss nach ihr zu benennen und eine Stadt zu gründen. Die kurfürstliche Privatstadt mit einem Schachbrettmuster an Straßen baute auf drei Spreestraßen auf. Sieverliefen parallel und nahmen ihren Ausgang am Fluss; die uns interessierende ist die mittlere der drei. Die „Lange Spreestraße oder Wilmersdorfer Straße“ trägt heute nur noch einen Namen. Sie führt jetzt nicht mehr bis ans Spreeufer, wurde aber im Süden bis zur Charlottenburger Stadtgrenze am Kurfürstendamm verlängert. Dort in der Nähe wohnte einst Einstein.

Ausführlich geht das Buch „Die Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg“ darauf ein. Es hat eine ISB-Nummer. Ende 2013 erschienen, war es nach wenigen Wochen ausverkauft.

Das in der Wilmersdorfer auch kulturell einiges los ist, sogar in der Fußgängerzone, darunter neue Entwicklungen seit Erscheinen der erstklassigen Monographie, davon zeugt folgender Artikel: Die Wilmersdorfer hat einen neuen Konzertsaal!

Eleonora Kotlibulatova und Evgeny Beleninov in der Wilmersdorfer Straße in Aktion. © Foto: Andreas Hagemoser, 2017

Am Sonntag, den 1. Juli 2018 wird von 13-18 Uhr verkaufsoffen sein und in und außerhalb der Geschäfte und Arkaden vielfältig gefeiert werden. Teils bewölktes, aber trockenes Wetter kommt dem entgegen. Die Fußgängerzone ist auch vom U-Bahnhof Bismarckstraße (U2/ U7) aus erreichbar und mit weiteren Buslinien (M49, X34, X 49, 309 u.a.). Die Wilmersdorfer erreicht man auch vom Kudamm (U Adenauerplatz, Bus 109, 110 M19, M29, X10) und vom am Rathaus Charlottenburg gelegenen Richard-Wagner-Platz an der ehemaligen Breiten Spreestraße, später Spreestraße.

Da hat es ‚klick‘ gemacht (… und das Kinosterben war zu Ende)! In Berlin-Charlottenburg macht ein Filmtheater nach langer Zeit wieder auf