Mein FC Bayern.

Ein affirmatives Fanbuch über den FC Bayern München – Annotation zu „Mein FC Bayern, die größten Momente, die wichtigsten Stars, die schönsten Emotionen“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Lobpreiset den FC Bayern München. Bejaht das Bestehende und seine Geschichte. Steht mit den Jasagern Seit‘ an Seit‘.

Schreiten ginge auch, aber dabei bitte auf der Stelle treten, denn wenn man oben steht und es nicht höher hinaus geht, dann gilt die Devise Weiter-so. Immer weiter.

Zurückblickend will man sich nur noch an das Schöne und Gute erinnern und an das Häßliche und Schlechte nur, wenn man es ins Gegenteil hat kehren können. Alles andere ist etwas für Kritiker und die hält man sich wie Narren und also am Hof.

Das von Ulrich Kühne-Hellmessen und Felix Seidel mit feundlicher Unterstützung der FC Bayern Erlebniswelt redaktionell verantwortete und von Max Breitner vom FC Bayern München als Schlussredakteur bearbeitete Fanbuch, ist eines, in dem viele zurückschauen und einer nach vorne blicken darf. Für die Zukunftsvision FC Bayern 2030 griff Karl-Heinz Rummenige zur Feder, der seine Visionen auf vier Seiten unter dem Selbstzitat „Ein entfesselter Kapitalismus bringt den Profifußball nicht weiter, er würde ihn von der Basis entfernen“ ausbreitet.

Neben Rummenigge und Ulrich Hoeneß, mit Franz Beckenbauer wurde ein Interview geführt, kommen vor allem Spieler zu Wort wie der Titan Oliver Kahn und der Stratege Philipp Lahm, Trainer wie Ottmar Hitzfeld und Egon Cordes, Funktionäre wie Andreas Jung und Jörg Wacker sowie Maskottchen Bernie und Reporter Raimund.

Persönlichkeiten der Geschichte des FC Bayern München reihen sich ein in die Einheitsfront affirmativer Autoren, auch wenn jeder seine Geschichte zum Besten gibt und also zur allgemeinen Unterhaltung beiträgt.

Dass das Buch auch einen Blick hinter die Kulissen des FC Bayern München gewährt, das soll nicht verschwiegen werden, aber die Konten und Kassen sind es nicht, in die geguckt wird, und auch nicht in die Leichenhalle.

Wer sich „die größten Momente, die wichigsten Stars“ und „die schönsten Emotionen“ des FC Bayern München in die Vitrine stellen möchte, der greife zu diesem Buch affirmativer Autoren, das für zu allem Ja und Amen sagende Fans produziert wurde, nicht für kritische Geister, die auch beim FC Bayern München nicht gerufen werden.

Bibliographische Angaben

Mein FC Bayern, die größten Momente, die wichtigsten Stars, die schönsten Emotionen, Ulrich Kühne-Hellmessen, Felix Seidel (Redakteure), Raimund Hinko und Detlef Vetten (Autoren), Max Breitner (Schlussredakteur), 224 Seiten, Hardcover, Verlag: Riva in der Münchner Verlagsgruppe, 1. Auflage 22. Januar 2018, München, ISBN: 978-3-7423-0537-4, Preis: 24,99 EUR (D), 25,70 EUR (A)




Sutan Takdir Alisjahbana: Verlieren und gewinnen.

Ein Roman zur Geschichte Indonesiens – Annotation zum Buch „Verlieren und gewinnen“ von Sutan Takdir Alisjahbana

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Um die Zeit zwischen den Jahren sinnvoll zu nutzen, machte ich mich mit einigen dicken Büchern auf ans Rote Meer.

Ägypten ist fest in der Hand von Pauschaltouristen, so dass der weltabgewandte Feingeist eigentlich permanent auf der Flucht vorm deutschen Volk ist. Mit etwas Glück hat man die richtigen Bücher dabei, um die Zeit zwischen Tauchabenteuern und den drei Mahlzeiten zu überstehen.

Der Mitteldeutsche Verlag hat mit seiner Bibliothek der Entdeckungen eine wunderbare Reihe geschaffen, die sich hauptsächlich asiatischer AutorInnen annimmt. Ich habe dort schon einige hervorragende Bücher entdecken dürfen. Nun ist in der Reihe der 12 Band erschienen, er heißt „Verlieren und gewinnen“ und stammt aus der Feder von Sutan Takdir Alisjahbana.

Dieser war einer der wichtigsten Intellektuellen Indonesiens und brillierte in seiner Heimat als Linguist, Lyriker, Philosoph. Er gründete eine wegweisende Literaturzeitschrift und war Mitglied des ersten Parlaments. Ein wichtiger, ein guter Mann, der nach der Befreiung vom kolonialen Joch dem Gespenst der Freiheit hinterherjagte.

In seinem Roman, der als Schlüsselroman der jüngeren indonesischen Geschichte gilt, wird auch viel nach der Freiheit gehascht. Er spielt in den Jahren des 2. Weltkriegs und beschreibt die Invasion, die Okkupation und die Vertreibung der Japaner.

So schön doppelbödig wie der Titel, ist der Roman leider nicht. Die Sprache des Romans ist eine zähe Angelegenheit, die Sätze sind hölzern. Der nüchterne, fast dokumentarische Stil, ermüdet ungemein.

Das mag an der Übersetzung liegen. Heinrich Seemann war eine Weile deutscher Botschafter in Indonesien. Er liebt bestimmt das Land, doch zur schönen Literatur fehlt ihm der Zugang. Man erfährt viel über die Landesgeschichte zwischen 1942 und 1945, aber ein Roman muss auch sprachliches Feuerwerk bieten, wenigstens Tischfeuerwerkniveau.

Bibliographische Angaben

Sutan Takdir Alisjahbana, Verlieren und gewinnen, Roman, Übersetzer: Heinrich Seemann, Bibliothek der Entdeckungen, Bd. 12, 656 Seiten, gebunden, Format: 130 × 210 mm, mit Illustrationen, Mitteldeutscher Verlag, Halle 2017, ISBN: 3-95462-916-9, Preis: 26 EUR




Klaus Altmayer, Die Papstmacherin.

Mehr als die Senatrix Roms oder „Als das Papsttum von Frauen dominiert wurde“ – Rezension zum Buch „Die Papstmacherin“ von Klaus Altmayer

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dr. phil. Klaus Altmayer, der in München und Augsburg Alte Geschichte, Mittelalterliche Geschichte, Klassische Archäologie sowie Spätantike und Byzantinische Kunstgeschichte studierte und heute als freier Historiker und Autor tätig ist, legt nach „Die Herrschaft des Carus, Carinus und Numerianus als Vorläufer der Tetrarchie“ und „Elagabal – Roms Priesterkaiser und seine Zeit“ das Buch „Die Papstmacherin“ vor, in dem es auf 276 Seiten um „Starke Frauen des frühen Mittelalters“ geht.

Für dieses im Oktober 2017 erschienene Buch propagiert der Marix Verlag im Verlagshaus Römerweg per Waschzettel wie folgt: „Die Zeit der Renaissancepäpste, in der die Borgias über den Vatikan herrschten, gilt gemeinhin als der Höhepunkt kirchlichen Sittenverfalls. Doch glaubt man den Quellen, dann wird sie von den Zuständen im Rom des frühen Mittelalters weit in den Schatten gestellt, als die Päpste von angeblichen Kurtisanen ernannt oder abgesetzt wurden. Man bezeichnet diese Ära deshalb als saeculum obscurum oder »römisches Hurenregiment«. Daneben hat sich auch der Terminus »Pornokratie« eingebürgert. Eine dieser Frauen, die damals über den Stuhl Petri geboten, war die Fürstin Marozia. Bemerkenswerte Frauen spielten im frühen Mittelalter – einer scheinbar von Männern geprägten Epoche – oftmals eine herausragende Rolle. Im vorliegenden Buch wird erstmals spannend und ausführlich über das Leben der »Papstmacherin« im Kontext weiterer Herrscherinnen jener Zeit berichtet. Gerade in unserer Gegenwart, in der heftig über die Ordination und Gleichstellung von Frauen in der katholischen Kirche diskutiert wird, ist es erstaunlich, dass es einmal eine Zeit gab, in der das Papsttum von Frauen dominiert wurde.“

Um es vorweg zu nehmen: Altmayer kommt auf acht Frauen und gliedert mit ihren Namen den Inhalt: Ageltrude, Teodora, Marozia, Amalasuntha, Irene, Judith, Theophanu und Johanna.

In der Spurensuche genannten Einleitung beginnt Altmayer mit flotter Feder schreibend bei der Fürstin Marozia, die „kurz vor ihrer Krönung zur Kaiserin über die westliche Christenheit … entmachtet“ worden sei und deren „Spuren“ sich „im Dunkeln eines römischen Verlieses, wo sie wahrscheinlich im Jahr 936 starb“, verlieren würde. Altmayers Spurensuche gleicht einem Stadtspaziergang durch das heutige und zugleich Marozias Rom, über das er notiert, dass es „einen eigentümlichen und doch auch faszinierenden Anblick geboten haben“ müsse. „Es war eine zweifellso pittoreske und zuweilen bizarre Mischung von vergangenem Glanz, von großartigen mit Pflanzen überwucherten Ruinen und bescheidenen Hütten, Wohnhäusern, Kirchen, Klöstern, Adelssitzen sowie von landwirtschaftlichen Nutzflächen und Ödland. Auf dem Forum Romanum, dem glanzvollen Mittelpunkt des ehemaligen römischen Weltreichs, weidete das Vieh.“ (S. 25)

„Forscht man nach den Ursachen und den historischen Entwicklungsprozessen, die es im frühen Mittelalter einer Frau ermöglichten, das Papsttum zu dominieren, wie und warum der Bischof von Rom den Primat über die westliche Christienheit erlangen konnte, nur um dann kurze Zeit später auf dem Zenit seines Triumphs über das karolingische Kaisertum so tief zu fallen und zur Marionette einer ehrgeizigen Adeligen zu werden, so entdeckt man – bemerkenswert und werwunderlich genug in dieser von Gewalttätigkeit, Brutalität, Mord und Krieg gezeichneten Epoche – eine Reihe weiterer bedeutender Herrscherinnen und fRauen, die aus dem vermeintlichen Dunkeln jener Zeit hervortreten“, fährt der Autor fort. (S. 25f.)

Dabei erwähnt Altmayer die anderen Frauen, zu der „zweifellos auch so manche Gutsherrin, Bäuerin, Bürgersfrau, Magd oder Leibeigene“ zählte, nur einmal, denn „ihre Einzelschicksale“ seien „kaum greifbar“. (S. 28) Er bleibt bei den Frauen, deren „Lebensgeschichte“ sich mit der „Marozias und dem päpstlichen Rom ihrer Zeit verknüpfen lassen“. (S. 28). Und das ist auch übersichtlicher so. Auch wenn das Werk mehr oder weniger ein Buch über Marozia bleibt, weist es über die bereits geschriebenen Bücher mit Marozia im Mittelpunkt hinaus, von denen manche in den Literaturhinweise (S. 267ff.) genannt werden. Wer mit diesem Buch in die Welt von Reichtum und Religion einsteigen will, der kann weit kommen.

Bibliographische Angaben

Klaus Altmayer, Die Papstmacherin, Starke Frauen des frühen Mittelalters, 276 Seiten, farbige Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Format: 14 x 21 cm, Marix Verlag im Verlagshaus Römerweg, 1. Auflage Oktober 2017, ISBN: 978-3-7374-1067-0, Preis: 24 EUR




Gullivers Reisen

Gullivers Reisen von Jonathan Swift – ein Klassiker im frischen Gewand und in einer super Übersetzung von Christa Schuenke

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Feinster Lesestoff erschien dieser Tage beim Verlag Manesse. Nicht mehr und nicht weniger als Gullivers Reisen von Jonathan Swift und übersetzt von Christa Schuenke erblickte in schönster Aufmachung das Licht der Bücherwelt. Die wundervollen Bände von Manesse begeistern die Leser seit Jahren, nicht anders ist es bei Gulliver, der vor fast 300 Jahren erstmals die Welt verzauberte.

Schönstes Leinen mit Lesebändchen und apartem Umschlag, das Buch ist ein Weihnachtsmuss für alle bibliophilen Narren dieser Welt. Klar kennt jeder die Geschichte, doch es lohnt das Wiederlesen.

Im Zeitalter von Trump, Putin und anderen Teufeln des schlechten Geschmacks helfen solche Bücher über jeden Depriberg.

Nebenher erfährt man, was Yahoos wirklich sind, warum Pferde und Menschen im Prinzip das Gleiche sind und warum Inseln fliegen können. Denn Gulliver landete nicht nur auf Liliput und Brobdingnag. Voll Witz stülpt Swift seiner Generation die Narrenkappe über. Er nudelt und pudelt sie gehörig – am Ende kam dieser wunderbare fantastische Roman heraus, der doch so unglaublich menschlich ist. Trotz Glubbdubdriber, Balnibarbiresen usw.

Holt euch das von Christa Schuenke super übersetzte Buch, bevor es ausverkauft ist!
Bibliographische Angaben

Jonathan Swift, Gullivers Reisen, Übersetzung: Christa Schuenke, Nachwort: Dieter Mehl, 704 Seiten, mit acht historischen Illustrationen, gebundenes Buch mit Schutzumschlag, Format: 9,0 x 15,0 cm, Manesse Verlag, München 2017, ISBN: 3-7175-2078-8, Preise: 28,00 EUR (D), 28,80 EUR (A), 36,90 CHF

Anmerkung:

Der Beitrag von Frank Willmann wurde im WELTEXPRESS am 5. Dezember 2017 erstveröffentlicht.




Edith Wharton, In Marokko

Mit Edith Wharton durch Marokko – Annotation zum Buch „In Marokko, Vom Hohen Atlas nach Fès – durch Wüsten, Harems und Paläste“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In der rundum hervorragenden Reihe „Die kühne Reisende“, die von Susanne Gretter in der Edition Erdmann herausgegeben wird, beglückt uns inzwischen eine Vielzahl von Büchern. Eines ist das von Edith Wharton, die durch Marokko reiste.

Eigentlich ist jedes lesenswert, ja es ist in der Tat schwierig, in den fein edierten Büchern den Blick auf eins zu konzentrieren. Weil nun aber Afrika ein besonderes Steckenpferd von mir ist, möchte ich mich kurz bei Whartons Buch aufhalten.

Im Herbst 1917 reiste Edith Wharton auf Einladung des französischen Generalresidenten durch Marokko. Sie hat nur ungefähr einen Monat Zeit, so dass ihre Reise, die Strecken zwischen den besuchten Orten absolviert sie im Auto, eine sehr schnelle gewesen ist.

Oft fehlte der zweite Blick auf ein bestimmtes „Ereignis“, doch ist gerade diese Fülle an unmittelbaren Eindrücken der besondere Reiz des Buches. Ausgestattet mit einer soliden Beobachtungsgabe, beschreibt Wharton das große Panorama eines Landes, das noch halb im Mittelalter steckend, durch die französische Kolonialmacht in die Gegenwart gezwungen wird. Neben Frauen, die ihm Harem gehalten werden wie Tiere im Zoo, benebeln uns die Düfte, die zerfallenden Paläste, der ganze großartige Sermon einer Epoche, die dem Untergang geweiht ist. Eunuchen, schwarze Sklaven, unfassbare reiche Lustgreise, Wharton schaut in jede Ecke, egal wie schmutzig oder pompös aufpoliert diese ist

Ein Abenteuer, ein Bilderreigen, ein Buch, um den dunklen Tagen des Winters erfolgreich zu entrinnen!

Bibliographische Angaben

Edith Wharton, In Marokko, Vom Hohen Atlas nach Fès, Durch Wüsten, Harems und Paläste, Reihe: Die kühne Reisende, Herausgeberin: Susanne Gretter,‎ Übersetzerin: Ebba D. Drolshagen, 216 Seiten, gebunden mit farbigen Vorsatzpapier, Format: 13,5 x 22 cm, Edition Erdmann in der Verlagshaus Römerweg GmbH, Wiesbaden, März 2016, ISBN: 3-7374-0021-3, Preis: 20 EUR




Alexander Kluy: George Grosz, König ohne Land. Biographie.

Grosz auf großer Fahrt ins kleine Unglück – Annotation zum Buch „George Grosz, König ohne Land“ von Alexander Kluy

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es gibt wohl kaum einen deutschen Maler und Grafiker, der so wie George Grosz die zwanziger Jahre geprägt hat. Ob Expressionismus, Dadaismus oder beißende politische Satire in der Weimarer Republik, Grosz mischte überall mit und prägte diese Zeit nachhaltig. Nur wenig wissen wir hingehen vom 1933 nach den USA ausgereisten Grosz. Bevor ihm die Nazis ans Leder gingen, machte er sich aus dem Staub, auch weil er annahm, in den USA eine Malschule zu eröffnen. In New York ging es dann doch nicht so voran, der große Ruhm stellte sich nicht ein, auch weil Grosz immer neben der Malerei als Gebrauchsgrafiker arbeitete und dadurch in die falsche Schublade geriet.

Kluy hat eine gut lesbare und wissensreiche Biografie vorgelegt, die uns tief in die Abgründe der groszschen Seele führt. Anhaltender Misserfolg lähmte Grosz, es gab Phasen, wo er in Depressionen und Alkohol verschwand.

Alexander Kluy wertete zahlreiche Dokumente und Archivquellen erstmalig aus und schafft uns Lesern ein umfassendes Lebensbild voll Plackerei und Tragik. Nicht zuletzt der schreckliche Unfalltod Grosz nach einer durchzechten Nacht in Berlin lässt kaum ein Auge trocken. Gerade als er wieder in Deutschland Fuß fassen wollte, schlug das Schicksal gnadenlos zu.

Starkes Buch!

Bibliographische Angaben

Alexander Kluy, George Grosz, König ohne Land, Biografie, 480 Seiten, gebundenes Buch mit Schutzumschlag, Format: 13,5 x 21,5 cm, Deutsche Verlags-Anstalt Verlag, München 2017, ISBN: 3-421-04728-1, Preise: 25,00 Euro (D), 25,70 EUR (A), 33,90 CFR




Michiko: Nur eine kleine Maulbeere. Aber sie wog schwer.

Königliche Gedichte aus Japan – Annotation zum Buch „Nur eine kleine Maulbeere. Aber sie wog schwer“ von Michiko

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Weihnachten naht mit Sauseschritten – und der feinsinnige Herder-Verlag legt uns eine ganz besondere Gabe unter das Tannengrün. Niemand weniger als Michiko, die japanische Kaiserin verzaubert in fünfzig Gedichten unsere schnöde Menschenwelt. Kein Trump, kein Erdogan, keine Putin bläst uns die Lichter aus. Nein, es ist eine wunderbar nachdenkliche Frau aus Japan, die in ihren Miniaturen den Dingen auf den Grund geht.

Im Gedicht geht es um die Sprengung der Buddhastatue durch islamistische Kulturbanausen:

Auf einer Reise durch Afghanistan
In Bamiyan, im fahlen Licht des Mondes
tritt der erlauchte Buddha,
vor langen Zeiten seines Antlitzes beraubt,
ehrwürdig aus dem Felsen.

Gnädigste Wakadichtkunst aus Japan, Jahrhunderte alt und fein wie eine scharfe Klinge am Hals des Suppenhuhns. Köstlich illustriert von Hakko Ishitobi, seines Zeichens Meister der Kalligraphie, ist das Buch ein sanfter Traum am Weihnachtsbuchhimmel. Lässig erzählt die Kaiserin aus ihrem Leben, berichtet von Geburt und behandelt ebenso Fukushima wie Hiroshima.

Bibliographische Angaben

Michiko, Kaiserin von Japan, Nur eine kleine Maulbeere. Aber sie wog schwer, Gedichte, Hakko Ishitobi (Illustrator), 144 Seiten, Halbleinen, Herder Verlag, 1. Auflage Freiburg 2017, ISBN: 3-451-31220-5, 28 Euro

 




Norbert Rosing: Mein wildes Deutschland.

„Mein wildes Deutschland“ von Norbert Rosing – Neuerscheinung bei National Geographic

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wer meint „alles schon da gewesen“ irrt bestimmt. Sicher gibt es inzwischen fast unzählige Bildbände über Deutschland. Jedoch fasziniert an diesem Werk, dass der Fotograf ungewöhnliche Perspektiven und Lichtstimmungen einzufangen verstand. Darüberhinaus outet er sich, dass er selbst digital und auch noch bewusst analog fotografiert! Es sind Aufnahmen von berückender Schönheit, zwischen Nord- und Ostsee und den Alpen im Süden. Gerade in unsicherer gewordenen Zeiten für einige Auslandsziele erfreuen sich mehr und mehr Menschen an den Naturlandschaften in der Heimat. Dabei müssen es nicht die überfüllten Altstädte mit Fachwerkhäusern entlang der bekannten Flüsse sein, oder Schlösser, vor deren Eingang man lange in der Schlange warten muss. Nein, es sind gerade die Nebenschauplätze, die hier bestmöglich dargestellt werden.

Seit fast 30 Jahren ist Norbert Rosing unterwegs im wilden Deutschland, seine Fotografie ist längst Legende. Ob rollende Wellen auf Helgoland, leuchtende Buchenwälder oder in den Alpen: Dieser Bildband wandert durch alle Jahreszeiten und Regionen, präsentiert die letzten Oasen der Wildnis in Deutschland und bietet einen Blick in die Schatzkiste eines legendären National Geographic Fotografen voller Geschichten, Anekdoten und spannendem Wissen. Von Nord nach Süd werden die Regionen vorgestellt, jeweils mit einer hinführenden Texteinleitung.

Norbert Rosing, geboren 1953, entdeckte schon früh seine Leidenschaft für die Naturfotografie. Als erfolgreicher Fotograf bereiste er Skandinavien, Kanada, die USA und viele weitere Länder. Berühmt wurde er mit seinem Bildband über Eisbären. Er hat bereits mehr als 15 Bildbände veröffentlicht, darunter die National Geographic Bestseller »Wildes Deutschland«, »Deutschlands wilde Wälder« und »On Location«. Er ist Pate eines der Eisbärenbabys im Tierpark Hellabrunn.

Bibliographische Angaben:

Norbert Rosing, Mein wildes Deutschland, Naturparadiese zwischen Meeresstrand und Alpenrand neu entdeckt, 288 Seiten, ca. 250 Abbildungen, Format 24,5 x 30,5 cm, Hardcover, National Geographic, November 2017, ISBN 978-3-86690-539-9, Preis: 50,00 EUR (D)




Die Erstausgabe von "Zwischen den Wegen", herausgegeben von Jennifer Herbst und Bianca Monroy (Berlin 2017).

Sind wir nur Sternenstaub, kleine Lichtpunkte? Film- und Buchpremiere von „Irgendwo – zwischen den Wegen“ der Herausgeberinnen Bianca Monroy und Jennifer Herbst

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Gleich der Premieren zwei und dann auch noch Eintritt frei! Egal, ob man mit Udos Sonderzug fährt, am 28.11.2017 um 17.45 Uhr gibt es im Rathaus Pankow eine Filmpremiere und eine Buchpräsentation. Der Film heißt „Das sind wir – irgendwann“, Regie: Daniellis Hernandez Calderon. Das Buch heißt „Irgendwo zwischen den Wegen“. Es enthält Kunst und Texte unter anderem der Projektleiterin Bianca Monroy, einer Mexikanerin. Die Künstlerin hatte jüngst mehrere Werke gespendet, um Erdbebenopfern in Mexiko-Stadt zu helfen. Wir sind gespannt und drücken die Daumen!

Um Anmeldung wird gebeten, der Eintritt ist frei.
Mem.unterwegs@gmail.com

28.11.2017, 17.45 Uhr (!)

Rathaus Pankow
Breite Straße 24a-26
13187 Berlin

„Irgendwo – Zwischen den Wegen“
ISBn 978-3-00-058350-6
69 Seiten + Impressum
1. Auflage 250 Stück
etwa Format DIN A4. Broschur




Tage und Nächte werden zur Zeit. Leben, Traum und Tod des Kanuten und Louisianagründers Sieur de la Salle

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Tage und Nächte werden zur Zeit“. So heißt die Überschrift des 16. Kapitels in Walter Bauers Sieur-de-la-Salle-Biographie „Folge dem Pfeil“. Walter Bauer, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits drei Jahre in Kanada lebte, erzählt die Geschichte des französischen Kolonialpioniers René Robert Cavelier (genannt Sieur de la Salle). Abenteuerlust, Pioniersinn, Tatendrang und reiche Phantasie bewogen La Salle, 1666 nach Kanada auszuwandern.

Zur Zeit des Großen Kurfürsten und Dorotheas von Braunschweig und Lüneburg

Der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm von Brandenburg, hatte noch 22 weitere Regierungsjahre vor sich, wusste das aber nicht. Luise Henriette von Oranien, die Kurfürstin, sollte ein Jahr später sterben. Noch ein Jahr später heiratete Friedrich Wilhelm die Herzogin Dorothea von Braunschweig und Lüneburg, geborene Prinzessin von Holstein-Glücksburg.

Montreal und Ottawa

La Salle siedelte oberhalb Montreals, damals ein französischer Außenposten, am Ottawafluß. Er betrat Neuland, auf dem nur Ureinwohner lebten. Er campte unter ihnen, den „Indianern“, und führte Expeditionen durch, den Ottawa hinauf und nach Ohio. Sein Traum: Das Quellgebiet des Mississippi zu erreichen um dem Strom bis zur Mündung zu folgen. 1682 erreichte den Oberlauf und verwirklichte seinen Traum. (Fünf Jahre nach der Geburt des letzte, siebten Kindes von Friedrich Wilhelm und Dorothea.)

Gründer Louisianas

Nach der minimalinvasiven Art der Fortbewegung des Amazonasgebietes, die er aus Quebec kannte, befuhr er den Fluß mit dem Boot bis zur Mündung in den Golf von Mexiko, wo er Louisiana gründete. Seine nächste und letzte Expedition führte ihn mit Schiffen in das Mündungsgebiet zurück, wo er eines gewaltsamen Todes starb.

Louis quatorze

Bevor das passierte, verschwanden die Schiffe. Eine kleine Kolonie lebte mit Frauen und Kindern im winzigen Fort St. Louis, abgeschnitten von der restlichen „westlichen“ Welt. König Ludwig XIV., nachdem die „Festung“ benannt wurde, hatte La Salle stets unterstützt, anders als die Kolonisten in Kanada.

Pfarrer niedergetrampelt

Es entstand eine Situation, in der sich die Zeit auflöste, kleinste Ereignisse wollkommene Abwechslung brachten und wochenlang für Gesprächsstoff sorgten. Ein Wildschwein ging einen Pater an, ein anderer wurde von einem verletzten Büffel niedergetrampelt.

Was passiert, wenn sich eine kleine Gruppe aus einer Kultur quasi isoliert im Nichts wiederfindet?

Die Franzosen waren allein in der Prärie. Sogar La Salle ließ sie allein, das er immer wieder den Mississippi suchte. Einmal kehrten von 20 Mann acht zurück.
Unklar, ob sie jemals wieder Kontakt mit ihrer Geburtszivilisation hätten, entstand ein anderes Zeitgefühl und Kulturempfinden. Das scheinbar endlos weite Präriegras trug das Seine bei. –
Bauer beschreibt Banditen und Bauern, Indianer und Siedler in ihrer Landschaft meisterlich.

„Es war Sommer von weißer Glut, …“

Zeit-Zitate

„Das Leben kam langsam wieder zu ihnen zurück, die Tage hatten ihre Ordnung, und von der Höhe der Siedlung sahen sie die blühende Prärie mit weidenden Büffelherden, …“

„Das Leben kam wieder, …“ „Sie wußten nichts von der Welt, eine andere Zeit hatten sie begonnen. In der Welt, die sie betreten hatten, gab es weder die Majestät des Königs in Versailles, noch kamen die Nachrichten über Krieg und Frieden, die zu Hause in Frankreich ihr Leben verdunkelt oder erhellt hatten, hierher.“

„Daß ein neues Haus bezogen werden konnte, war wichtig. Der Zimmermeister, der eines Tages in der Prärie verschwand, als er […] von der Jagd zurückkam, war unersetzbar. War er von Indianern überfallen worden, hatte er sich verirrt? Darüber sprachen sie.“ (S. 273)

„Und die Zeit ging über sie dahin und nahm Tage und Nächte mit“, „Aus dem Sommer wurde Herbst, warm und mild. Nichts veränderte sich.“ (S. 274)

„– und er fragte sich selbst, ob er das alles jemals für möglich gehalten hatte. Gewesen und vorbei, und die schwarzen Raben des Vorbei, Vorbei und Nimmermehr gruben sich in seinen Geist.“
„Hier war er, […] unter diesem Himmel von gläserner Klarheit, an diesem Strande, leer, einsam, von keinem berührt und keiner würde kommen, nie.“ „Und wo war der Strom?“
Irgendwo floß er mit der Geduld und Langmut des Wassers, das die Zeit nicht kennt, durch das Land – […]“ (S. 275)

Seitdem es ISB-Nummern gibt, ist der Text wohl nicht mehr erschienen. Das vergriffene Buch findet man nur noch in Antiquariaten oder über Abebooks, booklooker & Co.

Bibliographische Angaben

Bauer, Walter: Folge dem Pfeil. Leben, Traum und Tod des Sieur de la Salle. Welt im Buch, Kurt-Desch-Verlag 1956. 319 Seiten