Der Rebell der Oper – José Cura präsentiert seine Sicht auf Benjamin Brittens Oper ‘Peter Grimes’ in Bonn

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José Cura. © Zoe Cura

Bonn, Deutschland (Kulturexpresso). Eine Matinee der besonderen Art war am Sonntag im Theater Bonn zu erleben. Der weltweit gefeierte Tenor José Cura präsentierte sich zugleich als Regisseur, Ausstatter sowie als Sänger der Titelpartie von ‚Peter Grimes‘, Premiere am 7. Mai 2017. Sicherlich ist Cura den meisten Opernfreunde als einer der vielseitigsten Sänger, mit einer ausdrucksstarken Stimme sowie einer großen Darstellungskunst, ein Begriff, allerdings als Regisseur kennen ihn nur wenige. Der Künstler, der als Komponist und Dirigent ausgebildet wurde, er trat mit 15 Jahren schon als Dirigent auf, entschied sich erst mit 28 Jahren für die Sängerlaufbahn, ist ein kreatives Genie, das kein Schubladendenken zulässt. Im Februar sang er seinen ersten ‚Tannhäuser‘ in Monte Carlo, und das mit einer grandiosen stimmlichen Überzeugungskraft.

Nun präsentierte er seine Sicht auf Benjamin Brittens Oper ‚Peter Grimes‘, die 1945 im Sadler’s Wells Theatre London uraufgeführt wurde. Allerdings dauerte es etwas, bis er am Sonntagmorgen sprechen durfte. Cura wurde von der Moderatorin, Musikjournalistin Regine Müller, erst einmal total ignoriert. Sie diskutierte detailliert mit dem Dirigenten Jaques Lacombe sowie mit dem Bariton Marc Morouse ohne José Cura einzubeziehen. Als Frau Müller endlich den der deutschen Sprach nicht mächtigen José Cura mit einem etwas holprigen Englisch in das Gespräch einbinden wollte, saß dieser schon 15 Minuten im Vakuum, hatte wohl keine Ahnung davon, wie die Diskussion bis jetzt verlaufen war. Höchst unprofessionell von Frau Müller, die dann auch als Einstieg noch einen Hinweis auf Rolando Villazon benutzte. Nachdem der Sänger, Ausstatter und Regisseur der Produktion die Situation geklärt hatte, erzählte er temperamentvoll von seiner Sicht auf die Oper, die Übersetzung übernahm jetzt der Amerikaner Marc Morouse und auch Dirigent Jaques Lacombe sprach von nun an Englisch. Die Moderatorin war überflüssig geworden und so entwickelte sich endlich eine lebhafte und interessante Einführung in Brittens doch sehr anspruchsvolles und für so manchen auch sperriges Werk.

José Cura sieht seinen Ansatz philosophisch, die Message ist für ihn klar: Grimes‘ Kampf gegen das Meer steht wohl auch für den Lebenskampf so vieler Menschen in einer gnadenlosen Gesellschaft. Als Außenseiter wird Peter Grimes von der Dorfgemeinschaft beobachtet und ohne Mitleid vorverurteilt. Ein altes Thema der Menschheitsgeschichte: wer sich nicht anpasst, wird ausgeschlossen. Fischer Grimes ist zudem auch kein ‚Diplomat‘ und so nimmt das Drama seinen Lauf. Ob er schuldig an dem Tod der beiden Jungen ist, wird vom gesamten Team letztendlich verneint. Grimes sei wohl stark kontaktunfähig, nach heutigen medizinischen Begriffen auch bi-polar angehaucht, doch ein Mensch der nach Zuneigung schreie, so die Meinung des ‚Leading Teams‘.

Das Libretto der Oper basiert auf dem Gedicht von George Crabbe, welches Cura als wichtige Grundlage für seine Inszenierung bezeichnet. Sicherlich hat er auch in dieser Partie als Sänger eine neue Herausforderung gefunden, die neue Maßstäbe setzen wird. Klar zu erkennen war in dieser Diskussion zudem die Sorge des José Cura um diesen Planeten. Die turbulenten sozialen sowie politischen Ereignisse können einen Künstler, der in dem totalitären System Argentiniens aufgewachsen ist, einfach nicht unbeteiligt lassen. Auch steht immer wieder sein Engagement für ein autarkes künstlerisches Ambiente mit Tiefgang im Raum. Unter diesen Voraussetzungen dürfte diese Produktion – eine Koproduktion mit der Oper Monte Carlo – sicherlich zu einem bewegenden Opernerlebnis werden.

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