Drei Zauberlehrlinge – Junge Dirigenten im Aufbruch

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© 2017, Foto: Midou Grossmann

Frankfurt am Main, Deutschland (Kulturexpresso). Der 8. Internationale Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti, der alle zwei Jahre in Frankfurt/Main stattfindet, präsentiert seinen Gewinner: Der 31-jährige Russe Valentin Uryupin kam, dirigierte und siegte. Der zweite Preis ging an Wilson Ng (27) aus China, den dritten Preis erhielt der US-Amerikaner Farkhad Khudyev (31). Auch der Publikumspreis ging an Uryupin, der mit einer erstaunlichen künstlerischen Reife den „Der Zauberlehrling“ von Paul Dukas sowie das Pflichtstück, für alle drei Finalisten identisch, „La Valse“ von Maurice Ravel zu Gehör brachte.

Die Schirmherrin des Wettbewerbs, Lady Valerie Solti, betonte die hohe künstlerische Qualität aller drei Finalisten, doch Valentin Uryupin, der zuletzt dirigierte, konnte die stärkste Identifikation mit der Partitur zeigen. Seine Zeichengebung blieb immer prägnant und besaß den ‚berühmten Schlag voraus‘, der heute nicht immer als eine Selbstverständlichkeit bezeichnet werden kann. Uryupin atmete mit dem Orchester und man wurde zu einer schwingenden Einheit, eben beste russische Schule. Ausgebildet wurde Uryupin u.a. bei Gennady Rozhdestvensy in Moskau. Allerdings schloss er sein Musikstudium 2009 zuerst als Klarinettist ab, um schließlich dann 2012 als Dirigent seinen musikalischen Weg zu beginnen.

Der zweite Preisträger Wilson Ng wechselte von der Flöte zum Taktstock und ist vorwiegend in Europa und den USA tätig. Seine Ausbildung als Flötist erhielt er in Paris und Lausanne. Sein erstes Dirigat im Wettbewerb, die Konzertouvertüre zu „Le Carnaval Romain“ von Hector Berlioz, basierte auf einer differenzierten und engagierten Zeichengebung. Das HR-Sinfonieorchester belohnte ihn mit einer geschmeidigen Klangsprache und der notwendigen musikalischen Brillanz; der junge Dirigent konnte zudem noch die fließende Klangfülle einfordern, die einem Publikum immer gefällt.

Dies gelang Farkhad Khudyev, dem dritten Preisträger, der als erster aufs Podium musste, nicht ganz so überzeugend mit der Ouvertüre zu „Oberon“ von Carl Maria von Weber. Etwas zu akademisch hier noch das Dirigat, allerdings gewann Khudyev mehr Sicherheit später mit „La Valse“ von Maurice Ravel, den er mit viel Temperament interpretierte.

Von 293 Bewerbern aus weltweit 58 Ländern waren 22 Kandidaten ausgewählt worden, die sich in den – nicht öffentlichen – Ausscheidungsrunden als Dirigenten des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters (am 7./8. Februar) bzw. des hr-Sinfonieorchester (am 9. Februar) präsentieren konnten. Das öffentliche Finalkonzert ist bei dem Frankfurter Publikum enorm beliebt, so war auch dieses Mal die ‚Alte Oper‘ am Sonntagvormittag fast ausverkauft. Beim anschließenden Empfang konnten alle Konzertbesucher über die Finalisten eifrig diskutieren, aber heuer war das Publikum mit der Entscheidung der Jury vollauf zufrieden.

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