Der griechische, zypriotische oder griechisch-zypriotische Komponist Marios Joannou Elia von "Sounds of Vladivostok"

[Hellas Filmbox] Gewaltiges Werk: Sounds of Vladivostok von Marios Joannou Elia ist ein Filmkonzert

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dr. Marios Joannou Elia spricht so gut deutsch, dass man ihn für einen Deutschen halten kann. Beim Boxtalk am Bergfest der Hellas Filmbox brauchte er nicht nur keinen Dolmetscher, sondern konnte sich selbst und andere übersetzen. Das neue Format der griechischen Filmfests „Hellas Filmbox“ beinhaltet Podiumsdiskussionen mit anschließendem Publikumsgespräch. Am 26. Januar ging es um „Zyprisches Kino“. Dr. Elia war dabei, da er auch aus Zypern stammt. Sein Filmwerk Sounds of Vladivostok (Klänge Wladiwostoks) wurde am Eröffnungsabend vorgestellt. Ein kurzes Feuerwerk von Bildern mit realen Klängen. Oder sollte man sagen, ein Feuerwerk von Klängen, die von Bildern untermalt wurden?

Beim „Boxtalk“-Gepräch am Freitag wurde Joannou Elia als „Filmemacher“ bezeichnet. Doch das wollte er sogleich richtigstellen. „Ich bin Komponist“. Und, um die Verwirrung aufzuklären etwas ausholend: „Ich habe aus mehreren Gründen diese Form gewählt. (Film, d. Red.) Einer der Gründe, warum ich meine Komposition filmisch einbinden musste, ist, dass es keine andere Möglichkeit gab, das Projekt umzusetzen“.

Bei diesem Projekt hat Nikolas Kostis gefilmt und als Cutter fungiert. Im Abspann könnte also stehen: Kamera Nikolas Kostis, Schnitt Nikolas Kostis. Oder DoP (Director of Photography). Aber bei diesem Projekt lief umständehalber alles anders. Wer ist der Regisseur? Nicht umsonst war bei dem Podiumsgespräch Dr. Elias Name gefallen. War es Panajotis Kouparanis gewesen, der Gesprächsleiter, der ihn erwähnt hatte? Oder Andreas Pantzis? Elias Demetriou?
Wer immer es war, hatte nicht ganz unrecht. Joannou Elia hatte eine Art Gesamtleitung bei diesem außergewöhnlichen Projekt.

Es kommt darauf an, sich von den Schubladen zu lösen, in denen wir denken.
Regie, Grip, Casting. Bereits, wenn es darum geht, bei einem normalen Film den Unterschied zwischen einem Kameramann und einem DoP zu erläutern, kommen viele in Erklärungsnöte.

Was soll man bei diesem Projekt „Sounds of Vladivostok“ schon sagen? Wo selbst Joannou Elia keine kurzen, eindeutigen Antworten geben kann? Vielleicht ist es zu viel gesagt, dass hier eine neue Kunstform erfunden wurde. Doch ein großer Teil der durchweg positiven Aufnahme dieses Musikstücks beruht auf der Idee.
Die Zuschauer sahen etwas, das es so noch nie gab, und wurden nicht nur unterhalten, sondern waren bei der Geburtsstunde etwas genuin Neuen dabei. Und warum soll das nicht an der Küste des größten Meeres entstanden sein, den unser blauer Planet zu bieten hat?
Auch die Sonne geht im Osten auf.

Einen Künstler, der die Lieder singt, die er verfasst hat, nennt man Singer-Songwriter. Wie soll man einen Komponisten nennen, der sein Stück dirigiert, das aber auch visuell umgesetzt wird? Dirigent-Director? Regisseurdirigent? Komposit-Dirigeur?

In der Sowjetunion hagelte es Kombinationen von Silben in Kurzwörtern. Gazprom ist so ein gebliebenes Beispiel. Es gab sogar den Frauennamen Zheldora, aus der überschwenglichen Begeisterung, die der Eisenbahn (Zheleznaja Doroga) entgegengebracht wurde, in einem Land, das, wie wir noch sehen werden, aus klimatischen Gründen Schwierigkeiten in der Selbstversorgung auf dem Seeweg hat.

Wenn schon eine neue Kunstform erfunden wurde, warum dann nicht auch ein Begriff für den Schöpfer eines Werkes, das in diese Kategorie fällt? Komdirreg, Regdirkom oder Dirregkom? Reg Dir nicht auf, komm und komponier‘ was!
Das reinste Komponiergehabe.

Beim Opening Event am 24.Januar gezeigt, wurde das Musikstück und Filmwerk auf vielfachen Wunsch unplanmäßig an einem späteren Festivaltag wiederholt.

An der Küste des Stillen Ozeans: Sounds of Vladivostok

Die Stadt Wladiwostok (betont auf der letzten Silbe; andere Umschrift des Kyrillischen: Vladivostok) beherrscht den Osten. Die Hafenstadt ist eine mächtige Marinebasis der russischen Pazifikflotte und beherbergt den größten Hafen der Atommacht am Stillen Ozean. Sie ist keine Millionenstadt; es gibt etwa 600.000 Einwohner. Der Name teilt sich auf in wladi und wostok, beides hinten betont, wodurch das vorletzte ‚o‘ nach ‚a‘ klingt. Bei wladi handelt es sich um einen Imperativ von „beherrschen“. Einige kennen vielleicht das Wort „wlast“ mit dem selben Stamm, das unter anderem „Macht“ bedeutet. Zusammen ergibt sich „beherrsche den Osten“.

Russland, obwohl größtes Land der Welt, immer schon knapp an ganzjährig eisfreien Häfen, profitiert möglicherweise vorübergehend von der weltweiten Erwärmung (global warming).

Solange das Eis regiert, werden die Klänge Wladiwostoks, die Sounds of Vladivostok, zu hören sein

In der Zeit der jungen Sowjetunion sollten Expeditionen und Testfahrten mit mehreren Schiffen durch das Eismeer zeigen, dass der Seeweg an der Nordküste Russlands Zeit spart. Doch das Unternehmen stellte sich als zu gewagt heraus. Wetterumschwung führte dazu, dass Schiffe verlorengingen und die Männer gerettet werden mussten, was sich als fast unmöglich erwies. Daraufhin sahen die Verantwortlichen über Jahrzehnte von solchen Vorhaben ab.

Erst die teils atomgetriebenen Eisbrecher schafften den Durchbruch. Ihnen folgten im Schlepptau die Frachter. Doch auch dieses Spielchen kann man im tiefsten Nordhalbkugelwinter nicht ewig durchführen. Abgesehen von den hohen Kosten friert der Kanal im Eis manchmal einfach wieder zu schnell zu, so dass die Frachtschiffe trotz Begleitung verlorengehen können. Oder einfach wochen- oder monatelang festsitzen, was unwirtschaftlich ist.

Solange der Weg „obenherum“ versperrt ist, kommen Murmansk und Wladiwostok höchste Bedeutung zu.

Dr. Marios Joannou Elia hielt sich mehrere Monate in der Stadt an der Ostküste Sibiriens auf. Sibirien, welches in drei große geographische Räume aufgeteilt wird, ist der Grund, dass sowohl die UdSSR als auch die Russische Föderation in etwa neun Zeitzonen unterteilt sind. Nordasien besteht praktisch nur aus Sibirien, das lediglich ein Teil Russlands ist, aber auch noch Platz bietet für die Republik Sacha (Jakutien) und ein jüdisches autonomes Gebiet.

Die Stadt selbst liegt mitten in der Peter-der-Große-Bucht am Südende einer Halbinsel. Vorgelagert die Insel Russki, dazwischen der östliche Bosporus. Die Peter-der-Große-Bucht hat zwei markante Teile, zwischen denen Wladiwostok liegt. Die Amur- und Ussuribucht. Die Stadt orientiert sich eher nach Westen zur Amurbucht.

Zweimal Goldenes Horn

Das Goldene Horn (Zolotoj oder Solotoi rog) ist die mitten in der Innenstadt liegende, gekrümmte Hafenbucht Wladiwostoks und der Hauptexistenzgrund für die Ansiedlung.

Die Namensgebung geschah in Anlehnung an das Goldene Horn in Kleinasien. Es ist ein gekrümmter Wurmfortsatz, der vom Bosporus abgeht. Das ursprünglich byzantinisch-griechische Goldene Horn wird heute von der Galatabrücke überquert und ist nach Keroessa, einer Nymphe und Mutter des Stadtgründers Byzas benannt. Byzas, Sohn des Poseidon, nannte den Meeresarm nach ihr Chryso Keras, was heute zusammengezogen geschrieben wird: Chrysokeras. Im Deutschen, Englischen und Russischen bedeutet Goldenes Horn das Gleiche. Im Türkischen heißt die innerstädtische Bucht im europäischen Teil des heutigen Istanbuls einfach nur Halic, „Mündung“.

Keroessa wurde von Zeus gezeugt, von Io auf der Landzunge Keras bei Byzantion zur Welt gebracht und von der thrakischen Nymphe Semystra aufgezogen. Nach Keroessas Mutter ist das Ionische Meer benannt. Byzas verwendete das Wort Horn/ Keras nicht für eine Landzunge oder Seezunge, sondern für die berühmte etwa 7 Kilometer lange Bucht, die Keimzelle Konstantinopels.
Die Yin-Yang-Beziehung von Wasser und Land wird durch die Mythologie deutlich.

Griechenland und Russland verbindet unter anderem das vorherrschende orthodoxe Christentum und das nichtlateinische Alphabet.

Ein Grund mehr, die Meerengen Wladiwostoks nach denen zwischen Schwarzem und Marmarameer zu benennen. Geographisch bietet es sich einfach an, einen nach zwei Seiten offenen, schiffbaren Meeressund (englisch: Sound) Bosporus zu nennen. Zudem, wenn eine gekrümmte, geschützte Meeresbucht abgeht, die einen idealen Naturhafen bildet: Das Goldene Horn.

„Sound of Vladivostok“ im Singular könnte auch ein Name für den östlichen Bosporus sein. Bedeutend: Der Sund von Wladiwostok.

Die Goldene Brücke überspannt es in Wladiwostok und verstärkt den Namen.

Gern erinnert man sich hier im Fernen Osten, wo es viele Monate bitterkalt ist, in der Nachbarschaft Koreas und Chinas, an Europa. Viele Stadtbewohner sind nur wegen der Arbeit hier und sehnen sich zurück in die Heimat. Nach Sankt Petersburg, einem anderen höchstwichtigen Hafen und Hort der Kultur, sind es 9522 Kilometer. Mit dem Auto dauert das zum Beispiel 122 Stunden.

Zum Stadtgebiet Wladiwostoks gehören auch vier Dutzend Inseln und der immerhin 257 Meter hohe Berg Cholodilnik (Kühlschrank).

Sounds of Vladivostok – Eine ungewöhnliche Komposition

Der griechisch-zypriotische Komponist schuf mit diesem Konzertfilm etwas höchst Ungewöhnliches.

Ihn faszinierten die Klänge so sehr, dass er sie aufnahm, den Bildern zuordnete und ein „Stück“ schrieb.

Der Komponist ist wie ein Dirigent, der jetzt gerade den Jagdflugzeugen zuwinkt, dann den Friedenstauben und anderen Vögeln und auf dessen Befehl das Wasser an den Schiffen (er-)plätschert.
Ganz verstehen wird man das wohl erst, wenn man es sieht. Und hört.

Beim Publikum löste der Film, den man entfernt mit einem Musikvideo vergleichen könnte, Begeisterungsstürme aus.

Wäre er bei der Berlinale im Wettbewerb gezeigt worden, hätte er den Alfred-Bauer-Preis gewinnen können.-

PS: Die Rinderfurt

Bosporus ist „natürlich“ ein griechisches Wort.

Es bezeichnet eine Meerenge, die Teil des Meeres ist. Zweimal im Atlantik beziehungsweise seinen Nebenmeeren, einmal im Pazifik.

Neben dem bekanntesten Bosporus, der 30 Kilometer langen Straße von Konstantinopel, gibt es am Schwarzen Meer noch einen zum Asowschen Meer: Die alten Griechen nannten die Straße von Kertsch zwischen den Halbinseln Krim und Taman „Kimmerischer Bosporus“. Er ist mit 40 Kilometern länger und an seiner schmalsten Stelle immer noch fast doppelt so breit wie der „Originalbosporus“ im Stadtgebiet von Byzanz, heute Istanbul.

„BOSPORUS“ bedeutet Rinderfurt oder Ochsenfurt. Das Huftier ist altgriechisch Bous, poros ist der Weg (russ. doroga). Führt der Weg durch flaches Wasser weiter, ist er eben eine Furt.

Nothing new. Und doch … Alles neu beim griechischen Filmfestival Hellas-Filmbox im Januar 2018 in Berlin-Friedrichshain (Urban Spree)!

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Winston Churchill in "Die dunkelste Stunde".

Mit Tippse, Whisky und Zigarre gegen den Gefreiten aus Braunau am Inn – Vollverarsche mit Winston Churchill

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Mit Tippse, Whisky und Zigarre, dazu British Breakfast mit Bacon und Blutwurst sowie Zeige- und Mittelfinger gegen den Gefreiten aus Braunau am Inn. Wollen die Macher des Film „Die dunkelste Stunde“, in der Garry Oldmann Winston Churchill spielt, das dem Publikum weismachene? Ernsthaft? Selten so gelacht!

Der Film von Regisseur Joe Wright zeigt Churchill als Edlen unter den Adligen, wenn es gegen diesen Tyrannen Adolf Hitler geht. Nett gemeint, aber nicht wahrhaftig. Der Streifen ist für alle, die sich über die neuere Geschichte Zeugnis ablegen können, ein Dramma giocoso.

Churchill ging in Wirklichkeit gegen jeden vor, der das Britische Weltreich herausforderte. Auch innenpolitisch, weswegen er ganz im Gefolge des Ökonomen Adam Smith den Freihandel favorisierte und ihn im Mutterland des Manchester-Kapitalismus mit einer Sozialgesetzgebung flankierte. Keine Frage: Churchill mochte den Ökonomen und den Whisky aus Schottland.

Auch und vor allem gegen das Deutsche Reich wäre er gerne schon zwei Jahre früher in den Krieg gezogen, musste aber bis 1914 warten. Allerdings forcierte der Kriegsreiter und -Berichterstatter von Anfang an die Panzerwaffe, damit London gegen die Landmächte Berlin und Wien vorgehen und gewinnen könne.

Das alles gehörte zweifelsohne in einen Dokumentarfilm, doch „Die dunkelste Stunde“ ist ein Drama wie geschafften gegen Deutsche. „Man könne mit einem Tiger nicht vernünftig reden mit dem Kopf in seinem Maul“, muss Oldmann als Churchill sagen. Super und voll Fiktion. Dass Dünkirchen statt als Dilemma als Mythos verklärt wird, bei der am Ende 330.000 von etwa 370.000 ihrer Soldaten seiner Majestet auf die Insel zurückgeschippert wurden, das wundert wenig. Nebenbei wird Dünkirchen auch noch als Pfand für Friedensverhandlungen zwischen London und Berlin verkauft, an dem Rom beteiligt sei.

Der Film gerät beim Anrühren des Siegeszeichen-Sirups, die Victory-Fingerei ist das Handzeichen von Zeige- und Mittelfinger als V für Victory (Deutsch Sieg), vollends zur Farce gegen „Faschisten“. Churchills Tippse erklärt dem Premierminiter, dass das Zeichen „Schieb`s dir in den Arsch“ bedeutet. Wenige wissen es besser. Weder Fingerübungen noch sonstiger Firlefanz sondern der Eintritt der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) sowohl in den Ersten als auch in den Zweiten Weltkrieg war entscheidend für den Sieg über die Deutschen. Als Ergebnis löste der einstige Knecht seine früheren Herren und also das Vereinigte Königreich als Welt- und Supermacht ab.

Churchills Vorgänger Neville Chamberlain eine Politik der Nachgibigkeit Londongs gegenüber Berlin anzudichten, als sei diese vom Himmel gefallen, ist dabei ebenso peinlich wie politischer Fake. Zwar wuchs nach dem Ersten Weltkrieg die Wirtschaft zwischen UK und den Dominions und Kolonien, doch militärisch ging London Eingedenk der militärischen Schwäche ein Bündnis mit Washington ein. Das Empire bröckelte lange vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Zwar hielten Kanada, Südafrika, Australien und Neuseeland UK gegen Deutschland die Stange, mehr sie reichten London nicht das Wasser. Die USA zog die Briten aus dem Untergang, weswegen sie bis heute deren Pudel sind.

Churchill und die Seinen waren Nutznießer des britischen Weltreiches und wollten mit aller Macht und Notfalls im Beiboot der USA retten, was zu retten war. Ein paar Tage als dunkelste Stunde zu verklären? Filmfutzis, schiebt`s euch in den Arsch!




Berlinale: Alte Liebe Im Reich der Perfektion – Die 44 Filme des 48. Forums der Internationalen Filmfestspiele Berlin stehen fest

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Berlinale naht, für viele eine alte Liebe. Im Reich der Perfektion gäbe es sie wohl nicht, die Internationalen Filmfestspiele Berlin. Aber anderswo. Anderswo ist hier, auf der Erde.

Im Herzen Mitteleuropas tobt bald wieder der „Wahnsinn“: 11 Tage mit fast einem halben Tausend Filmen, die Tag für Tag etwa 17-18 Stunden ausfüllen und definitiv zuwenig Raum zum Schlafen lassen. Das Forum hat seinen Platz in die Berlinale eingemeißelt neben Panorama, Wettbewerb und allerlei Firlefanz.

Fels in der Brandung

Christoph Terhechte, der Chef oder Sektionsleiter, steht wie ein Fels in der Brandung. Einst hieß das Forum „Internationales Forum des jungen Films“. Jetzt ist es dem Alter nach erwachsen geworden, sogar über 40.
Viele schieden schon vorher aus dem Rennen aus. Kurt Cobain, James Dean, Amy Winehouse, die DDR. Auch die Bonner Republik und West-Berlin, die den Rahmen für die Berlinale boten, gibt es so nicht mehr. Die Bundesrepublik Deutschland heißt zwar noch so. Sie ist aber fetter und behäbiger geworden, 16 Länder stark. Mit einem neuen Beinamen: Berliner Republik.

Eine Umbenennung hilft bei der Verjüngung. Und, wie Christoph Terhechte am 18. Januar ’18 ausführte und bekräftigte, das Besondere. Im Forum finden viele Filme statt, die zwischen Baum und Borke stehen. Man nannte sie früher „Essayfilme“, wie Terhechte in Erinnerung rief. Gemeint sind Streifen, die weder klar als Dokumentar- noch als Spielfilm eingeordnet werden können. Die zwischen den Stühlen stehen. Ungewohntes ausprobieren.
Das kann auch mal anstrengend sein – und sei es auch nur, weil es mit unseren Sehgewohnheiten in Konflikt steht, die von Trailern und Fernsehen gebildet wurden.

35 Weltpremieren

Viele Menschen aus fast aller Herren Länder werden anreisen, um das zu sehen. Viele werden Schlange stehen. Nicht alle werden Karten kriegen.

„Wunschfilm“ und Wunschfilm

Schon gar nicht für ihren Wunschfilm. Da bietet sich das Forum als Alternative. Fakten sind:

1. ist der „Wunschfilm“ oft gar nicht der tatsächliche Wunschfilm, sondern das, was in den meisten Medien steht. Dahinter stehen große Geldgeber, die Streifen können gut, müssen aber nicht unbedingt besser sein. (Meist stehen sie im „Wettbewerb“, auf dem zuviel Aufmerksamkeit lastet.)

2. Geht man nicht auch zur Berlinale, um Neues und Überraschendes zu erleben?

3. Das „Forum“ bietet oft das Forum für hervorragende Filme. Es ist weniger ein Marktplatz, wie die ursprüngliche Bedeutung des lateinischen Wortes vermuten lässt. Mehr der Boden der Tatsachen. Der Boden, auf dem ein Film gedeihen kann – oder eben nicht.

Das entscheiden auch die Zuschauer. Doch wer es hierhin geschafft hat, zur Berlinale, ist sich weltweiter Aufmerksamkeit sicher. Verdient oder nicht.

Verdiente und herausragende Beispiele hervorragender und preisgekrönter Forumsfilme sind:

„Snow Piercer“ aus Korea und

„Winter‘s Bone“ von Debra Granik mit Jennifer Lawrence („Passengers“, „Silver Linings“, „Die Tribute von Panem – Mockingsjay“)

Vielleicht finden Sie die Juwelen. Hier ist Goldrausch angesagt: Waschen Sie das Gold und lassen Sie den Sand zurück!

Die Filme des 48. Forums der Berlinale

IP bedeutet Internationale Premiere (Filmpremiere außerhalb des Ursprungslands)
WP = Weltpremiere. Die Liste ist alphabetisch geordnet, Ziffern zuerst, dann A-Z (A-F, G, I-K + L-Y):

14 Apples von Midi Z, Taiwan (Republik China) / Myanmar – WP

Afrique, la pensée en mouvement Part I von Jean-Pierre Bekolo, Senegal – IP

Aggregat von Marie Wilke, Bundesrepublik Deutschland – WP

Amiko von Yoko Yamanaka, Japan – IP

Apatride (Stateless) von Narjiss Nejjar, Marokko – WP

Aufbruch von Ludwig Wüst, Österreich – WP

La cama (The Bed) von Mónica Lairana, Argentinien / Deutschland / Niederlande / Brasilien – WP

La casa lobo (The Wolf House) von Joaquín Cociña, Cristóbal León, Chile – WP

Casanovagen von Luise Donschen, Deutschland – WP

Classical Period von Ted Fendt, USA – WP

Con el viento (Facing the Wind) von Meritxell Colell Aparicio, Spanien / Frankreich / Argentinien – WP

Los débiles (The Weak Ones) von Raúl Rico, Eduardo Giralt Brun, Vereinigte Staaten von Mexiko – WP

Den‘ Pobedy (Victory Day) von Sergei Loznitsa, Deutschland – WP

Die Tomorrow von Nawapol Thamrongrattanarit, Thailand – IP

Djamilia (Jamila) von Aminatou Echard, Frankreich – WP

Drvo (The Tree) von André Gil Mata, Portugal / Bosnien und Herzegowina – WP

An Elephant Sitting Still von Hu Bo, Volksrepublik China – WP

L’empire de la perfection (In the Realm of Perfection) von Julien Faraut, Republik Frankreich – WP

Fotbal Infinit (Infinite Football) von Corneliu Porumboiu, Rumänien – WP

Buchstabe G oder Das Forum als Ausbruch aus der Norm

Grass von Hong Sangsoo, Republik Korea – WP

The Green Fog von Guy Maddin, Evan Johnson, Galen Johnson, USA/Kanada

An dieser Stelle bricht das Forum doppelt aus: Es gibt einen Vorfilm: Accidence von Guy Maddin, Evan Johnson, Galen Johnson, Kanada – WP.
Die Zuordnung erscheint logisch, die Regisseure sind identisch. Der Film „Accidence“, womöglich ein Wortspiel, steht demnach nicht in der alphabetischen Reihenfolge. Das englische Wort „Accident“ meint Unfall, das ist hier nicht gemeint. „Coincidence“ ist ein Zufall, eine Synchronizität. Wenn beides gleichzeitig stattfindet, könnte die Wortschöpfung angemessen sein.
Hinzu kommt die phonetische Gleichheit zwischen „accidents“, dem Plural von „accident“, und dem Filmtitel „Accidence“. Der Titel könnte also soviel wie „zufällige nichtzufällige Unfälle“ bedeuten. Kürzer: „Zufällige Unfälle“.
Ein Blick ins Langenscheidt-Wörterbuch zeigt, dass es das Wort zwar gibt. Wortreich ist sie ja schon, die englische Sprache. Doch „accidence“ ist ein Begriff aus der Grammatik: Formenlehre.

Forumsfilme I-K

Interchange von Brian M. Cassidy, Melanie Shatzky, Kanada – WP

Jahilya von Hicham Lasri, Marokko – WP

Kaotični život Nade Kadić (The Chaotic Life of Nada Kadić) von Marta Hernaiz, Vereinigte Staaten von Mexiko / Bosnien
und Herzegowina – WP

Forumsfilme L-Z (L – Y)

Last Child von Shin Dong-seok, Republik Korea – IP

Madeline’s Madeline von Josephine Decker, USA – IP

Maki’la von Machérie Ekwa Bahango, Demokratische Republik Kongo / Frankreich – WP

Mariphasa von Sandro Aguilar, Portugal – WP

Minatomachi (Inland Sea) von Kazuhiro Soda, Japan / USA – WP

Notes On an Appearance von Ricky D’Ambrose, USA – WP

Old Love von Park Kiyong, Republik Korea – IP

Our House von Yui Kiyohara, Japan – IP

Our Madness von João Viana, Mosambik / Guinea-Bissau / Katar / Portugal / Frankreich – WP

Premières armes (First Stripes) von Jean-François Caissy, Kanada – WP

Premières solitudes (Young Solitude) von Claire Simon, Frankreich – WP

SPK Komplex von Gerd Kroske, Deutschland – WP

Syn (The Son) von Alexander Abaturov, Frankreich / Russische Föderation – WP

Teatro de guerra (Theatre of War) von Lola Arias, Argentinien / Spanien – WP

Tuzdan Kaide (The Pillar of Salt) von Burak Çevik, Türkei – WP

Unas preguntas (One or Two Questions) von Kristina Konrad, Deutschland / Uruguay – WP

Waldheims Walzer von Ruth Beckermann, Österreich – WP

Wieża. Jasny dzień. (Tower. A Bright Day.) von Jagoda Szelc, Polen – IP

Wild Relatives von Jumana Manna, Deutschland / Libanon / Norwegen – WP

Yours in Sisterhood von Irene Lusztig, USA – WP

Welches 2017 der beste Film aus Sicht der Caligari-Jury war, die ausschließlich Filme aus dem Forum begutachtet, steht hier.

Meer ohne Wüstenschiffe. „El Mar La Mar“ von Joshua Bonnetta und J.P.Sniadecki gewinnt den Caligari-Preis für einen Film aus dem Berlinale-Forum

Es wird auch Publikumspreise geben und Leserjurys. Die Tagesspiegel-Leserjury wählt nur aus den Filmen des Forums aus.




Hannes Jaenicke im Einsatz für Nashörner.

Die Spur des Horns – Doku im ZDF: Hannes Jaenicke im Einsatz für Nashörner

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Hannes Jaenicke war schon oft im Einsatz für Eisbären, Elefanten, Löwen und Haie. Zuletzt war er im Einsatz für Nashörner. Das was Jaenicke und seine Jungs gehört und gesehen haben, das zeigt das ZDF am Dienstag, den 16. Januar 2018, um 22.15 Uhr in der Doku „Im Einsatz für Nashörner“ von und mit Hannes Jaenicke.

Jaenicke, der sich als Schauspieler, Dokumentarfilmer, Querdenker und Autor einen Namen gemacht hat und veilfach geehrt wurde, unter anderem mit dem Grimmepreis, nutzt seine Bekanntheit, um sich gesellschaftspolitisch und sozialkritisch zu engagieren, wovon seine Bücher „Wut allein reicht nicht“ (2010) und „Die große Volksverarsche“ (2013), die in großer Auflagen erschienen, Zeugnis ablegen wie seine Dokumentarfilme.

Als Kameramänner hätte Jaenicke Markus Strobel, Tim Henkel und Jo Binder bei dieser Nashorn-Produktion der Tango Film GmbH und Pelorus Jack Filmprods LLC dabei. Die ausführenden Produzenten waren Strobel und Jaenicke. Sie folgten der „Spur des Horns und wollten wissen, warum die Wilderei ein derartiges Ausmaß angenommen hat“. Laut ZDF-Presseinformation seien „1200 Tiere wegen ihres Horns von Wilderern getötet“ im vergangen Jahr in Afrika getötet worden.

Deswegen führt die Reise nach Kenia und Südafrika bis hin nach Vietnam, um dort nicht nur einen vietnamesischen Investigativjournalisten, sondern auch Konsumenten für das Horn, für das Käufe rund „50.000 Euro pro Kilogramm“ bezahlen würden.




Adeventskranz, Heiligabend, 4. Advent, vierter Advent, Kerze brennt, 4 Kerzen, Weihnachtsschmuck

Bo und der Weihnachtsstern (The Star), Caroline und der Nordstern, ihr Bruder Friedrich Herschel und Uranus, sein Sohn, der Astronom, die Sterne und Weihnachten (Eigenständiger Teil 2 von: Was soll ich dieses Jahr feiern? Den vierten Advent? Da war doch noch ein anderer Festtag am Sonntag, den 24.)

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, ich kann die Plastikrentiere aus Taiwan – nichts gegen die Republik China – nicht mehr sehen. Obwohl die vielen Lichter, die dank LEDs auch nicht mehr von Atomkraftwerken betrieben werden müssen, eine Winterdepression verhindern könnten.

Fliegende Schlitten, die von fliegenden Zugtieren angetrieben werden – ohne Bodenwiderstand. Wovon sollen sich die Vierbeiner denn abstoßen?

Kaum ist Weihnachten vorbei, knallt einem der China- oder Polenböller um die Ohren und reißt einen aus der gerade einsetzenden Besinnung, da die Geschäfte endlich mal geschlossen hatten. Der nächste Einkaufsgrund. Krapfen, Knallbonbons, Luftschlangen – wenn das vorbei ist, gehen Schule und Uni wieder los.

Mint ist keine Minze

Dann wird sich wieder beklagt über das mangelnde Interesse an den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften) und zu wenig Nachwuchs, ganz besonders unter den Frauen.
Kindern das Märchen vom Weihnachtsmann als Bären aufzubinden, ist eine Sache. Ein fliegendes Ren, das weder aus dem Flugzeug gefallen, noch am Fallschirm oder einem Hubschrauber hängt, eine andere.

Da darf man sich nicht wundern.

Sternenkunde

Mit der Astronomie geht es weiter. Vom Polarstern kommt er her, der fliegende Mann.
Aha. Den Stern im Norden, ganz hell und unbeweglich, kennen sogar Matrosen. Nächtliche Navigation? Nur nicht ohne Nordstern.

Doch nicht nur mit dem Stern wird Schindluder getrieben, sondern auch noch mit der Sprache.

Nachplappern ist einfacher als denken.

Übersetzungsfehler mögen manchmal lustig sein – wenn sie derart Sprachen zerstören und das Verständnis erschweren, reicht es. Guter Vorsatz für das neue Jahr: Kein „Polarstern“ mehr.

Eisbär am Pol!

Wie durch ein Wunder gibt es im Deutschen noch keine „Polarbären“, sondern nur Eisbären. Im Englischen gibt es „polar bears“. Niemand würde verstehen, wenn man von „ice bear“ spricht. Ein „Ice Bear“ könnte eine Art Schneemann in Bärenform sein oder ein mit der Kettensäge aus einem Eisblock herausmodelliertes Kunstwerk. Würde das Wort „polar bear“ obsolet und durch die wörtliche Übersetzung von „Eis-bär“ ersetzt, wären die Angelsachsen wohl „not amused“.

Bärenstark

Zwei andere Bären, ein großer und ein kleiner, heißen auf englisch „Ursa Major“, der „great bear“, als Sternbild “big dipper“, und „Ursa Minor“, „Lesser Bear“ oder „little bear“.
Der „Polar star“ befindet sich an der Spitze von „Ursa minor“.
Auf deutsch: Der Nordstern ist an der Spitze (der Deichsel) des „Kleinen Wagens“.

Nordsternstraße = 1a

In Berlin gibt es ein Nordsternhaus und eine Nordsternstraße. Unweit des Schöneberger Rathauses, dass zu West-Berliner Zeiten auch das Rathaus des Bundeslandes Berlin war. Ein Rathaus, in dem die Freiheitsglocke hängt, Willy Brandt und John F. Kennedy große Reden hielten.
Was ist mit der Freiheit, die eigene Sprache sprechen zu dürfen?
In Fulda dagegen wird der unbekannteren Variante des Namens des Sterns gehuldigt. Die Polarsternstraße verbindet Sonnenstraße und Neptunstraße im Stadtteil Haimbach.

Polarstern ist auch deshalb ein schlechter Name, da er ungenau und vieldeutig ist. Da es einen Südpol und Nordpol gibt, ist der Bezug unklar. Polar, nun gut, aber an welchem Pol? Beschreibend gibt es im Englischen den Begriff ’northern pole star‘, der ist allerdings länger, auch als der deutsche, und nicht als Name gebräuchlich.

Im Kino: „BO UND DER WEIHNACHTSSTERN“

Und dann wäre da auch noch der Stern von Bethlehem. In dem köstlich-erfrischenden Weihnachtsfilm „BO UND DER WEIHNACHTSSTERN“ – er heißt auf englisch „The Star“ – spielt er neben dem Esel die Hauptrolle. Die Geschichte ist bekannt: Ein Zimmermann aus Nazareth zieht mit der schwangeren, unverheirateten Maria nach Bethlehem.
Immerhin ist der Esel im Film klug. Er kann sprechen und sich befreien. Die (dummen?) Menschen hören nur „I-ahh“. Maria versteht Bo aber ziemlich gut.

Die Suche nach der Wahrheit

Das entspricht der Wahrheit: Esel sind intelligent, wie Biologen bestätigen können.
Gott sei Dank, wenigstens einer Naturwissenschaft kommt man mal nicht in die Quere.
Um erschöpfend herauszuarbeiten, welcher Stern der von Bethlehem war, fehlt hier der Platz. (Einen Hinweis gibt Matthäus 2, 1-12: „Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut …“. Auch Sekundärliteratur zum Thema gibt es ausreichend. Aktuell zum Beispiel die Titelgeschichte der Ausgabe Nr. 10 Dezember 2017/ Januar 2018 von „Himmel & Erde – Gemeindezeitung für den Wilmersdorfer Süden“, genau jenes Bibelzitat ist die Überschrift der Titelstory mit farbigem Cover und fünfzackigem Stern, der scheinwerferartig eine Geburt beleuchtet. Bettina Schwietering-Evers und Monika Linnekugel – „Der Stern im Advent und zu Weihnachten“ – verfassten die Sternenbeiträge der „Cover-Story“.)

Ist die Suche nach der Wahrheit nicht schon spannend genug?

Der Gelbe Riese ist nicht allein

Friedrich Wilhelm Herschel aus Hannover entdeckte im August 1779 Polaris B. Der Nordstern ist so hell, da er das Licht dreier Sterne sammelt: Polaris Aa (ein gelber Riese), Polaris Ab und Polaris B. Aa und der Zwerg Ab sind einander „sehr nah“ (nur so weit wie von der Sonne bis zum Uranus), Polaris B „etwas weiter entfernt“. Alles ist relativ. Deswegen die Anführungsstriche.

Herschel: Musiker, Astronom, Vater

Herschel war Forscher, aber auch Mensch. Er war Sohn eines Militärmusikers, diente als Oboist und Geiger in einem kur-braunschweig-lüneburgischen Regiment, genauer: der Fußgarde in Hannover. Die kur-braunschweig-lüneburgischen Regimenter bildeten eine Armee, die erst 1803 nach der Niederlage gegen Napoleon aufgelöst wurde. Lüneburg-Braunschweig, manchmal verkürzt-verfälschend Kurhannover genannt – wohl im 18. Jahrhundert schon unter dem Einfluss der englischen Sprache – wurde seit 1714 bis zum Amtsantritt der Königin Viktoria (Queen Victoria) im 19. Jahrhundert in Personalunion regiert.
Der Kurfürst von Lüneburg-Braunschweig war gleichzeitig König von England und Schottland, also König von Großbritannien, seit 1801 sogar König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland.
Kein Wunder also, dass 1803, nach Auflösung des Heeres, ein Großteil der Offiziere und Soldaten nach England ging, korrekt: nach Großbritannien, um in der King‘s German Legion den Kampf gegen Napoleon fortzusetzen.

Späte Heirat?

Herschel heiratete erst mit 50, im 18. Jahrhundert hätte man das wohl spät genannt, aber andererseits wegen der mächtigeren Stellung des Mannes wohl geschwiegen, statt den Zeitpunkt zu beurteilen. Er hatte ein Kind. Es wurde geboren, als er 54 Jahre alt war (1792).

Nur ein Sohn

Zu diesem Zeitpunkt war Herschel bereits ein bedeutender Astronom, der 1781 bekannt wurde, als er Uranus entdeckte, einen Planeten, der nicht das Schicksal Plutos erlitt: vom Planeten wieder zum Nichtplaneten degradiert zu werden. Sohn John Frederick William trat in Vaters Fußtapfen und wurde ebenfalls ein großer Astronom.

Herschel schrieb übrigens auch Kammermusik, Konzerte und Symphonien. Joachim-Ernst Berendt (1922-2000; „Das Leben, ein Klang“, „Ich höre, also bin ich“, „Nada Brahma – die Welt ist Klang“) hätte seine helle Freude daran gehabt, oder er hatte sie, falls er ihn kannte.

Märchen erzählt?

Wir wissen nicht, ob Friedrich Wilhelm Herschel seinem Sohn Märchen erzählte und wenn ja welche. Oder ob er das seiner Nachbarin überließ, die er heiratete, als sein Leben schon mehr als halb vorbei war und das halbe hundert Jahre erreicht.

Caroline

Vielleicht hat er, statt seinem Sohn überflüssige Lügen und Märchen zu erzählen, die sich andere ausgedacht hatten, seine Zeit lieber genutzt, um mit seinen Geschwistern Alexander und Caroline weiter immer größere Teleskope zu basteln und Sterne zu gucken. Das war so mitreißend, dass seine 12 Jahre jüngere Schwester eine anerkannte Astronomin wurde.

Die Hannoveranerin kehrte nach dem Tod ihres Bruders 1822 in ihre Heimat zurück, wo sie 26 Jahre später auch starb. Es hielt sie nichts mehr in England. 1838 wurde sie in die Königlich Irische Akademie der Wissenschaften aufgenommen, da war sie 88. Mit 96 erhielt sie die Goldmedaille der preußischen Akademie der Wissenschaften.

Auch Caroline, die Sternenforscherin, blieb der Musik verbunden. Mit 97 sang sie nach einem mehrstündigen Gespräch dem Kronprinzenpaar ein Lied vor. Es war übrigens eines, das Friedrich Wilhelm komponiert hatte, 7 Jahrzehnte zuvor.

Brauchen wir die Lügen?

Brauchen wir also die Lügen von fliegenden Rentieren? Brauchen wir einen „Polarstern“, obwohl wir doch schon einen Nordstern haben? Der mit zwei Silben auskommt und einen Buchstaben weniger aufweist? Brauchen wir die Falschübersetzungen oder ist das alles „horse radish“?

Plädoyer für die Erforschung der Wahrheit

Nicht nur Goethe, viele Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts und Unternehmer des 19. (Bosch, Siemens & Co.) waren viel ganzheitlicher orientiert, als mancher heutige Fachidiot und Spartenwissenschaftler.

Es sieht ganz so aus, als hätte sich John Frederick William von seinem Vater für das Rätsellösen am Himmel begeistern lassen, das handwerkliche Fähigkeiten erforderte. Nach anfänglicher Emanzipation als Jurist wandte er sich später der Astronomie zu und übernahm sogar die Sternwarte seines Vaters.

Er hätte spätestens nach dem Tod Friedrich Wilhelm Herschels 1822 sich vom Thema abwenden können. Stattdessen wurde er ein anerkannter Astronom. Er führte das Julianische Datum in die Astronomie ein, wurde ob seiner Leistungen geadelt und 1848 Präsident der Royal Astronomical Society.

Er lebte bis in das Jahr der 2. deutschen Reichsgründung hinein, er starb am 11. Mai 1871 in Hawkhurst, Kent.

Er blieb im Lande und folgte seiner Tante nicht in ihre Heimat und die seines Vaters nach Hannover.

Eine Marginalie nebenbei: John Herschel wurde 1850 königlicher Münzmeister der Royal Mint. „Mint“ ist ist hier weder Abkürzung noch Minze noch Pfefferminze. Mint ist hier die „Münze“.

Mit guter Münze

Die Münze, die man nicht in der Hosentasche tragen kann. Jene, nach der in Groß Grönau die Straße „An der Münze“ benannt wurde, in Köln, Lüneburg und Neuss. Im Mittelalter wurden Steuern ganz einfach beim Ummünzen eingezogen. Dieser Ort hieß Münze, da dort gemünzt wurde. In manchen Städten gibt es die „Münzstraße“.

Eine Eselsbrücke

Der englische Begriff „mint“, der einen perfekten Zustand meint, einer Münze, aber auch anderer Gegenstände, Bücher und Antiquitäten, ist davon abgeleitet. Er hat mit der Frische der Minze nichts zu tun, sie kann aber als Eselsbrücke dienen; auch wenn wir jetzt wissen, dass Bo und andere Esel so dumm gar nicht sind. Menschen bedürfen der Eselsbrücken.

Das Märchen vom Weihnachtsmann zu erzählen, mag noch in Ordnung sein, doch enthalten das Leben und das Universum so viele Rätsel, dass die Wahrheitssuche nicht noch künstlich erschwert werden sollte.

Dann kann einem starken Vater ein starker Sohn folgen. Wie im Jahre 1, wenn das kein Märchen ist.

Anmerkung:

Siehe auch den Beitrag Was soll ich dieses Jahr feiern? Den vierten Advent? Da war doch noch ein anderer Festtag am Sonntag, den 24. – Moment, gleich fällt es mir ein … von Dirk Fithalm.




Zunehmender Mond über Baumreihe im Dunkeln.

Sagt der eine Blinde zum anderen: „Lass uns ins Kino gehen!“ Na klar! Hörfilme gibt es wirklich – kein Witz! – sogar einen Preis, den Deutschen Hörfilmpreis 2018. Die 16 Nominierungen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Stellen Sie sich vor, Sie gehen ins Kino, die Süßwaren zur Linken, das Getränk zur Rechten, nach zwei Stunden ist der Film zu Ende, Sie sind zufrieden – und die Leinwand blieb die ganze Zeit dunkel. Oder hell. So genau weiß das niemand im Saal. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV) hat die Nominierungen für die Verleihung des Deutschen Hörfilmpreises im März bekanntgegeben. Darunter wichtige und gute Filme wie „Beuys“ und „Kundschafter des Friedens“.

Es gibt nicht nur solche Filme, es wird wert auf Qualität gelegt, sowohl beim Rohmaterial als auch bei den Bildbeschreibungen, die in die Pausen zwischen die Dialoge eingesprochen werden, die Gesichtszüge, eine hochgehende Augenbraue, einen aufwärts gerichteten Daumen oder das goldene Prunkgemach Ludwig XIV. verraten.

Schön, dass diese Streifen nun für alle „sichtbar“ sind.

„Beuys“ über Joseph und seine Provokationen, seinen Kunstbegriff, Kunst und Nichtkunst ist viel besser, als man bei dem Titel vermuten mag, wenn man bisher nur von der Fettecke gehört hatte.

„Kundschafter des Friedens“ ist eine herrliche, friedliche Agentenkomödie mit DDR-Einschlag und Erinnerungen an die UdSSR, Gorbatschow und die Freunde. Durchaus gut.

„Die Unsichtbaren“ meint weder die Blinden noch die, die sie nicht sehen können, noch Menschen unter der Tarnkappe oder Außerirdische. Es ist ein Film über jüdische Mitbürger, die „untertauchten“, wenn man mal die nicht-legale Konnotation in der Hintergrund stellt. ‚Schon, wieder? Wie langweilig!‘ gilt hier gar nicht.

„Licht“. Wieder ein Filmtitel, bei dem einem ein Licht aufgeht. Kein Nischenfilm für Sehbehinderte!

„Einsamkeit und Sex und Mitleid“: Schön, dass dieser „sehenswerte“ Beitrag jetzt noch sichtbarer wird.

„Rabbi Wolff“ von Britta Wauer ist einfach gut, fast so toll wie der überraschende Herr Wolff selbst.

„Simpel“. Nicht schlecht. Kann man sich auch mit Augenlicht gut angucken. Fast scheint es, als hätten Filme, die irgendwie Inklusion oder Behinderte einschließen, bessere Chancen für die Einsprechung und Nominierung.

„WENDY – Der Film“. Alle Achtung, wie man einen Pferdefilm adäquat „übersetzen“ und übermitteln will – keine Ahnung. Respekt. Filmstart war 26. Januar 2017 (Sony Pictures). Von Vorteil ist natürlich, das sowohl die Pferde als auch die Darsteller eine Augenweide sind.

Liste der Nominierten

Diese Produktionen haben mit ihren hochwertigen Bildbeschreibungen die Finalrunde um den begehrten Titel „Bester Hörfilm des Jahres“ erreicht:

„Beuys“ (Deutschland 2017, Regie: Andres Veiel) eingereicht von Speaker-search als Dokumentation
„Blinky Bill – Das Meer der weißen Drachen“ (USA/Australien 2015, Regie: Deane Taylor) eingereicht von KIKA als Kinder-/Jugendfilm
„Die Lebenden und die Toten (1) – Ein Taunuskrimi“ (Deutschland 2016, Regie: Marcus O. Rosenmüller) eingereicht vom ZDF als Serie/TV-Reihe
„Die Vierhändige“ (Deutschland 2017, Regie: Oliver Kienle) eingereicht von Erfttal-Film als Spielfilm
„Die Unsichtbaren“ (Deutschland 2017, Regie: Claus Räfle) eingereicht von CinePlus Filmproduktion als Dokumentation/Spielfilm
„Einsamkeit und Sex und Mitleid“ (Deutschland 2017, Regie: Lars Montag) eingereicht vom Bayerischen Rundfunk als Spielfilm
„Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ (Großbritannien 2013, Regie: Max Lang, Jan Lachauer) eingereicht vom ZDF als Kinder-/Jugendfilm
„In aller Freundschaft; Folge 773: Mach‘s gut, Nick!“ (Deutschland 2017, Regie: Heidi Kranz) eingereicht vom Mitteldeutschen Rundfunk als Serie/TV-Reihe
„Kundschafter des Friedens“ (Deutschland 2016, Regie: Robert Thalheim) eingereicht von Majestic-Filmverleih als Spielfilm
„Landgericht – Geschichte einer Familie“ (1) (Deutschland 2017, Regie: Matthias Glasner) eingereicht vom ZDF als Spielfilm
„Licht“ (Deutschland 2017, Regie: Barbara Albert) eingereicht von Farbfilm-Verleih als Spielfilm
„Meine fremde Freundin“ (Deutschland 2017, Regie: Stefan Krohmer) eingereicht vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) als Spielfilm
„Rabbi Wolff“ (Deutschland 2016, Regie: Britta Wauer) eingereicht von Basis Berlin als Dokumentation
„Simpel“ (Deutschland 2017, Regie: Markus Goller) eingereicht von Universum-Film als Spielfilm
„Tatort – Der Tod ist unser ganzes Leben“ (Deutschland 2017, Regie: Philip Koch) eingereicht von X Filme Creative Pool als Serie/TV-Reihe
„WENDY – Der Film“ (Deutschland 2017, Regie: Dagmar Seume) eingereicht von Bantry Bay als Kinder-/Jugendfilm

Eingereicht werden konnte in den Bereichen Spielfilm (Kino/TV), Kurzfilm, Kinder- und Jugendfilm, Dokumentation und Serie/Fernsehreihe.

Die Bekanntgabe erfolgte gestern, am 14.12.2017.

Die Preisträger werden im Rahmen einer festlichen Verleihung am Dienstag, den 20. März 2018 im Kino International in Berlin bekanntgegeben, unweit des Alexanderplatzes in „Mitte“.

In den vergangenen 16 Jahren hat die Preisverleihung immer mehr an Bedeutung für „barrierefreie“ Filme gewonnen und so maßgeblich dazu beigetragen, dass inzwischen das Angebot an Produktionen mit Audiodeskription auf dem deutschen Markt gewachsen ist. Angesichts dieser erfreulichen Entwicklung setzt sich der Deutsche Hörfilmpreis für eine hohe Qualität der Hörfilme ein. Bei der Bewertung der Hörfilme dient die von der Filmförderungsanstalt (FFA) veröffentlichte „Empfehlung für Standards barrierefreier Fassungen“ als Orientierung.

Hörfilme ermöglichen es blinden und sehbehinderten Menschen, Filme besser wahrzunehmen und zu genießen, quasi „als Ganzes“. Diese Filme sind mit einer Audiodeskription (AD) versehen, die in knappen Worten zentrale Elemente der Handlung sowie Gestik, Mimik und Dekor beschreibt. Diese Bildbeschreibungen werden in den Dialogpausen eingesprochen.

Der Deutsche Hörfilmpreis wird seit 2002 vom DBSV verliehen und von der Aktion Mensch unterstützt. Der DBSV ist der Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband.

www.deutscher-hoerfilmpreis.de




Die Erstausgabe von "Zwischen den Wegen", herausgegeben von Jennifer Herbst und Bianca Monroy (Berlin 2017).

Sind wir nur Sternenstaub, kleine Lichtpunkte? Film- und Buchpremiere von „Irgendwo – zwischen den Wegen“ der Herausgeberinnen Bianca Monroy und Jennifer Herbst

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Gleich der Premieren zwei und dann auch noch Eintritt frei! Egal, ob man mit Udos Sonderzug fährt, am 28.11.2017 um 17.45 Uhr gibt es im Rathaus Pankow eine Filmpremiere und eine Buchpräsentation. Der Film heißt „Das sind wir – irgendwann“, Regie: Daniellis Hernandez Calderon. Das Buch heißt „Irgendwo zwischen den Wegen“. Es enthält Kunst und Texte unter anderem der Projektleiterin Bianca Monroy, einer Mexikanerin. Die Künstlerin hatte jüngst mehrere Werke gespendet, um Erdbebenopfern in Mexiko-Stadt zu helfen. Wir sind gespannt und drücken die Daumen!

Um Anmeldung wird gebeten, der Eintritt ist frei.
Mem.unterwegs@gmail.com

28.11.2017, 17.45 Uhr (!)

Rathaus Pankow
Breite Straße 24a-26
13187 Berlin

„Irgendwo – Zwischen den Wegen“
ISBn 978-3-00-058350-6
69 Seiten + Impressum
1. Auflage 250 Stück
etwa Format DIN A4. Broschur




Rosaana Velasco

Von Rosaana Velasco gestalteter mexikanischer Totenaltar am Volkstrauertag und bis zum Totensonntag, dem Thementag Lateinamerika, im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln zu besichtigen

Köln/ Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Berliner Künstlerinnen Rosaana Velasco und Liliana Cobos Pineda gestalteten einen Altar, der seit dem „Tag der Toten“, der in Mexiko die Friedhöfe heiter belebt, im Kölner Museum Rautenstrauch-Joest steht. Ein neuer Disneyfilm, der am 30. November bundesweit in die Kinos kommt, erhellt die Bedeutung eines solchen Altars. Doch dann wird er bereits abgebaut sein. Der 26. des Monats ist der letzte Schautag, gleichzeitig Totensonntag und Thementag Lateinamerika in Köln.

Die Deutschmexikanerin war bei der Eröffnung und auch zwischendurch in Köln anwesend.

Alles gerät in Vergessenheit, wenn es nicht erinnert wird

Erinnerung ist eine zentrale Funktion der Seele, der Geschichte und sogar der Politik. Das aus Indien stammende Wort „Yoga“ bedeutet unter anderem auch Erinnerung und Verbindung. Erinnern wir uns an etwas, verbinden wir uns damit; erinnern wir uns an jemanden, verbinden wir uns mit ihm.
(Für genderkorrekte-Leser: mit ihm oder ihr, doch darum ging es gerade nicht.)
Yoga schafft eine Verbindung, auch zu Gott, wenn man ihn denn kennt.
Wie soll man sich an jemanden erinnern, den man nicht kennt?

Strautenrauch oder Rautenstrauch? Das Museum

1901 wurde ein Völkerkundemuseum in Köln gegründet, das noch zu Preußen gehörte. Preußen endete durch das zögerliche Verhalten Max von Badens und des deutschen Kaisers im Verlauf der Ereignisse von 1914/1918/1919 und folgende. Die Weltkriege zerstörten nicht nur Feld und Flur, Gesundheit und Menschenleben von Tausenden und Abertausenden, sondern auch Preußen.
Köln gibt es noch, obwohl es im 20. Jahrhundert auch Zerstörungen erlitt und eine Teil-Zwangsevakuierung stattfand.

Alles geht um Erinnerung

Das Völkerkundemuseum darf jetzt „Ethnologisches Museum“ heißen. Im Zuge der Entdeutschung, Entwurzelung?, Korrektur: freiwilligen Internationalisierung der deutschen Sprache werden die Wörter teils immer länger. Statt eines international untauglichen „ö“s enthält das politisch korrekte Wort für das Museum jetzt zwei „o“.

Erinnerung an Wörter

Auch bei den Wörtern kommt es eben auf die Erinnerung an. Das „Oberhaupt“ und die Wendung „erhobenen Hauptes“ erinnert uns an ein altes Synonym für Kopf (das Haupt), das andernfalls wohl schon der Vergessenheit anheimgefallen wäre. Sprichwörter wie „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ an ausgerottete Währungen. Doch dazu muss man sie ab und zu benutzen. Wenn „die junge Generation“ mit dem Handy kommuniziert, chattet, gamet, sich Apps downloaded (schreibt man das ‚auf deutsch so?), bleibt wohl wenig Platz für „alte“ Wörter, die bis vor kurzem über Generationen weitergegeben wurden. Jetzt veralten sie anscheinend in Windeseile. Oder sie werden veraltet. Indem neue Wörter und Begriffe schnell und in großer Zahl auftauchen.

Erinnerung an Verstorbene

Der Disneyfilm „Coco“ stellt es so dar, als ob alles darauf ankäme, das ein Photo des geliebten verstorbenen Menschen, zum Beispiel eines Verwandten, auf dem Altar stehen müsse. Kein Photo, kein Friedhofsbesuch.

Die zweite Stufe des Todes, der endgültige Tod, ist der durch das Vergessen. Filmisch dargestellt durch die Auflösung in – nichts. Wer von niemandem mehr erinnert wird, muss auch aus dem Jenseits verschwinden.

Auf den Wortschatz übertragen bedeutet das: Jahrzehntelang unbenutzte Begriffe werden erst als „veraltend“, dann als „obsolet“ bezeichnet und Verschwinden letztlich aus dem Duden.

Ein Film über Erinnerung

In dem in Kürze in die deutschen Kinos kommenden Spielfilm „Coco“ – in Mexiko läuft der Film zurzeit schon – gibt es einen Ohrwurm „Recuerda me“, zu deutsch: Erinnere Dich an mich. In der deutschen Fassung des Zeichentrickfilms heißt das umgedichtete Lied „Denk stets an mich“. Es geht um die Erinnerung.

Zeichentrickfilm

Heute wird so ein Film Animationsfilm genannt, in Anlehnung an den englischen Terminus „animation“. Dieses Wort ist zwar im deutschen unverständlicher, hat sich jedoch bereits und wurde eingebürgert. Verwendet jemand das Wort Zeichentrickfilm, wird er belehrt, dass „Zeichentrick“ ja etwas anderes sei als „Animation“. In der Tat, Animation findet im Urlaub in Tunesien statt. Unterhaltung gibt es woanders. Trotz neuer Technik und neuer Computerprogramme wird immer noch gezeichnet; ob nun am Bildschirm oder Zeichenbrett, who cares?

„Anime“ ist ein japanisches Wort und der Duden verzeichnet für die Bezeichnung „Animation“ an zweiter Stelle folgendes: „(Film-) Verfahren, das unbelebten Objekten im Trickfilm Bewegung verleiht“. Wie das geschieht, dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Neu in der deutschen Sprache ist unter anderem der „Stop-Motion-Film“.

Passender als mit einem Zeichentrickfilm hätte man die Problematik wohl kaum darstellen können.
Jeder Film ist ein Trick, da er zwei Dutzend statische Bilder zur Illusion einer lebenden Szene erweckt.

Dieser Trickfilm ist gezeichnet, da man so ganz genau sowieso nicht weiß, wie es „da drüben“ aussieht und auch keine Fotos schießen kann.

Nebenbei wird dabei das belebt, was bereits tot ist. Im Film wirkungsvoll: die Skelette.

Die Animation führt zu einer Reanimation.

Die Vorstellungswelt der Mexikaner und Mexikanerinnen ist besonders reich und bunt, genannt seien vor allem die Geisttiere, die die Seelen führen sollen. Sie sind sehr bunt und ähneln lebenden Tierarten nur bedingt. Die in allen Farben schillernden Fabelwesen bereichern einen Trickspielfilm ungemein.

Übrigens sind die Lieder in der deutschen Fassung des Animations-/ Zeichentrickfilms „Coco“ sehr gut gelungen, genauso wie die Songs in der Originalfassung. Das Original des Disney-Pixar-Films ist auf englisch.

Kalendertage und die Mitternachtsgrenze

Der Dia de los Muertos (Tag der Toten) ist am 1. November. Allerdings führt eine kurze Antwort auf die Frage des „Wann?“ in die Irre.

Anders als der Volkstrauertag (19.11.2017) und der Totensonntag (2017 am 26.11.), die nicht nur immer an einem Sonntag liegen, sondern auch mit Mitternacht abgeschlossen sind, ist der Tag der Toten, der „dia de los muertos“, zwar am 1. November; doch gefeiert wird vom Abend durch die Nacht bis hin zum Sonnenaufgang. So, wie der Sabbat (Schabbat) zum Sonnenuntergang beginnt und am Samstag bei Sonnenuntergang endet, überschreitet auch der „Dia de los muertos“ die Mitternachtsgrenze.

Tag und Nacht

Wir haben uns daran gewöhnt, das Zweigespann von Tag und Nacht als „Tag“ abzutun und die Nacht dabei zu vergessen. Nur im Reisebüro interessiert noch, wieviele TAGE und wieviele NÄCHTE bei einer Reise vergehen. (Die Anzahl kann durchaus abweichen.)
Dadurch gerät die Nacht in Vergessenheit. Da nachts weniger zum Bruttosozialprodukt beigetragen wird und viele sie ohnehin verschlafen, ist sie weniger wichtig und wird seltener erwähnt.

Jede Nacht enthält ein „Ach“

Trotzdem wird es immer wieder Nacht, am Südpol seltener, in Mitteleuropa häufiger, am Äquator abrupter.

Es ist Zeit, im Bewusstsein eine Synthese zu finden. Genau, wie die mexikanische Art und Weise, Allerheiligen und Allerseelen freudig auf dem Friedhof zu feiern, beim Verständnis des Welt, des Lebens und eines harmonischen Zusammenlebens über alle Generationen hinweg helfen kann, kann man Zeit anders sehen. Die Hautfarbe des Menschen ist nicht wichtig; warum sollte die Farbe der Tageszeit/Nachtzeit, das hell/ dunkel so wichtig sein, so getrennt wahrgenommen werden?

Eine andere, ganzheitlichere oder ganzheitliche Wahrnehmung ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Tage und Nächte werden zur Zeit

„Tage und Nächte werden zur Zeit“.

So eine tieffühlende Kapitelüberschrift aus einem Walter-Bauer-Buch („Folge dem Pfeil“).

Dieser nachwirkende Satz soll das Schlusswort sein.

Tage und Nächte werden zur Zeit.

Anschrift, Anfahrt, Öffnungszeiten

Rautenstrauch-Joest-Museum, Kulturen der Welt
Cäcilienstraße 29-33
50667 Köln
Telefon: (0221) 221 313 56
eine leicht zu merkende Nummer.
Öffnungszeiten: Di.-Sonntag 10- 18 Uhr, donnerstags 10-20 Uhr (1. Donnerstag im Monat bis 22 Uhr)
Anfahrt: Bahnlinien 1, 3, 4, 7, 9, 16 und 18, Haltestelle Neumarkt, Bus 136 und 146, dito.

Querverweise zu weiteren Info

Ein Pdf zum mexikanischen Totentag findet man online unter
http://www.museenkoeln.de/Downloads/rautenstrauch/Flyer_Mex_Totentag%202017.pdf
Helmut Frangenberg schrieb am 30.10.2017 im Kölner Stadtanzeiger den Artikel „Mexiko-Tag im Rautenstrauch-Joest-Museum. Ein buntes Fest für die Toten“. Dieser ist auch online abrufbar unter https://www.ksta.de/28741552 .




Clarissa Bonet aus Illinois, USA

5 Chicagoer Künstler persönlich in Berlin. Bauhausarchiv eröffnete Ausstellung „New Bauhaus Chicago“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Vor kurzem eröffnete die letzte Bauhausarchiv-Ausstellung vor dem Umbau. Ein Teil der Ausstellung ist lebenden Künstlern und Künstlerinnen gewidmet, die illustrieren, wie das New Bauhaus und das ID (Sprich: Ai Di, Institute of Design) bis heute das Wirken der Photographen beeinflusst, nicht nur in Illinois. Fünf der ausstellenden Künstler sind in persona den weiten Weg über den Atlantik nach Berlin gekommen, um ihre Werke zu präsentieren und eventuell Fragen zu beantworten. Bis zum Wochenende kann man vielleicht das Glück haben, sie in der Ausstellung im Bauhaus-Archiv – Museum für Gestaltung in der Klingelhöferstraße anzutreffen.

Darunter Clarissa Bonet, die in der Tradition der photographischen Stadtraumerfahrung arbeitet, auf eine „entschieden zeitgenössische Weise“. Auf ihren Bildern der Serie „City Space“ (Stadtraum) sind Passanten „in gebauter Umwelt“ und sehr speziellen Lichtsituationen zu sehen.

Licht, so wurde im (new) Bauhaus gelernt, ist ein Werkstoff.

Bauhausarchiv / Museum für Gestaltung
Klingelhöferstraße 14
10785 Berlin
Tel. 030/ 25 40 02-0




„Liebe auf sibirisch – Ohne Ehemann bist du keine Frau“ von Olga Delane feiert am 12. November 2017 am Potsdamer Platz seine Berliner Kinopremiere!

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 16. November startet der Film „Liebe auf sibirisch – Ohne Ehemann bist du keine Frau“ von Olga Delane in der Bundesrepublik. Bereits am 12. November 2017 feiert er im Kino CinemaxX Berlin Potsdamer Platz seine Berliner Premiere! Nach dem Film beantwortet Regisseurin Olga Delane ggf. noch Fragen. Das Produktionsteam von Doppelplusultra ist auch vor Ort in dem Berlinale-Kino mit den meisten Aufführungen pro Tag. Um 19 Uhr beginnt es. Der englische Titel ist „Siberian Love – without a husband you won’t be a woman“.

Der herausfordernde, provozierende Titel mit einer Aussage, die natürlich Quatsch ist, wird im hintersten Sibirien ernstgenommen.

Filmemacherin Olga Delane, die bereits in „Endstation Krasnokamensk – Ein Heimatbesuch“ ihre Heimat erforscht hat, macht es sich als Berliner Single nun zur Aufgabe, uns die „Liebe auf sibirisch – Ohne Ehemann bist du keine Frau“ näherzubringen. Nach 20 Jahren in Deutschland lebend besucht sie ihre Verwandten in dem sibirischen Dorf Onon-Borzya, 1000 km östlich des Baikalsees.

Russland ist das größte Land der Welt. Viele Zeitzonen gibt es. Die Transsib ist die längste Eisenbahnstrecke, wenn man sie zum Beispiel von Portugal bis Peking befährt.

Hinterwäldlerische Einstellungen können sich hier besonders lange bewahren. Unglaublich, aber wahr. Viel Spaß bei diesem Streifen, der tatsächlich kein Spielfilm, sondern ein Dokumentarfilm ist!