Neu und am ersten Tag gleich ausverkauft! Das erste mexikanische Filmfestival in Deutschland heißt Mexico Scope

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 12. Oktober geboren: das erste deutsche Mexiko-Filmfest. Mit einem sanft abgefederten Paukenschlag wurde es eröffnet: Mit der Deutschlandpremiere von „Me estás matando Susana“, soviel wie „Du nervst echt, Susanna!“ mit Gael García Bernal, Verónica Echegui und Ashley Hinshaw. Der große Saal des Kinos Babylon-Mitte, in dem Hans Poelzigs Zwanziger-Jahre-Architektur besonders gut zur Geltung kommt, ausverkauft! Über ein halbes Tausend Besucher gleich am ersten Tag der 1. Festival-Ausgabe (1st edition) – beeindruckend. Die Veranstalter haben Erfahrung durch das kolumbianische Filmfest „Panorama“. Mitorganisator Fernando Huerta hat es schon dreimal mit großem Erfolg durchgeführt. Es hätte wohl sogar pünktlich beginnen, wenn sich nicht kurz vor zwanzig Uhr lange Schlangen vor den Kassen gebildet hätten, die bis auf den Rosa-Luxemburg-Platz hinausreichten – auf dem der laue Herbstabend zum Glück so warm war wie die Begrüßung durch die Gastgeber und Susana Garduno, Kulturattaché an der Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten in der Bundesrepublik Deutschland. Ein tolles Team verbreitete eine sehr angenehme Atmosphäre, in der Geschäftigkeit kaum zu spüren war und alles wie am Schnürchen lief. Genannt seien Carolina Padilla (Press and Operations), Jóse Luis Urriago Novoa (Program an Content) und Vanessa Meyer (Marketing & Communications).

Eine Mannschaft mit Erfahrung

Jóse Luis Urriago Novoa und Fernando Huerta zeichneten für das Kolumbien-Filmfest „Panorama“ verantwortlich, die freundliche und äußerst kompetente Vanessa Meyer bringt ihre reichen Erfahrungen vom Fashion-Film-Festival ein. Auch ihre Dreisprachigkeit brachte sie auf die Bühne.

„Brauchen Sie eine englische Übersetzung?“

Etwas erschreckend für den deutschsprachigen Besucher: Sogar das Englische gibt es nur auf Anfrage, außer natürlich bei der Unntetitelung der Filme. Bei der ausverkauften Eröffnungsveranstaltung hatten zum Glück einige Zuschauer den Mut, zuzugeben, dass SPANISCH ALLEIN als Kommunikationssprache in der deutschen Hauptstadt wohl nicht für jeden ausreicht.
Also wurde englisch gedolmetscht und spanisch gesprochen. Bilingualität, wohin man schaut.

Bis zum 15. Oktober gibt es ein volles Programm, am Sonntag in Kino 2 und 3 des Babylons mit der Tür zur Hirtenstraße. Karten am Haupteingang.

Das Programm des letzten Tages:

im großen Saal (Saal 1):
18.15 Uhr:

Sopladora de Hojas (Leaf Blower, der Blätterpuster), eine Komödie, die nicht nur fast jeden zum Lachen brachte, sondern auch starke emotionale Reaktionen des Publikums bescherte, von „Oh, nein“ über „Oohhh!“ bis zum Applaus. 3 Jugendliche beschäftigen sich in Mexiko-Stadt auf einer kleinen Grünfläche um die Ecke nicht mit dem Laubharken, sondern mit der Sehnsucht nach einer Freundin und der Ehrlichkeit. Brüllend komisch. Papier, Stein, Schere mit neuen Regeln?

20.15 Uhr, der „Closing Film“ oder Abschlussfilm „Tempestad“. Tatiana Huezos 105minütiges Meisterwerk von 2016 erhielt beim Caligari-Preis der Berlinale vor einem Jahr eine lobende Erwähnung. Ein FILm aus dem Forum der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

22.15 Atras hay Relampagos (Lightnig falls behind)

Saal 2:
18 Uhr

Te prometo Anarquía (I Promise you Anarchy)
Skater haben Spaß. Als Lebensunterhalt verkaufen sie im Krankenhaus ihr Blut. Vom Filmfestival in Locarno in der Schweiz eingeflogen.
Intensiv. Erschütternd. Aber gut.
Regie: Julio Hernández Cordón

Mexiko, Bundesrepublik Deutschland, 2015

Saal 3:
19.45 Uhr

El Charro de Toloquilla (The Charro de Toloquilla) von
José Villalobos Romero
90 Minuten (OmeU)

Das Leben des Mariachi-Sängers Jaime García Domínguez‘.




Taiwan Republik auf der ITB Berlin

Altes ist gut. Alte Filme jetzt verbessert: Die Filme „Dragon Inn“ und „A Touch of Zen“ aus Taiwan Republik China wurden digital remastered

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 10.10. feiert die Republik China ihren Nationalfeiertag, den „Double tenth“, den doppelten Zehnten. Aus diesem Anlass weisen wir auf den Kinostart von „A Touch of Zen“ und „Dragon Inn“ in digitalisierter Fassung in ausgewählten Kinos hin. „Ein Hauch von Zen“ ist einer der einflussreichsten chinesischen Filme überhaupt.
Die Bezeichnung „der Kampfkunstfilm, der eine ganze Generation von Filmemachern inspirierte“, ist keine Übertreibung, sondern durchaus zutreffend.
„A Touch of Zen“ und „Dragon Inn“, zwei Klassiker des asiatischen Kinos von 1971 und 1967, feiern ihre Wiederaufführung, restauriert und 4K-remastered vom Taiwan- Filminstitut.
„A Touch of Zen“ und „Dragon Inn“ sind die ultimativen und für das Genre richtungsweisenden Martial-Arts-Filme und beeindrucken bis heute mit ihren poetischen Bildern und dramatischen Kampfchoreographien.

Sie gehören beide zum Wuxia-Genre. Das sind vereinfacht gesagt Kampfkunstfilme mit ritterlichen Helden, die das richtige tun.

„Dragon Inn“

– Im deutschsprachigen Raum bekannt unter dem Titel „Die Herberge zum Drachentor“, Originaltitel „Lóngmén Kèzhàn“, international auch „Dragon Gate Inn“. Lóngmén bedeutet Drachentor.
(Von dem Wort Tiananmen, Tor der Himmlischen Friedens, kennt man die Silbe ‚.men‘ bzw. das Wort ‚Men‘.
Long, der Drache, taucht unten in Mr. Long wieder auf, eigentlich: „Herr Drache“.)

Regie/ Drehbuch: King Hu

mit Feng Hsu (bzw. Hsu Feng), Lingfeng Shangguan, Chun Shih, Ying Bai

Republik China Taiwan 1967, Originalfassung mit deutschen Untertiteln (OmdtU), 111 Min.

Gedreht: 1966.

Inhalt: Nach einer erfolgreichen Intrige wird General Yu (sprich: Jü) von seinem politischen Gegner Obereunuch Zhao (sprich: Dschau) hingerichtet und seine Kinder aus China verbannt. Doch die Kinder des Generals sind dem Obereunuchen Zhao ein Dorn im Auge und daher setzt er alles daran, sie auf ihrem Weg ins Exil umzubringen. An der einsamen Herberge zum Drachentor legt er einen Hinterhalt. Doch die treuen Gefolgsleute des gemeuchelten Generals eilen den Kindern zur Hilfe. Es entfesselt sich ein Kampf um Leben und Tod.

„A Touch of Zen“ ( „Ein Hauch von Zen“, „Hsia-nǚ“)

– deutscher Titel „Ein Hauch von Zen“, Originaltitel „Hsia-nǚ“ („Xiánǚ“) wörtlich ‚ritterliche Heldin‘, wörtliche Übersetzung ins Englische: Hero woman “

Regie/ Drehbuch: King Hu
Das Drehbuch basiert von der Story her auf einer Geschichte von P’u Sung-ling (in anderer Umschrift Pu Songling, 1640-1715).
Darsteller: Feng Hsu, Shih Chun, Bai Ying, Tien Peng, Roy Chiao Hung
(Sprich: Feng Chü, e wie in ‚kommen‘ und ch wie in ‚ich‘.)

Republik China Taiwan 1971, Originalfassung mit deutschen Untertiteln (OmdtU), 180 Min.

Gedreht ab 1968, anderen Angaben zufolge ab 1969.

Der Film erschien in Taiwan zunächst in 2 Teilen, 1970 und 1971, zusammen mit 200 Minuten Dauer. Der erste Teil wurde schon gezeigt, als die Dreharbeiten am 2. Teil im vollen Gange waren. Ende 1971 wurde eine Fassung in einem Stück daraus für den Hongkonger Markt, sie hatte 187 Minuten.
Auf dem Filmfestival in Cannes lief der Streifen 1975 und gewann verdient und prompt einen Preis.

Inhalt: Die Geschichte handelt vom jungen Gelehrten Gu (sprich: Q, in anderer Umschrift Ku), der in der Nähe eines heruntergekommenen Herrenhauses lebt, das verflucht sein soll. Eines Tages begegnet er der mysteriösen Schönheit Yang, die sich im Herrenhaus versteckt. Die beiden kommen einander näher und nach einer leidenschaftlichen Nacht offenbart sie ihm, dass ihr Vater, ein ehrenhafter Offizier, vom machtvollen Eunuchen Wei (sprich: Wej) auf grausame Weise ermordet wurde. Wei und seine Männer sind ebenfalls auf der Suche nach ihr, mit einem einzigen Ziel: die Auslöschung ihrer gesamten Familie. Gu findet sich plötzlich inmitten von Yangs Überlebenskampf wieder, denn Wei ist den beiden dicht auf der Spur. Ein Kampf von epischen Ausmaßen zwischen Gut und Böse entbrennt.

Beide Filme im Verleih von Rapid Eye Movies.

Auch aktuell: Ausgezeichnete Filme aus Taiwan

Dass aus der Republik China, Entschuldigung, aus Taiwan nicht nur hervorragende Technik kommt wie die auf der IFA vorgestellte von der Firma Asus, sondern immer wieder auch gute und interessante Filme, zeigten in diesem Jahr die internationale Premiere von „Ri Chang Dui Hua (Small Talk)“ von Hui-chen Huang auf der Berlinale in der Reihe „Panorama Dokumente“ und weitere Berlinalefilme.

Im Wettbewerb der hochgelobte Spielfilm „Mr. Long“ (sprich : Lung) von Sabu (Monday, Ten no chasuke), eine Koproduktion von Japan, der Bundesrepublik Deutschland, Hongkong, China und Taiwan mit Chen Chang, Sho Aoyagi, Yiti Yao, Junyin Bai und anderen. In Berlin fand im Februar die Weltpremiere statt.

2016 lief im ersten Quartal auf der Berlinale und im Rahmen des Spotlights dann vom 21.-30. Oktober 2016 im Rahmen des 14. „Morelia International Film Festival“ in Mexiko, wo eine ganze Programmreihe den Internationalen Filmfestspielen Berlin gewidmet wurde, der Kurzfilm „Jin Zhi Xia Mao“ („Anchorage Prohibited“) von Wei Liang Chiang (Taiwan; Wei sprich Wej), der den Audi Short Film Award gewann.


Formosa, Taiwan und die Republik China

In den 40ern, 50ern und 60ern war der Begriff Formosa als Äquivalent von Taiwan, Republik China sehr verbreitet. Eigentlich können alle drei Begriffe synonym verwendet werden, doch warum die Veränderungen?
„Formosa“ ist ein portugiesisches Wort und drückt aus, wie toll die „Entdecker“ diese Insel fanden. Es ist eine Großinsel, das macht sie ums famoser. (Ilha formosa = die schöne Insel.)
Die Portugiesen waren hervorragende Seefahrer und unter den Kolonialmächten (Europas) die ersten, dadurch erhielten einige Orte an den Küsten der Welt portugiesische Namen, in China auch Macao, das als winzige Enklave, die imwesentlichen aus drei Inselchen bestand sogar Hongkong überlebte, lange nachdem Portugal Angola, Mosambik und andere Territorien aufgegeben hatte.

Taiwan ist ein Wort aus der chinesischen Sprache ( und bildlich lautet den Namen eines Ureinwohnervolkes, Tayowan, ab, das im Gebiet der heutigen Stadt Tainan im Süden der Insel wohnte, wo die Niederländer sich niedergelassen hatten. – Taiwan bedeutet nicht Terrassen-Bucht, das sind nur die Bedeutungen der sinnfreien phonetischen Wörter Tai und Wan zusammengenommen).
Es ist heute „pc“ (sprich „pih-ssi, alles andere ist nicht pc), also politisch korrekt, diesen Staat Taiwan zu nennen. Eine zeitlang sagte man auf englisch gern „Taiwan R.O.C.“, die Abkürzung für Republic of China. Ein bisschen versteckt wie das Kürzel „RSA“, wenn man es in Europa auf Obst fand, für Republik Südafrika, als seit den 70er Jahren die Apartheidspolitik langsam aber sicher weltweit nicht mehr haltbar wurde.
Doch was hat „Taiwan“ zu verstecken? So etwas wie die Apartheidspolitik? Nein, ganz und gar nicht. Taiwan hat ein anderes Problem – das andere China. Und das wurde seit Nixons Besuch Anfang der 70er und Kissingers detaillierter Umsetzung – oder war Kissinger der Initiator? – erst in den USA und dann international gesellschaftsfähig, Mao und die Kommunistische Partei hin oder her.
Die Bundesrepublik Deutschland, selbst erst seit 1973 in den UNO und seit 1990 souverän, spielte da mit, obwohl das Gesellschaftsystem der Volksrepublik China vom eigenem abwich und einem nicht genehm war. Doch wenn Washington mt Peking Beziehungen aufnahm, musste das richtig sein. Die Kommunisten im eigenen Land waren weiter verpönt und ihre Parteien verboten, die Beziehungen zu Peking trübte das nicht. Zweierlei Maß?

Die Politik bestimmt die Sprache mit, so heißt in Deutschland das Land heute amtlicherseits Taiwan, in der Schweiz heißt es amtlich Taiwan (Chinesisches Taipei). Zwischen der BRD und der Republik China gab es nie diplomatische Beziehungen, aber sehr gute wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen, die sich bis 1980 auch in Reisen niederschlugen. In den 80ern durften dann erst Gruppen, dann Rucksacktouristen in die Volksrepublik China. Heute besuchen die meisten Chinareisenden die Volksrepublik, aufgrund der Größe des Landes und der Kunstschätze durchaus verständlich.
Sowohl die VR China als auch die BRD und die DDR wurden 1949 gegründet, aber die Geschichte verlief in China prinzipiell anders.

Die Geschichte und die Anfänge der Republik

Als in China die Zöpfe fielen, war es mit dem Kaiserreich vorbei. Puyi war noch ein Kind, die Kaiserinwitwe die Zügel in der Hand, aber sie konnte sich mit und in dem halbkolonialen, halbfeudalen Land nicht mehr durchsetzen, aus dem die Kolonialmächte sich vor allem an der Küste leckere Stücke herausgeschnitten hatte. Franzosen, Briten, Engländer, Russen, Deutsche und andere.

Was auf das chinesische Kaiserreich, das etwa 5000 Jahre alt war, folgte, das war die REPUBLIK CHINA, auf chinesisch Zhōnghuá Mínguó, auf englisch Republic of China.
Die gibt es heute noch (!), so wie auch die Schweiz und England zwischen 1911 und heute mehr oder weniger in der gleich Form bestehen. Das so etwas geht, sind die Deutschen gar nicht mehr gewöhnt, die Russen auch nicht, die Österreicher schon überhaußt nicht. Dabei waren das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und das Zarenreich neben England und Frankreich die einzigen Weltmächte.

Die Republik China hatten im Inneren starke Probleme, Bürgerkrieg, Warlords und ab den 20ern die Kommunistische Partei. Die hatte jahrelang nur 100 und dann wenig hundert Mitglieder, wurde aber bald vom Staat auch militärisch bekämpft. Nach dem römischen Motto „Wehret den Anfängen“. Aus republikanischer Sicht zurecht, wie man heute sieht. Zur Republik China gehörte auch Tibet, die Mongolei konnte sich ob der Schwäche Pekings herauslösen genauso wie Tuwa in der geographischen Mitte Asiens, das eigentlich auch chinesisches Staatsgebiet ist.
Entscheidend ist nun, dass die Republikaner den Bürgerkrieg nach einem blutigen Zweiten Weltkrieg, der in Asien länger dauerte, nämlich von 1937-1945, verloren.
Die Landung und der Einmarsch Japans führten zwischen den verfeindeten Bürgerkriegsparteien der staatstreuen Republikaner und der Kommunisten, die an die Macht wollten, zu einem Burgfrieden.
Nach 1945 wurde der Bürgerkrieg, der Ende der Zwanziger begann und in den 30ern den berühmten „Langen Marsch“ einschloss, fortgesetzt. Er endete mit einem Sieg der Kommunisten, die aber nicht das gesamte chinesische Territorium unter Kontrolle hatten. Ihnen fehlte die Macht über das vorher schon gelöste Tuwa und die Mongolei benauso wie über Tibet, manche abgelegene Gebiete in den Bergen, wo kleine Völker lebten und über einige Inseln vor der südlichen Küste. Macao und Hongkong waren sowieso noch Kolonien und blieben es bis 1997 und 1999, dem Ablauf der Pachtverträge für das Hinterland der New Territories usw.
Wohin gingen die Republikaner? Zunächst einmal gingen sie nicht, sie flohen und flohen mit dem Schiff. Die größte der Inseln, die sie dauerhaft unter Kontrolle halten konnten, ist Taiwan (Formosa).

Taiwan, 1911 nicht Teil Chinas, 1912 nicht Teil der Republik China

Jetzt das Kuriose: Die Republik China, die sich von Sinkiang (und Tibet) bis ans Gelbe Meer, also den Stillen Ozean erstreckte, von Russland bis nach Vietnam, beherrschte Taiwan 1912 gar nicht.
Der Machtschwund im 19. Jahrhundert durch Kolonialismus, die Einfuhr von Drogen, „Kanonenbootdiplomatie“ und drei Opiumkriege hatte das Kaiserreich China so geschwächt, dass das erstarkte Japan, dass sich nach einer Zeit der Innenschau in dieser Zeit nach außen geöffnet hatte 1895 einen Krieg gegen China gewinnen konnte.
Beute: Die Ryukyu-Inseln und Taiwan. 50 Jahre land herrschten de Japaner auf Formosa, die alten Menschen sprechen immer noch japanisch. Erst die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki machten dem ein Ende.
Die Besiegung Japans durch Chinesen (mit einem hohen Blutzoll) und US-Amerikaner führte zum Wiederaufflammen des Bürgerkriegs, nachdem der äußere Feind auf seine Heimatinseln zurückgekehrt war.
Vier Jahre Kampf und am Ende gaben die Republikaner fast das gesamte chinesische Territorium auf. Zogen sich im Wesentlichen auf die Inseln Taiwan zurück. Als am 1. Oktober 1949 in Peking die kommunistische Volksrepublik China gegründet wurde, gab es zwei chinesische Staaten.

Sie haben bis heute Bestand.

Die Republik, die das Kaiserreich ablöste, befindet sich auf Land, das ihr 1912 vielleicht de jure gehörte, de facto jedenfalls nicht.

Heute ist dieses Land, sind diese Inseln die einzige Zuflucht.

Die 7. US-Flotte garantierte lange die Unversehrtheit der Republik China, in dem sie im Zweifel sich in die Taiwanstraße schieben konnte und zwischen die Kontrahenten.
Freilich gestaltet sich die Lage heute etwas anders. Das finanzkräftige Taiwan, die finanzkräftige Republik China mit ihren großen Währungsreserven investiert seit langem nicht nur in Hongkong, sondern auch auf dem Festland in Unternehmen, die ihren Sitz in der Volksrepublik China haben. Auch haben die Wahlen der vergangenen Jahrzehnte unterschiedliche Ergebnisse gebracht. Die Macht der Kuomindang, der Staatspartei Sun Yatsens und Tschiang Kaischeks, ist nicht mehr dieselbe.
Schön dass auch in gute Filme investiert wird und nicht nur in Waffen.

Hsu Feng – Geschichte (in) einer Person

Wie sich die Geschichte Chinas in einer Person abbildet, zeigt das Beispiel der Schauspielerin Feng Hsu bzw. Hsu Feng (Xu Feng) „aus Taiwan“. 1950 wurde sie auf der Insel geboren, ein Jahr, nachdem die letzten Truppen und Republikchinesen vom Festland geflohen waren.
Ihr Vater stammte aus Fujian, einer Küstenprovinz auf dem Festland, ihre Mutter aus der Mandschurei, das heute im Nordosten Chinas liegt, lange Zeit japanisch besetzt war bzw. ein eigener (Marionetten-)Staat unter dem letzten Kaiser Chinas, Pu Yi, mit dem Namen Manschukuo.
Sie war also keine „Taiwanesin“, wie das heute genannt wird. Sie ist Chinesin, wie Millionen anderer, die nach 1945 auf die Insel kamen. Taiwanesen sind im engeren Sinne nur die Ureinwohner.




Platonische Liebe zwischen alt und jung für jung und alt. Der Spielfilm Victoria und Abdul, jetzt im Kino, konnte nach einem Tagebuchfund entstehen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine Liebesgeschichte. Zwischen zwei ungleichen Partnern. Ältere Frau und jüngerer Mann? Eine Inländerin mit einem Ausländer? Eine Weiße mit einem Dunkelhäutigen? Eine Christin mit einem Nichtchristen? Das alles, und noch viel mehr … und die Umgebung findet das alles gar nicht witzig. Doch sie kann es nicht verhindern. Denn die alte weiße Frau, die sich mit dem nichtchristlichen Ausländer einlässt, ist – die Königin von England. Wer einmal in Großbritannien war, kennt vielleicht die Häuser im viktorianischen Stil. Die sind, wie so manches mehr, nach Queen Victoria benannt, der Königin Viktoria, um die es hier im neuen Film „Victoria & A.“ geht, der deutschlandweit am 28. September 2017 in die Kinos kam.

Königin über das größte Weltreich der Geschichte

Victoria, die Siegreiche, die Siegerin, die Erste im größten Weltreich der Weltgeschichte. Das britische Reich, durch die Flotte verwaltet und erreichbar, war einschließlich seiner Kolonien größer als das Weltreich des Mongolenherrschers Dschingis Khan. Britische Könige und Königinnen gab es viele, nicht nach allen sind Möbelstücke, Baustile oder Epochen benannt.

Ein entscheidendes Kriterium, unter anderen Monarchen hervorzustechen und doppelt in die Geschichte einzugehen, ist ein langes Leben respektive eine langen Herrschenszeit.

Die Kangxi-Kaiser von China (sprich Kang-chi mit ‚ch‘ wie ich ‚euch‘), herrschten über ein halbes Jahrhundert. Es geht die Sage, es ist sogar ziemlich genau überliefert, ein chinesischer Kaiser habe nach 60 Jahren abgedankt, weil er nicht länger als sein Vater habe herrschen wollen, dessen Leistung ihm wichtiger schien und dessen Ruhm er deswegen nicht schmälern wollte.
Der Große Kurfürst herrschte 49 Jahre über Brandenburg, der preußische König und Kurfürst von Brandenburg Friedrich II., der alte Fritz, brachte es exakt 100 Jahre später auf 47 Regentschaftsjahre. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Heerscharen von deutschen Jungs Friedrich oder Wilhelm getauft oder Friedrich Wilhelm.

Königin Viktoria ist so alt und hat so lange geherrscht, dass ihr im Film Worte in den Mund gelegt werden wie: Ich sterbe einfach nicht.

Doch dann lebt die zähe Dame noch einmal auf.

Ausgerechnet ein Turbanträger hat es ihr angetan. Sie sind sich sehr verbunden, es entwickelt sich eine immer tiefere Beziehung zwischeneinander, doch stößt die Verbindung, die keine ist, auf immer stärkeren Widerstand ihrer Bediensteten, Untergebenen und Kinder.

Palastrevolution

Was ein Palastrevolution ist? In „Rebellen vom Liang Schan Moor“, in Japan als Serie verfilmt und sehr erfolgreich, werden die ehrlichen, in Kampfsport bewanderten Kämpfer für das Gute den bestechlichen Adeligen und Ministern gegenübergestellt.
Auf der einen Seite die Guten, die eine hohe Ethik im Hintergrund haben und das beste für ihr Land wollen, auf der anderen Seite der intrigierende Hofstaat, der kurzsichtig ist, auf den eigenen Vorteil bedacht, verwöhnt, egoistisch und skrupellos.
Als Kind schien es mir ziemlich unwahrscheinlich, dass der Kanzler soviel Einfluss haben könnte und den Kaiser so vom Volke isolieren, dass man ihm alles habe vorspiegeln können.
So als ob Erich Honecker ständig nur die Protokollstrecke fährt.

„Victoria & Abdul“ zeichnet diesen Konflikt, der wirklich innerhalb der Mauern des Palasts ausgetragen wird, sehr nachvollziehbar.
Und alles nur wegen dieses Dieners, der aus einer anderen Ecke des Riesenreiches gekommen ist; mit dem Dampfer. Wenn man die Dunkelhäutigen nicht mag, dann soll man sie nicht erobern. Wenn man ihr Land erobert, soll man sich nicht wundern, wenn ihre Einwohner das Mutterland erreichen. Sei es als Diener. Und es ist dann auch nicht ausgeschlossen, dass mal einer Inder in höchste Kreise aufsteigt.
Heute würde man wohl sagen: Ein Pakistani. Doch das war nach der Teilung und die kam nach der Unabhängigkeit Ende der 1940er Jahre. Weder im 19. Jahrhundert noch zu Beginn des 20. war nicht im entferntesten daran zu denken.
1887, als die Geschichte (Story) beginnt, war Gandhi – in der echten Geschichte (History – his story) – noch nicht einmal in Südafrika angekommen. Gandhi, genannt Mahatma, weilte mit Unterbrechung von 1893-1914 in Südafrika.

Ein bisschen erinnert das an einen Witz aus Indien:
Wer ist der mächtigste Mann in einem Dorf? Der Bürgermeister!
Und wer ist noch mächtiger als er? Seine Frau.

Davor hat das engste Umfeld der Königin vielleicht Angst gehabt. Aber vor allem um eigene Pfründe, Macht etc. Ein Mischung aus Neid, Eifersucht – versteckt hinter englischer Höflichkeit, eine Höf-lichkeit, die wohl höflicher als bei Hofe nicht geht.

Ein entzückender, herzlicher Film. Die Selbstbehauptung der Königin ist spannend zu beobachten – die Behauptung der Königin (!), die seit dem 1. Mai 1876 auch noch Kaiserin (von Indien!) wurde (Victoria Regina & Imperatrix). Danach nahm sie übrigens am öffentlichen Leben wieder teil. Etwa 10 Jahre später, 1887 das 50. Thronjubiläum, bei dem sie Abdul kennenlernt. 1897 das 60. Thronjubiläum – da war sie schon die am längsten regierende Monarchin Englands, Schottlands und Großbritanniens. Sie stirbt auf der Isle of Wight (“natürlich“). Sie war am 24. Mai 1819 im Kensington Palace geboren worden.

Geschichte

Königin Victoria war die am längsten amtierende britische Monarchin mit über 63 Jahren und sieben Monaten.
Erst 2015 wurde sie von Queen Elisabeth II. eingeholt (am 9. September).

Sie war verheiratet mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha.
Als dieser 1861 starb, zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück; herrschte aber noch 40 Jahr – bis ins 20. Jahrhundert hinein.

Seit 1714 im Barock hatte eine Personalunion zwischen Großbritannien und dem Kurfürstentum Lüneburg-Braunschweig, später kurz „Hannover“, bestanden. Hatte der König seinen Sitz in Hannover, herrschte er von dort auch über das britische Weltreich.

Diese Verhältnisse endeten am 20. Juni 1837 mit Viktorias Thronbesteigung. Aufgrund eines Gesetzes, das zwischen Frauen und Männern unterschied. Heute fiele es unter die Gender-Frage.
Das Salische Gesetz schloss Frauen von der Thronfolge aus. Dumm gelaufen. Vielleicht wäre der Erste Weltkrieg ausgefallen oder zumindest nicht so ungünstig für das Deutsche Reich verlaufen, wenn eine direkte Verbindung, nicht bloß eine Verwandtschaft, zwischen „England“ und Hannover als Teil des Deutschen Reiches, bestanden hätte.

Ein ganzes Zeitalter, das „viktorianische Zeitalter“, wurde nach Queen Victoria benannt. Nicht nur dem British Empire, nein auch der Mittelschicht ging es gut bis sehr gut.

Viktoria ist die Ururgroßmutter der jetzigen Königin. Übrigens auch die deren Mannes Philip.

Bei ihrer Geburt hieß die historische Victoria, die zu dem Film „Victoria und Abdul“ gehört, Her Royal Highness Princess Alexandrina Victoria of Kent.

Victoria und Victoria

Nicht zu verwechseln mit Kaiserin Friedrich, der Ehefrau des deutschen Kaisers Friedrich III., der Königin von Preußen. Deutsche Kaiserin und gleichzeitig –
Victoria Adelaide Mary Louisa, Prinzessin von Großbritannien und Irland; sie wurde erst 1840 geboren (da hatte die „Film-Queen“ in realitas bereits den Thron bestiegen). Sie ist die Mutter des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II. und starb im selben Jahr wie „unsere“ Königin Viktoria, am 5. August 1901 (auf Schloss Friedrichshof in Kronberg).

Die Queen Viktoria aus dem Film starb am 22. Januar.

Kurios: Nimmt man die ersten drei Buchstaben des Namen ihres Mannes (Albert), fügt ein ‚Du‘ hinzu und schüttelt die Buchstaben etwas durch, erhält man ‚Abdul‘.

Filmdaten

Bundesweiter Kinostart: 28. September 2017

112 Minuten. FSK ab 6 Jahren.

Besetzung: Judi Dench, Ali Fazal, Adeel Akhtar, Simon Callow, Michael Gambon, Eddie Izzard, Ruth McCabe, Tim Pigott-Smith, Julian Wadham, Olivia Williams, Fenella Woolgar

Regie: Stephen Frears

Drehbuch: Lee Hall

Inhalt:
Bei den prunkvollen Feierlichkeiten anlässlich ihres 50. Thronjubiläums 1887 lernt die manchmal etwas eigensinnige britische Monarchin Queen Victoria (Judi Dench) den jungen indischen Bediensteten Abdul Karim (Ali Fazal) kennen. Zur Überraschung ihrer Familie und Berater nimmt sie Abdul in ihr Gefolge auf – zunächst als Diener am königlichen Hof…




Maulwürfe unter dem Rasen der Rennbahn – Daniel Craig, Channing Tatum und Hilary Swank in dem Spielfilm „Logan Lucky“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Channing Tatum ist spätestens seit „Magic Mike“ in der 1. Liga, Adam Driver stellte seine Vielfalt an den Wasserfällen von „Paterson“ in New Jersey unter Beweis (Kinostart: 17. November 2016), Doch am frohesten machte mich am neuen Steven-Soderbergh-Streifen, dass Daniel Craig endlich mal eine Rolle bekam, die mir gefiel. Craig überzeugte mich persönlich als Bond in Bolivien nicht. Agent Doppelnull darf und muss töten, das galt auch für Daniel Craig. Doch als Mitarbeiter im Geheimdienst ihrer Majestät der Königin von England stelle ich mir einen eleganten Gentleman mit versteckter Grausamkeit vor. Das Vereinte Königreich von Großbritannien und Nordirland mag voller Marotten seien, hatte das aber eigentlich nicht verdient. Umso mehr gefällt Craig mit blond gefärbtem Bürstenschnitt im Knast. Dass er dort ist, hat in der 118-minütigen Actionkomödie „Logan Lucky“ natürlich seinen Sinn. Allein das Zusammentreffen der Filmbrüder Tatum/Driver mit Craig im Gefängnis ist voller Komik.

Überraschungen und Zufälle

Später überzeugen glaubwürdige Überraschungen – ja, so ist es manchmal im Leben, nichts läuft wie geplant.
Manches ist natürlich auch etwas unglaubwürdig, doch gehen wir ins Kino, um uns den Alltag von Frau Meyer oder Herrn Krause anzuschauen? Sicher nicht.

Als zum Schluss Hilary Swank und Adam Driver zusammen ein Bier trinken und sich schöne Augen machen, riecht es nach einer Fortsetzung.

Die ist mir immer noch lieber als irgendein Remake, zum Beispiel von „Flatliners“. Schlimm genug, dass hervorragende Filme wie die skandinavische Krimitrilogie mit Naomi Rapace nach kurzer Zeit neuverfilmt werden, bloß weil in den USA die Zuschauer nicht daran gewöhnt sind, synchronisierte Filme anzuschauen oder gar untertitelte.

Der Urfilm „Flatliners“ spielte mit der Grenze von Leben und Tod und Elementen den Schreckens. Okay, Filmgeschichte, hat man gesehen, abgehakt. Aber noch einmal?

Dann lieber eine Fortsetzung von dem Klamauk (im positiven Sinne), den Logan-Glück-im-Unglück darstellt.
Dagegen spricht, dass es sich um eine Buchverfilmung handelt.

„Logan Lucky“ spielt in North Carolina und West Virginia

Für den Film spricht, dass die Gegend in den USA, wo er spielt, North Carolina und West Virginia, zu selten im Film gezeigt wird und mal die Ausmerksamkeit in eine andere Richtung lenkt. Kalifornien und immer wieder New York flimmern meist über die Bildschirme und Leinwände, das kann irgendwann auch einseitig werden. Unser Planet ist zu groß, um nur ein paar Ecken zu zeigen.

Viele gute und sehr gute Filme wurden im Fernsehen noch nie gezeigt. Wie wäre es mal mit einer Reihe „Filme von Debra Granik“?
In „Winter’s Bone“ wird auch eine Gegend gezeigt, in der vorwiegend Weiße leben, die unterdurchschnittlich viel verdienen (Südmissouri). Ohne Berlinale hätte es der Spielfilm vielleicht nie nach Deutschland geschafft. Und dass, obwohl Jennifer Lawrence mitspielt, der Mockingjay-Silver-Linings-und-und-Superstar.

Soderbergh, der außer „Magic Mike“ (2012) und „Haywire“ (im selben Jahr) vor allem „Ocean’s Eleven“ ff. drehte (2001, 2004, 2007), passt zu einem gut geplanten Coup. Ein Verbrechen wie ein fast undurchführbarer Raub erfordert Planung. Ein Spielfilm erfordert Planung. Doch außer den Schauspielern ist an einem Film eigentlich alles planbar, zwar nicht vorhersehbar, doch bestimmbar. Wenn das Geld da ist, kann eine Szene beliebig oft gedreht werden, bis zum 27. Take. Zufälle glaubwürdig einzubauen, kann man planen.

Dass trotz eines guten Buches und Drehbuches manches trotzdem unglaubwürdig wirkt – who cares?
Das Leben schrieb viel unglaubwürdigere Geschichten. Einige sind sogar verfilmt worden.

Man kann bei einem Krimi und einer Actionkomödie keinen gesetzestreuen Film erwarten. In jedem Tatort sterben Menschen. So ist das eben heute.

Aber nach „Logan Lucky“ hat man ein beschwingtes Gefühl, schöpft irgendwie Hoffnung, hat gelacht oder wenigstens die Mundwinkel oben gehabt. Das kann man nicht bei jedem Film heute sagen.

Dieser Film ist kein Muss, kein „Captain Fantastic“, aber irgendwas hat man schon verpasst, wenn man nicht da war.

Riley Keough überzeugt als der wilden Brüder Schwester Mellie, die einiges in die Hand nehmen kann.

Katie Holmes ist selbstsicher dabei.

Hilary Swank ist wie immer sehr gut, reicht von der Rolle her (nicht wegen ihres Spiels) nicht an Frances McDormand als Ermittlerin in „Fargo“ heran (1996), aber es gibt einen entfernten Anklang einer Parallele.

Allein der entzückenden Katherine Waterston beim Flirten zuzusehen mit dem Halbtrottel, den Channing Tatum spielt, wäre ein Grund hinzugehen.


Der andere Driver

„Baby Driver“ würde ich wohl insgesamt vorziehen, doch das ist Geschmackssache. Es kommen heute so viele Filme ins Kino, dass man sich schon beeilen muss, sie anzuschauen, bevor sie wieder aus dem Programm geworfen werden.
(Zudem, wenn sie, wie Baby Driver, statt am 31. August zu starten, schon im Juli anlaufen und man urlaubsbedingt Terminprobleme bekommt.)

„Logan Lucky“- Regie: Steven Soderbergh, mit: Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig, Riley Keough, Katie Holmes, Hilary Swank, Seth MacFarlane, Katherine Waterston u.v.a.

Kinostart: 14. September 2017

FSK ab 12 Jahren.

Unter anderem hier im Kino:

Berlin:
– Cinemax Potsdamer Platz z.B. 17.10 und 20.20 Uhr
– Cinestar Treptower Park und Tegel
– Colosseum, Schönhauser Allee
– Cubix am Alex ab 8. Oktober 2017
– Uci-Kinowelt Gropiuspassagen, Johannisthaler Chaussee 295
– Zoo-Palast

– Babylon, Dresdner Straße, Originalversion (analog)

Bochum:
– Uci Cineworld Ruhrpark

Boizenburg:
– Kino Boizenburg, Reichenstraße 19 (DF)
19.30 Uhr

Borken:
– Cinema

Celle:
– Kammerspiele

Dortmund:
– Cinestar, Steinstraße 44 (DF)

Dresden:
– KIF Kino in der Fabrik, Tharandter Straße 33
– Ufa-Kristallpalast, Sankt-Petersburger Straße 24a

Düsseldorf:
– Metropol
Uci-Kinowelt

Göttingen:
– Cinemaxx, ab 6. Oktober

Kiel:
– Cinemaxx

Ludwigshafen:
– Cinestar

Mannheim:
Cinemax

Neubrandenburg:
– Cinestar, ab 6. Oktober

Oranienburg:
– Filmpalast, Berliner Straße 40, ab 6. Oktober

Recklinghausen:
– Cineworld

Rendsburg
– Schauburg, Schleifmühlenstraße 8

Rietschen:
– Kino-Café

Schleswig:
-Filmtheater Capitol

und viele andere!

(Alle Angaben ohne Gewähr.)

Inhalt (Spoiler)

Die Brüder Jimmy und Clyde Logan werden vom Pech verfolgt. Während der impulsive Jimmy (Channing Tatum) einen Job nach dem nächsten verliert, wird Barkeeper Clyde (Adam Driver), der nur einen Arm hat, oder ist es die Hand?, immer wieder schikaniert. Und dann wären da noch die Geldsorgen. Aber Jimmy hat eine brillante Idee, die den beiden aus der misslichen Lage helfen soll: Ein Raubüberfall im großen Stil! Das prestigeträchtigste und legendärste NASCAR-Rennen der Welt auf dem Charlotte Motor Speedway in Concord, North Carolina bietet scheinbar die perfekten Voraussetzungen für einen cleveren, unterirdischen Raubzug! Die Brüder brauchen unbedingt einen Safeknacker, den berüchtigten platinblonden Safeknacker des Landes: Joe Bang (Daniel Craig) – der sitzt allerdings noch im Gefängnis. Während der Planung des großen Coups tauchen immer neue Hindernisse auf, doch gemeinsam mit ihrer Schwester Mellie (Riley Keough) setzen die beiden Brüder alles daran, ihre lebenslange Pechsträhne endlich zu beenden…




Die beste aller Welten

Sucht die beste aller Welten (!); Sucht findet Leid. Kindheit mit einer drogenabhängigen Mutter: Adrian Goiginger stellt mit einem Schauspieler seinen Debütfilm in Potsdam und Berlin vor

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Zwei Filmleute zum Anfassen in zwei Bundesländern an einem Tag: Am 30.9.2017 um 17.45 Uhr im Thalia-Kino Potsdam und zur Prime Time um 20.15 Uhr im legendären Filmkunst 66 in der Bleibtreustraße 12 in Berlin-Charlottenburg. Adrian Goiginger schrieb das Buch und führte Regie für „Die beste aller Welten“, Michael Pink spielte „den Griechen“, einen Drogenhändler, der selbst abhängig war.
Wer sich den Film anschaut, wird unweigerlich Menschen sehen, die dem Alkohol zusprechen und rauchen, keine Zumutung, meint man, da doch allerorten zu beobachten. Die Menschen, die das tun, bilden eine Art eingeschworenen Freundeskreis, rauchen nicht nur Zigaretten und konsumieren auch härtere, verbotene Drogen.
Nette Momente entstehen dennoch, feiern am Fluss, am Lagerfeuer; Baden, eine sternenklare Nacht.

Auch in der verräucherten Wohnung von Helga Wachter (Verena Altenberger) treffen sich die Freunde, die teilweise keiner geregelten Arbeit nachgehen können und den lieben langen Tag totschlagen, quatschen, rauchen, „high“ sind.

„Eine glückliche Kindheit“

Premiere in Stuttgart des Films "Die beste aller Welten"

© Foto/BU: Zoom Medienfabrik GmbH, 2017

Mitten zwischendrin der kleine Adrian, Helgas Sohn, den sie mit aller Mutterliebe beschützen will und kann. Das gelingt auch fast immer.
Doch wer Drogen nimmt, kann nicht immer aufpassen. Im Rausch und während des Schlafes der Mutter kann dem Kind etwas passieren.
Adrian genießt die vielen Freiheiten, ist ein „Schlüsselkind“, übernimmt früh Verantwortung und darf trotzdem Kind sein. Lagerfeuer am Fluss selbst füttern, kleine Feuerwerkskörper zünden. Adrian darf viel und es stößt ihm nichts zu. In diesen Bereichen wird er früher erwachsen.
Die Erziehungsmethode stimmt soweit.

Doch wenn er mit der Mutter spielen und tollen will, geht das manchmal nicht. Der Mutter geht es schlecht. Schuld sind die Drogen.
Diese fressen obendrein einen viel zu großen Teil des Budgets auf und irgendwann verliert Helga auch noch ihre Arbeit.

Dem Jugendamt muss ständig eine heile Welt vorgespielt werden. Das klappt anfangs. Die Beamten sind einerseits naiv, andererseits wird Adrian tatsächlich gut behandelt.

Aber einmal, als die Mutter unzurechnungsfähig im Schlafzimmer liegt, versucht der „Freund“ mit einem Armdrückspiel das kleine Kind zu nötigen, Wodka zu trinken, obwohl Adrian sich dagegen mit Händen und Füßen wehrt.

Wohlerzogen und wohl wissend, das hochprozentiger Alkohol schadet.
Mutter Helga biegt es trotzdem wieder hin.

Verena Altenberger, die die Helga verkörpert, ist in Österreich ein Star (“Magda macht das schon”, “Die Hölle”) und hat schon mehrfach schnell die Herzen des Publikums erobert.
Die Leistung des Kinderdarstellers Jeremy Miliker gilt es ebenso zu würdigen.
Die anderen Schauspieler stehen ihnen nicht viel nach.

Im Film entscheidet sich die Mutter zu einem Entzug in der häuslichen Umgebung. Von ihrem Lebensgefährten, der weiter Drogen nimmt, wird sie unterstützt. Die erste Zeit, in der ein Abhängiger auf die Droge verzichtet, ist besonders schwer. Das wissen die anderen und der Entzug gelingt.

Auch bei einem Freund, der lange weg war, gelang der Entzug. Doch jetzt spricht er die ganze Zeit von Jesus und ist bei Wachters und besonders bei den Männern in der Wohnung, nicht mehr wohlgelitten.

Die Binsenweisheit von Suchtabhängigenbetreuern, dass Entzug auch eine Veränderung der Lebensumstände einschließen muss, zumindest Abstand von lasterhaften Freunden und Bekannten, schlägt irgendwann zu.

Die Handlung kulminiert und wird irgendwann brandgefährlich. Der Wunsch nach Tugend ist stark, die Mutterliebe auch, aber spätestens in schwierigen Situationen hat das Laster eine Chance. Innere Dämonen steigen auf.

Letztlich hilft bei Sucht meist nur eine radikale Lösung, und die kann ein eigener Entschluss sein, die Intervention von Freunden oder Familie, ein Umzug oder eben das Sich-Bekehren zum christlichen Glauben.

Wie sagte Professor Bernd Senf so schön:
Die Lösung der Bildung ist die Lösung.

Am wichtigsten ist es, unabhängig und selbständig zu sein und zu bleiben

Im Film sogar beides oder dreierlei: Ein Umzug in eine Entzugsklinik in Portugal, die von Christen geleitet wird. Ein Telefonanruf „aus der Vergangenheit“ wird nicht beantwortet.

Am wichtigsten ist es, nicht in die zerstörerische Abhängigkeit zurückzufallen.

Am wichtigsten ist es, unabhängig und selbständig zu werden.

Am wichtigsten ist es, unabhängig und selbständig zu sein und zu bleiben.

Termine

Am Samstag, den 30. September 2017 werden Regisseur Adrian Goiginger und Darsteller Michael Pink („der Grieche“) den Film in Berlin und Potsdam persönlich vorstellen.

30.9.2017 um 17.45 Uhr: Filmvorführung „Die beste aller Welten“, in Anwesenheit des Regisseurs und des Darstellers Michael Pink
Thalia Potsdam, Rudolf-Breitscheid-Str. 50, 14482 Potsdam
(S-Bahnhof Babelsberg, Tramlinien 94 und 99, Haltestelle Wattstraße)

30.9.2017 um 20.15 Uhr: Filmvorführung „Die beste aller Welten“, in Anwesenheit des Regisseurs und des Darstellers Michael Pink
Wo? Im Kino „Filmkunst 66“, Bleibtreustraße 12, 10623 Berlin. (S-Bahnhof Savignyplatz Stadtbahn)

Premieren und Kinostart

Die Weltpremiere fand auf der Berlinale 2017 im Februar statt.

Zum bundesweiten Start des deutsch-österreichischen Films gab es am 28.9. eine feierliche Premiere in der baden-württembergischen Landeshauptstadt.

Kinostart in der Bundesrepublik Deutschland: 28. September 2017 .


„Die beste aller Welten“ – Besetzung

Verena Altenberger (Helga Wachter)
Jeremy Miliker (Adrian Wachter)
Lukas Miko (Günter Goiginger)
Michael Pink (der Grieche)
Michael Fuith (Hr. Hütter, Jugendamt)
Reinhold G. Moritz (Berni)
Philipp Stix (Walter)
Georg Veitl (Schneider)
Gabriel Marian Skowerski (Ronan)
Fritz Egger (Amtsarzt)


„Die beste aller Welten“ – Stab (Crew)

Regie, Buch Adrian Goiginger
Kamera Yoshi Heimrath, Paul Sprinz
Schnitt Ingrid Koller
Musik Dominik Wallner
Sound Design Marvin Keil
Ton Bertin Molz, Tobias Scherer
Szenenbild Veronika Merlin
Kostüm Monika Gebauer
Maske Tim Scheidig
Casting Angelika Kropej
Regieassistenz Sandra Wollner
Produktionsleitung Viktor Perdula, Mathias Hammer, Peter Wildling
Produzenten Nils Dünker, Wolfgang Ritzberger
Ausführender Produzent Wolfgang Ritzberger
Co-Produktion SWR, Baden-Baden
ORF, Wien

Biographie Adrian Goigingers

Geboren wurde 1991 in Salzburg – unter dem Namen Adrian Wachter.
Nach dem Abitur und einem Jahr als Reserveoffiziersanwärter beim österreichischen Bundesheer gründete er 2012 gemeinsam mit Schulfreunden die Filmproduktionsfirma 2010 Entertainment OG in Salzburg, bei der er als Regisseur und Drehbuchautor für Kurzfilme, Werbespots, Imagefilme und Musikvideos verantwortlich ist
2013 begann er ein Studium der szenischen Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Seine Kurzfilme „Klang der Stille“ und „Milliardenmarsch“ liefen weltweit auf vielen Festivals, wurden mehrfach prämiert. Mit „Die beste aller Welten“ gab Goiginger sein Langfilmdebüt.

Filmographie

2011 „Aitch“. Kurzfilm
2014 „Klang der Stille“ (Sound Of Silence). Kurzfilm
2015 „Milliardenmarsch“ (Billion Walk). Kurzfilm
2017 „Die beste aller Welten2 (englischer Titel: „The Best Of All Worlds“)




Es ist der Horror! Meiden Sie die Kinos, ab 28. September kommt der Schrecken in Form von Stephen Kings S…

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Bücherregale sind schon lange nicht mehr sicher vor ihm, die Videotheken auch nicht. Nun steht der neue Horror vor der Tür. Gerade eröffnete er das Fantasy-Film-Fest, das unter dem Motto Fear Good Movies keine Feelgood-Movies anbietet, sondern Fantasy und Blutigeres.

Auf dem Umschlag seiner Bücher, die gern mal in rot-schwarz oder grün-schwarz gehalten sind, steht schon mal eindeutig, worum es geht: „Der Alptraum beginnt …“, heißt es zum Beispiel auf dem Cover von „The Green Mile“. Bei „Es“ steht zur Erläuterung auf der Rückseite des Bandes: „Das Böse in Gestalt eines namenlosen Grauens“.
Die deutsche Übersetzung von „It“ – man beachte das kleine ‚t‘, das ‚Ei-ti‘ gesprochene „IT“, dass neumodisch denglisch nichts anderes als EDV bedeutet, besteht aus zwei Großbuchstaben – erschien bereits 1990.
Rechtzeitig zum Kinostart spendiert der Heyne-Verlag für seine Taschenbücher einen leicht abziehbaren Aufkleber „Jetzt im Kino“.
Bill Skarsgard spielt im Film den Clown Pennywise.

Doch langsam, denn so einfach ist es nicht. Die deutschsprachige TB.-Ausgabe aus den 80er Jahren, die im Jahr der Wiedervereinigung erschien, war gekürzt.
Erst 2011 erschien im März die neubearbeitete, erstmals vollständige Taschenbuchausgabe. Vielleicht wollte man angesichts des Majakalenderdatums 2012 rechtzeitig sein, sonst wäre das Buch vielleicht nie erschienen …

In diesem Jahr 2017 wurde das dicke Büchlein wiederaufgelegt. Der Umschlag dieser 2. Auflage wurde von Nele Schütz Design in München gestaltet – unter Verwendung eines Motivs von Warner Bros. Die Urheberrechte des farbigen Motivs – ein Kind mit blauer Hose, Gummistiefeln und einer knallgelben Regenjacke – liegen dementsprechend bei Warner Bros. Entertainment Inc. Falls Zweifel entstehen, steht das auch noch einmal auf englisch dort: All Rights reserved. Und zwar für das „Motion Picture Artwork“. Den Hinweis finden wir im Impressum und auf dem Umschlag des Heyne-Taschenbuchs.
Genannt auch: „Das Buch zur großen Neuverfilmung“.

Die multimediale Verflechtung in Zeiten, da sich (fast) jeder freiwillig ein Handy oder ein Smartphone kauft, führt dazu, dass hinten auf dem Umschlag so ein hässlicher, schwarzweißer QR-Code prangt, der einem den Trailer zum Film verheißt. Wer eine Flatrate hat und Empfang, kann also gleich, das Buch noch in der Hand, den Trailer anschauen.

Wer bis hierhin alle englischen Wörter verstanden hat, dem machen weitere Hinweise im Impressum nichts aus. Der Wälzer mit 1533 Seiten (!), den man, sollte man es denn lesen, also lange nicht aus der Hand legen wird, ist „Printed in Germany“. (Die Druckerschwärze für das Wort „Western“ wird seit zweieinhalb Jahrzehnten eingespart.) Genauer gesagt in der Druckerei C.H.Beck in Nördlingen, wo auch die Bindung erfolgte. Der gute alte Wilhelm-Heyne-Verlag, der sich selbst Wilhelm Heyne Verlag schreibt – eine Unart, mit der Verlage vor einem Jahrhundert begannen – ist übrigens keine GmbH und auch kein ganz deutsches Unternehmen mehr, sondern Teil der Verlagsgruppe Random House GmbH. Immerhin: beider Sitz ist München.
Die Originalausgabe erschien bei Viking Press, New York. Aus dem amerikanischen Englisch ins Deutsche übersetzt von Alexandra von Reinhardt und Joachim Körber. Bearbeitet und teilweise neu übersetzt von Anja Heppelmann.
Geschrieben von 37 Jahren in Neuengland: „Dieses Buch wurde am 9. September 1981 in Bangor, Maine begonnen und am 28. Dezember 1985 in Bangor, Maine, beendet.“

Mehr als vier Jahre hat der Verfasser – mit Unterbrechungen – an diesem Werk gesessen. Manch einer braucht genauso lange, um 1500 Seiten zu lesen.

So weit es King in seinem Beruf gebracht hat – ob der Familienname half? – und so weit, wie die Phantasie mit ihm durchging, so bodenständig ist er in der Nähe seines Geburtsortes geblieben. Gerademal 129 Meilen sind es über die Interstate 95 von Portland, Maine nach Bangor, wo der Schriftsteller zusammen mit seiner Frau Tabitha King immer noch lebt. Man braucht noch nicht einmal den Bundesstaat zu verlassen und beide Orte sind Hafenstädte. King stiftete Bangor ein Sportstadion und besitzt drei kleine Rundfunksender. Viele von Kings Geschichten spielen hier oder haben einen Bezug zu der 30.000-Einwohner-Stadt, die 1853 gegründet wurde und im 18. Jahrhundert Sunbury hieß.

Auf dem schiffbaren Fluss, der zwischen Bangor und seiner Nachbarstadt Brewer liegt, verkehren Eisbrecher, 90 Kilometer vom offenem Meer entfernt.

Eisig wird es einem auch beim Einsteigen in Kings Geschichten. Der Konsum will also gut überlegt sein. Denn tausende andere Bücher warten darauf, gelesen zu werden. Berücksichtigt man die Tatsache, dass man von 100.000 Büchern, die jährlich auf der Frankfurter Buchmesse neu erscheinen, in seinem Leben nur einen Bruchteil lesen kann, will es doppelt gut überlegt sein.
Wem es darauf ankommt, wenigstens eine möglichst große Anzahl von Buchtiteln am Lebensende abgehakt zu haben, dem ist von der Lektüre ebenfalls abzuraten. Es sei denn, man liest so schnell wie Mao Tse-tung und im echten Leben mangelt es an Schrecken.




Regnerisch und blutig – es ist ein Jammer! Unerklärliche Todesfälle und Verrücktheit in dem dunkelschwarzen Horrorfilm „Wailing“ aus Südkorea

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Bisher war es doch so: Das Leben ging seinen Gang, bei Krankheit sind die Ärzte zuständig, für das Seelenheil ein Priester der Wahl. In Sibirien, Lateinamerika und Korea, wenn etwas Unerklärliches passierte, schonmal der Schamane.
Der Film „Wailing“ (sprich: Wejling, zu deutsch ‚Wehklagen‘) zerstört jede Hoffnung auf irgendeine Ordnung und der Hauptdarsteller ist auch noch der Chef der Dorfpolizei. Er wohnt mit Frau und Tochter in einem Dreigenerationenanwesen; die einzelnen Häuser gruppieren sich um einen ländlich wirkenden Hof. Das Regenwasser tropft von der Dachkante, die Traufe ist voll, die Regentonne ebenfalls, der Hof ertrinkt im Matsch. Dennoch sind wir in der Jetztzeit der Autos und Handys. Die Untertitel verraten, wer anruft, ganz banal: „Ehefrau“, „Schamane“.

Im Land der Ginsengzüchter und Sofortbildkameras

Zunächst wähnt man sich noch in einem Krimi. Die Frau des Ginsengzüchters sei gestorben, der Polizist wird aus dem Schlaf geholt. Die älteste Generarion überredet dann doch dazu, erstmal noch im Trockenen etwas zu essen. Die Todesfälle häufen sich dann jedoch und die bestialischen Umstände erschrecken. Ein hässlicher Ausschlag befällt die Opfer, die zudem vorher noch mit einer Minolta und einem altmodischen Blitzlicht photographiert werden. Sofortbilder. Dazu Symbole: Tierköpfe und anderes.

Klärt der kleine Polizist den Fall auf?

Man kann am Anfang vermuten, dass der etwas trottelige und einfach scheinende Tolpatsch von Polizist mit vier Sternen sich zur klugen Nummer 2 entwickelt, die am Ende alles aufklärt. Denn seine Kollegen haben zwar einen herrschsüchtigen Befehlston am Leib, scheinen aber alle nicht die hellsten zu sein und schreckhaft sind sie auch noch.
Oder soll der in diesem Streifen erzeugte Horror noch dadurch verstärkt werden, dass mutige Beamte zu Tode erschrecken, vor Entsetzen schreien, umfallen und zurückweichen?
Über zwei Stunden zieht sich die Angelegenheit, doch Aufklärung erhält auch der Ausharrende nicht. Immer mehr Opfer verenden grausam und blutverschmiert, gehen vorher auf die Umstehenden los.

Am Ende erreichen die Dämonen das Anwesen des Polizeichefs und die Sympathie des Publikums bangt besonders um die jüngste der drei Frauen aus der Familie der Hauptfigur: Das entzückende kleine Mädchen. Krankheit und Rettung wechseln sich ab, Stimmungsschwankungen und unglaubliche Beleidigungen der Eltern, zudem im höflichen Korea.

Motive, bei denen man es mit der Angst bekommt

Außer Unterwasseraufnahmen finden sich in diesem Genrefilm fast alle denkbaren Schreckensmotive, in denen Menschen Angst haben:
Der dunkle Wald. Abgründe. Nacht. Dunkelheit im Gewitter. Sogar auf der Polizeiwache fällt der Strom aus.
Dunkle Tunnel, ein Bergwerksstollen.
Losgelassene bissige Hunde.
Eine Unzahl Falter auf der Windschutzscheibe, die in Sekunden die Sicht trotz Scheibenwischers die versperren. Das Verlieren der Kontrolle über das eigene Fahrzeug. Die Angst der Mitfahrer, die dem hilflos ausgeliefert sind.

Lynchmordbanden. Feuer. Verrücktheit, Wahnsinn, Besessenheit. Teufel und Dämonen.

Japan und Korea

Speziell koreanisch: Der japanische Vergewaltiger.
Das ist eine Reminiszenz an die Zeit der Besetzung durch japanische Truppen. Im Zweiten Weltkrieg, der in Ostasien schon 1937 begann und nach mehrfachem Atombombenabwurf erst endete, als in Europa schon monatelang Frieden herrschte, besetzte das japanische Kaiserreich eine großasiatische „Wohlstandssphäre“, die grobgesagt die östliche Hälfte Asiens und die westliche des Stillen Ozeans einnahm.
Aufgrund der geographischen Lage als Halbinsel zwischen China und Japan war Korea gleich am Anfang betroffen und fast bis zum Ende. Der Koreakrieg kurze Zeit später war eine Folge. (Auch Tsushima übrigens, Ort des Sieges japanisch-kaiserlicher Marine über eine russisch-zaristische Armada, ist eine koreanische Insel im Süden.)
Die weitverstreuten japanischen Truppen, Männer, waren teils jahrelang von ihren Freundinnen, Verlobten und Ehefrauen getrennt. Zehntausende Koreanerinnen dienten als „Trostfrauen“ und Zwangsprostituierte. Der Japaner im Film ist also nicht einfach irgendwer, nicht irgendein Tourist aus irgendeinem Nachbarland.

Bitte keinen Kriminalfilm erwarten, obwohl es sich nebenbei um einen handelt.
Wer aber düstere, blutige Streifen mit (halb?-) satanischen Symbolen liebt, der kommt voll auf seine Kosten.

Ein Schamane tanzt wie ein Rockstar

Die schauspielerischen Leistungen sind gut bis sehr gut. Der Schamane – „Es ist der beste“, raunte die Alte – tanzt bei der Geisteraustreibung wie ein Rockstar, dass die Funken sprühen.

Das kleine Mädchen entzückend und der gut gecastete Polizist ein bisschen Dick und Doof in einer Person.

Alle, die sich vor Blut oder Geschwüren ekeln oder jeden Sonntag in die Kirche gehen, seien dagegen gewarnt.

Sonnenuntergang am Fluss

Was bleibt Positives (abgesehen von der filmisch guten Umsetzung des Bösen?)
Atmosphärische Landschaftsaufnahmen aus Korea.

Falls mit Nord-Korea und dem großen Land auf der anderen Seite des nördlichen Pazifiks etwas schiefginge – aus dem Ego oder der Eitelkeit der Herrscher heraus, Selbstüberschätzung, Missverständnissen oder warum auch immer – und das Land (atomar?) verwüstet würde, wäre der Süden der Halbinsel selbstverständlich stark betroffen, vielleicht kaum noch bewohnbar. Zumindest würden Fallout oder Ähnliches diese Erdgegend auf Jahrhunderte hinaus ruinieren und die Lebensqualität stark mindern. Hautausschläge wie im Film könnten dann tatsächlich auftreten.
Dann hätte man in diesem Streifen einige Bilder verewigt, wie es „damals“ in der Natur war. Dem ‚Damals‘, das jetzt ist.

Dennoch, wenn man nur ins Kino geht, um die schöne Landschaft auf der großen Leinwand zu sehen, ist man im falschen Film. Den Rest wird man kaum „übersehen“ können.
Ein Film, der es nach Cannes geschafft hat
Regisseur Na Hong-jins Werk wurde 2016 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes im Rahmen des offiziellen Programms gezeigt.

Ein Filmtitel wie aus dem Chinesischen

Ein Wort noch zum Titel, unabhängig von der Bedeutung, rein phonetisch betrachtet: „Wailing“ ist in seiner Zweisilbigkeit ein genial gewähltes Wort, um den Filmtitel auch in der Nähe des Drehortes, in Ostasien zu bewerben. Beide Silben gibt es im Chinesischen (in Hanyu Pinyin „wei“ und „ling“ geschrieben). Der Titel, ob man ihn nun versteht oder nicht, ist leicht auszusprechen.

Selbst falsch ausgesprochen „wai-ling“ wäre er noch verständlich und die Silbe „wai“ ist auch eine Chinesische, sie bedeutet unter anderem „fremd, außen“ wie in dem Wort für Ausland.

Spoiler

Inhalt: Eine Reihe bestialische Übergriffe und grausamer Morden erschüttert ein Dorf in Südkorea. Scheinbar grundlos greifen sich Nachbarn brutal an. Der Dorfpolizist Jong-gu bemüht sich um Aufklärung, doch es gibt keine erkennbare Erklärung für die Gewaltwelle. Die Gerüchteküche brodelt. Es wird gemunkelt, dass ein japanischer Eigenbrödler, der seit kurzem am Waldrand haust, hinter der Mordserie stecke. Die Lage eskaliert dann immer weiter: eine dämonische Macht ergreift von der Polizistentochter Besitz. Um sie zu retten, setzt Jong-gu auf die Hilfe eines Schamanen und entfesselt dabei unabsichtlich die Macht des Bösen noch mehr …
„THE Wailing – Die Besessenen“ „erhebt das Genre-Kino zu einer wahren Kunst“, so Screen Anarchy. Nervenaufreibend. Nicht für Zartbesaitete.

Filmdaten: Cast

„The Wailing – Die Besessenen“. Originaltitel: „GOKSUNG“.
Ein Film von Na Hong-Jin.
Mit:
Kwak Do-Won,
Hwang Jung-Min,
Jun Kunimura,
Chun Woo-Hee,
Kim Hwan-Hee u.a.

Start: Bundesweit ab 12. Oktober 2017 im Kino.




Heinz Emigholz‘ Film „Streetscapes [Dialogue]“ gebührt das Verdienst, Häuser der Architekten Julio Vilamajó, Eladio Dieste und Arno Brandlhuber zu zeigen und ins Bewusstsein zu holen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Heinz Emigholz liebt Häuser und zeigt sie gern anderen. Darum dreht er Filme. Eine Tetralogie, die dieses Jahr auf der Berlinale gezeigt wurde, lautet „Streetscapes“. Der dritte Teil von vieren lauet „Streetscapes – Dialogue“.
Vielleicht sollte man diesen Teil als ersten sehen, dann erschlösse sich vieles schneller. Der Film arbeitet mit drei Schauspielern, die Emigholz und seinen Interviewpartner (eigentlich seinen Therapeuten) darstellen. Damit der Film eine Struktur bekommt, wurden Wochentage (Montag, Dienstag, … in grellen, roten Versalien auf englisch) eingefügt.

Die Schauspieler gehen, stehen und sitzen in, vor und außerhalb mehrerer architektoisch bedeutsamer Häuser. Bedachtsam ist die Kamera aufgestellt, ohne das einem das gleich auffällt.

Doch da die Gesprächspartner im Film über ihn, den Film, reden, erfährt man das mit dem nachträglichen chronologischen Aufbau und mit den Gebäuden – zu welcher Strömung sie gehören, zu welchem Architekten und welchem Land (oft Uruguay, was zu einem schönen Licht führt, und in die regnerische Bundesrepublik Deutschland) – im Laufe der 132 Minuten, die schneller vergehen, als gedacht.

Wir haben es hier mit einem selbstreflexiven Film zu tun. Er ist nie langweilig; scheint nur höchstens manchmal narzißtisch, doch das ist in einem Therapiezusammenhang unvermeidlich. Emigholz hat vielleicht nur einen kleinen, aber auf jeden Fall treuen Kundenstamm. Zu Ulrike Ottinger geht auch nicht jeder, trotz Berlinale. Bei ihr sehen viele nicht ein, warum man stundenlang im Kino sitzen solle, wenn es doch auch schneller geht? Böse Zungen behaupten gar, dass sie kürzere Filme einfach nicht hinkriege. Was sind da Emigholz‘ 2 Stunden 12 Minuten „Dialog“ in Straßenlandschaften?

Treppenhäuser sind ein Steckenpferd Emigholz‘, oder besser gesagt, ein Hauptaugenmerk. Er denkt sich mehr über sie, als wir wohl je gedacht haben. Dabei benutzen wir sie täglich.

Seine bereits über zwei Dutzend Filme werden angeschaut, laufen auf dem großen A-Festival der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale). In der Reihe Forum erlebte der neue Film Streetscapes [Dialogue] im Februar seine Weltpremiere.

Vielleicht sind sie nicht für jeden Geschmack, doch der Autor persönlich bereut nicht, dabei gewesen und geblieben zu sein ohne Pause für Popcorn oder ähnliches. Denn ein paar Rätsel entstehen doch im Film, die sich im weiteren Gang meist auflösen. So gehen 132 Minuten vorbei, die die Filmgalerie 451 mit vorstellt.

Der Streifen startet am 12. Oktober.

Die Republik östlich des Uruguay taucht selten in den Nachrichten auf und ist für Mitteleuropäer kein häufiges Reiseziel. Wenn, dann sind die Gebäude Julio Vilamajós und Eladio Diestes wohl nicht unbedingt an erster Stelle der besuchten Sehenswürdigkeiten. Zumindest nicht die Lager- und Hafengebäude oder Busbahnhöfe.
Umso mehr ist es eine Freude, sie auf diesem Wege gesehen zu haben.

Ob der intensive Dialog dabei stört? Man stelle sich vor, der Film laufe ohne Ton, von Harfenklängen unterlegt oder mit dem Charakter einer (US-)Fernsehdokumentation … Dann schon besser so.

Emigholz und Per Kirkeby be(ob)achten Architektur

Wer lieber liest und genießt, dem seien Per Kirkebys Essays empohlen.
-“Naturens Blyant“, Kopenhagen 1978
-“Bravura“, Kopenhagen 1981 (beide dänisch)
– Englische Ausgabe „Selected Essays from Bravura“, Eindhoven 1982
Eine Kostprobe aus „Bravura“ (aus dem Dänischen übersetzt von Johannes Feil Sohlman), aus dem Kapitel ‚Der Maler – Architektur‘: „Die Größe ist das Tosen der freien Strömung, die überall, in der Freiheit der Fenster, in den Kuriositäten der Giebel, zu fühlen ist. Wäre die Architektur nicht durch diese künstlerische Freiheit geformt, gäbe es keine ernsthafte Stimmung. Die Größe ist ein Nebenprodukt dieser Freiheit.“ (Bern 1984)
Die Genauigkeit der Beobachtung und der Respekt vor Künstler und Werk einen Per Kirkeby und Emigholz.

Bundesweiter Kinostart von „Streetscapes“ ist der 12.10.2017.

Streetscapes [Dialogue]
Regie: Heinz Emigholz,
Darsteller: John Erdmann, Jonathan Perel, Natja Brunkhorst

Ein fiktionalisierter Dialog zwischen einem Regisseur und seinem Therapeuten, der auf Protokollen psychoanalytischer Sitzungen Emigholz‘ basiert, gedreht in und neben Gebäuden von Julio Vilamajó (1894-1948), Eladio Dieste (1917-2000) und Arno Brandlhuber (*15. Mai 1964) in Uruguay und Deutschland.

Der Dokumentarfilm wird unter anderem in Berlin im fsk, Segitzdamm 2, 10969 Berlin-Kreuzberg laufen:

Sonntag, 15.10. 14.30 Uhr mit Filmgespräch!
Nach der Vorführung von STREETSCAPES [Dialogue] (Filmstart: 14:30) findet ein Gespräch zwischen Heinz Emigholz und dem Architekten Arno Brandlhuber statt;

Weitere Vorführungen (Screenings):

Samstag, 21.10. 2017, 15 Uhr;

Sonntag, 29.10.2017, 13.15 Uhr.

Die Serie Streetscapes

Kapitel I = 2+2=22 [THE ALPHABET)

Kapitel II = BICKELS [Socialism]
(über die Architektur des Kibbuz-Baumeisters Samuel Bickels)

Kapitel III = STREETSCAPES [Dialogue]

Kapitel IV = DIESTE [Uruguay]
(29 Bauwerke des Schalenbaumeisters Eladio Dieste und als Prolog drei von Vilamajó in Motevideo)

Gezeigt wird im fsk-Kino vom 14.-29. Oktober 2017 die ganze Serie „Streetscapes“ (insgesamt 407 Minuten). Die Filme sind eigenständig.

Sa. 14.10. 2+2 80′ 15.45
So. 15.10. Streetscape 132′ + FG 14.30
Sa. 21.10. 2 + 2 80′ 13.00
Sa. 21.10. Streetscape 132′ 15.00
So. 22.10. Dieste 95′ 13.00
So. 22.10. Bickels 92′ 15.00
Sa. 28.10. Bickels 92′ 13.30
Sa. 28.10. Dieste 95′ 15.30
So. 29.10. Streetscape 132′ 13.15
So. 29.10. 2 + 2 80′ 15.45

Die drei Architekten des 3. Films „Streetscapes [Dialogue]“

Julio Vilamajó

Werk (Auswahl):

– Palacio Santa Lucia; Casa de Felipe Yriart; Wohnhaus von Augusto Pérsico, alle Montevideo
– Denkmal für die argentinisch-uruguayische Konfraternität, Buenos Aires
– Hotel El Mirador, Colonia
– United Nations Building, New York

Eladio Dieste

Werk (Auswahl):
– „Cristo-Obrero“-Kirche in Atlántida (an der Küste Uruguays 45 km östlich der Hauptstadt, in Teil IV)
– San-Pedro-Kirche in Durazno (im Landesinnern von Uruguay, in Teil IV)
– Busbahnhof in Salto (drittgrößte Stadt Uruguays an der Grenze zu Argentinien)
– Tor der Weisheit/ ugs. „Die Möwe“, Salto, (Denkmal für Dieste, in Teil IV)

Arno Brandlhuber

Projekte (Auswahl)

– St.-Agnes-Kirche Alexandrinenstraße 118 (Werner Düttmann), 10969 Berlin-Kreuzberg
(die ehemalige katholische Kirche wird für Kunstausstellungen (König-Galerie) und Veranstaltungen genutzt)
[vom Kino fsk den Segitzdamm bis zur Gitschiner Straße und an der dortigen Hochbahn nach rechts (Westen) bis zur Alexandrinenstraße, dort wieder rechts]

– Gebäude Brunnenstraße 9, 10119 Berlin-Mitte (Nähe Rosenthaler Platz), von AB selbstgenutztes Atelier- und Galeriehaus

– Neanderthal-Museum, Neanderthal, Talstraße 300, 40822 Mettmann (zwischen Düsseldorf und Wuppertal)




'71

Gesehen und für gut befunden: Der Film „’71 – Hinter feindlichen Linien“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 2014 debütierte der Brit-Regisseurs Yann Demange mit einem 100-Minuten-Film, dessen Geschichte 1971 vor allem in Belfast spielt und von Gregory Burke geschrieben wurde. Aus Sicht des braven UK-Soldaten Gerry Hook, der Hauptfigur des Spielfilms, werden hauptsächlich die Ereignisse und Verhältnisse eines Tages in der nordirischen Hauptstadt der neun Grafschaften umfassenden irischen Provinz Ulster, die zum Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland (UK) gehört, dargestellt.

Ulster ist 1971 immer noch nicht mit der Republik Irland vereint, dafür sorgen vor allem seit ihrer Gründung 1966 die Ulster Volunteer Force, die auf rund 400 politische Morde seit ihrer Gründung bis 2003 kommen, und die Brit-Soldaten, die ungezählte Iren auf dem Gewissen haben.

Hook, muss als Rekrut der Britischen Armee von Derbyshire, wo er wohnt und sein jüngerer Bruder in einem Heim lebt. Gleich bei seinem ersten Einsatz gerät er zwischen und hinter die Linien „freundlicher“ Protestanten und „feindlicher“ Katholiken. Hook wird mit seinem Kameraden Thommo von der Truppe, die sich nach einem missglückten Einsatz, bei dem UK-Polizisten gegen vermeintliche katholische Terroristen brutal vorgehen, getrennt. Thommo wird von einer Gruppe der IRA ermordet. Hook kann fliehen und versteckt sich in einem Aussenklo, dass er nach Einbruch der Dunkelheit verlässt. Um nicht als Soldat erkannt zu werden, klaut er Wäsche von der Leine, zieht sich um und von dannen.

IRA-Mitglieder suchen nach Gary Hook, der beim Umherirren durch Belfast den jungen Protestanten Billy trifft, der gegen Katholiken hetzt wie ein Großer. Doch mit Billy kommt Gary nicht in die Kaserne, sondern vom Regen in die Traufe. Die Nacht wird schlimmer als der Tag und bevor die Sonne wieder aufgeht, sind in Belfast ’71 noch mehr Menschen tot.

Der spannende, thrillige, sozial- und gesellschaftskritische Film mit dem Originaltitel „’71“ und dem deutschen Titel „’71: Hinter feindlichen Linien“ wurde am 7. Februar 2014 im Rahmen des Wettbewerbs der 64. Berlinale uraufgeführt, fand aber nur bei der Ökumenischen Jury Erwähnung. Dabei wäre nicht nur die bewegende Geschichte über bürgerkriegsähnliche Zustände in Belfast, Lug und Betrug in der Kleinbürgerlichkeit Nordirlands und der Brit-Kasernen sondern auch die bewegte Kamera von Kameramann Anthony „Tat“ Radcliffe, die hautnah dran ist und im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Hauptdarsteller mitläuft, intensiv Mimik, Gestik und Geschehen einfängt, Worte der Anerkennung wert. Echt authentisch, echt spannend.




Western Casting Happy Luft – Festival des deutschen Films zog mit neuem Open-Air-Kino und vielen Gästen eine Großstadt nach Ludwigshafen am Rhein

Berlin/ Ludwigshafen am Rhein, Deutschland (Kulturexpresso). Das 13. Festival des deutschen Films zeigte vom 30. August bis zum 17. September 2017 insgesamt 242 Vorstellungen. Es gab 96 Filmgespräche. Bis zu 8.000 Besucher am Tag kamen in die idyllische Zeltstadt auf der Parkinsel am Rhein, bis Sonntag abend sind es insgesamt etwa 102.000 Besucher geworden, so viele wie in einer kleinen Großstadt wohnen.
Festivaldirektor Dr. Michael Kötz fasst zusammen: „Ein Fest für das deutsche Kino – über 60 neue Filmwerke haben wir präsentiert, 44 Regisseurinnen und Regisseuren waren zu Gast, 88 Produzenten und andere Branchenvertreter und 61 Schauspielerinnen und Schauspieler stellten sich mit ihren Werken dem kritischen Blick und den Fragen des Publikums. Das Festival macht großen Spaß!“

Höhepunkte

Highlights des Festivals waren die Preisverleihungen für Schauspielkunst an Martina Gedeck („Die Wand“, „Gleißendes Glück“) und Matthias Brandt, die nicht nur eine Ehrung für die Leistungen der beiden Ausnahmeschauspieler waren, sondern im Publikumsgespräch auch höchst interessante Einblicke in den Schauspielberuf gaben.

Matthias Brandt hat einen Allerwelts-Vor und -nachnamen, doch auf die Kombination kommt es an. Der jüngste Sohn von Rut und Willy Brandt, der bald – wieder zusammen mit der DDR – Geburtstag haben wird, ist kulturbeflissen wie seine Geschwister. Bruder Peter ist Historiker und Lars Schriftsteller und Filmemacher – in derselben Branche. Drei voll korrekte Jungs.

Doch auch Matthias Brandt verfasste bereits ein Buch, 2016 erschien die autobiographische „Raumpatrouille“, womit wir wieder bei Kino und Fernsehen angelangt wären. Brandt ist bekannt aus dem Tatort („Der tote Chinese“ u.a.) und Polizeiruf 110, aber kein „Mann von gestern“ (2007). Er ist „In den besten Jahren“ (2011, Regie: Hartmut Schoen) und erhielt Ruhm (2012, Regie Isabel Kleefeld) und Glück (2012, Doris Dörrie). 2013 drehte Torsten Fischer „Vier sind einer zuviel“ – eine Eselsbrücke für die Geschwisterzahl? Programmatisch auch „Männertreu“? (2014, Regie: Hermine Huntgeburth) Trotz aller Leistungen: Steht man noch „Vor der Morgenröte“? (2016, Maria Schrader)

Frei von Angst

Weitere Höhepunkte des Festivals das deutscher wohl nicht sein könnte als an Vater Rhein: Die Weltpremiere der Dokumentation „Silly – Frei von Angst“ (Kinostart: 16. November im Arsenal-Filmverleih). Die Kultband um Frontfrau Anna Loos und die Musiker Ritchie Barton, Uwe Hassbecker und Jäcki Reznicek gab dem Festivalpublikum „unplugged“ ein kleines Konzert.

Luft im Open Air

Auf große Publikumsresonanz stieß das neue Open-Air-Kino. Selbst bei Regen harrten die Kinobesucher aus und wollten den jeweiligen Film bis zum Schluss sehen. Die Kopfhörer garantierten zudem, dass die übrigen Gäste auf der Parkinsel am Rhein nicht von dem Filmsound der Vorführung gestört wurden.

Reif für die Insel

Die traditionellen „Inselgespräche“ zum Thema „Fernsehen“ und „Kino“ stießen bei den angereisten Medienvertretern auf gute Resonanz. Gerade der Bestandteil während des Festivals, wenn jenseits der sonst üblichen Branchentrubels Vertreter aus Produktion, Vertrieb, Redaktion, Förderung und Politik die unterschiedlichen Themen fachübergreifend diskutieren, ist einzigartig in Deutschland.

Kinder und Nager

Das „Kinderfilmfest“ mit dem „Nils-Nager-Preis“ ist Jahr für Jahr ein Magnet, denn „die Zukunft für das Kino wird damit entschieden, ob wir es schaffen, junge und ganz junge Menschen für das Kino zu begeistern, ihnen das einzigartige Erlebnis vermitteln, in einem abgeschlossenen Raum mit vielen anderen unbekannten Menschen in eine fremde Welt auf der Leinwand einzutauchen“, meint Dr. Michael Kötz.

Alle vergebenen Preise im Überblick

Filmkunstpreis 2017

An „Western“ von Regisseurin Valeska Grisebach
und ex aequo an
Casting“ von Regisseur Nicolas Wackerbarth

Lobende Erwähnungen

– „Happy“, Dokumentarfilm von Carolin Genreith
– „Luft“ von Regisseur Anatol Schuster

Der Publikumspreis 2017 ging
an Martin Enlen für „Ich war eine glückliche Frau

Preis für Schauspielkunst 2017*
Martina Gedeck
Matthias Brandt

Medienkulturpreis 2017
Lucia Keuter / WDR

Drehbuchpreis 2017
Markus Busch

Der „Goldene Nils“ 2017
– „Amelie rennt“, Regisseur: Tobias Wiemann

*Frühere Preisträger für Schauspielkunst waren unter anderem Katja Riemann, Nina Hoss, Hannelore Elsner, Sandra Hüller, Bruno Ganz, Anna Loos, Jan Josef Liefers, Corinna Harfouch, Mario Adorf und Ulrich Tukur.

In Sven Taddickens Romanverfilmung „Gleißendes Glück“ (Kinostart 20. Oktober 2016) zum Beispiel waren die beiden Hauptdarsteller Martina Gedeck, die diesjähriger Preisträgerin, und Ulrich Tukur.