Penguinbuch von 1963 auf englisch: James Baldwins "The Fire Next Time"

Jean-Michel Basquiat – der James Baldwin der Kunst? Basquiat-Film zur Basquiat-Ausstellung

Berlin, Frankfurt am Main, Deutschland (Kulturexpresso). Jean-Michel Basquiat: Genial, herausragend, Wegbereiter für andere Afroamerikaner in die internationale Kunstszene? Oder nur ein (Ex-)Graffitikünstler mit einem Drogenproblem, an dem er starb? Umstritten ist das Etikett, auf das man sich im Moment in der Jean-Michel-Basquiat-Diskussion einigen kann.
Doch die beißende Kritik – aus der vielleicht der Neid spricht? – an der erfolgreichen, millionenschweren Vermarktung von Jean-Michel Basquiats Werken sollte man unbedingt von einer neu(t)ralen Werkrezeption trennen.
Vielleicht erhellt ein Dokumentarfilm über den Künstler ein bisschen das Dunkel. Den Nebel der Nebelkerzen der Kämpfer um die Deutungshoheit. Die Dokumentation heißt „Basquiat. Boom for Real“, wie die Ausstellung in der Schirn-Kunsthalle. Gezeigt wird er am Samstag, 5. Mai, und Donnerstag, 10. Mai, im Kino des Deutschen Filmmuseums.

Jean-Michel Basquiat – Ausstellung und Film in Frankfurt am Main

Noch bis zum 27. Mai läuft die Ausstellung „Basquiat. Boom for Real“ in der Schirn-Kunsthalle. Kurz: „Schirn“. Begleitend ist im Kino des Deutschen Filmmuseums der gleichnamige neue Dokumentarfilm erstmals hierzulande zu sehen.

Samstag, 5. Mai 18 Uhr und Donnerstag, 10. Mai um 20.30 Uhr
„BOOM FOR REAL: THE LATE TEENAGE YEARS OF JEAN-MICHEL BASQUIAT“
USA 2017. Regie: Sara Driver. Dokumentarfilm. 78 Min. DCP. Originalfassung (OF.)

Jean-Michel Basquiat konnte sich als einer der ersten Afroamerikaner in der internationalen Kunstszene durchsetzen.

Das Filmmuseum: „Der Film konzentriert sich auf die frühe Schaffensphase, verknüpft dabei Archivmaterial und Gespräche mit Freunden und Weggefährten wie Jim Jarmusch. Er ist zugleich ein Porträt vom Downtown New York der späten 1970er und frühen 1980er Jahre und zeigt die gesellschaftlichen Umbrüche dieser Zeit, in denen Basquiat als Street-Artist den allgegenwärtigen Verfall zur Kunst machte.“

Jean-Michel Basquiat – Fakten um einen New Yorker

Jean-Michel Basquiat ist umstritten. Fakt ist: Er wurde zwei Tage vor Weihnachten 1960 in New York geboren und starb 1988 auch dort. Die letzten fünf, sechs Jahre seines Lebens wohnte und arbeitete er in Great Jones Street 57. Das Gebäude ist ein ehemaliger Stall und gehörte seinem Freund und Mentor Andy Warhol. Die Straße ist die Verlängerung der 3. Straße (3rd Street), dessen westliches Ende im Greenwich Village liegt. Genauer gesagt das Zwischenstück, denn am anderen Ende der Great-Jones-Straße geht die 3. in Ost-West-Richtung weiter und heißt East 3rd. Eine Straße weiter südlich ist das Geschäft von Blick Art, Künstlerbedarf, Bond Street 1-5. Es liegt nicht in Greenwich Village, einem Stadtteil am Hudson, aber man braucht nur den Broadway zu überqueren, um ins Village zu gelangen. Und wie man sieht, gab und gibt es nicht nur dort Künstler. Burroughs hatte seinen legendären „Bunker“ an bzw. in der Bowery.

Ein Künstler war Jean-Michel Basquiat also – und er war Teil der Szene. Wer glaubt schon, dass Andy Warhol einen Nichtskönner ein halbes Dutzend Jahre in seinen Räumlichkeiten wohnen ließ? Zudem in New York, der überfüllten Hafenstadt am Atlantik, Traumziel von Generationen, auch europäischer Flüchtlinge.

New York, New York, wo es alles gibt – außer bezahlbarem Wohnraum

Die Stadt wird nicht nur immer wieder im Film verewigt, sondern ist Teil des Weltbewusstseins. Die berühmte Berliner Diskothek „Big Apple“ war nach ihr benannt. Die Berliner Autorin Christiane Knospe, die später beim Umweltbundesamt (UBA) arbeitete, als dieses noch im ehemaligen, spatenförmigen Arbeitsministerium in Grunewald residierte, konnte sich ab ihrem zweiten Besuch in der Szene und den fünf Boroughs immer besser orientieren – und sie ist nicht allein. Die 5 Boroughs oder Bezirke sind ein Synonym für die nordamerikanische Ostküsten-Megapolis, englisch: the five boroughs of New York.

Manche Berliner und US-Amerikaner aus anderen Bundesstaaten oder Upstate NY versuchten, dort Fuß zu fassen, aber es gelang ihnen nicht. Darunter viele Talentierte und Fleißige. Wenn eine Besenkammer schon 1000 $ kostet, was soll der Besitzer des Besens erst bezahlen?

Künstler brauchen noch mehr Platz – und sie haben meist erst wenig Bares. Basquiat (sprich: Bakia bzw. Ba-Ki-A) war nicht der erste Maler, der lebend arm war und lauter „Leichenfledderer“ (Zitat aus einem Newsletter) posthum labte. Selbst wenn man wie Zille in sein Milieu lebt (Klausenerplatz) oder wie bei Spitzweg beim Bücherlesen den Regenschirm hält, weil’s in der Dachkammer durchregnet, brauchen Geistesarbeiter Platz. Mehr Platz. Für ihre Werke. Ihre Bibliothek. Das Atelier.

New York und seine Annäherung an Berlin

Berlin nähert sich übrigens New York immer mehr an. Das wird die Zuständigen für den Fremdenverkehr freuen. Zum Beispiel die Berlin Tourismus & Kongress GmbH (www.visitberlin.de). Die Berliner auch? Damit ist nicht nur die zunehmende Amerikanisierung gemeint, in der Sprache, in der Organisation (Bundespolizei und Jobcenter sind englische Wörter aus den USA, übersetzt oder unübersetzt), und am Ende. Wie der Wegwerfgesellschaft mit ihren Kaffeebechern aus Togo. Diese sind zum Mitnehmen, wie der Euphemismus heißt. Aber eigentlich zum Wegschmeißen, denn so ein Heißgetränk ist schnell ausgetrunken.

Nein, auch sonst gelingt die Annäherung; in Bezug auf die Attraktivität – zum Glück für alle – und im Bereich Unterkunft – zum Glück für die Immobilienbesitzer und Investoren.

Rekordpreise für Immobilien und Kunst; Rekordhalter Jean-Michel Basquiat

Jean-Michel Basquiat schuf und hinterließ 1000 Gemälde und Objekte und 2000 Zeichnungen.

Diejenigen, die daran am meisten verdienen, können sich auch im East Village, in Midtown Manhattan oder in den Stadtteilen rechts und links des Central Parks – Upper West Side und Upper East Side Wohnungen und Häuser sichern. Das soll keine Kritik sein, sondern ist eine neutrale Aussage. Fakt. Denn:

110.500.000 US-Dollar kostete ein Basquiatbild, das noch nicht einmal einen Titel trug. Untitled! Dies geschah 2017 bei Sotheby’s bei einer Auktion. Das mit Ölstift und Sprühfarbe geschaffene Werk aus dem Jahr 1982 zeigt einen Schädel. Ein kluger Kopf.

Das Bild war nicht nur teuer. Es brach einen Rekord. Nie zuvor konnte ein Werk eines Künstlers aus den Vereinigten Staaten von Amerika bei einer Versteigerung so eine Summe erzielen.

Dieser Vorgang jährt sich in Kürze, am 18. Mai.

Südlich von Basquiats letzter Residenz, die in der Gegend der Viertel Noho und Bowery liegt, schließen sich Lower Manhattan, Tribeca und World Trade Center an.

Wer ist eigentlich Sara Driver, die Regisseurin des Films über Jean-Michel Basquiat?

Sara Driver wurde 1955 in New Jersey geboren, ist Schauspielerin, Drehbuchautorin und führt Regie: „You Are Not I“ und „Sleepwalk“ („Year of the Dog“, 1986).
Sie trat neben Jim Jarmusch, Tom DiCillo, Fred Gooch, Frederic Mitterand, Robert Wilson und James Gauerholz in Aaron Brookners Dokumentarfilm „Uncle Howard“ auf. Der Streifen feierte auf der 66. Berlinale 2016 seine Europapremiere in der Sektion Panorama Dokumente. Gedacht als Porträt des Regisseurs Howard Brookner, der 1983 als einen von nur 3 Filmen den Kultklassiker „Burroughs: The Movie“ gedreht hatte. William S. Burroughs (1914-1997) hatte zwischen 1978 und Ende der 80er viele Filme gedreht, die die vitale New Yorker Downtown-Kunstszene zeigten. Jetzt drehte Driver einen über dieselben fraglichen Jahre, die Spätsiebziger und Frühachtziger.

Film: Deutsches Filmmuseum
Ausstellung: Retrospektive in der Schirn-Kunsthalle Frankfurt am Main

Anschriften:
Kino des Deutschen Filmmuseums:
Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt

Schirn-Kunsthalle Frankfurt am Main, Römerberg, 60311 Frankfurt,
Telefon 069 299882-112

Wenn man nicht schwarzsehen will, muss man zugeben, dass Objektivität schwierig ist und das Übernehmen von Meinungen leicht. Ein weiteres Recherchieren könnte also lohnen, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Basquiat könnte ja wichtig sein.

Luca Marenzi, Keith Haring (ein Kunstwerk Harings steht in Berlin Ecke Eichhornstraße und Potsdamer, am Wasser des „urbanen Gewässers“ oder banal des Löschteichs), Bruno Bischofberger und Francesco Clemente schrieben an einem Buch über den jungen Künstler, der mit 27 Jahren starb (Amy Winehouse 1983-2011, Kurt Cobain 1967-1994 …). Die Hauptsprachen des Buches: englisch/ italienisch (abebooks). Es erschien 1999 im Chartaverlag Mailand und heißt:
„Jean-Michel Basquiat“.

Was es konkret bedeuten kann, Künstler in Berlin zu sein (und ggf. sein Atelier in Mitte/ Wedding verlassen zu müssen):

Kunst in den Keller? MoKuzuMimi-Vernissage mit Andrea Wallgren, Susanne Duppen … 22 Künstlern & Ricarda Baubkus mit Bach auf dem Cello

Auktionen mit Luft nach oben – wer zweigt eine Million ab für den guten Zweck?

Im Tiergarten, im Tiergarten ist Kunstauktion. Versteigerung zugunsten der Erdbebenopfer in Mexiko-Stadt mit Werken von Bianca Monroy, Vanessa Enriquez, Rosaana Velasco u. a.

Die USA bestehen nicht nur aus NY, sondern auch aus Chicago, Denver und Phoenix:

5 Chicagoer Künstler persönlich in Berlin. Bauhausarchiv eröffnete Ausstellung „New Bauhaus Chicago“




Kazimierz Blaszczak und Agnieszka Elbanowska vom Film "Pierwszy Polak na Marsie" bzw. "First Pole on Mars" im Kino Fsk am Oranienplatz beim Filmfestival Filmpolska

Marspole. „First Pole on Mars“ von Agnieszka Elbanowska im Fsk-Kino Oranienplatz (Filmpolska)

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Marsianer in Berlin! Genauer in Kreuzberg, und das auch noch in der Nacht zum 1. Mai. „Marspole“? Der oder die? Oder gar das Marsfeld, da ‘das Feld‘ in osteuropäischen Sprachen ‘pole‘ heißt? Es geht nicht um Nord- und Südpol des Marses, sondern um Kazimierz Blaszczak, der der erste Pole auf dem Mars werden möchte und mit Regisseurin und Drehbuchautorin Agnieszka Elbanowska von „First Pole on Mars“ aus Anlass von Filmpolska in das fsk kam. Dort wurden sie von Kinobetreuerin und Moderatorin Monika Anna Wojtyllo wärmstens empfangen, die trotz knapper Zeit zwischen den Filmen – „Opera about Poland“ und „Once upon a time in November“ warteten – bestens, pointiert und lebhaft dolmetschte. Wojtyllo führte nicht nur für Filmpolska dieses Gespräch, sondern ist selbst Regisseurin und Musicalautorin. Eine bessere Gastgeberin hätte sich das fsk kaum wünschen können.

„First Pole on Mars“/ „Pierwszy Polak na Marse“, der „Erste Pole auf dem Mars“ – echt jetzt?

Agnieszka Elbanowska, die auch das Drehbuch verfasste, hatte sich da einen wunderbaren Protagonisten an Land gezogen. Immer ruhig, kerngesund, und was macht das Alter schon aus? Man kann doch einfach dorthin gehen, wo man langsamer altert! Selbst Blaszczaks Ehefrau, die beim Filmgespräch nach der Vorführung im Fsk anwesend war, hatte von den weltwichtigen, um nicht zu sagen, planetenumspannenden Plänen ihres Mannes erst aus der Zeitung erfahren. Überraschung!
Ob er wohl gesagt hätte: „Ich gehe mal kurz zum Nachbarn“? – Nicht den eine Hausnummer weiter meinend, sondern den Nachbarplaneten?

Es stand in der Zeitung: „Pierwszy Polak na Marse“, „First Pole on Mars“

Liest die Ehefrau beim Frühstück die Morgenzeitung und stellt fest, dass ihr Mann in der Zeitung ist. Doch nicht nur dort, wo man ja auch nicht so einfach rein- beziehungsweise hinkommen kann. Sondern auch fort.

Kazimierz Blaszczak ist der Ehemann, der ins Guinnessbuch der Rekorde kommen kann. Als Gatte, der sich am originellsten aus dem Staub gemacht hat. Durch das Nichts – okay, durch‘s Vakuum – in den Staub. Nicht den biblischen, aus dem wir angeblich alle stammen – oder war es die Asche? – sondern den roten Staub des Mars‘, der dem Wüstensand Arizonas sehr ähnelt.

Pani Blaszczak las in einer Ausgabe des raschelnden Blätterwaldes, während sie noch am Brötchen kaute und gerade noch einen Schluck Herbata, also Tee, nehmen wollte – dass ihr Mann berühmt würde – und verschwände. Gestern noch im Ehebett, heute in der Zeitung, morgen beim Bewerbungsgespräch, übermorgen zur Vorbereitung in New Mexico – und dann weg. Für immer. Die Rückfahrkarte wär‘ zu teuer. Und dann hat Kazimierz noch ein Zeitproblem.

Das eröffnet Perspektiven …

www.filmpolska.de

In polnischen Sphären (2): Nach dem Strohhalm gegriffen. Bei Filmpolska ging eine Glaskugel an die Gregors

In polnischen Sphären (1). Bei Filmpolska wurden die ersten Preise vergeben, eine Sphäre geht an Knut Elstermann




Szene aus dem Film "Die Verlegerin" von Steven Spielberg.

Ben Bradlee und Kay Graham gemeinsam gegen Richard Nixon – Zum Drama „Die Verlegerin“ von Steven Spielberg

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der von Steven Spielberg in nur acht Monaten fertiggestellte Film über die Verlegerin der „Washington Post“, Katherine „Kay“ Graham, wird als eine kurze Geschichte über einen Höhepunkt des investigativen Journalismus erzählt, bei dem die Kapitalistin und der Lohnarbeiter, in diesem Fall und Film Chefredakteur Ban Bradlee, getrennt marschieren und gemeinsam zuschlagen.

So will es das von Liz Hannah und Josh Singer geschreibene Drehbuch und nicht anders.

Der Film verklärt und verklebt den durchaus durchschimmernden Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital im Gleichschritt von Verlegerin und Chefredakteur gegen den Staat des Kapitals. Nunja, es ist nicht gleich der ganze Staat, aber immerhin die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika. Die bösen Buben sitzen im Weißen Haus und der böseste ist Richard Nixon.

Letztendlich gewinnt die Verlegerin und andere Verleger, was daran liegt, dass der Staat nicht widersprechende Interessen von Kapitalfraktionen vereinen und fixieren oder wenigstens ruhigstellen kann, aber auch daran, dass sich die Nixon-Regierung einerseits als schlecht und das Oberste Gericht andererseits als gut darstellen.

Und dass die Regierung unter US-Präsident Richard Nixon so schlecht war die der Vietnamkrieg, das belegen die Pentagon-Papiere 1971. Die hatte der Ökonom, Friedensaktivist und Whistleblower Daniel „Dan“ Ellsberg, der die Papiere, die anschließend kopiert wurden, aus einem Archiv des Pentagons geschmuggelt.

Dan Ellsberg holte die geheimen Pentagon-Papiere ans Licht und die New York Times (NYT) brachte das Betrügen und Lügen, das Fehlverhalten und die Desinformation der US-Regierung erstmals an die Öffentlichkeit. Die geht dagegen vor. Doch die Pentagon-Papiere landen auch bei der Washington Post und zwar auf dem Schreibtisch von Bradlee. Daraus geht hervor, dass der Vietnamkrieg aus anderen als den bislang bekannten Gründen begonnen wurde und nicht zu gewinnen sei, was sowohl Nixon als auch seine Vorgänger Johnson, Kennedy und Eisenhower verschwiegen.

Die Konflikte in den Köpfen von Verlegerin und Chefredakteur werden gezeigt, doch sie währen mehr oder weniger kurz. Zwar müssen die Verantwortlichen fürchten, wegen Hochverrats im Gefängnis zu landen, und die Verlegerin um ihr Kapital, doch Kay Graham, die Beziehungen zu Personen pflegt, die in den Pentagon-Papieren belastet werden, gibt Bradlee, der ihr klarmachen konnte, dass die Pflicht der Presse die Veröffentlichung der Wahrheit in Klarheit sei, die Zustimmug zur Enthüllung in ihrer Zeitung und die Druckmaschinen laufen heiß.

Weil auch in der Post auf der Titelseite berichtet wird, sehen wir Kay Graham und Ben Bradlee neben denen Verantwortlichen der NYT vor den Obersten Gerichtshofherren sitzen.

Die hören, hören, hören und verkünden das Urteil, dass sowohl den Verlegern das Recht zuspricht, Staatsgeheimnisse zu veröffentlichen, als auch Journalisten das Recht, ihre Quelle geheim zu halten. Spielberg feiert in dem Film vor allem den Sieg für den Enthüllungsjournalismus und die Pressefreiheit von Verlegerin und Chefredakteur.

Allerdings zeigt der Film mit dem deutschen Titel „Die Verlegerin“ zudem Verhältnisse in einem Verlag, über wichtige Wochen und das Verhalten von Personen der „Post“ in Washington, weswegen der Originaltitel schlicht und ergreifend „The Post“ lautet.

Die Filmemacher erzählten zugleich vom Verhältnis der Presse zum Kapital und zum Staat des Kapitals. Kay Graham muss aufgrund klammer Kassen Aktien auslegen. Sie will ihren Laden an die Börse bringen und braucht die Herren der Banken und die Herren und Damen mit viel Geld als gut gelaunte Käufer. Die Verlegerin reist schweren Herzens nach New York. Sie will an die Wall Street, weil sie muss. Sie muss ihr zu leichtes Konto auffüllen. Ja, schweren Herzens, schließlich sind Aktien Anteilsscheine, mit denen Graham zwar Geld einnimmt, denn die Aktien werden ausgegeben, aber Anteile am vererbten Familieneigentum abgibt.

Richtig, der Film ist voll, aber die Handlungen, in dessen Mittelpunkt Graham als Verlegerin und Frau steht, werden flott erzählt. Das Kinoerlebnis ist ein durchdachtes Drama und viel Biopic als man denkt, also weit weniger Politthriller.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Lohnarbeiter Ben Bradlee und Kapitalistin Katherine Graham im Gleichschritt und im Film „Die Verlegerin“ von Steven Spielberg im KULTUREXPRESSO.

Filmografische Angaben

Originaltitel: The Post
Deutscher Titel: Die Verlegerin
Genre: Drama, Biopic
Land: USA
Jahr: 2017
Regie: Steven Spielberg
Buch: Liz Hannah und Josh Singer
Kamera: Janusz Kaminski
Musik: John Williams
Schnitt: Sarah Broshar und Michael Kahn
Darsteller: Meryl Streep, Tom Hanks, Alison Brie, Carrie Coon, David Cross, Bruce Greenwood, Tracy Letts, Bob Odenkirk, Sarah Paulson, Michael Stuhlbarg, Jesse Plemans, Matthew Rhys, Zach Woods, Pat Healy, John Rue, Philip Casnoff, Brant Langdon, Bradley Whitford
Produktion: 20th Century Fox, Amblin Entertainment
Verleih: Universal Pictures Germany
FSK: ab 6 Jahre
Länge: 117 Minuten
Kinostart: 22. Februar 2018




Szene aus dem Film "Die Verlegerin" von Steven Spielberg.

Fotoreportage: Lohnarbeiter Ben Bradlee und Kapitalistin Katherine Graham im Gleichschritt und im Film „Die Verlegerin“ von Steven Spielberg

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der von Steven Spielberg in nur acht Monaten fertiggestellte Film über die Verlegerin der „Washington Post“, Katherine „Kay“ Graham, wird als eine kurze Geschichte über einen Höhepunkt des investigativen Journalismus erzählt, bei dem die Kapitalistin und der Lohnarbeiter, in diesem Film Chefredakteur Ban Bradlee, getrennt marschieren und gemeinsam zuschlagen.

Der Film verklärt und verklebt den Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital im Gleichschritt von Verlegerin und Chefredakteur gegen den Staat des Kapitals. Das liegt offensichtlich an bösen Buben im Weißen Haus, aber letztendlich daran, dass der Staat nicht widersprechende Interessen von Kapitalfraktionen vereinen und fixieren oder wenigstens ruhigstellen kann.

Der Film mit dem deutschen Titel „Die Verlegerin“ berichtet zudem über Verhältnisse in einem Verlag, über wichtige Wochen der „Post“ in Washington, weswegen der Originaltitel schlicht und ergreifend „The Post“ lautet. Die Filmemacher erzählten auf Basis des Drehbuches der Autoren Liz Hannah und Josh Singer zugleich vom Verhältnis der Presse zum Kapital und zum Staat des Kapitals. Kay Graham muss aufgrund klammer Kassen Aktien auslegen. Sie will ihren Laden an die Börse bringen und braucht die Herren des Geldes. Die Verlegerin reist schweren Herzens nach New York an die Wall Street. Schließlich sind Aktien Anteilsscheine, mit denen sie zwar Geld einnimmt, aber Anteile am vererbten Familieneigentum abgibt.

Mehr Text zum Film im Beitrag von Lenina Sachs mit dem Titel Ben Bradlee und Kay Graham gemeinsam gegen Richard Nixon – Zum Drama „Die Verlegerin“ von Steven Spielberg im KULTUREXPRESSO.




Liam Neeson fährt Zug in "The Commuter".

Liam Neeson fährt höchste Eisenbahn in dem spannenden Actionfilm „The Commuter“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In dem US-amerikanisch-britisch-französischer Zugfahr-, Action- und Ich-lös-den-Fall-auf-jeden-Fall-Film für Pendler und solche, die es werden wollen, fährt der frisch gefeuerte Versicherungsfritze Michael McCauley (gespielt von Liam Neeson) mit dem Zug. Statt morgens in die eine und abends in die andere Richtung, geht er auf die letzte Reise: die Rückreise.

You`re fired!

Vorher lief der angefangene Arbeitstag schon aus dem Ruder. Erst wird McCauley vor vollendete Tatsache gestellt und mir nichts, dir nichts. Sein Büro in einem der hohen Häuser von Manhattan muss er sofort verlassen. Seiner braven Frau berichtet er am Telefon nicht die bittere Pille am Telefon. Dann ertränkt er seinen Frust in einer Kneipe, wo er einem alten Kollegen namens Alex Murphy (gespielt von Patrick Wilson) aus freiwillig an den Nagel gehängten Dienstjahren bei der New Yorker Polizei reinen Wein einschenkt und sich einen Drink. Plötzlich taucht auch noch sein damaliger Boss am Tresen auf. Captain Hawthorne (gespielt von Sam Neill) grüßt und gesellt sich gerne dazu. Na toll. Eine Bar mit so viel Bullen, das ist dann doch einer zu viel. McCauley will weg, will heim. Nach Hause! Ihn zieht es zum Bahnhof. Er steigt in den Zug, der den Mann der für Lohn arbeitenden Mittelschicht von der traurigen Gestalt in einen der vielen besseren Vororte von New York bringen soll.

Ein unmoralisches Angebot

Szene aus dem Film "The Commuter".
Ein gefährlicher Fund – Entscheidet sich Michael MacCauley (Liam Neeson) für das Geld oder Gewissen? Szene aus dem Film „The Commuter“. © Studiocanal

Seine scheinbar letzte Fahr wird völlig anders als alles bisher erlebte. Eine fremde Frau steigt zu, spricht in an, stellt sich als Joanna (gespielt von Vera Farmiga) vor und bietet ihm ein Angebot. Dem frisch Gefeuerten, der für seinen Sohn das Studium finanzieren will, winkt Bares. Dafür soll er jemanden, der sich rar macht, finden. Schafft er die ihm gestellte Aufgabe und finden den Passagier, der als Pendler nicht bekannt ist, vor der Endstation des Zuges, gibt`s Geld. Er schaut noch ungläubig, als die Damit mit der Darbietung verschwindet, findet aber die ersten 25.000 Doller auf dem Klo. Die restlichen 75.000 Dollar winken beim letzten Halt.

Der Zug fährt und der Beschenkte erkennt, dass das Spiel von anderen kontrolliert wird und ein tödliches ist. Auf der Strecke bleiben Passagiere und sogar der Zugführer. Das Leben aller Mitfahrer ist gefährdet und das von McCauleys Familie. Er muss das Angebot annehmen.

Höchste Eisenbahn

Von Halt zu Halt wird die Anzahl der Passagiere weniger und auch die Zahl der Wagons. Der Zug, der nicht mehr zu bremsen ist, nimmt Fahrt auf – und entgleist.

Im letzten Wagen, in den sich zuvor alle Überlebenden flüchteten, finden sich zum großen Finale sechs verdächtige Passagiere. Plötzlich stellt sich heraus, dass die gesuchte Person die Zeugin eines Mordes ist und getötet werden soll.

Und die Moral von der Geschicht

Wird McCauley der Frau, die er gerade erst kennengelernt hat, das Leben nehmen, um seine Familie zu retten?

Und ganz am Ende des Filmes, weit über die Endstation hinaus, trifft McCauley Joanna wieder. Er offenbart ihr, dass er seinen alten Job wieder hat. Seinen ganz alten.

Und die Kritik an dem Film

Dass am Ende des flotten Film von Regisseur Jaume Collet-Serra alles gut wird, das ist so selten dämlich wie manche Handlungen, aber typisch für Hollywood, bei dem sogar ein Krimi zu Kitsch werden kann, weil der Kopf Pause bekommt. Der Film, dessen Roter Faden von einem Star getragen wird, der, da darf man heilfroh sein, das kann, ist spannend, bietet weitere überzeugende Darsteller, reichlich Action, Aufregungen und Überraschungen. Er bietet für meinen Geschmack allerdings auch arge Übertreibungen und viel zu viel Unrealistisches und Klischeehaftes. Zudem bleibt er im Grunde zu anspruchslos und somit etwas niveaulos. Das mag gut genug für alle sein, die Filme am Fließband gucken. Dennoch ist das Popcornkino, diesen Mischung aus Thriller und Action, Neeson und Collet-Serra werden viele Kinogänger faszinierend finden, handwerklich von der Kamera (Paul Cameron) bis zum Schnitt (Nicolas De Toth) ordentlich gemacht, aber mangelhaft für alle mit mehr Verstand.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Liam Neeson fährt höchste Eisenbahn in „The Commuter“ von Ingeborg Iltis im KULTUREXPRESSO.

Filmografische Angaben

Originaltitel: The Commuter
Land: USA, UK, Frankreich
Jahr: 2018
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: Byron Willinger, Philip de Blasi und Ryan Engle
Kamera: Paul Cameron
Musik: Roque Baños
Schnitt: Nicolas De Toth
Darsteller: Liam Neeson, Vera Farmiga, Patrick Wilson, Jonathan Bank, Sam Neill, Elizabeth McGovern und andere
FSK: 12
Länge: 104 Minuten
Produzenten: Andrew Rona und Alex Heineman




Szene aus dem Film "The Commuter".

Fotoreportage: Liam Neeson fährt höchste Eisenbahn in „The Commuter“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In dem US-amerikanisch-britisch-französischer Zugfahr-, Action- und Ich-lös`-den-Fall-auf-jeden-Fall-Film für Pendler und solche, die es werden wollen, fährt der frisch gefeuerte Versicherungsfritze Michael McCauley (gespielt von Liam Neeson) mit dem Zug. Statt morgens in die eine und abends in die andere Richtung, geht er in „The Commuter“ auf die letzte Reise: die Rückreise.

Mehr Text zum Film im Beitrag Liam Neeson fährt höchste Eisenbahn in dem spannenden Actionfilm „The Commuter“ von Ingeborg Iltis im KULTUREXPRESSO.




Bild aus der VR-Installation Inside Tumucumaque "Waldlichtung im brasilianischen Regenwald"

Sehen mit den Augen eines Greifvogels. VR-Installation „Inside Tumucumaque“ zeigt Kaiman- und Frosch-Perspektive

Berlin/Karlsruhe, Deutschland (Kulturexpresso). VR bedeutet vieles, Völkerrecht zum Beispiel, Vorsignal und Volksrepublik. Es steht auf dem Nummernschild des Kreises Vorpommern-Rügen, bezeichnet den schwedischen Wissenschaftsrat in Stockholm und die Zeitschrift „Vermessungstechnische Rundschau“, die dann „Vermessungswesen und Raumordnung“ hieß. Die gab es aber nur im 20. Jahrhundert, seit 2000 nicht mehr. Das Periodikum wurde in Flächenmanagement und Bodenordnung (fub) umbenannt. Mit vermessen und Raumordnung kommen wir der Sache aber schon näher. Denn man muss eine ganze Menge messen und vermessen, sogar den Raum, in dem es gezeigt werden soll, um etwas wie die VR-Installation „Inside Tumucumaque“ auf die Beine zu stellen. In diesem Zusammenhang bedeutet VR „Virtuelle Realität“.

Die Macher der Zeitschrift VR, die nun FUB heißt, dachten sich vielleicht auch, dass sie gegen die aus den Vereinigten Staaten von Amerika kommende Abkürzung, die sich weltweit verbreitet und in Zukunft immer wichtiger werden wird, nicht „ankommen“. Auch im deutschsprachigen Raum ist das zwei-Buchstaben-Kürzel „VR“ häufig. Mit den Lettern FUB dagegen konkurriert das Periodikum nur mit wenigen, zum Beispiel der Freien Universität Berlin in Dahlem.

Die VR-Installation „Inside Tumucumaque“ sieht man nicht auf der Leinwand

Um die Virtual-Reality-Installation „Inside Tumucumaque“ sehen zu können, muss man schon eine Brille aufsetzen. Es ginge auch mit einer einfachen handelsüblichen VR-Brille ab 100 Euro, doch natürlich stehen im ZKM Brillen zur Verfügung. Das ZKM ist das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe. Brillenträger können die eigene aufbehalten, unter der VR-Brille ist genügend Platz.

Noch muss man nach Karlsruhe reisen, um die Grundeinstellung, eine Waldlichtung im brasilianischen Regenwald, zu sehen. Später soll das auch im Naturkundemuseum Berlin möglich werden.

Wer die „rosa Brille“ auf hat, kann sich zu 360 Grad umschauen, das heißt: in alle Richtungen. Auch nach oben und nach unten!!

Schwindelfreiheit ist von Vorteil, aber nicht Bedingung.

Der Clou der VR-Installation „Inside Tumucumaque“: die Frosch- und Vogelperspektive

Das Beste kommt noch, nach dem man sich an die Umgebung gewöhnt hat: man kann eines von drei Tieren anpeilen und dann nach der Erfassung durch einen lenkbaren Strahl anklicken.
Dann sieht man die Welt nicht mehr aus der Zweibeinerperspektive – etwa 1,40 bis 2,10 über dem Erdboden – sondern aus der Perspektive des ausgewählten Tieres.

Die anderen Wahrnehmungsarten des jeweiligen Wesens werden dabei nachempfunden. Es wird versucht, sie für uns sichtbar umzusetzen.

Die drei Tiere, deren Sichtweise man einnehmen kann

Die Harpyie.
Der im Wald jagende sperber- oder habichtähnliche Greifvogel heißt wissenschaftlich Harpia harpyja. Dabei ist die Harpyie die einzige Art der Gattung. Sie ist der wohl stärkste Greifvogel überhaupt und unter den größten des Planeten Erde.

Aus ihrer Sicht kann man sich den Überblick verschaffen. Man fliegt in ihrer Flughöhe über und durch den Wald oder über dem Fluss mit seinen Stromschnellen und Wasserfällen. Nebenbei erfüllt man sich einen Menschheitstraum.

Gleichzeitig ist es eine kohlendioxidsparende Art und Weise, Dinge zu sehen, Natur in fernen Ländern, ohne zu reisen.

Der Rumpf der Harpyie ist recht kräftig, die Flügel vergleichsweise kurz, aber sehr breit. Der Schwanz ist lang. Auf diese Weise ist der Vogel im Wald wendig. Er kann wunderbar manövrieren und erreicht hohe Geschwindigkeiten. Da die Harpyie zu den schnellsten und schwersten Vögeln gehört, kann sie große Beute jagen, die selbst schnell ist.

Durch diese Vorteile konnte sie sich weit verbreiten und bis heute in einem großen Gebiet halten. Nicht nur in Brasilien gibt es sie, sondern von Südmexiko über Mittelamerika bis Nordargentinien.

Sei ein Frosch!

Der Pfeilgiftfrosch. Er sieht die Sache ganz anders, nicht nur, weil er nur wenige Zentimeter über dem Boden lebt und sitzt. Das amphibische Tier taucht gern ins Wasser ein. Keine Sorge: Solange man die Brille auf hat, fängt er keine Fliegen und hüpft kaum, so dass man nicht seekrank wird.

Auch die Harpyie wird nicht vor unseren Augen jagen und Beutetiere reißen. Die Darbietungen sind außergewöhnlich in ihrer Art, aber familienfreundlich. Zudem wird davon ausgegangen, dass viele Besucher des Zentrums für Kunst und Medien das erste Mal die VR-Brille aufhaben. Die Anwendung ist dementsprechend nicht für versierte Gamer oder First-Person-Shooter konzipiert. Computerfreaks könnten finden, dass es hier zu wenig zu ballern gäbe.

Doch wir setzen wie die meisten, die Brille auf, um etwas Unvergleichliches zu sehen. Etwas, dass man in der Realität wohl nie sehen können und schon gar nicht werden wird. Unvergessliche Momente, bei Tag, bei Nacht und in der Dämmerung. Man kann den Sonnenaufgang im Urwald erleben.

Die Farben, die der Frosch sieht, werden wohl auch von Indianerstämmen Mexikos gesehen (wie den Huicholes), die in Ritualen heilige Pilze zu sich nehmen. Zumindest lassen Berichte darauf schließen und die bunten, um nicht zu sagen grellen Farben, in denen sie Masken herstellen.

Der Kaiman.
Diese Tiere sind eine Unterfamilie der Alligatoren innerhalb der Familie der Krokodile. Es gibt sie nur in Mittel- und Südamerika. (In Mittelamerika kommt nur der Krokodilkaiman vor.) Das Reptil aus der Installation, der Kaiman, ist also wirklich sehr typisch und woanders nicht zu sehen.
Im Gegensatz zu den Fröschen, die mancherorts an die Wand geschmissen werden, damit sie sich zu Prinzen verwandeln – als gäbe es zu viele davon.

Als Kaiman, oder neben einem, auf der sonnigen Sandbank zu liegen, dann fast lautlos ins Wasser einzutauchen und unter der Wasseroberfläche durch den Fluss zu sausen, wo gibt es das sonst schon?

Ein Erlebnis sondergleichen.

Wo und wann die VR-Installation „Inside Tumucumaque“ zu finden ist

Was? Wann? Wie lange?

VR-Installation „Inside Tumucumaque“ im ZKM Karlsruhe vom 6.4.-27.5.2018

Wo? Veranstaltungsort:

ZKM Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe
Lorenzstraße 19
76135 Karlsruhe

Öffnungszeiten:

Ausstellungen in Lichthof 1 + 2 sowie 8 + 9
Montag/Dienstag geschlossen; Mittwoch–Freitag 10–18 Uhr
Samstag 14–18 Uhr, Sonntag 11–18 Uhr

Tel. +49 (0) 721 – 8100 – 0

info@zkm.de

zkm.de

Auf Kulturexpresso.de weiterlesen:

VR wird immer wichtiger, am besten zu verfolgen auf der IFA

360°-Anwendungen und virtuelle Realität breiten sich aus, es gibt immer mehr davon. Die internationale Funkausstellung auf dem Berliner Messegelände, die inzwischen jährlich im September stattfindet, legt davon Zeugnis ab und zeigt jeweils aktuelle Entwicklungen. Für Sport und Spiel wird das wichtig; aber nicht nur im privaten Bereich, auch in der Ausbildung und anderen beruflichen Anwendungen hat und wird sich die Technik weiter ausbreiten.

IFA als Designhochburg. Auf der Internationalen Funkausstellung werden die UX-Design-Awards vergeben

Wegen hervorragender Bildgestaltung und wegen des tollen Tonschnitts von Nelson Ferreira & Co. vielfach oscarnominiert:

Wassergestalt. Der Spielfilm „The Shape of Water“ gewinnt am meisten: 4 Oscars „…– Das Flüstern des Wassers“

Das Wesen aus dem Spielfilm „The Shape of Water“ wirkt ähnlich real und irreal wie die virtuelle Abbildung der tatsächlichen Urwaldrealität Brasiliens.




Szene aus dem Film "The Limehouse Golem".

Fotoreportage zum Gothik-Gruselthriller „The Limehouse Golem“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Im Bezirk Limehouse der britischen Hauptstadt muss Bill Nighy als Inspektor John Kildare eine Mordserie lösen und zwar zu einer Zeit, in der auch der Dichter und Denker, Philosoph und Ökonom, Journalist und Protagonist der Arbeiterbewegung Karl Marx, der auch sowohl in einer Staatsbilbiothek als auch durch Limehouse geistert, in London lebte.

Mehr Text zu den Bildern im Beitrag Bill Nighy galoppiert im Gothik-Gruselthriller „The Limehouse Golem“ als Inspector John Kildare durch Londons Gassen und Gossen von Ole Bolle im KULTUREXPRESSO.




Red Sparrow.

Im Klischee ertrunkenes Agentenkino – Bolschoi-Ballerina zwischen Folter und Fotze

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Selten so einen Sermon gehört. Ein unsägliches Geschwätz übers Geheimdienstliche, Gesellschaftliche und Geschlechtliche („magische Muschis“) im Allgemeinen und das Russische im Besonderen geistert durch einen Agentenstreifen wie Luis Trenker durch die Berge. Beides muss ich hier und heute nicht mehr haben.

Während das Sehen, Hören und Lesen von Trenkers Traktaten über die Berge möglicherweise bei Horst Seehofer Gefühle von Heimat entfachen und auch Flachlandtiroler feucht werden lassen, endet das Rüberholen russischer Agentenromantik in der Agitprop-Gosse Hollywoods.

Die Geschichte, die auf dem Buch “Operation Red Sparrow” des Autors Jason Matthews, der rund drei Jahrzehnte für die CIA arbeitete, beruht, ist in Sekunden erzählt. In Moskau verletzt sich die russische Primaballerina Dominika Egorova (gespielt von Jennifer Lawrence) auf der Bühne des Bolschoi-Theaters und kann fortan nicht mehr vortanzen, obwohl sie fürsorglich für Mutti, die unheilbar kränkelt, Geld verdienen möchte. Ihr wenig guter aber geiler Onkel Ivan ist, hurra, Vizedirektor des russischen Geheimdienstes SWR und großzügig. Dominika darf weiter Geld verdienen. Ivans Nichte lässt sich zur Domse umerziehen. Brust raus, Beine breit. Darauf reduziert sich das Sparrow-Programm einer griesgraugrämigen Puffmutter Oberstin hinter den Sieben Bergen des Urals. An dieser Stelle wäre eine Reminiszẹnz an Trenker richtig und wichtig gewesen. Oder auch nicht, wie so vieles an diesem Film über Schneewittchen Domse, den bösen Ivan und Vereinigte-Staaten-von-Amerika-Nate, der es nötig hat.

Fix und fertig sowie flott verpackt soll die einstige Bolschoi-Ballerina nämlich den CIA-Agenten Nate Nash (gespielt von Joel Edgerton) ins Bett und um Geheimnisse bringen. Befohlen, befolgt.

Red Sparrow
Jennifer Lawrence und Joel Edgerton in einer Szene des Films „Red Sparrow“ von Regisseur Francis Lawrence. © Twentieth Century Fox

Die Liebesgrüße aus Moskau kommen in Ungarn an und Agentin 00 Sex sowie die selten dämliche Handlung nehmen Fahrt auf. Die Geschichte, die einer sämigen Graupensuppe gleicht, schwankt nun zwischen Buda und Best, zwischen Folter und Fotze, bevor am Ende Lady Langbein übrig bleibt, um Richtung Russland zu entschweben.

Vielleicht holt Regisseur Francis Lawrence noch das Beste aus dem von Justin Haythe geschriebenen Drehbuch raus, doch das reicht nicht, um einer Geschichte voller absurder Anläufe, die im ewig Gestrigen ertrinken, zu retten.

Ohne Ton wie „Spione“ von Fritz Lang könnte man das, was wie gemacht für US-Amerikaner und EU-Unterschichten scheint, in Lichtspielhäusern noch ertragen. Die Dialoge sind selten dämlich und in kleinbritischer James-Bond-Manier, wie der ganze Sermon.

Wenn schon Bond-Verschnitt, dann Bond-Parodie. Wir empfehlen „00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter“ von und mit Helge Schneider, der mehrere Rollen spielte und mit Christoph Schlingensief Regie führte. Dialoge: vom Feinsten.

Filmografische Angaben

Originaltitel: Red Sparrow
Deutscher Titel: Red Sparrow
Land: Vereinigte Staaten von Amerika
Jahr: 2018
Regie: Francis Lawrence
Buch: Justin Haythe  basierend auf Jason Matthews‘ Buch „Operation Red Sparrow“
Musik: James Newton Howard
Kamera: Jo Willems
Schnitt: Alan Edward Bell
Darsteller: Jennifer Lawrence, Joel Edgerton, Matthias Schoenaerts, Charlotte Rampling, Mary-Louise Parker, Jeremy Irons, Joely Richardson, Ciarán Hinds, Thekla Reuten, Hugh Quarshie, Sakina Jaffrey, Douglas Hodge und Bill Camp
Produzenten: Peter Chernin, Steven Zaillian, Jenno Topping und David Ready
FSK: ab 16 Jahre

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Ole Bolle wurde unter dem Titel Eine Bolschoi-Ballerina und ein CIA-Agent in einer Badeanstalt in Budapest oder Vorsicht vor dem Bond-Verschnitt „Red Sparrow“ im WELTEXPRESS am 30.3.2018 erstveröffentlicht.




I, Tonya

Fotoreportage: Die Leiden der Eis-Rebellin in der Tragikkomödie „I, Tonya“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Sie wirbelt um die eigene Achse, schwindelerregend, die Kufen der Schlittschuhe knirschen auf dem Eis. Dann der dreifache Axel, der schwierigste Sprung. Geschafft. Tonya Harding (Margot Robbie) strahlt. Doch die Freude über die gelungene Kür hält nicht lange vor, die Jury stört sich an der Musik. Rock, das passt nicht in die heile US-amerikanische Eiskunstwelt. Und Tonya Harding eigentlich auch nicht. „Leckt mich“, faucht sie die Kampfrichter an. In dem zierlichen Körper steckt eben ein ganzer Kerl, trotz Kleidchen und Make-up, das wird in dem Film „I, Tonya“ schnell deutlich.

Mehr Text zu den Bildern im Beitrag Die Leiden der Eis-Rebellin – White Trash auf Kufen: „I, Tonya“, eine gelungene Tragikomödie über Tonya Harding von Fritz Hermann Köser im KULTUREXPRESSO.