Der Buchladen der Florence Green

Fotoreportage: Freiheitskämpfchen in einem Fischerdörfchen in dem Film „Der Buchladen der Florence Green“ von Isabel Coixet

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Auf der 68. Berlinale lief im Februar 2018 ein beachtlicher Beitrag aus dem kleiner gewordenen Großbritannien, nebenbei bemerkt auch aus Spanien und Deutschland, der im Jahr 2017 produziert wurde. Bei „Der Buchladen der Florence Green“ handelt es sich um eine Literaturverfilmung von Isabel Coixet, die nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb und zwar auf Basis des Buches „The Bookshop“ von Penelope Fitzgerald.

Mehr Text zur Fotoreportage im Beitrag Emily Mortimer und Bill Nighy beim Freiheitskämpfchen in einem Fischerdörfchen gegen Patricia Clarkson – Zum Film „Der Buchladen der Florence Green“ von Isabel Coixet von Paul Puma.




Szene aus dem Film "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri".

Eine mutige Mutter gegen alle in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ von Martin McDonagh

Berlin, Deutschland (Kulturexpress). Der Film mit dem englischen Titel „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, in dem Frances McDormand als Hauptdarstellerin brilliert und an ihrer Seite vor alle Woody Harrelson und Sam Rockwell glänzen, aber auch Peter Dinklage, John Hawkes, Lucas Hedges, Caleb Landry Jones und Zeljko Ivanek gut rüberkommen, ist ein cineastische Leckerbissen.

Der Film wurde sieben Mal für den Oscar 2018 nominiert. Den schwanzlosen Schwerträger bekam immerhin McDormand als beste Hauptdarstellerin und Rockwell als bester Nebendarsteller.

Szene aus dem Film "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri".
Szene aus dem Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. © Twentieth Century Fox

Mal ist der meist rasante Film rau, mal rührselig, mal brutal und voller Basisbanalitäten, mal lustig und liebevoll. Ein paar Male schrammt er mit trotz seiner Tragik als Komödie dank oft unerwarteter derb-komischer Einlage haarscharf am Slapstick vorbei.

Basis für Dialoge wie zwischen Duett und Duell ist das Drehbuch von Martin McDonaghs, der auch Regie führte. Beachtenswert ist beispielsweise die Antwort von Mildred Hayes auf Father Montgomery.

Erzählt wird die Geschichte einer verbitterten Frau in einer US-amerikanischen Kleinstadt irgendwo im Nirgendwo. Mildred Hayes (Frances McDormand) trägt einen schweren Verlust. Ihre Tochter wurde vergewaltigt und verbrannt. In ihrer gescheiterten wurde sie zudem von ihrem Mann geschlagen und verlassen. Jetzt bringt sie sich und ihren Sohn alleine und als Verkäuferin durch.

Szene aus dem Film "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri".
Szene aus dem Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. © Twentieth Century Fox

Als nach Monaten der Untätigkeit der Polizei von Ebbing, Missouri, kein Täter dingfest gemacht wird, klagt die Mutter auf drei großen Werbetafeln an einer unbefahrenen Nebenstraße den örtlichen Polizeichef der Untätigkeit an. Mit dieser direkten Aktion beginnt die Revolte, die als bitterter Kleinkrieg, bisweilen als süßer Rachefeldzug gezeigt wird. Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson) nimmt sich der Sache an, gibt sich aber als unheilbar an Krebs Erkrankter die Kugel.

Dessen Mitarbeiter Dixon (Sam Rockwell), der von seinem Nachfolger gefeuert wird, scheint ein einfacher Mann, ein Muttersöhnchen und ein Rassist zu sein. Auch mit ihm gerät Mildred aneinander. Großartig sind Dialoge voller Ironie wie dieser: „Wie läuft das ‚Foltern von Negern‘-Business, Dixon?“, fragt Mildred Dixon frech und frivol, vorlaut und vulgär. Dixon, der scheinbare Depp des Reviers, antwortet sehr sachlich: „Das darf man nicht sagen! Das heißt jetzt ‚Foltern von Farbigen‘-Business.“

Doch auch er bekommt denkwürdige Momente wie alle in diesem offensichtlich stinknormalen Ort mit stinknormalen Leuten voller Leben und Leiden.

Erstaunliche Dialoge in einem insgesamt gut gemachte Film der die Waage zwischen tiefschwarzer Komödie und gefühlvollem Drama halbwegs hält und mit seinen großartigen Darstellern ein echtes Schauspiel bietet, hat was und ist wirklich sehenswert.

Filmografische Angaben

Originaltitel: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Deutscher Titel: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Land: USA; UK
Jahr: 2017
Buch: Martin McDonagh
Regie: Martin McDonagh
Kamera: Ben Davis
Schnitt: Jon Gregory
Musik: Carter Burwell
Darsteller: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, John Hawkes, Peter Dinklage, Lucas Hedges, Abbie Cornish, Caleb Landry Jones, Nick Searcy, Kerry Condon, Kathryn Newton, Clarke Peters, Samara Weaving, Željko Ivanek, Sandy Martin, Alejandro Barrios, Amanda Warren, Darrell Britt-Gibson, Malaya Drew u.a.
Produzenten: Graham Broadbent, Pete Czernin, Martin McDonagh
Länge: 116 Minuten
FSK: 12




Szene aus dem Film "Die Hände meiner Mutter" von Florian Eichinger.

„Die Hände meiner Mutter“ vor Augen führen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Die Hände meiner Mutter“ von Florian Eichinger ist ein vielschichtiges deutsches Drama, das den Missbrauch von Jungen durch Mütter allen, die ihn gucken, vor Augen führt.

Die nächste Vor-Augen-Führung findet am Donnerstag, den 19. Juli, eine Stunde vor Mitternacht im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) statt. Das ist eine beschissene Sendezeit, aber der beschissene Sender mit Sitz in Mainz bringt wenigstens den Film, weswegen vielen Leuten im Land der Mainzelmännchen das ZDF als nicht ganz so beschissen gilt. Zudem ist sexueller Missbrauch auch von Jungen und jungen Männern keinesfalls ein Tabu, das man knacken müsse, auch wenn die Medientanten und Presseonkels beim ZDF das so schreiben, doch für diese reißerische Werbung und also Lüge kann der Filmemacher Florian Eichinger, welcher die Widersprüche des neben dem Staat größten autoritären Systems Familie vor Augen führen, wenig.

Dazu heißt es in einer Pressemitteilung des ZDF vom 17.7.2018: „Als sein vierjähriger Sohn Adam nach einem Toilettengang mit der Großmutter Renate (Katrin Pollitt) eine kleine Schnittwunde hat, erinnert sich Markus (Andreas Döhler) zum ersten Mal daran, was seine Mutter ihm angetan hat, als er selbst noch ein Kind war. Markus vertraut sich seiner Frau Monika (Jessica Schwarz) an, die zuerst irritiert reagiert, ihn aber dann dabei unterstützt, sich seinen Erinnerungen zu stellen. Markus sucht die Konfrontation mit seiner Mutter und beginnt eine Therapie. Sein offener Umgang mit dem erlebten sexuellen Missbrauch fördert in seiner Ursprungsfamilie weitere Geheimnisse zutage. Obwohl er versucht, alles richtig zu machen, merkt Markus, wie sein Leben und seine Beziehung langsam auseinanderfallen.“

Der 1971 in Ludwigsburg geborene Florian Eichinger, der das Buch schrieb und Regie führte, erhielt für seinen Film 2016 beim Filmfest München, auf dem für den Film die Premiere lief, den Hauptpreis der Reihe Neues Deutsches Kino. Zu Recht!

Filmografische Angaben

Titel: Die Hände meiner Mutter
Ort: Deutschland
Jahr: 2016
Genre: Drama
Buch: Florian Eichinger
Regie: Florian Eichinger
Kamera: Timo Schwarz
Schnitt: Jan Gerold
Musik: André Feldhaus
Ton: Urs Krüger
Schauspieler: Andreas Döhler, Jessica Schwarz, Katrin Pollitt, Heiko Pinkowski, Sebastian Fräsdorf, Katharina Behrens, Tatja Seibt, Peter Maertens, Karin Neuhäuser, Rasmus Dahlstedt und andere
Produzenten: Mike Beilfuß, Florian Eichinger, Matthias Greving, Cord Lappe
Produktion: Kinescope Film GmbH in Zusammenarbeit mit Bergfilm Produktion in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel mit Unterstützung von Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen, Deutscher Filmförderfonds
Länge: 106 Minuten




The Tale.

Wird das Drama „The Tale“ von Jennifer Fox „Bester Fernsehfilm“?

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ob der bereits mehrfach ausgezeichnete Film „The Tale“ von Jennifer Fox auch einen Emmy in der Kategorie „Bester Fernsehfilm“ abräumt, das wissen wir nicht, aber immerhin können wir mitteilen, dass die Koproduktion von ZDF und ARTE nominiert wurde für den Emmy Award wie auch die Schauspielerin Laura Dern als „Beste Hauptdarstellerin – Miniserie oder Fernsehfilm“.

Immerhin gilt der Emmy als der wichtigste Fernsehpreis der Vereinigten Staaten von Amerika, wo das Niveau in der Glotze allerdings noch mieser ist als in deutschen Landen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

„The Tale“ basiert auf einem Schulaufsatz von Fox als 13-Jährige. Später schrieb sie angeblich über fünf Jahre das Drehbuch und führte Regie. Dern spielt in dem Stück die erwachsene Fox, die sich, nachdem ihre Mutter (Ellen Burstyn) sie mit ihrem alten Schulaufsatz konfrontiert, auf eine Recherchereise in die eigene Vergangenheit begibt. Wider erwarten stellt sie fest, dass ihre Erinnerungen an ihre erste Liebe nicht die Wirklichkeit und Wahrheit sind, sondern Einbildungen, um Erlebtes zu verdrängen.

Das Spielfilmdebüt von Jennifer Fox, das am 20. Januar 2018 auf dem Sundance Film Festival in Utah Weltpremiere hatte, ist ihre Verarbeitung und Auseinandersetzung mit sexuellem Missbrauch in ihrer Kindheit. Neben Laura Dern spielen vor allem Isabelle Nélisse, Elizabeth Debicki, Jason Ritter und Ellen Burstyn in diesem Drama mit.

Die Verletzlichkeit der gespielten Figuren geht unter die Haut. Die Verführung und Vergewaltigung der 13-Jährigen ist schwer zu ertragen. Dass bei den Vergewaltigungsszenen Zuschauer den Kinosaal verlassen, das ist verständlich.




Regisseur Piotr Stasik und Moderatorin und Kinobetreuerin Monika Wojtillo im Kino Fsk am Oranienplatz beim Filmfestival Filmpolska

Oper oder Film? „Opera about Poland“ – eine Oper über Polen von Piotr Stasik

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Schon wieder Fußball – oder doch nicht? Was müsste eine Oper über Polen beinhalten? Dramatisch alles Typische? Piotr Stasik hat seinen Film genau so genannt: „Opera o Polsce“. Fühlt sich an wie eine Oper, ist gegliedert wie eine Oper, mächtig und dramatisch wie eine Oper und charakterisiert Polen. Ist aber ein – nicht langer – Film. Fußball gehört gewiss zu Polen. Dazu Kopernikus, Lodz, Fleisch und Würstchen, Bier und Wodka. Kiefernwald, die Ostsee. Krakau, Warschau, Krakow, Warszawa. Bialystok. „Die schönste auf der Welt ist doch die Polin, die Polin …“

Monika Anna Wojtyllo im Gespräch mit Piotr Stasik

Moderatorin Monika Anna Wojtyllo – selbst Regisseurin – stellte Stasik beim polnischen Filmfest filmPOLSKA vor. Noch an das Publikum gewandt, sagte sie: „Wie Sie gewiss gemerkt haben, handelt es sich bei diesem Film um eine Oper.“ Baff konnte man schon sein. Bei Filmpolska sollten doch Filme gezeigt werden Und gerade vorher sahen wir in dem Doppelprogramm im FSK-Kino am Oranienplatz „First Pole on Mars“/ „Pierwszy Polak na Marse“, der „Erste Pole auf dem Mars“ von Regisseurin und Drehbuchautorin Agnieszka Elbanowska. Mit dem eindrucksvoll authentischen und ruhigen Kazimierz Blaszczak. Einem älteren Herrn, der der erste Pole auf dem Mars werden möchte. Und seiner Frau davon nicht erzählte. Siehe im Kulturexpresso Marspole. „First Pole on Mars“ von Agnieszka Elbanowska im Fsk-Kino Oranienplatz (Filmpolska). Man war also noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen beziehungsweise Lichtjahre entfernt.

Doch dann stellt sich – im Anschluss unter vier oder sechs Augen – heraus, dass Monika Anna Wojtyllo Musicalautorin ist. Unter vielem anderen. Die Frau hat was auf dem Kasten und muss es ja wissen. Ob „Opera about Poland“ eine Oper ist. Sie fachsimpelt mit dem Regisseur, der bei Filmpolska auch Workshops anbot. Anschließend sind die Fragen freigegeben. Nun richten auch wir uns an den Filmemacher.

Piotr Stasik zitiert Andrzej Stasiuk, der Polen beschreibt, wie es ist

Poitr Stasik zitiert in seinem Film, seiner Oper Andrzej Stasiuk mit seinen „Reisetagebüchern“. Ich frage den Regisseur: „Warum Andrzej Stasiuk?“ Antwort: „Weil Stasiuk am besten das gegenwärtige Polen beschreiben kann.“
Meine persönliche Meinung ist, dass der Film „Das Fest“, der auf der Berlinale 2018 in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ debütierte, das Land bestens beschreibt. Es geht um die Vorbereitung einer Silberhochzeit. An der Oberfläche. Doch in der Tiefe erkennt man die Seele Polens. Auch das Christentum.

Der polnische-deutsche Film ist nicht das einzige Beispiel einer sehr guten deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Einer Kooperation unter Nachbarn. Der beste polnische Fußballspieler ist Robert Lewandowski. Er ist der Torschützenkönig der Bundesliga in der Saison 2017/2018. Lewandowski darf in der Vorrunde auch an allen drei polnischen Spielen der WM teilnehmen. Der zweite auf der Torschützenliste ist Nils Petersen. Gleichzeitig der beste deutsche. Zur WM-Vorbereitung durfte Petersen noch mit, in den Kader gelangte er nicht. Lewandowski, der „Münchner“ (und Ex-Dortmunder), hingegen schon. Den polnischen WM-Kader. (Donnerstag um vier ist das letzte Spiel. Gegen Japan, die andere Mannschaft mit Rotweiß in der Flagge.)

Ob des Ausscheidens der Herrenfußballmannschaft traurigen Polen möchte man zurufen: Ihr könnt so vieles! Fußballspielen dagegen kann doch jeder Senegalese!

Nationalflagge Polens, Landesname auf deutsch, Zusatzillustration: Ball. © 2018, Foto: Andreas Hagemoser

www.filmpolska.de




Zweimal Schweden und Fußball. Symbol für die Nationalmannschaft der Herren oder Damen.

Herbstsonate. 79-jährige Norwegerin Liv Ullmann zeigt in Frankfurt im Filmmuseum ihre „Treulosen“ und einen Film mit Ingrid Bergman

Frankfurt am Main, Deutschland/ Nischni Nowgorod, Russland (Kulturexpresso). Alter Schwede! Junge Norwegerin! So kann man folgende Fakten kurz zusammenfassen: Liv Ullmann ist anlässlich des 100. Geburtstags von Ingmar Bergman am Mittwoch, den 20. Juni, zu Gast im Deutschen Filmmuseum. Obendrein gibt es im Juni eine Filmreihe zu Ingmar Bergman und Liv Ullmann.

Am 14. Juli wäre Ingmar Bergman 100 Jahre alt geworden. Als „Besten Regisseur aller Zeiten“ ehrten ihn 1997 die Filmfestspiele in Cannes. Und in der Tat: Die Werke des schwedischen Filmemachers gelten fast allesamt als Klassiker der Filmgeschichte. Das Kino des Deutschen Filmmuseums feiert Bergman, der 1976 den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main erhielt, einen Monat lang mit einer umfangreichen Reihe im Zeichen der Zusammenarbeit mit der großen Schauspielerin und seiner Muse: Liv Ullmann.

Die heute 79-jährige Norwegerin ist anlässlich der Filmreihe am Mittwoch, 20. Juni, persönlich zu Gast. Im Foyer-Gespräch mit Direktorin Ellen Harrington am 20. Juni gibt sie Einblicke in ihre Karriere und die Arbeit an der Seite von Ingmar Bergman.

Wunschfilme von Liv Ullmann

Für den Abend ihres Besuchs hat sich Liv Ullmann zwei Filme gewünscht: „HÖSTSONATEN“ (deutscher Filmtitel „Herbstsonate“, FR/ BRD/SE/GB 1978) zeigt sie an der Seite von Ingrid Bergman, der Film wurde 1979 mit dem Golden Globe als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. „TROLÖSA“ („Die Treulosen“, SE/IT/DE/FI/NO 2000) ist eine eigene Regiearbeit Ullmanns, Ingmar Bergman schrieb das Drehbuch. Restkarten für die Veranstaltung werden am Dienstag, 19. Juni, um 10 Uhr an der Museumskasse in den Verkauf gegeben.

Filmreihe „Ingmar Bergman und Liv Ullmann“

U-Bahnhof Osloer Straße, Umsteigebahnhof U8/ U9
Im Rampenlicht: die norwegische Flagge als Wanddekoration und Wiedererkennungsmerkmal in einem U-Bahnhof. © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser

In der Filmreihe „Ingmar Bergman und Liv Ullmann“ sind über den gesamten Juni deren gemeinsame Filme zu sehen, darunter auch eine Regiearbeit Liv Ullmanns und der teils in Frankfurt am Main gedrehte Film „Der Rosengarten“ von Fons Rademaker.

Seltene Chance: Frau Liv Ullmann persönlich

Mittwoch, 20. Juni 2018, 18 Uhr
„HÖSTSONATEN“/ „Herbstsonate
Frankreich/BRD/Schweden/Großbritannien 1978. R: Ingmar Bergman
D: Liv Ullmann, Ingrid Bergman, Lena Nyman. 99 Min. 35mm. OmeU
Einführung: Liv Ullmann

Danach, 20 bis 21 Uhr: Foyer-Gespräch zwischen Liv Ullmann und Ellen Harrington, Direktorin des Deutschen Filmmuseums.

Mittwoch, 20. Juni 2018, 21.15 Uhr
„TROLÖSA“/ „Die Treulosen
Schweden/Italien/Deutschland/Finnland/Norwegen 2000. R: Liv Ullmann
D: Lena Endre, Erland Josephson. 155 Min. 35mm. OmeU

Das vollständige Filmprogramm der Filmreihe im Kino des Deutschen Filmmuseums unter: bit.ly/dfm-bergman
bzw. https://deutsches-filminstitut.de/blog/ingmar-bergmann-liv-ullmann/
deutsches-filminstitut.de/blog/ingmar-bergmann-liv-ullmann/

Darunter:

Persona“ (Schweden 1966) mit Liv Ullmann, Bibi Andersson, Margaretha Krook,

Vargtimmen“/ „Die Stunde des Wolfs“ (Schweden 1968) mit Liv Ullmann, Max von Sydow, Ingrid Thulin

und

Skammen“/ „Schande“ (Schweden 1968) mit Liv Ullmann, Max von Sydow und Sigge Fürst.

(Der obenstehende Text folgt in weiten Teilen einer Pressemitteilung des Deutschen Filmmuseums. Aufgrund der drängenden Zeit – Veranstaltungsbeginn in Frankfurt am Main 20.6. 18 Uhr, der deutschlandweiten Bedeutung und des Kartenverkaufs ab 19. 6., 10 Uhr haben wir uns entschlossen, die Mitteilung schnellstmöglich weiterzugeben.)

Mehr zu Ingmar Bergman und einigen Schauspielern in Schweden:

LUCKY? Maliks Mutter Veronica Schildt Bendjelloul wird 74

Schweden ist aktuell – hautnah und ganz schön eng

Magnet (Ausschnitt): Schweden, Fußball und Landesname
Schweden zeigt Flagge. © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Sogar für die Fernsehzuschauer, die sich nur für Fußball interessieren, ist Schweden derzeit aktuell, da am 23. Juni um 21 Uhr Ortszeit im Fisht-Stadion in der Olympiastadt Sotschi in Russland die WM-Begegnung der deutschen und schwedischen Herrenmannschaft stattfindet (Samstag, 20 Uhr, ARD). (Eine Marginalie: Am Montag, den 18. Juni ‘18 siegten die schwedischen Nationalherren um 15 Uhr Ortszeit in Nischni Nowgorod 1:0 über Südkorea.)

Deutschland und Schweden verbindet also so einiges, so zum Beispiel der Buchstabe „ä“ („Ä“). (Wie in „Fähre“ oder „Västberlin“). Für manche wird es am Samstag hautnah. Und je nachdem, wie man das sieht, ganz schön eng.

Da kann man nur hoffen, dass die Freundschaft zwischen Schweden und Deutschland, zwischen Schweden und Deutschen, gut bleibt und sich noch verbessert. Dass die Fähre zwischen Rostock-Warnemünde und Schweden fröhlich weiterverkehrt. Alles andere wäre verkehrt.

Ingmar Bergman jedenfalls – unvermeidlich sind nur der Tod und die Steuern – suchte, als er sich vom Staat verraten fühlte, für den er soviel getan hatte, nach kurzem Zwischenspiel in den USA – Kalifornien natürlich – Zuflucht in Deutschland, wo er drinnen und draußen auch arbeitete und drehte.

Genauere Auskunft darüber gibt der neue Film

Auf der Suche nach Ingmar Bergman

Filmografische Angaben
Auf der Suche nach Ingmar Bergman

Regie: Margarethe von Trotta

Mit Liv Ullmann, Daniel Bergman, Ruben Östlund, Mia Hansen-Løve, Carlos Saura, Olivier Assayas
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2018
Lauflänge: 97 Minuten
Bundesweiter Kinostart: 12. Juli 2018

Wer die deutsche Fußball-Flinte bereits ins Korn schmeißen möchte oder einfach in netter Gesellschaft am Public Viewing teilnehmen, kann im Felleshus der Skandinavier Spiele schauen. Neben Schweden nehmen Dänemark und Island an der WM teil. Alle 6 dänischen und isländischen Spiele in Russland wurden und werden in den Nordischen Botschaften im Diplomatenviertel präsentiert, 4 stehen noch aus:

Fußball-Fernsehen im Felleshus – Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland bei nordischem Bier, isländischen Burgern und dänischen Hotdogs in Berlin gucken




Stalins Tod und die Folgen. Film „The Death of Stalin“ erhellt.- Gesammeltes Schweigen – gerät der 17. Juni in Vergessenheit? Brauchen wir wieder einen Feiertag?

Berlin/ Bernau/ Köthen/ Meitingen/ Mengen/ Schwarzenberg/ Worms, Deutschland (Kulturexpresso). Der 17. Juni ist heute kein Feiertag mehr; der Tag der deutschen Einheit ist am 3. Oktober. Doch er kann es – zumindest in Berlin – wieder werden. Der Regierende Bürgermeister Müller ist dafür, einen neuen Feiertag festzulegen. Da 2017 versprochen worden war, den Reformationstag nur einmalig bundesweit zu feiern, sollte man ein anderes Ereignis würdigen. 1848 war wenig mutig, die Karlsruher Straße in Berlin ist aus den falschen Gründen so benannt. 1918/19 wurde die Entkaiserung verkorkst und der nächste Ärger eingebrockt.

1953 zeugte der Aufstand im sowjetischen Sektor Berlins und in der DDR von Mut und Zivilcourage; auch wenn es zunächst nur um höhere Löhne ging. Oder wenigstens nicht mehr Arbeit zum gleichen Lohn. Anfang 1953 lebte Stalin noch. Panzer fuhren auf. Kanonen auf Spatzen? Oder war das Regime in Gefahr? Kalter Krieg, soviel ist gewiss. Seit wenigen Jahren hatte auch die UdSSR die Atombombe und die gemeinsame, friedliche Verwaltung der Viermächtestadt klappte nicht so richtig …

Der 17. Juni – eine gute Wahl

An 1953 zu erinnern, hat heute mehr Wert als der 500 Jahre zurückliegende Luthertag am 31. Oktober. Der internationale Frauentag, von einer Deutschen ins Leben gerufen, ist aufgrund der Übergenderisierung obsolet. Selbst namhafte Frauen lehnen öffentlich ab, ihn in Berlin als gesetzlichen Feiertag zu etablieren.

Da wäre der 17. Juni eine gute Wahl.

Immerhin war der 17. Juni 2018 arbeitsfrei. Der ehemalige „Tag der deutschen Einheit“ fiel auf einen Sonntag.

Jetzt mal ganz praktisch – und von der Religion abgesehen – betrachtet: ein Feiertag am 17. Juni passt viel besser in den Kalender. An Ultimo Oktober, dem letzten Tag des Monats, braucht niemand einen (bundesweiten) Feiertag. Der 3. Oktober liegt nur ein paar Wochen zurück im selben Monat. Buß- und Bettag und viele andere religiöse Feiertage füllen den grauen November, im Dezember folgt eine Planübererfüllung an Feiertagen.

Im Sommer dagegen hapert es. An Feiertagen. An Tagen, an denen man gut arbeiten kann. Wenn man blau macht und im Freibad schwitzen will, kann man das auch an einem Feiertag tun.
Der Mai steht im Sternzeichen Stier. Ausruhen und Bräsigkeit sind angesagt, besonders bei starkem Sonnenschein wie dieses Jahr. Global warming macht das immer öfter möglich. Auch der Juni mit dem Zwilling kann eine Pause – und sei es eine kreative – gebrauchen.

Was war eigentlich los im Juni und Juli 1953?

Der richtige Anlass wäre es. Es gab 1953 eine Welle von Streiks. Am Ende gab es zwischen 55 und 75 Tote. Zum Beispiel Alfred Diener aus Jena. Er wurde nur 26. Erschossen. Standrecht.

Früher hatte es im einen deutschen Staat geheißen, es habe über 500 Todesopfer gegeben. Im anderen hieß es: 25. Die Zahlen differieren um den Faktor 20. Welche Zahl in welcher Republik veröffentlicht wurde, kann man sich denken.

Stalin starb; ein Machtkampf entbrannte – auch in der DDR, erst im Machtzentrum, dann auf der Straße

Stalin war gestorben. Am 5. März. Leicht zu merken: 5.3.‘53. Das Ende des Stalinismus. Lawrenti Berija (Beria) war der neue starke Mann, mit dessen Rückendeckung sich Rudolf Herrnstadt, Chefredakteur der Tageszeitung „Neues Deutschland“ (ND) und Wilhelm Zaisser, Minister für Staatssicherheit gegen den Starken Mann Ulbricht positionierten.

Der neue Kurs wurde am 16. Juni 1953 vom Zentralkomitee (ZK) abgesegnet. Das klang so und eigentlich ganz prima: „Es geht darum, eine Deutsche Demokratische Republik zu schaffen, die für ihren Wohlstand, ihre soziale Gerechtigkeit, ihre Rechtssicherheit, ihre zutiefst nationalen Wesenszüge und ihre freiheitliche Atmosphäre die Zustimmung aller ehrlichen Deutschen findet.“

Probleme hatte die Ankündigung der Normenerhöhung im VeB Wohnungsbau zum 30. Juni 1953 bereitet. Rudolf Herrnstadt, (Mit-) Gründer des Berliner Verlags und des „Neuen Deutschlands“ war 1945-1949 Chefredakteur der „Berliner Zeitung“ gewesen. Am 14. Juni erschien im „ND“ unter Herrnstadts Ägide die Reportage „Es wird Zeit, den Holzhammer beiseite zu legen“. Die diktatorischen Methoden, mit denen die Normenerhöhung durchgesetzt worden war, wurden angeprangert. So jedenfalls konnte man die Kritik verstehen, die dem DDR-Bürger signalisierte, dass Ulbricht nicht unumstritten war. Auch im Zentrum der Macht nicht.

Weder in dem Zeitungsartikel vom 14. noch im neuen Kurs vom 16. wurde die Normenerhöhung zurückgenommen. Die Protest ließen sich nicht mehr aufhalten. Welchen Umfang sie annahmen, lässt nicht nicht nur die Zahl der Toten erahnen, sondern auch die etwa 1600 Verurteilten. Darunter waren zwei zum Tode Verurteile: Ernst Jennrich und Erna Dorn.
Der 17. Juni war in der Bundesrepublik – der Bonner Republik, dessen Hauptstadt der Kölner Konrad Adenauer mitbestimmt hatte – bereits bundesweiter Feiertag. Gesetzlicher Feiertag. Der Kampf um die Freiheit und bessere Bedingungen wurde gewürdigt. Endlich mal war jemand aufgestanden.

Gefährdet ein neuer 17. Juni das Bruttosozialprodukt?

Zu überlegen ist natürlich auch, ob wir uns als Staat und Gesellschaft einen weiteren Feiertag so ohne weiteres leisten können. Mancher erinnert sich noch daran, wie vor wenigen Jahren eine Steigerung des Bruttosozialprodukts gemeldet wurde. Einschränkend wurde hinzugefügt, den größten Anteil daran habe die Tatsache, dass in dem betrachteten Jahr kalenderbedingt ein Arbeitstag mehr lag.

Unsere Wirtschaftslage steht ja auf tönernen Füßen. Ist vielleicht geldpolitisch nicht so unbedenklich und sorglos zu betrachten, wie man es aufgrund der niedrigen Arbeitslosenzahlen vermuten könnte.

Vielleicht ist es falsch, die Hände einen Tag länger in den Schoß zu legen.

Vielleicht ist es besser, so schnell wie möglich die Schulden abzubauen, solange die Zinsen noch niedrig sind.-

Kino-Starttermin von „The Death of Stalin“ („Stalins Tod“) von Armando Iannucci war der 29. März 2018. Der Film dauert eine Stunde 48 Minuten. Ein Spielfilm mit Steve Buscemi, Simon Russell Beale, Jeffrey Tambor und anderen. Produziert in den Ländern der drei West-Siegermächte des Zweiten Weltkriegs: USA, Großbritannien und Frankreich. Die mit der Sowjetunion Berlin verwalteten. Berlin (West) war nichts anderes als die drei Sektoren der nichtsozialistischen Sieger. Ab 1961 mit einer Stadtmauer drumherum.

Wann und wo läuft der Film „The Death of Stalin“?

Am Dienstag, 19. Juni:

– Kino Cinderella, Hauptstraße 60, 86405 Meitingen, Dienstag 19. Juni, 17.30 und 20 Uhr
– Cine-Circus, Weintraubenstraße 15, 06366 Köthen (Anhalt), Dienstag 19. Juni, 17.30 und 20 Uhr
– Filmpalast Bernau bei Berlin, Börnicker Chaussee 1, 16321 Bernau bei Berlin, Dienstag 19. Juni, 20.30 Uhr
Freiluftkino Kreuzberg, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin, Dienstag 19. Juni, 21.45 Uhr Auf englisch mit deutschen Untertiteln. (U Kottbusser Tor; erreichbar über den Zugang gegenüber der Adalbertstraße 73. über den Mariannenplatz oder vom Bethaniendamm.) Eintritt EUR 7,50.
www.freiluftkino-kreuzberg.de
www.piffl-medien.de
(Am 20.6. im Freiluftkino um dieselbe Zeit (21.45 Uhr) läuft „I, Tonya“. Siehe dazu die beiden Links ganz unten.)

Am 20. Juni:

– Kinocenter Mengen,Hauptstraße 22, 88512 Mengen, Mittwoch, 20.Juni, 17.30 und 20.30 Uhr
– KW Kinocenter Worms, Wilhelm-Leuschner-Straße 20, 67547 Worms, Mittwoch, 20.Juni, 20 Uhr

Am 25. Juni:

– Olympia Schwarzenberg, Neustädter Ring 2, 08340 Schwarzenberg/Erzgebirge Montag, 25. Juni 2018, 18 Uhr und 20.15 (alle Angaben wie immer ohne Gewähr)

Nun noch 4 Links zu den Themen Feiertag, Freiluftkino im Hof von Bethanien am Mariannenplatz, Zivilcourage/ Veränderungen in der Bundesrepublik und Tonya-Harding-Film:

Zu Feiertagsdebatte und Reformationstag:

Freier Eintritt ins Cinemaxx 7 – Rosaana Velasco ante Portas! Kunst im Kino: „Breaking Religion – 500 Jahre Reformation“ in Berlin

Zum Mariannenplatz/ Bethanien (Ort des Freiluftkinos Kreuzberg)- siehe besonders den Abschnitt „Der Veranstaltungsort von „Voladores“ und seine Geschichte“:

Kieke mal Kike Arnal! Die unglaublichen „Voladores“-Flieger aus Mexiko in einer Fotoschau von Ximena de la Macorra oder: Wie Tugend und Kultur Frieden erhalten

Zu Schweigen und Zivilcourage:

Gesammeltes Reden … gesammeltes Schweigen. Benefiz-Matinée mit Hanna Schygulla im Filmkunst 66

Zum Film „I, Tonya“:

Die Leiden der Eis-Rebellin – White Trash auf Kufen: „I, Tonya“, eine gelungene Tragikomödie über Tonya Harding




Fahnen vor Halle 19 der Messe Berlin am Hammerskjöldplatz in Berlin-Charlottenburg

Ab wann ist eine Weltreise eine Weltreise? Egal, was kommt kommt im August nach der WM

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 22 Länder hat er bereist. Christian Vogel. 178 gibt es. Seit der Gründung Südsudans im Jahr 2011. Heute gilt er als gescheiterter Staat, da seit 5 Jahren Bürgerkrieg herrscht, das Bruttosozialprodukt ist das weltweit niedrigste. Hierher wollte Herr Vogel nicht, der von seiner BMW aus den Film „Egal was kommt“ drehte. Auf seiner ein Jahr dauernden Weltreise. In anderen Ländern heißt „Zwei Fliegen mit einer Klappe“ schlagen ins Deutsche rückübersetzt „Zwei Vögel mit einem Stein“. Beim Motorradfahren spritzen ständig kleine Steinchen hoch, von seiner Maschine runtergeholt werden wollte er wohl nicht. Der schwarze Kontinent ist auf Vogels Reisekarte ein weißer Fleck. Doch auch Südsudan hat einen Fußballverband. Dieser wurde 2011 gegründet und trat schon 2012 der FIFA bei. 2016 wurde Verbandspräsident Alei suspendiert, weil er 400.000 Dollar auf ein privates Konto überwiesen haben soll. Nun, was soll man bei einem „failed state“ schon erwarten?

Übrigens hatten sich 211 Verbände um die Endrunde der WM 2018 beworben, 32 wurden es. Wer aufgepasst hat, las am Anfang, dass es 178 Länder gäbe. Warum die Diskrepanz zu 211 Fußballverbänden, obwohl es sich doch um „Nationalmannschaften“ handeln soll? Da wäre zuerst einmal England. Jetzt sagen Sie nicht, „Sie meinen Großbritannien“. Genau das ist es ja. Auch wenn viele fälschlich den G7-Staat „Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland“ einfach nur „England“ nennen, gibt es da Unterschiede. Genauer gesagt: England ist keine Insel. „Ja, wegen der Globalisierung meinen Sie. Stimmt. Die können nicht einfach machen, was sie wollen.“-

Großbritannien ist eine Insel und beheimatet neben dem Land der Engländer auch Schottland und Wales. Nordirland ist auf der Nachbarinsel.
Alle vier Teile des Vereinigten Königreichs, das auf englisch gern unter dem Kürzel „UK“ kursiert (statt „GB“), treten in den Vorbereitungsspielen als eigene Verbände auf. In die Endrunde schafft es oft nur England, was die Verwirrung noch vergrößert.

Auch andere Königreiche wie Dänemark schicken mehrere Verbände in die Qualifikation, man denke nur an die Färöer-Inseln zwischen den britischen Inseln, Norwegen und Island. Die Färöer oder Schafsinseln genießen Autonomie. Man hört von den 18 Eilanden eigentlich nur bei den Qualifikationen zur EM oder WM, besonders, wenn die deutsche Mannschaft im direkten Vergleich antritt. Beide Monarchien ließ Vogel links liegen. Hatte er doch Europa schon ganz durchfahren.

Christian Vogel besuchte auf seiner Weltreise nur 3 von 6 Kontinenten, die Antarktis mit dem Motorrad zu bereisen, ist schon wegen des Umweltschutzes keine gute Idee. Ausgelassen ausgelassen hat er Südamerika, Afrika und Australien.
Wenn man seine Biographie anschaut, wird wenigstens verständlich, warum er Australasien so fröhlich und leichtfertig den Rücken kehrte: Er war schon dort gewesen.
Zum Beispiel in Malaysia, dem Land, von dem einfach ein Flugzeug mit den Passagieren darin verschwand. Im Meer, angeblich. Tja, wenn es Satelliten gäbe oder moderne Funkortung, hätte man vielleicht das große Flugzeug finden können. Aber so …

Mit dem Krad durch Kanada – 2026 wird da Fußball gespielt werden

Jedenfalls entschied sich Herr Vogel, der unter dem Motto „Vogels Perspektive“ unterwegs war, die USA und Kanada zu bereisen. Damit hat er sich von den drei großen Ländern Nordamerikas schon mal zwei angeschaut.

Gestern haben die FIFA-Abgeordneten entschieden, der gemeinsamen Bewerbung der USA, Kanadas und Mexikos für die Fußball-WM der Herren 2026 stattzugeben. Marokko hatte das Nachsehen. Da wird viel Kohlendoxid erzeugt werden, denn die Entfernungen in diesem Teilkontinent sind riesig.

Moon Suk hatte 2017 eine Weltreise geplant und wollte unter anderem in ihre Heimat Korea. Vogel war auch dort, sogar in der Mongolei. Seine Weltreise begann von der Bundesrepublik aus gesehen im Westen und führte nach Westen.

Was man so Weltreise nennt

Die Wasserflächen darf man auf einer Kradweltreise per Schiff oder Flugzeug zurücklegen. Man braucht nicht zu warten, bis der Atlantik und der Pazifik zufrieren. USA, Kanada, Alaska, dann Südkorea und noch ein Luftsprung nach Wladiwostok in den Fernen Osten Russlands. Die Russische Föderation ist nicht nur Gastgeber der diesjährigen Fußball-WM, sondern auch das größte Land der Welt. Es befindet sich auf der weltgrößten Landmasse, Eurasien.

Die längste Eisenbahnfahrt der Welt führt von Portugal nach Asien. Vogel plante andersherum, doch waren viele Pläne bald Altpapier. Mit dem Erreichen des europäischen Westkaps hätte seine Ausfahrt als Weltreise gegolten, da er ja von Europa aus Florida anflog. Doch mehr als zweimal war Ziel und Leben in Gefahr. Nepal fiel aus, Indien dauerte länger; und ausgerechnet im deutschsprachigen Österreich kam die größte Krise.

Die Frage war: Nach all den Anstrengungen, nach allen Entbehrungen, drei Tage Dauerregenfahrt durch die Mongolei – durchhalten oder Handtuch werfen? Die Freundin wartete nur einen Tagesritt entfernt, das Geld reichte nicht.
So ein Projekt entwickelt eben auch eine Eigendynamik und damit einen unmenschlichen Aspekt. Es zählt nur, wenn man einmal rum ist. (Ob die Route über Hawaii, Neuseeland, die Seychellen, Mauritius, Réunion und Südafrika gegolten hätte?)

Egal, was kommt: das hat sich Vogel auch gesagt. So heißt auch sein Dokumentarfilm: Egal, was kommt. Denn er war ein Jahr unterwegs und wenn einer eine Reise macht… kann er zwei Stunden erzählen, in Filmform.

So ganz egal, was kommt, ist ihm das denn doch nicht. Mit der Herren-Fußball-WM 2018 will er nicht konkurrieren. Deswegen startet sein Film, der ihn auch zweimal durch Russland führt nach der WM. Anfang August 2018. An einem Donnerstag.

Mehr zu Moon Suk auf ihrer Website www.moonsuk.de und im Kulturexpresso:

Heute oder nie? Moon Suk wird ihren Salon weltreisebedingt schließen – Zu Gast: die Pianistin Sara de Ascaniis




Evolution of Concrete, Beton der Firma Cemex in einer Ausstellung in der mexikanischen Botschaft Berlin Frühjahr 2018

Beton schmeckt. „Taste of Cement“: Filmpremiere in Berlin mit Regisseur

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Beton schmeckt der Wirtschaft. Filmregisseur Ziad Kalthoum entwirft ein Szenario, bei dem man sich fragen muss, ob vielleicht die Chefs von multinationalen Baufirmen ab und zu in Davos und anderswo mit den Waffenproduzenten beim Plausch sitzen. Der Film „Taste of Cement“ zeigt Syrer, die im Libanon arbeiten. Bauarbeiter. In ihrer Heimat fliegen die Kugeln, hat bauen wenig Sinn. Deshalb sind die Arbeiter hier.

„Taste of Cement“ im heutigen Libanon

Der kurze Weg, ein ähnliches Klima und die gleiche Sprache zogen sie an. Dubai wäre auch in Frage gekommen, oder Katar, wo die Stadien für die Fußball-WM gebaut werden. Doch ist der Persische Golf auch nicht weit weg von Indien und Pakistan, die beide ein riesiges Arbeitskräftereservoir darstellen. Araber in Arabien zu sein, heißt nicht, bei der Arbeitsplatzvergabe automatisch an 1. Stelle zu stehen.

Die Schweiz des Nahen Ostens: der Libanon

Libanon war die Schweiz des Nahen Ostens. Stabil, reich, schön; sogar Berge gibt es: den Libanon und den Anti-Libanon. Doch dann änderte sich alles von einem Tag auf den anderen. Durch den Bürgerkrieg. Viele flohen, manche bestimmt auch nach Syrien, das 1980 kriegsmäßig nicht so viele Baustellen hatte. Der Yom-Kippur-Krieg war vorbei, die syrischen Golanhöhen blieben besetzt und der anstehende Golfkrieg tangierte Damaskus nur als Bündnispartner einer der beiden Beteiligten.

Bestimmt gingen auch libanesische Bauarbeiter nach Syrien. Israel betrachtete Syrien als Lieblingsfeind: Stabil, verlässlich, säkular und berechenbar. Wer die Golanhöhen beherrscht, sichert oder bedroht das nahe Damaskus, die Hauptstadt Syriens. Syrien war also trotz des Kriegszustands mit Israel – Ägypten hatte gerade erst in Präsident Carters Beisein mit Israel Frieden geschlossen, eine Sensation – ein Hort des Friedens, oder besser: Eine Insel des Friedens. Und des Wohlstands.

Ähnlich wie in Libyen, mit dem Syrien als VAR sogar einmal eine staatliche Gemeinschaft bildete, war das Bruttosozialprodukt hoch, auch das Pro-Kopf-Einkommen.

Libyen war das reichste Land Afrikas, bevor Muammar al-Gaddafi in Ungnade fiel und nach Krieg und Bürgerkrieg getötet wurde. Heute ist das Land, das von französischen und US-Flugzeugen angegriffen wurde, so unsicher und instabil, dass immer wieder Öl-Pipelines kaputtgehen. In Bengasi wurde vor wenigen Jahren sogar der US-Botschafter ermordet, ein ungeheuerlicher Vorgang.

Blick aufs Mittelmeer – Berlinale und „Taste of Cement“

Der Film „Taste of Cement“ ist bisher noch nicht gezeigt worden, wir konnten ihn also auch noch nicht anschauen. Wie das bei Premieren so ist. Der Text von den Organisatoren lautet wie folgt:
„In den strahlend blauen Himmel über Beirut wachsen neue Wolkenkratzer mit Traumblick auf das Mittelmeer.“

Sofort erinnert man sich an den ellenlangen Installationsfilm von Forum Expanded der Internationalen Filmfestspiele Berlin, der im Februar als erste Station in der Akademie der Künste am Hanseatenweg gezeigt wurde. Eine Schwimmerin – die libanesische Regisseurin – zieht ihre Bahn. Der Film dauerte etwa 12 Stunden, davon war die Filmemacherin ca. 9 Stunden im Wasser. Mit Pausen. Das Morgenlicht und Abendlicht, das unterschiedliche Blau des Poolwassers und Meerwassers faszinierten den geduldigen Beobachter.

Zeit wurde erlebbar durch das veränderte Licht, das auf den veränderten Sonnenstand rückschließen ließ.

Zuschauen konnte man bei der Berlinale jeden Tag und bequem im 1. Stock der Akademie in Liegesesseln platznehmen. Der Horizont war aus den Bildern der Standkamera, die nicht bewegt wurde, herausgeschnitten worden. Die Installation zeigte also den oberen und unteren Streifen des Bildes, unten einen Pool mit einer einsamen Schwimmerin, dahinter das landnahe Mittelmeer mit Booten und oben den Himmeln mit gelegentlichen Flugzeugen.

Das zyklische Zeiterleben in „Taste of Cement“ scheint aus dem Kreislauf von Neubau, Stehen des Hauses, Zerstörung des Gebäudes, Abriss der Ruine, Liegen des Schutthaufens und Beräumung zu bestehen.

Beirut heute – Frieden nährt

Beirut heute ist frei von Krieg und Bürgerkrieg. Im Libanon wohnen eine Million Syrer, Kriegflüchtlinge. Vielleicht anderthalb Millionen. Eine riesige Zahl für das kleine Land. Noch kleiner als Jordanien, wo es viele Flüchtlingslager auf der grünen Wiese gibt, die dort Wüste heißt.

Beirut ist dabei, sich zu erholen, hat Lehren aus dem Krieg gezogen. Ehen zwischen Moslems und Christen sind verboten. Verliebt sich doch mal jemand, fliegt er nach Zypern zum Heiraten.

Teile und herrsche machte aus einem fruchtbaren Land voller Möglichkeiten jahrelang eine Hölle mit vielen Toten und Zerstörung. Nach dem Ende der Kampfhandlungen: Wiederaufbau. Jetzt ist Syrien dran. Krieg und Bürgerkrieg. Nach dem Ende der Kampfhandlungen wird auch dort an den Wiederaufbau gedacht werden.

In der Bundesrepublik Deutschland führten die Umstände, die Mithilfe der Vertriebenen, die sich wieder ein schönes Leben aufbauen wollten, und eine bestimmte Politik bekannterweise zum Wirtschaftswunder. Damaskus darf zwar keinen Marshallplan erwarten. Aber viele Syrer, die auf dem Bau arbeiten, werden wohl nach dem Ende des Schießens und Bombardements zurückgehen. Sie werden dringend gebraucht.

„Taste of Cement“ in Syrien

Weiter im Text der Organisatoren:

„Tagsüber werden sie [die neuen Wolkenkratzer] von syrischen Bauarbeitern errichtet. Zu Hause in ihrer Heimat zerstört der Krieg zur gleichen Zeit ihre eigenen Häuser.“

„Auch nachts dürfen sie die Baustelle nicht verlassen, sie müssen hinunter in die Keller der Betongiganten, wo sie kochen, hoffen, schlafen.
Mit der Visualisierung von Tätigkeiten auf der Baustelle, die an expressionistische Filme erinnern, entsteht durch Bilder, Sprache und Geräusche ein essayistisches Porträt der Bauarbeiter.

Doch dann gibt es auch Bilder von Menschen, die nach dem Einsturz eines Hauses mit bloßen Händen die Verschütteten versuchen auszugraben.“

„So entsteht ein eindringliches Gleichnis von Krieg, Zerstörung und Neubeginn.“

„Der syrische Regisseur Ziad Kalthoum hat mit »Taste of Cement – Der Geschmack von Zement« ein poetisches, emotionales und bildgewaltiges Werk geschaffen, das mehr ist als ein Film – es ist eine Erfahrung.“

„Taste of Cement“: Filmografische Angaben

Originaltitel: „Taste of Cement“(wörtlich übersetzt: „Der Geschmack des Zements“, gemeint ist auch: „Der Geschmack des Betons.“ In der englischen Sprache wird für ‚Beton‘ statt ‚concrete‘ oft fälschlich das Wort ‚cement‘ verwendet.)
Land: Deutschland
Jahr: 2017
Regie: Ziad Kalthoum
Länge: 85 Minuten

Premiere von „Taste of Cement“ (OmU) in Anwesenheit des Regisseurs am Pfingstmontag, den 21. Mai 2018 um 19 Uhr im Kino Moviemento Berlin, Kottbusser Damm 22, Berlin-Kreuzberg.

Moviemento-Kino
Kottbusser Damm 22
10967 Berlin

U-Bahnhof Hermannplatz

www.moviemento.de

Weiteres zu diesjährigen Filmpremieren:

Am Ende des Krieges warf das Nahen der Front ihre Schatten voraus:

Ich möcht‘ noch ein bisschen leben. Film „Über Leben in Demmin“ von Martin Farkas (Überleben)

Eine besonders elegante Methode, immer im Frieden zu leben – die Erde verlassen wie Kazimierz Blaszczak:

Marspole. „First Pole on Mars“ von Agnieszka Elbanowska im Fsk-Kino Oranienplatz (Filmpolska)




Lucky Luke Heft 46 Der Großfürst (Comic)

LUCKY? Maliks Mutter Veronica Schildt Bendjelloul wird 74

Berlin/Stockholm, Deutschland/ Schweden (Kulturexpresso). Die schwedische Übersetzerin Veronica Schildt Bendjelloul hat am 20. Mai Geburtstag. In der Bundesrepublik unbekannt, ist sie in Schweden eine Größe, ihre Familie allemal. Ganz entfernt so wie der US-Folksänger Sixto Diaz Rodriguez, über den Veronicas Sohn Malik Bendjelloul eine Doku drehte, die ihm Bafta, Oscar und Guldbagge einbrachten, den schwedischen Filmpreis. Rodriguez nahm in den USA zwei Platten auf, hatte aber finanziell wenig Erfolg. In Südafrika hingegen war er Kult. Der Dokumentarfilm heißt „Searching for Sugar Man“. Maliks Mutter Veronica Schildt Bendjelloul übersetzte und kümmerte sich in der schwedischen Kirche um Finnen, vor allem Schwedenfinnen.

Veronica Schildt Bendjelloul, die Isabelle- und Lucky-Luke-Übersetzerin

Neben ihrer Malerei ist Frau Schildt Bendjelloul (Jahrgang 1944), die tragischerweise den Tod ihres Sohnes erleben musste, vor allem als Übersetzerin in die Kulturgeschichte eingegangen. Namentlich der Comicserien „LUCKY LUKE“ und „ISABELLE“.

Die schwedische Übersetzung von „Dalton City“ (Lucky Luke) erschien 1971, als Veronica Schildt ihr Studium an der Universität Stockholm beendete.
Veronica Schildt Bendjelloul gab unter anderem der Figur des Gefängniswachhundes, die 1960 in „Sur la Piste des Dalton“ erstmals bei Lucky Luke auftaucht, ihren Namen. Der Hund hieß und heißt im Original auf französisch und auf deutsch Rantanplan. Veronica Schildt Bendjelloul nannte den dummen Wachhund „Ratata“. Rantanplan alias Ratata isst gern, ist aber nicht helle.
Er ist eine Parodie auf den klugen Deutschen Schäferhund Rin-tin-tin, mit dem in den 20er Jahren über zwei Dutzend Filme gedreht wurden. Im Stummfilmzeitalter. Rin Tin Tin, der 1932 starb, brachte es sogar zu einem Stern auf dem Walk of Fame in Los Angeles, den viele andere Hunde am Halsband ihrer Herrchen entlangwackeln dürfen.
Um den zahmen Wolf Rantanplan rankte sich ab 1985 eine eigene Comicserie (ein Ableger oder Spin-off von Lucky Luke).

Isabelle und andere belgische Comics

Die belgischen „Isabelle“-Comics wurde von Will gezeichnet und seit 1969 bis zum Tode des Zeichners im Jahr 2000 veröffentlicht. Zuerst im Magazin „Spirou“. Drei verschiedene frankophone Verfasser verfertigten die Texte. Einer von ihnen, Delporte, schrieb später die Texte mit Will zusammen. Ein anderer, André Franquin, benannte die Figur des jungen Mädchens, das in viele Abenteuer mit einer guten und einer bösen Hexe gerät(Kalendula und Calendula), nach seiner Tochter.
Die Geschichten ranken sich um ein magisches Bild, ein fliegendes Dorf und eine schwimmende Insel.

Die Reihe bestand über drei Jahrzehnte, was einen großen Erfolg darstellt.

Neben Asterix sind die Beneluxländer, besonders Belgien, eben auch der Ursprung für andere beliebte Bildergeschichten. „Asterix“ pilotierte Ende 1959 im belgisch-französischen Comicmagazin „Pilote“ (Pilot). Die noch erfolgreicheren und legendären Papierprodukte (als Isabelle) über das Dorf der unbeugsamen Gallier mit dem stärkenden Biotrunk mit Superfoodanteil wurden, wie bekannt, von René Goscinny verfasst und von Albert Uderzo gezeichnet.

Goscinny schrieb auch die Lucky-Luke-Texte.

Veronica Schildt Bendjelloul übersetzte nicht nur Comics, sondern schuf auch literarische Übersetzungen ins Schwedische (Agatha Christie).

Die Familie von Veronica Schildt Bendjelloul: Über vier Generationen Kultur

Spätestens mit Holger Schildt, dem Opa von Veronica Schildt Bendjelloul, fing alles an.
Er markiert auch den Übergang von Rußland/ Finnland nach Schweden. Bereits seine Geburts- und Todesdaten sprechen Bände: 28. März 1889 in Helsinki, gestorben am 13. Juli 1964 in Stockholm. Auch heutiger Sicht würde man sagen: „Soso, in Finnland geboren, in Schweden mit 75 Jahren gestorben. (Ein) Alter Schwede.“ Zudem zu der Zeit. Er vollendete ein Dreivierteljahrhundert.

Warum Helsinki nicht (nur) in Finnland liegt – und was die Schweden dort zu suchen haben

Doch: Die Wahrheit ist komplexer. Warum waren überhaupt Schweden in Finnland? (Und gehörte Helsinki überhaupt zu Finnland? 1889? Oder 1914?) Schweden war eine Großmacht. Nicht nur Puttbus auf Rügen mit seinem berühmten Theater war schwedisch, auch Teile Pommerns gehörten dazu. Die russische Hauptstadt Petersburg wurde aus einem Sumpf an der Ostseeküste aus dem Boden gestampft, an der Newa. Doch der Fluss hatte auch einen schwedischen Namen und das Land mussten die Russen den Schweden erstmal abjagen, um dann die Stadt bauen zu können (1703).

Als Finnland zu Schweden gehörte, wurde Helsinki, das schwedisch „Helsingfors“ heißt, gegründet: 1550.

Als die Russen unter dem Zaren die Stadt eroberten, machten sie sie 1812 zur Hauptstadt des neu errichteten Großfürstentums Finnland.
Dadurch verlor Turku den Rang als wichtigste Stadt im Lande. Hauptstadt Finnlands ist Helsinki erst seit 1917, denn damals wurde das Land der Finnen als Staat unabhängig.

Eigentlich ist Helsinki/ Helsingfors also eine schwedische Stadt und die Frage, warum dort (Finnland-)Schweden sind oder waren, erübrigt sich.

Holger Schildt druckte in Schildts Verlag (förlag) die Bücher seines Cousins Runar und vieles andere. Nach einer Fusion gibt es den Verlag bis heute. Der Name Schildt hat überlebt.
Holger heiratete Marie Schaupp und nannte seinen Sohn Ernst Henrik.

Pia Veronica Schildts Vater Henrik, der Filmschauspieler, Kollege Greta Garbos

Veronicas Eltern sind Margareta Morsing und Henrik Schildt (1914 in Helsinki/ Helsingfors, 2001 in Stockholm). Das Paar heiratete 1940 und blieb 16 Jahre zusammen.
Ernst Henrik ist der Vater von Johan, Peter und Veronica. Henrik Schildt (1914–2001) wurde noch in Finnland geboren, als es zum Zarenreich gehörte. Der Schauspieler ist Schwede, debütierte 1935 in dem Film „Kanske en gentleman“ („Vielleicht ein Gentleman“) des norwegischen Drehbuchautors, Regisseurs und Piloten Tancred Ibsen. Ibsen führte bei zwei Dutzend Streifen Regie und schrieb ebensoviele Drehbücher. Wie praktisch, wenn ein Land im Frieden lebt, selbst wenn Nachbarn Krieg führen. Das Königreich Schweden blieb im Zweiten Weltkrieg neutral. So konnte Henrik 1939-1942, statt eine Uniform anzuziehen und ggf. als Zielscheibe zu dienen, die bedeutende Schauspielschule Dramatens elevskola besuchen. Diese Schule, die eigentlich Kungliga Dramatiska Teaterns Elevskola heißt, wurde vom Königlichen Dramatischen Theater (kurz: Dramaten) betrieben, bis Ingmar Bergman, 1964 Intendant, die Lösung der Schule vom Theater betrieb, was er später bereute. Viele berühmte Schauspieler absolvierten die Schauspielschule „Dramatens elevskola“, darunter neben Bergman Max von Sydow und Greta Garbo.

Der Darsteller Henrik Schildt spielte unter anderem in „Blood and Fire“ (1945), „Each Heart Has Its Own Story“ (1948) und „Customs Officer Bom“ („Zollbeamter Bom“) (1951) mit.
Seine drei Kinder heißen Johan Schildt, Peter Schildt und Veronica Schildt Bendjelloul.

Pia Veronica Schildt heiratete 1969 einen Arzt, der am Krankenhaus von Helsingborg tätig war und hieß fortan mit Nachnamen Schildt Bendjelloul.

Die Brüder vom Film

Bruder Peter (geboren 1951), der bald Geburtstag hat, am 9. Juni, ist auch Schauspieler. Er begann mit 7 Jahren als Kinderdarsteller, ähnlich wie Malik Bendjelloul („Searching for Sugar Man“). Peter Schildt ist auch Regisseur beim Film und Theater sowie Drehbuchautor (u.a.„Games of Love and Loneliness“ (1977), „Flight of the Eagle“ (1982) und als Schaupieler „Distant Land“ (2010))

Bruder Johan (*1959) ist eigentlich Veronicas Halbbruder, da Vater Henrik ein zweites Mal heiratete (1956), die Schauspielerin Berit Schildt, geborene Gramer. Johan feierte Montag vor einer Woche Geburtstag, am 7. Mai. Er ist Schauspieler, Drehbuchautor und Verleger (wie sein Großvater Holger), macht seit den 80er Jahren viel fürs Fernsehen, so die Serien „Nya tider“ („Neue Zeiten“, Serien haben doch gern mal allgemeine Namen, man denke an Gute Zeiten, schlechte Zeiten GZSZ) und „Bibliotekstjuven“ („Der Büchereidieb“).

Die Kinder

Veronika hatte zwei Kinder, zwei Söhne.
Johar ist am 1. September 1975 geboren. Er ist Maliks älterer Bruder. Malik wurde zwei Jahre später geboren, am 14. September 1977 in Ystad (etwa 50 Kilometer von Malmö). Weltweit ist Malik Bendjelloul vielleicht der bekannteste Name, vor allem durch den Oscar für seinen letzten Dokumentarfilm.

Was Johar wohl ist? Fernsehmoderator und Journalist.

Wir sind nicht überrascht.

Veronikas Onkel, der Filmkritiker, nach dem ein Preis benannt wurde

Die Familie Schildt ist also sehr telegen und den laufenden Bildern verbunden, ob sie nun über den Bildschirm flimmern oder auf die Leinwand projiziert werden.

Auch Veronica Schildts Onkel Jürgen gehört dazu. Jürgen war Filmkritiker beim altehrwürdigen, 1830 gegründeten „Aftonbladet“ (Abendblatt) und 1957-62 beim schwedischen Radio. 1965-66 war er Kulturchef des „Aftonbladet“, also Ressortleiter Kultur.

61 Jahre vor der Kamera: Die Filmschauspielerin Annalisa Ericson. Photograph unbekannt. (By Unknown photographer) (Rolfs 1931. Stockholm 1931.) [Public domain], via Wikimedia Commons

Jürgen Schildt heiratete am 2. Juli 1964 die berühmte Filmschauspielerin Annalisa Ericson (1913-2011), die zwischen 1930 und 1991 – in 61 Berufsjahren! – in 58 schwedischen Filmen mitspielte. Sie starb vor sieben Jahren am 21. April, 20 Jahre, nachdem sie das letzte Mal vor der Kamera gestanden hatte.
Für sie war es die dritte Ehe. Sie blieben bis zu seinem Tode 1990 zusammen.
Die Feier der Silberhochzeit war ihnen noch vergönnt.

Der Preis

Anschließend wurde ein Filmkritikerpreis gestiftet, der „Jurgen-Schildt-priset“, den das „Aftonbladet“ verwaltete. Er wurde 1992-2010 an Filmwissenschaftler, Kritiker, Buchautoren und Redakteure vergeben.

Chaplin

Erste Preisträgerin war die Kollegin und Kulturjournalistin Jannike Ahlund, Jahrgang 1954, von 1990 bis 1995 Chefredakteurin der Filmzeitschrift „Chaplin“ (ISSN 0045-6349). Das Filmmagazin bestand 1959-1997 und erschien zweimonatlich. 38 Jahre lang.

Jannike Ahlund hat am 18. Mai Geburtstag. Wir gratulieren herzlich!

Unsichtbare Bande: Was verbindet Malik Bendjelloul und Runar Schildt?

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