Die Siegessäule in Berlin.

Der Himmel über Berlin in 4K – Ein Kultfilm feiert Weltpremiere auf der Berlinale

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Berlinale ist voll von Premieren, Persönlichkeiten und Prominenten. Während der 68. Internationalen Filmfestspiele, die vom 15. bis zum 25. Februar 2018 in Berlin veranstaltet wird, werden sogar allerlei Weltpremieren gezeigt. Dass darunter auch Klassiker sind, das ist kein Widerspruch. Wim Wenders preisgekrönter Kultfilm „Der Himmel über Berlin“ wird bei den Berlinale Classics Weltpremiere feiern.

Dafür sei der Streifen aus dem Jahr 1987 „aufwendig in 4K restauriert“ worden, teilte das Berliner Entertainment Kombinat mit Pressemitteilung vom 8.2.2018 mit. Wenders führte damals nicht nur Regie, er schrieb mit Peter Handke und Richard Reitinger das Drehbuch.

Um die Schauspieler, darunter vor allem Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Otto Sander, Curt Bois, Peter Falk, Hans Martin Stier, Elmar Wilms, Sigurd Rachman, Beatrice Manowski und Lajos Kovács, in 4K und Dolby 5.1 ins Lichtspielhaus zu bringen, startete die Wim-Wenders-Stiftung das Restaurierungsprojekt, das vom Medienboard Berlin-Brandenburg, der FFA und dem französischen CNC unterstützt wurde. Der Film war damals eine BRD-Deutsch-Französische Co-Produktion.

Auf der Heimatseite der Berlinale wird derzeit darauf hingewiesen, dass der Film „auf Schwarz-Weiß- und Farbmaterial“ gedreht worden sei und dass „diese Kombination … zusätzliche Kopierschritte bis hin zu einem endgültigen Farbnegativ, das mehrere Generationen von den Kameranegativen entfernt war“, erfordere. „Für die digitale Bearbeitung wurden die Originalnegative in 4K gescannt, retuschiert und lichtbestimmt, und der Film kann heute so gezeigt werden, wie sein Kameramann Henri Alekan ihn sich gewünscht hätte“, heißt es weiter.

Der Kinostart sei für den 14. April 2018 vorgesehen. Wer nicht warten will, um die Engel Damiel und Cassiel, die durch das damals geteilte Berlin schlenderten, um die Menschen zu beobachten und ihre Gedanken zu belauschen, der muss zur Berlinale und zwar am Freitag, den 16. Februar 2018, zu 21:30 Uhr, ins Kino International. Dann werden zwar nicht die Engel anwesend sein, aber wenigstens Wim Wenders.

Mit ihm zusammen kann man sehen, wie sich Damiel in die Trapezkünstlerin Marion verliebt und in ihm das Verlangen wächst, selbst Mensch zu werden. Für eine Frau aus Fleisch und Blut gibt er seine Unsterblichkeit auf, um das zu erleben, was Engeln vorenthalten bleibt: die irdische Existenz und die sinnliche Erfahrung des Menschseins.

Das ist viel Philosophie für die Berlinale und zwar in 4K, aber gut so.




Der griechische, zypriotische oder griechisch-zypriotische Komponist Marios Joannou Elia von "Sounds of Vladivostok"

[Hellas Filmbox] Gewaltiges Werk: Sounds of Vladivostok von Marios Joannou Elia ist ein Filmkonzert

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dr. Marios Joannou Elia spricht so gut deutsch, dass man ihn für einen Deutschen halten kann. Beim Boxtalk am Bergfest der Hellas Filmbox brauchte er nicht nur keinen Dolmetscher, sondern konnte sich selbst und andere übersetzen. Das neue Format der griechischen Filmfests „Hellas Filmbox“ beinhaltet Podiumsdiskussionen mit anschließendem Publikumsgespräch. Am 26. Januar ging es um „Zyprisches Kino“. Dr. Elia war dabei, da er auch aus Zypern stammt. Sein Filmwerk Sounds of Vladivostok (Klänge Wladiwostoks) wurde am Eröffnungsabend vorgestellt. Ein kurzes Feuerwerk von Bildern mit realen Klängen. Oder sollte man sagen, ein Feuerwerk von Klängen, die von Bildern untermalt wurden?

Beim „Boxtalk“-Gepräch am Freitag wurde Joannou Elia als „Filmemacher“ bezeichnet. Doch das wollte er sogleich richtigstellen. „Ich bin Komponist“. Und, um die Verwirrung aufzuklären etwas ausholend: „Ich habe aus mehreren Gründen diese Form gewählt. (Film, d. Red.) Einer der Gründe, warum ich meine Komposition filmisch einbinden musste, ist, dass es keine andere Möglichkeit gab, das Projekt umzusetzen“.

Bei diesem Projekt hat Nikolas Kostis gefilmt und als Cutter fungiert. Im Abspann könnte also stehen: Kamera Nikolas Kostis, Schnitt Nikolas Kostis. Oder DoP (Director of Photography). Aber bei diesem Projekt lief umständehalber alles anders. Wer ist der Regisseur? Nicht umsonst war bei dem Podiumsgespräch Dr. Elias Name gefallen. War es Panajotis Kouparanis gewesen, der Gesprächsleiter, der ihn erwähnt hatte? Oder Andreas Pantzis? Elias Demetriou?
Wer immer es war, hatte nicht ganz unrecht. Joannou Elia hatte eine Art Gesamtleitung bei diesem außergewöhnlichen Projekt.

Es kommt darauf an, sich von den Schubladen zu lösen, in denen wir denken.
Regie, Grip, Casting. Bereits, wenn es darum geht, bei einem normalen Film den Unterschied zwischen einem Kameramann und einem DoP zu erläutern, kommen viele in Erklärungsnöte.

Was soll man bei diesem Projekt „Sounds of Vladivostok“ schon sagen? Wo selbst Joannou Elia keine kurzen, eindeutigen Antworten geben kann? Vielleicht ist es zu viel gesagt, dass hier eine neue Kunstform erfunden wurde. Doch ein großer Teil der durchweg positiven Aufnahme dieses Musikstücks beruht auf der Idee.
Die Zuschauer sahen etwas, das es so noch nie gab, und wurden nicht nur unterhalten, sondern waren bei der Geburtsstunde etwas genuin Neuen dabei. Und warum soll das nicht an der Küste des größten Meeres entstanden sein, den unser blauer Planet zu bieten hat?
Auch die Sonne geht im Osten auf.

Einen Künstler, der die Lieder singt, die er verfasst hat, nennt man Singer-Songwriter. Wie soll man einen Komponisten nennen, der sein Stück dirigiert, das aber auch visuell umgesetzt wird? Dirigent-Director? Regisseurdirigent? Komposit-Dirigeur?

In der Sowjetunion hagelte es Kombinationen von Silben in Kurzwörtern. Gazprom ist so ein gebliebenes Beispiel. Es gab sogar den Frauennamen Zheldora, aus der überschwenglichen Begeisterung, die der Eisenbahn (Zheleznaja Doroga) entgegengebracht wurde, in einem Land, das, wie wir noch sehen werden, aus klimatischen Gründen Schwierigkeiten in der Selbstversorgung auf dem Seeweg hat.

Wenn schon eine neue Kunstform erfunden wurde, warum dann nicht auch ein Begriff für den Schöpfer eines Werkes, das in diese Kategorie fällt? Komdirreg, Regdirkom oder Dirregkom? Reg Dir nicht auf, komm und komponier‘ was!
Das reinste Komponiergehabe.

Beim Opening Event am 24.Januar gezeigt, wurde das Musikstück und Filmwerk auf vielfachen Wunsch unplanmäßig an einem späteren Festivaltag wiederholt.

An der Küste des Stillen Ozeans: Sounds of Vladivostok

Die Stadt Wladiwostok (betont auf der letzten Silbe; andere Umschrift des Kyrillischen: Vladivostok) beherrscht den Osten. Die Hafenstadt ist eine mächtige Marinebasis der russischen Pazifikflotte und beherbergt den größten Hafen der Atommacht am Stillen Ozean. Sie ist keine Millionenstadt; es gibt etwa 600.000 Einwohner. Der Name teilt sich auf in wladi und wostok, beides hinten betont, wodurch das vorletzte ‚o‘ nach ‚a‘ klingt. Bei wladi handelt es sich um einen Imperativ von „beherrschen“. Einige kennen vielleicht das Wort „wlast“ mit dem selben Stamm, das unter anderem „Macht“ bedeutet. Zusammen ergibt sich „beherrsche den Osten“.

Russland, obwohl größtes Land der Welt, immer schon knapp an ganzjährig eisfreien Häfen, profitiert möglicherweise vorübergehend von der weltweiten Erwärmung (global warming).

Solange das Eis regiert, werden die Klänge Wladiwostoks, die Sounds of Vladivostok, zu hören sein

In der Zeit der jungen Sowjetunion sollten Expeditionen und Testfahrten mit mehreren Schiffen durch das Eismeer zeigen, dass der Seeweg an der Nordküste Russlands Zeit spart. Doch das Unternehmen stellte sich als zu gewagt heraus. Wetterumschwung führte dazu, dass Schiffe verlorengingen und die Männer gerettet werden mussten, was sich als fast unmöglich erwies. Daraufhin sahen die Verantwortlichen über Jahrzehnte von solchen Vorhaben ab.

Erst die teils atomgetriebenen Eisbrecher schafften den Durchbruch. Ihnen folgten im Schlepptau die Frachter. Doch auch dieses Spielchen kann man im tiefsten Nordhalbkugelwinter nicht ewig durchführen. Abgesehen von den hohen Kosten friert der Kanal im Eis manchmal einfach wieder zu schnell zu, so dass die Frachtschiffe trotz Begleitung verlorengehen können. Oder einfach wochen- oder monatelang festsitzen, was unwirtschaftlich ist.

Solange der Weg „obenherum“ versperrt ist, kommen Murmansk und Wladiwostok höchste Bedeutung zu.

Dr. Marios Joannou Elia hielt sich mehrere Monate in der Stadt an der Ostküste Sibiriens auf. Sibirien, welches in drei große geographische Räume aufgeteilt wird, ist der Grund, dass sowohl die UdSSR als auch die Russische Föderation in etwa neun Zeitzonen unterteilt sind. Nordasien besteht praktisch nur aus Sibirien, das lediglich ein Teil Russlands ist, aber auch noch Platz bietet für die Republik Sacha (Jakutien) und ein jüdisches autonomes Gebiet.

Die Stadt selbst liegt mitten in der Peter-der-Große-Bucht am Südende einer Halbinsel. Vorgelagert die Insel Russki, dazwischen der östliche Bosporus. Die Peter-der-Große-Bucht hat zwei markante Teile, zwischen denen Wladiwostok liegt. Die Amur- und Ussuribucht. Die Stadt orientiert sich eher nach Westen zur Amurbucht.

Zweimal Goldenes Horn

Das Goldene Horn (Zolotoj oder Solotoi rog) ist die mitten in der Innenstadt liegende, gekrümmte Hafenbucht Wladiwostoks und der Hauptexistenzgrund für die Ansiedlung.

Die Namensgebung geschah in Anlehnung an das Goldene Horn in Kleinasien. Es ist ein gekrümmter Wurmfortsatz, der vom Bosporus abgeht. Das ursprünglich byzantinisch-griechische Goldene Horn wird heute von der Galatabrücke überquert und ist nach Keroessa, einer Nymphe und Mutter des Stadtgründers Byzas benannt. Byzas, Sohn des Poseidon, nannte den Meeresarm nach ihr Chryso Keras, was heute zusammengezogen geschrieben wird: Chrysokeras. Im Deutschen, Englischen und Russischen bedeutet Goldenes Horn das Gleiche. Im Türkischen heißt die innerstädtische Bucht im europäischen Teil des heutigen Istanbuls einfach nur Halic, „Mündung“.

Keroessa wurde von Zeus gezeugt, von Io auf der Landzunge Keras bei Byzantion zur Welt gebracht und von der thrakischen Nymphe Semystra aufgezogen. Nach Keroessas Mutter ist das Ionische Meer benannt. Byzas verwendete das Wort Horn/ Keras nicht für eine Landzunge oder Seezunge, sondern für die berühmte etwa 7 Kilometer lange Bucht, die Keimzelle Konstantinopels.
Die Yin-Yang-Beziehung von Wasser und Land wird durch die Mythologie deutlich.

Griechenland und Russland verbindet unter anderem das vorherrschende orthodoxe Christentum und das nichtlateinische Alphabet.

Ein Grund mehr, die Meerengen Wladiwostoks nach denen zwischen Schwarzem und Marmarameer zu benennen. Geographisch bietet es sich einfach an, einen nach zwei Seiten offenen, schiffbaren Meeressund (englisch: Sound) Bosporus zu nennen. Zudem, wenn eine gekrümmte, geschützte Meeresbucht abgeht, die einen idealen Naturhafen bildet: Das Goldene Horn.

„Sound of Vladivostok“ im Singular könnte auch ein Name für den östlichen Bosporus sein. Bedeutend: Der Sund von Wladiwostok.

Die Goldene Brücke überspannt es in Wladiwostok und verstärkt den Namen.

Gern erinnert man sich hier im Fernen Osten, wo es viele Monate bitterkalt ist, in der Nachbarschaft Koreas und Chinas, an Europa. Viele Stadtbewohner sind nur wegen der Arbeit hier und sehnen sich zurück in die Heimat. Nach Sankt Petersburg, einem anderen höchstwichtigen Hafen und Hort der Kultur, sind es 9522 Kilometer. Mit dem Auto dauert das zum Beispiel 122 Stunden.

Zum Stadtgebiet Wladiwostoks gehören auch vier Dutzend Inseln und der immerhin 257 Meter hohe Berg Cholodilnik (Kühlschrank).

Sounds of Vladivostok – Eine ungewöhnliche Komposition

Der griechisch-zypriotische Komponist schuf mit diesem Konzertfilm etwas höchst Ungewöhnliches.

Ihn faszinierten die Klänge so sehr, dass er sie aufnahm, den Bildern zuordnete und ein „Stück“ schrieb.

Der Komponist ist wie ein Dirigent, der jetzt gerade den Jagdflugzeugen zuwinkt, dann den Friedenstauben und anderen Vögeln und auf dessen Befehl das Wasser an den Schiffen (er-)plätschert.
Ganz verstehen wird man das wohl erst, wenn man es sieht. Und hört.

Beim Publikum löste der Film, den man entfernt mit einem Musikvideo vergleichen könnte, Begeisterungsstürme aus.

Wäre er bei der Berlinale im Wettbewerb gezeigt worden, hätte er den Alfred-Bauer-Preis gewinnen können.-

PS: Die Rinderfurt

Bosporus ist „natürlich“ ein griechisches Wort.

Es bezeichnet eine Meerenge, die Teil des Meeres ist. Zweimal im Atlantik beziehungsweise seinen Nebenmeeren, einmal im Pazifik.

Neben dem bekanntesten Bosporus, der 30 Kilometer langen Straße von Konstantinopel, gibt es am Schwarzen Meer noch einen zum Asowschen Meer: Die alten Griechen nannten die Straße von Kertsch zwischen den Halbinseln Krim und Taman „Kimmerischer Bosporus“. Er ist mit 40 Kilometern länger und an seiner schmalsten Stelle immer noch fast doppelt so breit wie der „Originalbosporus“ im Stadtgebiet von Byzanz, heute Istanbul.

„BOSPORUS“ bedeutet Rinderfurt oder Ochsenfurt. Das Huftier ist altgriechisch Bous, poros ist der Weg (russ. doroga). Führt der Weg durch flaches Wasser weiter, ist er eben eine Furt.

Nothing new. Und doch … Alles neu beim griechischen Filmfestival Hellas-Filmbox im Januar 2018 in Berlin-Friedrichshain (Urban Spree)!

Start




Berlinale-Palast in Berlin.

Der Wettbewerb der 68. Berlinale steht (fast) – Die Filme, die um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Wettbewerb der 68. Berlinale steht. Steven Soderbergh, Lav Diaz, José Padilha, AlonsoRuizpalacios und Milko Lazarov sind auch im Wettbewerb der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin mit dabei. 23 Titel des 24 Filme umfassenden Wettbewerbsprogramms stehen nun fest. 19 der 24 Filme werden um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren.

José Padilha bringt den Film „7 Days in Entebbe“ („7 Tage in Entebbe“) mit und vielleicht die Schauspieler Rosamund Pike, Daniel Brühl, Eddie Marsan, Lior Ashkenazi, Denis Menochet, Ben Schnetzer, Angel Bonanni, Juan Pablo Raba und Nonso Anozie. Allerdings läuft der anglo-amerikanische Beitrag außer Konkurrenz.

Das gilt auch für „Ága“ von Milko Lazarov (Otchuzhdenie), in dem Mikhail Aprosimov, Feodosia Ivanova, Galina Tikhonova, Sergey Egorov und Afanasiy Kylaev mitspielen.

Die nächste Weltpremiere mit dem Titel „Ang panahon ng halimaw“ („In Zeiten des Teufels“) steht im Wettbewerb. Der philippinische Film ist von Lav Diaz (A Lullaby to the Sorrowful Mystery, The Woman Who Left) und die Schauspieler sind Piolo Pascual, Shaina Magdayao, Pinky Amador, Bituin Escalante, Hazel Orencio, Joel Saracho, Bart Guingona, Angel Aquino, Lilit Reyes und Don Melvin Boongaling.

Aus Mexiko geht Alonso Ruizpalacios (Güeros) mit „Museo“ („Museum“) an den Start. Darin spielen Gael García Bernal, Leonardo Ortizgris, Alfredo Castro, Simon Russell Beale, Bernardo Velasco, Leticia Brédice, Ilse Salas und Lisa Owen.

Steven Soderbergh (Traffic – Macht des Kartells, The Good German) bringt „Unsane“ („Unsane – Ausgeliefert“) aus den USA mit und vielleicht Claire Foy, Joshua Leonard, Jay Pharoah, Juno Temple, Aimee Mullins und Amy Irving. Der Film läuft allerdings auch außer Konkurrenz.

In Berlin hoffen viele Cineasten und solche, die es werden wollen, auf große Stars und nicht nur kleine Sternchen, aber auch auf großartige Filme und nicht nur Müll in Massen.

Die Pressestelle der Berlinale teil in einer Pressemitteilung vom 22.1.2018 mit, das die Filem der Sektion Wettbewerb bis dato folgende sind:

„3 Tage in Quiberon“ von Emily Atef (Deutschland, Österreich, Frankreich)
„7 Days in Entebbe“ („7 Tage in Entebbe“) von José Padilha (USA, Großbritannien) – Außer Konkurrenz
„Ága“ von Milko Lazarov (Bulgarien / Deutschland, Frankreich) – Außer Konkurrenz
„Ang panahon ng halimaw“ („In Zeiten des Teufels“) von Lav Diaz (Philippinen)
„Black 47“ von Lance Daly (Irland, Luxemburg) – Außer Konkurrenz
„Damsel“ von David Zellner und Nathan Zellner (USA)
„Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“ von Gus Van Sant (USA)
„Dovlatov“ von Alexey German Jr. (Russische Föderation, Polen, Serbien)
„Eldorado“ von Markus Imhoof (Schweiz, Deutschland) – Dokumentarfilm, außer Konkurrenz
„Eva“ von Benoit Jacquot (Frankreich)
„Figlia mia“ („Daughter of Mine“) von Laura Bispuri (Italien, Deutschland, Schweiz)
„Las herederas“ („The Heiresses“) von Marcelo Martinessi (Paraguay, Deutschland, Uruguay, Norwegen, Brasilien, Frankreich) – Debütfilm
„In den Gängen“ von Thomas Stuber (Deutschland)
„Isle of Dogs“ („Isle of Dogs – Ataris Reise“) von Wes Anderson (Großbritannien, Deutschland) – Animationsfilm
„Khook“ („Schwein“) von Mani Haghighi (Iran)
„Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ von Philip Gröning (Deutschland, Frankreich, Schweiz)
„Museo“ („Museum“) von Alonso Ruizpalacios (Mexiko)
„La prière“ („The Prayer“) von Cédric Kahn (Frankreich)
„Toppen av ingenting“ („The Real Estate“) von Måns Månsson und Axel Petersén (Schweden, Großbritannien)
„Touch Me Not“ von Adina Pintilie (Rumänien, Deutschland, Tschechische Republik, Bulgarien, Frankreich) – Debütfilm
„Transit“ von Christian Petzold (Deutschland, Frankreich)
„Twarz“ („Mug“) von Małgorzata Szumowska (Polen)
„Unsane“ („Unsane – Ausgeliefert“) von Steven Soderbergh (USA) – Außer Konkurrenz

Den 24. und letzten Film reichen wir an dieser Stelle nach.




Berlinale: Alte Liebe Im Reich der Perfektion – Die 44 Filme des 48. Forums der Internationalen Filmfestspiele Berlin stehen fest

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Berlinale naht, für viele eine alte Liebe. Im Reich der Perfektion gäbe es sie wohl nicht, die Internationalen Filmfestspiele Berlin. Aber anderswo. Anderswo ist hier, auf der Erde.

Im Herzen Mitteleuropas tobt bald wieder der „Wahnsinn“: 11 Tage mit fast einem halben Tausend Filmen, die Tag für Tag etwa 17-18 Stunden ausfüllen und definitiv zuwenig Raum zum Schlafen lassen. Das Forum hat seinen Platz in die Berlinale eingemeißelt neben Panorama, Wettbewerb und allerlei Firlefanz.

Fels in der Brandung

Christoph Terhechte, der Chef oder Sektionsleiter, steht wie ein Fels in der Brandung. Einst hieß das Forum „Internationales Forum des jungen Films“. Jetzt ist es dem Alter nach erwachsen geworden, sogar über 40.
Viele schieden schon vorher aus dem Rennen aus. Kurt Cobain, James Dean, Amy Winehouse, die DDR. Auch die Bonner Republik und West-Berlin, die den Rahmen für die Berlinale boten, gibt es so nicht mehr. Die Bundesrepublik Deutschland heißt zwar noch so. Sie ist aber fetter und behäbiger geworden, 16 Länder stark. Mit einem neuen Beinamen: Berliner Republik.

Eine Umbenennung hilft bei der Verjüngung. Und, wie Christoph Terhechte am 18. Januar ’18 ausführte und bekräftigte, das Besondere. Im Forum finden viele Filme statt, die zwischen Baum und Borke stehen. Man nannte sie früher „Essayfilme“, wie Terhechte in Erinnerung rief. Gemeint sind Streifen, die weder klar als Dokumentar- noch als Spielfilm eingeordnet werden können. Die zwischen den Stühlen stehen. Ungewohntes ausprobieren.
Das kann auch mal anstrengend sein – und sei es auch nur, weil es mit unseren Sehgewohnheiten in Konflikt steht, die von Trailern und Fernsehen gebildet wurden.

35 Weltpremieren

Viele Menschen aus fast aller Herren Länder werden anreisen, um das zu sehen. Viele werden Schlange stehen. Nicht alle werden Karten kriegen.

„Wunschfilm“ und Wunschfilm

Schon gar nicht für ihren Wunschfilm. Da bietet sich das Forum als Alternative. Fakten sind:

1. ist der „Wunschfilm“ oft gar nicht der tatsächliche Wunschfilm, sondern das, was in den meisten Medien steht. Dahinter stehen große Geldgeber, die Streifen können gut, müssen aber nicht unbedingt besser sein. (Meist stehen sie im „Wettbewerb“, auf dem zuviel Aufmerksamkeit lastet.)

2. Geht man nicht auch zur Berlinale, um Neues und Überraschendes zu erleben?

3. Das „Forum“ bietet oft das Forum für hervorragende Filme. Es ist weniger ein Marktplatz, wie die ursprüngliche Bedeutung des lateinischen Wortes vermuten lässt. Mehr der Boden der Tatsachen. Der Boden, auf dem ein Film gedeihen kann – oder eben nicht.

Das entscheiden auch die Zuschauer. Doch wer es hierhin geschafft hat, zur Berlinale, ist sich weltweiter Aufmerksamkeit sicher. Verdient oder nicht.

Verdiente und herausragende Beispiele hervorragender und preisgekrönter Forumsfilme sind:

„Snow Piercer“ aus Korea und

„Winter‘s Bone“ von Debra Granik mit Jennifer Lawrence („Passengers“, „Silver Linings“, „Die Tribute von Panem – Mockingsjay“)

Vielleicht finden Sie die Juwelen. Hier ist Goldrausch angesagt: Waschen Sie das Gold und lassen Sie den Sand zurück!

Die Filme des 48. Forums der Berlinale

IP bedeutet Internationale Premiere (Filmpremiere außerhalb des Ursprungslands)
WP = Weltpremiere. Die Liste ist alphabetisch geordnet, Ziffern zuerst, dann A-Z (A-F, G, I-K + L-Y):

14 Apples von Midi Z, Taiwan (Republik China) / Myanmar – WP

Afrique, la pensée en mouvement Part I von Jean-Pierre Bekolo, Senegal – IP

Aggregat von Marie Wilke, Bundesrepublik Deutschland – WP

Amiko von Yoko Yamanaka, Japan – IP

Apatride (Stateless) von Narjiss Nejjar, Marokko – WP

Aufbruch von Ludwig Wüst, Österreich – WP

La cama (The Bed) von Mónica Lairana, Argentinien / Deutschland / Niederlande / Brasilien – WP

La casa lobo (The Wolf House) von Joaquín Cociña, Cristóbal León, Chile – WP

Casanovagen von Luise Donschen, Deutschland – WP

Classical Period von Ted Fendt, USA – WP

Con el viento (Facing the Wind) von Meritxell Colell Aparicio, Spanien / Frankreich / Argentinien – WP

Los débiles (The Weak Ones) von Raúl Rico, Eduardo Giralt Brun, Vereinigte Staaten von Mexiko – WP

Den‘ Pobedy (Victory Day) von Sergei Loznitsa, Deutschland – WP

Die Tomorrow von Nawapol Thamrongrattanarit, Thailand – IP

Djamilia (Jamila) von Aminatou Echard, Frankreich – WP

Drvo (The Tree) von André Gil Mata, Portugal / Bosnien und Herzegowina – WP

An Elephant Sitting Still von Hu Bo, Volksrepublik China – WP

L’empire de la perfection (In the Realm of Perfection) von Julien Faraut, Republik Frankreich – WP

Fotbal Infinit (Infinite Football) von Corneliu Porumboiu, Rumänien – WP

Buchstabe G oder Das Forum als Ausbruch aus der Norm

Grass von Hong Sangsoo, Republik Korea – WP

The Green Fog von Guy Maddin, Evan Johnson, Galen Johnson, USA/Kanada

An dieser Stelle bricht das Forum doppelt aus: Es gibt einen Vorfilm: Accidence von Guy Maddin, Evan Johnson, Galen Johnson, Kanada – WP.
Die Zuordnung erscheint logisch, die Regisseure sind identisch. Der Film „Accidence“, womöglich ein Wortspiel, steht demnach nicht in der alphabetischen Reihenfolge. Das englische Wort „Accident“ meint Unfall, das ist hier nicht gemeint. „Coincidence“ ist ein Zufall, eine Synchronizität. Wenn beides gleichzeitig stattfindet, könnte die Wortschöpfung angemessen sein.
Hinzu kommt die phonetische Gleichheit zwischen „accidents“, dem Plural von „accident“, und dem Filmtitel „Accidence“. Der Titel könnte also soviel wie „zufällige nichtzufällige Unfälle“ bedeuten. Kürzer: „Zufällige Unfälle“.
Ein Blick ins Langenscheidt-Wörterbuch zeigt, dass es das Wort zwar gibt. Wortreich ist sie ja schon, die englische Sprache. Doch „accidence“ ist ein Begriff aus der Grammatik: Formenlehre.

Forumsfilme I-K

Interchange von Brian M. Cassidy, Melanie Shatzky, Kanada – WP

Jahilya von Hicham Lasri, Marokko – WP

Kaotični život Nade Kadić (The Chaotic Life of Nada Kadić) von Marta Hernaiz, Vereinigte Staaten von Mexiko / Bosnien
und Herzegowina – WP

Forumsfilme L-Z (L – Y)

Last Child von Shin Dong-seok, Republik Korea – IP

Madeline’s Madeline von Josephine Decker, USA – IP

Maki’la von Machérie Ekwa Bahango, Demokratische Republik Kongo / Frankreich – WP

Mariphasa von Sandro Aguilar, Portugal – WP

Minatomachi (Inland Sea) von Kazuhiro Soda, Japan / USA – WP

Notes On an Appearance von Ricky D’Ambrose, USA – WP

Old Love von Park Kiyong, Republik Korea – IP

Our House von Yui Kiyohara, Japan – IP

Our Madness von João Viana, Mosambik / Guinea-Bissau / Katar / Portugal / Frankreich – WP

Premières armes (First Stripes) von Jean-François Caissy, Kanada – WP

Premières solitudes (Young Solitude) von Claire Simon, Frankreich – WP

SPK Komplex von Gerd Kroske, Deutschland – WP

Syn (The Son) von Alexander Abaturov, Frankreich / Russische Föderation – WP

Teatro de guerra (Theatre of War) von Lola Arias, Argentinien / Spanien – WP

Tuzdan Kaide (The Pillar of Salt) von Burak Çevik, Türkei – WP

Unas preguntas (One or Two Questions) von Kristina Konrad, Deutschland / Uruguay – WP

Waldheims Walzer von Ruth Beckermann, Österreich – WP

Wieża. Jasny dzień. (Tower. A Bright Day.) von Jagoda Szelc, Polen – IP

Wild Relatives von Jumana Manna, Deutschland / Libanon / Norwegen – WP

Yours in Sisterhood von Irene Lusztig, USA – WP

Welches 2017 der beste Film aus Sicht der Caligari-Jury war, die ausschließlich Filme aus dem Forum begutachtet, steht hier.

Meer ohne Wüstenschiffe. „El Mar La Mar“ von Joshua Bonnetta und J.P.Sniadecki gewinnt den Caligari-Preis für einen Film aus dem Berlinale-Forum

Es wird auch Publikumspreise geben und Leserjurys. Die Tagesspiegel-Leserjury wählt nur aus den Filmen des Forums aus.




Festival "Around the World in 14 Films" in Berlin.

Mehr als 14 … Blicke über den Tellerrand. Das Film-Festival „Around The World In 14 Films“ als Schlüssel zur Welt

Around The World In 14 Films“. Berliner kennen auch die Französische und Russische Filmwoche sowie die italienische, die sich als „Italian Film Festival“ bewirbt, um nur die Filmfestspiele der jüngsten Zeit zu nennen. Alle diese Länderreihen wie Mexiko Scope und Hellas-Filmbox sind sehr gut und nötig, auch die länderübergreifenderen wie das Kurdische Filmfest und das JFFB. Sie ermöglichen den Einblick in das Filmschaffen einer spezifischen „Industrie“, um einmal das hässliche, unlängst aus dem Amerikanischen eingedeutschte Wort zu benutzen.

Der Vorteil der Länderreihen

Sie lassen innerhalb eines Landes wie der Französischen Republik oder der Russischen Föderation Quervergleiche zu. Sie ermöglichen Dolmetschern kurze Wege. Es ist leichter Festivalgäste, die vielleicht in mehreren Streifen mitgespielt haben, einzuladen. Patriotismus und die nationale Fluglinie, wenn sie denn die Liberalisierung des Luftlinienmarktes überlebt hat, helfen bei der Finanzierung der Anreise und früher auch bei dem Transport der 35-mm-Kopien.

Ganz besonders ist es, wenn ein Festival untertitelte Filme gebiert. Das griechische Filmfest Hellas-Filmbox, das aufgrund geringen Budgets gerade in der Anfangszeit viele Mitarbeiter mehrerer Nationen zusammengeschweißt hat, hat dieses Jahr eine Herkulesaufgabe gestemmt: Alle Filme waren untertitelt. Meist auf deutsch.

Die Mehrheit der Filmwerke lag aber nur in der Originalversion vor. Es wurde also nicht nur das (kulturelle) Miteinander gefördert, sondern neue OmU-Versionen erschaffen; vieles davon ehrenamtlich bzw. ohne Honorar, aber von guter Qualität. Zweisprachigkeit ist der Schlüssel zum Verständnis der Völker. Man denke nur an den  Rosetta Stone, den Stein von Rosetta, der ein ganzes Alphabet entzifferbar machte.

Auch können Kunst- und Photoausstellungen ein solches Filmfest wunderbar abrunden und ergänzen, man denke an die Hellas-Filmbox 2017 oder das Italian Filmfestival „Tuscia-Filmfest“, das flankiert wurde von einer kleinen, feinen Ausstellung von Drehorten der norditalienischen Region.

Zuletzt können auch griechischer Wein, italienische und polnische Spezialitäten, die ohnehin in den Spielfilmen abgelichtet werden, zu einem guten Gesamterlebnis beitragen. Doch wenn man nicht nur sehen will, was bei Filmpolska auf den Teller kommt, hilft ein Blick über den Rand.

Der Blick über den Tellerrand Land

Die Berlinale und die Filmfeste Hamburg und München versehen die deutschen Millionenstädte mit internationalem Flair. Besonders in der bayrischen Hauptstadt, aber auch bei anderen wichtigen Filmfestspielen versorgt sich der Organisator der „Around The World In 14 Films“ mit Material.

Was in der deutschen Hauptstadt ankommt, ist erlesen, ausgesucht, oft Weltklasse.

Rund um die Welt in 14 Filmen‘ darf man zwar nicht zu wörtlich nehmen, denn immer wieder lassen sich die Macher von neuen Werken wichtiger Filmemacher begeistern.

So ähnlich wie das in „Generation“ umbenannte Kinderfilmfest der Berlinale seit einigen Jahren in „Kplus“ und „14plus“ unterscheidet, sollte man korrekter Weise von 14+Filmen sprechen.

Doch der Kern bleibt: Eine Weltreise aus einem guten Dutzend guter Filme.

Dazu eine Besonderheit: Statt sektionsweise zugeordneten, von der KBB bezahlten Moderatoren wie bei der Berlinale gibt es Paten, die den Film vorstellen und das Gespräch führen. Das können Filmschaffende oder andere Personen sein. Sie sprechen mit den Machern des aktuellen Films, so diese denn vor Ort sind.

Ein Hoch auf das Kino in der Kulturbrauerei

durchaus einfach mal für seine Flexibilität loben muss.

Eine Flexibilität, die noch nie selbstverständlich war, aber durch die Digitalisierung immer geringer geworden ist. In manchen großen Kinos werden einmal in der Woche alle Filme auf den Server gespielt – danach lässt sich nichts mehr ändern. Selbst das Filmkunst 66 hat vor kurzer Zeit den letzten 35-Millimeter-Projektor abbauen lassen. Zuwenig benutzt war er und Platz schaffte die Entfernung auch.

Dass ein Kino wie das Cinestar in der Kulturbrauerei im doppelten Sinne die Größe hat, auch während eines Festivals kurzfristig einen zusätzlichen Saal zur Verfügung zu stellen, ist außergewöhnlich.

die Plätze Gieß‘ Wasser zur Suppe, dann werden alle satt.

Kino in der KulturBrauerei (Cinestar), Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin

www.14films.de




100 Jahre zurück – Retrospektive der Berlinale 2018 zum Weimarer Kino

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Weimarer Republik bestand von 1918 bis 1933. In diese Zeit will die künftige Berlinale, die vom 15. bis 25. Februar 2018 in Berlin stattfinden soll, rutschen.

Dabei sollen sich die Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen aus den Jahren 1918 bis 1933 um „Exotik“, „Alltag“ und „Geschichte“ drehen.

In einer Pressemitteilung vom 21. November 2017 heißt es dazu: „Vor rund 100 Jahren, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und mit der Ausrufung der Weimarer Republik, entwickelte sich eine der produktivsten und einflussreichsten Phasen des deutschen Filmschaffens, die dessen internationale Wahrnehmung bis heute prägt.“

Gezeigt werden der Bergfilm „Kampf ums Matterhorn“ (Mario Bonnard, Nunzio Malasomma, 1928), Robert Reinerts Monumentalfilm „Opium“ (1919) und „ein lange Zeit als verschollen geltender zweiteiliger Film ‚Urban Gads‘, der auf Jakob Wassermanns literarischer Vorlage von 1919 Christian Wahnschaffe‘ (Teil 1: ‚Weltbrand‘, 1920, Teil 2: ‚Die Flucht aus dem goldenen Kerker‘, 1921)“ basieren soll.

Vielleicht sollten wir Mitglieder der neoliberalen SPD, die für Sozialabbau beispielsweise mit der Agenda 2010 und Angriffskriege wie den gegen Jugoslawien steht), den Film „Brüder“ (1929) von Werner Hochbaum ansehen, in dem „das von materieller Not geprägte Dasein einer proletarischen Familie“ gezeigt werde. Der von der damaligen „SPD unterstützte Film, der eine besondere Glaubwürdigkeit durch die Mitwirkung von Laiendarsteller*innen erhält, nimmt den Hamburger Hafenarbeiterstreik von 1896/97 als Folie, um auf aktuelle politische Kontroversen der 1920er Jahre anzuspielen“, teilt die Berlinale mit.

Sozialkritisch „und nüchtern inszeniert“ seit auch „Die andere Seite“ (1931) von Heinz Paul. In dem Film lege „Conrad Veidt als kriegstraumatisiertem britischen Hauptmann im Ersten Weltkrieg … die Sinnlosigkeit und Unmenschlichkeit des Grabenkriegs schonungslos offen“. Das wäre sicherlich auch etwas für SPD-Mitglieder, die Waffen und Munition aus der Berliner Republik in alle Welt schicken.

Viele Stummfilme im Programm der Retrospektive würden laut Berlinale-Pressemitteilung „live durch international renommierte Musiker*innen begleitet“. Als Musiker treten Maud Nelissen, Stephen Horne, Günter Buchwald und Richard Siedhoff auf.




Italienisches Filmfestival Berlin 2017

In Berlin läuft das Italienische Filmfestival

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit 9. November 2017 läuft das Italienische Filmfestival Berlin. Die deutsche Uraufführung von „In guerra per amore“ wurde gestern in Anwesenheit des Regisseurs Pierfrancesco Diliberto, der auch unter seinem Pseudonym Pif bekannt ist, in einem Kino der Kulturbrauerei auf dem Prenzlauer Berg gezeigt.

Heute Nachmittag lief das Drama „Indivisibili“ im Original mit Untertiteln. „Obwohl der Film in der Provinz Caserta spielt und auch dort gedreht wurde, ist er ganz anders als so viele Filme und Serien, die von Roberto Savianos Bestseller Gomorra inspiriert sind“, teilen die Veranstalter zu den 100 Minuten mit, in denen vor allem die Schauspieler Angela Fontana, Marianna Fontana, Antonia Truppo, Massimiliano Rossi und Toni Laudadio zeigen, was sie können. Das gilt auch für die siamesischen Zwillinge Dasy und Viola (Marianna und Angela Fontana), die von ihrer Familie gezwungen werden, „auf Festen und Feierlichkeiten als Sängerinnen aufzutreten“. Doch der Krug, der zum Brunnen geht, bricht. Dasy und Viola rebellieren.

Die nächsten Filme sind „Tutto Quello Che Vuoi“ und „L’ora legale“.

Am Freitag, den 10. November 2017, finden im Kesselhaus der Kulturbrauerei ein Konzert der sizilianischen Liedermacherin Carmen Consoli statt.

Das Erstlingswerk des Komiker-Duos Nuzzo und Di Biase „Vengo anch´io“ und „Sole cuore amore“ von Daniele Vicari und mit den Schauspielern Isabella Ragonese, Eva Grieco, Francesco Montanari und Francesco Acquaroli sowie die Komödie „Lasciati andare“ werden am Samstag gezeigt.

Das „Italian Filmfestival Berlin“ endet am Sonntag, den 12. November 2017, mit einer szenischen Lesung anlässlich des 150-jährigen Geburtstages von Luigi Pirandello.




Zypern

Griechisches Filmfestival in Berlin mit Hommàge an das Neue Zyprische Kino

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Zypern ist Zypern. Das ist so falsch nicht, aber auch nicht richtig, denn im Grunde ist Zypern griechisch. Viel zu lange wehte auf der Insel überall der Union Jack der Imperialisten aus Westminster und umzu. Doch dann gab das kleiner werdende Großreich als Vereinigtes Königreich von Großbritannien und so weiter (kurz UK für United Kingdom) den Großteil der Insel im Sommer 1960 zurück, halten aber immer noch zwei Militärstützpunkte besetzt.

Schlimmer noch: Die anglo-amerikanischen Imperialisten (USA und UK) forderten die Herrschenden in Ankara auf, den Norden Zyperns zu besetzen. Sie luden die Türkei, weil die überwiegend griechisch sprechenden Insulaner in der Mehrheit Teil des griechischen Staates werden wollten, regelrecht zur Invasion ein. Ankara schickte Truppen zum Angriff und besetze im Sommer 1974 den Norden der Insel.

Jetzt steckt das Hellas-Filmfest in Berlin Zypern in die Schachtel (in der Sprache der Imperialisten: Cyprus in a box). Anders gesagt: Das 3. Hellas Filmbox Berlin, das vom 24. bis zum 28. Januar 2018 stattfindet, wird sich auch dem Neuen Zyprischen Kino widmen.

Wir sind gespannt, wie zyprische Künstler die jüngste Geschichte und Gegenwart sehen, welche Fragen sie beschäftigen und welche Antworten sie geben.

Für die Hommàge an das Neue Zyprische Kino wählten laut Veranstalter Ioanna Kryona und Dareos Khalili folgende Filme aus:

Danach bleibt das Meer, (Istera menei I thalassa) Christos Georgiou & Giorgos Koumouros, 2016
Boy on the bridge, (Το agori sti gefira) Peter Charalambous, 2016
Conveyor Belt, Alexia Roider, 2015
Fish’n Chips, Elias Demetriou, 2011
Soul Kicking, (Psychi sto stoma) Yannis Εconomides, 2001
Slaughter of the Cock, (I sfagi tou kokora) Andreas Pantzis, 1996

Schaun mer mal, dann sehn mer scho im Januar 2018 in Berlin. Wer jetzt schon mehr wissen möchte, de surfe im Weltnetz auf die Heimatseite namens Hellasfilmbox.




D ok. – Politikvergessen – träumend? „Lost in politics“-Debatte (statt „… in translation“) auf dem Filmfest Dok Leipzig

Berlin/ Leipzig, Deutschland (Kulturexpresso). Ist ein Dokumentarfilm wichtig, nur weil er sich mit einem dringlichen oder „wichtigen“ Thema beschäftigt? Am 1.11. luden DOK Leipzig, der Verband der deutschen Filmkritik und die „Woche der Kritik“ bei freiem Eintritt zur Debatte mit Cristina Nord, Patrick Holzapfel und Jide Akinleminu ein; moderiert von Heike Melba Fendel. Raoul Pecks auf der Berlinale präsentiertes Meisterwerk „I Am Not Your Negro“ stand genauso zur Diskussion wie der aktuelle Festivalbeitrag „Project 55“.

Ist „wichtig“ wichtig?

Die Veranstalter lassen verlautbaren: „Wir wollen einen Streitraum bespielen, um über das Politische im und am Dokumentarfilm nachzudenken. Sind (Dokumentar-)Filme automatisch dringlich oder wichtig, weil sie mit wichtigen oder dringlichen Themen befasst sind? Geht das, was (Dokumentar-)Filme politisch meinen, in dem auf, was sie ästhetisch tun? Was hat es auf sich mit dem Diktum (formuliert von Jean-Luc Godard), es gälte, keine politischen Filme, sondern Filme politisch zu machen?

Eine aktuelle Debatte im Frontgebiet zwischen Formalismus und Inhaltismus, auch zwischen Strategien einer Ästhetisierung der Politik und solchen der Politisierung von Ästhetik.

Worum es gehen sollte: Drei gegenwärtige Filmbeispiele werden auf den politisch-ästhetischen Prüfstand gestellt: „I Am Not Your Negro“ (Raoul Peck, 2017; Premiere 2016 in Toronto), „Austerlitz“ (Sergei Loznitsa, 2016) und – aus dem diesjährigen Programm des Festivals – „Project 55″ (Miguel Colombo).“ Mit freundlicher Genehmigung der Edition Salzgeber und Déjà-vu-Film wurden Ausschnitte gezeigt.

Die Gäste von vor der Leinwand und hinter der Kamera

Es gab detailfreudige Einlassungen dreier Gäste aus verschiedenen Milieus des Betriebs:

– Cristina Nord, Leiterin Kulturprogramm Westeuropa (Goethe-Institut Brüssel), ehemals Filmredakteurin der Tageszeitung „Taz“
– Patrick Holzapfel, Filmkritiker und Filmemacher („Jugend ohne Film“)
– Jide Tom Akinleminu, Kameramann und Regisseur (u.a. „Portrait of a Lone Farmer“, D/DK/NGR 2013; dieser Film erhielt 2014 auf der Duisburger Filmwoche den 3sat-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm)

Das Gespräch wird moderiert von Heike Melba Fendel (Agentin, Kritikerin, Kolumnistin)

Debatte „Lost in Politics“

Wann? Zeit: Mittwoch, 1.11.2017 (Allerheiligen), 14-16 Uhr
Wo? Ort: Polnisches Institut, Markt 10, 04109 Leipzig
Veranstaltung auf deutsch. (Eintritt frei.)




Neu und am ersten Tag gleich ausverkauft! Das erste mexikanische Filmfestival in Deutschland heißt Mexico Scope

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 12. Oktober geboren: das erste deutsche Mexiko-Filmfest. Mit einem sanft abgefederten Paukenschlag wurde es eröffnet: Mit der Deutschlandpremiere von „Me estás matando Susana“, soviel wie „Du nervst echt, Susanna!“ mit Gael García Bernal, Verónica Echegui und Ashley Hinshaw. Der große Saal des Kinos Babylon-Mitte, in dem Hans Poelzigs Zwanziger-Jahre-Architektur besonders gut zur Geltung kommt, ausverkauft! Über ein halbes Tausend Besucher gleich am ersten Tag der 1. Festival-Ausgabe (1st edition) – beeindruckend. Die Veranstalter haben Erfahrung durch das kolumbianische Filmfest „Panorama“. Mitorganisator Fernando Huerta hat es schon dreimal mit großem Erfolg durchgeführt. Es hätte wohl sogar pünktlich beginnen, wenn sich nicht kurz vor zwanzig Uhr lange Schlangen vor den Kassen gebildet hätten, die bis auf den Rosa-Luxemburg-Platz hinausreichten – auf dem der laue Herbstabend zum Glück so warm war wie die Begrüßung durch die Gastgeber und Susana Garduno, Kulturattaché an der Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten in der Bundesrepublik Deutschland. Ein tolles Team verbreitete eine sehr angenehme Atmosphäre, in der Geschäftigkeit kaum zu spüren war und alles wie am Schnürchen lief. Genannt seien Carolina Padilla (Press and Operations), Jóse Luis Urriago Novoa (Program and Content) und Vanessa Meyer (Marketing & Communications).

Eine Mannschaft mit Erfahrung

Jóse Luis Urriago Novoa und Fernando Huerta zeichneten für das Kolumbien-Filmfest „Panorama“ verantwortlich, die freundliche und äußerst kompetente Vanessa Meyer bringt ihre reichen Erfahrungen vom Fashion-Film-Festival ein. Auch ihre Dreisprachigkeit brachte sie auf die Bühne.

„Brauchen Sie eine englische Übersetzung?“

Etwas erschreckend für den deutschsprachigen Besucher: Sogar das Englische gibt es nur auf Anfrage, außer natürlich bei der Untertitelung der Filme. Bei der ausverkauften Eröffnungsveranstaltung hatten zum Glück einige Zuschauer den Mut, zuzugeben, dass SPANISCH ALLEIN als Kommunikationssprache in der deutschen Hauptstadt wohl nicht für jeden ausreicht.
Also wurde englisch gedolmetscht und spanisch gesprochen. Bilingualität, wohin man schaut.

Bis zum 15. Oktober gibt es ein volles Programm, am Sonntag in Kino 2 und 3 des Babylons mit der Tür zur Hirtenstraße. Karten am Haupteingang.

Das Programm des letzten Tages:

im großen Saal (Saal 1):
18.15 Uhr:

„Sopladora de Hojas“ (Leaf Blower, der Blätterpuster), eine Komödie, die nicht nur fast jeden zum Lachen brachte, sondern auch starke emotionale Reaktionen des Publikums bescherte, von „Oh, nein“ über „Oohhh!“ bis zum Applaus. 3 Jugendliche beschäftigen sich in Mexiko-Stadt auf einer kleinen Grünfläche um die Ecke nicht mit dem Laubharken, sondern mit der Sehnsucht nach einer Freundin und der Ehrlichkeit. Brüllend komisch. Papier, Stein, Schere mit neuen Regeln?

20.15 Uhr, der „Closing Film“ oder Abschlussfilm „Tempestad“. Tatiana Huezos 105minütiges Meisterwerk von 2016 erhielt beim Caligari-Preis der Berlinale vor einem Jahr eine lobende Erwähnung. Ein Film aus dem Forum der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

22.15 Atras hay Relampagos (Lightning falls behind)

Saal 2:
18 Uhr

Te prometo Anarquía (I Promise you Anarchy)
Skater haben Spaß. Als Lebensunterhalt verkaufen sie im Krankenhaus ihr Blut. Vom Filmfestival in Locarno in der Schweiz eingeflogen.
Intensiv. Erschütternd. Aber gut.
Regie: Julio Hernández Cordón

Mexiko, Bundesrepublik Deutschland, 2015

Saal 3:
19.45 Uhr

El Charro de Toloquilla (The Charro de Toloquilla) von
José Villalobos Romero
90 Minuten (OmeU)

Das Leben des Mariachi-Sängers Jaime García Domínguez‘.