Eine Schauspielerin auf dem 30. Fantasy-Film-Fest am 27.8.2016

Jetzt zum Teil Eintritt frei! 32. Fantasy Film Fest geht neue Wege, Gespräch mit Filmemachern der DFFB

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Fantasy Film Fest ist eine Erfolgsgeschichte. Vor vielen Jahren hielt mich noch der Name von einem Besuch ab, ließ ich mich doch irreführen von einer angenommenen Parallele in der Literatur, wo es neben der Science-Fiction das verwandte Fantasy gibt. Dann ließ ich mich davon erschrecken, dass Freunde das Filmfest besuchten, die Horrorfilme lieben. Schreckensfilme sind der Horror. Schließlich lernte ich, dass das Filmfest sich schwerlich umbenennen könnte und viele sehr gute Filme zeigte, die ins Kino kamen. Allerdings viel später. Den größten Hype und den Zenit der Filmfestivalgeschichte habe ich damit wohl verpasst. Heute schauen sich Nichtcineasten Filmchen auf dem Handy an. Briefmarken als Poster zu drucken, mag seinen Reiz haben. Filme für die große Leinwand auf fitzeligen Minibildschirmen zu, nein, nicht zu schauen, zu schauen wäre eine schaurige Übertreibung, zu erblinzeln ist eindeutig eine Perlen-vor-die Säue-Frage.

Neu auf dem Fantasy Film Fest: Filmgespräch

Doch außer der großen Leinwand gibt es noch viele wichtige Vorzüge, die man nur im Kino erleben und genießen kann. Die Festivalatmosphäre, Schauspieler und Regisseure vor Ort. Filmfans, Cineasten und Autogrammjäger. Menschen, mit denen man sprechen kann. Und nun auch noch etwas, das unbedingt auf ein Filmfestival passt und gehört, für das Fantasy Film Fest aber in der Form eine Novität darstellt.

Auf Seite 8 des diesjährigen Programmheftes – auch dieses großformatige, vielseitige, vierfarbige Heft mit zurzeit 52 Seiten ist ein Pfund, mit dem das Fantasy Film Fest wuchern kann – steht es ausführlich. Unter einer Überschrift, die das englische Verb für ‚gehen‘ – to go – in der 3. Person Singular dekliniert, die wir aber schlecht ins Deutsche übersetzen können, heißt es: „Über die Zeit hat das Fantasy Film Fest immer wieder Kurzfilme und Abschlussfilme Studierender gezeigt.“ Das finden wir toll. Kurzfilme sparen Zeit und Filmstudenten, die ihren Abschluss machen, kann man auch mal unterstützen. Weiter im Text: „Dieses Jahr möchte sich das Festival als Diskussionsforum zum Stand des deutschen Genrefilms anbieten.“ (Wow, das ist doch einer dieser Boni eines Filmfestes, von denen ich die ganze Zeit rede!)

„Was sind die Visionen und Zukunftspläne junger Filmemacher?“ „Unter welchen Bedingungen werden ihre Filme produziert und WIE MACHT SICH DER DEUTSCHE GENREFILM AUF DEM INTERNATIONALEN MARKT?“

Neu auf dem Fantasy Film Fest: Eintritt frei

„Festivalbesucher und Filminteressierte, Freunde und Bekannte – alle sind herzlich eingeladen, sich bei freiem Eintritt ein Bild zu machen anhand einer spannenden Filmauswahl und einem anschließenden Gespräch mit den Machern, moderiert von Anna de Paoli, Produzentin und leitende Dozentin an der DFFB“.

Liste der Gratisfilme

Gezeigt werden vier Filme:
„THE BOY WHO WOULDN‘T KILL“ von Linus de Paoli. Drehbuch: Linus de Paoli, Anna de Paoli. „Der Junge, der nicht töten wollte“ klingt nach einem Film über einen Kriegsdienstverweigerer. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der in einer postapokalyptischen Welt „nach Freiheit sucht.“ Die Ideale des Vaters stehen im Weg.

„BULIMIA PURPURA“ von Alexander Palucki. Mit einem Drehbuch von Alexander Palucki und Julia Schimberg.

„PILZ“ von Lukas Feigelfeld. Drehbuch: Lukas Feigelfeld und Janosch Kosack. Darsteller: Anna Eger, Janosch Becker
Die Welt ins in dicken, unheimlichen Nebel gehüllt. Eine Mutter und ihr junger Sohn suchen in einem Landhaus Schutz vor der Katastrophe.

„SALEM“ von Josefine Scheffler (Drehbuch und Regie). Mara nimmt ihre Mutter bei sich auf, nachdem diese aus der Psychiatrie entlassen wird.

Eine Veranstaltung im Cinestar am Potsdamer Platz im Sony-Center. Ablauf: Filmvorführungen, Gespräch, Empfang.

Fazit

Das Fantasy Film Fest hat gezeigt, dass es auch in schwierigem Fahrwasser wandelbar und beständig ist. Innovation ist bestimmt der richtige Weg zum Überleben. Was Deutschland im Großen versucht, in der Welt zu bestehen, tut das Festival im Kleinen.

Ein Win-win-Situation: Niemand hätte sonst zum jetzigen Zeitpunkt diese Filme gesehen. Und wer weiß – aus vielen Kurzfilmen ist später ein Langfilm entstanden. Talent Scouts suchen unter den jungen Leuten – und da entstehen eben meist nur Kurzfilme. Dafür ist trotz Digitalisierung und demokratischerer Kameratechnik ein langer Film einfach zu teuer.

Gerade diese Digitalisierung, die die Kinos leerer werden lässt und Filmfestivals sterben (wie das spanische und das Pan-Asia), bietet auch Chancen. Im Herbst 2018 sehen wir ein lebendiges Fantasy Film Fest mit vollen Sälen. „Kino – dafür werden Filme gemacht.“ Wie wahr.

Das Festival findet zuerst in der Bundeshauptstadt statt. Nach Berlin läuft es auch in München, Hamburg und Köln, Frankfurt, Nürnberg und Stuttgart. Dort bis zum 30. September.




Vor dem Moviemento-Kino

8. Kurdisches Filmfestival im Moviemento endet mit sechs Filmen von Savas Boyraz, darunter „Birthday Parents“ und „Invisible Landscapes“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Kurzfilme sind auf dem 8. Kurdischen Filmfestival in der deutschen Hauptstadt stark. Kein anderer Regisseur wird dabei so hofiert wie Savas Boyraz, vermutlich zurecht. Eine Hommage könnte man es nennen, was da am Mittwoch, den 29. August 2018 im Moviemento-Kino am Kreuzberger Kottbusser Damm präsentiert wird. Eine Zuschauerin meinte: „Eine Retrospektive“; scherzhaft auf die nicht ausschließlich aus dem Jahr 2018 stammenden Filme. Mit spitzer Zunge formuliert.

Savas Boyraz hat eine unterschiedliche Herangehensweise. Das eine Mal spricht ein Kind – Evin – vor einem immer gleichen Hintergrund, ohne dass die Kamera bewegt wird. Das erinnert an James Benning („L. Cohen“, Berlinale 2018) und Sebastian Schipper („Victoria“, mit einem Bären ausgezeichnet auf der Berlinale 2015, ein 2-Stunden-Film aus einem Take).

Berlinale geht weiter. Arsenal zeigt ab heute Forumsfilme, darunter den wichtigsten Berlinalefilm: L. Cohen von James Benning

Dabei ist „Evin‘s Story“ eigentlich ein Teil eines Triptychons für eine Multi-Screen-Installation.

Ein anderes Mal engangiert er einen renommierten Schauspieler wie Aziz Capkurt, um das Phänomen der „Birthday Parents“ zu beleuchten; ein Lehrstück an interkultureller Kommunikation.

Norwegen oder Kurdistan, das ist ein Unterschied: „Birthday Parents“ von Savas Boyraz

In Norwegen wird gedreht. Einige Kriegsflüchtlinge aus kurdischen Gebieten hatten das Glück, in Norwegen zu landen. Dem Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen bzw. Lebensstandard nach anderen Skalen. Einige hatten sogar das Glück, mit ihren Eltern zusammen zu sein – oder mit ihren Kindern. Je nach Sichtweise. Doch wie feiert man in Norwegen Geburtstag?

Gewiss anders als in Cizre, Suruc und Kobani.

Doch das Feiern muss man erst einmal üben. Statt „Wedding Planner“ also „Birthday Parents“, denn auch das Ausrichten eines Kindergeburtstags kann ein gehöriger Aufwand sein. Da ist es nicht hilfreich, keine Ahnung zu haben.

Vielleicht ein universelles Lehrstück für die Begegnung von Kulturen.




Kurze Filme ganz groß. Teilweise freier Eintritt zu Kurzfilmen auf dem 8. KFF in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 41 Filme wurden und werden auf dem 8. Kurdischen Filmfestival in der deutschen Hauptstadt gezeigt. Drei unter dem Motto „Fokus Armenien“. Von der anderen 38 ist eine erkleckliche Zahl von Kurzfilmen dabei: 20 Stück, das sind mehr als 50% der kurdischen Filme. Diese werde nicht einzeln oder vor einem „Hauptfilm“ präsentiert, so wie früher auf der Berlinale, sondern in Blöcken. Das ist der Trend der Zeit, die Berlinale Shorts machen‘s vor. Fast alle Filme kommen im Moviemento in Kreuzberg auf die Leinwand. Die Kurzfilmblöcke in diesem Kino waren und sind für Sonntag 15 Uhr (Kurzfilmprogramm 1) und Mittwoch, den 29. August 2018 um 20 Uhr programmiert (Kurzfilmprogramm 2).

Die Programme 3 und 4 finden im Café Lori direkt am U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof statt: Dienstag um 14 Uhr und Mittwoch um 13 Uhr. Es sind die einzigen Filmveranstaltungen des Festivals außerhalb der Lichtspieltheater. Ansonsten war das Café Lori auf der Südseite der Hochbahn der Ort für die Begleitveranstaltungen. Da wäre zum einen das Eröffnungsfest mit kurdischer Livemusik von Hani, Rewsan Celiker/ Hakan Gürbüz Nadia Visser und Hasan Aktas; zum anderen die Panels. Deren Themen waren „Weibliche Perspektiven im kurdischen Filmschaffen“, „Filmschaffen in Kriegenzeiten“ (sic) und Pane 3: „Digitale Distribution – die Zukunft des kurdischen Films?“

Kurdisches Festival ist gut zu Kurzfilmen

8. KFF 2018 vor dem Moviemento Kreuzberg
Anna Faroqui und Haim Peretz führten Regie bei „Lanas Geschichte“ (Kurzfilm). © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Die kurdische „Filmindustrie“, um einmal das hässliche aus dem Amerikanischen eingedeutschte Unwort zu verwenden, ist unterentwickelt. So die Einschätzung eines Kurden, der im Dokumentarfilm „Vor der Sperre“ das letzte Wort hat. Geld ist überall knapp, das lernen wir schon in der Betriebswirtschaft. Ein knappes Gut. Doch auch an Filmakademien, Synchronstudios und Schauspielergewerkschaften herrscht kein Überfluss. In Duhok, dem Zentrum der Filmwirtschaft im (zeitweise autonomen) kurdischen Nordirak, gibt es keinen „Walk of Fame“. Sogar Berlin hat einen an der Potsdamer Straße vor dem Filmhaus mit dem Filmmuseum, der Prinzler-Bibliothek, der DFFB, dem Arsenal und und und.

Doch keine Synchrokultur und -infrastruktur zu haben, kommt in den besten Filmländern vor. Sogar in Nordamerika.

Wir erinnern uns: Mexiko, hat sich in jüngster Zeit zu einem starken Filmland gemausert. Oscarpreisträger Inarritu („The Revenant“/ „Der Rückkehrer“), der im übrigen wegenYilmaz Güney anfing, Filme zu drehen (!) und andere große Namen wären zu nennen, „Titanic“ wurde hier gedreht. Doch „Fack ju Göhte“ konnte man nicht synchronisieren. Man wollte ja, doch hat die Voraussetzungen nicht. Also ein Remake. „No manches Frida“ wurde der drittbeste mexikanische Film aller Zeiten. https://kulturexpresso.de/geht-lernen-goeht-lernen-goeth-lernen-fack-ju-goehte-teil-3-die-fortsetzung-der-schulkomoedie-bis-zum-abi-wers-denn-schafft/

In den USA werden alle Nase lang Remakes gemacht. Die tolle Verfilmung von „Verblendung“, „Verdammnis“ „Vergebung“ mit dem Traumteam Mikael Nykvist (verstorben) und Noomi Rapace (!) als Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander war bloß deshalb nicht gut genug, weil sie auf schwedisch war. (Originaltitel: „Män som hatar kvinnor“ u.a. 2009 ) David Fincher musste sich später mit einer Neuverfilmung herumquälen (2011). Nykvist und Rapace blieben unerreicht.

Kurzfilm als Kunstform

Wenig Geld zu haben oder ausgeben zu wollen, ist keine Sünde und kein Makel. Manche lieben darüberhinaus den Kurzfilm als Kunstform. Regisseure wie Kritiker und Zuschauer. Das KFF lud viele Filmemacher und Schauspieler ein und machte vor den Kurzfilmlern nicht halt. Der Schauspieler Aziz Capkurt (sprich: „Ah-sieh‘s! Tschap-Kurt“) ist nicht nur als Protagonist von „Vor der Sperre“ und Darsteller des türkischen Geheimdienstmannes „Murat“ in dem Lang-Spielfilm „Das Milan-Protokoll“ von Peter Ott zum Fest gekommen. Capkurt spielt auch in „Birthday parents“ (sic) mit.

Wie feiert man in Norwegen einen Kindergeburtstag, wenn man als Elternteil aus dem „wilden“ Kurdistan stammt? Man liest den Filmtitel zunächst unwillkürlich als ‚Birthday presents‘. Geburtstagsgeschenke übergeben die Geburtstagseltern natürlich auch.

Aber auch die Regisseure und Regisseurinnen von „Lanas Geschichte“ und „Sevince“ scheuten keine Mühe, um die Zuschauer mit ihrer Anwesenheit in einer Fragestunde zu beglücken.

Am Mittwochabend wird der Regisseur von gleich sechs Kurzfilmen für Fragen zur Verfügung stehen: „Birthday Parents“, „Invisible Landscapes“, „Meanwhile“, „Evin‘s Story“, „The State“ und „The Encounter“ (Regie: Savas Boyraz).
Einer davon ist Teil eines Triptychons („Evin‘s Story“) für mehrere Bildschirme (multiscreen).

Programm von Kurzfilmen auf dem Kurdischen Filmfestival

Süheyla Schwenk („Sevince“). © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Kurzfilmprogramm 1 Moviemento, Sonntag, 26.8., 15 Uhr

„Lanas Geschichte“, OmdtU
„Alan“, OmeU
„Sevince“, OmdtU
„A Country Without A Sea“, OmeU

Kurzfilmprogramm 2 Moviemento, Mittwoch, 29.8., 20 Uhr, Eintritt 8,50 Euro (7,50/ 5,-)

mit 7 Kurzfilmen

„Birthday Parents“, OmeU
„Invisible Landscapes“, OmeU
„Meanwhile“, OmeU
„Evin‘s Story“, OmeU
„The State“, OmeU
„The Encounter“, OmeU

„Mikel“, OmeU

Kurzfilmprogramm 3 Dienstag, 28.8.2018, 14 Uhr, Café Lori (Eintritt frei)

5 Filme

„Anonyma“, OmeU
„Senses“, OmeU
„Krigsduvor“, OmeU
„There Was A Country“, OmeU
„Kine-em-(a) Kurdî“

Kurzfilmprogramm 4 Mittwoch, 29.8.2018, 13 Uhr, Café Lori (Eintritt frei)

4 Filme (vier):

„Houses with small windows“, Originalfassung mit englischen Untertiteln (= OmeU), Regie: Bülent Öztürk
„Shadow“, OmeU, Regie: Bülent Öztürk
„Pace“, OmeU
„5 Minutes Silence“, OmeU

Anschriften:
Café Lori: Skalitzer Ecke Wiener Straße an der spitzen Ecke (Sekunden von der U-Bahn)

Anfahrt: Achtung: Bei Anfahrt aus Richtung Hallesches Tor/ Uhlandstraße kann man am Görlitzer Bahnhof nicht aussteigen. Wer mit der U-Bahnlinie 8 von Süden kommt, kann bis Moritzplatz fahren und in die Buslinie 29 umsteigen.
Andernfalls ist man gezwungen, bis Schlesisches Tor zu fahren und einen Bahnhof wieder zurück. Am Schlesischen Tor sind dabei aufgrund des geteilten Bahnsteigs zweimal Treppen zu bewältigen. Wer schlecht zu Fuß ist, fährt besser gleich bis zur Endstation und wechselt dort am Bahnhof Warschauer Straße bequem am selben Bahnsteig die Richtung. Wer Zeit hat, kann sogar im selben Zug sitzenbleiben.

Kino Moviemento: Kottbusser Damm Ecke Boppstraße in Kreuzberg

Armenien liegt in Kurdistan. Reihe mit armenischen Filmen auf dem 8. KFF in Berlin

8. Kurdisches Filmfestival im Moviemento endet mit sechs Filmen von Savas Boyraz, darunter „Birthday Parents“ und „Invisible Landscapes“




Zübeyde Bulut und ein Freund von Yilmaz Güney auf dem roten Teppich vor dem Babylon

Armenien liegt in Kurdistan. Reihe mit armenischen Filmen auf dem 8. KFF in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Fokus Armenien“ heißt eine Reihe mit armenischen Filmen im Rahmen des 8. Kurdischen Filmfestivals in der deutschen Hauptstadt. Drei Filme werden gezeigt: „The Promise“ (Das Versprechen, Regie: Terry George), „One in a Million“ (Einer aus einer Million, Regie: Mahmut Wenda Koyuncu) und „The Cut“ (Der Schnitt, R.: Fatih Akin), ein Film, der auch schon einmal im Kino gezeigt wurde. Doch ausschließlich um Aktualität geht es Festivalleiter Mehmet Aktas nicht: „Es geht uns darum, Filme zu einem Thema zu zeigen, kurdische Filme. Da geht es nicht so sehr um das Veröffentlichungsjahr.“ Und eben eine Reihe mit armenischen Filmen.

Friedliches Zusammenleben unter Selbstverwaltung in Syrien

Westend: Armenien wird in Berlin offiziell diplomatisch vertreten. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2016

Ein armenisches Filmfest gibt es meines Wissens nicht in der größten deutschen Stadt. Armenier und Kurden vertragen sich gut – zum Beispiel in Kobani (Kobane, Ayn-al-Arab), der Stadt an der türkischen Grenze, die 2014 in die Schlagzeilen geriet.

2012 hatte man die syrische Zentralregierung von hier vertrieben und eine Selbstverwaltung errichtet. Das ging so in weiten Teilen des Bezirks Rojava (Nordsyrien). Doch 2014 breitete sich der Machtbereich des ISIL (auch ISIS, heute meist IS oder Da-esch) aus. Im Sommer wurde die Stadt Kobani von drei Seiten aus angegriffen, unter anderem mit in Mossul erbeuteten Waffen wie Panzern und gepanzerten Fahrzeugen aus US-amerikanischer Produktion. Nur aus dem Norden, wo die Gemeinde direkt an die türkische Grenze stößt, erfolgte kein Angriff.

Kobani – eine der Städte, in denen Armenier leben

Das friedliche Zusammenleben von Arabern und Türken, Kurden und Armeniern hatte ein Ende. Viele versuchten, in die Türkei zu fliehen, doch die Grenze war teilweise geschlossen. Die meisten Flüchtlinge hatten das nahe Suruc als Ziel, eine kurdische Stadt unter türkischer Flagge, in der die meisten die gleiche Sprache sprechen. Der Kampf und Widerstand einer waffentechnisch und zahlenmäßig unterlegenen Gruppe aus Einwohnern und hinzukommenden YPG-Kämpfern und YPJ-Kämpferinnen aus Nachbardörfern und -städten zog sich über Monate hin.

Nach eigenen Angaben kontrollierte ISIL schon 80% der Stadt, die immer weiter in Ruinen versank. Erdogan sprach seine vielzitierten Worte „Kobani ist dabei, zu fallen“. Obama verprach, den Kurden zu helfen. F-16-Bomber legten weitere Straßenzüge in Schutt und Asche, wenn sich dort IS-Soldaten oder Scharfschützen verschanzt hatten. Im Januar 2015 war die Siedlung wieder unter der gemeinsamen regionalen Verwaltung. Um den Preis einer fast vollständigen Zerstörung der Bausubstanz und einem hohen Blutzoll. Bis heute müssen viele Kriegsflüchtlinge in den Zeltlagern der türkisch-kurdischen Nachbarstadt ausharren.

Auch die Armenier hatten es nicht immer leicht. Immerhin haben sie, ähnlich wie Georgien, seit Jahrhunderten ihren eigenen Staat. Auch Perser und Türken haben ihren Staat. Nur die Kurden nicht. Es soll das größte Volk der Welt sein, dass über keinen eigenen Staat verfügt, obwohl ein Vertrag von 1920 diesen vorsah. Das harte armenische Schicksal im Osmanischen Reich 1915 und weiteres Armenische ist Thema der kleinen, nichtkurdischen Filmreihe.

Reihe mit armenischen Filmen „Fokus Armenien“

Die armenischen Landesfarben rot, blau und gelb. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2016

„The Promise“ (Das Versprechen, Regie: Terry George)
Montag, den 27. August 2018 um 20.30 Uhr (133 Minuten)

„One in a Million“ (Einer aus einer Million, Regie: Mahmut Wenda)
Dienstag, den 28. August 2018 um 16 Uhr ( 62 Minuten), OmeU (Originalfassung mit englischen Untertiteln)

„The Cut“ (Der Schnitt, R.: Fatih Akin)
Dienstag, den 28. August 2018 um 19.30 Uhr (138 Minuten)

jeweils im Kino Moviemento (moviemento.de) Kottbusser Damm in Berlin-Kreuzberg

www.kurdischesfilmfestival.de

Volk ohne Land oder: Welche Farbe hat der Frosch in deinem Hals? „Haus ohne Dach“ eröffnet 7. Kurdisches Filmfestival in Berlin

Schönheit, Die Anderen, Mein Paradies, LAYLA und ein Messi. Das Programm des 7. Kurdischen Filmfests Berlin

Mein Herz Leyla oder: 15.000 Bäume. Der Film „DIL LEYLA“ der Berlinerin Asli Özarslan schließt feierlich das 7. Kurdische Filmfestival ab

Armenien liegt in Kurdistan. Reihe mit armenischen Filmen auf dem 8. KFF in Berlin

Kurze Filme ganz groß. Teilweise freier Eintritt zu Kurzfilmen auf dem 8. KFF in Berlin

8. Kurdisches Filmfestival im Moviemento endet mit sechs Filmen von Savas Boyraz, darunter „Birthday Parents“ und „Invisible Landscapes“




Hans Weingartner

Regiepreis Ludwigshafen 2018 für Hans Weingartner

Ludwigshafen, Deutschland (Kulturexpresso). Der beste Grund, ein Filmfestival zu veranstalten sei der, „ein bedeutendes Gegengewicht zur zunehmenden Vereinsamung der Menschen vor den Bildschirmen“ zu schaffen. So und nicht anders steht es auf der Heimatseite Festival des deutschen Films.

Das wird zum 14. Mal vom 22. August bis zum 9. September 2018 in Ludwigshafen veranstaltet. Am Eröffnungsabend wird der Film „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden“ von Kerstin Polte, die nicht nur Regie führt, sondern auch das Buch schrieb, mit Corinna Harfouch, Meret Becker, Karl Kranzkowski, Sabine Timoteo, Bruno Cathomas und Annalee Ranft.

Dieser Film und weitere Werke werden auf der Parkinsel von Ludwigshafen am Rhein gezeigt, wo das Filmfestival sicherlich wieder über 100.000 Menschen anziehen wird. Die sind draußen und in Kinos mit über 1.000 Plätzen, „fast alles ist überdacht, falls es mal regnet“. Manche Zelte sind geräumig, in einigen gibt es Speis und Trank. Toll ist die große Terrasse am Rheinufer sowie das Zelt für die Publikumsgespräche mit den Künstlern und Stars.

Einer dieser Starts ist der „Zauberer der Regiekunst“ Hans Weingartner, der in diesem Sommer mit dem neu geschaffenen, undotierten „Regiepreis Ludwigshafen“ für sein Gesamtwerk ausgezeichnet werden soll.

Der Direktor und Geschäftsführer des Festival des deutschen Films, Michael Kötz, erklärt dazu: „Manchmal stößt man bei der Durchsicht aller neuen deutschen Filme für das jährliche Programm auf Filmwerke, die einen spontan begeistern und staunen lassen über die außergewöhnlich hohe Qualität insbesondere der Regiearbeit dieses Films. Oft ist das ein Werk, das bislang noch gar nicht besonders aufgefallen ist. Der neue ‚Regiepreis Ludwigshafen‘ will auf ein Filmwerk hinweisen, das herausragt aus der Menge der Filme des Jahres, jedenfalls nach Meinung der Festivaldirektion. Der Preis ist ein Ausrufezeichen: ‚Achtung! Hier kann es jemand wirklich!‘ Und natürlich ist es schön, aber keineswegs eine Bedingung, wenn die Regisseurin, der Regisseur nicht zum ersten Mal ein Meisterwerk vorgelegt haben – wie in diesem Fall unser erster Preisträger Hans Weingartner.“

Den erste Regiepreis Ludwigshafen erhält Weingartner für seinen aktuellen Film „303“ mit Mala Emde und Anton Spieker in den Hauptrollen. Die Preisverleihung findet am Freitag, 7. September 2018 um 19 Uhr im Festivalkino 2 statt. Das öffentliche Bühnengespräch mit Regiepreisträger Hans Weingartner findet um 22 Uhr im Diskussionszelt statt.




Berliner Filmfest kommt in Mode. Das 7. Berlin fashion Film Festival BfFF im Columbia

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Berlin fashion Film Festival BfFF – gesprochen Biff oder Bif – hat als Festivalsprache englisch. Wie die Berlinale oder das SEEFF. Und das ist auch gut so. Neben mir sitzt eine Modeshopinhaberin aus New York, in der Kaffeeschlange vor dem Truck auf dem Rasen unterhalten sich drei Holländerinnen aus Amsterdam. Aus England ist Prominenz angereist und die Profidichte ist hoch.
Obwohl ich noch nie hier war, habe ich das Gefühl, dass letztes Jahr etwas mehr los war. Doch das ist ganz egal. Was hier geboten wird, ist schon an einem halben Tag mehr wert als der Ticketpreis.

Nehmen wir nur mal das Speeddating. In kurzer Zeit kann man wichtigen Leuten aus der Branche seine ganz eigenen Fragen stellen. So geschehen am Donnerstag. Das Festival geht zwei Tage, Donnerstag und Freitag, den 12. und 13. Juli 2018. Falls wirklich ein Handvoll Leute weniger da gewesen sein sollte, nützte es den anderen. Doch auch so war die Schlange beim Speed-Dating lang genug.

An beiden Tagen öffneten die Tore um halb zehn. Ab 10 Uhr ging es zur Sache. An beiden Tagen zunächst Screenings. Also Filmvorführungen. Sogar das Regenwetter war von Vorteil. Wenn jemand die Außentür zum Backstagebereich aufmachte, drang nicht viel Licht herein.

Berlin Fashion Film Festival am Freitag

Erst am Freitag, als mittags die Sonne herauskam. Gut für die Mittagspause, schlecht für die, die das Screening 8 während der „Lunch break“ verfolgen wollten und in der hintersten Reihe saßen.

Ich setzte mich in die Mitte, um weniger Seitenlicht zu haben. Denn gerade dringt durch die offenen Westtüren zum Garten, in denen alle strömen, um Bananenbrot und anderes Modische zum Mittag zu essen, viel Helligkeit ein.

Gegen halb drei brach der Klappstuhl zusammen. Gern gebe ich zu, dass mein Körpergewicht zu hoch ist. Doch so etwas passiert nur am Freitag den 13.

Bei dem ersten Vortrag des großen Regisseurs Marcus Gaab kann dieser seine Notizen nicht sehen. Dann gehorcht der digitale „Diaprojektor“ nicht dem „Weiter“-Befehl. Gaab doziert zum Thema Improvisation. Er ist gerade in dem Kapitel „embrace trouble“ – heiße den Ärger willkommen, wenn er schon da ist. Jetzt kann er richtig in das Thema hineingehen.

Die kleinen technischen Fehlerchen waren schnell behoben. Zum Glück wird erst wieder in gefühlt 20 Jahren in einem Juli der 13. an einem Freitag sein.
Das Fashion Film Festival fällt vielleicht erst wieder in Jahr 2088 auf einen 13. Und das muss dann ja nicht genau das Jahr sein, an dem es ein Freitag ist.

Auch wenn man nicht abergläubisch ist, wirken doch die Gedankenkräfte derjenigen, die es sind. Self fullfilling prophecies, sich selbst erfüllende Prophezeiungen, gibt es wirklich.
Zufälligerweise sagt an diesem Freitag noch jemand auf der Bühne, vielleicht war es Marcus Gaab, den Satz, der immer stimmt:

„Be careful what you wish for.“

Überlege Dir vorher genau, was Du Dir wünscht.
Du könntest es bekommen.

++ Y ++

Die Kuratorin und Festivalorganisatorin Vanessa Meyer/Vanessa Meyer ist an zwei Filmfestivals beteiligt, dem Berlin fashion Film Festival und dem folgenden.

Neu und am ersten Tag gleich ausverkauft! Das erste mexikanische Filmfestival in Deutschland heißt Mexico Scope

berlinfashionfilmfestival.net/




Israel.

No Fake Jews – 24. Jüdisches Filmfestival Berlin & Brandenburg (JFBB)

Berlin, Potsdam, Deutschland (Kulturexpresso). Mit der Europapremiere der Dokumentation „Itzhak“ wurde gestern im Rahmen einer festlichen Gala im Hans-Otto-Theater in Potsdam das 24. Jüdische Filmfestival Berlin und Brandenburg eröffnet.

„Das Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg vergibt“, so lesen wir in der Pressemitteilung vom 26.6.2018, „die insgesamt mit 7.000 Euro dotierten Gershon-Klein-Filmpreise, die alljährlich von der Familie Klein gestiftet und an erfolgreiche Filmregisseur*innen verliehen werden.“ Regiepreise für den besten Spiel- und Dokumentarfilm werden am Ende des JFBB vergeben. Zu Beginn wird bereits eine Empfehlung für einen deutschen Film mit jüdischer Thematik ausgesprochen.

Die besondere Empfehlung ging in diesem Jahr an zwei Filme: „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ von Claus Räfle und „Mohammed und Anna“ von Taliya Finkel.

Die diesjährige Ausgabe des JFBB findet noch bis zum 5. Juli 2018 unter dem Motto „No Fake Jews“ statt. Gezeigt werden 42 Spielfilme, Dokumentarfilme und Kurzfilme. Schwerpunkt ist anlässlich des 70. Jahrestages der Staatsgründung Israels Israel. Da wünscht man sich wahrlich: No Fake Jews.

Das komplette Programm und mehr Informationen: www.jfbb.de.




Regisseur Piotr Stasik und Moderatorin und Kinobetreuerin Monika Wojtillo im Kino Fsk am Oranienplatz beim Filmfestival Filmpolska

Oper oder Film? „Opera about Poland“ – eine Oper über Polen von Piotr Stasik

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Schon wieder Fußball – oder doch nicht? Was müsste eine Oper über Polen beinhalten? Dramatisch alles Typische? Piotr Stasik hat seinen Film genau so genannt: „Opera o Polsce“. Fühlt sich an wie eine Oper, ist gegliedert wie eine Oper, mächtig und dramatisch wie eine Oper und charakterisiert Polen. Ist aber ein – nicht langer – Film. Fußball gehört gewiss zu Polen. Dazu Kopernikus, Lodz, Fleisch und Würstchen, Bier und Wodka. Kiefernwald, die Ostsee. Krakau, Warschau, Krakow, Warszawa. Bialystok. „Die schönste auf der Welt ist doch die Polin, die Polin …“

Monika Anna Wojtyllo im Gespräch mit Piotr Stasik

Moderatorin Monika Anna Wojtyllo – selbst Regisseurin – stellte Stasik beim polnischen Filmfest filmPOLSKA vor. Noch an das Publikum gewandt, sagte sie: „Wie Sie gewiss gemerkt haben, handelt es sich bei diesem Film um eine Oper.“ Baff konnte man schon sein. Bei Filmpolska sollten doch Filme gezeigt werden Und gerade vorher sahen wir in dem Doppelprogramm im FSK-Kino am Oranienplatz „First Pole on Mars“/ „Pierwszy Polak na Marse“, der „Erste Pole auf dem Mars“ von Regisseurin und Drehbuchautorin Agnieszka Elbanowska. Mit dem eindrucksvoll authentischen und ruhigen Kazimierz Blaszczak. Einem älteren Herrn, der der erste Pole auf dem Mars werden möchte. Und seiner Frau davon nicht erzählte. Siehe im Kulturexpresso Marspole. „First Pole on Mars“ von Agnieszka Elbanowska im Fsk-Kino Oranienplatz (Filmpolska). Man war also noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen beziehungsweise Lichtjahre entfernt.

Doch dann stellt sich – im Anschluss unter vier oder sechs Augen – heraus, dass Monika Anna Wojtyllo Musicalautorin ist. Unter vielem anderen. Die Frau hat was auf dem Kasten und muss es ja wissen. Ob „Opera about Poland“ eine Oper ist. Sie fachsimpelt mit dem Regisseur, der bei Filmpolska auch Workshops anbot. Anschließend sind die Fragen freigegeben. Nun richten auch wir uns an den Filmemacher.

Piotr Stasik zitiert Andrzej Stasiuk, der Polen beschreibt, wie es ist

Poitr Stasik zitiert in seinem Film, seiner Oper Andrzej Stasiuk mit seinen „Reisetagebüchern“. Ich frage den Regisseur: „Warum Andrzej Stasiuk?“ Antwort: „Weil Stasiuk am besten das gegenwärtige Polen beschreiben kann.“
Meine persönliche Meinung ist, dass der Film „Das Fest“, der auf der Berlinale 2018 in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ debütierte, das Land bestens beschreibt. Es geht um die Vorbereitung einer Silberhochzeit. An der Oberfläche. Doch in der Tiefe erkennt man die Seele Polens. Auch das Christentum.

Der polnische-deutsche Film ist nicht das einzige Beispiel einer sehr guten deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Einer Kooperation unter Nachbarn. Der beste polnische Fußballspieler ist Robert Lewandowski. Er ist der Torschützenkönig der Bundesliga in der Saison 2017/2018. Lewandowski darf in der Vorrunde auch an allen drei polnischen Spielen der WM teilnehmen. Der zweite auf der Torschützenliste ist Nils Petersen. Gleichzeitig der beste deutsche. Zur WM-Vorbereitung durfte Petersen noch mit, in den Kader gelangte er nicht. Lewandowski, der „Münchner“ (und Ex-Dortmunder), hingegen schon. Den polnischen WM-Kader. (Donnerstag um vier ist das letzte Spiel. Gegen Japan, die andere Mannschaft mit Rotweiß in der Flagge.)

Ob des Ausscheidens der Herrenfußballmannschaft traurigen Polen möchte man zurufen: Ihr könnt so vieles! Fußballspielen dagegen kann doch jeder Senegalese!

Nationalflagge Polens, Landesname auf deutsch, Zusatzillustration: Ball. © 2018, Foto: Andreas Hagemoser

www.filmpolska.de




Habemus Berlinale-Pärchen: Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Italiener und eine Holländerin sollen in die Fußstapfen von Dieter Kosslick treten, der seit dem 1. Mai 2001 Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin ist. Kosslicks Vertrag läuft im Frühling 2019 aus.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte vor ein paar Wochen, dass sie sich als Nachfolger zwei wünsche. „Ich persönlich befürworte eine Doppelspitze, nach dem Vorbild anderer Festivals“, sagte sie dem Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND) Mitte Mai 2018. Sie verriet, dass sie „mit vielen, auch internationalen Bewerbern …, mit Produzenten, Regisseuren, Schauspielern und Festivalkennern“ gesprochen habe und zeigte sich „zuversichtlich, im Sommer das Ergebnis der Findungskommission präsentieren zu können“.

Weißer Rauch stieg nun auf. Habemus Berlinale-Pärchen. Am 22. Juni 2018 stimmte laut Pressemitteilung (22.6.2018) „der Aufsichtsrat der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB) dem Vorschlag der Findungskommission“ zu, „Carlo Chatrian als künstlerischen Direktor und Mariette Rissenbeek als Geschäftsführerin der Internationalen Filmfestspiele Berlin ab 2020 zu berufen“.

Chatrian habe bereits beim Filmfestival in Locarno sein kuratorisches Können bewiesen, behaupten die einen und hoffen auf bessere Zeiten für die Berlinale. Doch was soll besser werden? Das Publikum erscheint bereits in Massen zum größten Publikumsfilmfestival der Welt. Sollen es noch mehr werden oder wieder weniger?

Die Sektionen der Berlinale nahmen unter Kosslick zu. Sie verdoppelten sich und das war richtig und wichtig. Sollen es noch mehr werden oder wieder weniger?

Warum muss es ein Italiener sein? Was soll das?! Gibt es keinen Deutschen oder besser noch einen waschechten Berliner, der die Berlinale leiten kann? Wenn die Berlinale berlinerischer wäre und weniger schwul und lesbisch, das wäre schon eine gute Besserung.

Leute, die sich für Kritiker halten, lamentieren, die Berlinale müsse „jünger, frecher, internationaler, experimentierfreudiger“ werden. Jung und alt, frech und fromm, national und vor allem international, bodenständig und abgehoben, alles war immer auf der Berlinale vertreten. Gibt es überhaupt noch ein Tabu, das noch nicht geknackt wurde? Wenn die Filmemacher dieser Welt weniger Wert auf Experimentierfreudigkeit und mehr auf handwerkliches Können legen würden, dann wäre auch der Berlinale geholfen.

Und wer meint, dass der Fall Holländerin Rissenbeek nur ein Geschmäckle habe, der ist ein Käsköpp. Das geht gar nicht.

Die als Managing Director auf der Website der German Films Service + Marketing GmbH geführte Mariette Rissenbeek gehört nicht nur dem Aufsichtsrat der bundeseigenen Gesellschaft KBB an, sie sitzt auch in der Findungskommission, die die KBB Ende 2017 eingesetzt hatte.

Schon jetzt startet das Berlinale-Pärchen mit einer Panne. Schöne Scheiße!




SEEF 2018 in Berlin.

Hawaii liegt in Rumänien – Südosteuropäisches Filmfestival im Kino Babylon

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Statur ist klein, die Klappe groß, das Vorhaben noch imposanter. Grigore, jung, unscheinbar und als Schauspieler chancenlos, will sich als Regisseur versuchen. Film, das ist etwas völlig Neues im Jahr 1911, nicht nur in Bukarest. Und Grigore geht gleich aufs Ganze. Nichts Geringeres als den rumänischen Unabhängigkeitskrieg von 1877 möchte er verfilmen, verspricht potenziellen Sponsoren einen Knüller, der weltweit Erfolge feiern wird. Die reagieren neben einer Mini-Finanzspritze vor allem mit Gelächter. Nicht ganz zu Unrecht, angesichts der Dreharbeiten. Da gerät die Donau schon mal zu einem Rinnsal, und die feindlichen Türken verhalten sich wie die Ölgötzen, statt sich ins Schlachtgetümmel zu stürzen.

SEEF 2018 in Berlin.
Festival-Direktor Harald Siebler spricht anläßlich des SEEF 2018 in Berlin. © 2018, Foto: Fritz Hermann Köser

Viel Komik steckt in „The Rest is Silence“ von Nae Caranfil, erst zum Ende gleitet das Geschehen ins Tragische ab. Abgesehen von einigen kleinen Längen ein ganz sehenswerter Film aus Rumänien. Gezeigt wurde er vergangenen Donnerstag bei einem Empfang in der rumänischen Botschaft in Berlin, zur Eröffnung des South East European Film Festivals (SEEFF). Filme aus 15 Ländern, unter anderem Moldawien, Albanien, Bulgarien, Kosovo, Kroatien und Mazedonien, sind bis Sonntag, 27. Mai, in der Hauptstadt zu sehen. Im Kino Babylon, in Originalsprache mit englischen Untertiteln.

Zum dritten Mal findet das SEEFF nun statt. Komödien seien Mangelware, so Festivalleiter Harald Siebler. Das sei sicher auch dem politischen Zeitgeist geschuldet. Vielmehr geht es um menschliche Schicksale, die die Zuschauer berühren sollen. So auch in „Unwanted“, einem Film aus dem Kosovo. Teenager Alban, ein Fremder in Amsterdam, ein Träumer und Unruhestifter, gerät immer wieder in Schlägereien. Andrei scheint mehr Glück zu haben. In „Hawaii“, einem rumänischen Film, erfährt der Taxifahrer von einem gewaltigen Erbe. Drei Millionen Dollar soll ihm sein verstorbener Onkel, der auf Hawaii gelebt hatte, vermacht haben. Doch Andrei ist zur falschen Zeit am falschen Ort – im kommunistischen Rumänien von 1988.

Hauptpreis für den besten Film ist dieses Jahr ein Ring, den die internationale Jury vergeben wird. Aus knapp einer Feinunze Gold und mit den 27 Europa-Sternen dekoriert. Bei „größeren Problemen“, so der Festivalleiter, „kann man das gute Stück dann verkaufen“.