Willem Dafoe auf der Berlinale Goldener Ehrenbär Internationale Filmfestspiele Berlin.

Erntezeit für Willem Dafoe. Nach der Oscar-Nominierung erhielt er in Berlin den Goldenen Ehrenbären

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Um es gleich zu sagen: den „Oscar“ für die beste männliche Nebenrolle erhielt 2018 Sam Rockwell. Best supporting actor – and the Oscar goes to: Sam Rockwell – „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Willem Dafoe war nominiert für „The Florida Project“. Ein guter Film, ein interessanter Film, und ein Streifen, der in das Selbstdarstellungsportfolio der Filmindustrie von Los Angeles gepasst hätte. Bereits 1986 war Dafoe, geboren am 22. Juli 1955, für einen Oscar nominiert und natürlich für eine männliche Nebenrolle. Auch die Rolle passte zu ihm: Der selbstlose Sergeant Elias. In dem (Anti-)Kriegsfilm und Vietnamdrama „Platoon“ („Der Zug“). Das war und ist auch die Rolle des Helden. Und die passt immer mehr zu ihm.

Willem Dafoe – alt und weise. Was? Alt?

Am 20.2.2018 erhielt er in Berlin die Ehrung „Goldener Ehrenbär“. Für diejenigen unter uns, die nur englisch verstehen: Ein „Lifetime-Achievement Award“. Wohl selten war Dafoe in einer Pressekonferenz so gelöst und weise. Eine Rolle, die ihm gut steht. Der Schauspieler sagte viele gute und wichtige Dinge. Dinge, die Bestand haben. Nicht dieses oberflächliche Zeug, das viele von sich geben oder geben sollen, weil ihre PR-Agenten es ihnen raten.

Als eine Frage an ihn gestellt wurde, in der das Wort „alt“ vorkam, spielte er überzeugend Entrüstung. „Was, Sie meinen, ich sei alt? Wollen Sie sagen, dass ich alt sei? Ich?“ Rechtzeitig löste er die Spannung durch Lachen auf, doch lang genug hielt er alle hin, dass man es ihm abnehmen hätte können.

Oscarnominierungen von 1986-2018 kann auch nicht jeder aufweisen. Schon gar nicht die aus dem „Klub“ derjenigen, die wie Amy Winehouse oder James Dean mit 27, 24 oder 28 Jahren die Weltenbühne verließen. Umspannen doch allein Dafoes Nominierungen schon 32 Jahre.

Viele Oscarnominierungen

Neben der Figur des selbstlosen Sergeant Elias 1986 war Willem Dafoe, eigentlich William Dafoe, 2001 für den „Max Schreck“ in E. Elias Merhiges „Shadow of the Vampire“ nominiert. Für den Oscar, natürlich als bester Nebendarsteller, den Golden Globe und weitere Auszeichnungen.

Ob Dafoe als Nebendarsteller so brilliert, weil er das zweitjüngste Kind von acht Geschwistern ist?

Die aktuelle Oscar-Nominierung 2018 war seine dritte. Willem Dafoe erhielt sie für die Nebenrolle des Motelmanagers Bobby, in Sean Bakers Streifen „The Florida Project“. Der Film aus dem Jahr 2017 heißt auf deutsch „Das Florida-Projekt“.

Allein die drei erwähnten großen Produktionen illustrieren bereits die Bandbreite von Willem Dafoes schauspielerischen Können. Der Militärfilm aus den 80ern, ein Schreckensstreifen und aktuell schlüpfte Dafoe in die Rolle eines sozial eingestellten Managers mit klaren Regeln, der Unterkunft bietet.

Und das passt zu dem, was er uns in Berlin gesagt hat:
Er sagte, er habe viele verschiedene Rollen angenommen und sich nie einem Genre verschlossen. „Die Früchte dieser Einstellung kann ich jetzt ernten.“ So beziehungsweise ganz ähnlich äußerte er sich im Februar (auf englisch).
2018 erntet er nicht nur die Früchte seines Schaffens und seiner Offenheit, in dem er sich Rollen jedes denkbaren Films aussuchen kann, sondern auch Ährungen, … ähm, Ehrungen.

Insgesamt ist Dafoes Werk eine Hundertschaft.

Großer Wille, kleines m. Willem.

Gereift und geliebt: Willem Dafoe

Wer Dafoe ein kleines bisschen näher kennenlernt, wird feststellen, dass er ein äußerst angenehmer Zeitgenosse ist, der vieles richtig macht.

Wir gratulieren Willem Dafoe von Herzen zu der Auszeichnung „Goldener Ehrenbär“!

Oscar hin oder her.

Dafoe ist Wer.

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Gewinner des Panorama-Publikumspreises. In der Mitte: Panorama-Chefin Paz Lavaro. 2. Platz Doku: "Partisan".

Berlinale: 2. Platz Panorama-Publikums-Preis Dokumentarfilm für „Partisan“ von Lutz Pehnert, Matthias Ehlert und Adama Ulrich

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Geschichte ist so bekannt, dass Moderator Knut Elstermann bei der Preisverleihung und -gewinnerverkündung am 25. Februar nicht noch einmal darüber sprechen wollte. Einen gewissen Heimvorteil hatte der Film „Partisan“ vielleicht, da viele Berliner und Brandenburger die Berlinale ohne Extra-Übernachtungskosten besuchen können. Und natürlich war das Thema in der Stadt und den Tageszeitungen besprochen worden. Doch ist der Panorama-Publikums-Preis der weltgrößte „Audience Award“ überhaupt mit etwa 26.000 Stimmen.

Die Basis wird dadurch gelegt, dass eigentlich alle Filme aus dem Panorama mehrfach gezeigt werden – in großen Sälen großer Kinos mit vielen hundert Plätzen. Und dann ist es eben auch so, dass die Berlinale ein Publikumsfestival ist. Andere A-Festivals wie Cannes oder Venedig sind für Filmkritiker und -industrie wichtig. Selbstverständlich sind diese Gruppen, deren Besuch ein Filmfestival im Kern mit ausmacht, bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin stark vertreten. Wenn man jedoch dieses Filmfest irgendwie kurz charakterisieren will, kann man frank und frei sagen: ‚Die Berlinale ist ein Publikumsfestival.‘ Auch wenn nicht alle Vorstellungen ausverkauft waren, ist sowohl die Gesamtbesucherzahl als auch die Zahl der zur Verfügung gestellten Plätze enorm. Dadurch die höchste Aussagekraft dieses Publikumspreises, die weltweit ihresgleichen sucht.

Der Dokumentarfilm „Partisan“ – ein Stück Kultur über Kultur

Nach dem Ende der DDR entstanden im vereinten Berlin neue künstlerische Freiräume. Die Berlinale fasst das so zusammen: „Als kurz nach der Wende Regie-Rebell Frank Castorf als Intendant an die Volksbühne kam, veränderte seine Arbeitsweise die öffentliche Wahrnehmung der Hauses.“

„Das Publikum im Ostberlin der Nachwendezeit ließ sich von den radikalen Inszenierungen und Theatermarathons gerne herausfordern“.
Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz wurde legendär.
Die Geschichte der Castorf-Ära zwischen 1992 und 2017 wird chronologisch mit Ausschnitten aus den Inszenierungen und Gesprächen auf dem langen Sofa im Foyer erzählt.

„Partisan“: Schauspieler kommen zu Wort – aber nicht nur

Hier auf der Couch sprechen Schauspieler und Schauspielerinnen wie Henry Hübchen, Sophie Rois, Martin Wuttke und Herbert Fritsch, der von der Schauspielerei ins Regiefach wechselte; aber auch Castorf selbst.
Auch die Menschen hinter der Bühne, die für das Publikum meist unsichtbar bleiben, kommen zu Wort. Sie stehen im Prinzip gleichberechtigt neben den prominenten Schauspielern, Schauspielerinnen und Regisseuren.

Für alle – die, die in den letzten 25 Jahren nicht in Berlin waren, und diejenigen, die als Zuschauer im Saal saßen – arbeiteten Pehnert, Ehlert und Ulrich die Geschichte einer neuen, freieren Art Theater zu machen auf.

„Partisan“ in der Mitte der drei Plätze auf dem Panorama-Podest

Den Bronze- oder 3. Platz in der Rubrik „Dokumente“ erhielt „O processo“ der Brasilianerin Maria Augusta Ramos.
„Partisan“ erhielt Silber, kam auf den 2. Platz.
Gold oder die allermeisten Stimmen unter den teilnehmenden Berlinalezuschauern erhielt „The Silence of Others“ von Almudena Carraceda und Robert Bahar. Nur dieser Film wurde denn auch erneut vorgeführt um 20 Uhr im Cinemaxx 7.

Berlinale: 3. Platz Panorama-Publikums-Preis Dokumentarfilm für Maria Augusta Ramos‘ „O processo“

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Vergabe Panorama-Publikumspreis der 68. Berlinale.

Berlinale: 3. Platz Panorama-Publikums-Preis Dokumentarfilm für Maria Augusta Ramos‘ „O processo“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am letzten Berlinaletag 2018, am Sonntag, den 25. Februar, wurden im Premierenkino des Cinemaxx Potsdamer Platz feierlich die sechs Filme aus dem Panorama verkündet, die vom Publikum die meisten Stimmen erhalten hatten. Der 3. Platz Panorama-Publikums-Preis – Panorama Dokumente 2018 ging an „O processo“ (Brasilien / Deutschland / Niederlande) von Maria Augusta Ramos.

Erfolge für brasilianische Filme auf der Berlinale

Weitere Preise oder lobende Erwähnungen erhielt der deutschbrasilianische Film „O processo“ nicht. Allerdings konnte andere brasilianische Streifen von Nominierungen und Preisen profitieren:
Der tolle Film „Ex Pajé“ („Ex Shaman“) von Luiz Bolognesi erhielt die Lobende Erwähnung beim Glashütte-Original-Dokumentarfilmpreis. „Waldheims Walzer“ von Ruth Beckermann, ein österreichischer Film aus dem Forum, erhielt den hochdotierten Hauptpreis. Glashütte Original stiftete die 50.000 Euro.
„Ex Pajé“, einsortiert bei Panorama-Dokumente, datiert aus Brasilien 2018. Es erklingen die Sprachen Tupi und Portugiesisch. ( „Ex Pajé“, Dokumentarische Form, 81 Minuten, Farbe, Weltpremiere auf der Berlinale). Die angesehene Jury des Glashütte-Original-Dokumentarfilmpreises bestand aus Cíntia Gil, Ulrike Ottinger und Eric Schlosser.

Die TEDDY-AWARD-Jury gab „Bixa Travesty“ („Tranny Fag“, Panorama Dokumente) von Claudia Priscilla und Kiko Goifman den Preis als besten Dokumentar-/ Essayfilm; „Tinta Bruta“ („Hard Paint“) von Marcio Reolon und Filipe Matzembacher war auch für den TEDDY nominiert. Der 118-Minüter, der im Offiziellen Programm – Panorama als Weltpremiere gezeigt wurde, gewann die Auszeichnung „Bester Spielfilm“. Und zwar vor „Las Herederas“ und „Touch Me Not“! Jene beiden erhielten prominente Preise: „Las Herederas“ aus Paraguay zwei silberne Bären und „Touch Me Not“ den goldenen plus den „GWFF-Preis bester Erstlingsfilm“.

Der Panorama-Film „O processo“

Die Amtsenthebung der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff im Jahr 2016 war das Ergebnis eines Korruptionsskandals, in den unter anderem ihr damaliger Vize Michel Temer verwickelt war.
Die Berlinale schreibt über den Film „O processo“:
Regisseurin Maria Ramos folgt dem Prozess gegen Rousseff aus der Perspektive ihres Verteidigerteams. Das Justizdrama entfaltet sich langsam, und die Auftritte der unterschiedlichen Parteien werden allmählich zum Gerichtstheater. Während im Verhandlungssaal große Emotionen kalkuliert ausgespielt werden, warten auf den Korridoren die Lobbyisten und Claqueure. Und draußen vor den modernistischen Regierungsgebäuden Brasílias skandieren die Demonstrant*innen wie ein antiker Theaterchor. Nur die Hauptperson, Dilma Rousseff selbst, bleibt professionell und unnahbar.

Nach ihren preisgekrönten Dokumentarfilmen „Justiça“ und „Juízo“, in denen Ramos das brasilianische Justizsystem unter die Lupe nahm, richtet sie nun ihren analytischen Blick auf den überwiegend politisch motivierten Prozess gegen Dilma Rousseff. Beobachtend und unkommentiert zeigt sie die Strukturen der Macht, das große Spektakel und die kleinen Details, die man selten zu sehen bekommt.

Gerichtsfilme „O processo“ und „The Silence of Others“ erfolgreich

Damit wählte das Publikum im Dokumentarbereich des Panoramas zwei Filme nach oben – Gewinner ist „The Silence of Others“ von Almudena Carraceda und Robert Bahar – in denen Gerichtsprozesse im Mittelpunkt stehen. Beide Male ist Lateinamerika entscheidend beteiligt. Im Falle von „The Silence of Others“ beherbergt Argentinien das Gericht der „Guten“, das alte Francoverbrechen ahndet. So entriss das Gericht Folter und andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit dem Vergessen.




Schauspielerin und Kabarettistin Kathi Wolf, Hauptdarstellerin "Landrauschen".

Gewinnendes Lächeln. Kathi Wolf, Hauptdarstellerin von „Landrauschen“, Gewinner Max-Ophüls-Preis, auf der Berlinale

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Früher gab es im Programmheft der Berlinale eine Darstellung in Spalten: Die farblich unterschiedenen Sektionen wurden nach Wichtigkeit abgebildet, Wettbewerb, Panorama, … Vorbei. Heute findet man am Ende des Berlinale-Journals alle Filme in ihrer zeitlichen Abfolge. Da kann es dann passieren – wenn man sich an einen Filmtitel nicht mehr erinnern kann – dass man im Programm nur den Hinweis „Preisträgerfilm“ findet. Besonders gegen Ende der Filmfestspiele, wenn die Jurys schwitzen und sich die Ehrungen häufen. So steht auf Seite 140 des Journals unter PROGRAMM für Sonntag, 25.2. 19 Uhr: „Gast der Perspektive Deutsches Kino: Max-Ophüls-Preis 2018“. Sonst steht an dieser Stelle Sektion und Filmtitel. Beispielsweise gleichzeitig im Zoo-Palast: „Panorama Special“, „Profile“. Zur Erläuterung für die Vorführung im Cinemax 3 heißt es weiter: „Gewinner Max-Ophüls-Preis 2018 bei der Perspektive Deutsches Kino 2018”. Erst nach Recherche oder graben im Gedächtnis weiß man: Der Film heißt „Landrauschen“. Dessen Hauptdarstellerin ist Kathi Wolf.

Die Schauspielerin und Kabarettistin Kathi Wolf, Hauptdarstellerin von „Landrauschen“

Die junge Frau Wolf spielt in “Landrauschen” die “schöne Toni”. Das wird ihr nicht schwergefallen sein, ist sie doch bereits eine Schönheit und braucht sich in dem Punkt nicht zu verstellen.
Doch ohne ihre schauspielerische Leistung hätte der Spielfilm in Saarbrücken nicht gewonnen.

Schauspielen tut sie zu gleichen Teilen im Film wie am Theater. Mit der Gewinner-Regisseurin Lisa Miller arbeitete sie in mehreren Kurzfilmen zusammen.
Unter den bespielten Bühnen wäre die ihrer Heimatstadt zu nennen: die Junge Ulmer Bühne. Das Kinder- und Jugendtheater Ulm bringt Klassiker wie “Dantons Tod” und “Nathan der Weise” genau wie den “Grüffelo”, “Die Muschellauscherin” und “Die Reise nach Odnarres”, eine Zirkusreise in fremde Galaxien. Den “Guten Nachbarn” in Ur- und “Retten, was zu retten ist” in deutscher Erstaufführung. Das Tanztheater “Malala”, “Das kleine Gespenst” als Hörspiel und “Ausgebüxt” frei nach Mark Twain. Eine musikalische Abenteuergeschichte.
Kathi Wolf ist auch bei “Die Jurte” dabei.

Zuletzt wären Kathis Strophen zu nennen. Ein wunderbares Wortspiel. Ihr kabarettistisches Kathi-Strophenspiel. Ein eigenes Programm.

Die Jury

Der Max-Ophüls-Preis ist renommiert.
In der Spielfilmjury saßen fünf Mitglieder: Regisseurin Monja Art gewann mit ihrem Debüt “Siebzehn” im vergangenen Jahr. Sie ist also Vorgängerin von Lisa Miller. Cutter Andrew Bird arbeitete an nahezu allen Filmen Fatih Akins mit. Kathi Wolfs Kollegin Susanne Bormann kennt man aus “Rubbeldiekatz” und aus dem Fernsehen.
Produzentin Nicole Gerhards, Gründerin und Chefin von Niko-Film, steht für fast 20 Erfolgsfilme, unter anderem “Das Fremde in Dir” und “Babai”. Regisseur und Grimme-Preisträger Christian Schwochow drehte “Novemberkind”, “Die Unsichtbare” und “Bornholmer Straße”.

Kathi Wolf, Lisa Miller und andere Saarbrücker Gewinner

Das 39. Filmfestival Max-Ophüls-Preis fand mit Besucherrekord vom 22. bis 28. Januar 2018 in Saarbrücken statt. Der Gewinner des Max-Ophüls-Preises 2018 in der Rubrik „Bester Spielfilm“ heißt „Landrauschen“. Der Film von Lisa Miller war am Berlinale-Kinotag 25. Februar zu Gast bei der Sektion Perspektive Deutsches Kino 2018. Aus Tradition wird der Siegerfilm auch auf dem größten deutschen Filmfest gezeigt.

“Bester Mann” bester Film

Der Beste mittellange Film in der Hauptstadt des Saarlands wurde “Bester Mann”; bester Kurzfilm “Sacrilège”. Bester Dokumentarfilm: “Global Family”. Die Trophäe schmücken drei Herzen. Auch die Kurzdarstellung der Website (Reiter) ist ein Herz.

„Landrauschen“ mit Kathi Wolf und Nadine Sauter

Die Berlinale schreibt über den Film: „Nach Jahren des wilden Lebens, Ende 20, zwei Hochschulabschlüsse in der Tasche, aber ohne Geld und eine erfüllende Aufgabe, befindet sich Toni in einer Sinnkrise. Eine Erbschaftsangelegenheit dient als willkommener Anlass, das kosmopolitische Leben hinter sich zu lassen.“ Und „wieder in das Dorf zurückzukehren, dessen Enge sie damals entflohen ist.

Doch der Neuanfang geht gründlich schief. Als Praktikantin im Heimatteil der Lokalzeitung fühlt sie sich weit unter Wert verkauft und zu Hause nehmen ihr die übergriffigen Eltern die Luft zum Atmen. Zum Glück trifft sie auf die lebenslustige Rosa. Mit ihr sieht die alte Heimat auf einmal anders aus. Bei wilden Mopedfahrten und auf nächtlichen Streifzügen fühlt sich Toni wieder lebendig. Doch je mehr sich Rosa zu der schönen Toni hingezogen fühlt, die sich nur um sich selbst zu drehen scheint, desto explosiver wird die Beziehung. Der Film umreißt die Identitätsfindung zweier Frauen in einem Dorf, das sich mit einer immer komplexer werdenden Welt konfrontiert sieht.“

Kathi Wolf ist nicht Kati Wolf

Die junge Ulmer Schauspielerin hat ein “h” mehr als Kati Wolf, das ungarische Model, das singt. Kati W. ist 2011 in Deutschland bekannt geworden durch ihren Auftritt beim Düsseldorfer “Eurovision song contest”, bis vor kurzem als Grand Prix de la Chanson bekannt. Die Ungarin aus dem Jahrgang 1974 landete mit ihrem Lied “What about my dreams” im Finale auf Platz 22. Auf deutsch: “Liebe, warum vergehst Du?” Weiter oben als so mancher deutsche Beitrag, von Nicole und Lena einmal abgesehen.

Mehr über die Junge Ulmer Bühne und ihr reichhaltiges Programm:
https://www.jub-ulm.de/programm/

Das Saarbrücker Filmfestival mit dem preisträchtigen Titel:
http://www.max-ophuels-preis.de/

Der Gewinner des Max-Ophüls-Preises 2016, Regisseur Jonas Rothlaender für „Fado“, wird hier erwähnt:

Blumen aus und für Portugal – Lissabons zunehmende Bedeutung und alle Preise des Filmfestivals IndieLisboa




FIPRESCI_JURY-Mitglieder Henning Koch und Teresa Vena auf der Berlinale 2018 im Sony-Center

FIPRESCI-Preis Forum für „An Elephant Sitting Still“ von Hu Bo. Das Arsenal Berlin zeigt den Berlinale-Film

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Film gewann einen Preis für den Besten Erstlingsfilm am Samstag auf der Berlinale. Bereits am Freitag gewann er den eigentlich wertvollsten Preis, den FIPRESCI-Award in seiner Sektion. Die Abkürzung mit den 7 Buchstaben steht für den internationalen Filmkritikerverband. Der FIPRESCI-Preis wird jeweils für einen Film aus dem Berlinale-Wettbewerb, dem Panorama und dem Forum vergeben. Am Freitag, den 23. Februar 2018 nahm Hu Bos Mutter die Auszeichnung für „An Elephant Sitting Still“ entgegen. Als ihr das Wort erteilt wurde, teilte sie mit, dass ihr Sohn verstorben sei.
„An Elephant Sitting Still“ ist der erste und letzte Film von Hu Bo.

Ein langer Film, ein kurzes Leben

Wie sich herausstellte, hatte der Regisseur Selbstmord begangen. Und zwar drei Tage, nachdem die Dreharbeiten beendet waren.

„An Elephant Sitting Still“ – ähnlich lang wie der Berlinale-Wettbewerbsfilm von Lav Diaz

Im Offiziellen Programm der Berlinale im Wettbewerb lief dieses Jahr ein fast vierstündiger Film. Nur sechs Minuten fehlten.
Lav Diaz‘ Film, in Malaysia und Manila gedreht, ist ein Musicalfilm. Er ist nur halb so lang wie sein anderer Langfilm, der vor zwei Jahren einen großen Bären gewann. Der Titel 2018: „Ang panahon ng halimaw“.
Die Vermutung, dass 8 Stunden Film für einen Bären reichen, 4 Stunden aber nur für einen halben, greift zu kurz. Doch kann man die größten Ehrungen nicht immer an denselben Regisseur geben. Auch dann nicht, wenn er zwei oder drei Jahre braucht, bis er das nächste Filmwerk präsentiert.

Dabei ist der diesjährige Lav Diaz sehr gut; vielleicht noch besser gelungen als das Werk von 2016.
234 Minuten füllt er locker ohne Längen. Die Schauspieler sprechen so gut wie nie, sondern kommunizieren singend.

Hu Bo stellte 230 Minuten her. Aus der chinesischen Herkunft Bos und aus der philippinischen Diaz‘ sollte man nicht den Schluss ziehen, dass stunden-lange Filme ein Privileg Ost- und Südostasiens seien. Mitteleuropäische Regisseurinnen haben bewiesen, dass sie auch Länge können.

„An Elephant Sitting Still“

Der Streifen wird im Original mit englischen Untertiteln gezeigt (OmE).

Arsenal-Kino im Filmhaus, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin-Mitte (früher Tiergarten), Untergeschoss (Fahrstuhl: -2)

Mittwoch, den 28.2.2018, 19 Uhr.

Eintritt: Gäste 8 Euro (während des Forums 12,-), Mitglieder 5,-, Berlin-pass und Kinder 3,-
(Zuschlag für Überlänge ab 150 Minuten: 1,50 €)
Zuschlag für Überlänge ab 210 Minuten: 2 €
Nur Barzahlung möglich(Angaben ohne Gewähr.)


Bereits am Dienstag, den 27.2. läuft (um 19 Uhr)

Premières solitudes“ („Young solitude“) von Claire Simon, OmE, 100 Minuten

und um 21 Uhr

Den‘ Pobedy“ („Victory Day“, „Tag des Sieges“) von Sergei Loznitsa (Sergej Lossniza), OmE, 94 Minuten.

Berlinale: Alte Liebe Im Reich der Perfektion – Die 44 Filme des 48. Forums der Internationalen Filmfestspiele Berlin stehen fest




Das 48. Forum der Berlinale im Kino Arsenal in Berlin.

Forum: „Die Tomorrow“ und „Djamilia“ als Berlinale-Wiederholungen im Arsenal-Kino

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Vom 26. bis 28. Februar – ab heute – werden 6 Filme aus dem Forum der Berlinale wiederholt. Am Montag um 19.30 Uhr “Die Tomorrow“ von Nawapol Thamrongrattanarit. 21 Uhr „Djamilia“ (englisch Jamila, auf deutsch Dschamila) nach dem Roman von Tschingis Aitmatow.

Tschingis Aitmatow, andere Schreibweisen Cingiz Ajtmatov, Dschingis Aitmatow oder Aitmatov) hat ein großes literarisches Werk vorgelegt.

Djamilia ist Jamila ist Dschamilja

Sein wohl berühmtes Werk erschien 1962 auch auf deutsch im Insel-Verlag. Es wurde dann noch berühmter, da Louis Aragon ein Vorwort verfasste, das unter dem Titel „Die schönste Liebesgeschichte der Welt“ bekannt wurde. Dieses Zitat stand bei anderen Ausgaben auch hinten auf dem Buchdeckel.
Aragon war „wertvoll“ genug, um der Aussage Kraft zu verleihen. Zwar kannten ihn viele nicht oder nicht genau, hatten aber immerhin von ihm gehört oder trauten sich nicht, zuzugeben, dass sie ihn nicht kannten. Als Franzose stand Aragon auch nicht im Verdacht, speziell kirgische, sowjetische oder russische Literatur bevorzugen zu wollen. Sein Urteil galt also als neutral.

Djamilia über Dschamilja – Tschingis Aitmatows bekanntestes Buch

Dschamilja erschien auf deutsch sowohl in der DDR als auch in der BRD und in der Schweiz. Es gab verschiedene Ausgaben und viele Auflagen. Der Insel-Verlag brachte 1990 für ältere Leser und Fehlsichtige auch eine Großdruckausgabe heraus. Auch dieses Taschenbuch wurde bereits in den 90er Jahren in mehreren Ausgaben gedruckt.

Verschiedene, um nicht zu sagen unzählige Illustratoren gaben der fiktiven Figur „Dschamilja“ auch ein Gesicht. In der Großdruckausgabe als Insel-Taschenbuch (it) war es Hans G. Schellenberger mit seinen Schwarzweißzeichnungen.

Nicht so gestochen scharf, aber dafür bunter läuft eine kirgisische Frau durchs Bild. Es ist die idealtypische Dschamilia bzw. Dschamilja, deren Verhalten von einigen Frauen diskutiert wird.

Der ganze Film hat das Grobkörnige eines Super-8-Films. Das kommt der Idealisierung der Figur Dschamilja entgegen. Aber auch die interviewten Mittelasiatinnen sind nicht scharf im Bild. Vielleicht sollen sie so auch für viele andere, möglicherweise ähnliche Meinungen stehen.

Während sie schweigend in die Kamera blicken, läuft die Tonspur mit ihrer Meinung über Dschamilja, der Bewertung ihres Verhaltens und der Einordnung ins heute.
Freie Wahl des Ehepartners, Weggehen von Zuhause und die Freiheit einen Beruf auszuüben sind Themen, die in Mittelasien und weiter südlich immer noch aktuell sind. Die Sowjetunion relativierte den Einfluss des Islams auf den Alltag. Michail Gorbatschow veränderte die UdSSR. Zarte Pflanzen sprossen. Die Perestroika bedeutete Umbau, Glasnost Offenheit, Transparenz. Doch letztlich führte der Unabhängigkeitswillen einzelner Völker, vor allem des Baltikums und der Machthunger anderer, die Morgenluft witterten, zum Zerfall des großen Vielvölkerstaates.

Je nach Staat und Regierung konnte die Religion wieder eine stärkere Rolle übernehmen. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft wurde in die Vergangenheit zurückgedreht.

Arsenal-Kino im Filmhaus, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin-Mitte (Tiergarten), Untergeschoss;
Eintritt.
Bhf. und S- + U-Bahnhof Potsdamer Platz, BVG-BUS M41, M48, M85, 200

Montag, den 26.2.2018, 19.30 (Die Tomorrow) und 21 Uhr (Djamilia)




James Bennett Berlinale 2018 Forum Expanded Akademie der Künste

Berlinale geht weiter. Arsenal zeigt ab heute Forumsfilme, darunter den wichtigsten Berlinalefilm: L. Cohen von James Benning

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Vom 26. bis 28. Februar – ab sofort bis Ultimo – werden 6 Filme aus dem Forum der Berlinale wiederholt. Es beginnt am Montag um 18.30 Uhr mit L. Cohen von James Benning, dem aus meiner Sicht wichtigsten Berlinale-Film. Es ist dem Forum Expanded zugeordnet und bis 21 Uhr auch als Station 8 im ersten Stock der Akademie der Künste Hanseatenweg zu sehen. Dort läuft er in einer Schleife, was sie Sichtbarkeit erschwert. Am besten gucken, wann der Abspann kommt und solange sich einen Überblick über die anderen Stationen verschaffen. Dann hinsetzen und Kopfhörer aufsetzen, um die Flugzeuge, Vögel und Grashüpfer nicht zu verpassen. Sie sind wichtig, wenn das Unglaubliche passiert.

Arsenal-Kino im Filmhaus, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin-Mitte (früher Tiergarten), Untergeschoss
Eintritt. Dauer des Films: 45 Minuten.

Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten
S-Bhf. Bellevue, U-Bahnhof Hansaplatz BVG. BUS 100,106

Eintritt frei
Bis 26.2.2018, jeweils 11 bis 21 Uhr

Die Berlinale begann bei Savvy im Wedding. Antonia Alampi präsentiert Jasmina Metwaly im Forum Expanded




Cristobal Leon und Joaquin Cocina.

Wieder ein Duo! LA CASA LOBO – A FILM BY LEÓN & COCÍNA von Cristóbal León und Joaquín Cocina gewinnt den Caligari-Preis für einen Film aus dem Berlinale-Forum

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Kürzel LOL hat Konkurrenz bekommen: LCL (LA CASA LOBO). Die Initialen des Siegerfilms im Forum der 68. Berlinale. Der mit 4000 Euro dotierte Preis wurde erstmals in einem neuen Format in der Akademie der Künste Hanseatenweg vergeben. Eine sehr gute Entscheidung für eine sehr sinnvolle Veranstaltungsaufteilung – Preisverleihung, Filmvorführung, Publikumsgespräch. Darum ein Lob an den Veranstalter, der unter anderem durch Fabian Schauren vertreten wurde, Geschäftsführer des Bundesverbands kommunale Filmarbeit.

Chile ist im Kommen

Chilenische Kunst (Natalia Urnia), chilenische Lebensmittel (South Embassy) und großartige Filme wie der bei einer vorjährigen Berlinale gezeigte Dokumentarfilm mit Animationseinlagen „El Buton de Nacar“ weisen immer wieder auf das erstaunliche lange Land im Süden Südamerikas hin.

Wohl das einzige Land der Welt, wo die Kinder in Fibel und Schulatlas nie eine Karte des Landes sehen. Was ihnen gezeigt wird, ist digital – im Sinne von zerstückelt. Meist wird die geographische Darstellung des langen Lulatschs in drei Teile zerschnitten und das Zusammenfügen dieser erfolgt im Kopf – oder gar nicht.

Der große Regisseur von „El Buton de Nacar“ (Perlmuttknopf) gab zu, dass er im Laufe der Filmarbeiten zum ersten Mal eine Karte des Landes aus einem Stück gesehen hatte.
Sie wurde aus Leder gefertigt, galt manchen eher als Kunstwerk und in einer Art Fabrikhalle ausgebreitet.

LA CASA LOBO aus dem Land, wo man, natürlich begrenzt, unbegrenzte Phantasie entwickelt

Chiles Grenzen sind wenig umstritten. Mit der Ausnahme von Feuerland, wo mit Argentinien inzwischen beigelegte Differenzen bestanden, gibt es aus geographischen Gründen kaum Grund, sich nicht grün zu sein mit den Nachbarn, deren Zahl sich obendrein in Grenzen hält.

Deutschland mit seiner flacheren Topographie dagegen hatte mit Preußen (heute als Ostpreußen bekannt), dem Elsass und Baden, Holstein, Schleswig und Lauenburg sowie Schlesien durch die Jahrhunderte immer wieder ein Hin und Her der Grenzziehung mit Sachsen, Österreich, Dänemark und anderen.

Chile hat im Westen den größten Ozean der Welt, im Osten das höchste Gebirge Südamerikas. Im Süden ist der Südpol, im Norden gen Peru Wüste. In dieser „Abgeschiedenheit“ gab es nichtsdestotrotz Demokratie und Diktatur (Pinochet) und alles andere. Wichtig wird Chile noch wegen des Kupfers werden, das wusste schon Ayn Rand in „Atlas shrugged“ 1957.

Pinochet und seine Strafverfolgung ist eines der Themen beim Gewinner des Panorama-Publikumspreises „The Silence of others“. Schon aus diesem Grund sollte man den Film sehen. Er behandelt auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit und deren juristische Sühne. Unter anderem durch ein Gericht in Argentinien gegen Verfolgte der Regimes Franco in Spanien, Pinochet in Chile und anderswo.

LA CASA LOBO – wieder ein preisgekrönter Stop-Motion-Film

LA CASA LOBO ist ein Stop-Motion-Film, der als Artist-in-Residence-Projekt über fünf Jahre unter anderem in verschiedenen Galerien der Welt hergestellt wurde. Ein Stop-Motion-Film ist im weiteren Sinne ein Animationsfilm. So einer wie „Isle of Dogs“ von Wes Anderson, der dieses Jahr den Wettbewerb der 68. Berlinale eröffnete. Und am Samstag einen Silbernen Bären gewann (Beste Regie).

Herzlichen Glückwunsch an die Mannschaft von La Casa Lobo für den Caligari-Preis!

Zum Caligari-Preis:

Meer ohne Wüstenschiffe. „El Mar La Mar“ von Joshua Bonnetta und J.P.Sniadecki gewinnt den Caligari-Preis für einen Film aus dem Berlinale-Forum

Zur Chilenin Natalia Urnía:

Mainstream umgarnt. Lateinamerika in der Linienstraße 130: Erste Ausstellung „Raue Strömung“ mit Natalia Urnía




Berlinale-Palast in Berlin.

Berlinale: Goldener Bär für „Touch me not“ von Adina Pintilie – Internationale Jury vergibt Preise der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Internationale Jury der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin vergab am Abend im Berlinale-Palast am Marlene-Dietrich-Platz die Preise. Ein Goldener Bär und über eine Hand voll Silberne Bären wurden wie folgt vergeben:

Adina Pintilie bekommt für den rumänischen Wettbewerbsfilm der Berlinale mit dem Titel „Touch me not“ den Goldenen Bären.

Der Silberne Bär Großer Preis der Jury mit Tom Tykwer als Jury-Präsident und Cécile de France, Chema Prado, Adele Romanski, Ryūichi Sakamoto und Stephanie Zacharek als Jury-Mitglieder, geht an Małgorzata Szumowska für den Film „Twarz“ („Mug“).

Marcelo Martinessi erhält den sogenannte Alfred-Bauer-Preis und also einen Silbernen Bären für den Film „Die Erbinnen“ („Las herederas“).

Anthony Bajon bekommt als Bester Schauspieler in dem Streifen „Das Gebet“ von Cédric Kahn einen Silbernen Bären.

Der Silberne Bär für die Beste Regie geht an Wes Anderson für seinen Film „Isle of Dogs“.

Der Silberne Bär für das Bestes Drehbuch geht an Alonso Ruizpalacios und Manuel Alcalá für „Museo“.

Für eine Herausragende Künstlerische Leistung wird auch ein Silberner Bär vergeben. Dieses Mal ging er an Elena Okopnaya für Kostüm und Production Design in dem Film „Dovlatov“ von Alexey German Jr.




Viviana García Besne

Berlinale: Filmretterin Viviana García Besne mit Santo contra Cerebro del Mal im Forum, einem Wrestler-Film, der das alte Kuba zeigt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Viviana García Besne ist eine lebendige Frau, sprüht vor Energie und Lebensfreude. Sie hat so viel davon, dass sie noch abgeben kann. Einen Teil davon verwendet sie für die Rettung von alten Filmen. In ihrer Familie gibt es in mehreren Generationen Filmemacher. Als sie das Erbe dieser bewahren wollte und Archive durchsah, bildete sich langsam die Idee und Notwendigkeit heraus, einen Aufbewahrungsort für diese alte, beliebte Filmkunst zu finden. Besne gründete das Permanencia Voluntaria Archiv. Es ist also in Privatinitiative entstanden und erhält keine direkte staatliche Unterstützung. Santo contra Cerebro del Mal („Santo vs Evil Brain“) ist einer dieser alten Filme, eine mexikanisch-kubanische Koproduktion aus dem Jahre 1959. Unter anderem aufgrund seiner Eindruck machenden Außenaufnahmen des vorrevolutionären Kubas hat der Film großen historischen Wert.

Erst gerettet, Erdbeben, dann wieder in Gefahr

Im September 2017 wurde das oben genannte Archiv, das unter anderem viele Kopien der beliebten Lucha-Filme (Wrestlerfilme) beherbergte, bei den schweren Erdbeben in Mexiko stark beschädigt. In Zusammenarbeit mit dem Academy Film Archive entstand nun eine restaurierte Fassung von Santo contra Cerebro del Mal, mit der ein wichtiges Stück mexikanischer Populärkultur seinen Weg zurück ins Kino findet.

Santo contra Cerebro del Mal: Hintergrund und Handlung

Rodolfo Guzmán Huerta alias El Santo war einer der bekanntesten Luchadores (Wrestler) Mexikos und trug maßgeblich zum Hype um den Sport bei. In seiner über 40 Jahre währenden Karriere als Wrestlingstar und Schauspieler trat er stets mit seiner ikonischen silbernen Maske auf und wurde schließlich sogar mit ihr begraben.

Noch heute ist Santo, auch dank einer Reihe von Superheldencomics, eine Legende. Außerhalb des Rings bekämpfte er dort und in Filmen Zombies, Vampirinnen, wahnsinnige Wissenschaftler und Monster.

In seinem ersten Film Cerebro del Mal noch einfach als El Enmascarado – der Maskierte – bezeichnet, wird er von einem Professor und seiner Gang durch ein Serum gefügig gemacht und kämpft unfreiwillig als Handlanger der Bösen, die die Welt übernehmen wollen.

Schwarz-Weiß ist das neue Finger-hoch – Santo contra Cerebro del Mal ein Beispiel

Bei der Berlinale hat sich das alte neue Schwarz-Weiß vielerorts durchgesetzt. Im Wettbewerb zeigt das grandiose Musical „Ang panahon ng halimaw“ von Lav Diaz nur Schwarz, Weiß und Graustufen. Die Retrospektive strotzt nur so von Monochromen und im Forum gibt es Santo contra Cerebro del Mal.
73 Minuten Schwarz-Weiß von Regisseurin Joselito Rodríguez. Gedreht 1959 unter zwei Flaggen, Mexikos und Kubas. Sprache: spanisch.
Präsentiert wird der Film im Berlinale-Forum von Viviana García Besne, die unglaubliche Geschichten und Anekdoten erzählen kann. Was ihre Familienmitglieder taten, wenn ihnen das Geld zum Filmedrehen fehlte und wie sie die fertigen Filmrollen aus Kuba herausschmuggelten.

Besetzung:
El Enmascarado (Der Maskierte) (Santo)
Joaquín Cordero (Dr. Campos)
Norma Suárez (Elisa)
Enrique J. Zambrano (Lt. Zambrano)
Alberto Inzúa(Gerardo)
Fernando Osés(El Incognito / Polizeibeamter)
Enrique Almirante
René Socarrás
Mario Texas

Im Tiergarten, im Tiergarten ist Kunstauktion. Versteigerung zugunsten der Erdbebenopfer in Mexiko-Stadt mit Werken von Bianca Monroy, Vanessa Enriquez, Rosaana Velasco u. a.