Neu und am ersten Tag gleich ausverkauft! Das erste mexikanische Filmfestival in Deutschland heißt Mexico Scope

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 12. Oktober geboren: das erste deutsche Mexiko-Filmfest. Mit einem sanft abgefederten Paukenschlag wurde es eröffnet: Mit der Deutschlandpremiere von „Me estás matando Susana“, soviel wie „Du nervst echt, Susanna!“ mit Gael García Bernal, Verónica Echegui und Ashley Hinshaw. Der große Saal des Kinos Babylon-Mitte, in dem Hans Poelzigs Zwanziger-Jahre-Architektur besonders gut zur Geltung kommt, ausverkauft! Über ein halbes Tausend Besucher gleich am ersten Tag der 1. Festival-Ausgabe (1st edition) – beeindruckend. Die Veranstalter haben Erfahrung durch das kolumbianische Filmfest „Panorama“. Mitorganisator Fernando Huerta hat es schon dreimal mit großem Erfolg durchgeführt. Es hätte wohl sogar pünktlich beginnen, wenn sich nicht kurz vor zwanzig Uhr lange Schlangen vor den Kassen gebildet hätten, die bis auf den Rosa-Luxemburg-Platz hinausreichten – auf dem der laue Herbstabend zum Glück so warm war wie die Begrüßung durch die Gastgeber und Susana Garduno, Kulturattaché an der Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten in der Bundesrepublik Deutschland. Ein tolles Team verbreitete eine sehr angenehme Atmosphäre, in der Geschäftigkeit kaum zu spüren war und alles wie am Schnürchen lief. Genannt seien Carolina Padilla (Press and Operations), Jóse Luis Urriago Novoa (Program and Content) und Vanessa Meyer (Marketing & Communications).

Eine Mannschaft mit Erfahrung

Jóse Luis Urriago Novoa und Fernando Huerta zeichneten für das Kolumbien-Filmfest „Panorama“ verantwortlich, die freundliche und äußerst kompetente Vanessa Meyer bringt ihre reichen Erfahrungen vom Fashion-Film-Festival ein. Auch ihre Dreisprachigkeit brachte sie auf die Bühne.

„Brauchen Sie eine englische Übersetzung?“

Etwas erschreckend für den deutschsprachigen Besucher: Sogar das Englische gibt es nur auf Anfrage, außer natürlich bei der Untertitelung der Filme. Bei der ausverkauften Eröffnungsveranstaltung hatten zum Glück einige Zuschauer den Mut, zuzugeben, dass SPANISCH ALLEIN als Kommunikationssprache in der deutschen Hauptstadt wohl nicht für jeden ausreicht.
Also wurde englisch gedolmetscht und spanisch gesprochen. Bilingualität, wohin man schaut.

Bis zum 15. Oktober gibt es ein volles Programm, am Sonntag in Kino 2 und 3 des Babylons mit der Tür zur Hirtenstraße. Karten am Haupteingang.

Das Programm des letzten Tages:

im großen Saal (Saal 1):
18.15 Uhr:

„Sopladora de Hojas“ (Leaf Blower, der Blätterpuster), eine Komödie, die nicht nur fast jeden zum Lachen brachte, sondern auch starke emotionale Reaktionen des Publikums bescherte, von „Oh, nein“ über „Oohhh!“ bis zum Applaus. 3 Jugendliche beschäftigen sich in Mexiko-Stadt auf einer kleinen Grünfläche um die Ecke nicht mit dem Laubharken, sondern mit der Sehnsucht nach einer Freundin und der Ehrlichkeit. Brüllend komisch. Papier, Stein, Schere mit neuen Regeln?

20.15 Uhr, der „Closing Film“ oder Abschlussfilm „Tempestad“. Tatiana Huezos 105minütiges Meisterwerk von 2016 erhielt beim Caligari-Preis der Berlinale vor einem Jahr eine lobende Erwähnung. Ein Film aus dem Forum der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

22.15 Atras hay Relampagos (Lightning falls behind)

Saal 2:
18 Uhr

Te prometo Anarquía (I Promise you Anarchy)
Skater haben Spaß. Als Lebensunterhalt verkaufen sie im Krankenhaus ihr Blut. Vom Filmfestival in Locarno in der Schweiz eingeflogen.
Intensiv. Erschütternd. Aber gut.
Regie: Julio Hernández Cordón

Mexiko, Bundesrepublik Deutschland, 2015

Saal 3:
19.45 Uhr

El Charro de Toloquilla (The Charro de Toloquilla) von
José Villalobos Romero
90 Minuten (OmeU)

Das Leben des Mariachi-Sängers Jaime García Domínguez‘.




Restaurant Hellas im Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Nothing new. Und doch … Alles neu beim griechischen Filmfestival Hellas-Filmbox im Januar 2018 in Berlin-Friedrichshain (Urban Spree)!

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es wurde aus dem Stand zur größten griechischen Kulturveranstaltung außerhalb Griechenlands: Das Filmfest „Hellas Filmbox Berlin“. Sie, die Box, zeigte innerhalb eines Jahres mehr als 130 griechische Filme, über 60 davon mit eigens für die Festival-Vorführungen angefertigten deutschen Untertiteln (!!) Es wurde also nicht nur Kultur gezeigt, sondern auch Kultur produziert. Seit Babylon uns durch Sprachen trennt, ist das Übersetzen gar nicht genug zu schätzen.
Die Hellas-Filmbox brachte innerhalb von 12 Monaten mehr als 200 griechische und deutsche Kreative, vor allem Filmschaffende, zusammen und ermöglichte einem – vorwiegend deutschen – Live-Publikum von mehr als 10.000 Menschen neue Einblicke.

Das Fest wurde in dieser Zeit in einem halben Tausend Presseberichten in deutschen und griechischen Medien thematisiert, darunter die ARD, das ZDF, 3Sat, Bild und Stern. (Ca. 1% davon auf Kulturexpresso)

Ein weiterer Rückblick auf die Leistungen dieses, man muss einfach sagen, tollen Filmfestivals, unten. Es ist das wärmste Filmfest, das ich je erlebt habe.

Zweimal fand es statt, beim 3. Mal wird es dreifach umgekrempelt, personell und inhaltlich am neuen Ort.

Neu verortet

1. Neuer Ort: im „Urban Spree“ auf dem RAW-Gelände Berlin-Friedrichshain, Revaler Straße 99, 10245 Berlin, (Nähe U- + S-Bahnhof Warschauer Straße, U1, S3, S5, S7).
Ein 1.700 Quadratmeter Raum für Kunst auf einem 70.000 Quadratmeter großen Gelände, dass dem Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Platz bot, Züge zu reparieren, im Deutschen Reich und in der DDR.
Die Urban-Spree-Galerie ist 400 Quadratmeter groß.

Schachtel ausgepackt

Was bietet die „ausgepackte“ Hellas-Filmbox? „Filme, Konzerte, Ausstellungen, Workshops, Diskussionen“ – das gab‘s auch 2017 schon – doch über die Stadt verstreut.
Marktplatz, Laden und Leckereienpfad
Dazu kommen ein griechischer Markt (Greek Market), ein Café-Shop, ein Lebensmittel- und Spezialitätenpfad (-Track) in der griechischen Ecke (Greek Corner).

Ein Fest für alle 5 Sinne, nicht nur den Hörsinn (Konzerte) und für die Augen (Ausstellungen und Filme). Das passt zusammen – all das für 5 Tage an einem „angesagten“ Berliner Ort.

Die Dynamik, die aus der Schaffenskraft der Künstler, der Kraft der vielen ehrenamtlichen Helfer und der Herzenswärme entstand, war rührend. Jeder wollte und konnte irgendetwas beitragen, es gab hervorragende Musiker, Theaterschauspieler, das Kleid der Moderatorin war extra für das Fest entworfen worden, und und und …

Vicky Leandros sang persönlich.

Besser geht es nicht.

Aber könnte man nicht versuchen, es noch besser zu machen? Lernen ist wie Schwimmen gegen den Strom. Wer gut und erfolgreich ist, darf nicht einfach stehenbleiben.

Vielleicht ist es eine gute Idee, an EINEM Ort zusammenzukommen und zu feiern, statt Filme in einem Kino zu zeigen, nebenan Theater zu spielen und die Ausstellung in Friedrichshain zu verorten, wie es 2017 war.

Panta re, alles fließt: aus welcher Sprache stammt das noch?

Verbesserungen sind immer möglich, und so sehr die Architektur von Hans Poelzig aus den Jahren 1928/29 betört, gibt es eben im Babylon-Mitte im Winter auch Nachteile. Der Weg zwischen Kino 1 und Kino 2-3 muss unter freiem Himmel zurückgelegt werden, wo ist die Garderobe? Die Hellas-Filmbox hätte wohl auf die Dauer dort den Rahmen gesprengt, schon 2017 gab es nicht Platz genug für alle Projekte.

Vielleicht ist der ideale Ort für eine solche Riesenveranstaltung wie die Hellas-Filmbox – oder die neue Hellas-Filmbox – noch nicht gebaut, vielleicht sollte man griechischen und deutschen Architekten eine Brache zur Verfügung stellen und Geld dafür sammeln, dort den ultimativen Hellas Film-Campus zu errichten, mit Konzertsaal, griechischer Galerie und Gastronomie?

Dynamik und Spaß

Doch ist die Dynamik nicht zu unterschätzen. Wo Talent und Spaß aufeinandertreffen, Geld nicht für alles die Voraussetzung ist, entsteht soviel neues und soviele neue Ideen, dass auch ein solcher Campus ständig umgebaut werden müsste.

Das ICC, ein ideales Congresscentrum am Funkturm, müsste mal schnell überholt werden um wieder zu erstrahlen und weiter Preise zu gewinnen.

Der ideale Flughafen der kürzesten Wege, im Sechseck-Look der Bienenwabe als Symbol für Emsigkeit und eine Abkehr von spannungsgeladenen Viereck, der Berliner Flughafen Tegel (TXL), musste auch erweitert werden. Wenn der BER endlich fertig sein würde und Tegel weiterbetrieben, könnte man die Anbauten wieder zurückbauen und die ursprüngliche Schönheit noch besser erkennen als heute.

Die Hellas-Filmbox ist so ein Magnet, ein Durchlauferhitzer für geistige Beweglichkeit, inter- und binationalen kulturellen, sprachlichen, menschlichen, freundschaftlichen Austausch, dass jegliche Architektur, die zu statisch wäre, auf die Dauer nicht mehr passen würde wie ein Maßanzug.
Man darf gespannt sein, wenn man von einem Veranstaltungsort zum anderen, auch auf der Berlinale ein leidiges Thema, nicht mehr mit dem Taxi fahren muss, was das bewirkt. Meines Erachtens kann es viel Positives bringen und einen Messe-Effekt haben, Stichwort Synergien.

Personalien – neu und bekannt

2. Die neuen Festivaldirektoren werden Ioanna Kriona und Dimitris Argyriou sein, der dieses Jahr die „New Vision“ betreute und selbst einen Kurzfilm beitrug.

O-Ton Hellas-Filmbox: „Beide Filmemacher stehen für einen länderübergreifenden, spannenden, emotionalen und publikumsaffinen Kulturdiskurs mit großartigen Künstlern, Querdenkern, innovativen Filmemachern und begnadeten Individualisten.“

Kein Boxenstop, sondern Talk in der Box

3. Neuer Charakter: Im Zentrum des Festivals stehen die „Box Talks“ – eine Kombination aus Workshop, Unterhaltung und Künstlerporträt. Geplant sind drei solche „Box Talks“ an drei Tagen, bei denen immer ein deutscher und ein griechischer Filmemacher bzw. Künstler im Mittelpunkt ist. Jeder der Eingeladenen stellt in einem – von einem Moderator geführten – Gespräch sein Werk schlaglichtartig vor, diskutiert darüber und nimmt an der kontroversen Debatte über diverse Themen teil. Folgendes ist möglich und erwünscht: Filmausschnitte, Trailer, „Blinks“, Thesen, Antithesen, Live-Performances, Dialog, Pamphlete, Manifeste, Konzepte, Happenings.

Es wird wieder einen Wettbewerb in der Rubrik „New Vision“ geben sowie zwei Film-Retrospektiven.

Rückschau

In den Worten der Festivalmacher (besser kann es kaum ausdrücken):

Die „Hellas-Filmbox Berlin war von Anfang an nicht nur ein Filmfestival, das Griechenland im Fokus hatte. Es war vor allem ein Statement für das kreative Griechenland. Ein Statement für eine sich wieder neu zu definierende Beziehung zwischen Deutschland und Griechenland in einem auseinanderbrechenden Europa.“

Die „Hellas-Filmbox Berlin hat den deutsch-griechischen Dialog in einer für beide Länder politisch und zwischenmenschlich schwierigen Zeit in Gang gehalten. Das ist während der beiden ersten Filmfestival-Editionen im Januar 2016 und Januar 2017 sowie während der Roadshow durch Deutschland außerordentlich gut gelungen.“

Wir brauchen weltweite Erwärmung!

„Ein alternativ-spektakuläres Festival mit vielen Überraschungen und Highlights; ein aufregendes Ereignis mitten im lauen deutschen Winter“ versprechen die Veranstalter; aufregend und warmherzig wird es bestimmt wieder, ob der Winter in Berlin wieder so lau wird, wissen wir noch nicht. Al Gore und seine „Eine unbequeme Wahrheit“ besagt, dass wir über das Wetter gar nichts wissen und Vergangenheit nicht einfach in die Zukunft überführen können. Sollte es globale Erwärmung tatsächlich geben, führte sie nicht überall zu höheren Temperaturen. Der Golfstrom aus dem Golf von Mexiko begünstigt ganz Westeuropa, vor allem die britischen Inseln, aber auch die Nordseeanrainer wie die Bundesrepublik und Norwegen. Eine Schreckensvision wäre die Abschaltung dieses Wärmestroms.

Umso so dringender benötigen wir in Mitteleuropa und anderswo die griechische Sonne und Herzenswärme.

„Hellas-Filmbox Berlin Unboxed“
Was? Das Filmfest Hellas-Filmbox Berlin – zum 3. Mal
Wann? 24.-28.1.2018
Wo? Urban Spree




Western Casting Happy Luft – Festival des deutschen Films zog mit neuem Open-Air-Kino und vielen Gästen eine Großstadt nach Ludwigshafen am Rhein

Berlin/ Ludwigshafen am Rhein, Deutschland (Kulturexpresso). Das 13. Festival des deutschen Films zeigte vom 30. August bis zum 17. September 2017 insgesamt 242 Vorstellungen. Es gab 96 Filmgespräche. Bis zu 8.000 Besucher am Tag kamen in die idyllische Zeltstadt auf der Parkinsel am Rhein, bis Sonntag abend sind es insgesamt etwa 102.000 Besucher geworden, so viele wie in einer kleinen Großstadt wohnen.
Festivaldirektor Dr. Michael Kötz fasst zusammen: „Ein Fest für das deutsche Kino – über 60 neue Filmwerke haben wir präsentiert, 44 Regisseurinnen und Regisseuren waren zu Gast, 88 Produzenten und andere Branchenvertreter und 61 Schauspielerinnen und Schauspieler stellten sich mit ihren Werken dem kritischen Blick und den Fragen des Publikums. Das Festival macht großen Spaß!“

Höhepunkte

Highlights des Festivals waren die Preisverleihungen für Schauspielkunst an Martina Gedeck („Die Wand“, „Gleißendes Glück“) und Matthias Brandt, die nicht nur eine Ehrung für die Leistungen der beiden Ausnahmeschauspieler waren, sondern im Publikumsgespräch auch höchst interessante Einblicke in den Schauspielberuf gaben.

Matthias Brandt hat einen Allerwelts-Vor und -nachnamen, doch auf die Kombination kommt es an. Der jüngste Sohn von Rut und Willy Brandt, der bald – wieder zusammen mit der DDR – Geburtstag haben wird, ist kulturbeflissen wie seine Geschwister. Bruder Peter ist Historiker und Lars Schriftsteller und Filmemacher – in derselben Branche. Drei voll korrekte Jungs.

Doch auch Matthias Brandt verfasste bereits ein Buch, 2016 erschien die autobiographische „Raumpatrouille“, womit wir wieder bei Kino und Fernsehen angelangt wären. Brandt ist bekannt aus dem Tatort („Der tote Chinese“ u.a.) und Polizeiruf 110, aber kein „Mann von gestern“ (2007). Er ist „In den besten Jahren“ (2011, Regie: Hartmut Schoen) und erhielt Ruhm (2012, Regie Isabel Kleefeld) und Glück (2012, Doris Dörrie). 2013 drehte Torsten Fischer „Vier sind einer zuviel“ – eine Eselsbrücke für die Geschwisterzahl? Programmatisch auch „Männertreu“? (2014, Regie: Hermine Huntgeburth) Trotz aller Leistungen: Steht man noch „Vor der Morgenröte“? (2016, Maria Schrader)

Frei von Angst

Weitere Höhepunkte des Festivals das deutscher wohl nicht sein könnte als an Vater Rhein: Die Weltpremiere der Dokumentation „Silly – Frei von Angst“ (Kinostart: 16. November im Arsenal-Filmverleih). Die Kultband um Frontfrau Anna Loos und die Musiker Ritchie Barton, Uwe Hassbecker und Jäcki Reznicek gab dem Festivalpublikum „unplugged“ ein kleines Konzert.

Luft im Open Air

Auf große Publikumsresonanz stieß das neue Open-Air-Kino. Selbst bei Regen harrten die Kinobesucher aus und wollten den jeweiligen Film bis zum Schluss sehen. Die Kopfhörer garantierten zudem, dass die übrigen Gäste auf der Parkinsel am Rhein nicht von dem Filmsound der Vorführung gestört wurden.

Reif für die Insel

Die traditionellen „Inselgespräche“ zum Thema „Fernsehen“ und „Kino“ stießen bei den angereisten Medienvertretern auf gute Resonanz. Gerade der Bestandteil während des Festivals, wenn jenseits der sonst üblichen Branchentrubels Vertreter aus Produktion, Vertrieb, Redaktion, Förderung und Politik die unterschiedlichen Themen fachübergreifend diskutieren, ist einzigartig in Deutschland.

Kinder und Nager

Das „Kinderfilmfest“ mit dem „Nils-Nager-Preis“ ist Jahr für Jahr ein Magnet, denn „die Zukunft für das Kino wird damit entschieden, ob wir es schaffen, junge und ganz junge Menschen für das Kino zu begeistern, ihnen das einzigartige Erlebnis vermitteln, in einem abgeschlossenen Raum mit vielen anderen unbekannten Menschen in eine fremde Welt auf der Leinwand einzutauchen“, meint Dr. Michael Kötz.

Alle vergebenen Preise im Überblick

Filmkunstpreis 2017

An „Western“ von Regisseurin Valeska Grisebach
und ex aequo an
Casting“ von Regisseur Nicolas Wackerbarth

Lobende Erwähnungen

– „Happy“, Dokumentarfilm von Carolin Genreith
– „Luft“ von Regisseur Anatol Schuster

Der Publikumspreis 2017 ging
an Martin Enlen für „Ich war eine glückliche Frau

Preis für Schauspielkunst 2017*
Martina Gedeck
Matthias Brandt

Medienkulturpreis 2017
Lucia Keuter / WDR

Drehbuchpreis 2017
Markus Busch

Der „Goldene Nils“ 2017
– „Amelie rennt“, Regisseur: Tobias Wiemann

*Frühere Preisträger für Schauspielkunst waren unter anderem Katja Riemann, Nina Hoss, Hannelore Elsner, Sandra Hüller, Bruno Ganz, Anna Loos, Jan Josef Liefers, Corinna Harfouch, Mario Adorf und Ulrich Tukur.

In Sven Taddickens Romanverfilmung „Gleißendes Glück“ (Kinostart 20. Oktober 2016) zum Beispiel waren die beiden Hauptdarsteller Martina Gedeck, die diesjähriger Preisträgerin, und Ulrich Tukur.




The Shape Of Water

„The Shape of Water“ des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro gewinnt den Goldenen Löwen der 74. Internationalen Filmfestspiele in Venedig

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die 74. Internationalen Filmfestspiele in Venedig fanden vom 30. August bis 9. September 2017 statt. Am Lido bot 21 Filmemacher ihre Beiträge im Wettwewerb des ältesten der drei großen A-Festivals in Berlin, Cannes und Venedig.

Am heutigen Samstag gab die Jury bekannt, dass der Film „The Shape of Water“ des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro den Goldenen Löwen der Filmfestspiele Venedig gewonnen habe.

Die Jury unter dem Vorsitz von Annette Bening und mit Ildikó Enyedi, Michel Franco, Rebecca Hall, Anna Mouglalis, David Stratton, Jasmine Trinca, Edgar Wright und Yonfan, die alle Filme im Wettbewerb gesehen haben, entschied sich wie folgt:

GOLDEN LION für den besen Film:
THE SHAPE OF WATER
von Guillermo del Toro (USA)

SILVER LION – Großer Preis der Jury für:
FOXTROT
von Samuel Maoz (Israel, Deutschland, Frankreich, Schweiz)

SILVER LION – Preis für den besten Regisseur:
Xavier Legrand
für den Film JUSQU’À LA GARDE (Frankreich)

COPPA VOLPI
für die beste Schauspielerin:
Charlotte Rampling
für den Film HANNAH von Andrea Pallaoro (Italien, Belgiem, Frankreich)

COPPA VOLPI
für den besten Schauspieler:
Kamel El Basha
in dem Film THE INSULT von Ziad Doueiri (Libanon, Frankreich)

AWARD FOR BEST SCREENPLAY to:
Martin McDonagh
für den Film THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI von Martin McDonagh (Großbritannien)

SPECIAL JURY PRIZE to:
SWEET COUNTRY
von Warwick Thornton (Australien)

MARCELLO MASTROIANNI AWARD
für den besten jungen Schauspieler oder die beste junge Schauspielerin:
Charlie Plummer
in dem Film LEAN ON PETE von Andrew Haigh (Großbritannien)




Mein Herz Leyla oder: 15.000 Bäume. Der Film „DIL LEYLA“ der Berlinerin Asli Özarslan schließt feierlich das 7. Kurdische Filmfestival ab

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Sommeranfang, also am 21. Juni, wird der Abschlussfilm der Ludwigsburger Filmakademie von Regisseurin Aslı Özarslan als Abschlussfilm des 7. Kurdischen Filmfestivals um 20 Uhr im Babylon-Mitte am Rosa-Luxemburg-Platz gezeigt. Inhalt: Leyla, eine kurdischstämmige Frau aus Deutschland, wird mit 26 Jahren die jüngste Bürgermeisterin der Türkei. Mit einem erdrutschartigen Rekordsieg („land slide victory“) gewinnt sie die Wahlen in der Stadt Cizre mit 81%. Eine Krisenregion und Kurdenhochburg an der syrisch-irakischen Grenze.

Parks und Bäume

Hier ist Leyla geboren. Als sie fünf Jahre alt ist, wird ihr Vater bei einem Gefecht mit dem türkischen Militär getötet. Sie fliehen. Nach über 20 Jahren kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück. Ihr Ziel – die vom Bürgerkrieg zerstörte Stadt zu verschönern. Der hundert Jahre alte Basar soll renoviert werden. 5 Parks sollen einer nach dem anderen angelegt werden. 15.000 Bäume werden gepflanzt.

Doch dann entwickelt sich alles ganz anders. Die Parlamentswahlen in der Türkei stehen an und die Situation vor Ort spitzt sich immer mehr zu. Die Erinnerungen aus ihrer Kindheit holen sie ein und ihr Leben verändert sich radikal.

Schutt und Asche

Die Regisseurin begleitet Leyla aus Deutschland in die Türkei, ihren Wahlkampf, ihre Arbeit als Bürgermeisterin bis zu ihrer Verhaftung und der „brutalen Zerstörung von Cizre durch die türkische Armee“. Kamerafrau Carina Neubohn und der Regisseurin Aslı Özarslan gelingen eindrucksvolle Bilder in der Phase der Hoffnung auf Frieden und Demokratie sowie ergreifende Szenen, als diese Hoffnung in Schutt und Asche gelegt wird. „DIL LEYLA“ ist Asli Özarslans Diplomfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg.

Produktionsdaten

„DIL LEYLA“ ist eine Produktion von Essence-Film in Koproduktion mit dem SWR, Filmakademie Baden-Württemberg, gefördert von MFG Filmförderung Baden-Württemberg. Buch & Regie: Aslı Özarslan / Produzent: Igor Dovgal / Redaktion SWR: Dr. Gudrun Hanke-El Ghomri / Producer: Sabrina Proske / Kamera: Carina Neubohn / 2. Kamera: Aslı Özarslan / Schnitt: Ana Branea / Ton: Jonathan Schorr, Aljoscha Haupt, Tom Schön, Nami Strack / Sounddesign: Jonathan Schorr.

Die Weltpremiere von DIL LEYLA war im November 2016 auf dem International Documentary Film Festival Amsterdam. Der Film war nominiert in der Kategorie „Best Female Directed Film“. Deutschlandpremiere feierte er im Rahmen des Filmfests Max-Ophüls-Preis 2017 und er lief seitdem auf zahlreichen nationalen wie internationalen Festivals.

Einzelheiten zum Begleit- und Festivalprogramm im Programmheft des 7. KFF oder unter:
www.kurdisches-filmfestival.de




Der Rekordhalter. Hussein Hassan, Schauspieler und Regisseur, ist an vier Filmen des 7. Kurdischen Filmfestivals beteiligt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 28 Filme werden auf dem 7. Kurdischen Filmfest im Babylon gezeigt, vier davon unter Mitarbeit von Hussein Hassan. Schon im Eröffnungsfilm „Haus ohne Dach“ von Soleen Yusef sehen wir ihn als Checkpoint-Chef, der sich in die Sängerin Liya verliebt.
In „Memories on Stone“ (2014) von Shawkat Amin Korki ist er der Hauptdarsteller und zusammen mit Nazmi Kirik und Shima Molaei zu sehen. Eine deutsch-irakische Ko-produktion mit der Regionalregierung im Nordirak (Produzent: Mehmet Aktas).

Auch in „Narcissus Blossom“, einer irakisch-französischen Koproduktion aus dem Jahr 2005, spielt er die Hauptrolle.
Zudem führt er in diesem Film zusammen mit Mesud Arif Salih Regie. Es ist sein erster Spielfilm als Regisseur, der in der Sektion „PANORAMA“ bei den 56. Internationalen Filmfestspielen Berlin (Berlinale) und beim Toronto International Film Festival (TIFF) gezeigt wurde. Auf der Berlinale erhielt er für den Spielfilm den Amnesty-International-Filmpreis.

2009 kam der zweite Spielfilm heraus. Bei „Herman“ zeichnete er außer für die Regie auch für das Drehbuch verantwortlich. Der Film wurde in Korea beim Internationalen Filmfestival uraufgeführt.

Das dritte Mal Regie führte er 2016 bei „Reseba – The Dark Wind“ (sprich: Rescheba). Eine Koproduktion dreier Länder: BRD, KRR im IRak und Katar. Der 89-Minüter wurde zur Primetime am Samstagabend im Großen Saal des Babylon-Mitte vorgeführt im Rahemen des 7. KFF (Kurdischen Filmfestivals). Ein Saal mit etwa einem halben Tausend Plätzen, die ausverkauft waren. Anders als bei dem nachmittags gezeigten „14. Juli“ war der Saal auch tatsächlich fast voll. Die Reaktionen des Publikums waren positiv und das anschließende Filmgespräch ergiebig.

Hussein Hassan, Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler, ist so auf diesem Festival dreimal als Schauspieler zu sehen. Zweimal fungierte er als Regisseur. Da er bei Narcissus Blossom sowohl unter den Darstellern als auch auf dem Regiestuhl Platz nahm, kommen insgesamt 4 Filme zusammen.

Das ganze Festivalprogramm unter:
www.kurdisches-filmfestival.de




Schönheit, Die Anderen, Mein Paradies, LAYLA und ein Messi. Das Programm des 7. Kurdischen Filmfests Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit 6 Jahren zum 1. Mal wieder: Das Kurdische Filmfestival in der deutschen Hauptstadt. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa: „Das 7. Kurdische Filmfestival“ bietet „neben einem umfangreichen Filmprogramm mit 28 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen ein interessantes Rahmenprogramm mit Podiumsdiskussionen, Workshops und Konzerten“ an.

Es sind 11 Spielfilme, 8 Dokus und 9 Shorts.

Die Filmtitel im einzelnen:

Die 11 SPIELFILME (Filimen Huneri)

14. Juli
Bekas
Deine Schönheit ist nichts wert
Die Erbin
Folge meiner Stimme (2014)
Haus ohne Dach (Eröffnungsfilm)
Letter to the King (Brief an den König)
Memories on Stone (Lapidare Erinnerungen)
My Sweet Pepper Land (Mein süßes Pfefferland)
Narcissus Blossom
Reseba – The Dark Wind

8 Dokumentarfilme (Filimen BELGEYI)

Die Anderen
Dil Leyla
Gulistan, Land of Roses (Land der Rosen)
Halabja – Die verlorenen Kinder
Mein Paradies
New Life (Neues Leben)
Sara
The Nest (Das Nest)

Last, but not least: Die 9 Kurzfilme (Filimen Kurt)

Bad Hunter (Der schlechte Jäger)
Baghdad Messi
Land of the Heroes (Das Land der Helden/ Heldenland)
Layla
Milan
Oxygen vs Blood (Sauerstoff gegen Blut)
Be Deng – Stillschweigend
Vegerin
Yoghurt (Joghurt)

Andere Filmfestivals, wie die Berlinale, Cannes, Locarno und Venedig, aber auch kleinere wie die Hellas Filmbox oder das neue SEEFF, finden jährlich statt. Durch die längere bis lange Pause beim KFF – ein halbes Dutzend Jahre – sind einige Filme nicht nur aus den Produktionsjahren 2016 und 2015, sondern auch aus den Jahren 2014, 2013 und 2012. Sie werden zum ersten Mal im festlichen Rahmen gezeigt, mit vielen Gästen und meist der Möglichkeit, sich über die Filme auszutauschen, sowohl inhaltlich als auch formal.

Zudem entsteht dadurch die Möglichkeit, Filme, die aktuell nicht mehr im Kino laufen, anzuschauen.
Verpasstes oder nie hier Gezeigtes wird zugänglich; eine seltene Gelegenheit.

Festivalsprache ist neben deutsch kurdisch. Zum Vergleich: die Festivalsprache der Berlinale ist englisch.

Konsequenterweise ist das Programmheft zweisprachig. Die kurdische Sprache, die den Einheimischen so gut wie unbekannt ist, sieht man damit vielleicht das erste Mal. Aus diesem Gründe haben wir drei Wörter, die Filmrubriken, auch in der Fremdsprache angeführt. Allerdings ohne diakritische Zeichen.

Das Programm im DIN-A-5-Format liegt unter anderem am Rosa-Luxemburg-Platz im Kinofoyer des Babylon-Mitte aus.

Nochmal Senator Klaus Lederer: „Wir sehen uns vom 15.-21. Juni im Kino Babylon oder einem der anderen schönen Veranstaltungsorte in Berlin!“




Volk ohne Land oder: Welche Farbe hat der Frosch in deinem Hals? „Haus ohne Dach“ eröffnet 7. Kurdisches Filmfestival in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Alle Kurden sind Karl-May-Fans. Denn er war vielleicht der einzige, der die Existenz Kurdistans vorbehaltlos anerkannte. Doch viele sind der Meinung, es gäbe nicht nur Kurdisthan nicht, sondern auch keine Kurden. Es gäbe nur Syrer, Türken, Araber, Bergtürken, Nordiraker, Iraner und Asiaten; und vielleicht noch Jesiden. Und Staatenlose. Aber keine Kurden. Gut. Die Gedanken sind frei. In Deutschland herrscht das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Unbestreitbar ist, dass es Menschen gibt, die kurdisch sprechen. Wie soll man die politisch korrekt nennen? Kurdischsprecher?
Oder Kurdischsprecher und Kurdischsprecherinnen? Oder Lady’s First: Kurdischsprecherinnen und Kurdischsprecher? Auch wenn „Kurden“ falsch sein sollte, hätte es in seiner Kürze doch Würze.

Eine Kulturveranstaltung

Zum Glück ist ein Filmfestival eine kulturelle Veranstaltung, so auch das 7. Kurdische Filmfestival (KFF). In der Bibel ist die Rede von 7 guten Jahren und 7 schlechten, oder war es umgekehrt? Gilt das alte Buch auch für die, die nicht daran glauben? Diese Frage muss so offenbleiben wie die kurdische.

Sieben gute Jahre – oder sechs?

Das Kurdische Filmfestival in Berlin hatte 6 „gute“ Jahre, in denen es existierte und 6 Jahre, in denen es nicht stattfand. 2017 findet es das erste Mal in 7 Jahren wieder statt.

Bis zum 21. Juni 2017 ist es im Babylon Berlin-Mitte am Rosa-Luxemburg-Platz in mehreren Sälen mit 28 Filmen am Start, 10 Spiel-, 8 Dokumentar- und 9 Kurzfilmen.

Humorvolles Roadmovie

Den Reigen eröffnete das Roadmovie „Haus ohne Dach“ son Solin Yusif (kurdische Schreibweise)/ Soleen Yusef (englische Schreibweise) Deutschland/ KRR (Irak)/ Katar 2016.
Die KRR ist die Kurdische Regionalregierung im Irak, meist englisch KRG abgekürzt für „Kurdish Regional Government“. Wir Deutsche sind englische Abkürzungen gewohnt. Die Vereinten Nationen heißen oft UN, nur bei der Gesellschaft für die Vereinten Nationen spricht man von VN. Die Vereinigten Staaten von Amerika beginnen abgekürzt mit „U“, VSA bezeichnet einen deutschen Verlag.

Made in KRR(?)

Dass es überhaupt eine Regionalregierung gibt, zwischenzeitlich eine der stabilsten politischen Entitäten zwischen Syrien und dem Iran seit dem Ende der Regierung Saddam Husseins, sehen viele Einwohner schon als Fortschritt. Wie dem auch sei, der Film begegnet der skurrilen Realität mit einigem Humor, der einen Lachen, Schmunzeln und Verstehen lässt.

Zum Inhalt des Films

Drei Geschwister reisen nach dem Tode der Mutter in den Nordirak. Der verheiratete „erfolgreiche“ Bruder, Jan (Sasun Sayan), ist schon dort, der andere Bruder, Alan (Murat Seven) und die Schwester Liya (Mina Ozlem Sagdic) reisen aus Deutschland nach Duhok an.

Der letzte Willen ist so eine Sache. Ihm zu wider- oder nicht zu entsprechen, ist riskant. Auch wenn Grenzen überschritten werden müssen und Widerstände.

So nehmen die Geschwister bei Nacht ohne Nebel den einfachen Sarg mit, um die Mutter 600-700 Kilometer weit entfernt an der Seite ihres Mannes zu begraben.

Unterwegs werden sie von den Leuten eines einflussreichen Verwandten verfolgt, der die Mutter von Alan, Jan und Liya in Duhok beerdigt sehen will. Checkpoints und Tankstellen, nette Leute und gute Hirten säumen den Weg.
Die Story ist lückenlos, doch der Tank des Pickups irgendwann löchrig. Das liegt weniger am japanischen Hersteller als an den örtlichen Verwirrungen.
Das alles mit moderner Technik vom Handy bis zum Fernsehen.

Ein Geheimnis kommt, sprachlich verschlüsselt, nach und nach ans Licht. Das Vehikel taugt nicht mehr, die drei trennen sich und gehen zu Fuß weiter.

Ende gut, alles gut: Familie vereint

Einer trägt einen anderen beim hüten der Herde, die Frau lässt sich widerwillig mit dem Taxi fahren und der andere Bruder trampt. Wunderbarerweise treffen sie sich im Leben zum vierten Mal und die Geschichte findet ein Happy-End.

Menschlichkeit hinter harter Wortschale

Die Beleidigungen innerhalb der Familie und gegenüber Fremden sind starker Tobak, lassen einen an Umgangsformen unter Afroamerikanern im Süden Chicagos erinnern. Doch ähnlich wie die Berliner Schnauze einen weichen Kern verbirgt, steckt hinter den hässlichen Worten Menschlichkeit.

Ein deutscher, fast deutschsprachiger Film

Angenehm ist es für den deutschen Zuschauer, einen untertitelten Film anzuschauen (OmdtU, Original mit deutschen Untertiteln), in dem über weite Strecken perfekt deutsch gesprochen wird.

Die Songwriterin küsst den Frosch nicht

Liya singt in der Bundesrepublik in einer Band. Schreibt wohl ihre eigenen Lieder, in denen sie nach der Froschfarbe des Kloßes im Hals fragt.

Ein Debut und ein würdiger Eröffnungsfilm

Insgesamt ein sehr gelungenes Werk der 1987 in Duhok geborenen Regisseurin, die neunjährig nach Deutschland floh, als es bereits wiedervereinigt war. Sie studierte an der Filmakademie Baden-Württemberg.

Berlinale mit Trattoria

Ihr während des Studiums entstandener Film „Trattoria“ feierte 2012 auf der Berlinale Premiere. In der Sektion Perspektive Deutsches Kino.
Der KFF-Eröffnungsfilm ist zugleich Debüt und Abschlussfilm für das Diplom im deutschen Südwesten. Gedreht wurde er vor zwei Jahren, im Frühling 2015, in ihrer Heimatstadt und Umgebung.

„Haus ohne Dach“ legt für mein Empfinden eine positive Grundeinstellung und einen positiven Ausblick an den Tag.
Die Summe aus Gastfreundschaft und Menschlichkeit, Versöhnung nach Familienquerelen und Humor trotz pfeifender Kugeln und Gitterstäbe.

An der Wildheit Kurdistans besteht kein Zweifel, doch wünscht sich nicht jedes Kind Abenteuer?

Schöner hätte man das 7. Kurdische Filmfestival wohl nicht eröffnen können. In einem vollen Haus – der Saal 1 des Babylons fasst etwa 500 Zuschauer – bei Festivalatmospäre und Filmgesprächen ist man auf weiteres gespannt.

Was umspannt das spannende Programm?

Das Programm bis einschließlich Mittwoch findet man unter www.kurdisches-filmfestival.de .

Karl May schrieb unter Pseudonym Schundromane. Neun Pseudonyme sind erwähnt worden.
Seinen bürgerlichen Namen – KARL MAY – benutzte er für die weltbekannten Romane, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Die Kirche empfiehlt den Autor für jede Hausbibliothek als „christliches Vorbild“, da in einer Internetlosen Zeit niemand daran zweifelt, dass es sich bei den Texten um echte Erlebnisberichte handelt.
Spät, ähnlich wie in Yusifs Film „Haus ohne Dach“ (‚House without a Roof‘), kommt die Wahrheit ans Licht. K.M., der, seitdem er 32 ist, auf dem Pfad der Tugend wandelte, wird nach einem Prozess, der das Erdachte der farbenfrohen Geschichten brandmarkt, hart bestraft.

Durchs wilde Kurdistan mit dem Auto

„Durchs wilde Kurdistan“ wurde dennoch jahrzehntelang bis heute weltweit gern gelesen; egal, ob es das Land nun gab oder nicht. Egal, ob KM dort war – oder nicht.

Minus mal minus ergibt plus

In der Mathematik führt die doppelte Negierung ins Positive.

-1 . -1 = 1

Kurdistan gibt es nicht und Karl May war auch nicht dort – an jenem Ort

Bedeutet „minus mal minus ist gleich plus“ in der Literatur, dass die Tatsache, dass Karl May 1. nicht in Kurdistan war und es 2. Kurdistan nicht gibt, dass es vielleicht in der Realität das Land doch gibt?

In welchem Land spielt „Haus ohne Dach“?




Bitte ein Kilo. Miral K. mit Kurzspielfilm „Vegerin“ im Kino Babylon-Mitte zum Filmfest

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Hauptstadt heißt dieser Tage Berlin. Der Kurden. Das mag übertrieben sein, aber eine – wenn nicht gar die – kurdische Filmhauptstadt ist Berlin-Mitte dieser Tage allemal. Mit dem Mittelpunkt Babylon-Kino. Wo liegt denn Babylon? Im Zweistromland? Ja, in Mesopotamien. Heute Irak. Berlin ist eine Zweiflüsse-
bis Dreistromstadt mit Dahme, Havel und Spree. Eine Stadt der Kunst, Kultur und Toleranz. Ein Ort, an dem sich Menschen aus Gruppen begegnen können, die anderswo verfeindet sind.

Ein Dutzend Regisseure zu Besuch

Das 7. Kurdische Filmfestival (KFF), möglich geworden durch die Förderung des Hauptstadtkulturfonds, bringt mehr als 11 kurdische Regisseure und Regisseurinnen in der Bundesrepublik Deutschland zusammen; neben Produzenten und Schauspielern. Miral Kilo ist einer der Filmemacher, der mit seinem kleinen Film am Freitag abend um 22 Uhr in das kleine Kino Babylon 3 kommt. Moderator Sebastian Piltan kündigt ihn an, begrüßt ihn und führt anschließend ein Filmgespräch. Auch Publikumsfragen sind zugelassen. Ein Dolmetscher steht bereit. Der Saal ist voll, das Kino bis auf einen Platz ausverkauft.

Schachrätsel und Engel-Rätsel

Der Film „Vegerin“ wirft viele Rätsel auf, die nicht durch Untertitel oder Übersetzungen gelöst werden können, denn gesprochen wird nicht. Auch ist es kein Dokumentarfilm, wie viele andere Streifen auf dem KFF.
Ein Mann läuft. Ein anderer spielt Schach in einem Café (?), Tee trinkend aus einer der typischen kleinen Glastassen. Ein junges Mädchen, das sich als Engel entpuppt, taucht auf. Eine Menschengruppe mit Rollkoffern stolpert über einen Feldweg, Flüchtlinge? Die Koffer bleiben zurück, was ist mit den Menschen?

Der einsame Läufer ist bald hier, bald dort zu sehen, letztlich stürzt er. Das Ende?

Es geht weiter. Der Engel nimmt den Gestürzten (Gefallenen?) bei der Hand und schreitet hinfort wie ein Paar aus einem Charlie-Chaplin-Film in den Sonnenuntergang.

Ungestellte Fragen, eine verpasste Gelegenheit

Fragen gäbe es genug. Bei aller Offenheit sind fremde Kulturen nicht immer sofort verständlich. Dieser Film erst recht. Doch Fragen werden wenig gestellt an diesem späten Freitagabend. Zum einen ist es immer schwer, aus der Rolle des passiven Betrachters, Konsumenten, in die des Aktiven zu wechseln, sei es der des Fragestellers. Vom Voyeurismus zum Beobachtetwerden. Was werden die anderen denken? Ist meine Frage intelligent genug? ‚Ja, da interessiert mich etwas, aber vielleicht ist es auch nicht wichtig genug.‘ Wer sagt das?

So bleibt Sebastian Piltan nichts anderes übrig als die Eröffnungsfrage zu stellen, eine gute alte Tradition nicht nur auf der Berlinale. Mangels Meldungen folgt eine weitere.
Nun gibt es viele weitere Gründe, keine Fragen zu stellen. Die Frist ist recht kurz und begrenzt, bei einem Kurzfilm umso mehr; und da es „nur ein Kurzfilm“ ist, scheint alles weniger wichtig, weniger Mainstream, weniger relevant. Aber potentiell genauso peinlich, wenn man fragt.
Prinzipiell tauchen Fragen auch beim Nachdenken und -sinnen auf. Also später. Oder, wenn man darüber geschlafen hat. Doch dann ist es zu spät.

Eine der Fragen, die hätte kommen können, bezieht sich auf die Figuren. Durch die Auflösung im Abspann, wer wer ist bei dieser Besetzung, erfahren wir von den Figuren, die teils keine Namen tragen, sondern Rollen sind. „Der Engel“.
Welchen Mythos sollte man dazu kennen? Wie eng ist die Handlung auf den/ einen Bürgerkrieg bzw. „kurdischen Befreiungskampf“ bezogen?
Sicher ist, es gab schon einen Menge Kurzfilme mit einem kleineren Cast und Crew. Bei 9 Minuten hätten die kleiner sein können. Das spricht für „Vegerin“. Denn es gibt auch einen Kranoperator und sogar einen Kranoperatorassistenten. Ganz wichtig für den Schluss, in dem die Kamera sich über die Felder erhebt, während Engel und Mann sich langsamen Schrittes entfernen.

Schach – Ein Spiel?

Unvoreingenommen denkt man, dass einfach irgendjemand Schach spielt. Doch später erfährt man, dass der Mann ein Symbol ist; das kleine Mädchen in weiß – ein Engel usw. usf.
Nach einer Aufklärung im Anschluss an das erste Anschauen, zudem in Gegenwart des Regisseurs und in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um einen Film ohne Sprache handelt, hätte ein zweites Sichten erfolgen können.
Doch ein Filmfest in kein Filmseminar. So etwas ist einfach nicht üblich.

Es gibt Leute, die mit dem Schachspielen aufgehört haben, nachdem sie dauerhaft den Pfad des Friedens und der Ehrlichkeit in ihrem Leben einschlugen. Warum? Weil Schach ein Kriegsspiel ist. Das mag man als übertrieben oder fundamentalistisch abtun, aber diese Menschen gibt es.
Ist Schach hier ein Symbol für den Krieg? Oder der Schachspieler ein Symbol für – wen? Für jemanden, der die Marionetten tanzen lässt?

Fazit: Es hat sich gelohnt pünktlich da zu sein – alle Filme starten zum angesetzten Zeitpunkt – es war ein Gemeinschaftserlebnis mit kraftvollen Bildern, deren Bedeutung bei manchem Zuschauer offenblieb.




Blumen aus und für Portugal – Lissabons zunehmende Bedeutung und alle Preise des Filmfestivals IndieLisboa

Berlin, Deutschland/ (Kulturexpresso). Portugal war lange abseits, allenfalls als Auslaufhafen für Flüchtlinge nach Amerika blieb es aus den 30ern in Erinnerung. Dann eine lange, faschistische Pause, im Einklang mit dem Nachbarn auf der Iberischen Halbinsel. Nelkenrevolution. Probleme mit der Unabhängigkeit einst untergeordneter Gebiete. Die seefahrenden Portugiesen erwarben Kolonien mit am frühesten. Macao blieb bis 1999. Durch die demokratische Regierung Ende der 70er der Weg in die EU mit der Süderweiterung.

IFA, ESC und EM

Und heute? Immer wieder hören wir etwas aus dem Land und seiner Hauptstadt: Am 22. April fand die IFA-Global-Pressekonferenz in Lissabon statt. Die Internationale Funkausstellung ist die Leitmesse auf ihrem Gebiet.

2018 wird der ganze ESC-Zirkus mit seinen Chansons dort stattfinden, weil Portugal überraschend (?) den Grand Prix gewann, der jetzt European Song Contest heißt.

Im Fußball verlor der amtierende Weltmeister Deutschland 2016 bei der Europameisterschaft (EM) gegen Frankreich, das im Endspiel nach Verlängerung von – der portugiesischen Nationalmannschaft besiegt wurde.

Fado und Porto

IFA, Musik und Fußball – was ist mit Film?
Gabe Klinger, der in Venedig den Löwen für den besten Dokumentarfilm gewann, wählte für seinen von Jim Jarmusch mitproduzierten ersten Spielfilm eine Liebesgeschichte, die im Norden des Landes spielt, in der Küstenstadt, die dem Film den Namen gab: „Porto“. Deutschlandpremiere am 29. Oktober 2016 im Regina in Hof.

„Fado“, in Rotterdam im Wettbewerb uraufgeführt, spielt größtenteils in Lissabon und erhielt den Best Director/Max-Ophüls-Preis 2016, Best Director bei Achtung Berlin, und Best Feature Film beim SEHSÜCHTE-Festival Potsdam. Regisseur Jonas Rothlaender, Hauptdarsteller Golo Euler und Luise Heyer.

Ein halbes Dutzend Kinos und 20 prämierte Filme: IndieLisboa

Im Mai waren bei Indie-Lisboa Dutzende Streifen in 6 Kinos und ähnlichen Spielorten gezeigt worden: Cinema Sao Jorge, Culturgest, Cinema Ideal, Cinemateca Portuguesa, Museo do Cinema, Cineteatro Capitolio.
20 Filme wurden prämiert, einer mehr als erwartet.

Der Überblick über alle IndieLisboa-2017-Awards

Internationaler Wettbewerb Spielfilm (Feature Film International Competition)
Jury: Giona A. Nazzaro, Manuel Mozos, Paz Lázaro

(Hauptpreis: Der große Spielfilmpreis der Stadt Lissabon) Feature Film Grand Prize City of Lisbon

Viejo Calavera/Dunkler Schädel/Dark Skull, Kiro Russo (Bolivien, Katar)

Special Jury Award TVCine & Séries

Arábia/Araby, Affonso Uchôa, João Dumans (Brasilien)

Internationaler Wettbewerb – Kurzfilm (Short Film International Competition)

Jury: Filipe Abranches + Katja Pratschke + Richard Raskin

Großer Preis Kurzfilm (Grand Prix)/ Short Film Grand Prize

Wiezi/ Enge Verbindungen/ Close Ties, Zofia Kowalewska (Polen) (in Berlin aufgeführt beim Festival Filmpolska im Babylon)

Bester Zeichentrick-/Animationskurzfilm/ Best Animation – Short Film (Sponsorship: Macau Tourism)

489 Jahre/ 489 Years, Hayoun Kwon (Frankreich)

Bester Dokumentarkurzfilm/ Best Documentary – Short Film (Sponsorship: Macau Tourism)

Die Falschmünze/ The Hollow Coin, Frank Heath (USA)

Bester Kurzspielfilm/ Best Fiction – Short Film (Sponsorship: Macau Tourism)

Le film de l’été/ Der Sommerfilm (bzw. Der Film des Sommers) / The Summer Movie, Emmanuel Marre (Frankreich, Belgien)

Nationaler Wettbewerb (ausschließlich portugiesische Filme) (National Competition Jury)

Jury: Antoine Barraud + Maike Mia Höhne + Paulo Bertolín

Allianz-Ingreme-Preis für den besten portugiesischen Spielfilm/ Allianz – Ingreme Award for Best Portuguese Feature Film

Encontro Silencioso / Stille Begegnung/ Silent Encounter, Miguel Clara Vasconcelos (Portugal)

Preis für den besten portugiesischen Kurzfilm/ Allianz – Ingreme Award for Best Portuguese Short Film

Miragem Meus Putos / Mirage My Bros, Diogo Baldaia (Portugal)

Talentpreis Kurzfilm/ FCSH/Nova New Talent Award – Short Film

Flores / Blumen/ Flowers, Jorge Jácome (Portugal)

Walla Collective Award for Best Film in Brand New Section

Os Corpos que Pensam / Die Körper, die denken/ The Bodies That Think, Catherine Boutaud (Frankreich, Portugal)

IndieMusic

Jury: Joana Sá + Mário Valente + Tó Trips

Indiemusic Schweppes Award

Tony Conrad: Ganz und gar in der Gegenwart/ Completely in the Present, Tyler Hubby (USA, Großbritannien)

Árvore da Vida Jury

Inês Gil + Paulo Pires Alves

Árvore da Vida Award

Ex-aequo:
Antão, o Invisível / Anton, der Unsichtbare/ Anthony The Invisible, Maya Kosa, Sérgio da Costa (Schweiz, Portugal)

Num Globo de Neve / Auf einem Silberglobus/ On a Silver Globe , André Gil Mata (Portugal)

Amnesty-International-Jury

Fernanda Câncio + Filipa Santos + Joana Gorjão Henriques

Amnesty Internationals Award

(Finde ein schnelles Ende (?)) Find Fix Finish, Mila Zhluktenko, Sylvain Cruiziat (Bundesrepublik Deutschland)

Jury der Universitäten / Universities Jury

Leonor Sousa + Rafael Afonso + Teresa Vieira

Universities Prize

El mar la mar, Joshua Bonnetta, J.P. Sniadecki (USA)

Jury der Schulen / Schools Jury

Débora Mogueiro + Inês Proença + Teresa Oliveira

Schools Award

Le fol espoir/Verrückte Hoffnung/ Wild Hope, Audrey Bauduin (Frankreich)

Publikumspreise/ Audience Awards

…für den besten Spielfilm/ Feature Film Audience Award

Venus, Lea Glob, Mette Carla Albrechtsen (Dänemark, Norwegen)

Best Short Film Crocs Award

Scris/Nescris, Adrian Silisteanu (Rumänien)

IndieJunior Schools DoctorGummy Award

Bichinhos do Lixo/ Müllhaustiere, Müllkäfer, Dreckspatzen/ Litterbugs, Peter Staney-Ward (Großbritannien)

IndieJunior Families Trina Award

O Trenó/ Der Schlitten/ The Sled, Olesya Shchukina (Russland)

Das Festival fand vom 3.-14. Mai 2017 in Lissabon statt.

Berlinalebezüge

Manchem fallen vielleicht die vielen Berlinale-Bezüge auf.
Maike Mia Höhne saß in der Jury des innerportugiesischen Wettbewerbs mit Antoine Barraud und Paulo Bertolín – und kuratierte die 24 Kurzfilme der Berlinale Shorts 2017.
Darunter der 30minüter „Le film de l’été“/ Der Sommerfilm (bzw. Der Film des Sommers) von Emmanuel Marre (Frankreich, Belgien), der bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin seine Weltpremiere erlebte.
In Lissabon erhielt dieser kurze Film den Preis für den „Besten Kurzspielfilm“. In der Jury: Filipe Abranches, Richard Raskin und Katja Pratschke.

Elmar

Von Em-manu-el Mar-re zu „El Mar“.

El mar la mar“ von Joshua Bonnetta und J.P. Sniadecki (USA) feierte dieses Jahr in Berlin Weltpremiere im 47.Forum und erhielt am 17. Februar ’17 im Filmhaus Potsdamer Straße den Caligari-Preis. Als wohl einziges Wort im Spanischen, das mit beiden Artikeln geschrieben werden kann, wäre die wörtliche Bedeutung „Das Meer das Meer“ – unübersetzbar.
Es geht um die Flucht von Mexikanern und Mittel- und Südamerikanern durch Mexiko über die Grenze nach Norden. Viele Flüchtlinge verirren sich in der Wüste oder verdursten. Die Darstellungsart ist experimentell.