Jocelyn B. Smith, Otto Waalkes und 27 andere. Bundespräsident ehrt Kulturschaffende mit Bundesverdienstkreuz

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Bundesverdienstkreuz verbindet sie. Jocelyn B. Smith ist neben Otto und Hans Zimmer wohl unter den bekannteren, doch darum geht es nicht. Die 29 Geehrten sind aus vielen Bereichen der Kultur.

Unterstützt Bildung und Kultur, wie die Vermittlung des ABC: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im September 2018 im Garten seines Amtssitzes. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Am 3. Oktober war der Tag der Deutschen Einheit, am Vorabend ehrte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier knapp drei Dutzend Persönlichkeiten bei einem Gala-Diner im Schloss Bellevue, dem Hauptstadt-Sitz des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland.

Bewusst wurden Menschen ausgewählt, die sich mit Kultur und Bildung beschäftigen oder durch ihre Tätigkeit darunter fallen. Also alles Leute, die im Kulturexpresso stehen könnten. 16 Männer, der Rest Frauen. Rest ganz wertneutral gemeint, klar.

Bundesverdienstkreuz für Jocelyn B. Smith

Die Sängerin, Musikerin, Pianistin, Singer-Songwriterin, Jazzerin, Charity-Queen und und und … ist nicht für die Anzahl ihrer herausgebrachten CDs ausgezeichnet worden. Nicht für ihre Arbeit mit Kindern. Sie setzte sich vor der Landminen-Ächtungs-Konferenz in Norwegen für die Verbannung dieser furchtbaren, erschreckenden Krieggeräte ein, die noch lange, manchmal jahrzehntelang im Boden bleiben. Kaum Militär, sondern vor allem Kinder sind dann betroffen und verlieren Beine oder Leben. Im „günstigen“ Fall werden sie lebenslang zu Sozialhilfeempfängern; ein furchtbares Los.

Hier ist sie – Here I am. Jocelyn B. Smith und Volker Schlott im Ernst-Reuter-Saal in Berlin-Reinickendorf

Gute Musik und offene Ohren. OPEN HOUSE in der Heilig-Kreuz-Kirche mit den „Different Voices of Berlin“ und Jocelyn B. Smith

„Shine a Light“ und viele andere Aktivitäten initiierte Jocelyn B. Smith oder nahm daran teil. Doch dem Vernehmen nach wurde ihr am 2. Oktober 2018 das Bundesverdienstkreuz für ihre langjährige Arbeit mit den Different Voices of Berlin verliehen. Einem integrativen Chorprojekt, das aktuell im Theaterstück „Auf der Straße“ im Kleinen Haus des Berliner Ensembles mitwirkt (nächste Termine um den 28.10.). Der Chor sang schon vor Bundesministern der Justiz, Arbeit und anderen. So vor der vielleicht-Kanzlernachfolgerin von der Leyen, als sie andere Ressorts bekleidete.

Im Theater. Jocelyn B. Smith mit Different Voices of Berlin im Brecht-Theater Berliner Ensemble

Bundesverdienstkreuz auch für 28 weitere Kulturleute

Der Tagesspiegel stellt Filmemacherin Caroline Link heraus https://www.tagesspiegel.de/kultur/tag-der-deutschen-einheit-bundespraesident-ehrt-29-kulturschaffende/23095084.html und Rainald Goetz. Filmkomponist Hans Zimmer, in seiner Branche neben Elfman und wenigen anderen ein ganz großer Name, gehört auch zu dem erlauchten Kreis.
Kulturexpresso berichtete über ihn.

Zimmer im Konzertsaal – Komponist Hans Z. tritt live an Gitarre und Keyboard mit seiner Filmmusik auf zusammen mit Band, Chor, Orchester und Lebo M


Selten vor der Kamera, aber wichtig: Synchronsprecher Christian Brückner. Verwandtschaft mit Autor Peter Brückner war vor Redaktionsschluss nicht zu klären.

Auch aus dem Bereich Film ist die tolle Schauspielerin Julia Jentsch.
Thomas Ostermeier ist Chef der Schaubühne. Bei weitem nicht nur Deutsche wurden ausgezeichnet. François Ozon ist Franzose, man denke bei Filmen unter anderem an deutsch-französische Ko-Produktion „Frantz“.

Im Alphabet noch nach Zimmer ist Tabea Zimmermann, die Bratsche spielt.
Auch Annette Humpe ist genau wie Jocelyn B. Smith und Frau Zimmermann Musikerin.
Damit sind vielleicht die meisten unter den ausgezeichneten Frauen der Musik verpflichtet.

Zwei Übersetzerinnen erhielten das Verdienstkreuz, Larissa Bender und Anne Birkenhauer-Molad; Barbara Vinken (München) ist Literaturwissenschaftlerin.

Jim Rakete ist Porträtfotograf; Kathrin Ollroge und Wolfgang Tillmans sind „Fotokünstler“.

Neo Rauch ist Maler, Martin Schläpfer Choreograph.

Be van Vark Tanzpädagogin.

Chemiker und Köche, könnte man denken, hatten die Kreuz-Vergeber nicht im Köcher. Doch Ulrich S. Schubert ist Chemiker, er gründete 1994 die Internationale Junge Orchesterakademie und organisiert Wohltätigkeit.

Christian Bau ist Koch aus dem Saarland. Das erinnert mich an den Witz, wie sich in der Bahn zwei Reisende vorstellen: „Ich bin Pfarrer aus Passau“, sagt der eine. Der andere erwidert: „Ich bin Lüneburger Heide.“




Theater

Realismus im Theater oder Reden über ungeschminkte Wahrheiten auf dem Boden der Bühnen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In Berlin wird gleich an zwei Tagen über Realismus im Theater gesprochen. Die ungeschminkte Wahrheit auf den Boden der Bretter, die für manche die Welt bedeuten, zu bringen und also den Begriff in Übereinstimmung mit seinem Gegenstand, braucht einen Standpunkt, am besten einen Gegenstandpunkt in einer Welt der Ware und des Spektakels.

Dafür dürfte das Theater als Spielwiese der Berliner Republik nicht der rechte Ort sein und wenn er es ist, dann als Bahnhofsmission für Berufsbedienstete in eigener Sache, aber lassen wir das Meckern und melden zwei Veranstaltungen, geben Hinweise zu Diskussionen, die vermutlich als Spektakel und also Unterhaltung veranstaltet werden, was zu vermuten steht, denn der Ort, an dem diskutiert werden soll, ist unter anderem der Rote Salon der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Und es sollen mit Ulrike Krumbiegel, Wolfram Lotz, Armin Petras und Bernd Stegemann gleich vier verschiedene Personen über Realismus im Theater diskutieren. Das ist mit Moderator Jakob Hayner am Freitag, den 9. November 2018, ab 19 Uhr, allerhand und also absurd, aber so ist das, wenn Bühnen nur noch den Boulevard und die Bourgeoisie sowie Proletarier bedienen, die sich als Kleinbürger kleider und leiden, und diejenigen, die sich dazu als Alternative verstehen, aber das Abspülbecken einer Gesellschaft, in der sie stecken, nicht erklären können, und als ein beiläufiger wie belangloser Ort konfligierender Interessen bloß Aftergang politischer Korrektheit betreiben.

Dazu heißt es in einer Presse- und Veranstaltungsmitteilung des Eulenspiegel-Verlages vom 27.9.2018: „Eine der wichtigsten Debatten in den Künsten ist die über einen neuen Realismus. Im Theater ist sie dem Unbehagen an der postdramatischen Ästhetik entsprungen. Formlosigkeit bedroht Kunst als Medium kritischer Reflexion. Dagegen opponiert Realismus, der mehr meint als die einfache Widerspiegelung der Realität oder deren unmittelbare Präsenz im Theaterraum. Ist Realismus möglicherweise das, was den späten Brecht interessierte: Dialektik auf der Bühne? Darüber diskutieren Menschen aus dem Theater, die in den Bereichen Dramatik, Schauspiel, Regie und Dramaturgie arbeiten. Wie funktioniert ein Text auf der Bühne? Was macht eigentlich ein Schauspieler – und wie ist dessen Verhältnis zum Text? Wie befördert die Regie Text und Schauspiel durch das Einrichten einer Szene? Und wie blickt die Dramaturgie auf die dramatische Situation? Und zuletzt: Wie steht das so entstandene Bühnenwerk zur gesellschaftlichen Wirklichkeit?“

Ja, wie, wenn nicht in Widerspruch zu Wahrheit und Klarheit?

Zum Thema passt auch die einen Tag später, nämlich am Samstag, den 10. November 2018, ab 10 Uhr im Magnus-Haus Berlin
Am Kupfergraben 7, 10117 Berlin stattfindende „Elfte wissenschaftliche Tagung der Peter-Hacks-Gesellschaft“ unter dem Motto „Mensch sein ist Ursach sein – Realismus auf dem Theater“ zu der es in derselben Pressemitteilung heißt: „In acht Beiträgen werden zentrale Begriffe der Ästhetik von Peter Hacks (Realismus und Dramaturgie) geklärt und damit an Debatten der vergangenen Jahren, die zur Krise des postdramatischen Theaters und zur Wiederbelebung des Realismus geführt wurden. Geprüft wird, in welche Traditionslinien sich Hacks stellt und welche er ablehnt, wie sich Hacks’ Begriff des Realismus auf die gegenwärtige Diskussion beziehen lässt und wie sich derzeitige dramaturgische Ansätze, Realität auf der Theaterbühne zu repräsentieren, aus diesem Blickwinkel ausnehmen.“




Volksbühne Ost am 16. März 2016 noch mit Räuberrad.

Es ist wieder da! Das Rad auf zwei Beinen steht wieder vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit dem 24. September 2018 steht es wieder da, das Rad auf zwei Beinen oder Räuberrad. Frank Castorf, der von 1992 bis Sommer 2017 die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz prägte, ist jetzt der unsichtbare Dritte, der Verschwundene. 25 Jahre sind eine lange Zeit, ein Vierteljahrhundert. Das laufende Rad, im Gegensatz zum fliegenden, das die Eisenbahn symbolisiert, fasste die Zeit zusammen und brachte sie auf den Punkt. Zierte die TheaterFlyer.

Bert Neumann erfand das Rad neu: Das Rad auf zwei Beinen

Bert Neumann hatte das Speichenrad auf Beinen, das auf großen Füßen lebt, 1990 entworfen, im Jahr der Wiedervereinigung. Am 1. Juli wurde die D-Mark als offizielles Zahlungsmittel auch in Ost- und Mitteldeutschland eingeführt einschließlich Ost-Berlins, wo in Mitte, dem Bezirk Nummer 1 in der Zählung von 1920, dem Gründungsjahr Groß-Berlins, die Volksbühne steht. Am 3. Oktober wurde die Vereinigung, für manche die „Wiedervereinigung“, vollzogen durch Beitritt von fünf Bundesländern als Verwaltungsakt. 2018 wird der 28. Geburtstag mit einem Riesenfest begangen. Der 3.10.2018 ist ein Mittwoch. Seit Montag, dem 24.9.2018 steht das Räuberrad wieder da, als wäre nichts gewesen. Abschied und Entfernung dagegen ließen die Wogen hochschlagen. Manche meinte sogar, es sei Castorfs Rad oder er habe es geraubt. Oder nachdem Castorf Berlin beraubt wurde, wäre das Rad gleich mitgegangen.
Oder jemand hätte das Rad mitgehen lassen, irgendeine dunkle demokratische Institution. Nichts dergleichen. Die, die wenig wissen, spekulieren viel, urteilen schnell.

Der Bildhauer Rainer Haußmann baute das Rad auf zwei Beinen

Die Faktenlage ist natürlich anders, selten stimmen Legenden zu 100%. Die Senatskulturverwaltung hatte verlautbaren lassen, dass das „Rad, das der Schweizer Bildhauer Rainer Haußmann nach den Plänen Bert Neumanns gebaut hatte“, restauriert an den Rosa-Luxemburg-Platz zurückkehre. An der „Optik“ habe sich „nichts verändert“. „Nur die Statik wurde angepasst und die Füße erneuert.“ Wir übersehen jetzt einmal die Widersprüche der Mitteilung und erinnern uns ans Prinzip, an den Anfang. Bert Neumann hatte das recht einfache Rad mit sechs Speichen, das Rad auf zwei Beinen, 1990 für die Inszenierung der „Räuber“ durch Frank Castorf entworfen. Deswegen „Räuber“-Rad oder Räuberrad. Honi soit qui mal y pense, wer waren die Räuber? Die Politiker, die den später ehemaligen DDR-Bürgern die D-Mark schenkten, taten dies auf Kosten der westdeutschen Steuerzahler der Bundesrepublik. Trotz des Geschenks wurde vielen DDR-Bürgern am 3. Oktober ihre alte Identität geraubt. Für manche war das zuviel.

Wer sind die Räuber?

Ob alle, die in den 90ern auf Brandenburgs vielen schönen Alleen in den Tod fuhren, wirklich nur die Motoren der Westautos von Volkswagen, Audi und BMW nicht beherrschten? Auch im Zusammenhang mit der Treuhand denken viele an Raub und Räuber. Von verschiedenen Standpunkten aus. Am 1. April 1991 wurde die Treuhandanstalt ihres Präsidenten beraubt. Detlev Rohwedder wurde ermordet. Der oder die Täter sind bis heute unbekannt. US-amerikanische Investmentbanken waren nicht unglücklich über die Wirkung seines Todes. Bei der neuen Chefin ging alles viel schneller und Verkäufe waren mit weniger verbindlichen Verantwortlichkeiten für ausländische Investoren verbunden.

Ob Deutschland dabei seines östlichen Tafelsilbers beraubt wurde – zum Zeitpunkt der DM-Einführung am 1.7. 1990 waren 8500 Betriebe Volkseigentum und treuhänderisch verwaltet – oder nur viele Menschen ihrer Arbeit – mehr als 4 Millionen waren in den über 8000 VeBs tätig – ist wie so vieles Ansichtssache. Gras wächst über die Sache. So wie auf dem Rosa-Luxemburg-Platz.

„… die Menschen materiell und seelisch nicht unter die Räder kommen zu lassen.“

Detlev Rohwedder wurde am 10. April 1991 mit einem Staatsakt geehrt. Das ehemalige Reichsluftfahrtministerium Wilhelm- Ecke Leipziger Straße (jetzt Bundesfinanzministerium), in dem die Zentrale der Treuhandanstalt ihren Sitz hatte, wurde nach ihm benannt. Auch eine Straße in Duisburg, nicht weit vom Wohnort des gebürtigen Gothaers entfernt. Detlev Karsten Rohwedder wurde in seinem Düsseldorfer Haus erschossen. Durch das Fenster, aus über 60 Meter Entfernung.
Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte über Rohwedders Wirken bei der Treuhand: „Kaum einer sah von Beginn an die Schwierigkeiten so deutlich wie Rohwedder. Ihm war das gewaltige Ausmaß der notwendigen Umstellungen mit ihrem Zeitbedarf und ihren tief einschneidenden sozialen Wirkungen vollkommen bewußt. Um so kraftvoller bemühte er sich darum, die Menschen materiell und seelisch nicht unter die Räder kommen zu lassen.“

Das eine Rad, für manche Symbol des rebellischen Theaters, das umso wichtiger wurde, wie die reiche Beschenkung der ehemaligen DDR-Bürger für viele in den Hintergrund rückte.

Der Streit ums Rad

 

Temporäres Räuberrad auf der triangulären öffentlichen Grünfläche vor der Berliner Volksbühne
Auf- und abgebaut an einem Nachmittag: „Stärkung der Freiheit von Kunst und Kultur durch Eröffnung der Geistkonserve.“ © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser

In den Vordergrund geriet der Schmerz über Verlorenes, war dies nun gut oder schlecht gewesen. Als das Rad, das Lücken schloss, gar zum Symbol des Widerstands gerierte, selbst verschwinden wollte, gab es einen Aufstand. Eigentümer ist das Land Berlin. Frank Castorf wollte die Plastik partout zum Gastspiel beim Theaterfestival in Avignon mitnehmen und das passte nicht jedem. Nachfolger Chris Dercon war es egal, hatte es den Anschein gehabt. Lange blieb er nicht. Der Intendant schmiss im April das Handtuch, aktuell leitet Klaus Dörr das Haus kommissarisch. Dem Eigentümer Land Berlin hätte es nicht egal sein sollen. Doch gemeckert hatten Bert Neumanns Erben. Sie befürchteten einen Abriss gar und waren wohl auch deshalb mit dem Abbau nicht einverstanden.

Was jetzt passiert ist, ist nichts anderes als das in einem Kompromiss vereinbarte. Abbau – Castorf durfte zum Amtszeitende das Rad nach Avignon mitnehmen – Transport, Sanierung in Berlin, Aufbau am alten Standort.

Gutes Rad teuer

22.000 Mark hatte das Rad auf zwei Beinen gekostet, gut 11.248 Euro. Die Restaurierung war teurer als die Anschaffung. Verlautbart wurde, dass für „die Restauration Kosten in Höhe von ca. 25.000 Euro entstanden, die die Kulturverwaltung trägt“. Mehr als das Doppelte. Ans Bein gepinkelt haben die Hunde dem Rad. Deshalb der Austausch der Füße.

Rebellisches im Berliner Ensemble

Wirklich Rebellisches findet zurzeit wohl andernorts statt. In der Berliner Theaterlandschaft zum Beispiel das Stück „Auf der Straße“ im Berliner Ensemble. Ausverkaufte Vorstellungen, bestes Theater, erschütterte Besucher, die verändert wieder aus dem Kleinen Haus herauskommen. Das nächste Mal am 27. und 28. Oktober. Waren das Neue, die Wirkung, nicht einmal der Maßstab? Veränderung – Change? Karen Breece trifft den Nagel auf den Kopf und spart nicht mit Kritik. Sie trifft ins Herz und jeden anders, persönlich.

Das Rad der Geschichte dreht sich langsam. Langsam wie eine Laus.

Es scheint, dass das schwere Rad weitergelaufen ist. Weit ist es noch nicht gekommen, gerade mal zum Bertolt-Brecht-Platz am Schiffbauerdamm. Hier scheint es mit seiner Energie eine Weile verweilen zu wollen. Jocelyn B. Smith und die Different Voices tragen dazu bei und wirken an Karen Breece‘ Stück mit.

Das Rad der Geschichte dreht sich langsam. Langsam wie eine Laus.

Am Rosa-Luxemburg-Platz steht nur noch das Symbol. Die Energie ist weg.

Sie kann nicht verschwinden, das wissen wir. Der Energieerhaltungssatz. Wir erinnern uns.

Die Energie ist immer da, sie ist lediglich woanders

Die Energie ist woanders, verwandelt vielleicht, aber sie ist immer da.

Noch in Mitte, aber näher an der Friedrichstraße, näher an der Spree. Ein bisschen weiter westlich. Im Berliner Ensemble ist die Energie der Veränderung jetzt spürbar, „Auf der Straße.“

Im Theater. Jocelyn B. Smith mit Different Voices of Berlin im Brecht-Theater Berliner Ensemble

Büchse auf! Aus der Dose Leben. Feuerstein öffnet Geistkonserve (vor Volksbühne) – für Stärkung der Freiheit von Kunst und Kultur




Barrie Kosky

Barrie Kosky und der gewöhnliche Antisemitismus oder die Frage »Wie antisemitisch ist Deutschland?»

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Umfragewerte sind alarmierend. Während die Zahl der Straftaten in Deutschland 2017 zurückgegangen ist, sind die judenfeindlichen Vergehen um 2,5 Prozent gestiegen. Dazu gehört alles, von Beleidigungen und Schmierereien bis zu schwerer Körperverletzung.

2018 wollte das ZDF in einer Umfrage wissen: »Wie groß ist die Judenfeindlichkeit in Deutschland?» 51 Prozent meinten: »nicht groß», 23 Prozent »groß», 16 Prozent meinten, es gäbe keine. 55 Prozent der Befragten meinen, man solle unter das Erinnern an den Holocaust keinen Schlussstrich ziehen, aber immerhin sind 40 Prozent für einen Schlussstrich. 35 Prozent sind der Auffassung, Deutschland nehme wegen des Holocaust zu viel Rücksicht auf Israel, 46 Prozent finden »Rücksichtnahme» richtig und 6 Prozent meinen, es werde zu wenig Rücksicht genommen. Letztere Frage führt allerdings vom Problem weg, denn viel oder wenig Unterstützung der imperialistischen Politik des Staates Israel ist kein Kriterium für Judenfeindlichkeit. Die Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung, der Landraub in Palästina, der Krieg gegen Gaza, die Okkupation des Golan durch den Staat Israel werden von humanistisch denkenden, friedliebenden Menschen abgelehnt, aber nicht die Juden als Bürger, als Personen oder als Nationalität. Aus einer politischen Meinung kann Kritik entstehen, aber keine Judenfeindlichkeit.

Fakt aber bleibt, dass der Antisemitismus in Deutschland zunimmt, aggressiver wird. Jeder zweite Anhänger der »Alternative für Deutschland» (AfD) meint, Juden hätten in Deutschland zu viel Einfluss, und der Landtagsabgeordnete Bernd Höcke wird umjubelt, wenn er das Holocaustdenkmal »ein Denkmal der Schande im Herzen Deutschlands» nennt.

Ein Stimmungsbild und seine Folgerungen

Was ist aus solchem Stimmungsbild zu folgern? Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper Berlin, geht in einer Dokumentation der Frage nach. »Wie antisemitisch ist Deutschland? Muss man als Jude in Deutschland Angst haben?» In Australien geboren, Jude, seit zehn Jahren in Deutschland lebend und arbeitend, hat er den Vorteil, dieses Land unvoreingenommen, mit fremdem Blick zu sehen – eine Form der Verfremdung also, die zu nüchterner Analyse befähigt.

Kosky zieht aus, um Leute auf der Straße zu fragen: »Was ist Antisemitismus?», »Ist der Holocaust ein Problem? Soll man einen Schlussstrich ziehen?» Er interviewt auch Leute, die sich mit dem Thema politisch beschäftigen oder damit Politik treiben, und jene, die von Anfeindungen betroffen sind.

Betroffene, Verbündete und Agitatoren

Die Familie Michalski aus Berlin nahm ihren Sohn von der Schule, weil er beleidigt und geschlagen wurde. Die Schule unternahm nichts. Ein Jude wurde von Jugendlichen auf der Straße krankenhausreif geprügelt. Benjamin Steinitz von der Informationsstelle Antisemitismus schildert viele Einzelfälle von Antisemitismus im Beruf, auf der Straße oder in der Schule, zum Beispiel von einem Steuerberater, der statt Holocaust lieber »Endlösung der Judenfrage» sagt. Der Sportler Marik Wajnstejn erzählt, wie er Beschimpfungen von Juden auf dem Sportplatz erlebt. Kosky befragt den Träger einer Deutschlandfahne auf einer Demo, der meint, Antisemitismus sei »nicht präsent». Die Antisemitismusdebatte müsse ein Ende haben.

Mit dem Lehrer Dervis Hizarci erörtert Kosky die Frage, ob der Antisemitismus mit den muslimischen Flüchtlingen importiert werde, denn 70 Prozent der Juden fürchten ein Anwachsen des Antisemitismus durch die Flüchtlinge.

Wie steht die evangelische Kirche zum Antisemitismus? Hat das Jubiläum der Reformation den Antisemitismus Martin Luthers verharmlost oder verschwiegen? Der Bischof Markus Dröge erkennt an, dass Luther mit seinem Judenhass einen schädlichen Einfluss auf die Gesellschaft hatte und die Naziideologie beförderte. Diese Belastung der Kirche müsse Konsequenzen haben. Nötig sei eine Kultur des Dialogs von Christen und Juden sowie von Christen und Muslimen.

Kosky interviewt auch Träger der antisemitischen und rassistischen Ideologie oder ihre Verharmloser. Der AfD-Kommunalpolitiker Wolfgang Fuhl aus Lörrach, selbst Jude, leugnet die rassistische Ideologie seiner Partei. »Wir haben keine Rechtsextremen.» Der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Das »deutsche Volk in seiner Mehrheit» entscheide, wer zu Deutschland gehöre. Kosky: So entschied auch das deutsche Volk in der Nazizeit über die Juden.

In dem »Volkslehrer» Nikolai Nering, der in Berlin wegen seiner Hetze und Verschwörungstheorien aus dem Schuldienst entlassen wurde, findet Kosky die Parolen und Lügen der neofaschistischen Ideologie gebündelt. »Deutscher ist, wer sein Land und sein Volk liebt.» Man müsse den »Deutschen» das Schuldbewusstsein nehmen. Kosky sei Staatsbürger der BRD, aber kein Angehöriger des deutschen Volkes. »Antisemit ist nicht einer, der die Juden nicht mag, sondern einer, den die Juden nicht mögen.» Kosky disqualifiziere sich als Deutscher. Der Film zeigt erschreckend, mit welcher Selbstsicherheit und Aggressivität die Ideologen und Agitatoren des Antisemitismus und Rassismus ihren faschistischen Geist verbreiten.

1965 schuf Michail Romm den Film »Der gewöhnliche Faschismus». Er ging der Frage nach, was Menschen dazu bringt, den Faschismus zu bejahen oder sogar zum Mörder zu werden. Vieles von dem, was Barrie Kosky eruiert, liefert sinngemäß Steine zu dem Mosaik »Der gewöhnliche Antisemitismus».

Was aber tun?

Koskys Fazit: Der Antisemitismus in Deutschland war immer da. Das Problem ist nicht gelöst. »Unsere Verantwortung ist, mit den Dämonen und Furien zu kämpfen.»

Da gibt der Film zu wenige Anhaltspunkte. Breit, wenn nicht überbreit, schildert der Film das Selbstverteidigungssystem Krav Maga, quasi die letzte Rettung bei einem physischen Angriff. Unterbelichtet ist, was sich in der Gesellschaft ändern muss, damit der Antisemitismus im Denken und Handeln zurückgedrängt wird. Die Frage drängt sich im Falle des Schülers Michalski auf. Wie müssen die Kinder bereits im Kindergarten und in der Schule zu Völkerfreundschaft, Antirassismus und Solidarität erzogen werden? Hier wäre ein Interview mit dem zuständigen Minister oder mit dem Vorsitzenden der Rektorenkonferenz der Universitäten interessant gewesen. Denn wenn an deutschen Universitäten der Begriff Faschismus verpönt ist oder wenn In Politik und Presse die Nazis vornehm zu »Nationalsozialisten» stilisiert werden, wie soll eine antifaschistische Grundeinstellung vermittelt werden? Oder wenn sich deutsche Polizisten zur AfD hingezogen fühlen? Wie können sich Parteien, Gewerkschaften, Kulturvereine, Kirchen und Verbände gegen Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus engagieren? Wer hält Juden, zum Beispiel jüdische Künstler und Wissenschaftler, zurück, die wegen des Antisemitismus Deutschland verlassen oder sich mit dem Gedanken tragen zu gehen?

Unterschwellig bleibt die Fiktion, das Land Deutschland habe seit der Befreiung vom Faschismus 1945 als Einheit bestanden. Gab es keine Unterschiede zwischen den deutschen Staaten?

In der DDR stand in der Verfassung, die Bekundung von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass werde als Verbrechen geahndet. Wie beeinflusste das die Haltung der Bevölkerung, die Schulbildung, Literatur und Kunst? Was ist davon geblieben? Welches geistige Gut muss erhalten werden?

Ein Film kann eine solide Information bieten, er kann nicht alle Fragen beantworten, aber eine Diskussion einleiten. Thorsten Berrars und Barrie Koskys Film vermittelt eine humanistische Botschaft. Er gehört in alle Schulen (und in die Lehrerbildung).

Filmographische Angaben

Titel: Wie antisemitisch ist Deutschland?
Land: Deutschland
Jahr: 2018
Genre: Dokumentation
Buch und Regie: Thorsten Berrar
Mit: Barrie Kosky
Produktion: Labo M im Auftrag von 3sat und ZDFinfo, Ausführender Produzent Torsten Berg
Länge: 44 Minuten

Ausstrahlung

ZDFinfo, Donnerstag, 27.9.2018, 19.30 Uhr
ZDFinfo, Freitag, 5.10.2018, 05:30 Uhr
ZDF, Mittwoch, 7.11.2018, 00:30 Uhr
3SAT

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Dr. Sigurd Schulze wurde im WELTEXPRESS unter dem Titel „Der gewöhnliche Antisemitismus – Barrie Kosky geht der Frage nach: »Wie antisemitisch ist Deutschland?»“ am 26.9.2018 erstveröffentlicht.




Vollpfosten.

Viele Vollpfosten machen noch keine Entlassung oder „Künstler, Kulturschaffende und Kulturvermittler“, die sich nicht entblöden

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dass Dutzende „Künstlerinnen und Künstler, Kulturschaffende, Kulturvermittlerinnen und -vermittler“ (sic!) den Rücktritt des Bundesinnenministers Horst Seehofer (CSU) forderten, davon ist derzeit viel zu lesen und zu hören. Von beinahe 300 Unterzeichnern ist die Rede, die sich in einer „Erklärung zur Politik des Bundesinnenministers Horst Seehofer“ (Berlin, 21.9.2018) besonders „entsetzt“ zeigen, „dass der Bundesinnenminister fortwährend die Arbeitsfähigkeit der Bundesregierung sabotiert und dem internationalen Ansehen des Landes schadet“.

Wenn das so ist, dann darf alle paar Tage mit einer Erklärung von Künstlern, Kulturschaffenden und Kulturvermittlern wie Hugo Egon Balder zu diesem oder jenem Minister gerechnet werden samt einer Rücktrittsforderung aus gutem Grund. Andere und zwar Gewählte haben gute Gründe, Minister zu ernennen. Das ist Aufgabe des Bundespräsidenten, der Minister auf Vorschlag des Bundeskanzlers ernennt und entlässt.

Dass Jan Böttcher, Matthias Luthardt, Rebecca Raue, Moritz Rinke und Mathias Schönsee, die kaum einer in der Berliner Republik kennt, das nicht dürfen, das ist gut so.

Sie dürfen auch nicht die Bundesminister und die Richtlinien der Bundesregierung bestimmen, das macht der Bundeskanzler. Seehofer ist Merkels Minister. Punkt.

Die fünf Genannten wie Unbekannten sind angeblich die Verfasser des sich „Erklärung zur Politik des Bundesinnenministers Horst Seehofer“ nennenden Geschriebenem. Dass sie unbekannt und bedeutungslos sind, das sollte niemanden stören, aber dass sich dieser Abfassung aus dem Abflussrohr bundesdeutscher Kunst und Kultur nicht nur Hunderte anschließen, sondern Tausende, ja, Zehntausende, die sich für Künstler, Kulturschaffende und oder Kulturvermittler halten, das steht zu befürchten.

Wahrlich, wahrlich, zu viele halten sich für Künstler und nicht still, sondern behaupten, dass Seehofer „die Migrationsfrage zur ‚Mutter aller politischen Probleme‘ erklärt und damit 18,6 Millionen Menschen, die mit migrantischen Wurzeln in Deutschland leben, in Geiselhaft“ genommen habe. Dass Seehofer vieles Tut und manches Unterlässt, das ist wohl wahr, aber dass er das Unterstellte gemacht haben soll, das ist so falsch wie die Erklärung, scheint aber den Künstlern Wurst zu sein, die auch nicht von Können kommt, sondern aus der Fleischfabrik – in der Regel jedenfalls. Nein, diese Künstler sind keine Wissenschaftler, die es besser wissen müssten, sie sind Metzger, die das Messer wetzen. Das ist der neue Mob der alten Linken, die sich mit der Antifa Zeckenbiss, die mit ihrem Video die Republik in Rage brachte, gemein macht. Die Antifa Zeckenbiss muss mit ihrem Video als Beweis herhalten für Hetzjagden (Merkel, CDU) und Pogrom (Trittin, Grüne), die es in Chemnitz nicht gegeben hat. Gegen hat es muselmanische Messerstecher. Der Tote und die Verletzten sind der Beweis. Doch das interessiert diesen Mob, der sich hinter Hetze formiert, nicht.

Unter seehofermussgehen.de werden diese Künstler, die sich nicht entblöden, beim Namen genannt.

Das ZDF-Satiremagazin mit dem Titel „Heute-Show“ verleiht vermutlich zum Jahresende wieder den „Goldenen Vollpfosten“ für eine besondere Dummheit. Ich schlage diese Künstler vor. Alle!




Riesendrachen über dem Tempelhofer Feld in Berlin.

Festival der Riesendrachen zum siebten Mal auf dem Tempelhofer Feld in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ob`s stürmt oder schneit, das siebte Festival der Riesendrachen soll am Samstag, den 22. September 2018, auf jeden Fall starten. Erwartet wird nicht nur ein herbstlicher Tag, sondern allerlei Berliner, Brandenburger und Begeisterte aus aller Welt.

Zehntausende Besucher werden insgesamt erwartet, doch ob die Zahl vom Vorjahr, als rund 85.000 Zuschauer vor Ort waren, geknackt werden kann, die Antwort mein Freund, weiß ganz allein der Wind.

Der Veranstalter, die Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft mbH, freut sich auf „super tollen Wind“. In der Tat dürften Windstärken von 4 bis 5, in Böen 6 zu erwarten sein.

Ein paar Dutzend Drachensteigenlasser mit ein, zwei Dutzend Drachen werden erwartet. Am Himmel über dem Tempelhofer Feld werden wohl wieder Dutzende Drachen, wenn nicht über 100 Drachen zu sehen sein.

Nicht nur für Hans gilt am Samstag: Guck in die Luft!

Besser noch: „Geh zu ihr und lass deinen Drachen steigen“, sangen schon die Puhdys.




Musiker auf dem Zeig-Courage-Fest

Zeig Courage! Berlin feiert mit Live-Musik am Leopoldplatz

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Noch bis 22 Uhr wird auf dem Berliner Leopoldplatz unter dem Motto ZEIG COURAGE! gefeiert. Gegen 19 oder 20 Uhr werden die Stände der vielen Projekte abgebaut, die sich hier vorstellten: Zum Beispiel NARUD e.v., Veranstalter unter anderem auch eines jährlichen interkulturellen Fußballturniers, und die Kinderkunstwerkstatt Seepferdchen aus der Brüsseler Straße.

Zeig Courage – aber zeig dich

Kirche am Leopoldplatz am Wedding am U-Bahnhof Leo U6 und U9
Sonnenschein auf der Kirche am Leopoldplatz: Entspannte Stimmung auf dem Zeig-Courage-Fest. Auf der Bühne: KonstanThyme. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Ein Besucher mit einem Halskettchen mit einem Leuchter, den viele als jüdisch einordnen, beklagte sich über die geringe Werbung für das Festival. Spät und eher zufällig habe er von dem Fest erfahren und wünschte sich mehr Resonanz. Seiner meiner nach sei nicht genug auf das Festival Zeig Courage hingewiesen worden.

Silke Fischbeck aus dem „Seepferdchen“ zeigte sich besser informiert und wusste, dass die Veranstaltung seit Wochen kommuniziert wurde.

Der Aufforderung Zeig Courage! wären wohl noch mehr Menschen mit Mut gefolgt, wenn sie von dem gut erreichbaren Open-air-Event gewusst hätten. Zum Leopoldplatz in Wedding, jetzt ein nördlicher Teil von Berlin-Mitte, führen zwei U-Bahn- und viele Buslinien, auch die Ring-S-Bahn und die in den Westen hineinfahrende Straßenbahn auf der Seestraße sind nicht weit weg.

Zeig Courage macht Musik

Stabbrot auf dem Leopoldplatz (Leo).
Feuerschale. Gemütliche Essenszubereitung auf dem „Zeig-Courage“-Fest am 19. September 2018 in Berlin. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Ein Bühnenprogramm, dass bis etwa halb sechs noch in der Sonne stattfand bei angenehm warmen Spätsommerwetter und eher hochsommerlichen 28-30 Grad, bildete die Klammer zu den vielen Einzelaktivitäten. Zwischen den Imperativen „Willkommenskultur aktiv leben!“ und Zeig Courage und dem englisch formulierten „I am Jonny“, das an „Je suis Charlie Hebdo“ erinnert immer wieder tolle Live-Auftritte im Halbstundentakt.

Silke Fischbeck trat mit Gesang und Gitarre auf, mit und ohne Kinder aus dem „Seepferdchen“.

Flora E. Bernhagen von der Flora-Medienwerkstatt Berlin und Ralf Neubauer von Get-up-Stand-up-TV treten auch mit der Wulaba-Band auf. Darauf wies auch der Moderator hin. Bei den Wulaba-Projekt, wo es um Freiheit geht, sind Flüchtlinge beteiligt. Unterstützt wird die im Dezember 2015 von Menschen aus aller Welt gegründete Gruppe unter anderem von dem Flora-MW-Verlag. Die Musik umfasst viele Stile, politische Lieder, Reggae, Soul, aber auch traditionelle afrikanische Musik oder Hip-hop.

Die engagierte Flora E. Bernhagen hat auch schon mehrere Bücher veröffentlicht: aktuell die „Denk-Welle“, davor „Mauer-Brüche“ und zuerst „Kleines Rotbuch“. Die Lyrikbände verbinden Politik und Weltgeschehen mit Autobiographischem. Flora hat viel erlebt. Ihre Gedichte erzählen auch davon.

Bereits vor 18 Uhr auf der Bühne KonstanThyme, ein Straßenmusiker, den man außer auf der Straße im Weltnetz und auf CD finden kann.

Der Titel der CD ein bisschen so, wie es atmosphärisch auf dem Platz vorgelebt wurde: „Paradies und Das“.

 




Gerngesehene Gäste. Feuerwehrleute auf dem Bürgerfest des Bundespräsidenten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wenn die Presse bei der Feuerwehr zu Besuch ist, brennt es oft nicht. Beim Bürgerfest des Bundespräsidenten unter dem Motto „Zusammenstehen“ waren die Feuerwehrleute gerngesehene Gäste (und Presse auch vor Ort). Die Ehrengäste am Freitag waren Ehrenamtliche aus der ganzen Bundesrepublik Deutschland, darunter Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr. In Berlin gibt es Berufsfeuerwehrleute. In Städten wie Lüneburg sind die meisten Feuerwehrleute Freiwillige. Bei immerhin 75.000 Einwohnern gibt es gerade mal 12 festangestellte, die meisten davon in der Verwaltung. Gäbe es in der Metropole Nordostniedersachsens nur Berufsfeuerwehr, könnte wahrscheinlich nur ein (!) Löschfahrzeug besetzt werden. Die einzige erhaltene gebliebene Stadt der norddeutschen Backsteingotik wäre somit trotz guter Brandschutzvorschriften ständig in Gefahr, ein Raub der Flammen zu werden, gäbe es die freiwilligen Feuerwehren nicht.

Die Feuerwehrleute durften feiern, der Bundespräsident half beim Brandschutz

Damit die Feuerwehrmänner sich entspannen können, griff ihnen der erste Mann im Staate mehrfach unter die Arme. Zum einen erwähnte er sie lobend in seiner Rede. Einerseits generell als wertvolle Helfer und Schützer, anderseits konkret als Brandbekämpfer, Evakuierer und Retter bei dem großen Flächenbrand bei Treuenbrietzen. Der Waldbrand sorgte in Berlin tagelang für schlechte Luft und Brandgeruch. Fenster und Türen sollten geschlossen werden, Klimaanlagen abgeschaltet.

Zum anderen redete er unter dem aktuellen Motto „Zusammenstehen“ gegen die Brandstifter, die ja nicht alle Amri heißen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sparte sinnvoll Steuergelder und reduzierte Kohlendioxid

Unterstützt Bildung und Kultur: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im September 2018 im Garten seines Amtssitzes. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Schließlich sparte er sogar Steuergelder und Kohlendioxid, indem er das große Abschlussfeuerwerk am Freitag abend absagte. Vorbeugung ist das beste, nicht nur in der Gesundheit.

Die monatelange Trockenheit seit April erhöhte die Brandgefahr dermaßen, dass das Risiko, welches mit einem Feuerwerk verbunden ist, nicht eingegangen werden sollte. In der letzten Aprildekade waren deutschlandweit Temperaturen über 25 Grad erreicht worden. Rekord.

Trotzdem blieben sogar die ortsfremden Feuerwehrleute aus Rheinland-Pfalz, wie Präsident Frank Hachemer (im Bild links), in Bereitschaft und tranken lediglich Limonade und alkoholfreie Cocktails, während viele andere Gäste sich am Freibier und dem Freisekt labten.

Das Klima hat sich verschlechtert, auch bei den Feuerwehrleuten im Einsatz. Unverständliche Meckereien und Beschwerden über Lärmentwicklung müssen die Feuerwehrleute aushalten. Sie sind sogar sinnlosen Angriffen ausgesetzt! Das muss ein Ende haben, denn wir alle brauchen sie, die Feuerwehrleute.

Wer einmal in die Geschichte schaut und sich die Stadt Teltow anschaut, die einmal je Jahrhundert abbrannte, kann daraus lernen. Das heutige Berlin ist Groß-Berlin. Es besteht fast zur Hälfte aus dem nördlichen Teil des ehemaligen Teltowschen Kreises.




Wallenstein wird ermordet.

„Der Dreißigjährige Krieg“ aus Sicht einfacher Menschen dank Ego-Dokumenten in einer „Terra X“-Dokumentation im ZDF

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dass der Dreißigjährige Krieg der längste Krieg auf deutschem Boden war, das kann man sich vorstellen, wenn man die Zahl 30 hört und liest.

Doch das Leben von Millionen Menschen in Dörfern und Städten und irgendwo im Nirgendwo deutscher Landen wurden zerstört.

Millionen Deutsche waren auf der Flucht. Sie litten Schmerzen, Hunger und Durst, Wind und Wetter, Kälte. Viel fanden den Tod.

Vierhundert Jahre nach dem Ausbruch des Krieges wird die zweiteilige „Terra X“-Dokumentation „Der Dreißigjährige Krieg“ im TV gezeigt. Der erste Teil lief bereits am vergangenen Sonntag, den 9. September 2018, und der zweite Teil soll am kommenden Sonntag, den 16. September 2018, um 19.30 Uhr im ZDF folgen.

Laut Pressemitteilung des ZDF vom 5.9.2018 würde die Doku „einen neuen Zugang zu den damaligen Ereignissen“ bieten. „Sie erzählt über sogenannte Ego-Dokumente das Leben der einfachen Soldaten und der Landbevölkerung. Ego-Dokumente sind persönliche Berichte, die aus Tagebüchern oder anderen Quellen stammen und einen Blick von unten auf die große Geschichte des Dreißigjährigen Krieges ermöglichen.

Der „Terra X“-Zweiteiler begleitet den Schuster Hans Heberle aus Ulm, den Söldner Peter Hagendorf, Pater Caspar Wiltheim aus Magdeburg, die Müllerin Anna Wolf aus Schwabach, die Soldatenfrau Elisabeth Gemmeroth und den Bauer Caspar Preis aus einem Dorf bei Amöneburg. Anhand ihrer Selbstzeugnisse werden die großen Stationen des Dreißigjährigen Krieges deutlich: vom Prager Fenstersturz 1618, dem Eingreifen des schwedischen Königs Gustav Adolf, der „Magdeburger Bluthochzeit“ bis zu den Friedensverhandlungen von Münster und Osnabrück, die 1648 offiziell den Krieg beendeten. Eindrücklich erzählen die Filme vom alltäglichen Überlebenskampf im Schatten der großen Katastrophe.“

Danach war Deutschland zerteilt, zerstückelt und an den Rändern zerlegt, also kleiner, viel kleiner. Teile und Herrsche. Flandern und Friesland waren futsch. Beispielsweise wurden die Niederlande als Staat gegründet und die Schweiz. Schweden griff im Norden zu, Frankreich im Westen, verleibte sich die Bistümer und Städte Metz, Toul und Verdun ein und griff über Lothringen, Elsass und Sundgau sogar rechts des Rheins zu, beispielsweise auf Breisach.

Wer im Weltnetz gucken will, der kann die beiden Folgen seit Samstag, den 8. September 2018, unter terra-x.zdf.de in der ZDF-Mediathek abrufbar.




Familienfest im Erlebnisland Mathematik in den Technischen Sammlungen Dresden

Dresden, Deutschland (Kulturexpresso). In Dresden gibt es nicht nur einen Tierpark, sondern auch einen Zoo der Zahlen. Vor zehn Jahren öffnete das Erlebnisland Mathematik in den Technischen Sammlungen Dresden (TSD), von dem die Macher meinen, dass es eine „Strahlkraft“ habe, die „weit über die Stadtgrenzen Dresdens hinaus“ ginge.

Wenn das so ist, dann wird am morgigen Sonnabend, den 8. September 2018, das Familienfest zum Zehnjährigen wohl voll.

Ab 10.30 Uhr solle laut Pressemitteilung der Museen der Stadt Dresden vom 5.9.2018 „die Direktoren des Erlebnislandes und der Technischen Sammlungen die Gäste, natürlich mit Geschenk und Kuchen“ begrüßen. Um 11 Uhr zeige der „rechnende“ Hund Tango seine Kunststücke. Um 13.00 Uhr werde „am großen, stählernen ‚Durchkrabbelknoten‘ eine außergewöhnliche Tanz-Performance mit Live-Musik aufgeführt. Studenten der TU Dresden präsentieren im halbstündigen Rhythmus unter der Überschrift ‚Mathematik live‘ Wissenswertes und Hintergründiges zu ausgewählten Exponaten.“

Ein „Erlebnisland-Bingo“ warte „auf potentielle Gewinner, ein Wer-löst-am-schnellsten-ein-3D-Puzzle?-Wettstreit“ suche „Spieler“ und Knobeln und Basteln könnten Gäste auch. Um 16 Uhr würde „bei Tee und Gebäck der Dresdner Architekt Gerd Priebe (GPAC) und Dr. Frank Schladitz von der TU Dresden über das Zukunftsmaterial Carbonbeton und sein Potential für nachhaltiges Bauen“ diskutieren.

Wer mehr Zahlen möchte, der ist vielleicht bei Ralph Caspers, der bekannt aus „Die Sendung mit der Maus“ und „Wissen macht Ah!“ sei, um 14.30 Uhr richtig, wenn er unter der „Überschrift ‚1+1=10 und andere Rechenkünste‘ große und kleine Gäste mit auf eine unterhaltsame Reise durch die Mathematik“ nehme..

Wem das alles zu viel Zirkus im TSD und zu wenig Zoo der Zahlen ist, der wird vielleicht irgendwo auf den 1000 Quadratmetern „mit über 100 Experimenten“, wo „Mathematik spielerisch erfahrbar, mathematische Phänomene zum Erlebnis und zunächst abstrakt erscheinende Sachverhalte … anschaulich und anfassbar“ werden würden, sein Glück finden.

Erlebnisland Mathematik

Technischen Sammlungen Dresden

Junghansstraße 1-3, 01277 Dresden

Menschen, Tiere, Attraktionen beim Familienfest am Samstag, den 8. September 2018, von 10 Uhr bis 18 Uhr.

Öffnungszeiten: von dienstags bis freitags von 9 Uhr bis 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 10 Uhr bis 18 Uhr

Eintrittspreise: 5 Euro, ermäßigt 4 Euro