Unter dem neuen Palazoo-Zelt am Bahnhof Zoo, Hertzallee. Einer der wenigen Pfeiler.

Palazzo? PalaZOO! Hans-Peter Wodarz und Kolja Kleeberg mit Super-Zelt auf ehemaliger Riesenrad-Freifläche am Berliner Zoo

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Palazzo wird langsam erwachsen. Die Kinderkrankheiten sind ausgestanden, das Konzept ist geblieben. Jedes Jahr eine neue Show, beste Musik und ein exquisites Vier-Gang-Menü. Doch was nützte es, falls man nicht gerade auf dem Super-VIP-Logenplatz direkt vor der Bühne saß?

Viele Plätze im zweiten und dritten Ring waren ganz gut, doch die Pfeiler versperrten zu oft die Sicht auf die Künstler. Diese weigerten sich, im freien Sichtfeld eines bestimmten Zuschauers zu jonglieren, tanzen, singen und springen – sie bewegten sich ständig!

Sogar wenn sie sich dicht unter die Decke, pardon, unter das (Himmels-)Zelt schwangen, gerieten die Artisten manchmal außer Sicht. Oder sie erschienen wegen eines der vielen Pfeiler zweigeteilt wie die zersägte Jungfrau, die früher im Zirkus ein Klassiker war. Und das war schade, denn die Darbietungen waren wirklich exquisit.

Lauter Hingucker, auf dem Teller, der Bühne, in der Manege

Doch nun ist alles anders! 14 LKW brachten einen neuen, 15 Tonnen schweren Spiegelpalast, der mit 140 Lüstern ausgeleuchtet wird. Jetzt kann man praktisch von jedem Platz aus so gut wie alles sehen.

Palazzo war schon lange ein Erlebnis für Gaumen, Augen und Ohren; wenn man sich die Zeit nimmt, kann man es jetzt richtig genießen.

Wer zum Beispiel in Berlin-Tegel landet, setzt sich in den 109er Bus und lässt sich kohlendioxidfreundlich und entspannt kutschieren. So biegt man am Adenauerplatz auf den Kurfürstendamm ein und am Kranzlereck Richtung Zoo. Statt an der Haltestelle „Zoologischer Garten – Endhaltestelle“ auszusteigen, fährt man nach dem Motto „Sie können noch bis zur Betriebshaltestelle mitfahren“ bis zur allerletzten Station. Mit dem Bus X9 vom Flughafen Tegel (TXL) erzielt man ein ähnliches Ergebnis, sogar schneller, verpasst nur den einstimmenden Blick auf den Ku‘damm.

Am Ziel angekommen keine Spur von dem Matsch, den so manches Zirkuszelt umgibt. Auf breiten, mit dezent bunten Steinen gepflasterten und gut beleuchteten Wegen geht es vorbei an Pflanzungen. Am Eingang tritt man durch die eventuell bereits gewohnten Holztüren ein. Nicht durch einen Vorhang, wohlgemerkt.

Sofort ist man in der angenehm gut beheizten und gut schallgedämmten Palazzowelt.

Circus Flicflac erlaubte sich an derselben Stelle noch den Scherz mit einer Reihe von Türen von Dixitoiletten – natürlich in einem anderen Zelt. Das war eine Saison zuvor und ist Schnee von gestern, längst vergessen.

Palazzo hat hier alles verbessert, nicht nur sich selbst an allen Ecken und Enden, sondern auch das Umfeld.
Im „Spiegelpalast“ des Palazzo kann man sich so wohl fühlen wie in jeder anderen edlen Location. Im Foyer ein Getränk zu sich nehmen, Smalltalk pflegen und – sich willkommen geheißen fühlen. Oft begrüßen einen die Gastgeber Wodarz und Kleeberg persönlich. Einem schönen Abend, auch wenn man diesen nicht zu früh loben soll, steht nichts mehr im Wege. Außer – der größte Feind des Menschen ist der Mensch – man steht sich selbst oder dem Genuss im Wege.

Nach der Begrüßung interessiert die meisten das Menü

Wie bei der Show so steht auch im Programmheft eine herzliche Begrüßung am Anfang, dann steht das Menü im Fokus. Die Neugierde auf die Darbietungen können die meisten wohl im Zaume halten, nicht aber ihre Frage: „Was gibt es denn heute?“

Ein Antwort, ohne die es nicht geht: Vegetarisch oder nicht?

Auf den Seiten 6 und 7 wird das Vier-Gang-Menü dargestellt, in seiner klassischen und vegetarischen Variante, unter denen man rechtzeitig auswählen muss. Da diese Entscheidung weniger von der Speisekarte abhängt als von grundsätzlichen Überlegungen, konzentriere ich mich auf das Vegetarische.
Der Schnickschnack von ‚vegan‘ ist nichts für Kolja Kleeberg und wäre auch aus organisatorischen Gründen schwierig. Die einzelnen Gänge werden innerhalb von 10 Minuten serviert. Das bedeutet, dass beispielsweise alle 1,7 Sekunden eine Vorspeise die Küche verlässt. Mehr als zwei Menüs würden die Logistik sprengen. Eine Veganvorgabe zudem die Gestaltungsmöglichkeiten beim Menü stark eingrenzen und wohl auch nicht den Geschmack der Mehrheit treffen.
Beide Menüvarianten haben als 4. Gang ein identisches Dessert.

Die Speisekarte

„Vegetarisch“ beginnt mit Rote-Bete-Linsen mit Tamarindendressing, Wildkräutersalat und gepufftem Wildreis.
Wer sagt, das habe er schon einmal gegessen, dem glauben wir nicht.
Im Zwischengang gibt es ein Klare Tomaten-Consommé mit Basilikumsoufflé und weißen Bohnen. Schließlich will man ja auch ein kleines bisschen satt werden.
Der Hauptgang bietet einen Pilzstrudel mit Taleggio, violettem Senf und wildem Broccoli.
Zum Nachtisch darf man sich freuen auf eine Tarte von Dulce de Leche mit Gewürzmandarinen, dunklem Schokoladensorbet und Pistazienmacaron.

Die klassische Variante, die noch die Mehrheit bestellen dürfte, kombiniert das Tomatenconsommé mit Krustentieren, Garnelen und Meeressprossen-
Im Hauptgang gibt es Kalbsfilet im Steinpilzbrotmantel an Rotweinschalotten, Liebstöckelsalz und Panisse

Schau an, was für eine Show

Zu verantworten hat die Show Verena Schmidt. Die unprätentiöse kleine Frau kann definitiv leicht übersehen werden – was ihr nicht angemessen ist, vielleicht aber ihre Arbeit als „Artistic Director“ erleichtert. Sie meint von sich selbst, dass die drei Wörter ‚Neugierig‘, ‚strukturiert‘ und ‚ehrgeizig‘ sie am besten beschreiben. Die gute Art von ehrgeizig und die Strukturiertheit glauben wir ihr aufs Wort. Unstrukturiert könnte man so etwas Tolles nicht auf die Beine stellen. Und Neugier? Dieses Jahr ist so eine runde, erstklassige Show zustandegekommen, dass die Fähigkeit und der Wunsch, Neues zu entdecken zu wollen, wohl dazugehört.

Tänzerinnen und Humor

Der Abend besteht aus vielen Elementen, die Revuetänzerinnen Natalie Brooker und Chanelle Freeland gehören dazu. Freeland sagt, der bislang beste Moment ihres Lebens sei das Gefühl gewesen, nach mehrjährigen Reisen nach Hause zu kommen. Nach Hause, das ist für die beiden Australien. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass sie als Ort, den jeder einmal im Leben besucht haben sollte, Byron Bay angeben. Wegen der wunderschönen Strände und Berge. Cool wie Models blicken sie in die Kamera, etwas farblos und blass scheint es. Sie sind groß und schlank, fast hager. Um beurteilen zu können, was die beiden „drauf haben“, müssten sie länger am Stück auftreten.

Glanz & Gloria

Die neue Show heißt „Glanz und Gloria“, das wird ihnen auch zugeschrieben. Sie treten in edlen, handgefertigten Kostümen auf.
Bei der Vielzahl von Künstlern, die auftreten – während der Saison sind rund 80 Mitarbeiter und Künstler täglich auf den Beinen – haben es die Komiker und die Artisten leichter, die Aufmerksamkeit zu erheischen als die Tänzer.
Ein Clown braucht quasi nur die Zeit bis zur Pointe zu überbrücken und was die Artisten präsentieren, gehört meist in die Schublade „Wow“. Comedy Director ist Aitor Basauri aus Spanien; sein Vorbild ist Harpo Marx, der Entertainer.
Es schickt Miss Frisky ins Rennen, die durch den Abend führt und Zahir Circo, Comedians, die zaubern können. Tolle Männer.

Miss Frisky tut recht vulgär, kann aber so singen, dass man sie sofort ernst nimmt! Sie war erfolgreich an der Oxford-Universität und absolvierte die Royal Academy of Music mit Auszeichnung.
Mir persönlich gefiel der Gesang viel besser als ihre Rolle als Moderatorin mit rosa Perücke. Geschmackssache. Wenn gerade nicht Palazzo-Saison ist, tourt sie solo oder im Komikduo „Frisky & Mannish“ um die Welt.

Die Band ist bekannt

Die deutschkanadischen Lonely Hearts sind reumütig in den Palazzo-Schoß zurückgekehrt, schön.
Von den Showacts möchte ich so wenig wie möglich verraten, außer das sie sehenswerte, nie gesehene Kracher sind.

Wenn der Wecker nicht klingelt

Zahir Circo, das sind Kike Aguilera aus Barcelona und Luciano Martin aus Buenos Aires. Die Lingua Franca Spanisch ermöglicht ihre reibungslose Zusammenarbeit. Kike findet, das beste am Künsterleben sei, dass morgens kein Wecker klingelt. Er bedankt sich dafür bei der Welt, in dem er ihr Lachen schenkt.

Männer, die nicht sägen können

Zum Glück ist es ihnen noch nicht gelungen, sich zu zersägen. Entweder gelingt das nur Jungfrauen oder sie haben es einfach nicht drauf.
Schön, dass Zerstörungswut nicht immer zielführend ist.
Kikes unvergesslichster Auftritt war vor gut zehn Jahren in einem Flüchtlingslager in Namibia. Vor tauben und blinden Kindern.

Anschrift: Neue Adresse: Hertzallee am Bahnhof Zoo, 10787 Berlin
Viele Kudammbusse und/oder die Direktverbindungen 109/ X9 zum Flughafen Tegel.
Bus 46, 49, X34, X49, 110, 100 und 200. S-Bahnen der Stadtbahn und U2. Seit dem Brand in der Silvesternacht keine Regionalzüge.




Musikgruppe Walk-a-tones in Hessen-Halle 22 auf der83. Internationalen Grüne Woche IGW 2018

Sie laufen durch Hessen und Partnerland Bulgarien … Die Internationale Grüne Woche ist auch ein Ort für Musik, Tanz und kleine Konzerte

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Als Konzertsaal sind sie ungeeignet, die Messehallen am ICC und Berliner Funkturm. Man kann sie sehr variabel umbauen, doch gibt es auf der Messe einfach zu viele Nebengeräusche. Trotzdem jagt auf der Internationalen Grünen Woche 10 Tage lang eine Vorstellung die nächste, oft sogar gleichzeitig in mehreren Hallen. Bereits bei der feierlichen Eröffnung am Donnerstag abend zeigte das Partnerland Bulgarien, dass es ein Hort der Kultur ist.

Nicht das Gastland ist für die Unterhaltung bei der Auftaktveranstaltung zuständig. Bulgarische Musiker und Tänzer lieferten eine tolle Show ab und zeigten, dass verstaubte Vorstellungen von dem osteuropäischen Land überholt sind. Sie erzeugten mit Musik und Tanz mehr Begeisterung beim Publikum als der gutgelaunte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt und sein bulgarischer Amtskollege Rumen Porodzanov.

Die Landwirtschaftsminister, die Urwälder und die Musik

Christian Schmidt (CSU) und Porodzanov, Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, hielten vor geladenen Gästen durchaus wichtige Reden. Schmidt machte sich um die Insekten Sorgen und versicherte, dass nur soviel Glyphosat eingesetzt würde, wie nötig. Bienenhecken und Blütenstreifen sollen den kleinen Viechern das Überleben ermöglichen.
Porodzanov überraschte viele mit der Information, dass 10% der bulgarischen Wälder jahrhundertelalt sind.

Partnerland Bulgarien bietet Berge, Rosenduft und Musik

Wunderschöne Bilder von Rosen, Feldern und Bergen waren auf riesigen Großbildflächen zu sehen, eine technische Meisterleistung.

Doch die Begeisterung entstand immer wieder durch die Musik. Sie ließ die Zuhörer mitgehen und am Ende frohgemut den Saal verlassen.

Dudelsack und Volkstanz

Am Freitag, die Messehallen sind endlich geöffnet, eröffneten die Bulgaren den Stand der Partnerlandes. Tänzer in traditionellen Trachten fließen durch den Saal. Ein Dudelsackspieler fasziniert das Publikum. Traditions- und Liedgutpflege lässt europaweit erkennen, wie erstaunlich weit das Instrument verbreitet war. Der Dudelsack gehört nicht nur nach Schottland.

Das Partnerland Bulgarien und das ABC

Beschwingt stellen sich so die Besucher nach Köstlichkeiten an. Auf der Grünen Woche wird ihnen allerhand geboten, und bei weitem nicht nur für Gaumen und Magen.
Das Partnerland Bulgarien steht im Länderalphabet hinter Botswana. Vergangenes Jahr elektrisierten afrikanische Tänzer auf der Riesenbühne im ICC-Ersatz City Cube die Zuschauer. Die Grüne Woche 2017 hatte Ungarn als Partnerland, die ITB Botswana. Ob das Partnerland nach dem Alphabet ausgesucht wird? Ist bald China oder Cuba dran? Kuba dürfte dann vielleicht gegen Extragebühr 10 Tage lang einen Buchstaben am Cube überhängen.

Was wird früher fertig: BER oder ICC?

Das ICC Berlin zwischen Ringbahn und Funkturm ist übrigens noch geschlossen. Die letzten Flüchtlinge zogen im September kurz vor Beginn der IFA aus. Umbau und Sanierung werden in die Länge gezogen. Das internationale Kongresszentrum ICC lässt sich unterteilen wie ein Schiff mit Schotten. Die Sanierung könnte längst auf einem guten Weg sein. Im Gegensatz zu dem neuen Flughafen auf der grünen Wiese, der 2012 eröffnet werden sollte, sind hier keinesfalls die Architekten, Bauarbeiter oder Bauplaner schuld. Die Arbeiten werden einfach nicht begonnen, die Landespolitiker schieben den Schwarzen Peter einem Investor zu und verursachen so trotz voller Kassen Stillstand.

Messe braucht Gebäude, ICC steht leer: Dornröschenschlaf

Die Messe Berlin ist eine Melkkuh der Stadt, viele Messen sind Leitmessen und ziehen Hunderttausende in die Hauptstadt. Messechef Göke hat seit Jahren Platzprobleme und denkt an den nächsten Neubau auf dem Messegelände. Derweil ziehen die Massen vom S-Bahnhof Messe Nord/ ICC am architektonischen Wunderwerk vorbei Richtung Funkturm und Sommergarten. Das „Alumonster“ ICC, wie mancher Berliner es liebevoll nennt, ein hochdurchdachter Ort der Geschäftigkeit und Begegnung, schläft noch einen Dornröschenschlaf.

Aroma der Sonne, Erlebnisse der Sinne

Währenddessen ist in Halle 10.2 – in der Nähe des „Großen Sterns“ – das Gedränge groß. Das Partnerland Bulgarien der 83. Grünen Woche feiert unter dem Motto „Aroma der Sonne“ die zusätzliche Aufmerksamkeit. Auf der Homepage der Grünen Woche oder IGW steht dazu: „Erlebnisse für alle Sinne“. Das trifft den Nagel auf den Kopf.
Die Augen essen nicht nur mit, sondern erfreuen sich an den Künstlern und Tänzern mit ihren farbigen Kleidern, bunten Tüchern und typischen Kopfbedeckungen. Die Ohren kommen auch auf ihre Kosten.

Hessen in Halle 22 nicht ohne Musik

Wer nach einiger Zeit nicht mehr sicher ist, ob ihn die Dudelsackmusik erfreut oder nicht, verlässt die Halle 10.2. (Das Wort „Gedudel“ wird heute meist nicht mehr neutral gebraucht.) Irgendwann trudelt er vielleicht in Halle 22 ein. Stand 151 ist vom hessischen Ministerium für Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV) gemietet. Doch keine Sorge, die Länderhalle Hessen findet man auf dem Weg zum Ausgang Nord am Hammerskjöldplatz ganz automatisch.

20er-Jahre-Klänge bei der 83. IGW seit 1926

Vielleicht wird man von den Klängen der 20er Jahre dazu bewegt, die Schritte zu verlangsamen. Sich an den gastlichen Tischen des wohlhabenden Bundeslandes niederzulassen und hessische Spezialitäten zu probieren. Ein halbes Dutzend Musiker stimmt „der kleine Kaktus“ auf dem Balkon und manch andere Melodie an, die einst kleine, vielstimmige Herrenensembles sangen. Die „Walk-a-tones“ bestehen aus einer Sängerin und einem Sänger, zwei Akustikgitarren, Geige und Kontrabass.

Sonst nur auf geschlossenen Gesellschaften, jetzt auf der Grünen Woche

Die Gruppe spielt meist auf geschlossenen Gesellschaften in Frankfurt am Main und „Umgebung“. Eine Platte oder CD haben sie nicht herausgebracht. Sie covern eher. Eine seltene Gelegenheit, die Walk-a-tones und ihre Leadsängerin zu erleben, ist die Grüne Woche. Hier kann man eine Eintrittskarte kaufen und ist dabei. Langeweile ist anderswo. Fürs leibliche Wohl ist gesorgt.

Eintrittskarten: Dauerkarte 42 Euro, Tageskarte 15 Euro, Schulklassen mit Schulnachweis 4 Euro pro Schüler, Familienkarte 31 Euro, Gruppenkarte 12 Euro ab 20 Personen, Sonntags-Ticket 10 Euro, diese für Schüler und Studenten 5 Euro.

Ab Freitag, den 19. Januar 2018. Ort Messegelände am Funkturm und ICC in Berlin-Charlottenburg. S-Bahn Messe Nord/ICC (S41/ S42 Ring).

https://www.gruenewoche.de/

www.walk-a-tones.de

Hier geht es zum Artikel über die Grüne Woche des vergangenen Jahres:

Es grünt so grün… – Internationale Grüne Woche und Green-Me-Filmfestival lassen Berlin erstrahlen




Der Whiskyatlas von Dave Broom.

Der Whiskyatlas – Eine Annotation zum Buch von Dave Broom

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Gourmet ist nicht nur ein Besseresser und Feinschmecker, sondern auch ein Genießer guter Getränke. Dazu gehört auch eine – salopp formuliert – durch Destillation aus Getreidemaische gewonnene und im Holzfass gereifte Spirituose, zu der bei Hallwag im Verlag Gräfe und Unzer eine besonderes Buch erschienen ist.

Auch wenn es keine Kartografie ist, sondern nur ein Bildband, trägt das Buch von Dave Broom den Titel „Der Whiskyatlas“. In einem fetten Finger breiter als Format A4 großen Buch werden über 200 Destillerien und 750 Verkostungsnotizen auf 336 Seiten präsentiert. Diese vollständig überarbeitete Neuausgabe wurde von Reinhard Ferstl in die deutsche Sprache übersetzt.

Whiskyexperte Dave Broom führt in wichtige Destillerien, aber nicht in alle und schon überhaupt nicht in alle neuen. Auch wenn es in einer Pressemitteilung heißt, dass „die Tage, da die Erzeuger fast ausschließlich in Schottland, Irland, den USA und
in Kanada zu finden waren“ vorbei seien und „von Tasmanien bis Taiwan, von Schweden bis Colorado … laufend neue Brennereien und kleine Manufakturen gegründet“ würden, „die ohne Probleme mit den Erzeugnissen des Whisky-Establishments mithalten können“, kommt Schottland von Seite 30 bis 193 vor, danach die weiteren Klassiker, zu wenig Irland, Japan, die USA und Kanada. „Der Rest der Welt“ wird von Seite 228 bis 323 abgehandelt. Das ist wahrlich wenig.

Deutschland kommt auf drei Seiten vor, wobei eine Seite eine grobe Karte einnimmt. Ärgerlicherweise ist der Schriftgrad im ganzen Großbuch viel zu klein. Trotz Flattersatz wird das Lesen arg erschwert.

Dass die Gastronomische Akademie Deutschlands dieses Werk 2013 mit einer Goldmedaille auszeichnete, das ist verwunderlich, aber vermutlich werden es diese Akademiker nicht gelesen haben können. Für echte Anfänger mit Vergrößerungsgläsern scheint mir das als Standardwerk angepriesene Buch geeignet, aber nicht für einen Preis.

Bibliographische Angaben

Dave Broom, Der Whiskyatlas, 336 Seiten, 350 Abbildungen, 24 Übersichtskarten, Übersetzung: Reinhard Ferstl, Format: 22,9 x 29,2 cm, Hardcover mit Schutzumschlag, Hallwag beim Verlag Gräfe und Unzer in der Ganske-Verlagsgruppe, 1. Auflage München 2016, ISBN: 978-3-8338-5521-4, Preis: 49,90 EUR (D), 51,30 EUR (A), 65 sFr




Sonderausstellung "Chili & Schokolade. Der Geschmack Mexikos" im Botanischen Garten und Botanischem Museum Berlin.

Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin locken mit dem Geschmack Mexicos und leckerer Ausstellung zu Chili und Schokolade

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Zusammenarbeit zwischen Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin (BGBM) und dem Instituto de Biología der Universidad Autónoma de México, Ciudad de México (UNAM) ist derzeit im Museum und in Gewächshäusern in Westberlin zu sehen. Die Ausstellung, die im Mai 2017 begann und noch bis Ende Februar 2018 zu besichtigen ist, trägt den Titel „Chili & Schokolade. Der Geschmack Mexikos“.

Chili und Schokolade sind aber nicht alles, was wir aus Mexiko kennen und im eigenen Haus schätzen. Mais, Avocado, Bohnen und Tomaten sind so bekannt wie Pittahaya, Chia, Annatto oder Cilantro überwiegend unbekannt. Diese und weitere wichtige Nutzpflanzen von rund 30.000 Pflanzenarten in und aus Mexiko sowie ihre Jahrtausende alte Geschichte werden in der sehenswerten Ausstellung, die durchaus den Appetit anregt, vorgestellt.

Denn neben Sehen und Riechen ist Anfassen und Probieren erlaubt. Das Ausstellungserlebnis für alle Sinne, schließlich sind auch Vorträge zu hören, bietet zudem Studieren. Allerdings kommt zum Studieren in Workshops das Probieren, jedenfalls werden Kostproben gereicht.

Bei Lesungen mit Menü vom Restaurant eßkultur werden Speis und Trank schon mehr. Neben einem vollen Bauch können Besucher auch ein dickes Buch, genauer: ein botanisch-mexikanisches Kochbuch, mitnehmen.

Ausstellung im Museum und Gewächshäusern (BGBM)
Zweisprachig (deutsch-englisch)
Normaler Garteneintritt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro (Museumseintritt inkl.)
Eingang: Botanisches Museum, Königin-Luise-Str. 6-8, 14195 Berlin




Guide Michelin Deutschland 2018

Sternenhimmel über Deutschland – Der Guide Michelin Deutschland 2018 wurde in Potsdam präsentiert

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am Dienstag, den 14. November 2017, wurden in Potsdam Restaurants und Köche im Rahmen einer Gala geehrt, die im neuen Guide Michelin Deutschland 2018 stehen.

Die „Selektion 2018“ des neue Restaurantführers sei „gewissenhaft aktualisiert und aufgefrischt“ worden. Dafür hätte sich „das ganze Jahr“ über bei den „Michelin-Inspektoren“ alles um „hochwertige Adressen – Restaurants, Hotels und Persionen – in allen Komfortklassen und Preiskategorien“ gedreht.

Beim Blättern in den 1104 Seiten „auf Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft“ kann einem Leser aber auch schwindelig werden.

Die neuesten Sterne gehen im Dreierpack an Atelier nach München, im Zweierpack an Keilings Restauant in Bad Bentheim, Schwarzenstein Nils Henkel in Giesenheim, Wald- & Schlosshotel Friedrichsruhe – Gourmet-Restaurant „Le Cerf“ nach Öhringen/Friedrichsruhe und an Courtier in Wangels. Die neuen Ein-Sterne-Restaurants sind: Al Pero in Andernach, Yoso in Andernach, Golvet in Berlin, Cookies Cream in Berlin, tulus lotrek in Berlin, 17 fuffzig in Burg, N°4 in Buxtehude, Fritz`s Frau Franzi in Düsseldorf, Yoshi by Nagaya in Düsseldorf, Schloss Hugenpoet – Laurushaus in Essen, Eckert in Grenzach-Wyhlen, Ratsstuben in Haltern am See, Jellyfish in Hamburg, BjrönsOx in Hilden, Intense in Kallstadt, Voit in Kassel, Schwarz Gourmet in Kirhheim an der Weinstraße, WeinAmRhein in Köln, Leo`s by Stephan Brandl in Kötzting, Le Corange in Mannheim, Emma Wolf since 1920 in Mannheim, Anthony`s in Meerbusch, Schuhbecks Fine Dining in München, Schwarzreiter in München, Deimann – Hofgur in Schmallenberg, Anima in Tuttlingen, Siedepunkt in Ulm, The O`room by Tom Wickboldt in Heringsdorf und Zeitwerk by Robin Pietsch in Wenigerode.

Die Liste der Neuen beim Bib Gourmand ist noch etwas länger.

Berlin ist und bleibt bei den Stern wie auch beim Bib Gourmand 2018 die Gourmet-Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland.




Cocktail

Fotoreportage: Gerichte und Getränke der Gala des Guide Michelin 2017 in Potsdam

Potsdam, Deutschland (Kulturexpresso). Der Guide Michelin lud 2017 zur Vergabe der Sterne und Restaurant-Führer nach Potsdam und tischte auf, aber sehen Sie selbst!




Endspurt der italienischen 72 Stunden. 7 von 52 Berliner Orten für authentisches Essen – ein Sonntagsausflug!

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 52 Ziele in rund 3 Tagen – das wird natürlich kaum jemand vollständig versuchen, bedeutete es doch, im Durchschnitt 17 Lokale pro Tag zu besuchen. Oder anders gerechnet: Bei 20 Stunden Fahrtzeit (weniger als eine halbe Stunde pro Ziel, auch ohne Taxi machbarer als die 80 Tage um die Welt zu seiner Zeit) bleibt eine ganze Stunde zum Verweilen je Gaststätte. Rechnerisch, denn keine ist rund um die Uhr geöffnet.

Deshalb hier ein halbes Dutzend Adressen, damit man sie nicht erst suchen muss – als Tour zusammengestellt.
(Mit der BVG bzw. U-Bahn. Ortskundige, Navi-Nutzer und Taxikunden haben das Ziel schon gefunden.):

Wie beginnen zentral und touren dann spiralförmig im Uhrzeigersinn durch die Bezirke Tempelhof-Schöneberg, Mitte, Kreuzberg-Friedrichshain und Neukölln.

Auch die Fugger kamen rum: Trattoria a’Muntagnola

Der Anfangspunkt liegt in Ku’damm-Nähe. Schon der Gründer des KaDeWe, dass in der reichsten Stadt Preußens lag (Charlottenburg), wusste, was eine gute Lage ist: Der Wittenbergplatz.
Die U-Bahnlinien 1,2,3 und viele Busse sowie die Nähe des Fernbahnhofs Zoo machen ihn gut erreichbar. Vom KaDeWe gehen wir rechts in die Bayreuther Straße und ihre Verlängerung nach Süden, die Welserstraße. Dort befand sich das Berlinale-Kino „Arsenal“. Nach links in die Fugger liegt bald auf der rechten Seite die gesuchte Trattoria.
Dort erwartet uns eine freundliche Gastwirtin (siehe Bild) mit ihrer Familie.
Es ist täglich geöffnet, die Küche von 17-24 Uhr.

Trattoria a’Muntagnola, Fuggerstraße 27, 10777 Berlin, Tel. (030) 2 11 66 42 www.muntagnola.de

Parma (di Vinibenedetti) in Wedding

Je nachdem, wir satt wir sind, fahren wir jetzt in den Wedding, (Zurück zum Wittenbergplatz, mit Bus 46 zum Zoo, oder mit der U2; oder mit der U1/U3 bis Kurfürtendamm oder Spichernstraße; jedenfalls zur U9, dort umsteigen Richtung Osloer Straße bis Leopoldplatz.)
Parma, wo der Schinken herkommt, liegt im Norden Berlins nördlich des U-Bahnhofs Leopoldplatz in der Utrechter Straße 31 in 13347 Berlin (Ecke Malplaquetstraße, die vom Platz als Abkürzung hierherführt). Tel (030) 49 08 98 85 .

Weiter ginge es zurück zum „Leo“ und dann mit der anderen U-Bahn-Linie, der U6 Richtung Alt-Mariendorf bis zum S-Bahnhof Wedding. Dort in die Ringbahn S41 bis Ostkreuz. (In Fahrtrichtung hinten aussteigen.)

[Lässt man das „Parma“ aus, fährt man vom Wittenbergplatz mit dem 46er oder der U2 Richtung Ruhleben zum Zoo und von dort mit der S-Bahn bis Ostkreuz.]

Der Ausgang Richtung Sonntagstraße (!) führt automatisch rechts in die Neue Bahnhofstraße. Die 7b an der nächsten Ecke ist unser Ziel. An der Ampelkreuzung mit der Boxhagener Straße liegt rechts, also diagonal gegenüber der Bäckerei „Süß“, die Trattoria Napoletana „Jamme Ja“.

Jammeja statt Jamaica in Friedrichshain

JammeJa bietet italienisches „Street Food“ (Essen an der Straße?) aus Neapel und Catering. Info und Reservierung Tel. (030) 49 08 18 04 (eine fast achsensymmetrische Nummer, in der nur die 9 an zweiter Stelle stört).
www.jammeja.de
(Die Haltestelle der Straßenbahnlinie 21, gleichzeitig Bushaltestelle des 240ers, heißt „Neue Bahnhofstraße“.)

Zurück zum Bahnhof Ostkreuz von dort mit S- und U-Bahn zum Bahnhof Schönleinstraße.
Je nachdem, was früher fährt, gibt es zwei Möglichkeiten. Gleich unten am Gleis mit der S7 und 75 bis Jannowitzbrücke, dort in die Ubahn Richtung Hermannstraße bis Schönlein-.
Oder: Mit der Ringbahn S 41 bis S- und U-Bahnhof Hermannstraße und dort in die U-Bahn, die dort nur in eine Richtung fährt, ebenfalls bis U Schönleinstraße.
Das dauert etwa 20 Minuten.

Jetzt zum Wasser: Zur Kottbusser Brücke und dann am Maybachufer entlang zur Nummer 21.

Ammazza che Pizza – frei übersetzt: „Was für eine Pizza!“

Das 7-Euro-Angebot gibt es auch in der Pizzeria Romana „BY D. & J. Gravina“,
Maybachufer 21, 12047 Berlino. Tel (030) 89 61 65 56.
Der Chef verspricht Sooo eine tolle Pizza.

Vielleicht ist man ja auch schon für den Nachtisch reif, dann gleich zum U-Bahnhof Boddinstraße U8. Von dort führt ein 12minütiger Fußweg von 740 Metern Richtung Westen, Richtung Flughafen Tempelhof (in die Nähe der nördlichen Landebahn).

Der Weg soll lohnen, denn das nächste Angebot ist namentlich erste Sahne.

Hausgemachtes ohne Gluten: Erste Sahne!

Vom Bahnhof Boddinstraße nicht in selbige oder die Rollbergstraße, wo das neue Kino ist, sondern auf der Westseite der Hauptstraße (der Hermannstr.) in die Selchower Straße. Benannt nach dem Ort, der vom Möchtegern-Flughafen BER umschlossen wird. Die nächste links in die Weisestraße, dann rechts in die Herrfurthstraße. Nach ein paar Schritten ist man am Herrfurthplatz, einer Perle des Schillerkiezes mit der Genezarethkirche und dem Café Selig.
Selig oder stolz wie Oskar kann man nun links in die Schillerpromenade einbiegen, über den Mittelstreifen promenieren. Bis zur nächsten Ecke, dort rechts in die Kienitzer 116, das ist gleich das zweite Haus von der Ecke, an der das Promenaden-Eck ist.

Die Konditorei Erste Sahne ist ein wenig anders, gut anders.
Ein schöner Name, eine außergewöhnliche Visitenkarte in einem doppelt großen Format; ein Spiel mit lateinischen Buchstaben.
Das Café Erste Sahne Otium wird Otivm geschrieben, als sei der Name in Stein gemeißelt. Das Versprechen: „Bei erste Sahne ist alles nur aus den besten Zutaten und ohne Gluten hausgemacht.“ „Deswegen haben wir keine Cola…“ „Was noch?! Äh, ja! Mehr Infos auf www.otivm.de .“ Wenn die Leckereien so frisch sind wie die Eigenwerbung, dann nichts wie hin.
Angenehm auch der längere Fußweg, einige Kalorien verschwinden wieder und Dr. Siegfried Block empfahl in seinen Büchern 5 Kilometer Fußweg pro Tag. 2 x 740 zum Bahnhof Boddinstraße sind nur anderthalb km.

Jetzt ein Eis?

Noch ein Eis? Wer zur letzten Station zu Fuß laufen will, geht die Schillerpromenade zurück und an der Kirche weiter geradeaus in die Fontanestraße, dann Karlsgarten- und Wissmannstraße zum Hermannplatz, weiter nach Norden über Kottbusser Damm, Brücke und Straße zum Kottbusser Tor und dann an der Hochbahn entlang bis zur Skalitzer Straße 77.

(Mit der U-Bahn geht’s von der Boddinstraße Richtung Wittenau bis Kottbusser Tor, dort umsteigen in die U1 Richtung Warschauer Straße bis U-Bhf. Schlesisches Tor. Die gesuchte Adresse ist direkt an der Hochbahn.)

Duo – im heißen Sizilien und in Kreuzberg gibt es Eis

Sizilianisches Eis hat hier Tradition seit 1972, als das hier West-Berlin und Kreuzberg 36 war (nach der Postzustellbezeichnung SO 36 für Südost). Antonio Tomasello ist heute unter der Postleitzahl 10997 erreichbar und hat eine Website (duoicecream.de), sonst hat sich nicht zuviel geändert in 45 Jahren. Doch: Die Telefonnummer ist eine Handynummer (01577 9527020).

Nach diesem leckeren (Sonn-) Tag eilt man nach Hause. Warum ging die 72 Stunden-Aktion eigentlich nicht noch 48 Std. länger?? Haben die Italiener nichts von dem Brückentag und dem Feiertag der deutschen Einheit gewusst?

Der kombinierte Rundgang mit Rundfahrt geht vom Schöneberg (und ggf. Wedding) im Westen über Neapel im Osten (Jamme Ja) wieder in den „Westen“ nach Neukölln und Kreuzberg. Auch am 3. Oktober kann man seine private Tour der deutschen Einheit machen.
Eine Reise in die Vergangenheit und Zukunft, eine Reise in der Gegenwart und nach Italien, und vor allem – eine Reise in den Geschmack.

Lebens- und Nahrungsmittel aus dem Netz – nicht nur Fische

Wer zählen kann, ist klar im Vorteil. Das weiß nicht nur John Allen Paulos, der Autor von „Zahlenblind“. Wieviele Gaststätten wurden bis hierher vorgestellt? Sechs. Wieviele sind in der Überschrift versprochen?

Aus Datenschutzgründen kennen nur Sie das siebte Siegel, pardon Ziel, denn das ist Ihre persönliche Anschrift.

Es gibt genug Gründe, das Haus nicht zu verlassen.
Heute regnete es. Und der Himmel sieht immer noch grau aus.
Wir waren schon beim Gottesdienst und wollen nicht wieder hinaus.
Vergangenen Sonntag waren wir doch schon draußen, da mussten wir wählen und Tegel retten.
Nicht schoon wieder vor die Tür.
[Aufzählung unvollständig.]

Okay, capito.

Dafür gibt es Lieferdienste. Auch für die, die keine heiße Pizza im Karton möchten, sondern selbst kochen.

Außer Konkurrenz nimmt Quomi an der Aktion „72 hours“, der „Azione“ teil. Das ist ein Netzdienst für Leute, die nicht einkaufen wollen, keine Zeit haben oder nicht wissen, wo sie die Zutaten für ein bestimmtes Gericht herbekommen. So etwas ist auch in der Bundesrepublik bekannt.

Das Unternehmen sitzt in Italien und beliefert den dortigen Markt: Man suche eine Speise aus, klicke auf „bestellen“ und erhält dann alles, was benötigt wird, um das Entsprechende zuzubereiten.
Dazu muss natürlich eine Lieferinfrastruktur vorhanden sein und der Abstand zwischen Lebensmittel und Empfänger nicht zu groß.
24 Stunden soll die Lieferzeit betragen, das ist im Ausland nicht zu garantieren, außer vielleicht in Nizza – übrigens ein italienisches Wort – und Laibach, Klagenfurt, Zagreb, Rijeka, Innsbruck, Vaduz, Lausanne, Grenoble, Aix, Avignon – kurz: in grenznahen Bereichen.

Für Berlin als erster deutscher Stadt wird jetzt ein solcher Dienst in einem Drittel von 72 Stunden garantiert. Sollte es in der deutschen Hauptstadt gut laufen, ist eine Ausdehnung auf andere Regionen geplant.

Das letzte Wort ist ein „quote“ (englisch für Zitat) von Quomi in true Italian authentic words. Da sieht man gleich mal, wie gut man italienisch kann. Vielleicht viel besser als man dachte. (Die ersten beiden Wörter bedeuten ’saisonale Rezepte ‚ und liegen damit voll im Trend.)
Ricette stagionali ed ingredienti freschi dall’Italia direttamente a casa tua.




72 Stunden italienisch – ohne Russell Crowe und Liam Neeson. An 52 Orten in Berlin hervorragend authentisch essen zum Fest-Preis

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 72 Stunden haben ihren eigenen Reiz. Aller guten Dinge sind drei und 3 Tage à 24 h ergeben 72. Mit einem englischen Plakat wirbt Italien für seine Küche in Berlin. Originell: Von Donnerstag abend bis Sonntag abend gibt es an so vielen Berliner Orten, wie das Jahr Wochen hat, etwas für 7,- Euro (sic). Ja, Sie haben richtig gelesen, nur 7 Euro, und es handelt sich um beste Qualität, lauter italienische Spezialitäten – Gaumenfreude pur! Man fragt sich nur, warum alles nur auf englisch geschrieben steht und wozu die Deutschen soviel italienisch gelernt haben? Ob das Collegium musicum, die Berliner Philharmoniker oder die Junge Deutsche Philharmonie – alle kulturbeflissenen Laien- und Profimusiker arbeiten, zumindest im klassischen Bereich, mit allegro, allegretto, forte und fortissimo. Carl Nielsen sprach dänisch und ist schon seit 1931 tot – trotzdem hatte weder die Junge deutsche Philharmonie, die ihn am Mittwoch abend im Konzerthaus aufführte, noch das Publikum Probleme, die Satzfolge „Allegro – poco allegretto – poco adagio quasi andante – Allegro“ zu verstehen.
Jeder sagt oder versteht „Ciao!“ und „Arrivederci“, Buona Sierra und Prego, vielleicht ein bisschen berlinerisch eingeschliffen, aber tutto capito. Und tutti kennen Pizza aus der Pizzeria, bloß beim Plural streiten sich die Pizze mit den Pizzen.

Wenn italienisch schon die Lingua franca der Musik ist, warum sollte genussbetonte Werbung für italienische Küche in Deutschland nicht wenigstens zweisprachig sein?

Für den Mund = bocca

Doch zurück zu den Köstlichkeiten, die man nicht mit dem Bocca della Verità – dem Mund der Wahrheit und schon gar nicht „bocca chiuso“ zu sich nehmen kann. Letzteres die Choranweisung für das Summen: „mit geschlossenem Munde“.
Wer gedankenlos auf englisch losplappert, sollte öfter mal „tenere la bocca chiusa“ – den Mund halten. Es sei denn, er will seine Muttersprache verlieren. Wörter werden nämlich schneller vergessen, als man denkt. Erst denken, dann sprechen.

Wirklich italienisches authentisches Essen

72 Stunden lang seit Donnerstag abend 19 Uhr – sorry: 7 p.m. – gibt es „True Italian authentic food“. True Italian ist immerhin ein Warenzeichen, registered Trademark, das kann man schlecht auf italienisch oder deutsch ausdrücken, „Nutella“, „Mercedes“ und „Volkswagen“ werden auch nicht übersetzt. Vielleicht hätte man besser als Beispiel Daimler-Benz wählen wollen, das Mercedes ein spanischer Mädchenname ist. Doch das Prinzip ist klar – „Tru Itäljän“ ist verziehen. Doch was gibt es eigentlich ab Sonntag abend? Ist das italienische Essen dann nicht mehr authentisch??

Ein konkretes Beispiel

Etwas unverständlich war die „Kampagne“, der Werbe-Feldzug dann doch, nicht nur wegen des Englischen, sondern auch weil Fragen offenblieben. Konnte in den teilnehmenden Restaurants an den 4 Tagen noch à la carte gegessen werden? Kosten alle Gerichte nun an diesen Tagen 7 Euro oder nur manche oder nur eines, oder ein Extrabraten, der für die Aktion extra gekocht wurde?

Jedes Restaurant (oder Café etc.) warb mit einem Gericht, der Sala da Mangiare in der Mainzer Straße 23 in 12053 Berlin mit „Pasta stuffed with buffalo ricotta and roasted almonds with safran sauce“ + Wein oder alkoholfreies Getränk = 7 Euro. Der feste Betrag gab jedem eine Richtschnur und den Gästen respektive Kunden Sicherheit. Sieben Euro ist genug für den Gastwirt, etwas zu verdienen an einem Gericht, das in größerer Zahl nachgefragt wird, auch wenn es aus Wirtes Sicht im ungünstigsten Fall dabei bliebe. 7 Euro ist aus Gastes Sicht ein Anreiz zu probieren, den Hintern hochzukriegen und neue Orte aufzusuchen.

Den Rest des Jahres möchte man auch satt werden und allein der Gedanke an die ganzen Lokale und Speisen lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Angesichts der Liste der Teilnehmer ist bestimmt nicht jeder Besuchswunsch realisierbar und so bleibt auch morgen noch etwas zu tun, noch ein Ziel aufzusuchen.

Wenig hilfreich trotzdem die Angaben sämtlich in Fremdsprache. Nicht jede oder jeder in Berlin versteht das Englische – oder wollte man nur englischsprachige Touristen ansprechen?
Doch wohl eher weniger, denn Kasse über das Jahr hinweg machen die Berliner und Stammkunden. Die Werbeaktion hat bestimmt einiges gekostet, wäre das Übersetzen in Deutsche so teuer geworden? Sicher nicht.

„Mit Büffelricotta gefüllte Nudeln“ oder in Gottes Namen Pasta, dazu „Röstmandeln mit Safransauce“. Warum nicht? Verständlicher für viele allemal. Das „Good friends“ in der Kantstraße legt die Speisekarte in einer Handvoll Sprachen vor.

„Sala da Mangiare“ klingt vielleicht besser als Eßsaal oder Kantine, doch ist es genau das. Das Chinarestaurant „Shitang“ am Kurfürstendamm zwischen Joachim-Friedrich- und Nestorstraße meinte dasselbe (inzwischen geschlossen).

Das Italo-Restaurant ist übrigens weder in Friedrichshain noch in Wilmersdorf, sondern in Neukölln zwischen Flughafen- und Boddinstraße unweit des U-Bahnhofs. Auf der anderen Seite der Hermannstraße etwa 1 km entfernt im Schillerkiez das ebenfalls teilnehmende „Erste Sahne“.

Immer wieder: 72 Stunden

„72 Stunden – The Next Three Days“ heißt der Thriller von 2008, in dem Laras Chefin mit einem Feuerlöscher erschlagen wird. Beim Film hat der Countdown, dass Ultimatum, einen immanenten Sinn: Es muss spannend bleiben.
Beim italienischen Essen, dass mit Annelletti Siciliani, Baccala, Caponata, Culurgiones, Frisella, Pizza fritta i Pasta alla norma, Polpette di cinghiale und mehr eigentlich spannend genug ist, möchte man in Ruhe genießen, doch bietet der abgesteckte Zeitrahmen den Anreiz, viele Gourmettempel und Genussecken aufzusuchen, die man sonst nie im Leben gesehen hätte.
Da noch nicht einmal Taxifahrer alle Straßen dieser Stadt gesehen haben, eine sinnvolle Sache, die neue Erlebnisse und vielleicht Freundschaften verheißt.
Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) wählte jahrelang mit Erfolg dieses Zeitfenster, um mit zig tausenden Teilnehmern eine gemeinnützige soziale, ökologische oder interkulturelle Aufgabe innerhalb von 6 Dutzend Stunden zu lösen.

Die Berliner 72-Stunden-Aktion ist ein Versuchsballon oder eine tolle Sache. Eine Kampagne, die sich jemand ausgedacht hat und im Sand versickert oder ein voller Erfolg. Das werden wohl die Berliner und ihre Gäste mit den Füßen entscheiden, mit denen sie abstimmen.
Die Deutschen sind gerade in Abstimmungslaune und die Zahl 3, die eine 4 ist, passt dazu. 72 Std. sind drei Tage, wenn sie um Mitternacht begännen und endeten; sie fangen aber Donnerstagabend an und enden Sonntag, mit Freitag und Samstag sind das vier Tage.
Deutschland wählte Jamaica bestehend aus drei Farben, doch mit CDU/CSU sind es vier Parteien.

Die Entscheidung für den Flughafen Tegel fiel am Sonntag, den 24. September. Die Entscheidung über „72 hrs“ – „The longest happy hour of the best Italian food in Berlin“ wird eine Woche später am Sonntagabend fallen – oder wenn die Stimmen in den Kassen ausgezählt sind.




Roastbeef für den Terminator – Das Mavericks bietet kalifornische Küche mit asiatischen und mexikanischen Einflüssen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Von Österreich nach Kalifornien, ein ziemlich weiter Weg. Doch im Vienna House Andel´s Berlin ist es nur ein Katzensprung. Das gehobene Hotel an der Landsberger Allee, das von einem österreichischen Unternehmen betrieben wird, bietet mit dem Restaurant Mavericks neuerdings kulinarischen West-Coast-Charme. Österreich und Kalifornien, das passt ohnehin ganz gut, schon, wenn man an Arnold Schwarzenegger, Action-Film-Held, Ex-Bodybuilder und Ex-Gouverneur von Kalifornien denkt. Der gebürtige Steiermärker würde bei einem Blick in die Speisekarte bestimmt fündig werden. „Pacific-Rim“-Küche, mit mexikanischen und asiatischen Einflüssen, serviert auf farbenfrohem Geschirr in einem lässigen Ambiente. Auch für einen waschechten Terminator dürfte etwas dabei sein, ob leichte Kost oder etwas Kräftigeres.

© 2017, Foto: Fritz H. Köser
© 2017, Foto: Fritz H. Köser

Herrlich frisch und zugleich sehr erfrischend gerät der erste Gang, Ceviche mit Koriander und Zwiebeln. Bei dem aus Peru stammenden Gericht werden verschiedene Fischstücke in Limettensaft mariniert, hier sind es Scheiben von Lachs- und Thunfisch, sie fallen bissfest und aromatisch aus. Cuba Libre und Ziegel-Bier löschen den aufkeimenden Durst. Bei dem Longdrink wurde mit dem Rum, Havana Club „añejo 3 años“, keineswegs gegeizt. Das hellbraune Craftbeer, es stammt aus Berlin-Friedrichshain, erweist sich im Abgang als herrlich würzig. Vorab reicht die freundliche Bedienung zwei Sorten Brot, so köstlich, als sei es gerade aus dem Ofen gekommen. Und originell außerdem – dunkles Sauerteigbrot mit Walnuss und helles Orangen-Karotten-Brot. Dazu selbst gemachtes Sauerrahm-Dip mit Kräutern sowie Meersalz und Pfeffer zum Würzen nach Belieben.

Das Hauptgericht, ein Roastbeef, entspricht ebenfalls den Erwartungen. Das „US Prime Beef“, wie die Karte verspricht, ist innen noch saftig-rosa und zudem eher zart als zäh. Die Beilagen, eine Kräuter-Tomate und ein gegrilltes Salatherz, dienen als vitaminreiche Ergänzung. Wer auf einen Schub Kohlenhydrate nicht verzichten mag, kann etwa Süßkartoffel-Pommes bestellen, im Mavericks perfekt zubereitet, innen weich und außen kross.

© 2017, Foto: Fritz H. Köser
© 2017, Foto: Fritz H. Köser

Und gerne geht man auch auf manchen Sonderwunsch ein. Die Blueberry Granola ohne Joghurtcreme? Kein Problem. Dafür kommt das Dessert dann mit Brownie und Vanilleeis, mit den frischen Blaubeeren und dem knusprigen „Müsli“ eine interessante und wohlschmeckende Kreation.

Meerestiere stehen natürlich auch auf der Speisekarte. Entsprechend ist auf der Speisekarte eine riesige Welle abgebildet, sie dient als Namensgeber. Am Mavericks Beach südlich von San Francisco finden dank der gewaltigen Brandung regelmäßig Surf-Wettbewerbe statt, er gilt mit seinen bis zu 15 Meter hohen Wellen als „Big-Wave-Spot“. Und dem Surfer Jay Moriarity wurde mit „Mavericks – Lebe deinen Traum“ ein filmisches Denkmal errichtet. Ganz großes Kino war jedenfalls der Abend in diesem Restaurant.




Salumi und Limoncello auf Tournee – Mit dem Projekt Girogusto wollen italienische Erzeuger deutschen Genießern die kulinarische Vielfalt ihrer Heimat näher bringen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Diese Italien-Reise geht ganz ohne schweres Gepäck, nervige Staus oder lästige Security-Checks. Man braucht nicht einmal irgendwelche Grenzen zu überschreiten. Es ist eine Reise der Sinne, eine Reise durch die Welt der Delikatessen. Ob deftige Schweinehaxe aus der Emilia Romagna, ob süße Cassata aus Sizilien, man lernt die Geschmäcker, Düfte und Aromen diverser Produkte aus allen möglichen Regionen kennen, als Zutaten eines köstlichen Menüs. Und deren Erzeuger gleich dazu. Denn die wollen so den deutschen Genießern die Vielfalt erlesener italienischer Spezialitäten näher bringen, mit „Girogusto“, einer Art kulinarischer Wanderausstellung. Das Projekt startete in Berlin, als weitere Stationen sind unter anderem München, Hamburg oder Düsseldorf geplant.

Im berühmten Berliner Ess-Tempel „Bocca di Bacco“ etwa beginnt das Mahl mit Aufschnitt. Der fällt ungewohnt delikat aus, entfaltet regelrecht Suchtpotenzial. Zu den Wurstwaren aus den Abruzzen zählt auch die „Salumi Tartufati“, eine mit Trüffeln veredelte Wurst. Zuvor ließen sich die geladenen Gäste, meist Gastronomen oder Medienvertreter, einen eiskalten Cocktail mit Limoncello, dem fruchtig-süßen Zitronenlikör aus Süditalien, schmecken. Heimat der Firma Nastro d´Oro ist die Gemeinde Massa Lubrense, die als Geburtsort dieser Spezialität gilt. Dort, im Ortsteil „Termini“, am äußersten Ende der
Halbinsel von Sorrent, liegt die Distillerie. Hergestellt wird nur mit ausgewählten Früchten und nach traditionellem Rezept. Die wildromantische Gegend, umgeben von den sagenumwobenen Felsen der Sirenen, gilt als Touristenattraktion. Direkt gegenüber liegt die Insel Capri.

Frische Pilze und erneut Wurst, diesmal aus dem lombardischen Ort Mantova, dienen als Zutaten für den dritten Gang, hausgemachte Orecchiette. Die „Öhrchen“ genannte Pasta-Sorte stammt aus Apulien. Ebenso ausgezeichnet mundet der zweite Hauptgang, eine Art „Surf and Turf“ auf Italienisch, im weitesten Sinne. Treffen doch auch hier Meeresfrüchte und Fleisch aufeinander, bloß wurde in diesem Fall eine Garnele mit einer hauchdünnen und leicht krossen Scheibe Schweinebacke umhüllt, eine würzige Sauce rundet das Ganze ab. Ebenso originell fällt das Dessert aus, Halbgefrorenes aus Melone mit Waldbeeren. Muss ja nicht immer Panna Cotta oder Tiramisu sein.

Edle Tropfen von Pierpaolo Pecorari aus Friaul – Julisch Venetien sowie von dem Weingut Lantieri aus der Lombardei begleiten das Menü, gerade die Weißweine bestechen durch ihre Frische und Mineralität. Der Digestif, erneut von Nastro d´Oro, entpuppt sich als reichlich und recht gesund – neben Nusslikör kredenzen die flinken Servicekräfte auch Bio-Limoncello, schenken dabei gerne nach. Und damit ist die kulinarische Reise beendet, es war ein wirklich gelungener Trip.