Endspurt der italienischen 72 Stunden. 7 von 52 Berliner Orten für authentisches Essen – ein Sonntagsausflug!

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 52 Ziele in rund 3 Tagen – das wird natürlich kaum jemand vollständig versuchen, bedeutete es doch, im Durchschnitt 17 Lokale pro Tag zu besuchen. Oder anders gerechnet: Bei 20 Stunden Fahrtzeit (weniger als eine halbe Stunde pro Ziel, auch ohne Taxi machbarer als die 80 Tage um die Welt zu seiner Zeit) bleibt eine ganze Stunde zum Verweilen je Gaststätte. Rechnerisch, denn keine ist rund um die Uhr geöffnet.

Deshalb hier ein halbes Dutzend Adressen, damit man sie nicht erst suchen muss – als Tour zusammengestellt.
(Mit der BVG bzw. U-Bahn. Ortskundige, Navi-Nutzer und Taxikunden haben das Ziel schon gefunden.):

Wie beginnen zentral und touren dann spiralförmig im Uhrzeigersinn durch die Bezirke Tempelhof-Schöneberg, Mitte, Kreuzberg-Friedrichshain und Neukölln.

Auch die Fugger kamen rum: Trattoria a’Muntagnola

Der Anfangspunkt liegt in Ku’damm-Nähe. Schon der Gründer des KaDeWe, dass in der reichsten Stadt Preußens lag (Charlottenburg), wusste, was eine gute Lage ist: Der Wittenbergplatz.
Die U-Bahnlinien 1,2,3 und viele Busse sowie die Nähe des Fernbahnhofs Zoo machen ihn gut erreichbar. Vom KaDeWe gehen wir rechts in die Bayreuther Straße und ihre Verlängerung nach Süden, die Welserstraße. Dort befand sich das Berlinale-Kino „Arsenal“. Nach links in die Fugger liegt bald auf der rechten Seite die gesuchte Trattoria.
Dort erwartet uns eine freundliche Gastwirtin (siehe Bild) mit ihrer Familie.
Es ist täglich geöffnet, die Küche von 17-24 Uhr.

Trattoria a’Muntagnola, Fuggerstraße 27, 10777 Berlin, Tel. (030) 2 11 66 42 www.muntagnola.de

Parma (di Vinibenedetti) in Wedding

Je nachdem, wir satt wir sind, fahren wir jetzt in den Wedding, (Zurück zum Wittenbergplatz, mit Bus 46 zum Zoo, oder mit der U2; oder mit der U1/U3 bis Kurfürtendamm oder Spichernstraße; jedenfalls zur U9, dort umsteigen Richtung Osloer Straße bis Leopoldplatz.)
Parma, wo der Schinken herkommt, liegt im Norden Berlins nördlich des U-Bahnhofs Leopoldplatz in der Utrechter Straße 31 in 13347 Berlin (Ecke Malplaquetstraße, die vom Platz als Abkürzung hierherführt). Tel (030) 49 08 98 85 .

Weiter ginge es zurück zum „Leo“ und dann mit der anderen U-Bahn-Linie, der U6 Richtung Alt-Mariendorf bis zum S-Bahnhof Wedding. Dort in die Ringbahn S41 bis Ostkreuz. (In Fahrtrichtung hinten aussteigen.)

[Lässt man das „Parma“ aus, fährt man vom Wittenbergplatz mit dem 46er oder der U2 Richtung Ruhleben zum Zoo und von dort mit der S-Bahn bis Ostkreuz.]

Der Ausgang Richtung Sonntagstraße (!) führt automatisch rechts in die Neue Bahnhofstraße. Die 7b an der nächsten Ecke ist unser Ziel. An der Ampelkreuzung mit der Boxhagener Straße liegt rechts, also diagonal gegenüber der Bäckerei „Süß“, die Trattoria Napoletana „Jamme Ja“.

Jammeja statt Jamaica in Friedrichshain

JammeJa bietet italienisches „Street Food“ (Essen an der Straße?) aus Neapel und Catering. Info und Reservierung Tel. (030) 49 08 18 04 (eine fast achsensymmetrische Nummer, in der nur die 9 an zweiter Stelle stört).
www.jammeja.de
(Die Haltestelle der Straßenbahnlinie 21, gleichzeitig Bushaltestelle des 240ers, heißt „Neue Bahnhofstraße“.)

Zurück zum Bahnhof Ostkreuz von dort mit S- und U-Bahn zum Bahnhof Schönleinstraße.
Je nachdem, was früher fährt, gibt es zwei Möglichkeiten. Gleich unten am Gleis mit der S7 und 75 bis Jannowitzbrücke, dort in die Ubahn Richtung Hermannstraße bis Schönlein-.
Oder: Mit der Ringbahn S 41 bis S- und U-Bahnhof Hermannstraße und dort in die U-Bahn, die dort nur in eine Richtung fährt, ebenfalls bis U Schönleinstraße.
Das dauert etwa 20 Minuten.

Jetzt zum Wasser: Zur Kottbusser Brücke und dann am Maybachufer entlang zur Nummer 21.

Ammazza che Pizza – frei übersetzt: „Was für eine Pizza!“

Das 7-Euro-Angebot gibt es auch in der Pizzeria Romana „BY D. & J. Gravina“,
Maybachufer 21, 12047 Berlino. Tel (030) 89 61 65 56.
Der Chef verspricht Sooo eine tolle Pizza.

Vielleicht ist man ja auch schon für den Nachtisch reif, dann gleich zum U-Bahnhof Boddinstraße U8. Von dort führt ein 12minütiger Fußweg von 740 Metern Richtung Westen, Richtung Flughafen Tempelhof (in die Nähe der nördlichen Landebahn).

Der Weg soll lohnen, denn das nächste Angebot ist namentlich erste Sahne.

Hausgemachtes ohne Gluten: Erste Sahne!

Vom Bahnhof Boddinstraße nicht in selbige oder die Rollbergstraße, wo das neue Kino ist, sondern auf der Westseite der Hauptstraße (der Hermannstr.) in die Selchower Straße. Benannt nach dem Ort, der vom Möchtegern-Flughafen BER umschlossen wird. Die nächste links in die Weisestraße, dann rechts in die Herrfurthstraße. Nach ein paar Schritten ist man am Herrfurthplatz, einer Perle des Schillerkiezes mit der Genezarethkirche und dem Café Selig.
Selig oder stolz wie Oskar kann man nun links in die Schillerpromenade einbiegen, über den Mittelstreifen promenieren. Bis zur nächsten Ecke, dort rechts in die Kienitzer 116, das ist gleich das zweite Haus von der Ecke, an der das Promenaden-Eck ist.

Die Konditorei Erste Sahne ist ein wenig anders, gut anders.
Ein schöner Name, eine außergewöhnliche Visitenkarte in einem doppelt großen Format; ein Spiel mit lateinischen Buchstaben.
Das Café Erste Sahne Otium wird Otivm geschrieben, als sei der Name in Stein gemeißelt. Das Versprechen: „Bei erste Sahne ist alles nur aus den besten Zutaten und ohne Gluten hausgemacht.“ „Deswegen haben wir keine Cola…“ „Was noch?! Äh, ja! Mehr Infos auf www.otivm.de .“ Wenn die Leckereien so frisch sind wie die Eigenwerbung, dann nichts wie hin.
Angenehm auch der längere Fußweg, einige Kalorien verschwinden wieder und Dr. Siegfried Block empfahl in seinen Büchern 5 Kilometer Fußweg pro Tag. 2 x 740 zum Bahnhof Boddinstraße sind nur anderthalb km.

Jetzt ein Eis?

Noch ein Eis? Wer zur letzten Station zu Fuß laufen will, geht die Schillerpromenade zurück und an der Kirche weiter geradeaus in die Fontanestraße, dann Karlsgarten- und Wissmannstraße zum Hermannplatz, weiter nach Norden über Kottbusser Damm, Brücke und Straße zum Kottbusser Tor und dann an der Hochbahn entlang bis zur Skalitzer Straße 77.

(Mit der U-Bahn geht’s von der Boddinstraße Richtung Wittenau bis Kottbusser Tor, dort umsteigen in die U1 Richtung Warschauer Straße bis U-Bhf. Schlesisches Tor. Die gesuchte Adresse ist direkt an der Hochbahn.)

Duo – im heißen Sizilien und in Kreuzberg gibt es Eis

Sizilianisches Eis hat hier Tradition seit 1972, als das hier West-Berlin und Kreuzberg 36 war (nach der Postzustellbezeichnung SO 36 für Südost). Antonio Tomasello ist heute unter der Postleitzahl 10997 erreichbar und hat eine Website (duoicecream.de), sonst hat sich nicht zuviel geändert in 45 Jahren. Doch: Die Telefonnummer ist eine Handynummer (01577 9527020).

Nach diesem leckeren (Sonn-) Tag eilt man nach Hause. Warum ging die 72 Stunden-Aktion eigentlich nicht noch 48 Std. länger?? Haben die Italiener nichts von dem Brückentag und dem Feiertag der deutschen Einheit gewusst?

Der kombinierte Rundgang mit Rundfahrt geht vom Schöneberg (und ggf. Wedding) im Westen über Neapel im Osten (Jamme Ja) wieder in den „Westen“ nach Neukölln und Kreuzberg. Auch am 3. Oktober kann man seine private Tour der deutschen Einheit machen.
Eine Reise in die Vergangenheit und Zukunft, eine Reise in der Gegenwart und nach Italien, und vor allem – eine Reise in den Geschmack.

Lebens- und Nahrungsmittel aus dem Netz – nicht nur Fische

Wer zählen kann, ist klar im Vorteil. Das weiß nicht nur John Allen Paulos, der Autor von „Zahlenblind“. Wieviele Gaststätten wurden bis hierher vorgestellt? Sechs. Wieviele sind in der Überschrift versprochen?

Aus Datenschutzgründen kennen nur Sie das siebte Siegel, pardon Ziel, denn das ist Ihre persönliche Anschrift.

Es gibt genug Gründe, das Haus nicht zu verlassen.
Heute regnete es. Und der Himmel sieht immer noch grau aus.
Wir waren schon beim Gottesdienst und wollen nicht wieder hinaus.
Vergangenen Sonntag waren wir doch schon draußen, da mussten wir wählen und Tegel retten.
Nicht schoon wieder vor die Tür.
[Aufzählung unvollständig.]

Okay, capito.

Dafür gibt es Lieferdienste. Auch für die, die keine heiße Pizza im Karton möchten, sondern selbst kochen.

Außer Konkurrenz nimmt Quomi an der Aktion „72 hours“, der „Azione“ teil. Das ist ein Netzdienst für Leute, die nicht einkaufen wollen, keine Zeit haben oder nicht wissen, wo sie die Zutaten für ein bestimmtes Gericht herbekommen. So etwas ist auch in der Bundesrepublik bekannt.

Das Unternehmen sitzt in Italien und beliefert den dortigen Markt: Man suche eine Speise aus, klicke auf „bestellen“ und erhält dann alles, was benötigt wird, um das Entsprechende zuzubereiten.
Dazu muss natürlich eine Lieferinfrastruktur vorhanden sein und der Abstand zwischen Lebensmittel und Empfänger nicht zu groß.
24 Stunden soll die Lieferzeit betragen, das ist im Ausland nicht zu garantieren, außer vielleicht in Nizza – übrigens ein italienisches Wort – und Laibach, Klagenfurt, Zagreb, Rijeka, Innsbruck, Vaduz, Lausanne, Grenoble, Aix, Avignon – kurz: in grenznahen Bereichen.

Für Berlin als erster deutscher Stadt wird jetzt ein solcher Dienst in einem Drittel von 72 Stunden garantiert. Sollte es in der deutschen Hauptstadt gut laufen, ist eine Ausdehnung auf andere Regionen geplant.

Das letzte Wort ist ein „quote“ (englisch für Zitat) von Quomi in true Italian authentic words. Da sieht man gleich mal, wie gut man italienisch kann. Vielleicht viel besser als man dachte. (Die ersten beiden Wörter bedeuten ’saisonale Rezepte ‚ und liegen damit voll im Trend.)
Ricette stagionali ed ingredienti freschi dall’Italia direttamente a casa tua.




72 Stunden italienisch – ohne Russell Crowe und Liam Neeson. An 52 Orten in Berlin hervorragend authentisch essen zum Fest-Preis

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 72 Stunden haben ihren eigenen Reiz. Aller guten Dinge sind drei und 3 Tage à 24 h ergeben 72. Mit einem englischen Plakat wirbt Italien für seine Küche in Berlin. Originell: Von Donnerstag abend bis Sonntag abend gibt es an so vielen Berliner Orten, wie das Jahr Wochen hat, etwas für 7,- Euro (sic). Ja, Sie haben richtig gelesen, nur 7 Euro, und es handelt sich um beste Qualität, lauter italienische Spezialitäten – Gaumenfreude pur! Man fragt sich nur, warum alles nur auf englisch geschrieben steht und wozu die Deutschen soviel italienisch gelernt haben? Ob das Collegium musicum, die Berliner Philharmoniker oder die Junge Deutsche Philharmonie – alle kulturbeflissenen Laien- und Profimusiker arbeiten, zumindest im klassischen Bereich, mit allegro, allegretto, forte und fortissimo. Carl Nielsen sprach dänisch und ist schon seit 1931 tot – trotzdem hatte weder die Junge deutsche Philharmonie, die ihn am Mittwoch abend im Konzerthaus aufführte, noch das Publikum Probleme, die Satzfolge „Allegro – poco allegretto – poco adagio quasi andante – Allegro“ zu verstehen.
Jeder sagt oder versteht „Ciao!“ und „Arrivederci“, Buona Sierra und Prego, vielleicht ein bisschen berlinerisch eingeschliffen, aber tutto capito. Und tutti kennen Pizza aus der Pizzeria, bloß beim Plural streiten sich die Pizze mit den Pizzen.

Wenn italienisch schon die Lingua franca der Musik ist, warum sollte genussbetonte Werbung für italienische Küche in Deutschland nicht wenigstens zweisprachig sein?

Für den Mund = bocca

Doch zurück zu den Köstlichkeiten, die man nicht mit dem Bocca della Verità – dem Mund der Wahrheit und schon gar nicht „bocca chiuso“ zu sich nehmen kann. Letzteres die Choranweisung für das Summen: „mit geschlossenem Munde“.
Wer gedankenlos auf englisch losplappert, sollte öfter mal „tenere la bocca chiusa“ – den Mund halten. Es sei denn, er will seine Muttersprache verlieren. Wörter werden nämlich schneller vergessen, als man denkt. Erst denken, dann sprechen.

Wirklich italienisches authentisches Essen

72 Stunden lang seit Donnerstag abend 19 Uhr – sorry: 7 p.m. – gibt es „True Italian authentic food“. True Italian ist immerhin ein Warenzeichen, registered Trademark, das kann man schlecht auf italienisch oder deutsch ausdrücken, „Nutella“, „Mercedes“ und „Volkswagen“ werden auch nicht übersetzt. Vielleicht hätte man besser als Beispiel Daimler-Benz wählen wollen, das Mercedes ein spanischer Mädchenname ist. Doch das Prinzip ist klar – „Tru Itäljän“ ist verziehen. Doch was gibt es eigentlich ab Sonntag abend? Ist das italienische Essen dann nicht mehr authentisch??

Ein konkretes Beispiel

Etwas unverständlich war die „Kampagne“, der Werbe-Feldzug dann doch, nicht nur wegen des Englischen, sondern auch weil Fragen offenblieben. Konnte in den teilnehmenden Restaurants an den 4 Tagen noch à la carte gegessen werden? Kosten alle Gerichte nun an diesen Tagen 7 Euro oder nur manche oder nur eines, oder ein Extrabraten, der für die Aktion extra gekocht wurde?

Jedes Restaurant (oder Café etc.) warb mit einem Gericht, der Sala da Mangiare in der Mainzer Straße 23 in 12053 Berlin mit „Pasta stuffed with buffalo ricotta and roasted almonds with safran sauce“ + Wein oder alkoholfreies Getränk = 7 Euro. Der feste Betrag gab jedem eine Richtschnur und den Gästen respektive Kunden Sicherheit. Sieben Euro ist genug für den Gastwirt, etwas zu verdienen an einem Gericht, das in größerer Zahl nachgefragt wird, auch wenn es aus Wirtes Sicht im ungünstigsten Fall dabei bliebe. 7 Euro ist aus Gastes Sicht ein Anreiz zu probieren, den Hintern hochzukriegen und neue Orte aufzusuchen.

Den Rest des Jahres möchte man auch satt werden und allein der Gedanke an die ganzen Lokale und Speisen lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Angesichts der Liste der Teilnehmer ist bestimmt nicht jeder Besuchswunsch realisierbar und so bleibt auch morgen noch etwas zu tun, noch ein Ziel aufzusuchen.

Wenig hilfreich trotzdem die Angaben sämtlich in Fremdsprache. Nicht jede oder jeder in Berlin versteht das Englische – oder wollte man nur englischsprachige Touristen ansprechen?
Doch wohl eher weniger, denn Kasse über das Jahr hinweg machen die Berliner und Stammkunden. Die Werbeaktion hat bestimmt einiges gekostet, wäre das Übersetzen in Deutsche so teuer geworden? Sicher nicht.

„Mit Büffelricotta gefüllte Nudeln“ oder in Gottes Namen Pasta, dazu „Röstmandeln mit Safransauce“. Warum nicht? Verständlicher für viele allemal. Das „Good friends“ in der Kantstraße legt die Speisekarte in einer Handvoll Sprachen vor.

„Sala da Mangiare“ klingt vielleicht besser als Eßsaal oder Kantine, doch ist es genau das. Das Chinarestaurant „Shitang“ am Kurfürstendamm zwischen Joachim-Friedrich- und Nestorstraße meinte dasselbe (inzwischen geschlossen).

Das Italo-Restaurant ist übrigens weder in Friedrichshain noch in Wilmersdorf, sondern in Neukölln zwischen Flughafen- und Boddinstraße unweit des U-Bahnhofs. Auf der anderen Seite der Hermannstraße etwa 1 km entfernt im Schillerkiez das ebenfalls teilnehmende „Erste Sahne“.

Immer wieder: 72 Stunden

„72 Stunden – The Next Three Days“ heißt der Thriller von 2008, in dem Laras Chefin mit einem Feuerlöscher erschlagen wird. Beim Film hat der Countdown, dass Ultimatum, einen immanenten Sinn: Es muss spannend bleiben.
Beim italienischen Essen, dass mit Annelletti Siciliani, Baccala, Caponata, Culurgiones, Frisella, Pizza fritta i Pasta alla norma, Polpette di cinghiale und mehr eigentlich spannend genug ist, möchte man in Ruhe genießen, doch bietet der abgesteckte Zeitrahmen den Anreiz, viele Gourmettempel und Genussecken aufzusuchen, die man sonst nie im Leben gesehen hätte.
Da noch nicht einmal Taxifahrer alle Straßen dieser Stadt gesehen haben, eine sinnvolle Sache, die neue Erlebnisse und vielleicht Freundschaften verheißt.
Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) wählte jahrelang mit Erfolg dieses Zeitfenster, um mit zig tausenden Teilnehmern eine gemeinnützige soziale, ökologische oder interkulturelle Aufgabe innerhalb von 6 Dutzend Stunden zu lösen.

Die Berliner 72-Stunden-Aktion ist ein Versuchsballon oder eine tolle Sache. Eine Kampagne, die sich jemand ausgedacht hat und im Sand versickert oder ein voller Erfolg. Das werden wohl die Berliner und ihre Gäste mit den Füßen entscheiden, mit denen sie abstimmen.
Die Deutschen sind gerade in Abstimmungslaune und die Zahl 3, die eine 4 ist, passt dazu. 72 Std. sind drei Tage, wenn sie um Mitternacht begännen und endeten; sie fangen aber Donnerstagabend an und enden Sonntag, mit Freitag und Samstag sind das vier Tage.
Deutschland wählte Jamaica bestehend aus drei Farben, doch mit CDU/CSU sind es vier Parteien.

Die Entscheidung für den Flughafen Tegel fiel am Sonntag, den 24. September. Die Entscheidung über „72 hrs“ – „The longest happy hour of the best Italian food in Berlin“ wird eine Woche später am Sonntagabend fallen – oder wenn die Stimmen in den Kassen ausgezählt sind.




Roastbeef für den Terminator – Das Mavericks bietet kalifornische Küche mit asiatischen und mexikanischen Einflüssen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Von Österreich nach Kalifornien, ein ziemlich weiter Weg. Doch im Vienna House Andel´s Berlin ist es nur ein Katzensprung. Das gehobene Hotel an der Landsberger Allee, das von einem österreichischen Unternehmen betrieben wird, bietet mit dem Restaurant Mavericks neuerdings kulinarischen West-Coast-Charme. Österreich und Kalifornien, das passt ohnehin ganz gut, schon, wenn man an Arnold Schwarzenegger, Action-Film-Held, Ex-Bodybuilder und Ex-Gouverneur von Kalifornien denkt. Der gebürtige Steiermärker würde bei einem Blick in die Speisekarte bestimmt fündig werden. „Pacific-Rim“-Küche, mit mexikanischen und asiatischen Einflüssen, serviert auf farbenfrohem Geschirr in einem lässigen Ambiente. Auch für einen waschechten Terminator dürfte etwas dabei sein, ob leichte Kost oder etwas Kräftigeres.

© 2017, Foto: Fritz H. Köser

© 2017, Foto: Fritz H. Köser

Herrlich frisch und zugleich sehr erfrischend gerät der erste Gang, Ceviche mit Koriander und Zwiebeln. Bei dem aus Peru stammenden Gericht werden verschiedene Fischstücke in Limettensaft mariniert, hier sind es Scheiben von Lachs- und Thunfisch, sie fallen bissfest und aromatisch aus. Cuba Libre und Ziegel-Bier löschen den aufkeimenden Durst. Bei dem Longdrink wurde mit dem Rum, Havana Club „añejo 3 años“, keineswegs gegeizt. Das hellbraune Craftbeer, es stammt aus Berlin-Friedrichshain, erweist sich im Abgang als herrlich würzig. Vorab reicht die freundliche Bedienung zwei Sorten Brot, so köstlich, als sei es gerade aus dem Ofen gekommen. Und originell außerdem – dunkles Sauerteigbrot mit Walnuss und helles Orangen-Karotten-Brot. Dazu selbst gemachtes Sauerrahm-Dip mit Kräutern sowie Meersalz und Pfeffer zum Würzen nach Belieben.

Das Hauptgericht, ein Roastbeef, entspricht ebenfalls den Erwartungen. Das „US Prime Beef“, wie die Karte verspricht, ist innen noch saftig-rosa und zudem eher zart als zäh. Die Beilagen, eine Kräuter-Tomate und ein gegrilltes Salatherz, dienen als vitaminreiche Ergänzung. Wer auf einen Schub Kohlenhydrate nicht verzichten mag, kann etwa Süßkartoffel-Pommes bestellen, im Mavericks perfekt zubereitet, innen weich und außen kross.

© 2017, Foto: Fritz H. Köser

© 2017, Foto: Fritz H. Köser

Und gerne geht man auch auf manchen Sonderwunsch ein. Die Blueberry Granola ohne Joghurtcreme? Kein Problem. Dafür kommt das Dessert dann mit Brownie und Vanilleeis, mit den frischen Blaubeeren und dem knusprigen „Müsli“ eine interessante und wohlschmeckende Kreation.

Meerestiere stehen natürlich auch auf der Speisekarte. Entsprechend ist auf der Speisekarte eine riesige Welle abgebildet, sie dient als Namensgeber. Am Mavericks Beach südlich von San Francisco finden dank der gewaltigen Brandung regelmäßig Surf-Wettbewerbe statt, er gilt mit seinen bis zu 15 Meter hohen Wellen als „Big-Wave-Spot“. Und dem Surfer Jay Moriarity wurde mit „Mavericks – Lebe deinen Traum“ ein filmisches Denkmal errichtet. Ganz großes Kino war jedenfalls der Abend in diesem Restaurant.




Salumi und Limoncello auf Tournee – Mit dem Projekt Girogusto wollen italienische Erzeuger deutschen Genießern die kulinarische Vielfalt ihrer Heimat näher bringen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Diese Italien-Reise geht ganz ohne schweres Gepäck, nervige Staus oder lästige Security-Checks. Man braucht nicht einmal irgendwelche Grenzen zu überschreiten. Es ist eine Reise der Sinne, eine Reise durch die Welt der Delikatessen. Ob deftige Schweinehaxe aus der Emilia Romagna, ob süße Cassata aus Sizilien, man lernt die Geschmäcker, Düfte und Aromen diverser Produkte aus allen möglichen Regionen kennen, als Zutaten eines köstlichen Menüs. Und deren Erzeuger gleich dazu. Denn die wollen so den deutschen Genießern die Vielfalt erlesener italienischer Spezialitäten näher bringen, mit „Girogusto“, einer Art kulinarischer Wanderausstellung. Das Projekt startete in Berlin, als weitere Stationen sind unter anderem München, Hamburg oder Düsseldorf geplant.

Im berühmten Berliner Ess-Tempel „Bocca di Bacco“ etwa beginnt das Mahl mit Aufschnitt. Der fällt ungewohnt delikat aus, entfaltet regelrecht Suchtpotenzial. Zu den Wurstwaren aus den Abruzzen zählt auch die „Salumi Tartufati“, eine mit Trüffeln veredelte Wurst. Zuvor ließen sich die geladenen Gäste, meist Gastronomen oder Medienvertreter, einen eiskalten Cocktail mit Limoncello, dem fruchtig-süßen Zitronenlikör aus Süditalien, schmecken. Heimat der Firma Nastro d´Oro ist die Gemeinde Massa Lubrense, die als Geburtsort dieser Spezialität gilt. Dort, im Ortsteil „Termini“, am äußersten Ende der
Halbinsel von Sorrent, liegt die Distillerie. Hergestellt wird nur mit ausgewählten Früchten und nach traditionellem Rezept. Die wildromantische Gegend, umgeben von den sagenumwobenen Felsen der Sirenen, gilt als Touristenattraktion. Direkt gegenüber liegt die Insel Capri.

Frische Pilze und erneut Wurst, diesmal aus dem lombardischen Ort Mantova, dienen als Zutaten für den dritten Gang, hausgemachte Orecchiette. Die „Öhrchen“ genannte Pasta-Sorte stammt aus Apulien. Ebenso ausgezeichnet mundet der zweite Hauptgang, eine Art „Surf and Turf“ auf Italienisch, im weitesten Sinne. Treffen doch auch hier Meeresfrüchte und Fleisch aufeinander, bloß wurde in diesem Fall eine Garnele mit einer hauchdünnen und leicht krossen Scheibe Schweinebacke umhüllt, eine würzige Sauce rundet das Ganze ab. Ebenso originell fällt das Dessert aus, Halbgefrorenes aus Melone mit Waldbeeren. Muss ja nicht immer Panna Cotta oder Tiramisu sein.

Edle Tropfen von Pierpaolo Pecorari aus Friaul – Julisch Venetien sowie von dem Weingut Lantieri aus der Lombardei begleiten das Menü, gerade die Weißweine bestechen durch ihre Frische und Mineralität. Der Digestif, erneut von Nastro d´Oro, entpuppt sich als reichlich und recht gesund – neben Nusslikör kredenzen die flinken Servicekräfte auch Bio-Limoncello, schenken dabei gerne nach. Und damit ist die kulinarische Reise beendet, es war ein wirklich gelungener Trip.




Kein Obst, nirgends. Internationalität und Auswirkungen auf den Sprachgebrauch am Beispiel der Berliner Messe Fruit logistica

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Früher, das heißt bei Gemüseläden in Deutschland teilweise noch in der Gegenwart, hieß es: „Eßt mehr Obst!“ Ein gut gemeinter Rat für die Gesundheit gepaart mit ein bisschen Eigennutz des Einzelhandels. Der kurze Spruch prangt auf den grünen Papiertüten, in die leckeres Obst und Gemüse, Beeren und Nüsse verpackt wurden und werden.

„Eszett“

Das „ß“ ist aus diesem Satz durch die Rechtschreibreform 1996 verschwunden. In dieser Reform ist das „ß“ nur noch bei Diphthongen (äußerst, außen, heißen, Schmeißfliege, weiß) und langen Vokalen vorgesehen (Maß halten – Spaß machen). Dass es auffällig oft trotzdem weggelassen wird, auch dort, wo es hingehört, zeigt, wie komplizierte Regelungen vom Volk vereinfacht werden oder von Denkfabriken für ihre Zwecke missbraucht.
Welche Zwecke? Zum Beispiel soll Werbung möglichst gleichgeschaltet werden, zum Kostensparen, aber auch aus anderen Gründen. Die Erweiterung der Reichweite ist einer. Nicht alle Deutschen sind gleichzeitig in Deutschland, alle Franzosen in Frankreich, alle Chinesen in China.
Wenn zum Beispiel ein Deutscher in Frankreich Urlaub macht und ein Produkt X eines multinationalen Konzerns in der Bundesrepublik „Y“ heißt und in Frankreich „Z“, sind die Werbebemühungen an ihm so gut wie vergeudet.
Das „ß“ ist einfach nicht international genug, um im Weltmaßstab zu überleben. Deshalb geht es ihm auch in Deutschland an den Kragen.

Erschwerend kommt hinzu, dass anders als in Österreich in der Schweiz alle „ß“-Wörter mit „ss“ geschrieben werden. Die Confoederatio Helvetica, die in vielem einen gesunden Sonderweg geht, hat in ihrer Viersprachigkeit diesen Buchstaben aussortiert, da er in den anderen Schweizer Sprachen wie Französisch und Italienisch nicht vorkommt.

Vereinheitlichung und Internationalität

Wieviel Anziehungskraft hätten ferne Länder noch, wenn überall die gleiche Sprache gesprochen würde und das gleiche Essen auf den Tisch käme? Dennoch wünschen sich manche Touristen Ähnliches, zumindest zeitweise. Wer hat nicht schon im Ausland einen US-Amerikaner erlebt, der wie selbstverständlich davon ausgeht, dass wenigstens irgendjemand in Hörweite seine Sprache versteht und irgendwo im Ort ein gewohnt großer Burger oder Huhn aus Kentucky serviert wird?

Nun ist die Fruit logistica nicht in einer einfachen Lage. Sie ist die internationalste Messe der Welt, auch wenn Messechef Dr. Christian Göke in aller Bescheidenheit und mangels Zeit, eine solche Aussage zu verifizieren, diesen Satz nicht auszusprechen wagt.

Auf keiner anderen Messe der Welt sind Aussteller und Fachbesucher aus so vielen Nationen zu Gast.

Wenn der Messename „Obst logistica“ wäre oder, länger, „Obstbeschaffungs-, Lagerungs- und Transportmesse“, hätte man bestimmt ein Problem. Nicht, weil das Gemüse fehlt (das zu allem Unglück, wie ungünstig, ein ‚ü‘ enthält). Zum Beispiel, den Namen zu kommunizieren. Trotz Führerschaft auf dem Weltmarkt solcher Messen wäre es mit einem Stück Arbeit verbunden, Kunden für das Ereignis unter dem Funkturm zu werben.

Fazit

Wer weltweit so erfolgreich sein will, wie es viele Messen der „Messe Berlin“ sind, muss in den sauren Apfel der internationalen Begriffe beißen.
Gleich mehrere Leitmessen über das Jahr hinweg wie „Fruit logistica“, ITB und IFA sind mit „ö“ und „ß“ nicht zu halten.

Diejenigen Deutschen, die den Messenamen „Fru-eat Logistika“ aussprechen, gehören sowieso nicht zur Zielgruppe.

Ältere Jahrgänge unter uns, damit meine ich alle über 34, erinnern sich sicher noch daran, wofür die Buchstaben „ITB“ eigentlich stehen: „Internationale Tourismusbörse“. Zu dumm, dass Börse mit „ö“ geschrieben wird. Auch ein „oe“ hülfe an dieser Stelle wohl nicht weiter.

Da die Abkürzung bereits eingeführt war, ist sie zusammen mit dem Signet und den Farben Träger der Marke. Da war die Messeleitung in einer bequemen Lage und konnte auf dem raketenhaften Erfolg der ersten 25 Jahre aufbauen.

Wer die Langform des Markennamens ‚ITB‘ auf der Website des Berliner Veranstalters sucht, wird eine Überraschung erleben. Außer auf nostalgischen Seiten wie „Geschichte“ oder „50 Jahre ITB – Die Anfänge“ findet man kaum einen Hinweis darauf, wofür die Abkürzung steht. Das Internet macht’s möglich. Wer „1984“ von George Orwell gelesen hat, weiß, wie man die Vergangenheit manipulieren kann, auch ohne umständlich Schwarzweiß-Bilder von Staatsmännern zu retuschieren, wie es im Sozialismus üblich war.

Der Mantel des Schweigens.

Man muss schon in die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz oder in Archive wie das des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf – in diesem Bezirk finden die Messen statt – um gedruckte Beweise zu finden, dass es eine „Tourismus-Börse“ einst gab.

Es sei denn, man sammelt schon seit vielen Jahren Material auf der ITB und besitzt noch einen schönen Handzettel – pardon: Flyer.




Es grünt so grün… – Internationale Grüne Woche und Green-Me-Filmfestival lassen Berlin erstrahlen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 5.511 Tiere sind auf der Grünen Woche, vom Tausendfüßler bis zum Wasserbüffel. Bei Green Me am Potsdamer Platz ist Ria Rehberg zu Gast, Vorstandsvorsitzende von Animal Equality zu Verteidigung aller Tiere. Zwei Fakten, zwei Feste. Wunderbar ergänzen sich Grünes Filmfestival und Grüne Woche. Gemeinsam schließen sie Sonntagabend die Pforten, das Green-Me-festival erst nach der Award-Ceremony und der Aftershowparty weit nach Mitternacht Montag früh. Die Party wird diesmal nicht im Tipi stattfinden, sondern im Zelt der Bar jeder Vernunft, die zwischen Berliner Festspielen in der Schaperstraße und Konservatorium an der Bundesallee liegt. Doch das Filmfest ist dem Westen treugeblieben. Auch seiner Hauptspielstätte, dem Cinemaxx. Das Berlinale-Kino, das an manchen Tagen bis zu 52 verschiedene Filme zeigt, liegt zwischen Vox-, Varian-Fry-und Potsdamer Straße mit dem Eingang fast an der Alten Potsdamer Straße. Es liegt nicht im Sony-Center.

Doch dieses Jahr findet das Filmfest nicht im Keller statt. Festivalleiter Nic Niemann: „Vergangenes Jahr waren wir im Keller glücklich mit vielen Kinos und einem Flur für uns, jetzt sind wir nach oben gewandert und sind dort auch sehr glücklich.“ Die diesjährigen Spielstätten CineMaxx 5, CineMaxx 9 und CineMaxx 10 befinden sich im 1. und 2. Stock. Der grüne Teppich weist den Weg. Wenn man die Einlasskontrolle einmal hinter sich gelassen hat, kann man zwischen den Kinos frei wechseln. Viele Regisseure sind angereist und stehen für Fragen nach den Filmvorführungen oder auch mal in der bequemen Lounge zur Verfügung (Q&A). Das Preisleistungsverhältnis kann sich sehen lassen. Einmalig werden für den ganzen Tag ab 15 Euro bezahlt. Für den Preis einer samstäglichen Kinokarte plus Getränk und ggf. Minisnack gibt es bei Green-Me im Cinemaxx DEN GANZEN TAG ab 10 Uhr morgens Filme.

Je später der Abend, desto höher die FSK

Morgens beginnt es meist mit Kinderfilmen oder Filmen, die zumindest – wie der Berlinalefilm „Bube Stur“ von Moritz Krämer am Sonntag – FSK 12 ausweisen (Sonntag, 10 Uhr, Kino 5). „Happy Feet 2“, „Ice Age 4“ und „Jurassic School“ (Sonntag, 10 Uhr, Kino 10) sind FSK 0, das heißt nach der freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft für jedes Alter geeignet.
Warum „Ice Age“ und Happy Feet“?
Was haben solche Filme auf einem grünen Festival zu suchen? Das Thema ist der Fokus. Dieses Jahr hat das Nachhaltigkeitsfestival „Climate“, „Joy“ und „Air“ zum Inhalt. Also Klima, Freude und Luft.
Das Eis, das auch schmelzen kann, ist ein Klimathema. „Happy Feet“ macht glücklich – Pinguine tapsen durchs Südpoleis – und um die Luft kümmern sich gleich mehrere Filme: „Beyond Pollution“, „Groundwell Rising“, „Carbon Rising“ und „The Carbon Crooks“ (Sonntag, 10 Uhr, Kino 9).

10 Jahre Green Me – in Cinemaxx 10

Der Leser möge verzeihen, wenn die Grüne Woche dieses Jahr weniger beleuchtet wird. Zum einen ist die Grüne Woche auf dem Messegelände am Funkturm die besserbesuchte Veranstaltung mit zugegeben einer Fülle von Neuigkeiten.
Zum anderen feiert das Green-me-Festival in diesem Jahr sein 10Jähriges. Zum Jubiläum sei dem Umweltfilmfestival die größere Aufmerksamkeit gegönnt. Zudem es um Nachhaltigkeit geht, die immer wichtiger wird und bald zu einer Überlebensfrage der Menschheit werden könnte.

Green Me weltweit

Das Green-Me-Fest ist international, viele Filme sind auf englisch und der Titel ist es ebenfalls: „10. Green Me Global Festival for Sustainability“ (Nachhaltigkeit). Weltweit stimmt tatsächlich. Im Gegensatz zu Venedig, Locarno oder Sundance, sogar zu einem A-festival wie der Berlinale, findet das Green-Me in mehreren Ländern statt. Aktuell in 5 Städten auf vier Kontinenten. In Afrika ist es Lagos, die Hauptstadt Nigerias. In Asien Teheran. In Nordamerika nicht Mexiko-Stadt oder Toronto, sondern die Stadt des Filmmekkas schlechthin, L.A. In Los Angeles befindet sich der Stadtteil Hollywood, zugegeben auch Venice, die englische Variante von Venezia. Der fünfte Standort, der fünfte Finger, der sich ausstreckt, ist wieder in Europa. Cannes an der Côte d’Azur braucht man nicht zu erklären.
Festivalpräsident Nicolai Niemann: „Überall achten wir auf die örtliche Anbindung. Die Filmauswahl wird im Land vor Ort getroffen“. So sind unter anderem die Filmfans aus Lagos gespannt, was in Berlin gezeigt wird.

Grüne Woche, immer frisch

Zum Schluss noch ein Wort zu der anderen internationalen, grünen Veranstaltung in der deutschen Hauptstadt.
Gar nicht in die Jahre gekommen, sondern immer wieder frisch wie die Lebensmittel, die präsentiert werden, ist die Grüne Woche. Für Internationalität sorgt schon das Partnerland. Jedes Jahr ein anderes Land; 2017 ist es Ungarn. Das nennt man Salamitaktik.
Ganz neu ist etwas, auf das man schon lange hätte kommen können. Stellen Sie sich vor, Sie möchten den ganzen Tag über Filme gucken bei Green Me und waren bisher erst einmal auf dem Messegelände am Funkturm, verpassen daraufhin den letzten Tag der Grünen Woche. Wie kommen Sie jetzt an die Leckereien und Lebensmittel?

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Wer Produkte haben möchte, die er auf der Grünen Woche gesehen hat, kann sie im IGW-Online-Shop ab Februar erwerben. Wer schon etwas auf der Messe gekauft hatte, kann es nun im Internet nachbestellen – vorausgesetzt, der Händler hat sich der neuen Dienstleistung, dem neuen Service angeschlossen.
Auf die Beine gestellt wurde der Onlineladen von dem Unternehmen Key-Gate. Dessen Chef Frank Fromme ließ verlauten, dass der Shop bis kurz vor den nächsten Grünen Woche, der Grünen Woche 2018, geöffnet haben werde. Eine wirklich praktische Idee, selbst wenn man kein Freund des Onlineshoppings ist.




Mittendrin im Geschehen! – Die neue Palazzo-Dinnershow überzeugt mit excellenter Musik zu einem phantastisch-märchenhaftem Programm, dazu serviert Kolja Kleeberg ein Vier-Gang-Menü

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Palazzo Berlin feiert 2016 das 10jährige Jubiläum mit Gastgeber Hans-Peter Wodarz. Sternekoch Kolja Kleeberg ist seit vier Jahren dabei. Manche munkelten, dass in den vergangenen Jahren die Musik der Schwachpunkt des Erfolgskonzeptes aus artistisch-schaupielerischer Bühnen- und Manegeshow und delikaten Gaumengenüssen mit Vier-Gang-Schaltung sei. Fest steht: Diese Saison ist die Musik überragend, sowohl von der Band her – den deutsch-kanadischen „Lonely Hearts“ – als auch vor allem vom Gesang.

In dem manchen wohlbekannten Spiegelzelt mit seinen Rottönen, das einem den Alltag gleich vergessen macht, präsentieren internationale Spitzenkünstler zwei Stunden (!) eines unterhaltsam-mitreißenden Programms, Trapezkunst, Tanz an der Stange, wilde Gelage, ergreifende Liebesszenen, musicalartige Einlagen, Weltklasse-Steptanz – you name it.

Da der ganze Abend locker dreieinhalb bis vier Stunden dauern kann und mit der Einlasszeit, die man stilvoll im Foyer verbringen kann und die die Vorfreude schürt, noch eine Stunde hinzukommt, kann nicht die ganze Zeit getanzt werden – schließlich isst das Auge mit und man möchte während jedes Ganges die Augen auf die wohlfeil angerichteten Köstlichkeiten richten. Dann kommen die Clowns an den Tisch und der König reitet durch die Gänge am Tisch vorbei und im Vordergrund-Hintergrund – wie will man das bei einem runden Zelt schon so genau bestimmen? – erklingt die unglaubliche Stimme von Denise Beiler, die den Höchstleistungen noch einmal einen draufsetzt.

Diese Stimme allein ist schon Grund genug, den Zelt-Palast zu besuchen. Die Österreicherin Beiler „hat Musik im Blut“. Ihre Superkurzhaarfrisur ist Geschmackssache, doch ist Denise Beiler vor allen Dingen hier, um das Ohr zu betören. Zum 10-Jährigen, da sind sich alle einig, schießt der Gesang den Vogel ab.

In einer Gesellschaft, die auf das Visuelle fokussiert ist, fällt das Akustische manchmal hinten runter. Der Song „Video kills …“ läuft zwar auch im Radio, aber die Aussage bleibt: Mit dem Aufkommen des Fernsehens verloren die Sender Hörer, denn gehört wird jetzt mehr über den Fernsehlautsprecher. Sogar bei Blinden läuft der Fernseher den ganzen Tag. An dem Primat des Auges über das Ohr, des Fernsehens über das Radio kommt man nicht vorbei.

Umso erstaunlicher, wenn dann eine Stimme erklingt, die aufhorchen lässt, so dass man zuhören will, dem Gesprächspartner beim Reden Einhalt gebietet, die Lautsprecher lauter dreht oder sucht, woher der Klang kommt.

Jocelyn B. Smith hat so eine Stimme, und Denise Beiler auch. Selbst inmitten des Palazzo-Palastes, dessen 1.200 Spiegel in erster Linie das Licht und die Bilder reflektieren, inmitten eines Augenschmauses, der einen vom essen abhält, da schon wieder etwas auf der Bühne oder in den Gängen passiert, ist plötzlich das Hören wichtiger. Hier im „Spiegelpalast“ läuft kein Radiogerät, also sucht man die Stimme, findet das Gesicht dazu, und lauscht. Denise Beiler singt in den „Manegenpausen“ UND während der Vorstellungen zwischen den Gängen. Allein die Ausdauer verdient Respekt.

Man sich stelle vor, man wäre Juror bei einer Casting-Show. Das erste Lied war schon sehr gut, und aus purer Lust am Weiterhören fragt man: „Können Sie auch noch etwas anderes?“ Und diese Frage würde man immer und immer wieder wiederholen. Denn Beilers Repertoire ist groß und das Stimmvolumen wird nur von der Bandbreite übertroffen.

Eine Künstlerin, die zu beobachten sich lohnt. Während der Finanzkrise machte sie ihren Abschluss an der Popakademie Mannheim, trat dann mit Bühnengrößen wie Jason Derulo und Eros Ramazotti auf. In diesem Jahr gab es einen Soloauftritt vor tausenden Besuchern zwischen den österreichischen Bergen in Innsbruck.

Beste Qualität aus Kanada

Gerechterweise muss man sagen, dass die anderen Musiker und Artisten auch erste Sahne sind. So Scott Whites „Lonely-Hearts“-Band mit Stephan Bienwald an der Gitarre, Tobias Tinker als Mann am Klavier und Waldhorn und dem Schlagzeuger Kay Lübke. Die Bandmitglieder sind aus der Bundesrepublik Deutschland und Kanada. Die Namen hat man schon gehört? Selbstverständlich! Die Lonely-Hearts-Club-Band erinnert an die Beatles und Sergeant Pepper; und die vier Jungs der Lonely Hearts sind Palazzo-Altstars, die untreu wurden.

Apropos Canada: Nachdem sich das Gezeter um Ceta etwas gelegt hat, sollte man sich darauf konzentrieren, welche Spitzenimporte aus dem Land des Ahorns kommen.

Faon Shane brilliert an den Luftketten. Die Kanadierin tourte schon im zarten Alter von sieben Jahren durch die Welt, denn ihre Eltern sind Mitbegründer des „Cirque du Soleil“. In Montreal ging sie an die École nationale de cirque und danach wieder mit dem ‚Sonnenzirkus‘ Cirque du Soleil auf Tournee, jüngst mit der Show „Quidam“.
Die Luftketten sind eine ganz eigene Disziplin, die sie für sich und das Publikum geschaffen hat, nachdem sie mit verschiedenen Luftgeräten experimentiert hatte.

Aus Kanada, dem Land zwischen den Ozeanen, stammt auch der Hula-Hoop-Künstler William Jutras. Lange als Sportturner erfolgreich, besuchte er anschließend die École de cirque de Québec, die er 2013 bestand.

Valérie & Mason heißt das Duo, das einem den Atem stocken lässt. Was Mason Ames als Kind am liebsten tat? Jonglieren. Damit trat er beim „Circus Smirkus“, einem Jugendzirkus, und dem „Midnight Circus“ auf. Früh entschied er sich dafür, den Beruf des Zirkusartisten zu ergreifen.
Für seine Partnerin Valérie Benoît war das nicht gleich ganz so klar. Die Turnerin widmete sich der Gymnastik.
2005 traf sich das Paar bei einem Vorsprechen für die École nationale de cirque in Montreal. Heute arbeiten sie Hand in Hand zusammen, ob er auch um ihre Hand anhielt, tut hier nichts zur Sache.
Im „Palazzo“ zeigen die beiden symbiotisch auftretenden Artisten eine tolle Show aus der Rubrik „Hand auf Hand“.

100%iges Vertrauen, wenn nicht pure Liebe sind die Grundlage ihres Auftritts. Sie scheint das größere Risiko einzugehen. Eben noch steht die Frau in großer Höhe auf seiner Handfläche, schon wirbelt sie durch die Luft. Knapp über dem Boden bewegt sich mit großer Geschwindigkeit ihr Kopf. Angst und Bange wird einem um das Wohlbefinden, die Gesundheit, ja – das Leben des schönen, jungen Paares.
Er hat sehr starke Arme und einen Oberkörper, wie ihn sich alle wünschen. Sie ist durchtrainiert, aber nicht abgemagert. Die Ästhetik eines schönen Frauenkörpers bleibt erhalten. Hier wird nicht bis zum Anschlag jedes Gramm gespart. Die Kanadier arbeiten scheinbar mühelos und geschmeidig mit Kraft und Können. Valérie Benoît kommt aus dem Gymnastikturnen und der damit verbundenen Körperbeherrschung. Ein Augenschmaus. Absolut sehenswert.

Obwohl wir hier nicht bei Olympia sind, bleiben wir bei der kanadischen Mannschaft. Die besteht nämlich weder aus einem Einer-Canadier, noch aus einem Zweier.
Die auch aus der französischsprachigen Provinz Québec stammende Marjorie Nantel ist ein Multitalent unter den Artisten. Sie absolvierte die Montrealer Nationale Zirkusschule École nationale de cirque gleich in drei Sparten: Akrobatik, Tanz und Clownerie.
Vielleicht haben sie ihr markantes, schönes Gesicht schön einmal im Cirque du Soleil oder einem anderen Varieté gesehen.
Nach Berlin bringt sie das frei hängende Vertikaltuch mit, an dem sie nicht nachahmbare Bewegungen zeigt.
Kontorsion ist für sie in dieser Saison das zweite Schlagwort. Wer meint, dass man sich im Beruf nicht verbiegen sollte: Für Marjorie Nantel gilt das nicht!

Last not least Olivia Weinstein. Das kleine Kraftpaket belegte mit vier Jahren einen Akrobatikkurs, stolperte und ging dorthin, wo das Stolpern System hat: zu den Clowns. Sie war an der gleichen Schule wie die Meisterin der Luftketten Faon Shane und Senkrechttuch-Verbiegerin Marjorie Nantel. Im Programmheft steht: „Weinstein besticht durch eine unglaubliche Energie und eine unbändig positive Ausstrahlung, die einfach ansteckend ist“. Davon kann man jedes Wort unterschreiben. Im Schweiße ihres Angesichts lächelt sie nach vier Stunden noch mehr als vorher, eilt von Act zu Act und von Grimasse zu Grimasse. Sie gewinnt die Herzen im Sturm und bleibt auf jeden Fall in Erinnerung.

Die Vier Mächte sind repräsentiert

Berlin ist eine internationale Stadt, und die diesjährige Palazzo-Jubiläums-Show spiegelt das wider. Mehrere Künstler vertreten die Mächte der Vier-Mächte-Stadt. Der König – wen wundert’s – kommt aus dem einzigen Land des Quartetts, das noch einen Monarchen hat. Das Vereinigte Königreich hat eine Königin, aber im Palazzo kommt aus England ein König: der King. Sein Name: Jean-Pierre Poisonnet. Kein Druckfehler! Denn die Franzosen im Team sind Französinnen: Pauline Hachette bildet mit dem Argentinier Juan Pablo Palacios das Fangstuhl-Duo „Década Volatile“. Im Hintergrund wirkte die Choereographin Deborah Dorzile – Daybee Dee, die bereits mit Mariah Carey zusammenarbeitete.
Kanadier sind Amerikaner. Doch waschecht aus den USA kommt Poki – Matthew McCorkle. Seine Aufgabe – vergleiche mit der Weltpolitik sind rein zufällig – ist die Illusion.
Die Berliner Geschichte kennt den sowjetischen Sektor. Die Sowjetunion ist Geschichte und in viele Teile zersplittert. Aber die Menschen sind noch da, Anton Belyakov zum Beispiel. Sein Herkunftsland nennt sich heute Russische Föderation. Er brilliert im Handstand, lässt die Muskeln spielen, dass es eine Freude ist. Welchem Geschlecht die Muskelpakete an seinem nackten Oberkörper besser gefallen, wissen wir nicht.
Odessa ist ein Hauptstadt der Stepper. Die ukrainischen Zwillinge Roman & Slava beherrschen den Steptanz perfekt und mit großer Leichtigkeit und Humor. Ihr Zwillingsdasein nutzen sie auch mal für eine Spiegelpantomime – wie gesagt, Palazzo Berlin spielt im Spiegelpalast.
Idee und Regie: Maximilian Rambaek, Regieassistenz: Tim Schneider. Der musikalische Leiter ist Chris Német; die drei stammen aus deutschen Landen.
Etwas aus der Reihe, auch optisch, schlägt der Spanier Omar Cortes Gonzales mit seiner Strapatennummer. Er ist übrigens ein echter Olympionik: Schon mit 14 als Turner in der Nationalmannschaft, war er mehrfach spanischer Meister und Finalist bei den Olympischen Spielen in Sydney.

Das Vier-Gang-Gourmet-Menü – vegetarisch oder nicht-vegetarisch

Vorbei die Zeiten, dass es in der Gastronomie hieß: Vegetarisch? Können wir Ihnen zurechtmachen. Dann wurde der Schweinebraten weggelassen, aus der Suppe mit der Kelle die Hackbällchen herausgefischt und der Speck in den Bratkartoffeln vergessen.

2016 sieht die Sache anders aus. Eine vegane Welle nach der nächsten ist durchs Land gerollt. Vegan ist so „in“, dass in jedem Supermarkt, der auf sich hält, ein Extra-Regal seht und das Wort „vegan“ häufiger ist als der Begriff „vegetarisch“. Wer heute mit dem Fleischessen aufhört, wird gleich Veganer. Das Gute daran: Gute Zeiten für den Gaumen sind angebrochen.

Das für „Palazzo“ traditionelle Vier-Gang-Menü gibt es in zwei Varianten – betrachten wir zuerst das neue vegetarische Gourmet-Menü: Die Vorspeise ist ein libanesischer Brotsalat mit Spinat, Rosinen und Schafskäse. Gesunde Ernährung – Eisen ohne Ende und Kraft, die für Pop-Eye reicht. Zum Zwischengang gibt es Rote-Bete-Karottensuppe mit Ingwer und Orange. Gesundheit gewinnt und „Ginger“ ist in der kalten Jahreszeit bei den Abwehrkräften immer willkommen. Nicht zu scharf im Abgang, für Gourmets eben.

Als Hauptgang wird ein orientalischer Gemüsestrudel gereicht, begleitet von Kreuzkümmel-Joghurt und getrockneten Aprikosen. Man bleibt geschmacklich im Nahen Osten und tut gleichzeitig etwas für den Körper. Kreuzkümmel für ein langes Leben und besonders magnesiumhaltiges Trockenobst tragen dazu bei.

Der Vierte Gang ist identisch bei beiden Menüs, ob nun fleischlos oder nicht: Das Dessert besteht aus einem mystischen Schoko-Kuchen mit dem angemessenen Namen „Königin von Saba“ plus delikaten eingelegten Kirschen an Stracciatellaeis.

Womit wir beim Vier-Gang-Gourmet-Menü für die Mehrheit angekommen wären.

Der Erste Gang ist Thunfischtatar (mit Zitronen-Kräuter-Sauce), ein Avocado-Oliven-Salat und Minz-Taboulé. Sind die Portionen so klein oder scheint es einem nur so, weil alles so lecker ist?
Das rote Spiegelzelt ist gut geheizt, sehr angenehm. Das kühlende Taboulé kommt also zupass und der Gaumen bleibt im Orient.

Zum Zwischengang steht die gleiche Suppe auf der Karte wie bei den Vegetariern, nur mit feinen, kleinen Jakobsmuscheln.

Der Dritte Gang ist der Hauptgang. Was es da wohl gibt? Kolja Kleeberg plaudert aus dem Nähkästchen: Einmal im vergangenen Jahrviert hat er versucht, ohne das legendäre Großgeflügel auszukommen. Dann scherte er ganz schnell wieder auf die Hauptstraße ein, statt sich Wegzuducken. Für manchen keine Überraschung: Es gibt Ente.
Aber was für eine! Das muss man erst mal hinkriegen! Eine deliziöse confierte Entenkeule die, wäre man nicht in Gesellschaft, man mit Haut und Haaren verschlingen möchte. Mit Feigensauce, Chicorée, mediterranem Granatapfel und Kartoffelkrapfen. Dazu sollte man nichts sagen, das sollte man genießen und dabei nicht sprechen. Dass der Teller zu schnell leer wird, versteht sich von selbst.

Spätestens beim Dessert sind dann alle Sinne bedient worden und man lehnt sich wohlig zurück, um den Ohren- und Augenschmaus weiter in sich aufzusaugen.




Slow Food auf dem Internationalen Filmfestival in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Zur Filmkarte, also zu den Pressemitteilungen über Filme, die während der Internationalen Filmfestspiele vom 11. bis zum 21. Februar 2016 in Berlin gezeigt werden, gehört neben der Eintritts- oder Pressekarte seit einigen Jahren die Speisekarte. Zur 66. Berlinale wird wieder Kulinarisches Kino geboten. Diese köstliche wie erkenntnisreiche Sektion rund um Pott und Politik, dass sich einem schon mal der Magen umdrehen möchte, läuft seit 2007 im Festival und zwar mit wachsendem Erfolg.

Dass dritte Jahr in Folge wird allen Festivalbesuchers ein kleiner Berlinale-Street-Food-Markt mit Leckereien aus anderen Ländern unter dem Slow-Food-Motto ans Herz gelegt, auch wenn das nicht ganz billig und Discounter sowie Schnellrestaurants in der Nähe sind. Street-Food-Markt klingt klasse wie Food-Trucks, doch das sind in der Regel Imbissbuden auf Rädern, das ist also Essen auf Rädern mit Stehtischen davor. Die Fressfahrzeuge heißen „Heisser Hobel“ mit Allgäuer Kässpätzle, „Big Stuff Smoked BBQ“ mit saftigem Pulled Pork oder „Café 9“ mit Sironis köstlichen italienischen Backwaren.

Neu dabei sei „der sardische Sternekoch Roberto Petza“, wie es in einer Berlinale-Pressemitteilung vom 15. Dezember 2015 heißt, „der … zusammen mit der Berliner Flüchtlingsinitiative ‚Über den Tellerrand kochen‘ in einem Truck Essen aus dem Mittelmeerraum anbieten“ werde. „Petza hat beim italienischen Food Festival Il Pranzo di Babele (Das Mittagessen von Babel) bereits zusammen mit Flüchtlingen gekocht.“

Doch warm wird einem deswegen in der unwirtlichen Kälte, die im Frost-Monat Februar oft rund um den Marlene-Dietrich-Platz herrscht, nicht, was auch an der frischen Ungemütlichkeit des Retortenviertels liegt. Länger als nötig möchte dort niemand stehen.

Noch immer wirken die Mampfmeter in einer Sackgasse namens Joseph-von-Eichendorff-Gasse am Rande der Berlinale und Jottwehdeh des Kulinarischen Kinos wie gut gedacht, aber nicht gut gemacht. Der Dichter und Denker der deutschen Romantik würde sich im Grabe umdrehen.