Musikgruppe Walk-a-tones in Hessen-Halle 22 auf der83. Internationalen Grüne Woche IGW 2018

Sie laufen durch Hessen und Partnerland Bulgarien … Die Internationale Grüne Woche ist auch ein Ort für Musik, Tanz und kleine Konzerte

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Als Konzertsaal sind sie ungeeignet, die Messehallen am ICC und Berliner Funkturm. Man kann sie sehr variabel umbauen, doch gibt es auf der Messe einfach zu viele Nebengeräusche. Trotzdem jagt auf der Internationalen Grünen Woche 10 Tage lang eine Vorstellung die nächste, oft sogar gleichzeitig in mehreren Hallen. Bereits bei der feierlichen Eröffnung am Donnerstag abend zeigte das Partnerland Bulgarien, dass es ein Hort der Kultur ist.

Nicht das Gastland ist für die Unterhaltung bei der Auftaktveranstaltung zuständig. Bulgarische Musiker und Tänzer lieferten eine tolle Show ab und zeigten, dass verstaubte Vorstellungen von dem osteuropäischen Land überholt sind. Sie erzeugten mit Musik und Tanz mehr Begeisterung beim Publikum als der gutgelaunte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt und sein bulgarischer Amtskollege Rumen Porodzanov.

Die Landwirtschaftsminister, die Urwälder und die Musik

Christian Schmidt (CSU) und Porodzanov, Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, hielten vor geladenen Gästen durchaus wichtige Reden. Schmidt machte sich um die Insekten Sorgen und versicherte, dass nur soviel Glyphosat eingesetzt würde, wie nötig. Bienenhecken und Blütenstreifen sollen den kleinen Viechern das Überleben ermöglichen.
Porodzanov überraschte viele mit der Information, dass 10% der bulgarischen Wälder jahrhundertelalt sind.

Partnerland Bulgarien bietet Berge, Rosenduft und Musik

Wunderschöne Bilder von Rosen, Feldern und Bergen waren auf riesigen Großbildflächen zu sehen, eine technische Meisterleistung.

Doch die Begeisterung entstand immer wieder durch die Musik. Sie ließ die Zuhörer mitgehen und am Ende frohgemut den Saal verlassen.

Dudelsack und Volkstanz

Am Freitag, die Messehallen sind endlich geöffnet, eröffneten die Bulgaren den Stand der Partnerlandes. Tänzer in traditionellen Trachten fließen durch den Saal. Ein Dudelsackspieler fasziniert das Publikum. Traditions- und Liedgutpflege lässt europaweit erkennen, wie erstaunlich weit das Instrument verbreitet war. Der Dudelsack gehört nicht nur nach Schottland.

Das Partnerland Bulgarien und das ABC

Beschwingt stellen sich so die Besucher nach Köstlichkeiten an. Auf der Grünen Woche wird ihnen allerhand geboten, und bei weitem nicht nur für Gaumen und Magen.
Das Partnerland Bulgarien steht im Länderalphabet hinter Botswana. Vergangenes Jahr elektrisierten afrikanische Tänzer auf der Riesenbühne im ICC-Ersatz City Cube die Zuschauer. Die Grüne Woche 2017 hatte Ungarn als Partnerland, die ITB Botswana. Ob das Partnerland nach dem Alphabet ausgesucht wird? Ist bald China oder Cuba dran? Kuba dürfte dann vielleicht gegen Extragebühr 10 Tage lang einen Buchstaben am Cube überhängen.

Was wird früher fertig: BER oder ICC?

Das ICC Berlin zwischen Ringbahn und Funkturm ist übrigens noch geschlossen. Die letzten Flüchtlinge zogen im September kurz vor Beginn der IFA aus. Umbau und Sanierung werden in die Länge gezogen. Das internationale Kongresszentrum ICC lässt sich unterteilen wie ein Schiff mit Schotten. Die Sanierung könnte längst auf einem guten Weg sein. Im Gegensatz zu dem neuen Flughafen auf der grünen Wiese, der 2012 eröffnet werden sollte, sind hier keinesfalls die Architekten, Bauarbeiter oder Bauplaner schuld. Die Arbeiten werden einfach nicht begonnen, die Landespolitiker schieben den Schwarzen Peter einem Investor zu und verursachen so trotz voller Kassen Stillstand.

Messe braucht Gebäude, ICC steht leer: Dornröschenschlaf

Die Messe Berlin ist eine Melkkuh der Stadt, viele Messen sind Leitmessen und ziehen Hunderttausende in die Hauptstadt. Messechef Göke hat seit Jahren Platzprobleme und denkt an den nächsten Neubau auf dem Messegelände. Derweil ziehen die Massen vom S-Bahnhof Messe Nord/ ICC am architektonischen Wunderwerk vorbei Richtung Funkturm und Sommergarten. Das „Alumonster“ ICC, wie mancher Berliner es liebevoll nennt, ein hochdurchdachter Ort der Geschäftigkeit und Begegnung, schläft noch einen Dornröschenschlaf.

Aroma der Sonne, Erlebnisse der Sinne

Währenddessen ist in Halle 10.2 – in der Nähe des „Großen Sterns“ – das Gedränge groß. Das Partnerland Bulgarien der 83. Grünen Woche feiert unter dem Motto „Aroma der Sonne“ die zusätzliche Aufmerksamkeit. Auf der Homepage der Grünen Woche oder IGW steht dazu: „Erlebnisse für alle Sinne“. Das trifft den Nagel auf den Kopf.
Die Augen essen nicht nur mit, sondern erfreuen sich an den Künstlern und Tänzern mit ihren farbigen Kleidern, bunten Tüchern und typischen Kopfbedeckungen. Die Ohren kommen auch auf ihre Kosten.

Hessen in Halle 22 nicht ohne Musik

Wer nach einiger Zeit nicht mehr sicher ist, ob ihn die Dudelsackmusik erfreut oder nicht, verlässt die Halle 10.2. (Das Wort „Gedudel“ wird heute meist nicht mehr neutral gebraucht.) Irgendwann trudelt er vielleicht in Halle 22 ein. Stand 151 ist vom hessischen Ministerium für Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV) gemietet. Doch keine Sorge, die Länderhalle Hessen findet man auf dem Weg zum Ausgang Nord am Hammerskjöldplatz ganz automatisch.

20er-Jahre-Klänge bei der 83. IGW seit 1926

Vielleicht wird man von den Klängen der 20er Jahre dazu bewegt, die Schritte zu verlangsamen. Sich an den gastlichen Tischen des wohlhabenden Bundeslandes niederzulassen und hessische Spezialitäten zu probieren. Ein halbes Dutzend Musiker stimmt „der kleine Kaktus“ auf dem Balkon und manch andere Melodie an, die einst kleine, vielstimmige Herrenensembles sangen. Die „Walk-a-tones“ bestehen aus einer Sängerin und einem Sänger, zwei Akustikgitarren, Geige und Kontrabass.

Sonst nur auf geschlossenen Gesellschaften, jetzt auf der Grünen Woche

Die Gruppe spielt meist auf geschlossenen Gesellschaften in Frankfurt am Main und „Umgebung“. Eine Platte oder CD haben sie nicht herausgebracht. Sie covern eher. Eine seltene Gelegenheit, die Walk-a-tones und ihre Leadsängerin zu erleben, ist die Grüne Woche. Hier kann man eine Eintrittskarte kaufen und ist dabei. Langeweile ist anderswo. Fürs leibliche Wohl ist gesorgt.

Eintrittskarten: Dauerkarte 42 Euro, Tageskarte 15 Euro, Schulklassen mit Schulnachweis 4 Euro pro Schüler, Familienkarte 31 Euro, Gruppenkarte 12 Euro ab 20 Personen, Sonntags-Ticket 10 Euro, diese für Schüler und Studenten 5 Euro.

Ab Freitag, den 19. Januar 2018. Ort Messegelände am Funkturm und ICC in Berlin-Charlottenburg. S-Bahn Messe Nord/ICC (S41/ S42 Ring).

https://www.gruenewoche.de/

www.walk-a-tones.de

Hier geht es zum Artikel über die Grüne Woche des vergangenen Jahres:

Es grünt so grün… – Internationale Grüne Woche und Green-Me-Filmfestival lassen Berlin erstrahlen




Musikverein in Wien.

Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker

Wien, Österreich (Kulturexpresso). Am 1. Januar 2018 überträgt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) das weltweit bekannte Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker direkt aus dem Goldenen Saal des Musikvereins.

Genauer gesagt findet die Veranstaltung im Großen Saal statt. Auch wenn weitere Säle wie Hölzerner, Gläserner, Steinerner oder Metallener Saal gut sind und genutzt werden, der Große Musikvereinssaal in Wien ist und bleibt das Kronjuwel unter den Konzertsälen dieser Welt.

Weil das Neujahrskonzert am Montag, den 1. Januar 2018, ab 11.15 Uhr, im ZDF übertragen wird, heißt es in einer ZDF-Pressemitteilung vom 29.12.2017: „Am Dirigentenpult steht Riccardo Muti. Er leitet bereits zum fünften Mal das in rund 90 Länder ausgestrahlte Ereignis mit heiteren wie besinnlichen Melodien aus dem Repertoire der Strauß-Dynastie und deren Zeitgenossen. Unterstützt werden die Musiker vom Wiener Staatsballett. Zehn Tänzer führen eine Choreografie zu ‚Rosen aus dem Süden‘ auf dem Schloss Eckartsau auf, außerdem ein Pas de Deux zur ‚Stephanie-Gavotte‘ im Hietzinger Hofpavillon.“

Das Programm beginnt mit Johann Strauß Sohn, Einzugsmarsch aus der Operette „Der Zigeunerbaron“, und endet mit Johann Strauß Vater, Radetzkymarsch, op. 228. Viel Vergnügen!




Semperoper in Dresden.

Silvesterkonzert in der Semperoper

Dresden, Sachsen, Deutschland (Kulturexpresso). Sivesterkonzerte gibt es viele. Ein Silvesterkonzert der besonderen Art wird in der Semperoper gegeben.

Unter dem Motto „Semperoper im Filmfieber“ findet das Silvesterkonzert in Dresden statt aus Anlass des 100. Geburtstags der Universum Film AG (UFA), die am 18. Dezember 1917 in Potsdam gegründet wurde.

Die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Chefdirigent Christian Thielemann spielt die Gassenhauer der Tonfilmzeit: „Ein Freund, ein guter Freund“, „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n“, „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“.

Dazu teilt das ZDF, dass am Sonntag, den 31. Dezember 2017, ab 17.30 Uhr aus Dresden überträgt, mit: „In den Filmen spiegelt sich ein Stück Geschichte mit all ihren Brüchen und einer Ambivalenz aus Kultur und Politik wider. In dem Dresdner Konzert setzen sich die Musiker auf künstlerische Weise reflektiert und kritisch mit den „Filmträumen“ der Vergangenheit und den „Misstönen“ deutscher Historie auseinander: Angela Denoke, Star der Opernbranche, die österreichische Mezzosopranistin Elisabeth Kulman und der Hamburger Tenor Daniel Behle. Kommentatorin des Abends ist Bettina Volksdorf.“

Ob im Konzert oder vor der Kiste fürs Flimmern und Rauschen: viel Vergnügen!




Kloster Chorin

Der Choriner Musiksommer 2018 – zum 55. Mal im größten Konzertsaal Brandenburgs

Chorin, Brandenburg, Deutschland (Kulturexpresso). Bereits zum 55. Male findet der Choriner Musiksommer vom 23. Juni bis 26. August 2018 in der Klosterkirche des Klosters Chorin statt – mit 2000 Plätzen, davon 1225 Sitzplätzen, der größte Konzertsaal Brandenburgs, wenn auch nur im Sommer. Jahr für Jahr zieht er 23.000 bis 25.000 Besucher an. 2017 waren es 23.900, 2018 werden 24.000 erwartet.

Dieser Tage gab der Künstlerische Leiter, Christoph Drescher, das Programm 2018 bekannt. 18 Konzerte sind geplant. Um im Bild der Klosterkirche zu bleiben, »ruht» das Programm auf drei »Pfeilern»: den klassischen Sinfoniekonzerten, der Chormusik sowie den Blechbläsern und Perkussionisten. Nach dem Streben in den vergangenen Jahren nach mehr Vielfalt nimmt nun doch das klassische Sinfoniekonzert wieder mehr Raum ein. Ob Klavierquartett oder Saxophonquartett, Akkordeon solo, Vokaloktett oder Abiturienten des Dresdner Kreuzchors a capella, diese »Formate» (im Neusprech) möchte man nicht nur hören, sondern auch sehen. Das können die Inhaber der Rasenplätze im Klosterhof nicht, wenn auch die Rasenplätze ihren eigenen, für Chorin typischen Reiz haben. Entweder bieten die Veranstalter diese Plätze im Einzelfall nicht an oder die Leute werden enttäuscht. Und auch die Konzertbesucher in der Tiefe der Halle oder im Seitenschiff sehen wenig oder nichts.

Den besten Klang und das beste Erlebnis haben alle beim Sinfonieorchester. 2018 werden statt neun deren zehn spielen. Eines davon ist erstmals die MDR-Kammersymphonie Leipzig mit einem erlesenen Programm vom Barock (Vivaldi) bis zum Neoklassizismus (Respighi). In den »Vier Jahreszeiten» von Vivaldi brilliert die 17jährige Geigerin Anne Luisa Kramb. Zuverlässige Qualität versprechen die »Stammorchester»: Das Konzerthausorchester (früher Berliner Sinfonieorchester, seit 1968 in Chorin!) am 6. Juli, unter anderem mit dem Cellokonzert von Robert Schumann, gespielt von Anastasia Kobekina, und dem »Ohrwurm» »Aus der Neuen Welt» von Antonin Dvorák, das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt mit vier Konzerten (davon später) und schließlich am 26. August das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung des neuen Chefdirigenten Wladimir Jurowski. Es spielt die »Prager» Sinfonie von Mozart und »Also sprach Zarathustra» von Richard Strauss.

Neue »Feste» sind das Orchester der Komischen Oper Berlin, das sich glänzend eingeführt hat, und das auch diesmal mit dem 16jährigen schwedischen Geiger Daniel Lozakovich mit dem Violinkonzert D-Dur von Tschaikowski bezaubern wird (am 7. Juli). Dann die Staatskapelle Halle am 12. August mit Brahms` Klavierkonzert Nr. 2, gespielt von der kroatischen Pianistin Marina Filjak, und Schumanns Vierter, und schließlich die Staatskapelle Weimar am 25. August. Bei ihr können die Holzbläser ihre Kunst beweisen mit Mozarts berühmter Serenade »Gran Partita». Es folgt Tschaikowskis 4. Sinfonie. Erneut zu Gast ist am 8. Juli das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus mit Robert Schumanns Klavierkonzert, gespielt von Yejin Gil, und Brahms`Vierter – dafür braucht man keine Werbung. »Beethoven pur» mit der 5. und 7. Sinfonie bringt das junge norddeutsche Kammerorchester »ensemble reflektor» am 4. August. Etwas schmal sieht es aus mit nur einem Orchester aus den Nachbarländern, nämlich mit der Stettiner Philharmonie am 11. August mit Werken von Mozart und Mendelssohn-Bartholdy. Wie viel Zugkraft das auf das von Drescher beschworene Besucherinteresse in Polen hat, wäre zu hinterfragen.

Noch einmal »groß rauskommen» soll der nach elf Jahren scheidende Chefdirigent des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt, Howard Griffith, der auch als Moderator beliebt ist. Er dirigiert ein monumentales Eröffnungskonzert mit Gustav Mahlers´ »Auferstehungssinfonie» sowie sein persönliches Finale am 19. August mit einer Liebeserklärung an England mit Elgars Cellokonzert, gespielt von Natalie Clein, und Dvoraks »Englischer» Sinfonie.

Auf dünnes Eis begibt sich Griffith am 14. Juli mit Filmmusiken aus Kriegsfilmen. »Ob Kalter Krieg, Befreiungs- und Bürgerkriege und nicht zuletzt komisch-fiktive Kriege – überall finden sich spannende Filmmusiken», erklärt das Programmheft. Wofür sollen sich die Hörer begeistern? Zum Kriege gehört schmissige Musik (mit rhythmischem Klatschen?). »Wie schön ist doch der Krieg, und erst in der Musik»? Den Berlinern und Brandenburgern könnte »Der Fall von Berlin» mit der Musik von Dmitri Schostakowitsch zu denken geben, aber nichts Genaues weiß man nicht.

Choriner-Akustik-gerecht werden die Konzerte des 800jährigen Dresdner Kreuzchors am 30. Juni und am 1. Juli sein, und ebenso die Blechbläserensembles »World Brass» am 21. Juli und »Canadian Brass» am 28. Juli. Erstere widmen sich der Faszination Weltraum mit Werken von Bach, Mozart, Beethoven und Gustav Holst (»Die Planeten»), letztere dem Erbe von Leonard Bernstein anlässlich dessen 100. Geburtstag. Das bekannte Problem werden die für den 15. Juli angekündigten Percussionisten aus Hamburg haben. Zu hören sind sie bestimmt, aber nicht von allen zu sehen.

Von den Stammorchestern fehlen erneut die Berliner Symphoniker. Ein bewährtes und beliebtes Orchester, wurden sie von dem unvergessenen Künstlerischen Leiter des Musiksommers, Gunther Wolff, regelmäßig und, wie er betonte, aus Solidarität eingeladen, weil ihnen der Berliner Senat die Zuschüsse gestrichen hatte – als »Zeichen guten Willens» bei dem aussichtslosen Versuch, vom Bundesverfassungsgericht die Staatsschulden erlassen zu bekommen. Der neue Künstlerische Leiter Christoph Drescher ließ sie 2015 weg, mit dem Versprechen an den Intendanten Jochen Thärichen, »dann aber sicher 2016». Nun vier Jahre nichts. Wohlgemerkt: Solidarität ist kein Mitleid, sondern in der Arbeiterbewegung der Beistand für den Bruder im Klassenkampf. Doch nicht allein um ein gebrochenes Versprechen geht es. In ihrem Repertoire haben die Berliner Symphoniker und ihr Chefdirigent Lior Shambadal das Violinkonzert von Josef Kaminski (1903-1972), das Klavierkonzert op.41 von Paul Ben-Haim (1897-1984), das Klavierkonzert von Josef Tal (1910-2008) und andere. Es handelt sich um Werke jüdischer Komponisten, die von den Nazis aus Deutschland und aus den okkupierten Ländern vertrieben wurden, ihre Arbeit in Palästina und Israel fortsetzten und große Werke schufen, die in Deutschland und Europa unbekannt sind. Vertriebene oder ermordete jüdische Wissenschaftler, Schriftsteller, Maler, Komponisten hinterließen Lücken, die nie geschlossen wurden. Die Komponisten fehlen in der Literatur wie die Schriftsteller. Letztere kann und konnte man nachdrucken. Aber ästhetische Tendenzen ihrer Zeit konnten die exilierten Künstler nicht beeinflussen. Jene Kompositionen ur- oder erstaufzuführen, war das Ziel des Festivals NEW LIFE – Lebenswege – im Juli in Berlin. Was die Berliner Symphoniker hier Neues, Schönes zu bieten haben, sollte man dem Choriner Publikum nicht vorenthalten.

Der Vorverkauf läuft seit dem 1. Dezember über das Büro des Choriner Musiksommers, über die Homepage Choriner Musiksommer und über alle bekannten Vorverkaufsstellen. Die Preise bleiben unverändert 8 bis 29 Euro, für sechs aufwendigere Konzerte bis zu 33 Euro.

Anmerkungen:

Der Beitrag von Dr. Sigurd Schulze wurd im WELTEXPRESS am 6. Dezember 2017 erstveröffentlicht.




Rainald Grebe

Rainald Grebe allein am Klavier – Elfenbeinkonzert solo

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Mann am Klavier, der bei Wikipedia auch als „deutscher Liedermacher, Schauspieler, Kabarettist und Autor“ vorgestellt wird, klimpert wieder. Rainald Grebe greift vier Jahre nach seiner letzten Tour mit dem Titel „RainaldGrebeKonzert“ (Eigenschreibweise) erneut in die Tasten. Seine neue Hörschau heißt „Elfenbeinkonzert“.

Dazu teilt Grebes Agentur mit: „Alles ging damit los, daß eine alte Bekannte anrief, ob ich nicht einen Volksmusik-Workshop in der Elfenbeinküste machen wolle, mit ivorischen Deutschstudenten, sie sei jetzt Leiterin des Goetheinstituts dort in Abidjan. Dann sagte sie noch, daß das Goetheinstitut einen Steinwayflügel besitzt, und einen Klavierstimmer gibt es auch, den einzigen in der Cote d ´Ivoire. Der betreut etwa ein Dutzend Instrumente und eins davon steht beim Goethe im Institut. Ich sagte zu. Aber was ist jetzt bitte heute Volksmusik, und wie kann ich Deutschland am Äquator musikalisch vermitteln. Und warum nicht auch tänzerisch? Und was ist Volksmusik in der Elfenbeinküste… Oder an der Elfenbeinküste? Ich bin ja jetzt Botschafter. Mit meiner zarten Arthrose meldete ich mich in Berlin erstmal bei einem Breakdanceworkshop an. Eigentlich hab ich für Afrika gar keine Zeit. Ich hab hier acht Theaterprojekte parallel zu betreuen. Wie immer. Und dann ging die Reise los…“

Das Konzert gibt Grebe solo. Doch zu seinem fünften Soloprogramm, das am 21. Oktober 2016 in der Kölner Philharmonie begann, kommt er nicht alleine. Er zieht einen Koffer auf die Bühne, einen sprechenden Koffer, aber hören und sehen Sie selbst, erleben die die Polyphrenie der Persönlichkeit als Lehrer, Politik, Künstler und so weiter. Genießen Sie den Humor à la Grebe, der ein kluger Kindskopf zu sein scheint und ein Programm voller Dynamik und Dramatik, aber ohne doppelten Boden, denn der würde nicht reichen, bietet.




Kunst in den Keller? MoKuzuMimi-Vernissage mit Andrea Wallgren, Susanne Duppen … 22 Künstlern & Ricarda Baubkus mit Bach auf dem Cello

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Teure Mieten im Wedding? Ein Witz? Nicht ganz, und wie immer bei Mieten: Nicht überall. Alles ist lokal. Wer hätte das in den 80ern gedacht: dass in den teils halbverfallenen Altbauten, in denen viele Studenten und Gastarbeiter unterkamen, einmal schicke Apartments angesagt sind. Ein Grund: Die Umbenennung. Was früher Wedding oder Moabit war, ist heute „Mitte“. Mitte ist Macht (Regierungsviertel), Mitte ist Merkel und Unter den Linden, Mitte ist wichtig, und zentral. Roter Wedding war einmal. Entrümpelung. MoKuzuMimi? Wohnungs- und Ateliermieten können ruhig steigen, denn sie bedeuten Aufschwung. Niedrige Mieten gibt es in Hellersdorf. Der Ausweg für alle Weddinger – bitteschön!
Simone Weil beschrieb die Folgen der Entwurzelung.

Wie es dazu kam? MoKuzuMimi – Moderne Kunstateliers zu minimalen Mieten … ermöglichte der ehemalige Gesobau-Chef Dr. Rolf Brüning bereits vor 30 Jahren. Er legte den Grundstein für den Kulturstandort Gerichtshöfe. Jetzt ist manches anders und selbst die Gesobau will gentrifizieren: die Kunst soll „in den Keller“ (ins Souterrain), das Gewerbe nach „JotWeDe“ …


Auf der Sonnenseite

und auf die Sonnenseite kommen die schicken Apartments.
Alle Jahre wieder immer am Nikolaustag laden die Künstler in den Gerichtshöfen Wedding ein zu MoKuzuMimi. Das steht für „Moderne Kunst zum Mitnehmen“. Dahinter verbirgt sich eine originelle Verkaufsvernissage mit kleinformatiger Kunst in transparenten Tüten zu erschwinglichen Preisen.

22 von 70

22 Künstlerinnen und Künstler „tapezieren“ die Wände einer Atelieretage in den Gerichtshöfen mit kunstgefüllten, transparenten Plastiktüten.

Nichtkunst? Kommt gar nicht in die Tüte!

Die durchsichtigen Plastiktüten, durch die man, ohne Hand anzulegen meist schon das Objekt erkennen kann, werden von 18 Uhr bis 23.59 Uhr, kurz: bis Mitternacht zu weihnachtlich „spendablen“ Preisen von maximal 100 Euro zum Kauf angeboten.

Kunst, Kunsthandwerk, Schmuck

Im Angebot sind Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Objekte und Schmuck. Wer verkauft, darf eine Tüte nachhängen, so ist fast den ganzen Abend für ein gleichbleibend großes Angebot gesorgt.

Knabbereien-cum-Campanula-Cello

Für die Besucher gibt es u.a. Glühwein und Knabbereien, der Nikolaus kommt vorbei und für besinnliche Stimmung sorgt Ricarda Baubkus mit Bach-Werken auf einem Campanula-Cello.

Malerei, Mieten und Mediation – Hintergrund und aktueller Stand

„Seit 1983 arbeiten etwa 70 Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Herkunft in den sechs Weddinger Gewerbehöfen der GESOBAU AG zwischen Gericht- und Wiesenstraße (Baujahr 1912). Seit 2004 sind viele der Künstler im Verein „Kunst in den Gerichtshöfen e.V.“ organisiert und öffnen regelmäßig ihre Ateliers, zum Beispiel zur „Langen Nacht der Gerichtshöfe“.

‚Mi‘ wie in Berliner Mischung

Hier gibt es sie noch, die „Berliner Mischung“ aus Wohnen, Gewerbe und Handwerk, doch ihr Bestand ist inzwischen gefährdet. Nach heftigem Protest der Künstler und Gewerbetreibenden und einem klaren Bekenntnis der Bezirksverordnetenversammlung Mitte zum Bestandserhalt der Gerichtshöfe mit ihrer Mischnutzung hat die Eigentümerin, die landeseigene Wohnbaugesellschaft GESOBAU, die Modernisierungsmaßnahmen um zwei Jahre verschoben. Aktuell läuft ein Mediationsverfahren.“ Es ist dazu da, eine einvernehmliche Lösung im Konsens mit allen Beteiligten zu finden. (Unterstützung bei der Recherche: Ines Schilgen PR-Management)

Wann?

Veranstaltungsdatum und Uhrzeit: Mittwoch, 6.12.2017 ab 18.00 Uhr bis Mitternacht

Wo?

Adresse: Gerichtshöfe Wedding, Atelieretage Aufgang 8, 3. OG, Zugang wahlweise über Gerichtstr. 12/13 oder Wiesenstr. 62 (näher), 13347 Berlin-Mitte

Anfahrt/ Verkehrsverbindungen: S-Bahnhof Wedding (Ringbahn S4 = 41/42); S-Bhf- Humboldthain (Nord-Süd-S-Bahn S2 etc.), BVG: U-Bhf. Wedding (U6), Bus M27, 120, 247




Bregenzer Festspiele

Merci Hélène Grimaud – Im Winter in Bregenz klassische Musik erleben

Bregenz, Österreich (Kulturexpresso). Auch im Winter kann man in Bregenz klassische Musik erleben, wenngleich das allseits bekannte Festspielhaus aktuell vermehrt für Events quer durch das Genre Showbusiness gebucht wird. Es sind dann nicht die Bregenzer Festspiele, die planen, sondern das Kongresszentrum Bregenz. Nun ja, das Haus verursacht sicherlich hohe Kosten rund ums Jahr, dennoch, man stelle sich vor, dass im Wiener Musikverein auch Popkonzerte, Musicals sowie Varieté stattfinden würden. Die Grenzen verwischen sich immer mehr zwischen den Unterhaltungsgenres und der Klassik. So durften Die Prinzen kürzlich mit dem Gewandhausorchester Leipzig auftreten. Ob dies nun der Qualität des Auftritts genutzt hat, bleibt dahin gestellt, sicherlich war der PR-Effekt gewollt.

Finden sich im Sommer die Wiener Symphoniker am Bodensee ein, seit Jahrzehnten das Hausorchester der Bregenzer Festspiele, so war letzten Sonntag das Kammerorchester des Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, unter der Leitung von Konzertmeister Radoslaw Szulc, zu erleben. Stehend, Szulc mit Violine unterm Kinn, zelebrierten die Musiker den Abend, wohl anspielend auf vergangene Zeiten, auch Hans von Bülow ließ sein Meininger Orchester stehend musizieren. Vielleicht geriet deshalb auch der Auftakt mit Samuel Barbers Adagio für Streicher etwas disharmonisch, man musste sich schon anstrengen, um die bekannte Komposition zu erkennen. Es fehlte der große Bogen, das verbindende Element, auch der Streicherklang der Bayern war etwas ruppig.

Das gilt auch für Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4. Doch Hélène Grimaud konnte mit ihrem brillanten Spiel davon ablenken. Ihr unglaublich leichter Tastenanschlag begeistert, schwebend perlende Klänge, die dem Klavierkonzert Nr. 4 so gut zu Gesicht stehen, zaubert sie ohne Ende in den Raum. Rhythmik sowie Phrasierung sind bei ihr einfach perfekt, danke Maestra Grimaud.

Nach der Pause dann Unbekanntes. Zwei Kompositionen des 1937 geborenen Komponisten Valentin Silvestrov: Der Bote und Zwei Dialoge mit Nachwort, beides in der Besetzung für Klavier und Streicher. Etwas zaghaft war der Eindruck der durchweg an die Klassik angelehnten Kompositionen, gerne würde man die Werke noch einmal in einer Interpretation mit mehr Dynamik hören. Zum Schluss noch etwas Heiteres: Joseph Haydns Sinfonie Nr. 60, auch Il Distratto (Der Zerstreute) bezeichnet. Charmante Musik à la Commedia dell’arte, die von dem vergrößerten Kammerorchester nun mit viel Elan musiziert wurde. Irgendwann wurde man auch aufgefordert zu klatschen, war es wegen dem Zerstreuten oder während der Zugabe, ich weiß es wirklich nicht mehr. Eben doch ein etwas konfuses Konzert.




Werner Schmidbauer

Werner Schmidbauer auf Solopfaden

Aschaffenburg, Deutschland (Kulturexpresso). Nach Jahrzehnten der Auftritte mit seinem Musikerkollegen Martin Kälberer hat sich Werner Schmidbauer zur Aufgabe gestellt, sein Publikum neu zu erobern.

Im Herbst diesen Jahres kam Werner Schmidbauer an den Untermain ins Hofgartenkabarett in Aschaffenburg. Kurz und bündig heisst der Titel auch „Bei mir“ Schmidbauer wird dabei auch sehr persönlich.

Nach einem Jahr ohne Auftritte auf deutschen Bühnen will er es wieder Wissen. Er hatte sich viel Zeit genommen und mit dem VW-Bus ganz allein Europa erobert. Das Soloprogramm ist so gestaltet das Schmidbauer versucht mit einer Geschichte zu erklären wie ein neues Lied entstanden ist. So bad seine fünfjährige Tochter den Vater auch mal ein Lied für und über sie zu schreiben. Manche Lieder konnten aber erst nach Jahren entstehen, weil der persöhnliche Bezug immer noch so ergreifend war.

Als Lied umgesetzt wurde auch die Trennung von seiner ersten Frau und Mutter seiner beiden Kinder. Als Familienmensch schafft es Werner Schmidbauer auch die Geschichte über den frühen Abschied von seinem Vater in ein Lied zu verwandeln.

Die Überraschung an diesem Abend war der gemeinsame Auftritt mit seinem 30-jährigen Sohn Valentin. Er zeigt seine eigene Persönlichkeit durch eigene Texte und eigene komponierte Lieder. Auch im Duo mit dem Vater kann der Generationswechsel sehr überzeugend auf der Bühne zelebriert werden.

Der Sohn sucht überzeugend seinen eigenen Weg in die Zukunft zu finden.

Auf der einen Seite die leisen Lieder mit viel Textinhalten und auf der anderen Seite die Lieder zum Mitsingen und Mitklatschen, eben das was das Publikum von Werner Schmidbauer erwartet.

Für alle Fans von Werner Schmidbauer die Information für das Jahr 2018. Im neuen Jahr findet das Projekt „Süden“ seine Fortsetzung. Mit den Kollegen Pollina und Kälberer geht es wieder auf Tournee, also jetzt schon freuen.




Esther

Von Frieden über freaky bis Peace. Esther Filly Ridstyle live in Berlin und Oldenburg

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Oldenburgerin Esther Filly ist überall auf der Welt zuhause – oder in Niedersachsen. Ihre musikalische Heimat ist ihr dritter Name –
Ridstyle. Ridstyle ist eigentlich – Esther Filly. Der Musikstil ist nach dem englischen Wort „to get rid of“ benannt, etwas loswerden, sich befreien, sich lösen. Wie sagte Lebensenergiespezialist Bernd Senf? Die Lösung der Bindung ist die Lösung.

Esther Filly hat sich von vielem gelöst, ohne die ewigen inneren Werte des Guten aufzugeben. Was gut ist? Das Leben, die Musik, und der Frieden, der alles ermöglicht. Esther Filly hängt ihr Fähnchen nicht in den Wind – sie hat sich den Frieden um der Hals gehängt. Frieden glitzert und ist schön. Falls die Kette mit dem Friedensanhänger mal nicht da sein sollte – die Musikerin hat sich den Frieden auch auf die Haut tätowieren lassen. Sie meint es ernst, ist aber total freaky, schwer zu fassen, aber verlässlich.

Dadurch, dass sie so schwer in eine Schublade zu stecken ist, – persönlich auch, aber vor allem musikalisch – ermöglicht sie den Zuschauern und -hörern, sich selbst zu lösen. Von überkommenen Vorstellungen zum Beispiel.

Spielt sie nun Soul, Motown, oder Blues? R&B? Spielt sie Songs anderer oder schreibt sie selbst? Zumindest diese Frage lässt sich eindeutig mit einem sowohl – als auch beantworten.

Wenn Sie andere imitiert, bleibt sie trotzdem unverwechselbar.

Singt da nicht Amy?

Besonders gelungen ist ihre Amy Winehouse, wäre sie noch unter uns, müsste man zweimal auf die Bühne schauen, um sicher zu sein, wer da singt. Die Tiefe und Rauchigkeit der Stimme, die um Leid weiß, sich aber für Lebenslust entscheidet, ist den beiden wohl gemein. Das Leben auskosten, nicht nur lau dahinplätschern lassen, das passt zu Esther Filly.

Hamburg

Im realen Leben ist sie wohl in Hamburg geboren. Die Hansestadt, die am neuen Jungfernstieg 19 – nah an Binnenalster und Kennedybrücke – den Übersee-Klub beherbergt, ist weltoffen, wie man auf den ersten Blick am Hafen sieht.

Übersee

Der Überseeklub, nach eigenem Bekunden der Förderung der Demokratie, der Toleranz und des Gedankens der Völkerverständigung verpflichtet, zeigt in die richtige Richtung. Am 24.11. erhielt der Klub den Mestemacher-gemeinsam-leben-Preis 2017 in der Rubrik „anderer Lifestyle-Modell-Typ“.

Das ist die Hamburger Luft, Luft, Luft

In Hamburg weht immer wieder eine frische Brise von der Nordsee. Oder der Wind dreht und bringt salzärmere Ostseeluft aus dem Baltikum, oder Eiseskälte aus dem Norden vom Pol. Oder die würzige Luft von den grünen Weiten Niedersachsens, in der sich ostfriesischer Humor und Kurzangebundenheit, Weitsicht und Unbeugsamkeit mit Oldenburger Stolz und Kultur, Braunschweiger Löwenkraft und Lüneburger Heideduft mischen.

Nicht zu sicher sein

Sollte man zu sicher auf dem festen Boden der „Tatsachen“ stehen, spült einem auch schon einmal eine Sturmflut um die Füße. Die meisten Millionäre Deutschlands sollen hier wohnen. Mit Engstirnigkeit wären die Hanseaten wohl nicht so weit gekommen. Weltweiter Handel mit China und Mexiko, Brasilien und Südafrika, Indien und Thailand ist ohne Begegnung mit fremden Kulturen und etwas Diplomatie unmöglich. Nicht umsonst gibt es in Hamburg die meisten Konsulate.

In Berlin – und: So ein Zufall!

Esther Filly ist hier und da und bleibt nicht lange an einem Ort. Am Freitag, dem 24.11. hat sie – natürlich? – nicht nur ein Konzert in der Hauptstadt. Bei der Verleihung der Mestemacher-Preise „gemeinsam-leben“, die das Wirgefühl stärken sollen, ist Esther die musikalischer Atempause. Nachdem in den Kategorien „Großfamilie“, „Institutionalisiertes Mehrgenerationenhaus“ und „Wohngemeinschaft“ die von Ulrike Detmers, Unternehmerin und als Professorin Beamte des Landes Nordrhein-Westfalen, initiierten Preise vergeben sind, mischt Esther F. den Saal auf. Ob es ein Zufall ist, das alle Buchstaben von E-s-t-h-e-r in Mestemacher enthalten sind? Sogar in der richtigen Reihenfolge? M-est-emac-her? Carmen Thomas hätte an diesem Zauber des Zufalls ihre Freude, genau wie an dem Anagrammgeheimnis. Doch wir haben keine Zeit, Buchstaben zu verschieben, Esther Filly fegt an uns vorbei. Kaum sind die Preise vergeben, singt jemand, kommt von hinten in den Saal. Die Gäste sitzen am runden Tisch, Filly umfegt sie, umkreist die Gäste, nimmt die Bühne im Sturm, verbreitet gute Laune. Wäre der Begriff nicht zu altbacken und militärisch, würde „Stimmungskanone“ auf Esther Filly passen wie die Faust aufs Auge.

Gelöst

Filly ist auf der Bühne, umarmt Ulrike Detmers und bittet alle hinzu und hinauf zum Tanzen. Der Saal erhebt sich, wogt, schunkelt wie auf dem Oktoberfest und reckt die Arme empor in die Luft, nach oben, nach Höherem strebend, wie beim Gottesdienst in einer Baptistengemeinde. Esther Filly ist mitreißend, Ridstyle hebt die Sofasitzer hoch und lässt sie fliegen. Lasten fallen ab. Sie singt den Godfather of Soul, so dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Eigene Lieder wie „Freaky“ von 2016, das sie sich auch hat eintätowieren lassen. In der Mitte des Auftritts Amy Winehouse und dann noch einer ihre eigenen Songs, wo es um „Making Love“ geht, eine je nach Zusammenhang durchaus auch platonisch gemeinte Sache.

Making Love

Wer 7 Tage die Woche liebt, hat für Hass keine Zeit. Für noch größere Dummheiten wie Kleinkrieg oder Krieg schon gar nicht. „Freaky“, sagt Filly am Mikro, ist wie für das von Ulrike Detmers propagierte Wirgefühl geschrieben. Die beiden und den ganzen Saal verbinden gemeinsame Werte. Man feiert gemeinsam das halbvolle Glas, man tanzt zusammen und singt sogar ein bisschen. Es kann gelingen, das Gute, besonders, wenn alle zusammen an einem Strang ziehen.

Kraftpaket

Esther Filly zieht mit. Das Kraftpaket hat die sanft-gute Atmosphäre im Saal, die vielleicht einen ganz kleinen Tick zu lau war, in gute Laune verwandelt. Die Stimmung ist nun gelöst.
Gelöst? War da nicht was?

Esther Filly zieht weiter, ein Punkkonzert steht noch auf dem Programm!

Als Gast geht Esther für einen Song mit Deutschlands ältester Punkband RAZZIA auf die Bühne!
Der Frische Wind aus Deutschlands Norden zieht im muffig-verrauchten Kreuzberg ein.
Im SO 36 in der Oranienstraße 190 (10999 Berlin) Fliehende Stürme – der Rest. Da bleibt wohl nicht viel „rest“ (Ausruhen).

Das Phänomen Esther Filly, die ein bisschen aussieht wie Penny MacLean oder Sissy Perlinger, hat bestimmt auch einige gute Eigenschaften mit diesen Powerfrauen gemein. Jocelyn B. Smith ist auch eine Powerfrau, aber wieder anders, spiritueller, mit einer unglaublichen Stimme.

Wohltätigkeit

Jocelyn B. Smith und Esther Filly verbindet ihr soziales Engagement für Arme in den beiden größten Städten Deutschlands. In den nichtöffentlichen Veranstaltungen unterstützt Esther Filly am 12.12. die Bedürftigen-Weihnachtsfeier in HH, Jocelyn B. Smith die Obdachlosen-Weihnachtsfeier Mitte Dezember in Berlin.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte und einmal Esther Filly erleben erhellt noch mehr.

Ihre Tourdaten in Kürze:

25.11. ab 20 Uhr in Oldenburg i.Oldenburg: Lange Einkaufsnacht im „Famila-Einkaufsland Wechloy“

9.12. um 18.30 Uhr: Mörser Weihnachtsmarkt mit Esther Filly & Amy Winehouse

White Christmas in Concert 2017, „Europas größte Weihnachtsshow“:
14.12. Göttingen, Lokhalle
15.12. Oldenburg i.O.: Große Ewe-Arena
16.12. Oberhausen, K.-P.-Arena
17.12. Münster, Westfalen: MCC-Halle Münsterland

31.12.2017 Goslar, Silvesterball im Hotel Achtermann www.der-achtermann.de




Die italienische Musikerin Carmen Consoli

Guten Abend, Berlino! Carmen Consoli bringt auf ihrer Eco-di-sirene-Tour in der Berliner Kulturbrauerei den Kessel zum kochen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Italienisches Filmfestival, 2. Tag, drei Komödien stehen auf dem Programm, über siamesische Sängerzwillinge, ungewollte Altenpflege und die „Ehrliche Zeit“ in Sizilien ; danach ein Gespräch mit den Komikern Ficarra und Picone, den Regisseuren des letzten Films. Durch den frühen Beginn des 92minüters ist schon vor 10 Schluss. Wohin jetzt? Es ist noch früh, und es ist Freitag! Ein paar Meter weiter die Aufschrift „Maschinenhaus“ – Das Kesselhaus. Hier empfängt Carmen Consoli die Gäste – mit Vorgruppe. Diese ist pünktlich, wie alle Filmvorführungen in der Kulturbrauerei. Es mag ein italienisches Festival sein, aber ein Termin folgt nach dem nächsten – zum angekündigten Zeitpunkt.

Etwa 20 nach zehn ist die Vorgruppe fertig und nach kurzer Umbaupause beginnt Carmen Consoli zunächst allein.
Sie begrüßt die Gäste auf deutsch und das kommt gut an.
Wie oft hat man ist Deutschland von Musikern schon gehört: „Good evening Berlin! How are you?“ Das wirkt, selbst wenn es ehrlich gemeint ist, aufgesetzt und unecht. Die Ansagen machen meist die Sänger und diese lernen viel Text auswendig, durchaus auch in anderen Sprachen, zumindest teilweise werden französische Phrasen in Lieder eingebaut oder sind bereits Teil des Fremdwortschatzes der englischen Sprache.

Ob Frau Consoli absichtlich ganz italienisch von Berlino spricht, oder ob ihr das herausgerutscht ist und ihr in dem Moment die einheimische Aussprache nicht bewusst war, konnten wir nicht klären. Eine marginale Frage. Entscheidend: Carmen Consolis Ansagen kommen an, sind glaubwürdig.

Ihre Begrüßung „Guten Abend, Berlino!“ enthielt nicht die einzigen beiden deutschen Wörter – es folgte:
„Ich freue mich, wieder hier zu sein!“

Langsam, sicher und gefühlsintensiv, im Moment bleibend, baut Carmen Consoli auf. Ihre Lieder gewinnen Momentum, immer mehr Effekte treten ein, forte und fortissimo. Sie steigert sich in den ersten Songs, dann versammelt sie ihre Flügelfrauen auf der Bühne.

Die Band

Die Band besteht aus drei Frauen mit Saiteninstrumenten: Emilia Belfiore an der Geige, Claudia Della Gatta am Cello, Carmen Consoli selbst singt und spielt Akustikgitarre.
Zusammen beherrschen sie jederzeit das Geschehen und befinden sich dabei in Harmonie mit dem lauschenden Publikum, der Saal ist voll, nur ganz hinten an der Rückwand gibt es noch Bewegungsfreiheit ohne anzustoßen.
Der Saal in der Kulturbrauerei scheint so gut wie ausverkauft, die Stimmung ist hervorragend.

Die „Eco di sirene“-Tour

Die diesjährige Tour begann in Bozen und Belluno; Carmen Consoli war in Verona und Perugia, dann in der italienischen Hauptstadt. Nach Rom ging es über Venedig, Bologna, Senigallia, Pescia und Genua nach Mailand und dann in den Süden. Neapel, sogar Bari, Lecce, Cagliari, Sassari und das aus dem 19-Uhr-Film „L‘Ora legale“ bekannte Palermo standen auf dem Programm. Weitere Ziele ab April waren Agrigento, Messina an der gleichnamigen Straße, Trento, Schio und dann Lugano in der Schweiz. Florenz und Mantua folgten.

Alles neu machte der Mai. Tourpause.

Die Sommertour ging im Juni nach Catania und Spanien: Valencia, Madrid und das damals noch spanische Barcelona.

Unbekanntere italienische Orte folgten: Pietra Ligure, Stra, Barolo, Riola Sardo, Saint Pierre im Aostatal, Porto Recanati. Am 27. Juli trat sie wieder in Rom auf, fast ein halbes Jahr nach den Terminen von Anfang März.

Grundkurs Geographie mit Carmen Consoli

Eine Einführung in die italienische Geographie könnte sich an den Bühnenorten orientieren: Gardone Riviera und Verrucchio besucht sie Ende Juli.

Anfang August beendet sie die Tour vorläufig in Matera und Tindari.

Die Sängerin und ihre Musikerinnen haben Fans von den Alpen bis zur Stiefelspitze, von der Adria bis Sardinien.

Der Tournee-Titel ist nicht neu

„Eco di sirene“ ist ein 1998er Single-Titel aus dem Album „Mediamente isterica“, das Platin erhielt.
2008 gab es eine Anniversary edition, die es immerhin noch auf Platz 22 der Charts schaffte.
Und jetzt Berlin – Berlino!

Der Besuch hat sich für alle gelohnt – für die Zuschauer und – hörer wie für „CC“ in der Bundesrepublik.

Die Deutschen können sich als nördlichste Zuhörer der Live-Show glücklich schätzen. Nur drei Länder im nichtitalienischen Ausland wurden diesmal bereist.

Eine runde Sache. Überhaupt kommt es in Mode, auf Filmfesten Musik zu machen. Vicky Leandros sang auf dem griechischen Hellas-Filmbox-Festival und an die Berlinale hängt sich sowieso jeder ran.

Auch Austellungen ergänzen die Feste. In diesem Fall eine Ausstellung von filmischen Tuscia-Orten.

Die Filmtitel des zweiten Festivaltages im Original: „Indivisibili“, „Tutto quello che vuoi“, „L‘Ora legale“