Bei nächtlicher Blick auf die Philharmonie in Berlin.

Über den Tellerrand – Die Berliner Symphoniker eröffnen ihre Saison 2018/2019 mit neuem musikalischem Profil

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit der Berliner Senat unter Federführung von Thomas Flierl (PDS) 2004 den Berliner Symphonikern die Zuschüsse gestrichen hat, haben viele sie totgesagt oder totgeglaubt. Doch der Regierende Bürgermeister Michael Müller zählt sie noch immer zu den acht subventionierten Berliner Orchestern, faktisch durch einen Erinnerungsposten im Haushalt. Unbestreitbar hatten und haben die Berliner Symphoniker einen unentbehrlichen Platz unter den Berliner Orchestern. Von Anfang an zielten sie darauf ab, durch populäre Programme und günstige Eintrittspreise einkommensschwachen Bevölkerungsschichten einen Konzertbesuch zu ermöglichen. Mit ihren Nachmittagskonzerten bieten sie Berlin-Besuchern ein Konzerterlebnis an, doch auch Kindern und Jugendlichen sowie Rentnern und Bewohnern des Umlands von Berlin.

Für die neue Saison 2018/2019 entwickelte der Chefdirigent Lior Shambadal ein neues musikalisches Profil. »Bei uns soll man etwas hören, was man nur bei uns zu hören bekommt», sagt Shambadal. Zum Beispiel können das unvollendete Werke Wolfgang Amadeus Mozarts sein wie »Die Gans von Kairo», die Shambadal und das Orchester jüngst auf bezaubernde Weise mit Studenten der Universität der Künste aufführten. Oder unbekannte Werke von jüdischen Komponisten, oder Musik von Komponisten aus der DDR und der Sowjetunion, deren Werke nach dem Untergang beider Staaten nicht weiter gepflegt wurden und im Westen weitgehend unbekannt sind. Mehr noch, das Schaffen der DDR-Komponisten wird von den renommierten Orchestern fast völlig ausgeblendet, sowohl im Konzertsaal als auch auf der Opernbühne.

Lior Shambadal und sein Orchester blicken mit ihrem Programm weit über den Tellerrand hinaus, der im »vereinten» Deutschland keiner mehr sein dürfte, aber Realität ist. Sein Konzept hat Shambadal dem Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) vorgelegt, der dem Plan Geschmack abgewinnen konnte, wenn auch noch ohne die Konsequenz, das Orchester erneut institutionell im Landeshaushalt zu fördern. Eine Projektförderung dürfen sie beantragen, bei Bedürftigen bekannt als Sisyphusarbeit ohne Garantie auf Erfolg.

Am kommenden Sonntag beginnen die Musiker in der Philharmonie ihre Abonnementskonzerte mit Werken von Meistern, die von den Nazis verfemt worden waren. Die Märchenouvertüre »Peter Pan» entreißt ein Werk Ernst Tochs der Vergessenheit. Ein Kleinod ist das Violinkonzert Erich Jacques Wolffs, ein Klangerlebnis die Reformationssymphonie Felix Mendelssohns-Bartholdys. Am 28. Oktober folgt im Konzerthaus ein Sonderkonzert mit Werken von Komponisten aus Ost und West. Besonders spannend zu hören wird die Vertonung des Kommunistischen Manifests durch den deutschböhmischen jüdischen Komponisten Erwin Schulhoff sein, der als Sowjetbürger 1942 in einem deutschen Internierungslager starb. Die Paganini-Variationen von Boris Blacher sind ein Kleinod ebenso wie »Sakuntala, eine indische Legende für Violine und Orchester» von Wolfgang-Andreas Schultz. Beide Werke werden von Maximilian Simon gespielt. Von Kurt Schwaen, einem Meister des Neoklassizismus aus der DDR, erklingen Variationen über ein niederländisches Volkslied. »Ohrwürmer» bringt die Suite »Die Legende von Paul und Paula» des DDR-Filmkomponisten Peter Gotthardt.

Im April 2019 steht auf dem Plan ein Konzert unter Lior Shambadal mit einer »Studie für Streichorchester» von Pavel Haas, der 1944 von den Nazis im KZ Auschwitz ermordet wurde. Von Gottfried von Einem stammt der »Bruckner-Dialog». Zwei Schöpfungen von DDR-Komponisten folgen: Günter Kochan verknüpft in »Variationen für Klavier und Orchester» Elemente des musikalischen sozialistischen Realismus mit jenen der Avantgarde. Ein »Paukenschlag» wird die Uraufführung des Schlagzeugkonzerts von Ruth Zechlin werden.

Konzerte: Sonntag, 21. Oktober 2018, 16 Uhr, Philharmonie, und Sonntag, 28. Oktober 2018, 11 Uhr, Konzerthaus Berlin
Weltnetz: www.berliner-symphoniker.de




Eröffnung EMOP 2018 in Berlin vor Delphi Lux und C/O Berlin gegenüber Jebensstraße am Bahnhof Zoologischer Garten in Charlottenburg

The Jooles eröffnen EMOP. Musik zu Beginn der Opening Days des Europäischen Photographiemonats 2018

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Staatsbesuch beherrschte fast den ganzen Freitag. Am 28. September reiste Präsident Erdogan vom Bosporus an. Dazu viele Demonstranten, einige dafür, viele dagegen. Abends gab es am Flughafen Tegel fast keine Mietwagen mehr. Bei Europcar und Buchbinder überhaupt keinen einzigen. Was die Demonstranten übrig gelassen hatten, brauchten Reisende, die am Boden blieben. Ryanair-Streik. Außerdem fielen zwei German-Wings-Flüge aus an den Niederrhein und nach Stuttgart. Viele brachen in Fahrgemeinschaften noch in der Nacht nach Baden-Württemberg auf. Mit etwas Glück erreichten sie zu Sonnenaufgang ihr Ziel. 7 Stunden ist man auf vier Rädern von TXL in die südwestliche Landeshauptstadt bestimmt unterwegs. Am Abend dürfen endlich alle feiern, der EMOP (European Month of Photography) wird eröffnet. Gegen 21 Uhr treten The Jooles auf, ab 22 Uhr gib es einen DJ vor Kino und Ausstellung.

Feiern mit THE JOOLES

Nach 21 Uhr ist das Amerikahaus brechend voll, hier residiert seit noch nicht zu langer Zeit das c/o Berlin. Vor dem Haus, zum Parkhaus hin, steht eine Freilichtbühne, als ob die Veranstalter gewusst hätten, dass es trocken bleibt. Dr. Klaus Lederer (Linke), der als für Kultur Zuständiger schon so manches Filmfestival eröffnen durfte, spricht ein paar Worte. Anschließend gibt es Musik im Rahmen eines Bühnenprogramms. Besonders gute Laune erzeugt The Jooles. Die Band ist paritätisch besetzt – genderbezogen. Links auf dem Photo Alexander Dommisch, Musiker und Label-Manager. Rot-lila beleuchtet die Leadsängerin, rechts daneben ihre Kollegin mit dem Saiteninstrument. Dazwischen im Dunkel versteckt der Schlagzeuger. Die Band The Jooles (www.THEJOOLES.com) hat kürzlich ihre erste Platte herausgebracht. Moving Memories erschien auf CD und – auf Vinyl!

Immer faszinierend die Enge und Gleichzeitigkeit des Geschehens, die es wohl sonst so nur in Indien gibt. Am Bahnhof der Christiane F. und der Stadtmission aus „Auf der Straße“ die Jebensstraße mit einem weiteren Photo-Museum. Daneben das Gericht mit seinen historischen Ausstellungen. Auf der Südseite der Hardenbergstraße das auf dem Photo abgebildete Geschehen. Der Mittelstreifen – Baustelle.

Zeitverlust durch hauptstadtbedingte Aufgaben

Eine Delegation huscht über den Kudamm.
Mit grüner Fahne: Polizeigesicherte Fahrzeugkolonne am Kurfürstendamm. Am Mittag des 28. September 2018. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Dass das Land Berlin, das unter einer zig-milliarden-Euro-schweren Schuldenlast ächzt, vom Bund hauptstadtbedingte Kosten verrechnen darf, mag dem Finanzsenator helfen. Wieviele Stunden der arbeitende (und natürlich auch der arbeitslose) Berliner allerdings verliert und wieviel das kostet, interessiert niemanden. Kurz vor zwei am Nachmittag rauscht fast lautlos eine lange polizeibegleitete Wagenkolonne den Ku‘damm entlang Richtung Innenstadt. Wesentlich mehr Probleme entstehen durch Demonstrationen, die den Bus M29 aufhalten. Wer gegen 17 Uhr am Landwehrkanal entlang zur CDU-Zentrale im Diplomatenviertel oder über den Kurfürstendamm Richtung Grunewald möchte, hat das Nachsehen.

Warum auch die S-Bahnen staatsbesuchsbedingt ausfallen, ist dagegen nicht einsichtig. Gegen 15 Uhr findet in einem der Gebäude auf dem Titelphoto ein Pressetermin statt. Ihn über Westkreuz pünktlich zu erreichen ist unmöglich. Ein Zug nach Erkner, der angeblich drei Minuten später fahren sollte, wurde ersatzlos gestrichen. Der nächste Zug Richtung Osten soll erst in 10 Minuten (!) folgen. Im Berufsverkehr bei der Größe Berlins viel zu viel. Gerade erst hat der Senat eine Rekordmillionensumme der S-Bahn gestrichen wegen Unpünktlichkeit

Ein ganz normaler Freitag in Berlin.

Vergangene EMOP-Aktivitäten in Berlin:

Kieke mal Kike Arnal! Die unglaublichen „Voladores“-Flieger aus Mexiko in einer Fotoschau von Ximena de la Macorra oder: Wie Tugend und Kultur Frieden erhalten

Dagmar Gester und Gäste in der Ausstellung „Fluchtgepäck“ (EMOP 2016):

Was bleibt. Photographin Dagmar Gester ist in ihrer EMOP-Ausstellung „Fluchtgepäck“ zu sprechen

Photoausstellung jenseits des EMOP mit Sabine Mittermeier:

Bäume Schwarzweiß. Sabine Mittermeier, Laure Catugier und Tim van den Oudenhoven are „Undrawing the Horizon“ in HB55 Räume der Kunst




»Ihr spielt die Musik» – Am Sonntag wieder in der Mall of Berlin – Symphonic Mob mit Robin Ticciati

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). So entstehen Traditionen. Was 2014 als Versuch begann, findet nun zum fünften Male in Berlin statt: Der »Symphonic Mob». Was ist das? Ein Spontankonzert von Musikern und Sängern, die sich auf einen Aufruf von Musikenthusiasten hin an einem öffentlichen Platz treffen, um gemeinsam zu musizieren und zu singen. Jeder bringt sein Instrument mit (auch die Stimme ist ein Instrument). Nicht nur die klassischen Orchesterinstrumente werden gespielt, sondern auch Gitarre, Okulele, Akkordeon, Saxophon, Blockflöte, Mundharmonika, Amboss, Klopfholz und so weiter.

Diese Form der Volkskultur entstand eines Tages in Toronto, Kanada. Der Orchesterdirektor des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (DSO), Alexander Steinbeis, übernahm sie und organisierte 2014 den ersten Berliner Symphonic Mob – auf Anhieb mit 400 Musikern und Sängern. Der Erfolg reizte zum Weitermachen. Seit 2015 findet der Mob auf der Piazza der Mall of Berlin statt. Die ist überdacht, wetterunabhängig. Die Besitzer wissen natürlich den Imagegewinn zu schätzen und stellen Räume und Technik kostenlos zur Verfügung. Das gilt auch für andere Kooperationspartner, die die Proben ermöglichen.

Spontan und professionell

Spontan im Wortsinne ist das Konzert insofern nicht, als es von den Musikern des DSO höchst professionell organisiert wird. Sie stellen die Noten für jede Stimme in vereinfachter Fassung, die Laienmusiker spielen können. Die Musiker halten mit Instrumentengruppen Proben ab und spielen selbst mit. Spontan aber ist der Mob in jedem Falle für Laienmusiker und Chorsänger jedes Fachs und jeden Alters. Sie kommen mit Begeisterung, lassen sich gern »schulen» und erleben die Gemeinsamkeit mit vielen anderen und mit den Profis. 2016 waren es schon 1000 Musiker und Sänger, dirigiert von Kent Nagano, der in seiner Laufbahn bereits mit vielen Laienmusikern gearbeitet hatte, aber von der Masse seiner »Musikanten» überwältigt war.

Offen für alle

Das Projekt »Symphonic Mob» ist offen für alle Orchester und Amateur-Musiker. Es fand viele Nachahmer in deutschen Städten, die vom Angebot der Noten Gebrauch machen können, inzwischen aus einem ansehnlichen Archiv. Es geht nicht um eine Schablone, sondern um den praktischen Nutzen. Die Orchester können auch ein Programm nach eigenem Geschmack gestalten. 2017 wurden Symphonic Mobs in Schwerin, Ludwigshafen, Hamburg, Halle, Berlin, Göttingen und Frankfurt an der Oder organisiert. Dieses Jahr ging ein Symphonic Mob bereits in Halle, Bremen, Coburg und Frankfurt an der Oder »auf die Straße», in Frankfurt polnisch und deutsch. Halle und Frankfurt veranstalten ihn bereits zum dritten Mal und wollen weitermachen.

Robin Ticciati zum zweiten Mal »am Pult»

Der neue Chefdirigent des DSO, Robin Ticciati, begeisterte sich sofort für das Massenkonzert und leitete es bereits im September 2017. Fest stand für ihn, dass alle Mitglieder seines Orchesters mitwirken sollen und dass zudem ein erfahrener Chor den Kern des Massenchors stellen muss – der Rundfunkchor Berlin mit 60 Sängern. Der Andrang ist gewaltig. Bis zum Montag hatten sich 1250 Teilnehmer angemeldet. Das Spektakel beginnt am Sonntag um 14 Uhr mit der Generalprobe und um 15.30 Uhr mit dem Konzert. Gespielt werden »In der Halle des Bergkönigs» von Edvard Grieg und »Nimrod» von Edward Elgar sowie von Giuseppe Verdi der »Choro di Zingari» aus »Der Troubadour» und der Chor »Patria oppressa» aus »Macbeth». Beste künstlerische und pädagogische Anleitung sind sicher, doch Ticciatis Anspruch auf hohes künstlerisches Niveau könnte auch den Schwung der Massenbeteiligung bremsen – an Orten, wo die Basis schmaler ist. Das Motto »Ihr spielt die Musik» meint »Musik von allen für alle».

Einen interessanten Zungenschlag tat das DSO in der Ankündigung, jeder könne kostenfrei mitmachen oder zuhören. Das sollte für eine Massenveranstaltung selbstverständlich sein, aber im Spätkapitalismus dreht sich eben alles ums Geld. Nichtsubventionierten Orchestern zum Beispiel fehlen die Mittel für das Allernötigste. 2015/2016 wurde das DSO (verdient) von der Bundeskulturstiftung gefördert, womit es die Internetplattform symphonic-mob.de einrichten konnte, zum Nutzen aller, die die Noten übernehmen. Wie wäre es, wenn die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) eine Förderung für jedes Orchester aussetzte, das einen Symphonic Mob veranstalten will – für alle, nicht nur für Ausgewählte?

Symphonic Mob, Sonntag, 23. September 2018, , Mall of Berlin, Leipziger Platz 12, 14 Uhr Probe, 15.30 Uhr Konzert




Musiker auf dem Zeig-Courage-Fest

Zeig Courage! Berlin feiert mit Live-Musik am Leopoldplatz

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Noch bis 22 Uhr wird auf dem Berliner Leopoldplatz unter dem Motto ZEIG COURAGE! gefeiert. Gegen 19 oder 20 Uhr werden die Stände der vielen Projekte abgebaut, die sich hier vorstellten: Zum Beispiel NARUD e.v., Veranstalter unter anderem auch eines jährlichen interkulturellen Fußballturniers, und die Kinderkunstwerkstatt Seepferdchen aus der Brüsseler Straße.

Zeig Courage – aber zeig dich

Kirche am Leopoldplatz am Wedding am U-Bahnhof Leo U6 und U9
Sonnenschein auf der Kirche am Leopoldplatz: Entspannte Stimmung auf dem Zeig-Courage-Fest. Auf der Bühne: KonstanThyme. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Ein Besucher mit einem Halskettchen mit einem Leuchter, den viele als jüdisch einordnen, beklagte sich über die geringe Werbung für das Festival. Spät und eher zufällig habe er von dem Fest erfahren und wünschte sich mehr Resonanz. Seiner meiner nach sei nicht genug auf das Festival Zeig Courage hingewiesen worden.

Silke Fischbeck aus dem „Seepferdchen“ zeigte sich besser informiert und wusste, dass die Veranstaltung seit Wochen kommuniziert wurde.

Der Aufforderung Zeig Courage! wären wohl noch mehr Menschen mit Mut gefolgt, wenn sie von dem gut erreichbaren Open-air-Event gewusst hätten. Zum Leopoldplatz in Wedding, jetzt ein nördlicher Teil von Berlin-Mitte, führen zwei U-Bahn- und viele Buslinien, auch die Ring-S-Bahn und die in den Westen hineinfahrende Straßenbahn auf der Seestraße sind nicht weit weg.

Zeig Courage macht Musik

Stabbrot auf dem Leopoldplatz (Leo).
Feuerschale. Gemütliche Essenszubereitung auf dem „Zeig-Courage“-Fest am 19. September 2018 in Berlin. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Ein Bühnenprogramm, dass bis etwa halb sechs noch in der Sonne stattfand bei angenehm warmen Spätsommerwetter und eher hochsommerlichen 28-30 Grad, bildete die Klammer zu den vielen Einzelaktivitäten. Zwischen den Imperativen „Willkommenskultur aktiv leben!“ und Zeig Courage und dem englisch formulierten „I am Jonny“, das an „Je suis Charlie Hebdo“ erinnert immer wieder tolle Live-Auftritte im Halbstundentakt.

Silke Fischbeck trat mit Gesang und Gitarre auf, mit und ohne Kinder aus dem „Seepferdchen“.

Flora E. Bernhagen von der Flora-Medienwerkstatt Berlin und Ralf Neubauer von Get-up-Stand-up-TV treten auch mit der Wulaba-Band auf. Darauf wies auch der Moderator hin. Bei den Wulaba-Projekt, wo es um Freiheit geht, sind Flüchtlinge beteiligt. Unterstützt wird die im Dezember 2015 von Menschen aus aller Welt gegründete Gruppe unter anderem von dem Flora-MW-Verlag. Die Musik umfasst viele Stile, politische Lieder, Reggae, Soul, aber auch traditionelle afrikanische Musik oder Hip-hop.

Die engagierte Flora E. Bernhagen hat auch schon mehrere Bücher veröffentlicht: aktuell die „Denk-Welle“, davor „Mauer-Brüche“ und zuerst „Kleines Rotbuch“. Die Lyrikbände verbinden Politik und Weltgeschehen mit Autobiographischem. Flora hat viel erlebt. Ihre Gedichte erzählen auch davon.

Bereits vor 18 Uhr auf der Bühne KonstanThyme, ein Straßenmusiker, den man außer auf der Straße im Weltnetz und auf CD finden kann.

Der Titel der CD ein bisschen so, wie es atmosphärisch auf dem Platz vorgelebt wurde: „Paradies und Das“.

 




800 Jahre und noch sehr rüstig – Das Vorarlberger Landeskonservatorium gratuliert Feldkirch mit einem Konzertmarathon

Feldkirch, Vorarlberg, Österreich (Kulturexpresso). Im Bundesland Vorarlberg feiert man gerne und viel, somit ist der 800. Geburtstag der Stadt Feldkirch ein Ereignis, das man dieser Stadt seit Jahresbeginn zelebriert. 800 Jahre sind nicht wirklich alt in der europäischen Geschichte, doch die zweitgrößte Stadt Vorarlbergs ist sicherlich eine der schönsten in der Region, die zudem ihre historische Substanz erhalten konnte und gleichzeitig ein weltoffenes Flair ausstrahlt. Feldkirch beheimatet einige wichtige Institutionen des Landes, so auch das Vorarlberger Landeskonservatorium, und dieses wollte natürlich auch einen wichtigen Beitrag zum Stadtjubiläum liefern.

Der Streifzug durch 800 Jahre Musikgeschichte, anhand von sechs Konzerten à 35 Minuten, an vier verschiedenen Orten, versprach eine spannende Zeitreise zu werden. Dass dies nicht ganz so gelang, lag vielleicht auch an der Moderatorin des Abends Natalie Knapp, die partout das Publikum davon überzeugen wollte, dass die europäische Musikgeschichte mit der menschlichen Evolution übereinstimme. Oder so ähnlich. Wahre Kreativität sieht sie nur im pubertierenden Jugendlichen, der die Welt allein verändern könne. Wollen wir nicht vertiefen. Die musikalische Reise begann im Dom St. Nikolaus mit ‘O ignee Spiritus‘ von Hildegard von Bingen, gefolgt von weiteren spirituellen Gesängen des Mittelalters, bewegend gesungen vom Kammerchor Feldkirch sowie Studierenden des Landeskonservatoriums unter der Leitung von Benjamin Lack.

Danach wanderte das Publikum durch die Altstadt über den Fluss zum Landeskonservatorium, in dessen Kapelle das Ensemble ConCorda Musik aus dem 16. Jahrhundert u.a. von Francesco Turini, Biagio Marini und Dario Castello mit Violine, Viola da Gamba und Cembalo zart zu Gehör brachte. Diese sanften Weisen benötigte man auch, um sich von den ‚tiefgehenden‘ Gedanken der jugendlichen Philosophin Natalie Knapp zu erholen.

© 2018, Foto: Midou Grossmann

Danach ging es hinunter in den Festsaal. Hier warteten schon die ‘24 Geigen des Königs‘ – das gleichnamige Orchester des Königs Louis XIV war legendär. In einer aufwendigen Arbeit wurden die verschollenen Instrumente in Frankreich nachgebaut und nun geht man damit erfolgreich auf Tournee. Benjamin Lack leitete das Klangensemble sowie erneut den Kammerchor Feldkirch mit sichtlicher Begeisterung, die auch vom Publikum geteilt wurde. Beschwingt begab man sich dann erst einmal in eine längere Pause und an das reichhaltige Buffet.

Natürlich durften Bach (Carl Philipp Emanuel) und Joseph Haydn nicht fehlen, Werke beider wurden nach der Pause vom Epos:Quartett virtuos musiziert. Es war schon spät an diesem vielleicht letzten Sommerabend als die ‚Verklärte Nacht‘ von Arnold Schönberg zu hören war, es musizierte wieder das Epos:Quartett, abschließend die ‚6 Bagatellen für Streichquartett‘ von Anton Webern. Die Zukunft erklang dann noch zu später Stunde im Pförtnerhaus des Landeskonservatoriums mit einer Neukomposition von David Helbock mit dem Titel ‚No Borders! Parallelen in der Ewigkeit‘. Das große Tutti mit Musiker/innen des Abends, dem Kammerchor Feldkirch unter der Gesamtleitung von Benjamin Lack bewies, dass sich auch Parallelen berühren können.

Man darf von einem gelungenen Abend sprechen. Es ist wichtig die sogenannte Klassik aus dem Korsett des gängigen Abonnementkonzerts zu befreien. Es muss ja nicht immer so aufwendig sein, wie an diesem Abend, wenngleich die Alte Oper Frankfurt vor einiger Zeit ein Konzertmarathon von 75 Konzerten in 24 Stunden an 18 Orten, nach einer Idee von Daniel Libeskind, sehr erfolgreich und ausverkauft durchführen konnte.




Im Theater. Jocelyn B. Smith mit Different Voices of Berlin im Brecht-Theater Berliner Ensemble

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Eintritt ist frei zur Doppelveranstaltung am heutigen Freitag, den 14. September 2018 um 19 beziehungsweise 20.30 Uhr. Wohnungslosigkeit, Wohnen und Wohnungsbau stehen im Mittelpunkt eines Schwerpunktthemas, mit dem das Berliner Ensemble und seine künstlerische Leitung auf die Problematik hinweisen wollen und sie künstlerisch verarbeiten. Ganz im Sinne des Gründers (mit Helene Weigel) des traditionsreichen Theaters am Schiffbauerdamm direkt an der Spree wird die soziale – und persönliche, individuelle, gefühlsmäßige – Dimension von Mieterhöhungen, Wohnungsknappheit, Wohnungslosigkeit und ihren Vorstufen aufgezeigt und beleuchtet.

Zum Themenfokus gehört auch das Theaterstück „Auf der Straße“ unter der Leitung Karen Breece‘, das am Donnerstag im Berliner Ensemble seine Uraufführung hatte. Das Stück, was ein halbes Dutzend Mal im September und Ende Oktober auf dem Spielplan steht, feierte am Donnerstag eine fulminante Premiere.

An der Diskussion, die im Kleinen Haus dem Konzert vorausgeht, nehmen u.a. ein Staatssekretär und die Regisseurin von „Auf der Straße“ teil.

Jocelyn B. Smith mit Different Voices of Berlin im Brecht-Theater Berliner Ensemble

„Different Voices of Berlin“ wirken auch in dem Stück mit.

Aber am Freitag um halb neun werden im Berliner Ensemble jedoch nur Lieder gesungen und Musik gemacht. Theater wird am selben Ort gespielt, aber an anderen Tagen (15.9. 2018, 18.9., 20.9. und 25.9. unter anderem). Die „Different Voices of Berlin“ singen meist selbstkomponierte Songs. Auf deutsch und auf englisch. Leiterin Jocelyn B. Smith erhält 2018 das Bundesverdienstkreuz für ihre Arbeit in ebendiesem Chor.

Die Straße hat immer Eintritt frei, bringt aber viele Probleme. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Wohnungslosen oder Obdachlosen beträgt 46,5 Jahre, sechsundvierzigeinhalb Jahre. Dreißig (!) weniger als der deutsche Durchschnitt!

An diesem Freitag ist am Schiffbauerdamm einen Steinwurf von der Friedrichstraße und dem gleichnamigen U-, S- und Fernbahnhof – am Spreeufer gegenüber des Tränenpalastes – der Eintritt frei, um niemanden auszuschließen. Wegen des hohen Andrangs, der hohen Nachfrage, ist frühes Kommen von Vorteil, falls man eine Einlassgarantie haben möchte.

Im Theater, nicht auf der Straße

Um 19 Uhr und 20.30 Uhr ist im Kleinen Haus des Berliner Ensembles der Eintritt frei.
Nicht auf der Straße, im Theater.




Die IFA macht Berlin wieder zur Welthauptstadt der Consumer electronics. Internationale Funkausstellung 2018 ab 31. August

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Internationale Funkausstellung 2018, kurz IFA, ist laut Selbstauskunft „ die global führende Messe für Consumer und Home Electronics“. Also Unterhaltungselektronik inklusive Handys und „weiße Ware“ – Waschmaschinen, Kühlschränke und Geschirrspüler, die immer digitaler werden. Und das ist so. Die weltweite Ausnahmestellung wurde gerade durch eine doppelte Ausgebuchtheit bestätigt. Am 23.8. Das heißt, dass beide Ausstellungsbereiche voll sind bis unters Dach.

Internationale Funkausstellung 2018 in Berlin an zwei Standorten

Die IFA findet vom 31. August bis zum 5. September 2018 statt, wie gewohnt auf dem Messegelände unter dem Berliner Funkturm ( im Fachjargon auch ExpoCenter City). IFA Global Markets ist die internationale Handelsplattform der IFA für Zulieferer, Komponenten-Hersteller, OEMs und ODMs. So wie diese Abkürzungen ist das der nur für das Fachpublikum zugängliche Bereich in der STATION-Berlin am Gleisdreieck. Dort ist nur vom 2.-5. September geöffnet. Er ist das Ausstellungs- und Informationsangebot für Fachbesucher und Experten.

Die Internationale Funkausstellung 2018 ist doppelt ausgebucht!

Wie gesagt: Beide Orte „where You want to be“ ausgebucht. IFA ohne Englisch ist wie Wörterbuch ohne Buchstaben. Eine gute Gelegenheit zu lernen. Morgen im Fernsehladen weiß man dann schon, wofür die Begriffe stehen, ohne dass einem ein Verkäufer einen Berliner Bären aufbinden kann. Im Vordergrund stehen „Intelligente“, vernetzte Geräte für zu Hause, Künstliche Intelligenz (KI) und Fernseher mit einer immer besseren Bildschirmqualität. Immer größer und wichtiger werdend, aber noch klein: der Bereich der VR, die virtuellen Realität oder virtual reality.

Auf der Funkausstellung: KI und VR

Gott, oder wer auch immer das war, hat „einen prima Job gemacht“ bei der „Herstellung“ der Realität. Diese zu imitieren ist schon ein hartes Stück Arbeit. Davon können die Berliner Entwickler der Kreuzberger Interactive Media Foundation mit einer Chefin und einem vorbildlichen Frauenanteil von zwei Dritteln ein Lied singen. Dabei ist auch diese Berliner Institution weltweit anerkannt und gewann viele Preise. So den Red Dot 2018 – Interface und User Experience Design illustrations. Und bereits am 26. April in Berlin den Deutschen Digital-Award in Gold. Damit hat das Berliner Team der Interactive Media Foundation für das Virtual Reality Projekt „Ulm Stories – Der Traum von Fliegen“ nicht nur im Medien- und Kulturbereich, sondern auch im Design- und Digitalbereich Preise gewonnen.

Um das alles geht es auch auf der IFA. Kein Fernseher, der nicht auch Kultur zeigen kann. Medien sowieso. Digital ist trotz des Vinyls, das wieder kommt, der große Sieger über analog und Design ist Trumpf! Im Zweifel kauft man das schönere Produkt, auch wenn es ein paar Funktionen weniger aufweist.

Viel Kultur auf der IFA – Exklusive (!) Sommergartenkonzerte zur Funkausstellung 2018

Die IFA „produziert“ selbst auch viel Kultur. Darunter die tollen Sommergartenkonzerte. Ganz Berlin hat viele Wintergärten, an erster Stelle natürlich den Wintergarten – das Varieté in der Potsdamer Straße Nähe Lützowstraße. Doch bei Sommergarten denkt man nur an den einen – riesigen, den aufmerksame Beobachter schon mal auf einem Falkplan entdeckten. Das zentrale Oval des Messegelände-Innenhofs beherbergt ein modernes Amphitheater im Grünen. Eine der großen Bühnen Charlottenburgs. Vielleicht die größte? Jedoch selten bespielt. Dafür dann richtig!

Am 30. August beginnt der Reigen der die IFA begleitenden Sommergartenkonzerte mit Wanda und Olli Schulz.
Und damit auch nach 1990, als die Bundesrepublik Deutschland die Hoheit über ihren Luftraum zurückerhielt, alles in Ordnung ist, schaut die amerikanische Luftwaffe mal nach dem rechten. Unter Freunden und nur mit Musik: U.S. Air Forces in Europe Band feat. Till Brönner am Dienstag, den 4. September 2018 um 17.30 Uhr, Einlass 16.00 Uhr. Das Beste: Die Eintrittskarte gilt auch für den Besuch der Funkausstellung 2018 am selben Tag.

Wanda und Olli, die Deutschpoeten oder die US-Luftstreitkäfte in Europa, irgendwas sollte man sich aussuchen, denn: „Der Sommergarten ist nur während der IFA, der weltweit bedeutendsten Messe für Consumer und Home Electronics, für Konzerte geöffnet“!

IFA als Designhochburg. Auf der Internationalen Funkausstellung werden die UX-Design-Awards vergeben




Große Sängerinnen und Sänger aus Georgien – Gala-Abend „Belcanto Georgia“ im Großen Saal in der Berliner Philharmonie

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am Dienstag, den 21. August 2018, wurde in der Botschaft Georgiens in Berlin ein Journalist vom Kulturexpresso begrüßt und zu einer besonderen Veranstaltung eingeladen, die Dudana Mazmanishvili, Kulturattaché der Georgischen Botschaft in Berlin, mit wohltuenden Worten gegenüber ein paar Journalisten pries.

Mazmanishvili wies besonders auf Georgien als Gesangsland mit einer Vokaltradion von Weltgeltung hin, die bis heute ungebrochen scheint. Davon sollen sich Berliner und Brandenburger demnächst überzeugen können.

Am Mittwoch, den 26. September 2018, soll es ab 20 Uhr ein Gala-Konzert im Großen Saal der Berliner Philharmonie geben. Diese Veranstaltung bilde einen weiteren Höhepunkt im kulturellen Kalender beider Staaten, erläuterte Mazmanishvili, und verwies darauf, dass Georgien Ehren-Gastland der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2018 sei.

Zudem fand sie passende Worte, um acht vokale Hochkaräter, die sicherlich für eine große Opern-Atmosphäre sorgen werden.

Der Chefdirigent des Symphonieorchester von Tiflis, Vakhtang Kakhidze, werde Nino Machaidze, Ketevan Kemoklidze, Iano Tamar, Nutsa Zakaidze, George Onani, Badri Maisuradze, Mikheil Kiria und Ramasz Chikviladze durch den Arienabend geleiten und selbst zwei orchestrale Akzente mit der Ouvertür zu Verdis „Macht des Schicksals“ und dem Intermezzo aus Massenets Oper „Thaïs“ setzen.

Das vokale Doppelquartett von internationalem Rang wird in Berlin ein Zeugnis von der Gesangstradition Georgien geben, die laut Mazmanishvili „bis heute aufs Schönste“ weiterlebe auf besagtem Gala-Abend der italienischen Oper. Im Gepäck Klassiker aus der Welt des Belcanto – in dieser vokalen und personellen Vielfalt eine absolute Besonderheit im Konzertsaal. Von Calafs „Nessun dorma“ aus Puccinis Turandot über Rosinas „Una voce poco fa“ aus Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ bis zum grandiosen Trinklied „Brindisi“ aus Verdis „La Traviata“. Berlin bekommt am 26. September 2018 einen bunten Reigen der größten Opernhits auf höchsten Niveau geboten.

Freuen Sie sich auf weltberühmte georgische Sängerinnen und Sänger, die erstmals und einmalig einen Opernabend gestalten werden.




Die Konzertreihe "Living Music 2018" in Potsdam.

Ihre Stimme – Musik jüdischer Komponisten in der Konzertreihe Living Music 2018

Berlin, Potsdam, Deutschland (Kulturexpresso). Der eingetragene Verein KOL – jüdische Musik beleben und erleben mit Sitz in Potsdam, der sich nach eigenen Angaben „von Beginn an“ der „Musik jüdischer geflüchteter Komponisten“ verschrieben habe, veranstaltet eine jüdische Konzertreihe mit englischem Titel. „Living Music 2018“ verspreche laut Pressemitteilung des Veranstalters vom 3.8.2018 „Musik jüdischer Komponisten an vier verschiedenen Tagen“.

Unter dem Motto »Ihre Stimme. Musik jüdischer KomponistInnen« sollen, so die künstlerische Leiterin Mimi Sheffer, „vor allem die Musik von … Komponistinnen und Dichterinnen, umrahmt von Werken geflüchteter jüdischer Komponisten“ zu Gehör gebracht werden.

Nach dem Erfolg im Juli 2017 in der Villa Elisabeth in Berlin startet die diesjährige Konzertreihe am Sonntag, den 2. September 2018, 17 Uhr, im Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte, mit dem „Jüdischen Neujahrskonzert“. Sheffer freue sich laut Heimatseite kol-juedischemusik.com, „die komplette Version des ausgezeichneten Werks Paul Ben-Haims ‚Empfang des Schabbats‘ mit meinen Kollegen aufführen zu dürfen“.

Die Kollegen seien Martha O’Hara (Sopran), Anne-Lisa Nathan (Mezzo-Sopran), Felipe Balieiro (Tenor), Andrei Makarevich (Bass) und Mirlan Kasymaliev (Orgel und Klavier). Außerdem würden „bekannte und beliebte Werke von Kurt Weill und Max
Janowski“ gespielt werden.

Doch dieses ist nur eines von vier Konzerten, die „immer am ersten Sonntag des Monats um 17 Uhr von September bis Dezember im Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Am Alten Markt 9, 14467 Potsdam, präsentiert“ werden.

Das Konzert am 7. Oktober 2018 mit Mimi Sheffer (Sopran) und Ofra Yitzhaki (Klavier) trägt den Titel „Mein blaues Klavier“. Sie nehmen sich der Komponisten Ben-Haim, Brod, Shlonsky und Lerner Sternberg an, die für Sheffer „verschiedene musikalische Stilrichtungen, die in den 1930er-Jahren mit den jüdisch-europäischen Immigranten nach Israel kamen und die hier auch heute noch existieren“ repräsentieren würden. Auf diesem Konzert würden „Lieder, die von Frauen wie Else Lasker-Schüler, Lea Goldberg und Verdina Shlonsky komponiert und gedichtet wurden“, aufgeführt werden.

Am 4. November 2018 spielen Frauen Frauen. Das Ensemble Noga mit Idit Shemer (Flöte), Orit Messer-Jacobi (Violoncello) und Ruth Zori (Klavier) tritt mit Mimi Sheffer (Sopran) als Gast auf und bringt Werke von Rosy Wertheim, Ayala Asherov und Irena Svetova.

Das Konzert „Les Juives“ bildet am 2. Dezember 2018 mit dem Trio Figment, das aus Nur Ben Shalom (Klarinette), Itamar Ringel (Viola) und Na’aman Wagner (Klavier) besteht, das Werke von Fanny Mendelssohn, Ursula Mamlok, Naomi Shemer, Aviyah Kopelman u.a. aufführt, das Ende der Reihe „Living Music 2018“, die vom Land Brandenburg und der Landeshauptstadt Potsdam gefördert wird.

Schauen Sie einmal rein, dann hören Sie schon.

Weitere Informationen:

Tickets: 10 Eure/8 Euro ermäßigt. 4er Abonnement: 35 Euro/25 Euro ermäßigt
2 Stunden vor Konzertbeginn freier Eintritt in die Sonderausstellung „Wilhelm Schmid und die Novembergruppe“, die vom 29.9.2018 bis zum 17.1.2019 läuft.

Eine Kartenreservierung ist telefonisch unter 0331 289 6868 möglich.




Bregenzer Festspiele 2018

Halbzeit in Bregenz – Festspiele vermelden einen erfolgreichen Start

Bregenz, Österreich (Kulturexpresso). Bis jetzt spielte auch das Wetter mit und bescherte der Seebühne ausverkaufte Vorstellungen mit grandios inszenierten Sonnenuntergängen. Die ‚Carmen‘- Produktion musste heuer nur einmal ins Haus verlegt werden.

Zum Festspielfinale stehen noch zwei interessante Musiktheater-Ereignisse auf dem Programm. Die Uraufführung ‚Das Jagdgewehr‘ des Komponisten Thomas Larcher, in der Regie von Karl Markovics auf der Werkstattbühne, verspricht ein musikalisches Highlight zu werden. Rossinis ‚Der Barbier von Sevilla‘ im Kornmarktheater, in der Inszenierung von Brigitte Fassbaender, mit ausschließlich ganz jungen Künstlern, die schon an der Masterclass des Opernstudios Bregenz teilgenommen haben, schließt dann den Premierenreigen.

Zwei Epochen im Orchesterkonzert

Das gestrige Konzert der Wiener Symphoniker präsentierte vorab eine weitere Komposition von Thomas Larcher. ‚Alle Tage‘ – Symphonie für Bariton und Orchester, nach vier Gedichten von Ingeborg Bachmann (österreichische Erstaufführung). Vorläufige Erkenntnis: Die Stärke des gefragten Komponisten liegt doch wohl mehr in der orchestralen Gestaltung. Wenngleich von der menschlichen Stimme fasziniert, arbeitet Larcher überwiegend mit einem melodischen Sprechgesang, welcher zuweilen die Entstehung einer notwendigen Dynamik vermissen lässt.

Bariton Benjamin Appl wird als indisponiert angesagt, doch davon ist nichts zu bemerken, seine Interpretation der schwierigen Gesangspassagen klingt kraftvoll und entwickelt dennoch in den lyrischen Passagen eine große Sensibilität.

Spricht Thomas Larcher im Einführungsgespräch noch von der Angst der Frauen vor dem großen Orchesterapparat, als er gefragt wird, warum er sein Werk für Bariton geschrieben habe, beweist hier Dirigentin Karina Canellakis, dass sie durchweg furchtlos mit einem großen Klangkörper umzugehen versteht.

Einfühlsam und doch mit Zielstrebigkeit arrangiert sie mit den Wiener Symphonikern die recht schwierige Partitur und versteht es dennoch, die bekannte Klangschönheit der Wiener zu Gehör zu bringen.

Das Schicksal pocht an die Tür

Ludwig van Beethovens fünfte Symphonie zeigt sich nach der Pause als interessante Entwicklungsstudie der klassischen Musik in der Gegenwart. Beethoven soll den prägnanten Auftakt mit den Worten: „So pocht das Schicksal an die Pforte“ erklärt haben. Ganz so dramatisch klingt das Werk an diesem Abend nicht. Karina Canellakis besitzt einen Dirigierstil, der vordergründig mit visuell ansprechenden Bewegungen zu fesseln scheint; Kommentare nach dem Konzert bezüglich des visuellen Aspekts sind interessanterweise zu vernehmen.

Cannellakis ‚begleitet‘ die Symphoniker mehr als sie zu leiten, selten ist eine prägnante ‚Vorabzeichengebung‘ zu bemerken. Schnelle Tempi geben ihrer Interpretation Schwung sowie Pathos, dennoch bremsen letztendlich die oft extrem langsamen Ausdeutungen einiger Pianopassagen den Fluss der Sinfonie. Eine überhöhende musikalische Dimension kann sich leider nicht wirklich entfalten.

Dennoch großer Jubel vom Bregenzer Publikum für die Dirigentin sowie die brillant musizierenden Wiener Symphoniker. Auf die Entwicklung der sogenannten ‚ernsten‘ Musiktradition in den kommenden Jahren darf man gespannt sein.