Mallorca ist überall. Wann schafft es eine Nachricht in die Schlagzeilen? Der Chaos-Oktober im Zeitraffer

Mallorca, Spanien (Kulturexpresso). Am 19.10. dieses Jahres wurde Mallorca teilweise überflutet. Menschen wurden teils mit Hubschraubern evakuiert, Straßen und Brücken waren überschwemmt. Das wussten Sie? Möglicherweise handelt es sich um eine Verwechslung.

Denn:

Am 9.10. sorgten überaus starke Regenfälle im Nordosten der Insel für über die Ufer tretende Sturzbäche. Die Wassermassen suchten sich andere Wege zu Tal – Straßen lagen nahe. Genau wie die im Sommer monatelang ausgetrockneten und trockenliegenden „Torrente“, wie die Sturzbäche auf spanisch heißen, transportieren sie das Wasser gen Meer.
Manche haben sich auf Mallorca angewöhnt, in den Torrenten zu parken. Nach der überstandenen Wirtschaftskrise gibt es mehr Autos als Parkplätze, nicht nur in Touristenhochburgen wie Arenal am Playa del Palma, sondern auch in Orten wie Sant Llorenç des Cardassar im Nordosten, wo mehr als jeder zehnte Einwohner ein Deutscher ist.

Wenn Menschen sterben, schafft es eine Nachricht in die Schlagzeilen

Die Bilder von Überschwemmungen und geperrten Straßen gleichen sich, doch schafften es die Folgen des Unwetters vom Abend des 9.10.2018 ganz nach oben in die Schlagzeilen auch bei Euronews.

Der Hauptunterschied: 13 Tote.

Die Wetterkapriolen haben Mallorca den Rest des Oktobers im Griff gehabt. Trotz aller Beschwichtigungen der Mallorca-Touristiker.
Ortsansässige Hoteliers, die die Sturzregenfluten im Nordosten der Insel am Playa de Palma abritten – hier am Südstrand war außer leichtem Regen nichts zu spüren – ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und beschwichtigten nach dem 9. Oktober ihre Gäste gern. „Starke Regenfälle und kleine Stürme im Herbst sind wir gewöhnt. Das ist nichts neues.“ „Das ist nicht so schlimm.“ Und Ähnliches war zu hören.
Die Ereignisse vom 9. Oktober und die während einer Woche andauernde Suche nach Vermissten mit der damit verbundenen ansteigenden Zahl der Toten wurde als Ausnahme und Einzelfall etikettiert.

Allerdings strafte schon der Verlauf des restlichen Monats die Beruhiger Lügen.

Doch gehen wir chronologisch vor:

Leslie und die Wetterwarnungen

Als wir die offizielle Wetterwarnung für die Nacht vom 14. auf den 15. Oktober einem Hotel-Mitarbeiter mitteilten für den Fall, dass er es noch nicht mitbekommen habe und in seiner Herberge gegebenenfalls Vorkehrungen treffen oder veranlassen wollen könnte, begleitete ein nachsichtig-bemitleidender Blick die Antwort. So, als ob man der Panikmache der Boulevardpresse aufgesessen sei.

Dabei hatte das staatliche spanische Wetteramt eine offizielle Warnung herausgegeben vom 14.10. 21.00 Uhr bis 15. 10. 2018 6.00 Uhr wegen des Durchziehens des ehemaligen Hurrikans „Leslie“ über Mallorca.

Gewitter, Regenschauer und ein die ganze Nacht stark heulender Wind, der einen vom Schlafen abhielt, bekräftigten die Wetterwarnung. Allerdings ging es diesmal glimpflich ab.

Ein am Montag nach dem Sturm Leslie, der immerhin ein Ex-Hurrikan vom Atlantik war, befragter Ersthelfer, Sanitäter und Rettungswagenfahrer des 112-Dienstes in Arenal, der Touristenhochburg östlich der Hauptstadt Palma, gab auf Nachfrage die Antwort, dass es sturmbedingt keine Personenschäden gegeben habe.

Allerdings verließ Leslie die Insel nicht ohne Folgen.

An Sachschäden waren unter anderem zu beklagen:

1. Ein Verlust eines Teils der hölzernen Uferbefestigung, die als Strandgut am Südende des Playa de Palma auftauchte kurz vor dem Yacht-Hafen.

2. Ein stark beschädigter Zweimaster, der weiter westlich am Ufer vor Palma auflief und hilflos in Schräglage immer wieder gegen das Felsen schlug. Der Ufer-Fuß-und-Radweg wurde von der Polizei gesperrt, um bei einem Umkippen des Schiffes Schäden durch die Masten vorzubeugen.

3. Mehrere zerstörte Gewächshäuser im Innern der Insel. Kleine Wirbelstürme, Minitornados, für die es auf Mallorca sogar einen eigenen Namen gibt, waren quer durch die gläsernen Hallen gezogen. Totalverlust. Am Schlimmsten betroffen ein Gartenbaubetrieb für Blumen und Zierpflanzen. Die Inhaberin äußerte sich glücklich, dass noch keine Gärtner bei der Arbeit gewesen waren, da Leslie nachts hindurchzog. Sonst wären bestimmt Menschen zu Schaden gekommen.

Kommt eine Nachricht in die Schlagzeilen, darf man trotzdem denken

Unser Ziel ist weder Panikmache noch Werbung für Global warming. Einlullende Phrasen wie „Was wollt ihr denn, es ist alles in Ordnung!“ oder „Sie können unbesorgt Urlaub machen bei uns“ – cui bono? – sind aber mit Vorsicht zu genießen.

Ein bisschen mehr Selbstverantwortung, Hören auf die Intuition und Rechnen mit dem Unerwarteten könnte gut tun.

Ein bisschen weniger „ich steige mit kurzen Hosen und Hemd auf den Berggipfel, falls das Wetter umschlägt, habe ich ja ein Handy dabei und kann die Bergrettung anrufen“ wäre gut.

Mallorca ist bestimmt für viele nach wie vor ein lohnendes Reiseziel. Ein jederzeit sicherer Hafen, in dem man sich sorglos vollaufen lassen kann, ist es nicht mehr.

Die Regenfälle Ende Oktober haben auf dem Flughafen Chaos ausgelöst.

Ein Pärchen spazierte am Ufer entlang, Plötzlich riss eine Woge die Frau ins Meer. Der Mann sprang hinterher, doch die junge Frau blieb verschwunden. Die Suche nach der 35-jährigen Französin wurde gestern früh fortgesetzt. Mittags musste sie wegen schlechten Wetters (!) eingestellt werden.

Mallorquinische Massenmedien warnten wegen des aufgewühlten Meeres vor dem Betreten der Strände (!)
Natürlich kommen auch Leute wegen ihrer Finca, des Ökotourismus und der Museen und Kunstschätze her. Doch die meisten wollen Sonne am Strand.
Manchmal ist eben Vorsicht geboten. Die Rettungsschwimmer waren bis zum 31.10. im Einsatz. Dann wieder 2019.




Basar und Bazaar. Auf der neuen Seidenstraße und in Berlin am ICC – Basare im 21. Jahrhundert

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Geschichte der Seidenstraße, die Ostasien mit dem Mittelmeer verbindet, reicht bis in der Antike. Sie begann im zweiten vorchristlichen Jahrhundert. Von China nach Westen führend, spaltete sie sich in die nördliche und südliche Routen, weshalb es richtig heißt: die Seidenstraßen. Die nördliche durchquerte den Pamir und ging nach Fergana und in die kasachischen Steppen, während der Süden den Pamir Richtung Indien und den Nahen Osten bis ans Mittelmeer durchquerte. Kamelkarawanen, beladen mit Seide, erreichten das Abendland. Auch Trampeltiere wurden benutzt, sie stammen aus Zentralasien, haben ein Winterfell und können so den großen Temperaturschwankungen standhalten; sie sind leicht an den zwei Höckern zu erkennen. Eine solche Reise dauerte recht lang.

Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter – ein Zitat, das es in die Politik der Bundesrepublik Deutschland geschafft hat. Weder Ochs noch Esel halten … auf, hörte man in der DDR. Jedes Mal geht es um eine recht langsame, doch stetige Bewegung. Nicht zu vergleichen mit heutigen Flugreisen, mit dem man zwar Menschen schnell befördert, doch zum Beispiel dem Jetlag aussetzt.

Waren der Basare und der Seidenstraße, die man in Richtung Osten als Glasstraße bezeichnen könnte

Stoffe, Farben, Muster aus dem Orient. 1a-Basarware. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Seide war die wichtigste, aber bei weitem nicht die einzige Ware, die entlang der transkontinentalen Route transportiert wurde. Aus China trugen Karawanen Porzellan, Metallgegenstände und Bronzespiegel, lackierte Produkte und Kosmetika, Tee und Reis. Elfenbeinstoßzähne, Nashornhörner, Schildkrötenpanzer, Gewürze und vieles mehr finden sich in den Reisetaschen der Kaufleute. Pferde, die in China hochgeschätzt werden, militärische Ausrüstung, Gold und Silber, Halbedelsteine und Glaswaren, Leder und Wolle, Teppiche und Baumwollgewebe, exotische Früchte wie Wassermelonen und Pfirsiche, Jagdhunde, Leoparden und Löwen wurden aus Zentralasien exportiert.

Die Seidenstraße mit ihren Abzweigungen hat eine lange Geschichte

Im 15. Jahrhundert war die Seidenstraße aufgrund der Wiederaufnahme militärischer Konflikte in Mittelasien, die die Entwicklung des Seehandels angeregten, zurückgegangen. Die beiden flächenmäßig größten Weltreiche der Geschichte, das Reich Dschingis-Khans und das britische Weltreich, sind direkt und indirekt mit der Seidenstraße verbunden. Die Mongolei liegt nördlich Dunhuangs und in den ausgedehnten Machtbereich der Khane geriet unter anderem Persien sowie ganz Innerasien bis hin nach Polen. Durch den Niedergang des kontinentalen Land-Handelsweges – Krieg macht alles kaputt – erstarkten die Flotten der westeuropäischen Kolonialmächte Portugal, Niederlande und Großbritannien, die gern das Ostasien- und Südostasiengeschäft mit Seide und Gewürzen übernahmen. Macao, Hongkong und Indonesien sind die Stichworte. Nach dem siebenjährigen Krieg bis 1763 und dem Sieg am Kap Trafalgar gegen die spanische und französische Flotte 1805 begann die mehr als hundertjährige Vorherrschaft der Briten zur See. Die ein halbes hundert zählenden Commonwealth-Staaten zeugen bis heute von der einstigen Größe des Inselkönigreichs.

Hätte der Handel auf dem Landweg der Seidenstraßen im ausgehenden Mittelalter bis in die Neuzeit hinein weiterfunktioniert, wären nie so große Margen bei Portugiesen und Briten erzielt worden. Der Aufstieg und die Ausbreitung der Kolonialreiche wäre in Asien und Afrika vielleicht anders verlaufen.

Westenden der Seidenstraße

Die westlichen Enden der Seidenstraße teilten sich in Palmyra in Syrien, das wir aus den Nachrichten kennen. Die Nordroute ging dann über die syrischen Orte Aleppo und Antakya und über Tyros nach Konstantinopel am Bosporus, heute Istanbul. Die Südroute ging von Palmyra nach Damaskus, heute syrische Hauptstadt, und über Gaza und Kairo nach Alexandria am Mittelmeer im Nildelta, das für seine verbrannte, einst enorme Bibliothek bekannt ist.

Seidenstraße heute: Touristenrallyes, Basare, architektonische Freilichtmuseen

In den 1960er Jahren wurde die Transsibirische Eisenbahn zwischen Europa und Asien in der UdSSR gebaut. Nun, was ist mit heute? Heute sind diese historischen Stätten für die Öffentlichkeit zugänglich. Auf der ehemaligen Karawanenroute werden mehrtägige Touristenrallyes arrangiert, eine Fahrt mit der Transsib war lange Zeit eine der beliebtesten Attraktionen für westliche Touristen, und die dank Gorbatschow unabhängig gewordenen ehemaligen Sowjetrepubliken in Mittelasien wetteiferten miteinander, um sich gegenseitig mit orientalischer Gastfreundschaft zu übertrumpfen.

Seidenstraßenland Usbekistan mit Taschkent, der Partnerstadt Berlins, und Samarkand

Und es gibt wirklich viel zu zeigen. Die heutigen Städte verbinden Moderne und überlieferte Tradition. Usbekistan mit seiner Hauptstadt Taschkent, der Partnerstadt Berlins, steht für die Perlen des südlichen Teils der Großen Seidenstraße. Die alten Städte Samarkand und Buchara sind Freilichtmuseen. Chiwa gilt als Wiege der Turkvölker, und nur wenige wissen, dass der berühmte persische Arzt Avicenna in Afschan in der Nähe von Buchara geboren wurde. Das moderne Samarkand wird von 1001 Lichtquellen beleuchtet, und ein Hochgeschwindigkeitszug, der die wichtigsten Touristenstädte verbindet, bringt die Passagiere in nur zwei Stunden von Taschkent nach Samarkand.

Im Norden der Seidenstraße das riesige Kasachstan, das sich eine neue Hauptstadt gönnte, die Alma-Ata/ Almaty ablöste

Die Republik Kasachstan mit ihrer neuen Hauptstadt Astana hat während der internationalen Ausstellung EXPO 2017 fünf Millionen Touristen empfangen. Das mittelasiatische Land mit der am weitesten entwickelten Infrastruktur ist das neuntgrößte der Welt mit 9000 historischen und archäologischen Stätten und 11 Nationalparks. Im Frühling ist eine Reise nach Kasachstan besonders reizvoll, wenn endlose Steppen mit einem rot-gelb-lila Blütenteppich bedeckt sind. Hier entwickelt sich auch der Öko-Tourismus: Man kann das Wasser der fischreichen Flüsse sogar trinken. Jeep-Safaris durch die Wüste werden angeboten. Die Einheimischen sagen: „Es gibt keine Straßen, es gibt nur Richtungen“.

Südliches Mittelasien: Kyrgystan und Tadschikistan

Extremsportler können sich in Kirgisien austoben. Die Republik Kyrgystan ist ein gebirgiges Land, das einst von Nomaden aus Sibirien gegründet wurde. Hier ist viel Platz für Bergsteiger, Pferdeliebhaber und Reiter; es gibt Seen mit kristallklarem Wasser, darunter natürlich den Issyk-Kul, den zweitgrößten Hochgebirgssee der Erde (nach dem Titicacasee).

Neue Attraktion: Seit 2016 finden in Kirgisien die Internationalen Nomadenspiele statt.

Das Fergana-Tal ist der Obstgarten ganz Mittelasiens. Berge von duftendem Obst und Gemüse, riesige Melonen und Wassermelonen – das alles ist noch immer auf den Märkten von Duschanbe, der Hauptstadt des sonnigen Tadschikistans, präsent. Die Hauptsprache dieses kleineren, südlichen Staates Mittelasiens, tadschikisch, ist übrigens die einzige unter den fünf, die keine Turksprache ist, sondern dem Persischen verwandt. Und die Preise dort sind Augenzeugen zufolge lächerlich niedrig. Natürlich sind die traditionellen orientalischen Basare, die alle Geschmäcker zufriedenstellen und jede Farbe zeigen, hier, wie in den benachbarten Republiken, noch nicht ausgestorben.

Innerhalb mitteleuropäischer Städte gibt es einen Marktplatz. Vor dem Lüneburger Rathaus zum Beispiel liegt er auf dem Stadtmittelpunkt. Bis heute, nach über 1000 Jahren, findet an mehreren Tagen ein Wochenmarkt unter anderem mit frischen Erzeugnissen umliegender Bauern statt. Wie man anhand der Straßennamen bis heute nachverfolgen kann, gab es nebenan einen Ochsenmarkt. So auch in Brunsbüttel und Flensburg, in Hamburg einen Gänsemarkt, in Oldenburg einen Pferdemarkt. Dass es die Straße Am Eselsmarkt ausgerechnet in Unstruttal in Thüringen gibt, lassen wir unkommentiert.
Auf dem Basar findet man im Idealfall „das alles, und noch viel mehr“.

Reiseinformationen zur Seidenstraße: ITB Berlin

Für diejenigen, die einen Ausflug auf die Große Seidenstraße planen, gibt es eine gute Gelegenheit, sich mit den Details der Touren auf der Internationalen Tourismusmesse ITB vertraut zu machen, die vom 6. bis 10. März 2019 in Berlin stattfindet.

Basar vor Ort: Bazaar auf dem Messegelände an Funkturm und ICC

Stoff und Stoffmuster aus Asien auf der Bazaar Berlin. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2017

Einen vollwertigen orientalischen Basar zu besuchen, auf den verschiedene Kuriositäten aus der ganzen Welt gebracht werden, wird nächste Woche möglich sein. Die Verkaufsmesse Bazaar Berlin wird auf dem Gelände der Messe Berlin stattfinden, wo unter anderem Kunst- und Industriegüter aus Mittelasien präsentiert werden werden. In diesem Jahr wurde der Eintrittspreis an der Tageskasse auf 9,50 Euro und beim Online-Ticketkauf auf 8 Euro reduziert. Kinder bis zum Alter von 6 Jahren: kostenloser Einlass, bis zum Alter von 14 Jahren – immerhin Eintritt frei am Samstag und Sonntag.
Eine großartige Gelegenheit, für sich und seine Lieben originelle Weihnachtsgeschenke zu besorgen, ohne die Seidenstraße selbst bereisen zu müssen.




Kunst auf der Burg in Neustadt/ Glewe. Architektur, Feste und Grafik in einem Kleinod am Wegesrand

Neustadt-Glewe, Deutschland (Kulturexpresso). Neustadt gibt es öfter, Neustadt/ Glewe ist einmalig. Die Burg in Neustadt/ Glewe trägt viel dazu bei. Die meisten, die schon einmal von Berlin nach Hamburg unterwegs waren – oder umgekehrt – sind hier unachtsam vorbeigefahren. Wer im Flixbus saß, dem sei das verziehen. Autofahrer haben die Wahl – und die 2 Kilometer von der Autobahnabfahrt bis in den Ort hinein sind wirklich kein großer Kohlendioxid-Fußabdruck.

Die A24 (Autobahn 24 Hamburg-Berlin) beginnt am Berliner Ring A10 oder in Hamburg-Horn im Osten der Hansestadt. Wer aus der Hauptstadt kommt, durchquert lange Brandenburg – zurzeit besonders lange, wegen vieler 60er-Baustellen – bis ungefähr Wittstock/ Dosse, wo die A19 zur Ostsee abgeht. Brandenburg dauert dann noch ein bisschen an, während Namen wie Pritzwalk, Heiligengrabe und Putlitz auftauchen.

Putlitz, einer der ältesten Städte der Prignitz

Putlitz liegt 57 Meter hoch; 2.700 Seelen wohnen dort. Es ist eine der ältesten Städte der Prignitz (Wittstock gehört zur Ostprignitz). Ein Schild im eher kleinen Ort nennt ein Alter von 1050 Jahren. Das muss 1996 aufgestellt worden sein und ist also schon mehr als 20 Jahre alt. Tatsächlich ist Putlitz älter als Lüneburg (!) und das will hier im Norden schon etwas heißen. Die erste Erwähnung einer slawischen Burg stammt aus dem Jahr 946.

Die Sache mit dem Amt Neuhaus – britisch, verschenkt, dann Ost, jetzt West

Lüneburg wurde „erst“ 956 sicher genannt. Der Landkreis Lüneburg übrigens m.W. der einzige, der als „West“-Landkreis auf das Gebiet der ehemaligen DDR hineinreicht, umfasst seit 1993 nicht nur wieder das rechtselbische Amt Neuhaus, sondern auch das historisch zu Mecklenburg gehörende Niendorf, da es 1974 nach Sumte eingemeindet worden war. So gelangte ein Stück Mecklenburg nach Niedersachsen.

Amt Neuhaus: Zunächst gehörte dieses ehemalige Stück Kurhannover beziehungsweise Königreich Hannover auch 1945 zur britischen Besatzungszone. Die Engländer verschenkten es aber an die sowjetische Besatzungszone, da es keine Elbbrücke gab.

Immer wieder Mecklenburg

Wer an Wittstock, Pritzwalk, Heiligengrabe und Putlitz vorbeigebraust ist, sieht endlich das Schild „Mecklenburg-Vorpommern“ (MVP). Parchim mit seinem kuriosen Flughafen Schwerin-Parchim gehört zum Bundesland und wird auch an der A 24 passiert. MVP reicht in Boizenburg bis an die Elbe, dazu müsste man in Zarrentin abfahren.

Schon zwischen den Kilometern 120-100 sollte man auf die Schilder achten, um die Burg in Neustadt/ Glewe nicht zu verpassen. An der Autobahnabfahrt wird gerade gebaut, zwischenzeitlich war sogar die Abfahrt gesperrt. Ende September war die Ausfahrt aber möglich, rechtzeitig zum Burgfest und zur Ausstellung Grafik Nord.

Die Burg in Neustadt/ Glewe – ein Anziehungspunkt für Kenner

Glocke am Flaschenzug an der Uhr. Burg Neustadt-Glewe: Wenn hier keine Romantik aufkommt … dann ab nach Rothenburg ob der Tauber! © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Nur zwei Kilometer sind es nach Neustadt. (Vorsicht bei der Rückfahrt zur A24, bitte innerhalb der Geschwindigkeitsbegrenzung bleiben.) Kurz bevor die Hauptstraße mit abknickender Vorfahrt rechts in den Ortskern einbiegt, sieht man bei entlaubten Bäumen vor sich halblinks die Burg in Neustadt/ Glewe. Sie spiegelt sich im Wasser. Wenn man hier links in die kleine Straße einbiegt statt halbrechts in den Ort weiterzufahren, hat man vom Parkplatz oder Ufer aus einen hervorragenden Blick auf die Burg in Neustadt/ Glewe, vielleicht den besten. Wer ihn ausdehnen möchte, kann in dem Restaurant mit großen Fenstern Platz nehmen. Essen kann man sehr gut auf der Burg bei bestem Ambiente.

Am Wasser liegen immer wieder Sportboote, die durch die Schleuse wollen, über die die Hauptstraße führt. Man kann die Burg direkt auf dem Wasserweg ansteuern, ein weiterer Vorteil. Wo wir schon beim Wasser sind: Es ist neben politischen und historischen Gegebenheiten der Grund, warum die Burg in Neustadt/ Glewe zu den besterhaltenen in Mecklenburg-Vorpommern gehört. In einem Bogen geht ein Graben ab, der auch hinter der Burg den Burggarten oder Park umschließt. Die angrenzende Straße heißt Wasserstraße. Sie ist keine Wasserstraße.

Der Park ist übersichtlich und enthält keine dunklen Ecken, was ihn für Spaziergänger recht sicher macht. Ein angenehmes Fleckchen Erde.

Fahren wir nun endlich ein kurzes Stück weiter auf der Hauptstraße, biegen wir die nächste links ab zur Burg in Neustadt/ Glewe. Mächtig die Mauern, kurios die Uhr. Wo andernorts mit dem Flaschenzug Lasten transportiert wurden, scheint hier die Uhr aufgehängt. Bei diesem Anblick bitte verweilen. Das Fahrzeug kann auf dem Parkplatz direkt vor der Burg abgestellt werden. Wer zu spät kommt, findet ein verschlossenes Tor vor.

Die Burg in Neustadt/ Glewe – Ort der Kunst

Plakat für die Grafik Nord 05 Grafikausstellung MVP
Grafik Nord 5, Grafikausstellung Mecklenburg-Vorpommern auf der Burg in Neustadt-Glewe. Mi-So 11-16 Uhr. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Durch das Tor gelangt man auf den hochliegenden Burghof, rechts und links geräumige Flügel. Der linke beherbergt das Restaurant, das gern für Feste gemietet wird. Geräumig, historisch, gute Küche. Wer nicht einkehren will, für den ist, wenn nicht wie am 7. Oktober gerade ein Fest gefeiert wird auch vor der Burg, Grafik das Zauberwort der Stunde. Mittwochs bis sonntags zwischen 11 und 16 Uhr nix wie hin zur Grafik Nord 05. Die überflüssige Null führen wir mal mit auf, vielleicht hat ja ein Schalkefan die Nummerierung mitbestimmt. Die Grafikausstellung Mecklenburg-Vorpommern ist in der Galerie auf der Burg zu sehen – noch bis 21. Oktober 2018.

Die Burg in Neustadt-Glewe ist auch bei wiederholtem Besuch ein freudeauslösender Ort. Sie lädt zum Flanieren und Einkehren ein. Bietet Architektur mit Überraschungen: die vierte Hofseite ist schlicht mit einer Mauer geschlossen. Bietet Kunst und Burgfeste. Ein feste Burg ist …

Wer nicht weiß wohin, hier ist ein schöner Ort. Es gibt einen Neustädter See und drei Naturschutzgebiete in der Stadt. Neben der Burg auch noch ein Schloss (von 1717). Einen Marktplatz und ein Rathaus. Hinten links eine Tankstelle, die rund um die Uhr geöffnet hat. Hinten rechts eine Autowerkstatt. Der Name der Werkstatt findet sich auf den Autokennzeichen wieder: STA-NG. Die anderen Wagen hier tragen regionale Nummernschilder. Auf dem Gelände der BMW-Werkstatt gibt es auch eine Telefonzelle – mit Wählscheibe! Sehenswürdigkeiten gibt es hier wirklich genug.

Glewe bedeutet ‚Stall‘ und hieß erst so, dann Neustadt-Glewe, dann sechs Jahrhunderte lang einfach nur Neustadt. Erst seit 1926 heißt es wieder so wie heute.

In der Umgebung liegt u.a. Wöbbelin, das man auch als Autobahnabfahrt kennt, und die Landeshauptstadt Schwerin ist nur 30 Kilometer entfernt.




Als die Römer frech geworden – Antike römische Villen und Tempelanlagen an der Mosel

Trier, Deutschland (Kulturexpresso). Viele Wege führen bekanntlich nach Rom – genauso führen sie jedoch von Rom weg. Auf ihren Eroberungsfeldzügen führten die leichengepflasterten, blutigen Wege der Römer auch an die Mosel. Auf beiden Seiten der Mosel findet man viel Relikte ihrer damaligen Ursurpatoren-Gewaltherrschaft, Villen, Götter-Tempelanlagen, Gladiatorenschule und vieles andere mehr.

Der römische Kaiser Augustus residierte in Trier. Seine Subalternen ließen sich in der weiteren Region prächtige Villen von ihren Sklaven bauen. Eine davon, die Villa Borg – unweit Perl – wurde rekonstruiert. Eine kundige Führung durch eine Trierer Gästeführerin, verkleidet als Patrizier-Hausherrin der damaligen Zeit, erklärt der Gruppe von disziplinierten Lateinschüler*innen die damaligen Gepflogenheiten und Errungenschaften.

Porta Negra in Trier.
Ein Blick auf die ab 170 nach unserer Zeitrechnung errichtete Porta Negra in Trier. Quelle: Pixabay

Ja, sie hatten Fußbodenheizung – wirklich erstaunlich! Auch Latrinen, die mit Wasser gespült wurden. Das Reinigungswerkzeug der damaligen Zeit, ein auf einen Stock gespießten Schwamm, erklärte uns die Frau und dass dieses Utensil nach in Wassertunken von allen benutzt wurden – alle saßen auf derselben Toilette zur selben Zeit. O tempores, o mores!

Die Badekultur ist ebenfalls erstaunlich: ein Raum beherbergt ein riesiges Kaltwasserbad, Frigidarium, ein anderer ein riesiges Warmwasserbecken, Kaldarium. Erhitzt wurde das Wasser im Souterrain – von Sklaven, wie sich „versteht“, und dann in einer Warmwasserleitung in das Becken geleitet. In einem Tepidarium stand dann eine Badewanne. Auch, dass die Hausherrin einen Stuhl hatte, der niedriger war, als der ihres Gatten, wurde erklärt und dass dieser das Recht hatte, ein neugeborenes Kind entweder anzunehmen oder zu verstoßen (wenn es zum Beispiel missgebildet war). Die alten Römerinnen hatten nicht viel zu lachen, scheint’s! In puncto Gleichberechtigung hat sich ja bis heute nicht so viel geändert.

Die Villa Borg bietet einen sehr eindrucksvollen Rundum-Einblick in die Hochkultur der Römer, die sie aus SklavInnen mit deren Blut, Schweiß und Tränen herauspressten.
Ein eingegliedertes Restaurant mit teilweise alten römischen Speisen dient auch als Ausflugsziel neben dem Sightseeing.

Opus tes­se­la­tum – ein römisches Fußbodenmosaik in Nennin an der Mosel. © 2018, Foto: Eva-Maria Koch

Ein paar Kilometer weiter befindet sich in Nennig, ebenfalls an der Mosel auf der deutschen Seite, das „besterhaltenste Fußbodenmosaik nördlich der Alpen“, so der Hüter des darüber errichteten Besucherhauses. Er erklärt vorzüglich, wie die Römer hier alles in Beschlag nahmen. Der Hausherr der Anlage, die zu dem Fußbodenmosaik gehörte, war wohl ein Steuereintreiber, der auch eine riesige Gladiatorenschule betrieb. Hier wurden versklavte Männer gezwungen und geschult, sich gegenseitig zur Belustigung primitiver Menschen in dem Amphitheater im nahegelegenen Kaisersitz Trier abzuschlachten. Von dieser Anlage gibt es jedoch lediglich ein Modell zu bestaunen – archäologische Ausgrabungen finden ständig und permanent statt – die ganze Gegend ist ein einziges archäologisches Fundstück.

Auf Reservierung hin wird auch ein Film gezeigt, der die Anlage und das damalige Leben erklärt. Nicht nur Lateinschüler kommen scharenweise, auch von anderen Kontinenten finden die alten Römer Anklang – ein Filmteam kam aus den USA – sie wollten nur wirklich authentische alte Römerrelikte filmen – die nachgebaute Villa Borg fiel durch’s Raster – so der Angestellte. Er hat viel zu erzählen und überfüllt ist es dort nicht.

Eine römische Tempelanlage in Tawern an der Mosel. © 2018, Foto: Eva-Maria Koch

Noch mehr Römerkultur gibt es im ein paar weiter gelegenen Tawern zu bestaunen – eine exzellent erhaltene Tempelanlage mit mehreren Häusern zu Ehren Jupiters trohnt mit Weitblick bis nach Trier hoch in der Hügellandschaft.

Auf der luxemburgischen Moselseite befindet sich hoch in den Weinbergen bei Bech-Kleinmacher gelegen, eine ebenfalls gut erhaltene Villa, deren Terrasse einen unbezahlbar schönen Panoramablick auf die Weinberge und die Mosel bietet. Eine nachträglich dorthin gestellte Hollywoodschaukel lädt zum Chillen ein während die Augen die Schönheit genießen dürfen.

Archäologiepark Römische Villa Borg, Im Meeswald 1, D-66706 Perl
Tel (0 68 65) 9 11 70. Geöffnet ab 11 Uhr.
(Angaben ohne Gewähr)




Museu do Côa

Das Museu do Côa – Da steht ein Klotz aus Beton hoch am Abhang über Côa und Douro

Vila Nova de Foz Côa, Portugal (Kulturexpresso). Dort, wo der Côa in den Douro mündet, steht hoch am Hang ein Klotz aus Beton. Der Côa, dessen Quelle in der Sierra das Mesas unmittelbar an der Grenze zu Spanien zu finden ist, fließt 140 Kilometer von Süd nach Nord, um bei Vila Nova de Foz Côa langsam in den über sechs Mal längeren Douro zu strömen, der wiederum bei Porto in den Atlantik mündet.

Auch auf den letzten Kilometern fließt der Côa entlang an Olivenhainen, Plantagen mit Mandelbäumen, die im Frühling blühen, und Weinreben, die im Herbst von feuersblühenden Blättern bedeckt sind. Im Hochsommer hingegen beherrschen die Schieferfelsen das Terrain.

Weg vom Wasser zum Klotz über den Flüssen, der von den Flusskreuzfahrtschiffen, die den Douro rauf- und runterfahren, gut zu erkennen ist. Noch besser ist er aus der Luft zu sehen. Dann wirkt er wie ein in die Landschaft getriebener Keil, auf dem Besucher auch noch ihre Fahr- und Motorräder und Personenkraftwagen parken können und dürfen, während die Busse kurz davor abgestellt werden müssen.

Museu do Côa
Blick über den Parkplatz des Klotzes als Keil und in die Schlucht zum Haupteingang des Museu do Côa. © Parque e Museu do Côa, Foto: Jaime Antonio

Bereits die ersten Blicke vom Parkdeck in alle vier Himmelsrichtungen sind beindruckend. Doch wer den Spalt im Beton, der wie eine von steilen Hängen beengte schmale Schlucht wirkt, abwärts geht, der wird erneut beeindruckt: vom Inneren des Museums in der äußeren Form eines Keils. Der Keil als Form des Gebäudes passt übrigens prächtig, zählt er aus Holz, Stein und Metall doch zu einer der ersten Erfindungen von Menschen.

Das Museum beherbergt in seinen surrealistischen Höhlen Côa-Kunst vom Feinsten. Die letzten siebzehn Kilometer des Côa-Tals enthalten Hunderte von paläolithischen Gravuren entlang der Ufer des Flusses, weswegen dieses Gebiet zu Portugals erstem archäologischen Park erklärt und am 2. Dezember 1998 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben wurde.

Unter freiem Himmel und in geballter Form im Museum finden Besucher Zeugnisse einer 25.000 Jahre alten Kunst- und Kulturgeschichte. Sie umfasst also nicht nur das gesamte Holozän, sondern auch das Jungpaläolithikum, reicht also ins Pleistozän.

Dieses reichhaltige Erbe zu bewahren und Besuchern zur Kenntnis zu geben dient die Stiftung zur Erhaltung und Aufwertung des Côa-Tals, die auch Côa-Park-Stiftung genannt wird. Sie wurde im März 2011 von IGESPAR, ARHNorte, der regionalen Tourismusorganisation des Douro, dem Côa-Tal-Verband der Gemeinden und der Gemeinde von Vila Nova de Foz Côa zur Verwaltung des Archäologischen Parks des Côa-Tals (PAVC) und des Côa-Museums ins Leben gerufen. Selbstverständlich zählen auch die Erforschung und Verbreitung der Felskunst sowie weitere archäologische, allgemein landschaftliche und kulturelle Sehenswürdigkeiten im Bereich des Archäologischen Parks des Côa-Tals zu den besonderen Aufgaben der Stiftung.

Wie gut das gelingt, davon können sich Besucher des Parque e Museu do Côa überzeugen.

Parque e Museu do Côa

Rua do Museu, 5150-610 Vila Nova de Foz Côa, Portugal

Telefon: +351 279 768 260, Web: arte-coa.pt, Facebook: www.facebook.com/museudocoa

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags in der Zeit von 9 Uhr bis 12.30 Uhr und von 14 Uhr bis 17.30 Uhr, montags sowie am Neujahrstag, am ersten Ostertag, am 1. Mai und am ersten Weihnachtstag geschlossen.




Colombo, Sri Lanka.

Fotoreportage: Im Bauch von Colombo

Colombo, Sri Lanka (Kulturexpresso). Mark Forbes, Stadtführer aus Leidenschaft, veranschaulicht am Beispiel der Hafen- und Hauptstadt Colombo, welche Erfolge dort während der kurzen Friedenszeit bereits zu verzeichnen sind. Mark, hier im Land geboren, nennt sich wegen seiner holländisch-schottischen Wurzeln zwar scherzhaft einen „Dutch Burger“. Doch schwärmt er von den architektonischen Sehenswürdigkeiten, die sich hier neuerdings entdecken lassen. Für ihn zweifellos eine Erfolgsgeschichte, wenn er bedenkt, dass vor zehn Jahren keiner der Besucher echtes Interesse an der Hauptstadt zeigte!

Und in der Tat: Rund um die Chatham Road und die King’s Street findet sich heute eine vielseitige Mischung aus hervorragend restaurierten Kolonialbauten und moderner Glasfassaden-Architektur. Da überrascht es schon ein wenig, dass sich in unmittelbarer Nähe des Zentrums am quirligen Hafenbecken das wirtschaftliche Leben der Stadt in buntem Treiben entfaltet. Zweifellos ist dies der „Bauch der Stadt“, der mit seinem reichhaltigen Angebot an Nahrungsmitteln kulinarische Maßstäbe setzt.

Mehr Text zu den Bildern im Beitrag Natur und Kultur in Sri Lanka – Von den Leoparden des Yala Nationalparks in den Bauch von Colombo von Dr. Bernd Kregel im KULTUREXPRESSO.




Der Yala Nationalpark von Sri Lanka.

Fotoreportage: Im Yala Nationalpark von Sri Lanka

Colombo, Sri Lanka (Weltexpress). Bilder aus dem Yala Nationalpark von Sri Lanka.

Mehr Text zu den Bildern im Beitrag Natur und Kultur in Sri Lanka – Von den Leoparden des Yala Nationalparks in den Bauch von Colombo von Dr. Bernd Kregel.




Sri Lanka

Natur und Kultur in Sri Lanka – Von den Leoparden des Yala Nationalparks in den Bauch von Colombo

Colombo, Sri Lanka (Kulturexpresso). Nach den Wirren des Bürgerkriegs arbeitet das Land mit Nachdruck an seiner erfolgreichen Zukunft.

Sri Lanka
Elefant im kühlenden Bad. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

„Der ist zu allem fähig!“ Parkranger Steuart, bestens vertraut mit der Körpersprache wilder Tiere, zeigt sich besorgt. Denn gerade baut sich ein mächtiger Elefantenbulle ohne Vorwarnung wie ein unüberwindbarer Sperrriegel vor dem Geländefahrzeug auf. Dabei hat er die großflächigen Ohren bedrohlich hoch aufgestellt und den Rüssel wie eine Spirale verdächtig nach innen gerollt. Ja, so muss wohl das Imponiergehabe eines Dickhäuters aussehen, der offenbar nur ungern eine Störung bei seiner Nahrungsaufnahme duldet. Oder will er etwa mit Nachdruck die Zweifel daran zerstreuen, wem in der hierarchischen Rangordnung innerhalb seines Territoriums die Spitzenposition zusteht?

Die Beobachter dieser ungewöhnlichen Szene im Yala Nationalpark von Sri Lanka stehen nun selbst unter Beobachtung. Kleinlaut und unauffällig rutschen sie immer tiefer in die Sitze ihres Fahrzeugs. Denn niemand der „Großwildjäger“ hinter den langen Objektiven kann jetzt noch ausschließen, dass die angespannte Stimmung weiter kippt. So dehnen sich die Minuten wie unter einer Zeitlupe. Doch niemand wagt es sich vorzustellen, wie diese Begegnung der anderen Art im Ernstfall ausgehen könnte.

Versteck des Leoparden

Sri Lanka
Leopardenversteck im Yala Nationalpark. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Nach dieser unfreiwilligen Mutprobe beschreibt Ranger Steuart die völlig gegensätzliche Vorgehensweise der hier lebenden Leoparden. Als Raubkatzen setzen sie nicht auf Imponiergehabe, sondern bevorzugen den Rückzug in die zerklüfteten Felsverstecke. Aus dem Verborgenen heraus planen sie unbemerkt ihren Überraschungsangriff, um sich anschließend in dem unwegsamen Gelände erneut in Sicherheit zu bringen. Nahezu unauffindbar.

Doch vielleicht nicht ganz. Denn ab und zu hinterlässt eines der Tiere seinen Tatzenabdruck am Wegrand und regt damit die Fantasie an. Mit intensivem Einsatz aller vorhandenen optischen Geräte beginnt nun die Suche nach weiteren Spuren, bis endlich, verborgen im fernen Felsgewirr, ein geflecktes Fell erkennbar wird. In der Tat ein glücklicher Augenblick und vielleicht sogar der Höhepunkt des Safari-Abenteuers!

Bauch von Colombo

Sri Lanka
Bank im Zentrum von Colombo. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Hatte die von der Raubkatze praktizierte Taktik des Verbergens und Überraschens nicht sogar eine Vorbildfunktion für alle, die in der jüngsten Geschichte des Landes ebenfalls auf einen strategischen Vorteil setzten? Denn offenbar imitierten die tamilischen Separatisten als „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ während der blutigen Auseinandersetzungen diese Vorgehensweise. Allerdings ohne anhaltenden Erfolg! Denn der unselige Bürgerkrieg endete mit einem Sieg der Regierungstruppen über die Rebellen. Ein Aufatmen ging durch das Land und die politische Einheit Sri Lankas konnte nach den langen Jahren des Kampfes wiederhergestellt werden.

Mark Forbes, Stadtführer aus Leidenschaft, veranschaulicht am Beispiel der Hauptstadt Colombo, welche Erfolge stilvollen Wiederaufbaus dort während der kurzen Friedenszeit bereits zu verzeichnen sind. Da überrascht es wenig, dass sich in unmittelbarer Nähe des Zentrums am quirligen Hafenbecken das wirtschaftliche Leben der Stadt in buntem Treiben entfaltet. Zweifellos ist dies der „Bauch der Stadt“, der mit seinem reichhaltigen Angebot an Nahrungsmitteln kulinarische Maßstäbe setzt.

Baum der Erkenntnis

Sri Lanka
Felsenfestung Sigiriya Rock im Norden Sri Lankas. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Weniger hektisch geht es zu in der ehrwürdigen Stadt Anuradhapura im Norden des Landes. Über tausend Jahre lang war sie das Zentrum verschiedener singhalesischer Königsdynastien. So ist es auch heute ein Vergnügen, das Fluidum der alten religiösen Baudenkmäler in sich einzusaugen.

Oder aber die steilwandige Felsformationen des Pidurangala Rock zu besteigen. Oben angelangt, erschließt sich ein weiter Blick über die Ebene bis hinüber zum mächtigen Sigiriya Rock, wo im schützenden Halbdunkel der Felsnischen die legendären „Wolkenmädchen“ stets neue Bewunderung erwecken.

Sri Lanka
Wallfahrt zum Bodhibaum von Anuradhapura. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Spiritueller Höhepunkt der Region ist indes der älteste Bodhibaum des Landes, ein Ableger seines berühmten Vorgängers aus dem indischen Bodh Gaya. Er wurde hierher gebracht zur Erinnerung daran, dass in seinem Schatten der ehrwürdige Buddha einst zur Erkenntnis seiner religiösen Wahrheiten gelangt war: Einsichten über Leben und Leiden, über Endlichkeit und Nirwana. Eine Weltreligion mit eigenem Zuschnitt, die einst als Philosophie ihren Anfang nahm.

Exotische Akzente

Sri Lanka
Küstenformation am Indischen Ozean. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Und auch heute noch ist unverkennbar, wie sehr der Ort im Schatten des Heiligen Baumes religiös durchdrungen ist. Menschen strömen herbei, um mit Blumenspenden und kleinen Opfergaben den erwünschten Segen einzuholen. Symbolisch für die erhoffte spirituelle Kraft und die Erfüllung der persönlichen Wünsche stehen die kleinen Armbänder am Handgelenk, die jeder von hier aus gern mit nach Haus nimmt.

Im Anschluss an diese spirituellen Erfahrungen in einer fernöstlichen Welt locken die weißen Sandstrände, die rings um die Insel verteilt sind. Darunter die legendäre Südküste, an der sich Gäste wie Einheimische ein Stelldichein geben. Und dann sind da noch die verschwiegenen Zufluchtsstätten in ausgefallenen Landschaften. Versteckt vor neugierigen Blicken, dienen sie in den schönsten Landesteilen als Rückzugsorte für die Seele. Ja selbst im lebhaften Colombo hat sich eine dieser stilvollen Unterkünfte versteckt. Mit ihrer Ausstrahlung setzen sie exotische Akzente in einem mit neuem Selbstbewusstsein wiedererstehenden Sri Lanka.

Fotoreportagen

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Im Bauch von Colombo und in der  Fotoreportage: Im Yala Nationalpark von Sri Lanka von Dr. Bernd Kregel im KULTUREXPRESSO.

Reiseinformationen “Sri Lanka”

Sri Lanka
Blumengabe zum buddhistischen Feiertag. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Anreise: Günstig mit Qatar Airways ab Frankfurt am Main, Berlin, München über Doha nach Colombo; günstige Vorübernachtung z.B. am Flughafen München bei Novotel.

Einreise: Erforderlich ist ein noch mindestens 6 Monate gültiger Reisepass. Dazu ein Visum, das vorab als „Electronic Travel Authorization“ (ETA) im Online-Verfahren unter www.eta.gov.lkbeantragt werden sollte. Dabei anfallende Kosten ca. 30 US Dollar.

Reisezeit: Das Klima des kleinen Landes ist sehr vielfältig. Die beste Reisezeit ist Dezember bis April. Grundsätzlich kann das Land je nach Region auch zu den beiden Monsunzeiten (Südwest und Nordost) bereist werden.

Reiseveranstalter: Ausgefallene Reiserouten und Hotels bietet Tischler Reisen, Spezialist für individuelle Sri Lanka Reisen, E-Mail: urlaub@tischler-reisen.de, Telefon: 08821-93179652; z.B. „Ayubowan by Uga Escapes“, Privattour 9 Tage, Preis p.P. im DZ ab 2.383 Euro

Unterkunft: Traumhaft sind die Hotels von Uga Escapes, z.B. das „Ulagalla“ in Anuradhapura, das „Residence“ in Colombo oder das „Chena Huts“ am Yala Nationalpark.

AuskunftBotschaft von Sri Lanka, Niklasstrasse 19, 14163 Berlin, Telefon: 030-809097-49, Fax 57, E-Mail: info@srilanka-botschaft.de

Anmerkungen:

Vorstehender Beitrag von Dr. Bernd Kregel ist eine kürzere Fassung eines Beitrages, der unter dem Titel „Rückzugsorte für die Seele – Sri Lanka gestaltet sich neu“ am 25.5.2018 im WELTEXPRESS erstveröffentlicht wurde. Die Recherche wurde unterstützt von Tischler Reisen AG und Uga Escapes.




Château de Grignan

Berühmte Briefe an die tumbe Tochter oder Die Gräfin von Grignan – Madame de Sévigné, die Edelfeder des französischen Hochadels

Grignan, Provence, Frankreich (Kulturexpresso). Sie galt und gilt als Edelfeder des französischen Hochadels: die am 5. Februar 1626 in Paris als Marie de Rabutin-Chantal geborene und am 17. April 1696 auf Schloss Grignan in der Provence als Marquise de Sévigné gestorbene Schreiberin unzähliger Briefe.

Grignan.
Blick über ein in Blüte stehendes Lavendel-Feld auf Grignan. © F. Da Costa

Irgendwer wird wohl nachgezählt haben, denn Florence, meine famose Französin, die mich Germanen in Grignan die Gassen rauf und runter führt, nachdem ich sie zuvor auf meinem Motorrad hin- und herfuhr, flüstert mir die Zahl 750 zu. Flüstert? Nun, bei einer Führung durch das Schloss schauen Besucher in der Regel andächtig auf zur Schau Gestelltes und lauschen den Worten der Herren und Damen über die Schlüssel. Es müssen viele sein, viele Schlüssel, denn das Schloss hat viele Türen, aber nach draußen nur diese eine, durch die alle Besucher müssen. Sie führt vorbei an einer Kasse, klar, an der wir Eintritt bezahlen, um uns das Gebäude ansehen zu können. Immerhin parkten wir den Feuerstuhl wild und ohne Gebühr am Fuße des großadeligen und rundum bebauten kleinen Berges.

Madame de Sévigné
Madame de Sévigné hängt im Château de Grignan. © Les Châteaux de la Drôme

Die passionierte adelige Autorin, welche die Gattung des Briefeschreibens begründete, zähle zu den großen Klassikern der französischen Literatur, und zur obersten Klasse der feinen Federn, in die es nur wenige Frauen wie Margarete von Angoulême, Madame de La Fayette, Anne Louise Germaine de Staël-Holstein oder Ende des letzten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung Yasmina Reza schafften, werde ich mit anderen, die eine Runde durchs Eckige drehen, belehrt.

Doch von Reza, der Autorin der Werke „Kunst“, „Drei Mal Leben“ und „Der Gott des Gemetzels“, zurück zur de Sévigné, die Briefe an die im Vergleich zur Mutter tumben Tochter schrieb und ins rustikale Renaissance-Schloss des Comte de Grignan im heutigen Département Drôme in der neuen Region Auvergne-Rhône-Alpes schickte. Schließlich heiratete die innig geliebte Tochter Françoise-Marguerite 1669 den Grafen von Grignan und zog zwei Jahre später in die für schwarzen Trüffel berühmte Kleinstadt nicht weit vom Mont Ventoux im Tricastin.

Grignan.
Ein schöner Ausblick vom Schloss Grignan in die Gegend. © M. Rougy/Auvergne-Rhône-Alpes Tourisme

Wer dem Tipp mit den „Truffle“, wie Florence mir ins Ohr haucht, keinen Glauben schenken mag, der möge sich in eine der für den Ort zahlreichen Restaurants ein gutes Gericht mit Perigord-Trüffel servieren lassen. Selbstverständlich lud ich meine reizende Reiseführerin zu einer Mahlzeit Tuber melanosporum ein, nachdem wir mit dem Buch „Briefe“ von Madame de Sévigné durch Grignan und die Gegend wandelten.

Wer sich ein Bild machen möchte auch über das Leben am Hofe Ludwigs XIV., über die politischen Ereignisse zur Zeit des Sohnes der Anna von Österreich, der 1715 im Schloss Versailles starb, vor allem über die geistige und menschliche Bildung jener feudalgesellschaftlichen Zeit in ihrer reinsten, abartigsten und anmutigsten Form, der greift zu diesen Briefen. Das Buch mit zeitgenössischen Kupferstichen wird seit 1979 bei Suhrkamp als Insel-Taschenbuch verlegt.

Grignan.
Dieses Mosaik in Grignan erinnert an die Edelfeder vom Château de Grignan genannten Schloss. © R. Schleipman/Auvergne-Rhône-Alpes Tourisme

In der Gegend gedeihen nicht nur knollige Gewächse und libidinöse Gefühle, sondern neben Liebe auch Lavendel. Zudem wächst Weisen auf Äckern, reifen Oliven an Bäumen. Diese Früchte dieser Erde rahmen die Grignan in eine malerische provenzialische Kulisse ein. Kein Wunder, dass die de Sévigné 1689 an ihre Tochter schrieb: „Ich denke andauernd an Grignan, an Euch und an Eure Terrassen mit dem wunderschönen triumphierenden Blick“ auf die Natur- und Kulturlandschaft.

Dass das Schloss, das die reiche Bankierswitwe Madame Fontaine im 20. Jahrhundert vollumfänglich sanieren und wiederaufbauen ließ, einst eine Burg auf einem Berg war, einer stattlichen Erhebung inmitten einer Ebene, das sehen Besucher von Stadt und Schloss noch heute. Zum Schloss zählt mehr oder weniger auch eine kleine Kirche, in der sich das Grab der Madame de Sévigné befinden soll. Die Stiftskirche Saint-Sauveur unterhalb der Terrassen soll zwischen 1535 und 1539 gebaut worden sein. Sie besteht vor allem aus Naturstein. Immerhin ist der Grabstein der Madame aus Marmor.

Grignan.
Der Eingang zur Kirche am Schloss Grignan. © R. Schleipman/Auvergne-Rhône-Alpes Tourisme

In der Kirche, die an heißen Tagen in langen Sommern in gewisser Weise Trost weil Kühle und vor allem Schatten spendet, schrieb die Frau mit der edlen Feder allerdings nicht. Sie soll in der ein paar Hundert Meter von Grignan entfernt liegenden Grotte manche allerdings nicht grottenschlechten Texte geschrieben haben. Von einem bevorzugten Ort des achtsamen Schreibens ist bei Fremdenführern die Rede, wenn es um die Grotte von Rochecourbière geht. Florence trage ich ein paar Verse abseits Höhle aber mit Verve vor. Ob es nun die Eloge der Madame ist oder mein Elan, das vermag ich nicht mit Bestimmtheit zu sagen, aber Florence folgt mir weiter durchs Département Drôme.

Und ich bin sicher: Die Gemeinde Grignan und die Gegend um das Chateau de Grignan sind eine Kultur- und kulinarische Reise wert und wer sie mit einem Motorrad unternehmen will, der wende sich an Jochen Ehlers von Endurofun Tours, der meine Recherche zum Thema freundlich unterstützte wie die Agentur für die touristische Entwicklung der Drôme, dessen Damen und Herren ebenfalls gerne Auskunft geben.




Haarlem in Holland.

Fotoreportage: Ein Blick auf die Spaarnestadt Haarlem in Holland

Haarlem, Holland, Niederlande (Kulturexpresso). Haarlem gilt als eine traditionsreiche Stadt an der Spaarne und ist nicht nur wegen Wasser, Grachten und Tulpen eine Reise wert, sondern wegen des romantischen Flairs, das eine Handvoll Kilometer von der Nordseeküste entfernt zu finden ist.

Nicht viel weiter ist es für Reisende nach Amsterdam und zum Großflughafen Schiphol.

Jenes Städtchen, das als Gemeinde mit drumrum über 150 000 Einwohner zählt, kann mit seinen gewundenen Kanälen, seinen stilvollen Bauwerken und reich bestückten Museen sogar dem stolzen Amsterdam ein wenig das Wasser reichen, bietet reichlich Grachten und Geschichten.

Mehr Text zu den Bildern im Beitrag Holländische Kostbarkeiten – Haarlem und seine Kulturschätze von Dr. Bernd Kregel im KULTUREXPRESSO.