Kulturelles Erbe schützen. National Geographic verrät die Finalisten der World Legacy Awards; die Preisträger werden auf der ITB Berlin bekanntgegeben

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Reisen ja, aber nachhaltig. So könnte kurz der neue Trend zusammengefasst werden. Wenn die heute in Arbeit Stehenden nicht die vorletzte Generation sein wollen, die noch reisen kann und große Stätten der Kultur in einer lebenswerten Umwelt vorfindet, muss etwas geschehen. Nicht weniger reisen kann die Lösung sein, sondern besser.
Zu den fünf Dingen, die man am Ende des Lebens bereut, gehört „bin zu wenig gereist“. Innovative Reiseunternehmen, Organisationen und Destinationen setzen Nachhaltigkeit in die Tat um – die besten unter ihnen werden im März ausgezeichnet, um ihre Vorbildfunktion zu unterstreichen.
Die 15 Finalisten der National Geographic World Legacy Awards wurden im Dezember verkündet. Die World Legacy Awards, eine Partnerschaft zwischen National Geographic und der ITB Berlin, präsentieren führende Reise- und Tourismusunternehmen, Organisationen und Destinationen, die die globale Reiseindustrie positiv verändern und dazu motivieren, sich für nachhaltigen Tourismus einzusetzen. Die Preisträger reichen von Ländern bis zu kleinen Inseln und von urbanen Hotels bis zu Retreats im Dschungel. Erstmals findet die Preisverleihung der World Legacy Awards im Palais am Funkturm, der neuen und offiziellen Award-Location der ITB Berlin, statt.

Rika Jean-François, CSR Commissioner ITB Berlin, erklärt: „In ihrem dritten Jahr haben sich die World Legacy Awards zu einer überaus angesehenen Auszeichnung der globalen Reiseindustrie etabliert. Die Finalisten werden am ITB-Mittwoch einem internationalen Publikum vorgestellt und die Gewinner noch vor Ort bekanntgegeben. Wir freuen uns auch sehr darüber, dass wir mit den Finalisten zusätzlich am renommierten CSR Day am ITB-Freitag über ihre innovativen Projekte diskutieren werden. Die ITB Berlin setzt sich intensiv dafür ein, das Bewusstsein für nachhaltigen und verantwortungsvollen Tourismus international zu stärken und ist deshalb auch kürzlich offiziell Mitglied im GSTC (Global Criteria for Sustainable Tourism) geworden.“
Die Bewerbungen für die diesjährigen World Legacy Awards umspannen mit 45 Ländern und sechs Kontinenten den ganzen Planeten und zeigen, dass nachhaltiger Tourismus keine Grenzen kennt. Die Finalisten der fünf Kategorien wurden von einem internationalen Team von mehr als 20 Juroren ausgewählt. Der mehrstufige Bewertungsprozess beinhaltete auch Vor-Ort-Inspektionen jedes Finalisten. Weitere Informationen zur Jury finden Sie unter http://www.nationalgeographic.com/worldlegacyawards/judging.html.

Costas Christ, Chairman der National Geographic World Legacy Awards, sagte: „Wir haben einen Wendepunkt erreicht. Immer mehr Leistungsanbieter der Reiseindustrie verstehen, dass es ohne Nachhaltigkeit keine Zukunft für den Tourismus geben kann. Dazu gehören umweltfreundliche Geschäftspraktiken, der Schutz von kulturellem und natürlichem Erbe sowie konkrete soziale und wirtschaftliche Leistungen für die einheimische Bevölkerung in den Reisezielen. Die Länder und Unternehmen, die das heute verstehen, werden die führenden Köpfe von morgen sein. Diese 15 Finalisten der World Legacy Awards weisen den Weg in eine glänzende Zukunft für die Menschen und den Planeten.“

Die Finalisten der National Geographic World Legacy Awards 2017, nach Rubriken geordnet, sind:

Conserving the Natural World (Erhaltung der natürlichen Umwelt)

Prämiert werden außerordentliche Leistungen zur Erhaltung der Natur, zur Wiederherstellung natürlicher Lebensräume sowie zum Schutz seltener und bedrohter Arten, sowohl auf dem Land als auch im Meer.
(Die Nummerierung stelle keinerlei Rangfolge oder Wertung dar.)

1. Mark Thornton Safaris, Tansania – Dieser Anbieter mit eigenen Führern schützt die vom Aussterben bedrohte Tierwelt, indem er Partnerschaften mit einheimischen Gemeinden im Sinne des Simanjiro Grazing Easement der Massai-Steppe schließt, ein enorm wichtiger Migrationskorridor der Tierwelt und Abkalbeterrain von Gnus.

2. Misool Eco Resort, Indonesien – Misool setzt sich aktiv dafür ein, den marinen Lebensraum zu schützen, auf die Politik einzuwirken und lokalen Gemeinden mehr Teilhabe zu ermöglichen. Sie leiten mehr als 350 Quadratmeilen Meeres-Naturschutzgebiet im Herzen des Coral Triangle – dem globalen Zentrum der marinen Biodiversität.

3. North Island, Seychellen – Gefeiert als das Galapagos des Ostens, hat dieses innovative Projekt des Eco-Resorts einige der seltensten Lebewesen der Seychellen als Teil der Renaturierung von heimischen Lebensräumen auf der früheren Plantageninsel wieder in die Natur eingeführt.

Earth Changers (Veränderer der Erde)

Prämiert wird die innovative Marktführerschaft im Bereich umweltfreundlicher Geschäftspraktiken und grüner Technologien – von erneuerbarer Energie und dem Schutz des Wassers bis hin zu Null-Abfall-Systemen und der Verringerung der Kohlenstoffemission.

4. Cayuga Collection, Costa Rica und Nicaragua – Verringern, wiederverwenden, recyclen ist ein tägliches Mantra bei diesem ultra-grünen Hospitality-Unternehmen, das mit seinem innovativen Programm, Plastikmüll eliminieren will (sogar Strohhalme bestehen aus wiederverwendbarem Bambus). Gäste können an Touren teilnehmen, die durch für sie sonst unzugängliche Bereiche führen, um zu erfahren, wie Nachhaltigkeit ihre Urlaubserfahrungen bereichert.

5. Finch Bay Eco Hotel, Ecuador – Der geschlossene Kreislauf der nachhaltigen Technologie von Finch Bay produziert Bio-Lebensmittel für Gäste mittels eines ertragreichen Prozesses, der Wasser konserviert, Pestizide beseitigt und die CO2-Fußabdrücke der Lebensmittel reduziert. Ihr Modell macht nun auch bei anderen Hotels auf den Galapagosinseln Schule.

6. ITC Hotels, Indien – Die elf, über Indien verteilten, ikonischen Stadthotels von ITC sind alle LEED Platinum zertifiziert – das höchste anerkannte Level der Leadership in Energy and Enviromental Design. Sie zeigen damit, dass auch große luxuriöse Stadthotels einen neuen Standard in Sachen Nachhaltigkeit setzen können.

Sense of Place (Erhaltung der Bedeutung eines Ortes)

Prämiert werden hervorragende Leistungen zur Aufwertung der Atmosphäre eines Ortes und dessen Authentizität, wie etwa dem Schutz historischer Monumente, archäologischer Stätten, kultureller Ereignisse, dem indigenen Erbe sowie künstlerischer Traditionen.
7. Adventure Canada, Kanada – Dieses kleine Unternehmen hilft einheimischen Gemeinschaften, ihr touristisches Potential zu verwirklichen und gleichzeitig ihre Heimatverbundenheit zu sichern. Die Inuit-Jugendlichen erhalten die Möglichkeit, aus erster Hand Erfahrungen in Archäologie zu sammeln und sich über ihr Erbe unterrichten und anleiten zu lassen.

8. Awamaki, Peru – Im Sacred Valley gelegen, setzt sich diese gemeinnützige ländliche Gemeinde-Tourismusorganisation dafür ein, Armut zu lindern, indem sie einheimische Kunsthandwerkerinnen und ihre Familien dazu befähigen, Reisenden die authentische Quechua-Kultur in einer lebensechten, nachhaltigen und respektvollen Art und Weise nähe zubringen.

9. Stadt Santa Fe, USA – Wenn die amerikanischen Pioniere aus der Zeit vor mehr als 100 Jahren heute auf der Plaza von Santa Fe wiederauftauchten, würden sie diese sofort wiedererkennen. Die älteste Hauptstadt eines amerikanischen Bundesstaates sieht die Erhaltung ihres reichen Erbes als Pflicht an. Dazu gehört auch die Fiesta de Santa Fe, die älteste regelmäßige öffentliche Feierlichkeit des Landes.

Engaging Communities (Engagement in Gemeinschaften)

Prämiert werden direkte, konkrete wirtschaftliche und gesellschaftliche Leistungen, die zur Verbesserung der Lebensgrundlage vor Ort beitragen. Dies umfasst die Schulung und den Kapazitäten-Aufbau, gerechte Löhne und Sozialleistungen, Gesundheitsfürsorge und Bildung.
Die Anwärter in dieser Rubrik sind:

10. Andaman Discoveries, Thailand – Gegründet als Antwort auf den Tsunami im Jahr 2014, lässt Andaman Discoveries Gäste in die kulturelle und natürliche Diversität Thailands eintauchen. Alle Initiativen werden von der lokalen Gemeinschaft geführt. Die Dorfbewohner setzen einen fairen Preis für ihre Tourismusleistungen fest, 50 Prozent der Einnahmen unterstützen eine Stiftung für die Gemeindeentwicklung.

11. Lodge at Chaa Creek, Belize – Belizes führendes Eco-Resort zeigt, dass das Vorgehen, einheimische Menschen an erster Stelle zu stellen, den Mitarbeitern, den Dörfern und dem eigenen Gewinn zu Gute kommt. Die Lodge stellt über das Land verteilt wirtschaftliche Leistungen für Gemeinde-Projekte zur Verfügung. Zehn Prozent der Zimmereinnahmen unterstützen soziale und ökologische Programme.

12. Chambok Community Based Eco Tourism/MIup Baitong, Kambodscha – Als die gemeinnützige Gruppe MIup Baitong ihre Arbeit begann, waren die Dorfbewohner von Chambok von unerbittlicher Armut geplagt. Um zu überleben, setzten sie deshalb auf illegales Abholzen und Wilderei. Das selbstversorgende Ecotourismusprojekt beteiligt sich heute mit 20 Prozent ihres Gewinns an einen einheimischen Fonds, der sich für Initiativen von Kleinunternehmerinnen einsetzt und das Gesundheitswesen der Gemeinde unterstützt.

Destination Leadership (Beispielhafte Destinationsführerschaft)

Prämiert werden hervorragende Leistungen auf dem Gebiet des Destinationsmanagements, dies betrifft Städte, Provinzen, Bundesstaaten, Länder oder Regionen, die Best Practices im Bereich des Umweltschutzes anwenden, die Erhaltung des Kultur- und Naturerbes pflegen, die Schaffung von Vorteilen für örtliche Gemeinschaften unterstützen und Touristen über die Grundsätze der Nachhaltigkeit informieren.

13. Riverwind Foundation/Jackson Hole Chamber of Commerce, USA – Indem sie zusammenarbeiten, bringen diese beiden Unternehmen öffentliche und private Akteure dazu, ökologische und soziale Verantwortung sowie wirtschaftliche Dynamik durch Destinationsmanagement-Strategien und Planungen zu unterstützen. Dazu gehört ein Beschluss für Naturräume, die den Schutz von über 10.000 Hektar sicherstellt sowie einen Sustainability Code of Conduct für Besucher.

14. Segera Retreat, Kenia – Diese luxuriöse Eco-Lodge in Laikipia fungiert als Inkubator für innovative Technologien und Naturschutz-Ansätze, die in Afrika und darüber hinaus getestet, verfeinert und nachgebildet werden können. Dazu zählen erfolgreiche Projekte, um die lokale Lebensgrundlage zu verbessern, das Gesundheitswesen zu unterstützen, bedrohte Tiere zu schützen und den natürlichen Lebensraum wiederherzustellen.

15. Slowenisches Tourismusamt, Slowenien – Slowenien hat den Grundstein gelegt, um eine der nachhaltigsten Destinationen der Welt zu werden. 60 Prozent des Landes sind bewaldet. Das Tourismusamt vereint alle Initiativen durch ihre „Green Scheme“, welche Richtlinien setzt und alle dafür nötigen Werkzeuge bereitstellt, um den Nachhaltigkeitsfortschritt messbar zu machen.

Preisvergabe am Internationalen Frauentag

Die Gewinner werden am 8. März 2017 bei der Preisverleihung der World Legacy Awards live auf der Bühne im Palais am Funkturm während der ITB Berlin bekanntgegeben. Ebenso werden die Gewinner und Finalisten vom National Geographic Traveler Magazin geehrt.
Die Sponsoren der World Legacy Awards sind Adventure World und TreadRight Foundation.
Mehr Informationen zu den World Legacy Awards und die diesjährigen Finalisten erhalten Sie unter www.nationalgeographic.com/worldlegacyawards/ oder http://www.itb-berlin.de/en/ITBBerlin/SocialResponsibility/WorldLegacyAwards/.

Über National Geographic Partners LLC

National Geographic Partners LLC, ein Joint Venture zwischen National Geographic Society und 21st Century Fox, vereint die Fernsehsender von National Geographic mit den Medien und kundenorientierten Bereichen von National Geographic, darunter die National Geographic Magazine; National Geographic Studios; verwandte digitale und soziale Medienplattformen; Bücher; Landkarten; Kindermedien und unterstützende Tätigkeiten, wie z.B. Reisen, weltweite Erlebnisse und Events, Archivverkäufe, Kataloge, Lizenzierung und E-Commerce. Ein Teil der Erlöse von National Geographic Partners LLC wird zur Finanzierung von Wissenschaft, Forschung, Erhaltung und Bildung verwendet, um die Arbeit der National Geographic Society durch beträchtliche, kontinuierliche Beiträge zu unterstützen.

Die ITB Berlin und der ITB Berlin Kongress

Die ITB Berlin 2017 findet von Mittwoch bis Sonntag, 8. bis 12. März, statt. Von Mittwoch bis Freitag ist die ITB Berlin für Fachbesucher geöffnet. Parallel zur Messe läuft der ITB Berlin Kongress von Mittwoch bis Samstag, 8. bis 11. März 2017. Er ist weltweit der größte Fachkongress der Branche. Mehr Informationen sind zu finden unter www.itb-kongress.de. Die ITB Berlin ist die führende Messe der weltweiten Reiseindustrie. 2016 stellten mehr als 10.000 Aussteller aus 187 Ländern ihre Produkte und Dienstleistungen rund 180.000 Besuchern, darunter 120.000 Fachbesuchern vor.




Von Meyenburg bis Lenzen – Serie: Die Prignitz und ihre historischen Zeitschätze (2/2)

Prignitz, Brandenburg, Deutschland (Kulturexpresso). Nach dem Besuch der Zentralen Archäologischen Orte Wittstock, Freyenstein und Seddin (Teil 1), reisen wir weiter nach Meyenburg, Mellen und Lenzen. Auch hier können Prignitz-Touristen – Ruhesuchende, Naturfreunde und Geschichtsentdecker – aufregende historische Zeitschätze erkunden. Entlang des Pfades erlebbar: Landesgeschichte, kulturelle Identität und Heimat.

Adelssitz Meyenburg (13. Jhd.)

Das stolze Schloss Meyenburg am Oberlauf der Stepenitz diente seit Jahrhunderten herrschaftlichen Familien als Wohnort. Wichtige Stadt- und Burgherren waren die Familie von Rohr. Aus dem 14. Jh. stammen die ältesten Teile des heutigen Schlosses, das die mittelalterliche Stadtmauer einbezog. Anfang des 15. Jh. entstand ein zweites Burg- bzw. Schlossgebäude. Seit den 1990er Jahren wurde zunächst die Hülle, später das Innere des Schlosses aufwändig restauriert. Eine mittelalterliche Steinspeicherheizung zeugt vom Alter und von der Bedeutung des Bauwerks. Heute befindet sich hier Deutschlands erstes Modemuseum. Im Zuge der Schloßsanierung wurden umfangreiche archäologische Untersuchungen durchgeführt. Dabei gelang es, unter dem heutigen Schloss die Reste von zwei älteren Burganlagen nachzuweisen. Die älteste Anlage aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts bestand aus einem Wehrturm und einem Wohngebäude (Palas). Die Burg umgab eine steinerne Mauer mit Torhaus. Unter dem Ostflügel des Schlosses fand man die Reste der zweiten Bauphase, der markgräflichen Burg des 13./14.Jh. Bedeutendster Fund ist ein goldener Fingerring. Die gesamte Außenseite des Objektes trägt eine erhabene Inschrift in gotischer Majuskel. Sie lautet: JASPAR, BALTAZAR, MELCHIOR. Das Schriftbild erlaubt eine Datierung in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die Namen spiegeln den im späten Mittelalter bedeutenden Dreikönigskult wieder. Eine Kopie des Originalstücks kann heute im Schloß gekauft werden.

Hünengrab von Mellen (3300 – 3100 v. Chr.)

Hünengrab von Mellen. © BAB Hauptmann und Bach
Hünengrab von Mellen. © BAB Hauptmann und Bach

Als letztes Monument der Megalithkultur zeugt das imposante Großsteingrab Mellen von einer weit verbreiteten Bestattungskultur der Jungsteinzeit. Die direkt an der Straße zu besichtigende 22 mal 8 Meter große Anlage steht bereits seit 1887 unter Denkmalschutz. Der uns begleitende Archäologe Gordon Thalmann definiert das Hünenbett als ein sogenanntes Ganggrab. Die Grabanlage wurde von einer zentralen Kammer und der sie umgebenden rechteckigen Steinsetzung gebildet. Ursprünglich war über der Kammer ein Hügel aufgeschüttet, dessen Einfassung die äußere Steinsetzung bildete. Das Mellener Grab wurde bislang nicht wissenschaftlich untersucht. Man muss jedoch davon ausgehen, dass die in der Kammer befindlichen Bestattungen bereits im 19. Jh. zerstört wurden. Die Sitte, aus großen Steinen Häuser für die Verstorbenen zu errichten, war seit dem 4. Jt. v. Chr. in weiten Teilen Europas und des Mittelmeerraumes verbreitet. Beim Grab in der Prignitz handelte sich um den Bestattungsplatz einer Gemeinschaft, der über einen längeren Zeitraum genutzt wurde. Wir erleben eine eindrucksvolle Vorstellung vom aufwändigen Grabkult ihrer steinzeitlichen Bewohner. Einen heutigen Eindruck vom natürlichen Landschaftsbild dieser Gegend vermittelt uns die Rangerin Ricarda Rath. Sie führt uns ins nahe gelegene Rambower Torfmoor. Mit seiner einzigartigen Flora und Fauna gilt es als eines der schönsten Durchströmungsmoore im Land Brandenburg. Auf dem idealen Rundweg gibt es die pure Begegnung mit einer vielfältigen Natur – leider blieben die sonst zu beobachtenden Kraniche diesmal unsichtbar… Der letzte Zentrale Archäologische Ort auf unserer Tour ist Lenzen im Biosphärenreservat Flußlandschaft Elbe, nur rd. 12 km entfernt.

Burg von Lenzen (10. Jhd.)

Burg Lenzen © Foto: Günter Knackfuß, 2016
Burg Lenzen © Foto: Günter Knackfuß, 2016

Der Burghügel der Burg Lenzen birgt die Geheimnisse slawischer Siedler, die sich im Nordwesten der Prignitz niedergelassen hatten. Seit 1993 erfolgte der Umbau der Burg durch den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zum „Europäischen Zentrum für Auenökologie, Umweltbildung und Besucherinformation“. Im Mai 2007 eröffnete hier ein Tagungszentrum mit Museum, Gästezimmern und neuem Burgrestaurant. Die Bauarbeiten zum Umbau der Burg Lenzen erstreckten sich über mehrere Jahre. Sie waren mit umfangreichen archäologischen Ausgrabungen verbunden, die spektakuläre Ergebnisse erbrachten. Untersucht wurden die Keller des barocken Gebäudekomplexes sowie verschiedene Bereiche des Burghofes. Dabei konnten einzigartige Erkenntnisse zur slawischen Burganlage, der spätslawischen Besiedlung und zu der deutsch-mittelalterlichen Burg gewonnen werden. Besonders in den tieferen und älteren Schichten hatten sich hölzerne Bauteile und Gegenstände in ungekannter Qualität erhalten. Die Ausgrabungen dokumentieren die Entwicklung der Burg Lenzen von der bislang ältesten slawischen Befestigung aus der Mitte des 10. Jh. bis zur Gegenwart. Alle Ausgrabungen, Fundstücke und Sammlungen in der Prignitz zeigen: Ein geschichtsträchtiger Teil Deutschlands, den es zu entdecken lohnt.

Anmerkungen:

Vorstehender Beitrag von Günter Knackfuss ist eine Erstveröffentlichung im Kulturexpresso. Die Recherche wurde unterstützt vom Tourismusverband Prignitz e.V.




Von Wittstock bis Seddin – Serie: Die Prignitz und ihre historischen Zeitschätze (1/2)

Prignitz, Brandenburg, Deutschland (Kulturexpresso). Wer eine Reise in die Prignitz plant – egal ob mit Bahn, Bus, Auto oder Fahrrad – der kann jetzt neue Ziele ins private Programm einbauen: Unter der Marke „Zentrale Archäologische Orte“ wurden aktuell sechs historische Zeitschätze touristisch aufgearbeitet. Die historische Landschaft Prignitz im Nordwesten des Landes Brandenburg verfügt über ein reiches archäologisches Erbe. Bis heute gibt es ca. 3500 Fundstellen. Im ersten Teil unserer Zeitreise berichten wir über Ausgrabungen zur Schlacht von 1636 bei Wittstock, über den Archäologischen Park Freyenstein und das berühmte Königsgrab von Seddin.

380 Jahre nach der Schlacht

© Foto: Günter Knackfuß, 2016
© Foto: Günter Knackfuß, 2016

1636 tobte der Dreißigjährige Krieg in weiten Teilen Europas. Nahe bei Wittstock kam es in diesem Jahr zu einer wichtigen Entscheidungsschlacht zwischen schwedischen Truppen und der kaiserlich-sächsischen Armee. Heute ist das Gebiet auf halber Strecke zwischen Berlin und Hamburg touristisch erschlossen, sind die archäologischen Fundstellen gut dargestellt und erklärt. Für die Wittstocker bleibt der 24. September für ewig ein historisches Datum. Denn nach dem schwedischen Sieg blieb ihre Stadt von Verwüstung verschont. So zeigt sich das im Mittelalter bedeutende wirtschaftliche, politische und religiöse Zentrum noch heute mit einer geschlossenen Stadtmauer. Eine der ältesten und am besten erhaltenen in Norddeutschland. Die ganze Geschichte wird im „Museum Dreißigjähriger Krieg“ dargestellt.

Die bewegende Historie erlebbar gemacht haben Wissenschaftler von 16 Forschungsdisziplinen rund um die Schlachtfeld-Archäologie. Wir erreichen auf unserer Tour den Bohnekamp, den zentralen Ort der blutigen Gemetzel mit 8000 Toten. Hier wurde eine Aussichts- und Gedenkplattform gestaltet – Erinnerung und Mahnung zugleich. Anhand großflächiger detailgetreuer Schlachtpanoramen wird über den Hergang der Schlacht, deren Ursachen und Folgen berichtet. Auf Informationstafeln sind Landschaftspanoramen abgebildet, auf denen die drei rekonstruierten Phasen des Schlachtverlaufes erläutert sind. Mit hölzernen Stangen wird die Aufstellung einiger Soldaten im Gelände gekennzeichnet. Ausgangspunkt des Projektes war die Ausgrabung von 125 Söldnerskeletten im europaweit ersten entdeckten Grab des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 2007. Beeindruckend die wissenschaftliche Leistung der Archäologen, die die menschlichen Reste nach Nationalität, Alter und Todesursache beurteilt haben. Zum Erschrecken dargestellt im ehemaligen Wasserbehälter auf dem Berg an der sagenumwobenen Schwedenstrasse.

Stadt Freyenstein im historischen Grundriss

© Copyright Tourismusverband Prignitz e.V., Foto: Markus Tiemann
© Copyright Tourismusverband Prignitz e.V., Foto: Markus Tiemann

Inmitten einer reizvollen Landschaft zwischen Ostprignitz und der mecklenburgischen Seenplatte erreichen wir das „brandenburgische Pompeji“. Archäologische Untersuchungen der letzten Jahre haben den Grundriss der alten Stadt Freyenstein wieder sichtbar werden lassen. Nun entstand ein archäologisches Freigelände. Gleich neben den beiden restaurierten Schlössern der „Neustadt“ gelangen wir zum 25 ha großen Areal. Es zählt zu den bedeutendsten Bodendenkmalen dieser Art. Grabungen und moderne Messmethoden ermöglichten weitreichende Rekonstruktionen des mittelalterlichen Stadtbildes. Eine große Anzahl von Kellern wurde mit Hilfe geomagnetischer Untersuchungen entdeckt. Sie sind in regelmäßigen Reihen angeordnet, wodurch sich neben der Ausrichtung ganzer Häuserzeilen auch die mittelalterlichen Straßenverläufe zeigen. In zentraler Position befand sich im 13. Jahrhundert ein großer rechteckiger Marktplatz, der von allen Seiten mit dichter Bebauung eingefasst war. Von Bedeutung auch der Nachweis einer bislang unbekannten Burganlage, die sich einst im Nordwesten der Altstadt befand. „Bisher wurde der überwiegende Teil der Stadtwüstung hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt, erläutert Dr. Joachim Wacker vom Brandenburgischen Amt für Denkmalpflege. Inzwischen sind die meisten Flurstücke teils durch Flächenankauf, teils durch Tausch im Zuge eines Bodenordnungsverfahrens in städtischen Besitz übergegangen. Die Umsetzung der Konzepte zur Gestaltung eines archäologischen Freigeländes bewahrt die Stadtwüstung als Denkmal mittelalterlicher Siedlungsgeschichte und macht diese der Öffentlichkeit zugänglich“. Der „Archäologische Park Freyenstein“ ist heute Bestandteil der touristischen Erlebnisroute durch den Nordwesten Brandenburgs als Projekt „Zentrale Archäologische Orte (ZAO) in der Prignitz„.

Königsgrab bei Seddin

© Foto: Günter Knackfuß, 2016
© Foto: Günter Knackfuß, 2016

Wir nähern uns einem Wäldchen am Feldrand – vermuten hier niemals eine sagenumwobene Grabstätte. Entdeckt im Jahre 1899 atmet sie immer noch den Geist der Geschichte des 9. Jahrhunderts vor Christus. Mit ihren wertvollen Schätzen gilt die Grabanlage als die bedeutendste im nördlichen Mitteleuropa. Gefunden und geborgen wurden 41 Stücke aus der Bronzezeit. Eine bronzene Amphore, ein Schwert, ein Tüllenbeil und -meißel, Wendelringe, Rasiermesser mit stilisierten Darstellungen, Bronzeblechgeschirr, Stangenknopf, Speerspitzen, Kamm, Messer mit Ringgriff, Lockenringe aus Spiraldraht, Metallgefäßen, Wagen- und Zaumzeugteile und zwei Eisennadeln. Die reiche Grabausstattung weist auf eine sozial hochgestellte Persönlichkeit hin. Alle Grabschätze befinden sich heute im Märkischen Museum in Berlin, Kopien davon im Museum in Perleberg. Mit Hilfe moderner Forschungen konnte nur 53 m nördlich des Königsgrabes, auf ca. 290 m Länge, eine Reihe mit ca. 150 steingefüllten Gruben entdeckt werden. Wahrscheinlich Bestattungsplätze – die Archäologen sind sich noch nicht sicher.

Anmerkungen:

Vorstehender Beitrag von Günter Knackfuss ist eine Erstveröffentlichung im Kulturexpresso. Die Recherche wurde unterstützt vom Tourismusverband Prignitz e.V.




Kneipen, Kraut und Kunst oder Kultur pur – Regensburg inszeniert sich neu

Regensburg, Bayern, Deutschland (Kulturexpresso). Am Strudel der Donau verwirbelt sich das historische Erbe effektvoll mit kultureller Aufbruchsstimmung.

James Bond in Regensburg? Welche Umstände sollten den MI6-Agenten der Queen mit der Lizenz zum Töten von der Themse an die Donau verschlagen haben? Die Schlossfestspiele machen es möglich. In diesem Jahr zumindest eine Filmnacht lang, in der die „Jagd auf 007“ das Publikum im Innenhof des Schlosses durchgehend in Atem hält.

Nichts wird auf der Großleinwand an Verfolgungsszenen ausgelassen, das nicht immer wieder in Thrillern wie „Liebesgrüße aus Moskau“ oder „Skyfall“ die Gemüter erregt hätte. Untermalt von den aufrüttelnden Klängen der Bond-Filmmusik, in schmissigem Sound live interpretiert vom Radio-Sinfonieorchester Pilsen.

Geschüttelt, nicht gerührt

© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2016
© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2016

Wie anders dagegen die einem gefühlvollen Sommernachtstraum nachempfundene Schlossfassade. Nach Einbruch der Dunkelheit festlich illuminiert, strahlt sie hinein in den ihr vorgelagerten Schlossgarten, in dem sich zur Abkühlung zwischendurch viele Gäste mit dem Geschmack eines Wodka-Martinis vertraut machen. Prickelnder als Champagner und härter als Whisky, wie es heißt. Und, darauf wird stets geachtet, entsprechend der Bond-Etikette natürlich geschüttelt, nicht gerührt!

Dabei lohnt es sich, hin und wieder Ausschau zu halten nach Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die sich gelegentlich zu Gesprächen unauffällig unter die Gäste mischt. Ist sie doch die charmante Gastgeberin dieses Festival-Events, das Jahr für Jahr an Bedeutung gewinnt und sich auch diesmal wieder mit großen Namen der internationalen Musikszene zu schmücken weiß. Ein Jahreshöhepunkt im Stadtgeschehen?

Gaumenkitzel für Naschkatzen

Für Festival-Enthusiasten keine Frage. Doch auch die historische Altstadt, soviel wird in Begleitung von Stadtführer Arthur Bechert schnell klar, schwelgt in Superlativen. Liebevoll restauriert, inszeniert sie sich in jeder Jahreszeit neu mit einer architektonischen Fülle, wie sie sonst kaum anderswo

in Deutschland anzutreffen ist. Vom „Manhattan des Mittelalters“, wie die Respekt einflößenden Geschlechtertürme auch genannt werden, über historische Fassadenreihen bis hin zu stilvoll ausgestalteten Plätzen, aus denen der Bischofshof mit seinem verspielten Ambiente herausragt.

Alle Wege jedoch führen hin zum historischen Rathaus. Jenem legendären Ort, in dem vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Napoleonischen Zeitalter der „immerwährende Reichstag“ eineinhalb Jahrhunderte lang seinen Sitz hatte. Und der als Versammlungsort all jener illustren höfischen Gesandtschaften das städtische Leben entscheidend prägte. Die Franzosen beispielsweise konfrontierten in jener Zeit die Stadt Regensburg mit der Aufforderung, stets einen Tisch erlesener Pralinées bereit zu halten, damals der ultimative Gaumenkitzel für alle Naschkatzen. Und damit der Ursprung einer Sitte, die sich erfreulicherweise im „Café Prinzess“ am gleichen Ort bis heute erhalten hat.

Zwitschernde Domspatzen

© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2016
© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2016

Oder ist nicht gar der Dom, das imposante Wahrzeichen der Stadt, als kulturelles Zentrum anzusehen? Älter als der Kölner Dom und in vielfacher Hinsicht sogar dessen Vorbild, überragt er die Stadtkulisse und überzeugt architektonisch mit seinem gotischen Erscheinungsbild. Jeden Sonntag zwitschern hier die „Regensburger Domspatzen“, die als ältester Knabenchor der Welt nicht nur über eine unglaublich hohe Klangqualität, sondern dazu auch über ein vielfältiges musikalisches Repertoire verfügen.

Allerneuestes Kleinod des Doms ist die Orgel, die mit ihren achtzig Registern als die größte frei hängende Kirchenorgel der Welt an Stahlseilen vom Gewölbe herab hängt. Domorganist Franz Josef Stoiber, der mit Hilfe eines kleinen Fahrstuhls nach oben zu seinem Spieltisch gelangt, entlockt ihr bei einer sommerlichen Konzertreihe eine unglaubliche Klangfülle. Vom kaum hörbar dahin gehauchten Pianissimo bis zur Plenum-Registrierung, die in ihrer Klangfülle und Wuchtigkeit die Trompeten des Jüngsten Gerichts vorwegzunehmen scheint.

Pakt mit dem Teufel

Teil der Stadtinszenierung ist auch die Donau, die von hier aus in Richtung Südosten dem Schwarzen Meer entgegen eilt. Als architektonisches Wunder erweist sich bis heute die Steinerne Brücke, die als älteste deutsche Steinbrücke architektonische Maßstäbe setzte. Zeitgleich errichtet mit dem Dom, wollte der Brückenbaumeister einer Legende nach den Wettlauf mit der Zeit gewinnen. Dazu verbündete er sich mit dem Teufel, der für seine Hilfe die drei ersten Lebewesen einforderte, die sie nach Fertigstellung überquerten. Der Coup ging jedoch anders aus als geplant, da der Teufel nicht mit dem Witz des Brückenbaumeisters gerechnet hatte. So musste er sich grollend mit drei Haustieren zufrieden geben.

Unweit der Brücke befindet sich die Anlegestelle der Schiffe nach Walhalla. Jenes hoch über dem Donauufer aufragende Tempelgebäude, dessen breite Freitreppe den Blick auf die Regensburger Donaulandschaft freigibt. Und drinnen die auf Geheiß König Ludwigs I. dort angebrachten Marmorköpfe der deutschen geistigen Elite. Zuletzt der von Heinrich Heine, der sich über eine Vielzahl seiner Kollegen sicherlich in beißendem Spott lustig gemacht hätte.

Zweithöchste Kneipendichte

© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2016
© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2016

Zurück an der Steinernen Brücke, wartet Appetit anregend die „Historische Wurstkuchl“. Spezialisiert auf sechs Bratwürste auf Kraut, steht sie in einer fünf Jahrhunderte alten Tradition. Diese wird bis heute am Flammen sprühenden Herd von zwei Spezialistinnen nach allen Regeln der Kunst zelebriert gemäß den Regeln bayerischer Deftigkeit.

Deftig geht es natürlich auch zu auf den in der Stadt ausliegenden Getränkekarten. Nach Düsseldorf versehen mit der zweithöchsten Kneipendichte per Einwohner, hat sich in Regensburg im Laufe der Zeit eine eigenständige Biertradition herausgebildet. Wobei das „Weltenburger am Dom“ den Vogel abschoss, als es mit seinem „Dunkel“ eine gefällige neue Kreation auf den Markt brachte. Laut Getränkekarte „das älteste Dunkel der Welt, vollmundig, malzaromatisch, feinherb mit leichter Süße, feincremig in der Farbe wie warmbrauner Bernstein, Geschmack und Duft intensiv, kräftig und packend“. Ergebnisse, zu denen man mit etwas Erfahrung auch gelangt, ohne selbst ein Bier-Sommelier zu sein.

Schwerer Duft des Schnupftabaks

Bliebe da noch die dunkle Seite von Regensburg, die zum Glück weit zurück liegt. Sie verbirgt sich in den finsteren Kellern und Verliesen des Alten Rathauses und findet ihren Höhepunkt in der noch im Original erhaltenen Folterkammer. Sicherlich war es damals oft leichter, ein Geständnis abzulegen und dafür mit dem Tode bestraft zu werden, als sich unter unmenschlichen Torturen quälen zu lassen. Und dies oftmals unschuldig, so Rathausführer Robert Ebner, da nicht auch der Ankläger unter solch entwürdigenden Umständen zum Wahrheitsgehalt seiner Beschuldigung befragt wurde.

Wie viel angenehmer dagegen die Räumlichkeiten der einstigen Schnupftabak-Fabrik, mit deren Geheimnissen sich Stadtführer Christian Schoppe bestens auskennt. Noch heute liegt ein schwerer Tabakduft in der Luft, wie er sich beim Pulverisierungsprozess der fermentierten Tabakblätter entwickelte bis zur Abfüllung des Tabakpulvers in schmucken Schnupftabakfläschchen. Durch deren Öffnung wurden kleine schwarze Häufchen auf dem Handrücken geschüttet, die sich von dort mit der Nase genüsslich und geräuschvoll in die Nasen-Nebenhöhlen einsaugen ließen. Eine Tradition, daran wird erinnert, die noch von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt gepflegt wurde.

Die Zeit vergessen

© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2016
© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2016

Natürlich gehören die Abende in Regensburg einem der ausgefallenen Speiserestaurants. Zum Beispiel dem „Leeren Beutel“ in einem ehemaligen Kornspeicher. In unmittelbarer Nähe zur Minoritenkirche gelten hier in den Gewölben die Regeln des „Slow Food“. Nicht nur in der Herstellung der Gerichte, wie Inhaber Winfried Freisleben betont, sondern auch im verantwortungsvoll betriebenen Anbau der einzelnen Naturprodukte.

Mit dem „Storstad“ verfügt Regensburg seit kurzer Zeit sogar über ein Sternerestaurant, das es in sich hat. Mit Blick über die Türme und Dächer der Stadt von der Restaurantterrasse aus ließe sich hier fast die Zeit vergessen. Wären da nicht die von Sternekoch Anton Schmaus zubereiteten Delikatessen, die mit Einbruch der Dunkelheit die Blicke zurück auf den Teller lenken. An der reichhaltig ausgestatteten Bar würde sich zweifellos auch James Bond seinen Wodka-Martini schütteln lassen.

Reiseinformationen “Regensburg”:

Anreise: Regensburg ist erreichbar mit der Bahn per ICE, EC, IC und mit IR-Zügen; mit dem Auto über die A3, A93, B8, B15, B16 sowie über die Flughäfen Nürnberg und München.

Reisezeit: Als Reisezeit empfiehlt sich im Sommerhalbjahr besonders die Festspielzeit: Web: www.schlossfestspiele-regensburg.de; im Winter vor allem die Zeit der Adventsmärkte.

Unterkunft: Hotel Bischofshof; Hotel Goliath am Dom; Hotel zum fröhlichen Türken; Hotel am Peterstor

Essen und Trinken: Storstad; Leerer Beutel; Weltenburger am Dom; Regensburger Ratskeller; Spitalgarten

Auskunft: Regensburg Tourismus GmbH, Wahlenstraße 17, 93047 Regensburg, Telefon: 0941-5074410, -4411, E-Mail: tourismus@regensburg.de, Web: www.regensburg.de; Bayern Tourismus: Web: www.bayern.by

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde unterstützt von Regensburg Tourismus und Schlossfestspiele Regensburg.




Kleiner Fischerort mit großem Programm – Zwei Wochen im September, zwei Wochen in St. Ives

St. Ives, UK (MaDeRe). Zwei Wochen im Jahr dreht sich in St. Ives, einem etwas über 10 000 Einwohner zählenden Hafenstädtchen an der langen Küste Cornwalls, die als Grafschaft zu England gehört, alles um Musik, Kunst und Theater. Statt an den wunderbaren Stränden zu liegen, von denen es in der Stadt gleich drei gibt, und an unter der sengenden Sonne zu aalen drehen sich die Leute um die internationale und cornische Kultur.

Keine Frage: Porthminster Beach und Porthmeor Beach und der kleine Strand Porthgwidden Beach laden zum Lümmeln und Baden ein, doch dass St. Ives September Festival lädt zur Kultur.

Doch wenn man schon einmal vor Ort ist: Für echten Strandurlaub sind vor allem die Carbis Bay und die St. Ives Bay bestens geeignet mit ihren ausgezeichneten Stränden. Der Strand der St. Ives Bay ist wie die anderen feinsandig, vor allem aber breit und kilometerlang. Kein Wunder, dass der Tourismus spätestens mit dem Bau der Eisenbahn bis St. Ives im Jahre 1877 begann. Fast 140 Jahre später hält der Boom an den Bays weiter an. Auch in diesem Sommer ist in St. Ives die Hütte voll.

Nach dem Hoch- und Badesommer, trotz des Golfstroms ist das Wasser frisch, findet vom 10. bis zum 24. September 2016 in St. Ives ein Festival statt, das den bevorzugten Badeort seit nunmehr 38 Jahren auch kulturell bereichert, obwohl es die Tate Gallery St. Ives, die direkt an der Porthmeor Beach liegt und eine von vier Tate Gallerien im Vereinigten Königreich ist, seit 1993 das ganze Jahr über tut. Vor allem cornische Künstler werden dort ausgestellt.

Bemerkenswert sind zudem die Gärten. Ein Besuch in den St. Ives Gardens ist großes Glück, denn nicht nur Grün sondern auch Kunst warten auf die Gäste, vor allem die von Barbara Hepworth, weswegen ein Rundgang durch das Barbara Hepworth Museum samt Skulpturengarten sehr empfohlen sei. Auch ein Blick in die Leach Pottery und den St. Ives Arts Club, der 1890 gegründet wurde, möchte sein.

Für viele Kulturreisende ist die verwinkelte Altstadt von St. Ives Kunst und Kulisse genug, durch die sie kreuz und quer, rauf und runter schlendern, um in den Geschäfte zu stöbern, in den Restaurants zum Teil gut zu essen und in den Pubs fröhlich zu trinken.

Das alles und mit über 300 Veranstaltungen in zwei Wochen noch viel mehr bietet das St. Ives September Festival mit musikalischen (auch Falk und Jazz) und theatralischen Aufführungen, künstlerischen Ausstellungen und jede Menge Lesungen, klugen Vorträgen und cineastischen Vorführungen (Modern Times, Annie Hall, Some like it hot und The Big Lebowski).

Wie wäre es also mit einer Bade- und Kulturreise im September nach St. Ives?!




Nordische Küsten des Lichtes – viele Wege führen nach Stockholm

Stockholm, Schweden (Kulturexpresso). Erstaunlich schnell entlädt die Fähre in Trelleborg nach der nächtlichen Überfahrt von Travemünde ihre Fracht. Es ist noch früh am Tag kaum Verkehr auf den Straßen. Die Menge der über die Ostsee transportierten Autos verteilt sich in alle Richtungen. Schonen, die südlichste Provinz Schwedens ist von großflächigen Feldern geprägt, eine beschauliche Landschaft, nichts Aufregendes. Wären da nicht Radarfallen, käme man leicht in Versuchung etwas mehr Gas zu geben.

Historische Festungen und Weltkulturerbe

Die Einen behaupten es sind 1650, die Anderen es wären 1993 Schären, die sich in Schwedens südlichstem Schärengarten um Karlskrona scharen. Die Hafenstadt an der Ostsee in der südschwedischen Provinz Blekinge wurde 1680 von Karl XI. gegründet. Vater war Gustav von Schweden X. und seine Mutter dessen Frau Hedwig von Schleswig-Holstein-Gottorp. Als er bereits mit 5 Jahren die Königskrone erbte, konnte er wohl kaum ahnen, dass noch nach 300 Jahren die Stadt in der er einst eine Marinebasis errichtete 1998 Weltkulturerbe wird und begeisterte Besucher durch die historischen Straßen und den Hafen bummeln. Bei einer Schärengartentour mit Boot erhält man den besten Überblick. Oder man gelangt per Brücke dorthin. Auf der östlich gelegenen Insel Stumholmen lohnt sich ein Stopp beim Kungsholmen Fort. Die Wehranlage bewacht seit 1680 den Eingang zur Stadt. Maritim Interessantes zeigt auch das Marinemuseum, das sich seit Sommer 2014 mit einer U-Boothalle präsentiert. Die HMS Hajen war das erste U-Boot der schwedischen Flotte von 1904. Noch aus der Zeit des kalten Krieges stammt die HMS Neptun. Trotz der imposanten Größe ging es im Innern der Boote doch bedrückend eng zu. Bei der Rückkehr aus den düsteren Schiffen ins Freie bläst einem frischer Wind entgegen. Auf dem Wasser nützen Segelboote die steife Brise bei herrlichem Sonnenschein.
Die Marinebasis ist auch heute noch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Sie führte zur Gründung von Werften zum Kriegsschiffbau und ist der größte Arbeitgeber. Bei der wichtigen Rolle welche die Marine damals wie heute in Karlskrona spielte ist es nicht verwunderlich, dass die größte 1697 erbaute Holzkirche Schwedens den Namen „Admiralitätskirche“ erhielt.

Nur ungefähr eine Fahrstunde von Karlskrona entfernt erreicht man Kalmar mit dem bekannten Schloss in der Provinz Småland am zur Ostsee gehörenden Kalmarsund. Einst lag die Stadt an der Grenze zwischen Dänemark und Schweden, mehrere Schlachten zwischen den Staaten fanden hier statt. Gegen Ende des Schonischen Krieges 1679 wurde Kalmar geschlagen. Längst sind diese kriegerischen Zeiten vorbei und der Besucher trifft auf eine moderne Stadt mit allen Annehmlichkeiten. Trotzdem haben die historisch bedeutenden Stadtteile nicht an Attraktivität verloren. Heute trinkt man entspannt seinen Capuccino wo früher in zähen Kämpfen über das Schicksal der Menschen entschieden wurde. Zudem besitzt Kalmar mit dem „Saga“ das älteste noch in Betrieb befindliche Kino Schwedens. Eine neuzeitliche „Sehenswürdigkeit“ ist die 6 Kilometer lange Brücke auf die Insel Öland. Unzählige Orchideen-Arten lassen vor allem im Frühjahr das scheinbare Ödland erblühen. Die Alvared-Heide ist ein beliebtes Forschungsgebiet bei Naturfreunden.

Die Reiseroute nach Stockholm entlang der Ostsee würde wohl Wochen dauern, würde man all die Stichstraßen zum Wasser zu den malerischen Hafenstädtchen verfolgen. Manchmal gibt es auch ein „nächstes Mal“.

Schloss Gripsholm – Wasser, Licht, Kunst und eine Sommergeschichte

In Mariefred, rund 60 km westlich von Stockholm, erhebt sich über den klaren Wassern des Mälarsees der Inbegriff schwedischer Romantik: Schloss Gripsholm. Malerisch ruhen die vier gewaltigen runden Türme aus hellrotem Backstein, die je nach Sonnenstand in verschiedenen Rottönen leuchten im Wasser. Das Gebäude hat eine abwechslungsreiche Baugeschichte hinter sich.
Die Entstehung des festungsartigen Schlosses geht sogar bis in das 14. Jahrhundert zurück. Heute beherbergt es eine spektakuläre Möbel- und Porträtsammlung.

„Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis“. Ein schlichtes Grab unter einer alten Eiche mit diesem Goethe-Zitat auf dem Gemeinde-Friedhof in Mariefred ist die letzte Ruhestätte Kurt Tucholskys. Bekannt für sein „Schloss Gripsholm“ eine beschwingte Sommergeschichte, kehrte er 1929 desillusioniert Deutschland den Rücken. Auch seine messerscharfen Essays gegen den aufkeimenden Nationalsizialismus brachten ihm keine Ruhe. 1935 setzte er mit einer Überdosis an Schlaftabletten seinem unglücklichen Leben ein vorzeitiges Ende.

Stockholm, die Stadt die auf dem Wasser schwimmt

„Es war eines Abends Anfang Mai. Die Sonne stand über Liljeholmen und schoss ganze Strahlenbündel gen Osten, sie brachen durch den Rauch von Bergsund, eilten über den Riddarfjärden, kletterten zum Kreuz der Riddarholmkyrkan hinauf, warfen sich über das steile Dach der Tyska Kyrkan spielten mit den Wimpeln der Schiffe an der Skeppsbron, illuminierten die Fenster am großen Seezoll, erleuchteten die Wälder auf Lidingö und verklangen weit, weit in der Ferne in einer rosafarbenen Wolke“. August Strindberg konnte in einem Satz Stockholm beschreiben. So geschehen in seinem Roman: „Das rote Zimmer“ mit dem er sich einen Platz in der Literaturgeschichte erwarb.
In Stockholm geht es turbulent zu. Der stundenlange starke Regen bildet kleine Seen in den Unterführungen. Auch auf der Straße steht das Wasser. Die Feuerwehr ist im Einsatz. Fußgänger weichen spritzenden Autos und Pfützen aus. Am Tag darauf: Ein strahlend blauer Himmel über der Stadt und nur ein paar Wolkenfetzen von der sich langsam auflösenden Feuchtigkeit des Vortages werden vom Wind verblasen. Längst sind die Bänke der Grünanlagen von Familien belegt, welche die wärmende Sonne genießen während sich Kinder in den verbliebenen Wasserpfützen vergnügen. Das Zusammentreffen von Ostsee und Mälarsee war eine ideale Voraussetzung zur Bildung einer Siedlung. Über Jahrhunderte hat diese Lage Stockholm geprägt, denn von hier aus wurden Waren ins Landesinnere transportiert. Heute genießen Touristen wie Einheimische gleichermaßen die Wasserarme zwischen den ca. 30.000 Inseln. Stockholm ist jedoch nicht nur Wasserstadt sondern auch Kinderbuchhauptstadt. Astrid Lindgren, Autorin zahlreicher berühmter Kinderbücher lebte jahrzehntelang in der Dalagatan in Vasastan. Und natürlich steht Stockholm alljährlich im Fokus des internationalen Interesses bei der Verleihung der Nobelpreise. Im Wallenbergrummet, einem kleinen Armee-Museum wird eines weiteren berühmten Stockholmers gedacht. Raoul Wallenberg rettete 1944 Tausende von Menschen in Budapest vor der Deportation nach Ausschwitz.

Die engen Gassen mit den alten Kaufmannshäusern in Gamla Stan sind ein Treffpunkt nicht nur für Touristen. Hier findet man alles von Kitsch bis Kunst an skandinavischem Handwerk. Oder man genießt einfach den Blick aufs Wasser von einem der zahlreichen Straßencafés. Vor ungefähr 750 Jahren wurde auf der kleinen Insel Stadsholmen die schwedische Hauptstadt gegründet. Die deutsche Kirche „Tyska Kyrkan“, in der jeden Sonntag noch auf Deutsch gepredigt wird, gibt Zeugnis welche Bedeutung die deutschen Hansekaufleute für den wachsenden Wohlstand in jener Zeit hatten. Bei einer Gruseltour durch diesen Stadtteil wird man in allerhand Schauergeschichten von Mord, Seuchen und Feuersbrünsten eingeweiht. Oder man wandelt auf Stieg Larson´s Spuren. Dieser Spaziergang durch Södermalm führt an den Schauplätzen der Trilogie vorbei. Etwas weniger mörderisch geht es bei den Anglern vor dem Schloss und dem Parlamentsgebäude zu. Hier verlieren nur die Fische ihr Leben.

Aus dem futuristischen Museumsgebäude strecken sich Schiffsmasten gen Himmel. Vor dem Kartenschalter eine lange Schlange, die jedoch schnell vorankommt. Das Vasa-Museum, inzwischen zum beliebtesten Museum Skandinaviens aufgerückt mit dem weltweit einzigen erhaltenen Schiff aus dem 17. Jahrhundert ist ein Muss jeder Stockholmtour. Das imposante Kriegs-Schiff, das nur wenige hundert Meter vom Hafen bei seiner Jungfernfahrt sank, wurde nach 333 Jahren vom Meeresgrund geborgen. Fast ein halbes Jahrhundert dauerte die Restaurierung, bei der zu 95 % Originalteile verwendet wurden. Mit modernster Technik wurden Modelle der Menschen „rekonstruiert“, die mit dem Schiff untergingen. Eine Wind-Bö brachte es in Schräglage. Wasser drang durch die Kanonenlöcher ein. Damit war das Schicksal der stolzen Vasa besiegelt.

ABBA – Legende der schwedischen Musikszene

Beim Gang in das Untergeschoss tönt von allen Seiten „Waterloo“, der Song mit dem die schwedische Pop-Gruppe ABBA 1974 den Eurovisionstest in Brighton gewann. Nur ca. 5 Minuten zu Fuß vom Freilichtmuseum Skansen und dem Vasa-Museum entfernt wurde den vier Künstlern schon zu Lebzeiten ein Denkmal in der brandneuen „Swedish Music Hall“ auf der Insel Djurgarden gesetzt.
Obwohl die Gruppe eigentlich nur 10 Jahre offiziell bestand, ist die Musik von Agneta, Björn, Benny und Anni-Frid auch heute noch fast täglich im Radio zu hören. Es gelang ihnen bestimmte Klangteile zu kombinieren, die sich als sehr einprägsam erwiesen. Das Musical Mamma Mia besuchten 50 Millionen Menschen. In Form von gelungenen Silikon-Figuren stehen die Vier im Museum. Ebenso ausgestellt das glamouröse Outfit samt Plateauschuhen. Jeder Besucher kann sich auch selbst mit der Interpretation der bekannten Songs versuchen. Leben und Werdegang der weltberühmten Gruppe werden auf vielfältige Weise dargestellt. Dazu, natürlich keine Frage, die bekanntesten Lieder. Stockholm war übrigens die Stadt wo die Band ihre ersten Erfolge hatte und wo die meisten ihrer Hits aufgenommen wurden.
Die Melodie von „Hasta Manana“ noch im Ohr geht es zurück ins Hotel. Vielleicht nicht gleich morgen aber bestimmt bei einem weiteren Besuch gilt es noch viel in dieser Stadt und ihrem Umland zu entdecken.

Informationen:

Anreise z. B. mit TT Line von Travemünde nach Trelleborg; Abfahrten tägl. abends mit den Premium Schiffen Nils Holgerson oder Peter Pan, und Ankunft am nächsten Morgen in Südschweden; häufig das Jahr über Sonderpreise

Auskünfte über Reiseziele in Schweden gibt es in Deutschland bei Visit Schweden per E-Mail unter germany@visitsweden.com bzw. telefonisch unter 069-22223496

Reiseliteratur: „Die Hauptstädte Europas“; ob Stockholm, Helsinki, Paris oder Warschau – all diese Städte haben ihre wechselvolle Geschichte, historische Gebäude, lebendige Atmosphäre, Parks und Museen. Viele davon etablierten sich ab dem ausgehenden Mittelalter als Landeszentren und sind heute wahrhafte Weltstädte. 47 Städteportraits; Beschreibung der touristischen Highlights, wissenswerte Daten und Fakten, 240 Seiten; Kunth-Verlag, Format 23,1 x 29,5 cm, Kunth-Verlag, Preis: 19,95 Euro (D)




Mythos “Broadway” – Expedition in das Zentrum des Musicals

New York, USA (Kulturexpresso). Nirgendwo gibt es eine ähnliche Fülle ausgefallener Bühnenprogramme wie rund um den Times Square.

Es ist eine unverhoffte Explosion aus Farben, Licht und Energie. Ein geradezu rauschhaftes Geschehen, das in seinem Epizentrum zunächst Herzklopfen hervorruft, sodann aber die Sinne beflügelt und Fantasien freisetzt: Wenn sich die Saaldecke aus der Froschperspektive heraus in eine Wasseroberfläche verwandelt, auf der aufreizende Gestalten lebenslustig und ausgelassen in dem feuchten Element aufzugehen scheinen. Quirligen Rheintöchtern zum Verwechseln ähnlich, diesmal jedoch in den Fluten des East River?

Erstaunen auch, wenn sich der schwarze kubische Innenraum mittels Projektion und Folieninstallation in die Weiten des Weltraums verwandelt. Wo außerirdische Wesen in schwereloser Leichtigkeit des Seins Zeit und Raum vergessen machen. Ausgangspunkt des Geschehens, so wird man sich am Ende dieser fantastischen Ausflüge ins Irgendwo bewusst, ist das Daryl Roth Theatre, das am New Yorker Broadway mit seiner exquisiten Show „Fuerza Bruta“ das Publikum nun bereits seit geraumer Zeit zu völlig neuen Wahrnehmungen und Erfahrungen anfeuert.

Leuchtende Funken

Kein Zweifel: Manhattan ist wie eh und je das Weltzentrum des Show Business. Weil der New Yorker Stadtteil zwischen Hudson- und East River mit seinen gigantischen Wolkenkratzern sich bereits selbst als gigantische Kulisse präsentiert? An deren Gittergeflecht zwischen Längs- und Querstraßen schon seit Neu Amsterdamer Zeiten so manches historische und kulturelle Dekorationsstück hängen geblieben ist. Allen voran der Broadway, der am Times Square, abweichend vom üblichen Schachbrettmuster, mit der 7. Avenue diagonal kollidiert.

Leuchtenden Funken gleich finden sich als Folge dieser Kollision in den Nebenstraßen an die vierzig Theater, die zu New York dazu gehören wie einst die Eulen zu Athen. Besonders sind es die Musicals, die hier seit Jahrzehnten das kulturelle Leben bestimmen. Klassiker wie „Chicago“, „Les Misérables“ und „The Lion King“. Aber auch unbekannte Shows wie „The Color Purple“, „Kinky Boots“ oder „On your Feet“, die in der europäischen Erfahrungswelt offenbar noch auf ihre Entdeckung warten.

Backstage-Gewimmel

Attraktiv wird es vor allem, so die Broadway-Spezialistin Rachael Singer beim Blick hinter die Kulissen des gepflegten Broadway Theatre, wenn Tradition und Neuschöpfung sich miteinander mischen. So wie beim „Fiddler on the Roof“, wo man den Künstlern im Backstage-Gewimmel nach erbrachtem Bühneneinsatz förmlich ansieht, dass ihnen mit der soeben vorgestellten Aktualisierung ein großer Wurf gelungen ist. Zwar treffen die zündenden Songs über die Tradition, das Leben und über den Wunsch vom schnellen Reichtum noch immer zielsicher die Herzen des Publikums.

Doch die Tanzeinlagen der alten Inszenierung von Jerome Robbins bedurften der Erneuerung. Eine Aufgabe, der sich der Londoner Choreograph Hofeyh Schechto stellte und eine mustergültige choreographische Neuversion ablieferte. Und nun mit dieser genialen tänzerischen Vermittlung jüdischen Brauchtums, zum Beispiel im originellen Hochzeits-Flaschentanz, beim Publikum wahre Begeisterungsstürme auslöst.

Musentempel besonderer Art

Selbst die ehrwürdige Metropolitan Opera gehört im weitesten Sinne zu den Broadway-Aufführungsstätten hinzu. Ehrfurcht gebietend lässt das festlich erleuchtete Gebäude keinen Zweifel daran, dass es mit seinen riesigen Dimensionen alle anderen Broadway-Schauplätze an Größe bei weitem übersteigt. Allein die langen schlanken Säulen, die die riesige Glasfassade unterteilen, zeichnen sie als einen Musentempel der besonderen Art aus.

Entsprechend großzügig ist auch der Bühnenbereich ausgelegt, der in nahezu unbegrenzter Weite bei Inszenierungen jedweder Art Raumprobleme gar nicht erst aufkommen lässt. Das gilt natürlich auch für George Bizets Oper „Die Perlenfischer“. Ein ganzes Fischerdorf hat dabei hinter dem Orchestergraben Platz, ja selbst für die Illusion zerstörerisch herein brechender Tsunami-Wogen. Hervorragend geeignet für die bezaubernde Sängerin Diana Damrau aus Deutschland, die als die Hauptdarstellerin Leila mit ihrem wunderbar tragenden Sopran dazu beiträgt, den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.

Angebots-Eldorado

Ein unglaublich vielseitiges musikalisches Feuerwerk ist es, das hier allabendlich rund um den Times Square gezündet wird. Das jedoch bereits vor der Reise über den Atlantik Kopfzerbrechen bereitet: Was steht wann zur Auswahl? Und vor allem: Wo und wie kann ich zuverlässig buchen? Denn vor Ort könnte es für die freie Auswahl der bevorzugten Stücke längst zu spät sein.

Rat weiß Krista Canfield, eine der Organisatorinnen der „Gogobot“-Website, die das Angebots-Eldorado der New Yorker Kulturszene überschaubar macht. Und darüber hinaus, darauf legt sie besonderen Wert, auch das Auge schärft für das Drum und Dran eines Theaterbesuchs in Big Apple. Für die lokalen Schätze und Angebote, die Anlässe und Ereignisse, auf die man als Zugereister allein nicht so leicht käme.

Verkehrte Welt

Gehört dazu nicht auch das legendäre „The Knickerbocker“, ein Hotel mit Tradition direkt am Times Square? Zu Beginn des letzten Jahrhunderts aufwändig erbaut von Jakob Astor als eine Nobelherberge im Stil der Beaux Arts und dennoch eine verkehrte Welt. Musste doch, so erklärt es Hotel Manager Igor Apraiz, die gut betuchte Kundschaft für die Übernachtung nur zwei Dollar, für das Essen jedoch fünfhundert Dollar hinblättern. Damit war es das unübertroffene Szene-Hotel der damaligen High Society. Besonders glänzte es mit Stars wie dem italienischen Operntenor Enrico Caruso, der hier während seiner Opernauftritte logierte. Und mit seinen sprichwörtlichen wilden Partys, bei denen erstmals die hier von Barkeeper Martini konzipierten „Martinis“ ausgeschenkt wurden.

Bis das Hotel im Zeitalter des Alkohol-Verbots in seinem Inneren als Bürogebäude zweckentfremdet wurde, vor wenigen Jahren jedoch zu seinen Ursprüngen zurück kehrte. Zwar weniger üppig als vor hundert Jahren. Aber doch ausgestattet mit stilvollen Zimmern und Suiten zu erschwinglichen Preisen. Und mit einer unglaublichen Dachterrasse, von der aus man in der Silvesternacht in unmittelbarer Nähe die legendäre Kugel vom Times Building herab fallen sieht.

Buchungs-Kunstgriff

Auch was die Buchung der Broadway Shows anbelangt, bedurfte es eines Kunstgriffs. Dieser bestand darin, dass man die Broadway-Theater zu einer überschaubaren „Broadway Collection“ zusammen fasste und dadurch den Kartenverkauf wesentlich vereinfachte. Schmunzelnd erinnert sich Charles Flateman von der „Broadway Inbound“-Agentur an die von ihm geleistete Überzeugungsarbeit, mit der er sich schließlich durchsetzte.

Der Erfolg lag schnell auf der Hand. Denn nicht nur ist es nun möglich, die einzelnen Tickets zentral zu kaufen. Darüber hinaus empfiehlt es sich sogar, sie bereits vor Reiseantritt über den Reiseveranstalter zu buchen, um sich bei dem stets als zu kurz empfundenen Aufenthalt zwischen Hudson River und East River nichts entgehen zu lassen.

Quellen des Show Business

Wie beispielsweise das „Sardi’s“, ein Broadway-Restaurant in unmittelbarer Nähe des Times Square. Hier hinterließ in den letzten einhundert Jahren jeder seine Fußspuren, der auf einer der Broadway-Bühnen an seiner Karriere arbeitete. Von Henri Fonda und Yul Brynner über Lauren Bacal und Paul Newman bis hin zu Leonard Bernstein und Sammy Davis jr. Es ist wie ein Eintauchen in die Quellen des Show Business, die sich an diesem speziellen Ort zu einem breiten Strom verdichten.

Das zeigen die vielen hundert Künstler-Portraits, die die Wände des „Sardi’s“ in lückenloser Reihe zieren. Und David, einer der diensteifrigen Kellner, lässt es sich nicht nehmen, bei der Schatzsuche in dieser einmaligen Galerie behilflich zu sein. Ein weiterer unverwechselbarer Bestandteil des inspirierenden Mythos „Broadway“.

Reiseinformationen “USA / Broadway”

Anreise: Günstig mit United Airlines ab Frankfurt nach Newark/NJ, ab Euro 550. Von dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Manhattan.

Einreise: Mit Reisepass und Teilnahme am US Visa Waiver Programm für eine elektronische Einreiseerlaubnis (“ESTA”)

Reisezeit: Ganzjährig, wenn der Schwerpunkt auf dem Broadway-Programm und Museumsbesuchen liegt. Sonst empfiehlt sich die Reiseperiode von Frühjahr bis Herbst.

Reisebuchung: Bei Reisebuchungen nach New York empfiehlt sich die vorherige Lektüre der Info-Website www.gogobot.com sowie die Buchung des Broadway-Kulturprogramms bereits in Deutschland, www.broadwaycollection.com

Unterkunft: Unbedingt empfehlenswert “The Knickerbocker”, 6 Times Square, New York NY 10036, Tel. 001-2122044930, knickfrontdesk@theknickerbocker.com, www.theknickerbocker.com, ab USD 300 p.R. o.F; und das “Archer Hotel”, 45 West 38th Street, New York NY10018, Tel. 001-212 7194100, Anthony.bosco@archerhotel.com, www.archerhotel.com, ab USD 150 p.R. oF

Anmerkungen:

Die Recherche wurde unterstützt von „Broadway Inbound“ und „The Broadway Collection“. Die Erstveröffentlichung des Beitrags von Dr. Bernd Kregel erfolgte am 6. Februar 2016, um 10:18 Uhr MEZ im Weltexpress.




Starparade der Prachtfassaden – Die Wiener Ringstraße im Jubiläumsfieber

Wien, Österreich (Kulturexpresso). Auch nach 150 Jahren gelingt in Wien das Zusammenspiel von imperialer Pose und bürgerlichem Glanz.

Ob sich der türkische Großwesir Kara Mustafa Pascha aus dem Jenseits heraus wohl ungläubig den Bart raufte? Denn immerhin hatte die Wiener Stadtmauer während des letzten Türkenkrieges mit ihren mächtigen Wehranlagen bis zuletzt seiner geballten militärischen Schlagkraft standgehalten.

Was damals jedoch seine wuchtig aufschlagenden Kanonenkugeln nicht geschafft hatten, das vollbrachten nun seine einstigen Gegner aus freien Stücken mit Hilfe einfacher Spitzhacken. Als Voraussetzung genügten allein die unaufhaltsame Bevölkerungsexplosion im Inneren des Mauerringes sowie ein einziger schwungvoller Federstrich von Kaiser Franz Joseph, um eine der widerstandsfähigsten Festungsanlagen des Abendlandes dem Erdboden gleich zu machen.

Aufbruchsstimmung der Gründerjahre

So beängstigend diese verteidigungstechnische Selbstentblößung für manche auch sein mochte, so befreiend wirkte sie demgegenüber auf viele Andere. Schienen doch, so Stadtbegleiterin Alexa Brauner, ganze Heerscharen von Städteplanern und Architekten, Baumeistern und Ingenieuren bereits auf diese Gelegenheit gewartet zu haben.

Denn bot nicht die frei gewordene Fläche mitsamt ihrem vorgelagerten Grüngürtel eine nie dagewesene Möglichkeit, um städtebaulich etwas ganz Besonderes zu schaffen? „Etwas Außergewöhnliches“, so Alexa weiter, „das nicht nur die imperiale Größe des Habsburger Kaiserreiches atmete, sondern darüber hinaus auch dem Repräsentationsbedürfnis des aufstrebenden Bürgertums in der Aufbruchsstimmung der Gründerjahre Rechnung trug.“

Phönix aus der Asche

Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. So entstand innerhalb kürzester Zeit ein fünf Kilometer langer Alleenring, der sich trotz aller unterschiedlichen Baustile und ornamentalen Verschiedenheiten in harmonischer Einheit verdichtete zur städtebaulichen Essenz des neuzeitlichen Wiens. Über lange 150 Jahre hinweg, seit die Wiener Ringstraße am 1. Mai 1865 im Beisein von Kaiser Franz Joseph pompös eröffnet wurde. Erstanden nach beispiellosem Bauboom wie ein Phönix aus der Asche und seitdem einer der schönsten und prächtigsten Boulevards der Welt.

Wem dieses Ambiente heute am Vorabend des Ring-Jubiläums jedoch als zu strahlend erscheint, für den bietet Thomas Preyer als Erfinder des „PolaWalks“ die Gelegenheit, sich mit einer geliehenen originalen Polaroidkamera auf den Weg zu machen. Einmal rings herum in der Absicht, die leuchtenden Prachtfassaden fotografisch etwas dezenter einzufangen im Stil der guten alten Zeit. So die von Kunst- und Naturschätzen überquellenden Museen am Maria-Theresien-Platz oder die wuchtigen Stätten politischer Entscheidungen wie das Rathaus und das Parlamentsgebäude gegenüber dem Volkspark.

Universum Staatsoper

Jedes dieser Gebäude in seinen Dimensionen gleichsam ein Universum für sich. Dies gilt ganz besonders für die Wiener Staatsoper, als Haus mit dem größten Repertoire eines der wichtigsten Opernhäuser der Welt. Als ebenso sehenswert wie der prächtige Zuschauerraum, alljährlich Veranstaltungsort des legendären Wiener Opernballs, erweist sich auch das technische Drum und Dran hinter den Kulissen. Denn fast so unübersichtlich wie das Labyrinth von Knossos, verfügt der Bühnenbereich hinter dem „Eisernen Vorhang“ neben der Hauptbühne über eine jederzeit aktivierbare Drehbühne sowie zusätzliche Nebenbühnen.

Oliver Sturm, Technischer Assistent in diesem Bühnen-Wirrwarr, zeigt sich beim Abstieg in die für den Besucher ungewohnte Unterwelt mit jeder von ihnen bestens vertraut. Vom Modernisierungsgrad her zwar nicht unbedingt auf ihrem allerneuesten Stand, ist der Bühnenfachmann doch fest davon überzeugt, dass von ihm und seinen Kollegen „technisch das Maximale herausgeholt wird“. Mit dem Erfolg, dass unvorhergesehene Patzer kaum vorkommen. Nicht einmal nach längerem Überlegen fällt ihm zu diesem Albtraumthema etwas ein, außer irgendwann einmal ein defekter Bühnenscheinwerfer.

Kaffee-Raffinessen

Auch die Kaffeehäuser an der Ringstraße sind wie die städtischen Bühnen aus dem Wiener Kulturleben nicht wegzudenken. Ihre unfreiwilligen Gründungsväter, so die Legende, seien die vom Kaffeegenuss berauschten Türken, die damals bei ihrer übereilten Flucht die prall gefüllten Kaffeesäcke vor den Mauern Wiens zurückließen. Unvermeidlich fällt beim Ring-Rundgang der Blick auf das Café Prückel am Stubenring oder das Café Landtmann in unmittelbarer Nähe des Burgtheaters. Weltweit einzigartig und mitsamt den anderen Wiener Kaffeehäusern unlängst gar in den Rang eines „immateriellen Landeskulturerbes der UNESCO“ erhoben.

Die Begründung dafür liefern vor allem die klassischen Kaffee-Spezialitäten in ihrer Vielfalt und geschmacklichen Raffinesse: vom Kleinen Schwarzen, dem Kleinen Braunen, dem Franziskaner und der Melange über die Kleine Schale Gold, den Kaffee Verkehrt, den Verlängerten Schwarzen oder Braunen bis hin zum Einspänner, Kapuziner, Fiaker oder der berühmten Maria Theresia als ein doppelter Mokka mit einem Schuss Orangenlikör und Schlagobers im Glas serviert.“

Wiener Schmäh

Zeigt sich bei dieser immer noch unvollständigen Aufzählung seiner Getränkekarte nicht gar ein stolzes Lächeln im Gesicht von Kommerzialrat Maximilian Platzer? Als Besitzer von Café Weimar und zugleich Obmann der Wiener Kaffeesieder kennt er die Eigenheiten der Wiener Kaffeehauskultur wie kein Anderer. Und organisiert zudem alljährlich den von 6.000 Gästen besuchten Kaffeesiederball in der Wiener Hofburg. Im Februar 2015, so fügt er hinzu, unter dem vielversprechenden Motto „Eine Nacht in Venedig“.

Mit Maximilian Platzer sich zu unterhalten ist belebend wie eine seiner vielfältigen Kaffeekreationen. Und schon schnell gewinnt der Zuhörer einen Einblick in all die Geheimnisse, die mit dem Kaffeesieder-Handwerk zusammenhängen: was ein echtes Wiener Kaffeehaus konkret ausmacht und von welchen nachbarschaftlichen Voraussetzungen es profitiert. Garniert mit einer gehörigen Portion Wiener Schmäh rückt er dabei die Maßstäbe innerhalb und außerhalb seiner Zunft zurecht.

Doch unter dem Strich bricht er eine Lanze für das Wiener Kaffeehaus, dem er sein Leben verschrieben hat: „Wer bisher überlebt hat“, so zeigt er sich überzeugt, „wird auch weiter leben“. Damit bescheinigt er bei zunehmender Allerwelts-Kaffeekonkurrenz selbstbewusst und von höchster Stelle aus dem Wiener Kaffeehaus auch nach 300 Jahren seiner Existenz eine tragfähige Zukunft.

Kulinarische Perfektion

Dabei kommt es sicherlich darauf an, bei allem Traditionsbewusstsein den Anschluss an die Moderne nicht zu verpassen. Ein Grundsatz, der auch die anderen Prachtbauten am Ring betrifft. Mit gutem Beispiel voran geht ein Hotel am Schottenring, das eigens für die gigantische Wiener Weltausstellung im Jahr 1873 errichtet wurde. Nach gründlicher Renovierung nun wiedererstanden als Palais Hansen Kempinski, das – unlängst neu eröffnet – neben seiner historischen Fassade hinter seinen Eingangstüren durch moderne Innenarchitektur und zeitgemäßen Luxus besticht.

Ebenso erlebenswert wie einige der denkmalgeschützten Räume, hierbei besonders der Ballsaal, ist das Feinschmecker- Restaurant „Die Küche“, in dem Küchenchef Philipp Vogel aus Köln und Dessert-Chef Francois Laloue aus Frankreich mit ihrem „Tischlein-Deck-Dich“-Programm für kulinarische Perfektion sorgen. Nur noch getoppt vom Fine Dining im „Edvard“-Gourmetrestaurant, das bei dem Versprechen einer „Fresh Cuisine“ mit unglaublich raffinierten Köstlichkeiten aufwartet.

Hauch von Jubiläumsfieber

So zeigt sich Wien am Vorabend des Ring-Jubiläums auf allen Ebenen bestens gerüstet und versprüht bereits einen Hauch des zu erwartenden Jubiläumsfiebers. Nicht zuletzt im Stolz darauf, als festes Bollwerk im Südosten mit seiner Widerstandskraft der europäischen Kultur einen nicht zu unterschätzenden Dienst erwiesen zu haben.

Reiseinformationen „Wiener Ringstraße“:

Anreise: Mit dem Flugzeug: Direktflüge mit Lufthansa, Germanwings und Austrian Airlines ab Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München und Stuttgart; www.lufthansa.com, www.germanwings.com, www.austrian.com; Mit Auto oder Bahn z.B. über München.

Reisezeit: Ganzjährig, besonders aber im Sommerhalbjahr.

Unterkunft: Palais Hansen Kempinski Wien, www.kempinski.com/Wien; The Guesthouse Vienna, www.theguesthouse.at; 25hours Hotel Wien, www.25hours-hotels.com/de/museumsquartier/hom/home.html

Essen und Trinken: Motto am Fluss: www.motto.at; Heuer: www.heueramkarlsplatz.at; Hansen: www.hansen.co.at; Labstelle: www.labstell.at; Vestibül im Burgtheater: www.vestibuel.at; Zum Schwarzen Kameel: www.kameel.at; Café Weimar, www.cafeweimar.at; Café Landtmann: www.landtmann.at; Café Prückel: www.prueckel.at

Wien-Karte: Für 48/72 Stunden bei Euro 18,90/21,90 freie Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie 210 weitere Vorteile

Auskunft: Wien Tourismus, Invalidenstraße 6, 1030 Wien, Telefon: +43-1211140, www.wien.info; erste Anlaufstelle in Wien: Albertinaplatz/Ecke Maysedergasse, Telefon: +43-124555

Reiselektüre: Sibylle Berg u.a., 1865, 2015 – 150 Jahre Wiener Ringstraße, Dreizehn Betrachtungen, Metroverlag, ISBN: 978-3-99300-175-9, Preis: 19,90 Euro

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Dr. Bernd Kregel wurde am 9. Oktober 2014, um 12:08 Uhr MEZ im Weltexpress erstveröffentlicht.




Mond und Sterne zum Anfassen – Exklusive Kultur-und-Wellness-Reise mit Wladimir Kaminer und Moon Suk

Alt Madlitz, Brandenburg, Deutschland (Kulturexpresso). Vier unvergessliche Tage mit den beiden Ausnahmekünstlern in dem Wellness-Hotel „Gut Klostermühle“ in Alt-Madlitz östlich der Hauptstadt Richtung Oder genießen. Eine seltene Gelegenheit wurde da geboten. Wladimir Kaminer und die leidenschaftliche Moon Suk reisten dabei mit den buchenden Gästen zusammen in das „Sterne“-Hotel und boten dann ein außergewöhnliches kulturelles Programm, das individuell durch die beiden Künstler geprägt und zusammen gestaltet wurde. Das kann man wirklich exklusiv nennen. Stars zum Anfassen.

Das kulturelle Programm fand überwiegend am späten Nachmittag und Abend statt und bestand aus humorvollen und poetischen Lesungen und Diskussionen und zum Beispiel aus einem musikalischen-erzählerischen Nachtspaziergang unter Sternen, so wie die Wolken es erlaubten. Das erinnert einen an taschenlampenbewehrte Nachtausflüge der Jugend, wenn man sich in einer kleinen Gruppe aus dem Schullandheim in Berlin oder auf Wangerooge durch das Fenster aus dem Haus stahl, den anderen imponieren wollte und sich Hoffnungen machen, mit einem bestimmten Jungen oder Mädchen gehen zu können. Dazu gab es in der Klostermühle Gute-Nacht-Geschichten, die sich mit Gute-Nacht-Musik mit Liedern und Arien abwechselten, die im Hotel und in der umgebenden Natur stattfinden. Ideal die kühle Wetterlage die einem Sternensicht erlaubte und nach den gedrängten Tagen der Vorwoche unter Vollmondeinfluss einmal Ruhe bot. Die richtige Voraussetzung für Entspannung.

Während der Vor- und Nachmittage standen den gebuchten Gästen selbstverständlich die Wellnesseinrichtungen des Hotels zur Verfügung sowie diverse Sportmöglichkeiten.

Alt-Madlitz ist ein Ortsteil der Gemeinde Briesen (Mark) im Landkreis Oder-Spree. Wenn man sich von Berlin nach Osten auf den Weg macht, liegt es auf dem halben Weg zum Grenzfluss. Die ganze Gegend ist ziemlich ruhig, wenn man von der lärmenden A 12 mit ihrem Durchgangsverkehr nach Frankfurt, Polen, Weißrußland und weiter nach Rußland und ins Baltikum mal absieht. Sogar Frankfurt an der Oder, die „regionale Metropole“, gehört nicht zu den Gewinnern der jüngsten Bevölkerungsbewegungen. Berlin dagegen lockt immer mehr Menschen an. Obwohl für eine Hauptstadt nicht ungewöhnlich, ist dieser Trend doch neu und setzte im Wesentlichen nach der Wirtschafts- und Finanzkrise ein, die betrügerische Banker und Fonds in den USA ausgelöst hatten und ab 2007 manifest wurde. Berlin ist nun auch keine Oase mehr. Umso mehr locken die ruhiger und ruhiger werdenden Regionen östlich des Speckgürtels. Allerdings haben es alternative Projekte auch dort teilweise schwer. Meditativ ist die Landschaft, doch zu weit erscheint der Weg. Eine richtige Entscheidung also, ein derart besonderes Musik- und Kulturereignis hier stattfinden zu lassen. Auch der Zeitraum ist ideal. Wenn man einen Tag als Anreisetag betrachtet und einen als den, an dem die Pflichten vielleicht schon wieder unangenehm rufen, bleiben noch volle zwei Tage und drei Nächte für Entspannung und Kulturgenuss. Zu wünschen wäre also, dass diese Reise, die am letzten Novemberwochenende veranstaltet wurde, ähnlich nochmal einmal wiederholt wird.

Moon Suk in ihrem Salon in Berlin

Bis dahin kann man immerhin die grandiose Moon Suk noch einmal erleben. Gerade feierte die Künstlerpersönlichkeit drei (3!) Jubiläen. Seit 25 Jahren ist die gebürtige Koreanerin in Deutschland, seit 15 Jahren in der Hauptstadt und seit einem Jahr gibt es den „Salon Moon“. Die Künstlerin widmet sich ja nicht nur der bildenden Kunst, sondern unter anderem auch der Koch- und Sangeskunst. „Back to the basics“, könnte man wohl sagen. Als Sopranistin beherrscht sie 150 Stücke, ohne ein Notenblatt vor den Mund nehmen zu müssen. Starke und vor allem ideal ergänzende Unterstützung erfährt sie dabei von der Pianistin Nadezhda Filippova, die beweist, dass der sanfte Anschlag kein Widerspruch sein muss.

Die kurz-und mittelfristig anstehenden Termine sind die Weihnachtsgala am 13. Dezember 2015 und Anfang 2016 vier Sonntagsgalas unter dem Motto „Moon spielt verrückt“ am 10., 17., 24. und 31. Januar. Der volle visuelle, akustische und kulinarische Genuss wird unter anderem dadurch gewährleistet, dass nach einer gewissen Kulanzfrist am Veranstaltungsort, einem stattlichen Altbau aus der Kaiserzeit in Ku’dammnähe, einfach – die Klingel abgeschaltet wird. Oft geschrieben, selten erreicht, aber hier: Genuss pur.

Gala zum Jubiläum 13.12.2015; „Moon spielt verrückt“ am 10., 17., 24. und 31. Januar 2016 im Salon Moon, Moon Suk c/o Wewerka/Becker, Olivaer Platz 12, 10707 Berlin, Web: www.moonsuk.de