Kunst in den Keller? MoKuzuMimi-Vernissage mit Andrea Wallgren, Eva Sörensen … 22 Künstlern & Ricarda Baubkus mit Bach auf dem Cello

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Teure Mieten im Wedding? Ein Witz? Nicht ganz, und wie immer bei Mieten: Nicht überall. Alles ist lokal. Wer hätte das in den 80ern gedacht: dass in den teils halbverfallenen Altbauten, in denen viele Studenten und Gastarbeiter unterkamen, einmal schicke Apartments angesagt sind. Ein Grund: Die Umbenennung. Was früher Wedding oder Moabit war, ist heute „Mitte“. Mitte ist Macht (Regierungsviertel), Mitte ist Merkel und Unter den Linden, Mitte ist wichtig, und zentral. Roter Wedding war einmal. Entrümpelung. Wohnungs- und Ateliermieten können ruhig steigen, denn sie bedeuten Aufschwung. Niedrige Mieten gibt es in Hellersdorf. Der Ausweg für alle Weddinger – bitteschön!
Simone Weil beschrieb die Folgen der Entwurzelung.

Wie es dazu kam? MoKuzuMimi – Moderne Kunstateliers zu minimalen Mieten … ermöglichte der ehemalige Gesobau-Chef Dr. Rolf Brüning bereits vor 30 Jahren, legte den Grundstein für den Kulturstandort Gerichtshöfe. Jetzt ist manches anders und selbst die Gesobau will gentrifizieren: die Kunst soll „in den Keller“ (ins Souterrain), das Gewerbe nach „JotWeDe“ …


Auf der Sonnenseite

und auf die Sonnenseite kommen die schicken Apartments.
Alle Jahre wieder laden die Künstler in den Gerichtshöfen Wedding immer am Nikolaustag ein zu MoKuzuMimi. Das steht für „Moderne Kunst zum Mitnehmen“. Dahinter verbirgt sich eine originelle Verkaufsvernissage mit kleinformatiger Kunst in transparenten Tüten zu erschwinglichen Preisen.

22 von 70

22 Künstlerinnen und Künstler „tapezieren“ die Wände einer Atelieretage in den Gerichtshöfen mit kunstgefüllten, transparenten Plastiktüten.

Nichtkunst? Kommt gar nicht in die Tüte!

Die durchsichtigen Plastiktüten, durch die man, ohne Hand anzulegen meist schon das Objekt erkennen kann, werden von 18 Uhr bis 23.59 Uhr, kurz: bis Mitternacht zu weihnachtlich „spendablen“ Preisen von maximal 100 Euro zum Kauf angeboten.

Kunst, Kunsthandwerk, Schmuck

Im Angebot sind Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Objekte und Schmuck. Wer verkauft, darf eine Tüte nachhängen, so ist fast den ganzen Abend für ein gleichbleibend großes Angebot gesorgt.

Knabbereien-cum-Campanula-Cello

Für die Besucher gibt es u.a. Glühwein und Knabbereien, der Nikolaus kommt vorbei und für besinnliche Stimmung sorgt Ricarda Baubkus mit Bach-Werken auf einem Campanula-Cello.

Malerei, Mieten und Mediation – Hintergrund und aktueller Stand

„Seit 1983 arbeiten etwa 70 Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Herkunft in den sechs Weddinger Gewerbehöfen der GESOBAU AG zwischen Gericht- und Wiesenstraße (Baujahr 1912). Seit 2004 sind viele der Künstler im Verein „Kunst in den Gerichtshöfen e.V.“ organisiert und öffnen regelmäßig ihre Ateliers, zum Beispiel zur „Langen Nacht der Gerichtshöfe“.

‚Mi‘ wie in Berliner Mischung

Hier gibt es sie noch, die „Berliner Mischung“ aus Wohnen, Gewerbe und Handwerk, doch ihr Bestand ist inzwischen gefährdet. Nach heftigem Protest der Künstler und Gewerbetreibenden und einem klaren Bekenntnis der Bezirksverordnetenversammlung Mitte zum Bestandserhalt der Gerichtshöfe mit ihrer Mischnutzung hat die Eigentümerin, die landeseigene Wohnbaugesellschaft GESOBAU, die Modernisierungsmaßnahmen um zwei Jahre verschoben. Aktuell läuft ein Mediationsverfahren, um eine einvernehmliche Lösung im Konsens mit allen Beteiligten zu finden.“ (Unterstützung bei der Recherche: Ines Schilgen PR-Management)

Wann?

Veranstaltungsdatum und Uhrzeit: Mittwoch, 6.12.2017 ab 18.00 Uhr bis Mitternacht

Wo?

Adresse: Gerichtshöfe Wedding, Atelieretage Aufgang 8, 3. OG, Zugang wahlweise über Gerichtstr. 12/13 oder Wiesenstr. 62 (näher), 13347 Berlin-Mitte

Anfahrt/ Verkehrsverbindungen: S-Bahnhof Wedding (Ringbahn S4 = 41/42); S-Bhf- Humboldthain (Nord-Süd-S-Bahn S2 etc.), BVG: U-Bhf. Wedding (U6), Bus M27, 120, 247