Kunst auf der Burg in Neustadt/ Glewe. Architektur, Feste und Grafik in einem Kleinod am Wegesrand

Neustadt-Glewe, Deutschland (Kulturexpresso). Neustadt gibt es öfter, Neustadt/ Glewe ist einmalig. Die Burg in Neustadt/ Glewe trägt viel dazu bei. Die meisten, die schon einmal von Berlin nach Hamburg unterwegs waren – oder umgekehrt – sind hier unachtsam vorbeigefahren. Wer im Flixbus saß, dem sei das verziehen. Autofahrer haben die Wahl – und die 2 Kilometer von der Autobahnabfahrt bis in den Ort hinein sind wirklich kein großer Kohlendioxid-Fußabdruck.

Die A24 (Autobahn 24 Hamburg-Berlin) beginnt am Berliner Ring A10 oder in Hamburg-Horn im Osten der Hansestadt. Wer aus der Hauptstadt kommt, durchquert lange Brandenburg – zurzeit besonders lange, wegen vieler 60er-Baustellen – bis ungefähr Wittstock/ Dosse, wo die A19 zu Ostsee abgeht. Brandenburg dauert dann noch ein bisschen an, während Namen wie Pritzwalk, Heiligengrabe und Putlitz auftauchen.

Putlitz, einer der ältesten Städte der Prignitz

Putlitz liegt 57 Meter hoch; 2.700 Seelen wohnen dort. Es ist eine der ältesten Städte der Prignitz (Wittstock gehört zur Ostprignitz). Ein Schild im eher kleinen Ort nennt ein Alter von 1050 Jahren. Das muss 1996 aufgestellt worden sein und ist also schon mehr als 20 Jahre alt. Tatsächlich ist Putlitz älter als Lüneburg (!) und das will hier im Norden schon etwas heißen. Die erste Erwähnung einer slawischen Burg stammt aus dem Jahr 946.

Lüneburg wurde „erst“ 956 sicher genannt. Der Landkreis Lüneburg übrigens m.W. der einzige, der als „West-„Landkreis auf das Gebiet der ehemaligen DDR hineinreicht, umfasst seit 1993 nicht nur wieder das rechtselbische Amt Neuhaus, sondern auch das historisch zu Mecklenburg gehörende Niendorf, da es 1974 nach Sumte eingemeindet worden war. So gelangte ein Stück Mecklenburg nach Niedersachsen.

Amt Neuhaus: Zunächst gehörte dieses ehemalige Stück Kurhannover beziehungsweise Königreich Hannover auch 1945 zur britischen Besatzungszone. Die Engländer verschenkten es aber an die sowjetische Besatzungszone, da es keine Elbbrücke gab.

Wer an Wittstock, Pritzwalk, Heiligengrabe und Putlitz vorbeigebraust ist, sieht endlich das Schild „Mecklenburg-Vorpommern“ (MVP). Parchim mit seinem kuriosen Flughafen Schwerin-Parchim gehört zum Bundesland und wird auch an der A 24 passiert. MVP reicht in Boizenburg bis an die Elbe, dazu müsste man in Zarrentin abfahren.

Schon zwischen den Kilometern 120-100 sollte man auf die Schilder achten, um die Burg in Neustadt/ Glewe nicht zu verpassen. An der Autobahnabfahrt wird gerade gebaut, zwischenzeitlich war sogar die Abfahrt gesperrt. Ende September war die Ausfahrt aber möglich, rechtzeitig zum Burgfest und zur Ausstellung Grafik Nord.

Die Burg in Neustadt/ Glewe – ein Anziehungspunkt für Kenner

Glocke am Flaschenzug an der Uhr. Burg Neustadt-Glewe: Wenn hier keine Romantik aufkommt … dann ab nach Rothenburg ob der Tauber! © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Nur zwei Kilometer sind es nach Neustadt. (Vorsicht bei der Rückfahrt zur A24, bitte innerhalb der Geschwindigkeitsbegrenzung bleiben.) Kurz bevor die Hauptstraße mit abknickender Vorfahrt rechts in den Ortskern einbiegt, sieht man bei entlaubten Bäumen vor sich halblinks die Burg in Neustadt/ Glewe. Sie spiegelt sich im Wasser. Wenn man hier links in die kleine Straße einbiegt statt halbrechts in den Ort weiterzufahren, hat man vom Parkplatz oder Ufer aus einen hervorragenden Blick auf die Burg in Neustadt/ Glewe, vielleicht den besten. Wer ihn ausdehnen möchte, kann in dem Restaurant mit großen Fenstern Platz nehmen. Essen kann man sehr gut auf der Burg bei bestem Ambiente.

Am Wasser liegen immer wieder Sportboote, die durch die Schleuse wollen, über die die Hauptstraße führt. Man kann die Burg direkt auf dem Wasserweg ansteuern, ein weiterer Vorteil. Wo wir schon beim Wasser sind: Es ist neben politischen und historischen Gegebenheiten der Grund, warum die Burg in Neustadt/ Glewe zu den besterhaltenen in Mecklenburg-Vorpommern gehört. In einem Bogen geht ein Graben ab, der auch hinter der Burg den Burggarten oder Park umschließt. Die angrenzende Straße heißt Wasserstraße. Sie ist keine Wasserstraße.

Der Park ist übersichtlich und enthält keine dunklen Ecken, was ihn für Spaziergänger recht sicher macht. Ein angenehmes Fleckchen Erde.

Fahren wir nun endlich ein kurzes Stück weiter auf der Hauptstraße, biegen wir die nächste links ab zur Burg in Neustadt/ Glewe. Mächtig die Mauern, kurios die Uhr. Wo andernorts mit dem Flaschenzug Lasten transportiert wurden, scheint hier die Uhr aufgehängt. Bei diesem Anblick bitte verweilen. Das Fahrzeug kann auf dem Parkplatz direkt vor der Burg abgestellt werden. Wer zu spät kommt, findet ein verschlossenes Tor vor.

Die Burg in Neustadt/ Glewe – Ort der Kunst

Plakat für die Grafik Nord 05 Grafikausstellung MVP
Grafik Nord 5, Grafikausstellung Mecklenburg-Vorpommern auf der Burg in Neustadt-Glewe. Mi-So 11-16 Uhr. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Durch das Tor gelangt man auf den hochliegenden Burghof, rechts und links geräumige Flügel. Der linke beherbergt das Restaurant, das gern für Feste gemietet wird. Geräumig, historisch, gute Küche. Wer nicht einkehren will, für den ist, wenn nicht wie am 7. Oktober gerade ein Fest gefeiert wird auch vor der Burg, Grafik das Zauberwort der Stunde. Mittwochs bis sonntags zwischen 11 und 16 Uhr nix wie hin zur Grafik Nord 05. Die überflüssige Null führen wir mal mit auf, vielleicht hat ja ein Schalkefan die Nummerierung mitbestimmt. Die Grafikausstellung Mecklenburg-Vorpommern ist in der Galerie auf der Burg zu sehen – noch bis 21. Oktober 2018.

Die Burg in Neustadt-Glewe ist auch bei wiederholtem Besuch ein freudeauslösender Ort. Sie lädt zum Flanieren und Einkehren ein. Bietet Architektur mit Überraschungen: die vierte Hofseite ist schlicht mit einer Mauer geschlossen. Bietet Kunst und Burgfeste. Ein feste Burg ist …

Wer nicht weiß wohin, hier ist ein schöner Ort. Es gibt einen Neustädter See und drei Naturschutzgebiete in der Stadt. Neben der Burg auch noch ein Schloss (von 1717). Einen Marktplatz und ein Rathaus. Hinten links eine Tankstelle, die rund um die Uhr geöffnet hat. Hinten rechts eine Autowerkstatt. Der Name der Werkstatt findet sich auf den Autokennzeichen wieder: STA-NG. Die anderen Wagen hier tragen regionale Nummernschilder. Auf dem Gelände der BMW-Werkstatt gibt es auch eine Telefonzelle – mit Wählscheibe! Sehenswürdigkeiten gibt es hier wirklich genug.

Glewe bedeutet ‚Stall‘ und hieß erst so, dann Neustadt-Glewe, dann sechs Jahrhunderte lang einfach nur Neustadt. Erst seit 1926 heißt es wieder so wie heute.

In der Umgebung liegt u.a. Wöbbelin, das man auch als Autobahnabfahrt kennt und die Landeshauptstadt Schwerin ist nur 30 Kilometer entfernt.

 




Zur Ausstellung „Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne“ im Städelmuseum

Frankfurt am Main, Deutschland (Weltexpress). Seit dem 26. September 2018 zeigt das Städelmuseum in Frankfurt am Main die Sonderausstellung „Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne“. Über 100 Werke des 1906 in Fünfkirchen (ungarisch Pécs) geborenen und 1997 in Paris gestorbenen Vasarely werden in der Retrospektive des Erfinder der Op-Art der 1960er Jahre präsentiert.

Die Ausstellung wird übrigens über zwei Stockwerke gezeigt und läuft rückwärts, behandelt also die Entstehung und Entwicklung Vasarelys Werk entlang einer rückläufigen Chronologie.

Das Œuvre des Künstlers, des Malers und Grafikers wie unschwer zu erkennen ist, erstreckt sich allerdings über weit mehr als eine halbes Jahrhundert und bediene sich laut einer Pressemitteilung des Städelmuseums aus dem Jahr 2018 „unterschiedlichster Stile und Einflüsse. Die Entwicklung des Jahrhundertkünstlers wird mit zentralen Arbeiten aller Werkphasen nachgezeichnet. Der oftmals auf seine Op-Art reduzierte Künstler verbindet die Kunst der frühen Moderne Ost- und Mitteleuropas mit den Avantgarden der Swinging Sixties in Europa und Amerika. Er bediente sich Zeit seines Lebens klassischer Medien und Genres und integrierte in den 1950er-Jahren das Multiple, die Massenproduktion und die Architektur in sein weitverzweigtes Werk. Zugleich blickt die Ausstellung mit Arbeiten wie Hommage au carré (1929) oder figurativen Malereien wie Autoportrait (1944) zurück zu Vasarelys künstlerischen Anfängen.“

Vor und zurück, hin und her, schön und schräg, psychedelisch und populistisch. Wie auch immer man diese Kunst der Moderne auch betrachtet, er ist ein bekannter und bedeutender Künstler gewesen, der in weitere Felder des kulturellen Überbaus der kapitalistischen Gesellschaft vordringen konnte. 1972 entwickelte er beispielsweise ein neues Rauten-Logo im Stil des Op-Art für den Autobauer Renault.

Fahren Sie also standesgemäß mit einem Renault zum Städelmuseum nach Frankfurt an den Main oder besser gleich zu einem Vasarely-Museum wie dem in Aix-en-Provence, Budapest, New York oder dem im Geburtshaus des Künstlers in Pécs. Und denken sie daran, dass heute „jeder Kritz und jeder Kratz … zum Kunstwerk im Namen des heiligen Subjektivismus erklärt werden“ kann, wie Vasarely meinte.

Wer es in die Ausstellung im Städelmuseum, die noch bis zum 13. Januar 2019 laufen soll, nicht schafft, der reise anschließend an die Seine, denn die in enger Kooperation mit dem Pariser Centre Pompidou entwickelte Frankfurter Ausstellung wird direkt im Anschluss in Paris als „Vasarely, le partage des formes“ eröffnen werden.




Eröffnung EMOP 2018 in Berlin vor Delphi Lux und C/O Berlin gegenüber Jebensstraße am Bahnhof Zoologischer Garten in Charlottenburg

The Jooles eröffnen EMOP. Musik zu Beginn der Opening Days des Europäischen Photographiemonats 2018

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Staatsbesuch beherrschte fast den ganzen Freitag. Am 28. September reiste Präsident Erdogan vom Bosporus an. Dazu viele Demonstranten, einige dafür, viele dagegen. Abends gab es am Flughafen Tegel fast keine Mietwagen mehr. Bei Europcar und Buchbinder überhaupt keinen einzigen. Was die Demonstranten übrig gelassen hatten, brauchten Reisende, die am Boden blieben. Ryanair-Streik. Außerdem fielen zwei German-Wings-Flüge aus an den Niederrhein und nach Stuttgart. Viele brachen in Fahrgemeinschaften noch in der Nacht nach Baden-Württemberg auf. Mit etwas Glück erreichten sie zu Sonnenaufgang ihr Ziel. 7 Stunden ist man auf vier Rädern von TXL in die südwestliche Landeshauptstadt bestimmt unterwegs. Am Abend dürfen endlich alle feiern, der EMOP (European Month of Photography) wird eröffnet. Gegen 21 Uhr treten The Jooles auf, ab 22 Uhr gib es einen DJ vor Kino und Ausstellung.

Feiern mit THE JOOLES

Nach 21 Uhr ist das Amerikahaus brechend voll, hier residiert seit noch nicht zu langer Zeit das c/o Berlin. Vor dem Haus, zum Parkhaus hin, steht eine Freilichtbühne, als ob die Veranstalter gewusst hätten, dass es trocken bleibt. Dr. Klaus Lederer (Linke), der als für Kultur Zuständiger schon so manches Filmfestival eröffnen durfte, spricht ein paar Worte. Anschließend gibt es Musik im Rahmen eines Bühnenprogramms. Besonders gute Laune erzeugt The Jooles. Die Band ist paritätisch besetzt – genderbezogen. Links auf dem Photo Alexander Dommisch, Musiker und Label-Manager. Rot-lila beleuchtet die Leadsängerin, rechts daneben ihre Kollegin mit dem Saiteninstrument. Dazwischen im Dunkel versteckt der Schlagzeuger. Die Band The Jooles (www.THEJOOLES.com) hat kürzlich ihre erste Platte herausgebracht. Moving Memories erschien auf CD und – auf Vinyl!

Immer faszinierend die Enge und Gleichzeitigkeit des Geschehens, die es wohl sonst so nur in Indien gibt. Am Bahnhof der Christiane F. und der Stadtmission aus „Auf der Straße“ die Jebensstraße mit einem weiteren Photo-Museum. Daneben das Gericht mit seinen historischen Ausstellungen. Auf der Südseite der Hardenbergstraße das auf dem Photo abgebildete Geschehen. Der Mittelstreifen – Baustelle.

Zeitverlust durch hauptstadtbedingte Aufgaben

Eine Delegation huscht über den Kudamm.
Mit grüner Fahne: Polizeigesicherte Fahrzeugkolonne am Kurfürstendamm. Am Mittag des 28. September 2018. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Dass das Land Berlin, das unter einer zig-milliarden-Euro-schweren Schuldenlast ächzt, vom Bund hauptstadtbedingte Kosten verrechnen darf, mag dem Finanzsenator helfen. Wieviele Stunden der arbeitende (und natürlich auch der arbeitslose) Berliner allerdings verliert und wieviel das kostet, interessiert niemanden. Kurz vor zwei am Nachmittag rauscht fast lautlos eine lange polizeibegleitete Wagenkolonne den Ku‘damm entlang Richtung Innenstadt. Wesentlich mehr Probleme entstehen durch Demonstrationen, die den Bus M29 aufhalten. Wer gegen 17 Uhr am Landwehrkanal entlang zur CDU-Zentrale im Diplomatenviertel oder über den Kurfürstendamm Richtung Grunewald möchte, hat das Nachsehen.

Warum auch die S-Bahnen staatsbesuchsbedingt ausfallen, ist dagegen nicht einsichtig. Gegen 15 Uhr findet in einem der Gebäude auf dem Titelphoto ein Pressetermin statt. Ihn über Westkreuz pünktlich zu erreichen ist unmöglich. Ein Zug nach Erkner, der angeblich drei Minuten später fahren sollte, wurde ersatzlos gestrichen. Der nächste Zug Richtung Osten soll erst in 10 Minuten (!) folgen. Im Berufsverkehr bei der Größe Berlins viel zu viel. Gerade erst hat der Senat eine Rekordmillionensumme der S-Bahn gestrichen wegen Unpünktlichkeit

Ein ganz normaler Freitag in Berlin.

Vergangene EMOP-Aktivitäten in Berlin:

Kieke mal Kike Arnal! Die unglaublichen „Voladores“-Flieger aus Mexiko in einer Fotoschau von Ximena de la Macorra oder: Wie Tugend und Kultur Frieden erhalten

Dagmar Gester und Gäste in der Ausstellung „Fluchtgepäck“ (EMOP 2016):

Was bleibt. Photographin Dagmar Gester ist in ihrer EMOP-Ausstellung „Fluchtgepäck“ zu sprechen

Photoausstellung jenseits des EMOP mit Sabine Mittermeier:

Bäume Schwarzweiß. Sabine Mittermeier, Laure Catugier und Tim van den Oudenhoven are „Undrawing the Horizon“ in HB55 Räume der Kunst




Schloss Sacrow: Künstler und Gärtner – 2. Parkspaziergang mit Schlossgärtner Uwe Held und Strawalde / Jürgen Böttcher

Potsdam, Deutschland (Kulturexpresso). Im Rahmen der Ausstellung „Der Kreis schließt sich. Strawalde – Jürgen Böttcher“ im Schloss Sacrow in Potsdam findet am Sonntag, den 16. September 2018, ab 15 Uhr der 2. Parkspaziergang mit Schlossgärtner Uwe Held und Strawalde / Jürgen Böttcher statt.

Schloss Sacrow mit Park

Die Teilnahme kostet 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Um Anmeldung unter karten@ars-sacrow.de wird gebeten. Kartenverkauf im Schloss ab 14:30 Uhr, Treffpunkt vor dem Schloss Sacrow.

Bei Erwerb eines Ausstellungstickets (8 Euro) zahlen Sie für den Parkspaziergang nur den ermässigten Preis.

Infos unter www.ars-sacrow.de

Öffnungszeiten der Ausstellung: von Freitag bis Montag von 11 Uhr bis 18 Uhr.




Plakat zur Ausstellung "Volker Kriegel" im Caricatura Museum Frankfurt.

Ausstellung zu Volker Kriegel im Caricatura Museum Frankfurt

Frankfurt am Main, Deutschland (Kulturexpresso). Mit „Männchen malen und Jazz spielen“ soll Volker Kriegel, geboren 1943, gestorben 2003, laut Pressemitteilung des Museums für Komische Kunst namens Caricatura Museum Frankfurt vom 28.8.2017 „einmal sein Schaffen“ zusammengefasst haben. Dass Kriegel dabei „natürlich maßlos“ untertrieben habe, darauf wird hingewiesen.

Und auch auf die Dreifachbegabung als Schriftsteller, Cartoonist und weltberühmter Musiker. Diesem Triple-Talentierten, der am 24. Dezember 75 Jahre alt geworden wäre, widmet das Caricatura-Museum Frankfurt, das in Kürze sein zehnjähriges Jubiläum feiert, eine große Sonderausstellung, die den Titel „Volker Kriegel“ trägt und vom 13.9.2018 bis zum 20.1.2019 laufen und „sein zeichnerisches Œuvre“ zeigen soll.

Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst

Weckmarkt 17, 60311 Frankfurt am Main

Kontakt: Telefon: +49 (0)69 – 212 30161, E-Mail: caricatura.museum@stadt-frankfurt.de

Mehr Informationen unter www.caricatura-museum.de, www.facebook.com /caricaturamuseum und www.twitter.com/caricaturaffm

Öffnungszeiten: von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 11 Uhr bis 18 Uhr, mittwochs von 11 Uhr bis 21 Uhr, montags geschlossen




Ottmar Hörl bespielt Eltville – eine Installation zu Ehren Gutenbergs

Eltville, Deutschland (Kulturexpresso). Es gibt im Sommer und Herbst viele gute Gründe in den Rheingau zu fahren und die romantische Altstadt von Eltville zu besuchen. Die schönen Weingüter und –lokale gehören dazu, derzeit ist aber noch eine weiterer Grund dazugekommen: Im Rosengarten der Kurfürstlichen Burg hat der Künstler Ottmar Hörl auf Initiative der Stadt eine Installation aus 165 Gutenberg-Figuren geschaffen.

Wieso Eltville?

Eltville.
Eltville © 2018, Foto: Dr. Jürgen Pyschik

Mit Gutenberg verbindet man in der Regel die Stadt Mainz, aber nicht den nahegelegenen Rheingau. Doch in Eltville war man sich bewußt, dass der Bruder Gutenbergs dort wohnte und den Erfinder auch beherbergte, als er Unterstützung brauchte. Zudem wurde Gutenberg in der Burg von Adolf II. von Nassau zum „Hofmann“ ernannt. Grund genug, dass die Stadtoberen das Gutenberg-Jahr nutzen und mit eigenen Pfunden wuchern wollten – schließlich beherbergt die Burg nicht nur den bekannten Rosengarten, sondern auch ein kleines Gutenberg-Museum.

Hörls Spezialität: Serielle Plastik aus Plastik

Ottmar Hörl mit der Skulpturen-Installation „Black Magic“ 2018 in Eltville. © 2018, Foto: Dr. Jürgen Pyschik

Bereits zu Beginn des Jahres hatte Hörl den Prototyp seiner Gutenberg-Skulptur der Öffentlichkeit vorgestellt. Bei der Modellierung musste er eine entscheidende Hürde überwinden: Von Gutenberg ist – im Gegensatz zu Luther – kein zeitgenössisches Abbild überliefert, Hörl musste ihn also rekonstruieren. Herausgekommen ist eine idealtypische Figur in zeitgenössischer Kleidung, Frisur und würdigem Habitus. Die Figuren sind ca. einen Meter groß und existieren in den Farben Schwarz, Rot und Gold. Jede Figur wird aus einer Kunststoffmasse einzeln in einer Form gegossen und per Hand herausgezogen. Noch während des Erkaltens wird die Figur der Form entsprechend nachmodelliert, daher weisen sie auch keine Nähte auf, wie es sonst im Spritzgussverfahren üblich ist. Das Verfahren hat einen weiteren Vorteil: Die Skulpturen sind wetterfest und können für 300 € angeboten werden. Hörls Figuren sind kein „Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (Benjamin), die serielle Produktion ist von vorne herein Teil des künstlerischen Entwurfes. Mit der Vervielfältigung nimmt er der Kunst das elitäre Element.

Schwarze Magie – „Black Magic“

Ottmar Hörl mit der Skulpturen-Installation „Black Magic“ 2018 in Eltville. © 2018, Foto: Dr. Jürgen Pyschik

Diesen Ausstellungstitel hat Ottmar Hörl bewusst gewählt, ist doch die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern und schwarzer Druckfarbe etwas „Magisches“ für ihn – wie für viele Menschen heute die sich rasend schnell verbreitende digitale Kommunikation, auf die der Zusatztitel: „gutenberg@eltville“ verweist. Überhaupt die Digitalisierung: Keiner der Festredner bei der Vernissage konnte es sich verkneifen, diesen Bezug anzusprechen. Digitalisierung ist ja auch in der politischen Diskussion ein Renner. Aber solche Bezüge darf man in diesem Falle ruhig herstellen, auch wenn Festreden nicht unbedingt eine ausreichend differenzierte Betrachtung erlauben. Der Vergleich mit der nachhaltigen geschichtlichen Wirkung von Gutenbergs Erfindung kann durchaus den Blick auf aktuelle Entwicklungen schärfen. Die Tatsache, dass ein großer Teil der Besucher der Vernissage permanent ein Smartphone in der Hand oder vor dem Auge hatten, war nicht zuletzt ein aktueller Beweis.

Die Installation ist noch bis zum 23. September 2018 zu sehen.




Uwe Kunth, Das Verhör.

„Gewalt und Terror im NS-Staat“ – Ausstellung im Jüdischen Museum Westfalen mit Bildern des Malers Uwe Kunth

Dorsten, Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine neue Ausstellung im Jüdischen Museum Westfalen (JMW) in Dorsten trägt den Titel „Gewalt und Terror im NS-Staat“. Diese Ausstellung sei „eine künstlerische Auseinandersetzung“, teilt das JMW in einer Pressemitteilung vom 8. August 2018 mit, und auch, dass „an den Wänden … farbintensive Bilder“ hängen würden.

„Teils abstrakt, teils gegenständlich“ seien einige scheinbar „unbeschwerten Motive“. „Die kräftige Farbigkeit lässt nicht so ohne Weiteres an Gewalt und Terror denken“, heißt es dazu im Text des JMW. „Doch die Namen der Bilder lassen Zweifel aufkommen: Das Verhör, Im Sog des Systems, Der letzte Auftritt im Theater von Theresienstadt.“

Die Bilder wurden vom 1935 in Essen geboren und im Januar 2018 in Oberursel gestorbenen Uwe Kunth gemalt, der mit 17 Jahren an der Kölner Werkschule seine Ausbildung zum Maler und Grafiker bei Professor Heinrich Hussmann in der Klasse Grafik-Design und bei Professor Otto Gerster in der Klasse für Monumentalmalerei absolvierte.

Anschließend arbeitete Kunth als Kaufhausmaler. Nach dem Krieg wurden die Werbetafeln nämlich noch von Hand gemalt. „Mit Anfang der 1990er Jahre“ habe sich Kunth „wieder mit der freien Malerei“ befasst, vor allem „mit der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten“. So sei „ein Zyklus von knapp zwanzig Bildern in unterschiedlichen Formaten“ entstanden.

Geplant sei die Ausstellung mit „kurzen Aussagen des Malers“ gewesen sein. Nun würden „die bisher entstandenen Bilder … im August und September in einer Werkschau“ im JMW Dorsten gezeigt werden.

Jüdisches Museum Westfalen

Julius-Ambrunn-Straße 1, 46282 Dorsten

Öffnungszeiten:

Dienstag bis freitag von 10 Uhr bis 12.30 Uhr und von 14 Uhr bis 17.00 Uhr. Samstags, sonntags und feiertags von 14 Uhr bis 17 Uhr.

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Ingeborg Iltis wurde am 11.8.2018 im KULTUREXPRESSOerstveröffentlicht.




Die Ausstellung "Der Duft der Bilder" in den Opelvillen Rüsselsheim.

Bald duften Bilder in den Opelvillen Rüsselsheim – Werke der colección olorVISUAL, Barcelona, in einer Ausstellung vom 19. September 2018 bis 6. Januar 2019

Rüsselsheim, Deutschland (Kulturexpresso). Bilder duften nicht wirklich, oder? Aber in der Ausstellung „Der Duft der Bilder – Werke der colección olorVISUAL, Barcelona“, die vom 19. September 2018 bis zum 6. Januar 2019 in den Opelvillen Rüsselsheim gezeigt werden, ist das so – oder auch nicht. Warum?

Weil der in Barcelona lebende Ernesto Ventós Omedes von Beruf Parfümeur ist und vor vierzig Jahren begann, eine Sammlung zeitgenössischer Kunst nach einem persönlichen Leitfaden aufzubauen: Für Ventós duften Kunstwerke. Damit sei, heißt es auf der Heimatseite der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim, „nicht der tatsächliche Geruch eines Werkes gemeint, sondern dass für ihn beim Betrachten eines Werks davon eine Erinnerung an einen besonderen Duft ausgehen kann.“ Aha.

Also „entstand eine Sammlung internationaler Fotografie-, Objekt- und Videokunst mit dem Ziel, Menschen mithilfe der Kunst das Riechen zu lehren und zugleich Kunst durch eine Duftnote verständlicher zu machen“, lässt die Stiftung das Volk wissen. Riechen lerne ohne Nase, geht das? Das geht, denn Ventós kreierte „für jedes seiner erworbenen Kunstwerke eine eigene Essenz“.

Einfach einmal in die von Dr. Beate Kemfert kuratierte Ausstellung in den Opelvillen Rüsselsheim, die in Kooperation mit colección olorVISUAL, Barcelona verwirklicht wurde, reinschnuppern, die nicht nur fürs Auge gemacht zu sein scheint. Gerne möchten auch wir uns von dem „Duft der Bilder“ verführen lassen und Werke der modernen Kunst von Pep Agut, Richard Aldrich, Javier Arce, Iván Argote, Art & Language, Miquel Barceló, Bianca Beck, Jordi Benito, Chakaia Booker, Max Brand, Brian Bress, Joan Brossa, James Brown, Stefan Brüggemann, Peter Buggenhout, Jacobo Castellano, Eduardo Chillida, Christo, Constantino Ciervo, Hannah Collins, Diego Delas, Equipo 57, Esther Ferrer, Federico Herrero, Rebecca Horn, Alex Jasch, Michael Joo, Guillermo Kuitca, Antoni Llena, Tony Matelli, Bjarne Melgaard, Duane Michals, Jonathan Monk & David Shrigley, Moris (Israel Meza Moreno), David Nash, Ernesto Neto, Jean Michel Othoniel, Carlos Pazos, Guillermo Pfaff, Albert Ràfols-Casamada, Andrei Roiter, Ruth Root, Hiraki Sawa, Sean Scully, Jessica Stockholder, Antoni Tàpies, Wolfgang Tillmans, Ángel Vergara, Pieter Vermeersch, Christoph Weber und James Welling sehen und – hört, hört – riechen.

Katalog zur Ausstellung

Der Duft der Bilder  – Werke der colección olorVISUAL, Barcelonaherausgegeben von Beate Kemfert, Annett Reckert und colección olorVISUAL, Format 165 x 235 cm, 175 Seiten, ca. 64 Abbildungen, Texte Deutsch/Englisch/Spanisch, September 2018, ISBN 978-3-00-060206-1

Anmerkungen:

Die nächste Station der Ausstellung ist die Städtische Galerie Delmenhorst und zwar vom 2. Februar bis 22. April 2019.




Festgelände Stralauer Straße 1 am rechten Spreeufer gegenüber des S-Bahnhofs Treptower Park.

Tropical Island. AFFB mit Kunstmesse, Designermarkt und Livemusik – erst das Essen, dann die Kultur

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das afrikanische Essensfest Berlin heißt original African Food Festival Berlin (AFFB). In Berlin führt der Weg nach Afrika übers Englische. Berlin ist eben keine Insel (mehr). Warum sollte das AFFB eine (tropische) Insel sein? A tropical island? Auch wenn wir alle verglobalisiert werden, oder nun aufgrund des Trumpschen Rückzugs aus G7 ja jetzt irgendwie doch nicht, verstehen die meisten Deutschen deutsch noch am besten. Schon klar, Weltsprache englisch. Die Filmfestivals Berlinale und SEEFF führen englisch als Festivalsprache genau wie manch andere Hauptstadtveranstaltungen (z.B. „Writing in Migration)“.

Natürlich hat die englische Sprache weltweit eine gewisse Dominanz erreicht. Doch feixen die Latinos seit den 80er Jahren, dass von Miami bis San Diego bald alles spanisch spricht. Die meisten Sprecher eines Volkes hat das Chinesische – und die Einwohnerzahl Indiens könnte bald, nachdem China die Ein-Kind-Politik jahrelang verfolgte, die Chinesen von ihrem Spitzenplatz ablösen. Auf die Sprachen gehen wir unten in einem eigenen Abschnitt ein, damit es einem wie Schuppen von den Augen fällt.

Kurz gesagt ist englisch eine Lingua franca für die (Exil-)Afrikaner. Für wenig Sprachbegabte ist englisch – auch unter Landsleuten – die Krücke, mit der man so gut laufen kann, dass deutsch bisweilen vernachlässigt wird. Berlin macht es ihnen leicht, nicht nur der Coffee ist aus Togo.

Anderseits führen die ausschließlich englischsprachigen Handzettel und Flyer dazu, dass deutschsprachige Berliner sich abgeschreckt fühlen oder schlicht nicht verstehen, was dort annonciert wird. Für Zweisprachigkeit mag ja auf einer postkartengroßen Werbung nicht viel Platz sein. Doch einladend und aufgeschlossen geht noch besser.

Eine Postleitzahl ist auf der Karte, die unter anderem im Babylon-Kino in Mitte auslag, auch nicht zu finden. Halten wir einfach mal fest: Es gibt Kommunikationshindernisse.

Das AFFB am 9. und 10. Juni: Ein Tropical island

Das Food Festival hatte je nach Betrachtung schon ein, zwei oder drei Vorgänger unter derselben Leitung, aber in anderem Rahmen. Es hieß eben nicht immer so. War kleiner.

2017 war es schon einmal am Osthafen. Warum tropisch? Warum Insel?

Tropisch waren die Temperaturen am Samstag, den 9. Juni allemal. Die Sonne schien krass und die abendlichen dunklen Wolken verdunkelten zwar die Sonne, aber die nicht mitgebrachten Regenschirme konnte man steckenlassen. Mancherorts in Deutschland maß man 42 Grad im Schatten. Am Sonntag dann nachmittags drei Regengüsse mit großen Tropfen, ohne dass die Wärme – sagte ich Hitze? – verschwand.

Warum Insel? Das Gelände am Hafen – welche bewohnte Insel hätte keinen, nicht wenigstens einen kleinen Anleger? – hat eine natürliche und zwei künstlich-natürliche Grenzen. Es ist überhaupt nur von einer Seite zugänglich – von der Straße – und von dort wegen der straßenseitigen Gebäude nicht einsehbar. Im Süden – hört sich auch schon nach Insel an, „Süden“ – bildet die Spree die Grenze. Im Osten und Westen Brücken. Nur im Norden ist das eindrucksvolle Haus Alt-Stralau 1 Zugang und Bollwerk zugleich.

Das Essen im Vordergrund, die Kultur im gut sichtbaren Hintergrund

Von der Esskultur mal abgesehen wurde dem Geist viel geboten. Writing in Migration, ein von der KBB (Kulturveranstaltungen des Bundes) veranstaltetes Festival afrikanischer Literatur, kooperiert mit dem AFFB. Es gab einen Büchertisch.

Für die Ohren und zum Tanzen „Live Acts“, also Konzerte, und zwar von MARY MAY und Gue Gue. Musik auch von Discjockeys: Selecta Maestro aus London, Djs Jamie, Jon, Nomi, Boris, Mo Lateef, Haizel und Chadna.

Fürs Auge die Kunstmesse „AFFB Art Fair“ mit „Upcoming African artists“, also Künstern, denen eine große Zukunft bevorsteht und den AFFB Designer Market, Kunsthandwerk, Design, Textildesign. Im Fachjargon „African inspired goods“. Waren, deren Herstellung vom Geist des afrikanischen Kontinents angeregt wurde.
Weiterhin wurden „Workshops“ und „Talks“ angeboten. An die Werkstätten hat man sich schon gewöhnt, Gespräche und Podiumsdiskussionen kennt man auch noch unter anderen Namen.

Natürlich gab es eine Kinderecke „Kids corner“ mit „beach“, am Strand.

Die Sache mit der Sprache: Was in Indien und Afrika anders ist

In Indien gibt es etwa 20 Hauptsprachen, Telugu, Kannada, ja, auch Hindi. Doch sollte uns die phonetische Ähnlichkeit der Wörter „Indien“ und Hindi“ nicht darüberhinwegtäuschen, dass weniger als jeder Sechste Inder Hindi spricht. Die Lösung für Wirtschaft und Volk: Englisch ist die Verkehrssprache. Und in Afrika?
Da wir hier kein Afrikanistikstudium ersetzen können, greifen wir nur drei Länder des südlich von uns gelegenen Kontinents heraus.

Angola: die Kolonialsprache weit verbreitet, und trotzdem …

Kühlschrankmagnet Angola, Sammelzugabe einer Tankstelle aus dem Jahr 2006 (WM). Afrikanisches Land
Flagge Angolas auf einem Magneten zur Herren-Fußball-WM 2006 („Sommermärchen“). © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser
Zuerst Angola. Warum Angola? Erstens wollen wir wegen des Alphabets im Westen anfangen, im Westen des Südteils (also im Südwesten), zweitens aus verschiedenen Himmelsrichtungen Staaten stichprobenartig betrachten.

Außerdem ist Angola wohl das Land, in dem sich die Kolonialsprache am weitesten verbreitet hat. Ein Drittel der Angolaner sind portugiesische Muttersprachler. Und trotzdem sehen wir sogar hier, dass es einfach „zu viele“ Sprachen gibt. Von vielen davon kennt man in Europa noch nicht mal den Namen.

„Unter den afrikanischen Sprachen Angolas am weitesten verbreitet sind das Umbundu, von der ethnischen Gruppe der Ovimbundu gesprochen, das Kimbundu der Ambundu und das Kikongo der Bakongo sowie dessen Kreolvariante Kituba .“ Der Wikipediaartikel fährt in der Version des AFFB-Wochenendes fort:
„Andere Sprachen sind Ngangela, Oshivambo (Kwanyama, Ndonga), Mwila, Nkhumbi, Otjiherero und Chokwe sowie das im 20. Jahrhundert von Rückwanderern aus dem Zaire eingeführte Lingala.“
11 beziehungsweise 12 Sprachen habe ich gezählt, portugiesisch war noch gar nicht dabei. Ein Einzelfall? Nein.

Die Sklaven auf den Farmen im Süden der USA konnten auch nicht miteinander sprechen, darauf wurde zum Beispiel in der Berliner PFF (Protestant Faith Fellowship) zurecht immer wieder hingewiesen.

Vielleicht ist Angola einfach zu groß? Kolonien wurden ja meist den Völkern ziemlich link abgeluchst, um es einmal salopp und umgangssprachlich auszudrücken.

Der Senegal

Also schauen wir einmal nach Senegal. Der Senegal liegt im Westen am Atlantik, nicht allzuweit südlich von den Kanaren. Insgesamt gibt es zurzeit etwa 15 Millionen Senegalesen.
Die sechs senegalesischen Hauptsprachen Wolof, Serer, Diola, Pulaar, Soninke und Mandinka gehören zwar alle zur Niger-Kordofanischen Sprachfamilie, doch die Sprecher können sich nicht verstehen.
Dabei ist der westafrikanische Senegal klein. Die Bonner Republik, die Bundesrepublik Deutschland in den Grenzen von 1988, war bereits ein Viertel größer als das Land, das aussieht wie ein Gesicht, das nach Westen guckt, mit Dakar als Nase. Der Staat umschließt außerdem das längliche Gambia, als sei es die Zunge im Munde Senegals.

120 Sprachen im Tschad

Hangeln wir uns weiter im Alphabet nach Tschad, sind wir wieder in einem großen Land, das etwa dreieinhalbmal soviel Fläche aufweist wie das heutige Deutschland.

Der Tschad ist nur unwesentlich größer als Angola. Ein Binnenland zwischen Niger und Sudan, zwischen Libyen und der Zentralafrikanischen Republik. Hier wohnen weit weniger als 14 Millionen Menschen auf einer Riesenfläche. 10 Einwohner pro Quadratkilometer. Im Norden ist es nicht heiß wie in der Sahara. Da ist Sahara.

Im Tschad gibt es 120 Sprachen. Die Amtssprachen sind französisch und arabisch, wichtig ist auch das Sara. Ja, Sara ist eine Sprache. Nicht nur ein Name. Weitere nennenswerte Sprachen sind Bagimi, Dazaga, Tedaga und Zaghawa. Sara ist mit knapp einem Drittel der tschadischen Sprecher die zweitwichtigste Sprache.

Zum Vergleich: In der Bundesrepublik gibt es nur eine Handvoll deutsche Sprachen, bei sechsmal soviel Einwohnern.

Die Bibel spricht nicht umsonst von Babylon und meint damit weder das Babylon-Kino in der Dresdner Straße noch das in Mitte.

Das viele Englisch sei also vorübergehend verziehen. Auf die Dauer ist die Frage allerdings berechtigt, warum deutsch für das AFFB nicht wichtiger ist. Das Fest in der deutschen Hauptstadt hätte bestimmt mehr deutschsprachige Gäste, wenn diese von dem Festival erfahren würden.

Ein tropical island ist Berlin nicht, trotz der um die Wiedervereinigung und in den 80er Jahren beliebten Postkarten von Claudia Katz-Palme. Sie kolorierte beliebte Motive wie von der Gedächtniskirche und dem Kurfürstendamm und fügte von Hand Palmen und wilde Tiere hinzu.

Ob ein solches tropical island ein Paradies wäre, ist auch noch zu klären. Klärungsbedarf heißt Kommunikation. Und die sollte in der deutschen Hauptstadt ab und zu mal auf deutsch ablaufen. Understand? Vastehste?




Kultur- und Sozialzentrum Gitschiner 15 in Kreuzberg

Ich weiß, wo Du wohnst. Wir sehen uns. This is Where I Live – internationale Kunstkontakte

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wir sehen uns – das klingt immer positiv. „Ich weiß, wo Du wohnst“, soweit es nicht beiläufig ausgesprochen wird, könnte von Ängstlichen oder Menschen mit schlechtem Gewissen oder Leichen im Keller als Drohung aufgefasst werden. Bei Nomaden, Obdachlosen oder Menschen ohne festen Wohnsitz führt der Satz ad absurdum. Wie das Zen-Koan von dem Klatschen der einen Hand (vgl. die Bücher von Nathalie Neuhäusser oder Ulrich Dehn) zeigt es ein unauflösbares Paradoxon: Wer nicht wohnt, wohnt nicht wo. Wo wohnt, wer nicht wohnt?

Kunst und Musik, könnte man denken, steht bei Menschen, die aus eigener Kraft ihre grundsätzlichsten Bedürfnisse nicht decken wollen oder können, hinten an. eiGanz weit hinten. Wie eine Berliner Professorin zum Thema Brötchenerwerb einmal sagte: „Brot kauft man immer, Bücher nicht“.

Trotzdem pfeift sich so mancher auch in verzweifelten Situationen ein Liedchen, wenn er nicht gerade aus dem letzten Loch pfeift.

Oder malt. Malt sich etwas aus, wie es besser sein könnte. Drückt sich mit Pinsel und Leinwand, Staffelei und Palette aus. Beschreibt vielleicht den Ist-Zustand seiner Umgebung, so trostlos sie sein möge. So wie die Gitschiner 15 kunstinteressierte Arme und Normalverdiener zusammenführen möchte, so wie dort in Kreuzberg Künstlern die Möglichkeit gegeben wird, Kunst herzustellen, auch wenn das Geld für die Farbe nicht reicht, gibt es weltweit mehrere Institutionen.

Wohin mit der Kunst, wenn man kein Dach über dem Kopf hat?

Doch dann kommt der nächste Schritt: Was macht man mit der Kunst? Was macht man mit den Bildern? Herbert Normalverbraucher hat möglicherweise schon wenig Platz, doch trotzdem eine Abstellkammer. Ob er nun zur Miete wohnt oder Eigentümer ist. Doch wo haben die Ärmsten ihre Abstellkammer?

Es gibt eine Initiative, die mittellosen Künstlern nicht nur das Malen ermöglicht, Ateliers zur Verfügung stellt, sondern auch Ausstellungsmöglichkeiten verschafft. Bedingung von „This is Where I Live“ ist, dass die Bildermaler obdachlos sind oder waren.

Einmal im Jahr – jetzt werden dann die Bilder nicht nur in den örtlichen Hilfszentren in den jeweiligen Ländern ausgestellt, sondern sogar um die Welt geschickt.

Teilnehmer aus fast aller Welt

Doppelvernissage in der Gitschiner 15 in Kreuzberg
Plakate zu den Ausstellungen „Cishuman“ und „THIS IS WHERE I LIVE“ – internationaler Kulturaustausch. Bis 1.9.2018. Foto/BU: Dirk Fithalm

Die Länder, aus denen die teilnehmenden Helfer und ihre Einrichtungen stammen, sind auf vier Kontinenten: Eurasien, Amerika und Australien. Die Vereinigten Staaten sind dabei und andere angelsächsische Länder wie Großbritannien, Australien und Neuseeland. Die Bundesrepublik Deutschland und das einmalige Indien.

Sie haben Papiere

An der internationalen, einmal im Jahr organisierten Austauschausstellung „This is where I live“ beteiligt sich das Kulturzentrum „Gitschiner 15“ zum dritten Mal und präsentiert ab 1. Juni 10 Werke in verschiedenen Techniken auf Papier, geschaffen von „Künstlerinnen und Künstlern aus den Städten“ New York, Mumbai, London, Auckland und Melbourne, wie die hauseigene Website verlautbart. „Die Künstler waren oder sind obdachlos.“

Gleichzeitig werden in diesen 5 Städten Zeichnungen und Gemälde von Gästen der Gitschiner 15 ausgestellt. Darunter Werke von Ursula Manthei. Nicht alle Künstler nehmen an dem internationalen Kulturaustausch teil.

Frau Manthei hatte in Berlin bereits eine Einzelausstellung:

Tauwetter-Kopfstand. Ursula Manthei eröffnet ihre Ausstellung von Zeichnungen und Aquarellen persönlich

Doppelausstellung mit Doppelvernissage eröffnet

Gleichzeitig zeigt der 19jährige Nils Ben Brahim ca. 40 Bilder und Collagen in Acryl- und Mischtechnik. Er nennt seine Ausstellung „CISHUMAN“; so wie auch eines seiner Bilder. Der Berliner nutzt das Atelier im Kulturzentrum Gitschiner 15.

Ausstellung im Kultur- und Sozialzentrum Gitschiner 15 in Berlin Kreuzberg
Ausstellung „Cishuman“ im Aufbau. Treppenhausgalerie im Kulturzentrum Gitschiner 15 in Berlin, bis 1.9.2018. Foto/BU: Dirk Fithalm

Genaueres über „Cishuman“ und einzelne Werke:

Unter die Oberfläche: „Cishuman“, erste Ausstellung von Nils Ben Brahim


www.nilsbenbrahim.com

Vergangene und noch nicht vergangene Ausstellungen 2018: Wir sehen uns!

Die Ende Mai abgehängten Vorgängerpräsentationen in der Café- und Treppenhausgalerie hießen „Blau“ von Mariyan Dyankov Dyankov (36), 25 kraftvolle Bilder, und „Wir sehen uns“. Der doppeldeutige Satz betitelt eine Schau des 75jährigen Fotografen Willy Giro. Die abgelichteten Gesichter sind die der Gäste des Kulturzentrums. Wie die Musikerin Jocelyn B. Smith.

Unsere geneigten Leser könnten nach der Lektüre von Bertrand Russell (Warum ich kein Christ bin) und Ayn Rand (Atlas shrugged/ Wer ist John Galt?) zweifeln, ob Sozialarbeit wirklich Gutes gebiert. Diesen könnte man zu Unvoreingenommenheit raten. Konzentration auf die Kunst.

Gute Betrachtungsgründe könnten außer dem Kunstgenuss auch folgende sein:

– Generationenübergreifend: Drei der erwähnten Künstler sind 19, 36 und 75 Jahre jung; auch Frau Manthei ist im Rentenalter. Wofür sich die Unternehmerin und Professorin Ulrike Detmers mit den Mestemacher-Preisen für „gemeinsam-leben“ „Großfamilie“, „Institutionalisiertes Mehrgenerationenhaus“ einsetzt, das wird hier gelebt.

– Nicht-ausgrenzend: Menschen mit viel Geld sind hier genauso gern gesehen wie jene mit wenig. (Die Vokabel inklusiv ist leider schon besetzt.)

Wir sehen uns!

Die Fotoausstellung wird teilweise fortbestehen und ist Ende Mai nicht (oder nicht vollständig) abgebaut worden. (Einzelheiten ggf. erfragen: Telefonnummern (und „Hotlines“): Verwaltung: 030 / 695 366 14. Sozialbüro: 030 / 695 366 13. Fahrradwerkstatt: 030 / 695 366 16.)

Der Ausstellungstitel könnte auch als Motto dienen. Wir sehen uns!

Öffnungszeiten: Die Kultur- (und Sozial-) Einrichtung, und damit auch die Ausstellungen, sind geöffnet Mo.-Mi. 9-17 Uhr, donnerstags später 11-17 Uhr und freitags nur von 9-14 Uhr.

Dauer: Die Ausstellungen werden den ganzen Juni, Juli und August über bis einschließlich 31.8.2018 gezeigt. Eintritt frei. Laut Plakat bis 1.9.‘18 bzw. 1.9.2018 (beides gut zu merken ohne Punkte als Eselsbrücke: bis 19 18 oder 19 20 18).

Anschrift/Adresse: Treppenhausgalerie, Gitschiner Straße 15 (Berlin-Kreuzberg), 10969 Berlin

Verkehrsanbindung:
Parkplätze im öffentlichen Straßenraum vorhanden, auch in der Alexandrinenstraße

BVG (ÖPNV): U-Bahnhof: Prinzenstraße (U1), oder Hallesches Tor U6/U1/ Bus M41/ 248, Hallesches Tor Anfang Juni auf der U6 nur mit Schienenersatzverkehr erreichbar vom Platz der Luftbrücke)
www.gitschiner15.de