Festgelände Stralauer Straße 1 am rechten Spreeufer gegenüber des S-Bahnhofs Treptower Park.

Tropical Island. AFFB mit Kunstmesse, Designermarkt und Livemusik – erst das Essen, dann die Kultur

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das afrikanische Essensfest Berlin heißt original African Food Festival Berlin (AFFB). In Berlin führt der Weg nach Afrika übers Englische. Berlin ist eben keine Insel (mehr). Warum sollte das AFFB eine (tropische) Insel sein? A tropical island? Auch wenn wir alle verglobalisiert werden, oder nun aufgrund des Trumpschen Rückzugs aus G7 ja jetzt irgendwie doch nicht, verstehen die meisten Deutschen deutsch noch am besten. Schon klar, Weltsprache englisch. Die Filmfestivals Berlinale und SEEFF führen englisch als Festivalsprache genau wie manch andere Hauptstadtveranstaltungen (z.B. „Writing in Migration)“.

Natürlich hat die englische Sprache weltweit eine gewisse Dominanz erreicht. Doch feixen die Latinos seit den 80er Jahren, dass von Miami bis San Diego bald alles spanisch spricht. Die meisten Sprecher eines Volkes hat das Chinesische – und die Einwohnerzahl Indiens könnte bald, nachdem China die Ein-Kind-Politik jahrelang verfolgte, die Chinesen von ihrem Spitzenplatz ablösen. Auf die Sprachen gehen wir unten in einem eigenen Abschnitt ein, damit es einem wie Schuppen von den Augen fällt.

Kurz gesagt ist englisch eine Lingua franca für die (Exil-)Afrikaner. Für wenig Sprachbegabte ist englisch – auch unter Landsleuten – die Krücke, mit der man so gut laufen kann, dass deutsch bisweilen vernachlässigt wird. Berlin macht es ihnen leicht, nicht nur der Coffee ist aus Togo.

Anderseits führen die ausschließlich englischsprachigen Handzettel und Flyer dazu, dass deutschsprachige Berliner sich abgeschreckt fühlen oder schlicht nicht verstehen, was dort annonciert wird. Für Zweisprachigkeit mag ja auf einer postkartengroßen Werbung nicht viel Platz sein. Doch einladend und aufgeschlossen geht noch besser.

Eine Postleitzahl ist auf der Karte, die unter anderem im Babylon-Kino in Mitte auslag, auch nicht zu finden. Halten wir einfach mal fest: Es gibt Kommunikationshindernisse.

Das AFFB am 9. und 10. Juni: Ein Tropical island

Das Food Festival hatte je nach Betrachtung schon ein, zwei oder drei Vorgänger unter derselben Leitung, aber in anderem Rahmen. Es hieß eben nicht immer so. War kleiner.

2017 war es schon einmal am Osthafen. Warum tropisch? Warum Insel?

Tropisch waren die Temperaturen am Samstag, den 9. Juni allemal. Die Sonne schien krass und die abendlichen dunklen Wolken verdunkelten zwar die Sonne, aber die nicht mitgebrachten Regenschirme konnte man steckenlassen. Mancherorts in Deutschland maß man 42 Grad im Schatten. Am Sonntag dann nachmittags drei Regengüsse mit großen Tropfen, ohne dass die Wärme – sagte ich Hitze? – verschwand.

Warum Insel? Das Gelände am Hafen – welche bewohnte Insel hätte keinen, nicht wenigstens einen kleinen Anleger? – hat eine natürliche und zwei künstlich-natürliche Grenzen. Es ist überhaupt nur von einer Seite zugänglich – von der Straße – und von dort wegen der straßenseitigen Gebäude nicht einsehbar. Im Süden – hört sich auch schon nach Insel an, „Süden“ – bildet die Spree die Grenze. Im Osten und Westen Brücken. Nur im Norden ist das eindrucksvolle Haus Alt-Stralau 1 Zugang und Bollwerk zugleich.

Das Essen im Vordergrund, die Kultur im gut sichtbaren Hintergrund

Von der Esskultur mal abgesehen wurde dem Geist viel geboten. Writing in Migration, ein von der KBB (Kulturveranstaltungen des Bundes) veranstaltetes Festival afrikanischer Literatur, kooperiert mit dem AFFB. Es gab einen Büchertisch.

Für die Ohren und zum Tanzen „Live Acts“, also Konzerte, und zwar von MARY MAY und Gue Gue. Musik auch von Discjockeys: Selecta Maestro aus London, Djs Jamie, Jon, Nomi, Boris, Mo Lateef, Haizel und Chadna.

Fürs Auge die Kunstmesse „AFFB Art Fair“ mit „Upcoming African artists“, also Künstern, denen eine große Zukunft bevorsteht und den AFFB Designer Market, Kunsthandwerk, Design, Textildesign. Im Fachjargon „African inspired goods“. Waren, deren Herstellung vom Geist des afrikanischen Kontinents angeregt wurde.
Weiterhin wurden „Workshops“ und „Talks“ angeboten. An die Werkstätten hat man sich schon gewöhnt, Gespräche und Podiumsdiskussionen kennt man auch noch unter anderen Namen.

Natürlich gab es eine Kinderecke „Kids corner“ mit „beach“, am Strand.

Die Sache mit der Sprache: Was in Indien und Afrika anders ist

In Indien gibt es etwa 20 Hauptsprachen, Telugu, Kannada, ja, auch Hindi. Doch sollte uns die phonetische Ähnlichkeit der Wörter „Indien“ und Hindi“ nicht darüberhinwegtäuschen, dass weniger als jeder Sechste Inder Hindi spricht. Die Lösung für Wirtschaft und Volk: Englisch ist die Verkehrssprache. Und in Afrika?
Da wir hier kein Afrikanistikstudium ersetzen können, greifen wir nur drei Länder des südlich von uns gelegenen Kontinents heraus.

Angola: die Kolonialsprache weit verbreitet, und trotzdem …

Kühlschrankmagnet Angola, Sammelzugabe einer Tankstelle aus dem Jahr 2006 (WM). Afrikanisches Land
Flagge Angolas auf einem Magneten zur Herren-Fußball-WM 2006 („Sommermärchen“). © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser
Zuerst Angola. Warum Angola? Erstens wollen wir wegen des Alphabets im Westen anfangen, im Westen des Südteils (also im Südwesten), zweitens aus verschiedenen Himmelsrichtungen Staaten stichprobenartig betrachten.

Außerdem ist Angola wohl das Land, in dem sich die Kolonialsprache am weitesten verbreitet hat. Ein Drittel der Angolaner sind portugiesische Muttersprachler. Und trotzdem sehen wir sogar hier, dass es einfach „zu viele“ Sprachen gibt. Von vielen davon kennt man in Europa noch nicht mal den Namen.

„Unter den afrikanischen Sprachen Angolas am weitesten verbreitet sind das Umbundu, von der ethnischen Gruppe der Ovimbundu gesprochen, das Kimbundu der Ambundu und das Kikongo der Bakongo sowie dessen Kreolvariante Kituba .“ Der Wikipediaartikel fährt in der Version des AFFB-Wochenendes fort:
„Andere Sprachen sind Ngangela, Oshivambo (Kwanyama, Ndonga), Mwila, Nkhumbi, Otjiherero und Chokwe sowie das im 20. Jahrhundert von Rückwanderern aus dem Zaire eingeführte Lingala.“
11 beziehungsweise 12 Sprachen habe ich gezählt, portugiesisch war noch gar nicht dabei. Ein Einzelfall? Nein.

Die Sklaven auf den Farmen im Süden der USA konnten auch nicht miteinander sprechen, darauf wurde zum Beispiel in der Berliner PFF (Protestant Faith Fellowship) zurecht immer wieder hingewiesen.

Vielleicht ist Angola einfach zu groß? Kolonien wurden ja meist den Völkern ziemlich link abgeluchst, um es einmal salopp und umgangssprachlich auszudrücken.

Der Senegal

Also schauen wir einmal nach Senegal. Der Senegal liegt im Westen am Atlantik, nicht allzuweit südlich von den Kanaren. Insgesamt gibt es zurzeit etwa 15 Millionen Senegalesen.
Die sechs senegalesischen Hauptsprachen Wolof, Serer, Diola, Pulaar, Soninke und Mandinka gehören zwar alle zur Niger-Kordofanischen Sprachfamilie, doch die Sprecher können sich nicht verstehen.
Dabei ist der westafrikanische Senegal klein. Die Bonner Republik, die Bundesrepublik Deutschland in den Grenzen von 1988, war bereits ein Viertel größer als das Land, das aussieht wie ein Gesicht, das nach Westen guckt, mit Dakar als Nase. Der Staat umschließt außerdem das längliche Gambia, als sei es die Zunge im Munde Senegals.

120 Sprachen im Tschad

Hangeln wir uns weiter im Alphabet nach Tschad, sind wir wieder in einem großen Land, das etwa dreieinhalbmal soviel Fläche aufweist wie das heutige Deutschland.

Der Tschad ist nur unwesentlich größer als Angola. Ein Binnenland zwischen Niger und Sudan, zwischen Libyen und der Zentralafrikanischen Republik. Hier wohnen weit weniger als 14 Millionen Menschen auf einer Riesenfläche. 10 Einwohner pro Quadratkilometer. Im Norden ist es nicht heiß wie in der Sahara. Da ist Sahara.

Im Tschad gibt es 120 Sprachen. Die Amtssprachen sind französisch und arabisch, wichtig ist auch das Sara. Ja, Sara ist eine Sprache. Nicht nur ein Name. Weitere nennenswerte Sprachen sind Bagimi, Dazaga, Tedaga und Zaghawa. Sara ist mit knapp einem Drittel der tschadischen Sprecher die zweitwichtigste Sprache.

Zum Vergleich: In der Bundesrepublik gibt es nur eine Handvoll deutsche Sprachen, bei sechsmal soviel Einwohnern.

Die Bibel spricht nicht umsonst von Babylon und meint damit weder das Babylon-Kino in der Dresdner Straße noch das in Mitte.

Das viele Englisch sei also vorübergehend verziehen. Auf die Dauer ist die Frage allerdings berechtigt, warum deutsch für das AFFB nicht wichtiger ist. Das Fest in der deutschen Hauptstadt hätte bestimmt mehr deutschsprachige Gäste, wenn diese von dem Festival erfahren würden.

Ein tropical island ist Berlin nicht, trotz der um die Wiedervereinigung und in den 80er Jahren beliebten Postkarten von Claudia Katz-Palme. Sie kolorierte beliebte Motive wie von der Gedächtniskirche und dem Kurfürstendamm und fügte von Hand Palmen und wilde Tiere hinzu.

Ob ein solches tropical island ein Paradies wäre, ist auch noch zu klären. Klärungsbedarf heißt Kommunikation. Und die sollte in der deutschen Hauptstadt ab und zu mal auf deutsch ablaufen. Understand? Vastehste?




Kultur- und Sozialzentrum Gitschiner 15 in Kreuzberg

Ich weiß, wo Du wohnst. Wir sehen uns. This is Where I Live – internationale Kunstkontakte

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wir sehen uns – das klingt immer positiv. „Ich weiß, wo Du wohnst“, soweit es nicht beiläufig ausgesprochen wird, könnte von Ängstlichen oder Menschen mit schlechtem Gewissen oder Leichen im Keller als Drohung aufgefasst werden. Bei Nomaden, Obdachlosen oder Menschen ohne festen Wohnsitz führt der Satz ad absurdum. Wie das Zen-Koan von dem Klatschen der einen Hand (vgl. die Bücher von Nathalie Neuhäusser oder Ulrich Dehn) zeigt es ein unauflösbares Paradoxon: Wer nicht wohnt, wohnt nicht wo. Wo wohnt, wer nicht wohnt?

Kunst und Musik, könnte man denken, steht bei Menschen, die aus eigener Kraft ihre grundsätzlichsten Bedürfnisse nicht decken wollen oder können, hinten an. eiGanz weit hinten. Wie eine Berliner Professorin zum Thema Brötchenerwerb einmal sagte: „Brot kauft man immer, Bücher nicht“.

Trotzdem pfeift sich so mancher auch in verzweifelten Situationen ein Liedchen, wenn er nicht gerade aus dem letzten Loch pfeift.

Oder malt. Malt sich etwas aus, wie es besser sein könnte. Drückt sich mit Pinsel und Leinwand, Staffelei und Palette aus. Beschreibt vielleicht den Ist-Zustand seiner Umgebung, so trostlos sie sein möge. So wie die Gitschiner 15 kunstinteressierte Arme und Normalverdiener zusammenführen möchte, so wie dort in Kreuzberg Künstlern die Möglichkeit gegeben wird, Kunst herzustellen, auch wenn das Geld für die Farbe nicht reicht, gibt es weltweit mehrere Institutionen.

Wohin mit der Kunst, wenn man kein Dach über dem Kopf hat?

Doch dann kommt der nächste Schritt: Was macht man mit der Kunst? Was macht man mit den Bildern? Herbert Normalverbraucher hat möglicherweise schon wenig Platz, doch trotzdem eine Abstellkammer. Ob er nun zur Miete wohnt oder Eigentümer ist. Doch wo haben die Ärmsten ihre Abstellkammer?

Es gibt eine Initiative, die mittellosen Künstlern nicht nur das Malen ermöglicht, Ateliers zur Verfügung stellt, sondern auch Ausstellungsmöglichkeiten verschafft. Bedingung von „This is Where I Live“ ist, dass die Bildermaler obdachlos sind oder waren.

Einmal im Jahr – jetzt werden dann die Bilder nicht nur in den örtlichen Hilfszentren in den jeweiligen Ländern ausgestellt, sondern sogar um die Welt geschickt.

Teilnehmer aus fast aller Welt

Doppelvernissage in der Gitschiner 15 in Kreuzberg
Plakate zu den Ausstellungen „Cishuman“ und „THIS IS WHERE I LIVE“ – internationaler Kulturaustausch. Bis 1.9.2018. Foto/BU: Dirk Fithalm

Die Länder, aus denen die teilnehmenden Helfer und ihre Einrichtungen stammen, sind auf vier Kontinenten: Eurasien, Amerika und Australien. Die Vereinigten Staaten sind dabei und andere angelsächsische Länder wie Großbritannien, Australien und Neuseeland. Die Bundesrepublik Deutschland und das einmalige Indien.

Sie haben Papiere

An der internationalen, einmal im Jahr organisierten Austauschausstellung „This is where I live“ beteiligt sich das Kulturzentrum „Gitschiner 15“ zum dritten Mal und präsentiert ab 1. Juni 10 Werke in verschiedenen Techniken auf Papier, geschaffen von „Künstlerinnen und Künstlern aus den Städten“ New York, Mumbai, London, Auckland und Melbourne, wie die hauseigene Website verlautbart. „Die Künstler waren oder sind obdachlos.“

Gleichzeitig werden in diesen 5 Städten Zeichnungen und Gemälde von Gästen der Gitschiner 15 ausgestellt. Darunter Werke von Ursula Manthei. Nicht alle Künstler nehmen an dem internationalen Kulturaustausch teil.

Frau Manthei hatte in Berlin bereits eine Einzelausstellung:

Tauwetter-Kopfstand. Ursula Manthei eröffnet ihre Ausstellung von Zeichnungen und Aquarellen persönlich

Doppelausstellung mit Doppelvernissage eröffnet

Gleichzeitig zeigt der 19jährige Nils Ben Brahim ca. 40 Bilder und Collagen in Acryl- und Mischtechnik. Er nennt seine Ausstellung „CISHUMAN“; so wie auch eines seiner Bilder. Der Berliner nutzt das Atelier im Kulturzentrum Gitschiner 15.

Ausstellung im Kultur- und Sozialzentrum Gitschiner 15 in Berlin Kreuzberg
Ausstellung „Cishuman“ im Aufbau. Treppenhausgalerie im Kulturzentrum Gitschiner 15 in Berlin, bis 1.9.2018. Foto/BU: Dirk Fithalm

Genaueres über „Cishuman“ und einzelne Werke:

Unter die Oberfläche: „Cishuman“, erste Ausstellung von Nils Ben Brahim


www.nilsbenbrahim.com

Vergangene und noch nicht vergangene Ausstellungen 2018: Wir sehen uns!

Die Ende Mai abgehängten Vorgängerpräsentationen in der Café- und Treppenhausgalerie hießen „Blau“ von Mariyan Dyankov Dyankov (36), 25 kraftvolle Bilder, und „Wir sehen uns“. Der doppeldeutige Satz betitelt eine Schau des 75jährigen Fotografen Willy Giro. Die abgelichteten Gesichter sind die der Gäste des Kulturzentrums. Wie die Musikerin Jocelyn B. Smith.

Unsere geneigten Leser könnten nach der Lektüre von Bertrand Russell (Warum ich kein Christ bin) und Ayn Rand (Atlas shrugged/ Wer ist John Galt?) zweifeln, ob Sozialarbeit wirklich Gutes gebiert. Diesen könnte man zu Unvoreingenommenheit raten. Konzentration auf die Kunst.

Gute Betrachtungsgründe könnten außer dem Kunstgenuss auch folgende sein:

– Generationenübergreifend: Drei der erwähnten Künstler sind 19, 36 und 75 Jahre jung; auch Frau Manthei ist im Rentenalter. Wofür sich die Unternehmerin und Professorin Ulrike Detmers mit den Mestemacher-Preisen für „gemeinsam-leben“ „Großfamilie“, „Institutionalisiertes Mehrgenerationenhaus“ einsetzt, das wird hier gelebt.

– Nicht-ausgrenzend: Menschen mit viel Geld sind hier genauso gern gesehen wie jene mit wenig. (Die Vokabel inklusiv ist leider schon besetzt.)

Wir sehen uns!

Die Fotoausstellung wird teilweise fortbestehen und ist Ende Mai nicht (oder nicht vollständig) abgebaut worden. (Einzelheiten ggf. erfragen: Telefonnummern (und „Hotlines“): Verwaltung: 030 / 695 366 14. Sozialbüro: 030 / 695 366 13. Fahrradwerkstatt: 030 / 695 366 16.)

Der Ausstellungstitel könnte auch als Motto dienen. Wir sehen uns!

Öffnungszeiten: Die Kultur- (und Sozial-) Einrichtung, und damit auch die Ausstellungen, sind geöffnet Mo.-Mi. 9-17 Uhr, donnerstags später 11-17 Uhr und freitags nur von 9-14 Uhr.

Dauer: Die Ausstellungen werden den ganzen Juni, Juli und August über bis einschließlich 31.8.2018 gezeigt. Eintritt frei. Laut Plakat bis 1.9.‘18 bzw. 1.9.2018 (beides gut zu merken ohne Punkte als Eselsbrücke: bis 19 18 oder 19 20 18).

Anschrift/Adresse: Treppenhausgalerie, Gitschiner Straße 15 (Berlin-Kreuzberg), 10969 Berlin

Verkehrsanbindung:
Parkplätze im öffentlichen Straßenraum vorhanden, auch in der Alexandrinenstraße

BVG (ÖPNV): U-Bahnhof: Prinzenstraße (U1), oder Hallesches Tor U6/U1/ Bus M41/ 248, Hallesches Tor Anfang Juni auf der U6 nur mit Schienenersatzverkehr erreichbar vom Platz der Luftbrücke)
www.gitschiner15.de




Michael Riedel, „Signet“, 1994.

Alles nur M? – Zur Ausstellung „Michael Riedel. Grafik als Ereignis“ im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main

Frankfurt am Main, Deutschland (Kulturexpresso). Im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main (MAK) wird am Freitag, den 8. Juni 2018, um 19 Uhr eine Ausstellung eröffnet, die den Titel „Michael Riedel. Grafik als Ereignis“ trägt und bis zum 14. Oktober 2018 laufen soll.

Die unter anderem von der Hessischen Kulturstiftung geförderte Veranstaltung soll sich laut Pressemitteilung des MAK vom 30.5.2018 „dem OEuvre von Michael Riedel, das an der Schnittstelle von angewandter und freier Grafik“ operiere, widmen. „Das Zentrum der Ausstellung bildet ein Werk, das am Beginn der erfolgreichen internationalen Karriere des damals 22-Jährigen steht: das 1994/95 entstandene Frühwerk mit dem Titel Signetische Zeichnung. Dabei handelt es sich um über 1000 Zeichnungen, zu denen auch nicht gezeichnete Zeichnungen zählen. 2016 wurde dieses Frühwerk vom Städelschen Museums-Verein e.V. erworben und ist nun erstmalig in vollem Umfang in einem Museum zu sehen.“

„Nicht gezeichnete Zeichnungen“? Dafür gab es zu meiner Zeit keine Ausstellung. Im Gegenteil! Es hieß: „Setzen, sechs.“ Zuvor musste das Kind auf Befehl des Erwachsenen vor versammelter Klasse aufstehen. Auch Kunstunterricht konnte grausam sein.

Der Weg des Michael Riedel, der 1972 in Rüsselsheim geboren wurde, war wohl ein anderer. Laut MAK habe der Künstler „zwischen den Jahren 1994 und 2000 an der Kunstakademie Düsseldorf, der Städelschule in Frankfurt am Main, wo er Meisterschüler von Hermann Nitsch wurde, sowie an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts de Paris“ studiert. Den Lehr- und weniger Wanderjahren schloss sich im Sommer 2017 eine Professur für Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig an.

Dort und in Frankfurt während der Vernissage sollte die Möglichkeit bestehen, mit Riedel darüber zu diskutieren, ob Prozess und System eins werden könnten, sich ein System erhält, indem es sich verändert oder alles nur M ist.

Von frühen bis zu aktuellen Werken würden in der Ausstellung „raumgreifende Installationen mit Zeichnungen, Wachsbüchern, Publikationen und Künstlerbüchern, mit Postkarten, Plakaten, Tapeten, Bildserien und „Poster Paintings“ bis hin zu bewegten digitalen Bildern Grafik als einen offenen, steten Prozess – als ein sich selbst fortschreibendes System in der Kunst“ inszenieren.

Vielleicht steht und hängt das alles auch nur da rum ab 8. Juni im

Museum Angewandte Kunst

Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main.




Nils Ben Brahim beim Aufbau seiner ersten Ausstellung

Unter die Oberfläche: „Cishuman“, erste Ausstellung von Nils Ben Brahim

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es ist nicht die erste Einzelausstellung des jungen Künstlers, es ist seine erste Ausstellung überhaupt: „Cishuman“ von Nils Ben Brahim, keine zwanzig Jahre alt und jünger wirkend, aber enorm belesen. Das wirkt sich unter anderem darin aus, dass sich bei fast jedem seiner Bilder Bezüge finden lassen. Darunter Namen, die man bei 18-, 19Jährigen nicht erwartet: Bakunin, Basquiat, Benjamin – und immer noch sind wir beim Buchstaben „B“ wie Berlin oder B. Traven. So unterschiedliche Figuren wie Walter Benjamin und Paul Klee, Marut-Traven, Lars von Trier und Vinterberg.

Teilweise bezieht sich Ben Brahim nur auf eine Ebene. Bei dem Bild „Das Fest“ nur auf den gleichlautenden Titel des 101minütigen Spielfilmes auf dem Jahr 1998 (dänischer Originaltitel „Festen“), der von Thomas Vinterberg nach den Regeln der Gruppe Dogma 95 gedreht wurde. Nicht auf den Inhalt.

Das könnte man für oberflächlich halten, doch genau das ist es nicht.

Sowohl mit seiner Maltechnik geht er unter die Oberfläche, in der er mehrere Schichten schafft, die er wiederum stellenweise durchstößt, zerschabt, übermalt und erneut bearbeitet und damit die Reliefstruktur des Kunstwerks verstärkt, als auch inhaltlich.

Jedes seiner Werke will unter die Unterfläche gehen.

Ein Gespräch mit dem Künstler der Ausstellung „Cishuman“

„Kurz vorab: Was ist eigentlich ‚Cishuman‘?“

Nils Ben Brahim: „Diesen Ausdruck habe ich erfunden. Das Wort gibt es nicht.“ (Gab es nicht; d. Red.)

Was bedeutet es? „Es steht im Gegensatz zu ‚transhuman‘“. Neoliberalisten versuchen zwar, jenen Begriff positiv zu besetzen, doch letztlich wirkt er entmenschlichend.

Was könnte man synonym verwenden?

Nils Ben Brahim: „Es gibt kein Synonym in einem Wort“.

„… deshalb haben Sie den Begriff erfunden.“

Nils Ben Brahim: „Ja. Am ehesten kommt ihm nahe: ‚sich auf den Augenblick beziehend, auf das Jetzt‘. ‚Sich auf den Menschen beziehend‘.“

Frage an den Künstler: „Wie soll denn die Botschaft an den Besucher aussehen?“

Möge sich der Besucher mit den Bildern beschäftigen

„Das geht ja in der Postmoderne eh verloren. Dort geht es um Sensationen und Vermarktbarkeit.“

Das zentrale Wort, an dem man sich reiben und dem man widersprechen kann, sei:
Oberflächlichkeit“.

„Ich versuche, die Oberfläche aufzubrechen.“

„Meine Bilder sind ja prinzipiell nicht immer leicht zu verstehen.“

Der Künstler verbessert sich: „Schwer.“ Das ergäbe:

‚Meine Bilder sind ja prinzipiell schwer zu verstehen.‘

Er korrigiert sich nochmals: „Gar nicht.“
„‘Gar nicht‘ klingt besser.“

Gerade deswegen – oder trotzdem – wünscht sich Nils Ben Brahim, dass sich der Besucher mit den Bildern beschäftigen möge. Um dann zum Beispiel den anarchistischen Künstler Ret Marut, Kulturminister der Münchener Räterepublik, zu entdecken, der später als Schriftsteller unter dem Pseudonym B.Traven weltberühmt wurde.

Oder Paul Klee.

Oder Walter Benjamin und seine Ideen und Ansichten.

Unter der Oberfläche schnorcheln

Nils Ben Brahim meint, dass seine Collagen unter der oder die Oberfläche des Kapitalismus gehen.

Wir fragen nach: „Wie schnorcheln?“ „Ja.“

Das stellen wir uns so vor:
Noch im Licht. In der lichtdurchfluteten Oberschicht des Wassers, dort wohin man nicht tauchen muss; aber die Oberfläche bereits durchbrechen, durchstoßen. Die Fluten der Ignoranz, verhärteter Strukturen, die, wie Bernd Senf es formuliert, sich vom Main Stream zum Main Block entwickelt haben.

Das Credo des jungen, verheißungsvollen Künstlers, von dem noch viel zu erwarten ist:

Durch Aufbrechen der Oberfläche kann man einen Neustart schaffen.

Bilder einer Ausstellung – „Cishuman“

Bildtitelschilder der Ausstellung "Cishuman" in der Gitschiner Straße 15 in Berlin-Kreuzberg.
„Cishuman“. „Schurkenstaat.“ „Mut zum Aufbruch“. Titel von Nils Ben Brahim. © 2018, Foto/BU: Dirk Fithalm

„Serieller Abfall“
Serie mit 3 Bildern (bis dato)
(Hängungsort: 2. Stock auf dem mit Sitzbank erweiterten Treppenabsatz.)
Jedes Bild weist das gleiche Gesicht mehrfach auf. Darunter Zeitgenossen wie Mahdi, der allerdings nicht Modell stand, sondern nach einem Foto gemalt wurde oder der Übersetzer und Denker Walter Benjamin, dessen Werk „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit“ den Ausgangspunkt von Ben Brahims Überlegungen darstellt.

Brahim stellt Porträts verschiedener Qualität auf einem Gemälde nebeneinander und merkt an:
Technik könnte das nicht. Ein Kopiergerät, ein Scanner, kopiert nur tumb das immer selbe und schöpft:- nichts.

Ein Mensch dagegen macht beim Kopieren immer Fehler, wie wir an den Bibelübersetzungen und den Bibelkopisten sehen können. Handschriftliche Manuskripte langer heiliger Schriften sind nicht zu 100 Prozent identisch. Über Jahrtausende können erhebliche Abweichungen entstehen. Unverständnis. Ganz falsche Wege in der Exegese.

Serieller Abfall: 3 Bilder einer Ausstellung in der Gitschiner Straße 15, Zentrum für Gesundheit und Kultur gegen Ausgrenzung und Armut; für Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen.
Nils Ben Brahim vor „Serieller Abfall“, einer Bilderserie. Teil der Ausstellung „Cishuman“ in der Gitschiner 15. © 2018, Foto/BU: Dirk Fithalm

Maltechnisch bezieht sich Ben Brahim unter anderem auf Basquiat und Paul Klee. Basquiat malte u.a. auch in Schichten und schrieb oder zeichnete Wörter auf die Leinwand. Auch Fotos werden auf dem Malgrund befestigt und anschließend in die Gesamtkomposition einbezogen.

Er verwendet gern Acrylfarben und Mischtechnik

Bei Klee, den er mit seiner Beachtung lobt, nimmt er zum Beispiel das Verhältnis von Bildmitte zum Bildrand auf und, wie es scheint, auch den Bildtitel.

Ist heute wirklich alles vermarktbar?

Bild „Unvermarktbare Subkulturen“
(Hängungsort: Zwischen 1. und 2. Stock kurz über dem halben Treppenabsatz)

„Es gibt noch Unvermarktbares.“

Das ist eine zentrale Aussage und Erkenntnis des Künstlers, der eigentlich ständig durch seine Werke Kapitalismuskritik übt.

Das Bild „Unvermarktbare Subkulturen“ diene als Beweis dafür, dass der Markt noch nicht alles aufnehmen kann-. Es gibt noch Unvermarktbares. Man kann Sch…e im Internet bestellen und sie essen, es gibt für fast alles einen Markt“, hält der junge Wilde richtig fest.

Billiger als Basquiat

Die Preisspanne (Price range) der Bilder bewegt sich zwischen Euro 200 und 800. Der Künstler stellt fest, dass tatsächlich jeweils nur ein Bild diese Eckdaten aufweist und sich alle anderen Bilder preislich dazwischen befinden; die größeren zum Beispiel bei EUR 600.

Am Dienstag waren 34 Schilder, kleine, weiße Schildchen mit der Bildbenennung, hergestellt worden. Am Mittwoch waren es schon 52.

Die offizielle Version, wieviele Bilder es seien, lautet – auch vonseiten des Künstlers – „etwa 40“.

Die meisten hängen im Treppenhaus des alten, aus Ziegelsteinen gemauerten Gewerbebaues, das 3 Etagen erschließt, bevor es vor dem frisch renovierten Dach haltmacht, das wegen unsinniger Auflagen nicht mit Solarzellen ausgestattet werden durfte.

Einige werden auf Staffeleien präsentiert werden.

Wie anstrengend es ist, aufzubauen, zudem bei der am Dienstag vorherrschenden Hitze und der Schwüle am Mittwoch, den 30. Mai, erfuhr der junge Mann am eigenen Leib.
Trotzdem lehnte er Hilfe bei der Hängung ab und beschäftigte sich tagelang damit. Immerhin hat er rechtzeitig begonnen und eine Woche Zeit mitgebracht. Dienstag nachmittag war die vorige Ausstellung komplett abgehängt, 24 Stunden später hätte man, in Unkenntnis über die Anzahl der Exponate, denken können, die Ausstellung hinge; wären da nicht die Bilderstapel in der Ecke vor der Kreativetage im zweiten Stock.

KE – Künstleretage, Kreativetage oder Kulturexpresso?

Die interne Abkürzung für die Künstleretage „Kreativetage“ in Kreuzberg ist übrigens KE. Ganz genauso wie bei Kulturexpresso.

Produktiv ist er, Nils Ben Brahim. In kurzer Zeit hat er bereits ein Oeuvre von bemerkenswertem Umfang geschaffen.

www.nilsbenbrahim.com
Es gibt auch ein Bild mit dem Titel „Cishuman“. Es ähnelt jenem, das man auf dem Handzettel und Ausstellungsplakat finden kann.
Doch bei genauer Lektüre des Flyers liest man auf der Ab-Bild-ung oben die Worte: „Flugtaxis – das schaffen wir!“ Dementsprechend ist das Bild, das als Motiv auf dem Handzettel und Plakat reproduziert wurde, „Flugtaxis“ betitelt.

Bild "Cishuman" von M. Ben Brahim auf Plakat zur gleichlautenden Ausstellung in Berlin
Plakat zur Ausstellung „Cishuman“, das Bild „Flugtaxis“ aus dem Jahr 2018 zeigend (Mischtechnik auf Leinwand). Foto/BU: Dirk Fithalm

Gitschiner 15/ Zentrum für Gesundheit und Kultur, gegen Ausgrenzung und Armut. (Gitschiner15)

Treppenhausgalerie
Gitschiner Straße 15
Berlin-Kreuzberg (61)
10969 Berlin
Tel. 69536614
www.gitschiner15.de
(Zentrum: ab 11 Uhr), Ausstellungseröffnung am Freitag, den 1. Juni 2018 um 18 Uhr. (Bis 1.9.18)

Viele Gruppenausstellungen sind in der Gitschiner 15 bereits gezeigt worden, doch nur wenige Einzelausstellungen:

Tauwetter-Kopfstand. Ursula Manthei eröffnet ihre Ausstellung von Zeichnungen und Aquarellen persönlich

Neben der Kunst ist die Musik ein wichtiger Bestandteil der Kultur, die in Kreuzberg gepflegt wird:

Gute Musik und offene Ohren. OPEN HOUSE in der Heilig-Kreuz-Kirche mit den „Different Voices of Berlin“ und Jocelyn B. Smith

Etwas mehr über Jean-Michel Basquiat findet man hier:

Jean-Michel Basquiat – der James Baldwin der Kunst? Basquiat-Film zur Basquiat-Ausstellung




Villa Gloria von Eckart Haupt.

Ein Musiker malt oder „Impressioni mediterranee“ von Eckart Haupt im Carl-Maria-von-Weber-Museum in Dresen

Dresden, Deutschland (Kulturexpresso). Unter dem Titel „Impressioni mediterranee“ wird vom 25.5.2018 bis zum 19.9.2018 im Carl-Maria-von-Weber-Museum eine Ausstellungen über einen Musiker gezeigt, der malt, also Arbeiten auf Papier vom 1945 in Zittau geborenen Eckart Haupt.

Von Haupt, Kennern als Flötenvirtuose bekannt, der ab 1970 unter Kurt Masur Soloflötist der Dresdner Philharmonie war, von 1981 bis zum Ruhestand war er Soloflötist an der Staatskapelle Dresden, liegt eine umfangreiche Diskografie vor, darunter Aufnahmen mit Werken von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach. Sein Repertoire reicht vom Barock bis zur Moderne.

Seit 1970 war Haupt auch als Hochschullehrer tätig, 1989 wurde er Professor für Flöte an der Musikhochschule Dresden. 2010 promovierte er zudem zum Doktor der Philosophie.

Doch im Carl-Maria-von-Weber-Museum geht es um Haupt als Zeichner und Maler, der in seiner Kindheit durch den Oberlausitzer Maler Hans Lillig, durch den Schriftsteller Ludwig Renn und durch das grafische Werk von Johannes Wüsten, später dann durch den Dresdner Maler und Architekten Peter Albert angeregt wurde. Sehen Sie selbst!

Die Eröffnung der Ausstellung findet am heutigen Abend ab 18 Uhr statt. Die Ausstellung im Carl-Maria-von-Weber-Museum, Dresdner Straße 44, 01326 Dresden, läuft vom 25.5. bis 19.9.2018 und kostet vier Euro Eintritt, ermäßigt drei Euro.




Ausstellung "Legende Queen Elisabeth II." im Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

Queen Elizabeth II. in Gemälden, Fotografien, Briefmarken, Münzen und Medaillen aus der Sammlung Luciano Pelizzari – Ausstellung „Legende Queen Elisabeth II.“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Völklingen, Saarland (Kulturexpresso). „Es war nicht geplant, dass das Datum der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle mit der Ausstellungseröffnung zusammenfällt“, erklärt verschmitzt lächelnd Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des saarländischen zum Kultur- und Sciencecenter umfunktionierten Ex-Stahlproduktions-Weltkulturerbes auf der Pressekonferenz im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Er ergänzt: „Wir hatten das Datum schon früher festgelegt“ und fügt an, dass die Ausstellung „Legende Queen Elisabeth II.“ die dritte Ausstellung zum Thema Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland und die Motivation der „Brexit“ sowie die Zeitgeschichte gewesen sei.

Die 450.000 Euro teure Ausstellung mit ihren 1.500 Exponaten umfasse vier Stränge: 1. Die geschichtliche Biografie der Queen von ihrer Geburt bis heute, 2. Die über Jahrzehnte hinweg entstandene Sammlung Luciano Pelizzaris mit Fotos unterschiedlicher Künstler (Leibovitz e.a.), 3. eine historische, millionenschwere Briefmarkensammlung aus dem gesamten Commonwealth mit Queen- und Königsfamilie-Portraits, „vor der sich Philatelisten aus der gesamten Welt hinknien“, so Prof. Grewenig, „samt blauer und roter Mauritius und die schwarze Penny Black. Die Briefmarkensammlung der Queen ist die größte der Welt.“ und 4. Erinnerungsporzellan aus der Sammlung Marina Minelli. Es sind historische Porzellane und Teeservice, die speziell anlässlich der Krönungs- und Hochzeitszeremonien der britischen Königs-und Königinnenhäupter speziell angefertigt wurden. Das Krönungsporzellan der Queen – ein Musthave für alle Briten, so Prof. Grewenig. Prince Harry und die zukünftige Prinzessin Meghan sind noch nicht dabei – sie heiraten heute!

„Und nun hier ein Goldschatz“, lockt Ausstellungsleiter Frank Krämer die zahlreich erschienene Pressemeute zu gesicherten Glasvitrinen – Goldmünzen mit Konterfeis Elisabeth II. und auch ihrer Familie.
Ob denn auch etwas anderes gezeigt werde als nur die Hochglanzseiten, will eine Kollegin wissen –
an Bildern wären hier zu erwähnen das ungewöhnliche Portrait Lucian Freuds, Andy Warhols respektabler Siebdruck in bekannter Manier, den er zwei Jahre vor seinem Tod fertigte oder auch „God save the Queen“ von Jef Aerosol, der sie in seinem Sprühlackportrait einfach zusammen mit einem „Sexpistols“-Mitglied auf ihrem Plattencover „God save the Queen“ abbildet, auch das Drama um den Tod Lady Dis wird dokumentiert.

Herausragend und beeindruckend ist nach wie vor die Haltung der jungen, extrem hübschen Elisabeth, die in den Kriegsjahren gegen Nazi-Deutschland ihrem Volk schon als Adoleszente in Radioansprachen Mut machte „Wir als Kinder…“ und auch lernte, Lastwagen zu fahren und zu reparieren. Die zu sehenden Fotos und zu hörenden Radioauszüge aus dieser Zeit zeigen den Mut und edlen Charakter dieser unvergleichlichen Ikone.

„Die Queen ist die am meisten dargestellte Person des 20. Jahrhunderts“, sagt Prof. Grewenig, „die alle Präsidenten der USA und Deutschlands getroffen hat, um nur zwei Beispiele zu nennen.“

„Mein Sohn sagt, die Queen sei wie seine Großmutter für ihn“, erzählt eine französische Kollegin. Ja, sie hat uns alle schon seit unserer Geburt begleitet und dank ihrer Disziplin bis heute, bis sie sich durch Charles eines Tages in den wohlverdienten Ruhestand versetzen lassen wird.

Wird ein zehnminütiges Video am Anfang der Ausstellung die Queen-Fans und Royalty-Interessierten heute vom Fernseher weglocken, wenn Millionen vor den TV-Empfängern die Prunkhochzeit ihres Enkels Harry mit Meghan gebannt verfolgen? Sicher in der Folgezeit – gerechnet werde mit 50.000 Besuchern, meint Prof. Grewenig.

Die Ausstellung in der Völklinger Hütte findet vom 19. Mai 2018 bis zum 6. Januar 2019 statt.




Temporäres Räuberrad auf der triangulären öffentlichen Grünfläche vor der Berliner Volksbühne

Büchse auf! Aus der Dose Leben. Feuerstein öffnet Geistkonserve (vor Volksbühne) – für Stärkung der Freiheit von Kunst und Kultur

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Geistkonserve? Der Zeitpunkt war gut gewählt. Die Sonne schien, das Gras war grün. Auf der dreieckigen öffentlichen Fläche vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz: Handwerker am Werk. Nebenan fand Kultur statt. Im Kino Babylon-Mitte lief bereits seit Mittwoch das polnische Filmfest Filmpolska und in Saal 1 „Writing in Migration“ (WiM), eine hochkarätige Debütveranstaltung über afrikanische Literatur.

Wochenendfreiheit

Am Samstagnachmittag hatten viele Zeit und mancher WiM-Gast nutzte wenigstens eine kurze Pause, um die Sonne zu genießen und den tiefblauen Himmel. Viele andere zogen das Draußen dem Drinnen vor, sei es nun hier in Mitte oder weiter draußen. Sie genossen die vorübergehende Freiheit. Des Wochenendes, Freiheit von. Der Lohnarbeit. Teils recht freizügig. Wegen der Wärme. Unter dem unbegrenzt scheinenden Himmelszelt. So stießen zu den Absichtsbesuchern der gegenüber der Straßenebene erhöhten Rasenfläche mit Blick auf den Fernsehturm Passanten und Zufällige. Gallery Weekend war auch noch am 28. April. Galerien und Pop-up-Galleries zeigten vielerorts viel.

Kultur am Platz

Ach ja. Und in der Volksbühne soll es ja auch ab und zu Kultur geben. Zumindest im Roten Salon. Dort fand unlängst sogar ein großes Kulturereignis statt. Der Dichter RAN – Rainer Anton Niedermeier – trug am 19. April kraftvoll starke Gedichte vor ( ran-poetry.de) begleitet von zwei wunderbaren Musikern.

Wozu sich also in Berlin Sorgen machen um Kunst und Kultur? Oder die Freiheit dieser?

Wir befragten Passanten, Demonstranten und Besucher, die Veranstalterin und die Polizei. Wurden auch selbst befragt von einem Interviewgast, wie denn das Interview laufen solle. Allein, das war von einem Kollegen vom Fernsehen geplant. O-Töne sammeln in der Sonne. Der Ü-Wagen des RBB berichtete live, kam aber nicht wegen der Eröffnung auf dem Rasen.

Ein Samstagnachmittag auf der Rasenfläche. Was zimmern die Helfer? Ein Fußballtor? NEIN.

Was ist hier los?

Die erste Befragte war ein junge, tätowierte Polin. Ob diese an diesem Tag oder überhaupt zu Filmpolska ging, wissen wir nicht. Das war nicht Thema. Die Kommunikation lief zum größten Teil auf englisch und ein wenig deutsch-polnisch. Worum es denn da auf dem Rasen gehe? Ja, die Volksbühne, das Rad, es sei weg, und die Volksbühne auch, nein, nicht die Bühne, aber die Leute, die das früher gemacht haben und jetzt sei das eine Demonstration dagegen. Wohl. Wenn ich Genaueres wissen wolle, solle ich doch mal in der Mitte fragen. Nun, wo ich schon mal in Mitte war …

Was sagt die Polizei?

Die Polizei merkt an, die Fläche sei öffentlich. Wo denn das Kunstwerk sei, das hier früher stand? „In der Restauration, in Frankreich.“ Es werde wohl auch erstmal nicht zurückkommen. Ob denn die Aufstellung des Rades legal sei? Ja, die Veranstaltung sei angemeldet und genehmigt. Die Errichtung des „Wagenrades, nein Räuberrades“ sei ausdrücklich ein Teil der Veranstaltung und in Ordnung. Die Konstruktion werde errichtet und nach kurzer Zeit vor Ende der Veranstaltung am selben Tag wieder abgebaut. Alles gesetzestreu. Ob denn eine dauerhafte Aufstellung oder Errichtung beantragt worden sei? „Eine Sondernutzungsgenehmigung gibt es nicht. Sie wäre erforderlich bei Nutzung öffentlichen (Straßen-)landes, genau wie bei der Aufstellung von Tischen und Stühlen.“ Ob denn eine Sondernutzungsgenehmigung angestrebt worden sei? Das entzog sich der Kenntnis der Vertreterin der Exekutive.

Interviews

Weitere Demo-Besucher wurden befragt. Ob es sich nun um einen Demonstration oder ein Happening oder eine direkte Aktion handelte, wussten wir immer noch nicht so genau.

Der ausgewählte Besucher war ein geladener Gast. Er hatte bei der jüngsten Abgeordnetenhauswahl sein passives Wahlrecht genutzt und sich als Unabhängiger aufstellen lassen, um das bedingungslose Grundeinkommen bedingungslos zu unterstützen. DM-Gründer Werner macht sich dafür stark. Gregor Gysi sagte uns in Wolfsburg, dass er es aus drei Gründen nicht unterstützen könne. Das begründete er wie immer schlüssig und klug. Gysi gab allerdings zu, dass andere Linke das mit dem Grundeinkommen oft anders sähen.

Die Linken sind rechts

Richtig. Die Linken. Die sind rechts. Rechts am Platz, der nach eine Sozialistin benannt ist, in der Weydingerstraße. Sie flankieren die räumliche Situation derart, dass sie weder von der Volksbühne noch von der Dreiecksgrünfläche übersehen werden können. Es sei denn, man sei kurzsichtig, oder blind. Die Politik ist das manchmal. Doch bleiben wir bei der Kultur.

Die gute Atmosphäre unter den dem Ereignis Beiwohnenden spricht gute Bände. Die Veranstalterin wird mir vorgestellt. Rike. Und mit Nachnamen? Feuerstein.

Geistkonserve? Worum geht es?

Worum es hier ging hätten auch schweigsame und kontaktscheue Leser unschwer herausfinden können. Hätten sie keine Scheu vor Annäherung gehabt. Sprachen doch zwei recht kleine Schilder in kontrastreicher, sehr gut lesbarer Schrift eine deutliche Sprache.

Am Anfang steht das Wort – Geistkonserve

Es geht: Um die Stärkung der Freiheit von Kunst und Kultur. Durch – zweites Schild – Eröffnung der Geistkonserve. Nun, mal angenommen. Da wir als Journalisten auf vielen Hochzeiten tanzen, können wir nicht überall den ganzen Abend bleiben. Oder Nachmittag. Um so etwas zu verstehen –immerhin wurde ein genau neues Wort dafür erfunden – braucht man mitunter oder unter Umständen mehrere Tage. Aber wer hat die heute? Oder nimmt sie sich?

Die Symbolik muss vielleicht für sich sprechen und einen großen Teil des Verständnisses erzeugen. Und dann: auch bei Kunst und vielen Spielfilmen stehen wir wie der Ochs vorm Berge. Nicht erst seit der nouvelle vague (vage übersetzt: die neue Welle) ist das Vage im Film schick. Auch wenn es manche in bestimmten Fällen zur Weißglut bringt, weil sie das Rätsel nicht lösen können. Hier gibt es etwas ganz Handfestes. Das Wagenrad, nein Räuberrad. Das, das vorher hier stand, war fester, stabiler und standfest. Sogar wetterfest.

Das neue ist aus Sperrholz. Doch halt: es ist KEIN Ersatz!

Genehmigung? Wozu? Geistkonserve ist eröffnet

Ich frage Rike Feuerstein, ob denn eine Sondernutzungsgenehmigung beantragt wurde. Sie überlegt kurz. Sehr sympathisch. Leute, die wie aus der Pistole geschossen antworten, sind entweder Politiker, oberflächlich, oder Genies. Oder, im Einzelfall, superschnell. Dem Regierungssprecher würde ich das zutrauen. Aber nur wenigen. Ich habe Zeit, kurz ihre Kleidung zu betrachten. Sie trägt oben an der Oberfläche etwas Lilanes. Sehr spirituell. Die Frau hat nicht nur Initiative ergriffen, sie bewegt etwas.

Feuerstein hat das Rad erfunden

Es heißt ja, man müsse das Rad nicht neu erfinden. Doch das stimmt nicht immer. Denn das neue Rad stünde hier nicht. Genauer: wäre nicht hier. Denn es liegt nur auf dem Rasen. Fast rund. Aber Fußball ist die letzte Assoziation, auch im Jahr der WM. „Hätte es aufgerichtet werden sollen?“ „Nein.“ „Und es braucht hier auch nicht zu bleiben. Wozu?

Die Geistkonserve ist eröffnet.

Alles andere geht jetzt von allein.“

„So ein bisschen wie mit der Büchse der Pandora? Die man besser nicht öffnen soll?“

„Ja, genau.“

Be here now. Sei jetzt hier. Achte den Augenblick

Toll. So wie die Klebebande oder andere Taper arbeiten. Angeklebt, angeschaut, wieder weggemacht. Entfernt. Fast so, als sei das Kunstwerk nie dagewesen.

Die Klebebande klebt dir was – Tape-Art-Projekte und Ideen – Kunst aus Klebeband

Sinn für den Augenblick. Eine Art „Kirschblüten – Hanami“. Nur, dass nicht die Natur malt, sondern der Mensch …

Ausgedost

Geistkonserve? Ich bin dafür!

Die Welt kann noch ein bisschen Geist gebrauchen. Ob der nun aus der Konserve kommt oder nicht. Jedes Gramm zählt, wo doch Dummheit unausrottbar ist (vgl. Horst Geyer, „Über die Dummheit. Ursachen und Wirkungen der intellektuellen Minderleistung des Menschen“.)

Und den Geist einsperren, wie es viele Regierungen und Konzerne versuchen, um ihre Konserven zu verkaufen? Ist eh nicht sinnvoll.

Geistkonserve eröffnet. Geist freigelassen, der jetzt wirkt, sich entfaltet. Lassen wir uns überraschen, seit dem 28.April ist alles anders. Gute Aussichten.

Volksbühne Ost am 16. März 2016 noch mit Räuberrad.
© 2016, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Die Volksbühne Mitte am 16. März 2016 noch mit. [Mit Räuberrad.] (Vorher – nachher.)

Abendansicht Volksbühne Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte
Die Volksbühne im Oktober 2017. Links der Rote Salon. © 2017, Foto/BU: Andreas Hagemoser




Künstlerin Rosaana Velasco mit Auktionator in der Mexikanischen Botschaft Berlin

Bezaubernde Blicke. Malerei und Zeichnungen: Rosaana-Velasco-Ausstellung in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 8. Mai ist Frieden. Wie hieß es bei Hasek im Film, als sich der Soldat Schwejk verabredete? Nach dem Krieg um acht. Außerdem sprach Schwejk brav: Nicht schießen, hier sind doch überall Menschen! Heute abend um 7 (um 19 Uhr) findet die Vernissage zu Rosaana Velascos Ausstellung BEZAUBERNDE BLICKE statt.

Kunst und Konzert

Einführung von Frau Katharina Faber, M.A.

Liliana Cobos, die deutsch-mexikanische Musikerin und Kollegin Velascos, wird wieder einmal mit ihrem Gesang für die musikalische Einrahmung und Begleitung der Veranstaltung sorgen; diesmal mit Eric Trejo (Gitarre).

Der 8.5.‘18 in Berlin: Strahlende Sonne, tiefblauer Himmel, am Vormittag schon über 20 Grad Celsius im Schatten, den viele suchen.

Bezaubernde Blicke, Beine hoch oder Park?

Heute abend in den Park? Zum Feierabend Beine hoch? Schon verabredet, um „LUCKY“ im Kino anzuschauen? Kein Ding, die Ausstellung wird bis zum 29. Juni 2018 zu sehen sein.

EWA-Frauenzentrum (nicht Eva, aber das Symbol ist ein Apfel)
Prenzlauer Allee 6
10405 Berlin

Ausstellung Bezaubernde Blicke. Malerei und Zeichnungen
– Montag-Donnerstag 11-20 Uhr,
– Freitag 11-13 Uhr beziehungsweise: siehe Programm.
Während dieser Öffnungszeiten sind Veranstaltungen in den verschiedenen Ausstellungsräumen auf mehreren Stockwerken möglich. Eine Anmeldung oder entsprechende telefonische Rückfrage ist also oder kann sehr sinnvoll sein, da sonst Teile der Ausstellung Bezaubernde Blicke zu bestimmten Zeiten nicht einsichtig sein werden: Tel. +49 (0)30 442 55 42 oder 442 80 23, E-Mail: ewa-ev@arcormail.de

Dauer: 8.5.2018-29.6.2018

www.ewa-frauenzentrum.de

Im Tiergarten, im Tiergarten ist Kunstauktion. Versteigerung zugunsten der Erdbebenopfer in Mexiko-Stadt mit Werken von Bianca Monroy, Vanessa Enriquez, Rosaana Velasco u. a.

Das Frauenzentrum befindet sich am zentrumsnahen Ende der Straße (City-Ost mit Alex), auf der Ostseite. Zwischen den Straßen Prenzlauer Berg und Heinrich-Roller Straße. Auf der Westseite verlängert die Saarbrücker Straße den „Prenzlauer Berg“ und die Belforter die Heinrich Roller.
Da der deutsch-französische Krieg zu Ende ist, verbinden wir mit Belfort das FIMU-Musikfestival.

Zwischen Belforter (im Norden) und Saarbrücker (im Süden) geht einseitig die schöne Metzer Straße mit Mittelstreifen ab (Auf der anderen, Westseite der Metzer der Senefelderplatz mit U-Bahn U2).
In der Metzer Straße stellt(e) Rosaana Velasco in Myer’s Hotel eine Variation ihrer Arbeit „Ordnung der Farbe“ aus, die in anderer Form im ACUD-Kino zu sehen war, aber nicht mehr ist. (siehe Links).

Tapir entlaufen. Rosaana Velasco stellt in Mitte aus, Fernando Soto musiziert dazu: „The Belly of the Whale“

Bezaubernde Blicke erreichen

Anfahrt: Der Veranstaltungsort „EWA“ ist mit der Straßenbahn gut zu erreichen: Tram M2 bis Prenzlauer Allee/ Metzer Straße (und dann bergab) oder Tram M2, M4, M5, M8 sowie Bus 142 und 200 bis Mollstraße/ Prenzlauer Allee (am Soho-Haus). Fußläufig vom Alex für Geübte.
Oder vom Rosa-Luxemburg-Platz (BABYLON-Mitte, Volksbühne am RLP.) über die Weydingerstraße und die Kreuzung in die Prenzlauer (bergan).

Ein Besuch bei Ewa lässt sich gut mit Park oder Kino verbinden: Auf der anderen Seite des Leise-Parks, der quasi an „Ewa“ grenzt, befindet sich die Straße „Am Friedrichshain“ mit Park, Märchenbrunnen und Filmtheater am F.-Hain.

Zum Thema Kriegsende und Frieden finden Sie dort auch die thematisch passenden Straßen. Die Verlängerung von „Prenzlauer Berg“ über die Greifswalder Straße hinweg gabelt sich in die erwähnte Gasse „Am Friedrichshain“ – in dem sich Friedrich und der Frieden verbirgt, genau wie in Manfred (Mann im Frieden) – oder halbrechts in die Friedenstraße. Sie führt zum Platz der Vereinten Kräfte, nein, Platz der Vereinten Nationen.

Autos sollen nach Farben sortiert werden. „Unser Dorf wird schöner“ in Berlin




Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir – Auf zur Sonderausstellung „Wanderlust“ in der Alten Nationalgalerie

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso) Am 9. Mai 2018 wird in der Alten Nationalgalerie Berlin die Ausstellung „Wanderlust. Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir“ eröffnet, zu der es von Seiten des Veranstalters heißt, dass, wer heute an das Wandern als Motiv in der Malerei denke, „Caspar David Friedrichs berühmtes Gemälde ‚Wanderer über dem Nebelmeer‘ vor Augen“ habe.

Das Bild als „herausragende Leihgabe aus der Hamburger Kunsthalle bildet den Ausgangspunkt für eine Sonderausstellung …, die diesem für die Kunst überraschend zentralen Thema durch das gesamte 19. Jahrhundert bis hin zu Beispielen der klassischen Moderne nachspürt“.

Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir würden die Bilder reichen, die noch bis 16. September 2018 präsentiert werden sollen. Dazu zählen auch Bilder von Künstlern wie Carl Blechen, Karl Friedrich Schinkel, Johan Christian Dahl, Richard Wilson, Christen Købke, Gustave Courbet, Iwan Kramskoi, Ferdinand Hodler, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix und Ernst Barlach.

Die 120 Exponate, darunter angeblich „erstrangige Leihgaben aus europäischen und amerikanischen Museen“ würden in die Bereiche Entdeckung der Natur, Lebensreise, Künstlerwanderung, Spaziergänge, Sehnsuchtsland Italien und Wanderlandschaften nördlich der Alpen thematisch gegliedert. Dass die Nationalgalerie über eine bedeutende Sammlung eigener Werke zum Thema Wandern verfügt, das darf nicht verschwiegen werden. Viele würden auch gezeigt werden.

Alte Nationalgalerie

Bodestraße 1-3, Berlin-Mitte.

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr.

Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 6 Euro




Penguinbuch von 1963 auf englisch: James Baldwins "The Fire Next Time"

Jean-Michel Basquiat – der James Baldwin der Kunst? Basquiat-Film zur Basquiat-Ausstellung

Berlin, Frankfurt am Main, Deutschland (Kulturexpresso). Jean-Michel Basquiat: Genial, herausragend, Wegbereiter für andere Afroamerikaner in die internationale Kunstszene? Oder nur ein (Ex-)Graffitikünstler mit einem Drogenproblem, an dem er starb? Umstritten ist das Etikett, auf das man sich im Moment in der Jean-Michel-Basquiat-Diskussion einigen kann.
Doch die beißende Kritik – aus der vielleicht der Neid spricht? – an der erfolgreichen, millionenschweren Vermarktung von Jean-Michel Basquiats Werken sollte man unbedingt von einer neu(t)ralen Werkrezeption trennen.
Vielleicht erhellt ein Dokumentarfilm über den Künstler ein bisschen das Dunkel. Den Nebel der Nebelkerzen der Kämpfer um die Deutungshoheit. Die Dokumentation heißt „Basquiat. Boom for Real“, wie die Ausstellung in der Schirn-Kunsthalle. Gezeigt wird er am Samstag, 5. Mai, und Donnerstag, 10. Mai, im Kino des Deutschen Filmmuseums.

Jean-Michel Basquiat – Ausstellung und Film in Frankfurt am Main

Noch bis zum 27. Mai läuft die Ausstellung „Basquiat. Boom for Real“ in der Schirn-Kunsthalle. Kurz: „Schirn“. Begleitend ist im Kino des Deutschen Filmmuseums der gleichnamige neue Dokumentarfilm erstmals hierzulande zu sehen.

Samstag, 5. Mai 18 Uhr und Donnerstag, 10. Mai um 20.30 Uhr
„BOOM FOR REAL: THE LATE TEENAGE YEARS OF JEAN-MICHEL BASQUIAT“
USA 2017. Regie: Sara Driver. Dokumentarfilm. 78 Min. DCP. Originalfassung (OF.)

Jean-Michel Basquiat konnte sich als einer der ersten Afroamerikaner in der internationalen Kunstszene durchsetzen.

Das Filmmuseum: „Der Film konzentriert sich auf die frühe Schaffensphase, verknüpft dabei Archivmaterial und Gespräche mit Freunden und Weggefährten wie Jim Jarmusch. Er ist zugleich ein Porträt vom Downtown New York der späten 1970er und frühen 1980er Jahre und zeigt die gesellschaftlichen Umbrüche dieser Zeit, in denen Basquiat als Street-Artist den allgegenwärtigen Verfall zur Kunst machte.“

Jean-Michel Basquiat – Fakten um einen New Yorker

Jean-Michel Basquiat ist umstritten. Fakt ist: Er wurde zwei Tage vor Weihnachten 1960 in New York geboren und starb 1988 auch dort. Die letzten fünf, sechs Jahre seines Lebens wohnte und arbeitete er in Great Jones Street 57. Das Gebäude ist ein ehemaliger Stall und gehörte seinem Freund und Mentor Andy Warhol. Die Straße ist die Verlängerung der 3. Straße (3rd Street), dessen westliches Ende im Greenwich Village liegt. Genauer gesagt das Zwischenstück, denn am anderen Ende der Great-Jones-Straße geht die 3. in Ost-West-Richtung weiter und heißt East 3rd. Eine Straße weiter südlich ist das Geschäft von Blick Art, Künstlerbedarf, Bond Street 1-5. Es liegt nicht in Greenwich Village, einem Stadtteil am Hudson, aber man braucht nur den Broadway zu überqueren, um ins Village zu gelangen. Und wie man sieht, gab und gibt es nicht nur dort Künstler. Burroughs hatte seinen legendären „Bunker“ an bzw. in der Bowery.

Ein Künstler war Jean-Michel Basquiat also – und er war Teil der Szene. Wer glaubt schon, dass Andy Warhol einen Nichtskönner ein halbes Dutzend Jahre in seinen Räumlichkeiten wohnen ließ? Zudem in New York, der überfüllten Hafenstadt am Atlantik, Traumziel von Generationen, auch europäischer Flüchtlinge.

New York, New York, wo es alles gibt – außer bezahlbarem Wohnraum

Die Stadt wird nicht nur immer wieder im Film verewigt, sondern ist Teil des Weltbewusstseins. Die berühmte Berliner Diskothek „Big Apple“ war nach ihr benannt. Die Berliner Autorin Christiane Knospe, die später beim Umweltbundesamt (UBA) arbeitete, als dieses noch im ehemaligen, spatenförmigen Arbeitsministerium in Grunewald residierte, konnte sich ab ihrem zweiten Besuch in der Szene und den fünf Boroughs immer besser orientieren – und sie ist nicht allein. Die 5 Boroughs oder Bezirke sind ein Synonym für die nordamerikanische Ostküsten-Megapolis, englisch: the five boroughs of New York.

Manche Berliner und US-Amerikaner aus anderen Bundesstaaten oder Upstate NY versuchten, dort Fuß zu fassen, aber es gelang ihnen nicht. Darunter viele Talentierte und Fleißige. Wenn eine Besenkammer schon 1000 $ kostet, was soll der Besitzer des Besens erst bezahlen?

Künstler brauchen noch mehr Platz – und sie haben meist erst wenig Bares. Basquiat (sprich: Bakia bzw. Ba-Ki-A) war nicht der erste Maler, der lebend arm war und lauter „Leichenfledderer“ (Zitat aus einem Newsletter) posthum labte. Selbst wenn man wie Zille in sein Milieu lebt (Klausenerplatz) oder wie bei Spitzweg beim Bücherlesen den Regenschirm hält, weil’s in der Dachkammer durchregnet, brauchen Geistesarbeiter Platz. Mehr Platz. Für ihre Werke. Ihre Bibliothek. Das Atelier.

New York und seine Annäherung an Berlin

Berlin nähert sich übrigens New York immer mehr an. Das wird die Zuständigen für den Fremdenverkehr freuen. Zum Beispiel die Berlin Tourismus & Kongress GmbH (www.visitberlin.de). Die Berliner auch? Damit ist nicht nur die zunehmende Amerikanisierung gemeint, in der Sprache, in der Organisation (Bundespolizei und Jobcenter sind englische Wörter aus den USA, übersetzt oder unübersetzt), und am Ende. Wie der Wegwerfgesellschaft mit ihren Kaffeebechern aus Togo. Diese sind zum Mitnehmen, wie der Euphemismus heißt. Aber eigentlich zum Wegschmeißen, denn so ein Heißgetränk ist schnell ausgetrunken.

Nein, auch sonst gelingt die Annäherung; in Bezug auf die Attraktivität – zum Glück für alle – und im Bereich Unterkunft – zum Glück für die Immobilienbesitzer und Investoren.

Rekordpreise für Immobilien und Kunst; Rekordhalter Jean-Michel Basquiat

Jean-Michel Basquiat schuf und hinterließ 1000 Gemälde und Objekte und 2000 Zeichnungen.

Diejenigen, die daran am meisten verdienen, können sich auch im East Village, in Midtown Manhattan oder in den Stadtteilen rechts und links des Central Parks – Upper West Side und Upper East Side Wohnungen und Häuser sichern. Das soll keine Kritik sein, sondern ist eine neutrale Aussage. Fakt. Denn:

110.500.000 US-Dollar kostete ein Basquiatbild, das noch nicht einmal einen Titel trug. Untitled! Dies geschah 2017 bei Sotheby’s bei einer Auktion. Das mit Ölstift und Sprühfarbe geschaffene Werk aus dem Jahr 1982 zeigt einen Schädel. Ein kluger Kopf.

Das Bild war nicht nur teuer. Es brach einen Rekord. Nie zuvor konnte ein Werk eines Künstlers aus den Vereinigten Staaten von Amerika bei einer Versteigerung so eine Summe erzielen.

Dieser Vorgang jährt sich in Kürze, am 18. Mai.

Südlich von Basquiats letzter Residenz, die in der Gegend der Viertel Noho und Bowery liegt, schließen sich Lower Manhattan, Tribeca und World Trade Center an.

Wer ist eigentlich Sara Driver, die Regisseurin des Films über Jean-Michel Basquiat?

Sara Driver wurde 1955 in New Jersey geboren, ist Schauspielerin, Drehbuchautorin und führt Regie: „You Are Not I“ und „Sleepwalk“ („Year of the Dog“, 1986).
Sie trat neben Jim Jarmusch, Tom DiCillo, Fred Gooch, Frederic Mitterand, Robert Wilson und James Gauerholz in Aaron Brookners Dokumentarfilm „Uncle Howard“ auf. Der Streifen feierte auf der 66. Berlinale 2016 seine Europapremiere in der Sektion Panorama Dokumente. Gedacht als Porträt des Regisseurs Howard Brookner, der 1983 als einen von nur 3 Filmen den Kultklassiker „Burroughs: The Movie“ gedreht hatte. William S. Burroughs (1914-1997) hatte zwischen 1978 und Ende der 80er viele Filme gedreht, die die vitale New Yorker Downtown-Kunstszene zeigten. Jetzt drehte Driver einen über dieselben fraglichen Jahre, die Spätsiebziger und Frühachtziger.

Film: Deutsches Filmmuseum
Ausstellung: Retrospektive in der Schirn-Kunsthalle Frankfurt am Main

Anschriften:
Kino des Deutschen Filmmuseums:
Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt

Schirn-Kunsthalle Frankfurt am Main, Römerberg, 60311 Frankfurt,
Telefon 069 299882-112

Wenn man nicht schwarzsehen will, muss man zugeben, dass Objektivität schwierig ist und das Übernehmen von Meinungen leicht. Ein weiteres Recherchieren könnte also lohnen, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Basquiat könnte ja wichtig sein.

Luca Marenzi, Keith Haring (ein Kunstwerk Harings steht in Berlin Ecke Eichhornstraße und Potsdamer, am Wasser des „urbanen Gewässers“ oder banal des Löschteichs), Bruno Bischofberger und Francesco Clemente schrieben an einem Buch über den jungen Künstler, der mit 27 Jahren starb (Amy Winehouse 1983-2011, Kurt Cobain 1967-1994 …). Die Hauptsprachen des Buches: englisch/ italienisch (abebooks). Es erschien 1999 im Chartaverlag Mailand und heißt:
„Jean-Michel Basquiat“.

Was es konkret bedeuten kann, Künstler in Berlin zu sein (und ggf. sein Atelier in Mitte/ Wedding verlassen zu müssen):

Kunst in den Keller? MoKuzuMimi-Vernissage mit Andrea Wallgren, Susanne Duppen … 22 Künstlern & Ricarda Baubkus mit Bach auf dem Cello

Auktionen mit Luft nach oben – wer zweigt eine Million ab für den guten Zweck?

Im Tiergarten, im Tiergarten ist Kunstauktion. Versteigerung zugunsten der Erdbebenopfer in Mexiko-Stadt mit Werken von Bianca Monroy, Vanessa Enriquez, Rosaana Velasco u. a.

Die USA bestehen nicht nur aus NY, sondern auch aus Chicago, Denver und Phoenix:

5 Chicagoer Künstler persönlich in Berlin. Bauhausarchiv eröffnete Ausstellung „New Bauhaus Chicago“