Landesmuseum Mainz

Sonderausstellung „Landschaft und Skulptur“ – Landesmuseum Mainz zeigt Werke des Bildhauers Eberhard Linke

Mainz, Deutschland (Kulturexpresso). Der 1937 in Lauban, Schlesien, geborene Eberhard Linke, der seit über 50 Jahren Skulpturen aus Terrakotta und Bronze herstellt und in diesem Jahr mit der Max-Slevogt-Medaille ausgezeichnet wurde ist der renommiertesten Bildhauer Rheinhessens.

In der Hauptstadt des Bundeslandes Rheinland-Pfalz zeigt das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) eine Sonderausstellung mit dem Titel „Landschaft und Skulptur“, die am Sonntag, den 8. Oktober, um 16 Uhr im Beisein des Künstlers eröffnet wird.

Inmitten seiner Dauerausstellung werden zahlreiche Zeichnungen und Skulpturen des Bildhauers, die einen Überblick über das vielseitige künstlerische Schaffen von Eberhard Linke vermitteln, gezeigt.




Worpswede

Kunstpreis Worpswede 2017 für die Heilbronner Künstlergruppe BMP

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am Kunstpreis Worpswede 2017 mit dem Thema „Auto – Macht – Mobilität“ sollen sich laut Kunstverein ART-Projekt Worpswede-Deutschland e.V. „ca. 370 Künstler/innen aus 29 Nationen beworben“ haben. Die öffentliche Kunstpreis-Verleihung fand am vergangenen Samstag, den 30. September 2017, im neuen Einbecker Mobilitätsmuseum PS.Speicher statt.

Ausgezeichnet wurde die Heilbronner Künstlergruppe BMP. Die drei Künstler bekamen die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihr Objekt „Universelle Mobilität“ verliehen, wie der Kunstverein mitteilte.

Die Jury, bestehend aus Rita Werneyer, Prof. Dr. Marion Pusch, Stefan Lang, Hargen Depelmann und Harro Schmidt nominierte 55 Künstler/innen. Laut Veranstalter soll der Kunstpreis Worpswede „herausragende Leistungen der bildenden Kunst“ würdigen. Er stelle als einziger Kunstpreis in Deutschland wirtschaftlich und politisch relevante Themen in den Fokus. Der Preis ist mit einer Gesamtsumme von 20.000 Euro, inklusive Publikumspreis, dotiert.




Carpe Diem – Ewiges Leben und Sieg über den Tod! Eine experimentelle Oper beschließt die Kosmismus-Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Tag geschenkt, wo könnte man den besser verbringen als im Haus der Kulturen der Welt? Der 3. Oktober liegt an einem Dienstag. Nach dem ersten Besuch im Hause zum Thema Kosmismus blieb der Wunsch, tiefer zu gehen, doch ständig kam etwas dazwischen. Da endlich, der Tag der deutschen Einheit am Horizont! Nun wird’s was! Die Ausstellung „Art Without Death: Russischer Kosmismus“ ist zur Finissage sogar bis 22 Uhr geöffnet, Ausschlafen freigestellt.
Und es lockt ein von den Ideen des Russischen Kosmismus inspiriertes neues Werk mit einer digitalen Übersetzung von Klängen in visuelle Muster: Dorit Chrysler (Theremin, Sprechgesang) und Carsten Nicolai (Sampled ANS-Synthesizer) präsentieren um 20 Uhr eine Experimentaloper.

    Victory over Death!
    Победа над смертью!
    Sieg über den Tod!

Die Russische Revolution und die Entdeckungen jener Jahre ermutigten Künstler und Wissenschaftler zu Pionierarbeiten.
Dorit Chrysler und Carsten Nicolai schaffen mit verschiedenen Instrumenten, gesampelten Sounds und Bildern eine Performance, die an diese Geschichte anknüpft.

Der Erfinder Léon Theremin und das russische Saxophon

Der sowjetische Forscher Léon Theremin entwickelte das gleichnamige Instrument als eines der ersten elektronischen Instrumente überhaupt und ließ es 1928 patentieren.
Für „Sieg über den Tod!“ spielt Chrysler zwei speziell gefertigte Theremins: Die Peilantenne auf der linken Seite des Instruments kontrolliert die Lautstärke, während die aufgerichtete Antenne die Tonhöhe aussteuert. Die elektrischen Signale des Instruments werden verstärkt und an einen Lautsprecher gesendet.

Nicolai spielt gesampelte Sounds, die vom legendären ANS-Synthesizer generiert werden.
Das optoelektronische Musikinstrument ist eine Erfindung des sowjetischen Ingenieurs Evgeny Murzin (1914-1970) und nach dem Avantgardekomponisten Alexander (Nikolajewitsch) Skrjabin (A. N. S.) benannt. Der Moskauer Pianist und Komponist lebte von 1872–1915.

Exkurs: Namenkunde

Übrigens sagt niemand alle drei Teile des Namens. Man spricht man neutral von Alexander Skrjabin. Da der Familienname nicht selten ist, kann man den Vornamen dazusagen. Zudem auch Alexanders Sohn Julian (1908-1919) Pianist und Komponist wurde. Russische Musiker würden unter sich im vertrauten Ton auch von Sascha Skrjabin sprechen. Dieser Vorname ist nicht wie im Deutschen (Sascha Hehn) eigenständig, sondern ein Diminutiv von „Alexander“ wie das im Deutschen, Englischen und vielen anderen Sprachen gebräuchliche Kurzwort Alex.
Solange er lebte, wurde Skrjabin selbst mit Alexander Nikolajewitsch angesprochen (oder genannt), eine respektvolle Anrede, die nicht zu vertraut ist. Niemand hätte im Alltag Alexander Skrjabin gesagt, außer vielleicht der Polizei. Im Pass steht in Russland und Weißrussland immer „Alexander“, nie Sascha oder Alex. In der Bundesrepublik Deutschland ist das anders, hier können auch Kurzformen wie Hans, Tanja, Alex den offiziellen Rufnamen bilden. Sogar Verkleinerungsformen kommen zum Zuge, meist zum Leidwesen der Kinder.
Der in Kanada und den Vereinigten Staaten gebräuchliche Mittelname entspricht nicht dem Patronym oder Vatersnamen im Russischen.

Murzins Erfindung

Technisch basiert Murzins Erfindung auf der Methode der graphischen Tonaufzeichnung, die auch im Kino zum Einsatz kommt. Das Verfahren wurde in der Sowjetunion parallel zu ähnlichen in den USA verwendeten Systemen entwickelt. Es erlaubt das Generieren des Bildes einer Klangwelle beziehungsweise das Synthetisieren eines Klangs aus einem künstlich gezeichneten Sound-Spektrogramm. Tarkovsky-Fans werden die vom ANS erzeugten Klänge vertraut sein: Der Komponist Edward Artemiev (Eduard Artemjew), geboren 1937 in Nowosibirsk, erschuf mit diesem Synthesizer die ikonische Filmmusik zu „Solaris“ (1972).

Alexander Svyatogors „Biokosmistisches Manifest“

Dorit Chrysler wird außerdem – als Referenz an die Geschichte des „Gesamtkunstwerks“ – das 1922 vom futuristischen Dichter Alexander Svyatogor geschriebene Biokosmistische Manifest aufführen:
„Die Fragen der Unsterblichkeit und des Interplanetarismus dürfen weder unabhängig voneinander betrachtet noch automatisch miteinander verbunden werden. Beide ergeben sich aus dem jeweils anderen Phänomen und ergänzen einander. Sie konstituieren ein einheitliches, organisches Ganzes – vereint unter einem einzigen Begriff: Biokosmismus.“

Die (Klang-) Künstlerin Dorit Chrysler: Komponistin und Theremin-Spielerin

Dorit Chrysler wurde in Graz geboren und lebt in New York und Österreich. Die virtuose Theremin-Spielerin, Klangkünstlerin und Komponistin ist Mitgründerin der NY Theremin Society und Initiatorin der ersten Theremin-Akademie KidCoolThereminSchool. Für diese entwickelte sie einen eigenen Lehrplan für die frühkindliche Erziehung im Bereich elektronische Musik. Weitere neue Werke Chryslers werden demnächst bei der Ars Electronica zur Aufführung kommen, eine Auftragsarbeit wird sie beim Steirischen Herbstfestival vorstellen und im Rahmen der „Sisters Academy“ wird eine Sound Performance bei Den Frie, CPH zu hören sein. Chrysler realisierte zahlreiche künstlerische Koproduktionen, unter anderem mit Jesper Just, Phillippe Quesne, Anders Trentemøller, Cluster, Sasha Waltz und Elliot Sharp.

Carsten Nicolai aus Karl-Marx-Stadt

Carsten Nicolai aka Alva Noto ist einer der renommiertesten Künstler an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft und bekannt für seinen minimalistischen Ansatz. 1965 in Karl-Marx-Stadt (dem heutigen Chemnitz) geboren gehört er einer Generation an, die vor allem im Grenzbereich von Musik, Kunst und Wissenschaft kreativ tätig ist. Als bildender Künstler will Nicolai die Grenzen zwischen den sensorischen Wahrnehmungen des Menschen überwinden, indem er technische Phänomene wie Klang und Lichtfrequenzen für das Auge und Ohr wahrnehmbar macht. Seine Installationen sind von faszinierender Eleganz und Konsistenz und werden durch ihre minimalistische Ästhetik ausgezeichnet. Neben Teilnahmen an großen internationalen Ausstellungen wie der documenta X sowie der 49. und 50. Biennale von Venedig werden Nicolais Werke weltweit in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert. Zu seinem künstlerischen Oeuvre zählen auch die unter dem Pseudonym Alva Noto durchgeführten Klangexperimente, die von einem prägnanten Reduktionismus begleitet unmittelbar in die Sphäre elektronischer Musik führen. Für sie entwickelt Nicolai alias Alva Noto eigene Zeichencodes, eine spezifische Akustik und visuelle Symbole.

Russischer Kosmismus – Begeisterung für Wissenschaft und Technik inklusive

Der Russische Kosmismus stand für die Forderung nach physischer Unsterblichkeit, Wiedererweckung der Toten und Reisen ins All. In seinen Lehren verbanden sich westliche Aufklärung und östliche Philosophie, russisch-orthodoxe Tradition und Marxismus, gepaart mit der Begeisterung für Wissenschaft und Technik. Die Bewegung inspirierte sowjetische Denkerinnen und Denker, fiel später der Unterdrückung durch den Stalinismus zum Opfer und ist heute nahezu vergessen.

Eine Utopie – und ein Opfer des Stalinismus

„Art Without Death: Russischer Kosmismus“ blickt auf diese verwegene Utopie und ihre Resonanzen in Kunst, Wissenschaft und Politik. Die Ausstellung verknüpft Arbeiten der russischen Avantgarde aus der Sammlung Costakis – ausgewählt von Boris Groys – mit zeitgenössischen Positionen: Filme von Anton Vidokle und eine Installation von Arseny Zhilyaev reflektieren philosophische, wissenschaftliche und künstlerische Konzepte des Russischen Kosmismus.

„Art without Death: Russischer Kosmismus“ endet mit dem Konzert Sieg über den Tod! um 22 Uhr

Art Without Death: Russischer Kosmismus ist Teil von „100 Jahre Gegenwart“ und wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Das Haus der Kulturen der Welt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Auswärtigen Amt.

Eintrittskarten: tickets@hkw.de / +49 – (0)30 – 39 78 7175, Online www.hkw.de/cosmism

Oper: 3. Oktober 2017, 20 Uhr
Ausstellung: bis 22 Uhr
Kombiticket (Konzert und Ausstellung) EUR 10/ermäßigt EUR 8

Haus der Kulturen der Welt (ehem. Kongreßhalle), John-Foster-Dulles-Allee im nördlichen Großen Tiergarten




IGA Berlin 2017

Garten und Kunst am Rand der Stadt noch bis 15. Oktober 2017

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Gartenspektakel namens Internationale Gartenbauausstellung (IGA) am Rand der Großstadt Berlin neigt sich dem Ende entgegen. Ein paar Dutzend Tage, noch drei, vier Wochen, dann ist Sense im Gelände in Marzahn-Hellersdorf.

Kunst auf der IGA

Auf der IGA wird nicht nur gezeigt, was man an Produkte und Leistungen für Gärten kaufen und konsumieren kann, auch Kunst kommt auf dem 100 Hektar großen Gelände noch bis zum 15. Oktober 2017 dran.

Installationen

sind zu sehen wie das Spiegellabyrinth „Reflecting Gardens“ von Jeppe Hein, der „Los Angeles Garden“ von Martin Kaltwasser, die Skulptur- und Klanginstallation „Nicht alle Geschichten sind erzählt…“ von Anna Rispoli und die botanische Wunderkammer „Inside the Flower“ von Janet Laurence.

Performance-Projekte und Subbotnik-Spaziergänge und so weiter

Weitere Kunst wie das Performance-Projekt „Anspiel“ von Seraphina Lenz, die „Subbotnik“-Spaziergänge von Erik Göngrich, das „Unkrautlabor“ von Jeanne van Heeswijk, die Bienenskulptur „Factories“ von Michael Sailstorfer und die dauerhafte Klanginstallation „Grün Hören“ von Georg Klein waren nicht nur von der Seilbahn zu sehen wie auch der Stadtrand von Berlin, den dem manche Berliner meinen, man sei dort am Arsch der Stadt.

Lesung

Doch der wartet mit Weltstadtkunst auf. Das Humboldt Forum präsentiert am heutigen 3. Septem 2017 das Serial Lesung im Park, von 13 bis 14 Uhr mit Schauspieler Ulrich Matthes. Der in Berlin geborene Matthes liest im Saal der Empfänge des Orientalischen Gartens aus den Schriften von Alexander von Humboldt.

Konzert

Am 16. September von 20 bis 22 Uhr und 17. September von 15 bis 17Uhr inszeniert und dirigiert Christoph Hagel Carl Orffs Meisterwerk Carmina Burana. Das Konzert findet In The Garden in der Arena statt.

Soul-Varieté-Show

All Night Long heißt die Veranstaltung am 30. September 2017. Von 20 bis 22.30 Uhr präsentiert der Wintergarten Berlin eine Soul-Varieté-Show, ebenfalls in der Arena.




Norbert Thomas

Auf zur Ausstellung „Norbert Thomas – Retrospektive und Ausblicke“ in zwei Frankfurter Galerien

Frankfurt am Main, Deutschland (Kulturexpresso). Zum Saisonstart und anlässlich des 70. Geburtstages des Künstlers Norbert Thomas zeigen die benachbarten Galerien Jörg Schuhmacher und Monika Hermann-Simsch eine Retrospektive zum bildender Künstler der Konkreten Kunst.

Der gebürtige Frankfurter würde „seit Ende der 1960er Jahre mit dem gelenkten Zufall“ arbeiten, heißt es in einer Einladung vom 29. August 2017 und weiter: „Ausgangspunkt seiner Arbeiten ist stets die reine weiße Leinwand, die er mit einem regelmäßigen Linienraster bespielt. Hierzu bedient sich Thomas mit zufällig gewählten Zahlenkarten, die mit den Zahlen von eins bis 360 beschriftet sind. Sie bestimmen nicht nur Winkelmaß und Breite der Linien, sondern auch die Farbe im Zwischenraster, die in seinen Arbeiten als Unterscheidungsmerkmal dient. In der Retrospektive werden in den Galerieräumen neben Gemälden auch Reliefs und Plastiken gezeigt, in denen die rationale Basis ebenfalls als Grundform auftaucht.“

Ausstellungsdauer:

8. September –28. Oktober 2017

Saisonstart:

Freitag, den 8. September 2017,
18:00 – 22:00 Uhr
Samstag, den 9. September und
Sonntag, den 10. September
geöffnet

Öffnungszeiten:

Von Dienstag bis Freitag, von 12 bis 18 Uhr u.n.V.

GALERIE JÖRG SCHUHMACHER, Weckmarkt 5, 60311 Frankfurt am Main, E-Mail: info@art-schuhmacher.de, Web: www.art-schuhmacher.de
Mobil +49 163 6699733

GALERIE MONIKA HERMANN-SIMSCH, Weckmarkt 7, 60311 Frankfurt am Main, E-Mail: mhermann-simsch@t-online.de, Telefon +49 69 292818




Herr Müller, Hopper und Vermeer. Deutsche Kinemathek brachte mit „Master of Light“-Filmreihe die Verbindungen alter Meister zum Kameramann Robby Müller ans Licht – Ausstellung läuft

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Kino am Potsdamer Platz hat auf den ersten Blick mit den Gemäldegalerien im Kulturforum oder auf der Museumsinsel – die schönen Dahlemer Museen wurden ja im Zentralisierungswahn abgeschafft – nichts zu tun. Ins Imax oder Cinestar im Sony-Center ziehen viele junge Leute oder Familien zum Popcornessen, das ist in der Bilderausstellung am Matthäikirchplatz oder im Kupferstichkabinett nicht erlaubt, genausowenig wie das Herumtollen oder Kreischen.
Dass zwischen den Alten Meistern und Robby Müller eine Verbindung besteht, deren Enge durchaus mit der räumlichen Nähe des Sony-Centers zum Berliner Kulturforum mit der Philharmonie, Staatsbibliothek und seinen vielen Museen vergleichbar ist, bewies die Filmreihe „Master of Light“ im Filmhaus an der Potsdamer Straße.
Es ist das große Verdienst des „Arsenals“, Filme nicht nur nach Regisseur geordnet oder chronologisch zu zeigen, sondern immer wieder bestehende senkrechte und Querverbindungen aufzuzeigen, die man glatt übersehen hätte oder übersehen hätte können.

Das „senkrechte“ Weltbild

Schon Rüdiger Dahlke hatte seinen Beitrag zum Aufweichen bisher vorherrschender Sicht-Weisen geleistet, als er mit Nicolaus Klein 1986 über „symbolisches Denken in astrologischen Urprinzipien“ schrieb. Dieser (Unter-)Titel ist natürlich wenig eingängig, und so hieß das Buch im Hugendubel-Verlag kurz „Das senkrechte Weltbild“.
Damit brachen sie verhärtete und verkrustete Weltbilder bereits in den 80er Jahren vorsichtig auf; zu einer Zeit, als man sich im Kalten Krieg (trotz unterschwelliger Angst vor totaler atomarer Vernichtung aller Physis und Kultur einschließlich des dies denkenden Individuums) noch ausruhen konnte in der Gewissheit der Blöcke. Begriffe wie Sozialismus und Kommunismus, Freie und Dritte Welt machten nicht nur die Runde, sondern wurden von jedem als Kategorie verstanden. Atomwaffen befanden sich nur in den Händen „verantwortungsvoller“ Politiker oder Militärs, also des weißen Mannes und der Chinesen. Die südafrikanische Kernwaffe eingeschlossen.
Alles schien irgendwie an seinem Platz, trotz Entkolonialisierung, der 68er und der Notstandsgesetze.
1986 konnte man noch darüber nachdenken, ob man denn einen Computer oder Rechner bräuchte – oder eben nicht.
Dahlke und Klein zeigten jetzt aber, dass das Denken nicht nur immer linear geradeaus geht. (Sie wissen schon, der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann…) Beim Blättern im senkrechten Weltbild erfuhr man, dass ganz erstaunliche Zusammenhänge bestünden oder bestehen – ja, ganz unglaublich – zwischen, sagen wir Orangen, Grünkohl, Dinkel und Linsen (die Beispiele sind willkürlich gewählt und entsprechen nicht den tatsächlichen Verbindungen, die in dem Buch enthüllt werden).
Waagerechtes Denken sind wir gewohnt, wir tun im Grunde nichts anderes. Wir tun Äpfel, Pfirsiche, Aprikosen und Pampelmusen in die Schublade „Obst“, können Blumenkohl und Paprika dem „Gemüse“ zuordnen, stimmen seit der Grundschule zu, dass Hafer, Gerste und Roggen „Getreide“ sind sowie Erbsen und Bohnen in die Rubrik „Hülsenfrüchte“ gehören. Alles an seinem Platz. So kann die astrologische „Jungfrau“ Ordnung schaffen.
Linsen und Binsen lassen sich durch den Deutschunterricht verbinden, in dem wir verschiedene Reimarten kennenlernten. Dass Roggen und Piroggen, Blumenkohl und Aerosol, Kupfer und Gras-Hupfer noch in anderer Form zueinandergehören könnten, war fast unvorstellbar.
Dahlke und Klein entwarfen dann ein Weltbild, das – wie gesagt, dies sind keine realen Beispiele aus dem Buch – den inneren Zusammenhang zwischen Äpfeln, Tomaten, Hafer und Linsen zeigten, ja darüberhinaus auch noch Metalle, Halbedelsteine und Planeten zuordneten.
So wurden Reihen beschrieben wie Apfelsine, Chinakohl, Roggen, Bohnen, Kupfer, Ametyst, Mars oder Pfirsich, Rettich, Gerste, Erbsen, Silber, Venus usw.

Das senkrechte Weltbild im Film

Bei Kinofilmen sind wir gewohnt, entweder dem Regisseur oder den oberflächlich sichtbaren Schauspielern zu huldigen. Nur bei Oscar- und Bärenverleihungen denken wir auch mal an die Kostüme, das Bühnenbild, die Produzenten und Location Scouts. Zwar ist die Leistung der Deutschen Kinemathek nicht so epochal wie Rüdiger Dahlkes, doch wurden wir in der Filmreihe wie „Master of Light“ auf unsichtbare Zusammenhänge gestoßen.

Das Versteck hinter der Kamera

Kameraleute sind denkbar gut versteckt, 180° hinter dem Gesehenen drehen sie das zu Zeigende. Manche haben ihre eigene Handschrift und sind nicht nur die Exekutive des Regisseurs. Dass die Kameraführung wichtig ist, zeigt auch, dass nicht nur manchmal gut verdienende Stars der Leinwand zu Produzenten oder gar Regisseuren werden, sondern dass auch letztere nicht nur Regie führen wollen, sondern zuweilen das Gerät übernehmen, ohne den kein Streifen auskommt.

Soderbergh setzt auf kreative Kontrolle

Steven Soderbergh („Ocean’s 12“, „Magic Mike“) hat für sein neuestes Projekt mit Channing Tatum nicht nur ein eigenes Unternehmen gegründet („Fingerprint Releasing“). Der Regisseur ist schon extrem eigen, hatte er doch sogar mit dem „normalen Filmemachen“ aufgehört und ging zum Fernsehen. Die Rückkehr auf die Kinoleinwand erfolgte nur, weil er die kreative Kontrolle über alle Aspekte behalten konnte. Der Verleih bildet die Basis, da man heutzutage auch ohne die großen, traditionellen Filmstudios auskommen kann. Stichwort digitale Weltveränderung. Die schöpferischen Aspekte, die Soderbergh kontrollieren wollte sind Regie, Schnitt – und Kamera.

Das Ding, an dem man dreht

Man kann einen Film ohne Farbe machen, ohne Darsteller (oder nur mit Tieren), ohne Kostüme. Ohne Ton (Stummfilme), fast ohne Geld (Low-Budget- und „No-Budget“-Filme) und sogar ohne Feingefühl.
Einen Film ohne Kamera können noch nicht einmal die Stop-Motion-Filmemacher herstellen, auch nicht mit noch soviel Knete („Shawn, das Schaf“).

Und so konnte man sich im August die Augen reiben und im Kino Arsenal Filme (wieder-) sehen, die für viele Zuschauer nicht im Zusammenhang standen. Zumindest nicht auf den ersten Blick.

Was hat „Paris, Texas“ mit „Dead Man“ und „Die gläserne Zelle“ zu tun? Wer hätte das gewusst?

Aufklärung

Die Deutsche Kinemathek erläutert:
Der Niederländer Robby Müller (Jahrgang 1940) gilt als einer der bedeutendsten europäischen Kameramänner. Er wurde für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet (s.u.) und trug seit den 70er Jahren beträchtlich zum Erfolg einer ganzen Generation unabhängiger deutscher Filmautoren bei, bevor er später überwiegend in den USA arbeitete.

Die wichtigsten Aspekte der Bildgestaltung Robby Müllers sind das Photographieren mit möglichst natürlichem Licht, die bewegliche Kamera sowie eine dem jeweiligen Sujet angepasste Farbdramaturgie.
Landschaften und Kamerafahrten in „PARIS, TEXAS“ oder Close-ups von Johnny Depp in „DEAD MAN“ zeugen von seiner Virtuosität und zeigen Bezüge zu Werken Hoppers und Vermeers auf.

Jan Vermeer van Delft und das Licht

Bei Jan Vermeer (1632-75) bezieht sich Müller auf einen Landsmann. Bei der „Dienstmagd mit Milchkrug“ ist das Licht entscheidend, bei der berühmten Delfter Stadtansicht beeindrucken der wolkige Himmel und die Schatten auf dem Wasser. Das berühmte Bild „Meisje met de parel“ (Das Mädchen mit der Perle), vor dem man, einfach, wie es ist, lange verweilen kann, steht die junge Frau vor einem fast schwarzen Hintergrund. Die Perle schimmert und glänzt aus dem Schatten heraus.

Die „Ausstellung zur Filmreihe“ im Museum für Film und Fernsehen ist bis zum 5. November 2017 geöffnet (s.u.).

Von der Karibik über West- nach Mitteleuropa

Geboren wurde Müller in Willemstad auf Curacao, da sein Vater, ein begeisterter Hobbyfilmer, im Ölgeschäft mitmischte. Willemstad hat eine riesige Raffinerie, eine der weltgrößten, die venezolanisches Erdöl verarbeitet; kurz nach Robbys Geburt zum Beispiel zu Flugbenzin für US-Bomber.
Robby konnte die Zweitkamera seines Vaters nutzen.
1962 bis 1964 studierte er in Amsterdam Kamera und Schnitt. Die Assistententätigkeit bei seinem Kollegen Gérard Vandenberg wurde sein Brückenkopf in die Bundesrepublik. Der 1999 in München Verstorbene war in Amsterdam geboren.

Eine Auswahl aus Müllers Filmtiteln

1968 war er schon bei Geißendörfer für den Fernsehfilm „Der Fall Lena Christ“. Geißendörfers „Gläserne Zelle“, 1979 oscarnominiert (der vierte Film der Arsenal-Reihe), schoss Müller zehn Jahre später.
Die Kooperation mit Wim Wenders, durch die er bekannt wurde, schloss sich an. Anschließend, in den 80ern, drehte er fast exklusiv in den USA.
1999 Wenders‘ „Buena Vista Social Club“ und den zweiten Film mit Lars von Trier, „Dancer in the Dark“. 1996 hatte Müller im Veröffentlichungsjahr für „Breaking The Waves“ den New York Film Critics Circle Award erhalten.

Spätwerk

2003 drehte er seinen wohl letzten Kinofilm wieder mit Jim Jarmusch und Ralf Schmerbergs Filmdrama „Poem – ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“ wurde auf der Berlinale welturaufgeführt; zusammengestellt aus 19 Gedichten, von denen Müller das 6., 9. und 15. verfilmte: Goethes „Gesang der Geister“, Ingeborg Bachmanns „Nach grauen Tagen“ und Heinrich Heines „Der Schiffbrüchige“ mit Klaus Maria Brandauer.
Danach folgte 2004 noch die 10. Episode von „Visions d’Europe“ – europäische Visionen – in der Regie von Béla Tarr, der 2011 für „Das Turiner Pferd“ den Großen Preis der Jury (Silberner Bär) der Berlinale und den FIPRESCI-Preis erhielt.

Prijs, Preise und Awards für Robby Müller

Zwischen 1975 und 1991 dreimal das Filmband in Gold für die Kameraführung („Falsche Bewegung“, Geißendörfers „Klassen Feind“, „Korczak“).
1984 Goldene Kamera und 1985 Bayerischer Filmpreis für Wenders‘ „Paris, Texas“.
2005 Ehrenkameramann/Deutscher Kamerapreis; 2006 Camerimage für das Lebenswerk; 2007 Goldenes-Kalb-Kulturpreis.
2009 erhielt Müller den Bert Haanstra-Oeuvreprijs (van de Nederlandse film). Der heute 77jährige ist der vorerst letzte Bert-Haanstra-Preisträger und erhielt das bisher höchste in diesem Zusammenhang vergebene Preisgeld (50.000 Euro).

Wieder für sein Lebenswerk: 2013 der International Achievement Award der American Society of Cinematographers und 2016 die Manaki Brothers Film Festival Golden Camera 300.

Liste der Filme zur Ausstellung

Vom 4. bis zum 17. August zeigte das Kino Arsenal in Kooperation mit der Deutschen Kinemathek sechs Filme, die von Robby Müller fotografiert wurden:

1. „Der amerikanische Freund“ (BRD/F 1977, Regie: Wim Wenders), OmU, 126 min (am 4.8. )
Wenders Verfilmung des Patricia-Highsmith-Romans „Ripley’s Game“ siedelt das Geschehen in Hamburg und Paris an. Dennis Hopper als Tom Ripley findet in dem von Bruno Ganz dargestellten Jonathan Zimmermann einen ebenso arglosen wie überforderten Auftragsmörder. Nicht zuletzt durch Robby Müllers brillante Kameraführung und ausgeklügelte Farbgestaltung gelingt Wenders eine kongeniale filmische Umsetzung des Stoffs.

2. „Dead Man“ (USA/D 1995, R.: Jim Jarmusch), OmU, 121 min am (5.8. )
Jarmuschs auf einem selbst verfassten Drehbuch basierender Western um den von Johnny Depp dargestellten Buchhalter William Blake wurde von Robby Müller in betörend schönen Schwarzweiß Bildern fotografisch komponiert. Der Zuschauer wird in das kafkaeske Geschehen, das sich aus den zufälligen und seltsamen Begebenheiten im Leben von Blake ergibt, hypnotisch hineingezogen.

3. „Paris, Texas“ (F/BRD 1984, R.: Wim Wenders), OmU, 148 min (am 8.8.)
Bei „Paris, Texas“ arbeiten Robby Müller und Wim Wenders zum wiederholten Male zusammen. Und wieder versteht es Müller, seine eigene Kunst überzeugend in den Dienst des Regisseurs zu stellen, mit dem er am häufigsten im Laufe seines Lebens kooperiert hat. Harry Dean Stanton verkörpert Travis, dessen Liebe zu Jane (Nastassja Kinski) sich in Besessenheit wandelt und ihn schließlich sprachlos macht. Dafür sprechen die weiten und kraftvoll farbigen Bilder unter einem unendlichen texanischen Himmel umso beredter.

4. „Die gläserne Zelle“ (BRD 1978, R.: Hans W. Geißendörfer), 93 min (am 11.8.)
Der Architekt Phillip Braun (Helmut Griem) kehrt nach fünf Jahren aus dem Gefängnis zu seiner Familie zurück. Er hat unschuldig für ein Verbrechen gebüßt, das ein anderer begangen hat, doch seine Frau und sein Sohn haben sich inzwischen von ihm entfremdet. So gerät er in einen Strudel aus Schwermut und Abhängigkeit. Den neuerlich auf einer Geschichte von Patricia Highsmith basierenden Film gestalteten Geißendörfer und Müller in dichten Bildern als kammerspielartiges Psychogramm eines Verzweifelten.

5. „Barfly“ (USA 1987, R.: Barbet Schroeder), OF, 99 min am (15.8.)
Basierend auf einem Drehbuch von Charles Bukowski spielt Mickey Rourke den saufenden Dichter Henry, der sich auf eine Beziehung mit der ebenfalls alkoholkranken Wanda (Faye Dunaway) einlässt, was zu fortgesetzten Auseinandersetzungen zwischen den beiden führt. Müller zeichnet ein Amerika der Gescheiterten in faszinierend pastelliger, beinahe schöner Farbigkeit.

6. „Breaking The Waves“ (DK/S/F/NL/NO/IS 1996, R.: Lars von Trier), OmU, 158 min (am 17.8. )
Von Triers monumentales Werk um einen Bohrinselarbeiter (Stellan Skarsgård), der, nachdem er durch einen Unfall gelähmt wird, von seiner tiefgläubigen Freundin (Emily Watson) verlangt, sich für ihn zu prostituieren, erhält seine atemlose Dynamik durch den forcierten Einsatz der Handkamera.

Es gab Einführungen von Nils Warnecke, Georg Simbeni, Maximilian Weinberg („Paris, Texas“), Gerlinde Waz, Peter Mänz und Kristina Jaspers (in den wellenbrechenden Trierschen Film um die Folgen des Bohrinselarbeitsunfalls „Breaking The Waves“).

Die Lichtmeister-Ausstellung

Die Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen widmet dem Kameramann seit dem 6. Juli die Ausstellung „Robby Müller – Master of Light“. Die ursprünglich vom EYE-Filmmuseum in Amsterdam konzipierte Schau legt den Fokus auf die Zusammenarbeit mit den Regisseuren Wim Wenders, Jim Jarmusch und Lars von Trier. In der Ausstellung vermitteln großflächige Projektionen ausgewählter Filmszenen einen Eindruck vom visuellen Scharfsinn und der Vielschichtigkeit seiner Werke.

Die Ausstellung „Robby Müller – Master of Light“ ist im Museum für Film und Fernsehen im Filmhaus am Potsdamer Platz bis 5. November 2017 zu sehen.

www.deutsche-kinemathek.de/ausstellungen/robby_mueller

Museum für Film und Fernsehen (und Kino Arsenal) im Filmhaus am Potsdamer Platz, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin-Tiergarten bzw. -Mitte

Wer ähnlich tiefsinnige Filmreihen in Zukunft nicht verpassen möchte, informiert sich rechtzeitig auf www.arsenal-berlin.de Kino Arsenal im Filmhaus am Potsdamer Platz, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin-Tiergarten




Ferdinand Hodler – Maler an der Schwelle der Moderne in der Bundeskunsthalle Bonn

Bonn, Deutschland (Kulturexpresso). Ferdinand Hodler, der am 14. März 1853 in Bern geboren wurde und am 19. Mai 1918 in Genf starb, gilt gemeinhin als „Maler der frühen Moderne“. Zumindest zählt der Deutsche zu den Künstler mit Staatsbürgerschaft der Schweizer Eidgenossenschaft, die das ausgehende 19. und frühe 20. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung mehr oder weniger mit Bildern beeinflussten.

Zu Hodler, der laut Kerber Verlag „innerhalb des Symbolismus und des Jugendstils … einen unverwechselbaren Stil“ entwickelt, habe es „seit fast 20 Jahren“ keine „umfangreiche Werkschau in Deutschland“ mehr gegeben. Damit ist jetzt Schluss. In der Bundeskunsthalle Bonn startet am 8. September 2017 in Kooperation mit dem Kunstmuseum Bern die Ausstellung „Ferdinand Hodler, Maler der frühen Moderne bis 28. Januar 2018. „Rund 100 Gemälden“ würden laut Kerber Verlag „einen Einblick in das Schaffen des Künstlers an der Schwelle zur Moderne“.

In einer Pressemitteilung zur Hodler-Ausstellung heißt von Seiten des Veranstalters: „Die Ausstellung in Bonn gibt die Gelegenheit, andere Schwerpunkte zu setzen und Werke zu präsentieren, die lange nicht mehr oder noch nie in Deutschland zu sehen waren. Rund 100, zum Teil großformatige Gemälde und über 40 Zeichnungen veranschaulichen, welche Etappen und Ereignisse in der Laufbahn des Künstlers wesentlich zu seinem nationalen und internationalen Erfolg beigetragen haben. Im Fokus der Präsentation steht auch die Frage nach Hodlers Strategien, die ihn dazu befähigten, als autonomer Künstler wahrgenommen und geschätzt zu werden. Thematisiert werden die Ausbildungszeit, Auslandsreisen, Wettbewerbsbeteiligungen, Skandale sowie die Ausstellungstätigkeit. Eine wichtige Rolle in Hodlers Künstlerkarriere kommt den Vermittlungsinstanzen zu: Seine Kontakte zu Sammlerinnen und Sammlern sowie zum Kunsthandel und zu den Kunstvereinen trugen zur erfolgreichen Verbreitung seiner Kunst bei, wobei Deutschland neben Wien und Paris eine zentrale Rolle spielte. Dieser Aspekt der Erfolgsgeschichte wurde in vergangenen Präsentationen zu Ferdinand Hodler kaum berücksichtigt und wird in der Ausstellung besonders gewürdigt. Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich den formalen Besonderheiten der frühen Moderne, etwa die geschlossenen Formen, die großflächige Malweise, die parallelen Strukturen, der Rhythmus. Die Ausstellung berücksichtigt alle Gattungen wie Landschaft, Bildnis, Figur und Historie. Hodlers Biografie wird mit Fotografien dokumentiert, die Einblick in das familiäre Umfeld, sein Atelier, seine Arbeitsweise und seinen Freundeskreis geben.“

Passend zur Ausstellung soll ein von der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH in Bonn herausgegebener Buch im Kerber Verlag mit Texten von Monika Brunner, Christina Feilchenfeldt, Thomas Gaethgens, Sandra Gianfreda, Laurent Langer, Franz Müller, Viola Radlach und Rein Wolfs erscheinen.




Werner Herzog

Werner Herzog – Challenging the Impossible. Fotografien von Beat Presser – Ausstellung in der Galerie Egbert Baqué Contemporary

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Werner Herzog ist mittlerweile mindestens so Kult wie Klaus Kinski. Beide sind Männer der bewegten Bilder. Kerle des Kinos.

Im September 2017 wird Werner Herzog, der 1942 als Werner Herzog Stipetić in München geboren wurde, seinen 75. Geburstag feiern und auf eine bewegtes Leben zurückblicken können mit Werken als Regisseur für Film und Oper, als Filmproduzent, Schauspieler und Schriftsteller.

Für Egbert Baqué von der Berliner Galerie Egbert Baqué Contemporary ist Herzog ein „Kino-Visionär und Ausnahmeregisseur“, wie er der Presse per E-Mail vom 24. August 2017 mitteilt.

Deswegen werde „die Galerie Egbert Baqué Contemporary vom 2. September bis 14. Oktober 2017 die Ausstellung ‚Werner Herzog – Challenging the Impossible. Fotografien von Beat Presser'“ präsentieren. Zu Presser notiert Baqué: „Seit Beginn seiner beruflichen Laufbahn verfolgt Beat Presser, 1952 in Basel geboren, als Fotograf und freischaffender Kameramann eigene Projekte. Mitte der siebziger Jahre arbeitete er als Redakteur der legendären Fotozeitschriften ‚Palm Beach News‘ und ‚The Village Cry‘. Er unterrichtet Fotografie und Film an diversen Universitäten und Filmhochschulen in Afrika, Südamerika und Asien. International besonders bekannt sind seine Porträts des Schauspielers Klaus Kinski. Er stellt weltweit in renommierten Galerien und Museen aus und hat zahlreiche Fotobücher veröffentlicht.“

Da haben wir auch wieder Kinski, der sich von Herzog kaum trennen lässt. Und umgekehrt. Mit Werner habe Presser „als Kameraassistent und Standfotograf für Fitzcarraldo (1982), Cobra Verde (1987) und Invincible (2001) zusammengearbeitet“, notiert Baqué. Dabei entstandene Aufnahmen, „die heute als ikonische Bilder der Filmgeschichte gelten“, würden gezeigt.

Außerdem erscheine anlässlich der Ausstellung „ein großformatiger Offsetdruck mit elf Abbildungen, einer Reminiszenz von Beat Presser und einem Essay von Jürgen Theobaldy“.

Ein Grund zur Feiern und auf der Vernissage am Samstag, den 2. September 2017, von 19 bis 21 Uhr, in der in der Galerie Egbert Baqué Contemporary, Fasanenstraße 37, 10719 Berlin, zu erscheinen.




Österreichisch-ungarische Soldaten auf dem Pardoi-Pass.

Das Verborgene Museum in Berlin zeigt Kriegsalltag und Abenteuerlust zwischen 1914 und 1945 in Europa

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Verborgene Museum in der Berliner Schlüterstraße präsentiert vom 28. September 2017 bis zum 11. Februar 2018 rund 70 Fotografien, Grafiken, Zeitschriften und Dokumente europäischer Fotografinnen zum Kriegsgeschehen an Front und Heimatfront in Europa zwischen 1914 und 1945.

In einer Pressemitteilung vom 21. August 2017 heißt es dazu: „Fotografinnen, Journalistinnen, Amateurfotografinnen und fotografierende Krankenschwestern waren zwischen 1914 und 1945 an den beiden Angriffskriegen in Europa sowie am Spanischen Bürgerkrieg mit und ohne Akkreditierung als Kriegskorrespondentinnen beteiligt. Sie haben die Versorgung der Verwundeten im Lazarett, die Betreuung der Soldaten in der Etappe und den Krieg aus nächster Nähe an der Front ebenso wie das Leben zu Hause an der Heimatfront dokumentiert.

Sie waren überwiegend gegen Wilhelminismus, Faschismus und Nationalsozialismus eingestellt, aber weiblichen Geschlechts zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig Pazifistin zu sein. Die Österreicherin Alice Schalek beispielsweise war vom Krieg fasziniert.“

Ob auch die Bilder faszinierend sind, das werden wir sehen.

* * *

Kriegsalltag und Abenteuerlust
Kriegsfotografinnen in Europa 1914–1945
Eröffnung: 27.09.2017, 19 Uhr
Laufzeit: 28.09.2017 – 11.02.2018 (Geschlossen: 18.12.17 – 03.01.18)
Öffnungszeiten: donnerstag und freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags und Sonntags von 12 bis 16 Uhr
Das Verborgene Museum – Dokumentation der Kunst von Frauen e.V.
Schlüterstraße 70, 10625 Berlin




Sammelsurium im Kunsthaus Zürich? – „Rund 60 Künstler“ aller Couleur in einer Ausstellung mit dem Titel „Gefeiert und verspottet. Französische Malerei 1820 – 1880“

Zürich, Schweiz (Kulturexpresso). Im Kunsthaus Zürich soll vom 10. November 2017 bis zum 28. Januar 2017 die Ausstellung „Gefeiert und verspottet. Französische Malerei 1820 – 1880“ gezeigt werden.

„Die französische Kunst im Spannungsfeld zwischen der akademischen ‚Salonmalerei‘, die im Laufe des 19. Jahrhunderts ihrem Ende entgegenlief, werde „exklusiv und zum ersten Mal in der Schweiz“ gezeigt. Und dann noch in der Deutschschweiz!

Spaß beiseite. Ob damals wirklich „Romantik, Realismus, Naturalismus, Freilichtmalerei und der Impressionismus … erbittert um die Gunst des Publikums“ kämpften, wie es in einer Pressemitteilung der Zürcher Kunstgesellschaft vom 10. August 2017 heißt, das glauben wir weniger, denn wir wissen es besser. Ismus-Wörter und auch andere können nicht kämpfen. Keine Frage: Gekämpft haben manche Männer und Frauen, zum eigenen Vor- und der anderen Nachteil, zuweilen heftig und mit Hass, mitunter gewann beide Personen oder Personengruppe oder verloren, aber dass „Romantik, Realismus“ und so weiter, das ist dann doch dick und pastos aufgetragen wie manches Malmittel auf Malgrund.

Zu sehen ist das bestimmt auf dem einen oder anderen der „mehr als 100 Gemälde … verschiedener Strömungen der französischen Malerei im 19. Jahrhundert“.

Wenn „Gegensätze“ und „Gemeinsamkeiten“ in einer Schau voll „Romantik, Realismus, Naturalismus, Freilichtmalerei und der Impressionismus“ präsentiert werden, dann liegt die Gefahr nicht fern, dass der Besucher ein Sammelsurium zu sehen bekommt.

Warum nicht „rund 60 Künstler“ (sic!) allerlei Couleur in einem Kunsthaus ausstellen?!

Aber warum?

An mehreren Wochentagen lädt das Kunsthaus Zürich am Heimplatz 1, in 8001 Zürich, zu öffentlichen Führungen in deutscher Sprache ein, dann darf nachgefragt werden.