Familienfahrt mit Kerstin Reimann. Die Schauspielerin liest am Ku’damm eine höchst vergnügliche Sommergeschichte von Hans Fallada

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine Sommergeschichte gehört in den August. Das mögen sich die Wahlberlinerin Kerstin Reimann und die Leitung eines Seniorenheims in Berlin-Halensee gedacht haben. Alten Menschen bietet man gern etwas aus den passenden Schubladen an. Experimentelles Theater wird man hier vergebens suchen. Schon Adenauer gewann seine Wiederwahl mit Plakaten wie „Keine Experimente“.
Wenn dabei eine heitere Sommer-Story vorgetragen wird, warum nicht. Zudem von dem berühmten Greifswalder Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen („Der Trinker“, „Der Eiserne Gustav“, „Altes Herz geht auf die Reise“).

Hans im Glück

Sie kennen Ditzen nicht? Vielleicht kennen Sie sein Pseudonym, gebastelt aus „Hans im Glück“ und dem Pferd Falada aus den Grimmschen Märchen. Dem sprechenden Pferd Falada wird in der „Gänsemagd“ der Kopf abgeschlagen; wohl eben, weil es spricht – und noch schlimmer, DIE WAHRHEIT SAGT.

Die Wahrheit sagen, bis sie sich durchsetzt

Nichtsdestotrotz spricht der abgeschlagene Pferdekopf solange weiter, bis eine Betrogene zu ihrem Recht kommt, in diesem Fall eine Prinzessin.
Wenn der Groschen noch nicht gefallen ist, fällt er vielleicht bei Werken wie „Kleiner Mann, was nun?“, „Wer einmal aus dem Blechnapf frißt“ und „Jeder stirbt für sich allein“.

Von der Sportpädagogin zur Schauspielerin

Die 1960 in Leipzig geborene Darstellerin Kerstin Reimann wurde in der DDR zur Lehrerin ausgebildet. Von 1979 bis 1984 studierte sie an der PH Potsdam, schloss als Dipl.-Sportpädagogin ab und arbeitete in ihrem Beruf. Von 1987 bis 1990 absolvierte sie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin (Ost) eine weitere Ausbildung. Als die Mauer geöffnet wurde, war sie 29, bei der Wiedervereinigung 30 Jahre alt.
In den 90er Jahren wurde sie vom Theater Anklam und dem Schauspielhaus Magdeburg engagiert. In Berlin war sie im Admiralspalast zu sehen und im Kabarett „Die Kneifzange“.

In Liebe eine Eins

Ab Mitte der 90er begann ihre Tätigkeit bei Film und Fernsehen.
Im neuen Jahrtausend spielte sie im „fliegenden Klassenzimmer“, einem Kinofilm, die Frau Thaler (2003).
Im Fernsehfilm „In Liebe eine Eins“, in dem auch Anna Loos mitwirkte, spielte sie die Richterin Hanisch, eine Nebenrolle.

Sekretärin, Schauspielerin und Friedensforscherin

Ein Jahrzehnt weiter geht es wieder um Liebesbeziehungen: Reimann war mehrfach die Sekretärin Gudrun Kramer in „Ein Fall von Liebe“.

Auch in einer Dokumentation war sie zu sehen: der ZDF-Produktion „Casanova – Die Kunst der Verführung“. KR war dort Silvia Balletti, die französische Schauspielerin.

In der Serie „Der Kriminalist“ mimte sie die Friedensforscherin Professor Wieland (2013).

2015 mischte sie bei SOKO Wismar als Adoptivmutter mit.

Lesungen: Lebenswert und auf dem Kreuzfahrtschiff

Rezitieren und lesen ist durchaus eine regelmäßige Beschäftigung bei ihr; so mit dem Rosenau-Ensemble Baden-Baden, der Märchenhaften Operncompany Berlin und auf Kreuzfahrtschiffen.

Vor acht Jahren fing sie an mit „Lebenswert“-Lesungen, wo sie aus der romanhaften Autobiographie des Berliner Journalisten Maxim Leo liest, „Haltet euer Herz bereit“.

Dies tut sie wohl auch für Alte und Blinde, denen sie immer wieder vorträgt.

Was?
Lesung „Familienfahrt“ von H. Fallada

Wann?
Datum und Uhrzeit:
Dienstag, den 15. August 2017 um 15 Uhr (Ende 16 Uhr)

Wo?
Ort:
Altenheim „Pro Seniore“, Kurfürstendamm 100, 10711 Berlin, Bibliothek (1. Stock)

Anfahrt: Bus M19 und M29 bis Haltestelle Kurfürstendamm/ Joachim-Friedrich-Straße.
U Bahn: U7 Adenauerplatz, Fußweg (2 Bushaltestellen Richtung Südwesten)

Eintritt 9,50 Euro




„Das Gipfelglück“ hat viele Gesichter

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Hotels sind Orte, in denen sich Menschen begegnen, kennen lernen und möglicherweise auch unerwartete Schicksale ihren Lauf nehmen. Ein beliebter Stoff vieler Bücher. Ganz aktuell beschäftigt sich mit dieser Thematik der Roman „Gipfelglück, der jetzt im Verlag Hoffmann und Campe erschienen ist. Die beiden Autorinnen, die ehemalige Stern-Korrespondentin Evelyn Holst und die Reisejournalistin Uschi von Grudzinski, haben für den Ort ihrer Handlung das Gradonna Mountain-Resort in den Hohen Tauern ausgewählt, das die Unternehmergruppe Schultz, Österreichs erfolgreichster, privat geführter Seilbahn- und Tourismusbetrieb, vor einigen Jahren hoch über dem kleinen Osttiroler Bergdorf Kals am Großglockner errichtet hat. Eigentlich ein perfekter Ort für Urlaubsträume.

Unter dem Motto „Das Gipfelglück hat viele Gesichter“ zeigen die beiden Autorinnen, dass jedoch auch an einem so herrlichen Platz, an dem man, wie es in einem alten Werbeslogan heißt, die Seele baumeln lassen kann, Menschen vor ihrem Schicksal nicht davon laufen können. Da wird eine der Hauptpersonen, Monika Landmann, unerwartet von ihrer Vergangenheit eingeholt und muss um ihre Ehe bangen. Victor Gold, ein alternder Star, sieht sich ausgerechnet bei der Präsentation seiner Biografie mit einer Lebenslüge konfrontiert. Waltraud van Hoge muss die Erfahrung, dass man Menschen nicht wie Marionetten lenken kann, beinahe mit dem Leben bezahlen. Dr. Michael Grundmann lernt, dass der Spagat zwischen Stand- und Spielbein durchaus schmerzhaft sein kann. Und die pubertierende Leonie bringt sich und andere Menschen leichtsinnig in Lebensgefahr, weil sie die Macht der Berge unterschätzt. Aber, wie der Roman „Gipfelglück“ schildert, ist auch unter den Einheimischen nicht alles Gold was glänzt. Oder warum hat Bergführer Sepp panische Angst davor, seinem Herzen zu folgen? Und was halten Vroni und Franz eigentlich vor ihrer Tochter Resi geheim?

Dass die Fäden aller Ereignisse gerade im Gradonna Mountain Resort zusammenlaufen, einem Ort, an dem der Gast eigentlich abschalten und zur Ruhe kommen und den Alltag draußen für eine gewisse Zeit vergessen soll, macht die Geschichte mit allen ihren Handlungssträngen besonders unterhaltsam, spannend und manchmal auch umwerfend komisch. Fazit: Sehr lesenswert! Beste Urlaubslektüre!

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Uschi von Grudzinski und Evelyn Holst, Das Gipfelglück, Roman, 288 Seiten, Taschenbuch, Klappenbroschur, Hoffmann und Campe Verlag, Verlagsbereich: Atlantik – Belletristik, 2017, ISBN: 978-3-455-65146-1, Preise: 15,00 EUR (D), 15,50 EUR (A), 20,50 CFr (CH)




„Das Herz des Aals“ – Buchpremiere in Berlin – Lesung mit Anne Hahn

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Berliner Autorin Anne Hahn stellt ihren neuen Roman „Das Herz des Aals“ am 30. März 2017 in der Kultur- und Schankwirtschaft BAIZ in der Schönhauser Allee 26A, 10435 Berlin, vor. Hahn, die über Punk in der DDR (mit Frank Willmann: „Satan, kannst du mir noch mal verzeihen, Otze Ehrlich, Schleimkeim und der ganze Rest“, 2008), ihre Flucht- und Familiengeschichte („Gegenüber von China“, Roman, 2014 und „DreiTagebuch“, Roman, 2014) schrieb, entwickelt in ihrem neuen Roman ein phantastisches Panorama Berlins auf mehreren Zeitebenen, zu dem der Mainzer Ventil Verlag notiert: „Ein Zirkusdirektor reist im Jahr 1900 in die Südsee und findet dort die Sensation für die Manege: ein Wesen, halb Fisch, halb Frau. 16 Jahre später – mitten im Ersten Weltkrieg – inszeniert der Zirkus ein furioses Unterwasser-Spektakel in Berlin, bei dem ein Nachbau der mystischen Stadt Vineta vor den Augen des erstaunten Publikums in den Spreefluten versinkt. Und an jenem Tag beginnt zwischen dem Direktor und der jungen Statistin Charlotte eine Liebesgeschichte, die vom wilhelminischen Deutschland bis in das Berlin nach der Jahrtausendwende reicht …

Die kurze und grausame deutsche Kolonialgeschichte, Verrat und Intrigen am Ende des Zweiten Weltkriegs und das Berlin der neuen Mitte an einem heißen Spätsommertag 2013 – das alles durchläuft ‚Herz des Aals‘ von Anne Hahn, getragen von einem wunderbar melancholischen Grundton. Das goldene Zeitalter des Zirkus zwischen Vaudeville und hoher Unterhaltungskunst wird mit literarischer Akrobatik zu neuem Leben erweckt.“

Die Besucher der Buchpremiere in Berlin hören und sehen erst Anne Hahn und lesen dann bitte selbst das neue Berlin-Buch.

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Anne Hahn, Das Herz des Aals, Roman, Broschur, ca 128 Seiten, Frühjahr 2017, Ventil Verlag, ISBN 978-3-95575-071, Preis: 12,00 Euro (D)




Mein Vater und das Vergessen – Demenz in Buch und Film: „Honig im Kopf“ und „Ein halber Held“ in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wenn der Vater mit dem Sohne… das klappt immer wieder seit E.O. Plauen. Andreas Wenderoth erzählt in seinem Roman die Geschichte eines Lebenz. Es ist durch übermäßiges Vergessen entgleist. Am Anfang das Leben, dann die Demenz. Doch auch nach der Diagnose ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen.

Andreas Wenderoth wurde 1965 in der Hauptstadt geboren und war einst Mitarbeiter der „Berliner Zeitung“, die ihre Büros am Alexanderplatz hat. Er beschreibt das „vertraute und doch ganz andere Familienleben“ (BLZ) bewegend und erhellend. Zur Buchpremiere von EIN HALBER HELD – MEIN VATER UND DAS VERGESSEN am Montag, den 25. April um 20 Uhr lädt er in das Maschinenhaus der Kulturbrauerei ein.

Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, Berlin-Pankow, Telefon (030) 44 35 26 14.

Honig vergessen oder: Honig, vergessen und würdevoll leben

Die Deutsche Alzheimer-Stiftung lädt einen Tag später zu einer Diskussion mit Filmvorführung ins Bundesplatzkino ein unter dem Titel „Würdevoll leben mit Demenz“. Manche sehen die Ursache in zuviel Aluminium zum Beispiel im Laugengebäck, andere vermuten Elektrosmog oder Chemtrailing dahinter.

Fakt ist das Phänomen, früher meist Alzheimer genannt, nun Demenz. Es ist eine Krankheit, die durchaus durch zunehmende Vergiftung entstehen könnte, doch wenn jemand sie hat, muss man damit umgehen. Die Pharmaindustrie ist in diesem Fall hilflos. Heilung soll es keine geben. Das einzige was angeboten wird, sind Medikamente, die angeblich in manchen Fällen „den Krankheitsverlauf verlangsamen“ können, unter Umständen.

Nur: Wie lange und wie schnell geht es denn mit der Demenz? Jeder Mensch ist unterschiedlich, und Voraussagen sind schwierig bis unmöglich.

Trotzdem wagen die, die schon einiges gesehen haben, Auskunft und Beistand zu den Fragen: „Was ist Demenz und was bedeutet diese Erkrankung für einen Menschen?“ Sowie zu der noch wichtigeren Frage:

Was kann man tun, damit der eigene Wille gewahrt bleibt?

Diese und andere Fragen diskutieren die Gäste mit Heike von Lützau-Holbein, der Gründerin der Deutschen Alzheimerstiftung und Professor Dr. med. Hans Gutzmann, dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie. Eine Veranstaltung im Rahmen der Berliner Stiftungswoche. Fazit: Auch mit der (Diagnose) Demenz ist ein würdevolles Leben möglich! Mit Demenz kann man viele Jahre leben und noch einiges Glück erfahren, lachen, sich bewegen, sich wohlfühlen. In vertrauter Umgebung wohnen – „Einen alten Baum verpflanzt man nicht!“ – und behutsam neue Orte kennenlernen. Der „Verlauf“ ist dabei ein Auf und Ab, bei dem man die Flinte nicht ins Korn zu schmeißen braucht. Liebevolle Pflege oder Betreuung können Wunder wirken und Familien zusammenführen.

Honig im Kopf

In Til Schweigers Film, in dem erselbst und natürlich seine Tochter Emma mitspielen, ist Amadeus eigentlich der Schweiger. Denn ihm fällt oft nicht ein, was er sagen wollte, oder zumindest fehlt ein Wort. Und während man dieses sucht, hat Amadeus, toll gemimt von Dieter Hallervorden, wirklich vergessen, was er sagen wollte. Aber auch ohne Sprache kann man sich verstehen. Ohne Worte. Durch eine zärtliche Berührung. Durch einen Blick. Ein Lächeln.

In dem Spielfilm, der so gut ist, dass er manchmal dokumentarische Elemente zu enthalten scheint, unternimmt Amadeus mit seiner Enkelin ein abenteuerliche Reise nach Venedig. Gute Unterhaltung. Aber eben nicht nur das. Der Film feierte am 15. Dezember 2014 seine Weltpremiere und startete am ersten Weihnachtsfeiertag. Es ist ein langer Film, über zwei Stunden (139 Minuten).

Viele Gesichter kann man im Film wiedererkennen, wenn man es kann. Jan Josef Liefers. Anneke Kim Sarnau Udo Lindenberg.

Im Kino läuft der vielgepriesene Film nicht mehr, aber es gibt ihn seit kurzem auf DVD. Dass er im Bundesplatz-Kino zu sehen sein wird, ist eine große Ausnahme und eine seltene Gelegenheit, den Film auf der großen Leinwand zu sehen. Doch im Kern geht es ja um etwas anderes, das mit Humor und Lachen besser zu ertragen ist. Deswegen danke für diese Komödie.

Bundesplatz-Kino, Bundesplatz 14, 10715 Berlin, 26. April 2016 13.30- ca 17.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

Die Plätze sind beschränkt.

Um Anmeldung mit Name, Anschrift, Telefon wird gebeten: Fax (030) 2 59 37 95 29 (Dt. Alzheimerstiftung per Adr. Deutsche Alzheimergesellschaft, Friedrichstraße 236, 10969 Berlin)




Schickt den Schiri ins Museum! – Bitteschön: Der Autor hat eine Vorstellung für sein Buch „Urs Meier – Mein Leben auf Ballhöhe“ im Deutschen Fußballmuseum

Berlin/Dortmund, Deutschland (Kulturexpresso). Im neuen Fußballmuseum in Dortmund geht es außer um Fußball auch um Kultur. Ganz neu: Ab April 2016 wird es Veranstaltungen zur Fußballkultur und -geschichte geben. Das Kulturprogramm nennt sich „Anstoß“. Auch Filmvorführungen sind geplant im eigenen Kino. Das Programm wird museal sieben „Spielfeldern“ zugeordnet, wie „Ballkunst“, „Heimspiel“, „Spielzeit“; drei davon tragen (halb-)englische Namen. Die Buchvorstellung läuft unter „Globall“-(Player).

Ein Schiri ist zu Gast. Einer, der auf alles pfeift, gepfiffen hat. 883 Spiele lang!

Während schon kleine Jungs meist die Namen der Spieler kennen, bleiben die Schiedsrichter meist im Schatten, im Hintergrund. Dabei werden sie vom Flutlicht genauso angestrahlt und stehen auch nicht hinten. Im Gegenteil, wenn jemand im Mittelpunkt steht, bzw. läuft, dann sind sie es. Nach Möglichkeit: Auf Ballhöhe. Aber wer kennt die Namen?

Superreiche Stürmer werden am Rande schon mal dafür kritisiert, dass sie nur vorne herumstehen, ab und zu ein bisschen nach links oder rechts gehen, dann einen Ball vor die Füße kriegen – Tor! Und Ruhm, und Millionen.

Schiedsrichter sind Arbeiter und Juristen zugleich. Sie sind nie laufmüde. Stehen nicht so sehr im Rampenlicht, es sei denn, sie machten etwas falsch – beziehungsweise die Fans (oder die „Nation“) sehen das so. Ein risikoreicher Beruf für Entscheider.

Ballack erhielt von ihm die Gelbe Karte. Michael Ballack, vorn mit großem „Ball“ geschrieben, erhielt viele Gelbe Karten. Von Meier erhielt er jene, die ihm die Teilnahme am WM-Finale 2002 verwehrte. Wer weiß, was im Endspiel passiert wäre …
Bei der Qualifikation zur EM 2004 zog Schiedsrichter Meier durch eine Fehlentscheidung den Unmut rumänischer Fans auf sich. Im Viertelfinale der Europameisterschaft erkannte er ein Tor für England nicht an: Polizeischutz. Dabei gilt der Schweizer Referee als höchst neutral.

Es gab schon mehrfach Zuschauer, die Meier am liebsten ins Museum geschickt hätten. Nun geht dieser Wunsch in Erfüllung: Am Mittwoch, den 13. April um 19 Uhr stellt der ZDF-Experte sein Buch „Urs Meier – Mein Leben auf Ballhöhe“ erstmalig der Öffentlichkeit vor, in einem Gespräch mit Moderation. Eintritt : 5,- bzw. 7,- Euro. Ticketauskunft: 0231/ 22 22 19 54. Im Rahmen des Kulturprogramms „Anstoß“.

DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH, Harenberg-City-Center, Königswall 21, 44137 Dortmund.

Wohin mit dem Museum?

Das Museum eröffnete im Oktober 2015 und war also noch nie im Sommerbetrieb, so jung ist es. Ein „Deutsches Fußballmuseum“ sollte natürlich in der Mitte der Bundesrepublik liegen und nicht am Rand. Sonst wären die Wege bei vielen Besucher zu lang und es würde unnötig Zeit und Energie verbraucht. Die Stätte des Rekordmeisters im südlichen Freistaat scheidet damit ebenso aus wie der Rekordhalter mit der Stadionuhr in der Millionenstadt an der Nordsee (HSV). (Rekordhalter Manfred Kaltz: meiste Elfmetertore (53) und meiste Eigentore (6)). Auch die Küstenstadt Bremen, das viermal Meister war und damit an vierter Stelle, kam so nicht in Frage. (Miroslav Votava spielte 546mal für Werder und steht in der Bestenliste auf Platz 5.)
Frankfurt am Main hätte Standort werden können, zentral gelegen; Rekordspieler Karl-Heinz „Charly“ Körbel spielte seine 602mal in der Liga nur für die Eintracht.

Es hätte in Einbeck liegen können, einer alten geographischen Mitte in Niedersachsen. Nicht weit weg: Wolfsburg. Der Pokalsieger, der in der Champions League gerade Real Madrid 2:0 schlug, hat aber zu wenig Tradition. Die Stadt am Mittellandkanal, die entstand, um Volkswagen zu bauen, gibt es erst seit gut 75 Jahren. Und als am Wochenende Mainz 05 beim VfL zu Gast war und mit einem Unentschieden einen großen Erfolg feierte, waren gerade mal 26.000 Zuschauer im Stadion. Ausverkauft!

Wegen der Infrastruktur (ÖPNV) bietet sich das gut gelegene Hannover an, bei Messen bestens bewährt. Hannover könnte für alle „Nahhnover“ heißen, erzeugt aber, Landeshauptstadt hin oder her, bei vielen eher Kühle und Sachlichkeit statt Leidenschaft. Schlicht wie Maschsee, sozusagen. Da hilft es auch nicht, dass die Hannoveraner dort ihre Frauen an der Leine führen. Der Witz stammt aus der „Prüfung“, die am 19. Mai ins Kino kommt.

96 ist gerade auf dem absteigenden Ast. In einer Fernsehsatire war bei einem Vergleich zur Überflüssigkeit zu hören, genauso wichtig wäre es, dass Hannover 96 die Elfmeterschützen für das Champions-League-Finale festlegt. Ein Ding der Unmöglichkeit. Die Saison hat bei 18 Mannschaften 34 Spiele, der 29. Spieltag ist Geschichte; Hannovers Fußballmänner holten einen Punkt gegen Hertha, aber der Abstieg aus der 1. Liga scheint unausweichlich. Ein Fußballmuseum, ein deutsches, in einer Stadt mit einem Männerfußballverein aus der 2. Liga? Nein, danke, werden sich alle gedacht haben.

Also auf nach Dortmund. Hier ist der Pott, hier schlägt das Herz. Manchmal holt der BVB auch einen Pott oder eine Schale. Der Klassenerhalt scheint gewiss, von Ausnahmen abgesehen. Ein idealer Standort. Ausnahmsweise haben die gutbezahlten Fußballbonzen, deren Lack abblatterte und bei denen viele durch die Panama-Papers alt aussehen, eine richtig gute Entscheidung getroffen.