Musikpiraterie einmal anders. Die Berliner „Ohrpiraten“ spielen in der BARt-Bar

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© 2016, Foto: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Brasilanische Musik (Bossa Nova, Samba und Choro), eigene Kompositionen, Folk, Jazz und Pop – das ist der Weg, wie Manfred Gruber, Christian Ruiz und Stefan Frey durch die Ohren unsere Herzen erobern möchten. Das nächste Mal am Samstag, den 26.11. um 20 Uhr. Das Musikleben der Hauptstadt ist vielfältig und man kann immer noch etwas neues entdecken. Piraterie ist verboten, wenn sie nicht vom britischen Königshaus sanktioniert ist. Vielleicht hat der Wortbeigeschmack von Abenteuer, aber auch Gewalt dafür gesorgt, dass die politischen Piraten bei der Berliner Abgeordnetenhauswahlen gerade Schiffbruch erlitten. Zumindest haben sie die 5%-Klippe nicht umschifft. Keine Wählerflut hob sie hinüber und so landeten sie in Untiefen. Gut möglich, dass die Ohrenpiraten bald die beliebtesten Piraten Berlins werden.

Sie spielen in Clubs und Restaurants, in Kirchen, auf privaten Feiern und Straßenfesten. Entweder konzertant oder als „ambient music“, das ist ein gepflegte entschleunigte Hintergrundatmosphäre. Oder wie Dagmar Gester sagte: „Das ist leise Musik“. Das bringt es auf den Punkt.
Leise klingt gut. Ist es zu laut, möchte man die Ohren schließen. Spricht jemand leiser, spitzen plötzlich alle die Ohren.
Geheimnisse werden dicht an den Lauschern weitergegeben, flüsternd oft, doch prächtig verstanden.

Aller guten Stammpiraten sind 3. Chef Manfred Gruber spielt Steelstringgitarre, Oktavgitarre, und Lavta. Die nicht sehr bekannte Oktavgitarre bringt in ausgewählten Musikstücken ein besonderes Klangbild, welches an lateinamerikanische Musik erinnert.

Christian Ruiz Nylonstring-Gitarre und 12saitige Gitarre. Gruber und Ruiz sitzen bei Konzerten meist nebeneinander, was zeigt, wie eng sie zusammenspielen und wie gut sie harmonieren.

Der Dritte im Bunde, der dritte Mann, Stefan Frey, beherrscht Querflöten, Blaswandler und Percussion. Falls nötig wird die Band ergänzt durch einen zusätzlichen Percussionisten.
So geschehen bei der Finissage von Dagmar Gesters Photoausstellung „Fluchtgepäck“ im Nachbarschaftstreff Mahlower Straße 27 in Berlin-Neukölln (siehe den Herren rechts im Bild).

Übrigens ist mit der Finissage dort noch nicht alles finis. Die Ausstellung, die im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie im Oktober eröffnet wurde, bleibt noch wenige Tage geöffnet. Vielleicht eine Chance, sich dem Fluchtthema einmal befreit zu nähern. Zudem allein schon die Frage spannend ist, was jemand aus seiner Heimat mitnimmt und wichtig findet. (Öffnungszeiten und Näheres im Artikel in Kulturexpresso).

Manfred Gruber spielt nicht nur ein Instrument und nicht nur in einer Musikgruppe. „Ocean Music“ nennt er das, was er tut, und meint damit nicht die Nachbildung von Meeresrauschen. Obwohl „ambient music“ ähnlich wie das Rauschen der Brandung eine gern gehörte Hintergrundkulisse ist und Grubers Visitenkarte Strand und Meer zeigt. Klobig ist ein Klavier am Pier, praktisch und elegant wie eine Gazelle die Gitarre am Strand. Wer hat noch nie im Sand sitzend zur Gitarre gesungen, vielleicht bei einem Lagerfeuer?

Ocean-Musik kommt mit Ocean-Kunst daher, doch die „Lautmaler“ sind auch eine Gruberband und machen Musik, genau wie „Morann“, „Jablue“ und andere Formationen.

Grubers Gigs gibt’s mit Gitarre. Der Musiker ist auch Musiklehrer, das vernimmt man mit Befriedigung. Genauer: Gitarrenlehrer.
Das hebt die Qualität auf eine Hochebene. Wenn man die Ohrpiraten auf einer Vernissage sieht, erwartet man zunächst ob der Rahmens nicht viel. Doch kaum wird es ruhiger und das Publikum hat Platz genommen, ist man angenehm überrascht. Die O-pi’s gibt es erst seit zwei Jahren, doch waren sie schon ein halbes Dutzend mal in Galerien und Kunstaustellungen zu Gast, so bei der Geminschaftsausstellung Andrea Endrulat/ Martha Den, bei „Marta meets Matz“ und bei der Vernissage „Friedensboten“.

Die „Ohrpiraten“ sind eine Neuentdeckung von hoher handwerklicher Qualität, die dem musikalischen Gaumen mundet.

26. November 2016, 20 Uhr, Ohrenpiraten in der BARt-Bar Auguststraße 82, 10117 Berlin-Mitte

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