Veranstaltungsort am Bahnhof: Das phaeno in WOB, Niedersachsen, BRD

WOB – IS 80. Stadt Wolfsburg wird 80 – Niedersachsen eine Spur und ein WOW reicher

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wäre die Stadt Wolfsburg ein Mensch, würde man langsam sagen: ein stattliches Alter! Als Stadt ist sie eher jung. Trier, Worms und Speyer, überhaupt die Römerstädte südlich des Limes haben bis zu 2 Jahrtausende überdauert. In Niedersachsen gibt es mittelalterliche Städte wie Lüneburg, die über eintausend Jahre alt sind – Lüneburgs Gründungsjahr ist 956 n.Chr., die einzige erhalten gebliebene der norddeutschen Backsteingotik ist eine alte Salzstadt. Ein stadtliches Alter hat Wolfsburg nichtsdestotrotz.

Wozu Wolfsburg? Es ist ein Kind seiner Zeit und konnte erst nach der industriellen Revolution entstehen. Sie, die Stadt Wolfsburg, ist eine Gründung des Nationalsozialismus, wie die Zahl 1938 schnell verrät. Das Staatssystem, das außer dem Kriegsausgang wenig dem Zufall überließ und mit Fünfjahresplänen arbeitete wie später die DDR, entschied zentraL: Wir brauchen den Kraft-durch-Freude-Wagen. Kraft durch Freude war ein Slogan, hinter dem die Freizeitgestaltung des „Arbeiters“ steckte. Kreuzfahrtschiffe wie die „Wilhelm von Gustloff“ wurden gebaut, ein Automobil fürs Volk sollte die noch recht leeren und seltenen Reichsautobahnen „bevölkern“.

Die Freude bei der Freizeit sollte den „Volksgenossen“ stärken, seine Arbeitsleistung erhöhen sowie seine Treue und „Motivation“ stärken. Ähnlich wie für Prora, wo auf Rügen ein Riesenurlaubshotel in Strandnähe fast fertig gebaut wurde, kam der Krieg zu früh oder dazwischen. Die Gebäude erschrecken bis heute durch Monströsität und den traurigen Gedanken, dass hier eine Menge Zeit und Kraft verschwendet wurde, ohne dass je jemand einziehen und Urlaub machen konnte.

Wolfsburg wurde erfolgreicher, doch der KdF-Wagen zunächst nicht gebaut. Kriegswichtige Produktion war das Stichwort. Doch die Anlage war gut gelegen oder, wie man heute sagen würde: gut positioniert. Am Mittellandkanal, der das Deutsche Reich mitten durchquerte, konnten Massen- und Stückgüter optimal nach Ost und West transportiert werden. Erst die deutsche Teilung, die auf den verlorenen Krieg folgte, machte Wolfsburg zum Zonenrandgebiet und die Lage ungünstiger.

Was soll das Volk wagen?

Doch der dort hergestellte deutsche Volkswagen wurde trotzdem ein Symbol des Wirtschaftswunders.

Es reicht nicht, ein Werk zu bauen, auch die Arbeiter und ihre Chefs und die Verwaltung müssen irgendwo wohnen, am besten in der Nähe.

Gifhorn, Braunschweig und Wolfsburg bilden ein Dreieck, in dem heute arbeitsteilig gewohnt und eingekauft wird. Der Kern ist das „alte“ Wolfsburg mit dem Werk 1.

Hauptwerk von VW bzw. Volkswagen in WOB (Stadt Wolfsburg)
Ein Altbau, vor dem die Wolfsburger Respekt haben. Hierum kreist alles – wörtlich und im übertragenen Sinne. (Im Vordergrund: Die „Albis“. Binnenschiffahrt bestimmte den Standort.) © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

Die drumherum liegenden Dörfer wurden meist erst später eingemeindet, als die CDU-geführten Bundesregierungen die Macht verloren und die sozialliberale Koalition Dörfer eingemeindete oder zu „Samtgemeinden“ bündelte.

Um das Werk machen alle Wolfsburger einen großen Bogen

Das lässt sich nicht vermeiden, muss und will man irgendwohin. Immer muss man um das Werk herumfahren, das direkt am Kanal liegt und einen eigenen Gleisanschluss hat.

Kanal voll: Die „Falcon“ liegt ruhig am Ufer der Autostadt. Darüber, hinten rechts, die Fußgängerbrücke in die Innenstadt südlich des Mittellandkanals. Dort der DGB, der Bahnhof, das phaeno und nach einem kurzen Fußweg die Fußgängerzone mit dem Rathaus. Schloss, Schiff und Stadion liegen auf der nördlichen Kanalseite. © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

Der Mittellandkanal muss für Straßen und Fußgänger überbrückt werden und so kommt es, dass man etwa im Norden vom alten Schloss aus auf der Bundesstraße und ehemaligen Reichsstraße Richtung Westen nach Gifhorn fährt etwa bis Weyhausen und dann nach Süden abbiegt – oder südlich des Kanals an Bahnhof und „Phaeno“-Veranstaltungsort aus nach Westen fährt Richtung Sülfeld und Fallersleben.

Wie man es auch dreht, man kommt um das Werk nicht herum.
Beziehungsweise muss um es herum.

Man muss um das VW-Werk immer einen großen Bogen machen.
Auch wenn man es ins Herz geschlossen hat.

Stadt Wolfsburg – geplante Stadt ohne Kirchen

Schriftzug Volkswagen an der VW-Arena nördlich des Mittellandkanals
Läuft und läuft und läuft, wenn auch jüngst etwas holprig. Aufschrift am Stadion, der „Arena“ (Ausschnitt). © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Dem Reichskanzler schienen Kirchen für die Reißbrettstadt entbehrlich. Wer einer Religion angehörte und partout zum Gottesdienst wollte, sollte doch woandershin gehen. Doch vieles kam anders. Es wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird. 1938/39 liefen nicht in großer Zahl Wagen vom Band, dass Ford erfand. Das 1000jährige Reich dauerte in der Stadt Wolfsburg nur 12 Jahre.
Inzwischen gibt es einige Kirchen, auch katholische. In einer wird der mexikanische Totenaltar gezeigt, eine große Tradition um Allerheiligen in Mexiko. Von dort kommen viele Arbeiter und Angestellte und ihre Familien.

Eine internationale Stadt

Bei einer Preisverleihung auf der ITB zeigen Mexikaner Flagge.
Die dreifarbige mexikanische Flagge. Gesehen auf der ITB. © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

120 Nationen sind in der Stadt Wolfsburg vertreten.

Einige zahlenmäßig stark. Es könnte sein, dass diese niedersächsische Stadt Deutschlands größte Mexico-Community beherbergt. In Puebla, der „Partnerstadt“, steht ein großes nordamerikanisches Werk.

Volkswagen ist das wichtigste deutsche Unternehmen in Mexiko. VW baute das Werk in Puebla 1964. Genau genommen ist Puebla „Freundschaftsstadt“. Eine Städtepartnerschaft ist mit noch mehr Austausch der Institutionen verbunden. Die Fast-Städtepartnerschaft brachte Frau Alia Lira-Hartmann mit dem Ex-Oberbürgermeister Rolf Schnellecke auf den Weg. Der jetzige OB Klaus Mohrs hat diese Städte-Freundschaft gepflegt. Auf Einladung der Stadt Wolfsburg waren Vertreter Pueblas bei den Feierlichkeiten 80 Jahre Stadtgründung. Frau Hartmann fühlt sich als Wolfsburgerin. Sie ist nur ein Beispiel für viele engagierte Bürgerinnen und Bürger – Deutsche, Mexikaner und andere.

Auch das andere Land, das eine senkrecht dreigeteilte grün-weiß-rote Flagge hat, Italien, schickte viele Werktätige, die hier eine neue Heimat fanden. Später gründeten engagierte Bürger eine deutsch-italienische Freundschaftsgesellschaft, die die kulturellen und sonstigen Beziehungen zwischen der großen italienischen Gemeinde und den deutschen Nachbarn fördert. Solche bilateralen Gesellschaften gibt es auch mit anderen großen Nationen.

Es gibt viele Gründe, zu feiern.

So 20 Jahre Freundschaft mit der polnischen Stadt Bielsko-Biala. Eine kreisfreie Stadt in der Woiwodschaft Schlesien.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und weiter alles Gute!

Geschenke und Feiern zum 80. der Stadt Wolfsburg

Die Unternehmen der Volkswagen-Gruppe schenken der Stadt Elektroauto-Ladestationen im Wert von 10 Millionen Euro, wie Freitag abend bei einem Festakt verkündet wurde. Eine gute Idee. Eine Win-win-Situation. Automobilbezogen und ein Gewinn für die Stadt, denn was nützen die Elt-Autos, wenn man sie nicht in einem engmaschigen Netz laden kann. Gut auch für die Besucher, und Touristen gibt es hier nicht zu knapp.

Die Stadt wird durch elektrische Wagen auf die Dauer auch leiser und lebenswerter. Die viel beschrieene Lebensqualität wird hier und überall, wo die leisen Renner fahren, ansteigen.

Das hochkarätige Programm der Feierlichkeiten voller Konzerte unter www.wolfsburg.de www.wolfsburg.de.

In den vergangenen fünf Jahren seit dem jüngsten großen Stadtfest zum 75. gab es immer wieder überregional interessante Veranstaltungen wie diese im Phaeno: La donna phaenomenal: Die Schriftstellerin Gioconda Belli liest aus ihrem neuen Buch „Mondhitze“

Und natürlich spielt neben der Kultur auch der Sport im Stadtleben eine wichtige Rolle, besonders der Fußball:

Sport in WOB: Fußball. Plakat am Hauptbahnhof im November 2016
In Wolfsburg kannst Du was erleben! Neben der „Autostadt“ die „Fußballwelt“ mit einem schicken, wenn auch nur 30.000 Zuschauer fassenden Stadion. Seit dem Dieselskandal verließ der VfL die Champions-League-Plätze. © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

 




Anküdigung Schygulla-Lseung im filmkunst 66, Berlin-Charlottenburg

Gesammeltes Reden … gesammeltes Schweigen. Benefiz-Matinée mit Hanna Schygulla im Filmkunst 66

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Reden kann man sammeln. Schweigen auch? Bestimmt. Hanna Schygulla kann sogar gesammelt reden. Unter dem Titel Gesammeltes Reden … gesammeltes Schweigen findet am 17. Juni 2018 um 12 Uhr eine Matinée statt.
Der 17. Juni war lange ein Feiertag und erinnerte an Ostberlin 1953. Wer gedenken oder feiern will, kann das ja vielleicht vor 12 oder nach 14 Uhr tun. Die Gedenkstätte an der B1 in Zehlendorf ist eh kein toller Ort. Der Platz des 17. Juni vor dem Finanzministerium dagegen ist nicht offiziell im Straßenverzeichnis eingetragen und wirkt durch NS-Architektur und DDR-Bauten rundum. Und die Nähe zum historischen Ort, zum Brandenburger Tor, zur Mauer.

Der Volksaufstand ‘53 und die nachfolgende wirtschaftliche und politische Entwicklung in der DDR führten zu einer lang anhaltenden Fluchtwelle von Ost- und Mitteldeutschland in die Bundesrepublik des Grundgesetzes. Beide 1949 neugegründeten Staaten waren jung. Schnell sprach man im Westen vom Wirtschaftswunder, das unter anderem dadurch zustande kam, dass Vertriebene aus Pommern, Schlesien und Ostpreußen sich wieder so ein gutes Leben aufbauen wollten, wie sie es kannten. Obwohl angeblich „niemand die Absicht hatte, eine Mauer zu errichten“ – geschah genau das. Die Flucht zu vieler Deutscher, darunter auch viele Ärzte, Ingenieure und Akademiker, gefährdete wohl das Überleben des sozialistischen Staates. Da war man nicht zimperlich. Mit dem Mauerbau am 13. August 1961 konnte die Flüchtlingswelle gestoppt werden, der Status quo wurde zementiert, doch die „DDR“, wie sie in der 50er Jahren in der „BRD“ genannt wurde, verzögerte bloß ihr eigenes Siechtum, aufhalten konnte sie ihr Ableben nicht.

Hanna Schygulla hat selbst als Kind Fluchterfahrungen gemacht, und ihr ist Heinrich Böll ein Begriff. Deshalb jetzt:

Gesammeltes Reden … gesammeltes Schweigen: Hanna Schygulla, junge Geflüchtete und Heinrich Bölls Texte „im Dialog über Unaussprechliches, Alltag und Literatur“

Eine Veranstaltung der Literaturinitiative Berlin. Hanna Schygulla ist eine langjährige Unterstützerin der Arbeit der Literaturinitiative und des Projekts „100 Berliner Gesichter“. Schygulla widmet ihre Benefizmatinée erneut dem Projekt mit „jungen Geflüchteten“.

Exkurs Sprachgebrauch

„Junge Geflüchtete“ heißt es auf dem Handzettel im A5-Format, der im Foyer des Kinos „Filmkunst 66“ in der Bleibtreustraße ausliegt.

Auf Tafeln für Autofahrer steht: „Achten Sie auf Radfahrende!“

Sprache verändert sich; nicht immer zum Guten. Es ist fahrlässig, im Straßenverkehr abzulenken. Neue Wörter lenken ob ihrer anfänglichen Unverständlichkeit ab.

Radfahrende: gemeint sind Radfahrer. In einem Feldzug zur Gleichschaltung aller Wörter in allen Bereichen des Lebens wird die Sprache verhunzt und auch sonst viel Schaden angerichtet. Wer bitte, käme auf die Idee, dass Autofahrer nur auf (männliche) Radfahrer beim Abbiegen achten? Solcherlei Unfug vermutet wohl auch, dass Autofahrerinnen beim Abbiegen mehr auf Radfahrerinnen achten? Blödsinn, Blödsinn, Blödsinn. Beim Kämpfen um Deutungshoheit findet anderswo über unsere Köpfe Wichtiges statt, das uns auch betrifft. Viele, die jetzt noch für die „Mitgliedin“ und anderen Schwachsinn kämpfen, werden später bereuen, ihre wertvolle Zeit für das Falsche vergeudet zu haben.

Es mag sein, dass das Wort „Flüchtlinge“, das so wunderbar treffend und neutral ist, sich seit September 2015 abgenutzt hat. Hier rächt sich, dass man nicht gleich die Wahrheit gesagt hat und Migranten hinter Flüchtlingen versteckte. Jetzt ist das Wort „Flüchtling“ diskreditiert, „Refugee“ sowieso. Deshalb wohl weicht der Text auf dem Hanna-Schygulla-Flyer ab und verwendet statt des guten alten „Flüchtlings“ das Wort „Geflüchtete“.

Das Wort „Radfahrer“ hat eine Silbe und zwei Buchstaben weniger als „Radfahrende“. Zudem weiß man bei „Radfahrer“ sofort, was gemeint ist.

Dem kürzeren und verständlicheren Wort ist – zumindest im Straßenverkehr!! – Vorrang einzuräumen!

Hanna Schygulla liest aus Heinrich Bölls immer noch aktueller Satire „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“

Hanna Schygulla liest aus Heinrich Bölls „immer noch aktueller“ Satire „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“, verkündet der Handzettel der LIN (Literaturinitiative Berlin; in der Eigenschreibung rechtschreibzerstörend mit einem großen „i“ mitten im Wort, genauso unflätig wie beim Reisezentrum der deutschen Bahn).

Zivilcourage bitter nötig

Der Text erzählt von „der fantasievollen, stillen und dennoch hartnäckigen Zivilcourage des Einzelnen.“
„Bölls erklärtes Ziel, das öffentliche Bewusstsein der Bundesrepublik Deutschland zu verändern, ist bis heute relevant.“

Die Matinée lädt dazu ein, Böll zu entdecken – wiederzuentdecken oder neu. Die teils verstaubten Bücher, die man preisgünstig bei abebooks.de, antiquariat.de usw. erwerben kann, sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass Böll nicht verstaubt ist. Die niedrigen Preise für Bücher, die ohne Strom funktionieren und auch im Park ohne Elektrosmog gelesen werden können, sollten als Chance begriffen werden. Wenn ofter der Strom ausfiele, zögen die Buchpreise automatisch an. In Antiquariaten kann man Schnäppchen machen und günstig etwas abstauben.

„Ansichten eines Clowns“, „Antikommunismus in Ost und West. Zwei Gespräche“, „Billard um halb zehn“ – im Antiquariats- oder Bibliothekskatalog merkt man schon bei den ersten beiden Buchstaben „A“ und „B“, wie groß Bölls Werk ist. Und vielleicht wird man beim Lesen und Stöbern verstehen, warum die Grünen ihre parteinahe Stiftung ausgerechnet nach diesem Deutschen benannten.

Böll abstauben

Allerorten sieht und hört man zurzeit, wenn jemand einen Ball abstaubt. WM-Bilder und -Töne begleiten einen auf Schritt und Tritt durch die Hauptstadt. Gefühlt in ähnlicher Häufigkeit wie Kaffee zum Mitnehmen.

Wer Böll abstaubt, hat ein Alleinstellungsmerkmal und macht sich interessant. Genug Ballmuffel gibt es ja. Der Handzettel trägt die Lichtenbergsche Fackel der Wahrheit durch die Menge:

„Zivilcourage, Verteidigung der Kunst und Künstlerinnen, streitbare Toleranz und die unbedingte Wertschätzung für Kunst und Kultur sind Werte, für die Böll – ein großer Künstler und Intellektueller – stand und in seinem Werk heute noch steht. Diese Werte bleiben aktuell und suchen wieder mutige Stimmen, die sagen, wie es um sie bestellt ist.“

Zivilcourage ist keine Zuvielcourage!

Gesammeltes Reden … gesammeltes Schweigen: Bleibtreustraße 12 um 12

Eintritt EUR 15,-, ermäßigt 8,-. Die Einnahmen aus dieser Veranstaltung werden vollständig für das Projekt „100 Berliner Gesichter“ verwendet
Wann? Datum und Uhrzeit: Sonntag, 17. Juni 2018 um 12 Uhr
Wo? Veranstaltungsort: Filmkunst 66, Bleibtreustraße 12, 10623 Berlin

(Zwischen Ku’damm und Kantstraße, Busse M19, M29, 109, M49, X34, X49, S-Bahn Savignyplatz.)

Am Ende erläutert der Handzettel zur Veranstaltung Gesammeltes Reden … gesammeltes Schweigen, was es mit dem Projekt mit Jugendlichen und Geflüchteten auf sich hat:
„Zusammen mit Jugendlichen aus dem Projekt „100 Berliner Gesichter“, mit dem jungen Volksbühnen-Schauspieler Jens Bluemlein und mit jungen Musikerinnen spricht Hanna Schygulla über das Leben in der Fremde und das Ankommen in einer neuen Heimat.“
„Die jungen Geflüchteten und in Berlin aufgewachsene Jugendliche stellen gemeinsam die von ihnen verfassten Interviewfragen vor, wie beispielsweise: „Was siehst du, wenn du aus dem Fenster schaust?“, „Wie sieht dein Alltag aus?“, „Was würdest du dir wünschen, was man nicht mit Geld bezahlen kann?“ Denn: Erklärtes Ziel der Literaturinitiative ist es, über kulturelle Bildung die Neugier junger Menschen zu wecken, etwas vom Leben anderer zu erfahren.“

Hanna Schygulla, die Autorin, signiert im Filmkunst 66

Die Bücher von Hanna Schygulla, die im Verlag Schirmer & Mosel erschienen sind, können am Büchertisch gekauft werden. Auf Wunsch werden sie von der Künstlerin handsigniert!

Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Erstmal HB: Heinrich Böll, Ruhe und Mut

Heinrich Böll lebte von 1917-1985; Sohn eines Holzbildhauers, in dessen Hause in Köln ab 1933 verbotene Zusammenkünfte stattfanden.
Böll hat mit Konrad Adenauer Köln, Kritik und Katholizismus gemein.

Einige wenige Kämpfer für Zivielcourage gibt es:

Musical und Sicherheid – Die Theatergruppe der Jüdischen Kultusgemeinde Heidelberg, die den Präventionspreis erhielt, zeigt das Musical „Anatevka“




Buch "Bald nach Hause - Skoro domoi"

Eva, dein Ochse erwürgt sich! Kein Aprilscherz in Sibirien

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ergreifend das Leben der Eva-Maria Stege, 1928 in Grochow, Kreis Oststernberg in der Provinz Brandenburg geboren. Stege flüchtete im Januar 1945 mit der Familie über die Oder und wurde im März ‘45 „in ein Straflager in Sibirien verschleppt, von wo sie erst 1949 zurückkehrte.“ Durchaus kein Aprilscherz.

Sigrid Moser (Jahrgang 1934) hatte ihr Leben aufgezeichnet. Der Text erschien mit einem Vorwort von Ruth Misselwitz, die im Sommer ‘91 schrieb: „Dieses Buch ist eine Mahnung gegen den Krieg“. Und:

„Eine Mahnung gegen die Ideologisierung von Menschenschicksalen, die die einen als schuldig, die anderen als unschuldig qualifiziert.“ Und:

„Eine Mahnung gegen das Desinteresse und die Gleichgültigkeit“.

Frau Misselwitz endet: „Am Ende ist es aber auch das Buch mit der weiblichen Handschrift“
(Aus dem dreiseitigen Vorwort, Seite 11).

Kein Aprilscherz – „Bald nach Hause, Skoro Domoi“

Das Aufbau-Taschenbuch heißt „Bald nach Hause, Skoro Domoi“ und erschien in erster Auflage 1991 im Aufbau-Taschenbuch-Verlag (AtV) in der Reihe „Texte zur Zeit“ (ISBN 3-7466-0066-9). Rotarmisten waren auf den kleinen Bauernhof im Märkischen gekommen. Das erinnert einen an viele Geschichten aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien. Von Flüchtlingen und Schlimmerem.

Der Film „Über Leben in Demmin“, der just am 22. März ins Kino kam, erzählt von den 100fachen „prophylaktischen“ Selbstmorden vor und bei der Besetzung der vorpommerschen Hansestadt Demmin (heute Mecklenburg-Vorpommern).

Das Buch „Bald nach Hause“ enthält auch eine Mahnung, vermeintliche Aprilscherze ernstzunehmen. Eva-Maria Stege, die 21 war, als sie 1949 aus dem Lager freikam (und 17, als sie verschleppt wurde) berichtet Interessantes im Kapitel „Und dennoch: Leben“ (Seite 71). Es gibt in diesem Kapitel vier Unterabschnitte, ‚Kartoffelfracht und Kabeldraht‘, ‘Das gute Omen‘ und ‘April, April …“ (S. 81) und ‘Der „Hund“ und die Schafe‘. In dem nach dem vierten Monat benannten Abschnitt findet sich auf Seite 84 folgende Geschichte:

Und dennoch: Leben – im April

„Einmal, noch in den ersten Wochen im Kolchos, lenkte Eva bei der Frühjahrsbestellung einen Ochsenkarren aufs Feld. Es war der 1. April. Zum Mittagbrot fuhr sie zum Kolchos zurück. Sie war gerade beim Essen, als ein Mädchen in die Küche stürzte und schrie: „Eva, dein Ochse erwürgt sich!“ Die aß ruhig weiter und antwortete nur gelassen: „Denkste, April, April …“.

Hätten Sie das geglaubt? Noch dazu an diesem Datum?

„Als dann aber die nächsten mit derselben Nachricht ins Haus gelaufen kamen, wurde es ihr mulmig, und sie rannte hinaus.“

?

„Tatsächlich, der Ochse war am Verrecken.“ Kaum zu glauben, aber wahr.

Lasst den Ochsen leben

„Das an einem Mast festgebundene Tier hatte sich in seinem Kummetgeschirr verfangen und röchelte nur noch schwach. Evas Herz klopfte bis zum Halse vor Angst; wenn es starb, würde man sie der Sabotage bezichtigen.“

„Und dann …“ Ein Akt, der zeigt, dass man gemeinsam stark sein kann:
„Mit vereinten Kräften schoben die Mädchen den Wagen von hinten gegen den Ochsen, das Geschirr lockerte sich, Eva konnte es öffnen und ihn aus seiner tödlichen Falle befreien.“

Kein Aprilscherz, oder?

In der Fernsehsendung „Wer dreimal lügt“ wurden vor Jahren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (ARD oder ZDF) sechs Geschichten erzählt, die eine Hälfte wahr, die andere gut gelogen. Es war gar nicht so leicht, bis unmöglich, alle „Stories“ richtig einzuordnen.

Wenn jemand um Hilfe schreit, sollte man also erstmal hin. Auch im April.

Länderwissen interessant. Zohre Shahi und Stephan Orth gewinnen in Berlin Preise (ITB Buch Awards)

https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2018#Termineom18




Taiwan Republik auf der ITB Berlin

Altes ist gut. Alte Filme jetzt verbessert: Die Filme „Dragon Inn“ und „A Touch of Zen“ aus Taiwan Republik China wurden digital remastered

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 10.10. feiert die Republik China ihren Nationalfeiertag, den „Double tenth“, den doppelten Zehnten. Aus diesem Anlass weisen wir auf den Kinostart von „A Touch of Zen“ und „Dragon Inn“ in digitalisierter Fassung in ausgewählten Kinos hin. „Ein Hauch von Zen“ ist einer der einflussreichsten chinesischen Filme überhaupt.
Die Bezeichnung „der Kampfkunstfilm, der eine ganze Generation von Filmemachern inspirierte“, ist keine Übertreibung, sondern durchaus zutreffend.
„A Touch of Zen“ und „Dragon Inn“, zwei Klassiker des asiatischen Kinos von 1971 und 1967, feiern ihre Wiederaufführung, restauriert und 4K-remastered vom Taiwan- Filminstitut.
„A Touch of Zen“ und „Dragon Inn“ sind die ultimativen und für das Genre richtungsweisenden Martial-Arts-Filme und beeindrucken bis heute mit ihren poetischen Bildern und dramatischen Kampfchoreographien.

Sie gehören beide zum Wuxia-Genre. Das sind vereinfacht gesagt Kampfkunstfilme mit ritterlichen Helden, die das richtige tun.

„Dragon Inn“

– Im deutschsprachigen Raum bekannt unter dem Titel „Die Herberge zum Drachentor“, Originaltitel „Lóngmén Kèzhàn“, international auch „Dragon Gate Inn“. Lóngmén bedeutet Drachentor.
(Von dem Wort Tiananmen, Tor der Himmlischen Friedens, kennt man die Silbe ‚.men‘ bzw. das Wort ‚Men‘.
Long, der Drache, taucht unten in Mr. Long wieder auf, eigentlich: „Herr Drache“.)

Regie/ Drehbuch: King Hu

mit Feng Hsu (bzw. Hsu Feng), Lingfeng Shangguan, Chun Shih, Ying Bai

Republik China Taiwan 1967, Originalfassung mit deutschen Untertiteln (OmdtU), 111 Min.

Gedreht: 1966.

Inhalt: Nach einer erfolgreichen Intrige wird General Yu (sprich: Jü) von seinem politischen Gegner Obereunuch Zhao (sprich: Dschau) hingerichtet und seine Kinder aus China verbannt. Doch die Kinder des Generals sind dem Obereunuchen Zhao ein Dorn im Auge und daher setzt er alles daran, sie auf ihrem Weg ins Exil umzubringen. An der einsamen Herberge zum Drachentor legt er einen Hinterhalt. Doch die treuen Gefolgsleute des gemeuchelten Generals eilen den Kindern zur Hilfe. Es entfesselt sich ein Kampf um Leben und Tod.

„A Touch of Zen“ ( „Ein Hauch von Zen“, „Hsia-nǚ“)

– deutscher Titel „Ein Hauch von Zen“, Originaltitel „Hsia-nǚ“ („Xiánǚ“) wörtlich ‚ritterliche Heldin‘, wörtliche Übersetzung ins Englische: Hero woman “

Regie/ Drehbuch: King Hu
Das Drehbuch basiert von der Story her auf einer Geschichte von P’u Sung-ling (in anderer Umschrift Pu Songling, 1640-1715).
Darsteller: Feng Hsu, Shih Chun, Bai Ying, Tien Peng, Roy Chiao Hung
(Sprich: Feng Chü, e wie in ‚kommen‘ und ch wie in ‚ich‘.)

Republik China Taiwan 1971, Originalfassung mit deutschen Untertiteln (OmdtU), 180 Min.

Gedreht ab 1968, anderen Angaben zufolge ab 1969.

Der Film erschien in Taiwan zunächst in 2 Teilen, 1970 und 1971, zusammen mit 200 Minuten Dauer. Der erste Teil wurde schon gezeigt, als die Dreharbeiten am 2. Teil im vollen Gange waren. Ende 1971 wurde eine Fassung in einem Stück daraus für den Hongkonger Markt, sie hatte 187 Minuten.

Auf dem Filmfestival in Cannes lief der Streifen 1975 und gewann verdient und prompt einen Preis.

Inhalt: Die Geschichte handelt vom jungen Gelehrten Gu (sprich: Q, in anderer Umschrift Ku), der in der Nähe eines heruntergekommenen Herrenhauses lebt, das verflucht sein soll. Eines Tages begegnet er der mysteriösen Schönheit Yang, die sich im Herrenhaus versteckt. Die beiden kommen einander näher und nach einer leidenschaftlichen Nacht offenbart sie ihm, dass ihr Vater, ein ehrenhafter Offizier, vom machtvollen Eunuchen Wei (sprich: Wej) auf grausame Weise ermordet wurde. Wei und seine Männer sind ebenfalls auf der Suche nach ihr, mit einem einzigen Ziel: die Auslöschung ihrer gesamten Familie. Gu findet sich plötzlich inmitten von Yangs Überlebenskampf wieder, denn Wei ist den beiden dicht auf der Spur. Ein Kampf von epischen Ausmaßen zwischen Gut und Böse entbrennt.

Beide Filme im Verleih von Rapid Eye Movies.

Auch aktuell: Ausgezeichnete Filme aus Taiwan

Dass aus der Republik China, Entschuldigung, aus Taiwan nicht nur hervorragende Technik kommt wie die auf der IFA vorgestellte von der Firma Asus, sondern immer wieder auch gute und interessante Filme, zeigten in diesem Jahr die internationale Premiere von „Ri Chang Dui Hua (Small Talk)“ von Hui-chen Huang auf der Berlinale in der Reihe „Panorama Dokumente“ und weitere Berlinalefilme.

Im Wettbewerb der hochgelobte Spielfilm „Mr. Long“ (sprich : Lung) von Sabu (Monday, Ten no chasuke), eine Koproduktion von Japan, der Bundesrepublik Deutschland, Hongkong, China und Taiwan mit Chen Chang, Sho Aoyagi, Yiti Yao, Junyin Bai und anderen. In Berlin fand im Februar die Weltpremiere statt.

2016 lief im ersten Quartal auf der Berlinale und im Rahmen des Spotlights dann vom 21.-30. Oktober 2016 im Rahmen des 14. „Morelia International Film Festival“ in Mexiko, wo eine ganze Programmreihe den Internationalen Filmfestspielen Berlin gewidmet wurde, der Kurzfilm „Jin Zhi Xia Mao“ („Anchorage Prohibited“) von Wei Liang Chiang (Taiwan; Wei sprich Wej), der den Audi Short Film Award gewann.


Formosa, Taiwan und die Republik China

In den 40ern, 50ern und 60ern war der Begriff Formosa als Äquivalent von Taiwan, Republik China sehr verbreitet. Eigentlich können alle drei Begriffe synonym verwendet werden, doch warum die Veränderungen?
„Formosa“ ist ein portugiesisches Wort und drückt aus, wie toll die „Entdecker“ diese Insel fanden. Es ist eine Großinsel, das macht sie ums famoser. (Ilha formosa = die schöne Insel.)
Die Portugiesen waren hervorragende Seefahrer und unter den Kolonialmächten (Europas) die ersten, dadurch erhielten einige Orte an den Küsten der Welt portugiesische Namen, in China auch Macao, das als winzige Enklave, die im wesentlichen aus drei Inselchen bestand sogar Hongkong überlebte, lange nachdem Portugal Angola, Mosambik und andere Territorien aufgegeben hatte.

Taiwan ist ein Wort aus der chinesischen Sprache ( und bildlich lautet den Namen eines Ureinwohnervolkes, Tayowan, ab, das im Gebiet der heutigen Stadt Tainan im Süden der Insel wohnte, wo die Niederländer sich niedergelassen hatten. – Taiwan bedeutet nicht Terrassen-Bucht, das sind nur die Bedeutungen der sinnfreien phonetischen Wörter Tai und Wan zusammengenommen).
Es ist heute „pc“ (sprich „pih-ssi, alles andere ist nicht pc), also politisch korrekt, diesen Staat Taiwan zu nennen. Eine zeitlang sagte man auf englisch gern „Taiwan R.O.C.“, die Abkürzung für Republic of China. Ein bisschen versteckt wie das Kürzel „RSA“, wenn man es in Europa auf Obst fand, für Republik Südafrika, als seit den 70er Jahren die Apartheidspolitik langsam aber sicher weltweit nicht mehr haltbar wurde.
Doch was hat „Taiwan“ zu verstecken? So etwas wie die Apartheidspolitik? Nein, ganz und gar nicht. Taiwan hat ein anderes Problem – das andere China. Und das wurde seit Nixons Besuch Anfang der 70er und Kissingers detaillierter Umsetzung – oder war Kissinger der Initiator? – erst in den USA und dann international gesellschaftsfähig, Mao und die Kommunistische Partei hin oder her.
Die Bundesrepublik Deutschland, selbst erst seit 1973 in den UNO und seit 1990 souverän, spielte da mit, obwohl das Gesellschaftsystem der Volksrepublik China vom eigenem abwich und einem nicht genehm war. Doch wenn Washington mt Peking Beziehungen aufnahm, musste das richtig sein. Die Kommunisten im eigenen Land waren weiter verpönt und ihre Parteien verboten, die Beziehungen zu Peking trübte das nicht. Zweierlei Maß?

Die Politik bestimmt die Sprache mit, so heißt in Deutschland das Land heute amtlicherseits Taiwan, in der Schweiz heißt es amtlich Taiwan (Chinesisches Taipei). Zwischen der BRD und der Republik China gab es nie diplomatische Beziehungen, aber sehr gute wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen, die sich bis 1980 auch in Reisen niederschlugen. In den 80ern durften dann erst Gruppen, dann Rucksacktouristen in die Volksrepublik China. Heute besuchen die meisten Chinareisenden die Volksrepublik, aufgrund der Größe des Landes und der Kunstschätze durchaus verständlich.
Sowohl die VR China als auch die BRD und die DDR wurden 1949 gegründet, aber die Geschichte verlief in China prinzipiell anders.

Die Geschichte und die Anfänge der Republik

Als in China die Zöpfe fielen, war es mit dem Kaiserreich vorbei. Puyi war noch ein Kind, die Kaiserinwitwe die Zügel in der Hand, aber sie konnte sich mit und in dem halbkolonialen, halbfeudalen Land nicht mehr durchsetzen, aus dem die Kolonialmächte sich vor allem an der Küste leckere Stücke herausgeschnitten hatte. Franzosen, Briten, Engländer, Russen, Deutsche und andere.

Was auf das chinesische Kaiserreich, das etwa 5000 Jahre alt war, folgte, das war die REPUBLIK CHINA, auf chinesisch Zhōnghuá Mínguó, auf englisch Republic of China.
Die gibt es heute noch (!), so wie auch die Schweiz und England zwischen 1911 und heute mehr oder weniger in der gleich Form bestehen. Das so etwas geht, sind die Deutschen gar nicht mehr gewöhnt, die Russen auch nicht, die Österreicher schon überhaußt nicht. Dabei waren das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und das Zarenreich neben England und Frankreich die einzigen Weltmächte.

Die Republik China hatten im Inneren starke Probleme, Bürgerkrieg, Warlords und ab den 20ern die Kommunistische Partei. Die hatte jahrelang nur 100 und dann wenig hundert Mitglieder, wurde aber bald vom Staat auch militärisch bekämpft. Nach dem römischen Motto „Wehret den Anfängen“. Aus republikanischer Sicht zurecht, wie man heute sieht. Zur Republik China gehörte auch Tibet, die Mongolei konnte sich ob der Schwäche Pekings herauslösen genauso wie Tuwa in der geographischen Mitte Asiens, das eigentlich auch chinesisches Staatsgebiet ist.
Entscheidend ist nun, dass die Republikaner den Bürgerkrieg nach einem blutigen Zweiten Weltkrieg, der in Asien länger dauerte, nämlich von 1937-1945, verloren.
Die Landung und der Einmarsch Japans führten zwischen den verfeindeten Bürgerkriegsparteien der staatstreuen Republikaner und der Kommunisten, die an die Macht wollten, zu einem Burgfrieden.
Nach 1945 wurde der Bürgerkrieg, der Ende der Zwanziger begann und in den 30ern den berühmten „Langen Marsch“ einschloss, fortgesetzt. Er endete mit einem Sieg der Kommunisten, die aber nicht das gesamte chinesische Territorium unter Kontrolle hatten. Ihnen fehlte die Macht über das vorher schon gelöste Tuwa und die Mongolei benauso wie über Tibet, manche abgelegene Gebiete in den Bergen, wo kleine Völker lebten und über einige Inseln vor der südlichen Küste. Macao und Hongkong waren sowieso noch Kolonien und blieben es bis 1997 und 1999, dem Ablauf der Pachtverträge für das Hinterland der New Territories usw.
Wohin gingen die Republikaner? Zunächst einmal gingen sie nicht, sie flohen und flohen mit dem Schiff. Die größte der Inseln, die sie dauerhaft unter Kontrolle halten konnten, ist Taiwan (Formosa).

Taiwan, 1911 nicht Teil Chinas, 1912 nicht Teil der Republik China

Jetzt das Kuriose: Die Republik China, die sich von Sinkiang (und Tibet) bis ans Gelbe Meer, also den Stillen Ozean erstreckte, von Russland bis nach Vietnam, beherrschte Taiwan 1912 gar nicht.
Der Machtschwund im 19. Jahrhundert durch Kolonialismus, die Einfuhr von Drogen, „Kanonenbootdiplomatie“ und drei Opiumkriege hatte das Kaiserreich China so geschwächt, dass das erstarkte Japan, dass sich nach einer Zeit der Innenschau in dieser Zeit nach außen geöffnet hatte 1895 einen Krieg gegen China gewinnen konnte.
Beute: Die Ryukyu-Inseln und Taiwan. 50 Jahre lang herrschten de Japaner auf Formosa, die alten Menschen sprechen immer noch japanisch. Erst die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki machten dem ein Ende.
Die Besiegung Japans durch Chinesen (mit einem hohen Blutzoll) und US-Amerikaner führte zum Wiederaufflammen des Bürgerkriegs, nachdem der äußere Feind auf seine Heimatinseln zurückgekehrt war.
Vier Jahre Kampf und am Ende gaben die Republikaner fast das gesamte chinesische Territorium auf. Zogen sich im Wesentlichen auf die Inseln Taiwan zurück. Als am 1. Oktober 1949 in Peking die kommunistische Volksrepublik China gegründet wurde, gab es zwei chinesische Staaten.

Sie haben bis heute Bestand.

Die Republik, die das Kaiserreich ablöste, befindet sich auf Land, das ihr 1912 vielleicht de jure gehörte, de facto jedenfalls nicht.

Heute ist dieses Land, sind diese Inseln die einzige Zuflucht.

Die 7. US-Flotte garantierte lange die Unversehrtheit der Republik China, in dem sie im Zweifel sich in die Taiwanstraße schieben konnte und zwischen die Kontrahenten.
Freilich gestaltet sich die Lage heute etwas anders. Das finanzkräftige Taiwan, die finanzkräftige Republik China mit ihren großen Währungsreserven investiert seit langem nicht nur in Hongkong, sondern auch auf dem Festland in Unternehmen, die ihren Sitz in der Volksrepublik China haben. Auch haben die Wahlen der vergangenen Jahrzehnte unterschiedliche Ergebnisse gebracht. Die Macht der Kuomintang (Guomindang), der Staatspartei Sun Yatsens und Tschiang Kaischeks, ist nicht mehr dieselbe.
Schön dass auch in gute Filme investiert wird und nicht nur in Waffen.

Hsu Feng – Geschichte (in) einer Person

Wie sich die Geschichte Chinas in einer Person abbildet, zeigt das Beispiel der Schauspielerin Feng Hsu bzw. Hsu Feng (Xu Feng) „aus Taiwan“. 1950 wurde sie auf der Insel geboren, ein Jahr, nachdem die letzten Truppen und Republikchinesen vom Festland geflohen waren.
Ihr Vater stammte aus Fujian, einer Küstenprovinz auf dem Festland, ihre Mutter aus der Mandschurei, das heute im Nordosten Chinas liegt, lange Zeit japanisch besetzt war bzw. ein eigener (Marionetten-)Staat unter dem letzten Kaiser Chinas, Pu Yi, mit dem Namen Manschukuo.
Sie war also keine „Taiwanesin“, wie das heute genannt wird. Sie ist Chinesin, wie Millionen anderer, die nach 1945 auf die Insel kamen. Taiwanesen sind im engeren Sinne nur die Ureinwohner.