Melodien mit Hintersinn – Die Stiftung Bru Zane feiert den 200. Geburtstag von Jacques Offenbach

Paris, Frankreich (Kulturexpresso). Samstags marschieren die „Gelbwesten“ wieder auf den Champs-Élysées. Als die Demonstration am Nachmittag vorbei ist, bleibt der Präsidentenpalast weiträumig abgesperrt. Vorbei an leeren Luxusgeschäften, durch autofreie Alleen läuft man zum kreisrunden Théâtre Marigny, seit 1894 Heimstatt der Operette. Vorgängerbau war das Theater des „Operettenkönigs“ und Impresarios Jacques Offenbach, das einst inmitten der Vergnügungsparks am Pariser Stadtrand lag.

„Das eigene Theater trug maßgeblich zu Offenbachs Erfolg bei“, sagt Alexandre Dratwicki, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Bru Zane, die sich die Erforschung und Verbreitung der französischen Musik des 19. Jahrhunderts auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Anfänge der Operette kann man im
Théâtre Marigny anhand von „Die beiden Blinden“ erleben – das
erste Stück, das Offenbach 1855 für sein eigenes Theater schrieb.
Es dauert gerade mal ein halbes Stündchen; beschränkt sich auf zwei
Darsteller, Miniorchester und einfachste Requisiten.

„Das Stück gilt als Meilenstein der
gerade erst entstehenden Operette“, sagt Alexandre Dratwicki von
der Stiftung Bru Zane, die den Offenbachs Musik anlässlich seines
anstehenden 200. Geburtstags derzeit in den Vordergrund schiebt: Im
Théâtre Marigny veranstaltet Bru Zane eine Operettenserie, die bis
Juni läuft. Außerdem bringt die Stiftung das Repertoire von
Offenbach und Zeitgenossen nach Italien, Belgien, in die Schweiz und
sogar Kanada.

„Offenbach war nicht der Einzige, der
an der Operette arbeitete. Auf diesem Feld gab es eine rege
Konkurrenz“, erzählt Alexandre Dratwicki. „Da das Publikum jede
Woche neue Stücke einforderte, entstand ein unglaublich
reichhaltiges Repertoire. Mit unseren Aufführungen wollen wir da
einen Einblick bieten.“ Den Auftakt machte am 19. Januar ein
Doppelpack der Komponisten Offenbach und Hervé.

Trotz seiner Kürze ist „Die beiden
Blinden“ ein echter Offenbach: mit prickelnden Melodien, Witz und
jeder Menge sozialkritischer Spitzen.

Es geht um zwei Bettler, die sich blind
stellen. Sie sitzen auf einer Pariser Brücke und tricksen sich
gegenseitig aus. Keiner gönnt dem anderen ein Almosen.

Das machen die beiden feurigen Darsteller Flannan Obé und Raphaël Brémard mit Bravour. Wie Clowns ausstaffiert, sitzen sie auf einem Podest. Sie singen und schimpfen mit ihren mit schnarrenden Bettlerstimmen, wobei sie auf quietschbunten Spielzeuginstrumenten musizieren. Die geistreiche Inszenierung stammt von Lola Kirchner, die das Klavier unter dem Podest versteckt.

Im Handumdrehen verwandeln sich die
Darsteller sodann in den Künstler Fignolet und seinen Diener
Séraphin aus Hervés Mini-Operette „Le Compositeur toqué“. Es
handelt sich um eine Parodie auf den selbstverliebten,
größenwahnsinnigen, eben „durchgeknallten“ Komponisten des
Richard-Wagner-Zeitalters.

Fignolet präsentiert stolz seine neue
Sinfonie, einen Reigen einfallsloser Klischees und Phrasen. Einziger
Hörer ist sein stumpfsinniger Hausdiener Séraphin, der dazu mit dem
Staubwedel tanzt oder den Takt mit einer Porree-Stange schlägt.

Auch hier gelingt Regisseurin Lola
Kirchner ein kurzweiliges Stück, das den heutigen Zuschauer nicht
nur entzückt, sondern zugleich Theaterpraxis zu Offenbachs Zeiten
vergegenwärtigt.

Bru Zane widmet sich aber auch den
Operettenkomponisten der zweiten Generation. „Offenbachs Nachfolger
schufen größere, aufwändigere und weniger satirische Operetten.
Sie strebten zur großen Oper“, erklärt Bru-Zane-Leiter Alexandre
Dratwicki.

Ein Beispiel dafür ist „Les p’tites
Michu“ von André Messager, uraufgeführt 1897. Bru Zane kooperiert
hier mit der Angers-Nantes Opéra. Wir sahen die Aufführung im
plüschigen Opernhaus von Reims, wohin der Schnellzug aus Paris in
gerade mal 45 Minuten braust.

Die „kleinen Michu“ sind zwei
Mädchen, eins adliger, eins niederer Herkunft. Als Babys wurden sie
beim Baden verwechselt; sie wachsen wie Zwillinge auf. Nach amourösen
Wirren und Intrigen gibt es am Ende eine Doppelhochzeit.

Die Theatercompagnie Les Brigands unter
Regisseur Rémy Barché holt das Stück ins Heute. Die Michu
(Violette Polchi und Anne-Aurore Cochet) sind kokette Girlies in
Miniröckchen und Tennissocken. Die Bühne besteht aus einer
schlichten White-Box, die knallig pinkfarben ausgeleuchtet und mit
Comic-Illustrationen bespielt wird.

Dass die fast dreistündige Aufführung sich am Ende doch in die Länge zieht, liegt nicht an den Beteiligten, sondern einzig an der allzu banalen Story. Die zehn Darsteller sind temperamentvoll und spielfreudig bei der Sache. Gleichfalls das zwölfköpfige Orchester unter Pierre Dumoussaud, das die unkomplizierten, eingängigen Melodien mit unbekümmerter Frische und charakterstarken Bläserfarben zur Geltung bringt.




Bester Gesang seit lang‘ – Musical Rock of Ages erstmalig in Deutschland!

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Soll man schmollen, weil das Musical so lange nicht in hiesigen Gefilden zu sehen war? Oder sich freuen, dass es jetzt endlich – Ende 2018 – in Berlin auf der Bühne zu sehen ist? Es steht auf der Liste der 30 Musicals, die die längste Laufzeit am Broadway hatten. Das Musical Rock of Ages. Es wurde 2012 verfilmt. Das Musical Rock of Ages – ist jetzt da! Da man das Vergangene ändern nicht kann, aber den Genuss der Gegenwart erleben – oder eben leer ausgehen – lautet unser Rat: Hingehen, ausgehen, rausgehen. Schon allein der Gesang ist der beste, den man seit langem hören konnte. Die Songs – nun: Jesus Christ Superstar ist die Messlatte; das Musical Rock of Ages reicht da nicht heran, doch gibt es viele Gründe, es jetzt zu besuchen. Jesus Christ Superstar kann man nicht jeden Monat hören.

Das Musical Rock of Ages ist auch eine schöne 80er-Jahre-Erinnerung mit vielen Hits und Hitzeilen, die einem sofort einfallen.
Allein die Hauptdarstellerin ist Grund genug, sich jetzt auf den Weg zu machen. Sie spielt das nicht dumme, aber vielleicht naive Mädchen vom Lande mit Talent. Sie will Schauspielerin werden. Shocker – sagt der Moderator. Etwas Langweiligeres hätte man ihm nicht sagen können. Alle jungen, hübschen Mädchen und Frauen kommen nach L.A. (el ej!) und in seinen Stadtteil Hollywood und träumen davon, berühmt zu werden. Reich, begehrt, noch schöner und – dann den Mann ihres Lebens zu finden. Ein tolles Haus zu haben – oder zwei. Mit tollen Möbeln, einem Garten, irgendwann Kindern. Was fehlt noch? Der Hund.

COUNTRY GIRL trifft CITY BOY im Musical Rock of Ages

Geht noch mehr Klischee? Es geht. Doch Los Angeles ist auch der Ort, wo die Klischees Wirklichkeit sind. In ihrer Naivität wird „Tracy aus Texas“, die aus einem anderen Bundesstaat kommt und Sherrie heißt, nicht Cherry, wie die Kirsche, sondern Sherrie wie der Wein und gleichzeitig der Liebling auf französisch (Cherie). Und das ist sie. Verkörpert von Jodie Steele. Groß, blond, lockiges Haar, unbedarft und gutmütig, nicht böse, tanzen kann sie – und wer sich immer noch nicht in die Schönheit verliebt hat, warte ab, bis ihre Stimme ertönt. Dann erfolgt der innere Kniefall.

Jodie Steele kann‘s und ist Sherrie. Das erste, was Sherrie passiert, ist ein Handtaschendiebstahl. Nachdem das Portemonnaie weg ist, tröstet sie Drew (Luke Walsh). Er ist der Mann ihres Lebens. Sie weiß es nur noch nicht, oder lässt sich zwischendurch ablenken.

Drew bittet sie für den Diebstahl, für den er nichts kann, um Entschuldigung und hilft ihr in die Bar, in der er auftritt. Obwohl der Chef, Dennis, wunderbar stimmig rübergebracht von Cameron Blakely, „niemanden einstellt“ – wir kaufen nichts – ändert er die Meinung, als er ihr Äußeres zu Gesicht bekommt. Die Barschaft ist weg, doch ein Job gefunden, es scheint bergauf zu gehen. Doch auch bei Drew, und das führt zu Irritationen. Nachdem ein kleines Missverständnis beim ersten Date – ist er ihr Freund oder will er nur „Freunde“ sein? – sie enttäuscht und irritiert, wendet sie sich kurz dem Blender und echtem A…. Stacee Jaxx zu. Einem Bühnenstar mit Allüren und einem One-Day-Stand. Ihren Vornamen kann er aber nie erinnern.
Scham und Verzweiflung – niemand liebt mich! – treiben sie auf die Straße. Selbstbewusst ist Justice, die souveräne Tori Allen-Martin, die Sherrie als Stripperin einstellt; nichts, was Sherries Selbstbewusstsein schüren könnte.

Am Sunset Strip gibt es ein Happy-End

Nach einigen Wirrungen und einem weiteren zufälligen Zusammentreffen auf der Straße finden das Mädchen vom Land und der Junge aus der Großstadt nicht gleich zusammen. Justice, die nichts Böses wollte, bereut, bei einem entscheidenden Gewissenskonflikt professionelle Arbeit verlangt zu haben („Suck it up!“), als der hochnäsige „Rockstar“ Stacee mit seiner Kreidtkarte wedelte. Als sie den Stadtjungen erkennt, bestätigt sie ihm, dass Sherrie (nur?) ihn liebt – (She loves You, Yeah, Yeah, Yeah) und beseitigt damit bei ihm die nagenden Zweifel in diesem wichtigen Punkt.

Warum heißt das Musical Rock of Ages so?

Man könnte bei dem Titel, den das Musical Rock of Ages hat, schon denken, dass die gesamte Rockgeschichte betrachtet wird. Außerdem sind die 80er Jahre nicht wegen der Rockmusik bekannt, sondern wegen andere Phänomene – Disco, die bunte Kleidung, ein hedonistischer Lebensstil …
Zudem fällt dem des Englischen Mächtigen auf, dass hier sogar der Plural auftaucht. „Rock der Zeitalter“ ist nicht nur übertrieben, sondern Quatsch. Das Rock-Zeitalter, „THE AGE OF ROCK“, na gut, das gibt es, das kann man sagen. Aber ein Musical Rock of Ages? Rockmusik gab es nur in einem einzigen Zeitalter und auch dort nicht lange. Da muss also etwas anderes dahinterstecken.

Tut es auch. Die Doppeldeutigkeit ist schon vor Jahrzehnten in die Überschriften und Titel eingezogen. Das ist auch gut so. Doch nicht alle verstehen immer den manchmal sogar doppelten Hintersinn oder bemerken noch nicht einmal, dass es zwei Bedeutungen gibt.

„Rock of Ages“, ein christliches Lied

„Rock of Ages“ ist unter anderem der Titel eines christlichen Liedes. Ein Calvinist schrieb es im 18. Jahrhundert, ein Pfarrer. Er hieß Augustus Toplady und veröffentlichte den Text zu Zeiten Friedrichs des Großen im „Gospel Magazine“. Der „Fels der Ewigkeit“, wer könnte das schon sein? Die Göttin oder Gott. In der Bibel im Buch Jesaja Kapitel 26 Vers 4 formuliert der Schriften-Übersetzer Martin Luther: „Darum verlasset euch auf den Herrn immerdar, denn Gott der Herr ist ein Fels ewiglich.“ Ganz allein ist Toplady also nicht auf den Titel gekommen, er wurde durch den Bestseller der Heiligkeit inspiriert. Der Liedtext hat dann endgültig nichts mehr mit dem Musical Rock of Ages zu tun. Toplady betont, dass über die Erlösung nur Gott selbst entscheidet; also weder die Werke des Menschen noch sein Glaube.

Methodisten wie John Wesley sehen das anders. Einig sind sich alle, dass der Mensch soviel „Gutes“ tun kann, wie er will, das Himmelreich wird ihm deshalb noch lange nicht garantiert. Doch Wesley sieht es so, dass der Mensch durch seinen Glauben die Erlösung finden kann. Topladys Liedtext drückt dagegen noch einmal aus, dass Gott das ganz allein entscheide.

Das Lied gibt es auch auf deutsch, der Titel lautet nicht „Fels der Ewigkeit“, sondern „Fels der Heils“.

Spannende Story

Nicht nur im Musical Rock of Ages gibt es eine gute Story (BOY MEETS GIRL), sondern auch für die Entstehung des Liedes. Toplady soll in Somerset eine Schlucht durchquert haben und vom Sturm überrascht worden sein. In einer Felsspalte fand er Schutz – und den Titel, der ihm dort in den Sinn kam. Dann soll er, in Ermangelung eines Notizbuches und um die Bibel nicht zu verschmieren – oder hatte er sie nicht dabei? – auf der Rückseite eine Spielkarte (sic) – die hatte er dabei! Soso, honi soit qui mal y pense – den Text des Liedes niedergeschrieben haben. Er hatte also etwas zu schreiben dabei, als es noch keine Kugelschreiber gab und viele Federkiel und Tinte benutzten.

„Rock of Ages“ auf der Landkarte

Legende hin oder her – in der Nähe des englischen Dorfes Blagdon findet man bis heute auf Landkarten die Fels – (Rock!)-Spalte des Namens „Rock of Ages“.

Fazit

Gute Unterhaltung, wenn einen die Gesten mancher Schauspieler, die zwei Finger emporrecken, nicht stören. Angehörigen strengchristlicher Sekten mit Hunderten von Verhaltensregeln kann man den Besuch dieses Musicals weniger empfehlen. Diese können versuchen, sich das Lied aus dem 19. Jahrhundert herunterzuladen. Der Text stammt aus dem 18. Jahrhundert, die Melodie wurde 1830 veröffentlicht.

Für alle anderen gilt: Es gibt viele Gründe, in das Musical Rock of Ages zu gehen.

Zuallererst die Gesangsqualität, die vor allem bei Jodie Steele und Luke Walsh fast an die Power Ingrid Arthurs oder Jocelyn B. Smiths heranreicht.
Die schauspielerischen Leistungen sind auch allemal sehenswert. Cameron Blakely ist der erdverbundene Fels in der Brandung, Tori Allen-Martin, Sam Ferriday und besonders Lucas Rush als Erzähler Lonny verkörpern wunderbar ihre sehr unterschiedlichen Figuren.

Statt ständig wehmütig im Fernsehen 80s-Shows zu glotzen, schaue man sich besser einmal das Musical Rock of Ages im Admiralspalast in der Berliner Friedrichstraße an. Jetzt ist die Zeit! Die Wartezeit in der Bundesrepublik war ja auch lang genug.

Dann gibt es auch noch die Figur der klugen, kleinen Frau (natürlich mit Brille), die Strick-BHs trägt und Demonstrationen gegen den Abriss von alten Bauwerken und Institutionen anzettelt. Regina. Gespielt von Rhiannon Chesterman. Göttlich.

Viele Gründe, jetzt aber los, Karten besorgen.

Musical Rock of Ages

Wo? Admiralpalast, Friedrichstraße 101, Berlin-Mitte
U-, S- und Fernbahnhof Friedrichstraße

Wann? 4.-9. Dezember 2018




Reissalat mit Gemüse und fritierte Teigtaschen aus Kroatien am 28. November 2018

Mini-ITB? Mit dem Travelling Film Festival in Länder „verreisen“ und schlemmen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Auf der Grünen Woche kann man Spezialitäten aus der ganzen Welt probieren, auf der Internationalen Tourismus-Börse ITB, der Leitmesse ihrer Zunft, fast jede nur mögliche Reise finden oder sich zusammenstellen. Trotz dieser Arbeitsteilung wird man auf der Reisemesse an manchen Ständen gebeten, etwas Leckeres zu probieren. Eine nett gemeinte Werbung für ein Reiseziel, die nicht satt macht. Der Direktor des neuen Filmfests im IL-Kino Nansenstraße hat nun, wie wir finden, eine Supermischung erfunden: Das Travelling Film Festival. Zum Preis eines kleinen Essens in einem Restaurant unterer Kategorie oder zum Preis einer Vorspeise im Adlon oder bei Lutter und Wegner (?) kann man sich nicht nur sattessen, sondern was erleben.

An jedem Tag geht die Reise woanders hin: Nach Kroatien, Serbien, Sardinien, in die sieben Vereinigten Arabischen Emirate oder nach Moldau. Kroatien hat bestimmt keinen Alleinanspruch auf Kartoffelbrei oder italienische Nudeln, doch braucht man ja auch eine Sättigungsbeilage. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Alle an einem Abend angebotenen Speisen am Buffet sind landestypisch.

Das erste Land auf dem Travelling Film Festival: Kroatien

Beispiel Eröffnungstag: Das erste Travelling Film Festival begann am Mittwoch, den 28.11.2018 mit dem „Croatian Day“ (sprich: kro-ej-schen Dej). An diesem kroatischen Tag wurde man sehr zuvorkommend von gutaussehenden, jungen Damen begrüßt. Als erstes gab es eine Art Aperitiv, zum Beispiel ein Glas roten, kroatischen Weines. Wir lehnten dankend ab, der Arbeitstag ist noch lang.
Dann wurde man höflich und freundlich ins benachbarte Kino gebeten. Kurze Wege erfreuen. Ein paar Stufen geht es hinauf und man befindet sich im länglichen Saal mit sichtbaren, roten Mauersteinen. Hinten an der Stirnseite die Leinwand. Die Veranstaltung ist restlos ausverkauft.

Es begrüßt einen der Festivaldirektor, dann sprach seine Exzellenz, der Botschafter von Kroatien ein paar freundliche Worte und eine Vertreterin des kroatischen Fremdenverkehrsbüros.

Auf der Leinwand ein gut gemachter Werbefilm für das Land, das Ruinen aus allen Epochen seit der Römerzeit vorweisen kann. Irgendwo hier wurden die osmanischen Eroberungen gestoppt. Die Türken vor Wien, das war nur eine kurze Episode (1529 bzw. 1683). Doch auf dem Balkan verlief der Reißverschluss, der Europa trennte. Das Amselfeld ist im nahen Kosovo.

Kroatien: All the best

Nachdem in dem Imagefilm über das besuchenswerte Land, das gar nicht so weit von der Bundesrepublik Deutschland entfernt ist, oft nicht nur in Sportkreisen berühmte Basketballer und Fußballer an malerischen Orten aufgenommen wurden, gab es All the best. „All the Best“ ist ein wunderbarer Advents- und Weihnachtsfilm voller Liebesgeschichten aus dem Jahr 2016. Der teilweise Kenntnis von Fremdsprachen führt zu Komik, denen die Lachmuskeln nichts entgegenzusetzen haben. „All the Best“ lief auch auf dem SEEFF, dem South East European Film Festival, bei dem unter anderem Kroatien wie Serbien und Moldau mit je einem Streifen vertreten sind, aber das macht nichts. Es ist eine super Komödie, die anzuschauen auf jeden Fall lohnt. Menschenkenntnis und die Macht des Zufalls sowie die Kraft des Gesangs führen am Ende des Films, das am 24.12. spielt, zu einem mehrfachen Happy-End. Mehrere Szenen spielen bei Proben und Aufführungen in der Oper.

Nicht nur Sardinen auf Sardinien

Flagge Sardiniens. copyright Angelus/ Wikimedia

Vier weitere Länder bedenkt das neue Travelling Film Festival. Darunter Sardinien, was heute kein Staat mehr ist. Doch wir finden es schön, dass auch Regionen dazugehören. Eine eigene Küche gibt es ja. Und dazu gehören nicht nur Sardinen (und Sardellen). Aus der Dose sind beim TFF nur die Filme.
Übrigens: Nizza, Nice, liegt an der Côte d‘Azur unweit von Cannes. Cannes, Venedig, Berlin, das sind die großen A-Filmfestivals.

Nizza gehörte wie Teile Savoyens und des Piemonts zum Königreich Sardinien.

In Zukunft Bayern?

Vielleicht gibt es ja in Zukunft mal einen bayerischen Tag. Durch und durch bayerische Filme – teils mit deutschen Untertiteln – gibt es ja. Vielleicht sind einige davon auch englisch untertitelt worden; das zu überprüfen wäre eine Aufgabe für den Veranstalter. Als Gast zur Begrüßung käme Horst Seehofer infrage. Falls er einverstanden wäre. Seehofer könnte Urbayerisches von sich geben und befindet sich als Innenminister der Bundesrepublik Deutschland ja öfter mal ganz in der Nähe. Eine kohlendioxidarme Anreise wäre also durchaus möglich.

Da er ein Heimatministerium geschaffen hat, beziehungsweise die Deutschen es ihm verdanken, wäre eine Einführung in die Eigenheiten des bayerischen Freistaats durch Horst Seehofer durchaus naheliegend und umso mehr angesagt.

Sardischer Tag auf dem Travelling Film Festival

Am Sonntag, den 2.12.2018 (auch 1. Advent) schließt nicht nur das Travelling Film Festival gegen Mitternacht seine Pforten, es gibt auch nochmal einen echten Höhepunkt. Es soll voll werden.

Gezeigt wird der Film „Cabras, where Fables are born“ (‚Cabras, wo Fabeln geboren werden‘) aus dem Jahr 2015 (Originalversion/OV mit englischen Untertiteln (UT)). Gegen 9 Uhr abends dann das sardische Buffet dazu.

Das Travelling Film Festival mit klarer Struktur

Schön ist an diesem Festival das klare Programm mit immer gleichem Ablauf. Jeder Tag ein anderes Land. Kein Ruhetag dazwischen, den man sich merken müsste; keine anderen Uhrzeiten. Immer um 19 Uhr fängt es an; man braucht sich also nur die Länder auszusuchen oder geht einfach jeden Tag hin, um Festivalatmosphäre zu schnuppern. Durch das Café im Eingangs-Raum mit der Kasse ist es hier auch nie langweilig.

Ideal für alle, die sich ein paar Termine durchaus merken können und nicht jeden in einen Online- oder Handy-Kalender eintragen müssen, wo er für Google und Hacker tag und nacht sichtbar ist.

Ideal für alle, die nach jeder Kulturveranstaltung einen knurrenden Magen haben und sich andernfalls erst etwas suchen müssten. Angemessen preiswert ist es obendrein. Gerade an Wochenenden reichen 15 Euro in Cineplexkinos kaum für die Eintrittskarte und das ewig gleiche Kino-Kommissbrot aus gepufftem Mais mit zuviel Zucker.

Die Veranstalter des Reisefilmfests konzentrieren sich jeden Tag auf ein Land. Film und Abendessen sind in den Worten der Filmfest-Leute dazu gedacht, ein „besondere Reiseerfahrung aus Bildern, Klängen und Aromen“ zu ermöglichen.

Das finden wir toll.

Wo?
Travelling Film Festival Berlin, IL-Kino, Nansenstraße 22, 10247 Berlin-Neukölln („Kreuzkölln“),
Anfahrt mit der BVG: Bus M29 Pflügerstraße (Tag und Nacht möglich), U-Bahnhof Hermannplatz U7 (auch Freitag- und Samstagnacht) fußläufig erreichbar, etwa 7-15 Minuten, verschiedene Wege möglich. Wir empfehlen die Seitenstraßen zur Vermeidung von Verkehrslärm und Abgasen. In der Nähe ist ein Platz mit einer Kirche, wo einem auch schon mal ein Fuchs begegnen kann.

Travelling Film Festival Berlin, 28.11. – 2.12.2018 jeweils ab 19 Uhr.

Ablauf: 19 Uhr Begrüßung und Präsentation, 19.15 Uhr Filmvorführung (Originalversion mit englischen Untertiteln; nicht auf deutsch), 21 Uhr Dinner

Programm der mittleren Tage des Travelling Film Festivals Berlin

29.11.2018 (Donnerstag) „Emirates Day“, Emirate-Tag
„On borrowed Time“ (‚Über geborgte Zeit‘) aus dem Jahr 2018 (Vereinigte arabische Emirate VAE (englisch UAE)) + VAE-Buffet

30.11.2018 (Freitag): „Moldovan Day“, Moldau-Tag
„Wedding in Bessarabia“(‚Hochzeit in Bessarabien‘), ein moldauischer Film aus dem Jahr 2009, anschließend Buffet mit moldauischen Spezialitäten

1.12.2018 (Samstag/ Sonnabend) Serbischer Tag („Serbian Day“)
„Out of the Woods“ (‚Aus den Wäldern‘, 2017), ein recht aktueller serbischer Film gefolgt von einem serbischen Buffet

Und am Horizont: Die Berlinale – Kulinarisches Kino

Die Berlinale bietet seit Dieter Kosslick auch das „Kulinarische Kino“ an. Allerdings sind die Filmvorführung und das Essen danach räumlich etwas getrennt; weit mehr Zuschauer gucken den Film, gehen dann aber nicht zum essen. Das ist eine Geldfrage, aber auch eine Platzfrage. Die Plätze für die Kombinierte Karte Film plus Dinner sind heiß begehrt.

Auch hier wird das Menü extra zusammengestellt. Wie es zum Film passt, können wir aus eigener Erfahrung nicht beurteilen. Es ist uns noch nie gelungen, eine Karte zu ergattern. Die Speisefolge ist allerdings auf einen Film zugeschnitten, nicht ein Land.

Die teils sehr guten Dokumentarfilme behandeln zum Beispiel das Überleben des Planeten, Sushi oder ein bestimmtes Restaurant.

Jeden Abend einem Land zu widmen, ist etwas anderes. Eine tolle Idee, der wir Wiederholung wünschen.

Für die hauptsächlich des Deutschen mächtigen Zuschauer müsste man wohl noch ein neues Festival erschaffen. Das besagte wurde unter anderem von der „Berlin Italian communication“ organisiert und von den vier Ländern und Sardinien unterstützt.




Rot geworden. Rojo heißt der neue Film von Benjamin Naishtat bei Around the World in 14 films

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wer in Spanien einschließlich der Balearen mal Hilfe braucht, dem können ein paar Worte einheimisch nicht schaden. Auf Mallorca gab es ja allein im Oktober mehrere Anlässe, bei denen Menschen geholfen werden musste. Am 9.10. kam für 13 von ihnen jede AYUDA zu spät, wie das auf spanisch heißt. Andere mützliche begriffe sind ‚caso de emergencia‘ (Notfall) und ‚La Cruz roja‘ – das Rote Kreuz. Steht die Farbe allein, sagt man Rojo. (Sprich: rrocho, dabei das ‚ch‘ wie in ‚auch‘, nicht wie in ‚ich‘, ‚euch‘, ‚röcheln‘ oder ’nicht‘.)

Der Pate Vincenzo Bugno erzählte vor dem Film, dass er den Regisseur schon vor Jahren traf, als sein Film „La Historia de Miedo“ – Geschichte der Angst – im Wettbewerb der Berlinale lief. Bugno ist der Chef des World Cinema Fund WCF.

Screening von Rojo bei Around the World in 14 films

Rojo läuft noch einmal heute, am Dienstag, den 27.11.2018 um 21.30 Uhr im Kino der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg im Bezirk Pankow.

Es ist nicht einer der „14 Filme“, sondern gehört in die Kategorie „WCF/ Argentinien“.

Inhalt sind Menschen, die nicht rot geworden sind, trotz ihres – kurz gesagt – unmoralischen Verhaltens.

Der Film spielt Ende 1975 kurz vor dem Putsch, als in Argentinien eine Diktatur begann; in der Provinz.

Die leise Subtilität Benjamin Naishtats, mit der er gleichzeitig aber den Finger in die Wunde des durch Doppelmoral Verdeckten legt, ist für ihn typisch, effektiv und grandios.

Wie immer bei 14 Films, so auch bei Rojo: Der Pate

Vincenzo Bugno vom Weltkinofond WCF ist von der Berlinale kaum zu trennen. Nicht nur gibt es während der Internationalen Filmfestspiele Berlin einen WCF-Tag, nein, Bugno moderiert auch bisweilen die Pressekonferenzen.

Bugno erinnerte sich an seinen ersten Einsendeschluss beim WCF. Damals wurden 160 Filme eingesandt. Fast ein Viertel, nämlich 35 Filme stammten aus Argentinien. Für ihn eine Beweis für die hohe Qualität und Produktivität des Filmlandes.

14films.de
Around the World in 14 films




Wir kriegen mehr/ Die Welt ist klein/ Nicht genug. Was uns nicht umbringt: Der neue Film von Sandra Nettelbeck – Jahrgangsbester?

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Welt ist klein, so mag es sein. Was uns nicht umbringt, macht uns … wie? Sandra Nettelbeck, nach der der Nettelbeckplatz in Berlin-Wedding am gleichnamigen S-Bahnhof nicht benannt ist, hat einen Film gemacht, den man nicht besser machen kann. Man könnte ihn nicht besser machen, Sandra Nettelbeck auch nicht.

Warum dann ein Titel mit einem „nicht“? Ginge es nicht auch anders? Und ist „was uns umbringt“ für unser Unterbewusstsein nicht zu brutal, zu direkt, nicht diskret genug? Nein; auch der Titel ist gut. Krieg tötet, Krankheiten, Unfälle und Gram, die in die Krankheit führt. Von Menschen, die sich selbst töten, ist hier glücklicherweise nicht die Rede; also gibt es auch keine versteckte Werbung für Wunsch-Euthanasie-Projekte in Belgien oder eine Entlastung der Rentenkasse. Nein, die Angelpunkte des Films sind die Praxis eines Psychologen, Max Lange (August Zirner) und ein Bestattungsinstitut. Das ist gut. Nicht verfehlt und gut gewählt. Eine Praxis mit einer Couch schafft eine entspannte Atmosphäre und ist obendrein der perfekte Treffpunkt für Figuren, die sich sonst vielleicht nicht begegnet wären. Nicht nur, dass sich Psychologen und Psychotherapeuten in ihre Patienten verlieben können. Soll ja mal vorkommen.

Unterschiedlichste Berufsgruppen, auch die, die vielleicht nicht zur Ober- und Mittelklasse gehören, sitzen auf dem selben Sofa. Die Menschen verbindet, dass sie nicht glücklich sind. Sie haben keine Partner und sind deswegen unglücklich? Eher nein. Die Realität ist anders und wird von Sandra Nettelbeck so perfekt gespiegelt, dass man es nicht merkt. So soll es sein, trotz der vielen fast unglaublichen Zufälle, Koinzidenzen und Synchronizitäten, wie es C.G. Jung sagen würde, wirkt dieser Film nie überkonstruiert. Die Figuren sind lebensnah und liebenswürdig. Der Versuchung, alle und jeden zu verkuppeln, so wie ein Sonntag-Abend-Fernsehfilm im ZDF, widersteht Nettelbeck nicht nur, sie ist nie in Versuchung gekommen.

Sandra Nettelbeck schrieb Drehbuch und führte Regie in Personalunion für: Was uns nicht umbringt

Sie ist die Filmemacherin. Dazu reicht es aus, Regisseurin zu sein. Sie schrieb aber auch das Drehbuch und wer den Film anschaut, wird verstehen, warum diese Einheit notwendig war. Nettelbecks Drehbuch ist wunderbar und ihre Regie stellte sicher, dass es auch realisiert wurde. Nicht nach den Buchstaben des Gesetzes (des Skriptes), sondern dem Geiste nach.

Was uns nicht umbringt hätte auch heißen können: Die Welt ist klein

Die Welt ist klein, q.e.d. Doch manche, die sich begegnen, verstehen sich auch noch. So bemerken der Bestatter und der Psychotherapeut, wie ähnlich sie darin sind, das Leid der anderen teilen zu müssen. Beide haben aber in ihrem Metier auch die Chance, anderen zu helfen.

Die Begegnung kommt nur zustande, weil der Bestatter einmal nicht mit seiner Schwester und Geschäftspartnerin auf der Couch sitzt. Die Hypochonderin ist gerade beim Arzt. Lang lachen die beiden Leidenden.

Einer der tollen Filme der Zeit ist „Gegen den Strom“. Was uns nicht umbringt anzuschauen, ist ebenfalls ein großer Gewinn.

Dia Dialoge sind einfach toll, genial, passend. Selten einmal, das ein ähnliches Strickmuster zu erkennen ist und selbst dann ist es die hohe Qualität und der feine Humor, die durch scheinen.

Auch die Musik von Bertelmann passt wunderbar.

Zur Ausmalung der Figuren – sogar der Toten – wurde an nichts gespart. Ein in Syrien kriegsbedingt umgekommener Photograph wird nicht mit irgendwelchen Photos aus zweiter Hand garniert, sondern mit den entlehnten Werken Fabio Bucciarellis aus dem Bildband „The dream“.

Die Kameraarbeit ist genuin, experimentiert in Details und ist auf den Punkt, trifft den Nagel auf den Kopf, eine Bildsprache, die den Namen verdient.

Die DNS lässt uns leben

Der einzige Fehler, der in diesem Film auszumachen ist, ist die falsche Abkürzung von „Desoxyribonukleinsäure“. Aus dieser Säure besteht bekanntlich unsere Erbsubstanz. In Form einer Doppelhelix in jeder Zelle. Aufgrund der Silben-Anfangsbuchstaben innerhalb des Wortes wird die Säure „DNS“ abgekürzt. Im Film spricht die Hauptfigur jedoch von DNA. Das ist die englische Abkürzung für DN-Acid und spricht sich „di-enn-ej!“. Es „Dee-enn-Aa“ auszusprechen ist eine unzulässige Eindeutschung. Ein Fehler übrigens, der häufig und wohl meist unbewusst gemacht wird.

Fehler in der DNS

Sie werden mir beipflichten, dass dieser kleine, aber unangenehme Fehler, der einreißt und die richtige Abkürzung DNS sogar aus dem Sprachgebrauch zu verdrängen droht, hinsichtlich der Bewertung des Films – und nur in dieser Hinsicht – weniger als eine Lappalie ist.

5 Sterne von 5, wenn wir ein solches System hätten. Summa cum laude. Möge Sandra Nettelbeck viele Filmpreise gewinnen!

Der Spielfim: Was uns nicht umbringt

Deutscher Kinostart am 15. November 2018.




INVASION IN NEUKÖLLN. Argentinisches Filmfestival im Kino Wolf in der Wildenbruchstraße

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). INVASION? Wölfe in Neukölln, oder was? Nein. Ein Filmfestival mit spanischsprachigen Filmen aus Argentinien. Heute letzter Tag. Filme zum Beispiel um 17 Uhr.

In Berlin geben sich die Filmfestivals nicht die Klinke in die Hand. Obwohl … Das auch. In der deutschen Hauptstadt finden sie gleichzeitig statt. Was tun?

Vorschlag zur Güte:

„Last Tango in Paris“ um 15 Uhr in der Kulturbrauerei anschauen, um die Güte der restaurierten Fassung aus Rom zu begutachten.

Wer den Bernardo-Bertolucci-Film bereits gesehen hat, immerhin gibt es ihn seit 1972 – Sie wissen schon, Maria Scheider und MARLON BRANDO, klingelt’s oder fällt der Groschen? – muss ja die 132 Minuten nicht durchhalten, sondern kann sich auf französisch verabschieden. Ist ja auch der letzte Tango in Paris. Und man sollte die Party verlassen, wenn es am schönsten ist; heißt es.

Haus Wildenbruchstraße 6 in Berlin-Neukölln. An dieser Ecke befindet sich das Wolfkino, das Kino Wolf. Der Bus 104 fährt vorbei. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Anschließend schnell in die wilde Wildenbruchstraße in Kreuzkölln. Dort, wo es kaum noch deutsche Imbissschilder gibt. Alles türkisch, denken Sie? Vorbei! Jetzt ist da alles auf englisch und der Bezirk so „in“, dass man als Berliner die Mieten nicht mehr bezahlen kann. Der Latte Macchiato ist teurer als am Ku’damm.

Den 17-Uhr-Film auf dem argentinischen Filmfestival sollte man vielleicht nicht verpassen. Immerhin wird man den bisher wohl kaum gesehen haben …

Jetzt aber schnell …




Letzter Tango, letzter Film. Italian Film Festival Berlin schließt mit Erstaufführung von restauriertem „LAST TANGO IN PARIS“ von Bertolucci

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Letzte Tango in Paris, eigentlich „Last Tango in Paris“ oder auf italienisch Ultimo Tango a Parigi ist ein Filmklassiker von Bernardo Bertolucci mit Marlon Brando und Maria Schneider. Die RESTAURIERTE Originalversion auf englisch und französisch mit italienischen Untertiteln wird erstmals gezeigt auf dem Italian Film Festival Berlin in der Kulturbrauerei Nähe U-Bahnhof Eberswalder Straße. Beginn 15 Uhr.

Der Film dauert 132 Minuten. Ein Spaziergang bei windig-regnerisch-kühlem Wetter ist vielleicht keine Alternative zu diesem Ereignis.

Eine Projektion der restaurierten Filmkopie der Stiftung Fondazione Centro Sperimentale di Cinematografia – Cineteca Nazionale di Roma.

Anschließend Verleihung der Zuschauerpreises des Italian Film Festival 2018 (Tuscia Filmfest).




Mutter der Nanas – Künstlerin Niki de Saint Phalle wäre 88 Jahre alt geworden

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 1930 wurde sie am 29. Oktober geboren, im Mai 2002 starb sie 71jährig in La Jolla, einer Community von 50.000 Einwohnern in den USA. 7 Meilen oder 11 Kilometer lang ist die Küstenlinie La Jollas am Pazifik, das zur Stadt San Diego gehört, seit Kalifornien um 1850 ein Staat wurde. Der heutige Bundesstaat der USA gehörte zu Mexiko und war eine Kriegsbeute nach dem mexikanisch-amerikanischen Krieg wie Arizona, New Mexico und andere Provinzen auch. Niki de Saint Phalle hatte es geschafft.
Ihr Name und ihre Kunst wurden weltweit berühmt, vor allem in Europa und in den Vereinigten Staaten von Amerika. Besonders herausragend im doppelten Sinne sind riesige bunte Frauenfiguren, die sogenannten Nanas.

Wer an einem Ort wie La Jolla seinen Alterssitz hätte, dem stünden lange Sandstrände und felsige Uferbereiche in allernächster Nähe sehr abwechslungsreich zur Verfügung. Hier an der Ostküste des Stillen Ozeans geht die Sonne, so die Wolken es zulassen, immer im Meer unter. Im größten Weltmeer, das der blaue Planet zu bieten hat.

Niki de Saint Phalle und ihr Werk. Zum Beispiel „Hon“

Der Lebensweg von Niki de Saint Phalle war lang und interessant. Sieben Jahrzehnte mit Reisen, von denen man viel erzählen könnte. Sie gewann wichtige Freunde und Mitstreiter in der Kunstwelt und lernte viele Menschen kennen.

Zum Beispiel Claes Oldenburg und Martial Raysse. Pontus Hulten hatte sie nach Schweden eingeladen. Im Moderna Museet in Stockholm sollte parallel zur elften Ausstellung des Europarates im Nationalmuseum, „Königin Christina“, eine Skulptur gezeigt werden. Herr Hulten bat die vier Künstler, Jean Tinguely eingeschlossen, sie zu bauen. Da die anderen drei absagten, verhindert waren, oder, wie Tinguely, keine rechte Lust hatten, machte Niki de Saint Phalle es allein. Schweden ist kein armes Land und recht groß. Das stolze skandinavische Königreich war durch seine Erze ziemlich unabhängig und blieb im Zweiten Weltkrieg neutral. Das ‚moderne Museum‘ für moderne Kunst ist nicht klein; die große Halle erst recht nicht. So entstand „HON“ (schwedisch für Sie). „Die größte Nana aller Zeiten“, wie es ihre Düsseldorfer Biographin, die Kunsthistorikerin Dr. Monika Becker ausdrückt.

Keine Reise nach Moskau

Letztlich machte Tinguely doch mit und Per O. Ultvedt stieß dazu. Doch den dreien fiel nichts ein. Pontus Hulten „wollte die Inspiration beflügeln, indem er den Künstlern anbot, ein paar Tage nach Moskau zu reisen“. Vielleicht dachte Hulten an die Zwiebeltürme, die den Rundungen der Nanas in nichts nachstehen.

Die Erlöserkirche in Leningrad, wie Sankt Petersburg damals noch hieß, ist ein Beispiel für den beeindruckenden Gebrauch der Farben. Auch in der russischen Hauptstadt gibt es unzählige kunsthistorische Beispiele. Die Petersburger Kirche ist von so einer beeindruckenden Schönheit und Andersartigkeit, dass sie aus einer anderen Welt zu stammen scheint. Staunend hält man an und ein. Ähnlich wie die Sagrada familia in Barcelona, sind das die Orte, wo Kunst Ehrfurcht bewirkt – und Transzendenz.

„Leider wurde nicht daraus“. Aus der Reise in die Sowjetunion, schreibt Dr. Becker.

Also blieb Niki de Saint Phalle bei den Farben aus Henri Matisses Palette. Hellgrün, Gelb, Blau, Rot und Orange. Ergänzt durch ein leuchtendes Rosa. Für Sprachverführte und -verirrte: Rosa ist das, was viele heute „pink“ nennen.
Dazu kam an einigen Stellen Schwarzweiß.

Zeitdruck und Zufälle

Das Problem, rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung im Moderna Museet fertigzuwerden, löste Pontus Hulten. Er schlug eine Nana vor, die die ganze Museumshalle ausfüllen sollte. Höchste Eisenbahn. Bis zum Eröffnungstermin 9. Juni waren nur noch 6 Wochen geblieben. Da die Halle sich in die Waagerechte erstreckt, musste „SIE“ liegen. Fast 27 Meter lang sollte sie werden und von innen begehbar! „Oberweite: 24 Meter.“

In anderthalb Monaten hätte die drei Künstler – ja, zwei Künstler und eine Künstlerin verflixt – das nie allein schaffen können. Tinguely leitete andere an.

Wieder wurde Pontus Hulten aktiv. Er wohl mehr als die Künstler war in der Verantwortung, wenn sein Stadion erst nach den Olympischen Spielen fertig geworden wäre.

Er organisierte eine Mannschaft. Darunter Rico Weber. Der war auch aus der Schweiz. So ein Zufall. Doch damit nicht genug: Weber, der sich zu dem Zeitpunkt als Koch in der Snackbar des Museums etwas dazuverdiente, war Künstler. Als deutsch und französisch sprechender Künstler war die Kommunikation im fernen Schweden kein Problem.

Jetzt hatte er für die nächsten zehn Jahre einen Job; solange arbeitete er nämlich dann mit Tinguely und de Saint Phalle zusammen. Im Register der Beckerschen Biographie taucht er allein zwölfmal auf.

Kopfkino? Nein, Kino im linken Arm

In einem Arm war ein kleines Kino vorgesehen mit genau einem Dutzend Plätze. Es sollte immer derselbe Streifen gezeigt werden. Gretas Garbos erster Film. „Luffarpetter“. ‚Luffar-Petter‘ bedeutet „Peter, der Vagabund“. Der mittellange Stummfilm von 1922 ist ein Slapstickkomödie. Ein Stummfilm, versteht sich. Dieser Spielfilm ist nie in Deutschland in die Kinos gekommen und wurde auch im Fernsehen nie gezeigt. Manchmal lohnt es sich eben doppelt, nach Schweden zu fahren.

Big Brother oder Kein Datenschutz auf der Liebesbank

Verschiedenes für Kinder und Erwachsene fand im Innern Platz. Ein halbes Tausend Besucher täglich hatte man eingerechnet, 1.800 wurden es. Ein Kritiker hatte sich sehr positiv geäußert und so strömten ein Vierteljahr lang die Leute nur so ins Museum.

Und das, obwohl es einen klaren Bruch des Datenschutzes, der Privatsphäre gab. Die Datenschutzgesetzgebung war um 1970 noch nicht so ausgefeilt.

Im Knie gab es die „beschallte Bank der Verliebten“ mit beleuchtetem roten Samt. „Von der Liebeslaube aus hatte man einen Ausblick auf die Galerie der Fälschungen, daneben ein Münzfernsprecher.

Das Geflüster der Liebenden wurde heimlich per Mikro in die Colabar in der rechten Brust übertragen.“

„Die Idee für diese Indiskretion hatte man aus der phantastischen Grottenarchitektur aus dem italienischen Orsini-Park in Bomarzo. Dort trug der Schall das, was im Innern des Felsenraumes geflüstert wurde, nach draußen in den Park.“

Leergut ohne Pfandrückgabe

„Das Leergut der Flaschen aus der Cola-Bar wurde einer komplizierten Maschine im Verdauungstrakt zugeführt, die es zermalmte.“ Gebaut, na klar, von Jean Tinguely, dem Maschinenbauer.

Selbst in Malmö würde so etwas heute nicht mehr durchgehen. Wo das Überleben der Welt gefährdet ist, werden Solarzellen, Recycling und Kreislaufdenken Existenz-entscheidend.

Kleinkopferter Großkörper

Weitere Attraktionen waren ein bewegliches Holzgehirn im Kopf, eine Radioskulptur in der Nana-Hüfte, in der linken Brust ein Planetarium. Im Herzen den „Mann im Schaukelstuhl“ von Ultveldt.

„Daß man in der Tatsache, die Figur durch das Geschlecht betreten zu müssen, absolut nichts Pornographisches zu sehen habe, wurde explizit auf der Innenseite des rechten Oberschenkels notiert.“ Warum dort? Nun zum einen war das neben dem Eingang.
Viele mussten warten. Eine rote Ampel regelte den Verkehr. Waren 150 Menschen im Innern, mussten sich die anderen die Füße vertreten. „Ein Blick durch ein beleuchtetes Aquarium mit Goldfischen und ein versilbertes Schaufelrad einer Wassermühle verwandelte“ eventuell aufkommende Unruhe, Ungeduld und Unwillen in Ruhe und „Neugierde“.

Zum anderen stand der Hinweis auf einem schwarzen Streifen, der sich als Strumpfband interpretieren ließ: „Honi soit qui mal y pense“. Der englische Hosenbandorden benutzt diesen französischen Vers, der auf deutsch bedeutet: Ein Schelm sei, wer Schlechtes dabei denkt. „Die Anregung, den Eingang mit einem Leitspruch zu versehen, hatte man von dem Höllenmaul aus dem Heiligen Hain von Bomarzo bekommen.“ Es trägt die Inschrift „Ogni pensiero vola“.

Was blieb von „IHR“, von „HON“?

Nur der Kopf blieb erhalten. Dass er so klein war, löste Diskussionen aus. Alle Köroerteile, die sie mit Emotionen verbunden sah, betonte Niki de Saint Phalle.

Neue Neuro-Forschungen strafen sie lügen. Ohne Kopf kein Gefühl, steuert doch die Hypophyse mit Hormonen alles.

„HON“ hatte Folgen – für die Theaterbühne

Dass Niki de Saint Phalle nicht nur wahrgenommen wurde und polarisierte, sondern auch inspirierte und aufgegriffen wurde, zeigt das Beispiel von „LYSISTRATA“, der Aristophanes-Komödie, im nordhessischen Kassel. Den jungen Regisseur Rainer von Diez inspirierte das berühmte Pressephoto, das das Publikum in einer Warteschlange zwischen den monumentalen Beinen der HON abbildet.

Das athenische Volk sehnt sich nach Frieden. Er wird durch die List der „Heeresauflöserin Lysistrata“ erzwungen. „Sie überredete alle Frauen Griechenlands, in den Liebesstreik zu treten“ – gemeint ist natürlich Sexualiät – „bis ihre Männer Frieden schlössen“.

Niki de Saint Phalle baute dann in Kassel eine 10 Meter große Nana im Theater.

Diez hatte Erfolg: „LYSISTRATA“blieb ausverkauft.

Rundungen im Freien

Niki de Saint Phalles Werke stehen heute in vielen Museen oder im Freien. Einiges schuf sie allein, anderes mit anderen zusammen. Als Frau wurde sie von Feministinnen besonders wahrgenommen. Ihr Tun verstand sie jedoch selbst auch frauenbefreiend.
Die erste zusammenfassende deutschsprachige Biographie erschien mit ebendiesem Hinweis 1999 und 2001 als Taschenbuch. Das Paperback wurde in den drei Jahren der Abschaffung der D-Mark in mindestens drei Auflagen gedruckt. Und das zu einer Zeit, als das gedruckte Buch bereits ernsthafte Konkurrenz erhalten hatte und das ebook am Horizont drohte. 2001, im ersten Jahr des neuen Jahrtausends (das Jahr 2000 gehört ja zum 20. Jahrhundert), war das deutsche Buch also im Schnitt schon einmal jährlich gedruckt worden. Das ist umso bemerkenswerter, als dass es noch zu de Saint Phalles Lebzeiten geschah. Natürlich erfuhr die Künstlerin posthum, ab Mai 2002, nochmals eine gewisse Aufmerksamkeit.

Das phantastische Paradies

„Le Paradis Fantastique“ (sprich Le paradi fantastiehk, alles hinten betont) ist in Zusammenarbeit Saint Phalles mit dem Frankoschweizer Jean Tinguely in den Jahren 1967-1971entstanden. Die beiden kollaborierten immer wieder. Dieses Werk ist ein gemeinsames Frühwerk. Es brachte den beiden den Durchbruch.

Die Expo 2000 in Hannover und der damit verbundene Schuldenberg sind nur ein Abglanz früherer Weltausstellungen. Viele kennen diese Phase vielleicht nur von der Innenseite eines Flakons Kölnischwasser. In einer Zeit. Als Reisen nicht so selbstverständlich und preiswert war, wirkten die Weltausstellungen und die Berichte darüber in den Zeitungen wie Magneten.

Die Ausstellungen waren auch ein Anlass, in die Zukunft zu weisen oder etwas für die Zukunft zu hinterlassen. Das Atomium in Brüssel und der Eiffelturm sind solche Wahrzeichen.

Montreal hatte sich 1967 zum Ziel gesetzt, „einem neuen Weltbild zur Reife zu verhelfen, einem Weltbildes totalen Engagements, zu dem der schöpferische und soziale Mensch fähig ist“. Was wäre für die Neuen Realisten der Nouveaux Réalistes ein besserer Anlass für eine Beteiligung gewesen? Doch zuerst musste der Auftrag an Land gezogen werden. Das erledigte die kämpferische Niki. Die Französischkenntnisse des Künstlerduos waren nicht nur in Paris, sondern auch in der Schweiz und in Quebec, dem französischsprachigen Osten Kanadas, von Vorteil. Letztlich gelang es. Die französische Regierung erteilte einen exklusiven Auftrag für eine Außenskulptur, den Dachgarten des französischen Pavillons.

Tinguelys schwarze Maschinen griffen quasi die bunten Riesenfiguren de Saint Phalles an. Seit Radha und Krishna, wie Lakshmi und Narayan in ihrer Kindheit hießen, gehört necken wohl dazu. Der indische Tanz drückt das mit verschmitzten Blicken und vielerlei Gesten bis heute aus.

Die Kosten des Ruhms

Das Konzept wurde verstanden und kam an. Zu dem großen Erfolg des PHANTASTISCHEN PARADIESES trug bei, dass der französische Pavillon beim Publikum der Welt nicht gut aufgenommen wurde. Dabei war er der größte auf der Expo und hatte acht Ebenen. Doch wurde er als zu schwer und kompliziert empfunden. Dagegen der Kontrast, wenn man auf das Dach hinaus kam. Die Fröhlichkeit der bunten Figuren, obwohl von dunklen Maschinen bedrängt, und das bei Tageslicht und frischer Luft muss wie eine doppelte Befreiung gewirkt haben nach acht Etagen bedeutungsschwangerer Schwere.

Wie sehr ein Künstler unter den Ausgaben für das Material zu leiden hat, dafür ist das phantastische Paradies ein Lehrbeispiel. Zwei Tonnen Polyester und 300 Kubikmeter Schaumstoff verarbeitete de Saint Phalle für die neuen Skulpturen auf dem Pavillon-Dach.

De Gaulle hatte zwar das beauftragt, die Finanzierung war damit aber nicht abgesichert!

Anschließend kaufte das Ministerium für Kunst und Wissenschaft vier Figuren. 80.000 DM. Immerhin. Die Materialkosten waren damit eigentlich nicht gedeckt, geschweige denn die Kosten für Produktion und Transport. Aber das nordamerikanische Publikum liebte das „Paradies“. Nach der Expo ‘67 in Montreal verließ es Kanada, ging nach nach Buffalo in den Innenhof einer Galerie und dann 1968 in den Central Park in Manhattan, New York. De Saint Phalle und Tinguely überließen es dann dem Moderna Museet. Sammler aus Texas bezahlten des Transport aus den Vereinigten Staaten von Amerika nach Schweden.

Bibliographische Angaben

Monika Becker: Starke Weiblichkeit entfesseln. Niki de Saint Phalle. In der Reihe „Rebellische Frauen“. Als List-Taschenbuch im Econ Ullstein List Verlag GmbH und Co. KG München 2001. Copyright 1999/2001. Anhang, Quellen, literatur, Register, 249 Seiten. „Originalausgabe“

Titelabbildung: Thilo Tuchscherer – „Schutzengel“ in der großen Halle im Hauptbahnhof Zürich




"Mile 22" mit Mark Wahlberg.

Am Ende sind die Russen schuld – Ist „Mile 22“ nur ein hirnloser Film mit Feuerwerk oder pure Propaganda?

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dass sich Mark Wahlberg in „Mile 22“ von seiner harten Seite zeigt, tut dem Film gut, denn darum geht`s, um Härte und nicht um Gnade.

Unter der Regie von Peter Berg spielt Wahlberg den Elite-Agenten James Silva, der keine Gnade kennt und mit schonungsloser Härte sein Ziel verfolgt. Dass die beiden nach mittlerweile drei Filmen eingespielt sind, Regisseur und Schauspieler arbeiteten für „Lone Survivor“, „Deepwater Horizon“ und „Boston“ zusammen, das merkt man „Mile 22“ an. Wahlberg läuft und das rund. Darüber hinaus sind Berg und Wahlberg mit Stephen Levinson auch noch die Produzenten dieses in seiner Turbulenz eindimensionalen Feuerwerks, durch die sich alle Handelnden von Szene zu Szene hangeln wie Affen von Baum zu Baum. Atemlos. Belanglos. Langweilig.

Silva leitet in der witzlosen Erzählung einen von über einen Dutzend und eine weitere Hand voll Geheimdiensten der Vereinigten Staaten von Amerika (USA), der immer dann zum Einsatz kommt, wenn die anderen versagen. Silva ist Gold wert und mehr geht nicht.

Der Mann und seine Mannschaft von Overwatch müssen bei diesem Auftrag den Überblick behalten und einen angeblichen Doppelagenten namens Li Noor aus einem nicht näher genannten Staat in Asien retten, weil der Gute wohl weiß, wo das von Deutschen 1861 entdeckte himmelblaue Caesium ist, jedenfalls ein radioaktiver Teil davon, den nicht nur Washington zu wollen scheint.

Noor muss von der US-Botschaft, wo er sich befindet, bis zum Flughafen gebracht werden, von wo er außer Landes geflogen werden soll. Das ist also eine Aufgabe für Super-Silva, der die 22 Meilen – keine Frage – in weit weniger als 95 Minuten schafft, dabei Feinde in die Flucht schlägt oder gleich ganz vernichtet.

Doch auf dem Flughafen offenbart sich ihm, dass Noor nicht nur Doppel- sondern Dreifachagent ist. Von Putin persönlich angeheuert, zumindest aus dem Kreml soll er seinen Auftrag erhalten haben, das Overwatch-Team in diese fiese Falle zu locken. Böse, böse, böse. Zeitgleich wird die Overwatch-Zentrale in den USA überfallen und nur einer kam durch. Wie gemein!

Auch in diesem Actionfilm aus Hollywood bekommt der analytische und kritische Kopf durchweg Pause. Am Ende sind die Russen schuld. Prächtig? Pure Propaganda!

Filmografische Angaben

Originaltitel: Mile 22
Deutscher Titel: Mile 22
Land: USA
Jahr: 2018
Regie: Peter Berg
Buch: Lea Carpenter, Graham Roland
Kamera: Jacques Jouffret
Schnitt: Melissa Lawson Cheung, Colby Parker Jr.
Musik: Jeff Russo
Schauspieler: Mark Wahlberg, Iko Uwais, Lauren Cohan, Ronda Rousey, John Malkovich, Nikolai Nikolaeff, Alexandra Vino, Sam Medina, Terry Kinney, CL
Produzenten: Peter Berg, Stephen Levinson, Mark Wahlberg
Länge: 95 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16




Dieter Lobenbrett mit einer Biographie über Vicco von Bülow.

Eine Biographie über Vicco von Bülow oder Lobenbrett über Loriot

Berlin, Deutschland (Kulturepxresso). Das etwas über 200 Seiten dicke und ungefähr im A5-Format gehaltene Buch trägt als Biographie zwar den Titel Loriot, doch gemeint ist Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, kurz Vicco von Bülow, den viele unter diesem, seinem Künstlernamen kennen.

Dass wir dem „Meiste des feinsinnigen Humors“ Cartoons, Fernsehsketche, Bücher und Filme verdanken, das ist wohl war, aber auch Kritik. In jedem Werk von Loriot steckte immer auch Analyse und Kritik, die allerdings feinfühlig und durchdacht vorgetragen und immer auch unter dem Mantel des Humors versteckt wurde, der sich einerseits hinter Höflichkeit verbarg und andererseits mit ihr drehte. Mit Scherzkeksen wie Otto Waalkes und Komikern wie Harald Schmidt und Witzbolden wie Mario Barth hat das nichts zu tun.

Von Bülow wusste mit Worten, die sein Handwerkszeug waren, umzugehen und situationsgerecht einzusetzen. Ein „Ach“ oder „Aha!“ an der richtigen Stelle reichte. Als Parodist entlarvte er die einen und als Ratgeber half er den anderen und nebenbei hob er die Komik auf die Höhe großer Schriftsteller.

Vicco von Bülow, der 1923 in Brandenburg an der Havel geboren wurde und 2011 in Ammerland am Starnberger See in Oberbayern starb, spielte Musik und Theater, drehte fürs Fernsehen und Kino, war vor und hinter der Kamera, schrieb Drehbuch und führte Regie, er war zudem Bühnen- und Kostümbildner, zum Schluss sogar Honorarprofessor für Theaterkunst in Berlin. Er war künstlerisch vielseitig und sein Repertoire war reichhaltig.

Darüber berichtet Dieter Lobenbrett, aber vor allem auch über seine Kindheit und frühe Jugend, seine Familie. Nachdem die Herkunft geklärt ist, wird sein Werdegang im Adenauer-Deutschland der Nachkriegszeit skizziert und seine Karriere zum erfolgreichsten Humoristen unserer Zeit. Unerbittlich beobachtete er jedes Detail unserer Marotten und hielt uns wie kein anderer den Spiegel vor – worüber wir uns köstlich amüsiert haben. Trotz seines Erfolgs ist er immer bescheiden geblieben, verpflichtet nur der Kunst und dem, was er sich selbst als Maßstab vorgegeben hat. Das Buch geht dem Phänomen Loriot auf den Grund und ist ein unverzichtbares Werk für alle Fans und Anhänger des intelligenten Humors.

Die im Münchner Riva-Verlag kurz nach von Bülows Tod erschienene Biografie musste Mitte Januar 2013 aufgrund von Urheberrechtsverstößen vom Markt genommen werden, weil seine Tochter Susanne von Bülow vor dem Landgericht Braunschweig dagegen geklagt hatte und Recht bekam, dass das Buch zu viele Zitate ihres Vaters enthalte. Die Klägerin erzielte einen Teilerfolg. Das Recht zum Zitieren hat ein Autor nur dann, wenn er sich mit dem Zitat auseinandersetzt, nicht aber um sein eigenes Buch mit den Gedanken eines anderen, „weil es so schön geschrieben ist“, wie der Vorsitzende Richter Jochen Meyer meinte, zu schmücken.

Der Verlag erklärte, das Buch in veränderter Form auflegen zu wollen. Im Verlag wurde schon an einer geänderten Ausgabe gearbeitet, die noch 2013 kam.

Biliographische Angaben

Dieter Lobenbrett, Loriot-Biographie, 208 Seiten, Softcover, Gewicht: 282 g. Verlag: Riva, 1. Auflage, München, Oktober 2018, ISBN: 978-3-7423-0733-0, Preis: 7,99 EUR (D)