Fahnen vor Halle 19 der Messe Berlin am Hammerskjöldplatz in Berlin-Charlottenburg

Ab wann ist eine Weltreise eine Weltreise? Egal, was kommt kommt im August nach der WM

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 22 Länder hat er bereist. Christian Vogel. 178 gibt es. Seit der Gründung Südsudans im Jahr 2011. Heute gilt er als gescheiterter Staat, da seit 5 Jahren Bürgerkrieg herrscht, das Bruttosozialprodukt ist das weltweit niedrigste. Hierher wollte Herr Vogel nicht, der von seiner BMW aus den Film „Egal was kommt“ drehte. Auf seiner ein Jahr dauernden Weltreise. In anderen Ländern heißt „Zwei Fliegen mit einer Klappe“ schlagen ins Deutsche rückübersetzt „Zwei Vögel mit einem Stein“. Beim Motorradfahren spritzen ständig kleine Steinchen hoch, von seiner Maschine runtergeholt werden wollte er wohl nicht. Der schwarze Kontinent ist auf Vogels Reisekarte ein weißer Fleck. Doch auch Südsudan hat einen Fußballverband. Dieser wurde 2011 gegründet und trat schon 2012 der FIFA bei. 2016 wurde Verbandspräsident Alei suspendiert, weil er 400.000 Dollar auf ein privates Konto überwiesen haben soll. Nun, was soll bei bei einem „failed state“ schon erwarten?

Übrigens hatten sich 211 Verbände um die Endrunde der WM 2018 beworben, 32 wurden es. Wer aufgepasst hat, las am Anfang, dass es 178 Länder gäbe. Warum die Diskrepanz zu 211 Fußballverbänden, obwohl es sich doch um „Nationalmannschaften“ handeln soll? Da wäre zuerst einmal England. Jetzt sagen Sie nicht, „Sie meinen Großbritannien“. Genau das ist es ja. Auch wenn viele fälschlich den G7-Staat „Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland“ einfach nur „England“ nennen, gibt es da Unterschiede. Genauer gesagt: England ist keine Insel. „Ja, wegen der Globalisierung meinen Sie. Stimmt. Die können nicht einfach machen, was sie wollen.“-

Großbritannien ist eine Insel und beheimatet neben dem Land der Engländer auch Schottland und Wales. Nordirland ist auf der Nachbarinsel.
Alle vier Teile des Vereinigten Königreichs, das auf englisch gern unter dem Kürzel „UK“ kursiert (statt „GB“), treten in den Vorbereitungsspielen als eigene Verbände auf. In die Endrunde schafft es oft nur England, was die Verwirrung noch vergrößert.

Auch andere Königreiche wie Dänemark schicken mehrere Verbände in die Qualifikation, man denke nur an die Färöer-Inseln zwischen den britischen Inseln, Norwegen und Island. Die Färöer oder Schafsinseln genießen Autonomie. Man hört von den 18 Eilanden eigentlich nur bei den Qualifikationen zur EM oder WM, besonders, wenn die deutsche Mannschaft im direkten Vergleich antritt. Beide Monarchien ließ Vogel links liegen. Hatte er doch Europa schon ganz durchfahren.

Christian Vogel besuchte auf seiner Weltreise nur 3 von 6 Kontinenten, die Antarktis mit dem Motorrad zu bereisen, ist schon wegen des Umweltschutzes keine gute Idee. Ausgelassen ausgelassen hat er Südamerika, Afrika und Australien.
Wenn man seine Biographie anschaut, wird wenigstens verständlich, warum er Australasien so fröhlich und leichtfertig den Rücken kehrte: Er war schon dort gewesen.
Zum Beispiel in Malaysia, dem Land, von dem einfach ein Flugzeug mit den Passagieren darin verschwand. Im Meer, angeblich. Tja, wenn es Satelliten gäbe oder moderne Funkortung, hätte man vielleicht das große Flugzeug finden können. Aber so …

Mit dem Krad durch Kanada – 2026 wird da Fußball gespielt werden

Jedenfalls entschied sich Herr Vogel, der unter dem Motto „Vogels Perspektive“ unterwegs war, die USA und Kanada zu bereisen. Damit hat er sich von den drei großen Ländern Nordamerikas schon mal zwei angeschaut.

Gestern haben die FIFA-Abgeordneten entschieden, der gemeinsamen Bewerbung der USA, Kanadas und Mexikos für die Fußball-WM der Herren 2026 stattzugeben. Marokko hatte das Nachsehen. Da wird viel Kohlendoxid erzeugt werden, denn die Entfernungen in diesem Teilkontinent sind riesig.

Moon Suk hatte 2017 eine Weltreise geplant und wollte unter anderem in ihre Heimat Korea. Vogel war auch dort, sogar in der Mongolei. Seine Weltreise begann von der Bundesrepublik aus gesehen im Westen und führte nach Westen.

Was man so Weltreise nennt

Die Wasserflächen darf man auf einer Kradweltreise per Schiff oder Flugzeug zurücklegen. Man braucht nicht zu warten, bis der Atlantik und der Pazifik zufrieren. USA, Kanada, Alaska, dann Südkorea und noch ein Luftsprung nach Wladiwostok in den Fernen Osten Russlands. Die Russische Föderation ist nicht nur Gastgeber der diesjährigen Fußball-WM, sondern auch das größte Land der Welt. Es befindet sich auf der weltgrößten Landmasse, Eurasien.

Die längste Eisenbahnfahrt der Welt führt von Portugal nach Asien. Vogel plante andersherum, doch waren viele Pläne bald Altpapier. Mit dem Erreichen des europäischen Westkaps hätte seine Ausfahrt als Weltreise gegolten, da er ja von Europa aus Florida anflog. Doch mehr als zweimal war Ziel und Leben in Gefahr. Nepal fiel aus, Indien dauerte länger; und ausgerechnet im deutschsprachigen Österreich kam die größte Krise.

Die Frage war: Nach all den Anstrengungen, nach allen Entbehrungen, drei Tage Dauerregenfahrt durch die Mongolei – durchhalten oder Handtuch werfen? Die Freundin wartete nur einen Tagesritt entfernt, das Geld reichte nicht.
So ein Projekt entwickelt eben auch eine Eigendynamik und damit einen unmenschlichen Aspekt. Es zählt nur, wenn man einmal rum ist. (Ob die Route über Hawaii, Neuseeland, die Seychellen, Mauritius, Réunion und Südafrika gegolten hätte?)

Egal, was kommt: das hat sich Vogel auch gesagt. So heißt auch sein Dokumentarfilm: Egal, was kommt. Denn er war ein Jahr unterwegs und wenn einer eine Reise macht… kann er zwei Stunden erzählen, in Filmform.

So ganz egal, was kommt, ist ihm das denn doch nicht. Mit der Herren-Fußball-WM 2018 will er nicht konkurrieren. Deswegen startet sein Film, der ihn auch zweimal durch Russland führt nach der WM. Anfang August 2018. An einem Donnerstag.

Mehr zu Moon Suk auf ihrer Website www.moonsuk.de und im Kulturexpresso:

Heute oder nie? Moon Suk wird ihren Salon weltreisebedingt schließen – Zu Gast: die Pianistin Sara de Ascaniis




Schauspielerin Betty Despoina Athanasiadou nach der letzten Aufführung von "Nebel brutal"

NO WAY (out)? NORWAY TODAY. Norwegenreise mit Betty Despoina Athanasiadou [PAF]

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Norway today war 2003 und 2004 das erfolgreichste Stück in der Bundesrepublik Deutschland, wurde international 100mal aufgeführt und zu diesem Zweck in 20 Sprachen übersetzt. Betty Despoina Athanasiadou belebt es im Rahmen des Performing Arts Festival (PAF).

Drei Stellen greift sie auf. Diese werden monologisch vorgetragen. Das Ganze dauert nur 20 Minuten. Das kann sich auch der größte Theatermuffel gönnen. Der Eintritt ist frei. Termin Samstag, 9. Juni 19 Uhr. Club der polnischen Versager, Ackerstraße 168 in Mitte. (Keine Eintrittskarten erforderlich.)

Kein Ausweg? Oder doch? Betty Despoina Athanasiadou versucht, ihn in NORWAY TODAY zu zeigen

Betty Despoina Athanasiadou ist ein positiver Mensch, der zeigen will, dass es immer einen Ausweg gibt, immer eine Lösung. Despoina Athanasiadou ist eine Schauspielerin, die das auch zeigen kann, die seit acht Jahren ihr Talent durchscheinen lässt. Meist in Berlin.

Sie hat gemeinsam mit der Regisseurin Helena Kontoudakis drei Stellen ausgesucht, die sie als Monolog vorträgt. Sie wird allein auf der Bühne sein.

Ohne großartiges Bühnenbild. Der Club der polnischen Versager, in dem bei Filmpolska auch Filme gezeigt werden, gibt das logistisch auch kaum her.

Betty Despoina Athanasiadou als Julie wird drei Monologe sprechen, einen an den zweiten Hauptdarsteller des Originalstücks, August, gerichtet. Zwei an das Publikum gerichtet, nachgespielt, wie die Figur „Julie“ begründete, warum sie sich umbringen wolle. Im Original ist das die Passage, wie sich Julie selbst mit der Kamera aufnimmt und das dann ins Internet stellt.

Frau Athanasiadou spielte unter anderem in „Das Fremde“ von ‚Nebel brutal‘ mit:

kulturexpresso.de/geheim-die-fremde-in-das-fremde-in-der-fremde-an-einem-unbekannten-brutal-nebuloesen-ort-bjoern-zahns-stueck-mit-betty-despoina-athanasiadou-bringt-die-message-in-die-botschaft

WHY NORWAY TODAY?

Betty Despoina Athanasiadou suchte mit der Regisseurin Helena Kontoudakis nach einem passenden Stück. Ihr gefielen die Dialoge und so fiel die Wahl auf Norway today. Das Erfolgsstück zog ein überwiegend jugendliches Publikum an; die Schauspielerin ist ebenfalls jung.

Vielleicht kann Betty Despoina Athanasiadou mit der 20minütigen Performance im Club der Versager Leben retten. Erste Hilfe geht manchmal schneller, braucht jedoch auch viel Vorbereitung, wenn es gut gehen soll.

Das Performing Arts Festival (PAF) ist ein prima Rahmen. Es begann am 5.6. und dauert noch bis zum 10. Juni 2018; es erfüllt die ganze Stadt permanent mit Aufführungen. An vielen Veranstaltungsorten:
https://www.performingarts-festival.de/2018/wege-durchs-programm/touren/
www.performingarts-festival.de

Das Collegium Hungaricum in der Dorotheenstraße in Berlin-Mitte, einer der vielen Spielorte. © 2016, Foto: Andreas Hagemoser

Norway today im Klub der polnischen Versager – wo sonst?

Die Versager aus Polen sind keine Loser. Nicht nur, weil sie besser polnisch als englisch sprechen.
Sie nehmen das Versagen ernst. Es wird erforscht, präsentiert. Selbstmordversuche gehören dazu. Selten gibt es mehr zu verlieren als das Leben. Norway Today ist also ein sehr passendendes Untersuchungsobjekt für Versagerologie, die Wissenschaft des Versagens.

Das Stück Norway today: Spoiler (Inhaltsverrat)

Das Stück ist schon so lange unterwegs und vielfach besprochen worden, der eine oder andere hat es bestimmt schon gesehen, so dass es besser ist, den Inhalt kurz anzusprechen.

Schließlich werden ja auch nur Ausschnitte gespielt und gesprochen. Drei Ausschnitte.

Julie ist zwanzig Jahre alt und schon lebensmüde. Eine Unverschämtheit und totaler Quatsch obendrein; aber das soll vorkommen und nachdem jemand Junges von der Brücke sprang, glaubt man es und steht sprachlos da.

Julie sucht online Gleichgesinnte, und hier ist das Einfallstor für das Positive, wie sich später zeigen wird. Sie will nicht allein sein. Das ist doch schon mal was. Ob es Feigheit, Langeweile oder was auch immer ist. Sie will gehen, erst nach Norwegen, dann in den Tod – aber nicht allein.

Im Chat lernt die junge Frau dann August kennen, der nur ein Jahr jünger ist. (Juli und August sind auch nicht weit voneinander weg.) Doch beide sind volljährig, niemand kann ihnen die Reise nach Norwegen verbieten. (Unter uns: Norwegen ist so besonders und schön, da bringt man sich doch nicht um. Man bekommt eher Appetit auf mehr. Eine Weltreise vielleicht.)

Reise nach Norwegen

Abgemacht. Die beiden wollen zum Preikestolen-Felsen am Lysefjord. Dieser ist 600 Meter hoch und schneebedeckt. Von dort beabsichtigen sie, herunterzuspringen. Sich das Leben zu nehmen.

Man ist modern: Dinge, die keinen Strom verbrauchen, sind (den jungen Leuten) suspekt. Allen Weltrettungsäußerungen Jugendlicher zum Trotz. Bücher oder Briefe – pfui, wie altmodisch! – gehören dazu.
Also greifen Julie und August nicht zur Feder, um einen Abschiedsbrief zu schreiben, sondern zur Videokamera, die die vermeintlich letzten Botschaften in Farbe übermitteln soll.

Zwei von drei Teilen des von Betty Athanasiadou vorgetragenen Dialogs sind nachgespielte Videobotschaften.

Am Ende steht nicht das Lebensende. August und Julie verlieben sich ineinander.

So wird aus dem Stück über Sinn und Sinnlosigkeit des Lebens schließlich eine Story, die Lebensmut sprießen lässt.

Exkurs: Ein junge hübsche Frau besuchte das Gymnasium – und schloss nie ab. Eine wahre Geschichte

In meiner Jugend hat sich eine junge, kluge, hübsche, vielversprechende Frau aufgeknüpft. Ich war 16 oder 17, sie war etwas älter. Sie arbeitete schon, jobbte neben der Schule. Sie ging zum Gymnasium Oedeme, einer jungen, erfolgreichen Schule ohne Muff unter den Talaren. Viele junge Lehrer neben erfahrenen. Ein junger, aufgeschlossener Schulleiter, dessen vielseitiges Engagement ansteckte. Der dort, wo es Sinn hatte, viele Freiheiten gewährte. Koedukation natürlich, das heißt Jungs und Mädchen lernten gemeinsam und gleichzeitig im selben Raum. Manch erfolgreiche kluge Kopf besuchte dieses Gymnasium.

Die junge, wendige, hübsche Frau – nennen wir sie Nico – war voller Entschlusskraft. Sie überlegte es sich vielleicht gut, fackelte dann aber nicht lange. Sie war praktisch begabt. Ein tolles Mädchen, eine tolle Frau. Andere hätte sich vielleicht die Pulsadern falsch aufgeschnitten oder wären aus dem zweiten Stock gesprungen. Dummheit ist nicht ausrottbar.

Der eine oder andere hätte vielleicht schlau und hinterlistig so getan, als ob ein echter Suizidversuch vorläge, um Aufmerksamkeit zu erheischen.

Nicht so Nico. Entschlusskraft und praktische, zeitnahe Durchführung gehörten zu ihren Stärken. Neben vielem anderen.

Wir werden nie erfahren, was sie noch auf die Beine hätten stellen können. Was sie noch Gutes hätte tun können – für sich und andere. Wen sie hätte glücklich machen können. Was sie an ihre Kinder weitergegeben hätte.

Sie tat das Unvollstellbare. Erklomm den Dachboden, knüpfte einen Strick und fiel – in den Abgrund.
Die Aktion verlief „erfolgreich“, beendete jedoch ihr Leben. Zerstörte ihren Körper.

Hinterließ ein tiefes Loch auch bei anderen. Trauer, Bestürzung. Die üblichen, unvermeidbaren Reden.

Ein junger Mann aus dem Mathematik-Leistungskurs meinte, es sei kaum vorstellbar, dass sie die Treppe und Leiter hinaufgestiegen sei und das getan hätte.

Viele kamen ins Grübeln. Doch es war geschehen. Es war nicht rückgängig zu machen. Und letzten Endes ging das Leben weiter – ohne sie. Leider.

Auch norway.today* basiert auf einer wahren Begebenheit

Das Stück von Igor Bauersima is „based on a true story“, wie so mancher Film jüngst oder ein Buch von Kästner, das ebenfalls auf einer Zeitungsnotiz beruht.
Kästner wehrte sich noch im Vorhinein gegen Plagiatsvorwürfe mit dem Hinweis, die Notiz sei nur kurz gewesen, das Buch dagegen hunderte Seiten lang.

Bauersima las von der Sache im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

(*Eigenschreibung des Stücks: „norway.today“)

Die Kraft der Liebe

„Ja, das war immer mein Traum“, beginnt der zweite Teil von Athanasiadous Vortrag.

In Igor Bauersimas Stück verliebt sich Julie in August (sic! nicht im August) und verschiebt ihre Körperzerstörungspläne. Es liebt sich schlechter, wenn man tot ist.

Außerdem wollen die Inder und manche Wissenschafter herausgefunden haben, dass der Körper eine Seele hat; besser ausgedrückt: Die Seele eines Menschen wohnt im Körper. So wie ein Mensch ein Auto fährt. Geht es kaputt, kauft er sich ein neues. Die Seele eines Menschen besitzt also prinzipiell die Fähigkeit, nicht nur einmal in einem Körper zu wohnen, sondern zum Beispiel in einem zweiten Körper, der nicht dasselbe Geschlecht haben muss, „wiedergeboren“ zu werden.

Das mit dem „Selbstmord“ hat also gar keinen Sinn. Man lebt als Seele sowieso weiter. Bringt nur schlechtes Karma, und wer will das schon.

Anschriften

Club der polnischen Versager
Ackerstraße 168
10115 Berlin

Nähe Torstraße und Koppenplatz, U-Bahn-, Bus- und Straßenbahnhaltestelle Rosenthaler Platz (u.a. U8, Tram 8)
www.polnischeversager.de

www.polnischeversager.de

Dort gab es im April/ Mai 2018 Vorführungen von Filmpolska:
www.filmpolska.de
Zum Beispiel am 29.4. „Opera o Polsce“/ „Opera about Poland“ von Piotr Stasik, der höchstpersönlich im Club zu Gast war. Filmvorführung zusammen mit „First Pole on Mars“/ „Pierwszy Polak na Marse“:

Marspole. „First Pole on Mars“ von Agnieszka Elbanowska im Fsk-Kino Oranienplatz (Filmpolska)

Performing Arts Festival – Eintrittskarten-Quellen und Adressen

Festivalzentrum des Performing Arts Festivals (PAF) am Kottbusser Tor (Kotti)
Aquarium, Skalitzer Straße 6, 10999 Berlin
U8/U1 Kottbusser Tor

Dort gibt es Eintrittskarten, Parties und Performances. 6.-9.6. 11 bis 20 Uhr. Am 10. 6. von 11 bis 13 Uhr.
Die Skalitzer Straße ist die Verlängerung der Gitschiner Straße nach Osten und verläuft unter der Hochbahn der U-Bahn-Linie 1.

Nebenstellen (Dependancen) unter anderem in der Werkstatt der Kulturen Neukölln
Wissmannstraße 32, 12049 Berlin. 12-18 Uhr, Samstag geschlossen.

Oder bei PANKE culture Wedding, Gerichtstraße 23 (Hof V), 13347 Berlin – zwischen Panke und Ringbahngleisen Nähe Reinickendorfer Straße am Nettelbeckplatz (U+S-Bf. Wedding).
„PANKE culture Wedding“ befindet sich in Nachbarschaft zu den Gerichtshöfen in der Gerichtstraße 12/13; das Silent-Green-Kulturquartier ist auf der anderen Seite des Nettelbeckplatzes in der Gerichtstraße 35.)

Dort gibt es Eintrittskarten, auf besonderen Wunsch auch Tickets.

Lieben und leben – Rat bei Problemen

Wer leben und lieben möchte und erst später sterben, findet Rat und Tat u.a. bei http://www.prenzlkomm.de/home.html

www.prenzlkomm.de

Anlaufstelle für verschiedene Probleme, darunter auch bei Melancholie, Selbstmordgedanken und Depression, ist die

KONTAKT- UND BERATUNGSSTELLE mit Café „von Kuchenschwarm bis Stullenliebe“ in der
Erich-Weinert- Straße 37 in 10439 Berlin (Prenzlauer Berg)
Tel.: 030 / 444 16 64 (Fax: +49 (30) 44738392) E-Mail-Adresse: kbs(a)prenzlkomm.de

Öffnungszeiten: Montag – Freitag 10 – 18 Uhr

Wem das zu kurz ist, zu weit oder sonstwie nicht in den Kram passt, kann sich bundesweit auch an die Telefonseelsorge Deutschland wenden, kostenfrei und anonym. Außerdem rund um die Uhr. Tel. 0800 111 0 111. Leicht zu merken und, wie erwähnt, Tag und Nacht erreichbar. Der Spruch der Telefonseelsorger: Sorgen kann man teilen.

Mehr über das Stück NORWAY TODAY

„Norway.today“ von Igor Bauersima ist ein Drama für zwei Personen. Ein Kammerspiel. Eine Auftragsarbeit für das Schauspielhaus Düsseldorf. Uraufführung ebendort im November 2000. Der Regisseur führte eigenhändig Regie.

Das Theaterstück erhielt viele Preise und Auszeichnungen. Auch als Hörspiel. Die Hörspielfassung des Stücks (Berlin 2001) in der Hörspielregie und Bearbeitung von Norbert Schaeffer wurde noch im selben Jahr als Hörspiel des Monats ausgezeichnet.




Evolution of Concrete, Beton der Firma Cemex in einer Ausstellung in der mexikanischen Botschaft Berlin Frühjahr 2018

Beton schmeckt. „Taste of Cement“: Filmpremiere in Berlin mit Regisseur

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Beton schmeckt der Wirtschaft. Filmregisseur Ziad Kalthoum entwirft ein Szenario, bei dem man sich fragen muss, ob vielleicht die Chefs von multinationalen Baufirmen ab und zu in Davos und anderswo mit den Waffenproduzenten beim Plausch sitzen. Der Film „Taste of Cement“ zeigt Syrer, die im Libanon arbeiten. Bauarbeiter. In ihrer Heimat fliegen die Kugeln, hat bauen wenig Sinn. Deshalb sind die Arbeiter hier.

„Taste of Cement“ im heutigen Libanon

Der kurze Weg, ein ähnliches Klima und die gleiche Sprache zogen sie an. Dubai wäre auch in Frage gekommen, oder Katar, wo die Stadien für die Fußball-WM gebaut werden. Doch ist der Persische Golf auch nicht weit weg von Indien und Pakistan, die beide ein riesiges Arbeitskräftereservoir darstellen. Araber in Arabien zu sein, heißt nicht, bei der Arbeitsplatzvergabe automatisch an 1. Stelle zu stehen.

Die Schweiz des Nahen Ostens: der Libanon

Libanon war die Schweiz des Nahen Ostens. Stabil, reich, schön; sogar Berge gibt es: den Libanon und den Anti-Libanon. Doch dann änderte sich alles von einem Tag auf den anderen. Durch den Bürgerkrieg. Viele flohen, manche bestimmt auch nach Syrien, das 1980 kriegsmäßig nicht so viele Baustellen hatte. Der Yom-Kippur-Krieg war vorbei, die syrischen Golanhöhen blieben besetzt und der anstehende Golfkrieg tangierte Damaskus nur als Bündnispartner einer der beiden Beteiligten.

Bestimmt gingen auch libanesische Bauarbeiter nach Syrien. Israel betrachtete Syrien als Lieblingsfeind: Stabil, verlässlich, säkular und berechenbar. Wer die Golanhöhen beherrscht, sichert oder bedroht das nahe Damaskus, die Hauptstadt Syriens. Syrien war also trotz des Kriegszustands mit Israel – Ägypten hatte gerade erst in Präsident Carters Beisein mit Israel Frieden geschlossen, eine Sensation – ein Hort des Friedens, oder besser: Eine Insel des Friedens. Und des Wohlstands.

Ähnlich wie in Libyen, mit dem Syrien als VAR sogar einmal eine staatliche Gemeinschaft bildete, war das Bruttosozialprodukt hoch, auch das Pro-Kopf-Einkommen.

Libyen war das reichste Land Afrikas, bevor Muammar al-Gaddafi in Ungnade fiel und nach Krieg und Bürgerkrieg getötet wurde. Heute ist das Land, das von französischen und US-Flugzeugen angegriffen wurde, so unsicher und instabil, dass immer wieder Öl-Pipelines kaputtgehen. In Bengasi wurde vor wenigen Jahren sogar der US-Botschafter ermordet, ein ungeheuerlicher Vorgang.

Blick aufs Mittelmeer – Berlinale und „Taste of Cement“

Der Film „Taste of Cement“ ist bisher noch nicht gezeigt worden, wir konnten ihn also auch noch nicht anschauen. Wie das bei Premieren so ist. Der Text von den Organisatoren lautet wie folgt:
„In den strahlend blauen Himmel über Beirut wachsen neue Wolkenkratzer mit Traumblick auf das Mittelmeer.“

Sofort erinnert man sich an den ellenlangen Installationsfilm von Forum Expanded der Internationalen Filmfestspiele Berlin, der im Februar als erste Station in der Akademie der Künste am Hanseatenweg gezeigt wurde. Eine Schwimmerin – die libanesische Regisseurin – zieht ihre Bahn. Der Film dauerte etwa 12 Stunden, davon war die Filmemacherin ca. 9 Stunden im Wasser. Mit Pausen. Das Morgenlicht und Abendlicht, das unterschiedliche Blau des Poolwassers und Meerwassers faszinierten den geduldigen Beobachter.

Zeit wurde erlebbar durch das veränderte Licht, das auf den veränderten Sonnenstand rückschließen ließ.

Zuschauen konnte man bei der Berlinale jeden Tag und bequem im 1. Stock der Akademie in Liegesesseln platznehmen. Der Horizont war aus den Bildern der Standkamera, die nicht bewegt wurde, herausgeschnitten worden. Die Installation zeigte also den oberen und unteren Streifen des Bildes, unten einen Pool mit einer einsamen Schwimmerin, dahinter das landnahe Mittelmeer mit Booten und oben den Himmeln mit gelegentlichen Flugzeugen.

Das zyklische Zeiterleben in „Taste of Cement“ scheint aus dem Kreislauf von Neubau, Stehen des Hauses, Zerstörung des Gebäudes, Abriss der Ruine, Liegen des Schutthaufens und Beräumung zu bestehen.

Beirut heute – Frieden nährt

Beirut heute ist frei von Krieg und Bürgerkrieg. Im Libanon wohnen eine Million Syrer, Kriegflüchtlinge. Vielleicht anderthalb Millionen. Eine riesige Zahl für das kleine Land. Noch kleiner als Jordanien, wo es viele Flüchtlingslager auf der grünen Wiese gibt, die dort Wüste heißt.

Beirut ist dabei, sich zu erholen, hat Lehren aus dem Krieg gezogen. Ehen zwischen Moslems und Christen sind verboten. Verliebt sich doch mal jemand, fliegt er nach Zypern zum Heiraten.

Teile und herrsche machte aus einem fruchtbaren Land voller Möglichkeiten jahrelang eine Hölle mit vielen Toten und Zerstörung. Nach dem Ende der Kampfhandlungen: Wiederaufbau. Jetzt ist Syrien dran. Krieg und Bürgerkrieg. Nach dem Ende der Kampfhandlungen wird auch dort an den Wiederaufbau gedacht werden.

In der Bundesrepublik Deutschland führten die Umstände, die Mithilfe der Vertriebenen, die sich wieder ein schönes Leben aufbauen wollten, und eine bestimmte Politik bekannterweise zum Wirtschaftswunder. Damaskus darf zwar keinen Marshallplan erwarten. Aber viele Syrer, die auf dem Bau arbeiten, werden wohl nach dem Ende des Schießens und Bombardements zurückgehen. Sie werden dringend gebraucht.

„Taste of Cement“ in Syrien

Weiter im Text der Organisatoren:

„Tagsüber werden sie [die neuen Wolkenkratzer] von syrischen Bauarbeitern errichtet. Zu Hause in ihrer Heimat zerstört der Krieg zur gleichen Zeit ihre eigenen Häuser.“

„Auch nachts dürfen sie die Baustelle nicht verlassen, sie müssen hinunter in die Keller der Betongiganten, wo sie kochen, hoffen, schlafen.
Mit der Visualisierung von Tätigkeiten auf der Baustelle, die an expressionistische Filme erinnern, entsteht durch Bilder, Sprache und Geräusche ein essayistisches Porträt der Bauarbeiter.

Doch dann gibt es auch Bilder von Menschen, die nach dem Einsturz eines Hauses mit bloßen Händen die Verschütteten versuchen auszugraben.“

„So entsteht ein eindringliches Gleichnis von Krieg, Zerstörung und Neubeginn.“

„Der syrische Regisseur Ziad Kalthoum hat mit »Taste of Cement – Der Geschmack von Zement« ein poetisches, emotionales und bildgewaltiges Werk geschaffen, das mehr ist als ein Film – es ist eine Erfahrung.“

„Taste of Cement“: Filmografische Angaben

Originaltitel: „Taste of Cement“(wörtlich übersetzt: „Der Geschmack des Zements“, gemeint ist auch: „Der Geschmack des Betons.“ In der englischen Sprache wird für ‚Beton‘ statt ‚concrete‘ oft fälschlich das Wort ‚cement‘ verwendet.)
Land: Deutschland
Jahr: 2017
Regie: Ziad Kalthoum
Länge: 85 Minuten

Premiere von „Taste of Cement“ (OmU) in Anwesenheit des Regisseurs am Pfingstmontag, den 21. Mai 2018 um 19 Uhr im Kino Moviemento Berlin, Kottbusser Damm 22, Berlin-Kreuzberg.

Moviemento-Kino
Kottbusser Damm 22
10967 Berlin

U-Bahnhof Hermannplatz

www.moviemento.de

Weiteres zu diesjährigen Filmpremieren:

Am Ende des Krieges warf das Nahen der Front ihre Schatten voraus:

Ich möcht‘ noch ein bisschen leben. Film „Über Leben in Demmin“ von Martin Farkas (Überleben)

Eine besonders elegante Methode, immer im Frieden zu leben – die Erde verlassen wie Kazimierz Blaszczak:

Marspole. „First Pole on Mars“ von Agnieszka Elbanowska im Fsk-Kino Oranienplatz (Filmpolska)




Lucky Luke Heft 46 Der Großfürst (Comic)

LUCKY? Maliks Mutter Veronica Schildt Bendjelloul wird 74

Berlin/Stockholm, Deutschland/ Schweden (Kulturexpresso). Die schwedische Übersetzerin Veronica Schildt Bendjelloul hat am 20. Mai Geburtstag. In der Bundesrepublik unbekannt, ist sie in Schweden eine Größe, ihre Familie allemal. Ganz entfernt so wie der US-Folksänger Sixto Diaz Rodriguez, über den Veronicas Sohn Malik Bendjelloul eine Doku drehte, die ihm Bafta, Oscar und Guldbagge einbrachten, den schwedischen Filmpreis. Rodriguez nahm in den USA zwei Platten auf, hatte aber finanziell wenig Erfolg. In Südafrika hingegen war er Kult. Der Dokumentarfilm heißt „Searching for Sugar Man“. Maliks Mutter Veronica Schildt Bendjelloul übersetzte und kümmerte sich in der schwedischen Kirche um Finnen, vor allem Schwedenfinnen.

Veronica Schildt Bendjelloul, die Isabelle- und Lucky-Luke-Übersetzerin

Neben ihrer Malerei ist Frau Schildt Bendjelloul (Jahrgang 1944), die tragischerweise den Tod ihres Sohnes erleben musste, vor allem als Übersetzerin in die Kulturgeschichte eingegangen. Namentlich der Comicserien „LUCKY LUKE“ und „ISABELLE“.

Die schwedische Übersetzung von „Dalton City“ (Lucky Luke) erschien 1971, als Veronica Schildt ihr Studium an der Universität Stockholm beendete.
Veronica Schildt Bendjelloul gab unter anderem der Figur des Gefängniswachhundes, die 1960 in „Sur la Piste des Dalton“ erstmals bei Lucky Luke auftaucht, ihren Namen. Der Hund hieß und heißt im Original auf französisch und auf deutsch Rantanplan. Veronica Schildt Bendjelloul nannte den dummen Wachhund „Ratata“. Rantanplan alias Ratata isst gern, ist aber nicht helle.
Er ist eine Parodie auf den klugen Deutschen Schäferhund Rin-tin-tin, mit dem in den 20er Jahren über zwei Dutzend Filme gedreht wurden. Im Stummfilmzeitalter. Rin Tin Tin, der 1932 starb, brachte es sogar zu einem Stern auf dem Walk of Fame in Los Angeles, den viele andere Hunde am Halsband ihrer Herrchen entlangwackeln dürfen.
Um den zahmen Wolf Rantanplan rankte sich ab 1985 eine eigene Comicserie (ein Ableger oder Spin-off von Lucky Luke).

Isabelle und andere belgische Comics

Die belgischen „Isabelle“-Comics wurde von Will gezeichnet und seit 1969 bis zum Tode des Zeichners im Jahr 2000 veröffentlicht. Zuerst im Magazin „Spirou“. Drei verschiedene frankophone Verfasser verfertigten die Texte. Einer von ihnen, Delporte, schrieb später die Texte mit Will zusammen. Ein anderer, André Franquin, benannte die Figur des jungen Mädchens, das in viele Abenteuer mit einer guten und einer bösen Hexe gerät(Kalendula und Calendula), nach seiner Tochter.
Die Geschichten ranken sich um ein magisches Bild, ein fliegendes Dorf und eine schwimmende Insel.

Die Reihe bestand über drei Jahrzehnte, was einen großen Erfolg darstellt.

Neben Asterix sind die Beneluxländer, besonders Belgien, eben auch der Ursprung für andere beliebte Bildergeschichten. „Asterix“ pilotierte Ende 1959 im belgisch-französischen Comicmagazin „Pilote“ (Pilot). Die noch erfolgreicheren und legendären Papierprodukte (als Isabelle) über das Dorf der unbeugsamen Gallier mit dem stärkenden Biotrunk mit Superfoodanteil wurden, wie bekannt, von René Goscinny verfasst und von Albert Uderzo gezeichnet.

Goscinny schrieb auch die Lucky-Luke-Texte.

Veronica Schildt Bendjelloul übersetzte nicht nur Comics, sondern schuf auch literarische Übersetzungen ins Schwedische (Agatha Christie).

Die Familie von Veronica Schildt Bendjelloul: Über vier Generationen Kultur

Spätestens mit Holger Schildt, dem Opa von Veronica Schildt Bendjelloul, fing alles an.
Er markiert auch den Übergang von Rußland/ Finnland nach Schweden. Bereits seine Geburts- und Todesdaten sprechen Bände: 28. März 1889 in Helsinki, gestorben am 13. Juli 1964 in Stockholm. Auch heutiger Sicht würde man sagen: „Soso, in Finnland geboren, in Schweden mit 75 Jahren gestorben. (Ein) Alter Schwede.“ Zudem zu der Zeit. Er vollendete ein Dreivierteljahrhundert.

Warum Helsinki nicht (nur) in Finnland liegt – und was die Schweden dort zu suchen haben

Doch: Die Wahrheit ist komplexer. Warum waren überhaupt Schweden in Finnland? (Und gehörte Helsinki überhaupt zu Finnland? 1889? Oder 1914?) Schweden war eine Großmacht. Nicht nur Puttbus auf Rügen mit seinem berühmten Theater war schwedisch, auch Teile Pommerns gehörten dazu. Die russische Hauptstadt Petersburg wurde aus einem Sumpf an der Ostseeküste aus dem Boden gestampft, an der Newa. Doch der Fluss hatte auch einen schwedischen Namen und das Land mussten die Russen den Schweden erstmal abjagen, um dann die Stadt bauen zu können (1703).

Als Finnland zu Schweden gehörte, wurde Helsinki, das schwedisch „Helsingfors“ heißt, gegründet: 1550.

Als die Russen unter dem Zaren die Stadt eroberten, machten sie sie 1812 zur Hauptstadt des neu errichteten Großfürstentums Finnland.
Dadurch verlor Turku den Rang als wichtigste Stadt im Lande. Hauptstadt Finnlands ist Helsinki erst seit 1917, denn damals wurde das Land der Finnen als Staat unabhängig.

Eigentlich ist Helsinki/ Helsingfors also eine schwedische Stadt und die Frage, warum dort (Finnland-)Schweden sind oder waren, erübrigt sich.

Holger Schildt druckte in Schildts Verlag (förlag) die Bücher seines Cousins Runar und vieles andere. Nach einer Fusion gibt es den Verlag bis heute. Der Name Schildt hat überlebt.
Holger heiratete Marie Schaupp und nannte seinen Sohn Ernst Henrik.

Pia Veronica Schildts Vater Henrik, der Filmschauspieler, Kollege Greta Garbos

Veronicas Eltern sind Margareta Morsing und Henrik Schildt (1914 in Helsinki/ Helsingfors, 2001 in Stockholm). Das Paar heiratete 1940 und blieb 16 Jahre zusammen.
Ernst Henrik ist der Vater von Johan, Peter und Veronica. Henrik Schildt (1914–2001) wurde noch in Finnland geboren, als es zum Zarenreich gehörte. Der Schauspieler ist Schwede, debütierte 1935 in dem Film „Kanske en gentleman“ („Vielleicht ein Gentleman“) des norwegischen Drehbuchautors, Regisseurs und Piloten Tancred Ibsen. Ibsen führte bei zwei Dutzend Streifen Regie und schrieb ebensoviele Drehbücher. Wie praktisch, wenn ein Land im Frieden lebt, selbst wenn Nachbarn Krieg führen. Das Königreich Schweden blieb im Zweiten Weltkrieg neutral. So konnte Henrik 1939-1942, statt eine Uniform anzuziehen und ggf. als Zielscheibe zu dienen, die bedeutende Schauspielschule Dramatens elevskola besuchen. Diese Schule, die eigentlich Kungliga Dramatiska Teaterns Elevskola heißt, wurde vom Königlichen Dramatischen Theater (kurz: Dramaten) betrieben, bis Ingmar Bergman, 1964 Intendant, die Lösung der Schule vom Theater betrieb, was er später bereute. Viele berühmte Schauspieler absolvierten die Schauspielschule „Dramatens elevskola“, darunter neben Bergman Max von Sydow und Greta Garbo.

Der Darsteller Henrik Schildt spielte unter anderem in „Blood and Fire“ (1945), „Each Heart Has Its Own Story“ (1948) und „Customs Officer Bom“ („Zollbeamter Bom“) (1951) mit.
Seine drei Kinder heißen Johan Schildt, Peter Schildt und Veronica Schildt Bendjelloul.

Pia Veronica Schildt heiratete 1969 einen Arzt, der am Krankenhaus von Helsingborg tätig war und hieß fortan mit Nachnamen Schildt Bendjelloul.

Die Brüder vom Film

Bruder Peter (geboren 1951), der bald Geburtstag hat, am 9. Juni, ist auch Schauspieler. Er begann mit 7 Jahren als Kinderdarsteller, ähnlich wie Malik Bendjelloul („Searching for Sugar Man“). Peter Schildt ist auch Regisseur beim Film und Theater sowie Drehbuchautor (u.a.„Games of Love and Loneliness“ (1977), „Flight of the Eagle“ (1982) und als Schaupieler „Distant Land“ (2010))

Bruder Johan (*1959) ist eigentlich Veronicas Halbbruder, da Vater Henrik ein zweites Mal heiratete (1956), die Schauspielerin Berit Schildt, geborene Gramer. Johan feierte Montag vor einer Woche Geburtstag, am 7. Mai. Er ist Schauspieler, Drehbuchautor und Verleger (wie sein Großvater Holger), macht seit den 80er Jahren viel fürs Fernsehen, so die Serien „Nya tider“ („Neue Zeiten“, Serien haben doch gern mal allgemeine Namen, man denke an Gute Zeiten, schlechte Zeiten GZSZ) und „Bibliotekstjuven“ („Der Büchereidieb“).

Die Kinder

Veronika hatte zwei Kinder, zwei Söhne.
Johar ist am 1. September 1975 geboren. Er ist Maliks älterer Bruder. Malik wurde zwei Jahre später geboren, am 14. September 1977 in Ystad (etwa 50 Kilometer von Malmö). Weltweit ist Malik Bendjelloul vielleicht der bekannteste Name, vor allem durch den Oscar für seinen letzten Dokumentarfilm.

Was Johar wohl ist? Fernsehmoderator und Journalist.

Wir sind nicht überrascht.

Veronikas Onkel, der Filmkritiker, nach dem ein Preis benannt wurde

Die Familie Schildt ist also sehr telegen und den laufenden Bildern verbunden, ob sie nun über den Bildschirm flimmern oder auf die Leinwand projiziert werden.

Auch Veronica Schildts Onkel Jürgen gehört dazu. Jürgen war Filmkritiker beim altehrwürdigen, 1830 gegründeten „Aftonbladet“ (Abendblatt) und 1957-62 beim schwedischen Radio. 1965-66 war er Kulturchef des „Aftonbladet“, also Ressortleiter Kultur.

61 Jahre vor der Kamera: Die Filmschauspielerin Annalisa Ericson. Photograph unbekannt. (By Unknown photographer) (Rolfs 1931. Stockholm 1931.) [Public domain], via Wikimedia Commons

Jürgen Schildt heiratete am 2. Juli 1964 die berühmte Filmschauspielerin Annalisa Ericson (1913-2011), die zwischen 1930 und 1991 – in 61 Berufsjahren! – in 58 schwedischen Filmen mitspielte. Sie starb vor sieben Jahren am 21. April, 20 Jahre, nachdem sie das letzte Mal vor der Kamera gestanden hatte.
Für sie war es die dritte Ehe. Sie blieben bis zu seinem Tode 1990 zusammen.
Die Feier der Silberhochzeit war ihnen noch vergönnt.

Der Preis

Anschließend wurde ein Filmkritikerpreis gestiftet, der „Jurgen-Schildt-priset“, den das „Aftonbladet“ verwaltete. Er wurde 1992-2010 an Filmwissenschaftler, Kritiker, Buchautoren und Redakteure vergeben.

Chaplin

Erste Preisträgerin war die Kollegin und Kulturjournalistin Jannike Ahlund, Jahrgang 1954, von 1990 bis 1995 Chefredakteurin der Filmzeitschrift „Chaplin“ (ISSN 0045-6349). Das Filmmagazin bestand 1959-1997 und erschien zweimonatlich. 38 Jahre lang.

Jannike Ahlund hat am 18. Mai Geburtstag. Wir gratulieren herzlich!

Unsichtbare Bande: Was verbindet Malik Bendjelloul und Runar Schildt?

Spurensuche: „Searching for Sugar Man“ von Malik Bendjelloul wird wieder gezeigt




Bild zum 4. Todestag von Malik Bendjelloul (1977-2014), Regisseur des Films "Searching for Sugar Man"

Spurensuche: „Searching for Sugar Man“ von Malik Bendjelloul wird wieder gezeigt

Berlin/ München/ Wiesbaden, Deutschland (Kulturexpresso). Es war eine tolle Geschichte. Schon bevor sie ins Kino kam. „Searching for Sugar Man“ heißt nicht umsonst nicht einfach „Sugar Man“, oder „Der Zuckermann – Leben und Werk“. Der Film zeigt, wie fragmentarisiert unsere Welt zum Glück trotz der Digitalisierung und des Internets und Cyberspace ist oder noch bis vor kurzem war. Heute jährt sich der Todestag des Regisseurs Malik Bendjelloul zum vierten Mal. Grund genug, den Dokumentarfilm anzuschauen. Wer das schon einmal getan hat, wird in der Regel zustimmen, dass man sich ihn gut ein zweites Mal anschauen kann.

Danke, Malik Bendjelloul, für „Searching for Sugar Man“

Malik Bendjelloul (1977-2014), der junge Schwede, ist Regisseur des überraschenden Musikfilms „Searching for Sugar Man“. Die Geschichte ist spannend wie ein Krimi, aber echt. Irgendwie stieß jemand auf ein paar Audio-Kassetten und brachte sie nach Südafrika. Dort entwickelten sich Kult und Hype um den Musiker Sixto Rodriguez („Sugar Man“) und seine Musik. Unglaublich, aber wahr. Doch die Geschichte wird durch noch mehr Zufälle und Anekdoten, die das Leben schrieb, weiter gewürzt.

Zuhören ist etwas, dass man bei dieser Doku gerne tut. Vielleicht ist es Absicht, dass das Wort ‚Searching‘ ein ‚ear‘ (Ohr) enthält …

Wie wurde Malik Bendjelloul aus Ystad zum Oscar-Preisträger?

Bendjelloul wurde am 14. September 1977 in Ystad geboren. Er erhielt seinen schwedischen Pass also nicht etwa als eingereister Araber, wie manche vielleicht vorschnell aufgrund des maghrebinischen Familiennamens und jüngster Entwicklungen seit Sommer 2015 vermuten mögen. Den Namen erhielt er von seinem Vater. Der 1939 geborene schwedische Arzt Hacène Bendjelloul hat algerische Wurzeln.

Malik wurden Mehrsprachigkeit und Kultur in die Wiege gelegt, und damit eine gewisse Offenheit, der weite Blick über Grenzen mit einem Gespür für Begrenzungen, die andere weder sehen noch fühlen, die aber vorhanden sind.

Du spürst Deine Fesseln nur, wenn du dich bewegst – oder frei sein möchtest, heißt ein bekanntes Wort.

Veronica Schildt Bendjelloul, geborene Pia Veronica Schildt, hat Malik Bendjelloul geboren. Maliks Mutter ist Übersetzerin. Am 20. Mai 2018 wird sie ihren 74. Geburtstag feiern. Sie übersetzte u.a. die Comicserien „LUCKY LUKE“ und „ISABELLE“ aus dem Französischen und Agatha Christie aus dem Englischen ins Schwedische. Auch wenn es den einen oder anderen erstaunen mag: „LUCKY LUKE“ gibt es zwar auf englisch, musste allerdings erst übersetzt werden.

Viele Mitglieder der Familie Schildt sind am Theater oder in Film und Fernsehen tätig: Henrik, Jürgen, Johan und Peter. Auch das erleichterte Maliks Zugang zum Metier der laufenden Bilder.

Veronicas Großvater Holger, Maliks Urgroßvater, hatte in Finnland einen schwedischsprachigen Buchverlag gegründet. Mehrsprachigkeit, die in der Familie lag, macht geistig beweglich und fördert Kulturleistungen.

Bescheidener Musiker Rodriguez überlässt Bendjelloul und seinem Produzenten das Rampenlicht im Dolby Theatre: Oscar für „Searching for Sugar Man“

Der frühere Kinderdarsteller Malik Bendjelloul wurde als Dokumentarfilmer Oscar-Preisträger.

Vor der Verleihung galt das märchenhafte Dokudrama des schwedischen Regisseurs als großer Favorit für die begehrte Trophäe, den Academy Award, denn: „Searching for Sugar Man“ war 2012 zum Überraschungserfolg in Großbritannien und den Vereinigten Staaten geworden und hatte bereits mehr als 30 internationale Auszeichnungen erhalten, darunter den British Academy Film Award (BAFTA).

Ab Dezember 2012 war der Film auch in deutschen Kinos zu sehen.

Der Oscar wurde Malik Bendjelloul und Simon Chinn bei der Verleihung der 85th Academy Awards am 24. Februar 2013 in Los Angeles vom bekennenden „Searching for Sugar Man“-Fan Ben Affleck überreicht.

Der gefeierte Protagonist dieser unglaublichen filmischen Spurensuche, Musiker Sixto Rodriguez, war selbst nicht anwesend. Laut Produzent Simon Chinn wollte er den Verantwortlichen des Films den Erfolg lassen und zeigte damit einmal mehr seine große Bescheidenheit. Dies und vieles andere macht seine Geschichte so besonders.
Malik Bendjelloul starb am 13. Mai 2014 in Stockholm mit 36 Jahren. Er soll den Freitod gewählt haben.

Vorführungen/ Projektionen von „Searching for Sugar Man“

– im Mai 2018:

13.5., Sonntag, in Berlin: im Ladenkino,
dito , Sonntag, in München: Werkstattkino,
dto., Sonntag, in Berlin im Sputnik-Kino (Kinobar),
Sonntag, in Berlin im Kino in der Kulturbrauerei,
in Berlin im BABYLON-Mitte (an der Volksbühne Rosa-Luxemburg-Platz),

17.5., Donnerstag, in Berlin im „Saal 2“, einem „neuen“ Lichtspieltheater (ehemals Downstairs-Kino),

und im Juni 2018:

23.6. in Wiesbaden im Murnau-Filmtheater (Hessen)

Verpasst? Arbeit am Sonntag? Lieber Sonne genießen? Das Buch zum Film

Es gibt auch ein Buch zum Thema des Films. Zwei Jahre nach Bendjellouls Tod erschien „Sugar man: The Life, death and Resurrection of Sixto Rodriguez“ von Craig Bartholomew Strydom und Stephen „Sugar“ Segerman bei Penguin South Africa als Taschenbuch (ISBN 1770228144).

Strydom und S. „Sugar“ (!) Segerman waren wie viele andere Südafrikaner in den 70er und 80er Jahren von Rodriguez‘ Musik begeistert, fasziniert und hingerissen. Man kannte vom Musiker nur den Namen und wusste, dass er sich auf der Bühne umgebracht habe. Eine Story, die heute im Zeitalter des Internets nicht mehr geschrieben werden könnte, vor allem – wohl nicht mehr passieren könnte.

Moderne Wagenburgen, Kino und ESC

Obwohl sich auch heute viele Länder mehr oder weniger abschotten. Die Volksrepublik China wollte den irischen Beitrag in China nicht spielen, daraufhin entzogen die europäischen Verantwortlichen gleich die gesamten Senderechte für den European Song Contest ESC.

In Saudi-Arabien dürfen Frauen seit 2017 Autofahren. Wow! Sogar ein Kino gibt es jetzt. Auspeitschungen von Frauen, eine Polizei, die das Kopttuchtragen streng kontrolliert und die Tatsache, das Frauen einen Vormund brauchen, machen aus dem Wüstenstaat auf dem Ölsee der arabischen Halbinsel allerdings noch kein fortschrittliches Land. Zensur und eine Reglementierung des Internets sind naheliegend. Die VR China versucht Ähnliches.

Eine freie Presse kann man nicht nur in der Türkei nicht erwarten, sondern auch in vielen anderen Ländern nicht. Wieder andere Länder wie Bhutan garantieren ihren Bewohnern ein Recht auf Glück. Doch eine geistige Freizügigkeit wie hierzulande ist auch dort nicht zu erwarten. Die Globalisierung ist eine Fata Morgana. Beschränkungen verbreiten sich zurzeit schneller. Bloß weil es fast überall Burger einer bekannten Marke gibt, heißt das noch lange nicht, dass die Welt verwestlicht. Und wenn: Was wird zuerst übernommen? Zunehmendes Selbstbewusstsein von Ländern wie der Volksrepublik China und das Verblassen der wirtschaftlichen Vormachtstellung der Vereinigten Staaten von Amerika werden in Zukunft sogar eher dazu führen, dass jeder seins macht.

Südafrikas goldene Zeit (? Splendid isolation?)

In Südafrika geschah das nicht freiwillig. Denn ein Großteil der Welt akzeptierte die Politik der Apartheid nicht. Das konnte den Südafrikanern jedoch relativ egal sein. Sie hatten alles im Lande, konnten zuhause Skifahren oder Orchideen züchten und waren nicht arm (als Land). Das südafrikanische Gold (Krügerrand) ließ sogar das Vereinigte Königreich Rücksicht nehmen. Der Rand war eine recht stabile Währung, stabiler als die Finnmark allemal. Die Republik Südafrika baute sogar eine Atombombe. Das Land wurde später zum einzigen, das sie besaß und dann verzichtete, Gott sei Dank. Beim Export von Obst und Gemüse wurde als Herkunftsangabe verschämt „RSA“ angegeben.

1994 wurde die Macht übergeben, nachdem auch der Bevölkerungsmehrheit das Wahlrecht gewährt wurde. Damit endete auch die Isolierung. Andere Musik flutete ins Land und eine Geschichte wie „Searching for Sugar Man“ wiederholte sich nie. Im heutigen Kommunikationszeitalter wäre zumindest das Mysterium um den Künstler Rodriguez nicht so lange eines geblieben. Obwohl der Absturz zweier malaysischer Verkehrsflugzeuge nach 2012 zeigt, dass auch heute Rätsel über Rätsel bleiben.

Und auch aus der großen Zeit der südafrikanischen Rodriguez-Euphorie in den 80ern sind Unklarheiten, Widersprüche und Rätsel verblieben, trotz jahrzehntelanger Frist zur möglichen Aufklärung. Wie der koreanische Passagierflug KAL 007 von 1983 und entsprechende Buchtitel beweisen: Seymour Hersh: „The Target is Destroyed: What Really Happened to Flight 007 and What America Knew About It“, Faber and Faber, 1986. Oliver Clubb: „KAL Flight 007: The Hidden Story“, Permanent Press NY 1986 und vor allem Michel Brun: „Incident at Sakhalin: The True Mission of KAL Flight 007“, Four Walls Eight Windows Publishers.

Ein kanadischer Regisseur aus Südafrika und süafrikanische Filmmusik:

Gute Erinnerung – Vor einem Jahr kam Neill Blomkamps „Chappie“ (USA, Mexiko) ins Kino

www.rapideyemovies.de

Mehr über Malik Bendjelloul und seine Klub-27-Verbindungen:

Unsichtbare Bande: Was verbindet Malik Bendjelloul und Runar Schildt?

Der Dokumentarfilmer, seine Mutter, seine Familie voller Filmleute:

LUCKY? Maliks Mutter Veronica Schildt Bendjelloul wird 74




Fassade des Polnisches Kulturinstituts, Burgstraße 27 in Berlin-Mitte

Berlinalefilm siegt bei Filmpolska: „Wieża. Jasny dzień.“ von Jagoda Szelc

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Mit „Birds Are Singing in Kigali“ geht am 2.Mai 2018 um 22.30 Uhr das 13. Filmpolska zu Ende. Der Film, der sich mit dem Völkermord in Ruanda beschäftigt, wird im FSK-Kino am Oranienplatz gezeigt. Im Wettbewerb um den filmPOLSKA-Preis 2018 hat sich „Wieża. Jasny dzień.“ (Tower. A Bright Day. Oder: Turm. Ein heller Tag.), der Debütfilm und Berlinale-Beitrag 2018 der Regisseurin Jagoda Szelc, durchgesetzt.
www.filmpolska.de
Die Palette der im Wettbewerb nominierten Filme aus den Bereichen Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilm reicht von der Entstehung des Universums über tragikomische Familienzusammenkünfte bis hin zum tragischen Leben und Sterben Vincent Van Goghs.

Die sieben nominierten Filme filmPOLSKA 2018 sind:

Cicha noc / Silent Night (Polen (PL)  2017)
R/B: Piotr Domalewski

Człowiek z magicznym pudełkiem / The Man with the magic box (PL  2017)
R/B: Bodo Kox

Photon (PL  2017)
R/B: Norman Leto

Plac zabaw / Playground (PL 2016 )
R/S: Bartosz M. Kowalski
(in Berlin und Hamburg vorgestellt auf dem Fantasy Filmfest)

Turyści / Tourists (PL 2017)
R: Mateusz Romaszkan, Marta Wójtowicz-Wcisło

Twój Vincent / Loving Vincent (UK/PL 2017, Koproduktion mit Großbritannien)
R: Dorota Kobiela, Hugh Welchman

Wieża. Jasny dzień/ Tower. A Bright Day (PL  2017)
R/B: Jagoda Szelc

In der Jury waren Katja Petrowskaja, Ricardo Brunn und Robert Thalheim.

Zum Inhalt des Films „Wieża. Jasny dzień.“ / „Tower. A Bright Day“

Ein ländliches Idyll in den südpolnischen Hügeln, eine junge Familie hat die Renovierung ihres Hauses noch nicht beendet. Aber es ist genug Platz, um die ganze Familie zur Erstkommunion von Mulas Tochter Nina einzuladen. Auch Mulas Schwester Kaja kommt zum Fest – aber was folgt, ist das Gegenteil eines Familienidylls. Denn Kaja, vor sechs Jahren plötzlich verschwunden, bekommt zur Begrüßung erst einmal einen Verbotskatalog vorgelegt. Vor allen Dingen darf sie auf keinen Fall erwähnen, dass sie in Wirklichkeit Ninas Mutter ist. Damit beginnt ein Kammerspiel voller Verdächtigungen, unterdrückter Aggressionen, verschwiegener Wahrheiten und unerwarteter Wendungen.

FSK-Kino am Oranienplatz, Segitzdamm 2, Berlin-Kreuzberg, (Bus M29)

Cézanne, Gauguin, van Gogh: Rückkehr alter Meister. „Gauguin“ jetzt im Kino, „Loving Vincent“ Ende des Jahres, ein Spielfilm aus Ölgemälden

Marspole. „First Pole on Mars“ von Agnieszka Elbanowska im Fsk-Kino Oranienplatz (Filmpolska)




Kazimierz Blaszczak und Agnieszka Elbanowska vom Film "Pierwszy Polak na Marsie" bzw. "First Pole on Mars" im Kino Fsk am Oranienplatz beim Filmfestival Filmpolska

Marspole. „First Pole on Mars“ von Agnieszka Elbanowska im Fsk-Kino Oranienplatz (Filmpolska)

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Marsianer in Berlin! Genauer in Kreuzberg, und das auch noch in der Nacht zum 1. Mai. „Marspole“? Der oder die? Oder gar das Marsfeld, da ‘das Feld‘ in osteuropäischen Sprachen ‘pole‘ heißt? Es geht nicht um Nord- und Südpol des Marses, sondern um Kazimierz Blaszczak, der der erste Pole auf dem Mars werden möchte und mit Regisseurin und Drehbuchautorin Agnieszka Elbanowska von „First Pole on Mars“ aus Anlass von Filmpolska in das fsk kam. Dort wurden sie von Kinobetreuerin und Moderatorin Monika Anna Wojtyllo wärmstens empfangen, die trotz knapper Zeit zwischen den Filmen – „Opera about Poland“ und „Once upon a time in November“ warteten – bestens, pointiert und lebhaft dolmetschte. Wojtyllo führte nicht nur für Filmpolska dieses Gespräch, sondern ist selbst Regisseurin und Musicalautorin. Eine bessere Gastgeberin hätte sich das fsk kaum wünschen können.

„First Pole on Mars“/ „Pierwszy Polak na Marse“, der „Erste Pole auf dem Mars“ – echt jetzt?

Agnieszka Elbanowska, die auch das Drehbuch verfasste, hatte sich da einen wunderbaren Protagonisten an Land gezogen. Immer ruhig, kerngesund, und was macht das Alter schon aus? Man kann doch einfach dorthin gehen, wo man langsamer altert! Selbst Blaszczaks Ehefrau, die beim Filmgespräch nach der Vorführung im Fsk anwesend war, hatte von den weltwichtigen, um nicht zu sagen, planetenumspannenden Plänen ihres Mannes erst aus der Zeitung erfahren. Überraschung!
Ob er wohl gesagt hätte: „Ich gehe mal kurz zum Nachbarn“? – Nicht den eine Hausnummer weiter meinend, sondern den Nachbarplaneten?

Es stand in der Zeitung: „Pierwszy Polak na Marse“, „First Pole on Mars“

Liest die Ehefrau beim Frühstück die Morgenzeitung und stellt fest, dass ihr Mann in der Zeitung ist. Doch nicht nur dort, wo man ja auch nicht so einfach rein- beziehungsweise hinkommen kann. Sondern auch fort.

Kazimierz Blaszczak ist der Ehemann, der ins Guinnessbuch der Rekorde kommen kann. Als Gatte, der sich am originellsten aus dem Staub gemacht hat. Durch das Nichts – okay, durch‘s Vakuum – in den Staub. Nicht den biblischen, aus dem wir angeblich alle stammen – oder war es die Asche? – sondern den roten Staub des Mars‘, der dem Wüstensand Arizonas sehr ähnelt.

Pani Blaszczak las in einer Ausgabe des raschelnden Blätterwaldes, während sie noch am Brötchen kaute und gerade noch einen Schluck Herbata, also Tee, nehmen wollte – dass ihr Mann berühmt würde – und verschwände. Gestern noch im Ehebett, heute in der Zeitung, morgen beim Bewerbungsgespräch, übermorgen zur Vorbereitung in New Mexico – und dann weg. Für immer. Die Rückfahrkarte wär‘ zu teuer. Und dann hat Kazimierz noch ein Zeitproblem.

Das eröffnet Perspektiven …

www.filmpolska.de

In polnischen Sphären (2): Nach dem Strohhalm gegriffen. Bei Filmpolska ging eine Glaskugel an die Gregors

In polnischen Sphären (1). Bei Filmpolska wurden die ersten Preise vergeben, eine Sphäre geht an Knut Elstermann




I, Tonya

Die Leiden der Eis-Rebellin – White Trash auf Kufen: „I, Tonya“, eine gelungene Tragikomödie über Tonya Harding

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Sie wirbelt um die eigene Achse, schwindelerregend, die Kufen der Schlittschuhe knirschen auf dem Eis. Dann der dreifache Axel, der schwierigste Sprung. Geschafft. Tonya Harding (Margot Robbie) strahlt. Doch die Freude über die gelungene Kür hält nicht lange vor, die Jury stört sich an der Musik. Rock, das passt nicht in die heile US-amerikanische Eiskunstwelt. Und Tonya Harding eigentlich auch nicht. „Leckt mich“, faucht sie die Kampfrichter an. In dem zierlichen Körper steckt eben ein ganzer Kerl, trotz Kleidchen und Make-up, das wird in dem Film „I, Tonya“ schnell deutlich.

I, Tonya
Szene aus dem Film „I, Tonya“ von Craig Gillespie. © DCM Film

1994 wurde die Spitzen-Athletin auf fragwürdige Weise weltbekannt, weil ihre Rivalin Nancy Kerrigan durch ein Attentat verletzt wurde. Drahtzieher war Tonyas Verlobter Jeff Gillooly (Sebastian Stan). Was sie selber wusste, konnte bis heute nie ganz geklärt werden. Für die Massenmedien war das jedenfalls ein gefundenes Fressen, sie machten daraus eine Walt-Disney-Story. Gut gegen Böse, die fiese Eishexe gegen das unschuldige Kufen-Schneewittchen. Wird man Tonya Harding so gerecht? Regisseur Craig Gillespie gelang mit seinem unkonventionellen Biopic ein komplexeres Bild über die gefallene Olympiateilnehmerin, über einen Menschen aus prekären Verhältnissen mit der obligatorischen schweren Kindheit und Jugend, ein Mensch, dem, so scheint es, wenig Gutes wiederfuhr, dem jeglicher Halt zu fehlen schien. Dabei gleitet der Film, dem zum Teil die sehr widersprüchlichen Interviewsequenzen zugrunde liegen, jedoch nie ins Mitleidige-Weinerliche ab, dazu ist er zu komisch, zu sarkastisch, zu rasant geraten. Es ist neben den durchweg hervorragenden Darstellern gerade die unkonventionelle Machart, die ihn so auszeichnet. Da mault und grantelt die fordernde Mutter mit ihrer überdimensionierten Brille in die Kamera, während der nervige Vogel auf ihrer Schulter ihr immer wieder am Ohr knabbert. LaVona (Allison Janney) treibt ihre Tochter erbarmungslos an, haut auch mal zu, wirft gar ein Messer auf sie, das darf sich Tonya dann aus dem Arm ziehen. Ihr Ehemann schmeißt sie gegen die Wand, seine Faust landet in ihrem Gesicht, sie dreht sich um – und spricht in die Kamera einen herrlich trockenen Kommentar. Hinzu kommen die Attentäter, Kleinkriminelle, wie Ehemann Jeff schnauzbärtige Karikaturen ihrer selbst in ihrer grenzenlosen Beschränktheit.

I, Tonya
Margot Robbie spielt Tonya Harding in dem Film „I, Tonya“. © DCM Film

Es wird fast mehr geprügelt als Pirouetten gedreht, der Film begibt sich in die tiefsten Niederungen des White Trash. Bei allem Talent, Tonya Harding scheint sich irgendwie auf das Eis verirrt zu haben. Boxen oder Fußball hätten besser gepasst. Sie raucht, flucht, schießt auf Eichhörnchen und schraubt gerne an Autos herum. Zum Schluss darf sie nicht mehr auf das Eis, wird auf Lebenszeit gesperrt, muss sich durchschlagen. Nun boxt sie tatsächlich, kriegt voll auf die Fresse, fällt hin. Bleibt liegen. Und steht wieder auf.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Die Leiden der Eis-Rebellin in der Tragikkomödie „I, Tonya“ im KULTUREXPRESSO.

Filmografische Angaben

Originaltitel: I, Tonya
Deutscher Titel: Ich, Tonya
Land: USA
Jahr: 2017
Regie: Craig Gillespie
Drehbuch: Steven Rogers
Kamera: Nicolas Karakatsanis
Schnitt: Tatiana S. Riegel
Musik: Peter Nashel
Schauspieler: Margot Robbie, Sebastian Stan, Mckenna Grace, Caitlin Carver, Allison Janney, Bojana Novaković, Julianne Nicholson, Jason Davis
Produktion: Steven Rogers, Tom Ackerley, Margot Robbie, Bryan Unkeless
Länge: 120 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Fritz Hermann Köser wurde im WELTEXPRESS am 20.3.2018 erstveröffentlicht.




Szene aus dem Film "The Limehouse Golem".

Bill Nighy galoppiert im Gothik-Gruselthriller „The Limehouse Golem“ als Inspector John Kildare durch Londons Gassen und Gossen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Im Bezirk Limehouse der britischen Hauptstadt muss Bill Nighy als Inspektor John Kildare eine Mordserie lösen und zwar zu einer Zeit, in der auch der Dichter und Denker, Philosoph und Ökonom, Journalist und Protagonist der Arbeiterbewegung Karl Marx, der auch sowohl in einer Staatsbilbiothek als auch durch Limehouse geistert, in London lebte.

Szene aus dem Film "The Limehouse Golem".
Eine Szene aus dem Film The Limehouse Golem“ mit mit Douglas Booth und Eddie Marsan. © Copyright 2016 Number 9 Films (Limehouse) Limited / Nick Wall

In einem Viertel, in dem die Belogenen und Betrogenen wohnen, Armut und Elend zuhause sind, jagt Inspektor John Kildare mit Hilfe von Constable Flood (Daniel Mays) einen Mörder, der völlig durchgeknallt scheint und seine Opfer barbarisch zurichtet, aber auch Poesie hinterlässt und also Spuren legt. Kildare kommt mit der jungen Schauspielerin Lizzie Cree (Olivia Cooke) in Kontakt, die wegen Mordes an ihrem Mann zum Tod durch den Strang verurteilt werden soll. Kildare will sowohl die junge Frau retten, also auch den Mörder, der im Milieu der Bühnendarsteller zu Hause scheint, fangen.

Szene aus dem Film "The Limehouse Golem".
Im Bild die Darsteller Bill Nighy, Daniel Mays und María Valverd in dem Film „The Limehouse Golem“. © Copyright 2016 Number 9 Films (Limehouse) Limited / Nick Wall

„The Limehouse Golem“ von Regisseur Juan Carlos Medina ist von vielem Etwas und von dem ein wenig: Horror- und Historienfilm, Komödie und Tragödie, Polizei- und Kriminalfilm, Gothik-Gruselfilm und Thriller, aber vor allem anspruchsvolles Erzählkino, das auf einem Roman des historisch bewanderten Autoren Peter Ackroyd aus dem Jahr 1994 basiert. Jane Goldman schrieb das Drehbuch, das zwischen geschichtlichem Matsch und gehobenem Krimi zu schwanken scheint.

Ursprünglich sollte Alan Rickman die Rolle des Inspektor vom Scotland Yard im viktorianischen London übernehmen, doch seine Gesundheit schwand und Nighy übernahm. Rickman starb im Januar 2016 an Krebs.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage zum Gothik-Gruselthriller „The Limehouse Golem“ im KULTUREXPRESSO.

Filmografische Angaben

Szene aus dem Film "The Limehouse Golem".
Olivia Cooke überrascht mit ihrer darstellerischen Leistung in dem Film „The Limehouse Golem“ angnehm. © Copyright 2016 Number 9 Films (Limehouse) Limited / Nick Wall

Originaltitel: The Limehouse Golem
Land: UK
Jahr: 2016
Regie: Juan Carlos Medina
Buch: Jane Goldman nach einem Roman von Peter Ackroyd
Kamera: Simon Dennis
Musik: Johan Sonderqvist
Darsteller: Bill Nighy, Douglas Booth, Olivia Cooke, Eddie Marsan, Maria Valverde, Sam Reid
Lange: 109 Minuten
Im BRD-Kino: ab 31. August 2017
FSK: ab 16 Jahren
BRD-Verleih: Concorde Filmverleih
Web: www.limehousegolem-film.de

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Ole Bolle wurde unter dem Titel „Marx mit Messer und Bill Nighy als Inspektor John Kildare mit Mühe beim Lösen der Morde in Limehouse im WELTEXPRESS am 28.2.2018 erstveröffentlicht.




Ausstellung Irving Penn Centennial Der Jahrhundertfotograf 24.03.-01.07.2018 im Amerika-Haus Berlin-Charlottenburg

„Irving Penn Centennial — Der Jahrhundertphotograph“ weltweit nur an 4 Orten: Bis Juli im Amerikahaus in Berlin-Charlottenburg

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). C/O Berlin präsentiert vom Samstag, den 24. März bis zum 1. Juli 2018 die Ausstellung „Irving Penn Centennial — Der Jahrhundertphotograph“. Die Vernissage fand am Freitag, den 23. abends um 19 Uhr statt. Da wir zur Eröffnung keine Zeit hatten, müssen wir uns größtenteils auf die Pressemitteilung vom 16. Januar verlassen. Allerdings können wir bezeugen, dass die Photoausstellung am Eröffnungstag im Amerikahaus aufgebaut worden war.

„Pablo Picasso, Marlene Dietrich und Alfred Hitchcock, abstrakte weibliche Akte, exquisite Stillleben, anmutige Studien von Blumen …, Kinder in peruanischer Tracht, Porträts von Ureinwohnern Neuguineas, französische Pâtissiers, glamouröse Modeaufnahmen für die Vogue – Irving Penn (1917–2009) gilt als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts.“

„In seiner Schaffenszeit von rund 70 Jahren hat er einen höchst vielseitigen und unverwechselbaren Bildkosmos geschaffen. Er beherrschte die Gattungen wie Akt-, Mode-, Stillleben-, Porträtfotografie wie kaum ein anderer und dominierte“ mehr als sechs Jahrzehnte nicht nur die zeitgenössische Photographie „und Kunst, sondern ist durch seine einmalige Handschrift sowie streng reduzierte Ästhetik bis heute stilprägend und beeinflusste unzählige Nachfolger.“

Biographie von Irving Penn

„Mit nur 17 Jahren beginnt Irving Penn ein Studium der Gestaltung in Philadelphia und arbeitet ab 1943 unter Alexander Libermann, Art Director der „Vogue“, als Gestalter für das renommierte Modeheft.“ Noch im selben Jahr darf Irving Penn bereits sein erstes Motiv für eine Titelseite, sein erstes „Cover“, photographieren. „Es folgen mehr als 160 Titelbilder und unzählige Modeaufnahmen für die Vogue. Penns Modefotografien machen ihn international bekannt.“

Irving Penn als Reisender in Südamerika, im Maghreb und auf der australasiatischen Inselbrücke

„Sein Interesse am Menschenbild führt ihn jedoch weit über die klassischen Typologien hinaus und lässt ihn in ferne Länder reisen, wie 1948 nach Peru sowie in den Jahren zwischen 1967 und 1971 nach Neuguinea und Marokko.

Neben seinen ethnographischen Studien hat Penn eine Serie weltbekannter Persönlichkeiten aus Kunst, Film, Literatur und Musik fotografiert.“

Salvador Dalí, Audrey Hepburn und die Handwerker

Ob Salvador Dalí, Audrey Hepburn oder Saul Steinberg – er photographiert sie stets vor einem neutralen Hintergrund.

„Für seine erste Porträtreihe positioniert er seine weltbekannten Modelle in eine Ecke mit spitzwinkeligen Stellwänden. Durch die räumliche Begrenzung schafft Irving Penn Nähe und Intimität zu den Personen vor seiner Kamera. Er verleitet sie zu ungewöhnlichen Posen und fordert sie heraus.

Mit einer analogen Rolleiflex-Kamera ausgestattet, macht er in demselben abstrakten Raum und mit derselben Aufmerksamkeit seine Serie ‚The Small Trades‘, in der er Arbeiter, Handwerker und Kleingewerbetreibende in Arbeitskleidung darstellt, sowie eine Reihe an Porträts von Personen indigener Völker.

Sein Feinsinn für die Bedeutsamkeit des Alltäglichen, für die Schönheit des ‚Hässlichen‘ und das Einfache lassen immer wieder einzigartige Stillleben und grafische Arrangements entstehen.“ Gerade in seinen Stillleben aus den 90er- und 2000er-Jahren „spiegelt sich seine große Faszination für die Fotografie, die Liebe zum Detail, das meisterliche Spiel mit dem Licht und den Objekten vor seiner Kamera. Obgleich Mensch, Natur oder unbelebte Dinge – Irving Penn wusste sie alle mit seinem fotografischen Blick zu veredeln und zu etwas Besonderem zu machen. Seine Fotografien leben von Klarheit, Eleganz, Perfektion und makelloser Schönheit.“

C/O Berlin „feiert den Ausnahmefotografen Irving Penn“ anlässlich seines 100. Geburtstages und nach 20 Jahren erstmalig wieder in Berlin mit einer großen Retrospektive.

„Die Ausstellung mit rund 240 Exponaten“ (davon über 220 Bilder) wurde vom Metropolitan Museum of Art „in Zusammenarbeit mit der Irving Penn Foundation kuratiert. Die Schenkung von rund 180 Arbeiten der Irving Penn Foundation an das Metropolitan Museum of Art bildet den Kern der Ausstellung, darunter auch die mittlerweile weltbekannten Studien von Lisa Fonssagrives-Penn, das damals gefragteste Fotomodell der Zeit und die Ehefrau sowie Muse“ Irving Penns. Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die „Terra Foundation for American Art“ und die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Betriebe und Energie.

Ausstellung „Irving Penn Centennial — Der Jahrhundertphotograph“ zum 100. nur in New York, Sao Paolo, Paris und … Berlin

Diese Ausstellung wird weltweit ausschließlich in New York, Paris, São Paulo – und „exklusiv bei C/O Berlin“ gezeigt!
Sie wird von einer umfassenden Monographie begleitet, erschienen im Schirmer-Mosel-Verlag in München. Maria Morris Hambourg und Jeff L. Rosenheim gaben das Buch heraus. Es enthält Beiträge dieser beiden Herausgeber, von Alexandra Dennett, Philippe Garner, Adam Kirsch, Harald E.L. Prins und Vasilios Zatse. Bildseitig gibt es mehr als 365 Abbildungen der wichtigsten Werkphasen und Arbeiten von Irving Penn. Das ist für jeden Tag des Jahres eines. Im März 2019 können Sie mit der Betrachtung von vorn anfangen …

Irving Penns Berufsleben

„Irving Penn (1917–2009) absolvierte ein Studium der Gestaltung an der Philadelphia Museum School of Industrial Art, wo Alexei Brodovitch“ (1898-1971), „Art Director von ‚Harper’s Bazaar‘, bis 1934 lehrte.“
1943 machte er sein erstes Photo, was auf die Titelseite kam, und „später viele weitere Titelbilder für Vogue. 1953 gründete er sein eigenes Fotostudio in New York. Penn porträtierte zahlreiche berühmte Persönlichkeiten aus Film, Musik und Kunst und fotografierte eine Vielzahl an bekannten Modeaufnahmen und Stillleben.“ 2009 verstarb der Photograph in New York. Am 7. Oktober. (Am selben Tag verstarb sein Landsmann Shelby Singleton, ein Musikproduzent. An diesem Datum starben auch die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Anna Politkowskaja (2006, ermordet) und 2014 der Schriftsteller Siegfried Lenz.)

Irving Penn: Werkverbleib in Museen

„Seine Werke wurden mit zahlreichen internationalen Ausstellungen geehrt und befinden sich in renommierten Museen und Sammlungen, darunter das ‚Metropolitan Museum of Art‘ und das ‚Museum of Modern Art‘ (MoMA) in New York, das Art Institute Chicago sowie die „National Gallery of Art“ in Washington D.C.“

„Irving Penn Centennial — Der Jahrhundertphotograph“
Dauer der Photo-Ausstellung: 24. März 2018 – 1. Juli 2018
(Vernissage/ Eröffnung war am 23. März 2018)

Öffnungszeiten: Täglich von 11-20 Uhr.
Eintritt 10 Euro ( ermäßigt 6 Euro)
Wo? Veranstaltungsort: „C/O Berlin“. Amerikahaus
Hardenbergstraße 22–24, 10623 Berlin
(Berlin-Charlottenburg)

Veranstalter: C/O Berlin Foundation
Amerikahaus (halbenglische Falschschreibung: Amerika Haus)
Hardenbergstraße 22–24
10623 Berlin
Telefon: (030) 284 44 16-0 (Fax +49.30.284 44 16-19)
www.co-berlin.org
www.facebook.com/coberlinphoto

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