Carmen auf kubanisch. Erst Bizet, dann Hammerstein, jetzt Carmen La Cubana: Premiere in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Carmen kennt jeder, Carmen La Cubana ist neu. 1875 bezog Bizet Stellung und schuf die meistgespielte Oper der Welt. Möglich wurde das, weil Prosper Merimée 1845 die Figur „Carmen“ erschuf. Das Buch ist ein Bestseller; die Oper noch erfolgreicher als das Buch. Jeder kennt die Melodien wahrscheinlich bereits aus der Kindheit, und sei es mit verballhorntem Text.

Carmen La Cubana – das erste Musical aus Kuba

„Mit Carmen la Cubana kommt 2018 das erste Musical aus Kuba nach Deutschland, England, in die Schweiz und nach Asien“, besagt die Pressemitteilung vom 25. September diesen Jahres. Veranstalter BB-Promotion kann Kuba, das wissen wir spätestens seit der begeisternden Tanzveranstaltung „Ballet revolucion“ zur Jahreswende. Sowohl unter den Events im Admiralspalast als auch unter den Ballett- und Tanzaufführungen ein herausragendes Ereignis, das lange in Erinnerung bleibt. Zu bereuen bleibt nur, dass man nicht zweimal die Gelegenheit ergriff, das farbenfrohe, bewegte Feuerwerk zu genießen.

Eine sensationelle Augenweide! Das kubanische ,Ballet Revolución‘ macht aus modernem Tanz, Ballett und Street Dance einen bildschönen, bewegten Mehrwert

Diesmal sind Tänzer und Sänger vom Golf von Mexiko zu uns gekommen, wo Sonne, Klima und Völkermischmasch den einzigartigen Zauber Kubas begünstigte. Die Rhythmen, die nicht zuletzt 1999 durch den Dokumentar-Film „Buenavista Social Club“ von Wim Wenders auch wieder ins europäische Bewusstsein gekommen sind, ließen die Kubaner den Sozialismus und den damit verbundenen jahrzehntelangen Mangel überleben und aushalten. Im Fokus war der Kulturverein „Club Social“ des Stadtviertels Buena Vista der Hauptstadt Havanna. Einst von der Sowjetunion unterstützt und im Auge des Sturms, als die Welt unter Kennedy und Chrustschow so nah am atomaren Abgrund stand wie noch nie, blieb die Zuckerrohrinsel jahrzehntelang isoliert und vom Welthandel weitestgehend ausgeschlossen. Bescheidenen Tourismus gab es auf der karibischen Großinsel, die anderes bietet als das benachbarte Jamaica.

Doch Cuba, wie sich Land und Insel auf spanisch und englisch schreiben, ist mehr als ein Riesenfreilichtmuseum US-amerikanischer Autos aus den 50er Jahren, die immer wieder repariert werden mussten.

Kuba bietet mehr und kann noch überraschen. Irgendwo zwischen den Lähmungen lauerte die Ewigkeitskraft der Musik. Einer wiedererkennbaren Musik.

Diese mit „Westlichem“ zu kombinieren (tatsächlich liegen Frankreich und Europa östlich von hier über den Atlantik), hat seinen ganz eigenen Reiz.

Der Pressetext weiß über das neue Musical: „Es ist die atemberaubende Neuinterpretation des legendären Carmen-Stoffs und der vertrauten Melodien Georges Bizets.“

Die Macher von Carmen La Cubana

„Der international anerkannte Opern- und Musical-Regisseur Christopher Renshaw (u.a. The King and I, AIDA am Sydney Opera House) sowie der Grammy- und Tony-Award ausgezeichnete Arrangeur Alex Lacamoire (u.a. Hamilton, The Greatest Showman) verlegen die Handlung nach Kuba am Vorabend der Revolution.“

„Opulente, farbenprächtige Tableaus und dichte Szenen führen von einer Zigarrenfabrik im ländlichen Südosten der Insel in das lebendige Treiben der Bars und Clubs Havannas.“ Ausgerechnet die Schicksalszeit Kubas wird ausgewählt. Sowohl Stadt und Land bieten den Hintergrund des von Carmen La Cubana. Das Bühnenbild spiegelt die Karibikinsel mit seinem Flair wunderbar wider.
Dass Kuba nicht nur aus der Hauptstadt besteht, nach der die Havanna-Zigarre benannt ist, sondern auch aus dem großen Land, deren Landwirtschaft den Tabak dazu, Zuckerrohr und vieles mehr hervorbringt, wird dadurch nebenbei ins Gedächtnis gerufen, was sehr angenehm ist.

Santiago de Cuba, nicht zu verwechseln mit Santiago de Chile, und Santa Clara, in der die Waffen sprachen und in der Revolution alles klar machten, gibt es eben auch in diesem riesigen Land. Die Insel erstreckt sich vom Atlantik im Osten bis zum Golf von Mexiko im Westen.

Die DDR war kleiner als es Kuba ist.

Weiter zum Musical Carmen la Cubana: „Eine 14-köpfige Latin-Big-Band gibt dieser ‚Carmen‘ musikalisch ihre einzigartige kubanische Note. In drei Jahren Entwicklungszeit entstand ein Stück Musiktheater, das mit karibischen Rhythmen, leidenschaftlichem Gesang und temperamentvollem Tanz auf künstlerisch höchstem Niveau überzeugt.“

Das können wir bestätigen. Besonders die Szenen mit viel Volk, die lebendiger noch sind als bei Anatevka mit großem Ensemble, würde man gern mehr sehen. Aus heutiger Sicht ein Anachronismus die Liebesschwüre der sitzengelassenen Verlobten, die erst einen Brief der Mutter bringt und später mit dem Hinweis auf ihre Krankheit José überredet, mitzukommen.

Dabei ist die hübsche, jedoch nicht aufgedonnerte Marilú mit einer weißen Bluse gekleidet. Noch mehr Unschuld geht nicht.

Carmen und Romeos Julia

Alle applaudieren Carmen (Luna Manzanares). Im Berliner Admiralspalast. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Doch wir wissen, wie es mit der „rassigen“, wunderschönen Carmen ausgeht. Sie überlebt nicht.

Auch kann José sie nicht vergessen, kehrt zu ihr zurück und wird von Eifersucht zerfressen und überwältigt. Er tötet er sie, dann sich selbst.

Carmen hatte sich einem berühmten Boxer zugewendet.Die Figur des El Nino, der am Ende gegen seinen sportlichen Konkurrenten Kid Cowboy in den Ring steigt, ist ein schöner Seitenverweis des Musicals. Gerade Ringer und Boxer konnten sich auf den Weltsportbühnen wie WM und Olympischen Spielen immer wieder beweisen und Bronze, Silber und Gold holen.

Unangenehm die Einsprengsel englischer Wörter und Ausdrücke, die die Atmosphäre von 1958/59 kaputtmachen.
Bei „Asta-la-vista, Baby“ denkt jeder an Arnold Schwarzenegger in „Terminator“ – und nicht an Kuba.

Insgesamt tut das dem Ganzen jedoch keinen Abbruch und man kann sich an den wirbelnden Großszenen nicht sattsehen und -hören.

Carmen La Cubana ist nicht die erste Weiterentwicklung von Bizet

1943 eroberte Oscar Hammersteins Carmen Jones als Afroamerikanerin den Broadway. Wer weiß, ob die Figur noch bis Tahiti vordringt. Die Weltmusicalgeschichte ist nicht zu Ende.

Premiere von Carmen La Cubana

Der Tag der deutschen Einheit hinterließ Spuren. Nicht nur durch den teils böigen Wind und örtlichem Sturm. Der Feiertag hat vieles durcheinandergebracht. So findet die Premiere am Tag nach dem Feiertag der Wiedervereinigung statt, einen Steinwurf vom Tränenpalast am S- und Fernbahnhof Friedrichstraße entfernt. Am 2. Oktober gab es bereits eine Preview, sozusagen eine zweite Generalprobe. Im Vorpremierenpublikum viele Damen spanisch chic in schwarz und dunkelrot gekleidet – das Publikum geht mit, der Saal ist schon vor der Premiere voll.

Nach der Weltpremiere und einer erfolgreichen Saison 2016 am Pariser Théâtre du Châtelet ist Carmen la Cubana erstmals vom 2.10. (Previews; Premiere am 4.10.) bis 14.10.2018 im Admiralspalast in Berlin zu erleben.

Premiere von Carmen La Cubana am Donnerstag, den 4. Oktober 2018 um 19.30 Uhr im Admiralspalast,
Friedrichstraße 101, 10117 Berlin.

Eintrittspreis ab 26,-
50% Ermäßigung für Jugendliche bis einschließlich 14 Jahre

Carmen La Cubana – bis Sonntag 14.10.2018 im Berliner Admiralspalast

Hauptdarstellerinnen: Luna Manzanares (Carmen) und Albita Rodríguez (La Señora)

Co-Arrangeur: Edgar Vero
Musical-Director: Hector Martignon

Die Gastronomie des Admiralspalasts bietet während der Pausen und vor den Aufführungen von Carmen La Cubana für 7,50 Euro einen alkoholischen Cocktail an: Cuba Libre.

www.carmen-la-cubana.de




Volksbühne Ost am 16. März 2016 noch mit Räuberrad.

Es ist wieder da! Das Rad auf zwei Beinen steht wieder vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit dem 24. September 2018 steht es wieder da, das Rad auf zwei Beinen oder Räuberrad. Frank Castorf, der von 1992 bis Sommer 2017 die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz prägte, ist jetzt der unsichtbare Dritte, der Verschwundene. 25 Jahre sind eine lange Zeit, ein Vierteljahrhundert. Das laufende Rad, im Gegensatz zum fliegenden, das die Eisenbahn symbolisiert, fasste die Zeit zusammen und brachte sie auf den Punkt. Zierte die TheaterFlyer.

Bert Neumann erfand das Rad neu: Das Rad auf zwei Beinen

Bert Neumann hatte das Speichenrad auf Beinen, das auf großen Füßen lebt, 1990 entworfen, im Jahr der Wiedervereinigung. Am 1. Juli wurde die D-Mark als offizielles Zahlungsmittel auch in Ost- und Mitteldeutschland eingeführt einschließlich Ost-Berlins, wo in Mitte, dem Bezirk Nummer 1 in der Zählung von 1920, dem Gründungsjahr Groß-Berlins, die Volksbühne steht. Am 3. Oktober wurde die Vereinigung, für manche die „Wiedervereinigung“, vollzogen durch Beitritt von fünf Bundesländern als Verwaltungsakt. 2018 wird der 28. Geburtstag mit einem Riesenfest begangen. Der 3.10.2018 ist ein Mittwoch. Seit Montag, dem 24.9.2018 steht das Räuberrad wieder da, als wäre nichts gewesen. Abschied und Entfernung dagegen ließen die Wogen hochschlagen. Manche meinte sogar, es sei Castorfs Rad oder er habe es geraubt. Oder nachdem Castorf Berlin beraubt wurde, wäre das Rad gleich mitgegangen.
Oder jemand hätte das Rad mitgehen lassen, irgendeine dunkle demokratische Institution. Nichts dergleichen. Die, die wenig wissen, spekulieren viel, urteilen schnell.

Der Bildhauer Rainer Haußmann baute das Rad auf zwei Beinen

Die Faktenlage ist natürlich anders, selten stimmen Legenden zu 100%. Die Senatskulturverwaltung hatte verlautbaren lassen, dass das „Rad, das der Schweizer Bildhauer Rainer Haußmann nach den Plänen Bert Neumanns gebaut hatte“, restauriert an den Rosa-Luxemburg-Platz zurückkehre. An der „Optik“ habe sich „nichts verändert“. „Nur die Statik wurde angepasst und die Füße erneuert.“ Wir übersehen jetzt einmal die Widersprüche der Mitteilung und erinnern uns ans Prinzip, an den Anfang. Bert Neumann hatte das recht einfache Rad mit sechs Speichen, das Rad auf zwei Beinen, 1990 für die Inszenierung der „Räuber“ durch Frank Castorf entworfen. Deswegen „Räuber“-Rad oder Räuberrad. Honi soit qui mal y pense, wer waren die Räuber? Die Politiker, die den später ehemaligen DDR-Bürgern die D-Mark schenkten, taten dies auf Kosten der westdeutschen Steuerzahler der Bundesrepublik. Trotz des Geschenks wurde vielen DDR-Bürgern am 3. Oktober ihre alte Identität geraubt. Für manche war das zuviel.

Wer sind die Räuber?

Ob alle, die in den 90ern auf Brandenburgs vielen schönen Alleen in den Tod fuhren, wirklich nur die Motoren der Westautos von Volkswagen, Audi und BMW nicht beherrschten? Auch im Zusammenhang mit der Treuhand denken viele an Raub und Räuber. Von verschiedenen Standpunkten aus. Am 1. April 1991 wurde die Treuhandanstalt ihres Präsidenten beraubt. Detlev Rohwedder wurde ermordet. Der oder die Täter sind bis heute unbekannt. US-amerikanische Investmentbanken waren nicht unglücklich über die Wirkung seines Todes. Bei der neuen Chefin ging alles viel schneller und Verkäufe waren mit weniger verbindlichen Verantwortlichkeiten für ausländische Investoren verbunden.

Ob Deutschland dabei seines östlichen Tafelsilbers beraubt wurde – zum Zeitpunkt der DM-Einführung am 1.7. 1990 waren 8500 Betriebe Volkseigentum und treuhänderisch verwaltet – oder nur viele Menschen ihrer Arbeit – mehr als 4 Millionen waren in den über 8000 VeBs tätig – ist wie so vieles Ansichtssache. Gras wächst über die Sache. So wie auf dem Rosa-Luxemburg-Platz.

„… die Menschen materiell und seelisch nicht unter die Räder kommen zu lassen.“

Detlev Rohwedder wurde am 10. April 1991 mit einem Staatsakt geehrt. Das ehemalige Reichsluftfahrtministerium Wilhelm- Ecke Leipziger Straße (jetzt Bundesfinanzministerium), in dem die Zentrale der Treuhandanstalt ihren Sitz hatte, wurde nach ihm benannt. Auch eine Straße in Duisburg, nicht weit vom Wohnort des gebürtigen Gothaers entfernt. Detlev Karsten Rohwedder wurde in seinem Düsseldorfer Haus erschossen. Durch das Fenster, aus über 60 Meter Entfernung.
Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte über Rohwedders Wirken bei der Treuhand: „Kaum einer sah von Beginn an die Schwierigkeiten so deutlich wie Rohwedder. Ihm war das gewaltige Ausmaß der notwendigen Umstellungen mit ihrem Zeitbedarf und ihren tief einschneidenden sozialen Wirkungen vollkommen bewußt. Um so kraftvoller bemühte er sich darum, die Menschen materiell und seelisch nicht unter die Räder kommen zu lassen.“

Das eine Rad, für manche Symbol des rebellischen Theaters, das umso wichtiger wurde, wie die reiche Beschenkung der ehemaligen DDR-Bürger für viele in den Hintergrund rückte.

Der Streit ums Rad

 

Temporäres Räuberrad auf der triangulären öffentlichen Grünfläche vor der Berliner Volksbühne
Auf- und abgebaut an einem Nachmittag: „Stärkung der Freiheit von Kunst und Kultur durch Eröffnung der Geistkonserve.“ © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser

In den Vordergrund geriet der Schmerz über Verlorenes, war dies nun gut oder schlecht gewesen. Als das Rad, das Lücken schloss, gar zum Symbol des Widerstands gerierte, selbst verschwinden wollte, gab es einen Aufstand. Eigentümer ist das Land Berlin. Frank Castorf wollte die Plastik partout zum Gastspiel beim Theaterfestival in Avignon mitnehmen und das passte nicht jedem. Nachfolger Chris Dercon war es egal, hatte es den Anschein gehabt. Lange blieb er nicht. Der Intendant schmiss im April das Handtuch, aktuell leitet Klaus Dörr das Haus kommissarisch. Dem Eigentümer Land Berlin hätte es nicht egal sein sollen. Doch gemeckert hatten Bert Neumanns Erben. Sie befürchteten einen Abriss gar und waren wohl auch deshalb mit dem Abbau nicht einverstanden.

Was jetzt passiert ist, ist nichts anderes als das in einem Kompromiss vereinbarte. Abbau – Castorf durfte zum Amtszeitende das Rad nach Avignon mitnehmen – Transport, Sanierung in Berlin, Aufbau am alten Standort.

Gutes Rad teuer

22.000 Mark hatte das Rad auf zwei Beinen gekostet, gut 11.248 Euro. Die Restaurierung war teurer als die Anschaffung. Verlautbart wurde, dass für „die Restauration Kosten in Höhe von ca. 25.000 Euro entstanden, die die Kulturverwaltung trägt“. Mehr als das Doppelte. Ans Bein gepinkelt haben die Hunde dem Rad. Deshalb der Austausch der Füße.

Rebellisches im Berliner Ensemble

Wirklich Rebellisches findet zurzeit wohl andernorts statt. In der Berliner Theaterlandschaft zum Beispiel das Stück „Auf der Straße“ im Berliner Ensemble. Ausverkaufte Vorstellungen, bestes Theater, erschütterte Besucher, die verändert wieder aus dem Kleinen Haus herauskommen. Das nächste Mal am 27. und 28. Oktober. Waren das Neue, die Wirkung, nicht einmal der Maßstab? Veränderung – Change? Karen Breece trifft den Nagel auf den Kopf und spart nicht mit Kritik. Sie trifft ins Herz und jeden anders, persönlich.

Das Rad der Geschichte dreht sich langsam. Langsam wie eine Laus.

Es scheint, dass das schwere Rad weitergelaufen ist. Weit ist es noch nicht gekommen, gerade mal zum Bertolt-Brecht-Platz am Schiffbauerdamm. Hier scheint es mit seiner Energie eine Weile verweilen zu wollen. Jocelyn B. Smith und die Different Voices tragen dazu bei und wirken an Karen Breece‘ Stück mit.

Das Rad der Geschichte dreht sich langsam. Langsam wie eine Laus.

Am Rosa-Luxemburg-Platz steht nur noch das Symbol. Die Energie ist weg.

Sie kann nicht verschwinden, das wissen wir. Der Energieerhaltungssatz. Wir erinnern uns.

Die Energie ist immer da, sie ist lediglich woanders

Die Energie ist woanders, verwandelt vielleicht, aber sie ist immer da.

Noch in Mitte, aber näher an der Friedrichstraße, näher an der Spree. Ein bisschen weiter westlich. Im Berliner Ensemble ist die Energie der Veränderung jetzt spürbar, „Auf der Straße.“

Im Theater. Jocelyn B. Smith mit Different Voices of Berlin im Brecht-Theater Berliner Ensemble

Büchse auf! Aus der Dose Leben. Feuerstein öffnet Geistkonserve (vor Volksbühne) – für Stärkung der Freiheit von Kunst und Kultur




Eine Schauspielerin auf dem 30. Fantasy-Film-Fest am 27.8.2016

Jetzt zum Teil Eintritt frei! 32. Fantasy Film Fest geht neue Wege, Gespräch mit Filmemachern der DFFB

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Fantasy Film Fest ist eine Erfolgsgeschichte. Vor vielen Jahren hielt mich noch der Name von einem Besuch ab, ließ ich mich doch irreführen von einer angenommenen Parallele in der Literatur, wo es neben der Science-Fiction das verwandte Fantasy gibt. Dann ließ ich mich davon erschrecken, dass Freunde das Filmfest besuchten, die Horrorfilme lieben. Schreckensfilme sind der Horror. Schließlich lernte ich, dass das Filmfest sich schwerlich umbenennen könnte und viele sehr gute Filme zeigte, die ins Kino kamen. Allerdings viel später. Den größten Hype und den Zenit der Filmfestivalgeschichte habe ich damit wohl verpasst. Heute schauen sich Nichtcineasten Filmchen auf dem Handy an. Briefmarken als Poster zu drucken, mag seinen Reiz haben. Filme für die große Leinwand auf fitzeligen Minibildschirmen zu, nein, nicht zu schauen, zu schauen wäre eine schaurige Übertreibung, zu erblinzeln ist eindeutig eine Perlen-vor-die Säue-Frage.

Neu auf dem Fantasy Film Fest: Filmgespräch

Doch außer der großen Leinwand gibt es noch viele wichtige Vorzüge, die man nur im Kino erleben und genießen kann. Die Festivalatmosphäre, Schauspieler und Regisseure vor Ort. Filmfans, Cineasten und Autogrammjäger. Menschen, mit denen man sprechen kann. Und nun auch noch etwas, das unbedingt auf ein Filmfestival passt und gehört, für das Fantasy Film Fest aber in der Form eine Novität darstellt.

Auf Seite 8 des diesjährigen Programmheftes – auch dieses großformatige, vielseitige, vierfarbige Heft mit zurzeit 52 Seiten ist ein Pfund, mit dem das Fantasy Film Fest wuchern kann – steht es ausführlich. Unter einer Überschrift, die das englische Verb für ‚gehen‘ – to go – in der 3. Person Singular dekliniert, die wir aber schlecht ins Deutsche übersetzen können, heißt es: „Über die Zeit hat das Fantasy Film Fest immer wieder Kurzfilme und Abschlussfilme Studierender gezeigt.“ Das finden wir toll. Kurzfilme sparen Zeit und Filmstudenten, die ihren Abschluss machen, kann man auch mal unterstützen. Weiter im Text: „Dieses Jahr möchte sich das Festival als Diskussionsforum zum Stand des deutschen Genrefilms anbieten.“ (Wow, das ist doch einer dieser Boni eines Filmfestes, von denen ich die ganze Zeit rede!)

„Was sind die Visionen und Zukunftspläne junger Filmemacher?“ „Unter welchen Bedingungen werden ihre Filme produziert und WIE MACHT SICH DER DEUTSCHE GENREFILM AUF DEM INTERNATIONALEN MARKT?“

Neu auf dem Fantasy Film Fest: Eintritt frei

„Festivalbesucher und Filminteressierte, Freunde und Bekannte – alle sind herzlich eingeladen, sich bei freiem Eintritt ein Bild zu machen anhand einer spannenden Filmauswahl und einem anschließenden Gespräch mit den Machern, moderiert von Anna de Paoli, Produzentin und leitende Dozentin an der DFFB“.

Liste der Gratisfilme

Gezeigt werden vier Filme:
„THE BOY WHO WOULDN‘T KILL“ von Linus de Paoli. Drehbuch: Linus de Paoli, Anna de Paoli. „Der Junge, der nicht töten wollte“ klingt nach einem Film über einen Kriegsdienstverweigerer. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der in einer postapokalyptischen Welt „nach Freiheit sucht.“ Die Ideale des Vaters stehen im Weg.

„BULIMIA PURPURA“ von Alexander Palucki. Mit einem Drehbuch von Alexander Palucki und Julia Schimberg.

„PILZ“ von Lukas Feigelfeld. Drehbuch: Lukas Feigelfeld und Janosch Kosack. Darsteller: Anna Eger, Janosch Becker
Die Welt ins in dicken, unheimlichen Nebel gehüllt. Eine Mutter und ihr junger Sohn suchen in einem Landhaus Schutz vor der Katastrophe.

„SALEM“ von Josefine Scheffler (Drehbuch und Regie). Mara nimmt ihre Mutter bei sich auf, nachdem diese aus der Psychiatrie entlassen wird.

Eine Veranstaltung im Cinestar am Potsdamer Platz im Sony-Center. Ablauf: Filmvorführungen, Gespräch, Empfang.

Fazit

Das Fantasy Film Fest hat gezeigt, dass es auch in schwierigem Fahrwasser wandelbar und beständig ist. Innovation ist bestimmt der richtige Weg zum Überleben. Was Deutschland im Großen versucht, in der Welt zu bestehen, tut das Festival im Kleinen.

Ein Win-win-Situation: Niemand hätte sonst zum jetzigen Zeitpunkt diese Filme gesehen. Und wer weiß – aus vielen Kurzfilmen ist später ein Langfilm entstanden. Talent Scouts suchen unter den jungen Leuten – und da entstehen eben meist nur Kurzfilme. Dafür ist trotz Digitalisierung und demokratischerer Kameratechnik ein langer Film einfach zu teuer.

Gerade diese Digitalisierung, die die Kinos leerer werden lässt und Filmfestivals sterben (wie das spanische und das Pan-Asia), bietet auch Chancen. Im Herbst 2018 sehen wir ein lebendiges Fantasy Film Fest mit vollen Sälen. „Kino – dafür werden Filme gemacht.“ Wie wahr.

Das Festival findet zuerst in der Bundeshauptstadt statt. Nach Berlin läuft es auch in München, Hamburg und Köln, Frankfurt, Nürnberg und Stuttgart. Dort bis zum 30. September.




Vor dem Moviemento-Kino

8. Kurdisches Filmfestival im Moviemento endet mit sechs Filmen von Savas Boyraz, darunter „Birthday Parents“ und „Invisible Landscapes“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Kurzfilme sind auf dem 8. Kurdischen Filmfestival in der deutschen Hauptstadt stark. Kein anderer Regisseur wird dabei so hofiert wie Savas Boyraz, vermutlich zurecht. Eine Hommage könnte man es nennen, was da am Mittwoch, den 29. August 2018 im Moviemento-Kino am Kreuzberger Kottbusser Damm präsentiert wird. Eine Zuschauerin meinte: „Eine Retrospektive“; scherzhaft auf die nicht ausschließlich aus dem Jahr 2018 stammenden Filme. Mit spitzer Zunge formuliert.

Savas Boyraz hat eine unterschiedliche Herangehensweise. Das eine Mal spricht ein Kind – Evin – vor einem immer gleichen Hintergrund, ohne dass die Kamera bewegt wird. Das erinnert an James Benning („L. Cohen“, Berlinale 2018) und Sebastian Schipper („Victoria“, mit einem Bären ausgezeichnet auf der Berlinale 2015, ein 2-Stunden-Film aus einem Take).

Berlinale geht weiter. Arsenal zeigt ab heute Forumsfilme, darunter den wichtigsten Berlinalefilm: L. Cohen von James Benning

Dabei ist „Evin‘s Story“ eigentlich ein Teil eines Triptychons für eine Multi-Screen-Installation.

Ein anderes Mal engangiert er einen renommierten Schauspieler wie Aziz Capkurt, um das Phänomen der „Birthday Parents“ zu beleuchten; ein Lehrstück an interkultureller Kommunikation.

Norwegen oder Kurdistan, das ist ein Unterschied: „Birthday Parents“ von Savas Boyraz

In Norwegen wird gedreht. Einige Kriegsflüchtlinge aus kurdischen Gebieten hatten das Glück, in Norwegen zu landen. Dem Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen bzw. Lebensstandard nach anderen Skalen. Einige hatten sogar das Glück, mit ihren Eltern zusammen zu sein – oder mit ihren Kindern. Je nach Sichtweise. Doch wie feiert man in Norwegen Geburtstag?

Gewiss anders als in Cizre, Suruc und Kobani.

Doch das Feiern muss man erst einmal üben. Statt „Wedding Planner“ also „Birthday Parents“, denn auch das Ausrichten eines Kindergeburtstags kann ein gehöriger Aufwand sein. Da ist es nicht hilfreich, keine Ahnung zu haben.

Vielleicht ein universelles Lehrstück für die Begegnung von Kulturen.




Kurze Filme ganz groß. Teilweise freier Eintritt zu Kurzfilmen auf dem 8. KFF in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 41 Filme wurden und werden auf dem 8. Kurdischen Filmfestival in der deutschen Hauptstadt gezeigt. Drei unter dem Motto „Fokus Armenien“. Von der anderen 38 ist eine erkleckliche Zahl von Kurzfilmen dabei: 20 Stück, das sind mehr als 50% der kurdischen Filme. Diese werde nicht einzeln oder vor einem „Hauptfilm“ präsentiert, so wie früher auf der Berlinale, sondern in Blöcken. Das ist der Trend der Zeit, die Berlinale Shorts machen‘s vor. Fast alle Filme kommen im Moviemento in Kreuzberg auf die Leinwand. Die Kurzfilmblöcke in diesem Kino waren und sind für Sonntag 15 Uhr (Kurzfilmprogramm 1) und Mittwoch, den 29. August 2018 um 20 Uhr programmiert (Kurzfilmprogramm 2).

Die Programme 3 und 4 finden im Café Lori direkt am U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof statt: Dienstag um 14 Uhr und Mittwoch um 13 Uhr. Es sind die einzigen Filmveranstaltungen des Festivals außerhalb der Lichtspieltheater. Ansonsten war das Café Lori auf der Südseite der Hochbahn der Ort für die Begleitveranstaltungen. Da wäre zum einen das Eröffnungsfest mit kurdischer Livemusik von Hani, Rewsan Celiker/ Hakan Gürbüz Nadia Visser und Hasan Aktas; zum anderen die Panels. Deren Themen waren „Weibliche Perspektiven im kurdischen Filmschaffen“, „Filmschaffen in Kriegenzeiten“ (sic) und Pane 3: „Digitale Distribution – die Zukunft des kurdischen Films?“

Kurdisches Festival ist gut zu Kurzfilmen

8. KFF 2018 vor dem Moviemento Kreuzberg
Anna Faroqui und Haim Peretz führten Regie bei „Lanas Geschichte“ (Kurzfilm). © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Die kurdische „Filmindustrie“, um einmal das hässliche aus dem Amerikanischen eingedeutschte Unwort zu verwenden, ist unterentwickelt. So die Einschätzung eines Kurden, der im Dokumentarfilm „Vor der Sperre“ das letzte Wort hat. Geld ist überall knapp, das lernen wir schon in der Betriebswirtschaft. Ein knappes Gut. Doch auch an Filmakademien, Synchronstudios und Schauspielergewerkschaften herrscht kein Überfluss. In Duhok, dem Zentrum der Filmwirtschaft im (zeitweise autonomen) kurdischen Nordirak, gibt es keinen „Walk of Fame“. Sogar Berlin hat einen an der Potsdamer Straße vor dem Filmhaus mit dem Filmmuseum, der Prinzler-Bibliothek, der DFFB, dem Arsenal und und und.

Doch keine Synchrokultur und -infrastruktur zu haben, kommt in den besten Filmländern vor. Sogar in Nordamerika.

Wir erinnern uns: Mexiko, hat sich in jüngster Zeit zu einem starken Filmland gemausert. Oscarpreisträger Inarritu („The Revenant“/ „Der Rückkehrer“), der im übrigen wegenYilmaz Güney anfing, Filme zu drehen (!) und andere große Namen wären zu nennen, „Titanic“ wurde hier gedreht. Doch „Fack ju Göhte“ konnte man nicht synchronisieren. Man wollte ja, doch hat die Voraussetzungen nicht. Also ein Remake. „No manches Frida“ wurde der drittbeste mexikanische Film aller Zeiten. https://kulturexpresso.de/geht-lernen-goeht-lernen-goeth-lernen-fack-ju-goehte-teil-3-die-fortsetzung-der-schulkomoedie-bis-zum-abi-wers-denn-schafft/

In den USA werden alle Nase lang Remakes gemacht. Die tolle Verfilmung von „Verblendung“, „Verdammnis“ „Vergebung“ mit dem Traumteam Mikael Nykvist (verstorben) und Noomi Rapace (!) als Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander war bloß deshalb nicht gut genug, weil sie auf schwedisch war. (Originaltitel: „Män som hatar kvinnor“ u.a. 2009 ) David Fincher musste sich später mit einer Neuverfilmung herumquälen (2011). Nykvist und Rapace blieben unerreicht.

Kurzfilm als Kunstform

Wenig Geld zu haben oder ausgeben zu wollen, ist keine Sünde und kein Makel. Manche lieben darüberhinaus den Kurzfilm als Kunstform. Regisseure wie Kritiker und Zuschauer. Das KFF lud viele Filmemacher und Schauspieler ein und machte vor den Kurzfilmlern nicht halt. Der Schauspieler Aziz Capkurt (sprich: „Ah-sieh‘s! Tschap-Kurt“) ist nicht nur als Protagonist von „Vor der Sperre“ und Darsteller des türkischen Geheimdienstmannes „Murat“ in dem Lang-Spielfilm „Das Milan-Protokoll“ von Peter Ott zum Fest gekommen. Capkurt spielt auch in „Birthday parents“ (sic) mit.

Wie feiert man in Norwegen einen Kindergeburtstag, wenn man als Elternteil aus dem „wilden“ Kurdistan stammt? Man liest den Filmtitel zunächst unwillkürlich als ‚Birthday presents‘. Geburtstagsgeschenke übergeben die Geburtstagseltern natürlich auch.

Aber auch die Regisseure und Regisseurinnen von „Lanas Geschichte“ und „Sevince“ scheuten keine Mühe, um die Zuschauer mit ihrer Anwesenheit in einer Fragestunde zu beglücken.

Am Mittwochabend wird der Regisseur von gleich sechs Kurzfilmen für Fragen zur Verfügung stehen: „Birthday Parents“, „Invisible Landscapes“, „Meanwhile“, „Evin‘s Story“, „The State“ und „The Encounter“ (Regie: Savas Boyraz).
Einer davon ist Teil eines Triptychons („Evin‘s Story“) für mehrere Bildschirme (multiscreen).

Programm von Kurzfilmen auf dem Kurdischen Filmfestival

Süheyla Schwenk („Sevince“). © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Kurzfilmprogramm 1 Moviemento, Sonntag, 26.8., 15 Uhr

„Lanas Geschichte“, OmdtU
„Alan“, OmeU
„Sevince“, OmdtU
„A Country Without A Sea“, OmeU

Kurzfilmprogramm 2 Moviemento, Mittwoch, 29.8., 20 Uhr, Eintritt 8,50 Euro (7,50/ 5,-)

mit 7 Kurzfilmen

„Birthday Parents“, OmeU
„Invisible Landscapes“, OmeU
„Meanwhile“, OmeU
„Evin‘s Story“, OmeU
„The State“, OmeU
„The Encounter“, OmeU

„Mikel“, OmeU

Kurzfilmprogramm 3 Dienstag, 28.8.2018, 14 Uhr, Café Lori (Eintritt frei)

5 Filme

„Anonyma“, OmeU
„Senses“, OmeU
„Krigsduvor“, OmeU
„There Was A Country“, OmeU
„Kine-em-(a) Kurdî“

Kurzfilmprogramm 4 Mittwoch, 29.8.2018, 13 Uhr, Café Lori (Eintritt frei)

4 Filme (vier):

„Houses with small windows“, Originalfassung mit englischen Untertiteln (= OmeU), Regie: Bülent Öztürk
„Shadow“, OmeU, Regie: Bülent Öztürk
„Pace“, OmeU
„5 Minutes Silence“, OmeU

Anschriften:
Café Lori: Skalitzer Ecke Wiener Straße an der spitzen Ecke (Sekunden von der U-Bahn)

Anfahrt: Achtung: Bei Anfahrt aus Richtung Hallesches Tor/ Uhlandstraße kann man am Görlitzer Bahnhof nicht aussteigen. Wer mit der U-Bahnlinie 8 von Süden kommt, kann bis Moritzplatz fahren und in die Buslinie 29 umsteigen.
Andernfalls ist man gezwungen, bis Schlesisches Tor zu fahren und einen Bahnhof wieder zurück. Am Schlesischen Tor sind dabei aufgrund des geteilten Bahnsteigs zweimal Treppen zu bewältigen. Wer schlecht zu Fuß ist, fährt besser gleich bis zur Endstation und wechselt dort am Bahnhof Warschauer Straße bequem am selben Bahnsteig die Richtung. Wer Zeit hat, kann sogar im selben Zug sitzenbleiben.

Kino Moviemento: Kottbusser Damm Ecke Boppstraße in Kreuzberg

Armenien liegt in Kurdistan. Reihe mit armenischen Filmen auf dem 8. KFF in Berlin

8. Kurdisches Filmfestival im Moviemento endet mit sechs Filmen von Savas Boyraz, darunter „Birthday Parents“ und „Invisible Landscapes“




Zübeyde Bulut und ein Freund von Yilmaz Güney auf dem roten Teppich vor dem Babylon

Armenien liegt in Kurdistan. Reihe mit armenischen Filmen auf dem 8. KFF in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Fokus Armenien“ heißt eine Reihe mit armenischen Filmen im Rahmen des 8. Kurdischen Filmfestivals in der deutschen Hauptstadt. Drei Filme werden gezeigt: „The Promise“ (Das Versprechen, Regie: Terry George), „One in a Million“ (Einer aus einer Million, Regie: Mahmut Wenda Koyuncu) und „The Cut“ (Der Schnitt, R.: Fatih Akin), ein Film, der auch schon einmal im Kino gezeigt wurde. Doch ausschließlich um Aktualität geht es Festivalleiter Mehmet Aktas nicht: „Es geht uns darum, Filme zu einem Thema zu zeigen, kurdische Filme. Da geht es nicht so sehr um das Veröffentlichungsjahr.“ Und eben eine Reihe mit armenischen Filmen.

Friedliches Zusammenleben unter Selbstverwaltung in Syrien

Westend: Armenien wird in Berlin offiziell diplomatisch vertreten. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2016

Ein armenisches Filmfest gibt es meines Wissens nicht in der größten deutschen Stadt. Armenier und Kurden vertragen sich gut – zum Beispiel in Kobani (Kobane, Ayn-al-Arab), der Stadt an der türkischen Grenze, die 2014 in die Schlagzeilen geriet.

2012 hatte man die syrische Zentralregierung von hier vertrieben und eine Selbstverwaltung errichtet. Das ging so in weiten Teilen des Bezirks Rojava (Nordsyrien). Doch 2014 breitete sich der Machtbereich des ISIL (auch ISIS, heute meist IS oder Da-esch) aus. Im Sommer wurde die Stadt Kobani von drei Seiten aus angegriffen, unter anderem mit in Mossul erbeuteten Waffen wie Panzern und gepanzerten Fahrzeugen aus US-amerikanischer Produktion. Nur aus dem Norden, wo die Gemeinde direkt an die türkische Grenze stößt, erfolgte kein Angriff.

Kobani – eine der Städte, in denen Armenier leben

Das friedliche Zusammenleben von Arabern und Türken, Kurden und Armeniern hatte ein Ende. Viele versuchten, in die Türkei zu fliehen, doch die Grenze war teilweise geschlossen. Die meisten Flüchtlinge hatten das nahe Suruc als Ziel, eine kurdische Stadt unter türkischer Flagge, in der die meisten die gleiche Sprache sprechen. Der Kampf und Widerstand einer waffentechnisch und zahlenmäßig unterlegenen Gruppe aus Einwohnern und hinzukommenden YPG-Kämpfern und YPJ-Kämpferinnen aus Nachbardörfern und -städten zog sich über Monate hin.

Nach eigenen Angaben kontrollierte ISIL schon 80% der Stadt, die immer weiter in Ruinen versank. Erdogan sprach seine vielzitierten Worte „Kobani ist dabei, zu fallen“. Obama verprach, den Kurden zu helfen. F-16-Bomber legten weitere Straßenzüge in Schutt und Asche, wenn sich dort IS-Soldaten oder Scharfschützen verschanzt hatten. Im Januar 2015 war die Siedlung wieder unter der gemeinsamen regionalen Verwaltung. Um den Preis einer fast vollständigen Zerstörung der Bausubstanz und einem hohen Blutzoll. Bis heute müssen viele Kriegsflüchtlinge in den Zeltlagern der türkisch-kurdischen Nachbarstadt ausharren.

Auch die Armenier hatten es nicht immer leicht. Immerhin haben sie, ähnlich wie Georgien, seit Jahrhunderten ihren eigenen Staat. Auch Perser und Türken haben ihren Staat. Nur die Kurden nicht. Es soll das größte Volk der Welt sein, dass über keinen eigenen Staat verfügt, obwohl ein Vertrag von 1920 diesen vorsah. Das harte armenische Schicksal im Osmanischen Reich 1915 und weiteres Armenische ist Thema der kleinen, nichtkurdischen Filmreihe.

Reihe mit armenischen Filmen „Fokus Armenien“

Die armenischen Landesfarben rot, blau und gelb. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2016

„The Promise“ (Das Versprechen, Regie: Terry George)
Montag, den 27. August 2018 um 20.30 Uhr (133 Minuten)

„One in a Million“ (Einer aus einer Million, Regie: Mahmut Wenda)
Dienstag, den 28. August 2018 um 16 Uhr ( 62 Minuten), OmeU (Originalfassung mit englischen Untertiteln)

„The Cut“ (Der Schnitt, R.: Fatih Akin)
Dienstag, den 28. August 2018 um 19.30 Uhr (138 Minuten)

jeweils im Kino Moviemento (moviemento.de) Kottbusser Damm in Berlin-Kreuzberg

www.kurdischesfilmfestival.de

Volk ohne Land oder: Welche Farbe hat der Frosch in deinem Hals? „Haus ohne Dach“ eröffnet 7. Kurdisches Filmfestival in Berlin

Schönheit, Die Anderen, Mein Paradies, LAYLA und ein Messi. Das Programm des 7. Kurdischen Filmfests Berlin

Mein Herz Leyla oder: 15.000 Bäume. Der Film „DIL LEYLA“ der Berlinerin Asli Özarslan schließt feierlich das 7. Kurdische Filmfestival ab

Armenien liegt in Kurdistan. Reihe mit armenischen Filmen auf dem 8. KFF in Berlin

Kurze Filme ganz groß. Teilweise freier Eintritt zu Kurzfilmen auf dem 8. KFF in Berlin

8. Kurdisches Filmfestival im Moviemento endet mit sechs Filmen von Savas Boyraz, darunter „Birthday Parents“ und „Invisible Landscapes“




Szene aus dem Film "Hotel Artemis" von Drew Pearce.

Fotoreportage: Jodie Foster führt als alleinunterhaltende Oberärztin mit Mount Everest als Gehilfen im Film „Hotel Artemis“ durch L.A.s Club-Krankenhaus für Kriminelle aller Couleur

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Im Film „Hotel Artemis“ führt Jodie Foster als gealterte Schwester ein Kleinstkrankenhaus für Großganoven in einem Moloch namens Los Angeles. Draußen zieht eine Revolte durch die Metropole, drinnen zieht Foster als alte Frau alle Register ihrer Schauspielkunst, die ihr Drehbuchautor und Regisseur Drew Pearce bietet.

Die düstere Geschichte spielt in dunklen Räumen, genauer gesagt in L.A.s exklusivstem Club-Krankenhaus für Kriminelle aller Couleur, in dem es in bester Action- und Krimi-Manier drunter und drüber geht.

Mehr Text zu den Bildern im Beitrag Bis die Polizei kommt oder Jodie Foster als Engel der Bengel im Einsatz in L.A. – Zum Film „Hotel Artemis“ von Lenina Sachs.




Argentinische Gauchos trommeln, tanzen und "batteln" an 25.7.2018 in der Komischen Oper Berlin und in Köln

Nach wessen Trommel tanzt Du? Männlichkeit, Kraft und Beweglichkeit – wortlos herübergebracht mit Malambo

Berlin/ Köln, Deutschland (Kulturexpresso). Und das bei dieser Hitze. Das, was die Tänzer von „Che Malambo – The Rhythm of Argentina“ da auf die Bühne bringen, ist einfach toll. Und es erklärt sich von selbst. Malambo ist ein typischer südamerikanischer Tanz. „Der Rhythmus Argentiniens“, das ist vielleicht ein kleines bisschen übertrieben, zeichnen doch viele Rhythmen das Silberland aus.

SO tanzen die Gauchos!

Bei aller Freude über den Sieg der deutschen Herren bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien schmerzte den Kosmopoliten, der trotzdem in der Lage ist, sich zu freuen, wenn Sportler seiner Heimat Wettbewerbe gewinnen, dass bei der Rückkehr der Helden ein Lied die Runde machte, das die argentinischen Vizeweltmeister verunglimpfte, zumindest die argentinischen Fußballer als Gauchos bezeichnete. Selten stoßen solche Verallgemeinerungen zuhause auf Zustimmung. Welcher Deutsche möchte schon als „Fritz“ oder „Kraut“ bezeichnet werden? Zudem alle Verallgemeinerungen genau das sind, Verallgemeinerungen. Viele dienten seit Generationen dazu, nach dem Prinzip ‚Teile und herrsche‘ sich über andere Völker zu erheben und von ihnen abzusondern.

Das diente nur der Waffenindustrie und den Kriegstreibern. Allein die Aussöhnung mit Frankreich unter De Gaulle und Adenauer beweist, wie richtig sie ist. Der Erzfeind war zudem nie einer, denn erst unter Friedrich II. kam es zu einem weithin bestaunten Wechsel der Allianzen. Preußen und das französische Königreich, damals der Nabel der Welt, eine Weltmacht, die DIE Weltsprache sprach, waren lange durch Bündnisse und kulturell gebunden. Österreich(-Ungarn), eine weitere Weltmacht, stand im Zweifel an der Seite Großbritanniens. Aus heutiger Sicht merkwürdig, dass die beiden deutschsprachigen Kurfürstentümer nicht verbündet waren. Und das, obwohl beide zum Heiligen römischen Reich deutscher Nation gehörten.

Daran änderte auch der Wechsel nichts. Im Siebenjährigen Krieg, der vielen als erster Weltkrieg gilt, fochten Brandenburger und Preußen an der Seite der Briten gegen Franzosen und Österreicher. Das Ende ist bekannt: Großbritannien gewann die Weltherrschaft durch seine Vormachtstellung auf den Weltmeeren. Die Franzosen, in Kanada zu Lande überlegen, wurden von ihrem Nachschub abgeschnitten.

Englisch wurde Weltsprache. Als sich manche Offiziere in Massachusetts gegen die britische Krone verschworen und einen siebenjährigen Unabhängigkeitskrieg führten, entstand ein neues Land. Deutsch war als Landessprache im Gespräch und unterlag Englisch nur knapp. Ab 1776 wurde die Weltsprache Englisch so weiter gefestigt.

Frieden und Kultur: Malambo ist dabei

Inzwischen ist klar: „Nie wieder Krieg!“ ist alternativlos. Schon die globale Erwärmung verbietet Kriege, die ungeahnte Zerstörungen anrichten. Von Moral und Ethik ganz zu schweigen. Dass die (zehn) Gebote während eines Krieges nicht befolgt werden, weiß jeder. Wettstreit darf sein, aber friedlich.

Brasilien kennt den Capoeira, eine Art friedlicher Kampftanz. Etwas aggressiver die US-amerikanischen Rapper-Battles, Poetry-Battles, Dance-Battles.

Malambo geht einen Mittelweg. Einen gewaltlosen. Die Gauchos führen musikalische und Tanzbattles durch. So könnte man es in der heutigen Zeit, in der die Deutschen sich, so scheint es, besser verstehen, wenn sie englisch sprechen, ausdrücken.

Malambo, der Tanz der Gauchos. Wer ist das eigentlich?

Gauchos haben nichts zu tun mit den Gauches oder Gauchers (sprich: Goosch und gooschee, französisch). Alexandre Jardin schrieb den wunderbaren Roman „Île des Gauchers“, den Eliane Hagedorn und Barbara Reitz ins Deutsche übersetzten. Die Insel der Linkshänder. Ein Ort, in dem die Liebe an erster Stelle steht. Noch über dem Job, meine Herren. Arbeit ist gemeint.

Wo wir nun sowieso schon englisch sprechen: Gauchos sind die argentinischen Cowboys. Sie sprechen spanisch. Argentinisches Spanisch. Und sie tanzen besser als ihre nordamerikanischen Kollegen, die auch als Kuhjungen arbeiten und auf einem hohen Ross sitzen.

Ihr Tanz ist der Malambo, in dem sich verschiedene Elemente mischen.

Der Tanz, so wie er auf der Bühne der Komischen Oper in der Behrenstraße gezeigt wird, erinnert an „Dance Battles“. Einer tanzt, nickt dem anderen zu: ‚SO, das musst Du erstmal nachmachen!‘ ‚Das kannst du nicht überbieten!‘ Der andere, oder eine andere Gruppe, lässt sich nicht lumpen und hält dagegen.

Ein bisschen erinnert es auch an indische Musik, wo ein Musiker dem anderen „antwortet“. Legendär die Berliner Konzerte des Tabla-Tarang- und Tablameisters Kamalesh Maitra aus Indien, dem die Amerikanerin Laura Patchen auf der Tabla antwortete.

Malambo verliert nicht viele Worte. Eigentlich muss man nur drei Worte sagen: Gehen Sie hin!

Alles andere werden Sie von selbst verstehen.

Wer in Berlin nicht in die Komische Oper kann, gehe in Köln in die Philharmonie.

In Berlin-Mitte fand am 24. Juli die Deutschlandpremiere statt. Bis zum 29.7. werden die 12 Meistertänzer in gedämpften rotem Licht die Zuschauer verzaubern. Das ist ein Naturgesetz. So ziemlich das einzige Wort, dass die Tänzer und Trommler im Chor verlieren, heißt: MALAMBO!

Die Instrumente dieser wirbelnden Wahnsinnstänzer sind Gitarre, Trommel und Schleuder. Noch nie gehört? Noch nie gesehen? Hingehen.

Die 12 Apostel des Malambos-Tanzes kamen nach Deutschland. Hören wir ihnen zu.

Aus dem Pressemitteilungs-Wörterbuch:

Malambo-Glossar

Malambo: volkstümlicher Männertanz aus Argentinien

Bombo: zweifellige Zylindertrommel

Zapateo: (von zapatear = stampfen, tänzeln): Figuren mit rasanter Fußarbeit

Boleadora: Lasso mit Stein am Ende, ursprünglich eine Wurfwaffe für die Jagd

Der stolze Spanier ist sprichwörtlich. Wer hat schon einmal einen stolzen Argentinier gesehen? Es wird Zeit. Wer die Welt nicht besuchen will, kann in Städten wie Köln und Berlin warten, dass die Welt zu Besuch kommt. Jetzt sind gerade die Männer aus dem Silberland da.

Während sie ähnlich dem irischen Tanz mit viel Beinarbeit die Brust herausstrecken und Elemente der Tänze und Musik der Kolonialherren einbauen, tanzen sie ihren eigenen Tanz. Den Tanz der Gauchos, den Malambo.

Der Stolz ist berechtigt.

Gauchos gibt es auch in den Nachbarländern, in Brasilien, Uruguay, Paraguay und Bolivien. Argentinien spielte in vielerlei Hinsicht gern eine Vorreiterrolle in Süd- und sogar Lateinamerika. Ihre abgesehen von Brasilien, Surinam und Guayana überall bis hoch ins nordamerikanische Mexiko lesbaren Zeitungen gaben mit den Ton an. Buenos Aires hatte einen sehr guten Klang. Diktaturen und der Krieg um Malwinen, wie die Einheimischen die Falklandinseln nennen, führten zum gegenwärtigen Niedergang. Inflation, Schuldenkrise, das ganze Programm. Nie wieder Krieg, das denkt sich bestimmt so mancher Südamerikaner. Die unsinnigen Grenzstreitigkeiten mit Chile in Feuerland sind auch längst obsolet.

Wer soviel Platz hat wie Argentinien, kann bei Grenzlinien großzügig sein. Die Pampa gibt es wirklich und Patagonien ist ein eigenes Land, aber kein eigener Staat. Hier wäre Platz für mehrere jüdische Staaten gewesen. Die Überlegungen gab es. In Patagonien gibt es nicht nur Schafe und Tourismus, sondern auch Öl und Kohle. Und eines der wichtigsten alpinen Wintersportzentren des Kontinents. In Argentinien gibt es private Güter, die größer sind als so mancher europäische Staat.

Der Malambo der Gauchos ist ein weiterer Reichtum. Schön, dass die Argentinier ihn jetzt mit uns teilen.

Komische Oper Berlin

Opernkasse Unter den Linden 41, 10117 Berlin-Mitte
Mo-Sa 11-19 Uhr, Sonntag 13-16 Uhr

Abendkasse und Eingang:
Behrenstraße 55-57
10117 Berlin
jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn

Vorstellungen „Che Malambo – Tanz- und Rhythmusspektakel aus Argentinien“

Freitag, 27. Juli 2018 um 20 Uhr
Samstag, 28. Juli 2018 um 15 Uhr
Samstag, 28. Juli 2018 um 20 Uhr
Sonntag, 29. Juli 2018 um 14 Uhr

Karten zwischen Euro 39,50 und 74,50

Sowie im Anschluss in Köln, Philharmonie

(alle Angaben ohne Gewähr)

Che Malambo – das Ensemble

Die 12 Tänzer: Federico Arrua, Fernando Castro, Francisco Matias Ciares, Claudio Daniel Diaz, Miguel Angel Flores, Federico Gareis, Fernando Gimenez, Walter Kochanowski, Facundo Lencina, Gabriel Adrian Lopez, Daniel Medina, Matias Rivas.

+Artistic Director, Gründer, Konzept, Choreographie und Inszenierung: Gilles Brinas




Berliner Filmfest kommt in Mode. Das 7. Berlin fashion Film Festival BfFF im Columbia

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Berlin fashion Film Festival BfFF – gesprochen Biff oder Bif – hat als Festivalsprache englisch. Wie die Berlinale oder das SEEFF. Und das ist auch gut so. Neben mir sitzt eine Modeshopinhaberin aus New York, in der Kaffeeschlange vor dem Truck auf dem Rasen unterhalten sich drei Holländerinnen aus Amsterdam. Aus England ist Prominenz angereist und die Profidichte ist hoch.
Obwohl ich noch nie hier war, habe ich das Gefühl, dass letztes Jahr etwas mehr los war. Doch das ist ganz egal. Was hier geboten wird, ist schon an einem halben Tag mehr wert als der Ticketpreis.

Nehmen wir nur mal das Speeddating. In kurzer Zeit kann man wichtigen Leuten aus der Branche seine ganz eigenen Fragen stellen. So geschehen am Donnerstag. Das Festival geht zwei Tage, Donnerstag und Freitag, den 12. und 13. Juli 2018. Falls wirklich ein Handvoll Leute weniger da gewesen sein sollte, nützte es den anderen. Doch auch so war die Schlange beim Speed-Dating lang genug.

An beiden Tagen öffneten die Tore um halb zehn. Ab 10 Uhr ging es zur Sache. An beiden Tagen zunächst Screenings. Also Filmvorführungen. Sogar das Regenwetter war von Vorteil. Wenn jemand die Außentür zum Backstagebereich aufmachte, drang nicht viel Licht herein.

Berlin Fashion Film Festival am Freitag

Erst am Freitag, als mittags die Sonne herauskam. Gut für die Mittagspause, schlecht für die, die das Screening 8 während der „Lunch break“ verfolgen wollten und in der hintersten Reihe saßen.

Ich setzte mich in die Mitte, um weniger Seitenlicht zu haben. Denn gerade dringt durch die offenen Westtüren zum Garten, in denen alle strömen, um Bananenbrot und anderes Modische zum Mittag zu essen, viel Helligkeit ein.

Gegen halb drei brach der Klappstuhl zusammen. Gern gebe ich zu, dass mein Körpergewicht zu hoch ist. Doch so etwas passiert nur am Freitag den 13.

Bei dem ersten Vortrag des großen Regisseurs Marcus Gaab kann dieser seine Notizen nicht sehen. Dann gehorcht der digitale „Diaprojektor“ nicht dem „Weiter“-Befehl. Gaab doziert zum Thema Improvisation. Er ist gerade in dem Kapitel „embrace trouble“ – heiße den Ärger willkommen, wenn er schon da ist. Jetzt kann er richtig in das Thema hineingehen.

Die kleinen technischen Fehlerchen waren schnell behoben. Zum Glück wird erst wieder in gefühlt 20 Jahren in einem Juli der 13. an einem Freitag sein.
Das Fashion Film Festival fällt vielleicht erst wieder in Jahr 2088 auf einen 13. Und das muss dann ja nicht genau das Jahr sein, an dem es ein Freitag ist.

Auch wenn man nicht abergläubisch ist, wirken doch die Gedankenkräfte derjenigen, die es sind. Self fullfilling prophecies, sich selbst erfüllende Prophezeiungen, gibt es wirklich.
Zufälligerweise sagt an diesem Freitag noch jemand auf der Bühne, vielleicht war es Marcus Gaab, den Satz, der immer stimmt:

„Be careful what you wish for.“

Überlege Dir vorher genau, was Du Dir wünscht.
Du könntest es bekommen.

++ Y ++

Die Kuratorin und Festivalorganisatorin Vanessa Meyer/Vanessa Meyer ist an zwei Filmfestivals beteiligt, dem Berlin fashion Film Festival und dem folgenden.

Neu und am ersten Tag gleich ausverkauft! Das erste mexikanische Filmfestival in Deutschland heißt Mexico Scope

berlinfashionfilmfestival.net/




Regisseur Piotr Stasik und Moderatorin und Kinobetreuerin Monika Wojtillo im Kino Fsk am Oranienplatz beim Filmfestival Filmpolska

Oper oder Film? „Opera about Poland“ – eine Oper über Polen von Piotr Stasik

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Schon wieder Fußball – oder doch nicht? Was müsste eine Oper über Polen beinhalten? Dramatisch alles Typische? Piotr Stasik hat seinen Film genau so genannt: „Opera o Polsce“. Fühlt sich an wie eine Oper, ist gegliedert wie eine Oper, mächtig und dramatisch wie eine Oper und charakterisiert Polen. Ist aber ein – nicht langer – Film. Fußball gehört gewiss zu Polen. Dazu Kopernikus, Lodz, Fleisch und Würstchen, Bier und Wodka. Kiefernwald, die Ostsee. Krakau, Warschau, Krakow, Warszawa. Bialystok. „Die schönste auf der Welt ist doch die Polin, die Polin …“

Monika Anna Wojtyllo im Gespräch mit Piotr Stasik

Moderatorin Monika Anna Wojtyllo – selbst Regisseurin – stellte Stasik beim polnischen Filmfest filmPOLSKA vor. Noch an das Publikum gewandt, sagte sie: „Wie Sie gewiss gemerkt haben, handelt es sich bei diesem Film um eine Oper.“ Baff konnte man schon sein. Bei Filmpolska sollten doch Filme gezeigt werden Und gerade vorher sahen wir in dem Doppelprogramm im FSK-Kino am Oranienplatz „First Pole on Mars“/ „Pierwszy Polak na Marse“, der „Erste Pole auf dem Mars“ von Regisseurin und Drehbuchautorin Agnieszka Elbanowska. Mit dem eindrucksvoll authentischen und ruhigen Kazimierz Blaszczak. Einem älteren Herrn, der der erste Pole auf dem Mars werden möchte. Und seiner Frau davon nicht erzählte. Siehe im Kulturexpresso Marspole. „First Pole on Mars“ von Agnieszka Elbanowska im Fsk-Kino Oranienplatz (Filmpolska). Man war also noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen beziehungsweise Lichtjahre entfernt.

Doch dann stellt sich – im Anschluss unter vier oder sechs Augen – heraus, dass Monika Anna Wojtyllo Musicalautorin ist. Unter vielem anderen. Die Frau hat was auf dem Kasten und muss es ja wissen. Ob „Opera about Poland“ eine Oper ist. Sie fachsimpelt mit dem Regisseur, der bei Filmpolska auch Workshops anbot. Anschließend sind die Fragen freigegeben. Nun richten auch wir uns an den Filmemacher.

Piotr Stasik zitiert Andrzej Stasiuk, der Polen beschreibt, wie es ist

Poitr Stasik zitiert in seinem Film, seiner Oper Andrzej Stasiuk mit seinen „Reisetagebüchern“. Ich frage den Regisseur: „Warum Andrzej Stasiuk?“ Antwort: „Weil Stasiuk am besten das gegenwärtige Polen beschreiben kann.“
Meine persönliche Meinung ist, dass der Film „Das Fest“, der auf der Berlinale 2018 in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ debütierte, das Land bestens beschreibt. Es geht um die Vorbereitung einer Silberhochzeit. An der Oberfläche. Doch in der Tiefe erkennt man die Seele Polens. Auch das Christentum.

Der polnische-deutsche Film ist nicht das einzige Beispiel einer sehr guten deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Einer Kooperation unter Nachbarn. Der beste polnische Fußballspieler ist Robert Lewandowski. Er ist der Torschützenkönig der Bundesliga in der Saison 2017/2018. Lewandowski darf in der Vorrunde auch an allen drei polnischen Spielen der WM teilnehmen. Der zweite auf der Torschützenliste ist Nils Petersen. Gleichzeitig der beste deutsche. Zur WM-Vorbereitung durfte Petersen noch mit, in den Kader gelangte er nicht. Lewandowski, der „Münchner“ (und Ex-Dortmunder), hingegen schon. Den polnischen WM-Kader. (Donnerstag um vier ist das letzte Spiel. Gegen Japan, die andere Mannschaft mit Rotweiß in der Flagge.)

Ob des Ausscheidens der Herrenfußballmannschaft traurigen Polen möchte man zurufen: Ihr könnt so vieles! Fußballspielen dagegen kann doch jeder Senegalese!

Nationalflagge Polens, Landesname auf deutsch, Zusatzillustration: Ball. © 2018, Foto: Andreas Hagemoser

www.filmpolska.de