Tanzen auf Tempelhof? – Volksbühne Berlin startet mit Tanzperformance „Fous de danse“

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Zentralflughafen Tempelhof in Berlin.
Zentralflughafen, das war einmal. Auf dem Berliner Flughafen Tempelhof soll ein Kultur-Areal entstehen. Bild/Quelle: Pixabay, BU: Stefan Pribnow

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die einen haben Flugzeuge im Bauch oder singen davon, die anderen ein Programm. Ein Theaterprogramm. Und tanzen dazu. Tanzen kann schön sein und Spaß machen. Und tut nicht weh. Wie Singen. Bekanntlich können sich auch Berlinerinnen und Berlin da ruhig niederlassen, wo man singt, weil böse Menschen keine Lieder haben, wie es heißt. Gilt das auch fürs Tanzen?

Tanzen auf Tempelhof

Wir wissen das nicht, werden aber sehen – und hören, denn die „’neuen‘ Volksbühne“, manche Autorinnen und Autoren in Berlin und Brandenburg setzen das Adjektiv in Anführungszeichen, will am Sonntag, den 10. September 2017, „die Eröffnung der Spielzeit 17/18 mit der 10-stündigen Tanzperformance Fous de danse – Ganz Berlin tanzt auf Tempelhof, einem Projekt der Volksbühne und des Musée de la danse unter der künstlerischen Leitung von Boris Charmatz in Kooperation mit Sandra Neuveut“, feiern.

Tanzen? Auf Tempelhof? Das teilte „mit freundlichen Grüßen“ Johannes Ehmann vom Pressebüro der Volksbühne Berlin am 20. Juli 2017 in einer Pressemitteilung so und nicht anders mit.

Zehn Stunden sind ein Tag

Die zehn Stunden würden um 12 Uhr Mittags beginnen und das Flugvorfeld „für einen Tag“ (sic!) „in eine kollektive Bühne für den Tanz“ verwandeln, „zu der die ganze Stadt eingeladen“ sei. Super. Die ganze Stadt bin ich nicht und dazu wird es nolens volens auch nicht kommen. Wer also kommt? Boris Charmatz beispielsweise. Der Mann „ist Leiter des Musée de la danse in Rennes und ab der kommenden Spielzeit als Choreograf und Tänzer im künstlerischen Team der Volksbühne“, verrät Ehmann.

Brit Rodemund und Christopher Roman vom Dance On Ensemble, Raphaëlle Delauney und das P14 Jugendtheater der Volksbühne, Marie Houdin und Raphael Hillebrand, Anne Teresa De Keersmaeker sowie „unterschiedliche Protagonisten der Tanzszene aus Berlin und anderswo“ seien beteiligt, darunter „die Staatliche Ballettschule Berlin, die Hip-Hop Kids der Flying Steps Academy, Studierende des HZT Berlin und das BEM Folk Dance Ensemble in Zusammenarbeit mit dem Konservatorium für Türkische Musik Berlin“. Musik? Ehmann: „Den Dancefloor bespielt DJ Alex Murray-Leslie von den Chicks On Speed.“

Das, was da am 10. September 2017 auf dem stillgelegten Berliner Zentralflughafen veranstaltet wird, finde seine Fortsetzung in „einem 4-wöchigen Eröffnungs-Programm“ (sic!) bis zum 6 Oktober 2017 „auf dem Gelände des historischen Flughafens Tempelhof, der neuen temporären und flexiblen Raumbühne der Volksbühne Berlin“.

Weder Stadt noch Bezirk

Das freut auch Holger Lippmann, den Geschäftsführer der Tempelhof Projekte GmbH, der von Tempelhof als „einer Stadt in der Stadt“ schwätzt und seine „Stadt in der Stadt“ länger nennt als die Stadt selbst, nämlich „Berlin Creative District“, wobei er sich mit dieser Benennung selbst ad absurdum führt, denn ein Verwaltungsbezirk ist schlicht keine Stadt und Tempelhof, da gibt sich Lippmann, der laut Gabriela Walde in „Berliner Morgenpost“ (21. Juni 2017) „den Meatpacking District in New York oder den Brompton Design District in London“ im Kopf habe, vollends der Lächerlichkeit preis, noch nicht einmal das.

„Ein bewegliches Theater“

Weiter mit Walde. Glaubt die Leserin und der Leser, was die Frau schreibt, dann würde in einem „3670 Quadratmeter großen und 16 Meter hohen Hangar“ des Berliner Zentralflughafens „eine Art ‚Stationsgeschichte‘ durchgespielt. Dabei solle „der Besucher sich mit den Darstellern durch die große Halle“ bewegen. Chris Dercon, der neue Intendant der Berliner Volksbühne, wünsche sich „ein bewegliches Theater“. Wenn Lippmann nichts im Kopf hat, was hat denn Dercon? Flugzeuge?

Münzen für den Abflug

Und wenn wir das, was wir lesen, für bare Münze nehmen, dann geben wir diese gerne dem Schildbürger mit Richtung raus aus Tempelhof und raus aus Berlin weisenden Anzeigern für den Weg, der kein leichter sein wird, damit er gleich am 10. September in der „Stadt in der Stadt“ steht. Mitmachen? Münzen für den Abflug sammeln!

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