Wider dem scheinbar schönen Schein – Tony Franz mit „SEND THEM TO US“

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Tony Franz
Crying Boy Picture 01, 2016, Bleistift auf Papier, 140 x 100 cm, Besitz des Künstlers. © Tony Franz, Foto: Markus Vogt

Dresden, Deutschland (Kulturexpresso). Sich ein wenig mit der beschissenen Boulevardpresse, die Macht der Bilder dieses Jauche-Journalismus und die Verführbarkeit des aus diesem Sudel-Pfuhl saufenden Publikums zu befassen, das kann nicht schaden. Im Gegenteil: Ein Besuch im Projektraum Neue Galerie, wo die Städtische Galerie Dresden seit dem 28. Oktober 2017 eine raumgreifende Arbeit von Tony Franz zeigt, bietet anhand von Abschaum Anregungen für Aufklärungen.

In einer Pressemitteilung der Museen der Stadt Dresden vom 24. Oktober 2017 heißt es zur Ausstellung: „Ausgangspunkt für Tony Franz‘ raumgreifende Installation war eine Online-Debatte zu verfluchter Kunst, auf die er zufällig gestoßen war. Sie bezog sich auf einen lange zurückliegenden Fall: In den 1980er Jahren hatte die Londoner Boulevardzeitung ‚The Sun‘ in einem Artikel suggeriert, Gemäldereproduktionen weinender Kinder des Künstlers Giovanni Bragolin (1911-1981) würden Brandkatastrophen auslösen. Nach zahlreichen bestätigenden Rückmeldungen von Lesern gipfelte die Geschichte in einem Aufruf der Zeitung, die Leser mögen der Redaktion ihre Exemplare des „Weinenden Jungen“ zusenden, um sie in einem großen ‚Massenfeuer‘ zu vernichten: ‚SEND THEM TO US‘.

Die Zeitungsartikel der ‚Sun‘ verwendete Tony Franz als Vorlage für seine Bleistift-Zeichnungen. In der künstlerischen Bearbeitung tritt der Inhalt mehr und mehr in den Hintergrund, während die Aufmachung der Seiten – die Schriftarten und -größen, die Fotos und Überschriften – in den Vordergrund treten. Schlieren, Überlagerungen, Leerstellen und Störungen verunklaren die freie Sicht. In seiner Rauminstallation befasst sich der Künstler mit der Macht des Bildes und dessen subtilen Mechanismen sowie mit der Verführbarkeit des Publikums, das selbst vor modernen Formen des Exorzismus nicht zurückschreckt.“

Darauf, dass Tony Franz dazu einlädt, „selbst aktiv zu werden und mit Neugierde und Entdeckerfreude Hintergründe freizulegen“, wird auch hingewiesen. Und das ist bei allen Abgründen, die sich in Hintergründen offenbaren, gut so.

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Städtische Galerie Dresden, Wilsdruffer Straße 2, 01067 Dresden

Öffnungszeiten: dienstags bis donnerstags, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr, freitags von 10 bis 19 Uhr, montags geschlossen

Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 4 Euro, Gruppen ab zehn Personen 4,50 €, freitags ab 12 Uhr Eintritt frei, außer an Feiertagen

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