Donnerstag, 21. September 2017 | :
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Wohin zum Wochenende? Gehen wir doch in den Hampstead Park! Im neuen Film erkämpft sich der brillante Brendan Gleeson sein Recht auf Wohnen und Leben, Diane Keaton hilft und wird belohnt

Wohin zum Wochenende? Gehen wir doch in den Hampstead Park! Im neuen Film erkämpft sich der brillante Brendan Gleeson sein Recht auf Wohnen und Leben, Diane Keaton hilft und wird belohnt
© 2017, Foto/BU: Andreas Hagemoser
Der Londoner Stadtteil Hampstead ist eine auch bei Millionären äußerst beliebte, grüne Wohngegend nördlich von Madame Tussaud's, Zoo und Regent's Park. In den Parks - wie Hampstead Heath - gibt es verschiedene Badeteiche. Nebenan zwei Golfclubs.

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am Donnerstag startete frisch der neue Spielfilm von Joel Hopkins, „Hampstead Park“. Der deutsche Untertitel – „Aussicht auf Liebe“ – verrät eigentlich schon zu viel von dem, was Hopkins und das Drehbuch mit Diane Keaton und Brendan Gleeson vorhaben.

Beim Erhalt des Kinogenusses ganz oben steht, weder das Ende eines Films noch wichtige Wendungen zu verraten, wenn der oder die anderen das Werk noch nicht angeschaut haben. Zwar kann man aus der Regel „Happy End muss sein“, die für viele US-Streifen gilt, einige grobe Schlüsse ziehen, doch wie genau das Filmende aussieht, bleibt dennoch meist offen. Beweis dafür sind auch aktuelle Filme wie „Happy Family“ und „Happy End“ von Michael Haneke, die die Glückseligkeit gleich im Titel mitführen, fein anglisiert.
Die mittelmäßige Doppeldeutigkeit des Begriffs „Aussicht“ und die eindeutige Versprechung von Liebe, die besser eingelöst sein will, wenn man die Zuschauer bei der Stange halten will, machen eigentlich schon alles klar.

Ein schönes Paar (?)

Diane Keaton und Brendan Gleeson würden zwar, sollten sie tatsächlich zusammenfinden, ein heterosexuelles Paar, doch so etwas soll es ja heute mitunter immer noch geben. Auch das Alter passt, zudem bei Schauspielern, wo die Maske locker 20 Jahre in jede Richtung wettmachen kann.

Ohne Strom leben

Gleeson spielt einen Naturburschen, die ohne Strom überlebt, bequem und urig wohnt und niemandem was zuleide tut. Allerdings ist er nicht übermäßig umgänglich, was in England, zudem in Hauptstadt stark auffällt, mehr, als der deutsche Zuschauer vielleicht zunächst vermutet. Enge und starre Höflichkeitsregeln die ursprünglich einmal von Nutzen waren, haben sich in der modernen, sogar digitalen Welt und führen oft zu schrägen, unglücklichen Lebensentwürfen.
Die Figur, die der wunderbare Brendan Gleeson ausfüllt, will davon möglichst wenig wissen. Sie hat sich zurückgezogen, trauert und ist trotzdem wohl oft glücklich, vielleicht glücklicher als die Hamsterradumgebung. Sie genießt die Einsamkeit in der Natur, badet wie die Natur sie geschaffen hat und angelt vermutlich ohne Angelschein.
Der ethische Hintergrund scheint nicht kleiner, sondern größer als der der anderen Figuren, obwohl und auch weil diese den Hauptdarsteller gern mobben, ausgrenzen und als faulen Bettler beschimpfen.

Höf-lichkeit, gesellschaftliche Umgangsformen und ihre Grenzen

Die alte Hauptstadt London des Vereinigten Königreichs herrschte einst über das größte Weltreich der Weltgeschichte, ihre Stadtteile heißen Lewisham, Highgate oder Hampstead.
Vergangene Größe und Reichtum durch Kolonialismus und Flotte führt zum Festhalten an allerlei, teils überkommenen Traditionen.

Der Stadtteil Hampstead ist Teil des Bezirks Camden. Eine äußerst beliebte, grüne Wohngegend nördlich von Madame Tussaud’s, Zoo und Regent’s Park. Das Hamburg Englands: Nirgendwo wohnen mehr Millionäre. In den Parks – wie Hampstead Heath – gibt es verschiedene Badeteiche. Gleich nördlich zwei Golfclubs, den von Highgate und den Hampsteader.

Die Londoner City mit ihren teils jungen, reichen und frechen Bankern, die unter Umständen noch nie in ihrem Leben körperliche Arbeit oder Mangel kennenlernten, steht im äußersten Gegensatz zu den Geringstverdienern.

Welche Werte? Wessen Werte?

Demgegenüber, obwohl das nicht nötig wäre, scheinen andere Werte auf. Die Natur und ein anderer Umgang mit ihr, Ehrlichkeit und Treue, auch sich selbst gegenüber, Zuneigung.
Einzig die zum Schluss der Hauptperson angedichtete halbe Robin-Hood-Haltung ist überflüssig und stört.

Die Presse, Wohltätigskeitsorganisationen und (un-)soziale Medien spielen ihre nicht immer willkommene Rolle.

Gute Hauptdarsteller

Brendan Gleeson ist wieder einmal in seinem Element und Diane Keaton, die nicht immer Freude macht, hat hier mal eine schöne Rolle bekommen, in der sie glaubhaft Zerstreutheit, Gutmenschentum und Angepasstheit mit beginnender Auflehnung gegen dieselbe zeigen kann.

Insgesamt nett und sehenswert mit ein paar kleinen Einsprengseln für Selbstversorger.

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