Titelseite von Peter Demetz' Buch über Rainer Maria Rilkes Jahre in Prag, seiner Geburtsstadt.

Was nicht in Wikipedia steht. Steht „alles im Internet“ – weit gefehlt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wir sprechen jetzt nicht von echten Geheimnissen. Von Tips, die man gegen Bezahlung bei teuren Beratern einholt und die oft nur versteckt oder in nicht aufbereiteter Form zu finden sind. Sondern von vielerlei vielleicht enzyplopädischem Wissen, das in der Enzylopädie namens Wikipedia nicht zu finden ist. Nicht im Internet, nicht in Wikipedia.

Über die Frage, ob es dort hingehört, gibt es innerhalb der Wikipedianer Diskussionen. Manche Personen, die man für unwichtig hält, sind in der Online-Enzyklopädie verzeichnet. Andere, die durchaus wichtig sind oder zu sein scheinen, fehlen bei Wikipedia.

Die Gründe sind nicht nur subjektiv. Es muss auch immer jemanden geben, der die Information hat UND bereit ist, kostenlos darüber zu schreiben. Fernerhin muss er die Wagenburg von Wikipedia durchbrechen, wie wir es einmal nennen wollen, was auch keine Selbstverständlichkeit zu sein scheint.

Dabei ist die Frage, ob und wo Wissen vorhanden ist, entscheidend.

Zur Illustration ein Beispiel.

Beispiel Wilmersdorfer Straße – was nicht in Wikipedia stand

Die Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg hatte schon seit geraumer Zeit einen eigenen Eintrag. Was dort stand, war nicht wenig, aber inhaltlich trotzdem dürftig, wenig fundiert und oft zumindest irreführend um nicht zu sagen, schlicht falsch. Immer wieder einmal gab es im damaligen Heimatmuseum Charlottenburg Überlegungen, der Sache auf der Grund zu gehen. Einmal gab es sogar einen richtiggehenden Anlauf, Material zu sammeln; Ergebnis: ein dicker Leitz-Ordner. Doch erst nach der Bezirkszusammenlegung Charlottenburgs mit Wilmersdorf und weiteren günstigen Umständen, so der Renovierung der Villa Oppenheim für 1,6 Millionen Euro, nahm 2011 die Planung konkretere Formen an. Ein Rechercheteam machte sich an die Arbeit, eigene und fremde Archive zu durchsuchen.

Am Ende der Arbeit standen eine sehr erfolgreiche Ausstellung, deren Laufzeit immer wieder verlängert wurde und nach zig Nachfragen, die einen großen Bedarf signalisierten, ein Buch. Es sollte kein Ausstellungskatalog werden, unter anderem, da das Erscheinen nicht sicher innerhalb der Laufzeit liegen konnte und, weil es eine grundlegende Monographie zum Thema werden sollte.

Viel Zeit ging dahin, Manpower war am Werke. Das Internet gab es bereits seit geraumer Zeit, war inzwischen Alltag geworden. Jetzt kommt der springende Punkt: Zwei bis drei Autoren wurden für das Projekt auserkoren. Ein vierter gesellte sich später hinzu. Was war passiert? Ein Mitarbeiter mit einem anderen Aufgabengebiet hatte, anfänglich aus Langeweile, die „Wilmersdorfer Straße“ gegoogelt. Mühsam hatte er sich durch die redundanten Einträge, die sich mit irgendwelchen Straßen in Wilmersdorf oder irgendwelchen Wilmersdorfern beschäftigten, hindurchgefressen. Am Ende beziehungsweise während des Prozesses, der neben der eigentlichen Arbeit geschah, standen allerdings hinreichend interessant erscheinende Details und Anekdoten, die auch noch in dem zu verfassenden Buch Platz finden sollten. Der Finder wurde nachträglich zum Co-Autor der Publikation bestimmt.

Das Internet war so voller Einträge, dass der hinzukommende Autor letztlich die größte Textmenge unterzeichnete.

Das Internet verändert vieles.

Das spräche doch für das Internet?

Es geht hier auch weniger um einen künstlichen Gegensatz Buch-Internet, sondern um ein ergänzendes Miteinander und ein Leben mit Büchern, da dieses sinnvoller ist und eine Menge Vorteile bietet. Sogar oder auch in der Papierform.

Die neuen Forschungsergebnisse, die das 2013 in Berlin erschienene Buch über die Wilmersdorfer Straße letztlich enthielt, waren im wesentlichen Akten und Karten zu verdanken – weder den Büchern noch dem Netz. Wobei Bücher und Landkarten seit Ewigkeiten zusammen angeboten werden, man denke zum Beispiel an Kiepert.

So stellte sich heraus, dass es um 1910 herum für wenige Jahre eine Synagoge in der Wilmersdorfer Straße gegeben hatte, die wegen der repräsentativen Neubauten in der Pestalozzi- und Fasanenstraße aufgegeben wurde. In Nachschlagewerken ist diese nicht aufgeführt.

Auch konnte der Name der Wilmersdorfer Straße 100 Jahre früher belegt werden als bisher allgemein bekannt und veröffentlicht. Bis 2012 hatte es geheißen: Straßenname „ab 1824“ in Gebrauch. Die Forschung ergab, dass es mindestens ab 1724 zwei Namen gab: „Wilmersdorfische oder Lange Spreestraße“.

Stehen in Büchern wichtige Informationen oder kann man „alles im Internet finden“?

Ein Teil der Antwort ist subjektiv. Unterschiedliche Menschen werden unterschiedliche Antworten finden und geben.

Wer analog aufwuchs, tendiert vielleicht von vornherein zum – richtigen – „Ja, es gibt in Büchern wichtige Informationen. Diese Informationen kann man nur zum Teil auch im Internet finden.“

Digital aufgewachsene, die vielleicht schon mit fünf ein Handy bekommen haben, haben dagegen oft mit Büchern Probleme. Obwohl es an der Universität Auflagen gibt, mindestens eine Buchquelle zu benutzen und nicht ausschließlich digitale Quellen, drücken sich viele Twens recht erfindungsreich darum.

Wer die Welt der Bücher nicht kennt, traut ihr bestimmt auch weniger zu. Die Digital Großgewordenen nennt man Digital Natives, Generation Y oder Millenials.

Trotzdem bejahen vielleicht auch viele Jüngere, dass man nicht „alles“ im Internet finden kann. Vielleicht mit der Einschränkung, dass bald „alles“ zu finden sein wird. Schließlich gibt es ja durchaus Digitalisierungsbestrebungen und – anstrengungen. Insofern haben die „Natives“ (sprich: Nejtiws) , die Eingeborenen der Digitalwelt, einen positiven Ausblick.

Nicht in Wikipedia, sondern hier: Rilke und die Eisenbahn

Jetzt muss eines der vielen möglichen Beispiele folgen. Noch gar nicht vor so langer Zeit, in den 50er Jahren, erschien in der Bundesrepublik Deutschland ein Buch von Peter Demetz. Just in dem Jahr, als „René Rilkes Prager Jahre“ bei Diederichs in Düsseldorf erschien, 1953, wanderte Demetz in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. 1958 wurde der Germanist dort Staatsbürger.

Wikpedia kennt den Autor und führt in der Rubrik „Werke“ als zweites auch „René Rilkes Prager Jahre“ auf. Erschienen im Alter von 31 Jahren. Mit 30 wurde „Goethes ‚Die Aufgeregten‘ “ in Hannoversch-Münden verlegt – 1952.

Das war aber wohl kaum Demetz‘ erstes Werk, denn wir erfahren aus dem Klappentext des Buches: „Der Verfasser, der sich mit einer Arbeit über Kafka bereits einen Namen machte, ist ein junger Prager Literaturhistoriker, der seine Heimatstadt erst vor kurzem verließ.“ Wann? 1948, nach dem kommunistischen Putsch. Das Deutschland, aus dem das Regime kam, das am Tod seiner Mutter schuld war, war vermutlich nicht Peter Demetz‘ Traumziel.

Peter Demetz wurd am 21. Oktober 1922 geboren, das weiß Wikipedia, auch von der Emeritierung 1991 an der Yale University.

Demetz wusste als gebildeter Prager nicht nur von Rilke und Kafka, sondern blickt auch zur Seite auf Mauthner und Werfel, um die deutsch-böhmische Dichtung um die Jahrhundertwende darzustellen.

René Rilke – das ist etwas ungewohnt, nicht wahr? Er ist derselbe, der uns als Rainer Maria Rilke geläufiger ist. Außer René trug Rilke noch die Vornamen Karl Wilhelm Johann Josef Maria. Aus den sechs Vornamen wurden später zwei.

Neue Erkenntnisse durch Bücher – Lesefrüchte

Was weiß Demetz‘ Buch, das nicht in Wikipedia stünde? Zum Beispiel Vieles über Rilkes Vater Josef. René hatte nicht zufällig ein halbes Dutzend Namen. Einer der sechs Vornamen stammte von seinem Vater Josef Rilke (1839–1906).

Wikipedia weiß, warum Rainer nicht mehr René heißt – seine Liebe Lou Andreas-Salomé fand den Namen scheinbar nicht männlich genug.

Über den Vater heißt es nur, er sei Bahnbeamter geworden. Das kann man nur bedingt so stehenlassen, da Beamte im Staatsdienst sind. Nachdem das Gesuch des Artillerieunteroffiziers Josef Rilke, Offizier zu werden, nicht befürwortet worden war, verließ Rilkes Vater das Militär. Mit Hilfe seines Bruders fand er eine Stellung als Offizial der Turnau-Kralup-Prager Eisenbahn. Dabei handelte es sich um eine private Gesellschaft.

Eisenbahnfreunde, von denen es wahrlich viele gibt, wird auch interessieren, dass er Stationsvorsteher in Bakov, dann Magazinvorsteher und schließlich Revisor der Böhmischen Nordbahn wurde. Die Nordbahn, heute im Tschechischen gelegen wie die Turnau-Kralup-Prager Eisenbahn, im 19. Jahrhundert im Norden Österreich-Ungarns, war ebenfalls eine Aktiengesellschaft.

Nun könnte man anmerken, dass diese Fakten ja nicht besonders interessant seien. Doch darum kann es in keinster Weise gehen. Mehr als 50% des Inhaltes einer Enzyklopädie interessiert die Mehrheit nicht.

Es geht darum, ob solche Informationen im Netz verfügbar sind
– und sie sind es nicht.

Als Eisenbahnfan würde es mich interessieren, dass Rilkes Vater Eisenbahner war – und wo. Bakov heißt in der deutschen Wikipedia übrigens Bakow.

Als Literaturstudent oder -wissenschaftler oder Rezipient von Rilkes Werk würde mich der Werdegang des Vaters ebenso interessieren.

Zur Frage des Eisenbahn-“Beamten“ Josef Rilke: Die Böhmische Nordbahn wurde 1908 verstaatlicht. Josef Rilke lebte da bereits zwei Jahre nicht mehr.

Ein Hoch auf die Bücher, die allein solche und andere Wissenslücken schließen können, der Forschung und dem Wissen dienen.

Mögen auch die Digital Natives sich mit ihnen anfreunden. Papier ist geduldig, die Generation Y weniger.




Zu dünn! Oder: Iss, Farida, iss! Der Film FLESH OUT im Berlinale-Panorama macht Schluss mit dem Schlankheitswahn

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wer nicht zu seinem Gewicht steht, ist selber schuld. Kokettieren jedenfalls hat jetzt ein Ende. „Ach, ich bin so dick – niemand mag mich“ heischt nach „So dick bist du doch gar nicht!“. Es ist nicht nur ein ‚Fishing for compliments‘, also ein die-Angel-Auswerfen nach unverdienten Streicheleinheiten, sondern nicht im Geringsten abgenabelt von der Jugend- und Schlankheitsdiktatur der Werbewirtschaft US-amerikanischer Prägung, die bereitwillig von den Vasallen in Europa und bedingt auch in China übernommen wurde. Flesh Out! „Überall auf der Welt!“ Wer hat das gesagt? Schlecht recherchiert oder keine Ahnung! Während ganz Gallien vom Römischen Reich besiegt wurde, wehrt sich … ein kleines Dorf … seit Jahrzehnten … mittels eines Zaubertranks. Die ganze Welt? Niemand hat an Afrika gedacht! Und wie immer gilt: Augen auf beim Alles-in-einen-Topf-schmeißen.

Geographie zurechtgerückt – die Sache mit den Inseln

Afrika – das Land, von dem wir keine Ahnung haben. Erstens mal ist es kein Land, sondern ein Kontinent, sogar größer als Europa, das manche nur als westliche Halbinsel Eurasiens sehen. Bei den Ausmaßen Sibiriens, das zwar politisch zu Rußland gehört, geographisch aber Nordasien bildet, ist Europa wirklich auch nicht viel mehr als ein anderes Kamtschatka und Großbritannien im Vergleich zu Sachalin so winzig wie Helgoland. England, wie manche fälschlich die Insel in der Nordsee nennen, die immerhin ein bisschen größer als Irland ist, also nichts weiter als eine undeutende, vorgelagerte Insel vor dem eurasiatischen Kontinent? Der auch China und Indien sein eigen nennt? Böse Zungen und Außerirdische, die neutral von außen oder oben auf unseren Erdball schauen, hätten da im Prinzip gar nicht so Unrecht.

Spanien liegt nicht nur in Europa

Eine Halbinsel der Halbinsel Europa, die Iberische nämlich, dehnt sich mit Spanien auf den afrikanischen Kontinent aus. In Ceuta und Melilla stehen die Zäune, die lange Schlangen von Afrikanern regelmäßig organisiert und massenhaft zu erklimmen versuchen – die Berlinale zeigte es in entsprechenden Dokumentarfilmen. „Wenn du wegschaust – siehst du nicht!“ lautet ein Lied der Different Voices of Berlin. „Wer nicht fragt, bleibt dumm!“ der Refrain des Titelsongs einer bekannten Kindersendung.

Gerade auch für die Berliner, von denen manche so reiseunwillig sind wie gewisse US-Amerikaner, ist oder wäre die Berlinale eine unverschämt naheliegende, einmalige Bildungsmöglichkeit. Wer die verstreichen lässt … „… ist selber schuld. Haben wir begriffen. – Und was gibt‘s da nun so Spannendes zu lernen?“ Zum Beispiel, dass viele in Afrika viel zu dünn sind, um geheiratet zu werden.

Es ist nur eine Frage des örtlich geltenden Schönheitsideals, in dem man unreflektiert papageienhaft mitschwimmen kann.

Geh doch rüber! Für Jammerer gibt es eine Alternative: Mauretanien

In der Bundesrepublik der 70er Jahre hat man Linken, Gewerkschaftern und Sozis, die trotz des Lebens wie die Made im Speck zuviel zu meckern hatten, manchmal gesagt: „Dann geh‘ doch ‘rüber!“ Gemeint war die DDR, für die man als Deutscher genausowenig ein Visum brauchte (wenn man denn dortgeblieben wäre) wie DDR-Bürger in der BRD. Der Hintergedanke: ‚Das machste ja doch nicht, und dann wirste schon sehen, wie schön es hier ist und wie gut du‘s hier hast!‘ ‚Da kannste det Maul nämlich nich so weit uffreißen – und übahaupt!‘

Wohin kann man die ewigen Jammerer beiderlei Geschlechts schicken, die sich selbst zum Opfer machen und schwächen? Die unabhängig von den Fakten ständig die Schallplatte anhaben „Ich bin zu dick?“ Zum Beispiel nach Mauretanien in Westafrika.

Mauren

In Spanien steht bis heute viel maurische Architektur. Auch in der Hauptstadt Madrid gibt es viele Häuser im maurischen Stil. Die Mauren, das waren die Araber und Moslems, die bis sich 1492 im Süden des Landes festgesetzt hatten. 1492 wurde nicht nur Amerika „entdeckt“, sondern in der „Reconquista“ auch die Araber – Mauren – von der Iberischen Halbinsel vertrieben. Granada, Alhambra, Sevilla sind die Stichworte. Übrigens wurden auch die Juden unsanft herauskomplementiert und suchten, ladinisch sprechend, unter anderem im Osmanischen Reich Zuflucht.

Die Mauren, die nicht erschlagen wurden, gingen über die Straße von Gibraltar zurück nach Afrika. Dort folgten dann die finster-brutalen Kapitel von Entführung, Sklaverei und Kolonialismus. Die Bevölkerung Kubas, Brasiliens und der USA wurde neu gemischt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs, der Großbritannien und Frankreich geschwächt hatte, stand der Anfang vom Ende des Kolonialismus. In Indien, Arabien und Afrika.

Mauretanien

Einer des vielen in den 50er und vor allem 60er Jahren selbstständig gewordenen Staaten heißt Mauretanien. 1957 waren neun Zehntel der Bevölkerung Nomaden. 1960 von der Französischen Republik losgesagt. Die Franzosen trennten sich leichter von Mauretanien als von Algerien, nicht nur, weil Algerien größer ist, näher und mehr Öl fördert.

Trotzdem ist Mauretanien riesig: die alte Bundesrepublik passte viermal hinein, das neue, jetzige Deutschland immerhin noch fast dreimal. In Zahlen: Über eine Million Quadratkilometer. Mauretanien bedeckt das Westende der Sahara und hat eine Atlantikküste.

Außerdem gibt es hier das bis heute unerklärte Weltwunder, das Auge Afrikas, die Richat-Struktur.

Im Lande wohnen etwa soviele Menschen wie in Berlin während der Grünen Woche oder IFA. Gut vier Millionen.

Das Land wurde ausführlich in dem Dokumentarfilm „7915 km“ (2009, mit Mali und Westsahara) und „Wer schön sein will, muss reisen“ (2013) behandelt.

Die Staatsform ist eine Islamische Republik. Das müsste man als Schönheitsflüchtling schon schlucken.

Berlinale-Film Flesh out

Apropos Schönheitsflüchtling, apropos schlucken: Von Beginn an sehen wir Farida, ein junge schöne Mauretanierin, beim Essen. Die verschleierte Frau kommt nicht viel raus und sieht viel fern. Trotzdem ist sie nicht dick genug.

Das stellt sich spätestens heraus, als der Mann mit der Waage kommt.

Doch eins nach dem anderen. Farida soll heiraten, verheiratet werden. In drei Monaten soll es soweit sein. Hurra. Doch erstmal wiege, wer sich ewig bindet. Heiratsvermittler übernehmen den Job der Anbahnung. Den Zukünftigen, der selbst eine Sonnenbrille trägt und ziemlich verschleiert ist – Haut kann man jedenfalls nicht erkennen – kriegt Farida nicht zu sehen, und auch von weitem nur, weil sie heimlich durch zwei Fenster gespäht hat.

Als die Familien sich einig sind, kommt der Mann mit der Waage. Mindestens eine weitere Frau muss natürlich dabei sein. Die kleine Farida wiegt 77-78 Kilogramm. Viel zu wenig. Das ist klar und gibt die Mutter zu. Doch das wird schon, beteuert sie. Farida erhält jetzt immer zwei Schalen Essen.

Wer immer noch gedacht hatte, dass in Afrika die Kinder hungern und es kaum Autos oder Handys gäbe, wird endlich eines besseren belehrt.

6 Uhr: Aufstehen, essen!

Mitten in der Nacht wird sie geweckt. Sie soll essen, hat aber keinen Appetit. „Mama, es ist 6 Uhr morgens“! Draußen ist es noch dunkel. Egal, Luke auf, rein damit.

Eine zusätzliche Mahlzeit. Flesh out!

Filmisch verstärkt sich der Eindruck der Quälerei des Essens noch dadurch, dass nicht mit Besteck, sondern mit den Fingern gegessen wird.

Zwischendurch sehen wir Mutter und Tochter beim Einkaufen. In der halalen Schlachterei werden besonders fette Sorten Kamelfleisch ausgesucht. Flesh out! Inschallah kommt es zu einer baldigen Gewichtszunahme, das wünschen sich alle. Doch Farida fühlt sich schlecht.

Das örtliche Schönheitsideal ist eine richtige extreme Orangenhaut. Spannungsfugen als Gütesiegel. Wenn die Haut es kaum noch schafft, den Körper zu Umspannen, dann ist es genau richtig. Flesh out.

Die Hauptfigur des Filmes hatte nicht gegen ihre Religion opponiert. Auch verheiraten hätte sie sich lassen. Aber das tägliche Mästen?

Das bringt das Fass zum Überlaufen!

Farida wird am Ende wohl ein Flüchtling. Nicht nach Europa! Mal langsam. Nicht jeder Afrikaner ist ein Selbstmörder oder Wirtschaftsflüchtling, der gerne in Lagern vergammelt und eher überlebt als lebt.

Die „liberale Weltstadt“ alias Millionenmoloch Kairo ist das Ziel.

Hier könnte sie vielleicht auch einen Mann finden, der sie so mag, wie sie ist – und nicht, wie sie isst.

Filmtitel: Flesh out

Flesh out – Italien/ Frankreich; Ein Film von Michela Occhipinti

Jahr: 2019

Sektion: Panorama der Berlinale




Mit brennender Geduld. Christina Battle stellt auf der Berlinale (Forum Expanded) in der kanadischen Botschaft aus – unbedingt sehenswert! Eintritt frei

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Christina Battle spricht aus, was viele von uns schon einmal gedacht haben. Und sie hat den Mut, die Kurzlebigkeit der heutigen Zeit zu zeigen und auch auf sich zu beziehen: Ihre Sätze lösen sich bald in Rauch auf. In einer Video-Installation auf vier Bildschirmen, die leider nur bis zum Ende der Berlinale, also bis Sonntag Abend in der kanadischen Botschaft am Leipziger Platz in Berlin zu sehen sein wird, zeigt Christina Battle einfach, kurze Sätze auf visitenkartenähnlichem Papier. Die Kamera verfolgt dann das Anzünden und den Verfall. Geschaffen wurde ein Kunstwerk, das banal und genial zugleich ist. Die Faszination des Feuers kombiniert mit fast genau aus unserem Mund stammenden Gedanken, die scheinbar zerstört werden, aber doch bleiben.

Vergänglichkeit

Kürzer als die japanische Kirschblüte währt ihre Lebensdauer auf dem Bildschirm, doch so mancher Spruch, mal lustig, mal tiefgründig, doch immer mit Berechtigung und Bezug zur digitalen Welt, also unserer Welt, wehrt sich erstaunlich lange gegen das Verschwinden. Manchmal muss die Hand, die einem unbekannten Performancekünstler gehört, fast ein Dutzend mal das Feuerzeug ansetzen, bis die Flammen endlich mit Sauerstoff und Hitze ihr zerstörerisches Werk beenden können.

Louis Armstrong sang: What a wonderful world. Christina Battle bringt es auf den Punkt. In der kanadischen Botschaft. Ausstellung/ Installation während der Berlinale. Sektion Forum Expanded. © Foto/BU: Andreas Hagemoser, 2019

Christina Battle ist ein Digital Native, aufgewachsen mit Computern. Trotzdem sieht sie die digitale und gesellschaftliche Entwicklung mit Besorgnis. Wenn man sich hineinsteigert, kann man sogar Angst bekommen. German Angst? Datenschutz ist nicht nur ein deutsches Bedürfnis, sondern eine weltweite Notwendigkeit zum Aufrechterhalten der Demokratie und Menschenrechte. Diktatur sammelt Daten bis zum Erbrechen und schlägt anschließend willkürlich ausgewählte Missliebige, bis sie sich erbrechen oder sterben. Ein Rechtsstaat braucht Datenschutz. Jeder von uns braucht Datenschutz.

Die Missbrauchsmöglichkeiten von Macht heute sind „Mega“. Das Wort ‚mega‘ bedeutet Million. Die Stasi, die „Staatssicherheit“ der DDR, brauchte viel Personal und Wochen, Monate, gar Jahre, um zweifelhaft ungenaue Informationen über einzelne zu sammeln (vergleiche „Heimat ist ein Raum aus Zeit“, „Heimat Is A Space in Time“, ein Film im Forum). 2 Menschen, einer davon ein EDV-Spezialist, können heute in 5 Minuten mehr über jeden von uns erfahren, als die Stasi in 100.000 Jahren hätte je erfahren können. Die DDR ist Geschichte, die Gegenwart ist jetzt.

Abwechslung

Christina Battles Videos haben eine Leichtigkeit, sind nicht von der Schwere ernster Gedanken geprägt. Sie ist jung und humorvoll, ohne leichtsinnig zu sein. Ihr Witz und ihre Ernsthaftigkeit schlagen sich in den Videos nieder.

Selbst das Verbrennen von Papier, das keine Chance gegen das Feuerzeug hat oder gegen die Inszenierung, ist von Zufall begleitet und spannend.

Wir wünschen viel Freude beim Betrachten dieser Kleinode, die kaum in Vergessenheit geraten werden. Ein Englisch-Wörterbuch braucht man nicht unbedingt mitzunehmen in die Ausstellung oder Videoinstallation. Die Sätze sind kurz und unsere deutsche Sprache, besonders die, die sich mit Computern befasst, ist derart durchsetzt von englischen Ausdrücken, dass man fast alles sofort versteht und Kanadier sind nett und hilfsbereit. Falls man einmal ein Wort nicht versteht, kann man immer noch nachfragen.

Letztlich haben wir auch alle ein Handy dabei. Wer keine Angst davor hatte, dass Google erfährt, welches englische Wort wir noch nicht kennen oder womit wir uns beschäftigen, kann sein Auskunftsgerät (Datenüberwachungsgerät) munter befragen.

Online

Christina Battle vor ihrem Werk bei der Berlinale. Fortschrift ist nicht immer angemessen oder praktisch, meint sie.Nicht das, as wir wollen. Progress is not always convenient. Bald geht der Satz in Flammen auf. Forum Expanded der Berlinale im Erdgeschoss der kanadischen Botschaft am Leipziger Platz. © Foto/BU: Andreas Hagemoser, 2019

Christina Battle ist auch online. Ihre Website lautet cbattle.com, http://cbattle.com/ Schwere Zeiten (HEAVY TIMES) liest man auf ihrer Homepage. Doch diese – oder nur der Satz – gehen ja bald in Flammen auf. Die Gedanken sind frei und nicht mit einem Feuerzeug zu besiegen. Schauen wir uns diese unterhaltsame Schau an, bevor die Welt in Flammen aufgeht. Datenschutz trägt zum Erhalt der noch guten Verhältnisse bei.




69. Berlinale mit Binoche-Jury – Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin klaffen Welten zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 7. Februar 2019 beginnt die 69. Berlinale. Für die Internationalen Filmfestspiele Berlin ist und bleibt der Wettbewerb das Schlachtschiff. Die Jury der Berlinale-Sektion Wettbewerb wird dieses Mal von Juliette Binoche angeführt.

Damit ist nach zwei Regisseuren in diesem Jahr wieder eine Frau an der Spitze. Die letzte Präsidentin war Meryl Streep 2016.

Im „Tagesspiegel“ (11.12.2018) wird unter der Überschrift „Juliette Binoche wird Präsidentin der Berlinale-Jury“ darauf hingewiesen, dass „die französische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin … eine lange Verbundenheit mit dem Festival“ habe, „wie Berlinale-Leiter Dieter Kosslick“ betonte. Weiter im „Tagesspiegel“-Text: „2001 war sie in Lasse Hallströms Melodrama ‚Chocolat‘ zusammen mit Johnny Depp im Wettbewerb zu sehen, 2004 spielte sie die Hauptrolle in ‚Country Of My Skull‘ von John Boorman. Zuletzt war sie mit ‚Camille Claudel‘ von Bruno Dumont und ‚Endless Night‘ von Isabel Coixet im Wettbewerb vertreten.“

Der eine oder andere Orchideenfilme ist darunter und auch in diesem Jahr im Wettbewerb, doch dazu in den nächsten Tagen mehr.

Die Berlinale will politische sein und erfüllt diesen Anspruch im Wettbewerb weitestgehend nicht. Doch dafür kann die Jury, die jedes Jahr eine andere ist, nichts. Dass die letztjährige Jury unter der Leitung von Tom Tykwer einem Schrottfilm wie „Touch me not“, bei dessen Vorführung sich der Kinosaal im Laufe des Films sichtlich leerte, den Goldenen Bären gab, dafür kann die Jury etwas und dafür können auch diejenigen, welche diese Jury, zu der neben Tykwer Cécile de France, Adele Romanski, Chema Prado, Ryūichi Sakamoto und Stephanie Zacharek zählten, zusammenstellen.

Wird das unter Binoche dieses Jahr wieder ein totaler Reinfall? Das wissen wir nicht, aber die Namen der weiteren Jurymitglieder: Sie lauten Justin Chang (USA), der in einer Berlinale-Pressemitteilung vom 29.1.2019 als „Filmkritiker und Autor“ vorgestellt wird, Sandra Hüller (Deutschland), als „Schauspielerin“ gilt, Sebastián Lelio (Chile), als „Regisseur“, Rajendra Roy (USA), als „Kurator“, und Trudie Styler (Großbritannien), als „Kuratorin, Regisseurin und Schauspielerin“.

Die Berufsbezeichnungen schützen leider nicht davor, bisweilen bekloppt bis völlig verrückt zu sein.

Behauptungen wie die im „Tagesspiegel“, Binoche u.a. würden „ein positives Signal für das letzte Jahr von Berlinale-Chef Dieter Kosslick“ sein, mögen deren Leser köstlich finden, basieren gleichwohl auf Kaffeesatzleserei.

Immerhin wurden in der Kosslich-Äre Filme wie „Bloody Sunday“ (2002), „Gegen die Wand“ (2004) und „Fuocoammare“ (2016) mit dem Golden Bären ausgezeichnet, die dem Anspruch, dass die Berlinale ein politisches Filmfestival, ja, sogar das größte politische Filmfestival der Welt seien, gerecht wurden.

Als Schelm auf Berlinale und das mit Schalk im Nacken, dazu ein schwarzer Hut und ein roter Schal, schön, vielleicht auch besser, als je zuvor, doch der Dreiklang aus dem Wahren, Schönen und Guten wurde noch nicht erreicht.




Immer wieder anders. Grüne Woche mit Rekord, hin zu diesem Ort

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Bereits einen Tag vor Beginn, als die ersten Pressekonferenzen liefen, meldete die Messe Berlin: „Mit 125.000 Quadratmetern ist die zur Verfügung stehende Hallenfläche auf dem Berlin ExpoCenter City ausverkauft. Die Messe Berlin erwartet in den zehn Messetagen rund 400.000 Fach- und Privatbesucher.“ Der letzte Satz spricht noch von Erwartungen, doch der feststehende Rekord von 125.000 Quadratmetern spricht für sich, 2018 waren es noch nicht einmal 118.000. Vordergündig liegt das daran, dass die Modemesse Panorama sich diesmal nicht mit der Grünen Woche überschnitt.

Die Panorama ging vom 15.-17., die Internationale Grüne Woche Berlin (IGW) vom 18.-27. Januar 2019. In den Vorjahren flanierten Modefachbesucher von Grünwöchlern unbemerkt durch die Hallen 1.1 bis 6.1, während über ihnen die Grüne Woche in vollem Gange war in den Hallen 1.2 bis 6.2 und weiteren. Es war die 84.; die erste Grüne Woche 1926 füllte 7.000 Quadratmeter und es war noch keine internationale.

Rekorde haben also manchmal ganz banale Gründe. Wir kennen das vom deutschen Bruttosozialprodukt. Es erreichte unlängst von einem Jahr auf das andere Rekordniveau bei annähernd gleicher, sehr guter Wirtschaftslage. Was aber hatte konkret den obersten Platz auf dem Treppchen bewirkt? Nichts anderes als der Kalender. Es fielen in dem Jahr viele Feiertage auf einen Sonntag, dadurch wurde einen Tag länger gearbeitet. Das war es schon.

Dass Berlins Regierender Bürgermeister Müller nun stadtweit einen neuen Feiertag (wir berichteten) ausrief, wird dem Berliner Sozialprodukt, von dem unter anderem die Hartz-IV-Empfänger bezahlt werden, automatisch einen Dämpfer versetzen. Die Hartz-IV-Empfänger werden von dem Feiertag fast so wenig mitkriegen wie von dem Schuldenberg der Stadt, mit dem Unterschied, dass sie vielleicht im März bei Aldi vor verschlossenen Türen stehen werden.

Welcher Feiertag? Es ist der Tag, bis zu dem in Russland die Weihnachtsbäume stehen dürfen. Anfang März, von einer Deutschen erfunden. Woanders gefeiert.

Kein gewöhnliches Jahr

Bei der Internationalen Grünen Woche Berlin sind die verfügbaren 125.000 Quadratmeter (aus-)verkauft gewesen, das ist nicht selbstverständlich. Bloß weil sie zur Verfügung standen, hätten sie nicht ausgebucht sein müssen. Was also macht die Attraktivität aus? Und warum lohnt der Besuch jedes Jahr aufs Neue?

Die Berliner zumindest sind ja so leicht nicht aus der Fassung zu bringen. Damit sie endlich mal zuhause bleiben können und die Füße hochlegen – immerhin dauert jeder normale Weg von A nach B in der Hauptstadt 30-45 Minuten – sagen sich einige einfach: „Naja, auf der Grünen Woche ist es ja immer wieder dasselbe. Dieses Jahr muss ich da nicht hin.“ Das mit dem ‚müssen‘ stimmt im Prinzip und mal Pause machen ist eine gute Sache. Doch die zweite Januarhälfte ist dafür der falsche Zeitpunkt.

Ein paar wenige Gründe von vielen lassen sich sofort aufführen. Zwar sind einige Aussteller hier seit 20 Jahren Stammgäste. Herrmann‘s Gewürze, ein Familienbetrieb aus dem Saarland, ist seit 2 Jahrzehnten jedes Jahr dabei. Welcher Grüne-Woche-Dauerbesucher hätte nicht schon einmal die mit Mayonnaise und Ketschup angerührten Gewürzmischungen probiert, die zum Beispiel „Jambalaya“ heißen? Zwanzig Jahre sind noch nicht einmal ein Viertel von 84 und Herrmann‘s hat sich verändert, hatte jetzt einen zweiten Stand mit Biogewürzen.

Wela mit seinen Trockenmischungen und Pasten für Suppen und Saucen ist auch seit Jahren bekannt; wohl kaum ein Deutscher, der sie nicht schon einmal probiert hätte. Ihre Qualität hat sich gesteigert; viele löffelten ahnungslos die „leckere Suppe“, die ihnen die „Hausfrau nach Hausmacherart“ präsentierte. Doch auch hier gibt es neue Sorten und Produkte. Außer Spargelcreme- Kokos-Ingwer- oder Waldpilzsuppe.

Nicht zuletzt bietet Wela eine Kakaopulvermischung. Wer weder die Hausmarken der Discounter dauerhaft goutiert noch mit der Politik und dem Geschäftsgebaren der Weltmarktführer einverstanden ist, findet hier eine Alternative für seinen Frühstückskakao.

Erstes Fazit: Selbst die bekannten Aussteller bringen Überraschungen.

Echte Novitäten

Von Algen über Gojibeeren bis hin zu finnischen Eiweißriegeln gab es soviele Neuheiten, dass wir sie weder alle gesehen haben noch zählen können. Unzählige Neuheiten, im wahrsten Sinne des Wortes. Überhaupt Finnland. Von den Malzbrotbackmischungen, Knäckebrot, das nicht wie solches aussieht und Joghurt aus Hafer, das sich nicht so nennen darf, soll an anderer Stelle extra berichtet werden. Finnland war dieses Jahr Partner und das wird noch lange nachwirken. Es hat sich als Produzent außergewöhnlicher (Bio-) Lebensmittel ins Gedächtnis eingebrannt und zusätzlich als Reiseland.

Auch die Novitäten verdienen gesonderte Berichterstattung. Gojibeeren hatten wir in Japan verortet. Dass diese jetzt ausgerechnet in Südosteuropa angepflanzt werden, hätten wir weder klimatisch noch wirtschaftlich vermutet. Dass Goji für Superfood steht, ist bekannt. Das G von Goji gibt‘s jetzt aus Griechenland. Griechische Gojibeeren sind ganz groß im Kommen. Und woher kommen sie? Aus Korinth, nur 70 Kilometer von Athen entfernt am Isthmus. Die Rosinen im griechischen Kuchen waren bisher Korinthen; wer jetzt nach echten Rosinen sucht, pickt sich Gojibeeren heraus. Klein, rot, lecker und gesund.

Leckere tschechische Sanddorn-Rezepturen

Sanddorn aus Tschechien ist auch gesund, aber schon bekannt; irgendwie hat es die Familie von Ing. Pavel Cvrcek geschafft, Rezepturen und Erzeugnisse auf den Markt zu bringen, wonach die Leute Schlange stehen. Es verging kein Tag auf der Grünen Woche, wo man in den Durchgangshallen 8/10 in der Nähe des Großen Sterns bei Cvrcek-Sanddorn nicht auf eine Menschen-Traube stieß. Die Menschenmassen stockten, das Durchkommen war erschwert. Wohl dem, der kein großes Kamera-Equipment mit sich herumschleppen muss.

Erst am letzten Tag der Grünen Woche gelang es, am Ausgabefensterchen – eine Gewohnheit aus sozialistischen Zeiten oder dem knappen Platz geschuldet? – mit Pavla Hatasová zu sprechen. Pavla ist Pavels Tochter, aha. Ihr Nachname spricht sich Hataschowa. Sie hat einen Magister – tschechisch Mgr. – und ist für výroba zuständig, die Herstellung
– oder, wer das deutsche Wort nicht mehr versteht, die Produktion.

Pavel und die schöne, kompetente Pavla haben den Geschmack vieler Mitteleuropäer getroffen. Zum Beispiel mit einer Art Himbeer-Sanddorn-Marmelade, die Stärke enthält. Für Russen ein No-Go. Russische Varenje ist flüssig und wird zum Tee gelöffelt. Deutsche Marmelade enthält dagegen für viele Geschmäcker oft zu wenig Obst und schmeckt einfach nicht gut genug, selbst wenn sie aus Bad Schwartau in Schleswig-Holstein kommt.

Vielleicht ist es auch nur der Reiz des Neuen und Ungewöhnlichen, der das Internationale der Grünen Woche so gut schmecken lässt. Wer sich selbst überzeugen will, findet die Sanddornprodukte von Paul, Paula und Tatjana aus Lhota pod Libcany in unserem Nachbarland unter www.rakytnik.eu . Die Website ist auch slowakisch, deutsch und englisch.

Ob es nun schmeckt oder nicht, lässt sich mit Sanddorn zumindest die nächste Grippewelle elegant umschiffen.

Zum Markenzeichen gezeichnet eine lustige Grille, die einen Zapfhahn in eine riesige Sanddornbeere geschlagen hat und sich in ihre Bechertasse einen labenden Trank abfüllt.

Algen essen im Trend

Gesundheit bringen auch die Algen. Viele kennen wir nur aus Japan. Sie sind teuer, wie alle japanischen Lebensmittel, und seit Fukushima scheuen wir uns ein bisschen. Ähnlich wie bei den Gojibeeren findet sich hier eine europäische Alternative: Bioalegria-Algen aus Galicien. Eigenname: „Biofreude aus Spanien“. Alegria ist das spanische Wort für Freude, fängt aber auch mit Al- an und geht mit „eg“ weiter.

Erzeugnisse aus der EG oder EU sind immer auch eine Freude für das Kohlendioxidkonto. Gojibeeren aus Griechenland und Algen aus dem Atlantik statt aus Japan, Sanddorn vom Nachbarn statt aus der Ferne … bei aller Meckerei über Europa sollten wir das Energieplus nicht aus den Augen verlieren. Nicht nur bei den Algen, die ein eigenes Thema sind, auch in Berlinalefilmen. Und gerade immer wieder zum Thema CO2 um Verwüstung zu verhindern, sprich: globale Erwärmung anzuhalten.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Garten seines Amtssitzes. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Noch gar nicht erwähnt wurde die Politikerschwemme auf der Berliner Internationalen Grünen Woche, über 70 Minister reisten an, darunter die wichtigen deutschen für Landwirtschaft und Umweltschutz. Nicht zu vergessen der erste Mann im Staate, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.




Kapernaum, Capernaum. Das Chaos um Aussprache und Bedeutung eines Begriffes

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Kapernaum: Bei der Kapernaumkirche ging es mir wie so oft, wenn ich einen unbekannten Begriff oder Namen sah. Ich ging zum Bügeln oder Einkaufen oder zum Studieren, die erste Neugier auf die Bedeutung verflog ob Wichtigerem und später kam man nicht dazu, nachzuschlagen. Dabei hat mir meine Mutter, Künstlerin und Lehrerin, beigebracht, mir selbst etwas beizubringen. Die 12 Bände eines Lexikons in der riesigen Bücherwand im Wohnzimmer, auf die man immer schaute, bildeten einen Grundstock. „Wenn du über ein Wort stolperst, schlag nach!“ Das schien mir auch ein sinnvolleres Vorgehen als die Modeerscheinung der Mädchen aus Adelsfamilien früherer Jahrhunderte, die das Konversationslexikon Artikel für Artikel, Buchstabe für Buchstabe durchgingen. Ich erinnere mich an einem Film, in dem die Figur sagt: „Ich bin jetzt beim C.“ Im Übrigen deckt sich diese Vorgehensweise, die manche situatives Lernen nennen, mit den Methoden aus dem Dokumentarfilm „Being and Becoming“ über Homeschooling.

In einer Pressemitteilung über den im Januar in Deutschland startenden Film Capernaum stehen zwei Sätze, die mir eine Antwort gaben:
„Capernaum“, aus dem Hebräischen, bezeichnet eine ungeordnete Ansammlung von Objekten, einen Ort voller Chaos. Einen solchen Ort zeigt die libanesische Regisseurin Nadine Labaki (CARAMEL) in ihrer hochemotionalen Fabel.“

Diese wird vom Libanon immerhin als Beitrag des Landes für den Oscar „Bester fremdsprachiger Film“ ins Rennen geschickt. Es geht um einen Waisenjungen in Beirut.

Okay, C oder K ist oft austauschbar. Ist die Kapernaumkirche in Berlin-Wedding ein chaotischer Ort oder wenigstens nach einem Ort voller Chaos benannt?
Ebendort in Wedding sagte uns Ralf Wieland, Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, einmal: „Journalismus, das bedeutet zwei Quellen.“

Ist hier Capernaum und Kapernaum eins?

Doch erst einmal zur Aussprache, da wir darüber schon reden, obschon wir nicht wissen, was soll es bedeuten?

Wie spricht man Kapernaum oder Kapernaumkirche aus?

Im Gegensatz zu den meisten deutschen Wörtern, die gleich auf der ersten Silbe betont werden, einigt man sich bei Kapernaum auf die zweite. Dann wird es etwas komplizierter, auch wenn man es noch nicht gemerkt hat. Naum ist ein Schüler von Kyrill und Method; alle drei sind Heilige. Um sie geht es nicht.
Auch wenn viele Ka-per-naum sagen, klingt Ka-per-na-um besser, richtiger, eleganter.
Um Silben zu trennen, die man versucht sein könnte, diphthongisch – also zusammen – auszusprechen, gibt es ein diakritisches Zeichen. Es sind zwei nebeneinander angeordnete Punkte über dem Buchstaben. Sie sehen aus wie die Ö-Striche auf dem ‚ö‘.
Schön, wenn man die fran-zö-sische Automarke nicht Zitrön ausspricht oder Citrön. Denn Citroen hat zwei Punkte auf dem ‚e‘: dort beginnt die neue Silbe. Es heißt also richtig Ci-tro-en. Sprich Zieh-tro-enn.

Exkürs mit ‚Ü‘

Bei dem Wort Kapernaum müssten nun dort, wo die neue Silbe beginnt, zwei Pünktchen aufgetüpfelt werden. Das ergäbe Kapernaüm. Das wiederum spräche man im Deutschen aber Kaper-na-üm aus – und nicht na-um.
Ersatzweise hätte man versuchen können, die zwei I-Tüpfelchen auf das ‚a‘ zu plazieren. Dann ergäbe sich Kapernäum. Dieses spräche sich aber wie Bäume oder Bäumchen aus, und man würde wieder die richtige Aussprache versäumen. Es bringt also nichts, die Trennstelle mit zwei Pünktchen künstgerecht zu umsäumen. Im Wedding könnte man sonst vermuten, dass der Name vielleicht dem Türkischen entlehnt sei, da das ‚ü‘ zümlich selten ist, vielleicht noch im Fünnischen oder Üngarischen zu fünden. Ha-hmm.

Überraschung

Das 12bändige Lexikon habe ich nicht zur Hand. Die Bertelsmann-Lexikothek auch nicht. Also muss ein Blick in die deutsche Wikipedia reichen.

Dort ist von Chaos keine Spur, so scheint es. Doch wird es auch nicht dementiert.
„Kafarnaum, auch Kapernaum und Kapharnaum“, so fängt der Eintrag an. Jetzt habe ich schon vier Schreibweisen gesehen. Zur Etymologie: Der Begriff stamme aus dem Hebräischen. Ja Gott sei Dank, dann sind wir ja schnell fertig. Im Hebräischen bedeutet – was? Hilfe, nein! Das ist ja etwas ganz anderes! Es soll um Nachums Dorf, Kfar Nahum, gehen. Es liegt am See Genezareth. Auch das noch, wenn es in die Bibel reingeht, ist es kanonisiert worden. Und richtig, es heißt dann: „neutestamentlich-biblisch: Καπερναούμ, Kapernaum”.

Kapernaum als Fischerdorf

Wenn doch wenigstens bitte Nachums Dorf ein Ort des Chaos wäre! Die nach Kapernaum benannte Kirche brannte an ihrer Spitze, das wäre ja ein Anfang der Übereinstimmung oder die Spitze des Eisberges. Ein Fischerdorf in Galiläa, das hat ja noch gefehlt. Am Ufer eines Sees, den jedes Kind kennt.
Im 19. Jahrhundert hat man sogar noch die Ruinenstätte Talhum oder Tel Hum dem historischen Dorf zugeordnet. Au weia. Nun haben wir also einen unauflösbaren Widerspruch. These und Antithese sind vor der Nase, wo bleibt die Synthese? Jeschua oder Jesus von Nazareth soll dort gewirkt haben.

Zum Film Capharnaüm, deutscher Titel Capernaum – Stadt der Hoffnung und der Wandlung des Libanons

Das lässt verstehen, warum das Gotteshaus so heißt. Doch ob der libanesische Film das Wort gekapert hat oder schlicht den christlichen Hintergrund verschleiern wollte, muss an dieser Stelle offenbleiben. Spekulation. Solange der Proporz im Libanon funktioniert, hat der Frieden eine Chance. Viele meinen, dass die Schweiz des Nahen Ostens, wie das Land früher wurde genannt, durch das Eintreffen der PLO in den Bürgerkrieg gezogen wurde, der zwischen 1975 und 1990 90.000 Menschen das Leben kostete.

Von Anfang an befindet sich der Libanon im Kriegszustand mit Israel und ist eines der wenigen übriggebliebenen Länder mit diesem Status, nachdem erst Ägypten 1979 mit Sadat und dann auch Jordanien Frieden schlossen. Die PLO hatte in Jordanien zu einem Ungleichgewicht geführt. 1970 gab es einen Bürgerkrieg dort, die PLO wurde hinausgeschmissen und ging in den Libanon, einzelne Palästinenser gingen nach Syrien. Der libanesische Bürgerkrieg, der nach dem Fortgang der Palästinenser Mitte der Achtziger wenige Jahre später zum Ende kam und der syrische Bürgerkrieg sind wohl nicht allein der PLO in die Schuhe zu schieben. Fest steht, dass es in allen drei israelischen Nachbarländern zum Bürgerkrieg kam und auch Tunesien in Unruhe geriet – Beginn des arabischen Frühlings – wohin Teile der PLO sich zurückgezogen hatten, wenn auch eine vereinzelte Bombardierung mit dem langen Arm einige Spitzen der Palästinenser heimsuchte.

Hunderttausende flohen aus dem Libanon – jetzt sind noch mehr Flüchtlinge dort sicher

Heute ist der Libanon, aus dem während des Bürgerkriegs etwa 800.000 Menschen unter anderem nach Syrien, Deutschland und Frankreich flohen – nicht alle kehrten zurück – selbst ein sicherer Hafen für Flüchtlinge. Eine Million Syrer befand sich hier in dem kleinen Zedernland, doch auch Afrikaner finden den Weg hierher.

Über syrische Bauarbeiter in Beirut, die Hochhäuser bauten, während ihre Heimat zerbombt und zerschossen wurde:

Beton schmeckt. „Taste of Cement“: Filmpremiere in Berlin mit Regisseur

Der Film CAPHARNAÜM läuft auf dem Festival Around the World in 14 Films heute, am 29.11.2018 um 21.45 Uhr als Film Nummer 9 von 14 Filmen. Er ist aber ausverkauft, obwohl er im großen Saal projiziert wird. Vorgestellt vom Filmpaten Nikolai Kinski.

Der Streifen startet in den deutschen Kinos am Donnerstag, den 17. Januar 2019 (im Verleih von Alamode Film und Wild Bunch Germany). Er ist 124 Minuten lang, also über zwei Stunden.

Around the World in 14 films
Kapernaumkirche

Mehr über Libanon und seine Nachbarn:

Rasha in a Rush – Kuratorin Rasha Saltis Zeit der Unruhe zwischen Berlin und Paris beim „Cinéma du Réel“




Vielleicht die schönste Verkaufsmesse auf dem Gelände der Messe Berlin – Bazaar Berlin. Jetzt noch fairer!

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Unter dem Namen „Partner des Fortschritts“ ging es 1962 los. Zwischendurch hieß die internationale Ausstellung und der Verkauf von dekorativen Kunstgegenständen, Schmuck, Textilien und Wohnaccessoires „Importshop“. Seit 2013 heißt sie Bazaar Berlin.

Der Shop heißt jetzt Bazaar Berlin

Warum eigentlich? Wir fragten eine Stammkundin, die nur mit den Schultern zuckte, aber verriet, dass sie diesen Termin jedes Jahr rot im Kalender anstreichen würde. Im übertragenen Sinne wahrscheinlich, denn auch Kalender … sind ja vielerorts digitalisiert und rot … ja, doch, vielleicht schon.
Eigentlich ist es ganz einfach. Eine Importmesse bietet nur Erzeugnisse des Auslands an. Auf der Bazaar Berlin sind aber jetzt auch inländische Unternehmen.

Waren aus dem Inland braucht man nicht zu importieren – auf die Bazaar Berlin

Das hat der Messe gutgetan. Denn nun kann auch regional eingekauft werden, aus demselben Bundesland wie Kaffee, Bonbons und Täschchen aus der Rungestraße in Mitte oder zumindest aus dem Inland. Gemessen an den unendlichen Weiten, aus denen das Kunsthandwerk und die Souvenirs an die Berliner Gestade gelangt sind, ist die Einfuhr aus dem Saar- oder Emsland ein Witz. Nicht hingegen, was die Ökobilanz angeht. Das Kohlendioxid, dass man mit der Schule abgehakt zu haben glaubte, sitzt einem jetzt immer im Nacken. Denn falls Donald Trump Unrecht haben sollte, dann Gnade uns Gott. Das Klima jedenfalls kennt keine Gnade. Die gute Nachricht: Jetzt ist Berlin auch noch Fair-trade-Stadt geworden!

Bazaar – jetzt in der Fair-Trade-Stadt Berlin

Fairness sollte auch im Umgang mit der Umwelt gelten. Solange man noch frei wählen darf und nicht zum Kauf einer Block- statt Panflöte gezwungen wird, ist das in Ordnung. Manche Sachen sind einfach aus der Ferne schöner und auf der Bazaar Berlin konnte man wieder wie früher zu Importshop-Zeiten neue Dinge entdecken. Aus Ecken, die man noch nie gesehen hat und wohl auch nie zu Gesicht bekommen wird – außer vielleicht auf den Bildern und Präsentationen der ITB.

Vom 7. bis 11. November präsentierten rund 500 Aussteller aus der ganzen Welt ihre Produkte. Viele Kaufleute, vor allem diejenigen, die ihre eigenen Waren selbst herstellen, erzählten den Besuchern gerne von sich und ihren Erzeugnissen: ob es nun handgefertigte Schuhe, Korbwaren, Schmuck oder bemalte Weihnachtskugeln sind. Auf dieser Ausstellung von Kunsthandwerk, Design, Naturprodukten und Waren mit dem Fair-Trade-Zeichen konnten Dinge erworben werden, die es eben nicht überall zu kaufen gibt.

Erzeugnisse zum Beispiel aus Kyrgystan bzw. Kirgisien – dort, wo sie wissen, wie man Warmhaltendes herstellt

In den acht Sälen des Ausstellungskomplexes in einzigartiger Atmosphäre fand man Geschenke für jeden Geschmack. Auch aus ehemaligen Sowjetrepubliken beziehungsweise der GUS.

Zum Beispiel aus dem bergigen Kyrgystan. Kirgisische Mützen und Pantoffeln, russische Puppen und Orenburg-Gaze-Schals, Armbänder, Tücher, Umhänge und Kleider aus Ziegenfell. Die Spinnennetztücher aus dem Naturmaterial sind besonders leicht – obwohl sie extrem wärmen. Das Land der Inuit und Kyrgystan sind die zwei einzigen Territorien der Welt, bei denen Vegetarier wie Are Waerland anerkennen, dass die dort Bewohner keinen Zugang zu Obst und Gemüse haben. Zumindest nicht, bis nicht ganz Grönland immergrün ist. Doch bis dahin würden noch viele Inuit im zu weichen Eis einbrechen und elendig untergehen. Die Kirgisen wissen, wie man sich mit örtlichen Mitteln vor Kälte schützt. Den zuweilen eisigen Novemberwind hierzulande halten solche Textilien allemal ab.

Dann: Ukrainische Malerei auf Holz und Keramik – „Petrykiwka“-Malerei (englisch Petrykivka oder Petrikivka): bemalte Teekannen, Schüsseln, Anhänger und andere Schmuckstücke, jeweils Unikate: keine zwei gleichen sich.

Holzteller „August“ mit „Petrykiwka-Malerei ( aufgenommen mit OLYMPUS DIGITAL CAMERA von Zharko140, copyright 2013 Wikimedia)

Für die Weihnachtsfeierlichkeiten und andere Festessen gab es Lakritzlikör aus Finnland, Bioprodukte aus Österreich – Wurstwaren, Käse, Apfelchips und kandierter Ingwer, Bio-Schokolade und Avocadoöl aus Mexiko und sogar die „deutsche Antwort“ auf die italienische Küche – Pflanzenöle und Kräuterwürze von deutschen Herstellern.

Eine aktuelle Basarveranstaltung ist die Vergabe eines Fairtrade-Town-Zertifikats an die Stadt Berlin. Dieser Titel wird Gemeinden verliehen, die besonders auf faire Produktionsbedingungen und Löhne sowie auf soziale und umweltfreundliche Handelsstrukturen achten. Die Fairtrade-Towns-Kampagne läuft seit 2009. Initiator ist der Kölner Verein TransFair. Im ganzen Land wurden 566 Gemeinden mit dieser Auszeichnung ausgezeichnet. Auch wurden bereits einzelne Bezirke zertifiziert – Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Friedrichshain-Kreuzberg. Jetzt kam Berlin als Ganzes hinzu. Auf der Bazaar Berlin erhielt die Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe Ramona Pop die Auszeichnung.

Lanna Idriss präsentierte Gyalpa

Basarware von GYALPA aus Syrien und Schöneberg auf der Messe BAZAAR Berlin. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Neben Fair-Trade-Produkten gab es an den Ständen auch Informationen zu Entwicklungsprojekten in Asien, Afrika und Lateinamerika. Teilnehmer des Basars waren mehrere öffentliche Organisationen, die sozial Benachteiligten den Markteintritt ermöglichten.

So präsentierte Lanna Idriss von der Gyalpa-Gesellschaft ihr Projekt zur Unterstützung syrischer Frauen. Produkte, die sie zu Hause herstellen – Olivenöl-Seife, Patchwork-Kleidung, Schuhe mit Applikationen – können sie nicht risikolos an den Mann bringen. Physisch ist es sehr schwierig, auf den Markt zu kommen, wenn die Gefahr besteht, dass man bombardiert wird. Diese ist oder war nicht gering, da Märkte gern unter Beschuss genommen wurden, da sich dort viele treffen. Nun müssen sie, durch die Unterstützung der Gesellschaft Gyalpa, das Haus nicht mehr verlassen – und können ihre Produkte in Deutschland verkaufen. Auf der Bazaar Berlin ist Lanna, die selbst syrische und dänische Wurzeln hat, bereits das dritte Jahr, und diesmal kann sie sich erfolgreich schätzen. Während ihre Idee anfangs bei der Öffentlichkeit eher kühl aufgenommen wurde, hat ihr Verein dieses Jahr ein professionelles Niveau erreicht und fühlt sich auf Augenhöhe gleichgestellt. Dieses Jahr stimmten Freundlichkeit, Feedback und Umsatz.

Wie jedes Jahr im November kamen rund 40.000 Besucher in die Messehallen der deutschen Hauptstadt am Fuße des Funkturms gegenüber vom ICC. Der Osteingang an der ICC-Brücke ermöglichte dieses Mal den Zugang zur Bazaar Berlin zusammen mit dem Nordeingang am Palais am Funkturm. Sie kamen, um auf diesem Markt exotischer Waren und des Kunsthandwerks aus aller Welt etwas Ungewöhnliches, Hochwertiges, Schönes oder ungewöhnlich Leckeres zu kaufen. Die vorweihnachtliche Stimmung unterstützte noch die gelöst-positive Atmosphäre.




Die IFA macht Berlin wieder zur Welthauptstadt der Consumer electronics. Internationale Funkausstellung 2018 ab 31. August

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Internationale Funkausstellung 2018, kurz IFA, ist laut Selbstauskunft „ die global führende Messe für Consumer und Home Electronics“. Also Unterhaltungselektronik inklusive Handys und „weiße Ware“ – Waschmaschinen, Kühlschränke und Geschirrspüler, die immer digitaler werden. Und das ist so. Die weltweite Ausnahmestellung wurde gerade durch eine doppelte Ausgebuchtheit bestätigt. Am 23.8. Das heißt, dass beide Ausstellungsbereiche voll sind bis unters Dach.

Internationale Funkausstellung 2018 in Berlin an zwei Standorten

Die IFA findet vom 31. August bis zum 5. September 2018 statt, wie gewohnt auf dem Messegelände unter dem Berliner Funkturm ( im Fachjargon auch ExpoCenter City). IFA Global Markets ist die internationale Handelsplattform der IFA für Zulieferer, Komponenten-Hersteller, OEMs und ODMs. So wie diese Abkürzungen ist das der nur für das Fachpublikum zugängliche Bereich in der STATION-Berlin am Gleisdreieck. Dort ist nur vom 2.-5. September geöffnet. Er ist das Ausstellungs- und Informationsangebot für Fachbesucher und Experten.

Die Internationale Funkausstellung 2018 ist doppelt ausgebucht!

Wie gesagt: Beide Orte „where You want to be“ ausgebucht. IFA ohne Englisch ist wie Wörterbuch ohne Buchstaben. Eine gute Gelegenheit zu lernen. Morgen im Fernsehladen weiß man dann schon, wofür die Begriffe stehen, ohne dass einem ein Verkäufer einen Berliner Bären aufbinden kann. Im Vordergrund stehen „Intelligente“, vernetzte Geräte für zu Hause, Künstliche Intelligenz (KI) und Fernseher mit einer immer besseren Bildschirmqualität. Immer größer und wichtiger werdend, aber noch klein: der Bereich der VR, die virtuellen Realität oder virtual reality.

Auf der Funkausstellung: KI und VR

Gott, oder wer auch immer das war, hat „einen prima Job gemacht“ bei der „Herstellung“ der Realität. Diese zu imitieren ist schon ein hartes Stück Arbeit. Davon können die Berliner Entwickler der Kreuzberger Interactive Media Foundation mit einer Chefin und einem vorbildlichen Frauenanteil von zwei Dritteln ein Lied singen. Dabei ist auch diese Berliner Institution weltweit anerkannt und gewann viele Preise. So den Red Dot 2018 – Interface und User Experience Design illustrations. Und bereits am 26. April in Berlin den Deutschen Digital-Award in Gold. Damit hat das Berliner Team der Interactive Media Foundation für das Virtual Reality Projekt „Ulm Stories – Der Traum von Fliegen“ nicht nur im Medien- und Kulturbereich, sondern auch im Design- und Digitalbereich Preise gewonnen.

Um das alles geht es auch auf der IFA. Kein Fernseher, der nicht auch Kultur zeigen kann. Medien sowieso. Digital ist trotz des Vinyls, das wieder kommt, der große Sieger über analog und Design ist Trumpf! Im Zweifel kauft man das schönere Produkt, auch wenn es ein paar Funktionen weniger aufweist.

Viel Kultur auf der IFA – Exklusive (!) Sommergartenkonzerte zur Funkausstellung 2018

Die IFA „produziert“ selbst auch viel Kultur. Darunter die tollen Sommergartenkonzerte. Ganz Berlin hat viele Wintergärten, an erster Stelle natürlich den Wintergarten – das Varieté in der Potsdamer Straße Nähe Lützowstraße. Doch bei Sommergarten denkt man nur an den einen – riesigen, den aufmerksame Beobachter schon mal auf einem Falkplan entdeckten. Das zentrale Oval des Messegelände-Innenhofs beherbergt ein modernes Amphitheater im Grünen. Eine der großen Bühnen Charlottenburgs. Vielleicht die größte? Jedoch selten bespielt. Dafür dann richtig!

Am 30. August beginnt der Reigen der die IFA begleitenden Sommergartenkonzerte mit Wanda und Olli Schulz.
Und damit auch nach 1990, als die Bundesrepublik Deutschland die Hoheit über ihren Luftraum zurückerhielt, alles in Ordnung ist, schaut die amerikanische Luftwaffe mal nach dem rechten. Unter Freunden und nur mit Musik: U.S. Air Forces in Europe Band feat. Till Brönner am Dienstag, den 4. September 2018 um 17.30 Uhr, Einlass 16.00 Uhr. Das Beste: Die Eintrittskarte gilt auch für den Besuch der Funkausstellung 2018 am selben Tag.

Wanda und Olli, die Deutschpoeten oder die US-Luftstreitkäfte in Europa, irgendwas sollte man sich aussuchen, denn: „Der Sommergarten ist nur während der IFA, der weltweit bedeutendsten Messe für Consumer und Home Electronics, für Konzerte geöffnet“!

IFA als Designhochburg. Auf der Internationalen Funkausstellung werden die UX-Design-Awards vergeben




Hannes Jaenicke "Im Einsatz für Geparden".

Hannes Jaenicke ist wieder „Im Einsatz“, dieses Mal „für Geparden“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Hannes Jaenicke ist wieder im Einsatz. Dieses Mal für Geparden. In der Dokumentation des ZDF ist neben Jaenicke vor allem die Forscherin Dr. Laurie Marker zu sehen Raubkatzen ganz nah: der prominente Tierschützer an der Seite von in Namibia.

Dorthin führt Jaenicke seine Reise im Einsatz für Geparden, denn dort würden „die Gepardenbestände“ laut ZDF „als stabil“ gelten. Diese „Erfolgsgeschichte“ sei „vor allem der unermüdlichen Arbeit der amerikanischen Wissenschaftlerin und Geparden-Expertin Dr. Laurie Marker zu verdanken“, die „vor über 30 Jahren … in Namibia eine Organisation zum Schutz von Geparden“ namens Cheetah Conservation Fund (CCF) gründete. Außerhalb des Gebietes der CCF würden jedoch 95 Prozent der Geparde leben und das nicht gut. Sie würden von der Bevölkerung „erschossen oder vergiftet“ werden, weswegen Volksaufklärung eine wichtige Arbeit der CCF sei, der laut ZDF auch „den illegalen Handel mit Gepardenbabys zu bekämpfen“ versuche.

Doch weil exotische Haustiere bei der Bourgeoisie immer beliebter werde, geht Jaenicke diesen Weg, den die Geparden nehmen, nach. „Er besucht im Ruhrgebiet das größte Zoogeschäft der Welt, beleuchtet den florierenden Onlinehandel, trifft Experten von Tier- und Artenschutzorganisationen und Zoos, versucht Licht in den Dschungel deutscher Gesetze zu bringen. So ist, wie ein Beispiel in der schwäbischen Stadt Heilbronn zeigt, Privatleuten die Haltung von Geparden gestattet, solange es sich nicht um Tiere aus freier Wildbahn handelt, sondern um Nachzuchten.“

Immerhin trifft der Star der Serie die Tiere „am Ende seiner Reise“ auch in Freiheit: in einem privaten Naturreservat in Südafrika. Ende gut, alles gut?

Nein, denn weltweit sollen nur noch 7000 Geparde in Freiheit leben, aber Hunderte würden als Haustiere gehalten werden. Geparde im Garten? Nein!

Zur immer kleiner werdenden „freien Wildbahn“ und der Dezimierung der Bestände sagt Jaenicke: „Habitatverlust und Flächenfraß sind nicht nur in Afrika ein großes Problem. Auch bei uns in Deutschland werden Tag für Tag mehrere Fußballfeld-große Areale an Grünflächen vernichtet. Und wir müssen auch nicht jeden Wolf gleich erschießen, der unseren Siedlungen zu nahe kommt. Wir reden immer von Raubtieren, Nutztieren, Schadtieren, Beutetieren, Haustieren – aber alle diese Definitionen werden von uns Menschen gemacht. Dabei ist jedes Tier Teil der Natur und deshalb schützenswert.“

Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Geparden

Dienstag, 9. Oktober 2018, 22.15 Uhr, ZDF

Filmografische Angaben

Titel: Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Geparden
Buch und Regie: Eva-Maria Gfirtner, Judith Adlhoch
Kamera: Markus Strobel, Tim Henkel
Schnitt und Sounddesign: Jan-Philipp Stahl
Ton und Flugaufnahmen: Harley Dietrich, Tim Henkel
Mischung: Alexander Catarinelli
Grafik: Magnet FX
Sprecher: Hannes Jaenicke, Judith Adlhoch
Wissenschaftliche Beratung: Birgit Braun AGA Artenschutz
Archive: Vice, Transterra Media
Produktionsleitung: Janna Sperling (Tango Film) und Cora Szielasko-Schulz, Petra Ziegler (ZDF)
Redaktionelle Mitarbeit: Pinar Aydin
Executive Producer: Markus Strobel, Hannes Jaenicke
Redaktion: Renate Marel
Produktion: Tango Film GmbH und Pelorus Jack Filmprods LLC im Auftrag des ZDF




Wido 40 oder WD-40? Die Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg wird 300 und 40

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg zählt zu den beliebtesten Einkaufstraßen Deutschlands. Dazu beigetragen hat die Einrichtung einer Fußgängerzone im Anschluss und Zusammenhang mit dem West-Berliner U-Bahnbau der Linie 7, die im Westen inzwischen am Rathaus Spandau endet.

Die Fußgängerzone der Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg – nur möglich durch U-Bahnbau und neue Verkehrsführungen

Reste der Dachkonstruktion, Eingang U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße U-Bahn-Linie 7 (U7) und provisorische Fahrstraße zur Baustelle, 60er Hausnummern
Bauarbeiten in der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße Ecke Kantstraße am U-Bahnhof der U7. Lampenmast im Vordergrund ist Teil der abgebauten Überdachung. © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

Da die West-Berliner nach dem Mauerbau die S-Bahn boykottierten, um damit ihrem Protest gegen das Aus- und Einsperren der Ost-Berliner und Brandenburger Ausdruck zu geben, investierte der Westen viel in neue Bus-und U-Bahnlinien. Die Buslinien verkehrten teilweise parallel zu S-Bahnlinien, so die A 65 zur Ringbahn S4 und der 66er über die AVUS in des Südwesten Richtung Wannsee (S7).

Neue U-Bahnlinien, die auch die Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg anbanden – Folge des Mauerbaus

Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße Ecke Kantstraße am U-Bahnhof der U7 mit Behelfsstraße für die Bauarbeiten an der Westseite. In diesem Teil gab es eine Straßen-Überdachung. © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

Die Linie G (heute die orange Linie U9) verband das neue, unfreiwillige Zentrum der Freien Berlins, also der Sektoren unter der ultimativen Militärverwaltung Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten von Amerika, mit seinem nahen Norden (Wedding) und Süden (Steglitz). Die Linie U7, die „blaue“, genauer: die hellblaue, ist inzwischen die längste U-Bahnlinie Deutschlands. Als könne ihr der Rekord streitig gemacht werden, soll sie jetzt noch verlängert werden, damit man endlich zum Flughafen Berlin-Schönefeld mit der U-Bahn fahren kann. Da ist der Flughafen außerhalb der Stadtgrenze, den es schon seit DDR-Zeiten gibt.

Der Längenrekord war in der 1970ern nicht abzusehen. Die Überlegung, eine Fußgängerzone einzurichten, gab es. Es sollte die erste im Berliner S-Bahnring werden. Die allererste gab es nämlich schon im Westberliner Tegel: Die Gorkistraße. Auch in Ostberlin wurden später Fußgängerbereiche eröffnet. So in der 80er Jahren die Kastanien-Zone unweit der heutigen „Gärten der Welt“, in denen Karin Bretzinger immer wieder Geschichten erzählt.

Die langsamere wirtschaftliche Entwicklung in den Ländern des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RgW) und der geringere Wohlstand führte zu einer geringeren Anzahl von kleineren Kraftfahrzeugen auf den Straßen, die das Problem von Staus und Übermotorisierung im Osten Berlins nicht so schnell erkennen ließen.

Buchveröffentlichung gleichen Namens zur Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg

Buchhandlung Goethe- Ecke Wilmersdorfer Straße in der Westberliner Fußgängerzone 2016, am Abend, im Dunkeln
Buchhandlung in der Wilmersdorfer Straße Ecke Goethestraße. © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

Kurz gesagt betreffen die 40 Jahre, die heute seit 1978 gefeiert werden, nur die Fußgängerzone. Die eigentliche Straße, die einzige die anfangs zwei Namen trug, war Teil des Gründungskonzepts Charlottenburgs im Barock. Beim Tode Sophie-Charlottes 1705, Tochter des Kurfürsten von Lüneburg-Braunschweig, entschied sich der tief trauernde König in Preußen und brandenburgische Kurfürst Friedrich III., das Schloss nach ihr zu benennen und eine Stadt zu gründen. Die kurfürstliche Privatstadt mit einem Schachbrettmuster an Straßen baute auf drei Spreestraßen auf. Sieverliefen parallel und nahmen ihren Ausgang am Fluss; die uns interessierende ist die mittlere der drei. Die „Lange Spreestraße oder Wilmersdorfer Straße“ trägt heute nur noch einen Namen. Sie führt jetzt nicht mehr bis ans Spreeufer, wurde aber im Süden bis zur Charlottenburger Stadtgrenze am Kurfürstendamm verlängert. Dort in der Nähe wohnte einst Einstein.

Ausführlich geht das Buch „Die Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg“ darauf ein. Es hat eine ISB-Nummer. Ende 2013 erschienen, war es nach wenigen Wochen ausverkauft.

Das in der Wilmersdorfer auch kulturell einiges los ist, sogar in der Fußgängerzone, darunter neue Entwicklungen seit Erscheinen der erstklassigen Monographie, davon zeugt folgender Artikel: Die Wilmersdorfer hat einen neuen Konzertsaal!

Eleonora Kotlibulatova und Evgeny Beleninov in der Wilmersdorfer Straße in Aktion. © Foto: Andreas Hagemoser, 2017

Am Sonntag, den 1. Juli 2018 wird von 13-18 Uhr verkaufsoffen sein und in und außerhalb der Geschäfte und Arkaden vielfältig gefeiert werden. Teils bewölktes, aber trockenes Wetter kommt dem entgegen. Die Fußgängerzone ist auch vom U-Bahnhof Bismarckstraße (U2/ U7) aus erreichbar und mit weiteren Buslinien (M49, X34, X 49, 309 u.a.). Die Wilmersdorfer erreicht man auch vom Kudamm (U Adenauerplatz, Bus 109, 110 M19, M29, X10) und vom am Rathaus Charlottenburg gelegenen Richard-Wagner-Platz an der ehemaligen Breiten Spreestraße, später Spreestraße.

Da hat es ‚klick‘ gemacht (… und das Kinosterben war zu Ende)! In Berlin-Charlottenburg macht ein Filmtheater nach langer Zeit wieder auf