Auf der Suche nach der „Blauen Blume“ – Auf Ostsee, Oder und Havel – Flussgenuss mit kulturellem Tiefgang

Potsdam, Stralsund, Deutschland (Kulturexpresso). Einst bewegte eine „Blaue Blume“ die Gemüter. Als Sinnbild der Romantik verzehrten sich die Künstler einer ganzen Epoche nach ihr, doch stets ohne Erfolg. Denn kaum hatten sie sich ihr in ihrem inneren Empfinden angenähert, entzog sie sich wie von Geisterhand gelenkt ihrem Zugriff. So blieb sie gleich einer ungreifbaren Fata Morgana auch weiterhin nur das imaginäre Symbol unerfüllter Träume und Sehnsüchte.

Doch auch jenseits der „Blauen Blume“
gab es im Zeitalter der Romantik Orte, vor deren spezieller
Lichtkulisse sich bei sensiblen Menschen Gefühle verfestigten. Und
dabei zum Anlass wurden, über sich selbst und seine Winzigkeit im
riesigen Universum nachzudenken. Die Uferlandschaften von Ostsee und
Oder gehören sicherlich dazu. Denn mit etwas Glück entdeckt man
hier bis heute während einer Romantik-Kreuzfahrt die Spuren Caspar
David Friedrichs, der hier, angeregt vom Lichterlebnis des Nordens,
ein einfühlsames bis tiefgründiges Werk hinterlassen hat.

Konkurrenz der Seebrücken

Seebrücke in Sellin/Rügen. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Schon sind an der Anlegestelle in
Stralsund die Schiffsmotoren angesprungen, die das Schiff entlang der
Südküste Rügens durch den Greifswalder Bodden in Bewegung setzen.
Ziel ist nunmehr die alte Hansestadt Greifswald, in der einst Caspar
David Friedrich das Licht der Welt erblickte. Noch heute versprüht
die Stadt mit ihrer alten Bausubstanz einen unglaublichen Charme.

Weiter südlich von Greifswald
verwischen sich die Spuren des Künstlers. Denn hier beginnt mit dem
Oderdelta ein unübersichtliches System von Flüssen und Kanälen, in
dem man sich gern der Ortskenntnis des Kreuzfahrt-Kapitäns
anvertraut. Zunächst bis zur Insel Usedom, wo die weit
hinausragenden Seebrücken von Ahlbeck und Heringsdorf versuchen,
ihre üppigen Schwestern von Binz und Sellin in den Schatten zu
stellen.

Technisches Wunderwerk

Schiffshebewerk von Niederfinow. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Völlig anders präsentiert sich
dagegen die polnische Großstadt Stettin, wo die „Katharina von
Bora“ nun festmacht. Wie blinkendes Gold leuchten dabei die
Sonnenstrahlen von der sich kräuselnden Wasseroberfläche herüber.
Aber noch sind die Schäden des Zweiten Weltkrieges unübersehbar.
Doch profitiert die Stadt von dem Reichtum, den ihr weit ausgebaute
Hafen heute erwirtschaftet. Insgesamt sind die Ansätze zur
traditionellen Prachtentfaltung unverkennbar. Damit zeigt sich
Stettin als eine Stadt des Aufbruchs mit einem überzeugenden Konzept
für die Zukunft.

Bei der Weiterfahrt in Richtung Süden
kommt auch die Technik-Begeisterung nicht zu kurz. Denn in
Niederfinow erhebt sich seit bereits mehr als acht Jahrzehnten ein
gigantisches Schiffshebewerk, das die Schiffe in einer riesigen Wanne
nach oben befördert und dabei ein traditionelles Schleusensystem
vermeidet. Vom geschützten Bug aus lässt sich diese Schiffsreise
nach oben genau beobachten.

Tegel und Potsdam

Der Cecilienhof in Potsdam. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Nun steht dem Berliner Zielort des
Schiffes an der Havel nichts mehr entgegen. Viel zu schnell verfliegt
nach mehr als 500 Kilometern die
restliche Reisezeit bis zum Tegeler See, wo die prächtige Natur an
der Anlegestelle erinnert an die zurück liegenden Uferlandschaften.
Und wieder beginnt das Grübeln darüber, ob und wo sich das Schiff
auf seiner langen Reise der „Blauen Blume“ ein Stück weit
angenähert hat. Eine Frage, die sicherlich nur Romantiker zu
beantworten wissen.

Wie auch immer die Antwort ausfallen mag, darf doch ein Abstecher in die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam nicht fehlen: von der Glienicker Brücke zum Cecilienhof, vom Park von Sanssouci zum gastlichen Holländerviertel. Und wenn sich schon alle diese Namen als historisch erweisen, dann gehört der Schiffsname der „Katharina von Bora“ sicherlich auch dazu.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Flussgenuss mit kulturellem Tiefgang von Dr. Bernd Kregel.

Reiseinformationen „Ostsee-Oder-Havel“:

Die „Katharina von Bora“ im Tegeler See. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Anreise und Einreise: Anreise nach Stralsund mit PKW und Bahn; bei Abreise Berlin auch über Flughafen Tegel; Personalausweis oder Reisepass sind ausreichend.

Reisezeit: Frühjahr bis Herbst sind ideal für eine Flusskreuzfahrt auf der Ostsee – Oder – Havel.

Essen und Trinken: Die „Katharina von Bora“ bietet Vollverpflegung mit drei Mahlzeiten. Bei Landgängen oder Ausflügen ist die rechtzeitige Rückkehr gewährleistet; in Ausnahmefällen Lunchpakete.

Reiseveranstalter und Auskunft: Nicko Cruises Schiffsreisen GmbH, Mittlerer Pfad 2, 70499 Stuttgart, Telefon: 0711-248980-0, E-Mail: info@nicko-cruises.de; Web: www.nicko-cruises.de

Recherchehinweis

Die Recherche wurde unterstützt von der Nicko Cruises Schiffsreisen GmbH.