KLIMAWAHL – Filme für Future. 4 Filmpremieren an einem Tag animieren zum Überleben und zum Wählengehen. Online anschaubar

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). KLIMAWAHL ist der Name vierer Filme, die zum Beispiel im Kino in den berühmten Hackeschen Höfen in Berlin-Mitte vor dem Hauptfilm gezeigt werden. Andere Kinos haben sich angeschlossen und können es noch. Die Filmclips, die für ein besseres Klima werben, werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch im Internet kann man sich mindestens einen Film gleich gratis anschauen:

KLIMAWAHL online – gleich gratis anschauen

Auf der Homepage von https://fridaysforfuture.de/ – das sind die Kinds, die Freitags für ein besseres Weltklima demonstrieren, da sie sonst im Alter massiv von den Folgen der jetzigen Fehler betroffen sein würden – findet sich der Link auf der Titelseite.

Am 29. April 2019 war die Weltpremiere. Die kurzen Filme waren brandneu wie frische Brötchen und gingen weg wie warme Semmeln: in den „sozialen Medien“ und im Internet klickten sich Zehntausende durch die Filmchen durch.

Vor kurzem erreichte uns eine neue Horrornachricht, die das Blut in den Adern gefrieren lässt. Mehr als das jeder Horrorfilm könnte. Nichts gegen den am 18.4.2019 in die bundesdeutsche Kinos gekommenen Spielfilm „LLORONAS FLUCH – Sie will deine Kinder!“ mit LINDA CARDELLINI, RAYMOND CRUZ, PATRICIA VELASQUEZ, MARISOL RAMIREZ und anderen. Der Schreckensfilm ist gut gemacht (Regie: Michael Chaves), doch die uns womöglich erwartende Realität ist reiner Horror, der reinste Horror.

1000 Arten sollen in Kürze aussterben, warnt der Biodiversitätsrat. Wenn die Insekten sterben, sterben Vögel und Fledermäuse. Wer soll die Pflanzen bestäuben? In China tun das teils schon die Menschen! Und dann? Sterben die Pflanzen, kann sich der Mensch nicht mehr ernähren. „Extinction“ heißt das auf englisch.

In weiser Voraussicht gab es vor kurzem eine Initiative, die bis zum 6. Mai 50.000 Unterschriften sammln wollte, damit ein Klimaschutzgesetz n den nächsten 6 Monaten verabschiedet werden könnte. Damit sich die Menschen nicht bald in großer Zahl kollektiv von diesem Planeten verabschieden.

Dazu gab es diesen
jetzt selbstverständlich nicht mehr aktiven Link:

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2019/_03/_17/petition_92294.mitzeichnen.html

Hier gratis den Clip zu Klimawahl anschauen (weitere in Kürze online):

Vier kleine Filmchen gibt es und auch vier auf englisch. Der erste handelt von einem Mädchen, dass nach Paris will – mit dem Fahrrad. In einem Kurzfilm scheint ein Junge unter der Höhensonne gewesen zu sein? Verbrennt er sich anschließend unter der Dusche die Haut, weil es viel zu heiß ist? Energieverschwendung oder Klimafolge? Wir verstehen: Es ist zu heiß, es wird zu heiß und das Thema ist auch SEHR heiß.

Die Kinder und Jugendlichen dürfen am 24. Mai 2019 nicht wählen. Die Erwachsenen dürfen es. SOGAR IN GROSSBRITANNIEN! (Dürfen die das?) Es nennt sich EUROPAWAHL. Das Klima ist vielleicht das wichtigste, worüber dabei abgestimmt wird.

So konservativ es
klingt, so fortschrittlich ist es: Wählen gehen am 24. Mai. Zur
Europa- oder KLIMAWAHL.

Fortgeschritten
genug ist die Sache ja, Anfänger bleiben zu Hause, Fortgeschrittene
gehen zur Wahl, Profis tun das zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Bus und
Bahn.




ANOTHER REALITY auf dem Dokfest München. Parallelwelt Gangmilieu drei Jahre lang gedreht

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). ANOTHER REALITY lässt sich bedingt übersetzen. Wörtlich meinte es eine andere Realität, doch steckt mehr dahinter: Eine andere Lebenswirklichkeit, Erleben. Leben in Großfamilien. Nicht solche wie im Deutschen Reich auf dem Land und dann in schnell wachsenden Großstädten wie Berlin und Charlottenburg, sondern in den heutigen deutschen Großstädten der Bundesrepublik, in denen deutsche Großfamilien fast ausgestorben sind.

Auf diese Weise konnte der Begriff „Großfamilie“ und für Hauptüberschriften das kürzere „Clan“, was im Englischen eigentlich einen mehr oder weniger losen Verband von (Groß-) Familien meint, sich in der Presse und in den Reden der Politiker etablieren.

Alle wissen, was gemeint ist, ohne dass man Gefahr läuft, sich von der „politischen Korrektheit“ zu entfernen. Denn Araber Araber zu nennen oder Türken Türken, da könnte ja irgendein Gleichstellungsrat gleich wieder den Verfasser oder Redner in eine rassistische Ecke stellen. Dabei hat Gleichstellung mit „gleich in die Ecke stellen“ (eigentlich) nichts zu tun.

So entstanden Überschriften wie diese: „Justiz entzieht Clan 350.000 Euro – Schlag gegen die organisierte Kriminalität: Berliner Staatsanwaltschaft stellt Mieteinnahmen einer Großfamilie sicher“. Quelle: Titelseite der Berliner Morgenpost vom Dienstag, den 30. April 2019.

Clans, Großstadtfamilien sind nicht automatisch Gangs und Banden, doch um diese geht es in einem Dokumentarfilm, der jetzt auf dem Dokumentarfilmfest München „Dokfest“ Premiere hat. Weltpremiere.

Die Pressemitteilung zu ANOTHER REALITY

„Im Rahmen des DOK.fest München wird der Dokumentarfilm ANOTHER REALITY von Noël Dernesch (JOURNEY TO JAH) und Olli Waldhauer (ISTANBUL UNITED) in der Sektion DOK.deutsch uraufgeführt. Zur Premiere am 11. Mai 2019 um 21.30 Uhr im Deutschen Theater werden die Regisseure sowie Protagonisten den Film persönlich vorstellen.

Dernesch
und Waldhauer begleiten fünf Männer, die sich im Umfeld von Gangs
und Großfamilien in deutschen Großstädten bewegen. Erstaunlich
offenherzig geben die Protagonisten Einblick in ihre Lebensrealität,
die von Hoffnungen und Träumen, aber auch dem ständigen Zwiespalt
zwischen legaler Arbeit und dem schnellen Geld geprägt ist. Mit
einer sensiblen Kameraführung von Friede Clausz (LEMONADE, 24
WOCHEN) und fetten HipHop-Beats zeichnet ANOTHER REALITY ein intimes
Porträt über eine Welt, die nach eigenen Regeln funktioniert.“

Über den Film ANOTHER REALITY

„Agit,
Ahmad, Parham, Kianush und Sinan. Fünf Männer mit unterschiedlichen
Hintergründen und Lebenswegen, die doch eines eint: Sie sind oder
waren mehr oder weniger stark in Strukturen von Gangs und
Großfamilien eingebettet, die sich am Rande und oft jenseits der
Legalität und unter dem Radar der Öffentlichkeit bewegen. In der
gesellschaftlichen Diskussion werden diese Lebenswirklichkeiten
schnell mit den Schlagworten „Parallelgesellschaften“ und
„kriminelle Clans“ abgetan.

ANOTHER
REALITY zeigt nicht nur die äußeren Strukturen dieser Welt, die
nach eigenen Regeln funktioniert, sondern dringt tiefer in die
Zusammenhänge und Lebensrealitäten der Protagonisten ein. Während
z.B. der Berliner Ahmad den Verlockungen des schnellen Geldes, die
ihm in seinem Umfeld tagtäglich begegnen, nicht nachgeben will,
tauschte Parham aus Essen sein Leben als Straßengangster gegen eine
Musikkarriere und arbeitet unter dem Namen P.A. als erfolgreicher
HipHop-Künstler.“

„In
den über drei Jahren, die Noël Dernesch und Olli Waldhauer drehten,
kamen sie den fünf Männern erstaunlich nah. Agit, Ahmad, Parham,
Kianush und Sinan teilten bereitwillig und ehrlich ihre Erfahrungen,
Wünsche, Ängste, ließen sich aber auch auf eine Konfrontation mit
den Widersprüchen ihres Lebensstils und ihrem Umgang mit den Folgen
ihres Handelns ein.“

ANOTHER REALITY: Vorführungstermine im Rahmen des DOK.fest München

Alle
Vorführungen mit englischen Untertiteln.

  • Samstag, 11.5.2019, 21.30 Uhr: Deutsches Theater (Weltpremiere)
  • Montag, 13.5.2019, 21.30 im HFF – Kino 1
  • Donnerstag, 16.5.2019, 21.00 im Atelier 1
  • Samstag, 18.5.2019, 14.30 im Atelier 1

Filmografie

  • Titel: Another Reality
  • Staaten: Deutschland, Schweiz
  • Jahr: 2019
  • Filmlänge: 100 Minuten
  • Regie: Noël Dernesch, Olli Waldhauer
  • Kamera: Friede Clausz
  • Schnitt: Gesa Jäger
  • Produktion: Elemag Pictures in Ko-Produktion mit Cognito Films, It’s Us Media & 27 Kilometer
  • Produzenten: Tanja Georgieva-Waldhauer, Dario Schoch, Rajko Jazbec, Ben Föhr, Pacco Nitsche
  • Filmlänge: 100 Minuten




Beim Algenfang in Galicien, einem Meeresalgenerntegebiet des Atlantiks vor Spanien.

Algen essen und die Welt retten. Wie Umweltschutz lecker und gesund sein kann

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Algen? Haben manche noch nie gegessen. Die grüne Farbe verjagt viele – zumindest bei Smoothies. Manche Berliner Anbieter haben nicht nur gelbe, rote und orange Sorten im Angebot, sondern auch grüne. Nicht der Renner. Flüssigem Fruchtbrei und Algen gemein ist das Vegetarische. Und vegetarisch zu essen, ist nicht nur „gesegnet“ – angeblich waren Noah und seine Familie Vegetarier und Gott hat damals vor dem langen Regen und der Sintflut außer den Tieren nur die Vegetarier gerettet: Noah, seine 3 Söhne und ihre Frauen, also 8 Personen – es ist auch gesünder und rettet vor allem die Welt vor einer Klimaaufhitzung. Gott sei Dank waren die Inder fast alle Vegetarier, bis auf eine muslimische Minderheit (von immerhin heute 172 Millionen indischen Moslems oder 14 Prozent) und andere Minderheiten (gut 2 Prozent Christen, knapp 2 Prozent Sikhs und weniger als ein halbes Prozent Juden, Zoroastrier, Unreligiöse und andere). Warum wir Indien erwähnen?

Die Welt vegetarisch? Ohne Indien geht es nicht

Wenn wir eine weltweite Betrachtung anstreben – und Klimawandel ist nicht hausgemacht – kommen wir an Indien nicht vorbei. Vor vier Jahren wuchs Indiens Wirtschaft schneller als die Deutschlands, Chinas und aller anderen G20-Staaten. Indien ist nominell die sechsgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, obwohl es nicht zu den G7 zählt. Italien ist überholt. Kaufkraftbereinigt ist Indien wirtschaftlich sogar die Nummer 3 in der Welt – trotz der vielen Armen.

Was die Bevölkerungszahl angeht, hat die Volksrepublik China, der große chinesische Staat, die 1,3 Milliarden lang überschritten und stand vergangenes Jahr nur 4 Millionen und 620.000 Menschen von den 1,4 Milliarden entfernt. Etwa die Einwohnerzahl Berlins fehlte noch. Doch Indiens Bevölkerungszahl hatte 2017 auch bereits die 1,3 Milliarden überschritten – um 40 Millionen. Als sicher gilt, dass es bald mehr Inder als Chinesen gibt. Und da es immer noch Hunderte Millionen arme Inder gibt, aber eine wachsende Zahl von wohlhabenden – und wir sprechen hier nicht von Tausenden, sondern von einer viel größeren Zahl – kann man nicht mehr davon ausgehen, dass dort fast kein Fleisch verspeist wird. In einem der jüngsten Dokumentarfilme zum Thema, die dem neuen „Climate Warriors“ (2018, Regie: Carl-A. Fechner, Co-Regie: Nicolai Niemann, Fsk 6) vorausgingen, zeigte ein indischer Unternehmer stolz eine seiner vielen Hühnerfarmen.

Wie wir wissen, kann man mit einer Portion Getreide jemanden sattmachen. Um Schweine- oder Rindfleisch „herzustellen“, braucht man aber 8 bis 12 Portionen. Obendrein produzieren die Kühe viel Methan, das auch als Treibhausgas gilt. Wir brauchen also dringend Alternative und Alternativen – zum Beispiel Algen. Viele Vegetarier helfen viel und können das Weltklima retten, sich selbst und das Leben vieler Tiere, die sonst geschlachtet würden.

Überleben auch 2040: Der Film „2040“, bei Berlinale Generation präsentiert, zeigt die Lösungen

Rein aus Klimasicht sind Algen einfach grandios. Wir wissen, dass warmes Salzwasser starkes Wachstum ermöglicht. Eigentlich ist auch der menschliche Körper mit seinen zwei Dritteln Wasseranteil und seinem 0,9 prozentigen Kochsalzmilieu eine Art Warm-Salzwasserbehältnis mit Seele.

Im warmen Meerwasser wachsende Algen sind eine der Turbolösungen, mit der man viel Kohlendioxid wieder einfangen könnte, neben Biolandwirtschaft, um im Boden wieder mehr Kohlendioxid anzureichern.

Aus Recyclingplastik gebaute Plattformen dienen als Wuchsstelle für Algen. Von Wellenkraft angetriebene Pumpen bringen nährstoffreiches Wasser von tieferen Schichten nach oben. In Oberflächennähe wachsen die Algen schnell. Sonnenlicht und Photosynthese, deswegen das Grün – da war doch was? War das nicht im Bio-Unterricht? Gemeint ist hier nicht der Unterricht fürs Leben („Non scholae, sed vitae discimus“), sondern der Biologieunterricht.

Okay, Algen, die retten also das Klima. Aber was macht man damit?

Essen.

Gesund und nährstoffreich, darüberhinaus vegetarisch und sogar vegan; ein nachwachsender Rohstoff.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wir haben uns mal umgeschaut. Woher kriegt man die Algen? Aus dem Bioladen, schon klar, und woher nehmen die die?

Was läge näher, als auf der Grünen Woche nach doppelt grünen Produkten zu suchen. Gleichzeitig sollte es natürlich gut schmecken – Gourmetqualität, wenn‘s geht. Und das gibt es. Wir sind fündig geworden in Halle 1 am Stand von Algamar. Algen aus dem Atlantik – naheliegend, naheschwimmend, nahetreibend.

Algen: Aller Anfang ist grün

Atlantisches Gemüse auf der Internationalen Grünen Woche Berlin 2019.
Stand 151 in Halle 1.2 der Grünen Woche: Meeresalgen satt. Algen, das Gemüse des Ozeans. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Wo fängt man an?

Wir haben uns mal eine Starterbox von Algamar besorgt (algamar.de). Sie enthält im recycelbaren Tragekarton fünf Päckchen Meeresalgen inklusive 5 Rezeptkarten. Je eine Tüte Wakame, Nori und Dulse, dann ein Tütchen „Algen für Salat“, die alle drei Sorten enthalten, und eine Packung Meeresspaghetti (25 Gramm).

Apropos Anfang: Kam das Leben nicht aus dem Meer? Am Anfang war die Alge?

Ach nein, das Wort.

Algen als Produkt: Kein Glas gleich

Direkt vor Ort auf der Grünen Woche konnte man am Algamar-Stand auch Produkte aus dem Glas probieren. Zum Beispiel eingelegte Algen (wer nur englisch versteht: Marinated Seaweed – dieses Weed ist legal). Diese Algen in Marinade sind leckerer als gedacht. Das 190-Gramm-Glas, das abgetropft 165 Gramm Algen enthält, wurde sichtbar schnell leer. Auf der Messe.

Bio und vegan sind auch Algen und Shiitake in Marinade. Da jetzt auch noch die Pilze dabei sind, kommt eine andere Geschmacksrichtung auf und man braucht mehr Platz im Glas. Zum Glück sind die Gläser mit 265 beziehungsweise 185 Gramm größer. Verzehrfördernd wirkt auch, dass der Inhalt des Glases verzehrfertig ist. Er soll „ideal als Beilage oder zusammen mit Gemüse, Kartoffeln, Reis, Nudeln, Tofu, Seitan oder Sandwiches“ sein, steht auf dem Etikett. Das konnte man auf der Grünen Woche nicht ausprobieren.

Wer Algen sucht und essen will, der kommt um japanische Namen nur schwer herum. Ein weiteres Algamar-Glas enthält „Gomasio mit Nori-Algen“. Gomasio kennen wir noch von anno dazumal aus Food-Coop und Bioladen; es ist Sesamsalz. Die Zutaten sind dann auch … Sesam, Algen, Salz; sonst nichts. Gut ist das. Je länger die Zutatenliste, desto größer die Gesundheitsgefährdung. Bei drei Zutaten kann man schon mal genauer hinschauen. Hier sind aller dreier Dinge gut: Sesam und die atlantische Nori-Alge (Porphyra) stammen aus biologischem Anbau. Das Meersalz aus dem Atlantik nicht. Denn es wurde nicht angebaut, sondern durch die Bäche und Flüsse aus den Bergen herausgespült.

Das Gomasio-Glas enthält 150 Gramm – ist aber größer als das Glas mit maninierten Algen, denn es enthält keine Flüssigkeit. Der Inhalt ist lecker und leicht. Gomasio mit einem Anteil von 40 Gramm Algen pro Kilogramm. 40 von 1000, das sind 4 von Hundert, vier v.H. oder vier Prozent. Gerade genug gen Gourmet-Gomasio.

Nicht al dente, sondern al gen.

Algen auf dem „Markt des guten Geschmacks“, der „Slow-Food-Messe“, vom 25.4. bis 28. April 2019 (Halle 5 Gang A Stand H5 A17) in Stuttgart.

Internationale Grüne Woche unter dem Berliner Funkturm. Eingang Ost am ICC. © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser




Agapemahl in der Kapernaumkirche mit Musik. Sängerin Julia Sunzi Zhao zu Gast

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Agapemahl – noch nie gehört? Das gibt es in Wedding am Ende der Karwoche kurz vor Ostern. Dem Vernehmen nach bedeutet es „Liebesmahl“. Man sollte die Feste feiern, wie sie fallen. In der Kapernaumkirche in Wedding im Berliner Bezirk Mitte hat man das getan. Sopranistin Songzi Zhao war ein Highlight dabei (sprich: Sunze Dschau).

„Feiern“ oder feiern

Das anlasslose „Feiern“ – wir „machen Party“, trinken Alkohol (warum eigentlich?) – ist ein störendes Wort der Jugendsprache, das sich verbreitet hat. Viele brauchen keinen Anlass und verwenden das Wort „feiern“ völlig falsch und irreführend. Selbst der Feierabend ist noch kein Grund, sich zu besaufen, zudem unter Kollegen mit Gruppenzwang.

Das Osterfest ist ein bewegliches Fest, das sich nach dem ersten Frühlingsvollmond richtet. Der wiederum nach der Tag-und-Nacht-Gleiche. Dadurch Osterfeierlichkeiten manchmal im noch frostigen März, manchmal so wie dieses Jahr 2019 n.Chr. bei strahlendem Sonnenscheine und einem fleckenlosen blauen Himmel. Dabei wärmte die Sonne durchaus schon kräftig. Im Berlin umgebenden Brandenburg gab es, auch wegen großer Trockenheit, die ersten Waldbrände. Da kann man sich nur wünschen, dass die Zahl der Nichtraucher und verantwortungsvollen Menschen steigt.

Ein echtes Fest ist mit Musik verbunden. Die gab es an Ostern in der Kapernaumkirche und dem dazugehörigen Gemeindehaus zuhauf. Nicht nur, wie man sich vorstellen kann, Gesang, sondern auch Instrumentalmusik zum Beispiel auf dem Flügel und der Geige. Seit sechs Jahren ist Julia Zhao in Deutschland. Sie steht in ihrer Musikausbildung kurz vor dem Abschluss. Die Sopranistin trug beim gründonnerstäglichen Agapemahl unter anderem das lange Johann Sebastian Bach zugeschriebene Lied “BIST DU BEI MIR“ vor, aus: „Diomedes, oder Die triumphierende Unschuld“ von Gottfried H. Stölzel (1690-1749). Es ist in Andante gehalten. Der im Dreivierteltakt gesungene Text reduziert sich auf den Satz „Bist Du bei mir, geh‘ ich mit Freuden zum Sterben und zu meiner Ruh‘“. Die Solistin sang es zeitnah zu „Von guten Mächten … (wunderbar geborgen)“, das Dietrich Bonhoeffer in seiner Zelle schrieb, nach dem er während des Krieges von den Nationalsozialisten eingekerkert wurde. Das Lied hat überlebt.

Das Agapemahl – schweigen und hören

Die Sängerin Songzi Zhao. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Das Agapemahl wurde unter dem Motto „ein ander ma(h)l – … schweigen, hören“ annonciert. Schon vor der Begrüßung erklang das Lied „Ich hab den Herrn allzeit“. Englisch kann man hier auch, so ertönte bald „Our God“ und dann der Psalm „Von allen Seiten“. Da ein gemeinsames Mahl folgte, bei dem das Brot gebrochen wurde, passte als Lied „Wenn das Brot“ selbstverständlich sehr gut.

Das letzte Abendmahl in der Kunst

In der Kunst ist „Das letzte Abendmahl“ sehr bekannt und wurde immer wieder nachgeahmt, teils auch satirisch aufs Korn genommen. Zu den originären Werken gehört das in der Lüneburger Nicolaikirche seit Jahrhunderten ausgestellte Bild, bei dem man auf den ersten Blick nur zwölf Personen sieht. Neben diesem sinnvollen Suchbild hängen hinter und neben dem Altar weitere wichtige Kunstwerke. Darunter die ersten mit Landschaftsdarstellungen der realistischen Art und solche mit goldenem sowie blauen Himmel. Die etwa 600 Jahre Nikolaikirche in Lüneburg in Hafennähe ist also nicht nur wegen ihrer über ein halbes Jahrtausend alten Architektur einen Besuch sicher wert, sondern schon allein wegen der einzigartigen Kunst.

Das Agapemahl, andere musikalisch begleitete österliche Veranstaltungen und ihre Sänger und Musiker

Musikalische Angebote der Kapernaumkirche in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Das sogenannte Agapemahl in der Kapernaumkirche mit Musik war aus Sicht der Verantwortlichen ein voller Erfolg. Noch bevor die Arbeitswoche recht zu Ende war, versammelten sich an diesem Werktag schon um 18 Uhr mehrere Dutzend Gleichgesinnte zum gemeinschaftlich-besinnlichen Mahl mit Musikgenuss.

Musikalisch erheblich aufgewertet durch die Gastsängerin Julia Songzi Zhao, Silke Fischbeck (Gesang, Piano), Peter Darby (Geige) und an der Gitarre Markus Steinmeyer. Songzi Zhao (sprich Sungze oder Sunze, ‚o‘ wird mündlich zu ‚u‘) heißt in China Zhao Songzi, da im Reich der Mitte der Famlienname vorn steht.

Weitere Festveranstaltungen waren das Osterfeuer mit dem Gospel-Projektchor und Johannes Pangritz (Keyboard) und die Karfreitagsmusik mit Werken von Bach, Händel, Mozart und anderen. Kristina Haller spielte Blockflöte und Gambe, Sopran: Anne Haller, an der Orgel: Gesine Hagemann.




Meerwasserentnahmestelle Triest. Eckart von Hirschhausens „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ bringt einen auf Ideen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es bräuchte gar nicht der Werbung von Barbara Schöneberger, dass Hirschhausen Deutschlands lustigster Arzt sei. Eckart von Hirschhausen ist wirklich toll. Dabei hat das Gesagte auch noch Hand und Fuß. Das mit der Leber. Oder das mit der Trepanation (Löcher in den Schädel bohren). Oder das mit dem Salzwasser. Es darf auch Meerwasser sein.

Salzwasser, also auch Meerwasser, ist gesund, gibt Hirschhausen am Ende seines Beitrags „Nasal, legal, illegal“ in „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben*“zu.

(Nebenbei enttarnt von Hirschhausen auch noch die Apothekerlobby. Doch von Anfang an.)

Die lustigste Geschichte seit langem – und unglaublich obendrein

Das scheint ein Deutscher gelesen zu haben und nach Italien gefahren zu sein. Von Süddeutschland liegt das ja recht nah. Große Schätze erwerben und gleichzeitig die Klimafolgen stoppen? Da möchte man doch dabei sein!

Die Berliner Morgenpost berichtete am 4. Oktober 2018 unter der Rubrik „Aufgelesen“ darüber.

Die Seite 10 heißt „Aus aller Welt“ und ist direkt auf der Rückseite des ersten „Buchs“, das heißt des zusammengelegten Zeitungspapierpackens, der sich beim ersten Aufklappen der Zeitung von weiteren solchen lösen könnte.

Nicht umsonst sind die Berichte „Aus aller Welt“ auf der Rückseite eines Packens oder „Buches“. Sie werden gern gelesen und dadurch gleich gefunden. Statistisch werden die Außenseiten der „Bücher“ viel öfter gelesen und angeschaut. Der Verlag weiß das und lässt Inserenten auf solchen Seiten mehr bezahlen.

Diese Nachricht schlug dem Salzwasserfaß fast den Boden aus. Unter der Überschrift „Was das Meer für Diebe hergibt“ berichtet die Zeitung aus Triest. Was Menschen nicht alles gebrauchen können. Kurz gefasst war die Sache so: Ein Aquarienfreak ist mit dem Lkw nach Italien, an Bord zwei Dutzend leere, wasserdichte Behälter. Sein Ziel: Das Mittelmeer.

Soweit nicht ungewöhnlich. Viele Nordlichter, zu denen ich in diesem Zusammenhang auch die Bayern, Schwaben und Württemberger zähle, fahren ans Mittelmeer. Der Mann, der sich mit Fischen auskennt, wollte aber nicht baden. Auch keine Audienz im Vatikan oder antike Schätze besichtigen, wie den im 20. Jahrhundert erst vor Antikythera in Griechenland gefundenen Computer. Der Mann wollte ans Wasser. Er wollte Wasser. Besitzen, Eigentümer sein. An den Strand kann man in Italien mit dem Auto selten, das ist nicht Dänemark. Und mit einem schweren Lastkraftwagen wäre das sowieso schwer.

Wem gehört eigentlich das Wasser im Meer?

Also fuhr er in den Hafen. Umweltbewusst und zeitsparend, wie er dachte, wählte er Triest. Da ist Hin- und Rückfahrt nach Deutschland kürzer. Zudem mit Wasser an Bord, das so schwer sein kann wie Bücher. Vielleicht hätte er doch lieber nach Süditalien fahren sollen, wo die Behörden es teilweise nicht so genau nehmen mit dem Gesetz. Teilweise, normalerweise natürlich schon. Aber in der Mittagshitze oder nachts wäre sein Plan möglicherweise doch aufgegangen.

Er fährt also in den Hafen von Triest, hängt an einer nicht verölten Stelle einen Schlauch ins Wasser und fängt zu pumpen an. Fett schwimmt sowieso oben. Biomaris-Salzwasser zu Verzehr und Heilung, wie es an der deutschen Nordseeküste angeboten wird, ist Meerestiefenwasser. Aber die Fische wollen auch leben, sauber genug muss dem Aquarienfan das Wasser wohl erschienen sein. Etwa zwei Dutzend Behältnisse vollzupumpen, dauert schon seine Zeit. Wir wissen auch nicht, welche oder wieviele Pumpen benutzt wurden. Jedenfalls blieben Vorgang und Ansinnen nicht verborgen und bevor den letzte Kanister voll war und der „Wasserdieb“ (?) die Nähe des Hafenbeckens verlassen konnte, erschienen italienische Uniformierte. Unverrichteter Dinge musste der Meerwasseraquarienspezialist abrücken.

Doch schlimmer noch: eine kleine vierstellige Geldstrafe kam zum Zeitverlust und zur hohen Spritrechnung hinzu. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Da hat mal jemand eine außergewöhnliche Idee, wollte dem Wort Selbstbedienung eine neue, flüssige Bedeutung geben – und zack, nichts als ein Strafzettel und leere Tanks kommen dabei heraus.

Kein Wasser, aber in die Zeitung gekommen.

Regenwasser fließt ins Meer – kaum aufzuhalten

Das Faß mit der fast sozialistisch anmutenden Frage, wem denn eigentlich das Wasser „gehört“, machen wir jetzt hier mal nicht auf. In Jugoslawien – das waren noch Zeiten – hatte fast jeder, der ein Häuschen hatte, auch eine Zisterne, damit er in den heißen und regenarmen Sommermonaten wenigstens für den Garten genug Wasser hatte. Das Regenwasser – gehört einem also. In einer Mietwohnung sieht das mit dem Auffangen schon schlechter aus, es sei denn, man hat eine teure Dachterrasse oder einen Balkon. Die nächste Frage ist die Lagerung.

Gott, der Schöpfer – heißt er eigentlich zuerst wegen des Wassers so? – hat das Wasser wohl geschaffen – manche sehen das anders – aber Anspruch erhebt er da jetzt nicht drauf. Die Wolken kann man auch nicht kaufen. Erst das aufbereitete Nass der Wasserwerke – „Werke“, als würden die das herstellen – kostet etwas. Sogar das verschmutzte, beziehungsweise das Entfernen desselben.

* „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ Die medizinische Sensation der letzten Jahre steht für mich fest: Meerwasser.

Eckart von Hirschhausen schildert in „Nasal, legal,illegal“ auf seine ihm eigene, vortreffliche Art den Weg des Salzwassers. Geradezu köstlich. Freude wird Ihnen machen, das im Original nachzulesen. Es beginnt nasal. Bei Schnupfen hilft Salzwasser, das ist bekannt. Damit kann man die Nase ausspülen. Macht man das täglich, ist man vor Schnupfen gefeit. Es sei denn, man ist gerade mal zusätzlich gestresst oder sonstwie überlastet. Shirley MacLaine beschreibt in einem ihrer Bücher, wie sie ihren 50. Geburtstag feiert, wie sehr sie ihre Tochter liebt und lässt auch das Badezimmer nicht aus, wo sie beschreibt, wie sie sich in die Wanne legt und mit Wasser, dass mit etwas Meersalz angereichert ist, das Näschen spült. Nicht pudert. Das kommt später und ist für MacLaine nicht unbedingt die Rede wert.

Apotheken bieten auch Meerwasser- oder Salzwasser-Sprays an. Nicht ganz so effektiv wie eine Nasenspülung mit einer Tasse lauwarmen Wassers, doch immerhin. Wenn ich mich recht entsinne, las Eckart von Hirschhausen sogar das Etikett. Inhalt: Wasser, Salz. Auf die Menge, die dort ebenfalls angeschrieben steht, kommt er ganz ausführlich zu sprechen. Vor allem im Verhältnis zu Wasserflaschen mit einem Liter Inhalt.

Hirschhausen rechnet vor, dass bei dem Preis, den ein winziges Fläschchen kostet, ein Urlauber, der ein paar Flaschen Meerwasser „zapft“, seine Mallorcareise am Ende wieder drin hat.

Meerwasser und Apothekenpreise

Ist das Verbot, mehr 50 oder 100 ml Flüssigkeit pro Behältnis in Flugzeugen mitzuführen, wirklich der Sicherheit geschuldet? Es könnte doch ein Ergebnis der Lobbyarbeit des Apothekenverbands sein, um die sprichwörtlichen Apothekenpreise zu halten. Wenn jeder ein, zwei große Flaschen Salzwasser aus dem Urlaub mit nach Hause nehmen könnte, wo kämen wir dann hin? Mittelmeer, Atlantik und Indischer Ozean würden wohl kaum leerer; dafür sorgt schon das nach“tropfende“ Grönlandeis und der immer wieder fallende Regen. Doch dann wäre nicht nur eine Menge Eigenbedarf gedeckt, sondern womöglich würde das Meerwasser auch weiterverkauft, im Freundes- und Bekanntenkreis allemal. Einige würden es vielleicht auch online verkaufen – all das würde den Umsatz Apotheken schmälern.

Vielleicht haben wir damit den wahren Verursacher des Minishampooflaschengebots enttarnt.

Und die Moral von der Geschicht‘? Auch wenn es niemandem gehört, zapfe das Meerwasser nicht.

Wenn es Dir trotzdem gelingt, verkauf‘ es zu Apothekenpreisen. Dann kannst Du getrost gratis reisen.




Bauhaus imaginista – die große Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Man ist erschlagen, hätte meine Mutter gesagt. Umfassend, überraschend international und ein ganzes Jahrhundert darstellend – die Ausstellung Bauhaus imaginista im Haus der Kulturen der Welt mit begleitenden Konferenzen, die nächste am 11.und 12. Mai 2019. Schon am Eröffnungstag 14. März ein umfangreiches Programm.

Große Eröffnung der großen Ausstellung bauhaus imaginista

Ankündigung des Programmablaufs der Ausstellungseröffnung „bauhaus imaginista“ im Haus der Kulturen der Welt Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Nach den Begrüßungsreden eine Lichtinstallation, die die Licht-Begrüßungssequenzen aus dem Science-Fiction-Film „Independance Day“ locker in den Schatten stellte. Die ganze Eröffnungsfeier musste live aus dem Foyer in die Leinwand im Großen Auditorium übertragen werden, da im sehr großen Haus der Kulturen der Platz für die geladenen Gäste und vielen Besucher sonst nicht ausgereicht hätte.

Bis nach 22 Uhr Bleibende wurden mit einer Party samt DJane belohnt. Und der Ausstellungsalltag ab 15. März 2019? In drei großen Sälen und einem kleineren Ausstellungsbereich unzählige von mehreren internationalen Kuratoren zusammengestellte Exponate. Man ist versucht zu sagen, „aus aller Herren Länder“, das ist natürlich im Wortsinne nicht richtig. Wenn aber im mittleren Saal ein Film von einer Universität in Afrika gezeigt wird, gleichzeitig Architekturmodelle, Möbel und zweidimensionale Objekte, wenn nebenan, nur durch einen türlosen Durchgang getrennt, seltene Originaltextilien aus Dessau ausgestellt werden – photographieren mit Blitz ausdrücklich untersagt, das Kulturgut muss geschützt werden – sowie Keramik und im Saal neben dem ehemaligen Standort der Buchhandlung viele weitere Exponate aus dem Ausland stehen und hängen, dann kommt der Ausdruck „aus allen Ländern“ der Wirklichkeit recht nahe.

Der Führer zur Ausstellung Bauhaus imaginista: Ein Buch mit 7 Siegeln oder eins mit 128 Seiten?

Über das Bauhaus und die Ausstellung Bauhaus imaginista (bauhaus imaginista ist die Eigenschreibung) könnte man ein ganzes Buch schreiben. Tatsächlich haben die von der KBB, der aus Steuergeldern finanzierten Kulturstiftung des Bundes, unterstützten Macher der Ausstellung sogar zwei Bücher geschrieben. Ein schwarzes auf deutsch – den Ausstellungsführer – und ein entsprechendes weißes auf Englisch.

Flyer zur Ausstellung Bauhaus Imaginista im HdKdW Berlin
Der Flyer oder Handzettel zur Ausstellung Bauhaus Imaginista im Haus der Kulturen der Welt Berlin. Die Vorderseite neonrosa. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Dann gibt es noch einen dreimal gefalteten rosa Flyer in einer auffälligen Neonfarbe, die viele heutzutage, da das Wort „rosa“ ausstirbt beziehungsweise ihm ein Mauerblümchendasein für neu ausgedachte Bedeutungen wie „omarosa“ zugewiesen wird, ‚pink‘ nennen würden. Neonrosa, nicht zu übersehen …

Wir zitieren unten aus dem farbig illustrierten Ausstellungsführer der Bauhaus imaginista, um einen Eindruck von der Breite und Tiefe der Auswahl und des Angebotes zu verschaffen.

Deutsch oder englisch – oder: Deutsch-englisch oder englisch

Lassen Sie sich nicht irritieren, wenn Sie glücklich den deutschsprachigen Führer gegriffen haben, der auf dem schmalen, aber immerhin 7 Millimeter starken Rücken die Aufschrift trägt: „ bauhaus imaginista – Ausstellungsführer“. Auf dem Deckel steht nur bauhaus imaginista, was schon einmal dazu führen kann, zu denken, man hätte den englischsprachigen in der Hand. Zudem auf der nächsten Seite vier Begriffe groß herausgestellt werden: „Corresponding With“, „Learning From“, „Moving Away“ und „Still Undead“. Auch im weiteren ist zum Beispiel der Bambushocker auf Seite 81 im englischen Original benannt – „Bamboo Cube Stool“, dann jedoch mit einer deutschen Übersetzung erläutert. Es geht immer weiter: ‚Light Murals und die Language of Vision‘, ‚Center for Advanced Visual Studies‘, ‚Soft Cells ‚Bedsit Tapes‘‘, ‚Party, Performance und Self Fashioning‘ usw. usf. & etc. pp. Wenn man das schwarze Hochkantbüchlein weglegt und zum weißen greift, wird man prozentual noch mehr englisch finden.

Rätsel über Rätsel

Zum Thema Ausstellungsführer sei erwähnt, dass er es einem in einigen wichtigen Punkten nicht leicht macht. Aus Betriebsblindheit oder mit Absicht, ist egal. So ein Führer sollte einem einen Überblick verschaffen und jederzeit räumliche Zuordnung ermöglichen. Das tut er bedingt. Wenn man die unter den Buchklappen versteckten vier Raumpläne gefunden hat, ist wenigstens innerhalb der Ausstellungsräume eine Zuordnung möglich. Mit der Lage der Räume zueinander, einer Basisinformation, wird man alleingelassen. Zwar sind die Pläne der Räume, die „Learning From“ und „Moving Away“ getauft wurden, annähernd genordet – ohne eine Windrose anzuzeigen, selbstverständlich. Dass es sich um benachbarte Räume handelt, ist nirgends vermerkt.

Auch findet sich der Plan zu „Learning From“ vorn (auf Umschlagseite 4), „Moving Away“ dagegen hinten nach der letzten Buchseite, wenn man die hintere Klappe lüftet. Die Seitenzahlen sind über den Plänen notiert, „Learning From“ wird ab Seite 35 geschildert, „Moving Away“ ab Seite 71. Jedoch handelt es sich bei „Learning From“ um einen Ausstellungsbereich in einem toten Zimmer beziehungsweise toten Saal, der also nur durch einen anderen Saal erreicht werden kann, dem unter dem Motto „Moving Away“. Vom Foyer aus betritt man zum Beispiel über eine Doppeltreppe nach unten den Saal „Moving Away“ – und kann sich ab Seite 71 beraten lassen. Wendet man sich dann nach links, gelangt man durch einen türlosen Durchgang in den Bereich „Learning From“; möchte man darüber etwas lesen, muss man nicht weiterblättern, sondern zurück.

„Moving Away“ bewegt einen also im Buch weg von „Learning From“, weil man die Seiten überschlagen muss. In der Ausstellung kommt aber „Moving Away“ vor dem anderen Saal, anders kommt man in den Bereich „Learning From“ gar nicht hinein.

Aufklärung statt Kryptik

Das Büchlein mag ja bestimmt viel Arbeit verursacht haben. Es ist auch erst kurz vorher fertig geworden: Redaktionsschluss des Führers war am 20.2.2019. Doch erwartet man von einem Ausstellungsführer, dass er weniger Rätsel enthält. Dafür mehr Aufklärung. Ein Ausstellungsführer ist etwas anderes als ein Kreuzworträtsel. Apropos Rätsel: das ‚b i‘ hinten auf dem Umschlag bedeutet bauhaus imaginista.

Je weniger Rätsel – unsere schnelllebige Zeit und die anderen Bauhaus-Ausstellungen im Hinterkopf – desto schneller kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren. Statt Zeit mit dem Herumsuchen zu verschwenden, könnte man früher viele interessante Dinge erfahren. In der Ausstellung Bauhaus imaginista warten nämlich tolle Schätze. Man kann Querverbindungen ziehen, das 1919 gegründete Bauhaus und seine weltweite Wirkung und Durchdringung begreifen; viele Exponate sehen, die entweder unzugänglich wären oder nur verstreut nach langen Reisen auffindbar.

Bauhaus imaginista – Exil in Mexiko und Universitätsbau in China

Das Kapitel „Moving Away“ im gehasst-geliebten Ausstellungsführer, beginnt mit dem Entwurf für ein Bauhaus-Buch. „Von 1939 bis 1939 lebte Hannes Meyer, der zweite Direktor des Bauhauses, gemeinsam mit der am Bauhaus ausgebildeten Weberin Lena Bergner in Mexico City.“ Warum das hier nicht in der deutschen Form Mexiko-Stadt steht, oder wenigstens mit Bindestrich, lassen wir hier offen. „In Mexiko begann er mit der Arbeit an einem Buch über das Bauhaus Dessau in seiner Zeit als Direktor …“

Spannend, zudem sich 1939 die Zahl der Staaten auf der Welt noch in zweistelligen Grenzen hielt, während wir heute nach der Dekolonialisierung und der Auflösung der Sowjetunion im niedrigen dreistelligen Bereich angekommen sind.

Überschrift der nächsten Seite: „Von Hua Tung (sprich: Dung) zum Campus der Universität Tunghai (sprich: Dung(c)hai): Walter Gropius und I.M.Pei“ (siehe Beitragsbild).

Zur Erläuterung: Die Tunghai-Universität liegt in der Republik China. Heute, wo die Republik China nur noch ein kleines Territorium auf der Insel Formosa oder Taiwan beherrscht, ist umgangssprachlich meist von „Taiwan“ die Rede, genauso wie man fälschlich „England“ oder den Namen einer Insel, „Großbritannien“, für das Vereinigte Königreich verwendet.

Die Tunghai-Universität ist die erste private Universität des Staates und die zweitälteste. Wir vermeiden den Ausdruck „Landes“, da das Land China ist und selbstverständlich viele andere Universitäten vorweisen kann. Tunghai (in Hanyu pinyin Donghai) bedeutet „Osten“, oder „östlich“, und „Meer“. Die Universität ist in der Stadt Taichung. Sie liegt an der Westküste der Insel Taiwan und damit östlich des Meeres, konkret der Taiwanstraße.

Der Entwurf der Universität stammt von I.M.Pei. Geboren am 26. April 1917, feiert er im April 2019 seinen 102. Geburtstag.

Pei und Gropius – fruchtvolles Treffen in den Vereinigten Staaten

Schild zurm Architekturmodell von Pei et al. in der Ausstellung bauhaus imaginista
Drei Architekten zeichneten 1951 für das Modell der Tunghai-Universität (sprich: Dunghai) verantwortlich: Pei (sprich Bej), Chen (1921-2007) und Chang. 1955 wurde sie dann eröffnet. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Ieoh Ming Pei ist ein Architekt der Klassischen Moderne und war genau wie Walter Gropius ein Flüchtling. Nirgendwo dauerte der Zweite Weltkrieg so lang wie in China, da der durch den Langen Marsch bekanntgewordene Bürgerkrieg die 30er Jahre ausfüllte und auch nach dem Japanischen Angriff auf China 1937 (!) nicht sofort endete. Nach Weltkriegsende 1945 kämpften die erschöpften und ausgebluteten Regierungstruppen noch vier Jahre weiter, bevor sie den Kommunisten unterlagen und sich auf ein paar südliche Inseln, die die Japaner als Verlierer hatten räumen müssen, zurückzogen.

Pei, Jahrgang 1917, studierte seit 1945 in Harvard an der Graduate School of Design. Bauhausgründer Gropius leitete diese Schule schon seit 1938, bot Pei eine Stelle als Assistierender Professor an. 1946 schloss Pei mit einem Master ab, aber anstatt nach China zu gehen, unterrichtete er in Neuengland weiter. 1948, noch vor Bürgerkriegsende in China, beschloss Pei, in den USA zu bleiben. Seine Gebäude stehen auf drei Kontinenten, bekannt sind die National Gallery of Art in Washington, D.C., die Bank of China in Hongkong, der Pariser Louvre und der Ausstellungsbau des Deutschen Historischen Museums.

Bauhaus imaginista – Beispiel Tagore und Indien

Der indische Subkontinent, dessen kartographisches Abbild, jahrzehntelang von der Tagesschau recht klein dargestellt, – ähnlich wie bei Afrika – seine Größe und Vielfalt nicht im geringsten erahnen lässt, birgt größte Schätze. Alte Schriftrollen, die von Luftfahrzeugen ferner Zeiten berichten, den Vimanas, aber auch Zeugen des britischen, französischen und portugiesischen Kolonialismus und überraschende Verbindungen zu Europa.

Seite 29 des Ausstellungsführers geht auf das Kala Bhavan ein, das Kalahaus (Bhavan = Haus). „Die Kunstschule Kala Bhavan wurde 1919“ – also im selben Jahr wie das Bauhaus – „von Rabindranath Tagore etwa 150 Kilometer nördlich von Kalkutta (heute Kolkata) auf dem Gelände einer utopisch-reformerischen Gemeinschaft in Santiniketan gegründet, die der Vater des Dichters, Maharishi Debendranath Tagore, im 19. Jahrhundert ins Leben gerufen hatte.“

Rabindranath Tagore, Autor von Das Postamt, Der König der dunklen Kammer, Das letzte Poem, Wolke und Sonne, Das Opfer und andere Dramen u.v.a.

Sohn Rabindranath Tagore erhielt bereits 1913 den Nobelpreis für Literatur; als erster Asiate. Es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis 1968 wieder ein Asiate ausgezeichnet wurde, ein Japaner. Rabindranath Tagores Werk ist von riesigem Umfang. Es umfasst neben Romanen auch Lyrik und Theaterstücke und wurde im Kaiserreich und zu Zeiten der Weimarer Republik stark rezipiert. Es gab im Deutschen Reich schon früh viele Übersetzungen und eine recht große Werkauswahl, auch wenn diese nur einen kleinen Ausschnitt des Gesamtœvres darstellt.

Seite 31: „Eine Besonderheit der 14. Jahresausstellung der Indian Society of Oriental Art 1922 in Kalkutta, bestand darin, dass neben indischen Künstlern, […], auch Werke von Bauhaus-Künstlern gezeigt wurden.“ „Diese Ausstellung war ein außergewöhnliches, kulturübergreifendes Kulturereignis der Moderne des frühen 20. Jahrhunderts und zudem die erste Bauhaus-Schau außerhalb Deutschlands.“ Dieses Ereignis ist kaum dokumentiert. „Zu den wenigen Spuren, die es hinterlassen hat, gehört eine Kritik von O.C.Gangoly, die“ im Haus der Kulturen „im Nachdruck gezeigt wird. Sie erörtert am Beispiel Wassily Kandinskys die Abstraktion in der Kunst als einen Bruch mit dem vorherrschenden westlichen Klassizismus und als Möglichkeit für die Kunstformen des Ostens, dem Westen auf Augenhöhe zu begegnen.“

Bauhaus imaginista – Ausstellung, Konferenzen

im Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin

Wann? 15.3.–10.6.2019

Täglich (außer dienstags) und feiertags: 11–19 Uhr

Eintritt: 7€/ 5€ inkl. Zweitbesuch (!)

Montags und unter 16 Jahren: Eintritt frei
(Gruppen ab acht Personen: 5€/3€ pro Person)

Weltnetz: hkw.de/imaginistahttps://hkw.de/de/programm/projekte/2019/bauhaus_imaginista/start.php




Blaue Stunden in der Astronomie, Kunst und Musik. Was bedeutet eigentlich „Blaue Stunde“?

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Vor weniger als zwei Jahren bekam man in vielen Bäckereien den kleinsten Kaffee zum Mitnehmen für etwa zwei Drittel des heutigen Preises. Das nennt sich Inflation. Blaue Stunden gibt es anscheinend auch vielerorts, wenn man nur hinschaut – oder -hört? Doch was ist das eigentlich, eine „Blaue Stunde“?

Blaue Stunden stehen vor den Sternen

Im Englischen gilt „blue“ meist als „traurig“, wenn es nicht gerade um die Farbe geht und selbst dann drückt sich Freude eher mit orange aus.

Blaumachen

Im Deutschen galt „blau“ eher für Freiheit und Freizeit. Reisebüros und Friseure leisteten es sich in den 70er und 80er Jahren noch, den ersten – beziehungsweise zweiten – Tag der Woche geschlossen zu lassen oder erst am Nachmittag zu öffnen.

Im Mittelalter, die in England auch synonym mit ‚dark ages‘, also den dunklen Zeiten oder Zeitaltern, bezeichnet werden, war der blaue Montag frei.

Heute wird zuviel Augenmerk auf die tatsächlichen oder angeblichen Errungenschaften der Gegenwart gelegt. Besonders dann, wenn es etwas wenigstens angeblich früher nicht gab, wird das gern breitgetreten. Dass es aber auch viele Vorteile gab, denen wir inzwischen verlustig gingen, wird entweder gern verschwiegen, vergessen oder geht in Unkenntnis unter. Allmende, Kleiderordnung 4-Tage-Woche bei Dutzenden von Feiertagen würde ja die heutigen Verhältnisse in einem schlechten Licht erscheinen assen. Zumindest einem schlechteren.

Blauer Montag

Im echten oder übertragenen Sinne wird der „blaue Montag“ gern als Bezeichnung verwendet. Ein aktuelles Beispiel ist ein Angebot des Hotels Sellhorn in der Lüneburger Heide. Offeriert wird eine Übernachtung mit Genießerfrühstück und Candle-light-Dinner im seit 1873 bestehenden Haus in Hanstedt/ Nordheide (https://www.hotel-sellhorn.de/).

Blaues Licht – kein Blaulicht – blaue Stunden?

Womit wir beim blauen Licht wären. Blaulicht, dass aufleuchtet, wenn jemand unverantwortlicherweise blau in Schlangenlinien die Straßen entlangbraust, ist hier kein Thema.

Auch der Witz „Blau ist keine Farbe, blau ist ein Zustand“ nicht.

Blau ist eine Farbe, OKAY. Aber …

Grün hat eine Wellenlänge von 500 Nanometer (nm), blau von 400. Darunter kann man keine Farben sehen. Rot hat 700 nm, darüber liegt Infrarot, das kann man auch nicht sehen, aber spüren. Die 1000 nm der Infrarotstrahlung fühlen wir warm unter der Glühlampe, deren Licht mehr gelb- und Rottöne als das Tageslicht aufweist und deswegen als „warm“ gilt. Außerdem liegt bei dieser Wellenlänge der Bereich der Selbstreparatur der Netzhaut.

In der blauen Stunde ist nicht nur der Himmel blau, sondern auch das Licht. Warum war noch mal der Himmel blau? Es gibt ja Leute, die Kinder kriegen, damit sie alles nochmal lernen dürfen (was sie zum Teil schon vergessen hatten, aber das fiel nicht auf, denn es hatte niemand gefragt). Wie schön, dass wir heute bei ecosia.org oder sonstwo im Internet alles nachgucken können. Da erfährt man zum Beispiel, wie die Hauptstadt von Frankreich heißt.

Friederike weiß, warum der Himmel blau ist

Die Himmelsfarbe erklärt Friederike Wilhelmi in „Was ist wahr? Müssen Fische trinken?“ (München 2005). Die Erde ist ja von der Atmosphäre umgeben. „Sie besteht aus vielen unsichtbaren Luftschichten und ihr tummeln sich unzählige winzige Teilchen“. Wie recht Frau Wilhelmi doch hat. Sehr anschaulich formuliert. „Das Sonnenlicht strahlt in allen Farben des Regenbogens, also in Violett, Blau, Grün, Gelb und Rot, durch diese Atmosphäre hindurchauf die Erdoberfläche.“ Ja schon, aber wann kommt der springende Punkt?

„Dabei verhalten sich die einzelnen Farben ganz unterschiedlich: Das rote und das gelbe Licht fließen ohne Umwege wellenförmig auf die Erde zu.“ Das scheint ein Widerspruch zu sein, aber wenn man eine Welle ist, der direkte Weg. Ganz schön zielstrebig; ich kenne solche Leute. „Doch das blaue Licht lässt sich von den vielen kleinen Teilchen, die in der Atmospäre herumschwirren, aufhalten und wild durch die Gegend schubsen.“

Wäre ein gehänseltes Kind, das herumgeschubst wird, eine Farbe, wäre es also blau. „Es zerstreut sich in alle Richtungen. Stell dir einen Gummiball vor, der wild durch ein Zimmer wirbelt. Durch diese so genannte hohe Streuung der blauen Farbe scheint uns der Himmel blau.“ Der scheint uns also nur blau, der ist es gar nicht. Eigentlich schade. Ich finde schwarz irgendwie angsteinflößender. Dann müsste ja auf dem Mond der Himmel gar nicht blau sein. Stimmt, auf den gefälschten Photos, die gar nicht gefälscht wurden, ist der Himmel ja schwarz. Dafür ist die Erde blau. Das muss aber am Himmel liegen, also am Erdhimmel, der hiesigen Atmosphäre. Vom Erdmond aus und auch von anderen Monden aus muss man ja durch die Atmosphäre des Planeten hindurchgucken um auf den Grund der Tatsachen zu kommen.

Blauer Himmel, okay, aber Stundenlicht? Die Atmosphäre ist doch die ganze Zeit da? Warum Blaue Stunden?

Schön und gut, zugehört und verstanden, aber warum erscheinen manche Stunden in einem anderen Licht? Die Erdatmosphäre ist doch die ganze Zeit da, obwohl sie durch die Spraydosen kleiner geworden ist. Oder?

Die blaue Stunde ist ein Teil der dunkleren Phase der Morgendämmerung. In der Abenddämmerung dann wieder; macht, wenn Nebel oder schlechtes Licht keinen Strich durch die Rechnung machen, zwei blaue Stunden pro Tag.

Die blaue Stunde ist dann, wenn die Sonne noch recht weit unter dem Horizont ist (morgens) oder schon recht weit unter dem Horizont. Recht weit? Das ist etwas ungenau! In der Tat. Die Dämmerungsphasen kann man schon genauer bezeichnen, da gibt es die astronomische, nautische und bürgerliche Dämmerung. In dieser Reihenfolge morgens. Das sind feststehende Ausdrücke, die man qua Definition minutengenau für einen bestimmten Ort auf der Erde berechnen kann. 18 bis 12 Grad unter dem Horizont ist die Sonne dann. Gerade in der lichtverschmutzten Stadt mit vielen Straßenlaternen wird man die Nacht nicht leicht von der astronomischen Dämmerung unterscheiden können.

Zwischen 12 und 6 Grad nennt man es nautische Dämmerung. Jetzt ist der Übergang von der Nacht zum Tag schon deutlicher zu merken, falls man nicht noch im Berghain ist oder sich in einem geschlossenen Raum mit Jalousien befindet. Der Name nautische Dämmerung kmmt daher, dass ein Kapitän auf einem Schiff mit dem Sextanten bei gutem Wetter und klarer Sicht den Horizont und die hellen Sterne sehen kann. Durch die Messung der Höhe der Sterne über dem Horizont lässt sich die Position bestimmen.

Bürgerliche Dämmerung ist dann die letzte Phase bevor die Sonne aufgeht. Zwischen 6 und 0 Grad unter dem Horizont steht die große Leuchtkugel. Zivile Dämmerung sagen auch manche. Sie dauert am Äquator etwa 20 Minuten, in Frankfurt am Main über eine halbe Stunde. Während der Tagundnachtgleichen.

Dämmert es, wann die blaue Stunde ist?

Immer noch wissen wir jetzt nicht genau bescheid. Zum Beispiel, warum
das Licht so blau ist. Oder wann die blaue Stunde ist.

Vieles kann man – für einen bestimmten Ort auf der Welt – ganz genau bestimmen. Nehmen wir mal den 8. April 2019. Die Sonne geht in Berlin in der Bundesrepublik Deutschland um 6,25 Uhr auf und um 19.52 wieder unter. Die Tageslänge kann man auf die Sekunde genau berechnen: 13 Stunden 26 Minuten und 43 Sekunden. Etwa 4 Minuten länger als der 7. April. Die astronomische Dämmerung begann um 4.19 Uhr, die nautische um 5.07 Uhr, die bürgerliche um 5.50 Uhr, Sonne, wie gesagt, ging um kurz vor halb sieben auf, den Mond ignorieren wir mal, und um kurz vor acht geh die Sonne wieder unter. Das Ende der bürgerlichen Dämmerung liegt um 20.27 Uhr, das der nautischen um 21.11 und das der astronomischen um 21.59 Uhr.

Sehr praktisch dieser Tag. Wenn die Nacht wirklich beginnt, ist auch per Gesetz in den Häusern Ruhe angesagt und wer die Bohrmaschine betätigt, dem kann man das untersagen. Später im Jahr, im Sommer, wenn die Tage wegen der vermaledeiten „Sommerzeit“ abends lange hell sind, sieht das der Lärmende vielleicht anders.

Sehr praktisch dieser Tag. Wenn die Nacht wirklich beginnt, ist auch per Gesetz in den Häusern Ruhe angesagt und wer die Bohrmaschine betätigt, dem kann man das untersagen. Später im Jahr, im Sommer, wenn die Tage wegen der vermaledeiten „Sommerzeit“ abends lange hell sind, sieht das der Lärmende vielleicht anders.

Nicht minutengenau – und unterschiedlich lang: Die Blaue Stunde

Die Blaue Stunde jedoch lässt sich nicht auf die Minute bestimmen, anders als Ruhezeiten einer Hausordnung oder das Unumstößliche Aufgehen oder Untergehen der Sonne. Es geht um die Lichtverhältnisse. Am wahrscheinlichsten trifft man diese ins Bläuliche getauchte Kulisse zwischen -4 und -8 Grad (des Vertikalwinkels) an. Das passiert in zwei Dämmerungsphasen, der bürgerlichen und der nautischen.

Am 8. April 2019 in Berlin am Abend also gegen 20.20 Uhr bis kurz vor
neun.

Blaue Stunden in Berlin und anderswo

Konzertveranstaltungen und Ähnliches „Blaue Stunde“ zu nennen
ist wieder in Mode. Nach der Kapernaumkirche annoncierte auch die
Grunewaldkirche 2018 eine Veranstaltung unter diesem Namen.

Blaue Stunden in Kunst und Literatur sowie Lyrik

Worpswede ohne Blaue Stunden – undenkbar. Die Künstler nutzten das
blaue Licht besonders in den Abendstunden.

Ingeborg Bachmann und Gottfried Benn ließen sich von der Blauen Stunde inspirieren und benannten ein Gedicht nach ihr. William Boyds und Joan Didiers Romane heißen auf deutsch blaue Stunden, bei Boyd im singular Allerdings handelt es sich um die Titel der Übersetzungen, die Originale heißen „Blue Afternoon“ (Boyd), Blauer Nachmittag, und „Blue Nights“ (Didion, Blaue Nächte).

Musikalische Veranstaltungen werden nicht nur ‚Blaue Stunden‘
genannt, nein, es gibt auch so benannte Musiktitel. Lieder von Faun
und Funny van Dannen heißen „Blaue Stunde“. Herbert und Rudolf
Nelsons Chanson „Eine blaue Stunde“ wurde Greta Keller bekannt.
Und Udo Lindenberg besingt sie, die Blaue Stunde, in seinem Stück
„Odyssee“.




Hamburg-Reise-Broschüren, in der Mitte das Buch 52 kleine und große Eskapaden in und um Hamburg, Ab nach draußen

Das vorzügliche Hamburgbuch in der Reihe Eskapaden von Volko Lienhardt und Stefanie Sohr … in und um Hamburg

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eskapaden, das sind Abstecher, Ausflüge und Miniurlaube: Kurz und knackig auf 2 Seiten erfährt man alles was man wissen will und wenn das nicht reicht, auch noch die wichtigsten Links und Adressen. Frisch, humorvoll und ungewohnt geschrieben von Stefanie Sohr, von der auch das Untertitelmotto stammt. „Ab nach draußen“ steht klein auf der Mitte des Umschlags. Sohrs Kindheitstrauma. An der Schlei mit ihren übers Jahr vielen Regenschleiern war es Frau Sohr als Mädchen völlig schleierhaft, warum man immer raus sollte. Inzwischen hat sie es verinnerlicht und es gibt kein Halten mehr. Das beschert uns 52 Touren nach Hamburg und in die angrenzenden Bundesländer.

Eskapaden – Photographie

Volko Lienhardt ist der vollkommene Reisephotograph, nicht nur, weil er Paddeln, Radfahren und lange Strecken wandern kann.

Seine Bilder sind mindestens souverän, oft aber wie Gemälde, die den Blick träumerisch-meditativ verweilen lassen: eine Baumflucht in Haseldorf auf Seite 100, eine weitere auf S. 70 aus dem Nienstedter Hirschpark, die nur wegen der Buchmitte und des Ausschnitts wenig zur Geltung kommt. Rund der aktuelle Ausblick über die Dächer Hamburgs auf S. 74 im Kapitel „Schau auf diese Stadt“ – frei nach Ernst Reuter – durch die Bullaugen von St. Petri. Im Verbund mit dem Layout ergibt sich ein an drei Seiten vom Fenster rund umrahmter Bildausschnitt – an der vierten Seite hat das Buch selbst eine runde Ecke. Wunderschön spiegelt sich die Sonne auf dem Wasser in Entenwerder und selten fesch blickt die Möwe in Finkenwerder, keck das linke Beinchen hebend(S. 82). (Das alte Schild von Hertas Stübchen weist wie so oft den Fehler mit dem Apostroph auf. Da kann der Photograph natürlich nichts für.)

Alles mit Liebe

Doch nicht nur der frisch-freche Text, der einen flott von einer Wesentlichkeit zur nächsten zieht, Lienhardts Photos und das Layout von Carolin Weidemann sind liebevoll, auch der Umgang der Mitarbeiter untereinander scheint es zu sein. Zumindest weiß die Autorin genau, was Liebe ist.

Tour 40 beginnt so: „… die Lieblingsperson im Schlepptau. Idealerweise eine, mit der man stundenlang quatschen oder irre gut schweigen kann. Denn dieser Tag wird lang und herrlich auf einer der schönsten Wanderstrecken überhaupt.“

Beim Sprung ins kalte Wasser lesen wir:

„Und wie das eben so ist: Eine neue Liebe lässt einen Dinge tun, die man zuvor nie für möglich gehalten hätte“. „Da denkt man im kurzen, weichen Gras … vielleicht zum ersten Mal im Leben darüber nach, an einem Grünstrand zu baden“(Textstelle wiederzufinden in Tour 47 zur Meldorfer Bucht.)

Mein Buch, das hat ‘ne Ecke – und die Ecke die ist rund

Insgesamt eine total runde Sache. Nicht nur an der Ecke – des Buches, die gegenüber vom Kapital – das ist das obere Ende des Rückens – abgerundet ist. Auch ein Erkennungszeichen! Nachdem ich, immer noch begeisterungstrunken, hinten hinter den farbigen Landkarten und der Seite „Gut zu wissen …“ zufällig zum Impressum vorgedrungen bin, sehe ich höchsterfreut, dass es noch weitere Bände im selben Layout, also Design, gibt.

Eine Reihe Eskapaden

Eigentlich müsste Monique Sorban noch einen Orden oder einen ITB-BookAward bekommen. Soweit wir wissen, gibt es die Rubrik „Reise-Reihe“ bei den BuchAwards der weltgrößten Reisemesse noch gar nicht. Könnte man mal vorschlagen, oder Sorbans Reihe als Preisträger. Das zufällig aufgestöberte Impressum, das sich mit dem Hinweis auf die bisher drei anderen Titel der Reihe Eskapaden auf der drittletzten Seite des Hamburgreiseratgebers versteckt, verrät, dass Monique Sorban die Reihe konzipiert hat. Doch nicht nur das Konzept stammt von ihr. Die Redakteurin, die sich im Dumont-Reiseverlag um die illustrierten Bücher kümmert, mischte auch beim Projektmanagement mit.

Man kann ich vorstellen, was der Autor dieser Rezension demnächst auf seiner Wunsch- und Bestellliste hat. Als Merkwort hat er OBST festgelegt, führen doch die anderen Eskapadenbücher an die Ostsee, nach Berlin und Sylt …

Das Konzept ist einfach
hervorragend. Schon vor dem Inhaltsverzeichnis ist die einfache
Aufteilung des Buches zu erkennen: 4stündige Abstecher, 12stündige
Ausflüge und 36stündige Miniurlaube sind in dieser Reihenofolge im
Angebot. Wer einen Tag Zeit hat, hat demnach die Wahl zwischen einem
Halbtagesausflug oder einem kürzeren Programm, das er kombinieren
kann mit einem Tee-Besuch im Momentum, einem Umstreifen der vielen
Museumsschiffe oder einem Spaziergang durch die rund um die Uhr
geöffnete Science-Fiction-Architektur der Hafen-City.

Was waren Eskapaden nochmal?

Großes Eskap, kleines Aden, besser, wir verlieren jetzt nicht den Faden. Der Rechner, den der Autor zum Niederschreiben dieser Zeilen benutzte, hat links oben eine Taste „ESC“. Trotz der Großbuchstaben, die auch die Zeichnerin gern benutzt, bedeutet das nicht European Song Contest, die Nachfolgebezeichnung des Grand Prix Eurovision de la Chanson . Mit Escape (flüchten, fliehen, raus hier) ist man schon ganz nah an der Bedeutung dran. Ab nach draußen – remember?

Gibt es wirklich nur Gutes über die Eskaden im Allgemeinen und die Hamburger im besonderen zu sagen?

Ja. Bei dem einzigen festgestellten Fehler handelt es sich um einen überzähligen Buchstaben. Wäre der Autor dieses kleinen Beitrags nicht auch Redakteur und Korrekturleser und stammte aus der Urlaubsregion, umd die es auf Seite 176 geht – die Lüneburger Heide – wäre es vielleicht auch gar nicht aufgefallen. Viele Leser sind vielleicht nicht so wach, wie der Wachholder vermuten lässt. In der Heide rund um Undeloh und Wilsede wächst Wacholder wild, die Beeren würzen oder werden zu geistreiche Getränken gebrannt. In Norddeutschland auch Machandelbaum genannt, ist der immergrüne Juniperus, wie er botanisch heißt, auch ein guter Sichtschutz an der Grundstücksgrenze. Neben Garagen fängt er das ganze Jahr über die Autoabgase des Nachbarn ab und wandelt sie teils in Sauerstoff um.

Wieviel würzigen Sauerstoff es im Naturpark Lüneburger Heide gibt, in dem zudem nur Kutschen erlaubt sind, kann man sich nur vorstellen, bis man mal da war. Ob man die Stille oder die frische Luft mehr genießen wird oder gar die vielen Sterne am nächtlichen Himmel, kann jeder selbst mit Freude herausfinden.

Ob das der Grund war, wissen wir nicht, doch der erste Miniurlaub in die Hamburger Umgebung führt über Buchholz in der Nordheide nach Handeloh und von dort zu Fuß nach Schneverdingen.

Exkurs Autokennzeichen und Buchstaben

Vielleicht ist der Wachholder ja auch kein Fehler, sondern ein Code. Ein Hamburger – Volko Lienhardt kam über London, Tokyo und Prag hierher, Stefanie Sohr stammt von der Schlei und aus der Schweiz, der Holsteinischen – sieht jeden Tag das HH vor Augen auf Autokennzeichen. Hansestadt Hamburg macht zwei Buchstaben, obwohl die Größe der Stadt – seit Jahrzehnten Nummer zwei in Deutschland – nur einen Buchstaben nötig macht.

Als Kind hat den Verfasser dieser Zeilen diese Unlogik irritiert. Kleinere Städte wie Stuttgart, Düsseldorf oder Köln unterzeichneten mit dem Anfangsbuchstaben auf dem Blechschild. Obwohl erstere Landeshauptstädte sind reicht doch keine an die Million heran. Das schafft München mit seinem M und natürlich die größte Stadt Berlin mit dem B.

Hamburg hätte das H verdient, macht sich jedoch freiwillig klein indem es den Buchstaben verdoppelt. Hannover, Landeshauptstadt mit sechsstelliger Einwohnerzahl, ist der glückliche Gewinner der Einzel-Hs. Auch Lübeck machte sich klein und bestand als Hansestadt auf einem HL. Leipzig hatte als DDR-Gemeinde mit dem landesweit größten Bahnhof lange ein ganz anderes Kennzeichen, so dass Lübeck, im Eskapaden-Reiseführer auch erwähnt, das L verdient hätte. Stattdessen bekam es der kleine Lahn-Dill-Kreis. Erst die Wiedervereinigung korrigierte das. LDK gibt die kleine Größe an. Die südlicehn Nachbarn Hamburgs, die Winsener (WL) und Lüneburger (LG) hatten und haben genausoviele Buchstaben auf dem Kennzeichen wie Hamburg. Lüneburg hatte 65.000 Einwohner, jetzt über 75.000 (bei Hamburgern beliebt), der nördlichste Stadtstaat etwa 1.835.000. Wie dem auch sei, das HH ist Fakt und Hamburgern sei es verziehen, wenn sie in Wörtern, die mit einem ‚H‘ geschrieben werden, daraus zwei machen.

Falls es denn nicht doch Absicht ist.

Vielleicht auch für ein Preisausschreiben: In welchen Kapiteln befinden sich die Wörter mit ‚hh‘. Falls der Verlag ein solches veranstaltet, wurde die Lösung hier zum Teil schon verraten. Da müsste man noch einmal in das Buch gucken.

Kleine Eskapade Wachhalter

Vielleicht ist Wachholder eine Wortschöpfung, für die insgeheim schon Titelschutz angemeldet wurde. Holder ist der Halter so wie in Share Holder (Aktienbesitzer). Wachholder könnte eine Dose Redbull, ein Pott Kaffee oder eine Tasse kräftiger Ostfriesentee sein. Im Norden wohl eher der Tee.

Immer wieder ein Film-, Literatur- oder Literatenbezug

Ob es nun Friedrich Gottlieb Klopstock ist, der der recht großen Stintenburginsel im Schaalsee eine Ode widmete und sie dadurch bekannt machte (Seite 180/81, Tour 42), oder Heidedichter Hermann Löns, der mit dem Hermann-Löns-Blick auf den Hemmelsdorfer See zwischen Travemünde und Scharbeutz erwähnt wird – immer wieder lugt die Kultur hervor (Seite 216, Tour 51). Was Klopstock mit Hamburg zu tun hat? Er liegt in Ottensen begraben. Die Klopstock-Eiche steht am Schaalsee bei Lassahn. Dieser See, lange durch die deutsch-deutsche Grenze geteilt und vielleicht deswegen so wenig bebaut, ist nicht nur der zweittiefste des Landes, sondern gleich auf zwei Bundesländer verteilt: Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Stintenburginsel, über einen Damm erreichbar, ist laut einer Ode Klopstocks („der große Dichter der Empfindsamkeit“) die „Insel der froheren Einsamkeit“.

Am besten also, man unterschätzt das Buch nicht: Wer Hamburg selbst gar nicht besuchen möchte, findet trotzdem genug reizvolle Reiseziele zum Beispiel in Niedersachsen.

Und wer weiß schon, das einige Nordseeinseln zu Hamburg gehören? Sogar drei. Auch wenn sie am besten vom niedersächsischen Cuxhaven angesteuert werden wie im Eskapaden-Tourtipp. Auf zweien ist man gut zu Vögeln: Auf Nigehörn sind Menschen verboten, Scharhörn darf nur betreten, wer sich vorher beim Vogelwart anmeldete. Neuwerk dagegen ist bewohnt. Es sei nicht gerade Manhattan, so eine der schönen Stefanie-Sohr-Formulierungen. 40 Seelen leben dort. Die Nachkommen des letzten Piraten Neuwerks sind ehrlich geworden und führen ein Hotel, eine der rund ein halbes Dutzend Beherbergungsstätten der Insel. („Überall ist Wunderland- Wattwandern vor Neuwerk“ ab Seite 206.)

Filmreife Eskapade

Der erfolgreiche deutsche Schauspieler Til Schweiger, der selbst auch Regie führte, produzierte und seiner Tochter Luna, die wiederholt vor der Kamera stand, einiges beibrachte, wird quasi als Hotelier erwähnt („Keinohrhasen“, „Schutzengel“, Honig im Kopf“). In Tour 51 empfiehlt sich eine Übernachtung an der Lübekcer Bucht im Barfußhotel oberhalb des Kurparks in Timmendorfer Strand. Til Schweiger hat es gestaltet „wie einen seiner Wohlfühlfilme“ (S. 217).

Bei den längeren Ausflügen namens „Miniurlaube“, die um die 36 Stunden dauern, ist ein Bleiben über Nacht angedacht. Immer auf halber Strecke oder jedenfalls passend wird eine exklusive Unterkunft ausgesucht.

Bibliographische Angaben zu Eskapaden in und um Hamburg

Verlag: DuMont-Reiseverlag

Verfasser:
Stefanie Sohr, Volko Lienhardt

Titel:
52 kleine & große Eskapaden in und um Hamburg

Seitenzahl: 232

Preis in Euro für die Bundesrepublik: 14,99

ISBN 10: 3770180712 ISBN 13: 9783770180714

Fehlt etwas oder nicht? Der Frage mit dem Möwenfinder

Was fehlt? Vielleicht ein Ortsregister, aber braucht man das, wo doch alle Touren zum Download zur Verfügung stehen? Die man vermutlich digital durchsuchen kann? Will man das? „Oh Digitalisierung, wieviel Schaden (und Nutzen) hast du schon angerichtet!“

Nett wäre es schon, wenn man das Buch nicht von Anfang bis Ende durchliest – und, Hand aufs Herz, wer tut das schon in dieser Reihenfolge gänzlich? – dass man Ziele, von denen man gelesen hat, aber nicht mehr weiß, wo, anhand eines Registers schnell wiederfinden könnte. Zwar findet man auf den wichtigen Seit 8, 90 und 172 den Überblick über die unterschiedlichen Touren. Dort steht aber nur der Titel der Tour – Beispiel Tour 41: „Draußen vor der Tür“, nicht aber der aufschlussreiche Untertitel – „auf dem Heidschnuckenweg“. Wer also das Photo mit der kecken Finkenwerder-Möwe mit dem weiblichen Kopfschmuck noch einmal anschauen möchte, tut gut daran, sich die Seitenzahl oder „Tour 19“ zu merken.




Kino Babylon Mitte in Berlin durch Räuberrad vor der Volksbühne fotografiert; Blickrichtung Süd/ Alexanderplatz (Alex.). © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Beth Gibbons in persona, im Film und auf CD. SYMPONY of SORROWFUL SONGS von Henryk Gorecki als Konzertmitschnitt in 14 Städten weltweit

Berlin, Deutschland, Amsterdam, Niederlande (Kulturexpresso). Aufmerksame Leser dürften inzwischen wissen, wer Beth Gibbons ist, wenn sie es nicht sowieso schon wussten. (‚Beth Gibbons von Portishead‘). Bleibt die Frage, warum man heute in Amsterdam ins Kino gehen sollte oder morgen in Neu-Amsterdam, dem heutigen New York. Ja. Gute Frage. Warum sollte man überhaupt ins Kino gehen, wo es doch alles aus der Konserve gibt? In Berlin hat man heute sowieso keine Wahl. Beth Gibbons kommt persönlich, die Karten sind seit einiger Zeit – seit Wochen? – ausverkauft; das war‘s dann. Sie wollte nur in Paris, London und Berlin bei den Screenings dabei sein, den Vorführungen des 50-minütigen Konzertmitschnitts von „Symphony of Sorrowful Songs“, der Sinfonie der Klagelieder von Górecki. Das Konzert liegt schon ein paar Jahre zurück und zum Glück gibt es eine Deluxe-Version der vorgestern, am 29. März 2019, erschienenen CD, die eine DVD mit eben jenem Konzert enthält.

Aber
vielleicht ist gerade in diesen digitalen Zeiten der Besuch eine
„Live-Veranstaltung“, auch wenn wieder nur eine digitale Konserve
gezeigt wird, angesagt. Immerhin kommt Beth Gibbons selbst zu Events,
es ist eine Einführung geplant und ein Publikumsgespräch. Ähnlich
wie bei einem großen Filmfestival wie der Berlinale entsteht so
Atmosphäre. Wer immer nur auf sein Smartphone-Display schaut,
bekommt Genicksteife und leidet bald unter Kurzsichtigkeit.
Kurzsichtigkeit mit 22 ist jetzt weit verbreitet. Auch wenn die
Optiker jubeln, gut ist das nicht für die Gesellschaft und die
Handynutzer. Gerade heute, wo Weitsicht gefragt ist. Also mal ins
Kino oder besser ans Meer, nach Rügen, Usedom oder Sylt, wo das
Wasser bis an den Horizont reicht.

Eine
Reise nach Mailand zum Aprilanfang wäre auch möglich, um die
Vorstellung zu erwischen, die am selben Tag wie in New York
stattfindet. Anschließend nach Genua oder Nizza ans Meer.

Sie
wissen schon, dort, wo das Wasser bis zum Horizont reicht.

Die vollständigen Vorführungs- und Tourdaten im einzelnen

An 14 Orten in Europa, Nordamerika und Australien wird der Film mit dem vollständigen Konzertmitschnitt teilweise mehrfach aufgeführt.

Henryk Górecki: Sinfonie Nr. 3 (Symphony No. 3) – Sinfonie der Klagelieder („Symphony of Sorrowful Songs“). Opus 36. Aufgeführt vom polnischen nationalen Radio-Symphonie-Orchester unter der Leitung von Krzysztof Penderecki, Gesang Beth Gibbons. Die Platte erschien am 29. März 2019 (Album Release). Deluxe-Edition plus Konzertmitschnitt-DVD!

*Beth
Gibbons nur in Paris, London und Berlin persönlich anwesend.

26. März 2019

PARIS*

MK2 BIBLIOTHÈQUE

war nicht ausverkauft, es gab noch Karten.

28. März 2019

LONDON*, UNITED KINGDOM

BARBICAN CENTRE

Ausverkauft

28. März 2019

SYDNEY, Australien

GOLDEN AGE CINEMA

28. März 2019

Kopenhagen/ Köbenhavn (englisch Copenhagen), Dänemark

CPH DOX / DFI

28. März 2019

MADRID, Spanien

SALA PLATÓ (CINETECA)

Ausverkauft

30. März 2019

Warschau/ Warszawa (englisch Warsaw), Polen

NATIONAL FILM ARCHIVE – AUDIOVISUAL INSTITUTE (FINA)

31. März 2019

BERLIN*, Bundesrepublik Deutschland

BABYLON-MITTE

AUSVERKAUFT!

31. März 2019

Amsterdam, Niederlande

MELKWEG-Kino

1. April 2019

BROOKLYN, NEW YORK

BROOKLYN ACADEMY OF MUSIC (In Zusammenarbeit mit Wordless Music)

1. April 2019

Mailand/ Milano (englisch Milan), Italien

SANTERIA TOSCANA 31

7. und 10. April 2019

BELFAST, U.K., genauer: Nordirland

QUEENS FILM THEATRE

19. bis 22. April 2019

BRISTOL, UNITED KINGDOM

WATERSHED

27. und 28. April 2019

EXETER, UNITED KINGDOM

PHOENIX

15. Juni 2019

BIRMINGHAM, UNITED KINGDOM/ Großbritannien, England

MIDLAND ARTS CENTRE (MAC)

Immer wieder ausverkauft: Beth Gibbons. Und das schon seit New York 1997.




Hegel vom Kopf auf die Füße stellen? Plakat in Berlin-Charlottenburg am 22.März 2019

Was verbindet Beth Gibbons von Portishead, Henryk Gorecki und Theresa May? Der 29. März 2019

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Portishead klingt für Uneingeweihte wie „den Kopf tragen“, zum Beispiel unter dem Arm. Soweit ist es bei Theresa May noch nicht, obwohl sie starker Kritik ausgesetzt ist und auf einem schmalen Grat wandert. In der Tat sind Portishead, May und Gibbons very British.

Portishead ist eine englische Küstenstadt

Portishead heißt eine kleine Stadt mit gut 17.000 Einwohnern an der Mündung des Severn. Zuweilen hieß sie auch „Portshead“, von „port at the head of the river“, frei übersetzt ‚Hafen an der Flußmündung‘. Bis heute gibt es einen kleinen Fischereihafen in der stark wachsenden Stadt. Bei gutem Wetter kann man auf der anderen Seite des Wassers Wales sehen. Das „Severn Estuary“ – ein Zusammenfluss des Severn mit dem Avon, dem Wye und anderen Flüssen – und der meerwärts folgende Bristolkanal bilden hier die Grenze zwischen Wales und England. An den Außenumrissen Großbritanniens sind Portishead und das benachbarte Bristol sehr einfach zu lokalisieren, ist doch selbst auf kleinen Landkarten der Bristol Channel der erste große Einschnitt an der Westküste, wenn man von Süden aus sucht. Links unten nach oben mit dem Finger die Küste entlangfahrend, bis man nicht mehr weiter kann, dort liegen Bristol und Portishead.

Tee servieren und Musik aufnehmen – so wird man bekannt

Portishead wäre wohl nie so bekannt geworden, wenn nicht Geoff Barrow, der in einem Aufnahmestudio in Bristol arbeitete – er servierte dort den Tee – nicht immer „der Typ aus Portishead“ genannt wurde. Zum Beispiel bei den Aufnahmen zum ersten Album von „Massive Attack“. So kam Barrow auf die Idee, den Namen der Stadt zu einem Bandnamen zu machen. 1991 traf Barrow Beth Gibbons, die sporadisch in Bars sang. Mit ihr und dem Jazzgitarristen Adrian Utley nahmen sie das erste Stück auf: „Sour Times“ (schlechte Zeiten, saure Zeiten). „Portishead“ war geboren – und ein Stück mit „S“, das inhaltlich an den Stabreim der „Symphony of Sorrowful Songs“ erinnert. Die Symphonie der Klagelieder oder Lieder voller Sorge und Leid. Beth Gibbons ist die Gesangsstimme der Symphonie. Komponiert hat sie der 2010 verstorbene Henryk Górecki. SEIT DEM 29. MÄRZ 2019 gibt es ein „Album“, also eine CD. Dazu eine Deluxe-Edition.

Dabei wird es visuell: Die Deluxe-Version enthält die DVD mit dem Konzertfilm.

Es handelt sich um einen 50-minütigen Konzertmitschnitt, keinen Spiel- oder Dokumentarfilm. Unten nochmal die Einzelheiten. Das (Rundfunk-) Konzert fand vor fünf Jahren statt. Durch die DVD und europaweite Vorführungen beginnend am 26. März in Paris werden das Konzert und die Sinfonie in Erinnerung gerufen. Beth Gibbons legt sich mächtig ins Zeug. Dreimal erscheint sie sogar persönlich zu den Filmvorführungen; in Paris am 26., in London am 28. und in Berlin am 31.3. (ausverkauft!!) An elf weiteren Orten, darunter New York, Sydney und neun europäische Städte, die meist im Vereinigten Königreich einschließlich Nordirlands liegen, wird der Konzertfilm gezeigt.

Zusammenfassung: 29.März 2019: Die Briten kommen raus – oder auch nicht. 29. März 2019: Ein Album kommt bei Domino Records raus, mit dem die Britin Beth Gibbons groß rauskommt.

Was
für den einen ein Anfang, ist für den anderen das Ende. Wobei
manchmal das Ende nicht gültig ist und somit nicht endgültig.

Henryk Górecki: Symphonie Nr. 3 (Symphony No. 3) – Symphonie der Klagelieder (Symphony of Sorrowful Songs). Opus 36. Aufgeführt vom polnischen nationalen Radio-Symphonie-Orchester unter der Leitung von Krzysztof Penderecki, Gesang Beth Gibbons. Die Platte erscheint am 29. März 2019 (Album Release). Deluxe-Edition mit Konzertmitschnitt-DVD.

Dokumentation des Plakats, das die Abbildung zum Artikel darstellt

Wir lesen unten auf dem Plakat:

„When once the earth becomes a common treasury again …“ zu deutsch:

„Wenn einst die Erde wieder ein gemeinsamer Schatz wird, wie es sein muss … dann wird diese Feindschaft in allen Ländern aufhören“.

Es ist ein Zitat von Gerrard Winstanley, der 1609 in Wigan in Lancashire geboren wurde und im Herbst 1676 in London starb. Auf dem Plakat steht, das Zitat sei aus dem Jahr 1649. Das liegt zu Beginn des 10jährigen Protektorats Oliver Cromwells.

Winstanley gehörte zu den Diggers, eine Art archaische Urban Gardeners mit Robin-Hood-Tendenzen. Sie übertreffen die gleichmachenden „Levellers“ als „True Levellers“, wahre Gleichmacher, indem sie Brachland und Allmende besetzen und Nutzpflanzen anbauen. Die Feldfrüchte verschenken sie.

Das ruft Landbesitzer auf den Plan, die Verluste fürchten. Sie versuchen, die Landbesetzer zu vertreiben (in Buckinghamshire, dem angrenzenden Northamptonshire und Kent in Südostengland). Als sich auf diesem Weg die Herstellung der alten Verhältnisse nicht erreichen ließ, gingen sie in London vor Gericht. 1650 entscheidet Richter Halifax, Ernte und Werkzeuge der Diggers (Gräber im Sinne von Grabenden) müssten zerstört werden, was auch geschieht. Damit ist das kleine „sozialisierende“, altruistisch-sozialistische Experiment gescheitert, im Keim erstickt. Vielleicht war der Fehler, die Ernte zu verschenken. Das langfristig entstehende Unheil davon, keinen Preis zu verlangen, schildert Ayn Rand eindrücklich in „Atlas wirft die Welt ab“(dt. 1958) („Atlas shrugged“, 1957), Neuübersetzung „Wer ist John Galt?“ Alles geht letztlich den Bach hinunter. Es muss etwas kosten, auch wenn es nur wenig ist.

Was ist jetzt eigentlich mit dem 29. März? Bleiben wir zusammen? Sind sie raus? Sind sie drin? Und warum eigentlich am 29.?

Da Theresa May in ihrer Funktion als Premierministerin am 29. März 2017 rechtlich verbindlich den Austritt aus der EU nach Artikel 50 mitgeteilt und erklärt hatte … „wäre der Austrittstermin am Ende der vertraglich vorgesehenen zweijährigen Verhandlungsperiode auf den 29. März 2019 gefallen.“ (Wikipedia).

„Allerdings einigten sich der Europäische Rat und die britische Regierung am 21. März 2019 auf eine Verschiebung des Termins auf frühestens den 12. April 2019.“

„Im Fall einer Einigung auf das derzeit vorliegende Austrittsabkommen, welche nach dreimaliger Ablehnung des Austrittsabkommens durch das Parlament des Vereinigten Königreichs unwahrscheinlich ist, soll das Vereinigte Königreich hingegen erst am 22. Mai 2019 austreten. Darin vorgesehen ist eine Übergangsphase bis voraussichtlich 2021, in der das Vereinigte Königreich zunächst wie bisher alle EU-Regeln einhält und weiter Beiträge zahlt, aber in EU-Gremien keine Mitsprache mehr hätte.

Die anschließenden, langfristigen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU sind noch Gegenstand von Verhandlungen“, so die Enzyklopädie weiter.

Das Ende mit Schrecken wird nun auch noch zu einem Schrecken fast ohne Ende.

siehe auch: