Unter den Teppich gekehrt. Ein Königsmord? – „Ein Sturm zog auf“ („Anunciaron Tormenta“) im Forum der 70. Berlinale

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ësáasi Eweera hieß ein König der Bubi in Äquatorialguinea. Sein Tod ist der Anlass für den Film „Anunciaron Tormenta“, im Englischen, der Festivalsprache der Berlinale, „A Storm Was Coming“. Für die spanische Kolonialmacht war Eweera eine „Bedrohung“, obwohl er nur über ein recht kleines Territorium herrschte.

1904 starb er; „unter mysteriösen Umständen“ (laut Berlinale.de). Fernández Vázquez geht in die Archive, sucht die Akten heraus, liest und agiert wie ein Kriminalkommissar. Nur dass Harry nicht den Wagen holen muss.

Eine Untersuchung zum Tode des Königs wird in Spanien angeordnet, aber nie durchgeführt. Das erinnert ein bisschen an den langen Arm des Zaren, der auch nicht immer ins tiefste Sibirien reichte.

Justo Bolekia Boleká in „Anunciaron tormenta“ von Regisseur Javier Fernández Vázquez. Quelle: Berlinale.de

„Ein formalistischer Krimi“ und – laut berlinale.de – „eine Anklage gegen den Kolonialismus.“

Ein spanisches Kommando zieht des nachts in die Berge, überrascht den König und seine Familie in seinem Haus und überfällt sie. Krank wird er ins Tal gebracht. Angeblich sei das das beste gewesen, um ihm eine Behandlung angedeihen zu lassen. Jedenfalls überlebt der König das Kommando nicht.

Es ist Geschichte. Man kann daraus lernen.

Erstmals gezeigt am Sonntag, den 23.2.2020, um 19.30 Uhr. In Berlin. Weltpremiere. Dann am Montag um 14 Uhr im Delphi unweit des Zoos.

Weitere Screenings, also Filmvorführungen:

Am Donnerstag, den 27. Februar 2020, um 22.30 Uhr im Kino Arsenal 1 im Filmhaus, Potsdamer Straße 2 (im Sony –Center). Online-Tickets sind zurzeit noch erhältlich.

Am Samstag, den 29. Februar, um 16.15 Uhr im Zoo-Palast (Kino 2). Karten gibt es ab Mittwoch, den 26.2., 10 Uhr.

Der Tod des Königs führt nahezu zum Aussterben der Sprache

Justo Bolekia Boleká ist Gelehrter und Lehrer. Er ist einer der wenigen, der noch Bubi spricht. Zusammen mit seiner Tochter Reha-Xustina Bolekia Bueriberi verliest er Texte in Bubi. Der Königsmord (?!) erschütterte das Selbstbewusstsein des Volkes zutiefst. Während man sich vorher von den christlichen Missionen ferngehalten hatte, besuchte man sie fürderhin. Man sprach nicht darüber; es war ein Schock. Man ordnete sich unter, die Sprache geriet in Vergessenheit.

Das bedeutet nicht, dass die Ereignisse in Vergessenheit gerieten. Auch bedeutet es nicht, dass die Bubi alles täten, was die europäischen Eindringliche taten oder tun. Oftmals wird ein „Black screen“ gezeigt (Die Leinwand, der „Screen“, bleibt also schwarz), man hört die Stimmen der „eingeborenen“ Sprecher. Photographieren oder filmen lassen sich die meisten nicht. Ähnlich wie andere Völker, aber teils aus anderen Gründen. Der Grund, aus dem sich moderne Europäer nicht photographieren lassen, der Datenschutz und das Recht am eigenen Bild, spielt dabei nur bedingt eine Rolle, es gibt aber dennoch im Kern Übereinstimmungen.

Filmographische Angaben für den Film Anunciaron Tormenta

  • Originaltitel: Anunciaron Tormenta
  • Englischer Titel: A Storm Was Coming
  • Deutscher Titel: Ein Sturm zog auf
  • Staat: Spanien
  • Jahr: 2020
  • Sprache: Spanisch, Bubi; Untertitel auf Englisch.
  • Regie: Javier Fernández Vázquez
  • Art: Dokumentarische Form. Früher sagte man: Dokumentarfilm. Es gibt eine Art Reinactment, Interviews, es ist eine Wahrheitssuche. Vergleiche „Curveball“.
  • Mit Justo Bolekia Boleká, Reha-Xustina Bolekia Bueriberi, Nieves Posa Bohome, Paciencia Tobilleri Bepe, Ricardo Bulá Bitema und anderen.
  • Filmdauer: 87 Minuten




Erinnerungen an die Kulturrevolution in China. Berlinale Special Yi zhi

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Erinnerungen an die Kulturrevolution in China aus der Sicht von Schriftstellern, Dorfbewohnern und ihren Familien. Mit dem Wortsinn „Swimming Out Till The Sea Turns Blue“ – Hinausschwimmen, bis das Meer(-wasser) blau aussieht, chinesisch „Yi zhi you dao hai shui bian lan“ – hat dieser Film eigentlich gar nichts zu tun. Ganz am Ende der etwa 17 durchnummerierten Kapitel, die banale Titel wie Familie, Sohn, Ernte tragen, klärt sich der Filmtitel auf.

Ein rätselhafter Filmtitel – „Swimming Out Till The Sea Turns Blue“

Ein Protagonist erzählt, wie er als Kind ein Diskrepanz vermutete zwischen dem Meer, das angeblich blau sei, so vermittelte die Schule, und dem tatsächlichen gelben Meerwasser. Nicht umsonst gibt es drei Namen für die Anteile am Weltmeer, die das Reich der Mitte umspülen: Südchinesisches, Ostchinesisches und Gelbes Meer. Das hat nun ganz und gar nichts mit einer Hautfarbe zu tun und auch nicht mit der im (nichtchinesischen) Ausland häufig mit dem Land assoziierten Farbe ‚gelb‘, sondern mit den Lösspartikeln, die der Gelbe Fluss, chinesisch heißt er genauso (Huanghe, huang= gelb, ausgesprochen wie eine Silbe, also nicht hu-ang) in die nördliche Bucht des Pazifik einspült.

Der Gelbe Fluss ist einer der drei großen Ströme Chinas. Der längste ist freilich der Chang Jiang – der Jiang (sprich: dsjang), also Strom, im Namen kündigt es schon an gegenüber dem Wort Fluss (He, mit einem offenen ‘e‘ wie in kommen, also nicht Hej oder hee). Im Westen und in der Literatur oft als Jangtsekiang bekannt, in China Yangzi oder Chang Jiang. An diesem liegt neben Chongqing (Tschungking) übrigens auch die durch einen Virus jüngst in die Schlagzeilen katapultierte Stadt Wuhan. Vom Aktuellen einmal abgesehen nennt man Wuhan „Stadt der Flüsse“, sie entstand durch die Zusammenlegung dreier Städte, Wuchang, Hankou (Hankow, Hankau) und Hanyang. (Noch ein Fakt: Dadurch wurde Wuhan nach Chongqing zur zweitgrößten Stadt im Binnenland.)

Der Changjiang ist länger, mächtiger und wasserreicher, bekannt auch durch die drei Schluchten und ein Wasserkraftwerk. Dennoch färbt es das Meer nicht so wie der kürzere Gelbe Fluss, der in der Nähe von Peking (Beijing bedeutet wörtlich ‚nördliche Hauptstadt‘) fließt und viel fruchtbare gelbe Erde in den Stillen Ozean einträgt.

Gelbe Erde, Gelber Fluss, gelbes Wasser

Die riesige Flächen bedeckende gelbe Erde ist landwirtschaftlich, poetisch und literarisch von Bedeutung, man vergleiche die Bücher von Johann Wieland und Kim Chi-ha. Küstennah ist das Wasser mehr oder weniger gelb gefärbt. In der „Nähe“ von Beijing und vor der benachbarten Küstenstadt Tianjin, also an der Flussmündung ist das Wasser gelbfarben. Dem Namen nach nicht nur in der großen Bohai-Bucht, nein, das Gelbe Meer erstreckt sich in den Pazifik hinein bis auf eine Linie Jeju-Schanghai. Also von der Südspitze der koreanischen Halbinsel bis hinüber auf das chinesische Festland.

Die Chinesen sind ein Volk der Dichter. Nicht umsonst konnt man jahrtausendelang nur Staatsbeamter werden, wenn man ein Prüfung ablegte, bei der Lyrik im Zentrum stand.

Welche Bedeutung es für den Film hat, erschließt sich einem Außenstehenden nicht.

Große Namen fallen

Durch die Kapitel sehen wir eine Reihe „Talking Heads“, sprechender Köpfe, die sich an die Vergangenheit erinnern, ihre Familien, die Schriftsteller und die Kulturrevolution.

Chinesische Literatur wird in der Breite erst in der jüngsten Vergangenheit weltweit rezipiert. Während es in Deutschland beispielsweise viele übersetzte Bücher von Verfassern aus Nordamerika gibt, warten immer noch große Klassiker und einiges an Gegenwartsliteratur auf Verlage, die gute Übersetzer beauftragen. Manche große Klassiker erschienen stark verkürzt, moralisch zensiert oder in einer dem Original nicht angemessenen Sprachqualität.

Es nimmt also nicht Wunder, dass der deutsche Zuschauer viele Namen nicht kennt, es sei denn, er sei Chinawissenschaftler, also Sinologe.

Dadurch kann man auch den Querverweisen schwer folgen. Ein Arbeiter, der bei einem Wettbewerb gewinnt und dann an ein Institut darf und dort Wang Meng oder andere Schriftseller kennenlernt – diese Geschichte kann man nur zum Teil verstehen. Die große Ehre, die dem „kleinen Mann“, der hier zu großer Bekanntheit aufsteigt, widerfährt, indem er Kontakt zu Wang Meng und seinen Kollegen erhält, muss man erraten.

Die Erinnerungen an die Kulturrevolution in China sind teils sehr persönlich, schlug sich auch in Lyrik und Prosa nieder.

Zitate

Zu den Kapiteln werden Texte zitiert, vorgetragen und anschließend die Zeilen (in chinesischen Schriftzeichen) eingeblendet. Die Untertitelung ist englisch. Die Autoren, die zitiert werden, sind wiederum vielen unbekannt. Zu den großen Namen gehört unter anderem Shen Congwen (1902-1988, sprich: Schänn Zung-wenn).

Shen Congwen

Der Schriftsteller veröffentlichte ab 1926 bis in die 40er Jahre hinein, auch in den 60ern vor der Kulturrevolution und bis in die 80er hinein. Er schrieb 20 Romane und zehn weitere Werke. Im deutschsprachigen Raum ist er vor allem durch die bei Suhrkamp in Frankfurt am Main 1985 verlegten Erzählungen rezipiert wurden. Diese erschienen kurz vor dem Untergang der DDR auch im Verlag Volk und Welt unter dem Titel „Die Grenzstadt und andere Erzählungen“ in Ost-Berlin. Es war Shens Todesjahr. 1928 und 1931 erschienen unter anderem Alices Abenteuer in China, im Original ”阿麗思中国遊記”. Shen lehnt sich dabei an Lewis Carroll an.

Ausgesprochen bzw. transkribiert wird das Werk Ālìsī Zhōngguó Yóujì. Die Umschrift schuf der Linguist Zhou Youguang. Sie nennt sich Hanyu Pinyin (sprich etwa Chanjü Pinjin) und wurde in der Volksrepublik China 1978 offiziell als Standard eingeführt im Gegensatz zu der Wade-Giles-Umschrift, die in Hongkong und in der Republik China (heute auf Taiwan) verwendet wurde und wird.

Shen Congwen stammt aus einfachen Verhältnissen. Seine Vorfahren waren teils im engeren Sinne keine Han-Chinesen, sondern Miao (Großmutter väterlicherseits) und Tujia (seine Mutter). Fast alle Chinesen sind Han; sie stellt die größte Ethnie der Welt dar. Daneben gibt es viele Minderheiten. Viele dieser Völker zählen nur recht wenige Köpfe. Auch die Figuren seiner Werke sind hauptsächlich Miao (sprich Miau, in einer Silbe) oder einfache Leute.

Beispiel Shen Congwen – mehrfach verfolgt und bedrängt. Unter anderem 1969 zur Zeit der Kulturrevolution in China

An ihm wird beispielhaft klar, welches Schicksal Schriftstellern im China des 20. Jahrhunderts drohte, das von großen Umwälzungen, Hungersnöten und Krieg betroffen war. Shens Werk ist stark von der Tradition beeinflusst, von der klassischen Literatur. Dementsprechend wird er nach 1949 zweimal Opfer von Hetzkampagnen. Die Kommunisten hatten andere Ansprüche an Literatur und waren in ihren Forderungen unerbittlich. Nach Ende des Bürgerkriegs übernahm die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) in Peking die Macht. Das war im Oktober 1949. Seitdem hat die KP auf dem Festland das Sagen. Kleinere Gefechte und Kämpfe gab es nur noch in den Randgebieten, besipielsweise in Tibet. Später folgten noch Artillerieduelle mit der Republik China. Die Republikaner waren auf die Insel Formosa oder Taiwan geflohen, die China 1945 von Japan zurückgegeben worden war.

Ausgebremst und dem Tode nah

Shen wird zu Beginn der Volksrepublik von den Sozialisten als „bürgerlicher Autor“ angegriffen. Er versucht, sich das Leben zu nehmen. Danach war Schluss mit der Belletristik. Falls von „Alices Abenteuern in China“ jemals ein dritter Band geplant war, hätte er nicht erscheinen können.

Shens Werk war fortan rein wissenschaftlicher Natur, er arbeitete am Museum für chinesische Geschichte.

1960 erschien „Drachen und Phönix in der Kunst“ “ 龙凤艺术“ , in Hanyu Pinyin: „Lóngfèng Yìshù“. 1962 „Lackwaren aus der Zeit der Streitenden Reiche“ „战国漆器“ „Zhànguó Qīqì“. 1981 dann „Kleidung und Ornamentik im alten China“.

Dazwischen liegt die Kulturrevolution von der Mitte der 60er bis Mitte der 70er Jahre. Shen wird erneut Opfer einer Kampagne gegen ihn, leidet nicht nur unter der Hetze, sondern muss, bereits betagt, körperliche Arbeit verrichten. Später wird er wieder rehabilitiert. 1978, im Jahr der Einführung der Hanyu Pinyin, ist er 76 Jahre alt und nimmt erneute eine Tätigkeit als Wissenschaftler auf. Zwei Jahre später darf eine seiner Novellen Grundlage für ein Drehbuch sein. Nun gibt es einen Bezug zum Film. Mit 80 Jahren wird er Verbandsmitglied. Mit 81 darf er sogar eine Funktion in einem Komitee der politischen Konsultativkonferenz übernehmen.

Es ist im Oeuvre dieses Schriftstellers ein klarer Bruch erkennbar. 1948 datiert „Langer Fluss“, „Chang He“. Es bleibt ein Romanfragment.

Der Linguist Zhou Youguang, Zeitgenosse

Zhou Youguang (sprich: Dschou Jouguang), der Linguist, der die heutige Standardumschrift der Volksrepublik schuf, überlebte Shen Congwen um fast 30 Jahre. Zhou war 69 Jahre lang verheiratet und hatte zwei Kinder. Er starb vor drei Jahren im Alter von 111.

Zhou und Shen begegneten sich persönlich, wie ein Photo aus dem Jahr 1946 belegt.

Weltpremiere in Berlin: „Yi zhi you dao hai shui bian lan“. Erinnerungen an die Kulturrevolution in China

Die Weltpremiere des Films „Yi zhi you dao hai shui bian lan“ von Jia Zhanke fand auf der Berlinale am Freitag den 21. Februar 2020 statt.

Genau gesagt um 15 Uhr im Haus der Berliner Festspiele. Daran schloss sich ein Publikumsgespräch an (Q&A).

„Swimming Out Till The Sea Turns Blue“ oder „Yi zhi you dao hai shui bian lan“, einen deutschen Titel gibt es (noch?) nicht, wird am Dienstag, den 25.2.2020 um 12.30 Uhr im Cubix 6 gezeigt. Der Film ist ausverkauft. Aber nur online. Bei starkem Interesse besteht ohne Garantie die Möglichkeit, an der Tageskasse im Cubix am Alexanderplatz etwa ab 11.30 oder 12 Uhr zu versuchen eine Karte zu erwerben. Im Kino selbst werden immer die freien Plätze gezählt und dementsprechend vergeben. Karteninhaber werden gegenüber Ausweisträgern bevorzugt. Immer wieder gibt es Einzelne, die durch Krankheit, Zuspätkommen und Verkehrsprobleme oder Wichtigeres verhindert sind. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Veranstaltungen, hier Filmvorführungen beginnen pünktlich. Werbung gibt es keine.

Ansonsten wünschen wir viel Spaß oder Erkenntnis in einem der anderen annähernd 400 Berlinalefilme. Mit oder ohne Erinnerungen an die Kulturrevolution in China.

Die Erinnerungen fesseln, die Kulturrevolution in China ließ niemanden kalt, der betroffen war. Diese Phase hat bei allen einen großen Eindruck hinterlassen. „Kinderlandverschickung“ ist ein deutscher Begriff, der positiv belegt war, wenn auch eine Folge des Bombenkriegs. Es ging um die Rettung von Kindern. In China wurden durch die Kulturrevolution viele ihrer Chance auf ein Studium beraubt.

Mehr Informationen unter:

https://www.berlinale.de/de/programm/programm/detail.html?film_id=202012118&openedFromSearch=true

https://www.berlinale.de




Essen während der Berlinale. Gastronomie am Potsdamer Platz verändert

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Essen während der Berlinale –„wozu?“ fragt sich der Cineast? Das kostet doch nur Zeit! Ein Vielfilmseher hat 20 Müsliriegel bei sich und steht damit an oder sitzt im Kino. Gegessen wird auf dem Weg von einem Kino ins nächste oder vor dem Kartenbüro in den Arkaden. Nicht romantisch, aber zeitsparend. Denn Zeit, die hat man garantiert nicht. Selbst wenn man sich auf den Kopf stellte und in alle Filme reinkäme, wird man unzufrieden das Ende der Internationalen Berliner Filmfestspiele erleben. Denn so oder so, die meisten Filme bleiben ungesehen. Um diesen Frust wenigstens zu reduzieren, muss man sich so viele Filme wie möglich anschauen. Das steigert – nebenbei gesagt – auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein paar gute dabei sind. Denn die Quoten- und Proporzfilme, die Gutmenschenstreifen und allzu experimentellen, die banalen oder nicht originellen sind auch immer dabei.

Zu viel liegt auf der Welt im Argen, als dass man das Medium Film ungenutzt lassen dürfte, wenn man die Welt verändern oder verbessern will.

Wer zu den Menschen gehört, die pro Tag nur ein bis drei Filme auf der Berlinale schauen wollen, hat natürlich dann stundenlang Zeit, in irgendwelchen Restaurants, Bistros oder sonstigen Gaststätten herumzusitzen.

An einiges hatte man sich in den vergangenen Jahren gewöhnt, doch 2020 gibt es viele Veränderungen, nicht nur bei der Berlinale selbst.

Essen während der Berlinale – was es noch in der Nähe der Kinos am Potsdamer Platz gibt

Wenn nachts um halb zwei der letzte Berlinalefilm des Tages endet, kann man jetzt nicht mehr Andy‘s Diner besuchen Potsdamer Ecke Varian-Fry-Straße. Eine Burgerbude hat sich angekündigt, doch ausgerechnet zum 70. Filmfest-Jubiläum steht der Laden an der praktischen Ecke neben der Fußgängerampel leer. Besonders bedauerlich: Der Diner bediente auch die Gastronomen der Umgebung. Damit diese nach Feierabend um 1 oder 2 Uhr noch einkehren konnten, war bis 3 Uhr nachts geöffnet. Egal wann der späteste Spätfilm endete, bei Andy war mal immer willkommen.

Auf der anderen Straßenseite im Sony-Center gibt es Billy Wilder‘s schon lang nicht mehr. mmerhin bedient man im Ki-Nova die Kunden. Ki oder Chi ist Energie und neue Energie ist prinzipiell eine feine Sache. Bei Sturm und Regen wie nach der Berlinaleeröffnung Donnerstag abend kann man vom Filmhaus direkt ins Restaurant, trocken und astfrei.

Die beiden Arsenalkinos im Filmhaus Postdamer Straße 2 sind die letzten Mohikaner unter den Lichtspielhäusern, die im Sony-Center zu Verfügung stehen. Das andere Dutzend Kinos ist entweder geschlossen oder steht nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Im Sony-Center selbst gibt es noch das Josty, Corroboree und anderes. Ein Geheimtipp ist der Asiate in der Passerelle zum Regionalbahnhof. Versteckt, aber mit Aquarium.

Während neuerdings in den an die Staatsbibliothek angebauten Veranstaltungssälen Berlinalefilme für die Händler laufen – nicht fürs Publikum – weil das Cinemaxx die knapp 400 Filme natürlich nicht allein stemmen kann, gucken viele nicht nur zu Hause in die Röhre. Rumpfmäßig sind die Potsdamer-Platz-Arkaden erhalten geblieben, werden allerdings umstrukturiert, was viel Leerstand im Keller bedeutet. Gerade dort aber kann man auch essen, am preiswertesten an der Convenience-Theke gegenüber der Rewe-Kasse.

Und die Zeit und die Zeit und die Zeit und die Zeit

McDonalds, das war einmal … im Jahr eine Möglichkeit direkt gegenüber des Berlinale-Palasts. Ein Schnellrestaurant ist genau das, was ein Kinobesucher braucht in der Hetze und Eile. Doch 2020 gibt es das nicht mehr. Zwar ist am Leipziger Platz eine Filiale, doch die ist gefühlt und tatsächlich viel zu weit weg vom Geschehen und schließt sogar schon um 21 Uhr – wer kann um die Uhrzeit schon etwas essen? Schließlich laufen da ja noch Filme!

Nein, das geht gar nicht. Wenn man schon zur Burger-King-Konkurrenz muss, steigt man nach dem letzten Kinobesuch vor dem Filmhaus in den 200er und ist nach 10 Minuten am Bahnhof Zoo. In der Mezzanine zwischen Himmel, Bahnsteig und Erde ist rund um die Uhr auf. Ein Paradies für Zuspätkommer. Da es zwar Öffnungs-, aber keine Schließzeiten gibt, braucht man sie sich auch nicht zu merken.

Die unter Dieter Kosslick eingeführten Foodtrucks gibt es noch. Dennoch: Wer nicht gerade der Typ „immer Stulle Marke Eigenbau dabei“ ist, hat 2020 echte zusätzliche Zeitprobleme!

Essen während der Berlinale ist schwieriger und zeitraubender geworden. Auch das Filmschauen, da die Wege zwischen den Kinos weiter wurden. Man braucht also noch mehr Zeit, die Berlinale ist aber genauso kurz. Am besten, man schläft die ganze Zeit nur zwischen 3 und 7 Uhr. Red Bull und Kaffee müssen es dann richten.




Ich will was ändern; will doch noch Kinder haben. BE-Persönlichkeiten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Live im Berliner Ensemble (BE). Einer der Protagonisten sagt: „Ich will was ändern; so kann es nicht weitergehen – ich will doch noch Kinder haben.“ Das Stück heißt „Auf der Straße“ und ist von Karen Breece aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Stück eröffnete die Saison 2018/2019 und ist nach wie vor auf dem Spielplan. Bei dem großen Erfolg nicht verwunderlich.

Das Magazin „brand eins“ meldete in einem Beitrag, dass in Hamburg eine Theaterchefin sehr erfolgreich sei und ihr Vertrag vorzeitig verlängert, weil sie anders denkt und Leute ins Theater zieht. Von Auslastungen von 75-80 Prozent ist die Rede. Bei einer Auslastung über drei Vierteln sind alle zufrieden, die Theaterfrau schafft mehr. Ohne die genauen Zahlen zu kennen, können wir versichern, dass „Auf der Straße“ sind in ähnlichen Regionen bewegt oder noch weiter oben, vermutlich bei etwa 85-90 Prozent, wenn man überhaupt Zahlen erwähnen will.

Denn das Stück war in der ersten Saison fast immer ausverkauft. Gespielt wurde im „Kleinen Haus“, das es so nicht mehr gibt. Das Gebäude steht zwar noch, aber bereits eine Saison später änderte sich der Spielort, steht nebenan das neueröffnete „Neue Haus“. Eine Garderobe gibt es und alles nötige, doch ein Baugerüst und einige Improvisationen im Treppenhaus verraten den gerade erst fertigen Neubau, der noch mit Provisorien lebt.

Auf der Bühne gibt es ebenfalls Improvisation. Bei „Auf der Straße“ besonders. Wohl kein anderes aktuelles Stück nimmt so viel Bezug auf aktuelle Entwicklungen. Es wird nicht langweilig, auch beim mehrmaligem Anschauen. Dabei sagt Nico, einer der beiden hauptberuflichen Schauspieler, die sich freiwillig für dieses nicht einfache und gleichzeitig hochinteressante Projekt gemeldet haben, dass ihm Improvisation nicht läge. Bettina Hoppe ist der zweite Profi. Weiterhin sind drei Laiendarsteller dabei und hier wird es besonders interessant.

Ich will was ändern, so geht es nicht weiter

Jeder der drei Laiendarsteller habe eine ganz andere „Karriere“ hinter sich. Die beiden Männer mit wenigen Ähnlichkeiten. Der jüngere von beiden, Psy oder Chris, sagt: „11 Jahre Platte – nichts ist selbstverständlich*.“ Wenn auch mit einer Unterbrechung, sind elf Jahre auf der Straße unglaublich lang und gefährlich. Im Stück ist Psy 29 Jahre alt, fast die Hälfte seines Lebens obdachlos zu sein ist nicht nur viel zu lang, sondern für Wohnungsinhaber unvorstellbar. Wenn man die Jahre des Säuglings und Kleinkinds abzieht, bleibt etwa die Hälfte der Lebenszeit. Zu den Zeiten, zu denen Psy obdachlos war, war es natürlich auch nicht immer rosig. Obdachlosigkeit ist in diesem Fall auch eine Flucht aus unerträglichen Verhältnissen, zum Beispiel häuslicher Gewalt. Prügel, bei Kindern und Jugendlichen.

Am Ende des zweiten Phase des Lebens auf der Straße beschließt Psy, dass es so nicht weiterginge. „Ich will etwas ändern.“ Und: „So geht es nicht weiter.“ Er schlägt es seinem Kumpel vor; die beiden beschützen sich gegenseitig und helfen sich weiter. Schon sehr kurze Zeit später entscheidet sich der weitere Weg. Der Kumpel zieht nicht mit, ist „bocklos“. Doch Psys Entscheidung rettet ihm nicht nur vielleicht das Leben, sondern führt auch dazu, dass er anderen neues Leben schenkt. Er plant, in ein betreutes Wohnen einzusteigen. Bald findet er Arbeit und hilft dabei anderen. Inzwischen hat er seine eigenen Kinder.

Das Stück ist echt, die Sachen sind tatsächlich passiert. Das Leben schreibt Geschichten und nicht alle sind schön. Doch, wie ein anderer der Fünf auf der Bühne sagt: „Das Leben ist nicht nur Scheiße.“ Zum Beispiel nach einem unerwarteten Glücksfall. Er fragt sich, warum ihm solches geschieht – und ist dankbar.

Das Leben kann auch schön sein. Es ist schön.

„Meins ist nicht schön.“ Höchste Zeit für: „Ich will was ändern“.

Aufführungsdaten „Auf der Straße“ im Neuen Haus des BE

Das Theaterstück „Auf der Straße“ im kleinen Haus des Berliner Ensembles am Schiffbauerdamm an der Spree wird vom 7.-9. Februar 2020 gegeben, am 8. um 8 Uhr abends, am 9.2. um 18 Uhr. Eselsbrücken für alle Internetleser, die keinen Zettel dabeihaben: Am Achten um dieselbe Zeit; 18 Uhr am Sonntag ist neun mal zwei am 9.2.

Weitere Termine am 28. und 29. März 2020 und im April an Ostern. Sonntags immer um 18 Uhr, sonst um 20 Uhr. Das Stück dauert etwa zwei Stunden.

*Erklärung des Ausdrucks „Platte machen“: Jargon für ‚in seinem notdürftig hergerichteten ‚Bett‘ schlafen‘, auf der Schlafstelle nächtigen.

Mehr zum Stück im Artikel Im Theater. Jocelyn B. Smith mit Different Voices of Berlin im Brecht-Theater Berliner Ensemble von Andreas Hagemoser.

Zum Thema behaust/unbehaust mehr im Artikel Haus sucht als Kunstwerk Anhänger – Menschenrechte und winzige Häuser von Andreas Hagemoser im KULTUREXPRESSO.




Kanokporn Holtsch, Gründerin und Geschäftsführerin von PookSpaFoods am Stand C-11 in Halle 21 der Berliner Messe Fruit logistica am 9. Februar 2018

Die Nominierten des FRUIT LOGISTICA Innovation Award 2020. Wirklich neu

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Nominierten des FRUIT LOGISTICA Innovation Award 2020 (FLIA) stehen immer schon vor der Messe fest, damit die Abstimmung entspannt seinen Lauf nehmen kann. Die Wahlberechtigten haben vorher schon die Möglichkeit, sich am Bildschirm zu informieren, bevor sie am 5. und 6. Februar das reale Erzeugnis unter dem Funkturm in Berlin in Augenschein nehmen können. Der wichtigste Preis der Fruchthandelsbranche, der FLIA, wird am 7. Februar in Berlin verliehen. Über 78.000 Fachbesucher aus über 135 Ländern haben die Gelegenheit ihre Innovation des Jahres zu wählen. Die Nominierten im Überblick.

Zehn äußerst innovative Produkte, Dienstleistungen und technische Lösungen, die im vergangenen Jahr neu auf den Markt gebracht wurden, stehen im Wettbewerb um den begehrtesten Preis der Frischfruchtbranche, dem FRUIT LOGISTICA Innovation Award (FLIA), meldete Messe Berlin im Januar.

„Mit
einer Reihe von Verbesserungen – darunter gesündere und
farbenfrohere Produkte, mehr Effizienz durch technologische
Unterstützung und umweltverträglichere Arbeitsweisen – spiegeln die
Unternehmen, die für die diesjährige Auszeichnung nominiert worden
sind, den Einfallsreichtum und die Fortschrittlichkeit wider, die im
globalen Fruchthandel weit verbreitet sind.“

An
den ersten beiden Tagen „der führenden
Fachmesse für den globalen Fruchthandel“, die vom 5. bis 7.
Februar in Berlin stattfindet, „werden über 78.000 Fachbesucher
aus über 135 Ländern aufgefordert, ihre Innovation des Jahres zu
wählen.“ Die Preisverleihung findet dann
am
Freitag,
den
7. Februar statt.

„Die zehn Nominierten, die von einer Fachjury bestehend aus Mitgliedern aus allen Handelsstufen der Frischfruchtbranche ausgewählt wurden, werden auf der FRUIT LOGISTICA 2020 im Übergang zwischen den Hallen 20 und 21 präsentiert.“ Das ist an dem dem Theodor-Heuss-Platz nächstgelegenen Eingang; am Taxistand (neben dem Eingang Messe Nord Halle 19).

Die Nominierten des FRUIT LOGISTICA Innovation Award 2020: Kurzbeschreibungen

„Coconut
automatic opening machine K30“, Shanghai FruitPro Information
Technology Co. Ltd, China

Halle
9, D-07

Der
K30 ist ein mikrocomputergesteuerter Automat, der Kokosnüsse mit
patentierten Klingen sicher und hygienisch öffnet, so dass man
sowohl das Kokoswasser als auch das Fleisch genießen kann.
Algorithmen passen die individuell notwendige Öffnungstiefe und
-zeit automatisch an die jeweilige Kokosnuss an.

www.fruitke.com

Kompostierbar, umweltfreundlich, lösungsmittelfrei

„Compostable,
Flexible, Printed, Packaging“, SILBO SP. Z.O.O., Polen

Halle
7.1, B-07

Zertifizierte
kompostierbare, umweltfreundliche und lösungsmittelfreie Obst- und
Gemüseverpackungen, die mit wasserbasierten Farben und Klebstoffen
hergestellt werden. Die wasserbasierten Tinten können auf
verschiedenste Materialzusammensetzungen gedruckt werden.

www.silbo.pl

Finnische Mooswollplatten – organisch, kompostierbar, recycelbar. Ersatz für Steinwolle

„Mosswool®“,
Novarbo Oy, Finnland

Halle
8.1, B-15

Die
nach einem patentierten ökologischen Verfahren geernteten
Mooswollplatten sind ein nachhaltig wachsender Ersatz für Steinwolle
im Gemüseanbau. Aufgrund der organischen Rohstoffe können Sie
leicht und kostensparend mit Ernterückständen kompostiert oder
recycelt werden.

www.mosswool.fi

„New
Downy Mildew Resistant (High) Sweet Basil“, CN Seeds Ltd, UK

Halle
1.2, A-13

Ein
weltweit einsetzbares, genetisch resistentes Saatgut zur Bekämpfung
des Falschmehltaus bei der am weitesten verbreiteten,
krankheitsanfälligen Süßbasilikumart Ocimum. – Eine
umweltfreundliche und kostengünstige Lösung.

www.cnseeds.co.uk

„Proband
V1000“, project Service & Produktion GmbH, Deutschland

Halle
7.1b, A-06

Der
erste Banderolierer mit Wechselrahmen, der alle Banderolen-Breiten
von 25 bis 60 Millimetern in unterschiedlichen Bandstärken von 35
bis 210 Mikrometern verarbeiten kann. Er ist optimiert für die
Verarbeitung von Papierbändern mit einem Kunststoffanteil unter 5%.

www.project-ae.com

„Sinclair
EcoLabel®“, Sinclair, UK

Halle
4.1, B-09

Eine
leistungsstarke, lebensmittelechte und vollständig kompostierbare
Etikettierlösung für Frischeprodukte, die sich in 12 Wochen auflöst
und in 180 Tagen biologisch abbaut. Das OK compost – Industrial and
Seedling zertifizierte Etikett entspricht der Europäischen Norm
EN14332.

www.sinclair-intl.com

„SoFruMiniPak®
EcoView“, SoFruPak Witold Gaj, Polen

Halle
B/CityCube/E-04

Eine
einfach und schnell verschließbare, mit separatem oder integriertem
Deckel erhältliche Verpackung für Obst und Pilze. Die
nachwachsenden Rohstoffe sorgen kombiniert mit guter Belüftung für
einen optimierten Kühlkreislauf und 100% biologische Abbaubarkeit.

www.sofrupak.com

Eine natürliche Kreuzung: Brokkoli und Grünkohl!

„Tenderstem
Royale®“, SAKATA VEGETABLES EUROPE SAS, Frankreich

Halle
8.2, B-11

Eine
natürliche Kreuzung aus chinesischem Grünkohl und Brokkoli mit
unverwechselbarem violettem Schaft. Vom Stiel bis zur Spitze ist
alles essbar. Die zarten, süßen Stängel sind fett-, natrium- und
zuckerarm, aber protein- und ballaststoffreich.

www.tenderstem.co.uk

Yam-yam lekker: Tomaten

„Tomato
YOOM™“, Syngenta Seeds B.V., Niederlande

Halle
1.2, D-16

Eine
neue Tomaten-Produktlinie mit unverwechselbar dunkelvioletter Farbe,
einzigartigem säuerlich-süßem Umami-Geschmack und reich an
Anthocyanen. Die innovative Sorte ist für alle Anbaubedingungen,
Jahreszeiten und auch Kunstlicht geeignet.

www.syngenta.com

„Violì“,
Apofruit Italia Soc. Coop. Agricola, Italien

Halle
2.2, A-08

Eine
leicht violett gefärbte zarte, weiche Artischocke aus Hybridsaatgut,
das nach exakten Produktionsspezifikationen und Kontrollplänen
angebaut wird. Das sorgt für konstante Kaliber und einzigartige
Spitzenqualität. Violì ist neun Monate im Jahr verfügbar.

www.apofruit.it/en

Die Gewinnerin 2018.

Wir sind gespannt, welcher der Nominierten des FRUIT LOGISTICA Innovation Award 2020 gewinnen wird. Und das meinen wir ganz ehrlich. Denn einerseits ist es völlig unkalkulierbar, andererseits zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre, aber auch das hervorragende diesjährige Line-up, dass mehrere Spitzenleistungen hier um die Krone konkurrieren. Spannung ist also genauso garantiert wie die Tatsache, dass hier knapp ein Dutzend attraktive Neuigkeiten auf den Markt gekommen sind. In ihren Bereichen werden sie vielleicht Gewohnheiten ändern und den Teilmarkt umkrempeln.




Stephan Orth und Zohre Shahi.

ITB BuchAwards 2020: Die Gewinner stehen fest. U.a. Paul Theroux

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 20. Januar 2020, an einem coolen Datum erreichte uns diese Mitteilung zu den ITB BuchAwards 2020. „Die ITB Berlin zeichnet jedes Jahr die interessantesten und aktuellsten nationalen sowie internationalen touristischen Fachpublikationen aus. Die Preisverleihung der ITB BuchAwards 2020 findet am Freitag, 6. März 2020, 16 Uhr, im Palais am Funkturm (Messe Berlin) statt. Mit den ITB BuchAwards werden vorrangig Publikationen in deutscher Sprache oder deutscher Übersetzung gewürdigt. Die Awards haben zum Ziel, über Ländergrenzen hinaus Aufmerksamkeit für interkulturell bedeutende Publikationen im Bereich Reise und Tourismus zu schaffen. Die ITB BuchAwards sind eine Kooperation der ITB Berlin und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Dabei betrachtet die Jury der ITB BuchAwards 2020 traditionell auch die Publikationen zum offiziellen Partnerland der ITB Berlin. Ausgezeichnet wurden in dieser Kategorie das aktuelle Handbuch für individuelles Entdecken „Oman“ von Kirstin Kabasci und Peter Franzisky (Reise Know-How Verlag) sowie das klassische Reise-Handbuch „Oman“ von Gerhard Heck (DuMont Reiseverlag).

Zum dritten Mal in Folge vergibt die Jury der ITB BuchAwards, im Vorgriff auf die Frankfurter Buchmesse, reisebezogene Auszeichnungen in der Kategorie »Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2020 – Kanada«. Die ITB BuchAwards sind nicht dotiert.

Die ITB BuchAwards 2020: Kategorien, Preisträger und ihre Verlage

Unter den Preisträgern sind Andrea Wulf, Paul Theroux, Robert Macfarlane, Wilfried Erdmann, Arnulf Conradi, Robert Bösch, Michael Poliza und Klaus Wolfsperger. Einzelheiten siehe unten.

DestinationsAward »Oman«

Kirstin Kabasci, Peter Franzisky | Reise Know-How Verlag

Handbuch für individuelles Entdecken „Oman“

Gerhard Heck | DuMont Reiseverlag

DuMont Reise-Handbuch „Oman“

Länderwissen – aktuell: Äthiopien

Christian Sefrin | Trescher Verlag

„Äthiopien – Unterwegs im ältesten Kulturland Afrikas“

Klaus Dornisch | wbg/Philipp von Zabern

„Sagenhaftes Äthiopien – Archäologie, Geschichte, Religion“

Deutsche Reisegebiete – Bodensee

Rolf Goetz, Mirko Milovanovic | Bruckmann Verlag

„Bodensee“

Anette Sievers | Peter Meyer Verlag

„Bodensee mit Kindern“

Die besondere Reiseführer-Reihe:

Herausgeber Matthias Kröner,

Grafikerin Berit Kröner | Michael Müller Verlag

Reiseführer-Reihe „Stadtabenteuer“

Das besondere Reisebuch

Ungewöhnliche Entdeckungsreise

Robert Macfarlane | Penguin Verlag

„Im Unterland – Eine Entdeckungsreise in die Welt unter der Erde“

Humboldt-Jahr 2019

Andrea Wulf und Illustratorin Lillian Melcher | C. Bertelsmann Verlag

Graphic Novel „Die Abenteuer des Alexander von Humboldt“

Namibia

Anna Mandus | Palmato Publishing

„Licht und Schatten in Namibia 2 – Mehr vom Alltag in einem Traumland“

Olympische Spiele 2020 in Tokio

Marco Reggiani und Illustratorin Sabrina Ferrero | Prestel Verlag

„Japan – Der illustrierte Guide“

Birdwatching

Arnulf Conradi | Verlag Antje Kunstmann

„Zen und die Kunst der Vogelbeobachtung“

Reise-Bildband

Harald Lydorf, Andreas Klotz, Radmila Kerl, Helmut Büttner und Fotografenteam | TIPP 4 Verlag

„Perle Afrikas – Faszination Uganda“

Kulinarischer Reiseführer

Jonas Cramby | Christian Verlag

„Tokio für Foodies – Die kulinarischen Hotspots der Stadt der tausend Dörfer“

Reisen mit Kindern

Teddy Keen | Verlag Prestel junior

„The Big Book of Adventure – So überlebst du in der Wildnis“

KulturEN

Susanne Koelbl | Deutsche Verlags-Anstalt

„Zwölf Wochen in Riad – Saudi-Arabien zwischen Diktatur und Aufbruch“

Caitlin Doughty | Malik/Piper Verlag

„Wo die Toten tanzen – Wie rund um die Welt gestorben und getrauert wird“

Wandern

Christian Hlade | Braumüller Verlag

„Das große Buch vom Wandern – Alle Tipps & Tricks, damit die Begegnung mit der Natur, anderen Kulturen und sich selbst gelingt“

Werkpreis – Segeln

Wilfried Erdmann | Delius Klasing Verlag

aus Anlass der Novität „Warum wir immer weitersegeln“ und für seine bisher publizierten Segelbücher

LifetimeAward – Verleger 2020

100 Jahre Bergverlag Rother

Verlagsleiter Klaus Wolfsperger für das bisher persönliche und publizistische Verlagswerk im Bergverlag Rother

LifetimeAward – Reiseschriftsteller 2020

Paul Theroux | Hoffmann und Campe Verlag

aus Anlass der Novität „Auf dem Schlangenpfad – Als Grenzgänger in Mexico“ für sein bisheriges publizistisches Werk

Reise-Kalender

Michael Poliza | Delius Klasing Verlag

„Island 2020“

Touristisches Fachbuch

Ronald Moeder | utb/UVK Verlag

„Tourismusrecht in der Unternehmenspraxis“

Kartografie

Betsy Mason, Greg Miller | National Geographic Buchverlag

„Kartenwelten – Fantastische Geschichten und die Kunst der Kartographie“

Managementpreis der ITB Berlin

Robert Bösch | National Geographic Buchverlag

„Mountains“

Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2020 – Kanada

Hans-R. Grundmann mit Eyke Berghahn, Petrima Thomas und Mechtild Opel | Reise Know-How Verlag Dr. Hans-R. Grundmann

„Kanada Osten – USA Nordosten“

Martin Pundt | Michael Müller Verlag

„Kanada – der Westen mit Südost-Alaska“

Mechtild Opel und Wolfgang Opel | MANA-Verlag

Länderporträt „Kanada – Alles, was Sie über Kanada wissen müssen“

Wandkalender | Ackermann Kunstverlag

„Kanada 2020 – Unterwegs zwischen Wäldern und Flüssen“

Verlage in Eigenschreibweise. Richtig wäre Drescher-Verlag statt Drescher Verlag und dementsprechend alles mit Durchbindungsbindestrich; auch bei drei und mehr Elementen: Michael-Müller-Verlag .




Kinos im Sonycenter Berlin Haupstadt Deutschlands

Der Berlinale gehen die Kinos aus 1. Cinestar Original Sony-Center, HKW

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Berlinale gehen die Kinos aus? Wie jetzt? Kann das große A-Festival, DAS Publikumsfestival par excellence, gar nicht mehr genug Säle anbieten? Und das zum Jubiläum, zum 70. Geburtstag? Nun, ganz so schlimm wird es nicht Ende Februar 2020. Doch Umstellungen ohne Ende gibt es.

Wie auf der Berlinale-Pressekonferenz unlängst bekannt wurde, bleibt das Cinemaxx als eines der wenigen Kinos den Internationalen Filmfestspielen Berlin fast unverändert erhalten. Das Kino mit seinen zehn großen und vielen kleinen Sälen im Keller, die auch schon das Umweltfilmfestival GreenMe von Nic Niemann nutzte mit Obamas Schwester als Gast, zeigt pro Woche nach Eigenwerbung im Normalbetrieb die größte Vielfalt. Von 52 Streifen ist die Rede, soviel, wie das Jahr Wochen hat, in einer Woche. Manche Bundesbürger sehen gar nicht soviele Filme in einem Jahr. Das Untergeschoss mit seinen kleinen Kinos für zum Beispiel 50 Zuschauer wird aber seit jeher vom EFM genutzt, dem European Film Market. Da dürfen sogar akkreditierte Journalisten nur in Ausnahmefällen hinein. Und selbstverständlich reicht ein Kino nicht für die Market Screenings, die Vorführungen für die Filmbörse.

Auch das Cinestar im Sony-Center, gern wurden beide verwechselt, was ein kurzer Fußweg wieder geradebiegen konnte (die Potsdamer Straße querend – Autofahrer aufgepasst Ende Februar von Donnerstag über zwei Wochenenden hinweg! Cineasten haben nur Filme im Kopf, keine Autos) war Schauplatz, im wahrsten Sinne des Wortes.

Das muss irgendwie ausgeglichen werden, sollen nicht nächstes Jahr die internationalen Gäste in Scharen wegbleiben. The Show must go on und das Business auch. Filmfestival und -markt finden gleichzeitig statt, weil die Zielgruppen sich überschneiden, von Otto Normalkinogucker mal abgesehen.

Pop-up-Kinos

Dass weder Publikum noch Journalisten zu den Marktvorführungen zugelassen sind, sondern nur „BUYER“, also profesionelle Käufer zum Beispiel, hat den Vorteil der kleinen Zahl. Kleine Kinos lassen sich wie kleine Häuser oder TINY HOUSES in Windeseile auf- und abbauen, wenn sie denn nur Wochen gebraucht werden. Ein Haus soll und muss Jahrzehnte halten. Bausparkassen rechnen mit 80-100 Jahren, früher hielten Häuser erheblich länger. Wer wissen will, wie lang und keine Rekorde sucht, fahre mal nach Lüneburg, schlendere durch die Altstadt und finde beim Schlendern immer wieder Überraschungen. An der Ratsmühle, Am Sande oder in der Schlägertwiete (1610).

Da in Berlin das, was man braucht – Wohnung, Kino, Flughafen – nicht immer zur Verfügung steht, wird es nachgebaut. Den Weltmarktführer für mobile Bauten freut‘s. Die seit Jahren auch für das Publikum geöffnete Audi-Lounge vor dem Berlinale-Palast ist ein Vorgeschmack.

Ein Pop-up-Book ist ein Raumbildalbum. Pop-up-Stores, Läden, die schnell mal aufmachen und genausoschnell wieder zu, kennen viele auch; so kann man sich das mit den Kinos vorstellen, um die die meisten drumherumgehen werden müssen und die wenigsten hineindürfen.

Immerhin sind in Berlin nicht nur die Straßen breit, sondern auch die Plätze.

Der Berlinale gehen die Kinos aus: 1. Das Cinestar Original im Sony-Center

Am Potsdamer Platz am beliebtesten ist das Forum im Sony-Center. Das überirdische Imax-Lichtspielhaus und die acht großen Säle Cinestars „Original“, in dem bis Jahresende 2019 vermerht Originalfassungen gezeigt wurden, prägten das Oval erheblich. Marktbeherrschend – Forum bedeutet Markt – besinders bei Premieren und Großevents. Ob Hunger Games oder Zoolander, Jennifer Lawrence oder Ben Stiller – das Sony-Center sah mehr Stars als so manch andere Location, der Berlinale-Palast einmal ausgeschlossen.

Seit Einführung des Euros gibt das Cinestar Original am Potsdamer Platz, aus kartellrechtlichen Gründen musste es Ende Dezember 2019 schließen. Bis in das vierte Quartal hinein zog sich die Hoffnung, dass das Ende abgewendet werden könnte, doch die Wende kam nicht mehr. Das Fantasy Filmfest hatte schon umgeplant in die Kulturbrauerei und es gab zwei weitere Anzeichen, doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ja, der Berlinale gehen die Kinos aus, und nein, der Berlinale gehen die Kinos aus. Berlin hat Alternativen und Erfahrungen seit dem 19. Jahrhundert. Trockenwohner, Lilienthal, die Goldener Zwanziger und sogar das, was danach kam.

Analogie Flughäfen: Müsste Tegel UND Schönefeld schließen, könnte man Gatow, Johannisthal, Staacken und Tempelhof aktivieren. So ähnlich ist es mit den Kinos. In der Kurbel ist Alnatura, aber das klick steht wieder leer, neue Kinos haben aufgemacht. Berlin findet eine Lösung, den die Berlinale kann nicht in Hamburg stattfinden.

Die Folgen: Früher hatte man bei der Berlinale keine Zeit, jetzt wird man es kaum noch schaffen, Filme zu gucken

Gerade für das Publikum eine Katastrophe. Riesensäle mit Fassungsvermögen fast wie der Germania-Palast in der Wilmersdorfer Straße, acht an der Zahl und fußläufig zum Roten Teppich, das lässt sich nicht ersetzen. Jedenfalls nicht ohne Atmospären- und Zeitverlust. Vergangene Jahre zeigte, dass der Potsdamer Platz das Berlinale-Feeling am besten spüren ließ, wie unter einer Glocke.

Jeder Besuch im Haus der Kulturen der Welt (HKW*), in der Akademie der Künste oder Urania brachte einen raus. Verursachte hohe Fahrtkosten und vor allem: Zeitverlust. Und Zeit ist etwas, dass man bei der Berlinale nun wirklich nicht hat. Von morgens um 9 bis nach 1 Uhr nachts laufen die Projektionen. Doch die Urania ist dieses Jahr wieder dabei. Auch die Akademie der Künste, die jüngst pausierte, da Silent Green vorhanden war (Forum expanded).

Das Cubix am Alexanderpatz (Alex) wird einiges ausgleichen, doch ist weit weg. Der 200er Bus wird oft im Stau stehen und die rote Linie U2 der BVG verbindet zwar Potsdamer Platz und Alex, doch nur Richtung Osten. Richtung Westen kann man am Potsdamer Platz zurzeit nicht aussteigen, sondern ist eine weitere Station gefangen – fast wie zu Mauerzeiten – und muss dann zurück oder läuft gleich zum Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park.

Weniger ist mehr – zumindest 2020: 1 Film pro Tag – wenn die Berlinale ein Jahr lang ginge

Und was tut die Berlinale unter neuer Leitung? Sie zeigt 60 Filme weniger. Das sorgt etwas für Entspannung; so müssen nur gut 300 gesehen werden. Einen neuen Besucherrekord kann man so natürlich knicken.

Der Kiez ist die Lösung

Gut, dass es Berlinale goes Kiez gibt. Zwar steht noch nicht alles fest, doch sorgt die dezentrale Guckerei für Entspannung im Sinne von Entzerrung. Das Dezentrale daran, denken wir, ist nicht nur praktisch und volksnäher, sondern steht der Bundesrepublik Deutschland mit ihrem dezentalen Föderalismus genauso gut zu Gesicht wie ihrer Hauptstadt.

Auch Anschlägen und Epidemien wird dadurch vorgebeugt.

Alles Gute zum Jubiläum!

*HKW: Das Auditorium ist wegen Bauarbeiten geschlossen.

Was sonst auf dehttps://kulturexpresso.de/nc-heraufgesetzt-oder-neues-nordlicht-bei-den-filmfestspielen-cristina-nord-leiterin-des-berlinale-forums/r Berlinale neu ist

Imax und Cinestar in den besten Zeiten (2016), beide sind seit dem 1.1.2020 geschlossen und stehen für die Berlinale 02/20 nicht zur Verfügung. © 2016, Foto/BU: Andreas Hagemoser




Nacht der Solidarität, Macht der Solidarität, nach der Soli. 1 Zählung

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Nacht der Solidarität heißt die Veranstaltung „offiziell“. Da es um einen guten Zweck geht, gibt es viele Unterstützer. Freiwillige, Privatpersonen, der Chor Different Voices of Berlin unter der Leitung der Jazzgröße Jocelyn B. Smith aus New York, sogar die Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linken), die mit dem Regierenden und weiteren Sprechern gegen 18.30 Uhr am Mittwoch abend eine Pressekonferenz geben wird. Die Berliner Bahnhofsmission eröffnet bald am beziehungsweise im Bahnhof Zoo einen neuen Bereich. Der erste Auftakt mit Angehörigen des Senats, der Landesregierung, und eben Sängern und Sängerinnen. Im Chor Different Voices of Berlin sangen auch schon einmal Obdachlose. Es ist ein integratives Chorprojekt, das eigene Lieder verfasst. Eines davon, „Wenn Du wegschaust“, wurde am 29. Januar 2020 am Abend der Nacht der Solidarität zum besten gegeben.

Verschiedenste Ursachen

Obdachlosigkeit ist immer noch ein Thema, hat mannigfaltige Ursachen und ist im Winter ein Riesenproblem, da es immer wieder vorkommt, dass Menschen erfrieren. Davon, alle Berliner und Dauergäste dauerhaft mit Wohnraum zu versorgen, ist man weit entfernt. Anderen Städten geht es nicht anders und auch auf der Urlaubsinsel Mallorca gibt es nicht nur leerstehende Fincas, sondern auch Menschen ohne Dach über dem Kopf.

Auf der Straße

Dabei wird immer wieder etwas dagegen unternommen. Das Theaterstück „Auf der Straße“, Eröffnungsstück 2018 im „kleinen Haus“ des Berliner Ensembles (BE), thematisiert(e) neben der Armut die Wohnungslosigkeit. Da das soziale Engagement der weltbekannten Theaters sich nicht nur in den Stücken selbst und der Themenauswahl zeigt, gab es bereits im Herbst 2018 mehrere Begleitveranstaltungen, wie ein Konzert und eine Podiumsdiskussion. Theaterregisseurin Karen Breece nahm daran teil, wie Jocelyn B. Smith aus den Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch Barbara John, eine Vertreterin des Theaters am Schiffbauerdamm, ein Staatssekretär von Frau Breitenbach und ein Obdachloser. Letzterer machte den Vorschlag, Housing first in der Hauptstadt anzuwenden, also erst einem Bedürftigen einen Wohnungsschlüssel zu geben und sich dann anschließend um die anderen Probleme zu kümmern. In Finnland funktioniert diese Methode der Problemlösung gut.

Housing first – wie es hätte sein können und wie es war

Der Staatssekretär trug diesen Vorschlag weiter und Frau Breitenbach reagierte prompt: Schon im Oktober desselben Jahres 2018 konnte man in der Zeitung lesen, dass aus Mitteln des Sozialsenats Wohnungen bereitgestellt würden während zweier Jahre. Da trotz stark sprudelnder Steuereinnahmen die Mittel nicht ausreichen, jedem, der nicht selbst Miete oder Eigentum bezahlen kann, sofort oder kurzfristig Wohnraum zur Verfügung zu stellen, sollte wenigstens ein Anfang gemacht werden. Housing first wurde ein Pilotprojekt. Nun schien es zunächst so, als hätte die Senatorin schnell reagieren können. Doch die politische Realität sieht anders aus. Die Mühlen mahlen langsam.

Auf Nachfrage bei Frau Breitenbach erscheint die ganze Sache in einem etwas anderen Licht. 2017 traten „Neue Chance“ und Stadtmission an Frau Breitenbach heran mit dem Ziel, Housing First, ein aus dem Ausland bekanntes Vorgehen in der Stadt umzusetzen. Es gab ein Positionspapier und dann lange nichts. Anschließend ging eine Organisation katholischer Frauen mit einem ähnlichen Ansinnen auf die Senatorin zu. Nichts konnte man sofort umsetzen, aber nach einer Pause wurden es schließlich eingeführt – zufällig kurz nach der Podiumsdiskussion im BE.

Nacht der Solidarität

Live aus der Nacht der Solidarität – veröffentlicht in der „Nacht der Solidarität“. Sogar bedruckte T-Shirts gab es dafür. Doch dazu später mehr. Fortsetzungen sollten und sollen folgen. Übrigens auch der Nacht der Solidarität: alle anderthalb Jahre sollen alternierend im Sommer und im Winter die Wohnungslosen gezählt werden.

Anhänge-Flyer: ViSdP ist angeblich: K.-P. Licht aus Kreuzberg oder 10969 Berlin, Oranienstraße 106. Auch ein Teil der Hauptstadt.

Die Dienstadresse des Senators. Dazu später mehr.

Angekündigt wurde dort eine Mahnwache, eine „Protestmahnwache“ vor dem Roten Rathaus, „Start 29.01., 14 Uhr“. Und eine „Große Demonstration gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“, Start am Potsdamer Platz am 28.3.2020 um 13 Uhr.

https://kulturexpresso.de/haus-sucht-als-kunstwerk-anhaenger-menschenrechte-und-winzige-haeuser/




Alice. Everyone says I love You. THE BOY. Winona eröffnet Hellas Filmbox

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Winona“ ist der jüngste Film von The BOY, der auf dem Filmfestival Hellas-Filmbox gezeigt wird, aber nicht der erste. Vor zwei Jahren bei der dritten Ausgabe des Filmfests in Urban Spree, zu dem Zeitpunkt noch unter anderer Leitung, war „Fred“ zu sehen.

„Winona“ ist etwas besonderes. Kein Film, den man unbedingt gesehen haben muss. Aber einer, der einem empfohlen wurde, und einer, der definitiv nicht das fortsetzt, was man am Anfang vermutet. Dabei geht es nicht um den üblichen „Twist“ in einem Film, die Wendung, die für Überraschung sorgen soll und Langeweile verhindern. So wird es an den Filmhochschulen gelehrt. Doch gerade diese „Twists“, diese Wendungen, können einen Film manchmal langweilig machen, vorhersehbar; und die Wendung passt auch nicht immer zum Drehbuch oder ganzen Film. Sie wird auch mal übers Knie gebrochen, „weil da ja eine Wendung hinein muss“.

„Winona“ ist anders. Ein (sehr) persönlicher Film, wie The Boy am Mittwoch mündlich mitteilte.

The
Boy schreibt Songtexte, Liedtexte, und trägt sie auch selbst am
Keyboard vor. Er ist also nicht nur Regisseur, sondern auch
Singer-Songwriter und Musiker.

Um
andere Bereiche macht er sich auch Gedanken. Zum Beispiel ist er der
Meinung, dass alle das Recht hätten, auf ihre Weise zu trauern.-

Der
Film ist „scripted“, das heißt, die Schauspieler richten sich in
den Dialogen nach dem Drehbuch. Dennoch scheint eine gewisse Freiheit
und Leichtigkeit im Spiel erkennbar.

Der Film feierte seine Premiere am ersten Abend auf dem Filmfestival Hellas-Filmbox am Mittwch, den 15. Januar 2020.

Spoiler – Wer „Winona“ von The Boy sehen möchte, ohne zu wissen, worum es geht, bitte hier nicht weiterlesen

Am Anfang scheint es, dass vier Mädchen, junge Frauen, Freundinnen oder Geschwister, einen entspannten Tag am Strand verbringen möchten. Der Badestrand der Bucht ist menschenleer; sie kennen ihn von früheren besuchen. Von einer Fähre ist die Rede, die man auf dem Rückweg bekommen müsse. Landeinwärts sieht man ein alleinstehendes Haus am Hang, das kubisch über vier Etagen gebaut ist. Die Frauen stellen Vermutungen an, wer dort wohne – eine finnische Wissenschaftlerin? – und dass man beobachtet würde.

Ebenso von einem britischen Geländewagen aus, der stundenlang zwischen den prachtvoll blühenden Büschen am landseitigen Rande des Sandstrands steht. Die zwei Männer hinter der Windschutzscheibe unterhalten sich und steigen nie aus.

Irgendwann gehen die vier baden, nachdem sie vorher noch eine Art „erotisches Fotoshooting“ veranstaltet haben, das unter ihnen und im Publikum Erheiterung auslöst. Man döst, liest Zeitschriften oder blättert in Illustrierten, ein Hund ist dabei. Der Hund ist wichtig. Mit ihm kuschelt man gern, schläft dann ein.

Beim Baden, das erst fröhlich vonstatten geht, werden plötzlich Tränen vergossen. Die Zuschauer wissen nicht warum. Ist jemand auf einen Seestern getreten, hat sich sonstwie verletzt? Ein Streit war nicht zu sehen – was ist geschehen?

Anders als so, wie es gedacht ist, ist es kaum zu verstehen, dieser plötzliche Sinneswandel, als die Situation kippt.

Auch die Unterwasserszene, als in Schnorchelhöhe bzw. direkt unter der Wasseroberfläche des klaren, lichtdurchfluteten Wassers eine Frau, ein Mädchen taucht, an den Freundinnen/ Verwandten vorbei, die jeweils zu zweit Spalier stehen. Woher kommt das fünfte Mädchen? Wir sind auf einer Insel, aus dem SUV ist niemand ausgestiegen.

Es waren fünf

Es ist die Tote, die erinnert wird. In den vier weiblichen Wesen ist die Erinnerung an sie noch stark. Kinder sollen nach dem Eltern sterben, sagt man. Doch auch für Gleichaltrige ist das Sterben eines sehr jungen Menschen besonders hart.

Diese Auflösung des Rätsels, auf die auch erfahrene Filmkritiker, mit denen wir sprachen, nicht kamen, war nicht selbstverständlich.

Ebenfalls nicht leicht verständlich ist eine Szene, in dem die vier alle Woody-Allen-Filme chronologisch aufzählen und ausrufen. Alice. Everyone says I love You.

+

https://kulturexpresso.de/soundtracks-von-melentini-zutage-gefoerdert-durch-die-hellas-filmbox/

www.hellasfilmbox.de/programm-2020/




Leadershit oder Leadership? Best Practice Leadershit von Stefan Häseli

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Best Practice Leadershit – der Titel ist einfach genial und lässt niemanden kalt. Ein Schmunzeln ist das mindeste, was er entlockt. Manche können sich gar nicht wieder einkriegen vor Lachen. Was den Titel so genial macht, ist die Veränderung nur eines einzigen Buchstabens am Wortende. Inhaltlich passt es: Was hochbezahlte „Leader“ – „Führer“ ist ja Tabu außer in Kombinationen wie „Führerschein“, „Reise-“ und „Stadtführer“ – so für Mist verzapfen, geht auf keine Kuhhaut. Doch einfach nur meckern, aber keine Ahnung haben, hat wenig Wirkung. Es sieht aus wie das neidvolle Schreien „die machen alles falsch und kriegen viel Geld dafür“ ohne, dass es irgendjemanden kratzt. Neider kreischen auf der Straße, die (Manager-) Karawane zieht weiter.

Doch ein rebellisches Buch eines Linken ist Stefan Häselis „Best Practice Leadershit“ Gott sei Dank sowieso nicht. Dafür ist der Schweizer viel zu brav. Dass Eidgenossen auch anders können, beunruhigend anders, wissen wir seit „Züri brennt“, den unruhigen Zeiten in Zürich.

Wobei doch gerade die Schweiz Vorbild für Stabilität ist oder sich so gibt. Uhrmacher findet man heute kaum noch und wenn, sind sie alt. Uhrenverkäufer gibt es noch. Viele Uhren lassen sich nicht mehr reparieren; gerademal, dass die unsäglichen Batterien immer ausgetauscht werden müssen und werden (obwohl es auch Solar- und Automatikuhren gibt und diese chinesischen Armbanduhren aus Taiwan, die man einfach ins Wasser tauchen muss, damit sie wieder laufen). Bei Imkern geht es noch, doch andere Handwerke sind in Deutschland so gut wie ausgestorben, in der Schweiz findet man manchmal noch einen Handwerker. Auch in puncto Püntklichkeit sammeln die Eidgenossen Punkte.

Best Practice Leadershit von Stefan Häseli lässt nur manche Augen trocken und hat für jeden etwas parat

Äußeres der Neuerscheinung / Buchneuerscheinung Best Practice Leadership (statt Leadership)
Stefan Häselis neues Buch „Best Practice Leadershit“. Copyright Verlag BusinessVillage (Eigenschreibweise)

Hier geht es um die tatsächlichen Tragödien in mitteleuropäischen Führungsetagen. Gut bezahlt zu sein, ist grundsätzlich in Ordnung. Führen zu dürfen und dann Blödsinn zu reden und dann Verantwortung weder richtig zu übernehmen noch Entscheidungen zu treffen, ist ein nicht gehaltenes Versprechen, ein Kündigungsgrund, der nicht wirksam wird (schließlich kündigen die Chefs – und wer kündigt die Chefs?), eine Enttäuschung, eine Schwächung der Volkswirtschaft.

Leitende Angestellte stehen in der Mitte. Sie sind keine eigentlichen Chefs, da weisungsgebunden und kontrollierbar. Aber sie geben Anweisungen. Entscheiden im Kleinen, sind nicht die großen Entscheider, aber treffen Entscheidungen.

Teamleiter auf verschiedenen Ebenen müssen präsentieren, neuen Herausforderungen in der EDV, in der Genderpolitik und beim Klimawandel begegnen. Welche Fallen da warten und welche Verzögerungstaktiken letztlich den Fortschritt aufhalten und die Effektivität begrenzen, zeigt Häseli wie ein (als) Insider.

Wertvolle Kapitel für jeden

Wer in einem Unternehmen Entscheidungen zu treffen hat, wird sich/ seine Kollegen bestimmt an der einen oder anderen Stelle wiederfinden. Kaum ein Thema wird ausgelassen: Digitales, „social media“ (eigentlich unsozial, deshalb die Anführungsstriche), Datenschutz und vieles andere mehr.

Eine Pressemitteilung zu dieser Buchneuerscheinung gibt es auch.

„Der Blick unter die Teppiche der Chefetagen“ – hüstel. Bloß keinen Staub aufwirbeln.

„Stefan Häseli begegnet unternehmerischen Absurditäten – mit einem Augenzwinkern“ – ja, das tut er. Der Humor kommt durchgehend nicht zu kurz.

“Strategisch planen, menschlich führen und wertschätzend kommunizieren – das alles sollen Führungskräfte heutzutage. In disruptiven Zeiten müssen sie den Wandel gestalten, kurzum: digitalisieren und transformieren – am besten agil. Doch weil die Steuermänner und -frauen längst nicht mehr alles im Griff haben, mehren sich in den Unternehmen die Absurditäten. Nicht immer bemerkt, manchmal belächelt und häufig unter die Teppiche der Chefetagen gekehrt…

Genau dort schaut Stefan Häseli in seinem neuen Buch „Best Practice Leadershit – Absurde Wahrheiten aus den Chefetagen“ einmal etwas genauer hin. Im Mittelpunkt seiner feinsinnigen Satire steht Hannes, 49 Jahre alt, studierter Betriebswirt, Produktionsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung eines internationalen Industriekonzerns.

Wie lässt sich das rigorose Sparprogramm als große Innovation deklarieren? Mit welcher Methode kann man den größten Blödsinn dem Team noch als wahren Fortschritt unterjubeln? Was hat es mit dem Leitbild-Konfigurator für den schnellen Erfolg auf sich? Und wieso gibt es plötzlich so viele merkwürdige Marketingideen? Der Protagonist erlebt, durchleidet und stiftet an.

Die Geschichten von und mit Hannes illustrieren mal amüsant und mal scharfzüngig, was momentan in den Chefetagen der Firmen so alles ausgebrütet und angedacht wird. Bestes Handwerkszeug also für Führungskräfte – die es schon sind, die es gerne werden wollen und auch für jene, die dort nie ankommen werden. Ein heiteres Nachschlagewerk von Werten bis Wahnsinn, von Themen bis Trends, von Beruf bis Berufung, von Leadership bis Leadershit.“

Bibliographische Angaben

Verfasser: Stefan Häseli
Titel: Best Practice Leadershit – Absurde Wahrheiten aus den Chefetagen
Verlag BusinessVillage (Eigenschreibweise)
192 Seiten, 19,95 Euro, in der Schweiz CHF 25,90 (Schweizer Franken).
ISBN-10 3-86980-454-8. ISBN-13 978-3-86980-454-5.

Mehr zum Buch online auf http://www.businessvillage.de/bl/1060 .