Vor dem Moviemento-Kino

8. Kurdisches Filmfestival im Moviemento endet mit sechs Filmen von Savas Boyraz, darunter „Birthday Parents“ und „Invisible Landscapes“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Kurzfilme sind auf dem 8. Kurdischen Filmfestival in der deutschen Hauptstadt stark. Kein anderer Regisseur wird dabei so hofiert wie Savas Boyraz, vermutlich zurecht. Eine Hommage könnte man es nennen, was da am Mittwoch, den 29. August 2018 im Moviemento-Kino am Kreuzberger Kottbusser Damm präsentiert wird. Eine Zuschauerin meinte: „Eine Retrospektive“; scherzhaft auf die nicht ausschließlich aus dem Jahr 2018 stammenden Filme. Mit spitzer Zunge formuliert.

Savas Boyraz hat eine unterschiedliche Herangehensweise. Das eine Mal spricht ein Kind – Evin – vor einem immer gleichen Hintergrund, ohne dass die Kamera bewegt wird. Das erinnert an James Benning („L. Cohen“, Berlinale 2018) und Sebastian Schipper („Victoria“, mit einem Bären ausgezeichnet auf der Berlinale 2015, ein 2-Stunden-Film aus einem Take).

Berlinale geht weiter. Arsenal zeigt ab heute Forumsfilme, darunter den wichtigsten Berlinalefilm: L. Cohen von James Benning

Dabei ist „Evin‘s Story“ eigentlich ein Teil eines Triptychons für eine Multi-Screen-Installation.

Ein anderes Mal engangiert er einen renommierten Schauspieler wie Aziz Capkurt, um das Phänomen der „Birthday Parents“ zu beleuchten; ein Lehrstück an interkultureller Kommunikation.

Norwegen oder Kurdistan, das ist ein Unterschied: „Birthday Parents“ von Savas Boyraz

In Norwegen wird gedreht. Einige Kriegsflüchtlinge aus kurdischen Gebieten hatten das Glück, in Norwegen zu landen. Dem Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen bzw. Lebensstandard nach anderen Skalen. Einige hatten sogar das Glück, mit ihren Eltern zusammen zu sein – oder mit ihren Kindern. Je nach Sichtweise. Doch wie feiert man in Norwegen Geburtstag?

Gewiss anders als in Cizre, Suruc und Kobani.

Doch das Feiern muss man erst einmal üben. Statt „Wedding Planner“ also „Birthday Parents“, denn auch das Ausrichten eines Kindergeburtstags kann ein gehöriger Aufwand sein. Da ist es nicht hilfreich, keine Ahnung zu haben.

Vielleicht ein universelles Lehrstück für die Begegnung von Kulturen.




Kurze Filme ganz groß. Teilweise freier Eintritt zu Kurzfilmen auf dem 8. KFF in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 41 Filme wurden und werden auf dem 8. Kurdischen Filmfestival in der deutschen Hauptstadt gezeigt. Drei unter dem Motto „Fokus Armenien“. Von der anderen 38 ist eine erkleckliche Zahl von Kurzfilmen dabei: 20 Stück, das sind mehr als 50% der kurdischen Filme. Diese werde nicht einzeln oder vor einem „Hauptfilm“ präsentiert, so wie früher auf der Berlinale, sondern in Blöcken. Das ist der Trend der Zeit, die Berlinale Shorts machen‘s vor. Fast alle Filme kommen im Moviemento in Kreuzberg auf die Leinwand. Die Kurzfilmblöcke in diesem Kino waren und sind für Sonntag 15 Uhr (Kurzfilmprogramm 1) und Mittwoch, den 29. August 2018 um 20 Uhr programmiert (Kurzfilmprogramm 2).

Die Programme 3 und 4 finden im Café Lori direkt am U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof statt: Dienstag um 14 Uhr und Mittwoch um 13 Uhr. Es sind die einzigen Filmveranstaltungen des Festivals außerhalb der Lichtspieltheater. Ansonsten war das Café Lori auf der Südseite der Hochbahn der Ort für die Begleitveranstaltungen. Da wäre zum einen das Eröffnungsfest mit kurdischer Livemusik von Hani, Rewsan Celiker/ Hakan Gürbüz Nadia Visser und Hasan Aktas; zum anderen die Panels. Deren Themen waren „Weibliche Perspektiven im kurdischen Filmschaffen“, „Filmschaffen in Kriegenzeiten“ (sic) und Pane 3: „Digitale Distribution – die Zukunft des kurdischen Films?“

Kurdisches Festival ist gut zu Kurzfilmen

8. KFF 2018 vor dem Moviemento Kreuzberg
Anna Faroqui und Haim Peretz führten Regie bei „Lanas Geschichte“ (Kurzfilm). © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Die kurdische „Filmindustrie“, um einmal das hässliche aus dem Amerikanischen eingedeutschte Unwort zu verwenden, ist unterentwickelt. So die Einschätzung eines Kurden, der im Dokumentarfilm „Vor der Sperre“ das letzte Wort hat. Geld ist überall knapp, das lernen wir schon in der Betriebswirtschaft. Ein knappes Gut. Doch auch an Filmakademien, Synchronstudios und Schauspielergewerkschaften herrscht kein Überfluss. In Duhok, dem Zentrum der Filmwirtschaft im (zeitweise autonomen) kurdischen Nordirak, gibt es keinen „Walk of Fame“. Sogar Berlin hat einen an der Potsdamer Straße vor dem Filmhaus mit dem Filmmuseum, der Prinzler-Bibliothek, der DFFB, dem Arsenal und und und.

Doch keine Synchrokultur und -infrastruktur zu haben, kommt in den besten Filmländern vor. Sogar in Nordamerika.

Wir erinnern uns: Mexiko, hat sich in jüngster Zeit zu einem starken Filmland gemausert. Oscarpreisträger Inarritu („The Revenant“/ „Der Rückkehrer“), der im übrigen wegenYilmaz Güney anfing, Filme zu drehen (!) und andere große Namen wären zu nennen, „Titanic“ wurde hier gedreht. Doch „Fack ju Göhte“ konnte man nicht synchronisieren. Man wollte ja, doch hat die Voraussetzungen nicht. Also ein Remake. „No manches Frida“ wurde der drittbeste mexikanische Film aller Zeiten. https://kulturexpresso.de/geht-lernen-goeht-lernen-goeth-lernen-fack-ju-goehte-teil-3-die-fortsetzung-der-schulkomoedie-bis-zum-abi-wers-denn-schafft/

In den USA werden alle Nase lang Remakes gemacht. Die tolle Verfilmung von „Verblendung“, „Verdammnis“ „Vergebung“ mit dem Traumteam Mikael Nykvist (verstorben) und Noomi Rapace (!) als Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander war bloß deshalb nicht gut genug, weil sie auf schwedisch war. (Originaltitel: „Män som hatar kvinnor“ u.a. 2009 ) David Fincher musste sich später mit einer Neuverfilmung herumquälen (2011). Nykvist und Rapace blieben unerreicht.

Kurzfilm als Kunstform

Wenig Geld zu haben oder ausgeben zu wollen, ist keine Sünde und kein Makel. Manche lieben darüberhinaus den Kurzfilm als Kunstform. Regisseure wie Kritiker und Zuschauer. Das KFF lud viele Filmemacher und Schauspieler ein und machte vor den Kurzfilmlern nicht halt. Der Schauspieler Aziz Capkurt (sprich: „Ah-sieh‘s! Tschap-Kurt“) ist nicht nur als Protagonist von „Vor der Sperre“ und Darsteller des türkischen Geheimdienstmannes „Murat“ in dem Lang-Spielfilm „Das Milan-Protokoll“ von Peter Ott zum Fest gekommen. Capkurt spielt auch in „Birthday parents“ (sic) mit.

Wie feiert man in Norwegen einen Kindergeburtstag, wenn man als Elternteil aus dem „wilden“ Kurdistan stammt? Man liest den Filmtitel zunächst unwillkürlich als ‚Birthday presents‘. Geburtstagsgeschenke übergeben die Geburtstagseltern natürlich auch.

Aber auch die Regisseure und Regisseurinnen von „Lanas Geschichte“ und „Sevince“ scheuten keine Mühe, um die Zuschauer mit ihrer Anwesenheit in einer Fragestunde zu beglücken.

Am Mittwochabend wird der Regisseur von gleich sechs Kurzfilmen für Fragen zur Verfügung stehen: „Birthday Parents“, „Invisible Landscapes“, „Meanwhile“, „Evin‘s Story“, „The State“ und „The Encounter“ (Regie: Savas Boyraz).
Einer davon ist Teil eines Triptychons („Evin‘s Story“) für mehrere Bildschirme (multiscreen).

Programm von Kurzfilmen auf dem Kurdischen Filmfestival

Süheyla Schwenk („Sevince“). © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Kurzfilmprogramm 1 Moviemento, Sonntag, 26.8., 15 Uhr

„Lanas Geschichte“, OmdtU
„Alan“, OmeU
„Sevince“, OmdtU
„A Country Without A Sea“, OmeU

Kurzfilmprogramm 2 Moviemento, Mittwoch, 29.8., 20 Uhr, Eintritt 8,50 Euro (7,50/ 5,-)

mit 7 Kurzfilmen

„Birthday Parents“, OmeU
„Invisible Landscapes“, OmeU
„Meanwhile“, OmeU
„Evin‘s Story“, OmeU
„The State“, OmeU
„The Encounter“, OmeU

„Mikel“, OmeU

Kurzfilmprogramm 3 Dienstag, 28.8.2018, 14 Uhr, Café Lori (Eintritt frei)

5 Filme

„Anonyma“, OmeU
„Senses“, OmeU
„Krigsduvor“, OmeU
„There Was A Country“, OmeU
„Kine-em-(a) Kurdî“

Kurzfilmprogramm 4 Mittwoch, 29.8.2018, 13 Uhr, Café Lori (Eintritt frei)

4 Filme (vier):

„Houses with small windows“, Originalfassung mit englischen Untertiteln (= OmeU), Regie: Bülent Öztürk
„Shadow“, OmeU, Regie: Bülent Öztürk
„Pace“, OmeU
„5 Minutes Silence“, OmeU

Anschriften:
Café Lori: Skalitzer Ecke Wiener Straße an der spitzen Ecke (Sekunden von der U-Bahn)

Anfahrt: Achtung: Bei Anfahrt aus Richtung Hallesches Tor/ Uhlandstraße kann man am Görlitzer Bahnhof nicht aussteigen. Wer mit der U-Bahnlinie 8 von Süden kommt, kann bis Moritzplatz fahren und in die Buslinie 29 umsteigen.
Andernfalls ist man gezwungen, bis Schlesisches Tor zu fahren und einen Bahnhof wieder zurück. Am Schlesischen Tor sind dabei aufgrund des geteilten Bahnsteigs zweimal Treppen zu bewältigen. Wer schlecht zu Fuß ist, fährt besser gleich bis zur Endstation und wechselt dort am Bahnhof Warschauer Straße bequem am selben Bahnsteig die Richtung. Wer Zeit hat, kann sogar im selben Zug sitzenbleiben.

Kino Moviemento: Kottbusser Damm Ecke Boppstraße in Kreuzberg

Armenien liegt in Kurdistan. Reihe mit armenischen Filmen auf dem 8. KFF in Berlin

8. Kurdisches Filmfestival im Moviemento endet mit sechs Filmen von Savas Boyraz, darunter „Birthday Parents“ und „Invisible Landscapes“




Zübeyde Bulut und ein Freund von Yilmaz Güney auf dem roten Teppich vor dem Babylon

Armenien liegt in Kurdistan. Reihe mit armenischen Filmen auf dem 8. KFF in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Fokus Armenien“ heißt eine Reihe mit armenischen Filmen im Rahmen des 8. Kurdischen Filmfestivals in der deutschen Hauptstadt. Drei Filme werden gezeigt: „The Promise“ (Das Versprechen, Regie: Terry George), „One in a Million“ (Einer aus einer Million, Regie: Mahmut Wenda Koyuncu) und „The Cut“ (Der Schnitt, R.: Fatih Akin), ein Film, der auch schon einmal im Kino gezeigt wurde. Doch ausschließlich um Aktualität geht es Festivalleiter Mehmet Aktas nicht: „Es geht uns darum, Filme zu einem Thema zu zeigen, kurdische Filme. Da geht es nicht so sehr um das Veröffentlichungsjahr.“ Und eben eine Reihe mit armenischen Filmen.

Friedliches Zusammenleben unter Selbstverwaltung in Syrien

Westend: Armenien wird in Berlin offiziell diplomatisch vertreten. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2016

Ein armenisches Filmfest gibt es meines Wissens nicht in der größten deutschen Stadt. Armenier und Kurden vertragen sich gut – zum Beispiel in Kobani (Kobane, Ayn-al-Arab), der Stadt an der türkischen Grenze, die 2014 in die Schlagzeilen geriet.

2012 hatte man die syrische Zentralregierung von hier vertrieben und eine Selbstverwaltung errichtet. Das ging so in weiten Teilen des Bezirks Rojava (Nordsyrien). Doch 2014 breitete sich der Machtbereich des ISIL (auch ISIS, heute meist IS oder Da-esch) aus. Im Sommer wurde die Stadt Kobani von drei Seiten aus angegriffen, unter anderem mit in Mossul erbeuteten Waffen wie Panzern und gepanzerten Fahrzeugen aus US-amerikanischer Produktion. Nur aus dem Norden, wo die Gemeinde direkt an die türkische Grenze stößt, erfolgte kein Angriff.

Kobani – eine der Städte, in denen Armenier leben

Das friedliche Zusammenleben von Arabern und Türken, Kurden und Armeniern hatte ein Ende. Viele versuchten, in die Türkei zu fliehen, doch die Grenze war teilweise geschlossen. Die meisten Flüchtlinge hatten das nahe Suruc als Ziel, eine kurdische Stadt unter türkischer Flagge, in der die meisten die gleiche Sprache sprechen. Der Kampf und Widerstand einer waffentechnisch und zahlenmäßig unterlegenen Gruppe aus Einwohnern und hinzukommenden YPG-Kämpfern und YPJ-Kämpferinnen aus Nachbardörfern und -städten zog sich über Monate hin.

Nach eigenen Angaben kontrollierte ISIL schon 80% der Stadt, die immer weiter in Ruinen versank. Erdogan sprach seine vielzitierten Worte „Kobani ist dabei, zu fallen“. Obama verprach, den Kurden zu helfen. F-16-Bomber legten weitere Straßenzüge in Schutt und Asche, wenn sich dort IS-Soldaten oder Scharfschützen verschanzt hatten. Im Januar 2015 war die Siedlung wieder unter der gemeinsamen regionalen Verwaltung. Um den Preis einer fast vollständigen Zerstörung der Bausubstanz und einem hohen Blutzoll. Bis heute müssen viele Kriegsflüchtlinge in den Zeltlagern der türkisch-kurdischen Nachbarstadt ausharren.

Auch die Armenier hatten es nicht immer leicht. Immerhin haben sie, ähnlich wie Georgien, seit Jahrhunderten ihren eigenen Staat. Auch Perser und Türken haben ihren Staat. Nur die Kurden nicht. Es soll das größte Volk der Welt sein, dass über keinen eigenen Staat verfügt, obwohl ein Vertrag von 1920 diesen vorsah. Das harte armenische Schicksal im Osmanischen Reich 1915 und weiteres Armenische ist Thema der kleinen, nichtkurdischen Filmreihe.

Reihe mit armenischen Filmen „Fokus Armenien“

Die armenischen Landesfarben rot, blau und gelb. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2016

„The Promise“ (Das Versprechen, Regie: Terry George)
Montag, den 27. August 2018 um 20.30 Uhr (133 Minuten)

„One in a Million“ (Einer aus einer Million, Regie: Mahmut Wenda)
Dienstag, den 28. August 2018 um 16 Uhr ( 62 Minuten), OmeU (Originalfassung mit englischen Untertiteln)

„The Cut“ (Der Schnitt, R.: Fatih Akin)
Dienstag, den 28. August 2018 um 19.30 Uhr (138 Minuten)

jeweils im Kino Moviemento (moviemento.de) Kottbusser Damm in Berlin-Kreuzberg

www.kurdischesfilmfestival.de

Volk ohne Land oder: Welche Farbe hat der Frosch in deinem Hals? „Haus ohne Dach“ eröffnet 7. Kurdisches Filmfestival in Berlin

Schönheit, Die Anderen, Mein Paradies, LAYLA und ein Messi. Das Programm des 7. Kurdischen Filmfests Berlin

Mein Herz Leyla oder: 15.000 Bäume. Der Film „DIL LEYLA“ der Berlinerin Asli Özarslan schließt feierlich das 7. Kurdische Filmfestival ab

Armenien liegt in Kurdistan. Reihe mit armenischen Filmen auf dem 8. KFF in Berlin

Kurze Filme ganz groß. Teilweise freier Eintritt zu Kurzfilmen auf dem 8. KFF in Berlin

8. Kurdisches Filmfestival im Moviemento endet mit sechs Filmen von Savas Boyraz, darunter „Birthday Parents“ und „Invisible Landscapes“




Die IFA macht Berlin wieder zur Welthauptstadt der Consumer electronics. Internationale Funkausstellung 2018 ab 31. August

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Internationale Funkausstellung 2018, kurz IFA, ist laut Selbstauskunft „ die global führende Messe für Consumer und Home Electronics“. Also Unterhaltungselektronik inklusive Handys und „weiße Ware“ – Waschmaschinen, Kühlschränke und Geschirrspüler, die immer digitaler werden. Und das ist so. Die weltweite Ausnahmestellung wurde gerade durch eine doppelte Ausgebuchtheit bestätigt. Am 23.8. Das heißt, dass beide Ausstellungsbereiche voll sind bis unters Dach.

Internationale Funkausstellung 2018 in Berlin an zwei Standorten

Die IFA findet vom 31. August bis zum 5. September 2018 statt, wie gewohnt auf dem Messegelände unter dem Berliner Funkturm ( im Fachjargon auch ExpoCenter City). IFA Global Markets ist die internationale Handelsplattform der IFA für Zulieferer, Komponenten-Hersteller, OEMs und ODMs. So wie diese Abkürzungen ist das der nur für das Fachpublikum zugängliche Bereich in der STATION-Berlin am Gleisdreieck. Dort ist nur vom 2.-5. September geöffnet. Er ist das Ausstellungs- und Informationsangebot für Fachbesucher und Experten.

Die Internationale Funkausstellung 2018 ist doppelt ausgebucht!

Wie gesagt: Beide Orte „where You want to be“ ausgebucht. IFA ohne Englisch ist wie Wörterbuch ohne Buchstaben. Eine gute Gelegenheit zu lernen. Morgen im Fernsehladen weiß man dann schon, wofür die Begriffe stehen, ohne dass einem ein Verkäufer einen Berliner Bären aufbinden kann. Im Vordergrund stehen „Intelligente“, vernetzte Geräte für zu Hause, Künstliche Intelligenz (KI) und Fernseher mit einer immer besseren Bildschirmqualität. Immer größer und wichtiger werdend, aber noch klein: der Bereich der VR, die virtuellen Realität oder virtual reality.

Auf der Funkausstellung: KI und VR

Gott, oder wer auch immer das war, hat „einen prima Job gemacht“ bei der „Herstellung“ der Realität. Diese zu imitieren ist schon ein hartes Stück Arbeit. Davon können die Berliner Entwickler der Kreuzberger Interactive Media Foundation mit einer Chefin und einem vorbildlichen Frauenanteil von zwei Dritteln ein Lied singen. Dabei ist auch diese Berliner Institution weltweit anerkannt und gewann viele Preise. So den Red Dot 2018 – Interface und User Experience Design illustrations. Und bereits am 26. April in Berlin den Deutschen Digital-Award in Gold. Damit hat das Berliner Team der Interactive Media Foundation für das Virtual Reality Projekt „Ulm Stories – Der Traum von Fliegen“ nicht nur im Medien- und Kulturbereich, sondern auch im Design- und Digitalbereich Preise gewonnen.

Um das alles geht es auch auf der IFA. Kein Fernseher, der nicht auch Kultur zeigen kann. Medien sowieso. Digital ist trotz des Vinyls, das wieder kommt, der große Sieger über analog und Design ist Trumpf! Im Zweifel kauft man das schönere Produkt, auch wenn es ein paar Funktionen weniger aufweist.

Viel Kultur auf der IFA – Exklusive (!) Sommergartenkonzerte zur Funkausstellung 2018

Die IFA „produziert“ selbst auch viel Kultur. Darunter die tollen Sommergartenkonzerte. Ganz Berlin hat viele Wintergärten, an erster Stelle natürlich den Wintergarten – das Varieté in der Potsdamer Straße Nähe Lützowstraße. Doch bei Sommergarten denkt man nur an den einen – riesigen, den aufmerksame Beobachter schon mal auf einem Falkplan entdeckten. Das zentrale Oval des Messegelände-Innenhofs beherbergt ein modernes Amphitheater im Grünen. Eine der großen Bühnen Charlottenburgs. Vielleicht die größte? Jedoch selten bespielt. Dafür dann richtig!

Am 30. August beginnt der Reigen der die IFA begleitenden Sommergartenkonzerte mit Wanda und Olli Schulz.
Und damit auch nach 1990, als die Bundesrepublik Deutschland die Hoheit über ihren Luftraum zurückerhielt, alles in Ordnung ist, schaut die amerikanische Luftwaffe mal nach dem rechten. Unter Freunden und nur mit Musik: U.S. Air Forces in Europe Band feat. Till Brönner am Dienstag, den 4. September 2018 um 17.30 Uhr, Einlass 16.00 Uhr. Das Beste: Die Eintrittskarte gilt auch für den Besuch der Funkausstellung 2018 am selben Tag.

Wanda und Olli, die Deutschpoeten oder die US-Luftstreitkäfte in Europa, irgendwas sollte man sich aussuchen, denn: „Der Sommergarten ist nur während der IFA, der weltweit bedeutendsten Messe für Consumer und Home Electronics, für Konzerte geöffnet“!

IFA als Designhochburg. Auf der Internationalen Funkausstellung werden die UX-Design-Awards vergeben




Wenn die Verdunklung erhellt. Die in Deutschland sichtbare Mondfinsternis, ein Jahrhundertereignis

Anklam/ Berlin/ Brandenburg/ Heringsdorf/ Kleinmachnow/ Neubrandenburg/ Rostock-Warnemünde/ Stralsund/ vielerorts, Deutschland, Erde (Kulturexpresso). Ein gesellschaftliches Großereignis. Die Fußball-WM? Klein dagegen. Nur alle 110 oder 120 Jahre soll so ein Ereignis sichtbar stattfinden. Die Mondfinsternis. Die totale. Zu lang, um es auf das nächste Mal zu verschieben. Was du heute kannst betrachten, solltest du lieber achten. Ein nächstes Mal wird es nicht geben.

Allein dieser Gedanke fasziniert viele. Zieht sie hinaus ins Freie.

Unsere Begrenztheit und die Endlichkeit des menschlichen Körpers werden gewahr.

Selbst ein Groß-Verbrecher oder ein Multimillardär hätten die Mondfinsternis nicht anhalten können. Ein gutes Gefühl, das zu wissen.

Die Entfernungen können Demut erzeugen. Wie klein wir sind. Und wie groß; wenn wir das erkennen.

Mondfinsternis und Pünktlichkeit

21.19 Uhr in Berlin: Die Sonne geht gleich unter. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Unausweichlichkeit ist das Stichwort. Wer das hier verschlief oder zu lange vor dem Fernseher saß, erhält keine „zweite Chance“. Pünktlich wie der Anstoß der Spiele der Fußball-WM in Russland tritt der Mond in den Kernschatten, dann in den Halbschatten, dann in die partielle Phase, die um Berlin herum bis 1.28 uhr dauert. Um partiell entbrennt ein Streit mit einem Mitbetrachter. Das hieße doch teilweise. Ja. Aber es geht nicht um den sichbaren Schatten auf dem mond, sondern um die geringere Lichtstärke des Vollmonds, da der Planet Erde einigen Sonnenstrahlen auch zwischen 0.20 Uhr und kurz vor halb zwei im Wege war.

Die Betrachtung des Mondes erfordert Vorbereitung. Akku voll? Kamera dabei? Doch die wichtigste Frage: Von wo aus betrachten?
Einige von uns sind nach Marienfelde gefahren, um vom Berg aus näher an den Ereignissen zu sein. Man kann ja nicht immer aus Charlottenburg berichten. Allein: Der Dunst störte. Nicht der Alkoholdunst, der die eigene Wahrnehmung trüben könnte, sondern die wolkenähnliche Sichtbehinderung des gerade gegen 9 aufgegangenen Mondes. Also schnell in die Innenstadt. Am Kurfürstendamm muss man auf Fußgänger achten. Mehr als sonst um diese Uhrzeit. Obwohl die totale Verdunklung des Vollmondes schon eine Stunde andauert, ist an guten Stellen alles voll. Zum Glück ist der höchste Punkt des Ku’damms nicht nur in der Nähe der Autobahn. Die Kurfürstendammbrücke ermöglicht eine freie Sicht nach Süden, während der Mond auf seiner Umlaufbahn nach links aus dem Schatten entflieht. Durch die Erddrehung wandert der Mond natürlich subjektiv nach rechts und steigt gleichzeitig an. Gut für die Beobachtung. Doch das wichtigste: Der Himmel ist klar! Hurra!

Alles klar.

Fake News zur Mondfinsternis

Mond mit Erdschatten, unten der Mars. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Hohle Erde? Nicht gesellschaftsfähig, nicht mehrheitsfähig. Nein, die Kollegen der Boulevardzeitungen haben gut informiert. Nicht gut genug für einen Physiklehrer. Er schimpft auf die falsche Graphik und holt Papier und Stift. Nicht so schick wie in der Zeitung, dessen ausgeschnittener Artikel herumgereicht wird, dafür aber richtig zeichnet er die Position des Mondes und der Erde ein. Der Schattenwurf war falsch dargestellt.

Auch sonst kursieren viele Gerüchte: Ein Pärchen photographiert mit dem Handy. Der Mann erzählt, er habe es erst kürzlich von einem Arbeitskollegen erfahren. Ich frage ihn, welcher Planet denn da unten dichter über Land zu sehen sei – Venus oder Mars? Das sei bestimmt ein Flugzeug, meinte er. Das muss von Air Berlin gewesen sein, denn es rührte sich scheinbar gar nicht vom Fleck.

Es war aber auch kein Stern, denn die flackern. Gesellschaftlicher Konsens biledet sich heraus. Eine Anwohnerin um halb zwölf: „Das ist der Mars, haben wir herausgefunden.“ Sie ist mit einer Nikon ausgestattet und photographiert bequem von einer Bank aus. Der Ku‘damm macht‘s möglich.

Die Mondfinsternis: ein Thema für Astrologie, Astronomie und Vermischtes

8 nach Mitternacht: Vom Erdschatten ist nur noch wenig zu sehen. Elf Minuten später ist das vorbei. Die partielle Phase beginnt. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Die US-amerikanische Theater- und Buchautorin Lisa Streitfeld weist seit langem auf die große Bedeutung solcher Finsternisse hin. „Eclipse of the moon“ und „eclipse of the sun“ heißen sie auf der anderen Seite des Kanals und großen Teiches. Lisa S. Ist eine Pionierin auf dem Gebiet. Leider liegen ihre Veröffentlichungen noch nicht in deutscher Sprache vor.

Mondfinsternis und Geschlecht

Der Mond ist im Deutschen männlich. International ist das eher die Ausnahme. La lune (lün, frz.), la luna sind weiblich. Die Sonne ist weiblich, le soleil auf französisch männlich. Das spricht eine deutliche Sprache.

Mondfinsternis: Alle auf Augenhöhe

Handyphotos, Zweite-Reihe-Parken: Um 23.35, bei beginnendem Halbschatten, ist immer noch viel los am Kurfürstendamm. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Die Oberärztin und der Künstler, der DHL-Fahrer und die Softeisverkäuferin: Beim Fußball begegnen sich alle auf Augenhöhe. Nationalitäten bekommen ihren richtigen Platz, wenn Niederländer und Deutsche das Endspiel Kroatien-Frankreich anschauen.

Auch bei der Mondfinsternis kommen Wildfremde miteinander ins Gespräch. Menschen, die sich sonst nie gesprochen hätten. Geschäftsideen entstehen: „Das Opernglas könnten Sie verleihen“. Ein Fernglas macht die Runde.
Junge sprechen mit Alten. Dumme mit Klugen. Männer mit Frauen. Dick und Doof in Betrachtung des Mondes. Es herrscht Frieden.

Mondfinsternis: Kein nächstes Mal

Die Mondfinsternis passiert in den nächsten hundert Jahren nicht noch einmal. Das ist Rekord. Und wenn jemand die Mondfinsternis mit Mars doch noch einmal erlebt, ziehen vielleicht gerade Wolken auf. Dennoch: Eine Fußball-WM in Russland wird es vielleicht innerhalb der nächsten hundert Jahre auch nicht mehr geben.
Der Unterschied: Wir wissen es nicht.

Die Wissenschaftler, die jetzt ausgrechnet haben, das 2120 nach nächste Mal so ein kosmisches Ereignis eintreten wird, werden dann schon lange verstorben sein.

Unsereins freut sich ja schon, dass die WM in Russland im Sommer stattfand. Denn die nächste Fußball-WM findet im Dezember statt. Katar macht‘s möglich.




"Original-DDR-Softeis"-Bude auf dem Festival "Berlin lacht!" auf dem Dorothea-Schlegel-Platz vor dem S-, U- und Fernbahnhof Friedrichstraße an der Stadtbahn

Du Weicheis. DDR-Softeis ist ein real existierendes Phänomen

Berlin/ Potsdam, Deutschland (Kulturexpresso). Niemand weiß, wie lange noch. Doch DDR-Softeis gibt es! Diesen Frühling und Sommer kann man es schon monatelang (aus-) probieren. Aller guten Standorte sind mindestens drei. Beeilen muss man sich am Dorothea-Schlegel-Platz am S-, U- und Fernbahnhof Friedrichstraße in Mitte. Die Bude auf dem fast dreieckigen Platz südlich des Bahnhofs steht nur vorübergehend da. Das Festival „Berlin lacht“, das täglich mittels Konzerten und Aufführungen unterhält, dauert nur bis Sonntag, den 22. Juli 2018. Von 11 bis 22 Uhr sind die Buden und Stände höchstens geöffnet, obwohl es Mittwoch abend noch etwas länger ging.

Berlin lacht. am 10. und 20., 21. und 22. 7. 2018
Berlin lacht. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Aber in Berlin-Mitte gibt es sowieso nur Vanille-Schoko-Eis aus der Maschine mit den zwei Hebeln. Und zwar gemischt. So ist das nun einmal. Das Herz der Herstellung ist eine Ilga-Maschine aus den 80er Jahren, Modell „Freezer“. Aus DDR-Produktion; schon mit Temperaturanzeige (-17 oder -18 Grad Celsius. TK eben (Tiefkühlung)).

DDR-Softeis, noch authentischer in Potsdam

Der zweite Standort soll in der Brandenburger Straße am Brandenburger Tor sein. In Potsdam. Zumindest nicht ewig weg vom Tor, führt die Straße doch nach Westen auf das Tor zu. So die Insiderinformation eines Gastes des Wirtshauses Babelsberg an der Großbeerenstraße unweit des Findlings.

DDR-Softeis: das beste bisher von uns getestete gibt‘s am Potsdamer Kirchsteigfeld

Der dritte Standort dürfte der authentischste sein. An der Kirche am Kirchsteigfeld , einem Ost-Potsdamer Wohnbezirk, gibt es einen Supermarkt, ein paar Geschäfte, Gaststätten und immer mal wieder Stände mit Lebensmitteln.

Häufigster Dauergast ist eine Softeisbude. Hier kommt man gern wieder. Viele Eisschlecker sind Stammgäste. Aber auch Auswärtige werden angezogen. Die Eismaschine stammt aus dem Jahr 1974. DDR-Produktion, versteht sich. Angeblich liegt alles an der Platte.

In Berlin immer Schoko-Vanille, am Kirchsteigfeld die größte Abwechslung

Grund für die große Attraktion und den guten Geschmack ist auch die Abwechslung. Varietas delectat. Abwechslung erfreut, wussten schon die Römer. Hier gibt es an einem Tag Maracuja-Vanille (mit zwei ll), Schoko-Vanille am nächsten, oft Erdbeer-Vanille, man will ja das traditionelle Publikum nicht verschrecken. Dann aber immer wieder neue Sorten. Erdbeer ist ein Klassiker, aber auch Saisonware, die hier immer wieder frisch angefertigt wird.

Ein Höhepunkt am Montag, den 16. Juli: Erdbeer-Sahne! Wow. Wirklich wunderbar.

Womit wir gleich bei dem Thema sind, dass hier immer wieder angeschnitten wird: Warum schmeckt das hier anders als woanders? Ist doch schließlich alles DDR-Softeis, oder? Ja.

Eis = Sie. Je nachdem, von welcher Seite man es betrachtet

Berlin lacht. Platz am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin-Mitte
Berlin lacht. Fahne von hinten. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Doch zum einen geht Liebe durch den Magen; und was mit Liebe gekocht wird … Das gilt wohl auch bei Eis. Eis ist rückwärts Sie – und tatsächlich steht fast immer eine Dame hinter der Theke. Hinter der Ausgabe.

„She is as cold as ice“ heißt eine Liedzeile- Im Deutschen stimmt es. Buchstabe für Buchstabe. Sie ist Eis. Von hinten kühl. Die kühle Schulter zeigend?

Zum anderen kann man es mit der Mischung steuern: eher Richtung wässrig, oder eher Richtung sahnig. Von den frischeren und besseren Zutaten einmal abgesehen.

DDR-Softeis – aus zwei mach eins

Bleibt noch die Frage mit den zwei Hebeln. Man möchte ja gern am Hebel sitzen. In der Bude aber muss man stehen.

Da gibt es zwei Hebel. Doch die Sorten kommen durch einen Auslass. Unerbittlich. Pfirsich-Vanille oder Vanille-Pfirsich, das kann man sich aussuchen. Nur Vanille schwerlich. Wie so vieles in der DDR: Wer A sagt, muss auch B sagen.

Ob DDR-Softeismaschinen einer Technikfolgenabschätzung unterzogen wurden?

Die Kundenunzufriedenheit oder das -unverständnis wurden – wie unmenschlich diese DDR doch war!! – nicht vorausgesehen. Da sind doch 2 Hebel! Warum kommt das Eis immer zusammen?

Will die eine Sorte vielleicht nicht alleine bleiben? Oder liegt es an der Einsamkeit der anderen?

Die Frage, warum sich immer zwei Sorten in den Becher ergießen, hat schon zu den unterschiedlichsten Ergüssen geführt.

Zum Beispiel diesen:

„Bei mir kommt nur DDR-Softeis in die Tüte!“

Letztlich läuft es darauf hinaus – im übertragenen Sinne – was bei Selbsthilfetreffen der AA so schön wiederholt wird. Sinngemäß: „Es gibt Dinge, die ich ändern kann. Und es gibt Dinge, die ich nicht ändern kann. Bitte gib‘ mir die Weisheit, die beiden Dinge zu unterscheiden.“

(Für eine genauere Version und den ganzen Hintergrund lohnt es sich, bald im Kino den Film zum Thema AA anzugucken. AA ist eine Abkürzung für die effektive Selbsthilfebewegung der anonymen Alkoholiker.)

Deutschland umsonst. Lesung „Mit Pfand durchs Land“ mit S. Zingler und Bianka Miltz

www.kirchsteigfeld-potsdam.de

„Muttis Erben“ in Potsdam. Lothar Beutin liest im Kirchsteigfeld

Anschriften: 1. Berlin lacht mit Eis: Berlin-Mitte, Dorothea-Schlegel-Platz zwischen Georgenstraße, Neustädtische Kirchstraße, Reichtagufer (an der Spree) und S-, U- und Fernbahnhof Friedrichstraße. Auch Tram M1 und Busse. Fußläufig von Unter den Linden.
2. Potsdam-Stadt, Brandenburger Straße (Fußgängerzone) zwischen Luisenplatz am Brandenburger Tor und Bassinplatz
3. Potsdam-Kirchsteigfeld. Mobile Eisbude, meist vor dem Stadtteilladen im Kirchsteigfeld
Anni-von-Gottberg-Straße 14, 14480 Potsdam
Tram 92 / 96 fast bis Endstation Marie-Juchasz-Straße, Haltestelle Am Hirtengraben. Orientierungspunkt: Kirchturm mit Solarzellen. Eisbude auf dem Platz zu Füßen der Kirche (Nordseite)




Berliner Filmfest kommt in Mode. Das 7. Berlin fashion Film Festival BfFF im Columbia

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Berlin fashion Film Festival BfFF – gesprochen Biff oder Bif – hat als Festivalsprache englisch. Wie die Berlinale oder das SEEFF. Und das ist auch gut so. Neben mir sitzt eine Modeshopinhaberin aus New York, in der Kaffeeschlange vor dem Truck auf dem Rasen unterhalten sich drei Holländerinnen aus Amsterdam. Aus England ist Prominenz angereist und die Profidichte ist hoch.
Obwohl ich noch nie hier war, habe ich das Gefühl, dass letztes Jahr etwas mehr los war. Doch das ist ganz egal. Was hier geboten wird, ist schon an einem halben Tag mehr wert als der Ticketpreis.

Nehmen wir nur mal das Speeddating. In kurzer Zeit kann man wichtigen Leuten aus der Branche seine ganz eigenen Fragen stellen. So geschehen am Donnerstag. Das Festival geht zwei Tage, Donnerstag und Freitag, den 12. und 13. Juli 2018. Falls wirklich ein Handvoll Leute weniger da gewesen sein sollte, nützte es den anderen. Doch auch so war die Schlange beim Speed-Dating lang genug.

An beiden Tagen öffneten die Tore um halb zehn. Ab 10 Uhr ging es zur Sache. An beiden Tagen zunächst Screenings. Also Filmvorführungen. Sogar das Regenwetter war von Vorteil. Wenn jemand die Außentür zum Backstagebereich aufmachte, drang nicht viel Licht herein.

Berlin Fashion Film Festival am Freitag

Erst am Freitag, als mittags die Sonne herauskam. Gut für die Mittagspause, schlecht für die, die das Screening 8 während der „Lunch break“ verfolgen wollten und in der hintersten Reihe saßen.

Ich setzte mich in die Mitte, um weniger Seitenlicht zu haben. Denn gerade dringt durch die offenen Westtüren zum Garten, in denen alle strömen, um Bananenbrot und anderes Modische zum Mittag zu essen, viel Helligkeit ein.

Gegen halb drei brach der Klappstuhl zusammen. Gern gebe ich zu, dass mein Körpergewicht zu hoch ist. Doch so etwas passiert nur am Freitag den 13.

Bei dem ersten Vortrag des großen Regisseurs Marcus Gaab kann dieser seine Notizen nicht sehen. Dann gehorcht der digitale „Diaprojektor“ nicht dem „Weiter“-Befehl. Gaab doziert zum Thema Improvisation. Er ist gerade in dem Kapitel „embrace trouble“ – heiße den Ärger willkommen, wenn er schon da ist. Jetzt kann er richtig in das Thema hineingehen.

Die kleinen technischen Fehlerchen waren schnell behoben. Zum Glück wird erst wieder in gefühlt 20 Jahren in einem Juli der 13. an einem Freitag sein.
Das Fashion Film Festival fällt vielleicht erst wieder in Jahr 2088 auf einen 13. Und das muss dann ja nicht genau das Jahr sein, an dem es ein Freitag ist.

Auch wenn man nicht abergläubisch ist, wirken doch die Gedankenkräfte derjenigen, die es sind. Self fullfilling prophecies, sich selbst erfüllende Prophezeiungen, gibt es wirklich.
Zufälligerweise sagt an diesem Freitag noch jemand auf der Bühne, vielleicht war es Marcus Gaab, den Satz, der immer stimmt:

„Be careful what you wish for.“

Überlege Dir vorher genau, was Du Dir wünscht.
Du könntest es bekommen.

++ Y ++

Die Kuratorin und Festivalorganisatorin Vanessa Meyer/Vanessa Meyer ist an zwei Filmfestivals beteiligt, dem Berlin fashion Film Festival und dem folgenden.

Neu und am ersten Tag gleich ausverkauft! Das erste mexikanische Filmfestival in Deutschland heißt Mexico Scope

berlinfashionfilmfestival.net/




Uruguay sehen und leben. Das New Montevideo zeigt alle WM-Spiele im Terrassengarten mit Fontänenblick

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das New Montevideo hat ein Logo aus vier Buchstaben. Ein großes M bietet durch seine Form Platz für die drei Buchstaben, die auf englisch „neu“ bedeuten. Neu-Montevideo ist keine Stadt, sondern ein Restaurant-Café am Viktoria-Luise-Platz. Legendär das „Montevideo“, das 2016 seine Pforten schloss. Am 2. Mai 2017 eröffnete der legitime Nachfolger, das New Montevideo. Neu-Montevideo klingt wahrscheinlich zu altbacken wie Neu-York oder Neu-Amsterdam; außerdem können die Deutschen zwar ‚njuu‘ aussprechen, Ausländer aber nicht selbstverständlich das Wort ‚neu‘.

Das New Montevideo konnte nicht anders, als in große Fußstapfen zu treten. Deshalb nahm man sich viel vor. Deckte den Speisesaal linker Hand vom Eingang in weißes Linnen ein. Das fanden viele Berliner toll, aber es schreckte auch ein klein wenig ab. ‚Wenn das hier alles so gut aussieht, was mag es denn wohl kosten? Reicht das Geld nur, um zu kosten? Bin ich überhaupt gut genug gekleidet?‘ Wunderschöne Bilder auf der Homepage des New Montevideo zeugen noch von dieser jüngsten Vergangenheit. Heute dominieren die Decken aus feinem Leinen den Gastraum nicht mehr, und das ist gut so.

Berliner kleiden sich nicht, sie ziehen sich an. (Fast) jeder so, wie er mag. Die Berliner fühlen sich wohl dabei und ziehen beim Presseball auch schon mal Kleid und Smoking an. Geht man essen, möchte man sich wohlfühlen. Das New Montevideo versteht sich als Familienrestaurant mit guter Küche.

Den Anspruch kann es mit einer Riesen-Kinderecke unterstreichen, mit einer tollen Kinderküche und Platz zum Tollen. Clever gelegen vom Gastraum hofwärts, als doppelte Sicherheit, damit keine Kurzen türmen können. Oder die wenigen Stufen vom Restaurant zum Garten herunterkullern.

Selten eine Gaststätte, wo der Weg zum nächsten gefährlichen Auto so weit ist. Denn die Straße vor dem Vorgarten ist für den Autoverkehr gesperrt. So hat das New Montevideo neben dem Lette-Verein genau genommen zwei Terrassen. Viel Platz. Mehr Kindersicherheit geht kaum. Vielleicht im Wald.

Uruguay und der WM-Fußball in Berlin – Public Viewing

Terrasse am Lette-Verein: Restaurant-Café New Montevideo. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Uruguay gelangte bei der Herren-Fußball-WM 2018 ins Achtel- und Viertelfinale. Das ist viel mehr als, was die deutsche Mannschaft von sich sagen kann. Und das trotz der Tatsache, dass es nur gut 3einhalb Millionen Uruguayer gibt. Wir haben recherchiert, ob es vielleicht irgendwo ein spezielles Screening gibt: Fehlanzeige.

Wir wollten das Viertelfinalspiel am 6. Juli in der Gegenwart dieses fußballbegeisterten Völkchens verbringen. Doch Uruguay ist nicht Dänemark. Dänemark organisierte im Felleshus ein Public Viewing. Die Botschaft der Republik östlich des Uruguay – der ein Fluss ist – ist zu klein für derartige Veranstaltungen. Die Kulturbrauerei, dem Straßenlärm entrückt und mit einer großen Leinwand, zieht Fans an, auch aus diesem kleinen, fußballbegeisterten südamerikanischen Land. Doch abgesehen von der unzentralen Lage gibt es auch ein paar indirekte Nachteile. Gerade weil viele Fußballfans kommen, ist es so laut, dass man die Ansagen des Kommentators oder die Analysen von Oliver Kahn & Co. nicht verstehen kann. Da sind kleinere Gaststätten wie der Inder neben dem Hinterausgang der Brauerei an der Lychener Straße besser. Dafür gibt es dort fast keine Gleichgesinnten. Die Indische Union ist bekannter für Cricket.

Uruguay und seine Geschichte als Fußballland

Uruguay ist eines der vier Gründungsmitglieder des ältesten Kontinentalverbandes CONMEBOL. Während Mitteleuropa im Krieg versank und an manchen Tagen Zehntausende Männer starben, niedergemäht wurden, gründeten vor 102 Jahren und 3 Tagen am 9. Juli 1916 die Verbände aus Paraguay, Argentinien, Brasilien und dem erwähnten Lande östlich des Flusses die CONMEBOL. Sie trugen dann in die Copa America aus. Alle anderen Kontinentalverbände, die Mitglied der FIFA sind, wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet.

Uruguay ist kein Anfänger, ist man versucht zu sagen. Doch waren sie genau am Anfang da und wurden 1930 und 1950 Fußballweltmeister. Dann gab es eine ruhigere Phase und seit 2000 sind sie wieder da. Als einer der beiden südamerikanischen Vertreter im Viertelfinale besaßen sie wirklich Chancen, hatten allerdings als Gegner den Ex-Weltmeister Frankreich.

WaruM WM-Fußball im New Montevideo?

Fußball Live im Restaurant-Café New Montevideo. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Ein wichtiges Spiel, das nicht irgendwo geguckt werden wollte. Ein Insider gab uns den Tip mit dem New Montevideo, gleich darauf hinweisend, dass der Name nur ein Name ist. Wir besuchten es an Vortag des Uruguayspiels, haben es getestet und für gut befunden.

So ist zum Beispiel das fußballlose Speisen auch an den Spieltagen möglich. Die Großen Flachbildfernseher zeigen nach außen in den Garten. Bei Regen natürlich nach innen. Wer drinnen sitzt oder auf der weitläufigen Terrasse mit Blick auf die Fontäne, wird unbehelligt bleiben.

Außerdem ist die WM Mitte des Monats Juli vorbei.

WM-Karte im New Montevideo

Zur Wahl steht eine ganze Palette von Speisen, angefangen bei einem Gemüsespieß mit Grillkäse und Kräuterdip für 7,30 Euro über Spargelpasta für 11,90 Euro bis hin zu einer Reihe nichtvegetarischer WM-Specials für Preise zwischen 7,90 und 15,90 Euro.

Eine eigene WM-Karte hat nicht jeder, auch in der besseren Gastronomie nicht.
(In der Trattoria a’Muntagnola in der nahen Fuggerstraße zeigen sie noch nicht einmal Fußball. Pfui!)

Der Nachtisch kostet nur 4,90 Euro. Limonenparfait. Alternativ bietet man mir ein Mandelparfait an, das ich dankend ablehne. Wenn, dann wollte ich doch schon aus gegebenem Anlass das Dessert der WM-Karte probieren und ein Essen ohne Nachtisch ist kein richtiges Essen, oder?

Zudem man sich doch in so einem innen und außen edlen Ambiente befindet.

Der Service war übrigens auszeichnet. Die Bedienungen sämtlich ausnehmend höflich und beinahe verbindlich. Das vermittelt ein gutes Gefühl. Man fühlt sich wahlweise wie zuhause oder so, als ob einem der rote Teppich ausgerollt würde. Aber unauffällig. So soll es sein.

Suberbe Pfifferlingskarte

Sommer, Sonne, Ausflugsziel für Fahrräder: Fontäne am Viktoria-Luise-Platz. Rechts ein Sonnenschirm auf der Terrasse des New Montevideo. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Beim Essen entscheide ich mich saisongemäß und auf Empfehlung für die Pfifferlinge. Sie sind viel mehr wert, als man allgemein denkt. Allerdings wird der Ausdruck langsam obsolet, da der Pfennig auf den Heller folgt. Der Heller überlebt in unserer Sprache außer bei Münzsammlern nur durch das Sprichwort „Wer den Heller nicht ehrt, …“

Die Pfifferlinge auf dem Teller sind eine Menge wert, nicht nur wegen des gesunden Eiweißes. Im New Montevideo werden sie in vielen Variationen dargeboten, preiswert mit Blaubeeren für Vegetarier oder entsprechend teure mit allerlei frei wählbaren Beilagen. Lecker.

Dauerhafte Vorteile im New Montevideo

Frische und gute Produkte werden verwendet, zum Beispiel Frischmilch für die Kaffeespezialitäten und ausschließlich Bio-Eier.

Man kann lange frühstücken. Von 9-15 Uhr, samstags, sonn- und feiertags bis 16 Uhr. Das ist auch ideal für Berlinbesucher oder all die, die sich am langen Wochenende mal einen Tapetenwechsel im Hotel gönnen. Von vielen Unterkünften im Hotelviertel und am Wittenbergplatz, wo das KaDeWe steht, ist der Vicky für Geübte fußläufig zu erreichen. Auch vom neuen Hotel Riu Plaza, das oberhalb der Kreuzung Lietzenburger/ Martin-Luther-Straße/ An der Urania thront (ehemals Philips).

Erstaunlich, aber wahr: Vieles wird selber hergestellt: Marmeladen und Nudeln zum Beispiel. Die Nudeln kann man sogar für zuhause kaufen.

NEWMONTEVIDEO – Geheimer Code geknackt!

Man konnte sich natürlich schon fragen, warum das New Montevideo so heißt.

Das Video-Geheimnis

Video bedeutet „Ich sehe“. Wir Deutschen betonen es gern auf der ersten Silbe. In dem Wort Montevideo wird das letzte „e“ betont. Montevideo ist die Hauptstadt Uruguays und wurde Weihnachten 1726 gegründet, im Barock, als Friedrich Wilhelm I. König in Preußen war – in Personalunion brandenburgischer Kurfürst – und unter anderem in Berlin residierte. Der erste König in Preußen, der 1705 Charlottenburg gegründet hatte, war bereits tot, Friedrich der Große trat 1740 an.

Montevideo ist auch die Primatstadt Uruguays, vorher wohnten die Ureinwohner dort und von einer „Stadt“ in unserem Sinne war nichts zu sehen, genausowenig von einem „Staat“ Uruguay. Das Wort „Arbeit“ war unbekannt, auch wenn natürlich gearbeitet wurde.

„Monte“ bedeutet in drei Sprachen „Berg“ – italienisch, spanisch, portugiesisch . Video heißt auf nur latein „ich sehe“.

„Montevideo“ ist in Holland der Name für einen künstlichen Berg mit Aussicht. Das Rotterdamer Hochhaus ist etwa 150 Meter hoch – gute Aussichten – und das zweithöchste Wohnhaus der Niederlande.

Das Haus hat eine Fahne (Ein Haus mit Fahne) – M

Sommerfontäne an einem Platz in Schöneberg.
Speisekarte des Restaurant-Cafés New Montevideo mit Platz-Panorama. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Das Symbol ist ein großes „M“, das als 8 mal 8 = 64 Quadratmeter große Wetterfahne auf dem Dach thront. Ähnlich wie an der Kantstraße Ecke Fasanenstraße das von der Stadtbahn aus sichtbare Riesensegel mit drei Etagen.

Im New Montevideo prangt das große „M“ auf der Speisekarte. Etwas verloren gruppieren sich die drei neuen Buchstaben N, E und W dazwischen.

Man hätte das neue Restaurant nicht Buenos Aires, VICKY oder Fontänenblick nennen dürfen. Auch Santiago de Chile, Malwinen oder Fontainebleau, nach der Stadt südlich Paris mit dem guten Wasser (fontaine belle eau), kamen nicht infrage. Montevideo musste es irgendwie schon sein. New liegt nahe, doch wäre auch ein spanisches Wort infrage gekommen.

Die Lösung

Letztlich fiel die Entscheidung dafür, weil man alle vier Jahre hier ein großes Fest feiern wollte und die ganze Welt dazu einladen. Der Lösung des Rätsels kommt man näher, wenn man die Leerstelle zwischen den Wörtern New Montevideo weglässt. NewMontevideo ist ungültig, in Großbuchstaben ergibt sich NEWMONTEVIDEO.

Nun braucht man nur noch genau hinzusehen, um eine haushohe Überraschung zu erleben. Was sage ich, eine berghohe. Video WM. Wer noch?

Das NEW MONTEVIDEO gehört zu den ganz wenigen deutschen Restaurants, die die WM (Weltmeisterschaft) im Namen führen. Weltmeisterlich. Meisterhaft!

Für mich ist das NEWMONTEVIDEO so das ultimative WM-Restaurant.

Von mir aus auch für Basket-und Volleyball.

+ NEWMONTEVIDEO

 

Die Russen sind schuld! Wenn Deutschlands Fußball-Herren ausscheiden, sind fast alle Deutschen betroffen

Endspurt der italienischen 72 Stunden. 7 von 52 Berliner Orten für authentisches Essen – ein Sonntagsausflug!




Russland feiert. Wenn nicht Fußball, dann Kultur

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Russland feiert. Russland ist bei der Fußball-WM der Herren, die lediglich alle vier Jahre stattfindet, im Viertelfinale ausgeschieden. Sehr knapp im Elfmeterschießen, gegen die beste oder zweitbeste Mannschaft der Welt (die kroatische). Und was machen die Russen? Sie feiern! Sie feiern die Mannschaft wie Helden – und das sind sie in der Tat. Niemand hatte damit gerechnet, dass Russland das Viertelfinale erreicht. Denn das heißt, unter den acht besten Teams der Welt zu sein. Nach dem verlorenen Spiel, nach Verlängerung und Elfmeterschießen kann man sich auf Platz 5-8 einordnen. Und die Begeisterung kann in Zukunft noch Wunder wirken.

In Berlin in russischen Haus konnte man das am Samstag hautnah beobachten.

Russland feiert mit Musik

Im Anschluss an das Ausscheiden gab es ein spontanes Konzert im Foyer. Ein klassisches Konzert von jungen Leuten. Eine Ausnahme? Eher nicht, denn: Mindestens zwei Pianisten nahmen nacheinander auf dem Klavierhocker Platz und begeisterten das umstehende Zufalls-Publikum mit einer erstklassigen musikalischen Darbietung voller Harmonie. Die gebliebenen, stehengebliebenen Zuhörer, fast alle, wenn nicht sämtlich Zuschauer des gerade zu Ende gegangenen Fußballspiels im Heimatland, waren jung und alt, meist sogar jung.

Russland feiert seine Fußball-Nationalmannschaft auch nach der Niederlage gegen die kroatische

Die deutschen Nachrichtensendungen zeigten Bilder von feiernden Mengen. Der russischen Mannschaft wurde ob ihrer Leistungen gehuldigt. Sie unterlag der kroatischen erst im Elfmeterschießen nach Verlängerung. Bilder in der Hauptnachrichtensendung des Tages im ZDF, der „heute“-Sendung um Sonntag 19 Uhr, zeigten Volk und Spieler im Einklang und Feierlaune – trotz der Niederlage. Die beiden Nachrichtensprecher zeigten sich ehrlich verwundert, aber es gefiel ihnen.

Daran kann man sich einmal ein Beispiel nehmen.

Einen Tag vorher in Berlin ein ähnliches Bild unter jungen brasilianischen Fans, Belgien war nicht bezwingbar. Lateinamerikanische Mannschaften sind auf dem europäischen Kontinent immer im Nachteil. Russland ist in Europa. Doch die Brasilianer tanzen nach einiger Zeit bereits wieder.

Das Spiel Russland-Kroatien wurde im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in der Friedrichstraße gezeigt. Hier in der Nähe des U-Bahnhofs Französische Straße tobte früher, in den „roaring twenties“, das Leben. Der Bahnhof in südlicher Nachbarschaft heißt nicht umsonst Stadtmitte und schaffte es, in einem Romantitel verewigt zu werden, einen Block weiter der Gendarmenmarkt mit dem Konzerthaus.

Die „deutschen Spiele“ wurden zum Beispiel im Kino Cinestar original am Potsdamer Platz im Sony-Center gezeigt. Die „russischen Spiele“ im Russischen Haus. Im großen Auditorium, das aufgrund seiner ausfahrbaren Leinwand auch als Kino genutzt wird, zum Beispiel bei der russischen Filmwoche im November/ Dezember jeden Jahres, war am 7.7. ab 19.30 Uhr Fußball Trumpf. Statt RUS – CRO (abgekürzt aus dem Englischen, so auch in ARD und ZDF gezeigt) ROS (von Rossija, gesprochen mit zwei ‚a“) gegen XOP (sprich Chor, Abkürzung für Kroatien im Russischen).

Doch gleichzeitig laufen Ausstellungen in dem sich über zwei Etagen erstreckenden Prachtfoyer und den angrenzenden Räumen.

Russland feiert mit Ausstellungen

Im Raum „Tolstoi“ – stimmt, große Schriftsteller hatte die russische Literatur ja auch – eröffnete am spielfreien Donnerstag die Ausstellung „Werke aus den Kunstsammlungen des Russischen Hauses – Malerei und Grafik“. Die Ausstellung dauert vom 6.7. bis 16.9.2018 und zeigt einen Querschnitt, der einen Einblick in die Weite des Landes gibt, des größten Landes der Welt. Es ist ein Forum für verschiedene Künstler, die unterschiedliche Techniken in Schwarzweiß und Farbe anwendeten. Sie zeigen Natur, Alltag, Wissenschaft und Raumfahrt. Symbolik wie den Polyptichon „Jahreszeiten“.

An der Wand eine Ausstellung von Kinderbildern. Mit farbigen Punkten können die Betrachter selbst die besten Bilder auswählen – ganz demokratisch.

Im Erdgeschoss links vor der Garderobe eine große Ausstellung von Briefmarken und Ganzsachen zum Thema „Fußball“. Postfrische Marken, ganze bunte Briefe mit Sonderstempeln auf vielen Tafeln. Sie zeigen natürlich nicht nur russische Fußballspieler, sondern auch wichtiger Szenen internationaler Matches. Übrigens auch mit deutscher Beteiligung, wie ein 3:1 gegen Argentinien.

Vom Eingang aus rechter Hand weitere Ausstellungen.

Russland als Austragungsort eines der größten Sportereignisse der Welt, des wichtigsten neben den Olympischen Spielen, zeigt, was es zu bieten hat. Und das ist nicht wenig, auch und besonders im Kulturbereich. Die graphischen Werke im ersten Stock erinnern aber auch an andere Höchstleistungen: Sputnik, Satelliten, Mondsonden.

Bei so einem Großereignis präsentiert sich der Austragungsort gern. Das ist in Ordnung. Die Bundesrepublik Deutschland zeigte sich 1974 und 2006 im besten Licht, bei Olympischen Spielen Ostasien, die USA mit Los Angeles, Großbritannien mit London. Vieles hat man 1988 über Korea gelernt und es ist einem seither nicht mehr fremd.

Der Vielvölkerstaat Russische Föderation mit seiner reichen Hauptsprache und kulturellen Tradition mag in der Politik bisweilen  bei manchen umstritten sein. In der Kunst, Musik und Literatur gehört er jedenfalls zu den großen (Kultur-) Nationen.

Da kann man den Ball drehen, wie man will.

 

 

 




Kreuzberger Kiezdichter. Deutschland besinnt sich darauf, zu dichten und zu denken. Beispiel: Brüche/ Aufbrüche

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Schon oft bei vergangenen Fußballgroßereignissen wurde diskutiert, dass die Deutschen sich auf ihre Kern-Kompetenzen konzentrieren sollten. Brüche/ Aufbrüche ist ein Beispiel dafür. Kreuzberger Kiezdichter trugen um 19 Uhr in der Kiezstube am Mehringplatz ihre Werke vor und Musik fehlte nicht.

Eine Lesung des Kreuzberger Dichtungswerkes (ehemals Madames, Eigenschreibung MadaMes). Bereits der Name zeugt von Phantasie. Seit Jahren arbeiten Werbung und Zeitungsüberschriften mit Doppeldeutigkeiten.

Brüche/ Aufbrüche – auch von MakeCity bewusst gemacht

„Kreuzberger Dichtungswerk“ – in Eigenschreibung kleingeschrieben – klingt sehr nach einer der vielen kleine Gewerbe- oder Industrieunternehmen, größeren Handwerksbetriebe oder kleinen Manufakturen, die typisch für die „Berliner Mischung“ von Wohnen und Gewerbe ist. In den Hinterhöfen gibt es immer noch viele Fabriketagen, auch wenn sie immer öfter als luxuriöses Loft, Kunstgalerie oder zu anderen Zwecken genutzt werden. Das eben zu Ende gegangene MakeCity, das sich dieses Jahr auf die südliche Friedrichstadt konzentrierte, die in Kreuzberg liegt mit ihrer Südgrenze an Hochbahn und Landwehrkanal (Gitschiner Straße/ Hallesches Tor), machte das noch einmal deutlich. Neubauten auf kriegszerstörten Brachflächen und dem Gelände des ehemaligen Blumengroßmarktes werden in dem Bewusstsein und in der Tradition hergebrachter Nutzungskonzepte errichtet.

Dazu gehört immer wieder eine Art Kultur-Allmende.

So im Erdgeschoss des Neubaus gegenüber vom ehemaligen Berlinmuseum in der Lindenstraße, das jetzt zum Jüdischen Museum gehört. Wenn man mit dem Rücken zum Jüdischen Museum steht, sieht man vor sich einen großen Platz, der seit kurzem einen Namen trägt. Geradeaus die Halle des Blumengroßmarkts, die jetzt als jüdische Akademie dient. Links und und rechts zwei Neubauten. Der rechte geht um die Ecke zur Markgrafenstraße, wo man nebenan die letzten drei nicht zerbombten Häuser der südlichen Friedrichstadt findet.

Dieser Eckbau beherbergt face-to-face mit dem Platz eine lange Front von Ausstellungs- oder anderweitig „gemeinnützig“ nutzbaren Räumen.

So einen für Anwohner oder Kulturschaffende nutzbaren Raum gibt es auch, vermutlich von der Wohnungsbaugesellschaft gestellt, am Mehringplatz.

Brüche/ Aufbrüche – Mehringplatz und südliche Friedrichstadt

Der nach dem Mauerbau von Mitte abgeschnittene Teil der Friedrichstadt schlief teils einen Dornröschenschlaf. Während auf der Westseite der Mauer vom Potsdamer Platz über Checkpoint Charlie bis SO36 der Betonsockel der Berliner Mauer als Fahrrad-Expessway benutzt wurde, diente der Checkpoint C (Kontrollpunkt C) nur Allierten und Ausländern mit Kfz. als Durchlass. Südlich davon: Wohnen, Großmarkt, Baulücken. Am Kanal der Querverkehr, Durchgangsstraßen. Bereits die U-Bahn wurde außerhalb der Stadt parallel zur Stadt- bzw- Akquisemauer errichtet, nun auch oft genutzte Straßenverkehrswege.

Hallesches Tor

Das Hallesche Tor, mangels alter Mauer und mangels Tores als solches nicht mehr zu erkennen, erhielt sich als Name der U-Bahnstation, umso mehr es ein Umsteigebahnhof war und ist. Da „Stadtmitte umsteigen“ von U6 zur U2 von 1961 bis 1989 nicht möglich war, flutete der Personenverkehr durch die unter dem „Osten“ hindurchfahrende U6 am Halleschen Tor in Ost-West-Richtung. Dort gab es ja eine Umsteigemöglichkeit zur U1, der ältesten U-Bahnlinie. Man kann sie an dem aufgeständerten Stahl zwischen Oberbaumbrücke und Nollendorfplatz bis heute gut erkennen.

Die teilungsbedingte, übergroße Bedeutung des Bahnhofs Hallesches Tor

Da auch von Süden her vor dem Weiterbau der U7 keine Ost-Westschnellbahnverbindung zwischen Endstation Alt-Mariendorf und Halleschem Tor bestand, konzentrierte sich das Umsteigen mit viel Treppengetrappel in luftiger Höhe über dem Kanal auf den U-Bahnhof Hallesches Tor.

Vorausgesetzt natürlich, man ignorierte willentlich die Ringbahn S4. Der S-Bahn- und Reichsbahnboykott, mit dem das Ost-Berliner Regime und die DDR abgestraft wurden, war wahrscheinlich der am besten funktionierende Großboykott der Geschichte. Die Deutsche Reichsbahn erzielte kaum mehr Einnahmen, die Anlagen verfielen, die aus den 20er Jahren stammenden Waggons fuhren endlos weiter.

S-Bahnboykott machte U-Bahnhöfe wie Hallesches Tor wichtiger – ohne Rücksicht auf Kohlendioxid und Feinstaub

Nach einem Streik der Belegschaft übernahm die BVG die S-Bahn in den 80ern. Der Betrieb funktionierte nun gut, doch leider standen die meisten Linien nicht mehr zur Verfügung, darunter die S4, die die meisten als S41/42 kennen; je nachdem, ob der Kreis links- oder rechtsherum befahren wird. Viele Linien und Abzweigungen liegen bis heute brach; es ist unklar, ob sie jemals wieder befahren werden (Wernerwerk, Siemensstadt u.a.). Es sollte Jahre, gefühlt Jahrzehnte dauern, bis seit den Ereignissen von 1980/83 mit Streik und BVG-Management der S-Bahn wenigstens wieder Teile des Rings befahren wurden. Erst der „Südring“, dann der Nordring. Heute fährt man auf dem Vollring.

Ja, es musste grundsaniert werden, ja, im Zusammenhang mit der Deutschen Einheit gab es viele Aufgaben und trotz riesiger Budgets stand Berlin oft weniger zur Verfügung. Manchmal schaffte man es verwaltungsseits noch nicht einmal, rechtzeitig Anträge für Fördergelder zu stellen, obwohl die Töpfe voll waren und die Gelder dann einfach nicht in Anspruch genommen werden konnten. Ein bisschen Bitterkeit bleibt bei den Berlinern. Der S-Bahnausbau ging zu langsam und ist bis heute nicht abgeschlossen. Die IGEB wirkt wie ein einsamer Rufer in der Wüste.

Gleichzeitig pusten die Busse tonnenweise Abgase in die Luft, während sie unter Unterführungen von seit Jahrzehnten bestehenden, stillgelegten S-Bahn-Trassen hindurchtöffeln.

Jetzt, wo Straßensperrungen wegen zu hoher Stickoxid- oder Kohlendioxidbelastung anstehen – Stichwörter Feinstaub und Diesel – wird vielleicht die Verwaltung aufwachen und die Schnellbahnlinien reaktivieren

Für Autos und Lkw blieb die Trasse Anhalter Bahnhof – Wilhelmstraße – Kochstraße – Oranienstraße sowie der Weg entlang des Kanals, ab Gitschiner Straße bis Schlesisches Tor entlang der Hochbahn bis zur Spree, wo wieder die Mauer wartete mit einer Brücke, die kaum überbrückte und nur für bestimmte Personengruppen und nur zu Fuß als Grenzübergang missbraucht wurde.

Der Mehringplatz am ehemaligen Halleschen Tor, Ersatzwohnungsbau auf einer riesigen zerbombten Fläche

Der kreisrunde Mehringplatz wurde in zwei Ringen dreigeschossig umbaut, zur lauten Durchgangsstraße hin zum zudem trennenden Kanal halb abgeschottet.

Neuberliner suchten das im Sprachgebrauch überlebende Hallesche Tor vergebens. Halle/ Saale, das südlich weiterexistierte, erreichte man nicht auf diesem Weg über Mehringdamm, Tempelhofer und Mariendorfer. Halle lag sowieso in einer anderen Welt. Genau wie Cottbus/ Chotbuze im Spreewald, so dass niemand frug, warum man das Kottbusser Tor mit „K“schreibt.

Die im Erdgeschoss durchlässigen, weil nicht bebauten Ringe waren mit Läden versehen, von denen einige bis heute bei veränderten Besitzern geöffnet haben. Einkaufsgelegenheiten für umliegende Hochhäuser mit Wohnungen schönen Zuschnitts. Doch ist es heutzutage hier recht ruhig, um nicht zu sagen idyllisch, wenn nicht Verkehrslärm und Martinhorn von Süden herandringen. Man ersehnt sich schon die Zeit einer mehrheitlichen Elektroautomobilität.

Ein möglicherweise vorher leerstehendes Ladengeschäft dient vielen gemeinschaftlichen Zwecken und steht tagsüber leer beziehungsweise ist geschlossen.

Brüche/ Aufbrüche – konkret als Lesung und Dichtungswerk

Unbeeindruckt vom unweit brodelnden Drumherum mit Deutschem und Europäischem Patentamt und SPD-Zentrale mit Photoausstellungen wir „World press photo“ werden hier Gedichte rezitiert.
am 3.7.2018 von Katrin Bosshard, Annette John, Anne Lourquet, Wulfhild Sydow, Rosemarie Wehrkamp, Sabine Wilde; sowie Franz Joseph Hödl und Michael Kreutzer.

Hier Ladies first und nach Nachnamen sortiert. Auf dem Plakat originell alphabetisch nach den Vornamen.

Statt Singer-Songwriter Poets-Vorträger.

Dazu trotzdem Musik. Ein Mini-Konzert? Matthias Tondorf „auf seiner leisen Gitarre“. Tondorf – ein Künstlername? Ein Pseudonym? (Menschen, die Matthias heißen, können gut Musik machen.)

Hier werden auch leise Töne gehört. Kraftfahrzeuge dringen nur in Ausnahmefällen und mit Sondergenehmigung in diese Oase und Fußgängerzone vor.
Tagsüber übte am Dienstag am Mehringplatz versunken ein Gitarrist vor sich hin.

Dichten, denken und musizieren. Frei nach dem leichtveränderten Motto: ‚friedliche Lieder, hier lass durch ruhig nieder‘ kann es so weitergehen. Brüche/ Aufbrüche gibt es immer wieder.

Professor Bernd Senf rät zur Veränderung, aber einer behutsamen.

Zu abrupt und gewaltvoll waren die Brüche/ Aufbrüche des 20. Jahrhunderts.
Ein Deutschland aufgedrängter Weltkrieg, der durch blauäugige Bündnistreue entstand. Brüche/ Aufbrüche. Vom Kaiserreich zur Republik. Von der Republik zum Nationalsozialismus. zum Zweiten Weltkrieg. Brüche/ Aufbrüche zum Ende des Deutschen Reiches. Fremdherrschaft. Militärherrschaft. Zonen/ Sektoren. Republiken, Teilung, Vertreibung, „Dreigeteilt? Niemals!“ 17. Juni 1953 und 13. August 1961, Mauerfall, Wiedervereinigung, Als Folge Schengen und Ende der D-Mark. 11. September. Finanzkrise. Global warming. Nullzinspolitik. Brüche/ Aufbrüche

Und heute beginnt das morgen.

Brüche/ Aufbrüche
Lesung
Kreuzberger Dichtungswerk (KDW)
sowie KDW-Fortsetzungsroman; 3. Kapitel (A. John)
Dienstag, 3.7.2018, 19 Uhr, Kiezstube, Mehringplatz 7, 10969 Berlin. Eintritt frei.