Adam Linder mit “Full Service” im Mudam in Luxemburg

Luxemburg (Kulturexpresso). Das Mudam, die Abkürzung steht für das
Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean in Luxenburg, präsentiert vom 6. Februar bis zum 3. März 2019 Adam Linder mit “Full Service”.

Die Ausstellung der fünf „Choreographic Services“ des Tänzers und Choreografen Adam Linder zeige laut Mudam-Direktorin Suzanne Cotter den Ehrgeiz des Museums nach Öffnung durch die Multidisziplinarität seiner künstlerischen Entscheidungen.

Adam Linder „Full Service“. © Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Foto: Allie Foraker

Neben seinen Bühnenwerken widmet Adam Linder sich einer Praxis, die er als „Choreographic Services“bezeichnet. Diese Services sind für die choreographische Arbeit jenseits des Theaterkontextes entstanden. Linders Ausgangsmaterial für diese fünf Services ist der Körper oder vielmehr die Arbeit des Körpers. Es handelt sich um eine Reflexion zur Bedeutung der Performance in dienstleistungsorientierten Ökonomien. Alle fünf Arbeiten umfassen eine Transaktion: Jede Institution, die einen der Services zur Aufführung bringt, muss einen Vertrag unterzeichnen, in dem das Verhältnis zwischen der Performance (der Tänzer), der Dienstleistung, die sie erbringen (Tanz) und den Kosten ihrer Arbeit (Tanzen) fest umrissen wird. Die Institution “kauft die Leistung ein” und zahlt für den vereinbarten Stundenlohn.

Es
geht hierbei um die Aufwertung von „Performances“ und
Gleichstellung von Werken wie Gemälden und Skulpturen, so Linder.

Mit
der Buchung aller fünf Services
bietet
das Mudam einen Überblick über Adam Linders einzigartigen Tanz- und
Performanceansatz.

Jede „Dienstleistung“ wird in einem Zeitraum von vier Wochen in einer Galerie gezeigt. Die Services werden nacheinander ausgeführt, überschneiden sich aber auch in verschiedenen Kombinationen und lassen so neue Hybride und Gegenüberstellungen von Körpern und Bewegungen entstehen.

Adam Linder „Full Service“. © Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Foto: Allie Foraker

Adam
Linder: Full Service
wird
präsentiert in Zusammenarbeit mit dem CCA Wattis Institute for
Contemporary Arts, San Francisco.

Adam
Linder (*1983, Sydney, Australien) lebt und arbeitet in Los Angeles.
Zu seinen Arbeiten gehören diverse Bühnenstücke, darunter Kein
Paradiso
,
das 2016 auf der Biennale Made in L.A. mit dem renommierten Mohn
Award des Hammer Museums ausgezeichnet wurde. Seine Choreographic
Services
waren
zuletzt in der Serralves Foundation, Porto (2018), in der South
London Gallery, London (2018), in der Kunsthalle Basel (2017), im
Schinkel Pavillon, Berlin (2016) und am Institute of Contemporary Art
in London (2015) zu sehen.

Es gibt ein Spezialticket für 15 Eure, das den Besuchern erlaubt, mehrfach wiederzukommen, um die jeweiligen, zeitlich versetzten Aufführungen ansehen zu können.

Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean

Web: www.mudam.lu/de/home/




Nairy Baghramian mit „Privileged Points/Beliebte Stellen“ im Luxemburger Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean

Luxemburg (Kulturexpresso). Das Luxemburger Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean (Mudam) startet stark ins neue Jahr und bietet Ausstellung von Nairy Baghramian „Privileged Points/Beliebte Stellen“ und Adam Linder “Full Service”

Als Neuzugang in der Mudam-Sammlung ist die deutschsprechende, weltweit gefragte Iranerin Nairy Baghramian mit ihren monumentalen Skulpturen Privileged Points/Beliebte Stellen“ zu Gast, um die aus insgesamt drei Skulpturen bestehende Serie vorzustellen. Die Neuerwerbung ist in der großen Eingangshalle zu sehen, während die beiden anderen Arbeiten auf einer Wiese der Esplanade des Parks Dräi Eechelen (Drei Eicheln) zu bewundern sind – mit Panoramablick auf die historische Altstadt Luxemburgs. Sie bilden den Auftakt für das neue Museumsprogramm außerhalb der Mauern des Mudam.

Pressekonferenzt am 6. Februar 219 im Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean mit Vincent Crapon, Nairy Baghramian, Suzanne Cotter, Adam Linder und Anna Loporcaro. © 2019, Foto: Eva-Maria Koch

In der Auftaktpressekonferenz erläutert Kuratorin Suzanne Cotter, assistiert von Vincent Crapon, die Vision der Ausstellung, die Luxemburg als Stadt mit einbinden solle. Die Skulptur in der Grand Hall des Mudam sei 2018 vom Museum erworben worden und spiegele dessen Bestreben, seiner Sammlung mehr Sichtbarkeit zu verleihen – das sei ein wesentliches Element seiner Mission, wider. Die drei Skulpturen symbolisierten den Wunsch des Museums, ein Konzept für Kunst im öffentlichen Raum zu erstellen. Baghramian erklärte, dass sie nach dreimaliger Besichtigung des Mudam mit seiner einmaligen Star-Architektur Io Peis, eingebettet in den Festungsgraben, sich für drei ihrer Berliner Skulpturen entschied hätte, die sich farblich in die Örtlichkeiten einbetten und zwar „als ob die Skulpturen nach Hause kämen“.

„Beliebte Stellen/Privileged Points“ markiere somit den Anfang einer sich wiederholenden Serie von Ausstellungen und künstlerischen Interventionen außerhalb der Museumsmauern.

Die
drei Bronzeskulpturen sind mit Schichten blassgelber,
blassgelb-grüner und pastellfarbener grün-grauer Farbe bemalt. Ihre
offen kreisförmige Gestaltung mit einem Durchmesser von etwa fünf
Metern erinnert an das Einkreisen von Textpassagen mit einem Stift.
Ihre jeweiligen Orte betonen sowohl gewisse lokale Bedingtheiten wie
wechselnde räumliche Bezüge. „Das Auf und Ab der Gestalt der
Skulpturen mit ihren Tropfen vermittelt den Eindruck von Vorübergehen
und dass sie sich jederzeit auf dem Boden ausstrecken könnten.“

Zwei Skulpturen von Nairy Baghramian. © Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean

Die
Skulpturen im Park werden auch gern von Schulklassen und anderen
Besuchern zum Sitzen genutzt, was gestattet ist.

Baghramian
erklärt den Herstellungsprozess: zuerst gäbe es ein kleineres
Modell, welches dann maßstabgetreu groß in eine Bronzeskulptur
übertragen werde und von einer Spezialfirma gegossen werde. Das
erste Modell habe sie noch von Hand selbst bemalt, die
Folgeskulpturen seien auch von Spezialfirmen bemalt worden.

Die
nun sowohl im Mudam wie im Park Dräi Eechelen präsentierten
Skulpturen erzeugen eine Beziehung des Innenraums zum Außenraum. In
beiden Fällen bewirkt die von ihrer Umgebung inspirierte Farbgebung
ein Verschmelzen der Skulpturen mit dieser. Die räumlichen
Verwindungen und die hängenden Farbtropfen, die traditionelle
bildhauerische Fragestellungen wie Masse und

Schwerelosigkeit,
Form und Farbe oder auch Stabilität und Performanz ansprechen,
ebenso wie die sichtbaren Spuren ihrer Herstellung bieten dem
Betrachter Anregungen, mit den Werken in Interaktion zu treten.

Beliebte Stellen/Privileged Points verkörpern formale, konzeptuelle und kritische Aspekte, die das bildhauerische Werk Nairy Baghramians seit ihren ersten Ausstellungen in den späten 1990er Jahren prägten. Anthropomorphe Assoziationen und Anspielungen an Krücken oder Prothesen ebenso wie ihre Sorgfalt in der Wahl von Standorten an Übergangs- oder Randzonen dienen der Erforschung der physischen und symbolischen Beziehungen zwischen Architektur, Objekt und menschlichem Körper. Dabei ist ihre Idee der Skulptur stets notwendig eine dynamische.

Gemeinsam
mit ihrem weiteren bildhauerischen Werk, zu dem noch Fotografien und
Zeichnungen hinzu kommen, stellt Beliebten
Stellen/Privileged Points
einen
Teil eines umfänglichen Repertoires von Ideen dar, die stets neu
arrangiert und gedacht werden können, um neue Sichtweisen auf die
Arbeiten selbst, den Raum, den sie besetzen, und die Menschen, die
sie betrachten, zu eröffnen.

1971
in Isfahan, Iran geboren, kam Nairy Baghramian 1983 auf der Flucht
nach Berlin, wo sie seither lebt. In jüngerer Zeit hatte sie
Ausstellungen u.a. im Palacio de Cristal – Museo Nacional Centro de
Arte Reina Sofía in

Madrid
(2018), dem Walker Art Center in Minneapolis (2017–2018) und dem
SMK in Kopenhagen (2017–2018).

Baghramian
nahm an zahlreichen bedeutenden Events und Biennalen teil, wie
beispielsweise dem Pariser Herbstfestival (2018), der 14. Biennale
von Lyon (2017), der documenta 14 in Kassel (2017), an Skulptur
Projekte

Münster (2017 und 2007), der 5. und 8. Berlin Biennale (2008 und 2014), Glasgow International (2012) oder auch der 54. Biennale von Venedig (2011).

Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean

Web: www.mudam.lu/de/home/




Donald Runnicles

Zum Musikfest Berlin 2018: Donald Runnicles dirigiert Bernd Alois Zimmermann und Richard Wagner

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In einem Sonderkonzert im Rahmen des Musikfests der Berliner Festspiele zog Donald Runnicles, der Dirigent des Orchesters der Deutschen Oper Berlin, in der Philharmonie Berlin wieder alle Register seines Könnens. Von Bernd Alois Zimmermann (1919-1970), einem Komponisten der damaligen, avantgardistischen „Neuen Musik“, dirigierte er „Photoptosis“, Prélude für großes Orchester und „Stille und Umkehr“.

Die neue Musik auch als Zeitgenössische Musik, französische Musique nouveau tituliert, fasst ein Genre zusammen, welches äußerst vielfältig ist und sich Strömungen vor und nach dem 2. Weltkrieg gliedert.

Zimmermanns Werk bringt alles zum Vibieren – die große Orgel in der Philharmonie – sie klang, als ob gleich ein Mississippi-Dampfer ablegt – sie „feuerte“ ohrenbetäubend ihre Klaviatur „aus allen Rohren“. Anmutungen von atonaler Musik oder Zwölfton-Musik kamen auf, ein Sägeblatt wurde zum Singen gebracht, die großen Pauken mit den bloßen Händen wie bei Trommelpercussions „gestreichelt“, Glockenspiel, Harfe, ein Heer von Geigen, Violinen, – eben das gesamte große Orchester vermittelte dank der kundigen Führung durch Runnicles ein einmaliges Hörerlebnis. Auch der visuelle Genuss war groß – von den Seitenrängen konnte direkt dem Orchester en detail zugeschaut werden – von welchem der vielzähligen Instrumente die – vereinzelt kakophonisch – anmutenden Klänge kamen. Das große Chaos dann geführt von Runnicles zu besinnlicher Stille. Einmalig bravourös!

Nach der Pause wurde dann Richard Wagners Siegfried, 3. Aufzug zum Besten gegeben! Ein besonderer Hochgenuss, diese unglaublich romantische Musik des Komponisten mit so einem umstrittenen menschlichen Ruf. Jedes Wort seiner Wortschöpfungen der Minnegesänge sind wie in Stein gemeißelt – so geschraubt wirkt das Mittel- und Althochdeutsch anmutende Liebeswehen. Gut, dass der Text auf Textbändern zu lesen ist – es wäre einem etwas entgangen, wenn man sich nur auf die bezaubernde Musik und die Sänger*innen konzentriert hätte – kein Hollywood-Blockbuster-Liebesfilm kann es mit diesen Kompositionen aufnehmen – aber ähnlich schwülstig, herzerweichend bewegend.

Die Besetzung der Sänger*innen-Rollen war hochkarätig. Siegfried: Simon O’Neill, Der Wanderer: Michael Volle, Erda: Judit Kutasi, Brünnhilde: Allison Oakes – eine/r sang besser und ergreifender als der/die andere, begleitet vom phänomenalen Orchester der Deutschen Oper Berlin unter der Regie ihres Zaubermeisters Donald Runnicles.

Großer Schlussapplaus goutierte das herausragende Konzerterlebnis.

Nebenbei bemerkt wurde dieses Konzert beim Musikfest Berlin vom RBB für den Hörfunk aufgezeichnet. Als Sendetermin auf RBB-Kulturradio ist derzeit der 29. September 2018 vorgesehen.




"Half Life" von Sharon Eyal und Gai Behar.

„Your Passion is pure joy to me“ von Stijn Celis und „Half Life“ von Sharon Eyal und Gai Behar in der Komischen Oper in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Premierenabend wird mit dem Gastspiel „Your Passion is pure joy to me“ des belgischen, international führenden Choreographen Stijn Celis eröffnet, der Ballettdirektor am Saarländischen Staatstheater ist. Der Titel seiner Choreographie, die ihre Uraufführung 2009 in Göteborg hatte, bezieht sich auf einen Choral von J.S. Bach, wird jedoch von romantisch-dramatischen Liedern von „Nick Cave and The Bad Seeds“ untermalt, die sehr zu Herzen gehen. Seine Lieder kreisen um das Thema Gläubigkeit und wie man trotz quälender Erinnerungen überleben kann, ohne zu zerbrechen.

Die Tänzer*innen des Staatsballetts Berlin, Jenna Fakhoury, Sarah Hees-Hochster, Ross Martinson, Johnny McMillan, Eoin Robinson, Lucio Vidal und Xenia Wiest, agieren auf nackter, schwarzer Theaterbühne. In legerer Alltagskleidung zeigen sie individuelle und eigenständige Ausdrucksformen in der Balance zwischen Leid und Trost, zwischen Schmerz und Heilung. Im Kontrast zu Caves Musik steht die Musik der Avantgardekünstler Pierre Boulez und Penderecki, die in der Mitte des Tanzwerks einen Kontrapunkt setzen mit kakophonischen Klangwelten. Am Ende versöhnt klanglich ein Klavierstück des kubanischen Jazzpianisten Gonzalo Rubalcaba – leichtfüßig und elegant von den TänzerInnen wiedergegeben – welch ein Hochgenuss.

Das nach der Pause gezeigte Tanzstück „Half Live“ von Sharon Eyal und Gai Behar mit der Musik von Ori Lichtik sprengt alles bisher Gesehene an Ballettchoreographien! Uraufgeführt wurde es am 11.2.2017 vom Königlich Schwedischen Ballett Stockholm.
Sharon Eyal, eine israelische Choreographin, ist eine der herausragenden „Player“ der zeitgenössischen Tanz-Szene. Ihre Kreation ist von der legendären Batsheva Dance Company geprägt. Von den Tänzer*innen des Staatsballetts Berlin Sarah Brodbeck, Filipa Cavaco, Weronika Frodyma, Gregor Glocke, Mari Kawanishi, Olaf Kollmannsperger, Konstantin Lorenz, Ross Martinson, Johnny McMillan, Ilenia Montagnoli, Danielle Muir, Daniel Norgren-Jensen und Federico Spallitta wird in atemberaubender Art und Weise – atemberaubend auch für die Zuschauer – das Maximum an tänzerischem Können bis fast zur Erschöpfung abverlangt.

Die sehr laute, wuchtige technobeat-artige Musik von Ori Lichtik wummert bis auf den Solarplexus und erzeugt mit ihrem Spannungsbogen einen magnetisierenden, hypnotisierenden, tranceähnlichen Zustand zu dem die Tanzer*innen in Nude-Look-Kostümen (hautfarbenen Höschen und Bustiers) wie Androiden oder Humanoiden-Roboter aus einem Science-Fiction-Film, von einem anderen Stern entsprungen die Erde erkundend, auf nackter Theaterbühne mit nebeligem Hintergrund stakkatoartig die meist immergleichen Bewegungen wie in Zeitlupe wiederholen. Assoziationen an „Wir sind die Roboter“ von „Kraftwerk“ kommen auf! Ihre Körper glänzen vom Schweiß während ihrer athletisch-ästhetischen Performance. Im Mittelpunkt stehen anfangs ein Mann und eine Frau – Adam und Eva? Sie wiederholen minutenlang zur Trancemusik die gleichen Bewegungen – die Trance überträgt sich auf die Zuschauer*innen. In Hintergrund, in extremem Zeitlupentempo kommt eine Gruppe herbei, die die beiden im Verlauf der Choreographie wie in Schwarmintelligenz umgibt mit diesen ständig roboterähnlichen Bewegungen, teilweise im Herzschlagrhythmus kollektiv zuckend, auseinanderstiebend, unterbrochen von Spitzentanz-Passagen comme d’habitude. Es wirkt, als ob das kollektive Unterbewußtsein Adam und Eva umtanzt. Mit amimischen Gesichtern, die Haare straff gebunden, schauen die Tänzer*innen teilweise fordernd und herausfordernd die Zuschauer*innen an, was beklemmend schön wirkt. Ein Schrei formiert sich auf dem Gesicht eines Tänzers – wie bei Edward Munchs Gemälde „Der Schrei“. Arme ragen wogend aus der wabernden, zuckenden Masse, zeigen nach oben, weisen auf irgendwas (Bedrohliches?), drehen die Köpfe gleichzeitig (nach Was?) – die Musik wird fauchend wie ein abfahrender Zug – schlimme Assoziationen kommen auf! Ist es zu weit gegriffen, an Traumaverarbeitung zu denken? Immerhin ist es ein israelisches Stück.

Oder ist es das ewig menschliche Drama über den „Ernst des Seins“? In jedem Fall ist es ein Stück, dass zum tieferen Nachdenken anregt.

Im Schlussbild ist wieder die Frau, Eva (?), das ewig Weibliche (?) das Zentrum, um das alles wie in Derwischtänzen kreist. Sie wiederholt die monotonen, rhythmisch-zierlichen Bewegungen der Anfangssequenz, während die Gruppe im Hintergrund zu immer ekstatisch werdender Musik ihren athletisch-ästhetischen Tanz in wildem Reigen durchführt und immer wieder dramatisch-ergreifend wirkende Gruppen bildet, die wie eine Metapher wirken für (?). Sie muten zum Beispiel an wie die altgriechische Skulptur „Laokoon-Gruppe“, die den Todeskampf Laokoons und seiner Söhne zeigt. Das Choreographie-Bild erinnert auch an Auguste Rodin’s Plastik „Die Bürger von Calais“, angesehene Bürger, die sich freiwillig opfern wollten, um mit ihrem Leben die Vernichtung der Stadt zu verhindern. Die Choreographie apelliert an Urinstinkte von Angst, Furcht, Gruppe, Individuum und Magie! Sie ist eine einzige Fragestellung an die Zuschauer*innen.

Es ist eine unglaublich brilliante, mitreißende Präsentation tänzerischen und choreographischen Könnens voller Power und Dynamik!

Es gab tosenden, frenetischen, nicht enden wollenden Schlussapplaus.




Ballett (Symbolbild).

Verlangen hoch drei – Ballette von Stijn Celis, Jiří Kylián und Andonis Foniadakis

Saarbrücken, Deutschland (Kulturexpresso). Im für Millionen hervorragend renovierten Staatstheater Saarland gibt es Feuer und Ekstase – das Saarländische Staatsballett, ein internationales Ensemble choreographiert vom renommierten, belgischen Ballettdirektor Stijn Celis reißt alle zu Begeisterungsstürmen von den sehr bequemen Stühlen.

Drei Choreographien von weltberühmten Choreographen werden präsentiert: „Your Passion is pure joy to me“ (Musik ursprünglich von Johann Sebastian Bach), choreographiert von Stijn Celis wird von „Nick Cave and The Bad Seeds“ romantisch-dramatischen Songs untermalt, die sehr zu Herzen gehen. Seine Songs kreisen um das Thema Gläubigkeit und wie man trotz quälender Erinnerungen überleben kann, ohne zu zerbrechen. Die sieben TänzerInnen in legerer Alltagskleidung zeigen individuelle und eigenständige Ausdrucksformen in der Balance zwischen Leid und Trost, zwischen Schmerz und Heilung. Im Kontrast zu Caves Musik steht die Musik der Avantgardekünstler Pierre Boulez und Penderecki, die in der Mitte des Tanzwerks einen Kontrapunkt setzen mit kakophonischen Klangwelten. Am Ende versöhnt klanglich ein Klavierstück des kubanischen Jazzpianisten Gonzalo Rubalcaba – leichtfüßig und elegant von den TänzerInnen wiedergegeben – welch ein Hochgenuss.

Weiter geht es mit der Choreographie „27‘52“ von Kiri Kylián nach Musikmotiven aus Gustav Mahlers „Sinfonie Nr. 10“. Die sechs TänzerInnen bat Kylián vor der Inszenierung von ihnen selbst gewählte Texte zu sprechen, die dann während des Tanzes sowohl vorwärts als auch rückwärts abgespielt wurden. Sprüche des Kampfkunst-Schauspielers Bruce Lee oder „Darf ich Sie fragen, wer Sie sind?“ aus Martin Scorseses Film „Kundun“ über den Dalai Lama oder auch „Der Albatros“ von Charles Baudelaire werden hier tänzerisch kunstvoll und atemberaubend getanzt.

In der dritten Choreographie „Selon désir“ des Griechen Andonis Foniadakis geht dann endgültig „die Post ab“ – zur Musik von J.S. Bach (Eröffnungschöre aus der Matthäus- und Johannespassion). Was man sonst nur auf Fotos sieht, wenn sich Arme und Beine sehr schnell bewegen, ist hier life zu sehen – die Bewegungen sind so schnell, dass die Augen die Bilder nicht richtig zusammensetzen können und man Mehrgliedrigkeit zu sehen glaubt. Lange, wild herumfliegende Haare, alle in griechisch anmutenden Kostümen, die Tänzer tragen die typischen griechischen Röcke – Feuer und wilde Bewegung – es ist unglaublich, was das Ensemble hier an Feurigkeit zu bieten hat.

Laut Foniadakis geht es bei „Selon désir“ um einen Gang durch das Feuer – das Leben als permanenter Kampf. „Himmel“ und religiöser Aufschwung werden gefolgt von „Hölle“, dem Chaos der Seele, Seelenqualen, Anarchie.

Atemlos bleibt man als Zuschauer zurück – wunder-, wunderschön! Tosender Beifall des Publikums folgte.




Als die Römer frech geworden – Antike römische Villen und Tempelanlagen an der Mosel

Trier, Deutschland (Kulturexpresso). Viele Wege führen bekanntlich nach Rom – genauso führen sie jedoch von Rom weg. Auf ihren Eroberungsfeldzügen führten die leichengepflasterten, blutigen Wege der Römer auch an die Mosel. Auf beiden Seiten der Mosel findet man viel Relikte ihrer damaligen Ursurpatoren-Gewaltherrschaft, Villen, Götter-Tempelanlagen, Gladiatorenschule und vieles andere mehr.

Der römische Kaiser Augustus residierte in Trier. Seine Subalternen ließen sich in der weiteren Region prächtige Villen von ihren Sklaven bauen. Eine davon, die Villa Borg – unweit Perl – wurde rekonstruiert. Eine kundige Führung durch eine Trierer Gästeführerin, verkleidet als Patrizier-Hausherrin der damaligen Zeit, erklärt der Gruppe von disziplinierten Lateinschüler*innen die damaligen Gepflogenheiten und Errungenschaften.

Porta Negra in Trier.
Ein Blick auf die ab 170 nach unserer Zeitrechnung errichtete Porta Negra in Trier. Quelle: Pixabay

Ja, sie hatten Fußbodenheizung – wirklich erstaunlich! Auch Latrinen, die mit Wasser gespült wurden. Das Reinigungswerkzeug der damaligen Zeit, ein auf einen Stock gespießten Schwamm, erklärte uns die Frau und dass dieses Utensil nach in Wassertunken von allen benutzt wurden – alle saßen auf derselben Toilette zur selben Zeit. O tempores, o mores!

Die Badekultur ist ebenfalls erstaunlich: ein Raum beherbergt ein riesiges Kaltwasserbad, Frigidarium, ein anderer ein riesiges Warmwasserbecken, Kaldarium. Erhitzt wurde das Wasser im Souterrain – von Sklaven, wie sich „versteht“, und dann in einer Warmwasserleitung in das Becken geleitet. In einem Tepidarium stand dann eine Badewanne. Auch, dass die Hausherrin einen Stuhl hatte, der niedriger war, als der ihres Gatten, wurde erklärt und dass dieser das Recht hatte, ein neugeborenes Kind entweder anzunehmen oder zu verstoßen (wenn es zum Beispiel missgebildet war). Die alten Römerinnen hatten nicht viel zu lachen, scheint’s! In puncto Gleichberechtigung hat sich ja bis heute nicht so viel geändert.

Die Villa Borg bietet einen sehr eindrucksvollen Rundum-Einblick in die Hochkultur der Römer, die sie aus SklavInnen mit deren Blut, Schweiß und Tränen herauspressten.
Ein eingegliedertes Restaurant mit teilweise alten römischen Speisen dient auch als Ausflugsziel neben dem Sightseeing.

Opus tes­se­la­tum – ein römisches Fußbodenmosaik in Nennin an der Mosel. © 2018, Foto: Eva-Maria Koch

Ein paar Kilometer weiter befindet sich in Nennig, ebenfalls an der Mosel auf der deutschen Seite, das „besterhaltenste Fußbodenmosaik nördlich der Alpen“, so der Hüter des darüber errichteten Besucherhauses. Er erklärt vorzüglich, wie die Römer hier alles in Beschlag nahmen. Der Hausherr der Anlage, die zu dem Fußbodenmosaik gehörte, war wohl ein Steuereintreiber, der auch eine riesige Gladiatorenschule betrieb. Hier wurden versklavte Männer gezwungen und geschult, sich gegenseitig zur Belustigung primitiver Menschen in dem Amphitheater im nahegelegenen Kaisersitz Trier abzuschlachten. Von dieser Anlage gibt es jedoch lediglich ein Modell zu bestaunen – archäologische Ausgrabungen finden ständig und permanent statt – die ganze Gegend ist ein einziges archäologisches Fundstück.

Auf Reservierung hin wird auch ein Film gezeigt, der die Anlage und das damalige Leben erklärt. Nicht nur Lateinschüler kommen scharenweise, auch von anderen Kontinenten finden die alten Römer Anklang – ein Filmteam kam aus den USA – sie wollten nur wirklich authentische alte Römerrelikte filmen – die nachgebaute Villa Borg fiel durch’s Raster – so der Angestellte. Er hat viel zu erzählen und überfüllt ist es dort nicht.

Eine römische Tempelanlage in Tawern an der Mosel. © 2018, Foto: Eva-Maria Koch

Noch mehr Römerkultur gibt es im ein paar weiter gelegenen Tawern zu bestaunen – eine exzellent erhaltene Tempelanlage mit mehreren Häusern zu Ehren Jupiters trohnt mit Weitblick bis nach Trier hoch in der Hügellandschaft.

Auf der luxemburgischen Moselseite befindet sich hoch in den Weinbergen bei Bech-Kleinmacher gelegen, eine ebenfalls gut erhaltene Villa, deren Terrasse einen unbezahlbar schönen Panoramablick auf die Weinberge und die Mosel bietet. Eine nachträglich dorthin gestellte Hollywoodschaukel lädt zum Chillen ein während die Augen die Schönheit genießen dürfen.

Archäologiepark Römische Villa Borg, Im Meeswald 1, D-66706 Perl
Tel (0 68 65) 9 11 70. Geöffnet ab 11 Uhr.
(Angaben ohne Gewähr)




Luxemburger Philharmonie.

Musik liegt in der Luft der Stadt Luxemburg

Luxemburg (Kulturexpresso). “Paris-Paris!” entzückt in der Philharmonie Luxemburg Klein und Groß. Ein Quartett von fidelen Musikern, genannt „die Schurken“, geht auf musikalische Zeitreise durch Paris mittels einer Zeitreisemaschine, bei der die überwiegend Kinder im Publikum kräftig mitmachen müssen, um eine Geräuschkulisse zu erzeugen mit Pfeifen, Zischen und vielen anderen Geräuschen mehr, die so eine Zeitmaschine eben erzeugen kann.

„Sous le ciel de Paris“ und andere mehr oder minder bekannte Weisen begleiten die Suche nach einer bestimmten Komposition und einem bestimmten Komponisten. Die Reise des Musiktheaters führt in die Années folles 1923, dann in die Vorkriegszeit und springt ständig hin und her, da der Komponist endlich gefunden wurde. Um seine Melodie zu Papier bringen zu können, müssen sie jedoch auf den Eiffelturm kraxeln, damit er den Panoramablick mit der nötigen Weitsicht hat. Alles in allem ein kurzweiliges Stück, in dem die Kinder begeistert mitmachen. Die Philharmonie Luxemburg ist breit aufgestellt – nicht nur hervorragende Klassik wird geboten, sondern auch viel populäre Musik.

Nach so viel Begeisterung lohnt noch ein Abstecher in die Luxemburger Altstadt, wo überall Musik erschallt – das Festival Fete de la Musique in Luxemburg wird im ganzen Land und auch in der Hauptstadt gefeiert.

Auf der Place Guillaume II zeigen Abschlussschüler des Konservatoriums ihr ausgezeichnetes Können, zum Beispiel am Piano, während unweit davon auf der Place d’Armes eine Big Band „Memory“ das internationale Publikum der europäischen Hauptstadt zu Filmmusiktiteln wie „Mission impossible“ oder auch „Summerwine“ von Gershwin zum Mitswingen bringt.




Ausstellung "Legende Queen Elisabeth II." im Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

Queen Elizabeth II. in Gemälden, Fotografien, Briefmarken, Münzen und Medaillen aus der Sammlung Luciano Pelizzari – Ausstellung „Legende Queen Elisabeth II.“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Völklingen, Saarland (Kulturexpresso). „Es war nicht geplant, dass das Datum der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle mit der Ausstellungseröffnung zusammenfällt“, erklärt verschmitzt lächelnd Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des saarländischen zum Kultur- und Sciencecenter umfunktionierten Ex-Stahlproduktions-Weltkulturerbes auf der Pressekonferenz im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Er ergänzt: „Wir hatten das Datum schon früher festgelegt“ und fügt an, dass die Ausstellung „Legende Queen Elisabeth II.“ die dritte Ausstellung zum Thema Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland und die Motivation der „Brexit“ sowie die Zeitgeschichte gewesen sei.

Die 450.000 Euro teure Ausstellung mit ihren 1.500 Exponaten umfasse vier Stränge: 1. Die geschichtliche Biografie der Queen von ihrer Geburt bis heute, 2. Die über Jahrzehnte hinweg entstandene Sammlung Luciano Pelizzaris mit Fotos unterschiedlicher Künstler (Leibovitz e.a.), 3. eine historische, millionenschwere Briefmarkensammlung aus dem gesamten Commonwealth mit Queen- und Königsfamilie-Portraits, „vor der sich Philatelisten aus der gesamten Welt hinknien“, so Prof. Grewenig, „samt blauer und roter Mauritius und die schwarze Penny Black. Die Briefmarkensammlung der Queen ist die größte der Welt.“ und 4. Erinnerungsporzellan aus der Sammlung Marina Minelli. Es sind historische Porzellane und Teeservice, die speziell anlässlich der Krönungs- und Hochzeitszeremonien der britischen Königs-und Königinnenhäupter speziell angefertigt wurden. Das Krönungsporzellan der Queen – ein Musthave für alle Briten, so Prof. Grewenig. Prince Harry und die zukünftige Prinzessin Meghan sind noch nicht dabei – sie heiraten heute!

„Und nun hier ein Goldschatz“, lockt Ausstellungsleiter Frank Krämer die zahlreich erschienene Pressemeute zu gesicherten Glasvitrinen – Goldmünzen mit Konterfeis Elisabeth II. und auch ihrer Familie.
Ob denn auch etwas anderes gezeigt werde als nur die Hochglanzseiten, will eine Kollegin wissen –
an Bildern wären hier zu erwähnen das ungewöhnliche Portrait Lucian Freuds, Andy Warhols respektabler Siebdruck in bekannter Manier, den er zwei Jahre vor seinem Tod fertigte oder auch „God save the Queen“ von Jef Aerosol, der sie in seinem Sprühlackportrait einfach zusammen mit einem „Sexpistols“-Mitglied auf ihrem Plattencover „God save the Queen“ abbildet, auch das Drama um den Tod Lady Dis wird dokumentiert.

Herausragend und beeindruckend ist nach wie vor die Haltung der jungen, extrem hübschen Elisabeth, die in den Kriegsjahren gegen Nazi-Deutschland ihrem Volk schon als Adoleszente in Radioansprachen Mut machte „Wir als Kinder…“ und auch lernte, Lastwagen zu fahren und zu reparieren. Die zu sehenden Fotos und zu hörenden Radioauszüge aus dieser Zeit zeigen den Mut und edlen Charakter dieser unvergleichlichen Ikone.

„Die Queen ist die am meisten dargestellte Person des 20. Jahrhunderts“, sagt Prof. Grewenig, „die alle Präsidenten der USA und Deutschlands getroffen hat, um nur zwei Beispiele zu nennen.“

„Mein Sohn sagt, die Queen sei wie seine Großmutter für ihn“, erzählt eine französische Kollegin. Ja, sie hat uns alle schon seit unserer Geburt begleitet und dank ihrer Disziplin bis heute, bis sie sich durch Charles eines Tages in den wohlverdienten Ruhestand versetzen lassen wird.

Wird ein zehnminütiges Video am Anfang der Ausstellung die Queen-Fans und Royalty-Interessierten heute vom Fernseher weglocken, wenn Millionen vor den TV-Empfängern die Prunkhochzeit ihres Enkels Harry mit Meghan gebannt verfolgen? Sicher in der Folgezeit – gerechnet werde mit 50.000 Besuchern, meint Prof. Grewenig.

Die Ausstellung in der Völklinger Hütte findet vom 19. Mai 2018 bis zum 6. Januar 2019 statt.




João Penalva im Mudam in Luxemburg.

João Penalva im Mudam in Luxemburg – Ausstellung vom 3. März bis zum 16. September 2018

Luxemburg (Kulturexpresso). Und wieder einmal zeigt es sich, dass sich über Geschmack streiten lässt. Unbestreitbar ist, dass die erste monografische Ausstellung des in London lebenden portugiesischen Künstlers João Penalva im Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, kurz Mudam, in Luxemburg von hoher Kunstfertigkeit und Geschmack auf seine Art zeugt. Ob es einen anspricht, ist jedoch eine andere Sache, und hier zeigt sich die Freiheit der Kunst und des Kunstempfindens. Die Ausstellung begann am 3. März und soll bis zum 16. September 2018 laufen.

João Penalva im Mudam in Luxemburg.
Ein Blick in die João-Penalva-Ausstellung im Mudam in Luxemburg. © 2018, Foto; Eva-Maria Koch

Sehr duster und betont dunkel gehalten wirken die Werke – was sicher viele anspricht, aber nicht unbedingt alle. Gezeigt werden Werke von 2001 bis heute, mit denen der Künstler die 700 m² im Untergeschoss des Museums „bespielt“. In einem der mit roten Samtvorhängen verhangenen Räume, empfiehlt es sich, vorher die Taschenlampenfunktion seines Smartphones auf Funktionstauglichkeit zu testen, damit man sich zurecht findet, denn so schnell adaptieren sich die Augen nicht auf das Dunkel, das nur ein geheimnisvolles Dämmerlicht zu durchdringen – es besteht Stolpergefahr.

Dabei handelt es sich um die monumentale Installation Pavlina and Dr. Erlenmeyer (2010). Diese sich über zwei Räume erstreckende Arbeit erzählt zunächst, in der gedämpften Atmosphäre eines Ausstellungsraums, vom Leben des deutschen Chemikers Carl Emil Erlenmeyer (1825-1909), dessen Forschungen zur Entdeckung des Naphthalins geführt hatten. Im zweiten Raum nimmt der Albtraum von Pavlina, einer pensionierten Insektenforscherin, Gestalt an in Form des beweglichen Bildes einer gigantischen Kleidermotte. Als Meister der Inszenierung geleitet der Künstler mit leichter Hand sein Publikum mit seinen minutiösen Kompositionen durch fiktive und vieldeutige Welten. Durch einen Türspalt entdeckt der Besucher Door (2018), ein neues vom Mudam produziertes filmisches Werk.

João Penalva im Mudam in Luxemburg.
Ein Blick in die João-Penalva-Ausstellung im Mudam in Luxemburg. © 2018, Foto; Eva-Maria Koch

Penalvas international renommiertes Werk umfasst sowohl Einzelarbeiten von persönlichem Charakter als auch raumgreifend inszenierte Installationen, in denen Malerei, Fotografie, Dokumente, Text und Ton sich zu visuellen Erzählungen verbinden und die den Besucher in ein künstlerisches Universum entführen, das zwischen dem Realen und dem Fiktiven oszilliert.
Im Foyer des Museums werden die großformatigen und ungebundenen Bücher, die der Künstler seit 2007 ausstellt, so auf Tischen präsentiert, dass der Betrachter sitzend in ihnen frei blättern kann. Zu den zehn bereits existierenden Büchern kommen zwei neue hinzu, Michio Harada (2015) und Boro (2017), in denen Penalvas Interesse für Asien, und insbesondere für die japanische Kultur und Ästhetik, zum Ausdruck kommt.

Anlässlich der Ausstellung publiziert das Mudam gemeinsam mit Edition Cantz The Asian Books, wo erstmalig alle Künstlerbücher mit einem Bezug zu Asien, sei dieser faktisch oder fiktiv, vereint sind.

João Penalva im Mudam in Luxemburg.
Ein Blick in die João-Penalva-Ausstellung im Mudam in Luxemburg. © 2018, Foto; Eva-Maria Koch

Scheinbar mühelos wechselt Penalva von einem Medium zum anderen: So übernimmt er auch die künstlerische Leitung einer außergewöhnlichen Veranstaltung, die den Endpunkt seiner Ausstellung bildet. Es handelt sich um die von der National Ballet Company of Portugal produzierte Tanzaufführung Fifteen Dancers and Changeable Tempo, die am 15. September 2018 im Grand Théâtre in Luxemburg zu sehen sein wird.

João Penalva, geboren 1949 in Lissabon, begann seine Laufbahn als professioneller Tänzer, er arbeitete in Tanzkompanien von international bekannten Choreografen wie Pina Bausch und Gerhard Bohner, um sich schließlich in London niederzulassen wo er 1981 sein Studium an der Chelsea School of Art abgeschlossen hat. 1996 vertrat er Portugal auf der Biennale von São Paulo und 2001 auf der Biennale von Venedig, er stellte ebenfalls 2001 auf der Berliner Biennale und 2002 auf der Biennale von Sydney aus. Einzelausstellungen hatte er u.a. in folgenden Institutionen: Camden Arts Centre, London und Tramway, Glasgow, 2000; The Power Plant, Toronto, 2003; Serralves Museum, Porto, und Ludwig Museum, Budapest, 2005; Irish Museum of Modern Art, Dublin, 2006; Lunds Konsthall, Lund, 2010; Calouste Gulbenkian Museum, Lissabon, 2011; Kunsthallen Brandts, Odense, Dänemark; Berlinische Galerie, 2012; Royal Festival Hall, London, 2013; Trondheim Kunstmuseum, Norwegen, 2014. Ebenfalls nahm er an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, darunter in folgenden Institutionen: Haus der Kunst, München; Folkwang Museum, Essen; Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21, Düsseldorf; Museum of Contemporary Art, Taipei; KIASMA Museum of Contemporary Art, Helsinki; Contemporary Art Center, Vilnius; Australian Centre for Contemporary Art, Melbourne; Wellcome Collection, Hayward Gallery, und Tate Modern, London. Im Jahre 2003 erhielt er ein Stipendium für das Berliner Künstlerprogramm des DAAD.

Wer es etwas fröhlicher, heller, erheiternder, witziger und lichter mag, kann unter den drei Parallelausstellungen im Mudam in Luxemburg die der Eurasierin Su-Mei Tse wählen, die alle Räume des Erdgeschosses bespielt.




Don Giovanni

Dunkel war’s! – Don Giovanni an der wiedereröffneten Staatsoper Berlin Unter den Linden – Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Handlung des Stücks Don Giovanni aus der Feder von Wolfgang Amadeus Mozart nach einem Libretto von Lorenzo Da Ponte ist schnell erzählt: Wundervolle Arien begleiten einen sexsüchtigen Maniac, der sein scham- und charakterloses Sexsucht-Unwesen bis zum Mord betreibt. Ein vollkommen enthemmter Don Giovanni demütigt alle Betroffenen (insbesondere die Damenwelt) bis aufs Blut und letztendlich wird der Wüstling vom Jenseits mit dem Tod bestraft.

Die Staatskapelle Berlin unter der musikalischen Leitung von Allessandro de Marchi und Sänger*innen wie Christopher Maltmann (Don Giovanni), Donna Anna (Maria Bengtsson), Paolo Fanale (Don Ottavio), Donna Elvira (Dorothea Röschmann), Leporello (Mikhail Petrenko), Zerlina (Anna Prohaska) bieten einen hochkarätigen Musikgenuss und lassen die erstklassige Akustik im Saal zur Geltung kommen.

Inzenierung von Claus Guth: Über Geschmack lässt sich streiten oder doch nicht? Es wurde in der Inszenierung an allem gespart: Strom, da kaum Licht auf der Bühne, Bühnenkosten, da 3 Stunden ständig ein dunkler Wald sich um die eigenen Achse drehte (für die Bekämpfung des Klimawandels ist Stromsparen ja angesagt!) und auch die Kostüme waren eine Enttäuschung („Gammlerlook – dunkel, versteht sich! – second hand vom Flohmarkt gekauft?). Man hat in Berlin schon kreativere, espritvollere Bühneninszenierungen gesehen, wenn schon provoziert oder etwas unterstrichen werden soll! Es stand zwar Mozart drauf – es war optisch jedoch kein Mozart drin!

„Dramma giocoso“ heißt eigentlich „lustiges Drama“. Hier zeigte sich jedoch ein „Dramma depressiva“. Giocosa wurde jedoch durch das ständige Dusterdunkel konterkariert, dass sich durch das depressive Bühnenbild auf Mozarts fröhliche Musik wie „The Fog“ legte und in keinster Weise Mozarts fröhlicher Musik gerecht wurde, insbesondere durch mangelnde Ästhetik! So war es z.B. irritierend und vom Hochgenuss des Gesanges ablenkend, wenn von einer besonders exquisiten Weinsorte gesungen wurde, die man trank – mit einer Bierdose in der Hand! Schade! Erhellend war es auch nicht, aus diesem Dusterdunkelwald auf einmal mit Autoscheinwerfern von einem im Wald auftauchenden Autoo geblendet zu werden, die ins Publikum gerichtet waren! Ging es darum, dass das Publikum möglichst wenig von den Protagonisten sehen sollte, die kaum ausgeleuchtet waren auf dieser ewig dunklen Bühne – durch Blendung sieht man erst recht nichts, abgesehen davon, dass es sehr unangenehm ist! (Sonnenbrille nicht vergessen!)

Als der fröhliche lebenslustige Mensch, wie Mozart geschildert und in Filmen dargestellt wird, wäre er sicher damit auch nicht einverstanden gewesen!

In jedem Fall hat die düster-dunkle Bühneninszenierung den herausragenden Musikgenuss erheblich gemindert. Was will uns der Künstler damit sagen, dass sich auf der neuen, teuren Drehbühne über die 3:15 Stunden (mit Pause) ständig der Schwarzwald um die eigene Achse zu drehen scheint: Riesige Nadelbäume ragen in den Bühnenhimmel – im Dunkeln! Geht es um „die dunkle Seite der Macht“ oder einen Seitenhieb auf „Dunkel-Deutschland“ bzw. „Dunkel-Österreich“ – die Inszenierung wurde aus der Geburtsstadt Mozart’s Salzburg importiert. Ist der allgegenwärtige Esprit Mozarts vielleicht mit der kaum noch scheinenden Wintersonne perdu gegangen – alles dunkel oder was? Vielleicht war es auch nur gut gemeint mit den Großstädtern, die zu wenig Natur zu Gesicht bekommen? Saurer Regen, Klimawandel? Nichts gegen Nadelwälder, aber auf der Bühne im Dunkeln nicht sehr witzig! Genug spekuliert – über Geschmack lässt sich streiten!

Schade, ein witziges, kreatives, von Esprit flirrendes Bühnenbild hätte der wundervollen gesanglichen, unter die Haut gehenden Gesangsdarbietung aller Künstler*nnen noch mehr Glanz verleihen können. Viel Zwischenapplaus und frenetischer Schlussapplaus zollte den Sänger*innen und dem Orchester Applaus.

Zur renovierten Staatsoper Unter den Linden

Rein optisch hat sich an der „Staatsoper Berlin Unter den Linden“ durch die Jahre dauernden Renovierungsarbeiten kaum etwas verändert im Zuschauerraum. Die Sitze sind bequemer geworden, die Akustik sowieso. Der neue „Apollosaal“, der auch für die Pause genutzt werden kann, betört durch seine Kristalllüster und Dekors.