5. Urban Art Biennale unlimited in der Völklinger Hütte

Völklingen, Deutschland (Kulturexpresso). „Die Urban Art Biennale in der Völklinger Hütte ist eine Erfolgsgeschichte, seit wir sie 2011 ins Leben riefen, eigentlich als einmaliges Ereignis gedacht“, teilt Generaldirektor Prof. Dr. Meinrad M. Grewenig mit. „Als sich sehr versierte, meist junge, englischsprachige 60.000 Kenner der Szene aus aller Welt zeigten, beschlossen wir die Fortführung“, lässt er uns weiter wissen.

Mittlerweile besuchten mehr als 400.000 Besucher die Biennalen und auch die Fünfte scheint in der Völklinger Hütte, die UNESCO-Weltkulturerbe ist, gut zu laufen.

„Urban Art ist die Kunst des 21. Jahrhunderts, fährt er auf der Pressekonferenz mit anschließender Führung fort, „wer sich dem verschließt, ist an der Zeit vorbeigegangen.“ In der Tat zeigen sich während der Führung durch den Kurator Frank Krämer auf dem großen Industriegelände äußerst kreative Kunstwerke von hoher Qualität von 100 Künstlern aus 4 Kontinenten wie Cope2 (USA), Dran (Frankreich), Frau Isa (Österreich), Liu Bolin (China), Katre (F), Mambo (USA/Chile), Mentalgassi (D), Tec (Argentinien), Aya Rarek (Ägypten). Was einst als Graffity-Sprühdosenkunst auf Häuserwänden startete, ist spätestens seit Banksys millionenschwerem „kaputten“ Kunstwerks, ein Bild vom Mädchen mit dem Ballon wurde auf einer Versteigerung in London geschreddert, auch den Konservativsten ein Begriff geworden. Längst ist diese Art von Stadtkunst etabliert und gesellschaftsfähig.

Die Künster haben sich auch im Laufe der Jahre qualitativ weiterentwickelt, wie sich zum Beispiel an einer Variation des „Le déjeuner sur l’herbe“ von Monet von Jean Faucheur zeigt. Der Pionier der ungenehmigten Kunstintervention im öffentlichen Raum Frankreichs kombiniert mit Spraydose auf bedrucktem Papier die Techniken des Graffiti und des Pointilismus.

Auch einige wenige Frauen werden ausgestellt, darunter Miss Van, die sich Ihren Platz in der Männerdomäne gesichert hat. Vanessa Alice Bensimon wird als eine der besten female painters der internationalen Graffitiszene bezeichnet. Sie hat sich über Street Art zu Atelierpraxis hin entwickelt.

Ein breites qualitativ hochwertiges Spektrum von Motiven ist zu sehen: Comic-Interpretationen, Sozialkritik von des Norwegers „Pøbel“ (norw. für Hooligan), der mit seinem „Portrait of a pipe-smoking fisherman“ auf den Untergang der Fischerkultur hinweisen will. Durch die Privatisierung der Fischrechte sind Lebensgrundlagen vernichtet worden.

Bei „Mardi Noir“, Jean Baudrillar, dreht sich vieles um „Signalethique“ (die Wissenschaft der Signalgebung). Die falsche Übersetzung Signalethik trifft jedoch eher den Kern seiner Botschaft. Wie eine Ansammlung verwitterter alter Plakate soll sein Werk auf die Vergänglichkeit von Autoritäten hinweisen.

Der
Berliner „Rocco und seine Brüder“ sind mit Interventionen in der
Berliner U-Bahn bekannt worden. Eine Installation aus Glasfenstern
(geklaut in der Berliner U-bahn) die die Bildsprache dieser mit der
Bildsprache von Kathedralen verbindet „Only God Forgives“.

Die
Vielfältigkeit dieser phantastischen Kunstwerke zu entdecken
erfordert viel Zeit – über das ganze Industriegelände sind sie
verstreut zu finden.

Die international Bewegung des „Style Writing“ (Graffiti Writing) hat auch die arabische Welt erobert. Die arabische Schrift-Kalligraphie bietet mehr Möglichkeiten im Graffity-Style als die lateinische Schrift, da sie in allen arabisch-sprechenden Ländern verstanden wird. Auch hier zeigt die Biennale-Werke z.B. des Beiruter Libanesen Ghabel Awila. Dieser studierte Grafikdesign und klassische arabische Kalligraphie und verschrieb sich dieser Kunstform. Geometrische Konstruktion und ausdrucksstarke Handschrift machen traditionell die Basis des Writing aus – was einen Zusammenhang mit Urban Art bildet.

„Ein Schwerpunkt sind der Libanon und Ägypten“, erklärt der Kurator Frank Krämer beim Rundgang, „als Hinweis auf die am 18. Mai 2019 beginnende Ausstellung „PharaonenGold“ über 3000 Jahre altägyptische Hochkultur.

Bananensprayer Thomas Baumgärtel: Brexit. Stay with us!, 2019
317 x 178 cm
Sprühlack auf Leinwand
© Copyright Foto: Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Foto: Karl Heinrich Veith

Am Ende fügt der “Bananensprayer” Thomas Baumgärtel noch ein hochaktuelles Werk mit “Brexit. Stay with us“ bei. In dem sprühte er Queen Elisabeth II eine Bananenkrone auf und staffierte sie mit einem blauen Auge aus. Schau’n wir mal, ob wir alle mit einem blauen Auge davon kommen in Bezug auf den Brexit.

Bei
der Biennale-Eröffnung am 14. April 2019 wird neben
Urban-Art-Tanzperformances von OSMOSIS der madrilenische
Urban-Art-Künstler SpY die stillgelegten Schornsteine des
Industriekulturerbes, die ehedem die gesamte Umgebung vergifteten, in
einer pyrotechnischen Performance rosaroten Rauch spucken lassen, als
Zeichen für….? Alles rosarote Wolken?

„Unlimited“
heißt die Biennale, weil sie in unendlich vielen Kunst-Kooperationen
agiert, wie „Le Mur“ (Paris) und „Fluctuart“ – das neueste
auf der Seine schwimmende UrbanArt-Projekt in Paris sowie dem
Urban-Art-Museum Mausa Vauban im elsässischen Neuf-Brisach in der
Weltkulturerbe-Festung Vauban sowie „The House“ in Berlin sowie
weiteren begleitenden Partnerprojekten z. B. im Europäischen
Kulturpark Bliesbruck-Reinheim.

Die 5. Urban Art Biennale Unlimited ist noch bis zum 3. November 2019 zu sehen.




Neu im Mudam: „Bert Theis, Building Philosophy – Cultivating Utopia“

Luxemburg (Kulturexpresso). In der Pressekonferenz des Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean (Mudam) in Luxembourg mit anschließender Führung wurde die beeindruckende und beträchtliche Retrospektive des sozialkritischen und philosophischen Künstlers Bert Theis, der von 1952 bis 2016 lebte unter dem Titel „Building Philosophy – Cultivating Utopia“ präsentiert.

Enrico Lunghi, ehemaliger künstlerischer Leiter des Mudam und aktueller Kurator, führte anschließend durch die „Vielfältigkeit seines 30-jährigen Schaffens“ (Lunghi). Das scheint eine Ausstellung mit unendlich kreativen und interessanten Modellen, Dokumenten, Fotografien, Videos und Plakaten gegen Krieg, Atomkraft und Kirche zu sein.

Einblicke in weniger bekannte Aspekte seines Schaffens werden auch gezeigt, etwa seine Collagen, in denen er laut Lunghi „bekannte Bilder in seinem kritischen Sinn zusammenfügte“, Werke, in denen er sich der kritischen Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte, der Gesellschaft und dem Status des Bildes widmete, sowie seine Performances und auch einen Teil seiner Textarbeiten.

© 2019, Foto: Eva-Maria Becker

In seinen Werken zeige sich seine Philosophie. Schon in der Schulzeit sei Theis „revolutionär“ gewesen, meinte Lunghi. Er sei ein Rebell gegen Etabliertes und auch speziell gegen die römisch katholische Kirche, die in Luxemburg fast schon „Staatsreligion“ ist, gewesen.

Seine feinfühlige, kritische, soziale Verantwortlichkeit zeigende Ästhetik, Humor und nochmals Humor (Cartoons) inspirieren den Betrachter sich mit gesellschaftlich kritischen Situationen auseinanderzusetzen. Kunst darf als Waffe des Denkens wahrgenommen werden.

Nachdem er die Malerei aufgegeben hatte, „um mit bereits vorhandenen Bildern arbeiten zu können“ (Lunghi), begann er in den 1990er-Jahren „Plattformen“ und „Pavillons“ zu kreieren, die Besucher – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – sichtbar machen und erhöhen.

Auch sein temporärer Pavillion ist zu sehen: 1995 repräsentierte er Luxemburg in der Kunstbiennale in Venedig mit seinem temporärer Pavillon. Dieser erregte internationales Aufsehen und Anerkennung, stellte er doch das Konzept des internationalen Kunsttreffens in der Lagunenstadt in Frage.

Work presented in the exhibition Bert Theis, Building Philosophy – Cultivating Utopia. 30.03.2019 – 25.08.2019, Mudam Luxembourg

Bert Theis
From Fight Specific Isola to Isola Utopia, 2015 (detail)
Photomontage of 6 photographs
Collection Mariette Schiltz

© Mudam Luxemburg

Sein Engagement in Bezug auf historische, gesellschaftliche und urbane Zusammenhänge führte zu vielen Aufträgen weltweit für den öffentlichen Raum. Ab 2001 war 15 Jahre lang im Kampf gegen die Gentrifizierung des Mailänder Arbeiterviertels Isola im Isola Art Center beteiligt, wo er seit 1993 lebte. Er nutzte diese kollektive Plattform von und für Künstler, Architekten, Philosophen und Bürger als Ausgangspunkt für die Errichtung einer „konkreten Utopie“ mit künstlerischen Mitteln.

Seit seinem Tod im Oktober 2016 füllen Bürger, Arbeiter, Intellektuelle und eine Generation junger Künstler seine Ideale mit dem Gemeinschaftsgarten Isola Pepe Verde und in der Kooperative RiMaflow mit Leben.

Die Luxemburger Ausstellung reiht sich in das Projekt namens „Arcipelago Bert Theis“ ein. Das umfasst Ausstellungen und Veranstaltungen nicht nur in Stadt und Staat Luxemburg, sondern über die Grenzen hinaus. Die Zusammenarbeit findet mit 2001 architecture, Cercle Cité, Stadtgemeinschaft Strasbourg, Fonds Belval, Fonds Kirchberg, LUCA Luxembourg Center for Architecture, Musée national d’histoire et d’art Luxembourg, Rotondes, Universite du Luxembourg – Master in Architecture, Stadt Luxemburg statt.

Und die Ausstellung im Mudam, die am 30. März begann, läuft noch bis zum 25. August 2019.




„Extravaganzen“ – Ein Ballettabend im Saarländischen Staatstheater

Saarrücken, Deutschland (Kulturexpresso). Die Federleichtigkeit des Seins – nirgends wird sie dem Publikum so vor Augen geführt wie wenn Tänzer, die der Schwerkraft der Erde trotzen, förmlich durch den Raum fliegen.

Auch an diesem Ballettabend, an dem der Orchestergraben abgedeckt bleibt, bezauberte das Saarländische Staatsballett unter der Leitung des belgischen Ballettdirektors Stijn Celis mit den drei Choreografien „610 Elm Drive“, „The Grey Area“ und „La Stravaganza“.

610 Elm Drive

Die romantische Pianoklänge der hochvirtuosen zweiten Klaviersonate von Sergei Rachmaninows erklingen, an Hollywoodfilme erinnernd und rühren an die Seele: der japanische Pianist Ryo Kuroki begleitet live an seinem Piano auf der Bühne sitzend, die nackt ist und jeweils changierend mit pastelligen Unifarben im Fond angestrahlt wird. Rachmaninow, erfolgreicher Komponist und Pianist, lebte zuletzt als russischer Emigrant in Kalifornien in Beverly Hills, im 610 Elm Drive, wo auch Hollywood-Prominenz verkehrte. Auf der Bühne fließend-schwebender Ausdruckstanz – ausdrucksstarke Solisten fliegen schmetterlingsähnlich über die Bühne – ihre kaftanähnlichen, seitlich geschlitzen Seidenkostüme in diversen nicht kitschigen Pastellfarben flattern im Wind der Bewegungen. Bei den Tänzern erzeugt eine Nude-Look-Hose die optische Täuschung, dass von hinten nur die blanken, gut trainierten Glutaeus maximus-Muskeln zu sehen seien. Pas de deux’s, mal Mann-Mann, Frau-Frau, Frau-Mann wechseln sich ab mit großartigen Soli, die teilweise an die Mary Wigman oder andere ausdrucksstarke Tänzer der Golden Twenties erinnern. Diese Choreografie Stijn Celis ist ein Hochgenuss.

The Grey Area

Ätherisch-sphärisch-filigran trifft den Tenor dieser Choreographie des Londoners David Dawson. Nackte Bühne, dunkler Hintergrund, hell angestrahlter Boden – die Tänzer nur minimalistisch angeleuchtet, die sich surrealistisch anmutend zum Klang der Syntheziser-Sphärenmusik bewegen, teilweise klassisch Spitze tanzend. Musik, die sich zum dröhnenden Wummern steigert, bevor sie wieder sphärisch spielt. Sehr elegant wirkende Tänzer in phantasievoller Ausdruckstanz teils mit Pas-de-deux’s – teils tanzt das Ensemble quer über die Bühne verteilt. Gezeigt wird hohe Tanzkunst, die entschleunigend wirkt. Verstärkt wird der Eindruck des Ätherisch-Sphärischen durch die filigran wirkenden Kostümchen, entworfen von Yumiko Takeshima, selbst ehemals arrivierte Tänzerin. Durchsichtig wie Spinnenweben geben sie dem Ganzen den letzten Pfiff und Touch. „The Grey Area“ ist ebenfalls eine äußerst extravagante Choreographie.

La Stravaganza

Das in dunkelrot angestrahlte Bühnenbild (Leihgabe aus Toulouse) sieht aus wie eine Steinzeithöhle. Davor tanzen zu elektronisch-akustischer Musik roboterartig – wie Aliens wirkend – Tänzer im Gleichschritt, die mit ihren antik wirkenden Kostümen (Star-Designer Hervé Pierre) wie einem Vermeer-Gemälde entliehen aussehen. Als Kontrapunkt hierzu kommt ein Teil des Ensembles in hautfarbenen, modernen Kostümen von der anderen Seite der Bühne. Sie tanzen spritzig-lebendig in hohem Tempo zu luftig-leichter Vivaldi-Musik „in neoklassischer Tanzsprache, die …unsere Vorstellung des Fliegens, in-die-Luft-Steigens in sich trägt“, so der renommierte, französische (albanisch-stämmige) Star-Choreograph Angelin Prelijocaj, dessen Werk 1997 in New York uraufgeführt wurde. „Menschen, die wie Ahnen aus einer vergangenen Zeit auftauchen („Vermeer-Figuren“) und die, entgegen allen Erwartungen, das Neue bringen…“ so skizziert der von seiner Einwanderungsgeschichte geprägte Prelijocaj seine Inspiration zur Choreographie – ein Feuerwerk an Schrittkombinationen.

Das Publikum goutierte diese Aufführung der „Extravaganzen“ mit frenetischem Beifall und teils stehenden Ovationen. Das war ein mehr als gelungener Ballettabend.

Weitere
Aufführungen

Samstag, 16. März 2019, Freitag, 29. März 2019, Sonntag, 31. März 2019, Dienstag, 9. April 2019, Donnerstag, 25. April 2019, Freitag, 10. Mai 2019 und
Sonntag, den 19. Mai 2019.




Adam Linder mit “Full Service” im Mudam in Luxemburg

Luxemburg (Kulturexpresso). Das Mudam, die Abkürzung steht für das
Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean in Luxenburg, präsentiert vom 6. Februar bis zum 3. März 2019 Adam Linder mit “Full Service”.

Die Ausstellung der fünf „Choreographic Services“ des Tänzers und Choreografen Adam Linder zeige laut Mudam-Direktorin Suzanne Cotter den Ehrgeiz des Museums nach Öffnung durch die Multidisziplinarität seiner künstlerischen Entscheidungen.

Adam Linder „Full Service“. © Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Foto: Allie Foraker

Neben seinen Bühnenwerken widmet Adam Linder sich einer Praxis, die er als „Choreographic Services“bezeichnet. Diese Services sind für die choreographische Arbeit jenseits des Theaterkontextes entstanden. Linders Ausgangsmaterial für diese fünf Services ist der Körper oder vielmehr die Arbeit des Körpers. Es handelt sich um eine Reflexion zur Bedeutung der Performance in dienstleistungsorientierten Ökonomien. Alle fünf Arbeiten umfassen eine Transaktion: Jede Institution, die einen der Services zur Aufführung bringt, muss einen Vertrag unterzeichnen, in dem das Verhältnis zwischen der Performance (der Tänzer), der Dienstleistung, die sie erbringen (Tanz) und den Kosten ihrer Arbeit (Tanzen) fest umrissen wird. Die Institution “kauft die Leistung ein” und zahlt für den vereinbarten Stundenlohn.

Es
geht hierbei um die Aufwertung von „Performances“ und
Gleichstellung von Werken wie Gemälden und Skulpturen, so Linder.

Mit
der Buchung aller fünf Services
bietet
das Mudam einen Überblick über Adam Linders einzigartigen Tanz- und
Performanceansatz.

Jede „Dienstleistung“ wird in einem Zeitraum von vier Wochen in einer Galerie gezeigt. Die Services werden nacheinander ausgeführt, überschneiden sich aber auch in verschiedenen Kombinationen und lassen so neue Hybride und Gegenüberstellungen von Körpern und Bewegungen entstehen.

Adam Linder „Full Service“. © Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Foto: Allie Foraker

Adam
Linder: Full Service
wird
präsentiert in Zusammenarbeit mit dem CCA Wattis Institute for
Contemporary Arts, San Francisco.

Adam
Linder (*1983, Sydney, Australien) lebt und arbeitet in Los Angeles.
Zu seinen Arbeiten gehören diverse Bühnenstücke, darunter Kein
Paradiso
,
das 2016 auf der Biennale Made in L.A. mit dem renommierten Mohn
Award des Hammer Museums ausgezeichnet wurde. Seine Choreographic
Services
waren
zuletzt in der Serralves Foundation, Porto (2018), in der South
London Gallery, London (2018), in der Kunsthalle Basel (2017), im
Schinkel Pavillon, Berlin (2016) und am Institute of Contemporary Art
in London (2015) zu sehen.

Es gibt ein Spezialticket für 15 Eure, das den Besuchern erlaubt, mehrfach wiederzukommen, um die jeweiligen, zeitlich versetzten Aufführungen ansehen zu können.

Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean

Web: www.mudam.lu/de/home/




Nairy Baghramian mit „Privileged Points/Beliebte Stellen“ im Luxemburger Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean

Luxemburg (Kulturexpresso). Das Luxemburger Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean (Mudam) startet stark ins neue Jahr und bietet Ausstellung von Nairy Baghramian „Privileged Points/Beliebte Stellen“ und Adam Linder “Full Service”

Als Neuzugang in der Mudam-Sammlung ist die deutschsprechende, weltweit gefragte Iranerin Nairy Baghramian mit ihren monumentalen Skulpturen Privileged Points/Beliebte Stellen“ zu Gast, um die aus insgesamt drei Skulpturen bestehende Serie vorzustellen. Die Neuerwerbung ist in der großen Eingangshalle zu sehen, während die beiden anderen Arbeiten auf einer Wiese der Esplanade des Parks Dräi Eechelen (Drei Eicheln) zu bewundern sind – mit Panoramablick auf die historische Altstadt Luxemburgs. Sie bilden den Auftakt für das neue Museumsprogramm außerhalb der Mauern des Mudam.

Pressekonferenzt am 6. Februar 219 im Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean mit Vincent Crapon, Nairy Baghramian, Suzanne Cotter, Adam Linder und Anna Loporcaro. © 2019, Foto: Eva-Maria Koch

In der Auftaktpressekonferenz erläutert Kuratorin Suzanne Cotter, assistiert von Vincent Crapon, die Vision der Ausstellung, die Luxemburg als Stadt mit einbinden solle. Die Skulptur in der Grand Hall des Mudam sei 2018 vom Museum erworben worden und spiegele dessen Bestreben, seiner Sammlung mehr Sichtbarkeit zu verleihen – das sei ein wesentliches Element seiner Mission, wider. Die drei Skulpturen symbolisierten den Wunsch des Museums, ein Konzept für Kunst im öffentlichen Raum zu erstellen. Baghramian erklärte, dass sie nach dreimaliger Besichtigung des Mudam mit seiner einmaligen Star-Architektur Io Peis, eingebettet in den Festungsgraben, sich für drei ihrer Berliner Skulpturen entschied hätte, die sich farblich in die Örtlichkeiten einbetten und zwar „als ob die Skulpturen nach Hause kämen“.

„Beliebte Stellen/Privileged Points“ markiere somit den Anfang einer sich wiederholenden Serie von Ausstellungen und künstlerischen Interventionen außerhalb der Museumsmauern.

Die
drei Bronzeskulpturen sind mit Schichten blassgelber,
blassgelb-grüner und pastellfarbener grün-grauer Farbe bemalt. Ihre
offen kreisförmige Gestaltung mit einem Durchmesser von etwa fünf
Metern erinnert an das Einkreisen von Textpassagen mit einem Stift.
Ihre jeweiligen Orte betonen sowohl gewisse lokale Bedingtheiten wie
wechselnde räumliche Bezüge. „Das Auf und Ab der Gestalt der
Skulpturen mit ihren Tropfen vermittelt den Eindruck von Vorübergehen
und dass sie sich jederzeit auf dem Boden ausstrecken könnten.“

Zwei Skulpturen von Nairy Baghramian. © Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean

Die
Skulpturen im Park werden auch gern von Schulklassen und anderen
Besuchern zum Sitzen genutzt, was gestattet ist.

Baghramian
erklärt den Herstellungsprozess: zuerst gäbe es ein kleineres
Modell, welches dann maßstabgetreu groß in eine Bronzeskulptur
übertragen werde und von einer Spezialfirma gegossen werde. Das
erste Modell habe sie noch von Hand selbst bemalt, die
Folgeskulpturen seien auch von Spezialfirmen bemalt worden.

Die
nun sowohl im Mudam wie im Park Dräi Eechelen präsentierten
Skulpturen erzeugen eine Beziehung des Innenraums zum Außenraum. In
beiden Fällen bewirkt die von ihrer Umgebung inspirierte Farbgebung
ein Verschmelzen der Skulpturen mit dieser. Die räumlichen
Verwindungen und die hängenden Farbtropfen, die traditionelle
bildhauerische Fragestellungen wie Masse und

Schwerelosigkeit,
Form und Farbe oder auch Stabilität und Performanz ansprechen,
ebenso wie die sichtbaren Spuren ihrer Herstellung bieten dem
Betrachter Anregungen, mit den Werken in Interaktion zu treten.

Beliebte Stellen/Privileged Points verkörpern formale, konzeptuelle und kritische Aspekte, die das bildhauerische Werk Nairy Baghramians seit ihren ersten Ausstellungen in den späten 1990er Jahren prägten. Anthropomorphe Assoziationen und Anspielungen an Krücken oder Prothesen ebenso wie ihre Sorgfalt in der Wahl von Standorten an Übergangs- oder Randzonen dienen der Erforschung der physischen und symbolischen Beziehungen zwischen Architektur, Objekt und menschlichem Körper. Dabei ist ihre Idee der Skulptur stets notwendig eine dynamische.

Gemeinsam
mit ihrem weiteren bildhauerischen Werk, zu dem noch Fotografien und
Zeichnungen hinzu kommen, stellt Beliebten
Stellen/Privileged Points
einen
Teil eines umfänglichen Repertoires von Ideen dar, die stets neu
arrangiert und gedacht werden können, um neue Sichtweisen auf die
Arbeiten selbst, den Raum, den sie besetzen, und die Menschen, die
sie betrachten, zu eröffnen.

1971
in Isfahan, Iran geboren, kam Nairy Baghramian 1983 auf der Flucht
nach Berlin, wo sie seither lebt. In jüngerer Zeit hatte sie
Ausstellungen u.a. im Palacio de Cristal – Museo Nacional Centro de
Arte Reina Sofía in

Madrid
(2018), dem Walker Art Center in Minneapolis (2017–2018) und dem
SMK in Kopenhagen (2017–2018).

Baghramian
nahm an zahlreichen bedeutenden Events und Biennalen teil, wie
beispielsweise dem Pariser Herbstfestival (2018), der 14. Biennale
von Lyon (2017), der documenta 14 in Kassel (2017), an Skulptur
Projekte

Münster (2017 und 2007), der 5. und 8. Berlin Biennale (2008 und 2014), Glasgow International (2012) oder auch der 54. Biennale von Venedig (2011).

Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean

Web: www.mudam.lu/de/home/




Donald Runnicles

Zum Musikfest Berlin 2018: Donald Runnicles dirigiert Bernd Alois Zimmermann und Richard Wagner

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In einem Sonderkonzert im Rahmen des Musikfests der Berliner Festspiele zog Donald Runnicles, der Dirigent des Orchesters der Deutschen Oper Berlin, in der Philharmonie Berlin wieder alle Register seines Könnens. Von Bernd Alois Zimmermann (1919-1970), einem Komponisten der damaligen, avantgardistischen „Neuen Musik“, dirigierte er „Photoptosis“, Prélude für großes Orchester und „Stille und Umkehr“.

Die neue Musik auch als Zeitgenössische Musik, französische Musique nouveau tituliert, fasst ein Genre zusammen, welches äußerst vielfältig ist und sich Strömungen vor und nach dem 2. Weltkrieg gliedert.

Zimmermanns Werk bringt alles zum Vibieren – die große Orgel in der Philharmonie – sie klang, als ob gleich ein Mississippi-Dampfer ablegt – sie „feuerte“ ohrenbetäubend ihre Klaviatur „aus allen Rohren“. Anmutungen von atonaler Musik oder Zwölfton-Musik kamen auf, ein Sägeblatt wurde zum Singen gebracht, die großen Pauken mit den bloßen Händen wie bei Trommelpercussions „gestreichelt“, Glockenspiel, Harfe, ein Heer von Geigen, Violinen, – eben das gesamte große Orchester vermittelte dank der kundigen Führung durch Runnicles ein einmaliges Hörerlebnis. Auch der visuelle Genuss war groß – von den Seitenrängen konnte direkt dem Orchester en detail zugeschaut werden – von welchem der vielzähligen Instrumente die – vereinzelt kakophonisch – anmutenden Klänge kamen. Das große Chaos dann geführt von Runnicles zu besinnlicher Stille. Einmalig bravourös!

Nach der Pause wurde dann Richard Wagners Siegfried, 3. Aufzug zum Besten gegeben! Ein besonderer Hochgenuss, diese unglaublich romantische Musik des Komponisten mit so einem umstrittenen menschlichen Ruf. Jedes Wort seiner Wortschöpfungen der Minnegesänge sind wie in Stein gemeißelt – so geschraubt wirkt das Mittel- und Althochdeutsch anmutende Liebeswehen. Gut, dass der Text auf Textbändern zu lesen ist – es wäre einem etwas entgangen, wenn man sich nur auf die bezaubernde Musik und die Sänger*innen konzentriert hätte – kein Hollywood-Blockbuster-Liebesfilm kann es mit diesen Kompositionen aufnehmen – aber ähnlich schwülstig, herzerweichend bewegend.

Die Besetzung der Sänger*innen-Rollen war hochkarätig. Siegfried: Simon O’Neill, Der Wanderer: Michael Volle, Erda: Judit Kutasi, Brünnhilde: Allison Oakes – eine/r sang besser und ergreifender als der/die andere, begleitet vom phänomenalen Orchester der Deutschen Oper Berlin unter der Regie ihres Zaubermeisters Donald Runnicles.

Großer Schlussapplaus goutierte das herausragende Konzerterlebnis.

Nebenbei bemerkt wurde dieses Konzert beim Musikfest Berlin vom RBB für den Hörfunk aufgezeichnet. Als Sendetermin auf RBB-Kulturradio ist derzeit der 29. September 2018 vorgesehen.




"Half Life" von Sharon Eyal und Gai Behar.

„Your Passion is pure joy to me“ von Stijn Celis und „Half Life“ von Sharon Eyal und Gai Behar in der Komischen Oper in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Premierenabend wird mit dem Gastspiel „Your Passion is pure joy to me“ des belgischen, international führenden Choreographen Stijn Celis eröffnet, der Ballettdirektor am Saarländischen Staatstheater ist. Der Titel seiner Choreographie, die ihre Uraufführung 2009 in Göteborg hatte, bezieht sich auf einen Choral von J.S. Bach, wird jedoch von romantisch-dramatischen Liedern von „Nick Cave and The Bad Seeds“ untermalt, die sehr zu Herzen gehen. Seine Lieder kreisen um das Thema Gläubigkeit und wie man trotz quälender Erinnerungen überleben kann, ohne zu zerbrechen.

Die Tänzer*innen des Staatsballetts Berlin, Jenna Fakhoury, Sarah Hees-Hochster, Ross Martinson, Johnny McMillan, Eoin Robinson, Lucio Vidal und Xenia Wiest, agieren auf nackter, schwarzer Theaterbühne. In legerer Alltagskleidung zeigen sie individuelle und eigenständige Ausdrucksformen in der Balance zwischen Leid und Trost, zwischen Schmerz und Heilung. Im Kontrast zu Caves Musik steht die Musik der Avantgardekünstler Pierre Boulez und Penderecki, die in der Mitte des Tanzwerks einen Kontrapunkt setzen mit kakophonischen Klangwelten. Am Ende versöhnt klanglich ein Klavierstück des kubanischen Jazzpianisten Gonzalo Rubalcaba – leichtfüßig und elegant von den TänzerInnen wiedergegeben – welch ein Hochgenuss.

Das nach der Pause gezeigte Tanzstück „Half Live“ von Sharon Eyal und Gai Behar mit der Musik von Ori Lichtik sprengt alles bisher Gesehene an Ballettchoreographien! Uraufgeführt wurde es am 11.2.2017 vom Königlich Schwedischen Ballett Stockholm.
Sharon Eyal, eine israelische Choreographin, ist eine der herausragenden „Player“ der zeitgenössischen Tanz-Szene. Ihre Kreation ist von der legendären Batsheva Dance Company geprägt. Von den Tänzer*innen des Staatsballetts Berlin Sarah Brodbeck, Filipa Cavaco, Weronika Frodyma, Gregor Glocke, Mari Kawanishi, Olaf Kollmannsperger, Konstantin Lorenz, Ross Martinson, Johnny McMillan, Ilenia Montagnoli, Danielle Muir, Daniel Norgren-Jensen und Federico Spallitta wird in atemberaubender Art und Weise – atemberaubend auch für die Zuschauer – das Maximum an tänzerischem Können bis fast zur Erschöpfung abverlangt.

Die sehr laute, wuchtige technobeat-artige Musik von Ori Lichtik wummert bis auf den Solarplexus und erzeugt mit ihrem Spannungsbogen einen magnetisierenden, hypnotisierenden, tranceähnlichen Zustand zu dem die Tanzer*innen in Nude-Look-Kostümen (hautfarbenen Höschen und Bustiers) wie Androiden oder Humanoiden-Roboter aus einem Science-Fiction-Film, von einem anderen Stern entsprungen die Erde erkundend, auf nackter Theaterbühne mit nebeligem Hintergrund stakkatoartig die meist immergleichen Bewegungen wie in Zeitlupe wiederholen. Assoziationen an „Wir sind die Roboter“ von „Kraftwerk“ kommen auf! Ihre Körper glänzen vom Schweiß während ihrer athletisch-ästhetischen Performance. Im Mittelpunkt stehen anfangs ein Mann und eine Frau – Adam und Eva? Sie wiederholen minutenlang zur Trancemusik die gleichen Bewegungen – die Trance überträgt sich auf die Zuschauer*innen. In Hintergrund, in extremem Zeitlupentempo kommt eine Gruppe herbei, die die beiden im Verlauf der Choreographie wie in Schwarmintelligenz umgibt mit diesen ständig roboterähnlichen Bewegungen, teilweise im Herzschlagrhythmus kollektiv zuckend, auseinanderstiebend, unterbrochen von Spitzentanz-Passagen comme d’habitude. Es wirkt, als ob das kollektive Unterbewußtsein Adam und Eva umtanzt. Mit amimischen Gesichtern, die Haare straff gebunden, schauen die Tänzer*innen teilweise fordernd und herausfordernd die Zuschauer*innen an, was beklemmend schön wirkt. Ein Schrei formiert sich auf dem Gesicht eines Tänzers – wie bei Edward Munchs Gemälde „Der Schrei“. Arme ragen wogend aus der wabernden, zuckenden Masse, zeigen nach oben, weisen auf irgendwas (Bedrohliches?), drehen die Köpfe gleichzeitig (nach Was?) – die Musik wird fauchend wie ein abfahrender Zug – schlimme Assoziationen kommen auf! Ist es zu weit gegriffen, an Traumaverarbeitung zu denken? Immerhin ist es ein israelisches Stück.

Oder ist es das ewig menschliche Drama über den „Ernst des Seins“? In jedem Fall ist es ein Stück, dass zum tieferen Nachdenken anregt.

Im Schlussbild ist wieder die Frau, Eva (?), das ewig Weibliche (?) das Zentrum, um das alles wie in Derwischtänzen kreist. Sie wiederholt die monotonen, rhythmisch-zierlichen Bewegungen der Anfangssequenz, während die Gruppe im Hintergrund zu immer ekstatisch werdender Musik ihren athletisch-ästhetischen Tanz in wildem Reigen durchführt und immer wieder dramatisch-ergreifend wirkende Gruppen bildet, die wie eine Metapher wirken für (?). Sie muten zum Beispiel an wie die altgriechische Skulptur „Laokoon-Gruppe“, die den Todeskampf Laokoons und seiner Söhne zeigt. Das Choreographie-Bild erinnert auch an Auguste Rodin’s Plastik „Die Bürger von Calais“, angesehene Bürger, die sich freiwillig opfern wollten, um mit ihrem Leben die Vernichtung der Stadt zu verhindern. Die Choreographie apelliert an Urinstinkte von Angst, Furcht, Gruppe, Individuum und Magie! Sie ist eine einzige Fragestellung an die Zuschauer*innen.

Es ist eine unglaublich brilliante, mitreißende Präsentation tänzerischen und choreographischen Könnens voller Power und Dynamik!

Es gab tosenden, frenetischen, nicht enden wollenden Schlussapplaus.




Ballett (Symbolbild).

Verlangen hoch drei – Ballette von Stijn Celis, Jiří Kylián und Andonis Foniadakis

Saarbrücken, Deutschland (Kulturexpresso). Im für Millionen hervorragend renovierten Staatstheater Saarland gibt es Feuer und Ekstase – das Saarländische Staatsballett, ein internationales Ensemble choreographiert vom renommierten, belgischen Ballettdirektor Stijn Celis reißt alle zu Begeisterungsstürmen von den sehr bequemen Stühlen.

Drei Choreographien von weltberühmten Choreographen werden präsentiert: „Your Passion is pure joy to me“ (Musik ursprünglich von Johann Sebastian Bach), choreographiert von Stijn Celis wird von „Nick Cave and The Bad Seeds“ romantisch-dramatischen Songs untermalt, die sehr zu Herzen gehen. Seine Songs kreisen um das Thema Gläubigkeit und wie man trotz quälender Erinnerungen überleben kann, ohne zu zerbrechen. Die sieben TänzerInnen in legerer Alltagskleidung zeigen individuelle und eigenständige Ausdrucksformen in der Balance zwischen Leid und Trost, zwischen Schmerz und Heilung. Im Kontrast zu Caves Musik steht die Musik der Avantgardekünstler Pierre Boulez und Penderecki, die in der Mitte des Tanzwerks einen Kontrapunkt setzen mit kakophonischen Klangwelten. Am Ende versöhnt klanglich ein Klavierstück des kubanischen Jazzpianisten Gonzalo Rubalcaba – leichtfüßig und elegant von den TänzerInnen wiedergegeben – welch ein Hochgenuss.

Weiter geht es mit der Choreographie „27‘52“ von Kiri Kylián nach Musikmotiven aus Gustav Mahlers „Sinfonie Nr. 10“. Die sechs TänzerInnen bat Kylián vor der Inszenierung von ihnen selbst gewählte Texte zu sprechen, die dann während des Tanzes sowohl vorwärts als auch rückwärts abgespielt wurden. Sprüche des Kampfkunst-Schauspielers Bruce Lee oder „Darf ich Sie fragen, wer Sie sind?“ aus Martin Scorseses Film „Kundun“ über den Dalai Lama oder auch „Der Albatros“ von Charles Baudelaire werden hier tänzerisch kunstvoll und atemberaubend getanzt.

In der dritten Choreographie „Selon désir“ des Griechen Andonis Foniadakis geht dann endgültig „die Post ab“ – zur Musik von J.S. Bach (Eröffnungschöre aus der Matthäus- und Johannespassion). Was man sonst nur auf Fotos sieht, wenn sich Arme und Beine sehr schnell bewegen, ist hier life zu sehen – die Bewegungen sind so schnell, dass die Augen die Bilder nicht richtig zusammensetzen können und man Mehrgliedrigkeit zu sehen glaubt. Lange, wild herumfliegende Haare, alle in griechisch anmutenden Kostümen, die Tänzer tragen die typischen griechischen Röcke – Feuer und wilde Bewegung – es ist unglaublich, was das Ensemble hier an Feurigkeit zu bieten hat.

Laut Foniadakis geht es bei „Selon désir“ um einen Gang durch das Feuer – das Leben als permanenter Kampf. „Himmel“ und religiöser Aufschwung werden gefolgt von „Hölle“, dem Chaos der Seele, Seelenqualen, Anarchie.

Atemlos bleibt man als Zuschauer zurück – wunder-, wunderschön! Tosender Beifall des Publikums folgte.




Als die Römer frech geworden – Antike römische Villen und Tempelanlagen an der Mosel

Trier, Deutschland (Kulturexpresso). Viele Wege führen bekanntlich nach Rom – genauso führen sie jedoch von Rom weg. Auf ihren Eroberungsfeldzügen führten die leichengepflasterten, blutigen Wege der Römer auch an die Mosel. Auf beiden Seiten der Mosel findet man viel Relikte ihrer damaligen Ursurpatoren-Gewaltherrschaft, Villen, Götter-Tempelanlagen, Gladiatorenschule und vieles andere mehr.

Der römische Kaiser Augustus residierte in Trier. Seine Subalternen ließen sich in der weiteren Region prächtige Villen von ihren Sklaven bauen. Eine davon, die Villa Borg – unweit Perl – wurde rekonstruiert. Eine kundige Führung durch eine Trierer Gästeführerin, verkleidet als Patrizier-Hausherrin der damaligen Zeit, erklärt der Gruppe von disziplinierten Lateinschüler*innen die damaligen Gepflogenheiten und Errungenschaften.

Porta Negra in Trier.
Ein Blick auf die ab 170 nach unserer Zeitrechnung errichtete Porta Negra in Trier. Quelle: Pixabay

Ja, sie hatten Fußbodenheizung – wirklich erstaunlich! Auch Latrinen, die mit Wasser gespült wurden. Das Reinigungswerkzeug der damaligen Zeit, ein auf einen Stock gespießten Schwamm, erklärte uns die Frau und dass dieses Utensil nach in Wassertunken von allen benutzt wurden – alle saßen auf derselben Toilette zur selben Zeit. O tempores, o mores!

Die Badekultur ist ebenfalls erstaunlich: ein Raum beherbergt ein riesiges Kaltwasserbad, Frigidarium, ein anderer ein riesiges Warmwasserbecken, Kaldarium. Erhitzt wurde das Wasser im Souterrain – von Sklaven, wie sich „versteht“, und dann in einer Warmwasserleitung in das Becken geleitet. In einem Tepidarium stand dann eine Badewanne. Auch, dass die Hausherrin einen Stuhl hatte, der niedriger war, als der ihres Gatten, wurde erklärt und dass dieser das Recht hatte, ein neugeborenes Kind entweder anzunehmen oder zu verstoßen (wenn es zum Beispiel missgebildet war). Die alten Römerinnen hatten nicht viel zu lachen, scheint’s! In puncto Gleichberechtigung hat sich ja bis heute nicht so viel geändert.

Die Villa Borg bietet einen sehr eindrucksvollen Rundum-Einblick in die Hochkultur der Römer, die sie aus SklavInnen mit deren Blut, Schweiß und Tränen herauspressten.
Ein eingegliedertes Restaurant mit teilweise alten römischen Speisen dient auch als Ausflugsziel neben dem Sightseeing.

Opus tes­se­la­tum – ein römisches Fußbodenmosaik in Nennin an der Mosel. © 2018, Foto: Eva-Maria Koch

Ein paar Kilometer weiter befindet sich in Nennig, ebenfalls an der Mosel auf der deutschen Seite, das „besterhaltenste Fußbodenmosaik nördlich der Alpen“, so der Hüter des darüber errichteten Besucherhauses. Er erklärt vorzüglich, wie die Römer hier alles in Beschlag nahmen. Der Hausherr der Anlage, die zu dem Fußbodenmosaik gehörte, war wohl ein Steuereintreiber, der auch eine riesige Gladiatorenschule betrieb. Hier wurden versklavte Männer gezwungen und geschult, sich gegenseitig zur Belustigung primitiver Menschen in dem Amphitheater im nahegelegenen Kaisersitz Trier abzuschlachten. Von dieser Anlage gibt es jedoch lediglich ein Modell zu bestaunen – archäologische Ausgrabungen finden ständig und permanent statt – die ganze Gegend ist ein einziges archäologisches Fundstück.

Auf Reservierung hin wird auch ein Film gezeigt, der die Anlage und das damalige Leben erklärt. Nicht nur Lateinschüler kommen scharenweise, auch von anderen Kontinenten finden die alten Römer Anklang – ein Filmteam kam aus den USA – sie wollten nur wirklich authentische alte Römerrelikte filmen – die nachgebaute Villa Borg fiel durch’s Raster – so der Angestellte. Er hat viel zu erzählen und überfüllt ist es dort nicht.

Eine römische Tempelanlage in Tawern an der Mosel. © 2018, Foto: Eva-Maria Koch

Noch mehr Römerkultur gibt es im ein paar weiter gelegenen Tawern zu bestaunen – eine exzellent erhaltene Tempelanlage mit mehreren Häusern zu Ehren Jupiters trohnt mit Weitblick bis nach Trier hoch in der Hügellandschaft.

Auf der luxemburgischen Moselseite befindet sich hoch in den Weinbergen bei Bech-Kleinmacher gelegen, eine ebenfalls gut erhaltene Villa, deren Terrasse einen unbezahlbar schönen Panoramablick auf die Weinberge und die Mosel bietet. Eine nachträglich dorthin gestellte Hollywoodschaukel lädt zum Chillen ein während die Augen die Schönheit genießen dürfen.

Archäologiepark Römische Villa Borg, Im Meeswald 1, D-66706 Perl
Tel (0 68 65) 9 11 70. Geöffnet ab 11 Uhr.
(Angaben ohne Gewähr)




Luxemburger Philharmonie.

Musik liegt in der Luft der Stadt Luxemburg

Luxemburg (Kulturexpresso). “Paris-Paris!” entzückt in der Philharmonie Luxemburg Klein und Groß. Ein Quartett von fidelen Musikern, genannt „die Schurken“, geht auf musikalische Zeitreise durch Paris mittels einer Zeitreisemaschine, bei der die überwiegend Kinder im Publikum kräftig mitmachen müssen, um eine Geräuschkulisse zu erzeugen mit Pfeifen, Zischen und vielen anderen Geräuschen mehr, die so eine Zeitmaschine eben erzeugen kann.

„Sous le ciel de Paris“ und andere mehr oder minder bekannte Weisen begleiten die Suche nach einer bestimmten Komposition und einem bestimmten Komponisten. Die Reise des Musiktheaters führt in die Années folles 1923, dann in die Vorkriegszeit und springt ständig hin und her, da der Komponist endlich gefunden wurde. Um seine Melodie zu Papier bringen zu können, müssen sie jedoch auf den Eiffelturm kraxeln, damit er den Panoramablick mit der nötigen Weitsicht hat. Alles in allem ein kurzweiliges Stück, in dem die Kinder begeistert mitmachen. Die Philharmonie Luxemburg ist breit aufgestellt – nicht nur hervorragende Klassik wird geboten, sondern auch viel populäre Musik.

Nach so viel Begeisterung lohnt noch ein Abstecher in die Luxemburger Altstadt, wo überall Musik erschallt – das Festival Fete de la Musique in Luxemburg wird im ganzen Land und auch in der Hauptstadt gefeiert.

Auf der Place Guillaume II zeigen Abschlussschüler des Konservatoriums ihr ausgezeichnetes Können, zum Beispiel am Piano, während unweit davon auf der Place d’Armes eine Big Band „Memory“ das internationale Publikum der europäischen Hauptstadt zu Filmmusiktiteln wie „Mission impossible“ oder auch „Summerwine“ von Gershwin zum Mitswingen bringt.