Der rote Schal von Wilkie Collins – Literatur entdeckt; Titel fiel auf

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So sieht ein Exemplar der deutschen Übersetzung von "Armadale" mit Schutzumschlag aus. Buch von Wilkie Collins, Übersetzung von Eva Schönfeld. © Copyright 2020 Foto/BU: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Der rote Schal“ von Wilkie Collins ist natürlich nicht sein Schal, sondern sein Buch. Es ist der deutsche Titel des Romans „Armadale“ und erschien in guter Ausstattung gebunden mit Schutzumschlag im ehrwürdigen Henry-Goverts-Verlag, der in den 60er Jahren einen Namen hatte, bevor in den 90ern eine Verlagskonzentration einsetzte und nach 2000/ 2001 immer mehr „Imprints“ auftauchten und andere englische Wörter.

„Armadale“ wurde aus dem Englischen übersetzt von Eva Schönfeld.

Aufschlussreicher Klappentext

Wir zitieren den Klappentext: „1866, sieben Jahre nach der „Frau in Weiß“, erscheint, langerwartet, Collins‘ neuer Erfolgsroman „Der rote Schal“.

Erschienen 1967, erreichte der Roman bei Goverts mindestens noch 5 Auflagen. Eine Neuerscheinung noch vor Einführung der ISB-Nummer. Die internationale Standardbuchnummer ISBN wurde ist den USA 1969, weltweit 1970 eingeführt.

„Der rote Schal“, herausgegriffen, in einer Zeit, wo Masken, Schals und Tücher im Bewusstsein sind und eine bundesweite Mund-Nasen-Schutz-Pflicht für den ÖPNV diskutiert wird. Es gab eine Zeit, da war das Halstuch eine Modeerscheinung, ein Kälteschutz oder ein Accessoire.

Das Buch ist gegliedert in Vorgeschichte, 5 Bücher und am Ende den Epilog. Das fünfte Buch heißt „Letztes Buch“, nicht fünftes.

Viele Unterkapitel des über fünf cm dicken gebundenen Bandes umfassen „Schiffbruch“ und mehr:

Im 1. Buch: Die Enthüllung, Tag und Nacht, Schatten der Vergangenheit, Schatten der Zukunft. Im 2. „Die Landpartie“, eine schönes Wort aus vergangener Zeit. Im 3. „Zwischen Liebe und Gesetz“, „Der Hochzeitstag“ u.v.a., letztlich im 5. „Im Sanatorium“, und: „Die purpurne Phiole“. Schön.

Ein dickes Ding

720 Seiten – ein dickes Ding. Weiter aus dem Klappentext:

„Wilkie Collins,“ – seine Initialen: WC – „1824-1889, ist der Begründer des englischen Sensationsromans. Er war mit Charles Dickens (Initialen: CD, wie die Seife) eng befreundet“ (sie waren also dicke Freunde), in dessen Zeitschrift (aha, Dickens schrieb nicht nur Bücher, sondern hatte eine Zeitschrift! Vielleicht das Geheimnis seines Erfolgs!) viele seiner Romane in Fortsetzungen erschienen.“

„Im Urteil der Kritik von Dickens bis zur Gegenwart erscheint „Der rote Schal“ als eines der Hauptwerke Collins‘; T.S.Eliot schreibt: ‚Es gibt keinen zeitgenössischen Romancier, der nicht etwas von Collins lernen könnte: die Kunst, den Leser zu interessieren.‘“

„Über die „Die Frau in Weiß“, die 1965 bei Goverts in der Übersetzung von Arno Schmidt ein großer Erfolg war, schrieb die Presse:

„Bessere Unterhaltung kann kaum ein Zeitgenosse bieten.“ Stuttgarter Zeitung

„Die große Spannung, mit der man das Buch verschlingt, ist auch Schmidts Verdienst. Und erst recht ist ihm der Fund eines literarischen Schatzes zu verdanken, der außer Dickens auf Melville und sogar den Thomas Mann des ‚Krull‘ verwandtschaftlich ausstrahlt.“ SZ

„Der Spiegel“ – ist vielleicht ein Zufall, dass die zitierten Zeitschriften und Zeitungen alle mit „S“ beginnen – vermeldete ganz sensationell, wie es für einen Sensationsroman angemessen ist: „Der viktorianische Riesen-Krimi, voll von pittoresken Schurken (und anderen Gurken, d.Red.), Nacht und Nebel, Friedhofsgeheimnissen und Seelenfoltern weckt schönere Schauer als die meisten Mordfabeln der Gegenwart.“

Druck

Etwas blass wirkt der Offsetdruck der 1960er. Dafür wirken die Seitenüberschriften – links immer schön der Hinweis auf das Buch, in dem sich der Leser befindet; rechts die Kapitel wie „Der Helfer ist gefunden“, „Die Lage wird kritisch“ oder „Die Aufzeichnungen werden abgebrochen“ – des vor über 50 Jahren gedruckten und gebundenen Bandes seriös und machen die Orientierung in dem ohne Lesebändchen daherkommenden Bandes auch ohne Lesezeichen möglich, wenn man ein kleines bisschen das Gedächtnis benutzt.

Das ist zu Smartphonezeiten und in der Handygeneration natürlich manchmal zuviel verlangt. Gedächtnis wird nicht geübt, sondern gezielt verstaubt. Ein von Aluminiumclustern verpacktes Gehirn kann natürlich auch nicht soviel Informationen aufnehmen; geschweige denn eine zwei- oder dreistellige Seitenzahl. Bei 720 endet die Zählung und Paginierung. Doch der moderne, fast gedächtnislose und manchmal gefährlich ahistorische Mensch behilft sich ja: Er schreibt eine Notiz in „Memos“ oder macht ein Photo von der Seite.

Für Dünnbrettbohrer ist „Der rote Schal“ ein rotes Tuch. Aber es gibt ja noch andere tolle Bücher aus dem Antiquariat: https://kulturexpresso.de/tage-und-naechte-werden-zur-zeit-leben-traum-und-tod-des-kanuten-und-louisianagruenders-sieur-de-la-salle/

Beides findet man auf den bekannten Plattformen abebooks, booklooker.de etc. ab ca. 2,- + Versand.

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