Draußen vor der Kampfzone – Zum Buch „Karl Biese – Naturmotive zwischen Nordsee und Schwarzwald“ , herausgegeben von Mark R. Hesslinger

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In Zeiten, in denen die Kampfzone ausgeweitet scheint bis ins Unendliche, sehnt sich der selbst von der Kultur entfremdete eindimensionale Mensch der Industriegesellschaft, deren Tun längst von Bänkstern bestimmt wird, nach Natur, wenn auch nur klammheimlich und oft unwissentlich.

Natur pur wird allerdings selbst in Naturschutzgebieten oder wie auch immer diese Zonen heißen oder genannt werden sollen mögen – vorgegaukelt und das längst so perfide, dass auch in der Provinz der auf den Hund kommt Metropolenbewohner den Braten riecht, der ihm vorgesetzt wird. Was bleibt? Die Erinnerung, die Bilder bieten. Bilder aus Zeiten, in denen der Monetarismus noch nicht überall mittenmang war.

Einer, der diese mit dem Pinsel festhielt, war Karl Biese, der laut Wikipedia in 1863 in Hamburg geboren wurde und 1926 in Tübingen starb und als Landschaftsmaler und Lithograf gilt, obwohl seine Zeit als Anstreicher, er arbeitete zunächst als Theatermaler, nicht unter den Teppich gekehrt wird. Im Buch „Karl Biese – Naturmotive zwischen Nordsee und Schwarzwald“, das von Mark R. Hesslinger herausgegeben und kürzlich im Südverlag erschien, ist er noch ein wenig mehr: Grafiker und Dekorationsmaler, Meisterschüler Gustav Schönlebers und Kollege von Künstlern wie Jenny und Otto Fikentscher, Franz Hein und Gustav Kampmann.

Dafür, dass das Wissen über Biese gemehrt, festgehalten und weitergegeben wird, sorgen auch Sibylle Appuhn-Radtke, Michael Bachmann, Ursula Bachmann und Peter Bussler, die Wortbeiträge zum Buch beisteuerten, und Hesslinger höchstselbst, der im Geleitwort zur „ersten ausführlichen Monographie über Karl Biese“ schreibt, dass dieser „seine Naturmotive auf zahlreichen Reisen rund um Karlsruhe, im Moselgebiet, im Rheinland und in der norddeutschen Tiefebene sowie an der Nordseeküste, vor allem aber im Schwarzwald“ gefunden habe. Wohl wahr auch, dass sich „trotz einheimischer Motivik … in seinem Werk der stilbildende Einfluss des Japonismus“ manifestierte. “ Biese war in diesem Punkt ein typischer ertreter des Jugendstils, der in seiner Landschaftsmalerei umsetzte, was zeitgleich in Paris und Wien als künstlerisches Ziel galt.

Wer sich mit Leben und Werk von Karl Biese befassen möchte, der muss auch dieses Sach- und eben nicht Bilderbuch studieren, denn Bieses Werke muss derjenige, der sein Wissen mehren und sich Weisheit lehren möchte, in echt und also im Original betrachten, dort, wo sie Wirkung erzielen und dem Entfremdeten von der Natur erzählen.

Bibliographische Angaben

Mark R. Hesslinger (Herausgeber), Karl Biese – Naturmotive zwischen Nordsee und Schwarzwald, 156 Seiten, Format: 22 x 24,5 cm, ca. 100 farbige Abbildungen, Hardcover, Verlag: Südverlag, Konstanz 2019, ISBN: 978-3-87800-128-7, Preis: 24,90 EUR (D)