Der gewaltigste Film der Gegenwart: „Das Testament des Dr. Mabuse“, ein Meisterwerk von Fritz Lang

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Internationale Filmfestspiele genannte Veranstaltung rückt immer näher. Vom 7. bis zum 17. Februar 2019 wird die 69. Berlinale stattfinden und sich als eine Veranstaltung der Ware und des Spaktakels erweisen.

Die meisten werden über Schauspieler und Filme schwätzen. Vor allem in dieser Reihenfolge. Wir schreiben schon hier und heute mit über die guten, wahren und schönen Filme, beispielsweise über „Das Testament des Dr. Mabuse“ (1933) von Fritz Lang, das als Mediabook genannte Verpackungen für optische Datenspeicher wie CD und DVD in den Handel kommt.

Der lang, lang ist`s her Klassiker über den wahnsinnige Verbrecher Dr. Mabuse, der in die Nervenklinik von Professor Baum kommt, wo er den
Kopf der Klinik hypnotisieren und mit dessen Tat eine geheimnisvolle Verbrecherbande ins Werk setzt, die nicht nur die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt, sondern Kommissar Lohmann ratlos werden lässt, wurde von der Deutschen Kinemathek aufwendig restauriert und liegt dem Mediabook sowohl als DVD als auch als Blu-ray bei. Wie auf dem Fischmarkt gibt es obendrauf noch ein maßstabsgetreu verkleinertes Plakat mit dem Original-Kinoplakatmotiv und – einer geht noch – ein Booklet genanntes Beiheft mit historischen Dokumenten und Informationen zur Geschichte und Restaurierung des Films, die von Martin Koerber, verfasst wurden.

Dieses Mediabook erscheint als Reihe der Filmklassiker der Nero Film AG (von 1925 bis 1933). Bereits erschienen sind „Westfront 1918 – Vier von der Infanterie“ und „Kameradschaft“. Für 2019 seien laut Pressemitteilung der ZOOM Medienfabrik vom 25.1.2019 „weitere Titel geplant, unter anderem „Die Büchse der Pandora“ und „Dreigroschenoper“ von G.W. Pabst sowie „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang und „Kuhle Wampe“ von Slatan Dudow.




„Meschugge oder was – Jude werden, Jude sein in Deutschland“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Darüber, dass „etwas 100 Menschen … jährlich in Deutschland zum Judentum“ konvertieren, informiert eine ZDF-Pressemitteilung vom 18.1.2019, in der es heißt, dass diese Konvertiten, die auch als Juden zweiter Klasse gelten, 613 Rechte und Pflichten einhalten müssten, „darunter Dinge wie am Wochenende kein Auto fahren oder Licht anschalten“.

Daraus ergeben sich beim ZDF offensichtlich Fragen: „Warum machen sie das in einer Zeit wieder zunehmenden Antisemitismus? Welche Mühen nehmen sie auf sich? Und wie leben und feiern die ’neuen Juden‘ in Deutschland und in Israel?“ Zunehmender Antisemitismus? Vielleicht sollte sich das ZDF mehr mit der illegalen Masseneinwanderung von Muselmanen beschäftigen. Warum machen die das?

Weiter im Text der Pressemitteilung: „Im hessischen Felsberg versucht eine kleine Gruppe von Juden und Konvertiten, gemeinsam wieder Fuß zu fassen. Sie möchten das jüdische Leben wieder erwecken. Unter ihnen ist auch Christian Lehmann, ein „Vaterjude“ wie Dmitrij Kapitelman. Wie in jeder jüdischen Gemeinde muss auch in Felsberg jede kleine Zusammenkunft von der Polizei geschützt werden. In Tel Aviv trifft Dmitrij Kapitelman den orthodoxen Juden Elyah Havemann, Sohn von Wolf Biermann.“ Doch der ist kein Jude in deutschen Landen. Havemann habe der Bundesrepublik Deutschland „den Rücken gekehrt, weil er sich ein Leben für sich und seine Kinder als Juden in Deutschland nicht mehr vorstellen“ könne, teilt das ZDF mit.

Wer das und anderes nicht nur lesen will, sondern hören und sehen, der schalte am Dienstag, den 22. Januar 2019, um 0.00 Uhr ein, wenn „im ZDF erstmals die Dokumentation ‚Meschugge oder was – Jude werden, Jude sein in Deutschland‘ zu sehen“ sein wird. „In der ZDFmediathek steht der Film von Dmitrij Kapitelman und Ralf Dörwang am 22. Januar 2019 bereits um 11.00 Uhr zur Verfügung.




Minen statt Wälder und alles andere auch – reinster Mumpitz oder lauter dunkler Müll als „Robin Hood“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). So wenig Robin Hood war selten. Anders formuliert: Die Verfremdung der ersten Quellen ist über die Jahrhunderte vom Angeblichen ins Absurde abgeglitten.

Dass die ältesten Quellen schriftliche sind und aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammen, das muss erwähnt werden wie die Tatsache, dass Hood als gefährlicher Wegelagerer einfacher Herkunft geschildert wurde, der vorzugsweise habgierige Geistliche und Adlige ausraubt, aber nicht ausschließlich. Dass ein solcher nicht zimperlich mit Feinden umzugehen pflegte, das wird im Weltnetz selten unerwähnt gelassen, wenn es um Robin Hood geht. Doch ausgeblendet wird in der Regel, dass die jeweiligen Erzähler den Herrschenden Honig um den Bart schmierten. Hood wurde so zu einem Adeligen, dem Böses widerfuhrt und zwar von anderen Adeligen und der Kirche, die ihn enteigneten. Irgendwann wurde er zum gegen Normannen kämpfenden Angelsachsen, im 16. und 17. Jahrhundert vor allem zum Vorkämpfer für Gerechtigkeitsklimbim nach dem Motto den Reichen nehmen, den Armen geben.

Da die Existenz von Robin Hood nicht ernsthaft belegt ist und niemand sich an nichts halten muss, haben Erzähler wie Drehbuchautor Joby Harold ohne Fakten freie Hand. Da türmen sich Minen in den Himmel statt Bäume im Sherwood Forest und Barnsdale Forst. Das ist Müll und alles andere reiner Mumpitz, den man nicht zu beachten braucht. Dass Regisseur Otto Bathursts Schlachten wie in Falludscha schlagen lässt. Am Montag, den 8. November 2004 begannen die Vereinigten Staaten von Amerika (VSA) die Schlacht, nachdem Falludscha vollständig eingeschlossen wurde. Feuer aus vielen Artilleriegeschützen (120 und 155 mm) und Kanonen der Abrams-Kampfpanzer setzte ein. Die VS-Soldaten setzen auch Brandgranaten mit Weißen Phosphor ein, der bei einer Temperatur von 1.300 Grad verbrennt und giftige Dämpfe freisetzt. Gleichzeitig flogen VS-Soldaten mit Jagdbombern (F-18 Hornet) und Schlachtflugzeugen (AC-130 Spectre) Angriffe. Zudem wurden die Menschen in Falludscha von VS-Soldaten über Lautsprecherwagen mit dem Liedgut von ACDC beschallt. Dann rückten rund 4 000 Mann starke Marines-Einheiten aus Norden in das Dscholan-Viertel im Nordwesten der Stadt vor. Gleichzeitig bahnten sich im Nordosten weitere 4000 Truppen den Weg ins Al-Askari-Viertel. Das Abschlachten im Häuser- und Straßenkampf begann. (1)

Die Bratwurt von Regisseur bringt es fertig, dass Falludscha auch Nottingham sein könnte wie Raider Twix, nur andersrum.

Historische Wahrheit gibt es halt nicht, was Hood betrifft, was Falludscha betrifft schon. Dass Brathurst den Hood-Film mit Straßenkampf in einer arabischen Stadt wie Falludscha beginnen lässt – allerdings mit Bogenschießen, das ist dann wohl perfide und die vorweggenommene Pointe, aus der der junge Robin von Locksley (Taron Egerton) als Kreuzzügler zurückkehrt, um im noch nicht vereinigten Königreich von Großbritannien und so weiter Kapitalismus vorzufinden und den Sheriff von Nottingham (Ben Mendelsohn), der als Graf (Altenglisch gerēfa) und also Richter in der Grafschaft (gerēfa) für den eigentlichen Eigentümer herrscht, sowie Pfaffen, die dafür sorgen, dass die da unten die Ausbeutung durch die da oben für richtig und recht halten.

Die Bratwurst von Regisseur bringt es fertig, allerlei anderen Kleister in den von ihm angerichteten Klimbim zu kippen, auf dass am Ende alles an der Figur Robin Hood klebt, aber niemand weiß, was eigentlich und wofür er steht. Jedem seine Rezeption.

Filmograpfische Angaben:

  • Originaltitel: Robin Hood
  • Land: VSA
  • Jahr: 2018
  • Regie: Otto Bathurst
  • Drehbuch: Joby Harold
  • Kamera: George Steel
  • Schnitt: Chris Barwell
  • Musik: Joseph Trapanese
  • Darsteller: Taron Egerton (Robin Hood), Jamie Dornan (Will Scarlet) Ben Mendelsohn (Sheriff of Nottingham, Jamie Foxx (Little John), Eve Hewson (Jungfrau Marian), Björn Bengtsson (Tydon), Tim Minchin (Bruder Tuck), Antonio Lujak (Cossman Norton), Ian Peck (der Archidiakon), Nick Wittman (Morant) Declan Hannigan (Trebuchet Commander) Catriona Temple (Penny)
  • Produktion: Jennifer Davisson, Leonardo DiCaprio
  • Länge: 116 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 12

Anmerkung:

(1) Frei zitiert nach Gerhard Piper, Schlacht um Falludscha, 12.11.2004




Legende und Wahrheit: Stanislaw Muchas Film „Kolyma – Straße der Knochen“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Gulag? Gulag?“ Die Verkäuferin im Kiosk an der Fernstraße von Jakutsk nach Magadan versteht nur Gulasch. „Gulag? Nie gehört.“ Lachen.

Jakutischer Erfinder Niurgun unter Strom. © Foto/BU: W-film – TAG/TRAUM Filmproduktion

So beginnt der Dokumentarfilm Stanislaw Muchas, „Kolyma – Straße der Knochen“. Wenn Mucha einen neuen Film ankündigt, kann man sich auf eine Entdeckung gefasst machen, auf etwas Unerwartetes, Ausgefallenes, Komisches, zum Beispiel auf die Geschichte der Familie der Pop-Ikone Andy Warhol (im Original Warchola) im Film „Absolut Warhol“ oder auf die Suche nach dem geografischen Mittelpunkt Europas („Die Mitte“).

Angler in der Bucht von Magadan. © Foto/BU: W-film – TAG/TRAUM Filmproduktion

Was Mucha dieses Mal neugierig machte, ist der legendäre Ort, die Region, der furchterregende Archipel Kolyma – ein Begriff für Gulag, Leichen,Verbannung, Grausamkeit, Rechtlosigkeit, keine Rückkehr, Tod. Was ist dort geschehen? Was ist vergangen, was geblieben, wie sieht es heute dort aus, welche Erinnerungen gibt es? Kolyma ist eine Region im Fernen Osten Rußlands, benannt nach dem Fluß Kolyma, gelegen zwischen Jakutsk und der Ostsibirischen See. Ein Verbannungsort bereits unter dem Zaren, intensiv genutzt in der Sowjetunion unter Stalin seit 1932, Auffangbecken für jene, die in der Welle des großen Terrors am Leben geblieben, aber zu langjährigem Arbeitslager verurteilt worden waren.

Schaukel für ein Kind eines Lagerwächters, gebaut von einem Gulag-Häftling in der radioaktiven Todeszone im Uranbergwerk. © Foto/BU: W-film – TAG/TRAUM Filmproduktion

Sie lebten in bewachten Lagern, leisteten Knochenarbeit im Uranbergbau, in Goldminen, im Straßenbau. Es sollte eine „Schule fürs Leben“ sein, doch viele starben, auf Menschenleben kam es nicht an. Gesprochen wird von fünf Millionen Toten. Bauarbeiter oder spielende Kinder stoßen immer wieder auf menschliche Knochen. Mucha spricht mit überlebenden Gefangenen. Sie haben grausige Erinnerungen. Mal wurden 10 000 Gefangene erschossen, mal 2 000 Polen. Geschätzt liegen 170 000 Tote unter der 2000 Kilometer langen Trasse. „Ihr fahrt über einen Friedhof“, sagt einer. Manche leiden darunter, verstehen ihr Leben als Buße für die Toten. „Wir tragen den Schmerz von damals in uns“, sagt ein Alter. Die Ruinen der stillgelegten Lager verstärken den Eindruck der Verlorenheit.

Pferdehändlerin auf dem Fleischmarkt in Jakutien bei minus 50°C. © Foto/BU: W-film – TAG/TRAUM Filmproduktion

Wie lebt es sich heute hier? Die Region hat Großstädte, Hochschulen, Industrie. Die Einwohner haben Arbeit, Wohnung, ihr Auskommen. Gold, Edel- und seltene Metalle werden abgebaut. Junge Männer machen kühne Wettkämpfe in Rallyes, aber alle wollen studieren, in Sibirien oder in Sankt Petersburg. Das Leben verläuft in ruhigen Bahnen. Putin steht in gutem Ansehen. Neu angesiedelt sind Kriegsflüchtlinge aus Donezk. Gefragt wurden sie nicht, sondern einfach evakuiert. Sie glaubten, in Kolyma gäbe es noch die Lager. In Sibirien gehen die Uhren anders (auch im Wortsinne – Bahnhöfe haben Moskauer Zeit).

Goldene Lenin-Büste. © Foto/BU: W-film – TAG/TRAUM Filmproduktion

Mucha macht Aufnahmen von urkomischen Tanz- und Gesangsvorführungen mit patriotischen, aber rührenden Gesängen: „Weiße Vögel über Mütterchen Rußland“. Die sowjetische Estrade lebt. Auch Lenin steht an seinem Platze in Jakutsk.

Bei seiner Tour durchs Land stößt Mucha auch auf „irre“ Typen, zum Beispiel einen »Erfinder», der mit Stromstößen Menschen verjüngen will. Nicht lustig ist hingegen die Bekanntschaft mit einem Hobbyhistoriker, der Gegenstände und Fundstücke vom Lageralltag sammelt und in seiner Wohnung zu einem »Museum» vereinigt. Jener erhielt einen Preis der russischen Regierung. Er findet, dass man die Tragödie nicht überbewerten dürfe, denn 80 Prozent der Gefangenen wären „mit Recht“ im Lager gewesen.

Beschützer der Kälte in Jakutien. © Foto/BU: W-film – TAG/TRAUM Filmproduktion

„Wie lebt ihr mit der Vergangenheit?“, fragt Mucha einen Schamanen aus der Nationalität der Jakuten. Dessen Urteil ist sehr nachdenklich. „Es ist nicht unsere Straße. Wir meiden die Seelen der Toten. 99 Prozent von dem, was hier geschah, wissen wir nicht. Die Archive sind verschlossen, zum Beispiel über das Schicksal deutscher Kriegsgefangener. Sollen sie verschlossen bleiben! Du kannst die Straße nicht ändern. Ändern kannst du dein Verhältnis zur Straße. Wenn du in Berlin eine Schaufel Erde in die Hand nimmst, wie viele Knochen und wie viel Blut stecken darin? So ist es in ganz Europa.“ Im Raum steht: es gibt kein letztes Wort.

Im Raum steht auch: Was wissen wir eigentlich über das große Rußland? Wir kennen das Bolschoi Theater, die Philharmonie und die Eremitage in Sankt Petersburg, vielleicht noch den russischen Staatszirkus und den Donkosakenchor und diese und jene Fußballmannschaft. Ja, und selbstverständlich kennen „wir“ den Gulag und den „Krimkonflikt“ ganz genau! Ural, Hoher Norden, Sibirien, Ferner Osten, russischer Alltag – weiße Flecken.

Sängerinen beim größten Nationalwettbewerb auf Kolyma in der ehemaligen Gulag-Siedlung Debin. © Foto/BU: W-film – TAG/TRAUM Filmproduktion

Da kommt zum Beispiel das musicAeterna orchestra aus dem Opernhaus in Perm, Ural (fern von Moskau), in die Berliner Philharmonie. Es spielt im Stehen Mahlers Symphonie Nr.4. Die Musiker unter Leitung von Teodor Currentzis führen vor, nicht wie man Musik spielt, sondern wie man musiziert. Sie haben das Musikantische an Mahlers Sinfonie verstanden wie vielleicht niemand vor ihnen. Man ahnt, welchen Reichtum an Kultur und Bildung dieses Land besitzt. Rußland und die Sowjetunion haben das Schicksal Europas beeinflusst, wie zuvor die Französische Revolution. Im Großen Vaterländischen Krieg haben sie 27 Millionen Menschen verloren. Die Westmächte und die NATO aber glauben, Rußland „erziehen“ zu müssen. „Wir“ hüten Demokratie und Menschenrechte.

Kolyma-Flüchtling Major Jurij Soljartschin mit der Musikerin Irina beim Singen von Kolyma-Liedern. © Foto/BU: W-film – TAG/TRAUM Filmproduktion

Stanislaw Muchas Film erhebt nicht den Anspruch, alles zu wissen und alles werten zu können. Er sieht sich um, fragt, hört zu. Er ist im Interviewen erfahren, doch was die Leute zum Sprechen bringt, ist seine Unbefangenheit. Er lässt sie reden, man erfährt viel über ihren Alltag, ihre Erlebnisse, ihre Gedanken. Der Film berichtet über die Tragödie, die Verbrechen, ihre Spuren, ohne Beschönigung, aber ohne Häme. Mucha zieht keine Schlüsse – er bietet dem Zuschauer Informationen, gemessen an dem vielen Unbekannten ein kleiner Ausschnitt, aber ein Beitrag zur Wahrheit.

Die Kameraführung von Enno Endlicher ist perfekt. Musik wird sparsam eingesetzt, nur für die Fahrten auf der Trasse. Zu loben sind die guten Übersetzungen für die Untertitel.

Seit Juni 2018 läuft der Film in den Kinos. Ab 25. Januar 2019 wird er als DVD im Handel angeboten werden.

Filmographische Angaben

  • Deutscher Titel: Kolyma – Straße der Knochen
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 2017
  • Genre: Dokumentarfilm
  • Regie: Stanislaw Mucha
  • Produktion: TagTraum-Filmproduktion Köln
  • Verleih: W-film Köln
  • Länge: 85 Minuten
  • Altersbeschränkung: FSK 12

Anmerkungen:

Der Artikel wurde in kürzerer Fassung unter dem Titel „Weiße Vögel über Mütterchen Rußland“ in Ossietzky 25/2018 erstveröffentlicht.




Eine polnische Liebesgeschichte im Kalten Krieg von Pawel Pawlikowski

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Drama „Zimna wojna“ (deutscher Titel „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“) hatte im Mai 2018 auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes seine Premiere. Die Liebesgeschichte, die im Kalten Krieg spielt, dreht sich um den Pianisten Wiktor ( Tomasz Kot) und die Sängerin Zula (Joanna Kulig) und diese drehen sich auf dem europäischen Schachbrett nah am Eisernen Vorhang.

Vier Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs wird im von Großpolen, zu dem große Teile des eroberten und besetzten Ostdeutschland gehören, in dem unzählige die Deutschen vergewaltigt und vertrieben wurden, das Folklore-Ensemble Mazurek gegründet mit dem Ziel, polnische Volkslieder und -tänze zu pflegen oder was man dafür hält. Nach den ersten Erfolgen kommen propagandistische Lieder für den Sozialismus genannten Staatsmonopolkapitalismus samt seinem roten Adel stalinistischer Art hinzu.

Was im Kalten Krieg abnimmt ist die Menschlichkeit, die in der Auseinandersetzung der Herrschenden in Ost und West zerrieben wird und an die sich die Protagonisten, die bestens von den charismatischen Schauspielern Tomasz Kot und Joanna Kulig dargestellt werden, auf Gedeih und Verderb anpassen.

In „Zeit-Online“ (21.12.2018) schreibt Adam Soboczynski über „Cold War – Der Breitengrad der Liebe „: „Der neue Film des polnischen Regisseurs Paweł Pawlikowski spielt von 1949 bis 1964 überwiegend in Polen und in Paris, inmitten des ländlichen Elends und in der rauch- und suffseligen Boheme des Westens. Er handelt von zwei Liebenden, die zusammen nicht leben können, getrennt aber erst recht nicht. Und wie es Pawlikowski gelingt, in nur 85 Minuten ein episches Panorama des Kalten Krieges anhand eines Paares zu entfalten, ist ein Kunststück, das man sich nicht entgehen lassen sollte.“

Der von der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH geförderte Musikfilm „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“, für den u.a. in Lódz (deutsch Lodz oder auch Lotsch und sogar einmal Litzmannstadt) gedreht wurde, wurde kürzlich als European Film 2018 ausgezeichnet und gewann bisher fünf europäische Filmpreise. Neben Beste Regie, Bestes Drehbuch und Bester Schnitt holte Hauptdarstellerin Joanna Kulig die Trophäe als Beste Schauspielerin für „Cold War“.

Filmografische Angaben

  • Originaltitel: Zimna wojna
  • Deutscher Titel: Cold War – Der Breitengrad der Liebe
  • Ort: Frankreich, Polen, Vereinigtes Königreich
  • Jahr: 2018
  • Regie: Pawel Pawlikowski
  • Buch: Pawel Pawlikowski und Janusz Głowacki
  • Kamera: Łukasz Żal
  • Schnitt: Jarosław Kamiński
  • Schauspieler: Joanna Kulig (Zula Lichon), Tomasz Kot (Wiktor Warski), Agata Kulesza (Irena Bielecka), Borys Szyc (Lech Kaczmarek), Jeanne Balibar (Juliette), Cédric Kahn (Michel) Adam Ferency (Minister), Adam Woronowicz (Konsul)
  • Produktion: Ewa Puszczynska und Tanya Seghatchian
  • Länge: 88 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 12




Endlich noch ein Kriminalroman von Agatha Christie im Kino – Gilles Paquet-Brenner gelingt eine geradezu klassische Detektivgeschichte mit „Das krumme Haus“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Mit „Das krumme Haus“ wurde einer der besten Detektiv- und Kriminalromane von Agatha Christie in einem mit Glenn Glose und  Terence Stamp, Gillian Anderson, Christian McKay oder Christina Hendricks bestens besetzten Film unter der Frage Wer hat es getan? ins Kino kutschiert.

Die Erzählung wird in der Enge eines im wahrsten Sinne des Wortes
Crooked House gebracht, hinter dessen Türen sich allerfeinste Überraschungen verbergen wie bei einem Adventskalender. Der Zuschauer weiß, dass etwas passieren wird, aber nichts, was es sein wird. Einerseits ist das überschaubar, andererseits faszinieren die Figuren im immer noch ziemlich alten England des Nachkriegszeit. Die Geschichte zieht zudem ihre Spannung aus den Spannungen, die in der bourgeoisen Familie herrschen, nachdem der Herr des Hauses unter der Erde ist.

„Das krumme Haus“ ist ein Meisterwerk der klassischen Kriminalgeschichte mit verkrüppelten Charakteren unter dem mehr oder minder versnobten Über-Ich des britischen Geldadels und dem Über-Vater des Hauses Leonides. Deswegen wirken sie mitunter wie Charaktermasken, wie der Welt und Wirklichkeit Entfremdete, beinahe wir Karikaturen in Zuständen, die der Aufstände wert wären. Am Ende zerfällt die Großfamilie und wir schauen dabei zu.

Als Aristide Leonides, ein reicher und skrupelloser Tycoon, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Griechenland kommend und ohne Vermögen sowie Manieren im Vereinigten Königreich (VK) aufschlug, in seinem Bett vergiftet aufgefunden wird, darf der ehemalige Diplomat Charles Hayward (Max Irons), der in Kairo auch als Agent der Königin unterwegs war, und nach London zurückgekehrt an der Themse als Detektiv sein Dasein fristet, auf Einladung seiner Ex, die als leckere Enkelin durch die Geschichte schwirrt, im krummen Haus der Familie ermitteln, bevor es der Yard tut.

Als Täter kommen beinahe alle Bewohner des vieltürmigen und vieltürigen altehrwürdigen Hauses infrage. Aristides junge Witwe Brenda wurde schon zu seinen Lebenszeiten angefeindet, beinahe von allen anderen. Auch von seinem Lieblingssohn Roger, der sich durch die Erbschaft die Rettung seinen ruinierten Familienunternehmens erwartet. Dessen Frau Clemency erhofft sich hingegen nichts als die Freiheit vom Familienclan. Möchtegern-Feingeist Philip Leonides suchte wie eh und je einen Finanzier für die Verfilmung seines Drehbuches, in der seine Frau Magda, die ebenfalls auf Selbstverwirklichungsreise durch die Geschichte saust, die Hauptrolle spielen soll. Lady Lady Edith de Haviland, die einzig echte Adelige, fühlte sich seit dem Tod ihrer Schwester und Aristides erster Frau zurückgesetzt. Das darf man von Hauslehrer Brown, der sich nicht nur um Sophies jüngste Schwester Josephine kümmert, nicht behaupten. Ihm wird eine langjährige Liaison mit Brenda nachgesagt. So oder so ähnlich läuft der Laden bei den Schönen und Reichen.

Am gesamten Geschehen im Gehäuse nimmt Josephine nicht nur teil, sie beobachtet das auch sehr sorgfältig und nicht nur via Fernrohr aus einem der Fenster ihres Baumhauses. Mit dem Detektiv scheint sie Konkurrenz zu bekommen oder Holmes einen Watson.

Wer stirbt als nächstes oder besser noch: Wer hat es getan? Es gilt, den Mörder zu finden, bevor er erneut zuschlägt.

Das ist Old Style in Old England. Köstlich! Klassisch! Gilles Paquet-Brenner ist eine vorzügliche, eine 1a-Adaption eines Agatha-Christie-Romans, auch ohne Margaret Rutherford, gelungen.

Filmografische Angaben

  • Originaltitel: Crooked House
  • Deutscher Titel: Das krumme Haus
  • Land: VSA, VK
  • Jahr: 2017
  • Originalsprache: Englisch
  • Regie: Gilles Paquet-Brenner
  • Drehbuch: Julian Fellowes, Tim Rose Price, Gilles Paquet-Brenner
  • Vorlage: dem gleichnamigen Roman von Agatha Christie
  • Kamera: Sebastian Winterø
  • Schnitt: Peter Christelis
  • Musik: Hugo de Chaire
  • Darsteller: Max Irons (Charles Hayward), Stefanie Martini (Sophia de Haviland), Glenn Close (Lady Edith de Haviland), Honor Kneafsey (Josephine Leonides), Christina Hendricks (Brenda Leonides), Amanda Abbington (Clemency Leonides), Terence Stamp (Chief Inspector Taverner)
  • Produktion: Joseph Abrams, James Spring, Sally Wood
  • Länge: 116 Minuten
  • Freigabe: FSK 12




Rot geworden. Rojo heißt der neue Film von Benjamin Naishtat bei Around the World in 14 films

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wer in Spanien einschließlich der Balearen mal Hilfe braucht, dem können ein paar Worte einheimisch nicht schaden. Auf Mallorca gab es ja allein im Oktober mehrere Anlässe, bei denen Menschen geholfen werden musste. Am 9.10. kam für 13 von ihnen jede AYUDA zu spät, wie das auf spanisch heißt. Andere mützliche begriffe sind ‚caso de emergencia‘ (Notfall) und ‚La Cruz roja‘ – das Rote Kreuz. Steht die Farbe allein, sagt man Rojo. (Sprich: rrocho, dabei das ‚ch‘ wie in ‚auch‘, nicht wie in ‚ich‘, ‚euch‘, ‚röcheln‘ oder ’nicht‘.)

Der Pate Vincenzo Bugno erzählte vor dem Film, dass er den Regisseur schon vor Jahren traf, als sein Film „La Historia de Miedo“ – Geschichte der Angst – im Wettbewerb der Berlinale lief. Bugno ist der Chef des World Cinema Fund WCF.

Screening von Rojo bei Around the World in 14 films

Rojo läuft noch einmal heute, am Dienstag, den 27.11.2018 um 21.30 Uhr im Kino der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg im Bezirk Pankow.

Es ist nicht einer der „14 Filme“, sondern gehört in die Kategorie „WCF/ Argentinien“.

Inhalt sind Menschen, die nicht rot geworden sind, trotz ihres – kurz gesagt – unmoralischen Verhaltens.

Der Film spielt Ende 1975 kurz vor dem Putsch, als in Argentinien eine Diktatur begann; in der Provinz.

Die leise Subtilität Benjamin Naishtats, mit der er gleichzeitig aber den Finger in die Wunde des durch Doppelmoral Verdeckten legt, ist für ihn typisch, effektiv und grandios.

Wie immer bei 14 Films, so auch bei Rojo: Der Pate

Vincenzo Bugno vom Weltkinofond WCF ist von der Berlinale kaum zu trennen. Nicht nur gibt es während der Internationalen Filmfestspiele Berlin einen WCF-Tag, nein, Bugno moderiert auch bisweilen die Pressekonferenzen.

Bugno erinnerte sich an seinen ersten Einsendeschluss beim WCF. Damals wurden 160 Filme eingesandt. Fast ein Viertel, nämlich 35 Filme stammten aus Argentinien. Für ihn eine Beweis für die hohe Qualität und Produktivität des Filmlandes.

14films.de
Around the World in 14 films




Wir kriegen mehr/ Die Welt ist klein/ Nicht genug. Was uns nicht umbringt: Der neue Film von Sandra Nettelbeck – Jahrgangsbester?

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Welt ist klein, so mag es sein. Was uns nicht umbringt, macht uns … wie? Sandra Nettelbeck, nach der der Nettelbeckplatz in Berlin-Wedding am gleichnamigen S-Bahnhof nicht benannt ist, hat einen Film gemacht, den man nicht besser machen kann. Man könnte ihn nicht besser machen, Sandra Nettelbeck auch nicht.

Warum dann ein Titel mit einem „nicht“? Ginge es nicht auch anders? Und ist „was uns umbringt“ für unser Unterbewusstsein nicht zu brutal, zu direkt, nicht diskret genug? Nein; auch der Titel ist gut. Krieg tötet, Krankheiten, Unfälle und Gram, die in die Krankheit führt. Von Menschen, die sich selbst töten, ist hier glücklicherweise nicht die Rede; also gibt es auch keine versteckte Werbung für Wunsch-Euthanasie-Projekte in Belgien oder eine Entlastung der Rentenkasse. Nein, die Angelpunkte des Films sind die Praxis eines Psychologen, Max Lange (August Zirner) und ein Bestattungsinstitut. Das ist gut. Nicht verfehlt und gut gewählt. Eine Praxis mit einer Couch schafft eine entspannte Atmosphäre und ist obendrein der perfekte Treffpunkt für Figuren, die sich sonst vielleicht nicht begegnet wären. Nicht nur, dass sich Psychologen und Psychotherapeuten in ihre Patienten verlieben können. Soll ja mal vorkommen.

Unterschiedlichste Berufsgruppen, auch die, die vielleicht nicht zur Ober- und Mittelklasse gehören, sitzen auf dem selben Sofa. Die Menschen verbindet, dass sie nicht glücklich sind. Sie haben keine Partner und sind deswegen unglücklich? Eher nein. Die Realität ist anders und wird von Sandra Nettelbeck so perfekt gespiegelt, dass man es nicht merkt. So soll es sein, trotz der vielen fast unglaublichen Zufälle, Koinzidenzen und Synchronizitäten, wie es C.G. Jung sagen würde, wirkt dieser Film nie überkonstruiert. Die Figuren sind lebensnah und liebenswürdig. Der Versuchung, alle und jeden zu verkuppeln, so wie ein Sonntag-Abend-Fernsehfilm im ZDF, widersteht Nettelbeck nicht nur, sie ist nie in Versuchung gekommen.

Sandra Nettelbeck schrieb Drehbuch und führte Regie in Personalunion für: Was uns nicht umbringt

Sie ist die Filmemacherin. Dazu reicht es aus, Regisseurin zu sein. Sie schrieb aber auch das Drehbuch und wer den Film anschaut, wird verstehen, warum diese Einheit notwendig war. Nettelbecks Drehbuch ist wunderbar und ihre Regie stellte sicher, dass es auch realisiert wurde. Nicht nach den Buchstaben des Gesetzes (des Skriptes), sondern dem Geiste nach.

Was uns nicht umbringt hätte auch heißen können: Die Welt ist klein

Die Welt ist klein, q.e.d. Doch manche, die sich begegnen, verstehen sich auch noch. So bemerken der Bestatter und der Psychotherapeut, wie ähnlich sie darin sind, das Leid der anderen teilen zu müssen. Beide haben aber in ihrem Metier auch die Chance, anderen zu helfen.

Die Begegnung kommt nur zustande, weil der Bestatter einmal nicht mit seiner Schwester und Geschäftspartnerin auf der Couch sitzt. Die Hypochonderin ist gerade beim Arzt. Lang lachen die beiden Leidenden.

Einer der tollen Filme der Zeit ist „Gegen den Strom“. Was uns nicht umbringt anzuschauen, ist ebenfalls ein großer Gewinn.

Dia Dialoge sind einfach toll, genial, passend. Selten einmal, das ein ähnliches Strickmuster zu erkennen ist und selbst dann ist es die hohe Qualität und der feine Humor, die durch scheinen.

Auch die Musik von Bertelmann passt wunderbar.

Zur Ausmalung der Figuren – sogar der Toten – wurde an nichts gespart. Ein in Syrien kriegsbedingt umgekommener Photograph wird nicht mit irgendwelchen Photos aus zweiter Hand garniert, sondern mit den entlehnten Werken Fabio Bucciarellis aus dem Bildband „The dream“.

Die Kameraarbeit ist genuin, experimentiert in Details und ist auf den Punkt, trifft den Nagel auf den Kopf, eine Bildsprache, die den Namen verdient.

Die DNS lässt uns leben

Der einzige Fehler, der in diesem Film auszumachen ist, ist die falsche Abkürzung von „Desoxyribonukleinsäure“. Aus dieser Säure besteht bekanntlich unsere Erbsubstanz. In Form einer Doppelhelix in jeder Zelle. Aufgrund der Silben-Anfangsbuchstaben innerhalb des Wortes wird die Säure „DNS“ abgekürzt. Im Film spricht die Hauptfigur jedoch von DNA. Das ist die englische Abkürzung für DN-Acid und spricht sich „di-enn-ej!“. Es „Dee-enn-Aa“ auszusprechen ist eine unzulässige Eindeutschung. Ein Fehler übrigens, der häufig und wohl meist unbewusst gemacht wird.

Fehler in der DNS

Sie werden mir beipflichten, dass dieser kleine, aber unangenehme Fehler, der einreißt und die richtige Abkürzung DNS sogar aus dem Sprachgebrauch zu verdrängen droht, hinsichtlich der Bewertung des Films – und nur in dieser Hinsicht – weniger als eine Lappalie ist.

5 Sterne von 5, wenn wir ein solches System hätten. Summa cum laude. Möge Sandra Nettelbeck viele Filmpreise gewinnen!

Der Spielfim: Was uns nicht umbringt

Deutscher Kinostart am 15. November 2018.




Letzter Tango, letzter Film. Italian Film Festival Berlin schließt mit Erstaufführung von restauriertem „LAST TANGO IN PARIS“ von Bertolucci

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Letzte Tango in Paris, eigentlich „Last Tango in Paris“ oder auf italienisch Ultimo Tango a Parigi ist ein Filmklassiker von Bernardo Bertolucci mit Marlon Brando und Maria Schneider. Die RESTAURIERTE Originalversion auf englisch und französisch mit italienischen Untertiteln wird erstmals gezeigt auf dem Italian Film Festival Berlin in der Kulturbrauerei Nähe U-Bahnhof Eberswalder Straße. Beginn 15 Uhr.

Der Film dauert 132 Minuten. Ein Spaziergang bei windig-regnerisch-kühlem Wetter ist vielleicht keine Alternative zu diesem Ereignis.

Eine Projektion der restaurierten Filmkopie der Stiftung Fondazione Centro Sperimentale di Cinematografia – Cineteca Nazionale di Roma.

Anschließend Verleihung der Zuschauerpreises des Italian Film Festival 2018 (Tuscia Filmfest).




"Johnny English - Man lebt nur dreimal"

Einer blieb übrig oder der Premiumagent der Premierministerin – Die Eins unter den Nullen: „Johnny English – Man lebt nur dreimal“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der dritte Teil der Johnny-English-Reihe läuft in den Kinos und im Weltnetz. Er trägt passenderweise den Titel „Johnny English – Man lebt nur dreimal“ und ist sowohl eine Persiflage auf James-Bond-Filme als auch eine Geheimagent-seiner-Majestät-Actionkomödie aus dem Jahr 2018. In der Fortsetzung zu „Johnny English – Der Spion, der es versiebte“ und „Johnny English – Jetzt erst recht!“ hetzt English im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland in wilden Verfolgungsjagden wahnwitzigen Ganoven hinterher.

"Johnny English - Man lebt nur dreimal"
Rowan Atkinson als Johnny English und Olga Kurylenko als Ophelia in „Johnny English – Man lebt nur dreimal“. © 2018 Universal Studios and Studiocanal SAS

Doch Johnny English (Rowan Atkinson) muss dieses Mal nicht nur in der britischen Welt besteht, sondern auch in der digitalen. Alle geheimen Doppelnull-Agenten wurden durch die Attacke eines mysteriösen Hackers enttarnt. Nun sucht die Premierministerin (Emma Thompson) einen Premiumagenten, der den Nullen und Einsen widerstehen kann. English, der längst als Erdkundelehrer seinen Schülern allerlei Spionagetricks lehrt, und andere Alteisen werden rekrutieren. Weil er während der Vertragsunterzeichnung die anderen versehentlich um die Ecke bringt, bleibt er die einzige Wahl, wird also als Eins angeheuert und auf den fiesen Fall angesetzt. Als Partner wünscht sich English seinen alten Kollegen Jeremy Bough zurück und ganz alter Schule einen Aston-Martin.

Mit seinen kompromisslos analogen Methoden wird Johnny English fern der Insel zur letzten Hoffnung des Geheimdienstes Ihrer Majestät. Ohne Smartphone und Schlepptop oder anderen digitalen Schnickschnack findet er den Feind im Fadenkreuz seiner Erfahrungen und Erkenntnisse. English ist oldschool und gen­t­le­man­like.

"Johnny English - Man lebt nur dreimal"
Rowan Atkinson als Johnny English in „Johnny English – Man lebt nur dreimal“. © 2018 Universal Studios and Studiocanal SAS

Die Geschichte, die auf der Leinwand erzählt wird, wirkt runder und in sich stimmiger, obwohl nach wie vor die eine oder andere Szene im Gesamtkunstwerk erscheint, als sei sie mal hineingeschnitten worden, weil sie jemand mag. Hier und da darf lauthals gelacht werden, doch über Schenkelklopfer und Slapstick hin zum feingeistigen Humor reicht er nicht. English ist leicht Komödie, längst nicht Loriot.

Für „Johnny English – Man lebt nur dreimal“ wurde das erfolgreiche Team der ersten beiden Folgen wieder zusammengekauft. Neben Weltstar-Komiker Rowan Atkinson, der ein weiteres Mal die Titelrolle spielt, sorgen Drehbuchautor William Davies und die Produzenten Tim Bevan und Eric Fellner von Working Title Films sowie Chris Clark auch bei Johnny Englishs drittem Agenten-Abenteuer für spaßige Spannung und muntere Missgeschicke. Die Regie hat David Kerr übernommen.

"Johnny English - Man lebt nur dreimal"
Rowan Atkinson als Johnny English und Ben Miller as Bough in „Johnny English – Man lebt nur dreimal“. © 2018 Universal Studios and Studiocanal SAS

In weiteren Rollen sind Olga Kurylenko (James Bond 007: Ein Quantum Trost, Oblivion), Ben Miller (Paddington 2), Jake Lacy (How to be Single, Carol) und die zweifache Oscar-Preisträgerin Emma Thompson (Sinn & Sinnlichkeit, Tatsächlich … Liebe) zu sehen.

Mehr Reklame für den Film, der am 5. Oktober 2018 in den britischen, am 18. Oktober 2018 in den deutschen und am 26. Oktober 2018 in den US-amerikanischen Kinos startete, unter https://www.facebook.com/Johnny.English.DE/ im Weltnetz.

Filmografische Angaben

Originaltitel: Johnny English Strikes Again
Deutscher Titel: Johnny English – Man lebt nur dreimal
Land: Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland, Vereinigte Staaten von Amerika, Frankreich
Jahr: 2018
Regie: David Kerr
Buch: William Davies
Kamera: Florian Hoffmeister
Schnitt: Tony Cranstoun und Mark Everson
Musik: Howard Goodall
Schauspieler: Rowan Atkinson, Ben Miller, Olga Kurylenko, Jake Lacy, Emma Thompson, Adam James, Matthew Beard, Vicki Pepperdine, Pippa Bennett-Warner, Miranda Hennessy, Irena Tyshyna, David Mumeni, Tuncay Gunes, Charles Dance, Michael Gambon, Edward Fox
Produktion: Tim Bevan, Eric Fellner und Chris Clark
Altersfreigabe: FSK 6, JMK 8
Länge: 89 Minuten