„Men in Black“ – nun auch Women. Science-Fiction-Classic international

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Men in Black“ war eine tolle Trilogie. Bei „Fack ju Göhte“ schwächelte es im zweiten Teil etwas, um im dritten glanzvoll zu enden. Ein deutsches Produkt, das im Ausland ein Remake erfuhr. „Hangover 1“ war etwas neues, nach 2 hatte man einen Kater und 3 war dann ein halbwegs versöhnlicher Abschluss nach dem Motto – besser nie wieder. Andere Filmserien stoppten gefühlt nie. Who saw „Saw“? Der Sägeblattfortsetzungsroman: der reinste Horror. Wer weiß (noch), wie viele Teile es gab? „Toy Story“ und „Pets“ sind da eher auf Trilogiekurs, die zweiten Haustiere (Pets2) sind gerade unterwegs. Ähnlich wie bei der netten Komödie am Rande der Legalität „Fack ju Göhte“ schien es bei „Men in Black“ nach dem 3. Film eine „natürlichen Schluss“ zu geben.

Während gegen einen vierten „FjG“ zwar eigentlich nichts einzuwenden wäre, hatten wir weitere „Men in Black“-Stories herbeigesehnt. Obwohl das ein kurzer, dreisilbiger Titel ist – viele deutsche Wörter brauchen allein schon drei Silben, wie „Eisenbahn“, „Massenwahn“, „Ururahn“ oder „Spreewaldkahn“ – geht es noch kürzer: MiB oder MIB. Einsilbig. Kurz und schnell. So schnell wie Speedy Gonzales (sprich Spidi Gonsales), die schnellste Maus von Mexiko, die Mip-Mip fiepend durch die (Zeichentrick-)Lande huschte.

Doch leider ahnte man, dass es mit einem vierten Teil nichts würde – zu gut die Story. Ende gut, alles gut. Auch im Abschluss. Jetzt geht es mit „Men in Black“ doch weiter. Eigentlich sind es ja nur „Männer in Schwarz“ mit weißem Hemd – weißer Weste? – und Krawatte, aber nicht aus Watte und oft mit Waffe.

Die kleinste im Arsenal, dass wissen wir, hatten schon einen gewaltigen Wums. Wie hieß sie gleich noch, „Grille“? Will Smith alias Agent JAY, ehrgeizig und – typisch amerikanisch – voller Selbstvertrauen, ist dann beim ersten „Abfeuern“ gewaltig überrascht von der Wirkung.

„Men in Black – international“: Es geht weiter mit den „Men in Black“ – aber wie?

Men in Black International. Agent H (Chris Hemsworth) in der in der Stadt New York gelegenen US-Zentrale der MiB. © Sony Pictures

Wie aber gut weitermachen? Ausländer sind keine große Sensation mehr, wenn es Außerirdische gibt. Im Englischen ist der Unterschied zwischen ihnen nicht immer festzustellen. „Alien“ (fremd, außerirdisch, etc.) hieß ein Film, „alien aircraft“ kann schlicht ein Flugzeug der französischen Luftwaffe sein – aus US-Sicht. Das Fremde, das bei Yoko Tawada aus der Dose kommt, ist also per se schon eingepreist. Bleibt Liebe für alle und gleiche Rechte für alle. Gleichgeschlechtliche Liebe als Thema hält vielleicht so manchen actiongeilen Rabauken vom Kino fern. Frauen gleichzustellen, vielleicht auch. Doch machen sie sich in Liebesgeschichten ganz gut.

„Women in Black“ wäre die logische Folge; vielleicht gibt es dafür einfach nicht genug Frauen. Noch gibt es keine Frauenquote bei „Men in Black“.

„Men in Black – international“ ist da intelligenter. Eine neuer Euphemismus für „weiblich“?! Demzufolge wären Männer in einem Land und Frauen in einem anderen.

Männer vom Mars, Frauen von der Venus

Men in Black International. Agent M (Tessa Lynne Tompson) und Agent H (Chris Hemsworth) mit fliegendem Gefährt in der Wüste. © Sony Pictures

John Gray schrieb „Männer sind anders. Frauen auch“ und „Männer sind vom Mars. Frauen von der Venus“. Hmm. Männer und Frauen – hört sich übrigens nicht nach Ladies first an, aber wenn das nur für Ladies gilt, hilft es eh nicht allen Frauen – sind also nicht nur von verschiedenen Kontinenten oder Ländern, sondern sogar von verschiedenen Planeten. Immerhin aus demselben Sonnensystem. Annäherung ist also möglich, gegebenenfalls mit Lichtgeschwindigkeit.

Womit beim Thema Raumschiffe und UFOs wären. Die einen gibt es, die anderen nicht. Jeder US-Politiker kann zurzeit behaupten, dass er, anders Präsident Jimmy Carter, der Erdnussbauer, keine UFOs gesehen hätte. Sogar, dass es keine UFOs gäbe.

Das ist ganz leicht, bedeutet doch UFO „Nicht indentifizertes Flugobjekt“. Wenn die US-Luftwaffe aber alle Objekte identifiziert, bleiben eben keine unidentifizierten mehr übrig. Der Terminus IAC bezeichnet demzufolge auch ein identiziertes „feindliches“ oder außeridisches Flugobjekt, besser Fahrzeug oder Luftfahrzeug (Identified Alien Craft).

In den ersten Filmen schweben Agent J und K schon mal auf fliegenden Autos durch die Gegend. Eine interessante Variante von Verfolgungsjagd. Die Fahrzeuge sind dabei „Transformers“ – eben noch Automobil, dann Miniflugzeug.

„Men in Black – international“ – wie funktionieren die Vorgängerfilme?

Men in Black International. Ein Außerirdischer. © Sony Pictures

In „Men in Black 1-3“ gibt es Außerirdische auf der Erde, teilweise genießen sie hier Asyl. Aus irgendeinem Grund, vielleicht, um die Menschen auf der Erde nicht zu beunruhigen, vielleicht, weil Außerirdische es als Bedingung gestellt haben und es ihnen auf Grund ihrer technischen Macht ein Leichtes wäre, alles menschliche Leben auf der Erde zu vernichten, wird das geheimgehalten. Sieht einmal ein Mensch oder eine Gruppe eine Verfolgungsjagd oder Ähnliches, womöglich ein Exemplar oder mehrere einer Spezies – es gibt ja nicht nur ein außerirdisches Volk! – wird er oder sie geblitzdingst. Mittels einer kleinen Apparatur wird eine temporäre Amnesie ausgelöst. Erlebt, gesehen und – vergessen. Die Männer im schwarzen Anzug, die Men in Black setzen zum Schutz eine Brille auf, eine Art Sonnenbrille. Die Menschen leben normal weiter und erhalten für die Episode oder Gedächtnislücke eine Alternativstory. Mit dieser können sie sich und anderen gegebenfalls „erklären“, was vorgefallen war.

Beobachter aus der Ferne werden mit Fernseh- oder Zeitungsberichten abgespeist. „Metereologische Phänomene“, „Nordlicht“ oder ähnliche Lügen halten die Menschen von der Wahrheit fern. Möglicherweise zu ihrem eigenen Guten. Möglicherweise.

Es gibt Ausnahmen

Manchmal geht den ‚Men in Black‘ ein Mensch durch die Lappen; er wird nicht geblitzdingst. Das ist unwahrscheinlich, denn, wie uns andere Spielfilme weißmachen, erschrecken Frauen ja schon bei einer Maus derart, dass sie auf einen Stuhl fliehen. Nur deshalb nicht auf einen Tisch, weil Stöckelschuhe und enger Rock soviel Beweglichkeit nicht erlauben. Auch Kinder gelten als schreckhaft bei Insekten und Ähnlichem. Besonders Mädchen, nicht wahr?

Nun, es gibt Ausnahmen.

Keine Spoiler

Wir dürfen Ihnen nicht die Handlung des Films verraten. Unerwartete Begegnungen und Freundschaften, Reisen international und so manche Überraschung und Wendung sorgen für Freude, wenn man es selbst erlebt; im Kino.

Verraten sei, dass auch die Frau (en?, Tessa Thompson) schwarz tragen, business-like.

Spielorte in Afrika, Europa, Nordamerika

Men in Black International. Agent H (Chris Hemsworth) und Agent M (Tessa Lynne Tompson) auf Verfolgungsjagd im Basar. © Sony Pictures

Als zufällige, abgelegene Gegenden sei die Wüste erwähnt, vermutlich die marokkanische. Marokko ist ja groß im Filmgeschäft und auch das pittoreske Durcheinander der Basare immer wieder eine willkommene Abwechslung auf der Leinwand.

Paris kommt vor und bei Paris aus US-Sicht darf eine Sache nicht fehlen. Sie wissen schon, dieser temporäre Turm. Der, der immer noch steht, aus viel Metall; der manchmal wie ein Leuchtturm wirkt. Er steht nicht in der Eifel, sondern in der französischen Hauptstadt.

Und, natürlich, New York.

Gleichberechtigung

Men in Black International. Agent O (Emma Thompson), die Leiterin der US-Zweigstelle der Men in Black, im Büro in New York. Im wirklichen Leben ist die Britin der einzige Mensch, der sowohl als Darstellerin als auch als Drehbuchautorin einen ‚Oscar‘ gewann. © Sony Pictures

Dass die Frau schwarz tragen darf, nehmen wir mal als Zeichen von Gleichberechtigung (post-germanistisch: „gender equality“). Die Neue auf Probezeit ist dabei nicht die einzige Vertreterin des weiblichen Geschlechts.

Neben Agent M (Tessa Thompson) taucht Agent O im Film auf, gemimt von Emma Thompson, der britischen Schauspielerin. Agent O leitet die US-Zentrale der „Men in Black“. Emma Thompson bekleidet nicht nur im Film eine Führungsposition, was Vorbildcharakter haben kann. Thompson ist die einzige Person, die je für Schauspiel und Drehbuch einen Academy Award bekam, einen „Oscar“. Die beiden Thompsons sind nicht miteinander verwandt.

Liam Neeson ist auf einem Szenenbild zu sehen. Er passt in die Haurein-Filme, wo er seine Film-Tochter vor harten, bösen Buben beschützt – mit aller Härte. Das tut er mit voller Hingabe, teilweise gegen ausdrückliche Befehle von Vorgesetzten. In einem Streifen ist er im Dienst, in einem anderen im Ruhestand. Für harte Action ist er der Richtige. Ist er es für „Men in Black“? Man entscheide selbst.

Eine Frau im inneren Kreis der Heimlichtuer ermöglicht – bei Beibehaltung der heterosexuellen Sichtweise – eine „Boy-meets-Girl-Story“. Während der Arbeitszeit. Im „Büro“, das nicht von home24 eingerichtet wurde, oder im Außendienst. Sie wissen schon, Mann, Frau, Liebe … Und ja, in die Richtung passiert etwas, doch nicht unbedingt so, wie man sich das ausmalt, und das ist gut so.

Der Schönling im schwarzen Anzug – Agent H (sprich: Ej-dschent Ejtsch) – wird von Chris Hemsworth gemimt. Bloß weil er aus Frauensicht hübsch ist, muss er ja nicht hohl sein.

Ein deutsch-amerikanischer Unterschied

Interessant: Die deutschsprachige Wikipedia setzt Tessa Thompson („Agent M“) an die Spitze der Schauspieler, in der englischsprachigen Varante findet man unter „Starring“ zuerst Chris Hemsworth alias H.

„Men in Black“-Fazit

„Men in Black“ lebt auch davon, dass eine gewisse kriminalistische Vorgehensweise erforderlich ist, um außerirdische Halunken oder solche, die sich schlicht verstecken, weil sie sich in Gefahr wähnen, aufzuspüren. Auch wenn die Bewaffnung teils ins Militärische zu gehen scheint, ist sie vor dem Hintergrund eines Krimis gedacht, nur weitaus futuristischer.

Manchem erscheint Science fiction lächerlich, so wie manche auch nicht verstehen können, warum Hunderte Millionen zugucken, wenn zweimal zehn Menschen hinter einem Ball herlaufen. Aber es funktioniert und ist spannend, und die „Next generation“ der „Men in Black“-Filme, die uns hoffentlich samt diesem ersten bevorsteht, ist auf der Höhe der Zeit.

Es ist gute Unterhaltung mit viel getaner Arbeit in der Haar- und Schminkabteilung und bei den Kostümen.

Ein Film, den man auf der Leinwand – unendliche Weiten – schauen sollte.

Ein Film, der auch beim zweiten Anschauen vermutlich noch Details preisgibt, die man beim Verfolgen der Handlung übersehen hatte.

Ob nun solche Filme nur dem langsamen Einsickern der Wahrheit, dass es Außerirdische gibt, dienen, wie manche unken oder vermuten, ist egal. „Men in Black“ ist beste Unterhaltung mit einer hervorragenden Hauptdarstellerin ( Tessa Thompson) und einer Riege von Spitzenschauspielern. Beiderlei Geschlechts.

„Men in Black“. Die Filme wurden erstmals 1997, 2002 und 2012 gezeigt, mit Tommy Lee Jones und Will Smith. „Men in Black – international“ ist ganz frisch aus dem Jahr 2019. Hauptdarstellerin: Tessa Thompson (Tessa Lynne Thompson)

Bundesweiter Kinostart am 13. Juni 2019, in den USA und China am 14. Juni, der Stadt New York bereits am 11. – FSK 12.




Tödliches Huhn und krankhaftes Hirn? – Zum Film „Eine moralische Entscheidung“ von Vahid Jalilvand

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der iranische Spielfilm „Ein moralische Entscheidung“ von Regisseur Vahid Jalilvand zeigt zwar fremde Leute in einem fremden Land, die dennoch vor den gleichen Problemen stehen, wir die Deutschen in deutschen Landen. Probleme wollen gelöst werden, Fragen suchen Antworten. Nun, es geht genauer: Bestimmte Menschen, moralische Menschen, suchen nach Antworten.

Szene aus dem Film „Eine moralische Entscheidung“. © Noori Pictures

Einer dieser moralischen Menschen scheint Kaveh Nariman zu sein, der bei einem nächtlichen Verkehrsunfall, den er zwar nicht verursachte, an dem er jedoch beteiligt war, mit seinem Auto eine vierköpfige Familie auf einem Motorrad anfuhr. Es am zum Sturz, der achtjährige Amir wurde augenscheinlich leicht am Kopf verletzt, was Nariman als Arzt beziehungsweise penibler Gerichtsmediziner schnell feststellen konnte.

Szene aus dem Film „Eine moralische Entscheidung“. © Noori Pictures

Pflichtbewußt drängt er Amirs Vater Moosa, seinen verletzten Sohn direkt ins Krankenhaus zu bringen, er gibt ihm sogar Geld als Entschädigung für alle Kosten und den Schrecken des Unfalls an. Der nimmt als armer Mann an, aber als einer mit Ehre selbstredend widerstrebend.

Am nächsten Tag hört er den Namen des Junge in der Gerichtsmedizin. Er liest ihn, er sieht ihn, nicht lebendig, sondern als Leiche.

Szene aus dem Film „Eine moralische Entscheidung“. © Noori Pictures

Nariman denkt, dafür die Schuld zu tragen. Noch macht er daraus ein Geheimdienst, dass er jedoch bald lüftet, weil seine ihm nahestehende Kollegin Dr. Sayeh Behbahani sie ihm sonst aus der Nase ziehen würde, Die diagnostiziert übrigens eine Lebensmittelvergiftung als Todesursache.

Der Vater kaufte als armer Mann verdorbenes Fleisch von einem skrupellosen Lohnarbeiter eine Geflügelfabrik, der die Tiere eigentlich hätte vernichten müssen, schwarz und für wenig Geld gekauft.

Szene aus dem Film „Eine moralische Entscheidung“. © Noori Pictures

Die Trauer bei Amirs Mutter Leila schlägt in religiöse Wut um. Leila erhebt gegenüber ihrem Mann Moosa den Vorwurf, Amir umgebracht zu haben. Sie will sich von ihm trennen.

Moosa nimmt nun Rache. Er taucht in der Fabrik auf, stellt den Schwarzhändler zur Rede und ruft, dass er ihn töten werde. Gesagt, getan. Im Streit stürzt der Betrüger in eine Grube. Moosa kommt ins Gefängnis.

Nun müht sich Nariman mehr denn je, den Fall aufzuklären, wobei er sich als wenn auch unbeabsichtigter Auslöser einer Kette von verhängnisvollem Verhalten und unheilvollen Verhältnissen zu sehen scheint.

Szene aus dem Film „Eine moralische Entscheidung“. © Noori Pictures

Dass es auch im Iran reich und arm gibt, ein wohlhabender Mediziner und eine Arbeiterfamilie im Elend, genauer gesagt: eine Klassengesellschaft, das zeigt dieses todernste und sozialkritische Drama trefflich. Dabei werden Trauer und Wut bis zum religiösen Wahn, die Arbeit von Gerichtsmedizinern und Richtern ebenso gezeigt, wie das sogenannte Zwischenmenschliche und zwar in vielen Facetten.

Filmografische Angaben

  • Deutscher Titel: Eine moralische Entscheidung
  • Staat: Iran
  • Jahr: 2017
  • Regie: Vahid Jalilvand
  • Drehbuch: Vahid Jalilvand, Ali Zarnegar
  • Kamera: Peyman Shadmanfar
  • Musik: Peyman Yazdanian
  • Schnitt: Vahid Jalilvand, Sepehr Vakili
  • Darsteller: Navid Mohammadzadeh (Moosa), Amir Agha’ee (Dr. Kaveh Nariman), Hediyeh Tehrani (Sayeh), Zakiyeh Behbahani (Leila), Sa’eed Dakh (Inspektor), Alireza Ostadi (Staatsanwalt)
  • Produzenten: Ali Jalilvand, Ehsan Alikhani




Kater Coljas Besuch bei den Tieren. Entspannungsmusik für Kinder mit Geschichtenerzähler: CD mit Buch

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Kater Coljas Besuch ist nur der Anlass zu einem wunderbaren Hör-, Lese- und Malerebnis. Hier kann man mal etwas erleben und mal nach Herzenslust malen. Ohne, dass einem die Farben vorgeschrieben werden würden. Ausmalbücher sind voll im Trend. Das lernt man auch aus dem französischen Spielfilm „Zwischen den Zeilen“, der sich vor allem, neben zweier Liebesgeschichten und der Frage, wie Zweierbeziehungen laufen, mit Digitalem und Analogem befasst, im Verlagsbereich und allgemein-philosophisch. Die Rede ist von Ausmalbüchern für Erwachsene. Doch Ausmalbücher sind eigentlich fast immer auch für Kinder. Zumindest ist das Ausmalen an sich kinderleicht. Und wer wird einem Erwachsenen schon auf die Finger schauen, wenn er im stillen Kämmerlein ein Ausmalbuch für Kinder ausmalt? Ein Verkaufsverbot für Kinderausmalbücher an Erwachsene kann man sich jedenfalls kaum ausmalen. Wer eines kaufen möchte, muss den Ausweis zeigen und unter 16 sein?

Kater Coljas Besuch bei den Tieren: ein Buch und Ausmalbuch

Wie gut, dass „Entspannungsmusik für Kinder“ kein reines Ausmalbuch ist.

Eigentlich ist es auch kein richtiges Buch. Es ist eines, hat aber keine ISBN (internationale Standardbuchnummer). Diese Nummer beginnt ja bekanntlich in Deutschland mit einer 3 (gegebenenfalls mit dem vorgeschalteten 978-). Man sucht sie im und auf dem Buch vergeblich.

Auch die Paginierung, die Vergabe der Seitenzahlen, ist ungewöhnlich. Nicht nur, dass links oben immer zwei Zahlen stehen, zum Beispiel 07/08: „Äsende Rehe am Waldesrand“, nein, gegenüber steht die richtige Seitenzahl („13“), die Seitenzahl 12 allerdings wurde weggelassen. Alle geraden Seitenzahlen wurden weggelassen.

Auf Seite 50 (das ist die Seite nach S. 49) stehen die Quellenangaben zur Musik. Track 30 ist zum Beispiel „Eselkarawane auf dem Bergpfad“, dem entspricht im Buch 29/30 (gegenüber von Seite 39) „Eselkarawane auf dem Bergpfad hinab ins Tal“.

Sehr gut durchorganisiert: kinderleicht zu bedienen und wiederzufinden

Kater Coljas Besuch bei den Tieren. Entspannungsmusik für Kinder. (Ausmal-) Buch mit CD. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Alles ist also gut durchorganisiert und leicht zu finden, egal ob im Buch oder auf der CD. Kinderleicht.

Die Beschreibung mag umständlich klingen; Buch und CD passen perfekt zueinander.

Die Geschichte ist menschengemacht und für Menschen gemacht. Zum Glück ist außer dem Namen – Kater Coljas Besuch … – nichts Menschliches an ihm. Sprechen kann er zum Beispiel nicht. Auch wird die Ich-Perspektive vermieden, es heißt stattdessen zum Beispiel „Nun springt Kater Colja mit großen Sätzen den Berghang hinauf.“ Das ist gut so. Kritisieren könnte man, dass die nachtaktive Katze, die keinen Kater hat, sondern einer ist, erst nach Sonnenaufgang loszieht. Vielleicht sollen Kinder nicht zu nächtlichen Ausflügen ermuntert werden. Obendrein würden dann die bei Tag aufgenommenen, teils sehr schönen Bilder (Rehe) nicht passen. Und so muss der erste Satz wohl so lauten, wie er da steht. „An einem schönen Sommermorgen beschließt Kater Colja gleich nach Sonnenaufgang einen größeren Ausflug in die Natur zu machen.“

Dieser führt Colja nacheinander in eine Seen- und Flusslandschaft, in ein Waldgebiet, in die Bergeswelt und zu Flussauen und Wiesen. Übersicht auf Seite 3, auf den Seiten 6/7, 18/19, 28/29 und 40/41 kommt man zur Einstimmung in jedes Kapitel in den Genuss eines doppelseitigen Ausmalbildes! Die Kapitelüberschriften für die Seen sind hellblau, für die Wälder dunkelgrün, für die Berge dunkelblau und für die Auen und Wiesen in einem frischen hellgrün. Diese Signalfarben wiederholen sich hinten auf dem Buchdeckel im Inhaltsverzeichnis der CD, so dass man immer weiß, wo man sich befindet.

Soviel
wie diese männliche Katze erlebt ein Mensch selten an einem Tag!

„Eine musikalische Geschichte mit Texten, Fotos und Bildern zum Ausmalen“, so steht es auf dem Buchdeckel.

Kater Coljas Besuch bei den Tieren als Musik-Text-Bild-Symbiose

Eigentlich
geht es in diesem Buch-cum-CD um die Musik. Die geschickte Geschichte
von der Katze Kolja – ja, sie ist männlich, und das sollte man
auch bestimmt irgendwo benennen – bildet das verbindende Band, das
alles zusammenhält. Da die Katze, die ein Kater ist und Colja heißt
(Kolja gesprochen), ständig unterwegs ist, hört man „in ihrer
Umgebung“ natürlich ständig etwas anderes.

Dazu
gibt es Lieder und den Geschichtenerzähler. Auf der CD sind die
„Tracks“, nicht die Tierspuren, sondern die einzelne Stücke, so
numeriert wie die Buchseiten links. (Auf den rechten Seiten dagegen
stehen die Seitenzahlen.)

Zu
den Photos und (Ausmal-) Bildern gibt es auf der CD passende Lieder.
Am Anfang das Aufbruchslied, zu 10 „Auf dem Baumstamm über den
Fluss“ das Flusslied. Zu den glitzernden Kristallen in der
Felsenhöhle das Kristall-Lied.

Bei den Bildern der Geschichte, wo keine Lieder gesungen werden, wurde die Musik sorgsam ausgewählt, so zur „gleitenden Schwanenfamilie am Seeufer“ zwar nicht „Schwanensee“, sondern für Kinder „Emerald lake / Flowing life“ in bearbeiteter Form.

Deutsche Bedeutung der Titel: Smaragdsee/ fließendes Leben. Voll im Flow eben.

(Frei nach Mihaly Csikszentmihalyi.)

Die
Katze taucht in den auszumalenden schwarz-weißen Seiten, die hübsch
und geschmackvoll bunt eingefasst sind, immer
wieder auf.
Auf den Photos üblicherweise nicht, und wenn doch, als kleines Photo
vor dem großen. Die Geschichte von der umherstreifenden Katze, die
einen Besuch nach dem anderen abstattet, ist eben eine Geschichte.
Das wird die Kinder nicht stören, zudem die Geschichte sehr
abwechslungsreich ist.

Vieles, was Colja sieht, hat man selbst noch nie erspäht. Genau, wie mancher von uns noch nie in Holland, Ungarn oder Norwegen gewesen ist, hat er noch nie Biber, Murmeltiere oder Stalagmiten und Kristalle in einer Tropfsteinhöhle gesehen. Hier kann er es alles „Nachholen“, ob mit Kind oder ohne.

Dazu umweltfreundlich, ohne durch eine tatsächliche Reise Abgase zu verursachen.

Kater Coljas Besuch bei den Tieren – bei welchen eigentlich?

Eine Katze ist schon mal im Buch, klar, doch welche Tiere besucht sie? Der Einband verspricht nicht umsonst von links nach rechts Biber, Enten und Entlein (wenn auch nicht alle meine Entchen …), Fuchswelpen (!) – aha, die Tierkinder heißen nicht nur bei Hunden Welpen – eine Bergziege, bunte Schmetterlinge (nicht die aus dem Bauch, da gibt es ja auch manchmal welche), einen Adler (hurra, wir sind in Deutschland!), noch mehr Ziegen (auch die gibt es wohl überall, sprichwörtlich sogar unter Menschen), Eichhörnchen (echte, rote, europäische!) und ein Murmeltier.

Bei diesem Buch ist wirklich drin, was draufsteht – und abgebildet ist. Das ist kein Fruchtjoghurt, wo man sich auf die Erdbeeren freut und der Joghurt auf dem Photo auf der Verpackung gar nicht vorkommt, dafür kommt dann die kühlende Erdbeere im Joghurt nicht vor.

Doch es gibt noch mehr Tiere: in See und Fluss keine Seepferdchen, denn die leben im Meer, dafür muntere Fischlein, fleißige Biber (fieberfreie, die kranken besingt Rolf Zuckowski) und schwimmende Entlein. Am Waldesrand sehen wir äsende Rehe; klar, irgendwo muss der See auch liegen.

Im Wald spielen dann Fuchswelpen, ein Beobachtungsglück, das der lärmende Wanderer, der nicht wie ein Indianer schleichen kann, selten erleben wird. Colja trifft putzige Murmeltiere, flinke Eichhörnchen und farbenfrohe Schmetterlinge auf einer Lichtung..

Über dem Berggipfel kreisen Adler, die Bergziegen klettern, die Kristalle glitzen tierisch. Die Liebellen tanzen und schreiben sich Libellen. Und die Esel? Sind nicht so dumm, wie sie nicht aussehen. Sie karawanieren auch nicht.

Auf den Wiesen und Flussauen, quasi schon auf dem Heimweg aus den Bergen zurück, sieht der Kater spielende Lämmchen, springende Fohlen und eine gleitende Schwanenfamilie. Sogar eine Floßfahrt auf dem seichten Fluss ist inklusive.

Mit dem Floß auf dem Fluss – ganz im Fluss, dem Flow

Menschen müssen für eine Floßfahrt meist bezahlen; zudem in der Großstadt. In Potsdam gibt es einige Angebote. Das feuchte Vergnügen verstehen junge Männer oft einseitig – sie schlucken kein Wasser. Ob auf dem Wannsee oder in der Rummelsburger Bucht, es stört nur der Lärm und die Sucht. Beim Wissenschaftsfestival Children of Doom wurde ein Floß gebaut und gezeigt wie‘s geht – aus Abfall, Kunststoff, Band und Besenstielen. So gelangt der Plastikmüll mal nicht in die Meere, sondern nur darauf. Doch im Binnenland ist Floßfahren sicherer.

Colja springt auf ein gestrandetes Floß, dass sich durch den Sprung vom Ufer löst. Es handelt sich ausdrücklich um einen „seichten Fluss“. Als er in die Nähe seiner Wohnung (sic) getrieben word, macht er einen großen Satz vom Floß hinunter.

Wasserscheu sind Katzen ja. Kühlung im Baumschatten hat der Kater trotz seines Fells wohl bei dieser Flussfahrt ohne Huhn genießen dürfen.

Sich einfach mal treiben lassen – wer möchte das nicht?

Spielfilm „Zwischen den Zeilen“ startet im Juni bundesweit

Filmstart „Zwischen den Zeilen“ am Donnerstag, den 6.6.2019, französischer Originaltitel „Double Vies“ (sprich: Dubl Wie; wörtlich: Doppelleben (mehrere))

Ein Film von Olivier Assayas

Mit
Guillaume Canet, Juliette Binoche, Vincent Macaigne, Christa Théret
und anderen

Buch mit CD: Kater Coljas Besuch bei den Tieren – die Daten und Macher

„Finden Sie den Unterschied!“ Kater Coljas Besuch bei den Tieren. Entspannungsmusik für Kinder. (Ausmal-) Buch mit CD. [Katze läuft scheinbar auf CD zu.] © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Idee, Konzept und Texte: Claude Koob, Musik: Artist: Santec Music Orchestra, Arrangements: C. Seeger, M. Köbler, Ch. Périat, M. Kohlprath, Sprecher: Alex John, Grafik: Angelika Murer, Zeichnungen: Martha Kasthorst, Buch mit 50 Seiten, CD mit 19 Tracks, Spieldauer: Musik und Erzählung 65 Minuten, Produktion: Juni 2012, Artikelnummer am Strichcode: 4260032542534, Bestellnummer 12 163 bei www.luxemburg-entspannt.lu

Weiteres zur Entspannung und für Erwachsene und Kinder:




Steve Coogan und John C. Reilly als Mr. Laurel und Mr. Hardy in „Stan & Ollie“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Mr. Laurel und Mr. Hardy nannte Theo Lingen die in deutschen Landen als Dick und Doof bekannten Schauspieler, die eines der berühmtesten Film-Duos der Hollywood-Geschichte sind.

John C. Reilly links) und Steve Coogan (rechts) in „Stan & Ollie“. © SquareOne

Lingen moderierte die Fernsehreihe „Lachen Sie mit Stan und Ollie“, die 21 Spielfilme umfasste und vom 3. September 1975 bis 29. Dezember 1980 zunächst im Abendprogramm, ab 1978 im Nachmittagsprogramm des ZDF lief, wobei die Übersetzung, Walter Bluhm sprach Stan und Michael Habeck als Oliver sehr originalgetreu war.

Das komische anglo-amerikanische Duo drehte in der typischen Rollenverteilung zwischen dem „doofen“ Laurel und dem „dicken“ Hardy über hundert Kurz- und Spielfilme, darunter den Oscarprämierten Film „Der zermürbende Klaviertransport“ („The Music-Box“). In den 20er Jahren wurden ihre Filme auch im Deutschen Reich gezeigt. Vor allem für Slapstick genannten körperbezogenen, wortlosen Humor waren beide berühmt und beliebt. In der Stummfilmzeit ging es ohne Slapstick in der Tradition der Commedia dell’arte nicht anders. Der Wortwitz kam erst später auf.

John C. Reilly (rechts) und Steve Coogan (links) in „Stan & Ollie“. © SquareOne

Oliver Hardy war vor allem Schauspieler, aber Stan Laurel entwickelte viele Gags, schreib Drehbücher oder daran mit, führte oft Regie und arbeitete am Schnitt.

Neuerdings gibt es auch einen Film über das komische Pärchen Stan Laurel (gespielt von Steve Coogan) und Oliver Hardy (gespielt von John C. Reilly). Der Film zeigt die beiden auf einer Tournee kreuz und quer durch das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland. Anfangs herrscht tote Hose auf der Bühne und gähnende Leere und Langeweile im Zuschauerraum, doch dank ihres guten Gespürs für Land und Leute sowie ihres Könnens, sich auch immer wieder gemeinsam zum Lachen zu bringen, springt der Funke vom humorvollen Pärchen aufs zahlende Publikum überzuspringen. Und die beiden brauchen jedes Pfund.

Mit Melone und Mütze, Schabernack und Charme soowie der Brillanz ihrer Darbietungen bringen sie die Briten zur Begeisterung, gewinnen alte Fans zurück und neue. Die Tour endet in einem Erfolg. Doch die Geister ihrer Vergangenheit holen sie ein wie ihre Frauen. Sie stellen Stan und Ollies Freundschaft auf eine Bewährungsprobe…

John C. Reilly (rechts) und Steve Coogan (links) in „Stan & Ollie“. © SquareOne

Der Film ist eine herzliche, eine liebevolle Homage an Mr. Laurel und Mr. Hardy. Er bietet Einblicke in ihr Leben und Arbeiten, einen kleinen kritischen Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik und Unterhaltungsindustrie und einen großen auf die Belastungen dieser Arbeit für Kopf und Körper, für Kreativität und Kollegen, die auch Freunde sind.

Beide Hauptdarsteller bringen Nachgeborenen Stan und Ollie ernsthaft und echt, urkomisch oberflächlich und immer auch traurig tiefgründig, also insgesamt äußerst authentisch rüber. So muss es gewesen sein, möchte man meinen.

Dafür gebührt Steve Coogan und John C. Reilly, aber auch allen am Film Beteiligten, vor allem Regisseur Jon S. Baird Dank.

Prädikat: Sehenswert!

Filmografische Angaben

  • Originaltitel: Stan & Ollie
  • Staat: Vereinigte Staaten von Amerika, Kanada, Vereinigte Staaten von Großbritannien und Nordirland
  • Jahr: 2018
  • Regie: Jon S. Baird
  • Drehbuch: Jeff Pope
  • Musik: Rolfe Kent
  • Darsteller: Steve Coogan, John C. Reilly,Nina Arianda,Shirley Henderson,Danny Huston,Rufus Jones
  • Laufzeit: 97 Minuten




Volle „Verachtung“ oder da war was faul im Staate Dänemark

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Drei Bullen lösen den Fall auf jeden Fall im Film „Verachtung“. Eigentlich ist es einer: Carl Mørck (gespielt von
Nikolaj Lie Kaas), Vizekriminalkommissar in Kopenhagen. Und der hat Hafez el-Assad (gespielt von Fares Fares) an seiner Seite oder auch am Hals sowie Rose Knudsen (gespielt von Johanne Louise Schmidt), die sich kümmert, kittet und klebt, wenn`s zwischen Mørck und Assad bröckelt und reißt.

Drei Tote sowie Nikolaj Lie Kaas (links) und Fares Fares (rechts) in einer Szene des Films „Verachtung“. © Zentropa Henrik Ohsten

Alle drei klären als kurioses Sonderdezernat-Q alte Morde zwischen Öresund und Belt auf. Dieses Mal zieht es sie auf die Insel Sprogø, wo Frauen vergewaltigt und sterilisiert, vielfach zwangssterilisiert wurden. Zuvor wurden drei um einen gedeckten Tisch drapierte Tote, genauer gesagt: drei mumifizierte Leichen, in einem eingemauerten Zimmer einer Stadtwohnung gefunden. Ein Platz am Tisch wäre noch frei. Das wird Fragen auf: Wer sind die Toten und für wen war der leere Stuhl?

Ausgedacht und geschrieben hat diesen schaurigen und spannenden Thriller der 1950 in Kopenhagen geborene dänischen Schriftsteller Jussi Adler-Olsen, dessen Krimi im Original „Akte 64“ heißt, fürs deutschsprachige Publikum schlicht „Verachtung“.

Fanny Bornedal in einer Szene des Films „Verachtung“. © Zentropa Henrik Ohsten

Genau die fühlt Rose, die in einem Heim für schwererziehbare Mädchen auf Sprogø Grausamkeit und Misshandlungen ausgesetzt war, vergewaltigt und zwangssterilisiert wurde, und als sie freikommt Rache an ihren einstigen Peinigern nimmt.

Regisseur Christoffer Boe hat diese skurile Geschichte flott in einen Film mit allerlei Rückblenden gepackt, die sich nach und nach entpacken. Am Drehbuch schrieb vor allem Nikolaj Arcel, aber auch Bo Hr. Hansen und Mikkel Nørgaar.

Manchem Zuschauer mag es schwerfallen, die drei Erzählstränge der im Grunde starken Geschichte, das ist die einer Demütigung, einer Rache und einer Besessenheit einer nordischen „Herrenmentalität und Unterschiedsbehandlung in Reinkultur“, beim Verfolgen des Roten Fadens zu fassen zu bekommen. Ganz ähnlich ergeht es den beiden Bullen mit dem Böse.

Anders Hove in einer Szene des Films „Verachtung“. © Zentropa Henrik Ohsten

Verachtung ist nach Erbarmen, Schändung und Erlösung der vierte Film der Adler-Olsen-Bande, der an der Kinokasse ein Flop war, was vielleicht an der schlechten Stimmung zwischen Mørck und Assad liegt, die auf einem Tiefpunkt anlangt war.

Die Kriminalpolizisten in Kopenhagen scheint mehr mit sich zu tun zu haben, als mit Mördern. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Filmografische Angaben

  • Deutscher Titel: Verachtung
  • Staat: Dänemark
  • Jahr: 2018
  • Regie: Christoffer Boe
  • Drehbuch: Bo Hr. Hansen, Nikolaj Arcel, Mikkel Nørgaar nach einem Buch von Jussi Adler-Olsen
  • Kamera: Jacob Møller
  • Schnitt: Janus Billeskov Jansen, My Thordal
  • Musik: Anthony Lledo, Mikkel Maltha
  • Darsteller: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Fanny Leander Bornedal, Clara Rosager, Elliott Crosset Hove, Anders Hove
  • Produktion: Louise Vesth
  • Koproduzent: Fabian Gasmia
  • Ausführender Produzent: Peter Aalbæk Jensen
  • Länge: 118 Minuten
  • Bildformat: 1 : 1.85
  • Tonformat: Dolby Atmos 7.1, 5.1, near field 5.1 / 2.0




KLIMAWAHL – Filme für Future. 4 Filmpremieren an einem Tag animieren zum Überleben und zum Wählengehen. Online anschaubar

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). KLIMAWAHL ist der Name vierer Filme, die zum Beispiel im Kino in den berühmten Hackeschen Höfen in Berlin-Mitte vor dem Hauptfilm gezeigt werden. Andere Kinos haben sich angeschlossen und können es noch. Die Filmclips, die für ein besseres Klima werben, werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch im Internet kann man sich mindestens einen Film gleich gratis anschauen:

KLIMAWAHL online – gleich gratis anschauen

Auf der Homepage von https://fridaysforfuture.de/ – das sind die Kinds, die Freitags für ein besseres Weltklima demonstrieren, da sie sonst im Alter massiv von den Folgen der jetzigen Fehler betroffen sein würden – findet sich der Link auf der Titelseite.

Am 29. April 2019 war die Weltpremiere. Die kurzen Filme waren brandneu wie frische Brötchen und gingen weg wie warme Semmeln: in den „sozialen Medien“ und im Internet klickten sich Zehntausende durch die Filmchen durch.

Vor kurzem erreichte uns eine neue Horrornachricht, die das Blut in den Adern gefrieren lässt. Mehr als das jeder Horrorfilm könnte. Nichts gegen den am 18.4.2019 in die bundesdeutsche Kinos gekommenen Spielfilm „LLORONAS FLUCH – Sie will deine Kinder!“ mit LINDA CARDELLINI, RAYMOND CRUZ, PATRICIA VELASQUEZ, MARISOL RAMIREZ und anderen. Der Schreckensfilm ist gut gemacht (Regie: Michael Chaves), doch die uns womöglich erwartende Realität ist reiner Horror, der reinste Horror.

1000 Arten sollen in Kürze aussterben, warnt der Biodiversitätsrat. Wenn die Insekten sterben, sterben Vögel und Fledermäuse. Wer soll die Pflanzen bestäuben? In China tun das teils schon die Menschen! Und dann? Sterben die Pflanzen, kann sich der Mensch nicht mehr ernähren. „Extinction“ heißt das auf englisch.

In weiser Voraussicht gab es vor kurzem eine Initiative, die bis zum 6. Mai 50.000 Unterschriften sammln wollte, damit ein Klimaschutzgesetz n den nächsten 6 Monaten verabschiedet werden könnte. Damit sich die Menschen nicht bald in großer Zahl kollektiv von diesem Planeten verabschieden.

Dazu gab es diesen
jetzt selbstverständlich nicht mehr aktiven Link:

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2019/_03/_17/petition_92294.mitzeichnen.html

Hier gratis den Clip zu Klimawahl anschauen (weitere in Kürze online):

Vier kleine Filmchen gibt es und auch vier auf englisch. Der erste handelt von einem Mädchen, dass nach Paris will – mit dem Fahrrad. In einem Kurzfilm scheint ein Junge unter der Höhensonne gewesen zu sein? Verbrennt er sich anschließend unter der Dusche die Haut, weil es viel zu heiß ist? Energieverschwendung oder Klimafolge? Wir verstehen: Es ist zu heiß, es wird zu heiß und das Thema ist auch SEHR heiß.

Die Kinder und Jugendlichen dürfen am 24. Mai 2019 nicht wählen. Die Erwachsenen dürfen es. SOGAR IN GROSSBRITANNIEN! (Dürfen die das?) Es nennt sich EUROPAWAHL. Das Klima ist vielleicht das wichtigste, worüber dabei abgestimmt wird.

So konservativ es
klingt, so fortschrittlich ist es: Wählen gehen am 24. Mai. Zur
Europa- oder KLIMAWAHL.

Fortgeschritten
genug ist die Sache ja, Anfänger bleiben zu Hause, Fortgeschrittene
gehen zur Wahl, Profis tun das zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Bus und
Bahn.




Ehrenwerte Gesellen und blutiges Geld – Zum Film „Verräter wie wir“ von Susanna White

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Film „Verräter wie wir“, für den Susanna White Regie führte, ist eine gelungene Literaturverfilmung, die auf den gleichnamigen Spionagethriller „Verräter wie wir“ der argentischen Edelfeder John le Carré basiert.

Im Film zeigen vor allem Ewan McGregor als Perry Makepiece und Naomie Harris als Gail Perkins ihr schauspielerisches Können als Paar, das zwischen russischer Mafia und britische MI6 zerrieben zu werden droht.

Nebenbei wird in des Autors 23. Roman Roger Federer ein literarisches Denkmal gesetzt. Dazu formuliert Wolfgang Franßen auf der „Krimi-Courch“ (August 2010): „Das Warmspielen im Finale von Roland Garros gegen Robin Söderling wird zum Ereignis. Der Beifall brandet los und Federer betritt bescheiden gekleidet wie ein Gott den Platz. Überhaupt wird in ‚Verräter wie wir‘ viel Tennis gespielt. Für jemanden, der ‚Das Russlandhaus‘ oder ‚Der Spion, der aus der Kälte kommt‘ kennt, mag so viel Tennis auf die Dauer langweilen.“

Der Film beginn im Schnee der russischen Taiga. Blut fließt im Birkenwald. Und damit zurück zur Achse des Thrilligen, auf der die Hauptfiguren balancieren, nebenbei bemerkt: wie auf einem Brett, wird jedoch nicht vom permanenten Plop begleitet. Die Reise beginnt mit einer verklemmten Romanze sowie Wodka trinkenden Russen beim Abendmahl mit Muselmanen.

Marrakesch lernen die Verliebten, der „Professor“ und die braune Rechtsanwältin, Dima (Stellan Skarsgård), einen Russen mit reichlich Rubel, der als Geschäftsmann gilt und sich den Damen gegenüber als Kavalier des Zaren gibt. Der Dima wird schon mal sentimental, bringt KGB-Agenten, die seine Mutter schlagen und ficken, um.

Die Russen verstehen zu feiern, frivol und mit Pferd. Da wird aus dem Professor schnell ein Student im Proseminar am Pool.

Anfangs ahnen sie nicht, dass sie durch diesen gleich in große Schwierigkeiten geraten und aus einer romantischen Reise eine rasante wird. Dima arbeitet nämlich als Geld-, nicht Tellerwäscher für die russische Mafia und gastiert a priori in großer Gefahr. Wie immer geht es um Leib und Leben. Der Aufsteiger will nun auf Aussteiger machen und sich britischen Geheimdienst verkaufen. Pfund statt Dollar oder Deutsche Mark beziehungsweise Euro. Nun, Perry soll als britischer Beatnik die Verbindung zum MI6 herstellen und halten. Doch weder Perry noch Gail wissen, ob sie ihrem Kontaktmann Hector (Damian Lewis), der die Operation leiten soll, trauen können. Richtig, einem der Hector heißt, ist nicht zu trauen. Und richtig, in ihm schaut George Smiley als Elder Statesmen im Auftrag ihrer Majestät hervor.

Klar, Verschwörung und Konspiration, Ränkespiele bis rauf in die Regierung und Liebende, die liquidiert werden sollen, darauf versteht sich le Carré. Wer die Filme wie „Der Schneider von Panama“, „Der ewige Gärtner“ und „Dame, König, As, Spion“ kennt, der muss unbedingt die Bücher lesen.

Gut das der Typ nicht die einzige Option für den aufrechten Briten Makepiece ist, um Dima heil nach London zu helfen.

Susanna White scheint mehr Wert auf Ästhetik als auf Action zu legen. Und das gefällt mir gut so. Doch leider baden alle in der üblichen Klischee-Suppe, der an von Anfang bis Ende an dem Film klebt. Moskau, Marrakesch, London und Paris, mit einem absurden Abstecher in die Banlieues, auch in die Alpen, Bern, aber nicht Berlin, was wohl zu viel des Guten gewesen wäre.

Filmographische Angaben

  • Originaltitel: Our Kind of Traitor
  • Deutscher Titel: Verräter wie wir
  • Staat: Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland
  • Jahr: 2015
  • Sprache: Englisch
  • Regie: Susanna White
  • Drehbuch: Hossein Amini
  • Kamera: Anthony Dod Mantle
  • Musik: Marcelo Zarvos
  • Schnitt: Tariq Anwar, Lucia Zucchetti
  • Schauspieler: Ewan McGregor (Dr. Perry MacKendrick), Naomie Harris (Gail MacKendrick), Stellan Skarsgård (Dima), Damian Lewis (Hector), Khalid Abdalla (Luke), Velibor Topić (Emilio Del Oro), Alicia von Rittberg (Natasha), Mark Gatiss (Billy Matlock), Mark Stanley (Ollie), Jeremy Northam (Aubrey Longrigg) Grigoriy Dobrygin (Prinz), Marek Oravec (Andrei), Katia Elizarova (Katia), Christian Brassington (Sekretär des Kabinetts)
  • Produzenten: Simon Cornwell, Stephen Cornwell, Gail Egan
  • Länge: 108 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 16




ANOTHER REALITY auf dem Dokfest München. Parallelwelt Gangmilieu drei Jahre lang gedreht

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). ANOTHER REALITY lässt sich bedingt übersetzen. Wörtlich meinte es eine andere Realität, doch steckt mehr dahinter: Eine andere Lebenswirklichkeit, Erleben. Leben in Großfamilien. Nicht solche wie im Deutschen Reich auf dem Land und dann in schnell wachsenden Großstädten wie Berlin und Charlottenburg, sondern in den heutigen deutschen Großstädten der Bundesrepublik, in denen deutsche Großfamilien fast ausgestorben sind.

Auf diese Weise konnte der Begriff „Großfamilie“ und für Hauptüberschriften das kürzere „Clan“, was im Englischen eigentlich einen mehr oder weniger losen Verband von (Groß-) Familien meint, sich in der Presse und in den Reden der Politiker etablieren.

Alle wissen, was gemeint ist, ohne dass man Gefahr läuft, sich von der „politischen Korrektheit“ zu entfernen. Denn Araber Araber zu nennen oder Türken Türken, da könnte ja irgendein Gleichstellungsrat gleich wieder den Verfasser oder Redner in eine rassistische Ecke stellen. Dabei hat Gleichstellung mit „gleich in die Ecke stellen“ (eigentlich) nichts zu tun.

So entstanden Überschriften wie diese: „Justiz entzieht Clan 350.000 Euro – Schlag gegen die organisierte Kriminalität: Berliner Staatsanwaltschaft stellt Mieteinnahmen einer Großfamilie sicher“. Quelle: Titelseite der Berliner Morgenpost vom Dienstag, den 30. April 2019.

Clans, Großstadtfamilien sind nicht automatisch Gangs und Banden, doch um diese geht es in einem Dokumentarfilm, der jetzt auf dem Dokumentarfilmfest München „Dokfest“ Premiere hat. Weltpremiere.

Die Pressemitteilung zu ANOTHER REALITY

„Im Rahmen des DOK.fest München wird der Dokumentarfilm ANOTHER REALITY von Noël Dernesch (JOURNEY TO JAH) und Olli Waldhauer (ISTANBUL UNITED) in der Sektion DOK.deutsch uraufgeführt. Zur Premiere am 11. Mai 2019 um 21.30 Uhr im Deutschen Theater werden die Regisseure sowie Protagonisten den Film persönlich vorstellen.

Dernesch
und Waldhauer begleiten fünf Männer, die sich im Umfeld von Gangs
und Großfamilien in deutschen Großstädten bewegen. Erstaunlich
offenherzig geben die Protagonisten Einblick in ihre Lebensrealität,
die von Hoffnungen und Träumen, aber auch dem ständigen Zwiespalt
zwischen legaler Arbeit und dem schnellen Geld geprägt ist. Mit
einer sensiblen Kameraführung von Friede Clausz (LEMONADE, 24
WOCHEN) und fetten HipHop-Beats zeichnet ANOTHER REALITY ein intimes
Porträt über eine Welt, die nach eigenen Regeln funktioniert.“

Über den Film ANOTHER REALITY

„Agit,
Ahmad, Parham, Kianush und Sinan. Fünf Männer mit unterschiedlichen
Hintergründen und Lebenswegen, die doch eines eint: Sie sind oder
waren mehr oder weniger stark in Strukturen von Gangs und
Großfamilien eingebettet, die sich am Rande und oft jenseits der
Legalität und unter dem Radar der Öffentlichkeit bewegen. In der
gesellschaftlichen Diskussion werden diese Lebenswirklichkeiten
schnell mit den Schlagworten „Parallelgesellschaften“ und
„kriminelle Clans“ abgetan.

ANOTHER
REALITY zeigt nicht nur die äußeren Strukturen dieser Welt, die
nach eigenen Regeln funktioniert, sondern dringt tiefer in die
Zusammenhänge und Lebensrealitäten der Protagonisten ein. Während
z.B. der Berliner Ahmad den Verlockungen des schnellen Geldes, die
ihm in seinem Umfeld tagtäglich begegnen, nicht nachgeben will,
tauschte Parham aus Essen sein Leben als Straßengangster gegen eine
Musikkarriere und arbeitet unter dem Namen P.A. als erfolgreicher
HipHop-Künstler.“

„In
den über drei Jahren, die Noël Dernesch und Olli Waldhauer drehten,
kamen sie den fünf Männern erstaunlich nah. Agit, Ahmad, Parham,
Kianush und Sinan teilten bereitwillig und ehrlich ihre Erfahrungen,
Wünsche, Ängste, ließen sich aber auch auf eine Konfrontation mit
den Widersprüchen ihres Lebensstils und ihrem Umgang mit den Folgen
ihres Handelns ein.“

ANOTHER REALITY: Vorführungstermine im Rahmen des DOK.fest München

Alle
Vorführungen mit englischen Untertiteln.

  • Samstag, 11.5.2019, 21.30 Uhr: Deutsches Theater (Weltpremiere)
  • Montag, 13.5.2019, 21.30 im HFF – Kino 1
  • Donnerstag, 16.5.2019, 21.00 im Atelier 1
  • Samstag, 18.5.2019, 14.30 im Atelier 1

Filmografie

  • Titel: Another Reality
  • Staaten: Deutschland, Schweiz
  • Jahr: 2019
  • Filmlänge: 100 Minuten
  • Regie: Noël Dernesch, Olli Waldhauer
  • Kamera: Friede Clausz
  • Schnitt: Gesa Jäger
  • Produktion: Elemag Pictures in Ko-Produktion mit Cognito Films, It’s Us Media & 27 Kilometer
  • Produzenten: Tanja Georgieva-Waldhauer, Dario Schoch, Rajko Jazbec, Ben Föhr, Pacco Nitsche
  • Filmlänge: 100 Minuten




Wenn der Haussegen schief hängt – Islandian Beauty oder die tödlichen Abgründe einer isländischen Vorstadt im Film „Under The Tree“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Wenn der Haussegen schief hängt“, so sagt ein Sprichwort von Gerd W. Heyse , „sollte man nicht versuchen, die Wände nach ihm auszurichten.“ Das gilt auch für einen Streit und Nachbarn.

Unter den Flachdächern einer kleinbürgerlichen Reihenhaussiedlung in einer Vorstadt von Reykjavik, in der irgendwie alles gleich aussieht, die Hecken wie die Rasen akkurat geschoren werden wie die Haare, die gewaschen werden wie die Autos und umgekehrt, rumort es.

Dort, im Garten von Inga und Baldvin, wächst ein Baum. Scheinbar seinetwegen liegen die Nerven ihrer Nachbarn blank. Grünzeug wirft einen großen Schatten, der es bis weit auf die Terrasse der Nachbarn schafft. Weil Inga nicht will, wie sie soll, bleibt der Baum und die Aussicht auf blasse Haut brutzelnde Sonne getrübt.

Ihr Sohn Atli hat auch Probleme, aber andere. Schuld ist ein selbstgedrehtes Sex-Filmchen mit seiner Ex, die zum Ehekrach mit seiner Frau führt. „Er filmt sich selbst beim Sex mit anderen Frauen und onaniert beim nachträglichen Anschauen der Videos“, erklärt seine Ex vor versammelter Gemeinschaft in ihrem Haus, wo der Segen auch schief hängt, weil andere zu frivol und zu laut Ficken. Die offensichtlichen Außenseiter jedoch finden ihre Fickerei normal, also ihr eigenes Triebleben und das von Atli auch. Toll. Das Video ist übrigens älter und wurde vor der neuen Beziehung, mit der Atli ein Kind gezeugt hat, gedreht. Doch noch immer ist von einem „emotionalen Hintergehen“ die Rede. Ganz schön gaga, oder?

Atli muss zurück ins Elternhaus ziehen, genauer: in den Garten. Dort darf er unter dem Schatten werfenden Baum zelten.

Im idyllischen Vorort fliegen längst die Fetzen und Hundescheiße wird über die Hecke geworfen. Auch Autoreifen werden zerstochen. Doch das kleinbürgerliche Gezänk, ausgelöst durch die verbiesterte alte Inge wächst sich zu einem Kleinkrieg aus. Hinzu kommt noch eine kleine Kindesentführung durch Atli. Die augenscheinliche Harmonie, die Fassade der Kleinbürger beginnt zu bröckeln und gerät aus den Fugen.

Falsche Versprechungen, falsche Vorstellungen von sich und der Welt und jede Menge Falschheiten pflastern die Wege der in Wut geratenen Kleingeister. Überwachungskameras werden angebracht und aneinander vorbei gesehen.

Viele scheinen ihren Verstand verloren zu haben. Längst geht es nicht mehr nur um einen Baum oder ums Sorgerecht. Der Film zeigt eine durchgedreht Mutter, einer verlassener Sohn und jede Menge Irrungen und Wirrungen.

Dann ist auch noch Schäferhund Askor weg. Der taucht schnell wieder vor der Haustür von Herrchen und Frauchen auf: ausgestopft.

Schwarzer Humor steckt in „Unter The Tree“ von Hafsteinn Gunnar Sigurðsson, dennoch ist der 89 Minuten lange Spielfilm keine Komödien, sondern ein sozialkritischer, ein gesellschaftskritischer Film. Beinahe so etwas wie Islandian Beauty.

Daher stecken auch Lebensweisheit in der Erzähung. Das Wertvollste das wir haben? Die Antwort geben Atlis Vater und Frau zu Gehör: „Ein Kind hat das Recht, beide Eltern zu lieben und von beiden geliebt zu werden, auch wenn die Eltern einander nicht mehr lieben.“ Die Trennung ist schmerzhaft.

Am Ende wird nicht nur eine Beziehung gefällt und ein Baum. Die Geschichte bietet Blood Splatter in Island. Zwei alte Männer, die Haus an Haus wohnten, liefern sich in einem ihrer Keller ihre letzte Schlacht. Ausgestopft werden sie aber nicht. Außerdem kommt die Katze wieder.

Filmografische Angaben

  • Originaltitel: Under The Tree
  • Deutscher Titel: Unter The Tree
  • Originalsprache: Englisch
  • Staat: Island
  • Jahr: 2018
  • Regie: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson
  • Drehbuch: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson
  • Kamera: Monika Lenczewska
  • Musik: Daniel Bjarnason
  • Darsteller: Steinþór Hróar Steinþórsson (Atli), Edda Björgvinsdóttir (Inga), Sigurður Sigurjónsson (Baldvin), Þorsteinn Bachman (Konrad), Lára Jóhanna Jónsdóttir (Agnes), Selma Björnsdóttir (Eybjorg)
  • Laufzeit: 89 Minuten
  • Bildformat: Cinemascope, 1:2,35
  • Altersfreigabe: FSK 12
  • Kinostart: 16.5.2019
  • Premiere: am 31. August 2017 in Venedig
  • Verleih BRD: Farbfilm Verleih




Weise werden im Wilden Westen – Zum Film „The Sisters Brothers“ von Jacques Audiard nach einem Roman von Patrick deWitt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Joaquin Phoenix und John C. Reilly reiten als Eli und Charlie Sisters  in dem Western „The Sisters Brothers“ unter der Regie von Jacques Audiard, der mit Thomas Bidegain das Drehbuch schrieb, im Auftrag des Commodore, um dem
Goldsucher Hermann Kermit Warm erst seine Formel und dann sein Leben zu nehmen.

Warm hält eine Formel in Händen, die als ätzende Chemikalie in einem aufgestauten Fluss landet und das Gold im Wasser zum Glitzern bringt. Dabei gehen zwei Männer und ein Arm flöten.

Beim Ritt durch die Wälder und Weiten des nordamerikanischen Westens ballern beide gezielt um sich, der eine trinkt auch noch und fällt vom Pferd. So sind sie, die Sisters. Doch im Laufe ihres Rittes durch den Wilden Westen werden sie weise und landen bei Mama in der Badewanne und im Kinderbett.

Berge, Bären und Banditen stellen sich vorher den Sisters in den Weg, aber auch Detektiv John Morris und Mayfield, um dann gemeinsam nach Gold zu suchen. Und wer sucht, der findet.

Alle Lebenden können der Bruderliebe nichts anhaben und enden als Leiche.

In dem Film steckt eine Menge mehr als Trinker im Salon und auf dem Pferd und Tote, Gold und Geschichte. Schüssen fallen und jede Menge Scherze. neben Geld und gold gibt es auch schwarzen Humor. Hinzu kommt eine gehörige Portion Natur in Form von famosen Landschaftsaufnahmen. Doch das alles ist eher ein stiller Hintergrund für alles andere als maulfaule Darsteller. Die ruhige Kameraführung unterstützt sogar noch diese Reedseligkeit von teils rauen Gefährten und ihre nachdenklichen Dialoge.

Das Drehbuch für den Western „The Sisters Brothers“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Patrick deWitt, der ein Autor ist, den man sich merken muss.

Filmografische Angaben

  • Originaltitel: The Sisters Brothers
  • Deutscher Titel: The Sisters Brothers
  • Staat: Frankreich, Belgien, Rumänien, Spanien
  • Jahr: 2018
  • Originalsprache: Englisch
  • Regier: Jacques Audiard
  • Drehbuch: Jacques Audiard und Thomas Bidegain nach einem Buch von Patrick deWitt
  • Kamera: Benoît Debie
  • Musik: Alexandre Desplat
  • Schnitt: Juliette Welfling
  • Darsteller: John C. Reilly (Eli Sisters) Joaquin Phoenix (Charlie Sisters), Riz Ahmed (Hermann Kermit Warm), Jake Gyllenhaal (John Morris), Rutger Hauer (Der Commodore), Rebecca Root (Mayfield), Carol Kane (Mrs. Sisters)
  • Länge: 121 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 12