Eine Kugel und vier Fässer oder geschickter Kegelspaß mit Taktik – Zum Spiel „Tal der Wikinger“ von Wilfried und Maria Fort

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Alle Jahre wieder: Fässerkegeln im Tal der Wikinger. Mit einer handlichen braunen Kugel aus Plaste und Elaste dürfen zwei bis vier Spieler dieses von Maximilian Meinzold schön illustrierten Spieles „Tal der Wikinger“ von den Autoren Wilfried und Marie Fort genau das: Fässer kegeln.

„Bringt mit der Kugel die richtigen Fässer zu Fall und seid zur richtigen Zeit am richten Ort, damit ihr die Wikinger clever auf dem Steg positionieren könnt“, heißt es dazu in der Spielanleitung.

Das und noch viel mehr muss die Jury, zu der Stefanie Marckwadt und Christoph Schlewinski gehören, beeindruckt haben, denn Das „Tal der Wikinger“ von Wilfried und Marie Fort ist Kinderspiel des Jahres 2019 geworden. „Losspielen will jeder – allein wegen des bildhübschen Materials kann jeder. Loskegeln kann auch jeder. Da fliegen die Fässer, da ist die Freude groß. Die Finessen lernt man hier quasi Knall auf Fall. Und wenn es mal danebengeht, steigert das nicht den Frust, sondern nur noch den Ehrgeiz für eine weitere Partie. Wie das Autorenpaar Fort im ‚Tal der Wikinger‘ zugleich Geschick und taktisches Denken herausfordert, ist in seiner Mischung so einzig- wie neuartig“, lobten Marckwadt und Schlewinski das Sieger-Spiel, mit dem sich Forts, Eltern zweier Söhne, gegen 125 andere Spiele durchsetzten.

Beim Verlag freut man sich über die Auszeichnung für „das spannende Taktik- und Geschicklichkeitsspiel“, das „im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Wassern gewaschen“ sei, weil „es … Kinder ab 6 Jahren zu einem abenteuerlichen Wikinger-Wettkampf – sowohl an Land als auch auf hoher See“ – einlade. Höhepunkte seinen die „3-D-Schiffe sowie der beeindruckende XXL-Spielplan“.

© HABA

Und der muss vorher auf dem Tisch zusammengepuzzelt werden. Dann wählen die zwei bis vier Spieler ihre Farbe (zur Auswahl stehen Blau, Gelb, Rot und Grün) und das dazu passende Schiff und legen es vor sich ab. Anschließend werden die gelben Chips vor das erste Feld des Stegs gelegt. Schiffe ohne Spieler werden mit jeweils einem Chip neben den Spielplan positioniert, wo auch die restlichen Goldmünzen, die Kugel und der Kugelschubser bereitsgelegt werden. Nur noch die acht Gewinnflaggen verdeckt mischen und eine zufällig ausgewählte Flagge offen in jede Aussparung auf den Spielplan legen sowie die vier Fässer beliebig in die markierten Löcher in der Mitte des Spielplans anordnen. Nun ist alles auf den Plätzen. Fertig.

Und los geht`s.

Wohl wahr das „je nachdem, welche Fässer … umfallen, … die Spieler ihre Wikinger auf dem Steg vorwärts“ rücken. Klug positionierte Wikinger erbeuten wertvolle Goldmünzen, aber wer Pech hat oder zu viel riskiert, plumpst mit seiner Spielfigur „ins Wasser“ und geht auch noch leer aus!

Am Ende und also nach einer Viertelstunde und ein wenig mehr ist derjenig der Gewinner, der – klaro – meiste Gold hat. Kapiert? Leicht, oder?!

Bibliographische Angaben

Wilfried und Marie Fort, Tal der Wikinger, Illustrator: Maximilian Meinzold, Redakteur: Annemarie Wolke, Anzahl der Spieler: 2 bis 4, Dauer des Spiels: 15 bis 20 Minuten, Inhalt des Spiels: ein großer Spielplan gepuzzelt aus 7 Teilen, 8 Gewinnflagen, 4 Wikingerchips. 1, Pappteil Kugelschuber, 4 Schiffe (aus je vier Pappteilen), 1 Kugel, 24 Goldmünzen, 4 Holzfässer und 1 Spielanleitung, Material: Pappe, Kunststoff, Holz, hergestellt in China, Verlag: HABA, Bad Rodach 2019, Nr. 304697, Preis: 19,95 EUR




„Flügelschlag“ ist das Kennerspiel des Jahres 2019 in Deutschland – „Carpe Diem“ und „Detective“ zählen zu den Nominierten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit 1979, als zum ersten Mal das Spiel „Hase und Igel“ von David Parlett aus dem Verlag Ravensburger gewann, wird in Deutschland der Spielepreis vergeben. Seit dem Jahr, als Tom Felber Vorsitzender des eingetragenen Vereins Spiel des Jahres wurde, das war 2011, gibt es auch noch den Preis für das „Kennerspiel des Jahres“.

Kennerspiele seien laut Udo Bartsch für diejenigen gedacht, „die mit dem Spiel des Jahres groß geworden und über die Preisträger intensiver ins Hobby Spiel eingestiegen sind, aber weiterhin auf die Orientierung und Verlässlichkeit der Marke Spiel des Jahres bauen möchten“. Mit anderen Worten: „Spiel des Jahres“ ist für Anfänger, die selten spielen, „Kennerspiel des Jahres“ ist für Fortgeschrittene, die häufiger spielen.

Gegen eine solche Unterscheidung nach einem Vergleich spricht genau so wenig wie gegen eine Unterscheidung nach dem Alter der Spieler, auch wenn nach Søren Kierkegaard „das Vergleichen … das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“ sei.

Die mehrköpfige Jury unter Harald Schrapers, die aus Spielejournalisten und -kritikern besteht, verglich einen Haufen Spiele, unterschied und stellte fest, dass unter den Nominierten eines das bessere Spiel war. Die Jury entschied sich für „ein ornithologisches Optimierspiel für zwei bis fünf Spieler ab zwölf Jahren namens „Flügelschlag“ der Autorin Elizabeth Hargrave aus dem Verlag Feuerland (Eppstein-Bremthal)“.

In einer Pressemitteilung vom 22.7.2019 heißt es dazu: „Mehr als 900 Vogelarten leben in Nordamerika, knapp ein Fünftel davon lässt Autorin Elizabeth Hargrave in ihrem Optimierspiel „Flügelschlag“ flattern – vom Amerikanischen Schlangenhalsvogel bis zum Zwergsultanshuhn. Wer einen Vogel anlockt, spielt die entsprechende Karte in einen für das Tier artgerechten Lebensraum aus. An jedes Gebiet ist dabei eine der Basisaktionen des Spiels gekoppelt, welche mit jedem neuen Vogel aufgewertet wird. Wer bringt beispielsweise die Eier-Maschinerie ins Laufen? Zudem tritt jeder in wechselnden Kategorien mit den Mitspielern in Konkurrenz: Wer zählt die meisten Vögel, die in Bruthöhlen nisten? Wer hat die meisten Vögel im Grasland? An dem elegant und detailverliebt gestalteten „Flügelschlag“ werden nicht nur Vogelliebhaber ihre Freude haben.“

Auch die Begründung der Jury wird mitgeteilt: „Brettspiele und Vogelkunde – also doppelt unsexy und angestaubt? Mitnichten! ‚Flügelschlag‘ präsentiert sich nicht mit zerzaustem Federkleid, sondern ist frisch und en vogue. Thematisch liebevoll und redaktionell sorgsam feingeschliffen: Hier hat Autorin Elizabeth Hargrave ein nahezu makelloses Gesamtkunstwerk geschaffen. Eingängige Spielmechanismen, ein schnörkelloser Ablauf und eine hohe Taktung wichtiger Entscheidungen machen ‚Flügelschlag‘ zu einem wahren Überflieger.“

Das kling wie so oft bei einem Lob nicht schlecht. Ob diese Lorbeeren für das Spiel auch aus unserer Sicht berechtigt sind, das werden wir sehen, denn „der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen“, wie schon Albert Einstein zu sagen wusste.

Die beiden anderen Spiele, die nominiert waren, sind „Carpe Diem“ von Stefan Feld aus dem Verlag: alea/Ravensburger und „Detective“ von Ignacy Trzewiczek, Przemysław Rymer und Jakub Łapot aus dem Verlag Portal Games.

Anmerkung:

Siehe den Beitrag Genieße den Tag und spiele „Carpe Diem“ von Stefan Feld von Kerstin-Bettina Kaiser.

Der Beitrag von Ingeborg Iltis wurde unter dem Titel „Lorbeeren für einen Flügelschlag von Elizabeth Hargrave – Das Kennerspiel des Jahres 2019 in Deutschland“ am 23.7.2019 im WELTEXPRESS erstveröffentlicht.




„Just One“ von Bruno Sautter und Ludovic Roudy ist das Spiel des Jahres 2019 in Deutschland

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am Ende kann es nur einen geben. So sind die Regeln beim Spiel des Jahres auch in diesem Jahr. Zu den ungeschriebenen Regeln scheint jedoch zu gehören, dass in deutschen Landen englische Titel auch bei Spielen sein müssen, damit Autoren und Verlage gewinnen können.

Richtig, letztes Jahr mit „Azul“ ein portugiesischer Titel, doch das war die Ausnahme. Davor gewannen Spiel, die „Kingdomino“ (2017), „Codenames“ (2016), „Colt Express“ (2015) und „Camel Up“ (2014) heießen. Auch ältere Gewinner wie „Dominion“ (2009) oder „Kingdom Builder“ (2012) tragen englische Namen. Als eine echte Ausnahme gilt das Spiel „Thurn und Taxis“ (2006).

Zum Gewinner des weltweit wichtigsten Preises für analoge Gesellschaftsspiele mit dem englischen Titel „Just One“ kommt noch erschwerend hinzu, dass die Autoren des Spiels keine Deutschen sind, sondern Franzosen.

Doch weder Titel noch Autoren sollten ein Grund für die zehnköpfige Jury sein, ein Spiel zu besser oder schlechter zu bewerten, oder? Deswegen heißt es im Newsletter 4/2019 vom 22.7.2019 zur heutigen Verleihung in Berlin auch, dass „Just One“ … insbesondere durch seine Einfachheit genial“ sei. „Es sticht dadurch hervor, dass es einen ungemeinen Sog entwickelt: Wer es in der Öffentlichkeit spielt, wird schnell Schaulustige anziehen, die am liebsten gleich mitspielen wollen. Und das machen diese dann oft auch, denn die Einstiegshürde ist so niedrig, dass jeder sie problemlos überwinden kann. Ein Geistesblitz kommunikativer Spielfreude, der in jeder Runde einschlägt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.“

Mit niedriger Einstiegshürde und „herrlich simpel“ könnte auch ein Spiel für Doofe gemeint sein, die in der wirklichen und virtuellen Welt auch „Schaulustige“ anziehen, muss es aber nicht. In „Spiegel-Online“ (22.7.2019) firmiert „Just One“ als „Partyspiel“. Na denn Prost!

Kritiker meinen, man bräuchte für das Spiel nur einen Zettel und einen Stift und das würde es in jeder Kneipe zum Anschreiben und Aufschreiben geben. Wohl wahr! Im Handel soll der „Just one“ genannte Kram allerdings 25 Euro kosten.

Darüber werden Roudy und Sautter, die für die Entwicklung des Spiels angeblich „nur wenige Monate“ gebraucht haben, sich wohl selbst schief und krumm lachen. Beid entwickelten bisher Spiele für fortgeschrittenere und anspruchsvollere Spieler und sollen dafür „Jahre für die Entwicklung dieser Spiele benötigten“ haben, worauf in „Frankfurter Allgemeine“ (22.7.2019) hingewiesen wird. Blöd geht halt bedeutend schneller.

Auf den Plätzen landeten die nominierten Spiele „L.a.m.a.“, ein Kartenspiel der Autorenlegende Reiner Knizia aus dem Verlag Amigo, und „Werwörter“, ein Ratespiel von Ted Alspach aus dem Verlag Ravensburger. Zugegebenermaßen lassen sich „L.a.m.a.“ und „Werwörter“ auch recht schnell verstehen und erklären. Daher stellt sich die Frage, ob das Niveau im Allgemeinen sinkt, also bei der Jury und den Autoren.




Ärgerspaß am Beckenrand – Zum Kinderspiel „Bauchplatscher“ von Heinz Meister

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In einer rund 100 x 150 x 40 mm kleinen Blechbüchse, in der auch ein Pausenbrot Platz finden könnte, aber nur eines, befindet sich das Spiel „Bauplatscher“ von Heinz Meister. Deswegen ist die Dose aus dem Spieleverlag Huch auch schön und bunt gestaltet. Dabei dominiert die Farbe Blau, schwärmen wir von einem Azurblau. Das passt.

Zum Azur passt das Goldgelb des Titels „Bauchplatscher“ und auch der scheinbar wenig sachdienliche Hinweis „Nix für Beckenrandschwimmer“. Doch wer den Deckel der Dose hebt, der sieht genau das: den Beckenrand. Außerdem sieht der das Schwimmbecken, pro Farbe jeweils drei Figuren für die drei bis sechs Spieler im Alter ab sechs Jahre, die sich, so will es der (Bade-)Meister wohl, ärgern sollen und zwar pro Spiel gut und gerne eine Viertelstunde.

Die Spieler müssen versuchen, bis zum Schluss am Beckenrand auszuharren. Dass das „gar nicht so einfach“ sei, das verrät Hutter Trade, „denn die Spielerfarben werden geheim vergeben und die Spieler müssen erst einmal herausbekommen, wem der Einhorn- oder der Entenschwimmring gehört“.

Weiter im Hutter-Trade-Pressetext: “ Jedem Badegast wird eine Spielerfarbe geheim zugelost. Danach werden die Spielfiguren, drei in jeder Farbe, am Beckenrand aufgestellt. Die Figuren haben einen Zahlenwert von 1 – 3 auf der Unterseite. Der Badespaß beginnt! Der aktive Spieler wählt eine beliebige Figur aus, dreht sie um und zeigt den Mitspielern die Zahl auf der Unterseite. Nun bewegt der Spieler die Figur um exakt diesen Wert in eine beliebige Richtung. Landet die Figur damit auf einem bereits besetzten Feld wird diese Figur in den Pool geschubst. Hat ein Spieler das bunte Treiben gut beobachtet und einen Verdacht welche Spielerfarbe einem bestimmten Spieler gehört, kann er seine Vermutung aussprechen, sobald er mit einer Figur über das Sprungbrett zieht oder seinen Zug dort beendet. Ist die Aussage korrekt, fliegt der „aufgedeckte“ Mitspieler aus dem Spiel. War die Vermutung nicht korrekt, muss der Spieler, der den Verdacht ausgesprochen hat, seine Badesachen packen und gehen. Sobald nur noch zwei Spielerfarben am Beckenrand stehen, endet das Spiel. Der Spieler, der näher am Sprungbrett steht, hat gewonnen.“

Bibliographische Angaben

Bauchplatscher, Autor: Heinz Meister, Anzahl der Spieler: von 3 bis 6, Alter der Spieler: ab 6 Jahren, Dauer des Spiels: 15 bis 20 Minuten, Inhalt: Spielfiguren aus Holz in Weiß, Blau, Grün, Gelb, Orange und Rot, eine Spielanleitung und Aufkleber für die Figuren, Format: 105 x 145 x 40 mm, Verlag: Hutter Trade, Preis: 16,99 EUR




Genieße den Tag und spiele „Carpe Diem“ von Stefan Feld

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Spiel „Carpe Diem“ von Stefan Feld aus dem Ravensburger Spieleverlag und von Alea ist neu und schon in aller Gesellschaftsspiele-Spieler Munde.

Dieses Brett-, Bau-auf- und Legespiel, das seine Spieler zurück auf Los und also ins Jahr eins nach unserer Zeitrechnung in Rom katapultiert, wurde nämlich mit den Spielen „Detective“ von Ignacy Trzewiczek, Przemysław Rymer und Jakub Łapot und „Flügelschlag“ von Elizabeth Hargrave zum „Kennerspiel des Jahres 2019“ nominiert.

Schon die Nominierung kommt einem Ritterschlag gleich. Mehr als die drei Spiele wurden nicht benannt und also nicht namhaft gemacht.

In diesem starken Strategiespiel von Feld dürfen die Spieler die Rolle von Patriziern übernehmen, also jener Leute im alten Römischen Reich, die zur alteingesessenen Oberschicht gehörten.

Jeder Patrizier des Spiels „Carpe Diem“ muss versuchen, „ein einträgliches Stadtviertel aufzubauen, um bei den Wertungen möglichst viele Siegpunkte zu erzielen“. Dass der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt, das muss nicht noch erwähnt werden, oder? Dazu muss auf schlaue Art und neuartiger Weise Plättchen um Plättchen einsammeln und so ein immer umfangreicheres und besser funktionierendes Stadtviertel schaffen.

Kräutergärten muss man anlegen und Teich voller Fisch, prunkvolle Villen errichten und allerlei Unterkünfte fürs Fußvolk. Dafür will der Tag genutzt und nicht genossen werden. Doch als Aufgabe ist das abwechslungsreich und von hohem Spielreiz.

Bibliographische Angaben

Stefan Feld, Carpe Diem, Brettspiel, Strategiespiel, Anzahl der Spieler: 2 bis 4, Alter der Spieler: ab 10 Jahre, Dauer des Spiels: 45 bis 75 Minuten, Format des Kartons: 22 x 31 x 7 cm, Inhalt: 1 Spielplan, 13 Stanztafeln, 1 Abpackung Holz, 150 Spielkarten, Verlag; Alea und Ravensburger, EAN: 4005556269198, Preis: 36,99 EUR




„Werwörter“ oder Zauberwort gegen Werwölfe

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Nein, nicht Werwölfe, sondern Werwörter heißt das neue Spiel aus dem Ravensburger Spieleverlag, das für drei bis 10 Spieler ab 10 Jahren geeignet scheint und für den Ted Alspach als Autor verantwortlich zeichnet. Die Illustrationen stammen von Roland MacDonald.

Laut Spielidee habe „der Bürgermeister von Rabensborough … ein Zauberwort entdeckt, mit dessen Hilfe „die Dorfgemeinschaft, wenn sie „es errät“, „die Werwölfe ein für alle Mal aus ihrem Dorf vertreiben“.

Doch, oh weh, der Bürgermeister macht den Mund nicht auf. Er sei „verstummt“, könne „Fragen nach diesem Wort nur noch mit Hilfe seiner Antwort-Marker beantworten. Gut, dass es die Seherin gibt, die „das Zauberwort natürlich längst“ kenne, wie der Verlag in seiner Spielanleitung mitteilt. Sie ist nicht die einzige, „auch die Werwölfe kennen das gefürchtete Zauberwort und wollen seine Entdeckung um jeden Preis verhindern“.

Preis? Ravensburger gibt ihn mit 12,99 Euro an. Für ein wenig Pappe und zehn Minuten Spielspaß ist das nicht gerade wenig, doch für die Spielidee offensichtlich angemessen, denn das Spiel wurde mit zwei anderen zum Kritikerpreis des Spiel des Jahres 2019 nominiert.

Zehn Minuten? Laut Ravensburger habe „die Dorfgemeinschaft fünf Minuten Zeit, gemeinsam das Zauberwort zu raten“, in der Spielanleitung steht: „Ihr alle habt jetzt eine Minute Zeit, den Werwolf zu finden.“ Für Verwirrung sorgen vor allem die Werwölfe. Die Werwölfe „versuchen euch in die Irre zu führen“ heißt es weiter. Bürgermeister, Seherin, Dorfbewohnerin und Dorfbewohner sowie Werwölfe … insgesamt gibt es sieben verschiedene Rollen „und immer neue Begriffe“. Richtig, eine Wahrsagerin und zwei Freimaurer fehlen noch. Und? Die App!

Wenn man die anhört, dann muss man mindestens schmunzeln. Laut App, die einem alles sagt und durch das Spielgeschehen führt, habe man vier Minuten, um das Zauberwort zu erraten. Was sagt man dazu?

Und dann hat noch ein Werwolf 15 Sekunden, um die Seherin zu finden.

Immerhin soll „die kostenlose App … 10.000 Begriffe zum Raten und Mitfiebern“ liefern. Und am Ende gewinnen entweder die Dorfbewohner oder die Werwölfe. Ohne App kann man „Werwörter“ auch spielen, und das ist gut so, obwohl diese App sogar für Anfänger gut gemacht ist.

Das Wortratespiel mit geheimen Rollen ist pfiffig und flott. Je mehr Spieler, desto mehr Spaß. Drei Spieler sind deutlich zu wenig.

Bibliographische Angaben

Autor: Ted Alspach, Spiel: Werwörter, Anzahl der Spieler: 3 bis 10, Alter der Spieler: 10 bis 99, Dauer des Spiels: 10 Minuten, Illustration: Roland MaxDonald, Inhalt: 14 Rollenkarten, 48 Antwort-Marker, Format der Schachtel: 11 x 13 x 5 cm, hergestellt in der Tschechischen Republik, Ravensburger Spieleverlag, Ravensburg, 2019, EAN: 4005556260256, Preis: 12,99 EUR




Das „bunte Spiel der Könige“ oder einmal Katarenga für zwei

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Katarenga ist als Brettspiel sei September 2017 auf dem Markt und eine aparte Mischung aus Schach und Kamisado, also ein äußerst abstraktes Strategiespiel.

64 Felder, 16 Spielfiguren, 4 Farben und 2 Spieler. Das passt für ein fantastisches und gleichzeitig herausforderndes Spielprinzip für zwei. Das Zwei-Personen-Spiel Katarenga greift auf bekannte Züge aus dem Schach zurück. Die Bewegungen werden jedoch nicht von den Figuren vorgegeben – stattdessen definieren die bunten Spielfelder, wie gezogen, gesprungen und geschlagen werden darf.

Katarenga von David Parlett. © Huch

Das bunte Spiel mit Bauern als König, Läufer, Turm und Springer ist ein strategischer Leckerbissen von David Parlett, der 1979 mit „Hase und Igel“ die erste Auszeichnung zum Spiel des Jahres erhielt.

Nur Bauern? Richtig, jeder Spieler hat acht gleichartige weiße oder schwarze Figuren, die an die Bauern beim Schach erinnern. Und wie beim Schach findet eine Schlacht dieser Streitkräfte, Huch nennt sie in der Spielanleitung Heere, statt. Beide Kriegsparteien müssen sich mühen, die gegnerische Grundlinie mit jeweils zwei Figuren zu erreichen und zu überschreiten. Wie beim Schach ziehen sie über die typischen Schachbrett-Felder, die – aufgepasst – nicht zweifarbig sind, sondern mit Blau, Grün, Gelb und Rot vierfarbig.

Der Gag, dass die einzelnen Spielfiguren unterschiedlich gezogen werden müssen, je nach dem, auf welchem Feld sie stehen, also das eine Mal als Turm, das andere Mal als Läufer, das ist hier der Hammer. Mit anderen Worten: Katarenga ist eine Art Schachnado.

Wer Katarenga mag, das viel einfach als Schach ist, dem seien die Spielvarianten Troika und Cornered empfohlen, die Perlett für Hammerharte und also Fortgeschrittene entwickelt hat.

Wer sich am Startspielervorteil stört, der aufgrund des asymmetrischen Spielfeldes, das vor Spielbeginn auch noch gewählt werden kann, nicht zu leugnen ist, dem kann bei unfairen Spielplänen nicht geholfen werden, denn die Notlösungen Seitenwechsel ist keine.

Kamisado ist jedoch spannender, vor allem, wenn die Spiele länger dauern. Katarenga fällt dagegen als Schachvariante in der Spielfreude flacher aus.

Bibliographische Angaben

David Parlett, Katarenga, Grafik: Dennis Lohausen, Andreas Resch, Anzahl der Spieler: 2, Alter der Spieler: ab 8, Dauer des Spiels: 20 Minuten, Format der Schachtel: 240 x 240 x 55 mm, Verlag: Huch!, Hutter Trade, Preis: 25,99 EUR




Katzen stapeln oder Cat Stax spielen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wer schon immer einmal Katzen stapeln wollte, der kann das hier und heute ohne mit Krallen gekratzt zu werden. Dafür geben die Katzen aus Plaste und Elaste auch keinen Mucks, kein Miau.

Denn die kleinen Miezekätzchen stammen aus dem Spiel Cat Stax von Huch, das gewaltig an Dog Pile mit Doggystyle erinnern. Und richtig, Cat Stax ist auch von Bob Ferron. Statt einen Haufen Hunde aufs Spielfeld zu heben, sind es Katzen, die gestapelt werden müssen.

Im Grunde müssen bis zu ein Dutzend Katzen in verschiedenen Farben und Formen einfach nur geschickt angeordnet werden, um die Aufgaben der Karten zu lösen. Von den Karten gibt es 22 und weil beide Seiten mit einer
Obliegenheit bedruckt wurden, winken dem Spieler 44 Aufgaben, die er zu erledigen und lösen hat.

Inhalt des Spiels „Cat Stax“. © Huch

Der Spieler, manche mögen auch gemeinsam überlegen wollen oder müssen, dürfen dürfen sie, wie das zu schaffen ist, wird vor immer schwierigere Hürden mit seinem Katzenhaufen bewältigen Die Schwierigkeitsstufe Starter mag eingangs noch gut gehen, aber mit Advance und Expert wird das immer schwieriger. Wer den Master meister, der darf zufrieden sein.

Der in Günzburg ansässiger Verlag für Gesellschaftsspiele teilt zum Vorgänger von Dog Pile mit, dass „bei manchen Aufgaben … die Katzen teils stehend, teils auf der Seite liegend, teils kopfüber oder sogar zwischen andere Katzen geschichtet werden“ müssten. Das mit den zwei und drei Schichten ist also 3D in echt und fördert damit durchaus das dreidimensionale Denken. Bis zu fünf Ebenen sind möglich und das ist mitunter nicht ohne großes Überlegen zu schaffen.

Dass die Lösungen mitgegeben werden, das versteht sich von selbst, wobei es immer nur eine Lösung ist, die genannt wird, auch wenn mehr als eine Lösung möglich ist.

Das Spiel aus der Logicus-Reihe von Huch, das sich in einer handlichen Box für die Reise oder das Regal befindet, ist wirklich einfach (Aufgabe wählen, Katzen aussuchen, Aufgabe lösen) zu spielen, äußerst kurzweilig und Futter für die Klugen.

Bibliographische Angaben

Bob Ferron, Cat Stax, Illustrator: Brainwright, Huch, Sabine Kondirolli, Anzahl der Spieler: ab 1, Alter der Spieler: von 7 bis 99 Jahre, Format: 88 x 133 x 38 mm, Verlag: Huch, Vertrieb: Hutter Trade, Artikelnummer: 880413, EAN: 4260071880413




Würfeln und dann Begriffe finden beim Spiel „Haste Worte?“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Was haben der Bürgermeister, eine Straßenkatze und ein Einbrecher gemeinsam? Sie könnten Ihnen in der aktuellen Runde von ‚Haste Worte – Das wortreiche Würfelspiel‘ Punkte und damit den Sieg bringen“, heißt es in einer Pressemitteilung von Hutter Trade zum neuen Spiel aus dem Verlag Huch.

Die Idee dafür sollen laut Vertriebsgesellschaft Hutter Trade Wolfgang Kramer und Michael Kiesling gelieferten haben. Dafür wurden acht Würfel bunt und mit 48 verschiedenen Symbolen bedruckt. Das Würfel- und Wortfindungsspiel bietet also über 1.000 Möglichkeiten.

Zu den Würfeln brauchen die Spieler noch Papier und Stift. Fertig.

Das wortreiche Würfelspiel „Haste Worte“ ist schnell erlernt. © Huch, Hutter Trade GmbH & Co. KG

Die Regeln sind kinderleicht. Ein Würfel gibt das Thema vor, für den sich derjenige, der an der Reihe ist, entscheidet. Der muss auch sagen, was er unter dem Symbol versteht. Die anderen sieben Würfel müssen dazukombiniert werden. Sie schreiben die Begriffe auf, die zum Themenwürfel und mindestens einem anderen Würfel passen. Je mehr, desto besser und das geht, weil zu jedem Begriff ein weiterer Würfel verwendet werden muss.

Genau, der Kopf und die Assoziationen der Spieler sind gefragt und Wortgewandtheit, denn im Anschluss müssen die Spieler ihre Begriffe erklären.

Uns hat das Spiel „Haste Worte? – Das wortreiche Würfelspiel“ auf Anhieb gefallen und es wird von uns als würdiger dritter Vertreter in der „Haste Worte“-Familie betrachtet.

Bibliographische Angaben

Haste Worte? – Das wortreiche Würfelspiel, Art: Würfel- und Wortspiel, Idee: Wolfgang Kramer, Michael Kiesling, Anzahl der Spieler: ab 2 Spieler, Alter der Spieler: ab 8 Jahren, Spieldauer: 15 Minuten, Verlag. Huch bei Hutter Trade, Günzburg, März 2019, Preis: ca. 9,99 EUR




Dog Pile mit Doggystyle oder ein Spiel von Bob Ferron

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Nicht Doggystyle und also Coitus a Tergo ist hier und heute Thema, sondern eine andere Spielerei für Hundehalter, genauer gesagt: ein Hundehaufen. Der ist aber keine Kacke, auch kein Kot, sondern ein Spiel mit Namen Dog Pile von Bob Ferron, das im Bett oder auf dem Boden oder auch auf einem Tisch gespielt werden kann. Doggystyle ist möglich. Hauptsache, der Haufen Hunde gerät nicht in Schräglage.

Der Haufen besteht aus einem Dutzend Hunden. Er ist in ein paar Minuten, die sich auch zu einer Viertelstunde ausdehnen können, in Form zu bringen, richtig, vom Hundehalter. Das ist einfach und deswegen finden die Spielregeln auch auf einer Spielkarte Platz. Auf einer dieser Karten steht die Aufgabe. Darauf sind die Hunde abgebildet, die man nutzen darf und muss sowie das Feld, das mit diesen Hunden auszufüllen ist. Die angegebenen Hunde in Form und Farbe müssen so auf dem Raster angeordnet werden, dass sie genau die abgebildete Fläche bedecken.

Das Kartenspiel „Dog Pile“ von Huch. © Huch, Hutter Trade GmbH & Co. KG

Wer keine Lösung finden kann, der drehe die Karte um. Auf den Rückseiten aller Aufgabenkarten befinden sich die Lösungen. Allerdings ist nur eine Lösung abgebildet, auch wenn mitunter mehr als eine Lösung möglich ist.

Die Aufgabenkarten sind in einer Handvoll Schwierigkeitsstufen unterteilt, Vom „Starter“ über den „Advanced“ und „Expert“ bis zum „Master“ reichen die Karten.

Auf manchen Aufgaben steht das Wort Schicht. Das bedeutet, dass die Hunde in drei Schichten und also dreidimensional angeordnet werden müssen, dabei darf kein Körperteil herausragen.

Manche Aufgaben sind also wirklich schwierig, vor allem, weil die Hunde in alle erdenklichen Stellungen gebracht werden müssen: stehend, auf der Seite liegend, Hals über Kopf und durchaus Doggystyle. Genau: das Legespiel für den Kopf von Bob Ferron hat für Groß und Klein seinen Charme.

Nebenbei bemerkt folgt „Dog Pile“ auf „Cat Stax“, das laut Pressemitteilung vom Huch-Verlag „mit gleichem Konzept aber anderen Hauptdarstellern bereits seit 2018 Logikfans und Tierliebhaber erfreut und begeistert“.

Wuff und auch Miau!

Bibliographische Angaben

Bob Ferron, Dog Pile, Anzahl der Spieler: ab 1, Alter der Spieler: von 7 bis 99 Jahre, Format: 88 x 133 x 38 mm, Verlag: Huch, Vertrieb: Hutter Trade, EAN: 4 260071 880598