Lange Anna, Lorely und mehr im Wandkalender „Deutschlandreise 2020“ mit Fotografien von Berthold Steinhilber

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Achtundsechziger Berthold Steinhilber, also 1968 geboren und zwar in Tübingen, ist hauptberuflich Fotograf. Er fotografiere nach eigenen Angaben „für Magazine, Unternehmen und Agenturen im In- und Ausland“ und zwar vor allem Landschaften.

Ein Dutzend seiner Landschaftsaufnahmen aus der heutigen Bundesrepublik Deutschland befinden sich im Wandkalender Deutschlandreise 2020 aus der Kölner DuMont Kalenderverlag GmbH & Co KG.

Rückseite des großen Wandkalenders „Deutschlandreise 2020“. © DuMont Kalenderverlag GmbH & Co KG

Die ausgewählten Motive zeigen die Lange Anna, das Wahrzeichen der Hochseeinsel Helgoland, von dem auch noch roter Buntsandstein und davor beachtlich blaue Nordsee zu sehen ist, das Wattenmeer, also mehr Watt als Meer, die Lorely und recht viel Rhein davor, den Oderbruch unter dunklen Wolken, die Tief über der Flusslandschaft hängen, einen typisch runden See in der Eifel, ein Stück Lüneburger Heide ohne Schnucke, ein Bootshaus im Walchensee, die Gracht von Friedrichstadt in Schleswig-Holstein, Füssen, Regensburg oder Schloss Sigmaringen, schneebestäubt und mit aufgestauter Donau.

Bibliographische Angaben

Berthold Steinhilber/Agentur laif, Deutschlandreise 2020, Wandkalender mit den wichtigsten Feiertagen, Format: 58,4 cm Breite x 48,5 cm Höhe, Spiralbindung, gedruckt in Deutschland, Verlag: DuMont Kalenderverlag GmbH & Co KG, Köln 2019, ISBN: 9783832044220, Preis: 30 EUR




Nicht Land unter, sondern „Land und Meer 2020“ – Annotation zum Kalender für Mecklenburg-Vorpommern

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Land unter wird in Mecklenburg-Vorpommern auch in 100 Jahren nicht sein. Dort kommen einem wegen des Geschreies und Geschreibsel von Greta und den Gretaisten höchstens die Tränen, aber nicht die ewige Sturmflut.

Nicht, dass es heißt, der Autor dieser Zeilen für den Wandeln von Klima und Küste leugnen, aber Bange machen gilt nicht. Im Gegenteil: es gilt, die Ostsee zu bewahren, das Gute darin und daran.

Dass das Gute auch schön ist, wird im Kalender für Mecklenburg-Vorpommern mit dem Titel „Land und Meer 2020“ gezeigt. Der 42. Jahrgang dieses Kalenders, der von Konrad Reich begründet und von Lydia Reich herausgegeben wird, liegt nun vor mit 28 Abbildungen auf 28 Seiten.

Die sehenswerten Fotografien stammen von Berthold Brinkmann, Walter Graupner, Thomas Grundner, Angelika Heim, Wolf-Dieter Jähnert, Wolfram Otto, Jürgen Reich, Alexander Rudolph, Uwe Seemann und Ulrike Wittig.

Der Kalender in Spiralbindung wurde nicht nur mit Wochentagen, die Sonntage in Rot, versehen, sondern auch mit Sinnsprüchen.

Bibliographische Angaben

Land und Meer 2020, Kalender für Mecklenburg-Vorpommern, 28 Seiten, 28 Abbildungen, Sprache: Deutsch, Format: 23,5 x 32,5 cm, Spiralbindung, Verlag: Hinstorff, 1. Auflage, Rostock 2019, ISBN: 9783356022421, Preis: 14 EUR




Frankreich um die vorletzte Jahrhundertwende – Zum beachtlichen Bildband „France 1900“ von Marc Walter und Sabine Arqué

Paris, Frankreich (Kulturexpresso). Im Verlag Taschen, der 1980 von Benedikt Taschen in Köln gegründet wurde und sich mit beachtliche Bildbänden zu Themen aus Kunst, Architektur, Design, Film, Fotografie und (neudeutsch) Lifestyle einen Namen gemacht hat, wurde ein weiterer gewichtiger Bildband publiziert. Darin werden großformatig Bilder aus Frankreich gezeigt, die um die Jahrhundertwende aufgenommen wurden.

Die Zeit zwischen dem Deutsch-Französischen Krieg und dem Ersten Weltkrieg gilt manchen Franzosen als ein goldenes Zeitalter von Frieden, Fortschritt und Wohlstand. Georg Wilhelm Friedrich Hegel hielt die Idee eines Goldenen Zeitalters für völlig Fehl am Platz, also in Paris und in der Provinz. Seiner Meinung nach sei das auf eine „beschränkte Lebensart, die einen Mangel der Entwicklung des Geistes“ zurückzuführen. Wo Hegel ist, da ist Karl Marx nicht weit. Kein Wunder also, das ein Marxist wie Ernst Bloch erst in einer künftigen klassenlosen Gesellschaft die Verwirklichung des Goldenen Zeitalters sah

Wie auch immer die Zeit an Orten in Frankreich um 1900 nach unserer Zeitrechnung auch genannt werden mag, Bilder über sie wurden erhalten und werden der interessierten Öffentlichkeit nicht vorenthalten. Dafür sorgen Verleger die Taschen, aber auch Autoren wie Marc Walter und Sabine Arqué. Walter (geboren 1949, gestorben 2018) war Grafikdesigner, Fotograf und Sammler, der „sich auf alte Reisefotografien, vor allem Photochrome“, spezialisiert, wie es im beachtenswerten Bildband „France 1900“ heißt. Er solle „eine der größten Sammlungen weltweit“ besessen und „zahlreiche Bücher mit Bildern aus seiner Sammlungen und seinen eigenen Fotografien“ veröffentlicht haben. Für diesen Bildband steuerte er mit Photovintagefrance „rund 800 Fotochromen, historische Fotografien, Postkarten und Plakate“ bei.

Arqué ist Dokumentarin, Bildredakteurin und Autorin, die „an zahlreichen Publikationen zu Reisethemen und zur Geschichte des Tourismus und der Fotografie mitgewirkt“ habe.

Beide ermöglichen eine Reise ins Frankreich um die vorletzte Jahrhundertwende, die sie in dem dreisprachigen Buch wie folgt gliedern: „Paris und Umgebung“, Der Norden und die Normandie“, „Atlantikküste und Pyrenäen“, „Loiretal, Auvergne und Pays ‚od“, „Champange, Vogesen und Alpen“ sowie Rhônetal und Côte d’Azur „. Ein Index, eine Bibliografie und eine Danksagung beendet das 36 Seiten umfassende Buch im Großformat.

Richtig, es sind auch eroberten und besetzte Gebiete dabei und die Bilder, bei den meisten Bildern wurde die Fotochrom-Technik, die die Vergangenheit in lebendige Farben versetzt, angewandt, zeigen dort und anderswo vor allem das Treiben der Bourgeoisie bis runter zum Kleinbürger, der sich auf den Boulevards in Paris oder beim (Sonnen-)Baden an der Côte d’Azur die Zeit vertreibt, während das Proletariat Mehrwert schafft und Profite erwirtschaftet.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Frankreich um die Jahrhundertwende.

Bibliographische Angaben

Marc Walter und Sabine Argué, France 1900, Sprachen: Englisch, Französisch und Deutsch, Format: 29 x 39,5 cm, gedruck in Italien, fester Einband, Verlag: Taschen, Köln 2019, ISBN: 978-3-8365-7850-9, Preis: 150 EUR (D)




Fotoreportage: Frankreich um die Jahrhundertwende

Paris, Frankreich (Kulturexpresso). Im Verlag Taschen, der 1980 von Benedikt Taschen in Köln gegründet wurde und sich mit beachtliche Bildbänden zu Themen aus Kunst, Architektur, Design, Film, Fotografie und (neudeutsch) Lifestyle einen Namen gemacht hat, wurde ein weiterer gewichtiger Bildband publiziert. Darin werden großformatig Bilder aus Frankreich gezeigt, die um die Jahrhundertwende aufgenommen wurden.

Die Zeit zwischen dem Deutsch-Französischen Krieg und dem Ersten Weltkrieg gilt manchen Franzosen als ein goldenes Zeitalter von Frieden, Fortschritt und Wohlstand.

Mehr Text zu den Bildern im Beitrag Frankreich um die Jahrhundertwende – Zum beachtlichen Bildband „France 1900“ von Marc Walter und Sabine Arqué von Jean Camus.




Die matriarchale Vergangenheit erwacht im Gorki – „Rewitching Europe“ von Yael Ronen & Ensemble

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Marta Górnicka hat sich mit ihren Chören zu unterschiedlichen, brisanten politischen Themen international einen Namen gemacht. 2018, beim 28-jährigen Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung, unterzog Górnicka mit einem Ensemble aus 50 Performer*innen das Grundgesetz einem Stresstest. Die Veranstaltung vor dem Brandenburger Tor erreichte eine breite, begeisterte Öffentlichkeit.

Im September 2019 gründete Marta Górnicka am Maxim Gorki Theater „Das Political Voice Institute“, mit dem sie ihr nächstes Projekt vorbereitet.

In der neuen Arbeit von Yael Ronen & Ensemble, „Rewitching Europe“, wird das Matriarchat wieder lebendig und vertreibt die männliche Vorherrschaft. Zeichen und Wunder geschehen, um das zu bewirken.

Zu Beginn wird das Publikum vor den Neben- und, womöglich auch späten, Nachwirkungen des Theaterabends gewarnt. Ein Gefühl der Sinnlosigkeit könne sich einstellen, das bei Betroffenen bis zur Einweisung in die Psychiatrie führen könne.

Das Thema, die Klimakatastrophe, ist allerdings geeignet, in Depression zu verfallen oder es einfach zu verdrängen. Lindy Larsson als stimmgewaltiger Sänger, der einzige Mann im sechsköpfigen Ensemble, profitiert zunächst von der Krise. Weil Greta Thunbergs Mutter sich weigert, Flugzeuge zu besteigen, wurde sie als Opernsängerin gefeuert, und Lindy bekommt ihre Rolle in „Rheingold“.

Ein Heilsweg ist es jedoch nicht, der zu Richard Wagners Germanenschwulst führt. Lindy singt die Partie der Erdmutter Erda, und deren Worte „Alles was ist, endet“, lassen ihn in unendliche Traurigkeit und Verzweiflung verfallen.

Lindy kann nicht mehr singen und wird, zwecks Selbstfindung, in eine verlassene Gegend in Lappland geschickt. Dort begegnet ihm Orit Nahmias als sprechendes Rentier, das aus einem der „Matrix“-Filme heraus gefallen zu sein scheint. Statt der Pillen hat es rote und blaue Beeren im Angebot, von denen eine Sorte jedoch gerade ausgegangen ist.

Das Rentier begrüßt den Sänger als Auserwählten, was ihm nicht zu besonderer Ehre gereicht, denn er wurde nur deshalb auserwählt, weil kein anderer da war. Auf jeden Fall muss er raus aus der Matrix. Das bedeutet für ihn, sich den Frauen anzuschließen und das Patriarchat aus sich heraus zu kotzen, weil das, auch für Männer, völlig unbekömmlich ist.

Am Anfang erzählt Lea Draeger von den Hexenverfolgungen, die mit dem Beginn der Neuzeit einsetzten und zigtausend Frauen das Leben kosteten. Das gesamte Ensemble ergreift das Wort, die Schauspieler*innen gehen ins Publikum, teilen ihr Wissen mit und sind nicht verständlich, weil alle gleichzeitig reden. Die Geschichte ist ohnehin schon bekannt.

Auch über die Bedrohungen durch die zunehmende Erderwärmung gibt es nichts zu sagen, was nicht alle schon wissen. Manchmal wirken die Akteur*innen ratlos, während auf der Bühne Feuersäulen aufsteigen und Funken und Rauch alles zu verschlingen drohen. Die Apokalypse wurde schon in allzu vielen Katastrophenfilmen heraufbeschworen.

Es gibt aber auch andere Bilder zu sehen: Videoanimationen von riesigen Schlangen, nicht bösartig oder eklig, sondern schöne Symbole des Lebens und der Heilkunst, bewegen sich elegant und harmonisch auf einer Leinwand auf der Bühne und auch auf den Wänden des Zuschauerraums, und Statuen von Göttinnen erscheinen.

Die matriarchale Vergangenheit erwacht im Gorki. Bei den derzeit stattfindenden Renovierungsarbeiten wurden menschliche Überreste gefunden, die ältesten, die jemals entdeckt wurden. Die Knochen dieses Gretchens liegen an einer uralten Kultstätte.

Ruth Reinecke kommt diesem Geheimnis auf die Spur. Ihre Großmutter erscheint ihr im Traum, und Ruth wird so lange von Visionen verfolgt, bis sie sich endlich entschließt, in die Baugrube hinunter zu steigen, wo sie eine kleine Göttinnenstatue findet. Damit nicht genug, muss nun auch noch ein Blut-Ritual erfolgen, zu dem Ruth ihre menstruierenden Kolleginnen zusammentrommelt.

Mit einigem Widerwillen lassen sich die Schauspielerinnen auf die Prozedur ein, auch Ruth Reinecke spart nicht mit kritischen Bemerkungen und hofft, nach dieser Aktion endgültig von ihren Visionen befreit zu sein.

Es geht um das allseits geforderte Umdenken, mit dem sich Yael Ronen und ihr Ensemble kreativ, geistreich und mit hintersinnigem Humor auseinander gesetzt haben. Ob das Uralte, auf das hier zurückgegriffen wird, sich bewähren kann, bleibt abzuwarten. Hilfreich kann es auf jeden Fall sein, damit endlich verschwindet, was die Erde zerstört: Der Kapitalismus und das Patriarchat.

„Rewitching Europe“ von Yael Ronen & Ensemble hatte am 01.11. Premiere im Maxim Gorki Theater. Nächste Vorstellungen: 29.-31.12.2019.




Bauhäuslerinnen oder die Frauen des Bauhauses in Weimar – Zum Buch „Bauhausmädels“ von Patrick Rössler

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das gewichtige und 480 Seiten umfassende Buch „Bauhausmädels“ von Patrick Rössler ist laut englischem Untertitel „a tribute to pioneering women artists“ eine Hommage an die Bauhaus-Künstlerinnen. Ja, das i bleibt klein.

© Taschen

In „Bauhausmädels“ stellt Rössler wirklich nur die Wegbegleiterinnen der Moderne vor. Zu ihnen zählt er Ida Thal, Margarete Willers, Helene Nonne, Benita Otte, Marianne Brandt, Hedwig Arnheim, Lucia Schulz, Ilse Fehling, Grit Kallin, Margaret Scholl, Alice Vollmer, Marguerite Friedlaender, Ilse Frank, Adelgunde Stölzl, Friederike Dicker, Otti Berger, Irene Hecht, Alma Buscher, Lene Wulff, Immeke Schwollmann, Anneliese Fleischmann, Margarete Heymann, Alexandra Gutzeit, Louise Berkenkamp, Elsa Franke, Charlotte Weisz, Erna Niemeyer, Olga Okuniewska, Mila Lederer, Lore Leudesdorff-Engstfeld, Martha Erps, Lotte Beese, Gertrud Hantschk, Eleonore Enders, Irene Blüh, Grete Stern, Karla Grosch, Ruth Hollós, Marianne Gygg, Gertrud Herold, Marie Helene Heimann, Hilde Isoy, Meta Kuhr, Lotte Gerson, Katt Both, Käthe Schmidt, Etel Fodor, Monica Bella Ullmann, Margot Loewe, Iwon Scheerbarth, Elisabeth Jäger, Wera Meyer-Waldeck, Ellen Rosenberg, Annemarie Wilke, Annemarie Hennings, Elisabeth Beyer, Ivana Tomljenovic, Ljuba Monastirsky, Helene Bergner, Ruth Vallentin, Greten Köhler, Margaretha Reichardt, Margaret Leischner, Margaret Leiteritz, Catharina Louisa van der Mijll Dekker, Alice Grau, Tonja Rapoport, Margaete Dambeck, Edith Suschitzky, Elisabeth Henneberger, Hilde Rantzsch, Grete Krebs, Margot Meschke, Mathilde Reindl, Gerda Marx, Vlasta Jajek, Charlotte Voepel, Hilde Reiss, Lotte Rothschild, Marie Dolezelová, Elsa Franke, Annje Urias, Michiko Yamawaki, Ricarda Meltzer, Zsuzsanna Bánki, Gertrud Wysse Haegg und Judit Kárósz.

© Taschen

Diese 87 Frauen waren Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen, die in dem 1919 eröffnete Staatliche Bauhaus in Weimar lebten und lernten. Sie würden laut Taschen-Verlag „einen neuen, selbstbewussten Typus Frau verkörperten und ihr Recht auf künstlerische Selbstverwirklichung einforderten.“

Weiter heißt es: „Neue archivarische Funde vervollständigen darüber hinaus unser Bild der wenigen prominenten Bauhaus-Frauen wie Lucia Moholy, die, nach der Machtübernahme der Nazis aus Deutschland geflohen, ihr Archiv mit 650 Glasnegativen ihrer berühmten Architektur-, Objekt- und Porträtaufnahmen Gropius anvertraut hatte und später nur auf juristischem Wege ihr Urheberinnen- und Eigentumsrecht geltend machen konnte, Gertrud Arndt, die eigentlich Architektur studieren wollte, dann in der Weberei landete und sich schließlich ganz der Fotografie zuwandte, oder Marianne Brandt, die als erste Frau in der Metallwerkstatt des Bauhauses arbeiten durfte und deren Entwürfe für Leuchten, Aschenbecher und andere Haushaltsgegenstände bis zum heutigen Tag von Alessi verwendet werden.“

© Taschen

Das sind wahrlich viele Frauen beziehungsweise beachtliche Bauhäuslerinnen in einem „Bilder-„Buch für Gebildete. Der Verlag Taschen aus Köln teilt dazu mit, das in diesem Werk „bislang nie publizierte Portäts und neu entdecktes Archivmaterial sowie biografische Informationen … Einblicke in das Leben der Frauen“ geben würden, die von ihren Zeitgenossen „in einer Mischung aus Skepsis und heimlicher Bewunderung … schlicht als „die Bauhausmädels“ bezeichnet worden seien.

© Taschen

Sehen sie selbst! Die Bilder der Pionierinnen der Moderne sprechen für sich, der Text dazu und darum herum wird in den Sprachen Englisch, Deutsch und Französisch präsentiert.

Bibliographische Angaben

Patrick Rössler, Bauhausmädels, 480 Seiten, Format: 17 x 24 cm, Leinen, Verlag: Taschen, Köln, 2019, ISBN: 978-3-8365-6353-6, Preis: 30 EUR (D)




Fotoreportage: In der Goethestadt Bad Lauchstädt

Bad Lauchstädt, Deutschland (Kulturexpresso). Als ein Erbe der Gartenbaukunst des 19. Jahrhunderts präsentiert sich auch die spätbarocke Kuranlage in Bad Lauchstädt. Einst konzipiert als Sommerresidenz des Kurfürstlichen Hofes in Dresden, entwickelte sich der Ort schnell zu einer Kinderstube der europäischen Badekultur. Selbst mit wenig Haut, dafür aber mit umso mehr höfischer Etikette, wirkten die Badefreuden ansteckend auf alle, die sich einen Besuch der Anlagen leisten konnten. Und Goethe, soviel weiß man, hatte mit Fragen körperlicher Natürlichkeit ohnehin keine Probleme.

Er setzte noch eins obendrauf, indem er die Errichtung eines stilvollen Theaters inmitten der Kuranlagen veranlasste, das bis heute seinen Namen trägt. Deckenbemalung und Zuschauerraum, traditionelle Bühnenkulisse und altertümliche Theatermechanik vermögen es noch heute, die gute alte Zeit neu herauf zu beschwören. Besonders während des alljährlich stattfindenden Theatersommers, so versichert Geschäftsführer René Schmidt, gibt es bis weit in andere Bundesländer hinein eine erstaunlich hohe Kartennachfrage.

Mehr Text im Beitrag Schöne Frauen und schöne Gärten an Saale und Unstrut von Dr. Bernd Kregel.




Draußen vor der Kampfzone – Zum Buch „Karl Biese – Naturmotive zwischen Nordsee und Schwarzwald“ , herausgegeben von Mark R. Hesslinger

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In Zeiten, in denen die Kampfzone ausgeweitet scheint bis ins Unendliche, sehnt sich der selbst von der Kultur entfremdete eindimensionale Mensch der Industriegesellschaft, deren Tun längst von Bänkstern bestimmt wird, nach Natur, wenn auch nur klammheimlich und oft unwissentlich.

Natur pur wird allerdings selbst in Naturschutzgebieten oder wie auch immer diese Zonen heißen oder genannt werden sollen mögen – vorgegaukelt und das längst so perfide, dass auch in der Provinz der auf den Hund kommt Metropolenbewohner den Braten riecht, der ihm vorgesetzt wird. Was bleibt? Die Erinnerung, die Bilder bieten. Bilder aus Zeiten, in denen der Monetarismus noch nicht überall mittenmang war.

Einer, der diese mit dem Pinsel festhielt, war Karl Biese, der laut Wikipedia in 1863 in Hamburg geboren wurde und 1926 in Tübingen starb und als Landschaftsmaler und Lithograf gilt, obwohl seine Zeit als Anstreicher, er arbeitete zunächst als Theatermaler, nicht unter den Teppich gekehrt wird. Im Buch „Karl Biese – Naturmotive zwischen Nordsee und Schwarzwald“, das von Mark R. Hesslinger herausgegeben und kürzlich im Südverlag erschien, ist er noch ein wenig mehr: Grafiker und Dekorationsmaler, Meisterschüler Gustav Schönlebers und Kollege von Künstlern wie Jenny und Otto Fikentscher, Franz Hein und Gustav Kampmann.

Dafür, dass das Wissen über Biese gemehrt, festgehalten und weitergegeben wird, sorgen auch Sibylle Appuhn-Radtke, Michael Bachmann, Ursula Bachmann und Peter Bussler, die Wortbeiträge zum Buch beisteuerten, und Hesslinger höchstselbst, der im Geleitwort zur „ersten ausführlichen Monographie über Karl Biese“ schreibt, dass dieser „seine Naturmotive auf zahlreichen Reisen rund um Karlsruhe, im Moselgebiet, im Rheinland und in der norddeutschen Tiefebene sowie an der Nordseeküste, vor allem aber im Schwarzwald“ gefunden habe. Wohl wahr auch, dass sich „trotz einheimischer Motivik … in seinem Werk der stilbildende Einfluss des Japonismus“ manifestierte. “ Biese war in diesem Punkt ein typischer ertreter des Jugendstils, der in seiner Landschaftsmalerei umsetzte, was zeitgleich in Paris und Wien als künstlerisches Ziel galt.

Wer sich mit Leben und Werk von Karl Biese befassen möchte, der muss auch dieses Sach- und eben nicht Bilderbuch studieren, denn Bieses Werke muss derjenige, der sein Wissen mehren und sich Weisheit lehren möchte, in echt und also im Original betrachten, dort, wo sie Wirkung erzielen und dem Entfremdeten von der Natur erzählen.

Bibliographische Angaben

Mark R. Hesslinger (Herausgeber), Karl Biese – Naturmotive zwischen Nordsee und Schwarzwald, 156 Seiten, Format: 22 x 24,5 cm, ca. 100 farbige Abbildungen, Hardcover, Verlag: Südverlag, Konstanz 2019, ISBN: 978-3-87800-128-7, Preis: 24,90 EUR (D)




Rosaana Velasco führt. Nabu-Abstimmung unter 300+ Bildern für PlanetArt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). PlanetArt soll beim Festival of Nature im Kühlhaus Berlin gezeigt werden. Vom 11.-21.9.2019. Dafür wird – ganz demokratisch – abgestimmt, welches Bild die Leute sehen wollen. Denn nicht alle Bilder, die eingereicht wurden zur Abstimmung, werden dort gezeigt werden können. Deshalb findet auf der Website des NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. eine Abstimmung statt, an der jeder teilnehmen kann. Bis Ultimo 12 Uhr, das heißt bis zum letzten Tag des Monats, genau am 31. Juli 2019 am Mittag. In der Rubrik „Wir über uns“ erfahren wir auf der NABU-Website, dass der Bund nicht immer so hieß: „Der heutige NABU wurde 1899 von Lina Hähnle als „Bund für Vogelschutz“ gegründet. Damit ist der NABU der älteste und mit seinen mehr als 700.000 Mitgliedern und Förderern auch der mitgliederstärkste Umweltverband in Deutschland.“

Wow. Der älteste Umweltverband Deutschlands mit den meisten Mitgliedern, im 19. Jahrhundert von einer Frau gegründet. Lina Hähnle war also damals schon „engagiert“ und „vernünftig“, indem sie sich mit dem Herzen für Mensch und Tier und Pflanze einsetzte. Für die Natur, die damals noch nicht „Umwelt“ hieß. Eine mutige Frau, die das richtige tat.

Wir erinnern uns an einen Anwerbeversuch während der Schulzeit. Ein Freund und Mitschüler wollte gern neue Mitglieder werben. Anreiz war die Vogelbeobachtung und der Zugang zu Orten, die sonst dem Normalsterblichen verwehrt sind: Vogelschutzinseln zum Beispiel. Nach einer Bedenkzeit entschieden wir uns dagegen. Zum einen liegt uns Vereinsmeierei nicht so sehr, zum anderen fehlte die Zeit. Aber der Begriff „Deutscher Bund für Vogelschutz“ mit seiner Abkürzung DBV hatte sich eingeprägt und als auf dem GreenMe-Filmfest ein Stand des NABU stand, fand man schnell heraus, dass durch die Umbenennung sich einiges geändert hat. Der NABU ist nicht nur gut zu Vögeln, sondern zu allen Tieren und der gesamten Natur.

NABU-Abstimmung für PlanetArt

Künstler bilden manchmal die Natur ab oder verweisen auf das Thema. Es kann eine gute Sache sein, Menschen, die quasi eine Galerie betreten, so zum Umdenken in Bezug auf die Natur zu bewegen. Im Netz findet man die digitalen Abbildungen von über 300 Bildern zum Natur-Sujet.

https://www.nabu.de/wir-ueber-uns/veranstaltungen/planet-art/26645.html

Welche Bilder wieviele Stimmen bekamen, steht hier:

https://www.nabu.de/wir-ueber-uns/veranstaltungen/planet-art/26558.html#rangliste

Die letzten Klicks,
die zählen und das Zünglein an der Waage sein können, werden heute
abgegeben. Die Betrachtung vieler Bilder ist ein Genuss. Um einen
guten Zweck geht es sowieso.

Noch haben Sie die
Wahl. Die meisten, die ihre Stimme abgaben, wählten den „Wal“
von Rosaana Velasco.

Aus bunten Kunststoffresten fügt sich ein Bild einer Fluke. Genial ist dieser Wal gerahmt, setzt sich aber außerhalb der Rahmens fort. Wal bleibt nicht im Rahmen. Der Boden der Galerie oder des Ausstellungsorts ist die Wasseroberfläche, unterhalb welcher der Wal unsichtbar wird.

Viele Wähler kennen
das Plakat, mit dem gegen Plastikmüll vorgegangen werden soll. Ein
Riesenfisch hat eine Menge Unrat im Maul. Er droht zu ersticken.
Viele Meeresbewohner tun das tatsächlich, andere, wie Schildkröten,
verheddern sich in losgerissenen Netzen und verenden qualvoll.

Dass das Siegerbild
dann im Kühlhaus gezeigt werden soll, ist Zufall und doch keiner.
Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht zuviel Kohlendioxid herausblasen.
Ein Kühlhaus erzeugt Wärme und Kälte. Global betrachtet ist ein
Hintersinn hineininterpretierbar. Doch nicht unbedingt gewollt,
sondern genauso zufällig wie „Tier“ und „Bar“ Teil dieses
langen Worts sind.




Alte Kunst hoch aktuell und zeitlos – „Utrecht, Caravaggio und Europa“ in der Alten Pinakothek in München

München, Deutschland (Kulturexpresso). Caravaggio oder Michelangelo Merisi (von 1571 bis 1610) ist vielen Menschen immer noch kein Begriff außerhalb der Welt der Malerei. Das kann man nun schnell ändern, denn noch bis zum 21. Juli ist eine außergewöhnliche Ausstellung in der Alten Pinakothek München zu sehen. Die Zusammenstellung dieser teilweise auch verstörenden Gemälde wird sicherlich für einige Jahrzehnte so nicht mehr zu erleben sein, wenn überhaupt. Zwar sind nur vier Originale vom Maler selbst in München ausgestellt, doch Caravaggio ist der Star. Die Grablegung von Christus, ein absolutes Meisterwerk, wird allerdings schon in drei Wochen in den Vatikan zurückkehren.

„Die Grablegung Christi“ von Caravaggio in einem Katalog. © 2019, Foto; Midou Grossmann

Caravaggio beeinflusste mit seiner plastischen Chiaroscuro/Hell-Dunkel-Malerei eine gesamte Generation von jungen Malern – auch Caravaggisten genannt – die aus ganz Europa nach Rom kamen, um diesen Malstil zu erlernen. Die ausgestellten Gemälde entstanden alle zwischen 1600 und 1630. Klare Kontraste inspirieren den Betrachter mit einer fast fotografischen Wirkung. Grelle Scheinwerfer geben den Bildern in dem schwarzen Ausstellungsraum noch eine besondere Dramatik. Das Leben der damaligen Menschen steht unmittelbar im Raum, ebenso das Erleben von Jesus und seinen Jüngern, die im Hauptsaal der Mittelpunkt sind. Körper, wie aus Stein gemeißelt, erzählen manche verstörende Geschichten. Ein posthumes Porträt des Malers vom 1614 zeigt uns den fragenden Blick eines Menschen, der tief in die Fragen des Daseins eingetaucht ist, zeigt einen Künstler der mit dem Leiden vertraut war.

Enthauptungen zeigen zudem das grausame Leben dieser vergangenen Jahrhunderte. Kreuzigungen und Verleumdungen, Verrat und Betrug scheinen eine blutige Spur bis heute über den Globus zu ziehen. Auch gerade deshalb ist diese Ausstellung mit einer unmittelbaren Aktualität so wichtig und notwendig. Es stellt sich die Frage, warum wir keine solchen Gemälde in der modernen Kunstszene sehen? Diese hier bewegen immer noch, der Besucherandrang spricht für sich selbst.

Noch zu sehen bis zum 21. Juli 2019

www.pinakothek.de/caravaggisti