Sängerin Julia Zhao auf der IFA. Tanzgruppe auf der Bühne in Halle 9

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Was machte die Sängerin Julia Zhao auf der IFA? Frau Zhao, eigentlich Zhao Songzi beziehungsweise europäisiert Songzi Zhao (sprich Ssung-dse Dschau) singt nicht nur, europäisch wie chinesisch, sondern kann auch tanzen. Eine ganze Tanzgruppe erfreute in Halle 9 auf der Bühne die Messebesucher in ihren traditionellen Kostümen. Nicht nur Musik und Tanz, auch talkshowähnliche Formate wurden dort gezeigt im Rahmen eines chinesisch-deutschen (Kultur-) Austauschs.

Julia Zhao auf der IFA in Halle 9. Auf dem Berliner Messegelände in Charlottenburg. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Julia Zhao, wie sich die Sängerin hier für diejenigen nennt, die meinen, nicht in der Lage zu sein, ihren Namen aussprechen zu können, kam nach Deutschland um klassischen (Opern-) Gesang zu lernen. Zu studieren. In China sang und singt sie Peking-Oper. Dabei hat sie einen ganz eigenen Stil gefunden, beides zu kombinieren.

Julia Zhao auf der IFA in Halle 9. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Wir fragen sie, ob es noch jemand gäbe, der das tut. Die Antwort ist: Eigentlich nicht oder kaum, und die einzige Sängerin, die Frau Zhao auf Anhieb einfällt, ist bereits über 60 Jahre alt.

Julia Zhao auf der IFA in Halle 9. Im Hintergrund auf der Bühne: Logo der Stiftung deutsche und chinesische Kultur. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Wir versuchen, Julia Zhao auf Film zu bannen; keine einfache Aufgabe, eine tanzbegeisterte Sängerin zu photographieren, die sich gern bewegt. „Die Kamera ist zu langsam“, meint sie, während sie von einer Pose zur anderen wechselt.

Julia Zhao auf der IFA: Von Anfang an Musik

Julia Zhao unter dem Funkturm in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Geboren wurde die tanzende Sängerin als Zhao Songzi in einem Dorf in der Nähe von Zhangzhou (Dschang-dschou) in der Provinz Henan. He-nan bedeutet „südlich (nan) des Flusses“. Der Fluss (He) ist der Gelbe Fluss oder Huanghe, der so heißt, weil er viel Löss mit sich führt. Es ist der nördlichste der drei großen Flüsse, die auf einer kleinen Karte von China eingezeichnet sind.

Julia Zhao unter dem Funkturm in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Schon als Kind begann sie bei ihrem Onkel Musiktheorie zu lernen. Anfang der 1990er Jahre arbeitete sie in der Schule als Musiklehrerin. In der Grundschule und in der Sekundarstufe. Später trat sie an verschiedenen Orten auf. Da sie heute in Berlin lebt, ist ein Auftritt auf der IFA nur folgerichtig.

Julia Zhao auf dem Berliner Messegelände unter dem Funkturm in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Auf dem Messegelände erklingt allerorten Musik. Oft aus der Konserve, doch häufig auch live. Nicht nur tagelang im Sommergarten mit Rap und Pop, sondern auch an den Ständen wie zum Beispiel bei Siemens in Halle 1.1 regelmäßig Jazz zum Feierabend mit Nelson Müller und Band (17.15 bis 18 Uhr, Nähe Eingang Messe Süd). Chinesische Klänge, Tänze und Kostüme runden eine Messe ab, auf der von Technik made in China wirklich nicht zu wenig zu sehen ist.

Julia Zhao in Bewegung. Studie. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Hinweis: Auf der Bühne in Halle 9 wird unter anderem oder vor allem deutsch gesprochen. Eine schöne Abwechslung, da zum Beispiel die Supplier in der Station Berlin bei IFA Global Markets zwar von ihren Produkten viel verstehen, aber bei ihren Fremdsprachenkenntnissen vielfach noch Luft nach oben haben.

Julia Zhao zur IFA auf der Messe Berlin zwischen Sommergarten und großem Stern, im Hintergrund der Funkturm. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser




Internationales Yixue Art Festival mit Friedensmeditation und Konzert

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Internationale Yixue Art Festival, dessen Bezeichnung freilich auf englisch daherkommt, ist ein feiner Lichtblick mitten im Herzen des deutschen Hauptstadt. Auf dem Weg zur Kreuzberger Kneipen- beziehungsweise Restaurant-Galerie Reds Deli, beim Umsteigen vom M48er, 200er oder 300er Bus, die man erst noch auseinanderhalten lernen muss, lief man am Donnerstagabend vor Sonnenuntergang unweigerlich dem Yixue Art Festival über den Weg. Harmonische, angenehme Klänge bremsten die Schritte derjenigen, die zielstrebig die Bushaltestelle des M41ers am Denkmalstummel vor dem U-Bahn-Eingang Potsdamer Platz ansteuerten.

Das Internationale Yixue Art Festival – eine Überraschung am Potsdamer Platz

Die Hauptbühne des „International Yixue Art Festivals“. Rechts die Dirigentin, links daneben Wei Ling Yi. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Eine freundliche Dame mit Flyern in der Hand und einem Japan-T-Shirt lauscht insbrünstig hingegeben der Musik. Dann erklärt sie, dies sei die Generalprobe für das Konzert am Freitag. Da fände die Friedensmeditation statt. Also ein Konzert. Nein, eher eine Friedensmeditation am Freitag um 19 Uhr, zu der das Konzert dazugehöre. Frieden? Finde ich gut. Die vergangenen Jahre konnte einem ja schon manchmal etwas schwummerig werden. Libyen, Syrien, Nigeria, der Jemen, Nordkorea, Indien und Pakistan, die mit dem Säbel rasseln, Afghanistan, Kurdistan, ach nee, das gibt es ja gar nicht, der Irak, Iran? … Wo soll man aufhören? Wie lang ist die Liste? Wenn da mal jemand sich aktiv um den Frieden kümmert: Applaus!

Die Generalprobe für das Konzert zur Friedensmeditation am Freitag den 31. August 2019 zieht bereits Publikum an. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Japan? Yixue ist doch ein offensichtlich chinesisches Wort. Die Kleidung hatte die Dame in dem Moment gar nicht beachtet. Die Friedensmeditation am Freitag, den 30.8. fände mit Großmeister Wei Ling Yi statt (sprich: Wej Ling I), der vor 20 Jahren aus China nach Berlin gekommen sei, um Qigong zu üben (und zu lehren) (sprich: Tchi-gung, bedeutet soviel wie mit mit der Lebenskraft, Wilhelm Reich nannte es Lebenskraft, China nennt es Tchi/ Qi).

Die Generalprobe am Donnerstag, den 30.8. für das Konzert mit Friedensmeditation beim Yixue Art Festival am Freitag, den 30. August 2019. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Berlin kann glücklich schätzen, soviele Gäste zu haben. Wei Ling Yi gründete eine Qigong-Schule und initiierte letztlich dieses Festival.

Was gibt‘s beim Yixue Art Festival?

Dirigentin, Solisten, Hauptbühne am Potsdamer Platz. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Es begann am Donnerstag, den 29.8. und geht bis einschließlcih Samstag. Es gibt am Feitag abend um 7 Uhr das erwähnte Konzert zu Friedensmeditation, Open-Air-Musik und – Tanz sowie einen Künstlermarkt. Das ganze „“bunt, fröhlich, bewegend“ und „für alle“, verspricht der bunte Hochglanz-Handzettel. Fröhlich scheint es, bunt ist es, bewegen tut es viele Zuhörer. Die Generalprobe, die nicht auf der Bühne selbst stattfand, (also eher eine Hauptmanns-, Major, oder Leutnantsprobe war), da der Bühnenaufbau noch nicht abgeschlossen war, zog bereits ein Publikum der größenordnung an, das man das Ganze für ein Konzert und nicht nur eine Konzertprobe halten konnte.

Ein zweiter Zettel wird uns in die Hand gedrückt, erst in Reds Deli stellt sich heraus, das es sich um die hell bedruckte Rückseite handelt. Am Sonnabend, den 31. August 2019 finden das Mutter-Erde-Fest und die Street-Parade statt, eine Straßenparade. „Live-Music, Dances, Cultures“ verheißt der Flyer. „Al are invited!“ Das klingt doch gut. Umsonst und draußen, das ist etwas, was man in diesen heißen Augusttagen vertragen kann.

Ablauf Samstag

11 Uhr Berlin, Gendarmenmarkt – Brandenburger Tor – (das unsere Geldmünzen, zum Beispiel die 50 Cent schmückt) – Potsdamer Platz.

13 Uhr Bühnenprogramm auf dem Potsdamer Platz an der Verkehrsampel aus den 20er Jahren, als der Doppelplatz Potsdamer/ Leipziger der verkehrsreichste Europas war.

„Infos zum Event info@yixue.de oder 0176-568 561 16.“

Die Website heißt http://www.yixue.de .




Die schönsten Kinderlieder aus aller Welt. CD mit Liedertexten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Claude Koob hatte die Idee. Er hat auch das Konzept entwickelt. Die Idee: die schönsten Kinderlieder aus aller Welt auf einer CD zu versammeln. Gesungen und instrumental. Mit Liedertexten. Das Konzept geht auf. Im August 2013 produziert, ist diese Compact Disc immer noch eine, die gebraucht, die nachgefragt wird. Selten werden Erwachsene einfach so allein auf dem Sofa Kinderlieder hören wollen, es sei denn, sie kannten sie schon.

Häufiger werden es Erwachsene, darunter nicht wenige Frauen sein, die unter anderem beruflich so einen Tonträger verwenden können. Egal wofür, ob für ein Kinderfest, für den Alltag in einer Kita, einem Kindergarten oder freien Einrichtungen wie dem Berliner „Seepferdchen“, es ist toll, eine gute Mischung von Kinderliedern von verschiedenen Kontinenten zu haben und die Texte gleich dabei. Das Mitsingen kann beginnen, die Kinderchorprobe oder die Singgruppe. Oder einfach das fröhliche Picknick im Park.

Die schönsten Kinderlieder aus aller Welt: Die Liste der Titel

  1. Komm, geh mit mir in das Land
  2. Jimba, Jimba
  3. I Like the Flowers/ Ich lieb den Frühling
  4. Hava nagila/ Lasst uns glücklich sein und uns freu‘n
  5. Karl, der Käfer
  6. Bella Bimba/ Wenn ich Musik höre, will ich tanzen
  7. Uelle
  8. Sascha
  9. El condor pasa / Ich möchte gern ein bunter Vogel sein
  10. Von den blauen Bergen kommen wir
  11. Tiritomba / Frühling, komm‘ doch über‘s Land
  12. Schnappi, das kleine Krokodil
  13. Blühe Blume (Chinesisches Blumenlied)
  14. Rock my Soul/ Sing ein Lied
  15. Bajuschki Baju/ Schlaf, mein Kind

Die Nummern 1-15 gibt es auch in der Instrumentalversion mit den Nummern 16-30.

Gerne kann der Leser raten, aus welchen Ländern oder Kontinenten die Stücke stammen. Auflösung unten!

Sind es wirklich die schönsten Kinderlieder aus aller Welt?

Rückseite der CD „Die schönsten Kinderlieder aus aller Welt“. Mit Liedertexten. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Und sind dies nun wirklich die schönsten Kinderlieder aus aller Welt? Diese Entscheidung kann natürlich nur subjektiv sein. Genauso wie die Frage, ob der Spessart-Kinder-und-Jugendchor und seine Chorleiterin Susanne Mutterer „einen guten Job gemacht“ haben. Was wir bejahen würden.

„Die schönsten Kinderlieder aus aller Welt“ sind in ihrer Schönheit nicht messbar. Ins Guinnessbuch der Rekorde könnte keines kommen. Denn Schönheit ist nicht mit dem Zentimetermaß oder Zollstock abzuzirkeln. Das längste Kinderlied oder das kürzeste, das mit den meisten verschiedenen Wörtern und das mit den meisten verschiedenen Wörtern aus verschiedenen Sprachen, so etwas wäre schon mess- und machbar.

Doch die Schönheit der Musik hingegen, obwohl unbestritten in unserer Mitten, liegt im Auge oder Ohr des Betrachters. Geschmackssache und von verschiedenen vergangenen Ereignissen beeinflussbar. Was man immer singen musste, aber nicht wollte, was immer die schrille Monika sang, obwohl sie die Töne nicht traf, was man durch ein Zuviel des Konsums als abgenudelt empfindet wie ein zu häufig im Radio gespieltes Weihnachtslied.

Genau wie viele ehemalige DDR-Bürger russisch lernen mussten und es heute nicht können oder nicht gut. Klavierspielen ist eine tolle Sache, wenn die Kinder zum Unterricht gezwungen werden, verkehrt sich das Gute ins Gegenteil.

Auflösung zur Herkunft der Kinderlieder aus aller Welt

Aus Russland stammen die Lieder 2, 8 und 15, aus Italien die 6 und 11, aus Israel die 4, und die 5 und 12, das haben wohl die meisten gewusst, kommen aus der Bundesrepublik Deutschland. Ich lieb‘ den Frühling (Nr. 3) ist ein englisches Lied aus Großbritannien. Herkunftsangabe: England. Kleiner als ein Staat. Größer als ein Staat ist die Angabe „Afrika“, die bei der Nummer 7 steht. Ebenfalls größer angekündigt sind die Nummern 1 und 14 aus den (Vereinigten Staaten von) Amerika. Nr. 13 ist aus China; müßig, zu fragen, ob aus der Republik oder Volksrepublik. Es ist chinesische Kultur. Aus Südamerika kommt die Nummer 9 (einfach) und aus „Nordamerika“ die Nummer 10.

Gesamtspielzeit 77,48 Minuten

Arrangiert
wurde das Ganze von C. Seeger.

Im Handel oder bei Santec-Music. Bestellnummer 13 165.

Anschrift/ Postanschrift: Santec Music GmbH, Max-Braun-Straße 2/4, 97828 Marktheidenfeld; Tel. (09391) 504737.

www.santec-music.de




Internationaler Frauentag. Der überraschende Feiertag – nur echt in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Internationaler Frauentag? Seit Berlin zur Bundesrepublik Deutschland gehört – wir erinnern uns, 41 Jahre Jahre lang war das nicht der Fall, West-Berlin war das einzige militärisch regierte Territorium Europas und trotz ähnlichen Lebensstandards, Freizügigkeit und Reisefreiheit juristisch und völkerrechtlich nicht Teil der Bundesrepublik – wurde der Internationale Frauentag nicht offiziell begangen.

In Ost-Berlin, der „Hauptstadt der DDR“, obwohl das Territorium gar nicht Teil des Staatsgebietes der DDR war und sein durfte, wurde der Internationale Frauentag mehr oder weniger gefeiert. Manche Frauen ärgerten sich darüber, dass zwar gefeiert wurde, doch Tee und Kaffee sowie Schnittchen doch wieder von ihnen vorzubereiten waren und die Feier dadurch auch Nachteile hatte.

Jedenfalls waren die Frauen am Frauentag doch wieder am arbeiten; sogar noch mehr, da ja die ‚ganze Meute‘ zu beköstigen war – wie an jedem Feiertag. Die Frauen in der Küche und am Bedienen – daran änderte sich auch am 8. März nichts. In China ist wenigstens der Nachmittag für Frauen frei. Dass in der Volksrepublik in Peking die Kommunistische Partei Chinas das Sagen hat, scheint diese Regelung begünstigt zu haben.

Vor kurzer Zeit beschloss der Senat Berlins unter der Führung des Regierenden Bürgermeisters Müller, den Internationalen Frauentag zum gesetzlichen Feiertag im Land Berlin zu bestimmen. Viele wurden davon überrascht.

Internationaler Frauentag – und nichts funktioniert

Am S- und Fernbahnhof Friedrichstraße war am Abend viel los. Die anderswo geschlossenen Geschäfte lockten viele hierhin, um Einkäufe zu tätigen. Bücher waren wohl weniger dabei, vielleicht bei Ludwig; Dussmann hatte zu, obwohl sonst bis Mitternacht geöffnet. Dafür stand ein Schild im Schaufenster: Sonntag von 13-18 geöffnet. Die Läden im Bahnhof sind aufgrund der Sonderbestimmungen für Geschäfte in Flughäfen, Seehäfen und Bahnhöfen auch sonn- und feiertags geöffnet. Bei Edeka bilden sich lange Schlangen an dem halben Dutzend Kassen.

So dringend war unser Einkauf dann doch nicht, zudem ein alter Merkspruch zurecht heißt: „Gedränge nur dem Dieb gefällt, drum Augen auf und Hand aufs Geld!“

Wichtiger war, einen dringenden Brief loszuwerden. Auf der Post hatten wir es bereits versucht, sie hatte im Bahnhof Friedrichstraße am 8.3. zwar geöffnet, jedoch kürzer – nur bis 20 Uhr. Das wurde auf einem Zettel an der Eingangstür kundgetan, die um 20.10 Uhr – aus der Sicht vieler überraschend – verschlossen war. Ob die Post am Flughafen Tegel noch aufhatte?

Lange Schlangen, kaputte Automaten, ungewisse Briefkastenleerung – eine Feiertagsrealität

Nach den Besuchen der verschlossenen Türen bei Post und Buchladen zunächst der Gang zur Bank. Eine kleine Summe Geldes Euro einzuzahlen, gelang nicht, da der einzige Automat mit dieser Funktion der Meinung war, die Tresortür sei nicht verschlossen. Ob der Automat eine Frau war oder nicht, konnte zwar nicht abschließend geklärt werden, jedenfalls reihte er (?; Genus muss nicht Sexus sein, siehe „das Mädchen“) sich in das Feiertagsnichttun ein. An einem normalen Wochentag – der 8. März war ein Freitag – hätte ein Techniker (oder eine Technikerin) vor Feierabend da sein können, um mit dem Automaten zu reden, so aber waren die Kollegen schon Donnerstag abend im Wochenende.

Zuletzt versuchten wir gegen 21 Uhr, an der Friedrichstraße unter der Bahnunterführung die Post einzustecken. Dort stehen regengeschützt mehrere Briefkästen der Deutschen Post mit einem roten Punkt, der schon von weitem auf Sonn- und Feiertagsleerung hinweist. Da es sich um eine wichtige Sendung handelte – darum der Gang zur Post, wie erwähnt – warteten wir am Briefkasten auf das Leerungsfahrzeug. Die am Kasten vermerkte Zeit muss eingehalten werden, vor neun Uhr durfte also keine Leerung erfolgen, zwischen neun und halb zehn passierte jedoch auch nichts. Zurück zum Supermarkt, wo die Schlangen an den Kassen wenigstens kürzer geworden waren.

Sogar die erfolgsgewohnte ITB, die wie die anderen Berliner Messen IFA und Grüne Woche gewöhnlich von Ausstellerrekord zu Besucherrekord eilen, vermeldete nach Messeende Sonntagabend, 10. März, dass die Besucherzahl leicht hinter der Vorjahreszahl zurückgeblieben sei. Viele hatten den unverhofften Feiertag kurzfristig zu einem langen Wochenende genutzt und damit einem möglichen neuen Besucherrekord bei der ITB einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Reales Reisen statt richtiger Reisevorbereitung.

Während einige erst am Freitagabend merkten, dass die meisten Geschäfte geschlossen hatten, nutzten andere den kurzfristig anberaumten gesetzlichen Feiertag für Freizeitzwecke.

Internationaler Frauentag, Käte Duncker und Clara Zetkin

Mit Ausnahme der DDR wurde der Internationale Frauentag, von einer Deutschen initiiert, in Deutschland seit 1949 nicht gefeiert.

Auf dem Weg vom Bahnhof Friedrichstraße zur Buchhandlung südlich der Dorotheenstraße überquert man ebendiese. Sie hieß von 1951 bis 1995 Clara-Zetkin-Straße.

Damit ist Clara Zetkin aber nicht gänzlich aus dem Straßenbild Berlins getilgt worden. Nicht nur gibt es in Hohen Neuendorf und Glienicke/ Nordbahn, Grenzgemeinden von Berlin, Clara-Zetkin-Straßen, sondern auch in dem Bezirk, der heute Marzahn-Hellersdorf heißt, einen auf dem Stadtplan nicht zu findenden Clara-Zetkin-Weg und seit 1997 einen kleinen Clara-Zetkin-Park. Allerdings befindet sich der Park fast an der Stadtgrenze, kurz vor den Endhaltestellen der Tram und S-Bahn nach Ahrensfelde und damit an weitaus weniger prominenter Stelle. Auch sind Eiche- und Bürgerpark, Jelena-Santic-Friedenspark, Rohrbruch- und Seelgrabenpark nicht nur zentraler, sondern weitaus größer und die Gärten der Welt sogar über die Stadt hinaus bekannt.

Die Dorotheenstraße in der Dorotheenstadt führt zum Reichstag und damit zu einer der wichtigsten Wirkungsstätten Zetkins. Gregor Gysi hatte wohl auch deshalb 2012 vorgeschlagen, ein Gebäude an der kreuzenden Wilhelmstraße nach ihr zu benennen, fand aber bei Bundestagspräsident Lammert kein Gehör.

Klára Zetkinová, wie sie in Tschechien heißt, lebte von 1857-1933. Sie war unter anderem Reichstagsabgeordnete und als solche in den letzten Jahren Alterspräsidentin. Die Internationalität wurde ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt: Geboren im Königreich Sachsen erlebte sie das Zweite und Dritte Reich samt Weimarer Republik und starb in der Nähe Moskaus in der Sowjetunion. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs und des Kaiserreichs war Zetkin Mitglied der USPD, in Spartakusgruppe und -bund sowie KPD. Von 1924-29 lebte sie hauptsächlich in der Sowjetunion, 1926 wurde in Berlin ihr Buch „Im befreiten Kaukasus“ veröffentlicht.

Den Frauentag intiierte sie gegen männlichen Widerstand unter Parteigenossen auf der sozialistischen Frauenkonferenz am 27.August 1910 in Kopenhagen zusammen mit Käte Duncker, Hermann Dunckers Frau.

Internationaler Frauentag – 2019 erstmals gefeiert?

Der Tag sollte am 19. März 1911 erstmals begangen werden, ab 1921 am 8. März.

Es ging um Gleichberechtigung, Frauenwahlrecht und Arbeiterinnenemanzipation.

Zetkin als Hauptbefürworterin wechselte zur KPD, die den 8. März beging, die SPD feierte erst ab 1926 wieder, allerdings ohne festes Datum. Es gab in den Zwanziger Jahren also zwei Frauentage. Nach Einführung des Frauenwahlrechts ging ein bisschen die Stoßrichtung verloren. Man hatte ja nun das Wahlrecht (innerhalb weniger Jahre nach Einführen des Tages der Frau) erreicht, wozu genau sollte der Tag nochmal gut sein? 1933 bis 45 war der Frauentag verpönt und der Muttertag wurde herausgestellt. 1946 wurde er in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wiedereingeführt. Die SPD fing in Friedenszeiten ein bisschen wieder an, doch das ebbte ab, der Termin lag meist zwischen Februar und Mai.

Das Jahr des größten Erfolges in Frauensachen wurde 1975. Nicht nur ein Tag der Frau, ein Jahr der Frau wurde ausgerufen und auf Briefmarken zum Beispiel der Deutschen Bundespost angekündigt. Anschließend eine Dekade der Frau.

Internationaler Frauentag international

In diesem Jahr ist der Tag des weiblichen Geschlechts gesetzlicher Feiertag in etwa 26 Ländern, darunter in großen Staaten wie Russland und Weißrussland, aber auch in so unterschiedlichen Staaten wie Armenien und Nepal.

Auffällig ist die große Anzahl ehemals sozialistischer und GUS-Staaten. Zwar hat sich das Baltikum in einer Kehrtwendung dem Westen zugewandt (und den Tag abgeschafft), doch sind die drei GUS-Staaten, die schon früher in der UNO waren, genauso dabei wie alle kaukasischen, mittelasiatischen und Moldau. Von den „sozialistischen“ fehlt Venezuela, überhaupt scheint in Amerika nur Kuba mitzumachen. Angola zeigt bis heute rotschwarze Flagge mit Zahnrad und fünfzackigem Stern. Die Mongolei, Laos, Kambodscha und Vietnam verwundern als Feierstaaten wenig; eher, dass Myanmar nicht dabei ist. Sambia war 1973-90 Einparteienstaat, die Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit ist die einzige politische Partei Eritreas. Milton Obote stand für den „Afrikanischen Sozialismus“ und führte 1966 ein Einparteiensystem in Uganda ein. Obervolta wurde 1984 von dem sozialistischen Präsidenten Sankara in Burkina Faso umbenannt.

Während Alice Schwarzer vernünftigerweise 2010 forderte: „Schaffen wir ihn […] endlich ab […] ! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.“, erlebte er regional immer wieder einen Höhenflug. So in Österreich 2016 und spanischsprachigen Ländern vergangenes Jahr. Dort streikten 2018 über fünf Millionen Menschen unter dem Motto „Wenn die Frauen streiken, steht die Welt still.“ Sogar die Königin von Spanien machte mit. 2019 verlief die Feier in der Türkei verschieden: normal in Ankara, in Istanbul am Abend von der Polizei gestoppt. Das österreichische Fernsehen berichtete bereits um 20.44 Uhr: Der traditionell friedliche Marsch wurde unterbunden, indem die altherbrachte Route vom Taksimplatz durch eine dort beginnende große Einkaufsstraße bereits früh am Abend und kurz hinter dem Platz durch behelmte Polizisten mit Schilden blockiert wurde. Als die Menge sich nicht auflöste, wurden Gummigeschosse und Tränengas verschossen.

Berlin – aus heiterem Himmel

Berlin ist das einzige von 16 Bundesländern, dass den Internationalen Frauentag feiert.

Der Regierende Bürgermeister Müller (SPD) war 2018, aus welchem Grunde auch immer, auf der Suche nach einem neuen Feiertag. Den 17. Juni wenigstens in Berlin wiedereinzuführen als Tag der Deutschen Einheit, erschien wohl gedoppelt. Immerhin: Im Juni 1953 war einiges passiert, Blut war geflossen nicht nur in Ost-Berlin. Der 3. Oktober wurde von der Regierung festgelegt und zelebriert einen Verwaltungsakt. Der Reformationstag hingegen war wohl zu religiös und nur für eine kleinere Klientel relevant. Gender-korrekter ist da schon so ein Frauentag. Etwa die Hälfte der Menschen geht er direkt etwas an, die andere indirekt. Dass sowohl Zetkin als auch Duncker lange SPD-Mitglied waren, mag Müller mutmaßlich nur recht gewesen sein. Wenn die SPD unter den Frauen Stimmen gewinnt und unter den Männern nicht verliert – wer hat schon etwas gegen einen Feiertag außer im Finanzministerium oder bei der IHK? – dann hat die Einführung schon seinen Sinn.

Mit Wirkung vom 7. Februar 2019 wurde der 8. März festgelegt. Recht kurzfristig, wer vor dem 7.2. mehrere Wochen in Urlaub ging, hat das bestimmt nicht verfolgt.

Der Tag heißt im englischsprachigen Raum und weltweit International Women‘s Day (IWD).

Phumzile Mlambo-Ngcuka, UN-Unter-Generalsekretärin, stellte anlässlich des Festtages 2015 fest: „Heute hat nicht ein einziges Land Gleichheit erreicht.“




Basar und Bazaar. Auf der neuen Seidenstraße und in Berlin am ICC – Basare im 21. Jahrhundert

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Geschichte der Seidenstraße, die Ostasien mit dem Mittelmeer verbindet, reicht bis in der Antike. Sie begann im zweiten vorchristlichen Jahrhundert. Von China nach Westen führend, spaltete sie sich in die nördliche und südliche Routen, weshalb es richtig heißt: die Seidenstraßen. Die nördliche durchquerte den Pamir und ging nach Fergana und in die kasachischen Steppen, während der Süden den Pamir Richtung Indien und den Nahen Osten bis ans Mittelmeer durchquerte. Kamelkarawanen, beladen mit Seide, erreichten das Abendland. Auch Trampeltiere wurden benutzt, sie stammen aus Zentralasien, haben ein Winterfell und können so den großen Temperaturschwankungen standhalten; sie sind leicht an den zwei Höckern zu erkennen. Eine solche Reise dauerte recht lang.

Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter – ein Zitat, das es in die Politik der Bundesrepublik Deutschland geschafft hat. Weder Ochs noch Esel halten … auf, hörte man in der DDR. Jedes Mal geht es um eine recht langsame, doch stetige Bewegung. Nicht zu vergleichen mit heutigen Flugreisen, mit dem man zwar Menschen schnell befördert, doch zum Beispiel dem Jetlag aussetzt.

Waren der Basare und der Seidenstraße, die man in Richtung Osten als Glasstraße bezeichnen könnte

Stoffe, Farben, Muster aus dem Orient. 1a-Basarware. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Seide war die wichtigste, aber bei weitem nicht die einzige Ware, die entlang der transkontinentalen Route transportiert wurde. Aus China trugen Karawanen Porzellan, Metallgegenstände und Bronzespiegel, lackierte Produkte und Kosmetika, Tee und Reis. Elfenbeinstoßzähne, Nashornhörner, Schildkrötenpanzer, Gewürze und vieles mehr finden sich in den Reisetaschen der Kaufleute. Pferde, die in China hochgeschätzt werden, militärische Ausrüstung, Gold und Silber, Halbedelsteine und Glaswaren, Leder und Wolle, Teppiche und Baumwollgewebe, exotische Früchte wie Wassermelonen und Pfirsiche, Jagdhunde, Leoparden und Löwen wurden aus Zentralasien exportiert.

Die Seidenstraße mit ihren Abzweigungen hat eine lange Geschichte

Im 15. Jahrhundert war die Seidenstraße aufgrund der Wiederaufnahme militärischer Konflikte in Mittelasien, die die Entwicklung des Seehandels angeregten, zurückgegangen. Die beiden flächenmäßig größten Weltreiche der Geschichte, das Reich Dschingis-Khans und das britische Weltreich, sind direkt und indirekt mit der Seidenstraße verbunden. Die Mongolei liegt nördlich Dunhuangs und in den ausgedehnten Machtbereich der Khane geriet unter anderem Persien sowie ganz Innerasien bis hin nach Polen. Durch den Niedergang des kontinentalen Land-Handelsweges – Krieg macht alles kaputt – erstarkten die Flotten der westeuropäischen Kolonialmächte Portugal, Niederlande und Großbritannien, die gern das Ostasien- und Südostasiengeschäft mit Seide und Gewürzen übernahmen. Macao, Hongkong und Indonesien sind die Stichworte. Nach dem siebenjährigen Krieg bis 1763 und dem Sieg am Kap Trafalgar gegen die spanische und französische Flotte 1805 begann die mehr als hundertjährige Vorherrschaft der Briten zur See. Die ein halbes hundert zählenden Commonwealth-Staaten zeugen bis heute von der einstigen Größe des Inselkönigreichs.

Hätte der Handel auf dem Landweg der Seidenstraßen im ausgehenden Mittelalter bis in die Neuzeit hinein weiterfunktioniert, wären nie so große Margen bei Portugiesen und Briten erzielt worden. Der Aufstieg und die Ausbreitung der Kolonialreiche wäre in Asien und Afrika vielleicht anders verlaufen.

Westenden der Seidenstraße

Die westlichen Enden der Seidenstraße teilten sich in Palmyra in Syrien, das wir aus den Nachrichten kennen. Die Nordroute ging dann über die syrischen Orte Aleppo und Antakya und über Tyros nach Konstantinopel am Bosporus, heute Istanbul. Die Südroute ging von Palmyra nach Damaskus, heute syrische Hauptstadt, und über Gaza und Kairo nach Alexandria am Mittelmeer im Nildelta, das für seine verbrannte, einst enorme Bibliothek bekannt ist.

Seidenstraße heute: Touristenrallyes, Basare, architektonische Freilichtmuseen

In den 1960er Jahren wurde die Transsibirische Eisenbahn zwischen Europa und Asien in der UdSSR gebaut. Nun, was ist mit heute? Heute sind diese historischen Stätten für die Öffentlichkeit zugänglich. Auf der ehemaligen Karawanenroute werden mehrtägige Touristenrallyes arrangiert, eine Fahrt mit der Transsib war lange Zeit eine der beliebtesten Attraktionen für westliche Touristen, und die dank Gorbatschow unabhängig gewordenen ehemaligen Sowjetrepubliken in Mittelasien wetteiferten miteinander, um sich gegenseitig mit orientalischer Gastfreundschaft zu übertrumpfen.

Seidenstraßenland Usbekistan mit Taschkent, der Partnerstadt Berlins, und Samarkand

Und es gibt wirklich viel zu zeigen. Die heutigen Städte verbinden Moderne und überlieferte Tradition. Usbekistan mit seiner Hauptstadt Taschkent, der Partnerstadt Berlins, steht für die Perlen des südlichen Teils der Großen Seidenstraße. Die alten Städte Samarkand und Buchara sind Freilichtmuseen. Chiwa gilt als Wiege der Turkvölker, und nur wenige wissen, dass der berühmte persische Arzt Avicenna in Afschan in der Nähe von Buchara geboren wurde. Das moderne Samarkand wird von 1001 Lichtquellen beleuchtet, und ein Hochgeschwindigkeitszug, der die wichtigsten Touristenstädte verbindet, bringt die Passagiere in nur zwei Stunden von Taschkent nach Samarkand.

Im Norden der Seidenstraße das riesige Kasachstan, das sich eine neue Hauptstadt gönnte, die Alma-Ata/ Almaty ablöste

Die Republik Kasachstan mit ihrer neuen Hauptstadt Astana hat während der internationalen Ausstellung EXPO 2017 fünf Millionen Touristen empfangen. Das mittelasiatische Land mit der am weitesten entwickelten Infrastruktur ist das neuntgrößte der Welt mit 9000 historischen und archäologischen Stätten und 11 Nationalparks. Im Frühling ist eine Reise nach Kasachstan besonders reizvoll, wenn endlose Steppen mit einem rot-gelb-lila Blütenteppich bedeckt sind. Hier entwickelt sich auch der Öko-Tourismus: Man kann das Wasser der fischreichen Flüsse sogar trinken. Jeep-Safaris durch die Wüste werden angeboten. Die Einheimischen sagen: „Es gibt keine Straßen, es gibt nur Richtungen“.

Südliches Mittelasien: Kyrgystan und Tadschikistan

Extremsportler können sich in Kirgisien austoben. Die Republik Kyrgystan ist ein gebirgiges Land, das einst von Nomaden aus Sibirien gegründet wurde. Hier ist viel Platz für Bergsteiger, Pferdeliebhaber und Reiter; es gibt Seen mit kristallklarem Wasser, darunter natürlich den Issyk-Kul, den zweitgrößten Hochgebirgssee der Erde (nach dem Titicacasee).

Neue Attraktion: Seit 2016 finden in Kirgisien die Internationalen Nomadenspiele statt.

Das Fergana-Tal ist der Obstgarten ganz Mittelasiens. Berge von duftendem Obst und Gemüse, riesige Melonen und Wassermelonen – das alles ist noch immer auf den Märkten von Duschanbe, der Hauptstadt des sonnigen Tadschikistans, präsent. Die Hauptsprache dieses kleineren, südlichen Staates Mittelasiens, tadschikisch, ist übrigens die einzige unter den fünf, die keine Turksprache ist, sondern dem Persischen verwandt. Und die Preise dort sind Augenzeugen zufolge lächerlich niedrig. Natürlich sind die traditionellen orientalischen Basare, die alle Geschmäcker zufriedenstellen und jede Farbe zeigen, hier, wie in den benachbarten Republiken, noch nicht ausgestorben.

Innerhalb mitteleuropäischer Städte gibt es einen Marktplatz. Vor dem Lüneburger Rathaus zum Beispiel liegt er auf dem Stadtmittelpunkt. Bis heute, nach über 1000 Jahren, findet an mehreren Tagen ein Wochenmarkt unter anderem mit frischen Erzeugnissen umliegender Bauern statt. Wie man anhand der Straßennamen bis heute nachverfolgen kann, gab es nebenan einen Ochsenmarkt. So auch in Brunsbüttel und Flensburg, in Hamburg einen Gänsemarkt, in Oldenburg einen Pferdemarkt. Dass es die Straße Am Eselsmarkt ausgerechnet in Unstruttal in Thüringen gibt, lassen wir unkommentiert.
Auf dem Basar findet man im Idealfall „das alles, und noch viel mehr“.

Reiseinformationen zur Seidenstraße: ITB Berlin

Für diejenigen, die einen Ausflug auf die Große Seidenstraße planen, gibt es eine gute Gelegenheit, sich mit den Details der Touren auf der Internationalen Tourismusmesse ITB vertraut zu machen, die vom 6. bis 10. März 2019 in Berlin stattfindet.

Basar vor Ort: Bazaar auf dem Messegelände an Funkturm und ICC

Stoff und Stoffmuster aus Asien auf der Bazaar Berlin. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2017

Einen vollwertigen orientalischen Basar zu besuchen, auf den verschiedene Kuriositäten aus der ganzen Welt gebracht werden, wird nächste Woche möglich sein. Die Verkaufsmesse Bazaar Berlin wird auf dem Gelände der Messe Berlin stattfinden, wo unter anderem Kunst- und Industriegüter aus Mittelasien präsentiert werden werden. In diesem Jahr wurde der Eintrittspreis an der Tageskasse auf 9,50 Euro und beim Online-Ticketkauf auf 8 Euro reduziert. Kinder bis zum Alter von 6 Jahren: kostenloser Einlass, bis zum Alter von 14 Jahren – immerhin Eintritt frei am Samstag und Sonntag.
Eine großartige Gelegenheit, für sich und seine Lieben originelle Weihnachtsgeschenke zu besorgen, ohne die Seidenstraße selbst bereisen zu müssen.




Harry Thürk: Der schwarze Monsun.

Ein roter Konsalik? Zum Buch „Der schwarze Monsun“ von Harry Thürk

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Schriftsteller Harry Thürk, der im März 1927 in Zülz, Oberschlesien, geboren wurde und im November 2005 in Weimar starb, war ein Vielschreiber und in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) einer der am meisten gelesenen Autoren.

Kurz nach dem Krieg trat Thürk der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands bei und arbeitete von 1948 an für das Sowjetische Nachrichtenbüro und als Journalist für verschiedene Zeitungen. Ab 1953 war er in Korea und in den Vietnamkriegen als Reporter tätig. Dort zog er sich später eine schwere Vergiftung mit dem vom US-Militär eingesetzten Pflanzenvernichter Agent Orange zu, die ihn ans Bett fesselte.

Als Reporter lernte Thürk vor allem Korea, China, Vietnam, Laos und Kambodscha kennen. Neben Sachtexten und Drehbüchern schrieb er insgesamt 60 Romane, die allesamt Schmöker waren. Viele wurden übersetzt in über ein Dutzend Sprachen. Damit war Thürk einer der meistgelesenen und populärsten deutschen Nachkriegsautoren.

Die meisten seiner Romane handeln im südostasiatischen Raum, vorwiegend während des Kampfes gegen die Kolonialherrschaft.

Der Klassiker „Der schwarze Monsun“ ist ein faszinierender und zugleich fesselnder Roman über das Terrorregime der Roten Khmer in Kambodscha. Er erschien erstmals 1986 im Verlag Das Neue Berlin. 2005 wurde der Roman im Mitteldeutschen Verlag neu aufgelegt. Beim Verlag heißt es zum Buch: „April 1975: Seit Jahren tobt in Kambodscha ein Bürgerkrieg; die Roten Khmer, eine maoistisch-nationalistische Guerillabewegung unter Führung Pol Pots, steuern mit ihren Verbündeten auf die Hauptstadt Phnom Penh zu. Die dort Lebenden – unter ihnen der Koch Hang Son und seine Freundin Chanta – erhoffen sich ein Ende der Kämpfe und einen friedlichen Wiederaufbau des Landes. Bald folgt jedoch das böse Erwachen, die Bevölkerung Phnom Penhs wird aufs Land verschleppt und muss Zwangsarbeiten verrichten. Es beginnt die Terrorherrschaft der Roten Khmer, die schließlich im millionenfachen Massenmord mündet.
Hang Son kann fliehen und landet in einer geheimen, von den USA geleiteten Truppe. Chanta dagegen wird in eine Edelsteinmine verschleppt und muss täglich um ihr Leben bangen. Son versucht alles, sie wiederzufinden.
Auch rund vierzig Jahre nach dem Ende des Pol-Pot-Regimes 1978 sind in Kambodscha noch nicht alle Wunden verheilt.“ Das mit den Wunden kann man so schreiben.

Ob Thürk mit „Der schwarze Monsun“ an Konsalik erinnert, ob der Nationalpreisträger der DDR mit pubertärer Schwülstigkeit und mit politischem Pathos schrieb, wie Kritiker ihm Zeit seines Lebens vorwarfen, oder ob er gesellschaftspolitische und geschichtliche Zusammenhänge spannend aufarbeitete und unterhaltend erzählte, das darf der Leser entscheiden. Der Schmöker liest sich an einem Wochenende weg. Was bleibt? Harry Thürk und also ein weiteres Buch aus seinem Werk.

Bibliographische Angaben

Harry Thürk, Der schwarze Monsun, Roman, 352 Seiten, Broschur, Format: 125 x 200 mm, Mitteldeutscher Verlag, ISBN: 978-3-95462-594-9, Preis: 14,95 EUR




Handzettel am Schwarze Brett der Gitschiner 15 in Kreuzberg für Veranstaltung in Wedding

Aus fernen Ländern: Karin Bretzinger erzählt Geschichten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Geschichten erzählen muss man können. Karin Bretzinger kann es. Karin Bretzinger erzählt Geschichten so, dass man zuhört. Das hat sie mehrfach unter Beweis gestellt, jüngst an einem offenen Singeabend im Seepferdchen in der Brüsseler Straße 43. Um Geschichten zu erzählen, braucht man einen Rhythmus. Karin Bretzinger spielt auch Geige, damit begleitete sie sogar einmal ein Konzert von Jocelyn B. Smiths Different Voices of Berlin in Tegel unter der Leitung des legendären Regi. Den Different Voices lieh sie auch bereits ihre gut hörbare Stimme bei diversen Auftritten mit verschiedenen Stimmen.

Karin Bretzinger ist für den Frieden. Entschieden.

Am 13. Juni ist es soweit: Karin Bretzinger erzählt Geschichten aus fernen Ländern.

Wie Karin Bretzinger zur Geschichtenerzählerin wurde

Nach dem frühen Tod ihres Bruders trauerte die ausgebildete Krankenschwester zutiefst. Eines Tages sah sie in einem Brotgeschäft einen Anschlag: „Werde Märchenerzähler!“ und wurde Märchenerzählerin. Als sie die Ausbildung abgeschlossen hatte, wollte sie auch als solche tätig werden. Doch war der Bedarf zu gering. Anscheinend ließ sich mehr Geld damit verdienen, Erzähler auszubilden, als es zu sein.

Da hatten sie ihr aber ein schönes Märchen erzählt! Die Mär vom erfolgreichen Mär-Er-Zähl-Er.

Doch die Ära der Erzählerin hatte noch gar nicht begonnen.

Kar-in wurde eingeladen, bei der Gartenschau in Havelberg Geige zu spielen. Es war auch im Gespräch, dass sie zusätzlich Märchen erzählen könnte, oder eine Geschichte, oder wenigstens ein Geschichtchen.

Doch weder war die Unterstützung der Veranstalterin stark genug noch wollten die Mit-Auftreter, dass Kar-in Geschichten erzähle.

Da stampfte Kar-in B. aus B. gewaltig mit dem Fuß auf, so dass ganz Havelberg erzitterte. Wer das Gras wachsen hören konnte, vernahm es ganz deutlich. Ganz wütend wurde die Erzähler-in. Ihre Wut brannte ihr den Durchbruch in die Welt. Von nun an brannte sie für Geschichten und Märchen und war mit Haut und Haaren dabei.

Sie ging einfach in das Städtchen Havelberg, bei dem die Schau feiner Gärten stattfand, und fing an, den Leuten auf der Straße Geschichten zu erzählen.

Es hört sich an wie ein Märchen; doch hört, liebe Leute, es ist wahr! So war es. Und so sei es. Eine Geschichtenerzählerin ward geboren. Kar-in Bret-Zinger war ihr Name. Und fortan erzählte sie landauf, landab den Menschen Märchen und G‘schichten zum Wohlgefallen.

Und da sie noch lebt und wenn sie nicht gestorben sind, so lebten sie und ihre Zuhörer glücklich bis an ihr

Ende.

Karin Bretzinger erzählt Geschichten aus China, Indien und Brasilien – und wie!

Der Yala Nationalpark von Sri Lanka.
Elefanten-Begegnung. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel
Wie der Handzettel zur Veranstaltung mit seinen Elefanten, fächelnden Dienern und fürstlichen Sonnenschirmträgern richtig vermuten lässt, stammen die Stories aus der Gegend um Indien und das Reich des Königs von Siam (Thailand). Tatsächlich stammen einige Geschichten, die sie am Dreizehnten des Monats Juno zum Besten geben wird, aus dem alten Indien. Andere aus dem alten China.

Es sind Weisheitsgeschichten.

Eine stammt aus dem Süden des Kontinents, den die Entdecker für Indien hielten: aus Brasilien. Dem einzigen Land weit und breit, das portugiesisch spricht. Dem Land, das den BRICS-Staaten das B gab. Dem Land, das 1:7 verlor; auch das eine Legende, obwohl nur 4 Jahre alt. Das „7:1“ ging in den Wortschatz ein, in die Alltagssprache. Zu sehr waren die Brasilianer mit dem Fußball verbunden. Zumindest auf der Schildkröteninsel, von kenntnisarmen Europäern nach Amerigo V. „Amerika“ genannt, machte den Brasilianern langfristig niemand was vor. Die Mexikaner nicht, die Costaricaner nicht und letzten Endes auch die Nachbarn aus dem Silberland nicht, die Argentinier.

Doch das gehört nicht hierher oder jedenfalls nicht in Kar-ins G‘schichtn.

Karin Bretzinger erzählt Geschichten an einem geheimnisvollen Ort: Codierung TAZ m32

Geschichten aus fernen Ländern
Plakat zur Veranstaltung von Karin Bretzinger im m32. © Karin Bretzinger
Der Veranstaltungsort scheint auch ein fernes Land zu sein. Zumindest sind die Angaben nicht für jedermann verständlich:

„TAZ m32 im KBS im dpw.“

Selbst wenn man das „DPW“ weglässt, ein Kürzel für den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, und „KBS“ zu „Kontakt- und Begegnungsstätte“ – nicht: Beratungsstätte – auflöst, bleibt, und das ist ein Zitat aus dem elektronischen Weltnetz,

„TAZ m32“.

Ist die TAZ, die Tageszeitung, die mangels Phantasie sich nicht anders nennt, und als Kürzel sich gern kleinschreibt, nicht aus dem Wedding weggezogen? Wie die Buchhandlung Mackensen und manche andere Kulturinstitution auch? Richtig, „Die Tageszeitung“ ist jetzt im Zeitungsviertel an der Rudi-Dutschke-Straße und nicht in der Voltastraße oder irgendwo sonst im einst französischen Wedding mit seinem Eiffelturm, der jetzt zu Mitte gehört.

Das Tageszentrum m32 (TAZ m32)

Das Tageszentrum m32 stellt sich selbst so dar: Hier „verbinden sich die Angebote einer Kontakt- und Beratungsstelle mit denen einer Beschäftigungstagesstätte, ergänzt durch einige Zuverdienstmöglichkeiten für psychisch kranke Menschen.

Das vielfältige Programm ermöglicht den Besucherinnen und Besuchern eine individuell abgestimmte Nutzung der unterschiedlichen Angebote. Mit diesen Angeboten bietet das TAZ m32 Hilfestellung bei einer sinnvollen Tagesstrukturierung und Beschäftigungsmöglichkeiten.

In Form des Offenen Treffs, der verschiedenen Gruppen- und Beratungsangebote und Beschäftigungsmöglichkeiten, Kriseninterventionen, aber auch alltäglichen Begleitungen wird psychisch erkrankten Menschen die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben ermöglicht.“

Weitere Informationen zum Tageszentrum m32 findet man im M32-Flyer.
http://www.kbsev.org/web/tageszentrum-m32.php

Karin Bretzinger erzählt Geschichten aus fernen Ländern

Der Yala Nationalpark von Sri Lanka.
Elefanten-Begegnung. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Termin Mittwoch, 13. Juni, 17-19 Uhr

Wo? Veranstaltungsort: Anschrift/ Adresse:
Kontakt- und Begegnungsstätte e. V. (KBS e.V.)/ psychosoziales Tageszentrum m32
Malplaquetstraße 32
13347 Berlin

Anfahrt:
U-Bahn: U9/ U6 Leopoldplatz

Zu Fuß dann diagonal unter Bäumen nach Nordwesten in die Malplaquetstraße, die manche Kulturliebhaber vielleicht durch das gut sortierte, alteingesessene Antiquariat Niemann kennen. Einst hieß das Antiquariat Mackensen & Niemann und befand sich Tür an Tür mit der Buchhandlung Mackensen in der Utrechter Straße (sprich: Ütrechter). Die Buchhandlung ist längst abgewandert in die Langenscheidtstraße am U-Bahnhof Kleistpark in Schöneberg, das Antiquariat ein paar Häuser weiter gezogen an die Ecke Utrechter und Malplaquetstraße.
Die Kreuzung der beiden Straßen nennt man an der unbebauten spitzen Ecke auch Robert-Rescue-Platz. Eine Spitzenecke.

Wem der U-Bahnhof Nauener Platz an der U9 näher liegt, kann von dort auch durch die Liebenwalder Straße laufen und dann links in die Malplaquet einbiegen. M32 liegt dann vor der nächsten Ecke auf der anderen Straßenseite.
Telekommunikation:
Tel.: 030-400 599-0 (Zentrale)
Fax: 030-400 599-20
Tel.: 030/ 4 55 30 9-0 (KBS in der Malplaquetstraße 32 = m32)

Sri Lanka
Wolkenmädchen am Sigiriya Rock. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

info(a)kbsev.de

(Geschäftsführer: Gerd Pauli. Der KBS ist als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt und Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband (dpw).)
(1001 Wort)

Elefantenwolke
Elefantenwolke © 2017, Foto: Andreas Hagemoser

Von der Fremde, Australien oder der Republik China auf Taiwan, erzählt auch dieser Artikel, genau wie Theater natürlich immer Geschichten erzählt, doch hauptsächlich geht es um das Bild: https://kulturexpresso.de/geheim-die-fremde-in-das-fremde-in-der-fremde-an-einem-unbekannten-brutal-nebuloesen-ort-bjoern-zahns-stueck-mit-betty-despoina-athanasiadou-bringt-die-message-in-die-botschaft/




Ein Stand auf der Fruit logistica.

Oh, wie süß! Auf Obst können sich alle einigen bei der Fruit logistica

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Manche essen alles; andere kein Fleisch, aber Fisch. Dann gibt es Ovo-Lacto-Vegetarier, die keine Tiere essen, aber Ei- und Milchprodukte. Lactovegetarier lassen die Eier weg und hören auf Are Waerland. Wieder andere finden, dass Milchproduktion Kalbfleisch bedeutet und werden reine Vegetarier. Veganer legen eine Schippe drauf und verzichten auf Honig.
Wer noch extremer sein will, kann das Gemüse weglassen, wird doch die Pflanze bei der Ernte „getötet“. Doch Obst ist für alle, egal welcher Religion. Freiwillig gibt der Baum die Früchte her – und lebt weiter. Das beste Obst ist Bio. Das Obst-ABC beginnt mit Ananas, Bananen und Citrusfrüchten – die Fruit logistica hat sie alle.

3100 Aussteller aus über 80 Ländern auf der Fruit logistica

Vom 7. bis 9. Februar 2018 werden über 75.000 Fachbesucher aus mehr als 130 Ländern auf der Fruit logistica erwartet – über 3.100 Aussteller aus mehr als 80 Ländern bilden die gesamte Wertschöpfungskette von frischem Obst und Gemüse ab: vom Erzeuger bis zum Einzelhandel.

Äpfel und Birnen – die Fruit logistica kann man nicht vergleichen

Verglichen mit der Grünen Woche ist das sehr viel. 1.660 Aussteller aus 66 Ländern waren bei der Grünen Woche. Dort gab es übrigens 2018 erneut etwa 400.000 Gäste. Erstmals wurden über 50 Millionen Euro ausgegeben. Doch lassen sich die beiden Berliner Messen natürlich überhaupt nicht vergleichen. Und wenn, dann so wie Äpfel und Birnen – oder Avocado mit Ananas.

Die Grüne Woche ist eine Publikumsmesse, bei der vor Ort gekauft werden darf. Jeder konnte für 15 Euro eine Eintrittskarte kaufen. Die Grüne Woche dauerte vom 19.-28. Januar, das sind volle 10 Tage. Die Fruit logistica dauert nur drei intensive Tage lang, nicht jeder darf rein und für fast niemand ist sie interessant – für die aber dann richtig.

Restaurant & Taxi – Charakteristika der Fruit logistica

Zur Grünen Woche fährt man mit der U- und S-Bahn und kommt ganz oft aus Berlin und Umland oder wenigstens aus der Bundesrepublik Deutschland. Zur Fachmesse Fruit logistica fährt man mit dem Taxi in dem man seinen Jetlag ausschläft, weil man am Vorabend 8, 9 oder noch mehr Stunden im Flugzeug saß. Natürlich gibt es auch ein paar Italiener, die mit dem Zug kommen, aber grundsätzlich sind das die Charakteristika.

Bei der Grünen Woche isst man an den Ständen, die Messegaststätten von Capital Catering sind spärlich besucht, außer vielleicht im Funkturm.

Auf der Messe Fruit logistica bilden sich lange Schlangen an den Restaurants zwischen den Hallen, eine geschäftige, konzentriert-sachliche Atmosphäre verbreitet sich.

Orange Fußböden und Bilder von Obst allerorten tragen zusätzlich zu einem frischen Image und einem veganen Look bei. Egal, ob der einzelne Händler, Großhändler oder Broker nun Vegetarier ist oder nicht.
Abends wird vielerorts gefeiert; Jubiläen, Wiedersehen, Geschäftsabschlüsse. Hier werden an einem Tag Millionen umgesetzt. Maschinen, die in keine Garage hineinpassen, stehen hier im Keller. Sie sortieren Kiwi, Kirschen und Kartoffeln schneller, als das Auge gucken kann.
Dazu gibt es spezielle Fachkonferenzen, Vorträge und Wissensecken in den Bereichen Technik und Zukunft (future lab = Zukunftslabor, Zukunftswerkstatt).

Fruit logistica – immer für eine Überraschung gut

Das erste selbstfahrende vollautomatisch entladbare Nullemissionsschiff wurde nicht auf der Hannover-Messe oder IFA vorgestellt, sondern hier. Ein norwegischer Düngerhersteller stolperte über seine eigene Größe. Das Werk wurde größer als die Stadt und die 100 Jahre alte Firma Yara kann mit modernen Tiefseeschiffen nicht mehr in den kleinen Wikingerhafen hinein. Also wird etwas weiter südlich im Oslofjord alles ausgeladen und ins Werk gefahren, die fertigen Erzeugnisse dann zurück zum Tiefseehafen – mit 40.000 LKW pro Jahr. Die Norweger sind nicht nur reich und klug, sondern haben ein extrem hohes Verantwortungsgefühl gegenüber ihren Mitmenschen und der Umwelt. Traditionell übersteigt die Entwicklungshilfe Skandinaviens den Weltdurchschnitt und viel Strom wird aus Wasserkraft bereitgestellt. Deswegen hat man überlegt, wie man dem Dieselverkehr ein Ende setzen könne.

Die Laster sind ein Laster. Sie quälen sich durch enge Straßen, Tempo-30- und -40-Strecken vorbei an Kindergärten und durch Wohnviertel.
Daraufhin wurde kurzerhand das Nullemissionsschiff erfunden. Warum das gleich auch noch selbstfahrend und personalfrei sein soll? Fragen Sie Esben Tuman von Yara. Aber Vorsicht: Das Logo ist ein Wikingerschiff.
Der Leitspruch: „Wissen wächst“ – „Knowledge grows“.

Mit der Fruit logistica ist gut Kirschen essen

Nach der Trumphysterie und dem Anti-TTIP-Trip ist das Gezeter um Ceta zu Ende. Vorteil: Audi und BMW aus der BRD können leichter in den Norden Nordamerikas fahren und Chlorhühner leichter hierher laufen, Schieferöl kann schneller fließen.

Da auf der Fruit logistica Obst und Gemüse Trumpf sind, gehen die neuen Entdeckungen aus der Neuen Welt runter wie Öl und über Chlor lachen die Hühner.

Beispiel Kirschen: Wer hätte gewusst, dass im kalten Kanada überhaupt Kirschen gedeihen? In British Colombia werden sie seit dem 18. Jahrhundert angebaut. Natürlich nicht am Yukon oder von den Inuit, sondern weit im Süden an der geraden Grenze zu den Vereinigten Staaten. Die Steuererleichterungen durch das Freihandelsabkommen sind für die deutsche und kanadische Wirtschaft gut – und nun kann man in Europa auch im Dezember leckere Kirschen essen – vorausgesetzt, es finden sich Geschäftspartner. Aber dafür sind Messen wie die Fruit logistica ja da.

Wo, wenn nicht hier, auf der weltweiten Leitmesse für Gemüse-und Obsthandel mit allem Drum und Dran.

Sogar die Messe selbst ist ein Exportartikel. Die Berliner Marke gibt es seit Jahren in Hongkong, ab Mai auch in der kommunistischen Volksrepublik China.

Die Vegetarier der Welt sagen „Danke“!

Fruit logistica, auf dem Gelände der Messe Berlin unterm Funkturm am ICC, Berlin-Charlottenburg, 7.-9. Februar 2018, 9-18 Uhr

Zur Fruit 2017 und der Sprache:

Kein Obst, nirgends. Internationalität und Auswirkungen auf den Sprachgebrauch am Beispiel der Berliner Messe Fruit logistica




litauischer "Ameisenhaufen": Verköstigung für jedermann am Litauenstand der Grünen Woche IGW

Ein Ameisenhaufen. Gut besuchte Grüne Woche in Berlin, deutschschweizer Dialekt, litauische Leckereien und ein Besuchstipp

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wer am 19. Januar, dem 1. Messetag der Internationalen Grünen Woche (IGW), ins Tagesprogramm schaute, durfte die Augen aufreißen: Ein litauischer „Ameisenhaufen“ war angekündigt. Mit Verköstigung für jedermann von 11.50 bis 15 Uhr am Litauenstand.

Lebende Tiere auf der Grünen Woche

Nun gibt es ja so manche Tiere auf der IGW. In Halle 3.2 den Erlebnisbauernhof mit Rindviechern (böse Zungen behaupten, die seien manchmal auch in anderen Hallen zu finden). Die holländischen Hummeln in Halle 18. Und dann natürlich Halle 25, die Tierhalle.

Insekten essen?

Ameisen sind nahrhaft, unter anderem für Ameisenbären. Wie war das mit den Aborigines? Aber in Europa, als litauische Spezialität? Auf einer der größten Messen Mitteleuropas in einem G7-Staat?
Im Rahmen einer Pressekonferenz im Vorfeld untersuchte ein Wissenschaftler der TU München, was denn am „Allheilmittel“ Insektennahrung dran sei. Er entzauberte viele Mythen. Aber er ging eher auf Heuschrecken ein und dass bei den Forschungen nicht die fliegende Art gezüchtet wird. Aus Sicherheitsgründen.
Kaum die Rede von den staatenbildenden Insekten, die in Alphabetbüchern für Kindern gern das ABC einleiten.

Noch ein ganz bisschen weiter hinten im Alphabet als die Heuschrecken stehen die Hummeln, doch die werden in Holland und den ganzen Niederlanden zur Bestäubung der Pflanzen eingesetzt, um Tomaten und ähnliches Obst und Gemüse zu produzieren. Ein Nutztier, dass man zum Fressen gern hat, aber nicht isst. Zur Freude der Veganer.

Eine litauische Spezialität

Chinesen essen alles, sagt man. Doch welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Haufen Ameisen aus dem Baltikum? Weiß man sich zwischen Wilna und Kaunas, zwischen Klaipeda (Memel) und russischer Grenze nicht anders zu helfen, als die Ameisen zu verspeisen? Wird man der Ameisen sonst nicht Herr, die haufenweise herumliegen?

Der Ameisenhaufen

Wir müssen den Ameisenhaufen wohl auflösen, beziehungsweise das Rätsel dahinter.
Ameisenhaufen heißt auf litauisch „skruzdelynas“. Es ist auch der Name einer süßen Köstlichkeit, ein Teil des kulinarischen Erbes des kleinen Ostseeanrainers. Dort werden nicht etwa Ameisen gebraten und gezuckert, sondern verschiedenste Gebäckwaren kunstvoll aufgetürmt. Diese werden dann mit Mohn bestreut und Honig überzogen (also doch Bärennahrung!). Der riesige Haufen für alle, die früh genug auf der Messe und in Halle 8 waren, wurde vom Landwirtschaftsministerium präsentiert.

Rund zwei Meter hoch wurde das Naschwerk und wog „um die 200“ Kilogramm. Es wurde erst auf der Messe dekoriert, aus feierlichem Anlass. Danach wurde verköstigt.

Das Schlemmerereignis war bis 15 Uhr eingeplant. Um 15.30 entstand das Photo. Erst zwischen halb vier und vier war tabula rasa: der große, flache, quadratische Tisch mit den hochstehenden Kanten war geleert. Spektakulär! Spektakulärer als Spekulatius, spekulieren wir.

100 Jahre Litauen

Ein Jahrhundert ist es erst her, dass Litauen gegründet wurde. Deswegen in diesem Jahr eine zünftige Hundertjahrfeier. Die Unabhängigkeit wurde am 16. Februar 1918 erklärt und am 11. März 1990, Gorbatschow sei Dank, nach einer langen, leidvollen Geschichte wiedererlangt.

Heute ist Litauen mit 65.300 Quadratkilometern 25mal so groß wie Luxemburg (genauer 25,25 mal so groß).

Die Stadt Berlin (oder das Land), in der die Grüne Woche stattfindet, hat eineinviertel mal so viele Einwohner (3,575 Millionen). Es gibt also etwa 2,8 Millionen Litauer.

Die Ameise

Das kleine erstaunliche Tierchen, über dessen Kopf hinweg wir Menschen und Menschchen bestimmen wollen, ob es gegessen wird oder nicht, bildet Staaten wie die Bienen. Die Bienen, von denen Einstein das Überleben der Menschen abhängig macht, sind vielleicht noch einen Tick erstaunlicher.

Beide sind jedenfalls ein guter Grund, so manchen Kanister Glyphosat verschlossen zu lassen. Denn wenn es den Bienen an den Kragen geht, ist der Ofen aus.
Manche Schreiberlinge sprachen im Zusammenhang mit den Chinesen in der Volksrepublik China, besonders unter Mao Zedong, von den „blauen Ameisen“. Die einer Uniform gleichende blaue Standardkleidung und die Emsigkeit der chinesischen Arbeiter, die Berge versetzten, führte zu dieser Wortwahl.

Schweizerdeutscher Reichtum: Ameisen zum Anbeißen und Ambeisse

Statt Menschen nach Tieren zu benennen, nennen die Deutschschweizer Tiere nach, ja wonach eigentlich? Manchmal, so scheint es jedenfalls nach Tieren.

Unter dem Motto „Grüezi Berlin“ gibt es am Stand der Schweiz in Halle 17 Postkarten, auf denen ein Geständnis steht.

„Wir verstehen uns manchmal untereinander selbst nicht“.

Das liegt an den Dialekten.

Manch deutschsprechender Schweizer findet Ameisen zum Anbeißen; das läßt zumindest die Vokabel „Ambeisse“ vermuten. Man schriebe „Ambeiße“, hätte man denn das „ß“. Doch die Schweizer sind reich und nett.

Die Schweizer sind reich und nett

Reich genug, um auf einen Buchstaben zu verzichten. Nett, weil so die Sprecher der drei anderen Hauptsprachen der Confoederation Helvetica entlastet werden. Sie kennen nur das s und Doppel-s. Man konzentriert sich innerschweizerisch auf das Erlernen wichtiger inländischer Fremdsprachen und erreicht so Mehrsprachigkeit und Einheit in der Eidgenossenschaft.

„Ham“ sagt man schon mal innerfamiliär, wenn man zubeißen will. „Hambeissi“ ist nicht denglisch für „Schinken ess ich“. Es ist wie „Ambeesse“ und „Umbeisse“ in anderen Kantonen oder Dörfern ein Ameisenwort.

„Aaweissi“ auch; es bedeutet nicht: „Ah, das weiß ich!“

„Embesse“ ist auch nicht pidgin für Botschaft (embassy), sondern – Sie wissen schon.
„Uuwaisse“ keine Berliner Weiße, „Èmèès“ kein Mais und nicht der Plural von EM (effektive Mikroorganismen). „Umpeisse“ sagt man mancherorts, „Bumbessli“ erinnert an Bumblebee, die Hummel. In „Immesse“ könnte man die Imme hören, in „Äbes“ schwäbisch.

„Oomeisele“ enthält eine Meise, „Bääramsle“ Bär und Amsel, „Wurmöisli“ – ja, genau.
Mit „Ampeissele“ und „Aambeissig“ sind wir wieder am Anfang angelangt. Wenn die Schweizer sparen, dann nicht am Wortschatz.

Die „Stecknadel“ und die „Tüte“ bringen es übrigens nur auf ein Dutzend Wortvarianten, der „Hahn“ erstaunlicherweise nur auf 10. Die wichtige „Katze“ immerhin auf 14 Wörter neben dem Hochdeutschen.

Bei der Ameis‘ wimmelt es geradezu von Varianten (anderthalb Dutzend).

Wie man um den Ameisenhaufen“ herumkommt

Die ganze Grüne Woche ist ein „Ameisenhaufen“. Ganz besonders voll ist es am Samstag und auch der Freitag ist gut besucht. Die Menschen, die den Ameisen größenmäßig am nächsten kommen, Kinder unter sechs Jahren, haben an allen Tagen freien Eintritt.
Doch wann sollte man sich aufschwingen, wenn man Gewusel und Gewimmel nicht mag?

Ein Sonderangebot der Messe Berlin lässt aufhorchen: Das Sonntagsticket. Es ist im doppelten Sinne günstig: Es kostet nur 10 Euro, für Schüler und Studenten 5, und sonntags ist es leerer! Wirklich, man sollte es kaum glauben.

Auf den Leitmessen ITB und Frankfurter Buchmesse gab und gibt es Fachbesuchertage. Die Allgemeinheit darf erst am Wochenende hinein oder ab Freitag. Dadurch ist es Samstag und Sonntag dort besonders voll. Denn ähnlich wie am Kudamm die normale Fahrspur auch von Taxis und Bussen benutzt werden darf ist Fachbesuchern am Wochenende der Besuch natürlich nicht verboten.
Bei der Internationalen Grünen Woche ist das etwas anders.

Auswärtige nutzen am liebsten den Freitag (bekanntlich der stärkste Reisetag bei der Deutschen Bahn) und den Samstag für einen Besuch. Der Sonntag dient als Reisetag, zur Erholung und Vorbereitung auf die Arbeitswoche; Gläubige brauchen auch noch Zeit für den Gottesdienst. Um diesem Ungleichgewicht entgegenzusteuern, führte die Grüne Woche die Sonntagseintrittskarte ein. Auch die Schulklassen kommen eben zwischen Montag und Freitag.

Wer Geld – und Zeit beim Messerundgang – sparen möchte, sollte also am besten auf den letzten Tag der Woche setzen.

weitere Berichterstattung über die diesjährige Grüne Woche:

Sie laufen durch Hessen und Partnerland Bulgarien … Die Internationale Grüne Woche ist auch ein Ort für Musik, Tanz und kleine Konzerte

https://www.gruenewoche.de/




Musikgruppe Walk-a-tones in Hessen-Halle 22 auf der83. Internationalen Grüne Woche IGW 2018

Sie laufen durch Hessen und Partnerland Bulgarien … Die Internationale Grüne Woche ist auch ein Ort für Musik, Tanz und kleine Konzerte

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Als Konzertsaal sind sie ungeeignet, die Messehallen am ICC und Berliner Funkturm. Man kann sie sehr variabel umbauen, doch gibt es auf der Messe einfach zu viele Nebengeräusche. Trotzdem jagt auf der Internationalen Grünen Woche 10 Tage lang eine Vorstellung die nächste, oft sogar gleichzeitig in mehreren Hallen. Bereits bei der feierlichen Eröffnung am Donnerstag abend zeigte das Partnerland Bulgarien, dass es ein Hort der Kultur ist.

Nicht das Gastland ist für die Unterhaltung bei der Auftaktveranstaltung zuständig. Bulgarische Musiker und Tänzer lieferten eine tolle Show ab und zeigten, dass verstaubte Vorstellungen von dem osteuropäischen Land überholt sind. Sie erzeugten mit Musik und Tanz mehr Begeisterung beim Publikum als der gutgelaunte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt und sein bulgarischer Amtskollege Rumen Porodzanov.

Die Landwirtschaftsminister, die Urwälder und die Musik

Christian Schmidt (CSU) und Porodzanov, Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, hielten vor geladenen Gästen durchaus wichtige Reden. Schmidt machte sich um die Insekten Sorgen und versicherte, dass nur soviel Glyphosat eingesetzt würde, wie nötig. Bienenhecken und Blütenstreifen sollen den kleinen Viechern das Überleben ermöglichen.
Porodzanov überraschte viele mit der Information, dass 10% der bulgarischen Wälder jahrhundertelalt sind.

Partnerland Bulgarien bietet Berge, Rosenduft und Musik

Wunderschöne Bilder von Rosen, Feldern und Bergen waren auf riesigen Großbildflächen zu sehen, eine technische Meisterleistung.

Doch die Begeisterung entstand immer wieder durch die Musik. Sie ließ die Zuhörer mitgehen und am Ende frohgemut den Saal verlassen.

Dudelsack und Volkstanz

Am Freitag, die Messehallen sind endlich geöffnet, eröffneten die Bulgaren den Stand der Partnerlandes. Tänzer in traditionellen Trachten fließen durch den Saal. Ein Dudelsackspieler fasziniert das Publikum. Traditions- und Liedgutpflege lässt europaweit erkennen, wie erstaunlich weit das Instrument verbreitet war. Der Dudelsack gehört nicht nur nach Schottland.

Das Partnerland Bulgarien und das ABC

Beschwingt stellen sich so die Besucher nach Köstlichkeiten an. Auf der Grünen Woche wird ihnen allerhand geboten, und bei weitem nicht nur für Gaumen und Magen.
Das Partnerland Bulgarien steht im Länderalphabet hinter Botswana. Vergangenes Jahr elektrisierten afrikanische Tänzer auf der Riesenbühne im ICC-Ersatz City Cube die Zuschauer. Die Grüne Woche 2017 hatte Ungarn als Partnerland, die ITB Botswana. Ob das Partnerland nach dem Alphabet ausgesucht wird? Ist bald China oder Cuba dran? Kuba dürfte dann vielleicht gegen Extragebühr 10 Tage lang einen Buchstaben am Cube überhängen.

Was wird früher fertig: BER oder ICC?

Das ICC Berlin zwischen Ringbahn und Funkturm ist übrigens noch geschlossen. Die letzten Flüchtlinge zogen im September kurz vor Beginn der IFA aus. Umbau und Sanierung werden in die Länge gezogen. Das internationale Kongresszentrum ICC lässt sich unterteilen wie ein Schiff mit Schotten. Die Sanierung könnte längst auf einem guten Weg sein. Im Gegensatz zu dem neuen Flughafen auf der grünen Wiese, der 2012 eröffnet werden sollte, sind hier keinesfalls die Architekten, Bauarbeiter oder Bauplaner schuld. Die Arbeiten werden einfach nicht begonnen, die Landespolitiker schieben den Schwarzen Peter einem Investor zu und verursachen so trotz voller Kassen Stillstand.

Messe braucht Gebäude, ICC steht leer: Dornröschenschlaf

Die Messe Berlin ist eine Melkkuh der Stadt, viele Messen sind Leitmessen und ziehen Hunderttausende in die Hauptstadt. Messechef Göke hat seit Jahren Platzprobleme und denkt an den nächsten Neubau auf dem Messegelände. Derweil ziehen die Massen vom S-Bahnhof Messe Nord/ ICC am architektonischen Wunderwerk vorbei Richtung Funkturm und Sommergarten. Das „Alumonster“ ICC, wie mancher Berliner es liebevoll nennt, ein hochdurchdachter Ort der Geschäftigkeit und Begegnung, schläft noch einen Dornröschenschlaf.

Aroma der Sonne, Erlebnisse der Sinne

Währenddessen ist in Halle 10.2 – in der Nähe des „Großen Sterns“ – das Gedränge groß. Das Partnerland Bulgarien der 83. Grünen Woche feiert unter dem Motto „Aroma der Sonne“ die zusätzliche Aufmerksamkeit. Auf der Homepage der Grünen Woche oder IGW steht dazu: „Erlebnisse für alle Sinne“. Das trifft den Nagel auf den Kopf.
Die Augen essen nicht nur mit, sondern erfreuen sich an den Künstlern und Tänzern mit ihren farbigen Kleidern, bunten Tüchern und typischen Kopfbedeckungen. Die Ohren kommen auch auf ihre Kosten.

Hessen in Halle 22 nicht ohne Musik

Wer nach einiger Zeit nicht mehr sicher ist, ob ihn die Dudelsackmusik erfreut oder nicht, verlässt die Halle 10.2. (Das Wort „Gedudel“ wird heute meist nicht mehr neutral gebraucht.) Irgendwann trudelt er vielleicht in Halle 22 ein. Stand 151 ist vom hessischen Ministerium für Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV) gemietet. Doch keine Sorge, die Länderhalle Hessen findet man auf dem Weg zum Ausgang Nord am Hammerskjöldplatz ganz automatisch.

20er-Jahre-Klänge bei der 83. IGW seit 1926

Vielleicht wird man von den Klängen der 20er Jahre dazu bewegt, die Schritte zu verlangsamen. Sich an den gastlichen Tischen des wohlhabenden Bundeslandes niederzulassen und hessische Spezialitäten zu probieren. Ein halbes Dutzend Musiker stimmt „der kleine Kaktus“ auf dem Balkon und manch andere Melodie an, die einst kleine, vielstimmige Herrenensembles sangen. Die „Walk-a-tones“ bestehen aus einer Sängerin und einem Sänger, zwei Akustikgitarren, Geige und Kontrabass.

Sonst nur auf geschlossenen Gesellschaften, jetzt auf der Grünen Woche

Die Gruppe spielt meist auf geschlossenen Gesellschaften in Frankfurt am Main und „Umgebung“. Eine Platte oder CD haben sie nicht herausgebracht. Sie covern eher. Eine seltene Gelegenheit, die Walk-a-tones und ihre Leadsängerin zu erleben, ist die Grüne Woche. Hier kann man eine Eintrittskarte kaufen und ist dabei. Langeweile ist anderswo. Fürs leibliche Wohl ist gesorgt.

Eintrittskarten: Dauerkarte 42 Euro, Tageskarte 15 Euro, Schulklassen mit Schulnachweis 4 Euro pro Schüler, Familienkarte 31 Euro, Gruppenkarte 12 Euro ab 20 Personen, Sonntags-Ticket 10 Euro, diese für Schüler und Studenten 5 Euro.

Ab Freitag, den 19. Januar 2018. Ort Messegelände am Funkturm und ICC in Berlin-Charlottenburg. S-Bahn Messe Nord/ICC (S41/ S42 Ring).

https://www.gruenewoche.de/

www.walk-a-tones.de

Hier geht es zum Artikel über die Grüne Woche des vergangenen Jahres:

Es grünt so grün… – Internationale Grüne Woche und Green-Me-Filmfestival lassen Berlin erstrahlen