Glamour und Agonie – 125 Jahre Fußballgeschichte in Leipzig – Zum Buch „5 Jahre. Vom VfB zum 1. FC Lokomotive Leipzig: Die Geschichte des Ersten Deutschen Meisters“ von Thomas Franke, Marko Hofmann und Matthias Löffler

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Alltag 2019: Der 1. FC Lokomotive Leipzig kickt in der Regionalliga, ab und zu schauen ehemals große DDR-Clubs vorbei und alle LOK-Fans träumen von der glorreichen Vergangenheit, die sie so gern in die Zukunft exportiert hätten.

Nun gibt es ein Buch, nein, es ist kein Buch, es ist ein Kunstwerk, das die 125 Jahre vom VFB Leipzig zu Lokomotive erzählt. Samt diverser Rück- und Umbenennungen, denn besonders die DDR-Fußballfunktionäre zeigten sich sehr offen gegenüber Namensänderungen, ein Graus für jeden Traditionalisten, aber diese Spezies ist auch eine Erfindung der Nachwende.

Die Herausgeber Tomas Franke, Marko Hofmann und Matthias Löffler bewiesen in der Vergangenheit schon bei diversen LOK-Buchprojekten, welch grandiose Trüffelschwein-Gene sie in sich tragen. Kein Dachboden in Leipzig und Umgebung ist vor ihnen sicher, kein Weg zu dornig, keine Exspieler zu verloddert, um an entsprechendes Bild- und Textmaterial Material zu kommen. Insofern setzt der vorliegende Monsterband neue Maßstäbe, ja, er ist eine knorke Augenweide, weil die drei stabilen Herren noch einen vierten Fachmann mit ins Boot geholt haben, der Daniel Janetzky heißt und Kraft seiner überragenden Fähigkeiten als Gestalter aus dem Sammelsurium ein Buch-Kunstwerk geschaffen hat.

Das Herzstück sind die Europapokalbegegnungen, der Traum aller Fußballfreundinnen in nah und fern, wahre Festtage, die im grauen DDR-Alltag die hungrigen Herzen der Leipziger zum Hüpfen brachten.

Doch der Europapokaltraum ist für LOK ein ausgeträumter Traum, wie gegenwärtig auch für alle anderen Fußballmannschaften mit DDR-Vergangenheit.

Auf handgezählten 528 Seiten zeichnen hunderte Fotos, wenn der Farbfilm nicht vergessen wurde, auch in Farbe, den Leipziger Fußball nach, kombiniert mit einem nicht überladenen Fließtext, der uns an die Hand nimmt und durch das Kuriositätenkabinett VFB/Lok Leipzig geleitet.

Kein Platz bleibt ungenutzt. Im Vor- und Nachsatz sind diverse Eintrittskarten hauptsächlich zu Begegnungen des Vereins im Europapokal abgebildet, wie es Inneren des Buches keine Seite ohne mindestens ein Foto gibt. Das setzt monatelanges Seiten-Basteln voraus, eine Arbeit, die sich nur positiv Wahnsinnige machen, insofern ist es nicht verwunderlich, dass die drei Herren gleich einen Verlag gründeten. Um sich nicht von Betriebsnudeln von Verlagsseite reinquatschen zu lassen, die nur in Kopeken denken.

Liebe Leser*innen, lasst euch von der Leipziger Loksche mitnehmen auf ein Zeitreise durch 125 Jahre ostdeutsche Fußballgeschichte, die alles an Drama, Trubel und Glückseligkeit beinhaltet, was ein Fußballclub an Irrsinn aufzubringen vermag. Erlebt die Höhen des Europapokalfinales in Athen und den Absturz und den Einfall der Barbaren nach der Wende. Genießt feine Sätze, die u.a. Günter Grass zu unserem heiß geliebten Fußballsport verfasst hat. Und besorgt euch eine Seilwinde, mit deren Hilfe ihr das Prachtexemplar von einem Buch in eure Schrankwand expediert.

Bibliographische Angaben

Thomas Franke, Marko Hofmann, Matthias Löffler, 125 Jahre. Vom VfB zum 1. FC Lokomotive Leipzig. Die Geschichte des Ersten Deutschen Meisters, 528 Seiten, MMT Verlag, Leipzig 2019, ISBN: 3-000-6093-74, Preis: 39 EUR




„Kroos“artig. Nicht alles über den Fußballer Toni Kroos als Film im Kino

Berlin, Köln, München, Deutschland (Kulturexpresso). „Kroos“ kommt ins Kino, Kroos war schon da. 2014 mit der Herrenfußballmannschaft Weltmeister geworden – das waren noch Zeiten – erfahren wir im neuen Kinofilm „Kroos“, dass Toni Kroos auch sonst Weltspitze ist. Real Madrid stellt nur Spitzenleute ein. Doch nicht nur das – Kroos scheint der wichtigste Mann in der Mannschaft zu sein. Gleichzeitig bleibt er im Hintergrund. Kennen Sie das (berühmte) Bild mit Angela Merkel in der Kabine? Minuten, nachdem „Deutschland“ Weltmeister wurde? Toni Kroos ist nicht drauf. Doch wenn man nachforscht, das Gesamtbild zu sehen bekommt, von dem nur ein Ausschnitt veröffentlicht wurde, sieht man, wo Toni Kroos war. Rechts im Hintergrund beschäftigte er sich mit seinen Turnschuhen. Während die anderen siegestrunken in die Kamera schauten oder die Nähe der Bundeskanzlerin Merkel suchten. Das deutet auf eine Eigenschaft Kroos‘ hin, doch reicht es, um ihn zu verstehen?

In „Kroos“ geht es wenig um die Person T. Kroos

Großartig = groß und artig? © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Vielleicht geht es uns ja auch gar nicht um den Menschen; vielleicht wollen wir nur den Fußballer sehen, und der ist toll. Wie außergewöhnlich er wirklich ist, davon erhielten wir nach dem Fußballspiel gegen Schweden in der Vorrunde der Herrenfußballweltmeisterschaft 2018 eine Vorstellung. Was Fachleute schon wussten, erfuhr die breite Masse erst nach diesem Spiel, das fast mühsam erst gegen Ende gewonnen wurde. Es fühlte sich wie ein großer Sieg an, nachdem die bundesdeutsche Mannschaft sich von Mexiko hatte schlagen lassen. Die Mexikaner hatten davon nichts und schieden zügig aus. Die schwedische Mannschaft verlor zwar gegen die deutsche, scheffelte aber in den beiden anderen Spielen genug Punkte, um eine Runde weiterzukommen.

Was den deutschen Zuschauern im Siegestaumel noch nicht schwante – erst musste das letzte Spiel gewonnen werden oder eine bestimmte Konstellation eintreten, wenn es ein Unentschieden geben sollte. Doch tatsächlich verlor die deutsche Mannschaft mit Erfolgstrainer Jogi Löw gegen die Auswahl Koreas. Die Koreaner mussten zwar genauso wie die Deutschen die Heimreise antreten, aber immerhin hatten sie einmal den amtierenden Weltmeister besiegt.

Doch wer hatte durch seine außergewöhnliche Leistung den deutschen Herren den Hals gerettet? Boateng? Özil? Gar Neuer? Schweinsteiger und Lahm hatten sich nach dem Gewinn des Cups 2014 aus der Nationalmannschaft verabschiedet, Beckenbauer hatte das frühe Ausscheiden aus dem Team kritisiert. Neuer, von dem man manchmal den Eindruck erhält, er würde lieber Tore schießen als sie nur zu halten, konnte nichts ausrichten. Es war Freistoßexperte Toni Kroos. Er hatte in einer Freistoßvariante mit zwei Spielern vor dem liegenden Ball alles wieder Richtung „Weiterkommen“ gedreht. Hochdramatisch, wenige Momente vor Schluss. Dass es letztlich für das Achtelfinale nicht reichte, lag nicht an Kroos.

Doch dass er, während alle anderen schon unter der Dusche stehen, noch allein Freistöße oder Torschüsse übt, sagte ein Mitspieler vor laufenden Kameras.

Es stimmte.

Das wissen wir nach diesem Film.

Viele Premieren

Am Premierentag im Zoopalast Kroos
Photowand für die Premiere von „Kroos“, einem Film über den Fußballer Toni Kroos und den Verein Real Madrid. Toni Kroos und der Produzent Leopold Hoesch standen an diesem 1. Juli nur wenig später auch vor dieser Wand im Zoopalast im Rampenlicht. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Die Weltpremiere fand am 30. Juni in Köln statt. Warum in Köln? Anke Engelke ist dort und die Millionenstädte heißen in der Bundesrepublik Berlin (3einhalb), Hamburg (1,8), München (1,4) – und seit einiger Zeit: Köln! 1.036.771 Menschen sollen dort einmal zum Zeitpunkt X gewohnt haben. Vor kurzem.

Der Pressetext vom 1. Juli 2019 zum Thema der Premieren: „Mehr als 90 Minuten Zeit für seinen ganz persönlichen Roten Teppich nahm sich gestern Toni Kroos bei der Weltpremiere von KROOS, dem Dokumentarfilm, der sehr private und überraschende Einblicke in das Leben und die Karriere seines titelgebenden Protagonisten gibt. Bei hochsommerlichen Temperaturen feierten nicht nur unzählige Fans im Kölner Cinedom gemeinsam mit dem Fußball-Weltmeister, sondern auch zahlreiche prominente Gäste und Wegbegleiter – darunter Uli Hoeneß, Jupp Heynckes, Wladimir Klitschko, Reiner Calmund, Lukas Podolski, Wolfgang Niersbach, Emilio Butragueño, Christoph Maria Herbst, Kai Pflaume, Oliver Pocher und die Band Revolverheld sowie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Nach ausgiebigem Interview-, Selfie- und Autogramm-Marathon begrüßten Toni Kroos, Regisseur Manfred Oldenburg und Produzent Leopold Hoesch das Premierenpublikum in fünf voll besetzten und mit regulärem Publikum ausverkauften Sälen des Cinedom.“

In Berlin hat Toni Kroos den Film gemeinsam mit Leopold Hoesch am Montag in vier Kinos – dem UCI Luxe Mercedes-Platz, dem Cubix, dem Cinemaxx am Potsdamer Platz und dem Zoo-Palast – persönlich präsentiert, „in München im Mathäser-Filmpalast“ wird er den Streifen am „Donnerstag, 4. Juli, dem Starttag von KROOS“, vorstellen. „Für die Premieren in Köln und München stehen die Audi AG und für die in Berlin stattfindenden Premierenscreenings die Audi-City Berlin als Kooperationspartner bereit.“

Man
höre und lese. Toni Kroos braucht nicht zu laufen. Dabei kann er das
eigentlich ganz gut.

Kritikpunkte

In so einer Selbstdarstellung möchte niemand seine Schwächen zeigen. Stattdessen werden die Stärken hervorgehoben. Als solche gilt sein soziales Engagement; Kroos gründete eine eigene Stiftung. Er kümmert sich nicht nur um seine eigenen Kinder.

Von seiner Familie erfährt man ein bisschen. Er hat eine schöne Ehefrau und einen Bruder. Dieser spielt genauso Fußball wie sein Vater, der in Greifswald Trainer ist. Seine Mutter kommt auch zu Wort.

Die meisten Auskünfte, Lobe und Stellungnahmen stammen von Kollegen und Trainern. Dazu zählen Zidane, der durch einen Kopfstoß berühmt-berüchtigt wurde, und Uli Hoeneß, der wegen einer Steuerstraftat im Gefängnis saß.

Am lustigsten ist vielleicht der Dialog mit Robbie Williams. Der Sänger ist schon mal kein Sportler, was Abwechslung bedeutet. Aber er ist Fan eines englischen Vereins. Williams möchte gern, dass sein Lieblingsverein die Champions League gewinnt. Dazu braucht er Kroos. Der soll von Spanien ist die noch EU-Zone namens England kommen. Kroos ist der Schlüssel zum Erfolg.

2016, 2017 und 2018 gewann er jedes Mal die Champions League.

Filmdaten zu „Kroos“

Ein Dokumentarfilm von Manfred Oldenburg
mit Toni Kroos,
Zinédine Zidane, Pep Guardiola, Jupp Heynckes, Uli Hoeneß, Florentino Pérez, Robbie Williams, Wolfram Eilenberger, Bruder Felix Kroos, Jessica Kroos, Roland Kroos (Vater), Birgit Kroos (Mutter), und verschieden mehr

Bundesweiter Kinostart am 4. Juli 2019 (Weltpremiere Köln 30. Juni, Premieren in Berlin am 1. Juli)




Gurken pflastern seinen Weg – Zum Buch „111 Gründe, Energie Cottbus zu lieben“ von Christian Spiller

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Man
mag es beim Blick auf die Tabelle der 1. Bundesliga nicht glauben,
doch tatsächlich ist der Ball auch im Osten Deutschlands rund.

Unter den glücklichen Chefs der Sportressorts in den deutschen Medien, die jede Nacht in frisch gewaschener Bayern-, Dortmund oder Bremenbettwäsche schlafen, fällt eine Person auf. Christian Spiller.

Wenn
sich andere Sporterklärer in feinstem Musselin, Brokat und Seide
durch die Nacht gleiten lassen, ist Christians Schlafanzug aus
getrockneten Disteln, mit spitzen Zacken dran. Damit er sich immer
schön daran erinnert wo er herkommt: aus Cottbus.

Nein,
bitterer Graus, arrrgh, ahhh! Ohhh Cottbus, ohhh Schauergesang, du
Ort am finstern Popo jeder Tabelle, wo der Legende nach der Nazi
gurrt und die guten Menschen so rar gesät sind, wie die gute alte
Blaue Blume zu Zeiten Hölderlins.

Oder
ist es vielleicht doch alles ein bisschen anders? Nur finstre
Propaganda aus den Schwanenhälsen blasierter Ballpumpen? Regiert
vielleicht der Neid in bestimmten Gegenden? Neid auf diesen Club, der
von 1997 – 2014 in der 1. Und 2. Liga gespielt hat? Dort mehrfach
Bayern München schlug und in den Herzen seiner Fans ein
immerwährendes Feuer entfachte, das auch heute noch glimmt, wo sich
Energie unter der Knute des Wüterichs Pele Wollitz mit aller Gewalt
gegen den Abstieg aus der 3. Liga stemmt? Ist möglicherweise der
Halbwahninnige Wollitz genau der richtige Mann für Energie?

In
seinem frisch erschienenen Buch nimmt uns Christian Spiller mit auf
eine Reise durch die Historie des Clubs, in der es Blut, Schweiß und
Tränen regnet und kein Auge trocken bleibt.

Spiller
wurde von seinem wohlmeinenden Vater mit ins Cottbusser Stadion der
Freundschaft (allein dieser Stadionname!!!) genommen, wo er die
ersten Jahre seines Fanseins auf den Knien seines Vaters verbrachte.
Diese Zeit hat ihn geprägt und einen rotweißen Streifen auf sein
hungriges Herz genietet. Sein Vater war ein eher ruhiger Zeitgenosse,
der in bestimmten Situationen, hervorgerufen durch die Aktivitäten
Energie Cottbus auf dem Rasen, zu einem feuerspeienden Vulkan werden
konnte. Derart motiviert, blieb klein Christian nichts anderes übrig,
als fortan den Cottbusser Gurkenpogo zu tanzen. Er wurde ein
richtiger Fan, fuhr auswärts mit, ließ sich schubsen und mit Bier
begießen, schnupperte an Bengalos und stürmte mit anderen
glückseligen Gestalten dreimal den Platz, weil die Wucht des
sportlichen Ereignisses ihm keine andere Wahl ließ.

Er
ist ein echter Fußballfan, gesalbt mit der Hexensalbe des höchsten
Glücks und bittersten Leids. Im Gegensatz zu diversen Bayernmolchen,
die das eigene Stadionrund nur aus dem Fernseher kennen und bei Toren
ihrer Mannschaft höchstens mal über das heimische Sofa hoppeln.

Somit ist Spiller aufs Beste präpariert, um über all die wunderbaren, schrecklichen, verwegenen, peinlichen Momente der Historie seines Clubs zu schreiben. Wie Energie den Schikanen der DDR trotzte, wie Energie den Schikanen der BRD trotzte. Wie ein Cottbusser Vokuhila Ronaldo trotzte. Warum Cottbus keine Diplomatenschmiede ist. Weil einmal elf sogenannte Ausländer in der Startaufstellung von Energie standen. Usw.

Zum Kampfpreis von 9,99 Euro schickt der Schwarzkopf-Verlag Herrn Spiller in den lesescheuen Osten, wo kurz vor Polen Energie Cottbus als letzter Mohikaner den Ball flach hält. Holt euch das Buch, egal wie! Spillers Buch ist jeden Cent wert!

Bibliographische Angaben

Christian Spiller, 111 Gründe, Energie Cottbus zu lieben, Eine Liebeserklärung an den großartigsten Fußballverein der Welt, 280 Seiten, Taschenbuch, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin, 1.4.2019, ISBN: 3-862-6576-12, Preis: 9,99 EUR (D)




Für immer im Fußballtrikot herumlaufen oder zum Buch „Fußballtrikots“ von Neal Heard greifen?

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Neal
Heard sammelt seit vielen Jahrzehnten Fußballtrikots. Und weil er
neben dieser Leidenschaft auch auf skurrile Geschichten steht,
außerdem in der Lage ist, diese in anständige Sätze zu gießen,
schuf er für uns ein tolles Buch voll schräger Stories zu bekannten
und unbekannten Vereins- und Fußballnationaltrikots, sowie einiger
ihrer seltsamen Träger.

Natürlich
werden die farbigen Trikots großzügig abgedruckt, doch perfekt
machen das Buch die nicen Geschichten, die sich trocken wie ein Elfer
von Andy Brehme in unsere Hirnwindungen fräsen.

Besonders interessant ist die Rubrik „Die Stimme des Volkes“. Das auf ewig schönste Trikot, ermittelt bei einer Onlineabstimmung, stammt übrigens aus Schottland. Grünweiß gestreift, langärmelig, von 1970, mehr muss ich nicht dazu schreiben. Bei dieser Abstimmung landete übrigens das BRD-Nationaltrikot von 1990 auf Platz 3.

Mein Lieblingsverein FC Carl Zeiss Jena kommt gleich zweimal vor. Auf Seite 37 und Seite 87 prangt jeweils das Jenatrikot mit der Heavy-Metal-Band Heaven Shall Burne als Sponsor.

Abermals zeigt der Verlag Die Werkstatt mit dem Buch „Fußballtrikots, Das Buch für Liebhaber“, wie genau man dort die Vorlieben der Fußballbuchfreunde im Blick hat. Das Buch lässt wenige Augen trocken, es ist eine feine Sammlung wunderschöner Trikots und romantischer Fußballgeschichten. Geeignet für Abende am Kamin mit Rotwein ebenso wie in einer verrauchten Fußballkneipe, wo sie Feingeister und Rabauken gleichermaßen in Lobpreisungen ihrer Fußballleidenschaft ergießen.

Bibliographische Angaben

Neal Heard, Fußballtrikots, Das Buch für Liebhaber, Übersetzung: Olaf Bentkämper, 144 Seiten, Format: 19 x 24,5 cm, Hardcover, Verlag: Die Werkstatt, 1. Auflage, Göttingen 2019, ISBN: 3-7307-0379-3, Preis: 24,90 EUR (D)




Die Poesie des Fußballs. Buch.

Fußballsprache entschlüsselt! – Annotation zum Buch „Die Poesie des Fußballs“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Liebe Expertinnen, im Sammelband „Die Poesie des Fußballs: Von Abwehrschlachten, Schönspielern und Tikitaka“ wird die Fußballsprache ein für allemal auf den Kopf gestellt, ordentlich durchgeschüttelt und dann im Würfelbecher vor euch ausgebreitet.

Wer endgültige Klärungen der schönsten und peinlichsten Floskeln vorgesetzt bekommen werden mag, ist bei diesem schickem Wer des Fußballsprechs richtig. Ein Sack voll Autoren und einige wenige Autorinnen schütteln ihre Wundertüte aus und klären Fachbegriffe wie: Ergebniskosmetik, Schönspier oder Pille. Ja, es ist alles Gold was glänzt. Nein, Geld macht auch keinen Fußballprofi glücklich.

Fein illustriert von Julian Hennemann ist dieses Poetenlexikon ein passendes Werk, um die Weltmeisterschaft noch besser zu genießen, bzw. zu ertragen.

Ran an die Buchläden, holt euch diese allwissende Kladde und lest euch glücklich!

Bibliographische Angaben

Stefan Krankenhagen und‎ Heiko Rothenpieler (Herausgeber), Die Poesie des Fußballs, Von Abwehrschlachten, Schönspielern und Tikitaka, Illustrator: Julian Hennemann,‎ 256 Seiten, Verlag: Blumenbar, Berlin 2018, ISBN: 3-351-05047-4, Preis: 20 EUR (D)




Uruguay sehen und leben. Das New Montevideo zeigt alle WM-Spiele im Terrassengarten mit Fontänenblick

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das New Montevideo hat ein Logo aus vier Buchstaben. Ein großes M bietet durch seine Form Platz für die drei Buchstaben, die auf englisch „neu“ bedeuten. Neu-Montevideo ist keine Stadt, sondern ein Restaurant-Café am Viktoria-Luise-Platz. Legendär das „Montevideo“, das 2016 seine Pforten schloss. Am 2. Mai 2017 eröffnete der legitime Nachfolger, das New Montevideo. Neu-Montevideo klingt wahrscheinlich zu altbacken wie Neu-York oder Neu-Amsterdam; außerdem können die Deutschen zwar ‚njuu‘ aussprechen, Ausländer aber nicht selbstverständlich das Wort ‚neu‘.

Das New Montevideo konnte nicht anders, als in große Fußstapfen zu treten. Deshalb nahm man sich viel vor. Deckte den Speisesaal linker Hand vom Eingang in weißes Linnen ein. Das fanden viele Berliner toll, aber es schreckte auch ein klein wenig ab. ‚Wenn das hier alles so gut aussieht, was mag es denn wohl kosten? Reicht das Geld nur, um zu kosten? Bin ich überhaupt gut genug gekleidet?‘ Wunderschöne Bilder auf der Homepage des New Montevideo zeugen noch von dieser jüngsten Vergangenheit. Heute dominieren die Decken aus feinem Leinen den Gastraum nicht mehr, und das ist gut so.

Berliner kleiden sich nicht, sie ziehen sich an. (Fast) jeder so, wie er mag. Die Berliner fühlen sich wohl dabei und ziehen beim Presseball auch schon mal Kleid und Smoking an. Geht man essen, möchte man sich wohlfühlen. Das New Montevideo versteht sich als Familienrestaurant mit guter Küche.

Den Anspruch kann es mit einer Riesen-Kinderecke unterstreichen, mit einer tollen Kinderküche und Platz zum Tollen. Clever gelegen vom Gastraum hofwärts, als doppelte Sicherheit, damit keine Kurzen türmen können. Oder die wenigen Stufen vom Restaurant zum Garten herunterkullern.

Selten eine Gaststätte, wo der Weg zum nächsten gefährlichen Auto so weit ist. Denn die Straße vor dem Vorgarten ist für den Autoverkehr gesperrt. So hat das New Montevideo neben dem Lette-Verein genau genommen zwei Terrassen. Viel Platz. Mehr Kindersicherheit geht kaum. Vielleicht im Wald.

Uruguay und der WM-Fußball in Berlin – Public Viewing

Terrasse am Lette-Verein: Restaurant-Café New Montevideo. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Uruguay gelangte bei der Herren-Fußball-WM 2018 ins Achtel- und Viertelfinale. Das ist viel mehr als, was die deutsche Mannschaft von sich sagen kann. Und das trotz der Tatsache, dass es nur gut 3einhalb Millionen Uruguayer gibt. Wir haben recherchiert, ob es vielleicht irgendwo ein spezielles Screening gibt: Fehlanzeige.

Wir wollten das Viertelfinalspiel am 6. Juli in der Gegenwart dieses fußballbegeisterten Völkchens verbringen. Doch Uruguay ist nicht Dänemark. Dänemark organisierte im Felleshus ein Public Viewing. Die Botschaft der Republik östlich des Uruguay – der ein Fluss ist – ist zu klein für derartige Veranstaltungen. Die Kulturbrauerei, dem Straßenlärm entrückt und mit einer großen Leinwand, zieht Fans an, auch aus diesem kleinen, fußballbegeisterten südamerikanischen Land. Doch abgesehen von der unzentralen Lage gibt es auch ein paar indirekte Nachteile. Gerade weil viele Fußballfans kommen, ist es so laut, dass man die Ansagen des Kommentators oder die Analysen von Oliver Kahn & Co. nicht verstehen kann. Da sind kleinere Gaststätten wie der Inder neben dem Hinterausgang der Brauerei an der Lychener Straße besser. Dafür gibt es dort fast keine Gleichgesinnten. Die Indische Union ist bekannter für Cricket.

Uruguay und seine Geschichte als Fußballland

Uruguay ist eines der vier Gründungsmitglieder des ältesten Kontinentalverbandes CONMEBOL. Während Mitteleuropa im Krieg versank und an manchen Tagen Zehntausende Männer starben, niedergemäht wurden, gründeten vor 102 Jahren und 3 Tagen am 9. Juli 1916 die Verbände aus Paraguay, Argentinien, Brasilien und dem erwähnten Lande östlich des Flusses die CONMEBOL. Sie trugen dann in die Copa America aus. Alle anderen Kontinentalverbände, die Mitglied der FIFA sind, wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet.

Uruguay ist kein Anfänger, ist man versucht zu sagen. Doch waren sie genau am Anfang da und wurden 1930 und 1950 Fußballweltmeister. Dann gab es eine ruhigere Phase und seit 2000 sind sie wieder da. Als einer der beiden südamerikanischen Vertreter im Viertelfinale besaßen sie wirklich Chancen, hatten allerdings als Gegner den Ex-Weltmeister Frankreich.

WaruM WM-Fußball im New Montevideo?

Fußball Live im Restaurant-Café New Montevideo. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Ein wichtiges Spiel, das nicht irgendwo geguckt werden wollte. Ein Insider gab uns den Tip mit dem New Montevideo, gleich darauf hinweisend, dass der Name nur ein Name ist. Wir besuchten es an Vortag des Uruguayspiels, haben es getestet und für gut befunden.

So ist zum Beispiel das fußballlose Speisen auch an den Spieltagen möglich. Die Großen Flachbildfernseher zeigen nach außen in den Garten. Bei Regen natürlich nach innen. Wer drinnen sitzt oder auf der weitläufigen Terrasse mit Blick auf die Fontäne, wird unbehelligt bleiben.

Außerdem ist die WM Mitte des Monats Juli vorbei.

WM-Karte im New Montevideo

Zur Wahl steht eine ganze Palette von Speisen, angefangen bei einem Gemüsespieß mit Grillkäse und Kräuterdip für 7,30 Euro über Spargelpasta für 11,90 Euro bis hin zu einer Reihe nichtvegetarischer WM-Specials für Preise zwischen 7,90 und 15,90 Euro.

Eine eigene WM-Karte hat nicht jeder, auch in der besseren Gastronomie nicht.
(In der Trattoria a’Muntagnola in der nahen Fuggerstraße zeigen sie noch nicht einmal Fußball. Pfui!)

Der Nachtisch kostet nur 4,90 Euro. Limonenparfait. Alternativ bietet man mir ein Mandelparfait an, das ich dankend ablehne. Wenn, dann wollte ich doch schon aus gegebenem Anlass das Dessert der WM-Karte probieren und ein Essen ohne Nachtisch ist kein richtiges Essen, oder?

Zudem man sich doch in so einem innen und außen edlen Ambiente befindet.

Der Service war übrigens auszeichnet. Die Bedienungen sämtlich ausnehmend höflich und beinahe verbindlich. Das vermittelt ein gutes Gefühl. Man fühlt sich wahlweise wie zuhause oder so, als ob einem der rote Teppich ausgerollt würde. Aber unauffällig. So soll es sein.

Suberbe Pfifferlingskarte

Sommer, Sonne, Ausflugsziel für Fahrräder: Fontäne am Viktoria-Luise-Platz. Rechts ein Sonnenschirm auf der Terrasse des New Montevideo. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Beim Essen entscheide ich mich saisongemäß und auf Empfehlung für die Pfifferlinge. Sie sind viel mehr wert, als man allgemein denkt. Allerdings wird der Ausdruck langsam obsolet, da der Pfennig auf den Heller folgt. Der Heller überlebt in unserer Sprache außer bei Münzsammlern nur durch das Sprichwort „Wer den Heller nicht ehrt, …“

Die Pfifferlinge auf dem Teller sind eine Menge wert, nicht nur wegen des gesunden Eiweißes. Im New Montevideo werden sie in vielen Variationen dargeboten, preiswert mit Blaubeeren für Vegetarier oder entsprechend teure mit allerlei frei wählbaren Beilagen. Lecker.

Dauerhafte Vorteile im New Montevideo

Frische und gute Produkte werden verwendet, zum Beispiel Frischmilch für die Kaffeespezialitäten und ausschließlich Bio-Eier.

Man kann lange frühstücken. Von 9-15 Uhr, samstags, sonn- und feiertags bis 16 Uhr. Das ist auch ideal für Berlinbesucher oder all die, die sich am langen Wochenende mal einen Tapetenwechsel im Hotel gönnen. Von vielen Unterkünften im Hotelviertel und am Wittenbergplatz, wo das KaDeWe steht, ist der Vicky für Geübte fußläufig zu erreichen. Auch vom neuen Hotel Riu Plaza, das oberhalb der Kreuzung Lietzenburger/ Martin-Luther-Straße/ An der Urania thront (ehemals Philips).

Erstaunlich, aber wahr: Vieles wird selber hergestellt: Marmeladen und Nudeln zum Beispiel. Die Nudeln kann man sogar für zuhause kaufen.

NEWMONTEVIDEO – Geheimer Code geknackt!

Man konnte sich natürlich schon fragen, warum das New Montevideo so heißt.

Das Video-Geheimnis

Video bedeutet „Ich sehe“. Wir Deutschen betonen es gern auf der ersten Silbe. In dem Wort Montevideo wird das letzte „e“ betont. Montevideo ist die Hauptstadt Uruguays und wurde Weihnachten 1726 gegründet, im Barock, als Friedrich Wilhelm I. König in Preußen war – in Personalunion brandenburgischer Kurfürst – und unter anderem in Berlin residierte. Der erste König in Preußen, der 1705 Charlottenburg gegründet hatte, war bereits tot, Friedrich der Große trat 1740 an.

Montevideo ist auch die Primatstadt Uruguays, vorher wohnten die Ureinwohner dort und von einer „Stadt“ in unserem Sinne war nichts zu sehen, genausowenig von einem „Staat“ Uruguay. Das Wort „Arbeit“ war unbekannt, auch wenn natürlich gearbeitet wurde.

„Monte“ bedeutet in drei Sprachen „Berg“ – italienisch, spanisch, portugiesisch . Video heißt auf nur latein „ich sehe“.

„Montevideo“ ist in Holland der Name für einen künstlichen Berg mit Aussicht. Das Rotterdamer Hochhaus ist etwa 150 Meter hoch – gute Aussichten – und das zweithöchste Wohnhaus der Niederlande.

Das Haus hat eine Fahne (Ein Haus mit Fahne) – M

Sommerfontäne an einem Platz in Schöneberg.
Speisekarte des Restaurant-Cafés New Montevideo mit Platz-Panorama. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Das Symbol ist ein großes „M“, das als 8 mal 8 = 64 Quadratmeter große Wetterfahne auf dem Dach thront. Ähnlich wie an der Kantstraße Ecke Fasanenstraße das von der Stadtbahn aus sichtbare Riesensegel mit drei Etagen.

Im New Montevideo prangt das große „M“ auf der Speisekarte. Etwas verloren gruppieren sich die drei neuen Buchstaben N, E und W dazwischen.

Man hätte das neue Restaurant nicht Buenos Aires, VICKY oder Fontänenblick nennen dürfen. Auch Santiago de Chile, Malwinen oder Fontainebleau, nach der Stadt südlich Paris mit dem guten Wasser (fontaine belle eau), kamen nicht infrage. Montevideo musste es irgendwie schon sein. New liegt nahe, doch wäre auch ein spanisches Wort infrage gekommen.

Die Lösung

Letztlich fiel die Entscheidung dafür, weil man alle vier Jahre hier ein großes Fest feiern wollte und die ganze Welt dazu einladen. Der Lösung des Rätsels kommt man näher, wenn man die Leerstelle zwischen den Wörtern New Montevideo weglässt. NewMontevideo ist ungültig, in Großbuchstaben ergibt sich NEWMONTEVIDEO.

Nun braucht man nur noch genau hinzusehen, um eine haushohe Überraschung zu erleben. Was sage ich, eine berghohe. Video WM. Wer noch?

Das NEW MONTEVIDEO gehört zu den ganz wenigen deutschen Restaurants, die die WM (Weltmeisterschaft) im Namen führen. Weltmeisterlich. Meisterhaft!

Für mich ist das NEWMONTEVIDEO so das ultimative WM-Restaurant.

Von mir aus auch für Basket-und Volleyball.

+ NEWMONTEVIDEO

 

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Veranstaltungsort am Bahnhof: Das phaeno in WOB, Niedersachsen, BRD

WOB – IS 80. Stadt Wolfsburg wird 80 – Niedersachsen eine Spur und ein WOW reicher

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wäre die Stadt Wolfsburg ein Mensch, würde man langsam sagen: ein stattliches Alter! Als Stadt ist sie eher jung. Trier, Worms und Speyer, überhaupt die Römerstädte südlich des Limes haben bis zu 2 Jahrtausende überdauert. In Niedersachsen gibt es mittelalterliche Städte wie Lüneburg, die über eintausend Jahre alt sind – Lüneburgs Gründungsjahr ist 956 n.Chr., die einzige erhalten gebliebene der norddeutschen Backsteingotik ist eine alte Salzstadt. Ein stadtliches Alter hat Wolfsburg nichtsdestotrotz.

Wozu Wolfsburg? Es ist ein Kind seiner Zeit und konnte erst nach der industriellen Revolution entstehen. Sie, die Stadt Wolfsburg, ist eine Gründung des Nationalsozialismus, wie die Zahl 1938 schnell verrät. Das Staatssystem, das außer dem Kriegsausgang wenig dem Zufall überließ und mit Fünfjahresplänen arbeitete wie später die DDR, entschied zentraL: Wir brauchen den Kraft-durch-Freude-Wagen. Kraft durch Freude war ein Slogan, hinter dem die Freizeitgestaltung des „Arbeiters“ steckte. Kreuzfahrtschiffe wie die „Wilhelm von Gustloff“ wurden gebaut, ein Automobil fürs Volk sollte die noch recht leeren und seltenen Reichsautobahnen „bevölkern“.

Die Freude bei der Freizeit sollte den „Volksgenossen“ stärken, seine Arbeitsleistung erhöhen sowie seine Treue und „Motivation“ stärken. Ähnlich wie für Prora, wo auf Rügen ein Riesenurlaubshotel in Strandnähe fast fertig gebaut wurde, kam der Krieg zu früh oder dazwischen. Die Gebäude erschrecken bis heute durch Monströsität und den traurigen Gedanken, dass hier eine Menge Zeit und Kraft verschwendet wurde, ohne dass je jemand einziehen und Urlaub machen konnte.

Wolfsburg wurde erfolgreicher, doch der KdF-Wagen zunächst nicht gebaut. Kriegswichtige Produktion war das Stichwort. Doch die Anlage war gut gelegen oder, wie man heute sagen würde: gut positioniert. Am Mittellandkanal, der das Deutsche Reich mitten durchquerte, konnten Massen- und Stückgüter optimal nach Ost und West transportiert werden. Erst die deutsche Teilung, die auf den verlorenen Krieg folgte, machte Wolfsburg zum Zonenrandgebiet und die Lage ungünstiger.

Was soll das Volk wagen?

Doch der dort hergestellte deutsche Volkswagen wurde trotzdem ein Symbol des Wirtschaftswunders.

Es reicht nicht, ein Werk zu bauen, auch die Arbeiter und ihre Chefs und die Verwaltung müssen irgendwo wohnen, am besten in der Nähe.

Gifhorn, Braunschweig und Wolfsburg bilden ein Dreieck, in dem heute arbeitsteilig gewohnt und eingekauft wird. Der Kern ist das „alte“ Wolfsburg mit dem Werk 1.

Hauptwerk von VW bzw. Volkswagen in WOB (Stadt Wolfsburg)
Ein Altbau, vor dem die Wolfsburger Respekt haben. Hierum kreist alles – wörtlich und im übertragenen Sinne. (Im Vordergrund: Die „Albis“. Binnenschiffahrt bestimmte den Standort.) © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

Die drumherum liegenden Dörfer wurden meist erst später eingemeindet, als die CDU-geführten Bundesregierungen die Macht verloren und die sozialliberale Koalition Dörfer eingemeindete oder zu „Samtgemeinden“ bündelte.

Um das Werk machen alle Wolfsburger einen großen Bogen

Das lässt sich nicht vermeiden, muss und will man irgendwohin. Immer muss man um das Werk herumfahren, das direkt am Kanal liegt und einen eigenen Gleisanschluss hat.

Kanal voll: Die „Falcon“ liegt ruhig am Ufer der Autostadt. Darüber, hinten rechts, die Fußgängerbrücke in die Innenstadt südlich des Mittellandkanals. Dort der DGB, der Bahnhof, das phaeno und nach einem kurzen Fußweg die Fußgängerzone mit dem Rathaus. Schloss, Schiff und Stadion liegen auf der nördlichen Kanalseite. © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

Der Mittellandkanal muss für Straßen und Fußgänger überbrückt werden und so kommt es, dass man etwa im Norden vom alten Schloss aus auf der Bundesstraße und ehemaligen Reichsstraße Richtung Westen nach Gifhorn fährt etwa bis Weyhausen und dann nach Süden abbiegt – oder südlich des Kanals an Bahnhof und „Phaeno“-Veranstaltungsort aus nach Westen fährt Richtung Sülfeld und Fallersleben.

Wie man es auch dreht, man kommt um das Werk nicht herum.
Beziehungsweise muss um es herum.

Man muss um das VW-Werk immer einen großen Bogen machen.
Auch wenn man es ins Herz geschlossen hat.

Stadt Wolfsburg – geplante Stadt ohne Kirchen

Schriftzug Volkswagen an der VW-Arena nördlich des Mittellandkanals
Läuft und läuft und läuft, wenn auch jüngst etwas holprig. Aufschrift am Stadion, der „Arena“ (Ausschnitt). © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Dem Reichskanzler schienen Kirchen für die Reißbrettstadt entbehrlich. Wer einer Religion angehörte und partout zum Gottesdienst wollte, sollte doch woandershin gehen. Doch vieles kam anders. Es wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird. 1938/39 liefen nicht in großer Zahl Wagen vom Band, dass Ford erfand. Das 1000jährige Reich dauerte in der Stadt Wolfsburg nur 12 Jahre.
Inzwischen gibt es einige Kirchen, auch katholische. In einer wird der mexikanische Totenaltar gezeigt, eine große Tradition um Allerheiligen in Mexiko. Von dort kommen viele Arbeiter und Angestellte und ihre Familien.

Eine internationale Stadt

Bei einer Preisverleihung auf der ITB zeigen Mexikaner Flagge.
Die dreifarbige mexikanische Flagge. Gesehen auf der ITB. © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

120 Nationen sind in der Stadt Wolfsburg vertreten.

Einige zahlenmäßig stark. Es könnte sein, dass diese niedersächsische Stadt Deutschlands größte Mexico-Community beherbergt. In Puebla, der „Partnerstadt“, steht ein großes nordamerikanisches Werk.

Volkswagen ist das wichtigste deutsche Unternehmen in Mexiko. VW baute das Werk in Puebla 1964. Genau genommen ist Puebla „Freundschaftsstadt“. Eine Städtepartnerschaft ist mit noch mehr Austausch der Institutionen verbunden. Die Fast-Städtepartnerschaft brachte Frau Alia Lira-Hartmann mit dem Ex-Oberbürgermeister Rolf Schnellecke auf den Weg. Der jetzige OB Klaus Mohrs hat diese Städte-Freundschaft gepflegt. Auf Einladung der Stadt Wolfsburg waren Vertreter Pueblas bei den Feierlichkeiten 80 Jahre Stadtgründung. Frau Hartmann fühlt sich als Wolfsburgerin. Sie ist nur ein Beispiel für viele engagierte Bürgerinnen und Bürger – Deutsche, Mexikaner und andere.

Auch das andere Land, das eine senkrecht dreigeteilte grün-weiß-rote Flagge hat, Italien, schickte viele Werktätige, die hier eine neue Heimat fanden. Später gründeten engagierte Bürger eine deutsch-italienische Freundschaftsgesellschaft, die die kulturellen und sonstigen Beziehungen zwischen der großen italienischen Gemeinde und den deutschen Nachbarn fördert. Solche bilateralen Gesellschaften gibt es auch mit anderen großen Nationen.

Es gibt viele Gründe, zu feiern.

So 20 Jahre Freundschaft mit der polnischen Stadt Bielsko-Biala. Eine kreisfreie Stadt in der Woiwodschaft Schlesien.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und weiter alles Gute!

Geschenke und Feiern zum 80. der Stadt Wolfsburg

Die Unternehmen der Volkswagen-Gruppe schenken der Stadt Elektroauto-Ladestationen im Wert von 10 Millionen Euro, wie Freitag abend bei einem Festakt verkündet wurde. Eine gute Idee. Eine Win-win-Situation. Automobilbezogen und ein Gewinn für die Stadt, denn was nützen die Elt-Autos, wenn man sie nicht in einem engmaschigen Netz laden kann. Gut auch für die Besucher, und Touristen gibt es hier nicht zu knapp.

Die Stadt wird durch elektrische Wagen auf die Dauer auch leiser und lebenswerter. Die viel beschrieene Lebensqualität wird hier und überall, wo die leisen Renner fahren, ansteigen.

Das hochkarätige Programm der Feierlichkeiten voller Konzerte unter www.wolfsburg.de www.wolfsburg.de.

In den vergangenen fünf Jahren seit dem jüngsten großen Stadtfest zum 75. gab es immer wieder überregional interessante Veranstaltungen wie diese im Phaeno: La donna phaenomenal: Die Schriftstellerin Gioconda Belli liest aus ihrem neuen Buch „Mondhitze“

Und natürlich spielt neben der Kultur auch der Sport im Stadtleben eine wichtige Rolle, besonders der Fußball:

Sport in WOB: Fußball. Plakat am Hauptbahnhof im November 2016
In Wolfsburg kannst Du was erleben! Neben der „Autostadt“ die „Fußballwelt“ mit einem schicken, wenn auch nur 30.000 Zuschauer fassenden Stadion. Seit dem Dieselskandal verließ der VfL die Champions-League-Plätze. © Foto: Andreas Hagemoser, 2016

 




Fahnen vor Halle 19 der Messe Berlin am Hammerskjöldplatz in Berlin-Charlottenburg

Ab wann ist eine Weltreise eine Weltreise? Egal, was kommt kommt im August nach der WM

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 22 Länder hat er bereist. Christian Vogel. 178 gibt es. Seit der Gründung Südsudans im Jahr 2011. Heute gilt er als gescheiterter Staat, da seit 5 Jahren Bürgerkrieg herrscht, das Bruttosozialprodukt ist das weltweit niedrigste. Hierher wollte Herr Vogel nicht, der von seiner BMW aus den Film „Egal was kommt“ drehte. Auf seiner ein Jahr dauernden Weltreise. In anderen Ländern heißt „Zwei Fliegen mit einer Klappe“ schlagen ins Deutsche rückübersetzt „Zwei Vögel mit einem Stein“. Beim Motorradfahren spritzen ständig kleine Steinchen hoch, von seiner Maschine runtergeholt werden wollte er wohl nicht. Der schwarze Kontinent ist auf Vogels Reisekarte ein weißer Fleck. Doch auch Südsudan hat einen Fußballverband. Dieser wurde 2011 gegründet und trat schon 2012 der FIFA bei. 2016 wurde Verbandspräsident Alei suspendiert, weil er 400.000 Dollar auf ein privates Konto überwiesen haben soll. Nun, was soll man bei einem „failed state“ schon erwarten?

Übrigens hatten sich 211 Verbände um die Endrunde der WM 2018 beworben, 32 wurden es. Wer aufgepasst hat, las am Anfang, dass es 178 Länder gäbe. Warum die Diskrepanz zu 211 Fußballverbänden, obwohl es sich doch um „Nationalmannschaften“ handeln soll? Da wäre zuerst einmal England. Jetzt sagen Sie nicht, „Sie meinen Großbritannien“. Genau das ist es ja. Auch wenn viele fälschlich den G7-Staat „Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland“ einfach nur „England“ nennen, gibt es da Unterschiede. Genauer gesagt: England ist keine Insel. „Ja, wegen der Globalisierung meinen Sie. Stimmt. Die können nicht einfach machen, was sie wollen.“-

Großbritannien ist eine Insel und beheimatet neben dem Land der Engländer auch Schottland und Wales. Nordirland ist auf der Nachbarinsel.
Alle vier Teile des Vereinigten Königreichs, das auf englisch gern unter dem Kürzel „UK“ kursiert (statt „GB“), treten in den Vorbereitungsspielen als eigene Verbände auf. In die Endrunde schafft es oft nur England, was die Verwirrung noch vergrößert.

Auch andere Königreiche wie Dänemark schicken mehrere Verbände in die Qualifikation, man denke nur an die Färöer-Inseln zwischen den britischen Inseln, Norwegen und Island. Die Färöer oder Schafsinseln genießen Autonomie. Man hört von den 18 Eilanden eigentlich nur bei den Qualifikationen zur EM oder WM, besonders, wenn die deutsche Mannschaft im direkten Vergleich antritt. Beide Monarchien ließ Vogel links liegen. Hatte er doch Europa schon ganz durchfahren.

Christian Vogel besuchte auf seiner Weltreise nur 3 von 6 Kontinenten, die Antarktis mit dem Motorrad zu bereisen, ist schon wegen des Umweltschutzes keine gute Idee. Ausgelassen ausgelassen hat er Südamerika, Afrika und Australien.
Wenn man seine Biographie anschaut, wird wenigstens verständlich, warum er Australasien so fröhlich und leichtfertig den Rücken kehrte: Er war schon dort gewesen.
Zum Beispiel in Malaysia, dem Land, von dem einfach ein Flugzeug mit den Passagieren darin verschwand. Im Meer, angeblich. Tja, wenn es Satelliten gäbe oder moderne Funkortung, hätte man vielleicht das große Flugzeug finden können. Aber so …

Mit dem Krad durch Kanada – 2026 wird da Fußball gespielt werden

Jedenfalls entschied sich Herr Vogel, der unter dem Motto „Vogels Perspektive“ unterwegs war, die USA und Kanada zu bereisen. Damit hat er sich von den drei großen Ländern Nordamerikas schon mal zwei angeschaut.

Gestern haben die FIFA-Abgeordneten entschieden, der gemeinsamen Bewerbung der USA, Kanadas und Mexikos für die Fußball-WM der Herren 2026 stattzugeben. Marokko hatte das Nachsehen. Da wird viel Kohlendoxid erzeugt werden, denn die Entfernungen in diesem Teilkontinent sind riesig.

Moon Suk hatte 2017 eine Weltreise geplant und wollte unter anderem in ihre Heimat Korea. Vogel war auch dort, sogar in der Mongolei. Seine Weltreise begann von der Bundesrepublik aus gesehen im Westen und führte nach Westen.

Was man so Weltreise nennt

Die Wasserflächen darf man auf einer Kradweltreise per Schiff oder Flugzeug zurücklegen. Man braucht nicht zu warten, bis der Atlantik und der Pazifik zufrieren. USA, Kanada, Alaska, dann Südkorea und noch ein Luftsprung nach Wladiwostok in den Fernen Osten Russlands. Die Russische Föderation ist nicht nur Gastgeber der diesjährigen Fußball-WM, sondern auch das größte Land der Welt. Es befindet sich auf der weltgrößten Landmasse, Eurasien.

Die längste Eisenbahnfahrt der Welt führt von Portugal nach Asien. Vogel plante andersherum, doch waren viele Pläne bald Altpapier. Mit dem Erreichen des europäischen Westkaps hätte seine Ausfahrt als Weltreise gegolten, da er ja von Europa aus Florida anflog. Doch mehr als zweimal war Ziel und Leben in Gefahr. Nepal fiel aus, Indien dauerte länger; und ausgerechnet im deutschsprachigen Österreich kam die größte Krise.

Die Frage war: Nach all den Anstrengungen, nach allen Entbehrungen, drei Tage Dauerregenfahrt durch die Mongolei – durchhalten oder Handtuch werfen? Die Freundin wartete nur einen Tagesritt entfernt, das Geld reichte nicht.
So ein Projekt entwickelt eben auch eine Eigendynamik und damit einen unmenschlichen Aspekt. Es zählt nur, wenn man einmal rum ist. (Ob die Route über Hawaii, Neuseeland, die Seychellen, Mauritius, Réunion und Südafrika gegolten hätte?)

Egal, was kommt: das hat sich Vogel auch gesagt. So heißt auch sein Dokumentarfilm: Egal, was kommt. Denn er war ein Jahr unterwegs und wenn einer eine Reise macht… kann er zwei Stunden erzählen, in Filmform.

So ganz egal, was kommt, ist ihm das denn doch nicht. Mit der Herren-Fußball-WM 2018 will er nicht konkurrieren. Deswegen startet sein Film, der ihn auch zweimal durch Russland führt nach der WM. Anfang August 2018. An einem Donnerstag.

Mehr zu Moon Suk auf ihrer Website www.moonsuk.de und im Kulturexpresso:

Heute oder nie? Moon Suk wird ihren Salon weltreisebedingt schließen – Zu Gast: die Pianistin Sara de Ascaniis




Die Nordischen Botschaften in Berlin.

Fußball-Fernsehen im Felleshus – Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland bei nordischem Bier, isländischen Burgern und dänischen Hotdogs in Berlin gucken

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Fernsehen ist Kultur. Fußball-Fernsehen also auch. Fußball-Fernsehen im Felleshus auf jeden Fall, denn am Berliner Tiergarten werden die Spiele der Isländer und Dänen gezeigt. Zumindest die Gruppenspiele der Vorrunde.

Geladen zum Gucken werden Gäste von den Botschaften von Dänemark und Island und zwar in die Felleshus-Fanzone, wo es stilecht nordisches Bier, isländische Burger und dänische Hotdogs geben soll.

Eineinhalb Stunden vor Spielbeginn werden die Türen geöffnet und die Leute so lange hineingelassen, bis die Bude voll ist.

Vorrundenspiele Island

16. Juni, 15 Uhr versus Argentinien
22. Juni, 17 Uhr versus Nigeria
26. Juni, 20 Uhr versus Kroatien

Vorrundenspiele Dänemark

16. Juni, 18 Uhr versus Peru
21. Juni, 14 Uhr versus Australien
26. Juni 16 Uhr versus Frankreich

Geht die Reise für eine oder beide Mannschaften in die Ko-Runde, werden auch diese Begegnungen gezeigt: in der Fanzone im Felleshus.




Jens Fuge: Kennst du den Platz, wo die Sonne stets lacht? Chemie Leipzig und seine Fans (Band II).

Chemie, Chemie, nur noch Chemie – Annotation zum Buch „Kennst du den Platz, wo die Sonne stets lacht?“ von Jens Fuge

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wir alle leider unter den schlimmen, fußballosen Zeiten, die in geschmackloser Regelmäßigkeit über uns hereinbrechen. Vom Handballteufel erfundene Ruhezeiten, sinnlos vergammelte Wochenenden ohne unsere innig geliebte Balllümmelei. In solchen traurigen Stunden kann der Blick in ein gutes Buch helfen. Ganz besonders fleißig ist derzeit Jens Fuge, seines Zeichens Fan von Chemie Leipzig und historisches Gewissen aller Anhänger der Grünweißen.

Schon der zweite Band seiner BSG-Chemie-Leipzig-Fantrilogie erblickte kürzlich das Licht der Welt und entflammt nicht nur die Chemiker aus dem fernen Leipzig-Leutzsch. Kennst du den Platz, wo die Sonne stets lacht?, heißt der fette Band, der wesentlich in den 80er Jahren bis zur Wende in der DDR angesiedelt ist. Neben etwa 1000 Fotos und Abbildungen begeistert das Buch durch einen wahren Orkan an Fangeschichten, in denen sehr häufig von lachenden Sonnen wenig zu spüren ist. Denn die aktiven Fußballfans der DDR hatten einen Hauptfeind, der ihnen permanent auf die Füße trat, ihnen das Leben schwermachte und den Spaß versaute: Vater DDR-Staat, samt eifriger Meute aus Stasileuten, Volkspolizisten, Transportpolizisten, Parteigenossen und deren willfährigen Spitzeln und Vollstreckern. Immer auf der Jagd nach negativ-dekadenten Jugendlichen, die vom Westfußball verseucht, die gleichgeschaltete DDR-Jugend möglicherweise konterrevolutionär infiltrierten und am Ende sogar den Staat stürzen wollten? Mit frechen Gesängen, in Westjeans gekleidet, tapeziert mit Bundesligaaufklebern und einer Sehnsucht nach ein bisschen Freiheit im biederen DDR-Alltag, spazierten diese jungen Menschen durch das Stadtbild und zeigten Karl Marx die lange Nase. Und jagten den sozialistischen Kleinbürgern einen gehörigen Schrecken ein.

Bei Chemie war diese Klientel besonders stark vertreten. Chemie galt als sogenannter ziviler Club. Keine Stasi, keine Bullen, keine Partei hatten dort angeblich das Sagen. Chemie war für seine Fans gelebte, unangepasste Arbeiterkultur. Roh, laut, irgendwie dagegen, am liebsten besoffen. Besoffen vor Glück, besoffen von billigem Fusel, besoffen vor Freundschaft, die viele Jugendliche beim Fußball fanden. Chemie zog Kunden, Punks, Rocker und Langhaarige magisch an. Fuge hat es in seinem Buch geschafft, dieser Klientel eine Stimme zu geben. In Interviews, Gedächtnisprotokollen und Fotoserien geben sie Auskunft über das Fandasein in der DDR. Immer mit der großen Zehe im Knast, den Kopf voll herrlicher Flausen, ließen sich viele vom Staat und dessen willigen Schergen einfach nicht unterkriegen.

Das Buch ist ein Denkmal für alle jene Chemiker (und wenige Chemikerinnen), die zu DDR-Zeiten stolz und abenteuertrunken durch die Stadien der Zone pilgerten, sich kloppten, sich liebten, ihre Lieder sagen und ihr kleines bisschen Fußballfreiheit lebten. Ein großartiges Geschichtsbuch, eine wunderbare Hommage an alte Säcke, die einmal Helden waren. Kaufen, kaufen, kaufen!

Bibliographische Angaben

Jens Fuge, Kennst du den Platz, wo die Sonne stets lacht?, Chemie Leipzig und seine Fans (Band 2), 524 Seiten, 1000 Abbildungen, Verlag: Backroad Diaries, Leipzig 2017, ISBN: 3-9816023-6-4, Preis: 35 EUR