Mensch oder Held? Zur Biographie „Otto John, Patriot oder Verräter“ von Benjamin Carter Hett und Michael Wala

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Mensch oder Held? Otto Johns Biografie mit dem Titel „Otto John, Patriot oder Verräter“ ist eine Parabel in der Zeit des Kalten Krieges.

Die zwei Historiker Benjamin Carter Hett und Michael Wala stellen mit ihrem Buch die Biografie des ersten Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz vor. John war unter seltsamen Umständen 1954 in die DDR verschwunden, flüchtete dann aus der DDR zurück in die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und wurde später als Landesverräter verurteilt.

Die Meinungen zu seinem Gang in die DDR und zu seiner späteren Rückkehr sind durchaus geteilt, zumal man den Aufzeichnungen Johns nur bedingt glauben kann, den Aussagen diverser Geheimdienstler, denen das Verschleiern Berufsethos ist, natürlich genauso wenig.

Nach der Naziherrschaft übten ab 1949 sehr viele ehemalige Nazis Ämter in Behörden etc. aus. Otto John gehörte zum Widerstand und war als Chef des Verfassungsschutzes eine große Ausnahme. Ein Saubermann unter Nazis? Ganz so einfach ist die Sache nicht, zumal John, getrieben von Ehrgeiz und Eitelkeit, möglicherweise der falsche Mann für das Amt war, das in erster Linie kühlen Kopf und Durchsetzungsvermögen brauchte.

Was wirklich vom 20. Juli 1954 bis zu Johns Flucht/Rückkehr im Dezember 1955 in die BRD geschah, wird anhand von historischen Quellen beleuchtet. John wurde in der DDR schnell zu einem Spielball des KGB. Er wurde zuerst lange von der Stasi wie dem KGB verhört. Später trat er auf Pressekonferenzen mit politischen Statements auf. Dabei „kritisierte“ John die einseitige Bindung der Bundesrepublik an die USA, die damit einhergehende „Remilitarisierung“ und die „Wiederbelebung“ des Nationalsozialismus.

Das Buch schließt mit den Schilderungen des Prozesses in der BRD gegen John und dessen lebenslangen (vergeblichen) Anstrengungen um Rehabilitierung.

Bibliographische Angaben:

Benjamin Carter Hett und Michael Wala, Otto John, Patriot oder Verräter, Eine deutsche Biographie, 416 Seiten, Verlag: Rowohlt-Verlag („Rowohlt Verlag“), Hamburg, erschienen am 21.5.2019, ISBN: 978-3-498-03030-8, Preis: 25 EUR




Über die Untergrabung der US-Demokratie durch eine fremde Macht und das ganze Ausmaß der Bedrohung – Zum Buch „Die harte Wahrheit – Was ich als höchster US-Geheimdienstchef erfahren habe“ von James R. Clapper mit Trey Brown

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). James
Clapper führte bis 2017 als Nationaler Geheimdienstdirektor die
US-Nachrichtendienste. Er hatte bis dahin Zugriff auf alle
geheimdienstlichen Informationen. Ob „alternative Fakten“, die
Trump und seine Anhänger gern ins Spiel bringen, oder die
vermeintliche Einflussnahme Russlands auf den Wahlausgang, Clapper
schildert alle schmutzigen Hintergründe, die aus seiner Sicht eine
Gefahr für die freie Welt bedeuten.

Wer
verstehen will, wieso und warum Trump Präsident des mächtigsten
Landes der Welt werden konnte, findet bei Clapper die Zusammenfassung
der wichtigsten Ereignisse aus Sicht der US-Geheimdienste.

Nach der Lektüre fragt man sich, wie Trump es bis an die Schalthebel der Macht schaffen konnte. Leider wird auf die Hintermänner in Trumps Präsidentenkosmos nur wenig eingegangen, aber das ist auch nicht die Aufgabe dieses Buchs, das erschreckend aufzeigt, mit welchen dirty Tricks das Trumpeltier ganz nach oben gelangte. Clapper begründet sein Buch mit der Angst, die USA würden von einer ausländischen Macht untergraben.

Bibliographische Angaben

James R. Clapper mit Trey Brown, Die harte Wahrheit: Was ich als höchster US-Geheimdienstchef erfahren habe, 496 Seiten, fester Einband, Gewicht: 760 g, Riva-Verlag, München, März 2019, ISBN: 3-7423-0834-4, Preis: 24,99 EUR




Tom Marcus: Undercover gegen den Terror.

Wenn einem der Gestank von Pisse entgegenschlägt oder Ein fesselnder Bericht über einen Krieg im Geheimen – Zum Buch „Undercover gegen den Terror“ von Tom Marcus

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Tom Marcus wurde nach den Anschlägen vom 7. Juli 2005 in London rekrutiert. Er verbrachte fünf Jahre bei einer verdeckten Sondereinheit in Nordirland, bevor er nach intensivem Training in der Undercover-Terrorabwehr des MI5 eingesetzt wurde.

„Undercover gegen interne und externe Bedrohungen, den Terror und zum Schutz der größten Geheimnisse des Landes“, dass sei eine „tägliche Entscheidung, die Leben oder Tod bedeuten“, schreibt Marcus. Und der Verlag ergänzt, dass das „ein nie enden wollender Kampf“ gewesen sei, „den viele seiner Kollegen nicht überleben sollten“.

Der 288 Seiten starke Bericht in scheinbar schonungsloser Ich-Erzähler-Manier von Tom Marcus, der schon mit 16 Jahren beim Militär des sich Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland nennenden Staates des Kapitals, des Adels und der Bourgeoisie diente, wurde 2016 unter dem Originaltitel „Soldier Spy“ in englischer Sprache erstveröffentlicht.

Darin lesen wir, dass Marcus, der „bewaffnet in der Welt herumgelaufen war“, nicht nur Pisse roch, sondern auch Scheiße erlebte. Für ihn ist – aus Erfahrung zur Erkenntnis gekommen – „die Welt der Geheimdienste … total beschissen, finster, gefährlich und absolut gnadenlos“. Das kann man so schreiben und auch, dass diese Welt krank macht.

Tom Marcus wurde krank. Für „posttraumatische Belastungsstörungen“ kriege man keine Medaillen um den Hals wie Helden, die im Einsatz die Beine verlieren, resümiert der auch unter Hypervigilanz leidende und Diazepam in hohen Dosen schluckende Soldat und Spion vom Security Service in Thames House im letzten Kapitel seiner „wahren Geschichte als Geheimagent“, das mit „Der Neuanfang“ überschrieben ist.

Bibliographische Angaben

Tom Marcus, Undercover gegen den Terror, Meine wahre Geschichte als Geheimagent beim MI5, 288 Seiten, Deckenband, Verlag: Riva, 1. Auflage München, August 2017, ISBN: 978-3-7423-0187-1, Preis: 19,99 EUR