Doppelerfolg! Nadav Lapid gewinnt mit SYNONYMS/ SYNONYMES den Goldenen Bären UND den FIPRESCI-Preis der Berlinale

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Nun also auch den Goldenen Bären für den besten Film im Wettbewerb. Synonymes bekommt ihn – Regisseur und Produzenten, denn der Preis ist nicht für die beste Regie, sondern für den besten Film und insofern unpersönlich. Der einzige Goldene neben vielen Silbernen.

Goldener Bär 2019 für die Drei-Länder-Koproduktion über einen Israeli, der in Frankreich bei Null anfangen möchte und merkt, dass das nicht geht.

Wer bekam den Goldenen Bären 2019?

Synonymes – zwei herausfordernde Stunden Kino, die nun bestimmt ins Selbiges kommen.

Nadav Lapid, Gewinner des Fipresci-Preises für SYNONYMS (Wettbewerb). Zu deutsch SYNONYME. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser




69. Berlinale mit Binoche-Jury – Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin klaffen Welten zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 7. Februar 2019 beginnt die 69. Berlinale. Für die Internationalen Filmfestspiele Berlin ist und bleibt der Wettbewerb das Schlachtschiff. Die Jury der Berlinale-Sektion Wettbewerb wird dieses Mal von Juliette Binoche angeführt.

Damit ist nach zwei Regisseuren in diesem Jahr wieder eine Frau an der Spitze. Die letzte Präsidentin war Meryl Streep 2016.

Im „Tagesspiegel“ (11.12.2018) wird unter der Überschrift „Juliette Binoche wird Präsidentin der Berlinale-Jury“ darauf hingewiesen, dass „die französische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin … eine lange Verbundenheit mit dem Festival“ habe, „wie Berlinale-Leiter Dieter Kosslick“ betonte. Weiter im „Tagesspiegel“-Text: „2001 war sie in Lasse Hallströms Melodrama ‚Chocolat‘ zusammen mit Johnny Depp im Wettbewerb zu sehen, 2004 spielte sie die Hauptrolle in ‚Country Of My Skull‘ von John Boorman. Zuletzt war sie mit ‚Camille Claudel‘ von Bruno Dumont und ‚Endless Night‘ von Isabel Coixet im Wettbewerb vertreten.“

Der eine oder andere Orchideenfilme ist darunter und auch in diesem Jahr im Wettbewerb, doch dazu in den nächsten Tagen mehr.

Die Berlinale will politische sein und erfüllt diesen Anspruch im Wettbewerb weitestgehend nicht. Doch dafür kann die Jury, die jedes Jahr eine andere ist, nichts. Dass die letztjährige Jury unter der Leitung von Tom Tykwer einem Schrottfilm wie „Touch me not“, bei dessen Vorführung sich der Kinosaal im Laufe des Films sichtlich leerte, den Goldenen Bären gab, dafür kann die Jury etwas und dafür können auch diejenigen, welche diese Jury, zu der neben Tykwer Cécile de France, Adele Romanski, Chema Prado, Ryūichi Sakamoto und Stephanie Zacharek zählten, zusammenstellen.

Wird das unter Binoche dieses Jahr wieder ein totaler Reinfall? Das wissen wir nicht, aber die Namen der weiteren Jurymitglieder: Sie lauten Justin Chang (USA), der in einer Berlinale-Pressemitteilung vom 29.1.2019 als „Filmkritiker und Autor“ vorgestellt wird, Sandra Hüller (Deutschland), als „Schauspielerin“ gilt, Sebastián Lelio (Chile), als „Regisseur“, Rajendra Roy (USA), als „Kurator“, und Trudie Styler (Großbritannien), als „Kuratorin, Regisseurin und Schauspielerin“.

Die Berufsbezeichnungen schützen leider nicht davor, bisweilen bekloppt bis völlig verrückt zu sein.

Behauptungen wie die im „Tagesspiegel“, Binoche u.a. würden „ein positives Signal für das letzte Jahr von Berlinale-Chef Dieter Kosslick“ sein, mögen deren Leser köstlich finden, basieren gleichwohl auf Kaffeesatzleserei.

Immerhin wurden in der Kosslich-Äre Filme wie „Bloody Sunday“ (2002), „Gegen die Wand“ (2004) und „Fuocoammare“ (2016) mit dem Golden Bären ausgezeichnet, die dem Anspruch, dass die Berlinale ein politisches Filmfestival, ja, sogar das größte politische Filmfestival der Welt seien, gerecht wurden.

Als Schelm auf Berlinale und das mit Schalk im Nacken, dazu ein schwarzer Hut und ein roter Schal, schön, vielleicht auch besser, als je zuvor, doch der Dreiklang aus dem Wahren, Schönen und Guten wurde noch nicht erreicht.




Berlinale-Palast in Berlin.

Berlinale: Goldener Bär für „Touch me not“ von Adina Pintilie – Internationale Jury vergibt Preise der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Internationale Jury der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin vergab am Abend im Berlinale-Palast am Marlene-Dietrich-Platz die Preise. Ein Goldener Bär und über eine Hand voll Silberne Bären wurden wie folgt vergeben:

Adina Pintilie bekommt für den rumänischen Wettbewerbsfilm der Berlinale mit dem Titel „Touch me not“ den Goldenen Bären.

Der Silberne Bär Großer Preis der Jury mit Tom Tykwer als Jury-Präsident und Cécile de France, Chema Prado, Adele Romanski, Ryūichi Sakamoto und Stephanie Zacharek als Jury-Mitglieder, geht an Małgorzata Szumowska für den Film „Twarz“ („Mug“).

Marcelo Martinessi erhält den sogenannte Alfred-Bauer-Preis und also einen Silbernen Bären für den Film „Die Erbinnen“ („Las herederas“).

Anthony Bajon bekommt als Bester Schauspieler in dem Streifen „Das Gebet“ von Cédric Kahn einen Silbernen Bären.

Der Silberne Bär für die Beste Regie geht an Wes Anderson für seinen Film „Isle of Dogs“.

Der Silberne Bär für das Bestes Drehbuch geht an Alonso Ruizpalacios und Manuel Alcalá für „Museo“.

Für eine Herausragende Künstlerische Leistung wird auch ein Silberner Bär vergeben. Dieses Mal ging er an Elena Okopnaya für Kostüm und Production Design in dem Film „Dovlatov“ von Alexey German Jr.




Willem Dafoe in "Mississippie Burning" von Alan Parker.

Zur 68. Berlinale erster Ehrenbär in Gold für Willem Dafoe

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Einer von vielen Ehrengästen der diesjährigen 68. Internationalen Filmfestspielen Berlin ist William „Willem“ Dafoe. Auf der Berlinale war der 1955 in Appleton, Wisconsin, USA, geborene Schauspieler bereits mit Filmen vertreten, beispielsweise 2014 mit dem Streifen „The Grand Budapest Hotel“, der in Görlitz in Babelsberg gedreht wurde.

Die Filmographie von Dafoe ist lang und reicht von „Haven`s Gate“ (1980) bis zu den 2017 vorgestellten vier Kinowerken wie den Kriminalfilm beziehungsweise der Romanverfilmung „Mord im Orient-Express.

Einmal sogar war Dafoe Mitglied der Internationalen Jury der Berlinale. Das war 2007. Dieses Jahr verleihen ihm die Macher des Filmfestivals einen Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk.

Goldener Ehrenbär für Willem Dafoe

Dazu heißt es auf der Heimatseite der Berlinale: „Im Laufe seiner Karriere hat er in mehr als 100 Produktionen mitgewirkt. Die Liste der Regisseur*innen, mit denen er zusammenarbeitete, vereint Namen wie Kathryn Bigelow, Oliver Stone, Alan Parker, Martin Scorsese, Wim Wenders, Paul Schrader und Wes Anderson. Für seine herausragenden Darstellungen erhielt Willem Dafoe drei Oscar-Nominierungen sowie zahlreiche Preise und weitere Nominierungen, u.a. bei den Golden Globes und den BAFTA Awards. Seit langem ist er auch auf der Theaterbühne aktiv. Im Dialog mit Peter Cowie wird er die Etappen seiner Laufbahn nachzeichnen, auf Herausforderungen und Erfahrungen zurückblicken, aber auch aktuelle Projekte vorstellen. Die Veranstaltung wird in Kooperation zwischen der Deutschen Kinemathek und den Berlinale Talents im HAU Hebbel am Ufer durchgeführt.“

Die Filme der Hommage

Prima, dass der 62-Jährige endlich einen Bären bekommen und die Berlinale ins Programm eine Hommage mit zehn Filmen genommen hat. Zu sehen sind „Antichrist“ von Lars von Trier, „Auto Focus“ von Paul Schrader, „The Hunter“ von Daniel Nettheim, „The Last Temptation of Christ/Die letzte Versuchung Christi“ von Martin Scorsese, „The Life Aquatic with Steve Zissou/Der Tiefseetaucher“ von Wes Anderson, „Mississippi Burning“ von Alan Parker, „Pasolini“ von Abel Ferrara, „Platoon“ von Oliver Stone, „Shadow of the Vampire“ von E. Elias Merhige, „To Live and Die in L. A./Leben und Sterben in L.A.“ von William Friedkin und „Eine Zeitreise mit Willem Dafoe“ von und mit mit Willem Dafoe und Peter Cowie.




Kurz und klein. Die Internationale Kurzfilmjury der 2017er Berlinale – Christian Jankowski, Kimberly Drew und Carlos Núñez (Shorts)

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Fasse dich kurz“ stand früher an den Telefonzellen, die selten wertvoll und wichtig waren. Im Zeitalter von Flatrates und weltweit möglicher Überwachung hat niemand mehr Interesse daran, Zeit zu sparen. Kurzfilme sparen immerhin noch Geld – und vielen eine Menge Lebenszeit, auch den Zuschauern.

24 Kurzfilme sind dieses Jahr im Programm der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Nur ein Film läuft außer Konkurrenz: „Monangambee“ von Sarah Maldoror aus Algerien, ein 15Minüter. Der Rest kann gewinnen und zwar viel dieses Jahr.

Die Jury vergibt den Goldenen und den Silbernen Bären sowie den Audi Short Film Award. Darüber hinaus spricht sie eine Nominierung für die European Film Awards für den „Besten Kurzfilm“ aus.

Die Internationale Kurzfilmjury 2017 bilden Christian Jankowski, Künstler und Professor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, die Kuratorin und Social-Media-Managerin des Metropolitan Museum of Art in New York, Kimberly Drew, und der Künstlerische Leiter des Santiago International Film Festival (SANFIC), Carlos Núñez.

Herr Jankowski steht nicht zufällig an erster Stelle, doch unabhängig von jeder Quote (33%?) sortieren wir die Einzelheiten der Jurymitglieder unten alphabetisch und sagen: „Ladies First!“.

Während die meisten auf den Wettbewerb schauen wie ein Kaninchen auf die Schlange, obwohl viele Spielfilme ins Kino kommen werden – „T2 TRAINSPOTTING“ startet nach der gestrigen Premiere bereits am 16. Februar 2017 bundesweit im Kino; „Toivon Tuolla Puolen“ /„Die andere Seite der Hoffnung“ (Buch & Regie: Aki Kaurismäki) am 30. März – bieten die Kurzfilme etwas neues, was aller Wahrscheinlichkeit nach im Kino um die Ecke nie gezeigt werden wird.

Vorher noch ein zur Jurygröße: Aller guten Dinge sind drei? Eine ungerade Zahl erleichtert die Entscheidung und eventuelle Abstimmung.
Doch warum sind es nur 3 Jurymitglieder – für 23 Filme? Im Wettbewerb ist die Jury mehr als doppelt so groß, aber es muss nur über 18 Filme entschieden werden.
Wie dem auch sei, entschieden wurde, dass dieses Triumvirat entscheidet:

Kimberly Drew (Vereinigte Staaten von Amerika)

Drew ist Kuratorin, Autorin und Social-Media-Managerin des Metropolitan Museum of Art New York. Ihr 2011 gegründeter Blog „Black Contemporary Art“ und ihr Instagram-Kanal „museummammy“ zählen zu den einflussreichsten digitalen Plattformen für afrikanische und afroamerikanische Kunst weltweit. Für ihre kuratorische Arbeit erhielt Drew unter anderem den Feminist Curator Award der „Air Gallery“ und den Gold Rush Award der Rush Philanthropic Arts Foundation. Drew studierte Kunstgeschichte und Afroamerikanische Studien mit Schwerpunkt Museum Studies am Smith College in Northampton, USA.

Christian Jankowski (Deutschland)

Jankowski arbeitet im Bereich der Konzept- und Medienkunst mit Film, Video, Fotografie und Performance, aber auch mit Malerei, Bildhauerei und Installation. Besonders beschäftigt er sich mit der performativen Interaktion zwischen Künstler und einem Publikum fernab des professionellen Kunstbetriebs. Seine Arbeiten sind in zahlreichen Museen und Sammlungen vertreten und wurden u.a. 1999 und 2013 auf der Biennale von Venedig gezeigt. 2016 kuratierte er die Europäische Biennale für zeitgenössische Kunst „Manifesta 11“ in Zürich. Jankowski hat eine Professur für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart inne.

… und immer wieder Chile …

Chile ist in Amerika ganz unten, solange die Landkarten genordet sind und die Globen auch.
Solange… Denn zum einen steht die Erdachse schief, zum anderen sollten gerade Berlinalezuschauer spätestens durch das Forum und „Forum expanded“ wissen, das Sehgewohnheiten einen betrügen.
Eine Kugel ist rund und jeder Punkt auf der Oberfläche könnte der Mittelpunkt sein. Auch wenn der Erdenplanet nicht ganz rund zu sein scheint, zumindest läuft hier einiges nicht ganz rund, gibt es für das Primat des Nordens keinen Grund. Noch im Barock waren wichtige Karten zum Beispiel der Stadt Charlottenburg geostet oder gesüdet.

Chiles Wichtigkeit wurde bei den IFB seit längerem erkannt und gewürdigt. Vergangenes Jahr lief im Lola-at-Berlinale-Programm „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ mit Emma Watson und Daniel Brühl. Nicht nur als Thema ist das Land wichtig.

Seit Patricio Guzmans wunderbarem Wettbewerbsfilm „El Boton de Nacar“ („Der Perlmuttknopf“) wissen wir, das Chile nicht auf eine Karte passt(e) und viele Chilenen ihr Land noch nie an einem Stück gesehen haben.

2017 steht bei den Panorama-Dokumenten „El Pacto de Adriana“ („Adriana’s Pact/ Adrianas Pakt“) von Lissette Orozco auf dem Programm. Bei „La Mujer fantastica“ denken manche sofort an die Filmfrau und Gründerin der „South Embassy“, die das Green-Me-Filmfestival unterstützt. „Una mujer fantástica“ „A Fantastic Woman“ ist allerdings der Filmtitel eines Wettbewerbsfilms von Sebastián Lelio, der am Sonntag, den 12.2. seine Premiere erlebt (Chile, Deutschland, USA, Spanien).

Das 3. Jurymitglied: Carlos Núñez

Der Programmer und Produzent Carlos Núñez ist Mitbegründer und Künstlerischer Leiter des SANFIC Santiago International Film Festival, das ein wichtiges Forum insbesondere für den chilenischen und lateinamerikanischen Film darstellt. Des weiteren ist Núñez Direktor und Mitbegründer der Produktions- und Distributionsfirma „Storyboard Media“. Er koproduzierte u.a. den Film „La Mujer de Barro“ von Sergio Castro San Martín, der 2015 im Forum der Berlinale zu sehen war. Núñez ist Mitglied von Cinema23, einer Plattform zur Förderung der Filmkultur in Lateinamerika, Spanien und Portugal. Zudem ist er Hochschuldozent.

PS: In Rom bestand das Triumvirat aus Männern. Sind wir 2000 Jahre nach der Antike jetzt einen Schritt weiter?
Da es bei drei Personen und zwei Geschlechtern nur zwei Konstellationen gibt (2:1 oder 1:2), ist die diesjährige nicht als Schritt in die richtige Richtung, sondern als viel mehr zu bezeichnen. Wenn es vordergründig um die bessere Qualifikation gehen sollte, gibt es immer Menschen, die die Frauen zählen. 1,5 zu 1,5 ist bei dieser Jurygröße keine Alternative und so ist alles im Lot.
Wollte man nur unbedingt auf zahlenmäßige Gleichheit hinaus, bräuchte man das Gremium lediglich alternierend 1:2 und 2:1 besetzen.




Einmal um die Welt und doch in Berlin bleiben. Weltkinofestival „Around The World In 14 Films“ im Endspurt – mit interessanten Filmpaten und Gästen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die 11. Ausgabe von „Around The World In 14 Films“ – einmal um die Welt mit vierzehn Filmen – ist auf der Zielgeraden mit der IFA-Verleihung, spannenden Filmen und Gästen wie Amos Gitai, Olivier Assayas, Nora von Waldstätten, Claudia Michelsen, Lars Eidinger und Mark Waschke.

Noch bis zum Sonntag, den 4. Dezember, findet das Berliner Weltkinofestival im Jahr 1 nach dem 10jährigen Jubiläum im Kino in der Kulturbrauerei statt.

Zu den Highlights des Festivalfinales zählen unter anderem die Vorführungen von „Rabin, the Last Day“ (am 2.12.) in Anwesenheit von Regisseur Amos Gitai (Israel) und Pate Knut Elstermann, „Frenzy“ (u.a. am Sonntag, 4.12.) in Anwesenheit von Regisseur Emin Alper (Türkei) und Pate Mark Waschke („Tatort Berlin“), „Personal Shopper“ (am 3.12.) in Anwesenheit von Regisseur Olivier Assayas sowie Lars Eidinger, Nora von Waldstätten und Pate Ed Berger („Deutschland 83“, „Jack“) sowie „Light Years“ in Anwesenheit von Regisseurin Esther May Campbell (Großbritannien) und Patin Claudia Michelsen („Im Zweifel“).

Am 3. Dezember verkündete die Jury – Ina Weiße (Schauspielerin und Regisseurin), Christiane Peitz („Der Tagesspiegel“) und Ayat Najafi (Regisseur) – den Gewinner des IFA – Intercultural Film Award für einen Festivalbeitrag, der in inhaltlich wie ästhetisch besonderer Weise den Dialog der Kulturen thematisiert.
Der undotierte IFA ging 2016 an den Film „Frenzy“ des türkischen Regisseurs Emin Alper (Originaltitel: „Abluka“).

Das Auswahlgremium begründete seine Entscheidung so:
„Frenzy“ zeigt eine Gesellschaft des Misstrauens, der Willkür und der Ausgrenzung in einem Überwachungsstaat. Es ist eine nachtschwarze, surreale Gewaltstudie, eine Vorahnung aus dem Jahr 2015, die inzwischen Realität geworden ist. Emin Alpers prophetischer Film erinnert uns daran, dass wir diejenigen nicht allein lassen dürfen, die Opfer der staatlichen Paranoia werden.“
Mit dem IFA – Intercultural Film Award zeichnet das unabhängige Filmfestival gemeinsam mit dem „ifa“ (Institut für Auslandsbeziehungen) einen Film aus, der in inhaltlich wie ästhetisch besonderer Weise den Dialog der Kulturen thematisiert.

Das Ifa ist die älteste deutsche Mittlerorganisation. Es engagiert sich weltweit für ein friedliches und bereicherndes Zusammenleben von Menschen und Kulturen.

Alpers Film läuft am 4.12. um 19.30 Uhr (wird mit englischen Untertiteln gezeigt).

Das Beste kommt zum Schluss

Das Festival endet am Sonntag, 4. Dezember um 21.30 Uhr, mit „About Love“ von Anna Melikyan (Russland), präsentiert von Patin Sonja Heiss („Hedi Schneider muss weg“).

Da der Russlandfilm „Uchenik“ („The Student“) des persönlich anwesenden Kirill Serebrennikov als Film Nummer 8 von 14 lief und nach den selbstgemachten Fest-Regeln bei der filmischen Weltreise jedes Land nur einmal „durchreist“ wird, wandte Bernhard Karl einen Kniff an, um einen weiteren herausragenden russischen Streifen zeigen zu können.

Neben einigen French Previews – parallel und teilweise überschneidend läuft die 16. Französische Filmwoche Berlin noch bis 7.12. – gab es einige rumänische und deutsche Nächte und – eine „Closing Night“. Das Beste zum Schluss. Sie ist länderunabhängig, das heißt darf aus einem in dem Jahr bereits bereisten Land kommen.

Anna Melikyan („Mars“) zählt zu den Großen des Weltkinos und vermag immer wieder zu überraschen. Auch dadurch, dass sie immer wieder einen Treffer landet.
Wie in „Mars“ ein Buchstabe wegkippt und mit ihm einen Teil Sibiriens in einen fremden Planeten verwandelt, bleibt dem Zuschauer lange in Erinnerung.

„Around The World In 14 Films“ hat einen Hauptförderer, das Auswärtige Amt, und einen Schirmherren, Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Ohne Geld dreht sich nicht die Welt

Außerdem gibt es Sponsoren, ohne die es nicht ging: die Hauptsponsoren Arte, Audi AG/Audi City Berlin, CineStar (Kino in der KulturBrauerei) und KWK/ Karl-Wilhelm Kayser. Die Partner Hotel Indigo, Ifa (Institut für Auslandsbeziehungen), Agentur Fitz & Skoglund, Bar Tausend, Restaurant Chutnify, Jelly Press, Zoom Medienfabrik, Institut français Deutschland, UniFrance, Rumänisches Kulturinstitut sowie die Botschaften von Israel, Spanien, Großbritannien und Österreich. Ein besonderer Dank geht an die Medienpartner Zitty, Freitag, Radio EINS (RBB), Berliner Fenster sowie Unterstützer Manfred Nausester, Agentur Imdahl, Das Imperium, Blumenbeet, Casting Network, Rgk-Coaching, AKW Berlin und den Förderverein des Festivals.
Festivalleiter Bernhard Karl: „Ohne diese großartigen Unterstützer und Ermutiger ist ein solches Festival und der vielschichtige Blick auf das außergewöhnliche Weltkino nicht möglich“.

Um die Welt in einem guten Dutzend Filmen: Seit 2006 zeigt „Around The World in 14 Films“ als ‚Festival der Festivals‘ jeweils zum Jahresende außergewöhnliche Werke des aktuellen Weltkinos aus 14 Ländern rund um den Erdball.

Die Berlin-Premieren werden von Persönlichkeiten des Film-, Kunst- und Kulturlebens präsentiert.

Zuvor feierten die Filme ihre Weltpremieren bei führenden Filmfestivals in Cannes, Venedig, Locarno oder Sundance. Internationale Gäste, Special Screenings, die Verleihung des IFA – Intercultural Film Award und zwei herausragende deutsche Filme des Jahres ergänzen das Programm.
Im Wortsinne bleibt es also nicht bei 14 Filmen. Das Filmfest „14 Filme“ hat sich entwickelt, doch der Titel bleibt allein schon wegen des Wiedererkennungswertes. 14plus gibt es nicht nur zur Berlinale.

Aus Finnland dieses Jahr dabei: „Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki“ von Regisseur Juho Kuosmanen. Basierend auf dem Kampf des in Suomi bekannten Boxers Mäki gegen den Weltmeister aus den USA. Ein Kampf nur des Geldes wegen. Und eine Liebesgeschichte.
Die Berlin-Premiere in Anwesenheit von Regisseur Juho Kuosmanen und der Hauptdarstellerin Oona Airola wurde am 26.11. im Rahmen dieses Festivals gefeiert. Kinostart ist am 5. Januar 2017 im Camino-Filmverleih.

Der Handlungsreisende

Für den Iran ging ins Rennen: „The Salesman“ („Forushande“). Regie: Asghar Farhadi. Rund um Millers Theaterstück „Tod eines Handlungsreisenden“ mit Linda und Willy und dessen Aufführung in Teheran entspinnt sich eine glänzend gemachte und gespielte Geschichte um Schuld, Liebe und Zufall.

Der französisch-iranische Spielfilm, der trotz seiner knapp über 2 Stunden nie den Spannungsbogen oder den Anschluss verliert, obwohl teilweise Alltägliches passiert, startet in der Bundesrepublik Deutschland erst am 2. Februar 2017.

Empfehlung: Erste Februarwoche vormerken, um nicht durch die Berlinale-Berichterstattung abgelenkt zu werden und dadurch vielleicht den „Handlungsreisenden“ zu verpassen.

Apropos Internationale Filmfestspiele Berlin: Dort ist der am 7. Mai 1972 in Khomeini Shahr geborene Regisseur und Drehbuchautor seit Jahren in aller Munde.
2009 erhielt Farhadi den Silbernen Bären für „Alles über Elly“, 2011 den Goldenen für „Nader und Simin – Eine Trennung“. Für letzteren räumte er noch viele andere Preise ab, darunter den Oscar für den „Besten fremdsprachigen Film“. 2012 fungierte er als Jurymitglied des Berlinale-Wettbewerbs.

Weitere Highlights: „Personal Shopper“ mit Kristen Stewart und „Safari“ von Ulrich Seidl.

11. „Around The World in 14 Films“
Bis 4.12.2016

Kino in der KulturBrauerei (Cinestar), Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin

www.14films.de




Ein rohes Ei für die Versager – „Achtung Berlin“ ging zu Ende, „Filmpolska“ legt los und beide Filmfestivals vergeben am 20. April ihre Preise

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Zwei Filmfeste an einem Tag, in der deutschen Hauptstadt nichts besonderes. Doch an diesem Mittwochabend wurde die Gleichzeitigkeit des Geschehens mehrfach thematisiert, filmisch belegt und auf den Punkt gebracht. Der Punkt, an dem sich alles versammelt – die Gegenwart. Jetzt. Das „e“ in jetzt ist ein kurzes, da auf dieses gleich noch eins folgt, und noch eins. Das Volk der Maya, das im Martin-Gropius-Bau in einer der wichtigsten Ausstellungen des Jahres im Fokus steht, sieht die Vergangenheit vor uns und die Zukunft hinter uns.

Warum? Aus einem einleuchtenden Grund: Wir kennen die Vergangenheit, können sie uns ansehen; als stünde oder läge sie vor uns, quasi zu Füßen. Sie ist bekannt. Die Zukunft ist noch verborgen und schleicht sich an, wir können sie nicht sehen, wie alles, was hinter unserem Rücken passiert.

Das Filmplakat der am 20. April mit einer geschlossenen Veranstaltung beginnenden filmPOLSKA-Festspiele zeigt zwischen vielen Linien, die auch die Zeit symbolisieren können, ein mittelgroßes „P“ wie Punkt (oder den ersten Buchstaben von PL). Der Pfahl des P ist in den Boden gerammt, von dem Risse in viele Richtungen gehen – beziehungsweise wächst aus einem Punkt, an dem dreizehn Linien sich versammeln, ein Stamm heraus, an dem eine Seifenblase hängt. Wenn sie zerplatzt, bleibt wieder nur ein Punkt. Punkt.

13 Kinos zeigen polnische Filme bei dieser 11. fP.-Ausgabe, 11 in Berlin, und je eins in Potsdam-Babelsberg und Frankfurt/Oder. An 13 Orten werden Licht und Schatten eines Ortes im nahen Osten gezeigt.

Blase und Punkt sind auch Bilder in Skolimowskis Filmsprache. Jerzy Skolimowski, der zu Beginn seiner internationalen Karriere mit „Der Start“ auf der Berlinale den Goldenen Bären gewann, sagte vor geladenen Gästen und vollem Haus: „Ich habe den Bären nicht bekommen“. Als beklagte er sich darüber, dass er den Bären nicht erhielt. Moderator Knut Elstermann beschwichtigte ihn und meinte, es könne ja nicht so schwer sein nochmal einen nachzugießen und ihn dem Regisseur zukommen zu lassen, schließlich habe sich die Statue seit über sechs Jahrzehnten nicht verändert.

1967, als die Internationalen Filmfestspiele Berlin ihre höchsten Ehren an „Le départ“ vergaben, gab es keine Reisefreiheit und Freizügigkeit für unsere Nachbarn, denn sie wohnten in der Volksrepublik Polen. Die Deutsche wussten, was mangelnde Freiheit, Freizügigkeit und Reise- und Niederlassungsfreiheit im besondernen bedeutet. Am 17. Juni 1953 wurde ein Aufstand in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone brutal niedergeschlagen, in dem es zunächst nur um höhere Löhne ging. Die 50er waren von Flucht und Umzügen gezeichnet, die letzten Kriegsgefangenen kehrten aus der Sowjetunion zurück und die DDR-Bürger, damals noch in Anführungsstrichen, stimmten mit den Füßen ab, da die Volkskammer immer zu 99,x% gewählt wurde. Sie fuhren mit der Berliner S-Bahn nach West-Berlin oder weiter westlich in den Westen. Bis zum Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961. Skolimowskis Film erhielt 1967 die höchste Auszeichnung, aber der Regisseur konnte sie nicht entgegennehmen. Da Schauspieler, Kameraleute und andere Filmemacher nur Silberne Bären gewinnen können, ist der Goldene für den besten Film doppelt besonders.

Das war der Start im Ausland, dann ging es weiter mit vielen Filmen, in denen er auch Figuren mimte. Die Retrospektive seiner Werke bildet einen wichtigen Teil von Filmpolska und läuft im Zeughauskino Unter den Linden. Am 21.4. führte der Schauspieler und Filmemacher, Autor und Maler dort das Publikum in die Reihe ein.

Sein jüngstes Werk „11 Minuten“ wurde am 20. im Babylon gezeigt, wo Skolimowski auf der Bühne stand. 88 Minuten dauert es, 11 Minuten so zu entwirren bzw. zusamenzuführen, dass der Zuschauer es versteht. Die 8 steht liegend für die Unendlichkeit, wofür stehen zwei Achten?

Knut Elstermann fragten den Anwesenden Mann mit Hund (Skolimowski), ob das, was im Film passiert, Zufall oder Schicksal sein solle. Der Meister antwortete mit zwei Zahlen: „Fifty-fifty“. Verraten wird hier nichts, die Deutschlandpremiere des Films „11 minut“ wird auf dem Filmfest München in einem Vierteljahr stattfinden. Der Hund ist auch im Film und die Dolmetscherin war mit Knut Elstermann in einem Jahrgang. Gleichzeitig.

In Saal 1 des Babylons fanden das Gespräch mit Film und eine Preisverleihung statt. In Saal 2 lief „Achtung Berlin“ – gleichzeitig und nach „11 minut“.

Achtung Preisverleihung

Am selben Abend wurden im Filmtheater am Friedrichshain (FaF., siehe Bild) Preise vergeben im Rahmen dieses anderen Festivals, das dieses Jahr eine gute Mischung zeigte.

„Treppe aufwärts“ von Mia Maariel Meyer mit Hanno Koffler beschreibt drei Generationen von Männern in einem Haus und wie in einer Familienaufstellung ihre Spielsucht und Loyalität. Kommen Frauen ins Spiel, wird es besser. Der Film feierte seine Weltpremiere bei den Internationalen Hofer Filmtagen 2015 und kommt für alle, die ihn in Berlin verpasst haben, am 23. Juni bundesweit ins Kino. Wie der positive Titel schon sagt, geht es um Aufbau und Streben nach Glück.

Desire-Previews und Desire hat Premiere

„Desire will set you free“ – Das Verlangen wird dich befreien – ist ein bisschen im LGBT-Bereich angesiedelt und hatte deswegen am 17. eine Preview in Kiel auf dem Transgender-Filmfest. Diese und die folgenden Previews in Anwesenheit des Regisseurs und Hauptdarstellers Yoni Leyser: am 19.4. in Berlin bei ACHTUNG, am 22.4. in Leipzig im Gegenkino – mit Peaches!, am 23. wieder in Berlin // about blank und am 24. April im Babylonkino – in Fürth!

Schillernde Bilder aus einem hedonistischen Berlin floaten dahin – die Schlüsselszene vielleicht der gemächliche, aber nie stoppende Gang durch einen Paradiesgarten in dem sich die Menschen mit Verlangen, aber sanft und anscheinend respektvoll begegnen, als ergäben sie ein großes Ganzes, dessen Teile sich noch kennenlernen wollen.

In Kürze – am 2. Mai um 22 Uhr im Berliner International – dann die Premiere in Anwesenheit von Yony Leyser, Tim Fabian Hoffmann, Peaches, Rummelsnuff und Rosa von Praunheim; anschließend Premierenparty im „Monster Ronson“.

Berlin hat ein International und Parchim auch. „Parchim International“ ist ein Flughafen und ein Dokumentarfilm von Manuel Fenn und Stefan Eberlein. Im FaF wurde „P.I.“ mit dem New berlin film award in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ ausgezeichnet. Begründung der Achtung-Berlin-Doku-Jury: „Man merkt diesem Film einfach an, dass die Macher aus dem Vollen schöpfen konnten, Entwicklungen sichtbar werden und somit auch den Mut beweisen können, Bilder erzählen zu lassen, wo uns häufig etwas erklärt werden soll. Wir sehen in diesem Film exemplarisch die pure Lust, etwas entstehen zu lassen, aber auch den absurden und tragischen Wahnsinn von Kapitalismus. Wir spüren jedoch vor allem die Liebe zum Filmemachen selbst – für uns das überzeugendste Gesamtwerk.“ Der Film startet am 19. Mai 2016 im Verleih von Neue Visionen bundesweit im Kino.

Jonathan Pang ist ein Airport-Investor und hat das Richtige getan. 490.000 Soldaten und ihre Familien sowie anders Personal umfasste die ZGW, die Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte. In Polen standen dagegen nur eine Handvoll Rotarmisten während des Kalten Kriegs. Zum Vergleich: die Bundeswehr hatte seit Ende der 50er 495.000 Mann und die NVA, Waffenbruder der ZGW, 170.000. Diese brauchten schon im Frieden beziehungsweise im Dauer-Waffenstillstand ohne Friedensvertrag seit 1945 Nachschub auch durch die Luft. Im Kriegs- oder Spannungsfall, in dem die Spannung nicht abgefallen wäre, wären weitere Uniformierte, Waffen und Gerät eingeflogen worden, um Ausgefallenes zu ersetzen usw. Ein Flughafen hätte dazu nicht gereicht, war doch die Rote Armee auf viele Standorte verteilt: Wünsdorf mit dem atombombensicheren Hauptquartier, Orte westlich von Berlin, an denen heute die Wölfe heulen – siehe „Grenzbock“, den Dokumentarfilm von Hendrik Löbbert, der seit dem 4. Februar in den Kinos ist – und eben den Militärflughafen in Parchim, dem heutigen neuen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

Der Traum vom Luftkreuz Nordwest und einem quirligen Ort der Globalisierung, den die PR-Leute als wahnwitzig bezeichnen, hatte durchaus Hand und Fuß und war eine Idee, die der Realität näher war als manche Finanzaktion. Mit dieser Vision sollte etwas Reales geschaffen werden, ein Frachtumschlagplatz, der den weltweiten Güterströmen durchaus entspricht. Eine Business-Vision, die Einkommen verspricht und reale Arbeitsplätze schon in der Planungs- und Bauphase. Konversion obendrein. Recycling von nichtnaturierten Brachflächen, die verkehrsgünstig an der Autobahn A24 Berlin-Hamburg liegen.
Viel besser als die faulen Kredite und die unverantwortliche Hypothekenblase („The Big Short“), die die „Finanzkrise“ und „Bankenrettung“ und Wirtschaftskrise auslösten, die jetzt mit der Euroflutung bis hin zum Hubschraubergeld „bekämpft“ wird und werden soll.

Für die Beste Regie erhielt Jonas Rothlaender den new berlin film award für „Fado“. Dieser Film kommt in der zweiten Jahreshälfte ins Kino.

Preise bei Filmpolska

Die Handvoll Preise, die bei Filmpolska gleich zu Anfang vergeben wurden, werden durch ein recht großen, kugeligen Glasgegenstand symbolisiert. Moderator Knut Elstermann verwies die Preisträger mehrfach darauf, dass die Skulpturen wie ein „rohes Ei“ zu behandeln seien. Im Anschluss an das Gruppenphoto mussten die Preisträger bei ihrem Abgang auch die Glaskugeln wieder abgeben, die dann, in Kartons verpackt, den Geehrten zugestellt werden sollten.

Eines der „Rohen Eier“ ging an die Menschen, die sich im „Klub der polnischen Versager“ engagieren, einem der Vorführorte von Filmpolska im ehemaligen Ostberlin. Weitere „Rohe Eier“ gingen an das Wiesbadener Filmfest „Go East“, deren Vertreterin nicht gleichzeitig bei der Eröffnung in Wiesbaden sein konnte und hätte können, aber die Begegnung mit Jerzy Sk., die Möglichkeit, ihn persönlich dorthin einzuladen und die Entgegennahme des Preises der Anwesenheit in Hessen vorzog.
Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel, vom Radio- und Fernsehkollegen Knut Elstermann als „einer der besten Filmkritiker unserer Zeit“ bezeichnet, erhielt ein rohes Ei und hielt eine vorbereitete Dankesrede. Um die Hände freizuhaben für die Mikrophonverstellung und das Redemanuskript musste er seinen zerbrechliche Preis gleich wieder aus der Hand geben.
Schulz-Ojala erzählte von seiner vorigen Stelle, seiner Einstellung als Filmredakteur bei der Berliner Tageszeitung, seiner Liebe zu Polen, die sich in einem Polnischkurs und unzähligen Besuchen äußert.

Alles gleichzeitig

Knut Elstermann verriet uns, dass Schulz-Ojala wie Pal Dardai eine Karte für das am Mittwochabend, 20.4. im Olympiastadion steigende Pokalhalbfinale im Männerfussball habe. Dass nicht nur die Berliner Mauer Familien zerreißen kann, sondern auch die Gleichzeitigkeit von Veranstaltungen: Frau und Kinder schauten in Charlottenburg Hertha BSC gegen Borussia Dortmund (0:3), während Schulz-Ojala sich in Mitte bedankte. Schulz-Ojala machte mit seinen Kindern schon viele Radtouren nach Polen, bevor er beruflich nach Stettin und Posen, nach Breslau, Gdingen und Warschau musste; er nannte an diesem Abend auch alle polnischen Städtenamen.