Ich will was ändern; will doch noch Kinder haben. BE-Persönlichkeiten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Live im Berliner Ensemble (BE). Einer der Protagonisten sagt: „Ich will was ändern; so kann es nicht weitergehen – ich will doch noch Kinder haben.“ Das Stück heißt „Auf der Straße“ und ist von Karen Breece aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Stück eröffnete die Saison 2018/2019 und ist nach wie vor auf dem Spielplan. Bei dem großen Erfolg nicht verwunderlich.

Das Magazin „brand eins“ meldete in einem Beitrag, dass in Hamburg eine Theaterchefin sehr erfolgreich sei und ihr Vertrag vorzeitig verlängert, weil sie anders denkt und Leute ins Theater zieht. Von Auslastungen von 75-80 Prozent ist die Rede. Bei einer Auslastung über drei Vierteln sind alle zufrieden, die Theaterfrau schafft mehr. Ohne die genauen Zahlen zu kennen, können wir versichern, dass „Auf der Straße“ sind in ähnlichen Regionen bewegt oder noch weiter oben, vermutlich bei etwa 85-90 Prozent, wenn man überhaupt Zahlen erwähnen will.

Denn das Stück war in der ersten Saison fast immer ausverkauft. Gespielt wurde im „Kleinen Haus“, das es so nicht mehr gibt. Das Gebäude steht zwar noch, aber bereits eine Saison später änderte sich der Spielort, steht nebenan das neueröffnete „Neue Haus“. Eine Garderobe gibt es und alles nötige, doch ein Baugerüst und einige Improvisationen im Treppenhaus verraten den gerade erst fertigen Neubau, der noch mit Provisorien lebt.

Auf der Bühne gibt es ebenfalls Improvisation. Bei „Auf der Straße“ besonders. Wohl kein anderes aktuelles Stück nimmt so viel Bezug auf aktuelle Entwicklungen. Es wird nicht langweilig, auch beim mehrmaligem Anschauen. Dabei sagt Nico, einer der beiden hauptberuflichen Schauspieler, die sich freiwillig für dieses nicht einfache und gleichzeitig hochinteressante Projekt gemeldet haben, dass ihm Improvisation nicht läge. Bettina Hoppe ist der zweite Profi. Weiterhin sind drei Laiendarsteller dabei und hier wird es besonders interessant.

Ich will was ändern, so geht es nicht weiter

Jeder der drei Laiendarsteller habe eine ganz andere „Karriere“ hinter sich. Die beiden Männer mit wenigen Ähnlichkeiten. Der jüngere von beiden, Psy oder Chris, sagt: „11 Jahre Platte – nichts ist selbstverständlich*.“ Wenn auch mit einer Unterbrechung, sind elf Jahre auf der Straße unglaublich lang und gefährlich. Im Stück ist Psy 29 Jahre alt, fast die Hälfte seines Lebens obdachlos zu sein ist nicht nur viel zu lang, sondern für Wohnungsinhaber unvorstellbar. Wenn man die Jahre des Säuglings und Kleinkinds abzieht, bleibt etwa die Hälfte der Lebenszeit. Zu den Zeiten, zu denen Psy obdachlos war, war es natürlich auch nicht immer rosig. Obdachlosigkeit ist in diesem Fall auch eine Flucht aus unerträglichen Verhältnissen, zum Beispiel häuslicher Gewalt. Prügel, bei Kindern und Jugendlichen.

Am Ende des zweiten Phase des Lebens auf der Straße beschließt Psy, dass es so nicht weiterginge. „Ich will etwas ändern.“ Und: „So geht es nicht weiter.“ Er schlägt es seinem Kumpel vor; die beiden beschützen sich gegenseitig und helfen sich weiter. Schon sehr kurze Zeit später entscheidet sich der weitere Weg. Der Kumpel zieht nicht mit, ist „bocklos“. Doch Psys Entscheidung rettet ihm nicht nur vielleicht das Leben, sondern führt auch dazu, dass er anderen neues Leben schenkt. Er plant, in ein betreutes Wohnen einzusteigen. Bald findet er Arbeit und hilft dabei anderen. Inzwischen hat er seine eigenen Kinder.

Das Stück ist echt, die Sachen sind tatsächlich passiert. Das Leben schreibt Geschichten und nicht alle sind schön. Doch, wie ein anderer der Fünf auf der Bühne sagt: „Das Leben ist nicht nur Scheiße.“ Zum Beispiel nach einem unerwarteten Glücksfall. Er fragt sich, warum ihm solches geschieht – und ist dankbar.

Das Leben kann auch schön sein. Es ist schön.

„Meins ist nicht schön.“ Höchste Zeit für: „Ich will was ändern“.

Aufführungsdaten „Auf der Straße“ im Neuen Haus des BE

Das Theaterstück „Auf der Straße“ im kleinen Haus des Berliner Ensembles am Schiffbauerdamm an der Spree wird vom 7.-9. Februar 2020 gegeben, am 8. um 8 Uhr abends, am 9.2. um 18 Uhr. Eselsbrücken für alle Internetleser, die keinen Zettel dabeihaben: Am Achten um dieselbe Zeit; 18 Uhr am Sonntag ist neun mal zwei am 9.2.

Weitere Termine am 28. und 29. März 2020 und im April an Ostern. Sonntags immer um 18 Uhr, sonst um 20 Uhr. Das Stück dauert etwa zwei Stunden.

*Erklärung des Ausdrucks „Platte machen“: Jargon für ‚in seinem notdürftig hergerichteten ‚Bett‘ schlafen‘, auf der Schlafstelle nächtigen.

Mehr zum Stück im Artikel Im Theater. Jocelyn B. Smith mit Different Voices of Berlin im Brecht-Theater Berliner Ensemble von Andreas Hagemoser.

Zum Thema behaust/unbehaust mehr im Artikel Haus sucht als Kunstwerk Anhänger – Menschenrechte und winzige Häuser von Andreas Hagemoser im KULTUREXPRESSO.




Erlebnisausstellung MÄRCHENWELTEN ist Hamburgs neue Touristenattraktion

Hamburg, Deutschland (Kulturexpresso). Die Erlebnisausstellung MÄRCHENWELTEN in der Hansestadt Hamburg ist ein Fremdenverkehrsmagnet. Einen „soliden Start“ vermeldet die Presseagentur. Nun, so ein Anfang ist nicht stabil, da es ja weitergeht. Aber über 30.000 Besucher in 100 Tagen in der sogenannten Erlebnisausstellung MÄRCHENWELTEN –das ist schon eine gute Zahl in Deutschlands zweitgrößter Stadt.

Hier die Pressemitteilung vom 23.12.2019, genau 100 Tage, also etwas über drei Monate ist die Eröffnung der Erlebnisausstellung MÄRCHENWELTEN her. So wie man in der Politik ein erstes Fazit zieht und bis zum 101. Tag die Politiker schont achtete man hier auch auf das runde Hundert in HH.

Pressemitteilung zur Erlebnisausstellung MÄRCHENWELTEN

„Die Erlebnisausstellung „MÄRCHENWELTEN – Es ist einmal …“ in Hamburgs HafenCity zieht seit [dem] 14. September 2019 die Besucher in ihren Bann. Die Inszenierung von spektakulären Märchen-Szenerien und multimedialen Landschaften mit traditionellen Bühnenbildern ist einzigartig. Zeit, nach 100 Tagen MÄRCHENWELTEN ein erstes Fazit zu ziehen.

Das Fazit nach 100 Tagen Erlebnisausstellung fällt positiv aus: Über 30.000 Besucher aus ganz Deutschland und darüber hinaus sind bislang in die MÄRCHENWELTEN eingetaucht. Ihre Meinung zählt. Daher wertet das MÄRCHENWELTEN-Team rund um Vorstand Matthias Kammermeier Feedback und Eindrücke der Besucher detailliert aus. Vor allem die eingesetzte Technik bekommt dabei großes Lob.“ Die installierte Licht-, Sound- und Computertechnik trägt … „dazu bei, den Besucher für die Dauer des Ausstellungsbesuchs aus seiner gewohnten Realität herauszulösen und zum Helden seines eigenen Märchens im Kampf gegen das Böse zu werden. Durch 360° Grad Wandprojektionen entsteht zum Beispiel über mehrere Minuten die Illusion, selbst durch verschiedene Märchen zu fliegen.

„Schon jetzt haben die MÄRCHENWELTEN einen festen Platz in Hamburgs touristischem Angebot“, sagt Matthias Kammermeier. „Vor allem Kinder und Jugendliche zeigen sich von unserer Erlebnisausstellung begeistert. Auch die Unabhängigkeit vom Wetter hat klare Vorteile für uns.“ Zunehmend gewinnt darüber hinaus die Nutzung des Gebäudes als Event-Location an Bedeutung. Weihnachtsfeiern, Firmenveranstaltungen und auch private Events können für bis zu 300 Gästen in den MÄRCHENWELTEN realisiert werden und werden regelmäßig angefragt – Tendenz steigend. Zudem wird auch die Ausstellung selbst kontinuierlich für ein optimales Besuchserlebnis weiterentwickelt. Hierfür greift das Team ebenfalls auf konkreten Input der Besucher zurück, der kontinuierlich in die Gestaltung der Ausstellung einfließt. Unter anderem diese Weiterentwicklungen tragen dazu bei, dass es auch in Zukunft genügend Gründe für einen Besuch der Erlebnisausstellung MÄRCHENWELTEN am Baakenhafen in der Grandeswerderstraße 5 in Hamburg geben wird.

Über die MÄRCHENWELTEN

„Im Herzen der Hamburger HafenCity hat am 14. September 2019 eine völlig neue Art von Ausstellung eröffnet: „MÄRCHENWELTEN – Es ist einmal …“ Hier erleben die Besucher auf einer Fläche von 3.000 qm, was bisher einzig die Grimm’schen Märchenhelden selbst erlebten: Spektakuläre Märchen-Szenerien eröffnen sich als multimediale Landschaften, in denen sie ihrem eigenen Märchen begegnen. Die Besucher erleben eine einzigartige Kombination aus Kultur und Erlebnis und gehen in ein Abenteuer der besonderen Art. Grimms Märchen und ihre darin vermittelten Werte gehören zu den kostbarsten Schätzen unserer Kulturgeschichte. Sie sind seit mehr als 200 Jahren ein Bestseller und haben nichts von ihrer Magie verloren. Zum Ausstellungskonzept gehört eine integrierte Gastronomie, die als Event-Location für Veranstaltungen mit rund 300 Gästen genutzt werden kann.

Erlebnisausstellung MÄRCHENWELTEN bald an der Spitze

des Strandkais. „Voraussichtlich 2023 ziehen die MÄRCHENWELTEN vom Baakenhafen zur Kaispitze des Strandkais gegenüber der Elbphilharmonie um, eine der Toplagen der HafenCity (Eigenschreibung).“

Der Stadtteil Hafencity mit mehreren länglichen Kais, die untereinander mit Brücken verbunden sind, ist neu und voller Neubauten. Das meistphotographierte Gebäude Hamburg, die Philharmonie, findet sich hier und die Messmer-Teewelt mit Ausstellung. Die zentrale Lage zwischen Hauptbahnhof und Landungsbrücken garantiert gute Erreichbarkeit mit S- und u-Bahn; man kann die Gegend aber auch vom Bahnhof aus erkunden. Wer Zeit hat und gut zu Fuß ist, kann nicht nur Greta und den Schustern einen Gefallen tun, sondern auch sich selbst. Man sieht zu Fuß besser und die Luft außerhalb der U-Bahn ist in Hamburg nordisch frisch, salzig.

Weitere Informationen unter www.maerchenwelten.net.

Erlebnisausstellung MÄRCHENWELTEN, Grandeswerderstraße 5 in Hamburg an der Elbe; am Baakenhafen.




Kunstauktion des Vereins Kunst für Bildung; Bildung für Kinder 2019

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Kunstauktion des Vereins Kunst für Bildung des Jahres 2019 steht unter dem Motto „Kunst kann bewegen – aus Kunst wird Bildung“. In modisch-künstlerischer Eigenschreibweise sind die drei Wörter „Kunst für Bildung“ sämtlich kleingeschrieben. Gebildete wissen, wie es richtig geschrieben wird, dem Rest kann geholfen werden. Die Versteigerung in der Königin-Luise-Stiftung in der Dahlemer Podbielskiallee kann man von zwei Seiten betrachten. Der eine ist der Wohltätigkeitsaspekt.

Für welchen guten Zweck die Erlöse der Kunstauktion des Vereins Kunst für Bildung verwendet werden

Im siebten Jahr wird mit dem Auktionserlös demokratische, kostenfreie und nachhaltige Schulbildung für geflüchtete syrische Kinder und Jugendliche in der Türkei und im Norden Syriens unterstützt. Zum zweiten Mal das Projekt „Loyola.Tranzit“.

Kinder und Jugendliche der „benachteiligten Ashkali-Bevölkerung“ im Kosovo erhalten musikalische Förderung und Schulunterricht.

Die Klasse der Künstler: Nol Hennissen

Der ganz andere „angle“ ist der Blick auf die Kunst und die Künstler. Wer glaubt, nur „schlechte“, also marktferne Künstler oder die, die sich für wenig Geld verkaufen, spendeten für Wohltätigkeitsversteigerungen, irrt.

Die untenstehende Liste der Künstlerinnen und Künstler 2019 sagt dem Uneingeweihten vielleicht wenig. Doch sind bekannte Namen darunter.

Nehmen wir einmal Nol Hennissen.

2000 war er Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendiat. Dabei handelt es sich um ein postgraduales Stipendium für hervorragende künstlerische Leistungen, das mit 37.000 Euro dotiert ist. Er erhielt die Auszeichnung zusammen mit dem 1968 in Göttingen geborenen Konzeptkünstler Christian Jankowski und dem Hamburger Künstler Volker Lang.

Hennissens Kollege Volker Lang und sein Terrassenhaus

Lang ist seit den 90er Jahren in der Kunstwelt bekannt („Zwischen den Straßen“, Soltau) und seit 2001 darüberhinaus. Seine Holzobjekte und -häuser stehen in Lübeck-Travemünde – „Wellenhaus“ – und Hamburg. „Südwärts“ steht seit 2005 in der Hafencity, das Mahnmal für die „Opfer des Feuersturmes“ in Rothenburgsort, einem Stadtteil zwischen Bille und Norderelbe, ähnlich lange. Es wurde anlässlich des 60. Jahrestages der „Operation Gomorrha“ errichtet. Britische Flächenbombardements im Juli und August 1943 verursachten vor allem in den östlichen Stadtteilen aufgrund der sommerlichen Witterungsbedingungen Feuerstürme, denen eine unbekannte Zahl von Menschen zu Opfer fielen. Man schätzt weit über 30.000 Tote. Viele konnten nicht identifiziert werden. Es waren so viele, dass sie auch außerhalb Hamburgs bestattet werden mussten, zum Beispiel auf dem Zentralfriedhof in Lüneburg.

Die vorherrschende Vorkriegsbebauung Rothenburgsorts waren die sogenannten „Terrassenhäuser“ vornehmlich für Arbeiter. Einem solchen ist das Denkmal nachempfunden. Es ist allerdings zweieinhalbmal so klein, eine Miniatur. Innen: Erlebnisberichte und literarische Texte. Öffnungszeit: Jeder erste und dritte Sonntag im Monat von 14-16 Uhr.

Für das Stipendium muss man vorgeschlagen werden. Hennissen befindet sich also in guter Gesellschaft.

Hennissens Highlights

Ein weiteres Höhepunkt ist die Marktkalle 2 in München-Hasenbergl, die der Architekt Peter Ottmann 2003 zusammen mit ihm errichtete.

Hennissen nahm 2011 an der Kunstaktion „Situatives Brachland-Museum“ in Bochum teil. Künstler warfen ihre Kunstwerke absichtlich über der Zaun einer Brache. Extra für den Zweck entworfene Kunst, die nie legal betrachtet werden kann. Das einzige Museum, von dem ich je hörte, das mit dem Hinweis “ immer geschlossen, bis 2.10.“ aufwarten kann. ( mehr dazu in einem Artikel in der WA vom 23.9.2011 https://www.wa.de/kultur/situative-brachland-museum-bochum-1418275.html ).

Sichtbarer ist der Adler im Bayerischen Landtag.

Künstler der Kunstwerke auf dem Flyer

Die Abbildungen auf dem Handzettel scheinen dem einen oder anderen bekannt vorzukommen. Die entsprechenden sechs Kunstwerke sind von P. Burn, N. Gebauer, C. Niemann, G. Thumbach, C. Weihrauch und T. Wirthmüller.

Insgesamt ein hochwertiges Event, das sowohl aus künstlerischer als auch anderer Sicht interessiert.

Kunstauktion des Vereins Kunst für Bildung: Die Liste der Künstler

Es sind: Christian Awe, Bettina Bechen, Alex Bley, Gudrun Brückel, Paul Burn, Rilo Chmielorz, Christa Joo Hyun D‘Angelo, Albrecht Fersch, Jeanno Gaussi, Norman Gebauer, Christian Grams, Julia Gunther, copyright hakowo, Annegret Hauffe, Nol Hennissen, Christina Herbst, Andrea Imwiehe, Petra Jakob, Stephan Jung, Beate Köhne, Annette Kühl, Ingo Kühl, Hans-Christian Kuhnow, Daniela Kwee, David Meskhi, Christoph Niemann, Professor Dierich Noßky, Khereddin Obed, Matthias Pabsch, Jörg Olberg,Henrietta PitschPatsch (Eigenschreibweise), Lilla von Puttkamer, Karolin Reichardt, Corinna Rosteck, Christian Rothmann, Susanne Schirdewahn, Ilona Schmidt, Michael Sowa, Franziska von Stenglin, Georg Thumbach (s.o., Abb. siehe Flyer), Jutta-Maria Walter, Caroline Weihrauch (dito), Toni Wirthmüller (dto.) und Katja Wolf. 44 an der Zahl.

Die Veranstalter

Veranstalter: Kunst für Bildung. Bildung für Kinder e.V. zugunsten von Jusur-Brücken e.V. und dem Rotary-Club Berlin-Potsdamer Platz.

Auktionator: Kristian Jarmuschek.

Auktionen zu wohltätigen Zwecken haben Tradition, wie diese anlässlich der Erdbebens in Mexiko im Herbst 2017.

Königin-Luise-Stftung, Podbielskiallee 78, 14195 Berlin




Wieder freie Fahrt nach Sylt. Einschränkungen an der Bahnstrecke beendet

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Freie Fahrt nach Sylt! Das nördlichste Urlaubparadies Deutschlands ist wieder erreichbar. Lange fuhr man mit der Bahn über Tønder und dann zu einem Küstenort mit Schleuse. Dort stieg man in ein Bäderschiff beziehungsweise eine Fähre nach Munkmarsch um. Das liegt etwas oberhalb des langen mittleren Landrückens Sylts, der über Keitum und Archsum weit nach Osten ragt. Die Zeit: Wir sprechen vom Deutschen Reich. In der Kaiserzeit. Als es noch kein Frauenwahlrecht gab. Es der Wirtschaft gutging. Deutschland hatte sogar Kolonien. Wir sagen das ganz wertfrei. Trotzdem reisten zu Zeiten, als viele nicht wussten, was eine Kokusnuss ist, eine Passionsfrucht oder eine Ananas, viele Deutsche nicht zu den Marianen, Neumecklenburg oder in Bismarckarchipel. Im Stillen Ozean, dem Pazifik. Sie reisten auch nicht nach Qingdao in China, das heute durch das Tsingtaobier bekannt ist. Oder nach Deutsch-Südwest.

Das ist Geschichte – der Weg nach Sylt

Sondern nach Sylt. Durch den unseligen Ersten Weltkrieg – Kriege sollten verboten werden, und zwar umgehend! – gelangte Deutschland erst ins Hintertreffen und dann ganz nach unten, von den Millionen Toten ganz zu schweigen. Die Reisen der Deutschen blieben damals oft innerhalb des Reiches, und das nicht wegen der Kohlendioxidnebenwirkungen.

52 kleine und große Eskapaden von SANKT PETER-ORDING BIS SYLT, Buch von Elke Weiler. Der Titel sollte nicht missverstanden werden! Wenn hier SYLT großgedruckt ist, führt bei den ersten 20 Abstechern nur einer auf die Insel. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Nach Sylt wollte man auch nach 1918. Doch war der Weg über Tønder zwar nicht versperrt, führte aber bald übers Ausland, da der Ort im Norden Schleswigs liegt, der nach einer Volksabstimmung 2020 zu Dänemark geschlagen wurde.

Am 6. Juli jährte sich zum 99. Mal die Unterzeichnung des Übertragungsvertrages in Paris 1920. Schleswig wurde geteilt und ist es bis heute. Nur der Süden blieb beim Deutschen Reich. Das förderte den Bau eines Dammes nach Sylt, der als Hindenburgdamm bekannt wurde.

Munkmarsch ist seitdem aus dem Bewusstsein verschwunden. Früher war es das Tor zur Insel.

Sehr starke Brückenbeschädigung

Am 1. Juli 2019 beschädigte ein „zu hoch aufragender Lastenkran“ (bahn.de) eine Eisenbahnbrücke bei Langenhorn. Gemeint ist nicht das Hamburger Langenhorn, sondern der kleine Ort, der näher an der dänischen Grenze liegt; mit einem Bahnhof an der Marschbahn. Die Marschbahn ist eine Bahnstrecke, die in gebührendem Abstand mehr oder weniger entlang der Westküste Schleswig-Holsteins verläuft, der Nordseeküste. Auf der Marschbahnstrecke fahren heute IC und RE (Regionalexpresse).

Durch die Kollision stand etwa bis Dienstag, den 23. Juli nur noch die Strecke Bredstedt-Niebüll zweigleisig zur Verfügung.

Die durch den Unfall plötzlich nur noch eingleisig verlaufende Strecke führte zu einer Befahrbarkeit im Stundenabstand. Zwischen Husum und Niebüll. Der Fahrplan musste abrupt geändert werden.

Und das ausgerechnet mitten in der Ferienzeit. Schulferien hatte zum Beispiel das Land Berlin. Von dort aus verkehrt ein direkter Zug nach Sylt und zurück.

Freie Fahrt nach Sylt – seit dem 24. Juli wieder

Nun sind, rechtzeitig bevor die Hochsaison vorbei ist, die Einschränkungen aufgehoben. Seit Montagnachmittag 22.7. ist die Strecke wieder einschränkungslos befahrbar, meldete DB-Fernverkehr für die Intercitys. DB Regio Nord meldete, „unsere Züge“ „verkehren“ ab 24. Juli 2019 „wieder wie gewohnt“ (sic). Das betrifft die REs. Dem Ferienspaß steht von Bahnseite nichts mehr entgegen und Autofahrer haben eine Ausrede weniger.

Fahrplan-Nachwirkungen bis 26.7.2019

„Seit Montagnachmittag (22.7.2019) ist die Strecke zwischen Husum und Niebüll wieder ohne Einschränkungen befahrbar.“ Und: „Unsere IC-Züge verkehren wieder wie geplant von/nach Westerland/Sylt und Dagebüll Mole“, meldete die Deutsche Bahn AG aktualisiert am 23.Juli. Dabei war es wohl nicht möglich, sofort wieder nach Fahrplan zu fahren; denn es hieß weiter, das am Mittwoch, den 24. und Donnerstag, den 25. Juli 2019 abweichend von der Reiseauskunft ein anderer Fahrplan gilt. Dafür bat die Bahn ausdrücklich um Entschuldigung. Es betrifft die ICs 2374 und 2375 von Hamburg-Altona nach Westerland (Sylt) und zurück. Mit Unterwegshalten, wie es so schön heißt, Richtung Sylt in Itzehoe, Heide, Husum und Niebüll. Beziehungsweise umgekehrt.

Ab Freitag, den 26. Juli sind diese Intercityzüge wieder im Netz abrufbar: www.bahn.de/reiseauskunft.

Gedächtnisstützen

Wer sich die Zwischenhalte zwischen Hamburg und Westerland nicht merken kann, sie sind von Hamburg an alphabetisch sortiert. Nur Itzehoe ragt heraus.

Der Zug fährt von

Hamburg-Altona erstmal nach Itzehoe (Eselsbrücke I sieht aus wie = 1, erstmal ..), weiter geht es alphabetisch

Heide,

Husum,

Niebüll,

Westerland.

Wer sich nicht merken kann, wo Westen ist, könnte sich Hamburg – Westerland merken: Das Land um Westerland liegt westlich der Hansestadt.

Und die Moral von der Geschicht‘? Kran flachhalten!

Sonst wird der Lastenkran zu einer Last.

Herausragend ist halt nicht immer gut.




Von Wismar nach Hamburg, von Backsteingotik und Hafengeburtstag

Wismar, Hamburg, Deutschland (Kulturexpresso). Auf historischer Fahrtroute durch Kattegat und Skagerrak verbindet die „MS Astor“ Ostsee und Nordsee.

Mit ihren dicken Bäuchen strotzten die
alten Hansekoggen vor Selbstbewusstsein. Standen sie doch symbolisch
für den Reichtum im nördlichen Europa, der sich unter dem Schutz
des Hanse-Bündnisses beständig vermehrte. Ihnen gegenüber, so weiß
es nicht nur die Legende, standen die gefürchteten Vitalienbrüder
um Klaus Störtebeker, die den Koggen auflauerten, um sich deren
Ladung als fette Beute selbst einzuverleiben.

An diese blutigen Auseinandersetzungen erinnert noch heute die traditionelle Schifffahrtsroute von der Ostsee hinüber zur Nordsee als der in jenen wirren Zeiten am meisten befahrene Seeweg Nordeuropas. Normalerweise war dies eine überschaubare Fahrtroute, die es wegen der von den Piraten verursachten Tücken und Gefahren jedoch in sich hatte.

Hansestädte als Welterbe

Backsteinarchitektur der Wismarer Nikolaikirche. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Dieser alte Seeweg wurde im Verlauf der
Jahrhunderte jedoch nicht nur weiter genutzt, sondern entsprechend
den jeweiligen technischen Möglichkeiten auch weiter ausgebaut. So
spannt sich auch heute der Bogen des neuen Reiseabenteuers von der
Hansestadt Wismar bis hin zur Hansestadt Hamburg, die sich beide
wegen ihrer kulturellen Vorzüge inzwischen sogar als „Welterbe“
bezeichnen dürfen.

Natürlich haben sich im Verlauf der
Zeit auch die Schiffstypen verändert, die auf dieser Route das
Meerwasser durchpflügen. Eines von ihnen ist die „MS Astor“,
eine ältere Dame mit Erfahrung, die offensichtlich weiß, worauf es
ankommt. Neben einer modernisierten Ausstattung bietet sie vor allem
den Vorteil einer überschaubaren Größe. Schon heißt es „Leinen
los!“, und unter den Abschiedsklängen eines Shanty-Chors
verschwindet Wismars Nikolaikirche als imponierendes Zeugnis
gotischer Backsteinarchitektur im zarten Schleier des Küstennebels.

Skandinavische Atmosphäre

Feierlicher Abschied in Göteborg. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Bereits am nächsten Morgen ist das südschwedische Malmö in Sicht. Eine imponierende Küstenstadt, die lange Zeit unter dänischem Einfluss stand. So erging es auch der Stadt Göteborg. Bezaubernd präsentiert sie gepflegte Bauwerke aus unterschiedlichen Stilepochen und hat sich in der Altstadt ihre wohnliche Tradition bewahrt. Auch nahe gelegene Küstenstädtchen wie Klädesholmen versprühen mit ihren weißen Holzhäusern unter strahlend blauem Himmel eine unverwechselbare skandinavische Atmosphäre.

Romantisch und wehrhaft zugleich zeigt
sich nach Passieren der norwegischen Staatsgrenze das Städtchen
Frederikstad. Unweit des Oslo-Fjords präsentiert es sich gar als
eine der mächtigsten Festungsanlagen im gesamten skandinavischen
Raum. Sie erbringt, wie bereits der Name verrät, ebenfalls den
Beweis für die einstige Vorherrschaft Dänemarks.

Bewunderte Großsegler

Kruzenstern und Mir vor Landungsbrücken. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Nach Kristiansand gerät mit dem neuen
Kurs der „MS Astor“ in Richtung Hamburg immer mehr „das
schönste Straßenfest der Welt“ ins Blickfeld. Ausgelassene
Stimmung liegt über dem Hafenbezirk. Doch dann richtet sich das
Interesse auf die bunte Schiffsparade auf der Elbe, die bei den
Zuschauern an den Landungsbrücken eine feierliche Atmosphäre
hervorruft. Vor allem sind es die Großsegler, die Bewunderung
erwecken. Besonders in dem Moment, wenn sie sich in Richtung
Elbphilharmonie fortbewegen, deren schmucke Fassade als eine
strahlende Kulisse dient.

Endlich kommt er zurück, der Star der diesjährigen Einlaufparade. Es ist die heute unter russischem Kommando stehende „Kruzenshtern“, der einzige heute noch im Einsatz befindliche P-Liner, der einst unter dem Namen „Padua“ mit Salpeter beladen die Südspitze Amerikas umrundete. Gerade hat das Schiff vor den Landungsbrücken festgemacht und lässt sich nun aus verschiedenen Perspektiven bewundern. So wie auch all die anderen Modelle einer vielfältigen Schifffahrtstradition, die ähnlich wie die Hansekoggen wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg Europas beigetragen haben.

Reiseinformationen „Hanse mit MS Astor“:

Bug der MS Astor bei Ausfahrt in Göteborg. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

An- und Abreise: Abreise und Ankunft sind nicht identisch! Mit der Bahn nach Wismar zur Einschiffung; zurück mit der Bahn ab Hamburg; bitte Pass oder Ausweis nicht vergessen!

Reisezeit: Besonders zum Hamburger Hafengeburtstag: 08.-10. Mai 2020; 07.-09. Mai 2021; 06.-08. Mai 2022

Auskunft: Transocean Kreuzfahrten, Rathenaustraße 33,63067 Offenbach, Telefon: 069-800 871650; Email: info@transocean.de; Web: www.transocean.de

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde unterstützt von Transocean Kreuzfahrten.




Calanda kommt auf den Geschmack – Zum Kriminalroman „Versuchung“ von Florian Harms

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Privatermittler Calanda, der aufs Suchen von Personen spezialisiert ist und meist findet, fliegt von Hamburg nach Zürich, um von seinen neuen Auftraggebern Informationen einzuholen. Dort kommt der Mann, der „in kenntnisreichen Kreisen einen exzellenten Ruf“ genießt und selbstredend Diskretion groß schreibt, nicht nur buchstäblich auf den Geschmack, sondern setzt selbst dann „ein betont teilnahmsloses Gesicht“ auf, wenn er die Witterung aufgenommen hat.

Das Geld des Mannes, der als zuverlässig und vertrauensvoll gilt, kommt von den hohen Herren eines Lebensmittelkonzern, die in ihrer Gier nach Profit anderen zuvorkommen wollen und niedere Methoden kennen, koste es, was es wollen, um an das Begehrte zu gelangen.

In den Geschichten, zu den Florian Harms in seinem Debütroman „Versuchung“ ausholt und die ausschweifend erscheinen mögen, aber im Laufe der Ereignisse und Erzählung zu einem Strang verknüpft werden, der – nebenbei bemerkt – hält, was er verspricht, wird viel gekostet und selbstverständlich kostet das in einem Kriminalroman Menschenleben, die auch die Bewahrer eines der letzten großen Geheimnisse der Menschheit in Kauf nehmen.

Dabei soll Calanda, der auch auf den Geschmack kommt, für den Schweizer Lebensmittelkonzern eigentlich nur August Lieblig suchen und finden. Dieser ist auf der Suche nach seinem verschollenen Vater irgendwo über der Wüste Nordafrikas abgestürzt. Wohin ist Lieblig verschwunden – und was hat er über den neuen Geschmack, den das Schweizer Unternehmen gefunden zu haben glaubt und der eine außerordentlich starke Wirkung auf die menschlichen Sinne haben soll, herausgefunden?

Nicht nur der Privatermittler, auch die anderen Protagonisten des Thrillers, bei dem der Leser auch etwas über die Errungen- und Machenschaften der Biotechnologie beigebracht bekommt, schlittern von einem Erlebnis zum anderen und treffen auf schillernde Persönlichkeiten zwischen Rommel und Rendite, Himmel und Hölle, Al-Dschadida und Aleppo.

Dabei nimmt Florian Harms als wort- und weltgewandter Autor seine Leser zwar mit auf eine Reise von Marokko bis Syrien, wobei er immer wieder zwischen Okzident und Orient wechselt, dass man wir werden möchte, doch es ist eine mit hü und hott, hin und her. Nicht nur das, Harms hüpft auch durch die Zeiten und führt den einmal gefesselten Leser mit in eine Welt aus Tausendundeine Erzählung, die den in Sachen Morgenland unbeschriebenen (besser: vorverblödeten) Blättern über die literarische Form einen scheinbar leichteren Weg ebnet, um Leute und Länder besser kennenzulernen.

Vor dieser Leistung, seine Erkenntnisse, die im Wesentlichen auf Erfahrungserkenntnisse basieren, umgangssprachlich zu vermitteln und also das Verstandene mundgerecht zu erklären, zu erläutern, zu erzählen, damit jeden die nicht nur einfach so hingeschriebenen Happen schlucken kann, sondern auch verdauen, muss man großen Respekt haben. Das bedarf nicht nur Talent, sondern viel Fleiß und also Zeit.

In diesem Buch steckt ein gutes Stück Florian Harms, der 1973 geboren wurde und sowohl in Freiburg im Breisgau als auch in Damaskus Islam- und Politikwissenschaft studierte.

Dass die Feder des Bildungsbürgers und hauptberuflich tätigen Formulierers hier und da etwas zu bemüht geführt wird, das darf man bei seinem ersten Roman getrost überlesen, denn mit diesem fiktionalen Text dürfte Harms mehr zur Völkerverständigung beigetragen haben als unzählige themenzentrierte Texte Abertausender von Journalisten.

Bibliographische Angaben

Florian Harms, Versuchung, Kriminalroman, 448 Seiten, Format: 14.5 x 21.0 cm, Verlag: Benevento, ISBN-13: 9783710900570, Preise: 20 EUR (A), 20 EUR (D), 28,90 SFr, E-Buch: ISBN-13 9783710950803, Preise: 15,99 EUR (A), 15,99 EUR (D), 23 SFr




Ein Buch wie ein Blog – Zum Jodel-Buch „Von Salat schrumpft das Bierfach“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wer oder was ist Jodel? Für Kritiker ist Jodel ein Topf voll Scheiße. Punkt.

Netter formuliert ist das eine Applikation für ein Soziales Forum oder Netzwerk. Dahinter scheinen weniger kluge Köpfe als vielmehr Eigentümer und Geschäftsführer der Jodel Venture GmbH mit Sitz in Berlin zu stehen, denen am Ende des Tages Moneten wichtiger sind als Menschlichkeit.

Seit Monaten mischen Sie mit bei der totalen Reklame.

Ist es nicht so, dass Soziale Netzwerke „die Kernfundamente des menschlichen Verhaltens“ untergraben? Freue sich, wer das kennt. Und wer das nicht kennt, der greife zum Buch „Von Salat schrumpft das Bierfach“. Auf 192 Seiten solle „das Beste von Jodel aus 15 Städten“ geboten werden.

Die Städte sind Aachen, wo alles seinen Anfang nahm mit der Jodel-App, aber auch die Millionenstädte München, Hamburg und Berlin. Großstädte wie Düsseldorf und Köln, Frankfurt, Stuttgart, Hannover, Mainz, Mannheim und Münster sind dabei aber mit Wien noch eine weitere deutsche Hauptstadt. Das dazu.

Das Buch bietet in seinen Teilen und in Summe eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage. Wer das immer noch nicht begreift, der frage Chamath Palihapitiya oder befasse sich mit Fragen rund um das weite Feld des Überwachens und Strafens.

Bibliographische Angaben

Von Salat schrumpft das Bierfach, Das Beste von Jodel aus 15 Städten, 192 Seiten, Gewicht: 297 g, Broschur, Verlag: Riva, München, 1. Auflage 2019, ISBN Papier: 978-3-7423-0722-4, Preis: 14,99 EUR (D), ISBN (E-Buch (PDF): 978-3-7453-0327-8, ISBN E-Buch (EPUB, Mobi): 978-3-7453-0328-5




Hamburg-Reise-Broschüren, in der Mitte das Buch 52 kleine und große Eskapaden in und um Hamburg, Ab nach draußen

Das vorzügliche Hamburgbuch in der Reihe Eskapaden von Volko Lienhardt und Stefanie Sohr … in und um Hamburg

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eskapaden, das sind Abstecher, Ausflüge und Miniurlaube: Kurz und knackig auf 2 Seiten erfährt man alles was man wissen will und wenn das nicht reicht, auch noch die wichtigsten Links und Adressen. Frisch, humorvoll und ungewohnt geschrieben von Stefanie Sohr, von der auch das Untertitelmotto stammt. „Ab nach draußen“ steht klein auf der Mitte des Umschlags. Sohrs Kindheitstrauma. An der Schlei mit ihren übers Jahr vielen Regenschleiern war es Frau Sohr als Mädchen völlig schleierhaft, warum man immer raus sollte. Inzwischen hat sie es verinnerlicht und es gibt kein Halten mehr. Das beschert uns 52 Touren nach Hamburg und in die angrenzenden Bundesländer.

Eskapaden – Photographie

Volko Lienhardt ist der vollkommene Reisephotograph, nicht nur, weil er Paddeln, Radfahren und lange Strecken wandern kann.

Seine Bilder sind mindestens souverän, oft aber wie Gemälde, die den Blick träumerisch-meditativ verweilen lassen: eine Baumflucht in Haseldorf auf Seite 100, eine weitere auf S. 70 aus dem Nienstedter Hirschpark, die nur wegen der Buchmitte und des Ausschnitts wenig zur Geltung kommt. Rund der aktuelle Ausblick über die Dächer Hamburgs auf S. 74 im Kapitel „Schau auf diese Stadt“ – frei nach Ernst Reuter – durch die Bullaugen von St. Petri. Im Verbund mit dem Layout ergibt sich ein an drei Seiten vom Fenster rund umrahmter Bildausschnitt – an der vierten Seite hat das Buch selbst eine runde Ecke. Wunderschön spiegelt sich die Sonne auf dem Wasser in Entenwerder und selten fesch blickt die Möwe in Finkenwerder, keck das linke Beinchen hebend(S. 82). (Das alte Schild von Hertas Stübchen weist wie so oft den Fehler mit dem Apostroph auf. Da kann der Photograph natürlich nichts für.)

Alles mit Liebe

Doch nicht nur der frisch-freche Text, der einen flott von einer Wesentlichkeit zur nächsten zieht, Lienhardts Photos und das Layout von Carolin Weidemann sind liebevoll, auch der Umgang der Mitarbeiter untereinander scheint es zu sein. Zumindest weiß die Autorin genau, was Liebe ist.

Tour 40 beginnt so: „… die Lieblingsperson im Schlepptau. Idealerweise eine, mit der man stundenlang quatschen oder irre gut schweigen kann. Denn dieser Tag wird lang und herrlich auf einer der schönsten Wanderstrecken überhaupt.“

Beim Sprung ins kalte Wasser lesen wir:

„Und wie das eben so ist: Eine neue Liebe lässt einen Dinge tun, die man zuvor nie für möglich gehalten hätte“. „Da denkt man im kurzen, weichen Gras … vielleicht zum ersten Mal im Leben darüber nach, an einem Grünstrand zu baden“(Textstelle wiederzufinden in Tour 47 zur Meldorfer Bucht.)

Mein Buch, das hat ‘ne Ecke – und die Ecke die ist rund

Insgesamt eine total runde Sache. Nicht nur an der Ecke – des Buches, die gegenüber vom Kapital – das ist das obere Ende des Rückens – abgerundet ist. Auch ein Erkennungszeichen! Nachdem ich, immer noch begeisterungstrunken, hinten hinter den farbigen Landkarten und der Seite „Gut zu wissen …“ zufällig zum Impressum vorgedrungen bin, sehe ich höchsterfreut, dass es noch weitere Bände im selben Layout, also Design, gibt.

Eine Reihe Eskapaden

Eigentlich müsste Monique Sorban noch einen Orden oder einen ITB-BookAward bekommen. Soweit wir wissen, gibt es die Rubrik „Reise-Reihe“ bei den BuchAwards der weltgrößten Reisemesse noch gar nicht. Könnte man mal vorschlagen, oder Sorbans Reihe als Preisträger. Das zufällig aufgestöberte Impressum, das sich mit dem Hinweis auf die bisher drei anderen Titel der Reihe Eskapaden auf der drittletzten Seite des Hamburgreiseratgebers versteckt, verrät, dass Monique Sorban die Reihe konzipiert hat. Doch nicht nur das Konzept stammt von ihr. Die Redakteurin, die sich im Dumont-Reiseverlag um die illustrierten Bücher kümmert, mischte auch beim Projektmanagement mit.

Man kann ich vorstellen, was der Autor dieser Rezension demnächst auf seiner Wunsch- und Bestellliste hat. Als Merkwort hat er OBST festgelegt, führen doch die anderen Eskapadenbücher an die Ostsee, nach Berlin und Sylt …

Das Konzept ist einfach
hervorragend. Schon vor dem Inhaltsverzeichnis ist die einfache
Aufteilung des Buches zu erkennen: 4stündige Abstecher, 12stündige
Ausflüge und 36stündige Miniurlaube sind in dieser Reihenofolge im
Angebot. Wer einen Tag Zeit hat, hat demnach die Wahl zwischen einem
Halbtagesausflug oder einem kürzeren Programm, das er kombinieren
kann mit einem Tee-Besuch im Momentum, einem Umstreifen der vielen
Museumsschiffe oder einem Spaziergang durch die rund um die Uhr
geöffnete Science-Fiction-Architektur der Hafen-City.

Was waren Eskapaden nochmal?

Großes Eskap, kleines Aden, besser, wir verlieren jetzt nicht den Faden. Der Rechner, den der Autor zum Niederschreiben dieser Zeilen benutzte, hat links oben eine Taste „ESC“. Trotz der Großbuchstaben, die auch die Zeichnerin gern benutzt, bedeutet das nicht European Song Contest, die Nachfolgebezeichnung des Grand Prix Eurovision de la Chanson . Mit Escape (flüchten, fliehen, raus hier) ist man schon ganz nah an der Bedeutung dran. Ab nach draußen – remember?

Gibt es wirklich nur Gutes über die Eskaden im Allgemeinen und die Hamburger im besonderen zu sagen?

Ja. Bei dem einzigen festgestellten Fehler handelt es sich um einen überzähligen Buchstaben. Wäre der Autor dieses kleinen Beitrags nicht auch Redakteur und Korrekturleser und stammte aus der Urlaubsregion, umd die es auf Seite 176 geht – die Lüneburger Heide – wäre es vielleicht auch gar nicht aufgefallen. Viele Leser sind vielleicht nicht so wach, wie der Wachholder vermuten lässt. In der Heide rund um Undeloh und Wilsede wächst Wacholder wild, die Beeren würzen oder werden zu geistreiche Getränken gebrannt. In Norddeutschland auch Machandelbaum genannt, ist der immergrüne Juniperus, wie er botanisch heißt, auch ein guter Sichtschutz an der Grundstücksgrenze. Neben Garagen fängt er das ganze Jahr über die Autoabgase des Nachbarn ab und wandelt sie teils in Sauerstoff um.

Wieviel würzigen Sauerstoff es im Naturpark Lüneburger Heide gibt, in dem zudem nur Kutschen erlaubt sind, kann man sich nur vorstellen, bis man mal da war. Ob man die Stille oder die frische Luft mehr genießen wird oder gar die vielen Sterne am nächtlichen Himmel, kann jeder selbst mit Freude herausfinden.

Ob das der Grund war, wissen wir nicht, doch der erste Miniurlaub in die Hamburger Umgebung führt über Buchholz in der Nordheide nach Handeloh und von dort zu Fuß nach Schneverdingen.

Exkurs Autokennzeichen und Buchstaben

Vielleicht ist der Wachholder ja auch kein Fehler, sondern ein Code. Ein Hamburger – Volko Lienhardt kam über London, Tokyo und Prag hierher, Stefanie Sohr stammt von der Schlei und aus der Schweiz, der Holsteinischen – sieht jeden Tag das HH vor Augen auf Autokennzeichen. Hansestadt Hamburg macht zwei Buchstaben, obwohl die Größe der Stadt – seit Jahrzehnten Nummer zwei in Deutschland – nur einen Buchstaben nötig macht.

Als Kind hat den Verfasser dieser Zeilen diese Unlogik irritiert. Kleinere Städte wie Stuttgart, Düsseldorf oder Köln unterzeichneten mit dem Anfangsbuchstaben auf dem Blechschild. Obwohl erstere Landeshauptstädte sind reicht doch keine an die Million heran. Das schafft München mit seinem M und natürlich die größte Stadt Berlin mit dem B.

Hamburg hätte das H verdient, macht sich jedoch freiwillig klein indem es den Buchstaben verdoppelt. Hannover, Landeshauptstadt mit sechsstelliger Einwohnerzahl, ist der glückliche Gewinner der Einzel-Hs. Auch Lübeck machte sich klein und bestand als Hansestadt auf einem HL. Leipzig hatte als DDR-Gemeinde mit dem landesweit größten Bahnhof lange ein ganz anderes Kennzeichen, so dass Lübeck, im Eskapaden-Reiseführer auch erwähnt, das L verdient hätte. Stattdessen bekam es der kleine Lahn-Dill-Kreis. Erst die Wiedervereinigung korrigierte das. LDK gibt die kleine Größe an. Die südlicehn Nachbarn Hamburgs, die Winsener (WL) und Lüneburger (LG) hatten und haben genausoviele Buchstaben auf dem Kennzeichen wie Hamburg. Lüneburg hatte 65.000 Einwohner, jetzt über 75.000 (bei Hamburgern beliebt), der nördlichste Stadtstaat etwa 1.835.000. Wie dem auch sei, das HH ist Fakt und Hamburgern sei es verziehen, wenn sie in Wörtern, die mit einem ‚H‘ geschrieben werden, daraus zwei machen.

Falls es denn nicht doch Absicht ist.

Vielleicht auch für ein Preisausschreiben: In welchen Kapiteln befinden sich die Wörter mit ‚hh‘. Falls der Verlag ein solches veranstaltet, wurde die Lösung hier zum Teil schon verraten. Da müsste man noch einmal in das Buch gucken.

Kleine Eskapade Wachhalter

Vielleicht ist Wachholder eine Wortschöpfung, für die insgeheim schon Titelschutz angemeldet wurde. Holder ist der Halter so wie in Share Holder (Aktienbesitzer). Wachholder könnte eine Dose Redbull, ein Pott Kaffee oder eine Tasse kräftiger Ostfriesentee sein. Im Norden wohl eher der Tee.

Immer wieder ein Film-, Literatur- oder Literatenbezug

Ob es nun Friedrich Gottlieb Klopstock ist, der der recht großen Stintenburginsel im Schaalsee eine Ode widmete und sie dadurch bekannt machte (Seite 180/81, Tour 42), oder Heidedichter Hermann Löns, der mit dem Hermann-Löns-Blick auf den Hemmelsdorfer See zwischen Travemünde und Scharbeutz erwähnt wird – immer wieder lugt die Kultur hervor (Seite 216, Tour 51). Was Klopstock mit Hamburg zu tun hat? Er liegt in Ottensen begraben. Die Klopstock-Eiche steht am Schaalsee bei Lassahn. Dieser See, lange durch die deutsch-deutsche Grenze geteilt und vielleicht deswegen so wenig bebaut, ist nicht nur der zweittiefste des Landes, sondern gleich auf zwei Bundesländer verteilt: Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Stintenburginsel, über einen Damm erreichbar, ist laut einer Ode Klopstocks („der große Dichter der Empfindsamkeit“) die „Insel der froheren Einsamkeit“.

Am besten also, man unterschätzt das Buch nicht: Wer Hamburg selbst gar nicht besuchen möchte, findet trotzdem genug reizvolle Reiseziele zum Beispiel in Niedersachsen.

Und wer weiß schon, das einige Nordseeinseln zu Hamburg gehören? Sogar drei. Auch wenn sie am besten vom niedersächsischen Cuxhaven angesteuert werden wie im Eskapaden-Tourtipp. Auf zweien ist man gut zu Vögeln: Auf Nigehörn sind Menschen verboten, Scharhörn darf nur betreten, wer sich vorher beim Vogelwart anmeldete. Neuwerk dagegen ist bewohnt. Es sei nicht gerade Manhattan, so eine der schönen Stefanie-Sohr-Formulierungen. 40 Seelen leben dort. Die Nachkommen des letzten Piraten Neuwerks sind ehrlich geworden und führen ein Hotel, eine der rund ein halbes Dutzend Beherbergungsstätten der Insel. („Überall ist Wunderland- Wattwandern vor Neuwerk“ ab Seite 206.)

Filmreife Eskapade

Der erfolgreiche deutsche Schauspieler Til Schweiger, der selbst auch Regie führte, produzierte und seiner Tochter Luna, die wiederholt vor der Kamera stand, einiges beibrachte, wird quasi als Hotelier erwähnt („Keinohrhasen“, „Schutzengel“, Honig im Kopf“). In Tour 51 empfiehlt sich eine Übernachtung an der Lübecker Bucht im Barfußhotel oberhalb des Kurparks in Timmendorfer Strand. Til Schweiger hat es gestaltet „wie einen seiner Wohlfühlfilme“ (S. 217).

Bei den längeren Ausflügen namens „Miniurlaube“, die um die 36 Stunden dauern, ist ein Bleiben über Nacht angedacht. Immer auf halber Strecke oder jedenfalls passend wird eine exklusive Unterkunft ausgesucht.

Bibliographische Angaben zu Eskapaden in und um Hamburg

Verlag: DuMont-Reiseverlag

Verfasser:
Stefanie Sohr, Volko Lienhardt

Titel:
52 kleine & große Eskapaden in und um Hamburg

Seitenzahl: 232

Preis in Euro für die Bundesrepublik: 14,99

ISBN 10: 3770180712 ISBN 13: 9783770180714

Fehlt etwas oder nicht? Der Frage mit dem Möwenfinder

Was fehlt? Vielleicht ein Ortsregister, aber braucht man das, wo doch alle Touren zum Download zur Verfügung stehen? Die man vermutlich digital durchsuchen kann? Will man das? „Oh Digitalisierung, wieviel Schaden (und Nutzen) hast du schon angerichtet!“

Nett wäre es schon, wenn man das Buch nicht von Anfang bis Ende durchliest – und, Hand aufs Herz, wer tut das schon in dieser Reihenfolge gänzlich? – dass man Ziele, von denen man gelesen hat, aber nicht mehr weiß, wo, anhand eines Registers schnell wiederfinden könnte. Zwar findet man auf den wichtigen Seit 8, 90 und 172 den Überblick über die unterschiedlichen Touren. Dort steht aber nur der Titel der Tour – Beispiel Tour 41: „Draußen vor der Tür“, nicht aber der aufschlussreiche Untertitel – „auf dem Heidschnuckenweg“. Wer also das Photo mit der kecken Finkenwerder-Möwe mit dem weiblichen Kopfschmuck noch einmal anschauen möchte, tut gut daran, sich die Seitenzahl oder „Tour 19“ zu merken.




Der Preis für Eskapaden in und um Hamburg: Volko Lienhardt und Stefanie Sohr erhalten ITB-BookAward

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Volko Lienhardt sieht manchmal ein bisschen aus wie vom Nordwind verweht, Stefanie Sohr hat ein durchweg heiteres Gemüt – sie sind die Richtigen für Eskapaden! 52 davon, kleine und große, haben sie zusammengestellt und verfasst – Eskapaden in und um Hamburg. Die ITB BookAwards, so die Eigenschreibung, gehen jedes Jahr in ausgesuchten Rubriken an mehrere Empfänger. 2019 ist Malaysia das Partnerland der größten Reisemesse der Welt, der ITB. Wenig verwendet in der Langform, stirbt die Erinnerung an den Namen „Internationale Tourismus-Börse“ langsam aus. Das internationale ist es, dass der Börse den Garaus macht. Man braucht einen Markennamen, der hier und in Übersee – was für ein Wort, auch mit Umlaut und ohne Überlebensfähigkeit, genau wie das Überleben, deswegen gibt es nur noch Survival-Handbücher, sorry, handbooks – bestehen kann.

Thema der ITB-BuchAwards 2019: Reisen nach und Eskapaden in und um Hamburg

Warum dieses Jahr ausgerechnet Hamburg? Die Bücher waren zu gut. Der 1. Preis – rein chronologisch, nicht im Sinne eines Hauptpreises – wird als „DestinationsAward“ mit Themenfokus auf das Partnerland vergeben; dieses Jahr malaysisch. Gewonnen hat MALAYSIA von Moritz Jacobi, Mischa Loose, Renate Loose, Stefan Loose im Stefan Loose/ DuMont-Reiseverlag.

Gleich an zweiter Stelle des drei DIN-A4-Seiten großen, bunten Plakats über die BuchAwards dieses Jahres steht die Rubrik (oder „Kategorie“) „Deutsche Reisegebiete Hamburg“.

Zwei Gewinner gab es: für den klassischen Reiseführer, der so klassisch gar nicht ist, da er auch eng an Online-Apps angebunden ist, die ihn ergänzen:„Hamburg“ im Michael-Müller-Verlag. Autor Matthias Kröner schreibt extrem kundennah und das Buch ist seinen Preis schon allein dadurch wert, was es einspart. In dem Buch steckt mehr als erwartet.

Der andere Gewinner für ein Hamburg-Reise-Buch ist „52 kleine und große Eskapaden in und um Hamburg“ von Herrn Lienhardt und Frau Sohr. Der frisch gestaltete Umschlag verrät, wohin die Reise geht: „Ab nach draußen!“. Ähnlich wie auf dem Hamburgbuch aus dem Michael-Müller-Verlag, das mit einer App daherkommt, die man sich als Käufer herunterladen kann, preist schon der Umschlag an: „Mit allen Touren zum Download“.

Jede Woche auf zu Eskapaden in und um Hamburg

Warum 52? Da war doch was mit der Zahl der Wochen in einem Jahr … Wer geht schon jede Woche auf Tour, doch so jemand das möchte, hat er ein Jahr lang jedes Wochenende richtig was zu tun mit maximalem Spaß und nie allein, sondern mit dem treuen Begleiter Buch an der Seite. Papier ist geduldig, widerspricht nie, ist trotzdem hilfreich und im allerschlimmsten Fall, wenn man am Ende der 52. Ausflugstour wegen eines plötzlichen Kälteeinbruchs am Elbufer zu erfrieren drohen sollte, könnte man am Strand damit ein Feuer anzünden oder sich direkt am brennenden Papier wärmen. (Versuchen Sie das einmal mit einer App!…)

Doch ist das natürlich viel zu schade.

Bibliographische Angaben zu
Eskapaden in und um Hamburg

Verlag: DuMont-Reiseverlag

Verfasser:
Stefanie Sohr, Volko Lienhardt

Titel:
52 kleine & große Eskapaden in und um Hamburg

Seitenzahl: 232

Preis in Euro für die Bundesrepublik: 14,99

ISBN 13: 9783770180714 ISBN 10: 3770180712




Präsentation des neuen Kalenders „Dreaming“ von Albert Watson in Mailand

Mailand, Italien (Kulturexpresso). Kalender führen ihr notwendiges Eigenleben in einer verplanten Welt. Der Digitalisierung trotzt ein Traditionskalender aus Mailand. Eine starke Marke macht es möglich. Albert Watson wurde als Fotograf erwählt. Er ist von Geburt an auf einem Auge blind. Seine Aufnahmen sollen wirken, als hätte man die Einzelbilder eines Films vor sich.

Ewige Nörgler könnten anmerken, dass wieder Männer Frauen fotografieren. Dagegen sprechen der Kalender 2000, den Annie Leibovitz aufnahm, und viele männliche Fotomodelle. Und das Frauenbild? Der halbblinde Albert Watson schuf nicht umsonst eine Situation, aus der „ein positives Bild der Frau von heute entspringt“ (siehe unten).

Die Qualität der Photos ist hoch und macht sie zur Photo-Kunst.

Zu dem Kalender erreichte uns am Präsentationstag 5. Dezember 2018 frisch aus Milano aus dem feinen Italia folgende Pressemitteilung: – „Dreaming heißt der Pirelli-Kalender 2019. Seine Aufnahmen erzählen die Geschichte von vier Frauen, ihren Erwartungen und ihrem Bemühen, ihre Ziele zu erreichen. Wobei jede von ihnen den eigenen Träumen und Leidenschaften folgt.

Der Fotograf der sechsundvierzigsten Ausgabe des legendären Kalenders, die heute im Pirelli Hangar Bicocca präsentiert wird, ist Albert Watson. Er machte die Aufnahmen im vergangenen April in Miami und New York. Vor seiner Kamera agierten Gigi Hadid, Alexander Wang, Julia Garner, Misty Copeland, Calvin Royal III., Laetitia Casta und Sergei Polunin.

Leidenschaft für den Film

„Die vierzig Aufnahmen in Farbe und Schwarzweiß, Format 16:9, können Albert Watsons große Leidenschaft für den Film nicht verhehlen. „Als ich das Projekt in Angriff nahm“, erklärt Watson, „wollte ich es anders machen als meine Vorgänger und ich fragte mich, wie das wohl am besten zu realisieren sei.

Ich wollte qualitativ hochwertige Aufnahmen mit Tiefe, die etwas erzählen. Ich wollte mehr, als einfach nur Personen abbilden. Jede Aufnahme sollte den Eindruck entstehen lassen, man habe das Einzelbild eines Films vor sich. Jeder, der den Kalender betrachtet, soll erkennen, dass ich die Frauen, die vor meiner Kamera agierten, entdecke und eine Situation schaffe, aus dem ein positives Bild der Frau von heute entspringt“. Als der Fotograf erläutert, wie er den Kalender realisierte, erzählt er von seinen eigenen Träumen sowie den Mühen und Opfern, die mit ihnen verknüpft sind“:

Träumen, ohne die Leiter in einem Sprung bis nach ganz oben erklimmen zu wollen

„Wenn man einen Traum verwirklichen will, muss man hart dafür arbeiten. Ich bin dabei stets schrittweise vorgegangen und habe ein Ziel nach dem anderen erreicht, ohne die Leiter in einem Sprung bis nach ganz oben erklimmen zu wollen. Obwohl ich bisweilen den Eindruck habe, diese Leiter steigt bis ins Unendliche empor, wobei die oberste Sprosse sich immer weiter entfernt, glaube ich doch, dass es sich lohnt, immer höhergesteckte Ziele und Träume vor Augen zu haben.“

„Jede der vier Frauen“, fährt er fort, „hat ihre eigene Individualität, ein ganz besonderes Ziel im Leben und ihre eigene Art zu handeln. Jede von ihnen blickt auf ihre Zukunft. Das Grundthema des gesamten Projekts sind die ‚Träume‘, präsentiert als Erzählung in vier ‚kleinen Filmen‘. Was ich vermitteln wollte, waren die Hoffnungen der Protagonisten und ihre Art, über die Zukunft nachzudenken, und das derart, das der Aspekt des Träumens mitschwingt.“

Gigi Hadid. © Pirelli-Kalender 2019, Albert Watson

Ein Beispiel dafür ist die Figur, die Gigi Hadid dargestellt. Sie hat sich von ihrem Lebensgefährten getrennt und lebt einsam in einem Glasturm. In Alexander Wang findet sie ihren einzigen Freund und Vertrauten. „In diesen Bildern liegt für mich ein Hauch von Melancholie. Mit der Figur von Gigi Hadid wollte ich das Bild einer Frau vermitteln, die in die Zukunft blickt, doch mit einem Gefühl der Einsamkeit. Wir sehen sie, wie sie darüber nachdenkt, wohin sie gehen wird und was sie morgen tun wird. Ich wollte sie und das Ambiente, das sie umgibt, wesentlich „minimalistischer“, als bei den anderen Stories.“

Die Frau, die die Natur liebt – und die Einsamkeit

Julia Garner in einem Garten in Miami. © Pirelli-Kalender 2019, Albert Watson

Julia Garner übernimmt die Rolle einer jungen Fotografin, welche die Natur und die Einsamkeit liebt. „Julia ist eine sehr erfahrene Schauspielerin und hat sich perfekt in ihre Rolle hineinversetzt. Sie fotografiert botanische Motive und träumt davon, ihre Fotos erfolgreich auszustellen. Wir haben die Aufnahmen in einem wunderschönen tropischen Garten in Miami gemacht, der sich für unsere Arbeit als perfekt erwies.“

Misty Copeland oder die Frau, die eine große Balletttänzerin werden will

Auch Misty Copeland, der im Kalender Calvin Royal III. zur Seite gestellt wird, blickt in die Zukunft und träumt davon, sich in der Welt des Balletts einen Namen zu machen. „Das Streben nach Erfolg ist ihre Antriebskraft. Die von Misty Copeland dargestellte Figur tanzt in einem Lokal, um sich ihren Unterhalt zu verdienen. Aber in ihrem Garten hat sie eine kleine Bühne errichtet, auf der sie tanzt, um ein Star zu werden, manchmal mit ihrem Verlobten, dargestellt von Calvin Royal III.“

Laetitia Casta verkörpert eine Malerin, die mit ihrem Freund, dargestellt von Sergei Polunin, in einer Einzimmerwohnung lebt, die ihr auch als Atelier dient. Beide träumen vom Erfolg, sie als Malerin, er als Tänzer. „Das Interessante ist“, erzählt Watson, „dass sich Laetitia in ihrer Freizeit wirklich der Skulptur widmet und Kunstgegenstände kreiert. Dieser günstige Zufall hat es ihr erleichtert, sich in ihre Rolle hineinzuversetzen. Wir haben beschlossen, auch im Freien zu fotografieren, um die Szene in ein natürliches Licht zu setzen. Miami und seine tropische Natur sind eine wesentliche Komponente des Bildes.““

Das Team hinter dem Kalender „Dreaming“

„FOTOGRAF ALBERT WATSON KUNSTDIREKTION BARON & BARON EXECUTIVE PRODUCTION THE PRODUCTION CLUB PRODUCTION DESIGNER STEVE KIMMEL“

Photomodelle: „LAETITIA CASTA, MISTY COPELAND, JULIA GARNER, GIGI HADID, SERGEI POLUNIN, CALVIN ROYAL III., ALEXANDER WANG MODEL ASTRID EIKA.“

„CASTING DIRECTOR PIERGIORGIO DEL MORO POST PRODUCTION EMI ROBINSON PHOTO ASSISTANT TARO HASHIMURA DIGITAL TECHNICIAN ADRIEN POTIER CALLIGRAPHER NICOLAS OUCHENIR ATELIER NICOLAS OUCHENIR REPRESENTED BY ZZO MAKE UP ARTIST JAMES KALIARDOS HAIR STYLIST KERRY WARN PROP STYLIST ARNOLD BARROS STYLIST JULIA VON BOEHM WITH THANKS TO ALLISON BORNSTEIN SET DECORATOR BELINDA SCOTT“

Das vollständige Interview mit Albert Watson

Das Kalenderprojekt

„Wie sind sie das Projekt des Pirelli-Kalenders angegangen?“
„Der Pirelli-Kalender ist für jeden Fotografen ein einzigartiges Projekt. Als ich es in Angriff nahm, wollte ich es anders machen als die Fotografen vor mir und ich fragte mich, wie ich das wohl am besten realisiere. Ich suchte nach qualitativ hochwertigen Bildern mit Tiefe, die etwas erzählen. Ich wollte mehr machen als einfach nur Personen abbilden. Alles sollte den Eindruck entstehen lassen, man habe Einzelbilder eines Films vor sich. Ich möchte, dass die Betrachter des Kalenders verstehen, dass ich pure Fotografie machen wollte, dass ich die Frauen, die vor meiner Kamera agierten, entdecken und eine Situation schaffen wollte, aus der ein positives Bild der Frau von heute entspringt.“

„Wie haben Sie das Projekt dann angelegt?“

„Ich wollte sichergehen, eine aussagekräftige Story zu haben und dachte: „Versuchen wir, die Aufnahmen wie die Einzelbilder eines Films wirken zu lassen“. Die Aufnahmen wurden als Panoramabilder gemacht, was ziemlich aufwändig war. Jede der vier Frauen hat eine eigene Individualität, ein ganz besonderes Ziel im Leben und ihre eigene Art zu handeln. Und alle blicken auf ihre Zukunft. Das zugrunde liegende Thema sind also die ‚Träume‘, aber der Grundgedanke des gesamten Projekts ist die Erzählung in vier ‚kleinen Filmen‘.“

„Können Sie uns etwas zu den Geschichten sagen, die Sie in Ihren Kalender beleben?“

„Jede Figur übernimmt im Pirelli-Kalender 2019 eine Rolle. Bisweilen nähert sich die Rolle dem an, was ihre Darstellerin im Leben macht. Doch letztlich spielen alle einfach eine Rolle. Sie sind nicht sie selbst. Und das ist es, was ich wollte.“

Die Rollen der Frauen: Einsam in die Zukunft blickend …

„Die Frau, die Gigi Hadid wird, hat sich kürzlich von ihrem Lebensgefährten getrennt. Sie hat einen Vertrauten, dargestellt von dem Modedesigner Alexander Wang. Er hilft ihr, diesen schwierigen Moment zu überwinden. In diesen Bildern liegt für mich ein Hauch von Melancholie. Mit der Figur von Gigi Hadid wollte ich das Bild einer Frau vermitteln, die mit einem Gefühl der Einsamkeit in die Zukunft blickt. Ich wollte, dass sie wesentlich ‚minimalistischer‘ erschien als die anderen Frauen, die ich fotografiert habe. Und ich wollte, dass sie sich in den Umgebungen widerspiegelt, in denen ich sie dargestellt habe. Die anderen Protagonisten agieren vor üppigen Hintergründen, und auf fast allen Aufnahmen ist Aktion zu sehen.“

… oder in Aktion: der Fotograf fotografiert eine „Fotografin“ …

In Schwarzweiß: Julia Garner. © Pirelli-Kalender 2019, Albert Watson

Julia Garner übernimmt die Rolle einer Fotografin, die botanische Motive aufnimmt und davon träumt, ihre Fotos erfolgreich auszustellen. Julia ist eine sehr erfahrene Schauspielerin und hat sich perfekt in ihre Rolle hineinversetzt. Wir haben die Aufnahmen in einem wunderschönen tropischen Garten in Miami gemacht, der sich für unsere Arbeit als perfekt erwies. Misty Copeland und Calvin Royal III. stellen zwei Tänzer dar, die in einer Wohnung im Stil des Art Déco leben. Sie träumt davon, ein Star zu werden und in Paris zu tanzen. Wie sie in die Zukunft blickt, hat sie ein Ziel vor Augen. Das Streben nach Erfolg ist ihre Antriebskraft.

… eine „Tänzerin“ und eine „Malerin“

Die von Misty Copeland dargestellte Figur tanzt in einem Lokal, um sich ihren Unterhalt zu verdienen. Aber in ihrem Garten hat sie eine kleine Bühne errichtet, auf der sie tanzt, manchmal mit ihrem Verlobten, dargestellt von Calvin Royal III.

Misty Copeland ist die „Balletttänzerin“. © Pirelli-Kalender 2019, Albert Watson

Die von Laetitia Casta dargestellte Künstlerin lebt in einer Einzimmerwohnung, die ihr auch als Atelier dient und die sie mit ihrem Lebensgefährten teilt, dargestellt von Sergei Polunin. Beide träumen vom Erfolg: sie als Malerin, er als Tänzer. Das Interessante ist, dass sich Laetitia in ihrer Freizeit wirklich Skulpturen widmet und Kunstgegenstände kreiert. Dieser günstige Zufall hat es ihr erleichtert, sich in ihre Rolle hineinzuversetzen. Wir haben beschlossen, auch im Freien zu fotografieren, um die Szene in ein natürliches Licht zu setzen. Miami und seine tropische Natur sind eine wesentliche Komponente des Bildes.“

Albert Watson, Alfred Hitchcock und das Licht

„Welche Rolle hat das Licht in diesem Projekt gespielt?“
„Die erste berühmte Persönlichkeit, die ich als junger Fotograf abgelichtet habe, war Alfred Hitchcock. Er sagte zu mir: „Mein lieber Junge, wenn das Storyboard beendet ist, ist auch der Film beendet. Ich muss ihn nur noch drehen.“ Das Wesentliche dieser Aussage blieb mir immer in Erinnerung. Der Kalender 2019 ist wie das Storyboard eines Films. Ich habe es gut getroffen, denn ich habe eine vierjährige Ausbildung als Grafiker gemacht und dann drei Jahre die Royal College of Art Film School besucht, wo ich Regie studierte. Ich habe nie einen Fotokurs besucht und musste also lernen, Fotos zu machen und mit dem Licht zu arbeiten.

Die technischen Aspekte der Fotografie waren für mich immer schwierig, denn ich hielt sie für unnatürlich. Rein intuitiv war es für mich dagegen ganz natürlich, einer filmischen Ästhetik zu folgen. Ein Großteil meiner Arbeit basiert auf grafischen Aspekten und Filmstreifen, mitunter auch auf einer Mischung daraus. In dieser Hinsicht war es für mich einfach, mich in den Kalender einzuarbeiten und Bilder wie Einzelbilder eines Films zu erzeugen. Es ging um ein Verschmelzen all der verschiedenen Elemente, um daraus eine Story entstehen zu lassen. Der gemeinsame Nenner besteht darin, dass jede der dargestellten Figuren dynamisch ist. Sie denken an ihre Zukunft und träumen davon, wo sie in fünf, zehn oder zwanzig Jahren sein könnten.“

Albert Watson: Bessere Arbeit, wenn ich mich mit den Menschen wohlfühle

„Wie hat Ihnen die Arbeit am Set gefallen?“
„Ich weiß, dass einige Personen am besten arbeiten, wenn am Set Spannung herrscht. Nur so können sie ihre Kreativität voll freisetzen. Für mich trifft das genaue Gegenteil zu. Wenn ich mich mit Personen amüsiere, wenn ich mich in ihrer Gesellschaft wohl fühle und mit ihnen Spaß habe, kann ich aus ihnen wesentlich mehr herausholen. Manchmal sage ich den jungen Fotografen, entscheidend sei die Location, die Location und nochmal die Location, doch bei einem Projekt wie diesem heißt es Vorbereitung, Vorbereitung und nochmals Vorbereitung.

Je mehr man sich auf eine Arbeit vorbereitet, desto kreativer wird sie sein. Es gilt nachzudenken und zu programmieren, programmieren, programmieren. Das ist es, was wirklich zählt. Ich hatte großartige Unterstützung, als ich die Atmosphäre für den Kalender schuf. Steve Kimmel war der künstlerische Leiter, zusammen mit Arnold Barros und Belinda Scott, und sie haben ausgezeichnete Arbeit geleistet. Dank ihres Engagements war alles perfekt. James Kaliardos hat sich um die Schminke gekümmert. Seine Arbeit war fantastisch, schön, unsichtbar, aber dennoch präsent.

Die Frisuren, um die sich Kerry Warn kümmerte, wirkten bei allen Frauen ganz natürlich. Er hat viel Erfahrung beim Film gesammelt und war für dieses Projekt genau der richtige. Julia Von Boehm kümmerte sich um das Styling und das Fashion Editing. Außerdem hatte ich mein eigenes Assistenten-Team mit Taro Hashimura und Ed Smith. Alles Digitale wurde gesteuert von Adrien Potier, und Emi Robinson hat wunderbare Retuschen gemacht. Alle haben einen großen Beitrag geleistet, und am Ende war der Kalender wohl eher ein filmisches Projekt als ein fotografisches.“

Haben Sie Ihre Träume verwirklicht?

Eine Frage an Albert Watson und jeden von uns

„Glauben Sie, dass Sie Ihre Träume verwirklicht haben?“

„Wenn man einen Traum verwirklichen will, muss man hart arbeiten. Ich bin dabei immer schrittweise vorgegangen und habe ein Ziel nach dem anderen erreicht, ohne die Leiter sofort bis ganz nach oben erklimmen zu wollen. Obwohl ich manchmal den Eindruck habe, dass diese Leiter ins Unendliche emporsteigt und sich die oberste Sprosse immer weiter entfernt, glaube ich doch, dass es sich lohnt, immer höhergesteckte Ziele und Träume vor Augen zu haben.“

Biografie von Albert Watson

„Albert Watson wurde in Edinburgh geboren und wuchs dort auf. Er studierte Graphic Design am Duncan of Jordanstone College of Art and Design in Dundee sowie Film am Royal College of Art in London. Obwohl er von Geburt an auf einem Auge blind ist, nahm er Fotografie in seinen Studienplan auf. 1970 ging er mit seiner Ehefrau Elizabeth, die eine Stellung als Grundschullehrerin in Los Angeles erhalten hatte, in die USA und er begann, sich als Hobbyfotograf zu betätigen. Heute ist Albert Watson einer der erfolgreichsten und schöpferischsten Fotografen weltweit. Dies hat er seiner ganz persönlichen Fähigkeit zu verdanken, Kunst, Mode und Werbefotografie miteinander zu verschmelzen“ und so äußerst symbolträchtige Bilder zu schaffen.

„Die Vielfalt und der Umfang seines Schaffens sind ohnegleichen: das Spektrum reicht von Aufnahmen von Alfred Hitchcock und Steve Jobs bis hin zu den Beauty Shots von Kate Moss, von den Landschaftsaufnahmen in Las Vegas bis hin zu den Stillleben der Grabbeigaben des Königs Tutanchamon.

Seine Fotografien sind in den Galerien und Museen der ganzen Welt zu sehen, und die Zeitschrift «Photo District News», quasi die Bibel der Fotografie-Branche, nahm Albert in ihre Liste der zwanzig einflussreichsten Fotografen aller Zeiten auf, neben Namen wie Irving Penn und Richard Avedon. Watson gewann zahlreiche Preise, darunter einen Lucie Award, einen Grammy Award, drei Andys, einen Steiger Award, einen Hasselblad Masters Award und die Centenary Medal für die Karriere von der Royal Photographic Society. Im Juni 2015 wurde dem schottischen Fotografen für seine Verdienste um die Kunst der Fotografie von Königin Elisabeth II. das Offizierskreuz des Order of the British Empire (OBE) verliehen.“

Fotos in Mode

Seine Fotos erschienen weltweit auf über 100 Covern von «Vogue» und in unzähligen anderen Zeitschriften wie „Rolling Stone“, „Time“ und „Harper’s Bazaar“. Viele seiner Fotos sind Ikonen der Welt der Mode oder Porträts von Rockstars, Rappern, Schauspielern oder anderen prominenten Personen. Von ihm stammen die Aufnahmen zu Hunderten von Werbekampagnen für große Unternehmen wie Blumarine, Prada, The Gap, Levi’s, Revlon und Chanel.

Filmplakate von Albert Watson

Er hat zahlreiche Filmplakate realisiert, wie für Kill Bill und Die Geisha, über 100 Fernsehspots gedreht und sich gleichzeitig Projekten für Ausstellungen in Museen und Galerien gewidmet.

Die sechs Bücher des Albert Watson

„Albert hat fünf Bücher veröffentlicht: Cyclops (Bullfinch, 1994), Maroc (Rizzoli, 1998), Albert Watson (Phaidon, 2007), Strip Search (PQ Blackwell/Chronicle 2010) und UFO: Unified Fashion Objectives (PQ Blackwell/Abrams 2010). Sein jüngstes Buch mit dem Titel Kaos wurde von Taschen im Herbst 2017 veröffentlicht. Viele Kataloge seiner Fotos wurden von Museen und Galerien zu seinen Ausstellungen veröffentlicht.

Albert Watsons Ausstellungen: Wien, Hamburg, Stockholm, Moskau …

„Seit 2004 wurden Albert Watsons Werke in Einzelausstellungen im Museo d’Arte Moderna in Mailand, im Kunst Haus Wien, im City Art Centre von Edinburgh, im FotoMuseum von Antwerpen, im NRW-Forum von Düsseldorf, in der Forma Galleria in Milano, der Fotografiska in Stockholm und im Multimedia Art Museum in Moskau gezeigt. Eine umfangreiche Retrospektive mit einem neuen Korpus von Fotos, die Watson in Benin aufnahm, wurde in den Deichtorhallen von Hamburg 2013 präsentiert.

Die Fotografien von Watson wurden in Kollektivausstellungen in zahlreichen Museen ausgestellt, darunter im National Portrait Gallery in London, im New Yorker Metropolitan Museum of Art, im Pushkin Museum of Fine Arts in Moskau, im Lianzhou Museum of Photography in China, im International Center of Photography in New York, im Brooklyn Museum und in den Deichtorhallen. Seine Fotografien sind zudem Bestandteil ständiger Ausstellungen in der National Portrait Gallery, im Metropolitan Museum of Art, im Smithsonian, im schottischen Parlament, in den Deichtorhallen und im Multimedia Art Museum in Essen.“

„Watson geht vollkommen in seiner Arbeit auf. Sein Atelier in Manhattan, das ihm auch als seine persönliche Galerie dient, füllen Millionen Fotos und Negative sowie zahlreiche Gigantografien.

Seine bildliche Sprache folgt einem Kodex, der seine Fotografien durch ihre Intensität und die technische Virtuosität eindeutig als Aufnahmen von Albert Watson identifizierbar macht, sei es ein Foto von einem Wald in Schottland, von einem Kleid von Yohji Yamamoto, getragen von einem Topmodel, oder eine Nahaufnahme des von dem Astronauten Alan Shepard auf dem Mond getragenen Raumfahreranzug, oder das ikonische Porträt von Steve Jobs. Sein unaufhörliches Streben nach Perfektion machten Watson zu einem der gefragtesten Fotografen der Welt.“

Über 50 Jahre Kalendertradition mit vielen großen Namen

Nicole Kidman, Rooney Mara, Julianne Moore, Lupita Nyong’o, Alicia Vikander, Robin Wright, …

„PIRELLI-KALENDER: FOTOGRAFEN, LOCATIONS UND MODELS: 1964 Robert Freeman auf Mallorca, Spanien Jane Lumb, Sonny Freeman Drane, Marisa Forsyth 1965 Brian Duffy in Monaco und der Côte d’Azur, Südfrankreich Pauline Dukes, Annabella, Virginia, Pauline Stone, Jeannette Harding 1966 Peter Knapp in Al Hoceima, Marokko Peter Knapp, Shirley Ann, Sue 1967 keine Veröffentlichung

1968 Harry Peccinotti in Djerba, Tunesien Ulla Randall, Elisa Ngai, Pat Booth, Jill La Tour 1969 Harry Peccinotti in Big Sur, Kalifornien

1970 Francis Giacobetti auf Paradise Island, Bahamas Alexandra Bastedo, Anak, Pegga, Paula Martine

1971 Francis Giacobetti auf Jamaica, Große Antillen Caileen Bell, Angela McDonald, Kate Howard, Christine Townson, Gail Allen 1972 Sarah Moon in Villa Les Tilleuls, Paris Suzanne Moncurr, Mick Lindburg, Boni Pfeifer, Inger Hammer, Magritt Rahn, Barbara Trenthan 1973 Brian Duffy in London, England Erica Creer, Sue Paul, Nicki Howorth, Kubi, Nicky Allen, Jane Lumb, Kate Howard, Vida, Penny Steel, Kari Ann, Elizabeth, Vicky Wilks 1974 Hans Feurer auf den Seychellen, Afrika Eva Nielson, Kim, Marana, Chichinou, Kathy Cochaux 1975 – 1983 keine Veröffentlichung;“

In die 80er passten sie

„1984 Uwe Ommer auf den Bahamas, Mittelamerika Angie Layne, Suzy-Ann Watkins, Jane Wood, Julie Martin 1985 Norman Parkinson in Edinburgh, Schottland Anna, Cecilia, Iman, Lena, Sherry 1986 Bert Stern in den Cotswolds, England Julia Boleno, Jane Harwood, Louise King, Deborah Leng, Suzy Yeo, Beth Toussaint, Gloria, Joni Flyn, Caroline Hallett, Samantha, Juliet, Clare Macnamara 1987 Terence Donovan in Bath, England Ione Brown, Colette Brown, Naomi Campbell, Gillian De Turville, Waris Dirie

1988 Barry Lategan in London, England Hugo Bregman, Briony Brind, Victoria Dyer, Nicola Keen, Kim Lonsdale, Sharon MacGorian, Naomi Sorkin, Carol Straker 1989 Joyce Tennyson in den Polaroid Studios, New York Lisa Whiting, Nicky Nagel, Dannielle Scott, Brigitte Luzar, Gilda MeyerNichof, Kathryn Bishop, Susan Allcorn, Susan Waseen, Rosemarie Griego, Akura Wall, Gretchen Heichholz, Rebecca Glen 1990 Arthur Elgort in Sevilla, Spanien Laure Bogeart, Laurie Bernhardt, Christina Cadiz, Anna Klevhag, Florence Poretti, Debrah Saron

1991 Clive Arrowsmith in Frankreich Alison Fitzpatrick, Lynne Koester, Monika Kassner, Paola Siero, Nancy Liu, Katherina Trug, Jackie Old Coyote, Tracy Hudson, Rachel Boss, Carole Jimenez, Saskia Van Der Waarde, Rina Lucarelli, Susie Hardie-Bick 1992 Clive Arrowsmith in Almeria, Spanien Alison Fitzpatrick, Julienne Davis, Judi Taylor.

1993 John Claridge auf den Seychellen, Afrika Christina Estrada, Barbara Moors, Claudie

Wieder Photoaufnahmen auf Paradise Island

1994 Herb Ritts auf Paradise Island, Bahamas Karen Alexander, Helena Christensen, Cindy Crawford, Kate Moss.

1995 Richard Avedon in New York, Vereinigte Staaten Nadja Auermann, Farrah Summerford, Naomi Campbell, Christy Turlington.

1996 Peter Lindberg in El Mirage, Kalifornien, Vereinigte Staaten Eva Herzigova, Natassja Kinski, Kristen Mc Menamy, Navia, Carre Otis, Tatjanna Patitz

1997 Richard Avedon in New York, Vereinigte Staaten Honor Fraser, Ling, Cordula, Sophie Patitz, Ines Sastre, Waris Dirie, Anna Klevhag, Monica Bellucci, Gisele, Kristina, Tatiana, Irina, Jenny Shimizu, Marie Sophie, Brandy, Julia Ortiz, Nikki Uberti

1998 Bruce Weber in Miami, Vereinigte Staaten Tanga Moreau, Stella Tenant, Milla Jovovich, Carolyn Murphy, Eva Herzigova, Patricia Arquette, Shalom Harlow, Kristy Hume, Elaine Irwin Mellencamp, Georgina Grenville, Kiara, Rachel Roberts, Daryl Hannah

1999 Herb Ritts in Los Angeles, Vereinigte Staaten Chandra North, Sophie Dahl, Karen Elson, Michele Hicks, Carolyn Murphy, Shirley Mallmann, Laetitia Casta, Audrey Marnay, Elsa Benitez, Bridget Hall, Angela Lindvall, Alek Wek 2000 Annie Leibovitz in Rhinebeck, New York, Vereinigte Staaten Lauren Grant, June Omura, Mireille Radwan-Dana, Laetitia Casta, Alek Wek, Julie Worden, Jacqui Agyepong, Marjorie Folkman“

Das 21. Jahrhundert beginnt, den Kalender gibt es immer noch

„2001 Mario Testino in Neapel, Italien Gisele Bundchen, Aurelie Claudel, Karen Elson, Rhea Durham, Marianna Weickert, Fernanda Tavares, Angela Lindvall, Ana Claudia Michael, Liisa Winkler, Noemi Lenoir, Frankie Rayder, Carmen Kass 2002 Peter Lindbergh in Los Angeles, Vereinigte Staaten Lauren Bush, Erika Christensen, Amy Smart, Bridget Moynahan, James King, Shannyn Sossamon, Selma Blair, Kiera Chaplin, Brittany Murphy, Monet Mazur, Rachel Leigh Cook, Mena Suvari, Julia Stiles

2003 Bruce Weber im Cilento und in Paestum, Italien Jessica Miller, Lisa Steiffert, Heidi Klum, Isabeli Fontana, Mariacarla Boscono, Natalia Vodianova, Karolina Kurkova, Sienna Miller, Alessandra Ambrosio, Rania Raslan, Bridget Hall, Sophie Dahl, Eva Riccobono, Yamila Diaz-Rahi, Filippa Hamilton, Valentina Stilla

2004 Nick Knight in London, England Adina Fohlin, Amanda Moore, Jessica Miller, Natalia Vodianova, Karolina Kurkova, Mariacarla Boscono, Esther de Jong, Frankie Rayder, Liberty Ross, Dewi Driegen, Ai Tominaga, Pollyanna McIntosh, Alek Wek 2005 Patrick Demarchelier in Rio de Janeiro, Brasilien Adriana Lima, Julia Stegner, Michelle Buswell, Erin Wasson, Marija Vujovic, Fillipa Hamilton, Liliane Ferrarezi, Valentina, Diana Dondoe, Isabeli Fontana, Naomi Campbell

2006 Mert and Marcus in Cap d’Antibes, Frankreich Marcus Piggott, Jennifer Lopez, Gisele Bundchen, Guinevere Van Seenus, Kate Moss, Karen Elson, Natalia Vodianova“

Weitermachen trotz Finanzkrise

„2007 Inez and Vinoodh in Kalifornien Sophia Loren, Penelope Cruz, Lou Doillon, Naomi Watts, Hilary Swank

2008 Patrick Demarchelier in Shanghai, China Maggie Cheung, Agyness Deane, Lily Donaldson, Du Juan, Doutzen Kroes, Catherine Mc Neil, Mo Wan Dan, Sasha Pivovarova, Coco Rocha, Caroline Trentini, Gemma Ward

2009 Peter Beard in Abu Camp/Jack’s Camp, Botswana Daria Werbowy, Emanuela De Paula, Isabeli Fontana, Lara Stone, Rianne Ten Haken, Malgosia Bela, Mariacarla Boscono 2010 Terry Richardson auf Bahia, Brasilien Daisy Lowe, Georgina Stojiljokovic, Rosie Huntington, Eniko Mihalik, Catherine McNeil, Ana Beatriz, Abbey Lee Kershaw, Marloes Horst, Lily Cole, Miranda Kerr, Gracie Carvalho“

„2011 Karl Lagerfeld in Paris, Frankreich Bianca Balti, Eliza Sednaoui, Freja Beha Erichsen, Isabeli Fontana, Magdalena Frackowiak, Anja Rubik, Abbey Lee Kershaw, Lakshmi Menon, Heidi Mount, Erin Wasson, Natasha Poly, Lara Stone, Daria Werbowy, Iris Strubegger, Jeneil Williams, Baptiste Giabiconi, Sebastian Jondeau, Brad Kroenig, Garrett Negg, Jake Davis

2012 Mario Sorrenti in Murtoli, Korsika Isabeli Fontana, Natasha Poly, Saskia De Brauw, Lara Stone, Joan Small, Guinevere Van Seenus, Malgosia Bela, Edita Vilkevictiute, Kate Moss, Milla Jovovich, Margareth Made, Rinko Kikuchi 2013 Steve McCurry in Rio de Janeiro, Brasilien Isabeli Fontana, Adriana Lima, Sonia Braga, Marisa Monte, Elisa Sednoui, Petra Nemcova, Hanna Ben Abdesslem, Liya Kebede, Karlie Kloss, Kyleigh Kuhn, Summer Rayne Oakes“

Jubiläum und kein Ende, dabei enthält jeder Kalender eines

„2014 Feier des 50. Jubiläums des Kalenders in Mailand Kalender 1986 von Helmut Newton, in Montecarlo und in Chianti Antonia Dell’Atte, Susie Bick, Betty Prado

2015 Steven Meisel in New York, Vereinigte Staaten Karen Elson, Anna Ewers, Isabeli Fontana, Gigi Hadid, Candice Huffine, Adriana Lima, Sasha Luss, Cameron Russel, Joan Smalls, Natalia Vodianova, Raquel Zimmerman

2016 Annie Leibovitz in New York, Vereinigte Staaten Yao Chen, Natalja Vodjanova, Kathleen Kennedy, Agnes Gund und Sadie Rain Hope-Gund, Serena Williams, Fran Lebowitz, Mellody Hobson, Ava Duvernay, Tavi Gevinson, Shirin Neshat, Yoko Ono, Patti Smith, Amy Schumer

2017 Peter Lindbergh in Berlin, Los Angeles, New York, London und Le Touquet Jessica Chastain, Penelope Cruz, Nicole Kidman, Rooney Mara, Helen Mirren, Julianne Moore, Lupita Nyong’o, Charlotte Rampling, Lea Seydoux, Uma Thurman, Alicia Vikander, Kate Winslet, Robin Wright, Zhang Ziyi. Special Guest Anastasia Ignatova

2018 Tim Walker in London, Vereinigtes Königreich Adut Akech, Adwoa Aboah, Alpha Dia, Djimon Hounsou, Duckie Thot, Jaha Dukureh, King Owusu, Lil Yachty, Lupita Nyong’o, Naomi Campbell, RuPaul, Sasha Lane, Sean “Diddy” Combs, Slick Woods, Thando Hopa, Whoopi Goldberg, Wilson Oryema, Zoe Bedeaux

2019 Albert Watson in Miami und New York Laetitia Casta, Misty Copeland, Julia Garner, Gigi Hadid, Sergei Polunin, Calvin Royal III., Alexander Wang“ und Astrid Eika.