Kanokporn Holtsch, Gründerin und Geschäftsführerin von PookSpaFoods am Stand C-11 in Halle 21 der Berliner Messe Fruit logistica am 9. Februar 2018

Die Nominierten des FRUIT LOGISTICA Innovation Award 2020. Wirklich neu

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Nominierten des FRUIT LOGISTICA Innovation Award 2020 (FLIA) stehen immer schon vor der Messe fest, damit die Abstimmung entspannt seinen Lauf nehmen kann. Die Wahlberechtigten haben vorher schon die Möglichkeit, sich am Bildschirm zu informieren, bevor sie am 5. und 6. Februar das reale Erzeugnis unter dem Funkturm in Berlin in Augenschein nehmen können. Der wichtigste Preis der Fruchthandelsbranche, der FLIA, wird am 7. Februar in Berlin verliehen. Über 78.000 Fachbesucher aus über 135 Ländern haben die Gelegenheit ihre Innovation des Jahres zu wählen. Die Nominierten im Überblick.

Zehn äußerst innovative Produkte, Dienstleistungen und technische Lösungen, die im vergangenen Jahr neu auf den Markt gebracht wurden, stehen im Wettbewerb um den begehrtesten Preis der Frischfruchtbranche, dem FRUIT LOGISTICA Innovation Award (FLIA), meldete Messe Berlin im Januar.

„Mit
einer Reihe von Verbesserungen – darunter gesündere und
farbenfrohere Produkte, mehr Effizienz durch technologische
Unterstützung und umweltverträglichere Arbeitsweisen – spiegeln die
Unternehmen, die für die diesjährige Auszeichnung nominiert worden
sind, den Einfallsreichtum und die Fortschrittlichkeit wider, die im
globalen Fruchthandel weit verbreitet sind.“

An
den ersten beiden Tagen „der führenden
Fachmesse für den globalen Fruchthandel“, die vom 5. bis 7.
Februar in Berlin stattfindet, „werden über 78.000 Fachbesucher
aus über 135 Ländern aufgefordert, ihre Innovation des Jahres zu
wählen.“ Die Preisverleihung findet dann
am
Freitag,
den
7. Februar statt.

„Die zehn Nominierten, die von einer Fachjury bestehend aus Mitgliedern aus allen Handelsstufen der Frischfruchtbranche ausgewählt wurden, werden auf der FRUIT LOGISTICA 2020 im Übergang zwischen den Hallen 20 und 21 präsentiert.“ Das ist an dem dem Theodor-Heuss-Platz nächstgelegenen Eingang; am Taxistand (neben dem Eingang Messe Nord Halle 19).

Die Nominierten des FRUIT LOGISTICA Innovation Award 2020: Kurzbeschreibungen

„Coconut
automatic opening machine K30“, Shanghai FruitPro Information
Technology Co. Ltd, China

Halle
9, D-07

Der
K30 ist ein mikrocomputergesteuerter Automat, der Kokosnüsse mit
patentierten Klingen sicher und hygienisch öffnet, so dass man
sowohl das Kokoswasser als auch das Fleisch genießen kann.
Algorithmen passen die individuell notwendige Öffnungstiefe und
-zeit automatisch an die jeweilige Kokosnuss an.

www.fruitke.com

Kompostierbar, umweltfreundlich, lösungsmittelfrei

„Compostable,
Flexible, Printed, Packaging“, SILBO SP. Z.O.O., Polen

Halle
7.1, B-07

Zertifizierte
kompostierbare, umweltfreundliche und lösungsmittelfreie Obst- und
Gemüseverpackungen, die mit wasserbasierten Farben und Klebstoffen
hergestellt werden. Die wasserbasierten Tinten können auf
verschiedenste Materialzusammensetzungen gedruckt werden.

www.silbo.pl

Finnische Mooswollplatten – organisch, kompostierbar, recycelbar. Ersatz für Steinwolle

„Mosswool®“,
Novarbo Oy, Finnland

Halle
8.1, B-15

Die
nach einem patentierten ökologischen Verfahren geernteten
Mooswollplatten sind ein nachhaltig wachsender Ersatz für Steinwolle
im Gemüseanbau. Aufgrund der organischen Rohstoffe können Sie
leicht und kostensparend mit Ernterückständen kompostiert oder
recycelt werden.

www.mosswool.fi

„New
Downy Mildew Resistant (High) Sweet Basil“, CN Seeds Ltd, UK

Halle
1.2, A-13

Ein
weltweit einsetzbares, genetisch resistentes Saatgut zur Bekämpfung
des Falschmehltaus bei der am weitesten verbreiteten,
krankheitsanfälligen Süßbasilikumart Ocimum. – Eine
umweltfreundliche und kostengünstige Lösung.

www.cnseeds.co.uk

„Proband
V1000“, project Service & Produktion GmbH, Deutschland

Halle
7.1b, A-06

Der
erste Banderolierer mit Wechselrahmen, der alle Banderolen-Breiten
von 25 bis 60 Millimetern in unterschiedlichen Bandstärken von 35
bis 210 Mikrometern verarbeiten kann. Er ist optimiert für die
Verarbeitung von Papierbändern mit einem Kunststoffanteil unter 5%.

www.project-ae.com

„Sinclair
EcoLabel®“, Sinclair, UK

Halle
4.1, B-09

Eine
leistungsstarke, lebensmittelechte und vollständig kompostierbare
Etikettierlösung für Frischeprodukte, die sich in 12 Wochen auflöst
und in 180 Tagen biologisch abbaut. Das OK compost – Industrial and
Seedling zertifizierte Etikett entspricht der Europäischen Norm
EN14332.

www.sinclair-intl.com

„SoFruMiniPak®
EcoView“, SoFruPak Witold Gaj, Polen

Halle
B/CityCube/E-04

Eine
einfach und schnell verschließbare, mit separatem oder integriertem
Deckel erhältliche Verpackung für Obst und Pilze. Die
nachwachsenden Rohstoffe sorgen kombiniert mit guter Belüftung für
einen optimierten Kühlkreislauf und 100% biologische Abbaubarkeit.

www.sofrupak.com

Eine natürliche Kreuzung: Brokkoli und Grünkohl!

„Tenderstem
Royale®“, SAKATA VEGETABLES EUROPE SAS, Frankreich

Halle
8.2, B-11

Eine
natürliche Kreuzung aus chinesischem Grünkohl und Brokkoli mit
unverwechselbarem violettem Schaft. Vom Stiel bis zur Spitze ist
alles essbar. Die zarten, süßen Stängel sind fett-, natrium- und
zuckerarm, aber protein- und ballaststoffreich.

www.tenderstem.co.uk

Yam-yam lekker: Tomaten

„Tomato
YOOM™“, Syngenta Seeds B.V., Niederlande

Halle
1.2, D-16

Eine
neue Tomaten-Produktlinie mit unverwechselbar dunkelvioletter Farbe,
einzigartigem säuerlich-süßem Umami-Geschmack und reich an
Anthocyanen. Die innovative Sorte ist für alle Anbaubedingungen,
Jahreszeiten und auch Kunstlicht geeignet.

www.syngenta.com

„Violì“,
Apofruit Italia Soc. Coop. Agricola, Italien

Halle
2.2, A-08

Eine
leicht violett gefärbte zarte, weiche Artischocke aus Hybridsaatgut,
das nach exakten Produktionsspezifikationen und Kontrollplänen
angebaut wird. Das sorgt für konstante Kaliber und einzigartige
Spitzenqualität. Violì ist neun Monate im Jahr verfügbar.

www.apofruit.it/en

Die Gewinnerin 2018.

Wir sind gespannt, welcher der Nominierten des FRUIT LOGISTICA Innovation Award 2020 gewinnen wird. Und das meinen wir ganz ehrlich. Denn einerseits ist es völlig unkalkulierbar, andererseits zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre, aber auch das hervorragende diesjährige Line-up, dass mehrere Spitzenleistungen hier um die Krone konkurrieren. Spannung ist also genauso garantiert wie die Tatsache, dass hier knapp ein Dutzend attraktive Neuigkeiten auf den Markt gekommen sind. In ihren Bereichen werden sie vielleicht Gewohnheiten ändern und den Teilmarkt umkrempeln.




Das „Herz der Hauptstadt“ in mehr als 200 Bildern – Der Bildband „Berlin-Mitte“ von Ralf Schmiedecke

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso) In der Reihe „Archivbilder“ des Sutton-Verlages präsentiert Ralf Schmiedecke einen 128 Seiten umfassenden Bildband über das „Herz der Hauptstadt“, der den Haupttitel „Berlin-Mitte“ trägt.

Das eine oder andere Bild, mögen manche meinen, habe man schon einmal irgendwo gesehen, doch die meisten der „mehr als 200 faszinierenden Bilder“, von denen keines bunt ist, eben nicht, weil sie „größtenteils aus eigenen Beständen sowie von Privatsammlern stammen“, wie der Verlag mit Sitz in Erfurt mitteilt. Weiter heißt es: „Zwischen den Höhenzügen des Barnims und des Teltows wurden um 1237 auf zwei Spreeinseln die Schwesternstädte Cölln und Berlin gegründet. Mit seinen zahlreichen Vorstädten entstand 1920 der Bezirk Mitte, der in diesem Bildband vorgestellt wird und so bis Ende 2000 bestand.

Dem alten Stadtkern, dem 1950 abgerissenen Berliner Stadtschloss, den ‚Linden‘ mit seinen Prachtbauten und dem Brandenburger Tor sowie den Vorstädten widmen sich eigene Kapitel. Das durch Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verschwundene alte Berlin sowie die sozialistische Stadt in der neu gestalteten Mitte finden sich wieder.

Dabei liegt das Augenmerk besonders auf den gesellschaftlichen und kulturellen Ereignissen sowie auf sozialen Einrichtungen. Bilder vom pulsierenden Leben auf dem alten Potsdamer Platz, in der Leipziger – und Friedrichstraße runden den Spaziergang durch die Vergangenheit ab und vermitteln dem Leser einen imposanten Eindruck von Berlins Mitte.“

Mehr muss man nicht sagen. Kaufen und gucken!

Bibliographische Angaben

Ralf Schmiedecke, Berlin-Mitte, Herz der Hauptstadt, Reihe: Archivbilder, 128 Seiten, ca. 200 Abbildungen, Format: 16,5 x 23,5 cm, Broschur, Verlag: Sutton, Erfurt, 3.9.2019, ISBN: 9783897027145, Preis: 19,99 (D)

Mehr über Mitte? Bitte!




Sängerin Julia Zhao auf der IFA. Tanzgruppe auf der Bühne in Halle 9

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Was machte die Sängerin Julia Zhao auf der IFA? Frau Zhao, eigentlich Zhao Songzi beziehungsweise europäisiert Songzi Zhao (sprich Ssung-dse Dschau) singt nicht nur, europäisch wie chinesisch, sondern kann auch tanzen. Eine ganze Tanzgruppe erfreute in Halle 9 auf der Bühne die Messebesucher in ihren traditionellen Kostümen. Nicht nur Musik und Tanz, auch talkshowähnliche Formate wurden dort gezeigt im Rahmen eines chinesisch-deutschen (Kultur-) Austauschs.

Julia Zhao auf der IFA in Halle 9. Auf dem Berliner Messegelände in Charlottenburg. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Julia Zhao, wie sich die Sängerin hier für diejenigen nennt, die meinen, nicht in der Lage zu sein, ihren Namen aussprechen zu können, kam nach Deutschland um klassischen (Opern-) Gesang zu lernen. Zu studieren. In China sang und singt sie Peking-Oper. Dabei hat sie einen ganz eigenen Stil gefunden, beides zu kombinieren.

Julia Zhao auf der IFA in Halle 9. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Wir fragen sie, ob es noch jemand gäbe, der das tut. Die Antwort ist: Eigentlich nicht oder kaum, und die einzige Sängerin, die Frau Zhao auf Anhieb einfällt, ist bereits über 60 Jahre alt.

Julia Zhao auf der IFA in Halle 9. Im Hintergrund auf der Bühne: Logo der Stiftung deutsche und chinesische Kultur. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Wir versuchen, Julia Zhao auf Film zu bannen; keine einfache Aufgabe, eine tanzbegeisterte Sängerin zu photographieren, die sich gern bewegt. „Die Kamera ist zu langsam“, meint sie, während sie von einer Pose zur anderen wechselt.

Julia Zhao auf der IFA: Von Anfang an Musik

Julia Zhao unter dem Funkturm in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Geboren wurde die tanzende Sängerin als Zhao Songzi in einem Dorf in der Nähe von Zhangzhou (Dschang-dschou) in der Provinz Henan. He-nan bedeutet „südlich (nan) des Flusses“. Der Fluss (He) ist der Gelbe Fluss oder Huanghe, der so heißt, weil er viel Löss mit sich führt. Es ist der nördlichste der drei großen Flüsse, die auf einer kleinen Karte von China eingezeichnet sind.

Julia Zhao unter dem Funkturm in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Schon als Kind begann sie bei ihrem Onkel Musiktheorie zu lernen. Anfang der 1990er Jahre arbeitete sie in der Schule als Musiklehrerin. In der Grundschule und in der Sekundarstufe. Später trat sie an verschiedenen Orten auf. Da sie heute in Berlin lebt, ist ein Auftritt auf der IFA nur folgerichtig.

Julia Zhao auf dem Berliner Messegelände unter dem Funkturm in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Auf dem Messegelände erklingt allerorten Musik. Oft aus der Konserve, doch häufig auch live. Nicht nur tagelang im Sommergarten mit Rap und Pop, sondern auch an den Ständen wie zum Beispiel bei Siemens in Halle 1.1 regelmäßig Jazz zum Feierabend mit Nelson Müller und Band (17.15 bis 18 Uhr, Nähe Eingang Messe Süd). Chinesische Klänge, Tänze und Kostüme runden eine Messe ab, auf der von Technik made in China wirklich nicht zu wenig zu sehen ist.

Julia Zhao in Bewegung. Studie. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Hinweis: Auf der Bühne in Halle 9 wird unter anderem oder vor allem deutsch gesprochen. Eine schöne Abwechslung, da zum Beispiel die Supplier in der Station Berlin bei IFA Global Markets zwar von ihren Produkten viel verstehen, aber bei ihren Fremdsprachenkenntnissen vielfach noch Luft nach oben haben.

Julia Zhao zur IFA auf der Messe Berlin zwischen Sommergarten und großem Stern, im Hintergrund der Funkturm. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser




HUMUS – Vergänglichkeit. Ilou Hanke: Interview zur Redsdeli-Ausstellung

Berlin-Kreuzberg, Deutschland (Kulturexpresso). Ilou Hanke ist eine Künstlerin, die nicht nur in Kreuzberg einen Namen hat. Die gebürtige Hessin ist obendrein Lehrerin, unter anderem für Qigong (sprich: Tchi-gung). Das macht sie schon seit vielen Jahren, hat dabei eigene Methoden und einen eigenen Stil entwickelt. Das gilt auch für ihre Kunst. Recycling, ein Wort, das in der Bundesrepublik erst nicht verstanden wurde, dann als chic galt und jetzt inzwischen, wie alle Wörter, die dem Verfall durch richtigen und falschen Gebrauch preisgegeben sind, eher für Müllentsorgung steht, was es ja eben eher nicht ist oder nur zum Teil.

Recycling ist zunächst einmal semantisch das Wiedereintreten in einen Kreis oder das nochmalige umrunden desselben. Wer mit dem Riesenrad mehrere Runden dreht, cycelt (kreist) erst und recycelt dann. Auf alten Postkarten gibt es das Motiv eines Mannes von der Wiege bis zum Grab über eine Brücke: Unten angedeutet: der Rückweg. Das Leben – ein Kreislauf. Jocelyn B. Smiths König-der-Löwen-Lied „Der ewige Kreis“ heißt auf englisch „Circle of Life“ (Lebenskreislauf). Nebennotiz: Der quasi Kreuzberger Chor Different Voices of Berlin führte das Lied als erster Chor auf, unter anderem in der Kreuzberger Heilig-Kreuz-Kirche. An der Brahma-Kumaris-Universität wird gelehrt, dass die Seele des Menschen gegebenenfalls mehrfach reinkarniert; also wiederverkörpert wird. Auch das ein Wiederdurchlaufen eines Kreislaufs. Nicht nur diese Universität, auch Wirtschaftswissenschaftler weltweit finden in der Geschichte Kreisläufe, die sich wiederholen.

Recyling ist also überall. Die Sonne zieht ihren Kreis, der Mond, sogar die Erde, die so scheinbar still unter unseren Füßen ruht, wenn man nicht am Mehringdamm entlanggeht und die U-Bahn unter einem rumpelt. Doch zurück zur Kreuzbergstraße, die gegenüber der Bergmannstraße vom Mehringdamm (U6, U7) abgeht. Die Straße liegt tatsächlich zu Füßen des Kreuzberges mit seinem Viktoriapark. Fast zu Füßen des Wasserfalls: Reds Deli. Ein kleiner, aber feiner Ein-Mann-Betrieb mit Liebe zur Kunst.

HUMUS – Vergänglichkeit in Kreuzberg

Die Künstlerin Ilou Hanke verwendet meist leichte, lebensfrohe, lebensbejahende Farben. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Für das Kichererbsenpüree Hummus, das manchmal aus Favabohnen hergestellt wird und sich durch den sich ausbreitenden Vegetarismus zunehmender Beliebtheit erfreut, sind Charlottenburg und Kreuzberg gute Adressen. Hier geht es aber um HUMUS. Eigentlich die fein zersetzte Substanz eines Kulturbodens, wie Wikipedia weiß, ist es hier der Name für die Ausstellung in Reds Deli.

Sowohl im straßenseitigen Gastraum als auch im wunderbaren Hinterzimmer – in dem vielleicht auch Hummus serviert wird, wer weiß? – hängt seit Freitag HUMUS – Vergänglichkeit. Die Künstlerin Ilou Hanke klärt in einem Interview auf, wie das zu verstehen ist.

„Nichts geht verloren.“ Ilou Hanke verwendete fertige und unvollendete Bilder anderer Künstler, die diese oder deren Erben zur Verfügung stellten. „Die Ausstellung ist eine Hommage an Wolfgang Wirsig (1948-2006)“. Hanke fügt hinzu, wo nötig, und lässt, wo es richtig erscheint. Dabei hilft ihr ihre Feinfühligkeit und Intuition.

Dabei fragt sie sich: „ Was lasse ich von dem Bild? Was mache ich neu? Und was bleibt erhalten?“

Die Trilogie im ersten Gastraum bildet nur einen Vorgeschmack. Hinten entdeckt man die wahren Schätze. An der erst als letztes einsehbaren Wand hängen zwei Bilder. Das linke zeigt ein Frauenporträt. Vielleicht inspiriert von Wolfgang Wirsigs Frau oder Tochter? Ilou Hanke „rahmte“ es neu farbig. Bunt, hell, leicht, fröhlich, aber nicht übertrieben.

Malteser Motiv: Häuser und Treppe auf der Insel Malta

Ilou Hanke im Hinterzimmer. Vor dem Maltabild. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Daneben, links von der Zimmerecke, ein Bild, das eine Straßenszene auf Malta zeigt.

Die Treppe auf dem Gemälde gibt es wirklich. Vielleicht entdeckt man sie in La Valletta, wenn man die Mittelmeerinsel mit den Jahrtausende alten Tempeln mit runden Grundrissen besucht. Kleiner als Sizilien, ist Malta doch ein eigener Staat und hat inzwischen den Euro mit einem Malteserkreuz. Soviel zum Geld: umtauschen entfällt.

Ilou Hanke fügte aus einer anderen Collage etwas hinzu und passte auf dem Malteser Bild nur die Farben an.

Apropos Farben: Auf der rechten Seite des Hinterzimmers sieht man Bilder, bei denen die Künstlerin mit Acrylfarbe gearbeitet hat. Daran ist sie aber nicht gebunden, sondern verfährt fallweise angemessen.

Genau wie mit den Veränderungen im Rahmen von HUMUS – Vergänglichkeit. Im Deutschunterricht am Gymnasium gab es in den 80er Jahren in einer Stadt in Niedersachsen bei einer Klassenarbeit auf die Frage, wie lang denn der Aufsatz oder die Klausur werden soll, folgende kluge Antwort: „So lang wie nötig, so kurz wie möglich.“

So ähnlich könnte man es mit den Bildern sehen, die die Vergänglichkeit durch ihren Arbeitsprozess zeigen: Wie sollte verändert werden? So viel wie nötig. Das so wenig wie möglich gebietet schon die Sparsamkeit mit den Farben und der Respekt vor dem Erstkünstler.

Vergänglich sind wir (unsere Körper) sowieso

(ewig ist nur das Unzerstörbare, das A-tom, das In-dividuum, der Kern, die Seele)

Die Malerin Ilou Hanke ist ein fröhlicher, positiver Mensch. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Eine neue Sparsamkeit passt auch in die neue Zeit, die Greta aus Schweden initiierte. Ilou Hanke ist willens und bereit, sich im privaten Bereich vorbildlich zu verhalten, was zum Beispiel Flugreisen und anderes umweltrelevantes Handeln angeht.

Denn sonst sind alle Menschen bald Humus. Vergänglich sind wir – oder unsere Körper – sowieso.

q.e.d.

Ilou Hanke. In Reds Deli. In Berlin-Kreuzberg. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Ausstellung HUMUS – Vergänglichkeit

Ausstellungsort: Galerie Redsdeli

Speisenmeisterei
REDSdeli
Restaurant | Bar | Galerie
Kreuzbergstraße 10,
Berlin

Website:
www.redsdeli.com

Ausstellung (Link zur Unter-Website der Art Kreuzberg):
Ilou Hanke, Malerei

Vernissage:
Freitag, 6. September 2019, 19 Uhr

Ausstellungszeit: auch während der Art Kreuzberg im September ’19 (6., 7. +8.9.)

Die Künstlerin Ilou Hanke findet man auf Facebook (Ilou H. Hanke).

Ilou Hanke. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser




Lange Nacht der Museen am 31. August – 75 Museumsorte in Berlin, 10 neu

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Lange Nacht der Museen findet seit Jahren in Berlin statt. Genau genommen schon das ganze Jahrtausend lang. Und wer hat‘s erfunden? Es ist ein Berliner Original! Seit 1997. Es ist ein Fest der Superlative, das beängstigen könnte. 750 Events und 75 Museen okay, umfreundlich mit nur einer Eintrittskarte zu erschließen, 75 Tickets zu drucken hätte viel Papier gekostet. Doch wer besucht schon alle – und ist das überhaupt möglich? Auch wenn manchmal von einem Museums-“Marathon“ die Rede ist – die lange Nacht der Museen ist keine Sportveranstaltung. Genau genommen ist sie noch nicht einmal lang: Um 18 Uhr am Abend beginnt sie mit einer Ballettveranstaltung auf der Freitreppe der James-Simon-Galerie – die ich „Treppen-Haus“ taufe, so wie die Kongreßhalle Schwangere Auster heißt und der Funkturm Langer Lulatsch, weil man immer nur auf und ab läuft oder herumirrt und erst hinterher feststellt, dass man das hätte vermeiden können – und um 2 Uhr ist Schluss. Allerdings gab es bei der Pressekonferenz Stimmen von Museumsleuten, die bezeugten, das bei ausreichendem Andrang nicht wie in einem Postamt um Punkt 2 die Tür abgeschlossen wird, sondern es auch schon mal bis drei, halb vier ging.

Lange Nacht der Museen – warum überhaupt hingehen?

Warum sollte man an einem Abend – Nacht wird es ja erst ab 22/ 23 Uhr und bei der Hitze ist es gefühlt viel früher – versuchen, mehrere Museen zu besuchen, wenn es viel voller ist, quirliger (unruhiger) und der Eintrittspreis höher ist als der Einzeleintritt in zwei oder Museen? Lange- Nacht-der-Museen-Dauerbesucher ficht das nicht an.

Allerdings: Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 54% der Besucher (also logischerweise Besucherinnen und Besucher) waren 2018 das erste Mal dabei. Die anderen 46% waren also schon zweimal, dreimal, viermal oder mehrmals dabei. Das wird als Erfolg verkauft. Ein Erfolg, dass die Neugier geweckt wurde und ein neues, großes Publikum gewonnen werden konnte. Nicht gezählt werden die, die nicht mehr kommen, weil ihnen etwas nicht gefällt.

An einem anderen Tag

Wer in Ruhe ein Museum besuchen möchte und Zeit haben für die Exponate, ohne dass dauernd jemand im Sichtfeld steht und potentiell stören könnte, der komme eben an einem anderen Tag.

Die lange Nacht

Die Lange Nacht der Museen hat einen eigenen Flair, ein geschäftiges Summen, die Suche nach Sensation und der berechtigte Wunsch nach (gehobener) Unterhaltung. Es ist ein Gemeinschaftserlebnis mit das aussterbende Gemeinsam-im-Stau-Stehen-am-Ferienende: Dort stöhnen alle und meckern, aber letztlich bietet eine stillstehende Autobahn im Sommer auch ein Faszination und Gespräche mit Wildfremden, mit denen man plötzlich etwas gemein hat. Bei der Langen Nacht der Museen ist die Schnittmenge noch größer. Hier treffen sich nicht Marl und Sindelfingen wie beim Stau (oder auch doch!) und ein kulturelles Interesse wenigstens im Rahmen des Stadtbesuches sind gemeinsamer Nenner.

Man braucht keine Angst zu haben, wie man ohne Taxi nach Hause kommt, 8 eigene Lange-Nacht-Buslinien verbinden die Veranstaltungs- und Schauorte; das Lange-Nacht-Ticket für 18,- Euro gilt von Samstag 15 Uhr bis Sonntag 5 Uhr morgens auch im öffentlichen Nahverkehr, bei der BVG und im restlichen VBB!

Lange Nacht der Museen – mehr Jüngere dabei

Jüngere Museumsbesucher sind unter anderen um die 40. Das Durchschnittsalter der Besucher hat sich verringert; die Veranstalter werten das als Erfolg. Unberücksichtigt bleiben die, die durch die neue Ausrichtung, Modernität und Digitalisierung das Interesse verlieren oder vergrault werden. Oder schlicht keinen Zugang haben.

Ob die Wegbleibenden mehr sind als die neu Hinzugewonnenen, weiß niemand.

Immerhin hat sich die Gesamtzahl der Besucher 2018 gegenüber 2017 erhöht, von 31.000 auf 35.000. Dazu kommen die Kinder unter 12, die gratis Eintritt erhalten. Die Interpretation dieser Zahlen fällt verschieden aus.

Natürlich ist es ein Erfolg. Wie dieser zustande kam, kann niemand mit 100%iger Gewissheit sagen. Denn der Tourismus boomt und größere Besucherzahlen könnten hauptsächlich durch das Schwimmen auf der Welle zu verzeichnen sein. Das Wetter müsste berücksichtigt werden und vieles andere. Wie viele Presseberichte gab es 2017, wie viele 2018? Den Besuchern, die heute abend an den Shuttlebussen warten werden, wird es egal sein.

Die neuen Orte der Langen Nacht der Museen

2019 steigen zehn Museen neu ins Programm ein. Darunter sind:


Das Heimatmuseum Zehlendorf

Schloss Biesdorf (Alt-Biesdorf 55 in Marzahn-Hellersdorf; wegen der Abgelegenheit nicht an einer acht R-Buslinien angebunden. Erreichbar mit der S5 bis Biesdorf oder der U5 Bahnhof Elsterwerdaer Platz)

und, in Eigenschreibweise:

– „Pergamonmuseum. Das Panorama“ Am Kupfergraben 2 (der runde Ort gegenüber des Bode-Museums und des Pergamonmuseums auf der anderen Seite des Kupfergrabens, der Festlandseite)

– PalaisPopulaire (Unter den Linden 5 in Berlin-Mitte, Bus R1 Haltestelle „Staatsoper“)

– Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum

– die Wanderausstellung „Der Krieg und ich“ auf dem Dorothea-Schlegel-Platz in Mitte an der Südflanke des Bahnhofs Friedrichstraße (oder Bus R1 Halstestelle Unter den Linden/ Friedrichstraße)

– James-Simon-Galerie zwischen Neuen Museum, Pergamonmuseum, Kupfergraben und Bodestraße

Auf der großen Freitreppe der James-Simon-Galerie (Kosten: über 100 Millionen Euro) wird die Lange Nacht der Museen um 18 Uhr eröffnet. Das Landesjugendballett bezieht die Treppe in den Tanz ein, zum wiederholten Male tritt es bei der Langen Nacht auf, der Chef des Ensembles bedankte sich dafür.




Rudolf Jankuhn – Roaring Twenties: Ausstellung mit Konzert in Weißensee

Berlin-Weißensee, Deutschland (Kulturexpresso). Rudolf Jankuhn – Roaring Twenties wird eine Ausstellung in Sepp Maiers 2raumwohnung. Diese Galerie ist tatsächlich eine Zweizimmerwohnung. Zum Silbensparen und als Bildung nationaler Identität hießen Zwei-Zimmer-Wohnungen in der DDR Zwei-Raum-Wohnung. Obwohl Berlin (Ost) wegen des Viermächtestatus nie offiziell Teil der DDR sein durfte, breitete sich die Hauptstadt de facto im Ostteil Groß-Berlins aus. Acht Bezirke (von 20) war der sowjetische Sektor groß (Berlin Ost)). Herauszufinden, wann der Terminus „Zweiraumwohnung“ aufkam, überlassen wir der Sprachgebrauchsforschung, der Germanistik und der Linguistik. Fakt ist, dass er sich durchsetzte – naheliegend, dass es sich um einen Begriff der kommunalen Verwaltung handelte, die sich durch die Diktatur (des Proletariats) und ihre zentrale Lenkung überall verbreitete. Die Beharrlichkeit ehemaliger DDR-Bewohner, die Gewohnheit sowie die Unbewusstheit, dass in Deutschland zwei Begriffe für ein und dasselbe entstanden waren, führten zum Überleben der „Zwei-Raum-Wohnung“. Eine dieser Wohnungen wurde zur Galerie.

Sie scheint Sepp Maier zu gehören. Der erfolgreiche Fußballer war aber noch nicht dort gewesen. Hatte er sie als Geldanlage gekauft? Betongold in Weißensee? Achim Seuberling wird es wissen. Er ist unter der Adresse der Zweiraumwohnung Langhansstraße 19 in 13086 Berlin erreichbar sowie unter Telefon (030) 34 35 32 56. Geöffnet ist mittwochs von 15-19 Uhr. Das ist natürlich nicht viel. Aber die Langhansstraße ist nicht der Ku‘damm. Hier rattern die Straßenbahnen entlang zum Beispiel der Linie 12 und M13. Vorne am Antonplatz, wo das Kino Toni ist, fährt auch noch die M4 vom und zum Alexanderplatz. Gratis arbeiten geht nicht und üblicherweise flaut nach einer Vernissage das Interesse an einer Kunstausstellung etwas ab. Doch hier kann man immerhin Rudolf Jakuhn sehen, einen lebenden Berliner Künstler, der schon lange im Geschäft ist und trotzdem den Ball flachhält. Demut ist eine Tugend. Jankuhn beherrscht sie.

Rudolf Jankuhns Arbeit und Werke

Rudolf Jankuhn vor seinen Werken. Künstler will er nicht genannt werden, das ist ihm zuviel Ehre. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Rudolf Jankuhn ist Schriftsteller und Künstler. Das ist eine neutrale Feststellung. Doch möchte der Autor nicht so bezeichnet werden. Er nennt sich Bildgestalter und Texter. Er hat bereits eine ganze Reihe Bücher herausgebracht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Reihe heißt „Werkhefte“. Sie begleitet sein Werk. Wird von seinem Werk begleitet. Etwa ein Dutzend Bände gibt es schon. Jankuhn hat als Verfasser Übung. Üblicherweise enthält jedes „Heft“ eine Menge Abbildungen.

Wir fragen ihn: „Was war zuerst da, die Bilder oder die Texte?“ Eine Frage wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Schwer zu sagen.

Jankuhn antwortet, dass die Bilder zuerst da waren, aber die Texte ihm heute wichtiger sind. Letztlich sind beide nicht zu trennen. Wer macht bei den Coen-Brüdern was? Sie arbeiten eben zusammen. Wenn Verfasser und Künstler, wir bitten um Entschuldigung, Bildgestalter, ein und dieselbe Person sind, ergänzt sich beides eben eng. Wirkt zusammen.

Rudolf-Jankuhn-Vernissage und Konzert: Das Natalia-Mateo-Trio spielt über eine Stunde

Plakatausschnitt „Roaring Twenities“ von RJ. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Nun also wird es aktuell in Berlin eine Ausstellung von Jankuhns Werken geben. In Weißensee. Seit 1920 ein eigener Bezirk von Groß-Berlin, in der DDR, zu der Ost-Berlin offiziell nicht gehören konnte, de facto aber schon, gesellten sich später noch drei Bezirke in der Nachbarschaft hinzu. Im Rahmen der Bezirksreform verschwand am 1. Januar 2001 der Bezirk Weißensee von der Bildfläche. Statt 20 Bezirken hat Berlin nur noch 12; Weißensee ist nur noch ein Ortsteil des Bezirks Pankow.

Dazu ein Konzert, das für eine Vernissage untypisch lang ist und damit eher eine normale Konzertlänge erreicht. Es sind also eigentlich zwei eigenständige Veranstaltungen in einem. Zwei zum Preis von einem – bei freiem Eintritt.

Veranstaltungsdaten zu Rudolf Jankuhn – Roaring Twenties

Bildgestalter Rudolf Jankuhn vor seinen Werken. Im August 2019. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Was?

Vernissage mit Konzert des Natalia-Mateo-Trios, das in zwei Zeitfenstern vor und nach den Reden insgesamt eine Stunde und 20 Minuten dauern soll.

Wann?

Die Vernissage findet am Freitag, den 23. August 2019 um 19 Uhr statt.

Die Ausstellung dauert vom 24.8. bis 28.9.2019, also von Ende August an fast den ganzen September. Mittwochs 15-19 Uhr.

Wo?

Sepp Maiers Zweiraumwohnung (2raumwohnung), Langhansstraße 19, in 13086 Berlin. Das liegt im Ortsteil Weißensee des Bezirks Pankow nicht weit vom Prenzlauer Berg.

Plakat-Ankündigung der Rudolf-Jankuhn-Ausstellung „Roaring Twenties“. 24.8.-28.9. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Die Website des Veranstaltungsorts lautet

http://seppmaiers2raumwohnung.de/

(Am 10.9.’19 um 10 Uhr soll dann hier Lingulinos Kindertheater steigen, für Kinder ab dem Alter von 2 Jahren.)




Eine thaiboxende und Taxi fahrende Türkin schlägt sich durch Wien – Zum Spielfilm „Die Hölle“ von Stefan Ruzowitzky

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Die Hölle“ ist nicht das Gegenteil von dem Himmel, sondern der Titel einer Produktion aus deutschen Landen, die rund fünf Millionen Euro gekostet haben soll und nunmehr im „Montagskino“ gezeigt wird, genauer: am Montag, den 12. August 2019, ab 22.15 Uhr im „Montagskino“ des ZDF.

Unter der Regie von Stefan Ruzowitzky sind Violetta Schurawlow, Tobias Moretti, Friedrich von Thun, Robert Palfrader, Verena Altenberger und andere im Großstadt-Gewühl mit Gefühl zu sehen. Zudem wird viel von Wien und dem alltäglichen Wahnsinn der Donaumetropole, in der sich manche Frauen durchboxen und durchschlafen müssen, gezeigt, allerdings auf einer Weise, dass man sich fragt, in welcher Stadt der Streifen gerade spielt.

Laut ZDF-Pressemitteilung vom 8.8.2019 sieht die Hölle so aus: „Als Taxifahrerin Özge (Schurawlow) nach einer Nachtschicht nach Hause kommt, beobachtet sie in der Wohnung gegenüber einen brutalen Ritualmord. Der Killer entdeckt Özge im Licht der Deckenlampe. Von nun an ist die junge Frau ihres Lebens nicht mehr sicher. Trotzdem erhält die Augenzeugin keinen Polizeischutz. Den Fall übernommen hat Kommissar Steiner (Moretti) von der Wiener Kriminalpolizei, doch die Ermittlungen kommen zunächst nur schleppend voran. Dann wird Özge ein weiteres Mal Zeugin eines Mordes: Am Telefon hört sie mit an, wie ihre Schwester Ranya (Altenberger) mit Töchterchen Ada dem Killer geradewegs in die Arme läuft. Endlich kommt auch Steiner in die Gänge. Er findet Hinweise, die auf die Fährte eines weltweit agierenden Serienkillers führen.“

Die thaiboxende und Taxi fahrende Türkin schlägt sich mit der Kraft einer Frau durch Wien. Wahnsinn! Zwar spielt der Film auf der Mein-Freund-der-Ausländer-Klaviatur, doch er zieht dank einer straffen und aktionsgeladenen Handlung immerhin keine faden Fäden.

„Die Hölle“ ist der letzte von sechs Filmen in der Reihe „Europäisches Kino“, der in der Republik Österreich und der Republik Deutschland am 19. Januar 2017 in die Lichtspielhäuser kam. Premiere war allerdings am 9. Januar 2017 in Innsbruck.

Bibliographische Angaben

  • Titel: Die Hölle
  • Staat: Deutschland, Österreich
  • Jahr: 2017
  • Sprache: Deutsch
  • Regie: Stefan Ruzowitzky
  • Drehbuch: Martin Ambrosch
  • Kamera: Benedict Neuenfels
  • Schnitt: Britta Nahler
  • Musik: Marius Ruhland
  • Darsteller: Violetta Schurawlow (Özge Dogruol), Tobias Moretti (Christian Steiner), Friedrich von Thun (Karl Steiner), Verena Altenberger (Ranya), Robert Palfrader (Samir), Sammy Sheik (Saeed el Hadary), Stefan Pohl (Petrovic), Murathan Muslu (Ilhan), Nursel Köse (Hande), Susanne Gschwendtner (Ärztin), Deniz Cooper (Adem), Erika Deutinger (Frau Öfferl), Ercan Kesal (Gökhan), Michaela Schausberger (Sabine)
  • Produzenten: Helmut Grasser, Thomas Peter Friedl
  • Länge: 92 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 16




Wachwechsel bei Lulu Guldsmeden Potsdamer Straße: Stephan Hein tritt an

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wachwechsel im Hotel und Restaurant Lulu Guldsmeden in der Potsdamer Straße 67: Stephan Hein tritt an, Marc Lorenz tritt ab. Bei einer Welcome-Farewell-Party in Tiergarten, dass seit 2001 Teil des Berliner Bezirks Mitte ist, flossen der Wein, Champagner und Wasser. Wasser auch gleich in großen Mengen von oben. Der gemütliche, begrünte Hof mit großen, stabilen Regen- und Sonnenschirmen war anfangs der ideale Ort um lauschig zu plauschen und anzustoßen. Bei beginnendem Regen hielten die Großschirme lange das Nass von oben ab. Doch der Wucht des Starkregens, der im Verbund mit böigem Wind auch irgendwann die Kissen auf den gemütlichen, straßenseitig aufgestellten Bänken benetzte, waren die Schirme bald nicht mehr gewachsen.

Gute Atmosphäre in hervorragender Lage

Imposante Möbel verbreiten Atmosphäre im Hotel-Restaurant Lulu Guldsmeden. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

An den Tag und Nacht verkehrenden Linien M45 und M85 gelegen, ist das Hotel leicht und umweltfreundlich erreichbar. In Zeiten wachsenden Einflusses von Great Greta und ihren Freunden sowie stärkeren Umweltbewusstseins nicht zu verachten. Die genannten Busse verbinden die Bahnhöfe Bülowstraße und Potsdamer Platz der roten Linie 2 miteinander und den Bahnhof Kurfürstenstraße der U3 und U1, nach der sogar ein Musical benannt wurde. Um die Ecke das urige Kumpelnest 3000 auf dem Weg zum neuen Gleisdreieckpark. Eine Bushaltestelle weiter verkehrt Tag und Nacht der M29er Autobus, der die Szenebezirke Kreuzberg und Neukölln über die Oranienstraße (SO36) und das Zeitungsviertel mit dem Kurfürstendamm und Grunewald verbindet. Potsdamer Brücke aussteigen; diese führt über den Landwehrkanal, an dem man spazierengehen kann und IBA-Häuser entdecken. Vom Hotel aus gesehen direkt hinter dem Kanal liegt Scharouns Kulturforum mit Staatsbibliothek, Philharmonie und Musikinstrumentenmuseum.

Direkt am Gewässer ist die Neue Nationalgalerie (Potsdamer Straße 50) gerade Baustelle, so dass Gelegenheit bleibt, nur ein paar Schritte weiter die Matthäikirche, Gemäldegalerie, Kunstgewerbemuseum (mit Lüneburger Ratssilber) und die Gedenkstätte deutscher Widerstand im Bendlerblock zu besuchen.

Damit ist die herausragende West-Berliner und denkbar zentrale Lage zwischen City-West und Unter den Linden schon schlagkräftig skizziert. Unter Weglassung vieler weiterer Anziehungspunkte im Umkreis wie Sony-Center, Diplomatenviertel und das nur schräg über die Kreuzung wartende Varieté Wintergarten.

Ein besonderes Hotel

Ein Mietshaus als Hotel. Die weitverbreiteten vierstöckigen Mietshäuser, die die Traufhöhe von 22 Metern bei hoher Deckenhöhe ausnutzten, kennt man. Doch hier tritt man in einen Hotelflur ein. Links und rechts geht es ins Restaurant und an die Theke statt in zwei verschiedene Läden. Sie sind beide vom Flur aus zugänglich, statt wie üblich von außen. Auch der Innenhof ist in den Eindruck integriert.

Serviert werden orientalische Köstlichkeiten, koreanischer grüner Tee sowie anderes Leckere. Beim Verlassen erhält man, solange der Vorrat reicht, ein frisches Glas Erdbeermarmelade mit Lulu-Etikett.

Das erste Hygge-Hotel am Platze: Stephan Hein tritt an

Nachhaltigkeit wird großgeschrieben im Hotel Lulu Guldsmeden: ALL YOU CAN EAT – „Nimm alles, was Du essen kannst. (Aber:) Iss alles auf, was Du nimmst.“ © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Stephan Hein wird noch einiges auf der Karte ändern. Marc Lorenz wies in seiner Farewell-Speech auf den Aufbau des ersten Berliner Hygge-Hotels hin, mit dem Ehrgeiz, immer etwas anders sein zu wollen. Die Hotelkette nicht von der Stange hat in Skandinavien einen starken Stand: Norwegen und Dänemark sind Schwerpunkte. Südfrankreich und Berlin sind bisher mit einem Haus vertreten. Ein zweites soll hinzukommen. Außer den Hotels von Arhus (277.000 Einwohner) und Oslo sind alle Häuser nach den Vornamen der Kinder der Familie und von Freunden benannt. Sympathisch.

Ein Gastbetrieb, wo man gern mal wiederkommt. Wir wünschen Stephan Hein ein gutes Händchen und haben da Gefühl: Das kriegt der hin.

Das Hotel

Anschrift: Lulu Guldsmeden Hotel Potsdamer Straße 67, 10785 Berlin, Bundesrepublik Deutschland

Telefon: +49 (0) 30 255 587 20, aus Deutschland: 030 25 55 87 20

E-Mail: lulu@guldsmedenhotels.com




Wal gewinnt die Wahl. NABU-PlanetArt mit Rosaana Velascos Installation

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Wal gewinnt die Wahl. Vier Gewinner gab es am Ende: drei aus dem Wahlvolk, die als Dank für ihre Teilnahme an der Abstimmung eine Tasse erhielten, und einen Künstler. Genauer: Es wurde eine Künstlerin. Die eventuell schon aus der Pole position einen Start-Ziel-Sieg einfuhr. So genau lässt sich dass nun nicht mehr nachvollziehen. Gab es ein Preisgeld? Nein. Gewonnen hat Frau Rosaana Velasco einen Platz in der Ausstellung im 4. Stock des Kühlhauses.

Und dann gab es noch eine JURY. Eine dreiköpfige. Sie sollte sich aus den über 303 eingereichten Kunstwerken 3 oder 4 heraussuchen. Das gelang der Jury nicht. Angeblich war die Auswahl zu gut. Vielleicht war es auch Entscheidungsschwäche. Jedenfalls wurden 7 Kunstwerke prämiert. Und dafür die 5. Etage des Kühlhauses freigemacht. Rosaana Velascos Wal zieht dann ja vielleicht auch dorthin (Links unten).

PlanetArt hat …

… Wal gewonnen

Wal. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Die Installation konnten wir bereits während einer Ausstellung in Wedding photographieren. Es war eine Gemeinschaftsausstellung in der Neuen Hochstraße Nähe Reinickendorfer. Rosaana Velasco nahm bereits an vielen Ausstellungen im In- und Ausland teil, darunter vielen Einzelausstellungen.

Dass die Wale wegen zuviel Plastikmülls untergehen, hat sich herumgesprochen. Plastik – Kunststoff – ist leicht und gelangt über die Flüsse ins Meer. Dort kann er nicht weg und wird immer mehr. Das Meer dagegen wird immer weniger Meer. Riesige Plastikinseln haben sich im Stillen Ozean gebildet. Wenn es so weiter geht, wird es im Stillen Ozean bald noch stiller. Atombomben sah der Pazifik, der so pazifistisch nicht immer war, schon viel zuviele. Die erste Bombe wurde östlich des Ozeans in den USA gezündet, die ersten auf Menschen abgeworfenen, die Hunderttausende töteten, am Westrand des Pazifiks in Japan. Menschen verließen pazifische Inseln wegen der Atombomben-“Versuche“ oder „Tests“. Heute verlassen Menschen tiefgelegene Inseln, weil der Meeresspiegel steigt und sich Salz- und Süßwasser vermischen. Meerestiere sterben tonnenweise durch Abfälle. Fischbestände sind kleiner geworden, kaum irgendwo kann man nicht von Überfischung sprechen.

Kunststoff ins Meer zu schmeißen, ist keine Kunst. Er gehört recycelt, wieder dem Kreislauf zugeführt. Meist gelingt das nur in der Form von Regenrinnen. Aus alten Tüten lassen sich nicht direkt neue herstellen, das kommt gar nicht in die Tüte. Zu verschieden die Kunststoffe; lebensmittelecht sind die eingschmolzenen Reste auch nicht.

Am besten wäre die Müllvermeidung durch weniger Produktion von Einwegplastikprodukten. Viele Regionen sind auf dem Weg dahin. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es heute Millionen Tüten weniger als noch vor zwei Jahren. Doch das bereits in Meer gelangte Plastik verdunstet weder noch sinkt es auf den Meeresboden. Es schwimmt und wird von Haien, Fischen und Meeressäugern verschluckt.

Plastikwal oder Wal-Plastik? Ein Wal gewinnt die Wahl

Zu bauen aus Plastik einen Wal, das ist genial.

Frau
Velasco baute eine Plastik aus Plastik.

Kunst
aus Kunststoff.

Genial auch die Dreiteiligkeit. Zwei Teile sind zu sehen: oben ein gerahmter Walteil, die eigentliche Walfluke, darunter setzt sich der Walkörper außerhalb des Rahmens fort bis er an der Fußleiste endet. Der größte Teil des Wals ist „unsichtbar“. So wie im echten Leben, wo die Wale nur selten zu sehen sind und dann nicht ganz. Ein Teil der Kolosse ist immer im Wasser. Bis dann mal wieder Wale stranden. Niemand weiß warum. Sicher ist: die Menschen sind dumm und sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen. Der Ast ist schon mehr als die Hälfte durchgesägt. Manche hören es schon knacken. Andere meinen, die Tatsache, dass sie auf dem Ast sitzen, bedeutet, dass sie auch noch lange sitzenbleiben würden. Warten wir‘s ab oder tun wir was dagegen, gegen‘s Sägen?

Veranstaltungsdaten zu PlanetArt und Links (zum Ort, zum NABU usw.)

PlanetArt ist Teil des Festivals of Nature. Näheres auf der Website des NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. Es folgt ein Link zu Planet-Art auf eine Unter-Website von NABU.de. https://www.nabu.de/landingpages/planet-art.html

Was?

PlanetArt soll beim Festival of Nature im Kühlhaus Berlin gezeigt werden. Mehr als 30 Künstler aus der Bundesrepublik Deutschland, Kirgistan, Mexiko, Norwegen, Russland, Simbabwe, Spanien und anderen Ländern zeigen, was sie anfertigten.

Wann? Vom 11.-21.09.2019

Wo? Im Kühlhaus Berlin (KB), U-Bahnhof Gleisdreieck U1 + U2 + U3,

Anschrift: Kühlhaus Berlin, Luckenwalder Straße 3, 10963 Berlin

Telefon: (als eine Zahl:) 03021005605, (paarig mit Vorwahl:) 030 21 00 56 05

Website des Kühlhauses: http://www.kuehlhaus-berlin.com/de/

Das Kühlhaus hat auf 7 Etagen 5000 Quadratmeter Platz und liegt gegenüber der Station Berlin.

Finale Rangliste:

https://www.nabu.de/wir-ueber-uns/veranstaltungen/planet-art/26558.html#rangliste

Die Siegerinstallation gewann mit deutlichem Abstand und 494 abgegebenen Stimmen. Weiter unten war es deutlich knapper, das sechste und siebte Bild erhielten beide je 190 abgegebene Stimmen. Das zeigt: Jede Stimme zählt.

Für PlanetArt eingereichte Kunstwerke in der ursprünglichen, neutralen Numerierung:

https://www.nabu.de/wir-ueber-uns/veranstaltungen/planet-art/26645.html

Zu den Künstlern zählen Karla Paredes de Krentel, Alfons Schmidlin, Katja Heinroth, Nocole Jandl und viele andere.

Jurygewinner

Unten der Link zu den von der JURY ausgewählten Werken. Sie tragen folgende Namen: PlastikKarte, KunstStoff No.1, THE FLY, Das perfekte Unkraut, If I were YOU, Because I Wished, Rote Liste, ETERNAL und Geratewohl. Die Jurymitglieder heißen Andrea Wenzler, Olaf Tschimpke und Matthias Koch (gegen das Alphabet sortiert).

https://www.nabu.de/wir-ueber-uns/veranstaltungen/planet-art/planet-artist.html

Die von der Jury bestimmten „Gewinner“ im einzelnen mit den Namen der Künstlerinnen und Künstler: Serie „PlastikKarte“ (73) und „KunstStoff No1“ (72) von Ruth Bergmann, „THE FLY/// Warum wir Insekten brauchen?“ (107) von Natalie Port, „Das perfekte Unkraut“ (202) von Antje Dathe, Serie „DEDITIO“ (81), „ZORN“ (82), „If I WERE YOU“ (89) und „Because I wished“ (91) von Regine Wolff, „rote Liste“ (147) von Petra Steeger, „ETERNAL“ (301) von Maris Polanco und „Geratewohl“ (163) von Anja Jaeger.

Link zum Artikel im Kulturexpresso über die Wahl, als sie noch nicht entschieden war, aber Rosaana Velasco führend:




Der Rubel rollert – elektrische Roller erobern Berlin und D. Alles gut?

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Elektrische Roller: Kennzeichen haben sie ja. Und online nachverfolgbar einschließlich des Nutzers sind sie sowieso. Damit sie von dieseltankenden Lieferwagen abtransportiert werden können ins Nest, um anschließend wieder ausgesetzt zu werden, ist die Ortung eingeschaltet. Man weiß also, wer wann wohin fuhr. Von wo aus. In der Hauptstadt ist das Angebot recht groß, je weiter mittig, desto besser.

Elektrische Roller und Zweiräder aller Art

Alles auf einem Bild: Bahn,_S-Bahn, fahrendes Fahrrad vor Bus, stehendes_Leihfahrrad_und Elektroroller am einstmals verkehrsreichsten Platz Europas Potsdamer Platz in Berlin. (Der U-Bahneingang ist hinten hinter dem Bus.) © Foto/BU: Andreas Hagemoser, 2019

Weitere Zweiräder stehen an vielen Straßenecken zur Verfügung. Die breiten Bürgersteige Berlins und die Politik des hellrot-dunkelrot-grünen Senats, im Zweifel immer gegen die Parkplätze zu regieren – was ein Fehler ist – vereinfachen die Aufstellung von Unmengen oft nicht gebrauchter Fahrräder, Roller und Motorroller.

Motorroller war bis vor nicht langer Zeit ein eindeutiger Begriff, da es sich um Verbrennungsmotoren handelte, die in kurzer Zeit eine maximale Leistung und Beschleunigung erzielen. Preiswerte Modelle mit stinkenden, knatternden Zweitaktern á la Trabi; leistungsfähigere, die auch für Überlandfahrten taugen, ähneln in der Ausstattung immer mehr den Autos. Maximales Zweirad-Beispiel: das nicht mehr gebaute BMW-Motorrad C1 mit ABS und Dach.

Da ein Elektromotor auch ein Motor ist, ist „Motorroller“ heute ein doppeldeutiger Begriff. Kinder würden sagen, ein „Teekesselchen“. Im Grunde rollen alle erwähnten Gefährte und Fahrzeuge. Einen Antrieb haben sie auch. Ein Außerirdischer könnte mit Fug und Recht einen elektrischen Roller „Motorroller“ nennen.

Wozu Parkplätze gut sind: Auch für den Umweltschutz!

Parkende Elektroroller am Taxistand. Dazu ein geparktes Fahrrad, ein fahrendes Rad (auf dem Bürgersteig) und ein fahrendes Krad (auf der Straße). Sommerszene vor dem Ritz-Carlton am Berliner Tierrgarten. © Foto/BU: Andreas Hagemoser, 2019

Parkplätze, die in einem guten Verhältnis zur Zahl der benutzten Fahrzeuge stehen, sind eine gute Sache. In Berlin heute mit seinen Dauerbaustellen, die sich durch die Niedrigzinsen noch vermehren, sind immer zu wenige Parkplätze vorhanden. Da bedarf es keiner städtischen Politik des Senats oder der Bezirksämter, die Anzahl der Stellplätze noch zu verringern. Trotzdem geschieht der Abbau noch immer. Beispiele: Sitzbänke am Straßenrand (in der Kreuzberger Bergmannstraße), Blumenkübel und betonierte „Fahrradleihstationen“ wie an der Nationalgalerie in Tiergarten.

Man könnte meinen, dass Parkhäuser dann umso besser verdienen. Das ist nur teilweise richtig. Wer spart, das Tageslicht schätzt oder Platzangst hat, für den ist ein Parkhaus keine Alternative. Außer dem Parkhaus im Englischen Garten. Dort im Tiergarten kann man Tee trinken – jedoch keine Wagen abstellen, außer dem Geschirrwagen.

In Zeiten, in denen der Klimaschutz alles zu dominieren scheint, sind Parkplätze wieder wichtig.

Zuwenig Parkplätze bedeutet zuviel Parksuchverkehr, also Zeitverlust, Spritverbrauch, Abgase und andere Umweltverschmutzung, Erderwärmung.

Zuwenige Parkplätze führen zu mehr Staus, weil mehr Verkehrsteilnehmer länger auf der Straße sind und sich manche mit Stehen in der zweiten Reihe behelfen. Folge: Stau, Abgase, Klimaschaden.

Wer heute für Klima und Umwelt ist, muss auch für ausreichenden Parkraum sein.

Aufstehen! Elektrische Roller und Stand-up-Paddling (SUP)

Absteigen, bitte! Elektroroller, Auto und Bus begegnen sich am Potsdamer Platz in Berlin. © Foto/BU: Andreas Hagemoser, 2019

Wer elektrische Roller fährt, steht auf der Straße herum, während der Asphalt unter ihm hinweggleitet. Dass statt den altbekannten Sportarten Rudern, Kanu-und Kajakfahren Wind- und Kitesurfen sowie SUP (Paddeln im Stehen) aufgekommen sind, ist ein kulturhistorisches beachtenswertes Phänomen, das noch nicht ausgewertet wurde.

Stehen statt Sitzen

Ob es da um Alexandertechnik geht, die Verwertung des Kapitals durch ständig neue Angebote und Märkte oder um eine Gesellschaft, die immer weniger Rückgrat zeigt, aber gerade deswegen wenigstens aufrecht stehen will?

Worum es geht, werden vielleicht bald Dissertationen zeigen.

Sorgfältiger Umgang?

Einen Aspekt, den wir in unserer Alltagsblindheit nicht gesehen oder übersehen haben, brachte einer der Berliner ein, die von außen einen unverstellteren Blick haben. Syed Mujtaba Ishaq ist Sales Director bei Unipos, einer japanischen Firma, die eine Software anbietet, die auf der Basis der Dankbarkeit funktioniert und unter anderem in Personalabteilungen nützlich ist. Ob er durch den täglichen Umgang mit seinen Kollegen – die Japaner sind ein äußerst höfliches Volk – oder wegen der Software die Dankbarkeit mehr im Kopf hat, wissen wir nicht.

Sein Kommentar zu den neuen elektrischen Rollern: „Die Menschen nehmen vieles für selbstverständlich. Schauen Sie, viele sind nicht sorgsam genug!“

Von einem seiner Arbeitsplätze aus überblickt er den Kemperplatz an Sony-Center und Philharmonie. Nördlich davon beginnnt der Tiergarten, ein großer öffentlicher Park. Herr Mujtaba Ishaq meint, das einfach viele sorglos in den Park fahren (wo steinige Wege das Material stark strapazieren.) Dafür seien die Roller nicht gedacht.

Auch habe er schon umgestürzte oder nicht angemessen abgestellte Fahrzeuge gesehen. Nach seinen Beobachtungen können man mit den tollen Geräten besser umgehen, pfleglicher und sorgfältiger. Er hat recht.

Aber das war uns nicht zuerst aufgefallen. Eher schon die teils rücksichtslose Fahrweise, die nur vorübergehend auf die überschwengliche Freude zurückgeführt werden darf, die mit dem „neuen Spielzeug“ und dem Fahrgefühl einhergeht.

Flugzeuge, Leihfahrräder und Elektroroller – namentlich benutzte Verkehrsmittel

Eine Handvoll elektrische Roller warten am Straßenrand vor der Zentrale der Deutschen Bahn AG Potsdamer Platz 2 in Berlin. © Foto/BU: Andreas Hagemoser, 2019

Ob sich das Klima durch Elektroroller verbessert oder gar die Welt gerettet wird, ist noch nicht klar. Vielleicht wird der Roller nur eine kleine Episode in der Geschichte bleiben, kürzer als das Hochrad. Nebenbei tragen App-gestützte Roller zu einer immer stärkeren Datenerfassung und damit einer möglichen größeren Überwachung der mobilen Nutzer bei. Wer ein Flugticket kauft, hinterlässt seinen Namen. Da an Flughäfen der Pass kontrolliert wird, nur fair. Bahnfahrkarten gibt es namentlich und anonym, Busfahrscheine ebenfalls. Leihfahrräder, -Scooter und Elektroroller werden fast ausschließlich gegen Gebühr und App angeboten. Name und Standort der Nutzer sind sekunden- und minutengenau nachvollziehbar. Ein ganz neues Feld für den Datenschutz und ein gefundenes Fressen für jede Diktatur.

Warum gibt es keine Roller mit Münzeinwurf?

Gefahr Lautlosigkeit

Elektroroller vor Denkmalsockel: Wird es je ein Denkmal für diese Art Roller geben? © Foto/BU: Andreas Hagemoser, 2019

Ein Fahrradfahrer aus dem Collegium musicum Berlin der Berliner Universitäten TU und FU sagte einmal Überraschendes. Auf den geäußerten Wunsch nach weniger Autolärm, um Lebensqualität in die Stadt zu bringen, reagierte der Fahrradfahrer so: ‚Mir ist es wichtig, dass ich die Autos höre, sonst wäre es viel zu gefährlich‘.

Um wieviel gefährlicher der Straßenverkehr durch elektrische Verkehrsmittel geworden ist, ist größtenteils unbekannt. In der heutigen Übergangszeit mit breit vertretenen Diesel-, Benzin- und Wankelmotoren bei aufkommenden Elt-Gefährten aller Art sind viele Leute noch gewohnt, die Straße nach Gehör zu überqueren.

Für Blinde dürfte das zunehmend schwieriger werden.

Andererseits laufen Hunderte ständig mit Kopfhörern herum. Feuerwehren und Rettungsdienste müssen heute mit lauteren Sirenen fahren, um wahrgenommen zu werden. Der Stress hört nicht auf.

Wie werden die E-Roller bewertet werden? Die Zeit wird es zeigen.

Hinterher werden wir schlauer sein.