Wachwechsel bei Lulu Guldsmeden Potsdamer Straße: Stephan Hein tritt an

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wachwechsel im Hotel und Restaurant Lulu Guldsmeden in der Potsdamer Straße 67: Stephan Hein tritt an, Marc Lorenz tritt ab. Bei einer Welcome-Farewell-Party in Tiergarten, dass seit 2001 Teil des Berliner Bezirks Mitte ist, flossen der Wein, Champagner und Wasser. Wasser auch gleich in großen Mengen von oben. Der gemütliche, begrünte Hof mit großen, stabilen Regen- und Sonnenschirmen war anfangs der ideale Ort um lauschig zu plauschen und anzustoßen. Bei beginnendem Regen hielten die Großschirme lange das Nass von oben ab. Doch der Wucht des Starkregens, der im Verbund mit böigem Wind auch irgendwann die Kissen auf den gemütlichen, straßenseitig aufgestellten Bänken benetzte, waren die Schirme bald nicht mehr gewachsen.

Gute Atmosphäre in hervorragender Lage

Imposante Möbel verbreiten Atmosphäre im Hotel-Restaurant Lulu Goldsmeden. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Tag und Nacht verkehrenden Linien M45 und M85 gelegen, ist das Hotel leicht und umweltfreundlich erreichbar. In Zeiten wachsenden Einflusses von Great Greta und ihren Freunden sowie stärkeren Umweltbewusstseins nicht zu verachten. Die genannten Busse verbinden die Bahnhöfe Bülowstraße und Potsdamer Platz der roten Linie 2 miteinander und den Bahnhof Kurfürstenstraße der U3 und U1, nach der sogar ein Musical benannt wurde. Um die Ecke das urige Kumpelnest 3000 auf dem Weg zum neuen Gleisdreieckpark. Eine Bushaltestelle weiter verkehrt Tag und Nacht der M29er Autobus, der die Szenebezirke Kreuzberg und Neukölln über die Oranienstraße (SO36) und das Zeitungsviertel mit dem Kurfürstendamm und Grunewald verbindet. Potsdamer Brücke aussteigen; diese führt über den Landwehrkanal, an dem man spazierengehen kann und IBA-Häuser entdecken. Vom Hotel aus gesehen direkt hinter dem Kanal liegt Scharouns Kulturforum mit Staatsbibliothek, Philharmonie und Musikinstrumentenmuseum.

Direkt am Gewässer ist die Neue Nationalgalerie (Potsdamer Straße 50) gerade Baustelle, so dass Gelegenheit bleibt, nur ein paar Schritte die Matthäikirche, Gemäldegalerie, Kunstgewerbemuseum (mit Lüneburger Ratssilber) und die Gedenkstätte deutscher Widerstand im Bendlerblock zu besuchen.

Damit ist die herausragende West-Berliner und denkbar zentrale Lage zwischen City-West und unter den Linden schon schlagkräftig skizziert. Unter Weglassung vieler weiterer Anziehungspunkte im Umkreis wie Sony-Center, Diplomatenviertel und das nur schräg über die Kreuzung wartende Varieté Wintergarten.

Ein Mietshaus als Hotel. Die weitverbreiteten vierstöckigen Mietshäuser, die die Traufhöhe von 22 Metern bei hoher Deckenhöhe ausnutzten kennt man. Doch hier tritt man in einen Hotelflur ein. Links und rechts geht ins Restaurant und an die Theke statt in zwei verschiedene Läden. Sie sind beide vom Flur aus zugänglich statt wie üblich von aßen. Auch der Innenhof ist in den Eindruck integriert.

Serviert werden orientalische Köstlichkeiten, koreanischer grüner Tee anderes Leckere. Bei Verlassen erhält mn, solange der Vorrat reicht, ein frisches Glas Erdbeermarmelade mit Lulu-Etikett.

Das erste Hygge-Hotel am Platze: Stephan Hein tritt an

Nachhaltigkeit wird großgeschrieben im Hotel Lulu Goldsmeden: ALL YOU CAN EAT – „Nimm alles, was Du essen kannst. (Aber:) Iss alles auf, was Du nimmst.“ © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Stephan Hein reichte es an. Er wird noch einiges auf der Karte ändern. Marc Lorenz wies in seiner Farewell-Speech auf den Aufbau des ersten Berliner Hygge-Hotels hin, mit dem Ehrgeiz, immer etwas anders sein zu wollen. Die Hotelkette nicht von der Stange hat in Skandinavien einen starken Stand: Norwegen und Dänemark sind Schwerpunkte. Südfrankreich und Berlin sind bisher mit einem Haus vertreten. Ein zweites soll hinzukommen. Die Häuser von Arhus (277.000 Einwohner) bis Oslo sind teils nach den Vornamen der Kinder benannt. Sympatisch.

Ein Gastbetrieb, wo man gern mal wiederkommt. Wir wünschen Stephan Hein ein gutes Händchen und haben da Gefühl: Das kriegt der hin.

Das Hotel

Anschrift: Lulu Goldsmeden Hotel Potsdamer Straße 67, 10785 Berlin, Bundesrepublik Deutschland

Telefon: +49 (0) 30 255 587 20, aus Deutschland: 030 25 55 87 20

E-Mail: lulu@guldsmedenhotels.com




Love me Tønder. Dänemark dabei in Eskapaden Sankt Peter-Ording bis Sylt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Love me, Tønder? Elvis sang „Love me, tender, love me sweet“ – liebe mich sanft, liebe mich süß. In einer Zeit, in der die deutsche Sprache vergessen wird und sich bei Eingedeutschtem wie „Ich liebe es“ durch Gewöhnung bei immer weniger die Leuten die Nackenhaare sträuben, ist es Zeit für ein solches Wortspiel. Die beschauliche dänische Stadt unweit der Festlandgrenze zu unserem nördlichen Nachbarn – Elke Weiler nennt sie auf Seite 251 „Das gemütliche Städtchen Tønder“.

„52 kleine und große Eskapaden (von) Sankt Peter-Ording bis Sylt“ heißt das Buch von Frau Weiler genau. Es ist ein 2018 erstmals erschienener Dumont-Reiseführer für Nordfriesland, der nicht genau an den Kreisgrenzen haltmacht.

Dänemark dabei

Reisegebiet des Buches ist: Nordfriesland (NF) plus das grenznahe Dänemark, in das mindestens drei Abstecher angeboten werden.

Zweimal nach Rømø (Röm), ein Ausflug (12 Stunden, Seite 156) und ein „Miniurlaub“ (Nr. 43, 36 Stunden, S. 182) von Rømø aus nach List und zum Ellenbogen.

Eine Rømø-Tour beginnt in Sønderstrand, dort wo ein Damm die Insel mit dem dänischen Festland verbindet – das haben Röm und Sylt gemein. Die Route führt dann über Havneby, den Fährhafen, nach List; mit einem Spaziergang am privaten „Ellenbogen“, der nördlichen Halbinsel Sylts, einem Wattspaziergang und einer Übernachtung im Hotel Strand am Königshafen, Hafenstraße 41 in List.

Rømø hat ein ähnliches Schicksal wie Sylt. Zwei benachbarte Sandbänke wurden Teil der Insel. Havsand, deutsch Haffsand, war auch bei Flut meist trocken und Mitte des 19. Jahrhunderts eine eigene Insel. Heute ist Havsand Teil von Rømø oder Röm. Da ‚ø‘ das dänische Wort für Insel ist, kommt Röm dem Original sehr nah.

Die dritte dänische Destination ist Tønder.

Love me, Tønder

Ein Miniurlaub (S. 214-217, Nr. 51) zum Stars-Gucken und schwärmen, entschuldigung, Stare gucken in Schwärmen. Ein Ereignis ohne Garantie und nach globaler Erwärmung vielleicht bald nach Norden verlagert, vielleicht sogar nach Norwegen. Führer in Tønder versuchen ihr Bestes beim Herumzeigen. Stare können so scheu sein wie Stars oder Rehe. Sie sind selten zweimal hintereinander am selben Ort. Der üblicherweise auf 36 Stunden angedachte „Miniurlaub“ sollte allein schon deshalb mit einem „Open End“ versehen werden. Zu genaue Reiseplanung erstickt nicht nur die Kreativität und Spontaneität sowie das Erspüren von Zufällen und Weisungen des Schicksals oder von noch weiter oben.

Hier kommen wenigstens die Stare vom Himmel, wenn schon keine Stars und Sternchen einem das Blaue erzählen. Wie im siebten Himmel darf man sich trotzdem fühlen.

Gerade durch die Unvorhersagbarkeit noch ein echtes Abenteuer. Wer eine zu hohe Anspruchshaltung hat und bei jeder Verspätung und jedem noch so kleinem Mangel an einem gekauften Möbelstück oder ähnlichem sofort nach dem Kundendienst schreit, kann sich hier kurieren.

Denn der Zweck der Reise, das Beobachten der Vögel, und eine enge Zeitplanung können sich schlicht ausschließen. Wer hier auf Biegen und Brechen nach Fahrplan mit der Bahn wieder abreisen will, wird auffliegen. Denn entweder hat er Glück und schafft es, die Stare zu sehen und den Zug zu bekommen, oder es klappt eben nicht. Dann muss man Farbe bekennen: Einhalten der Reiseplanung um jeden Preis oder Erreichen des inhaltlichen Ziels. Birdwatching, Vogelbeobachtung ist Erfüllung. Tröstlich, dass Superreiche mit dem Hubschrauber die Vogelschwärme nicht einholen können, vertreibt doch der Lärm die Vögel und macht das Erlebnis unmöglich. Es gehört schon Glück dazu – und Stille. Manchmal ist ein bisschen Demut eben gut.

„Love me, Tønder“ könnte so auch eine Hoffnung oder eine inständige Bitte sein, dass der Ort das Schauen der Schwärme ermöglichen möge.

An der Grenze: Stare sind die Stars

Stare sind Engel, denn Engel sind Boten. Sie bieten durch ihren Anblick himmlische Transparenz und schwarze Sonne zugleich. Sort Sol (schwarz, Sonne) nennen die Dänen das meist im März, September und Oktober stattfindende Ereignis. Man kann sich daran gar nicht sattsehen. Das ist aufregender, als das Watt sehen. Elke Weiler schreibt: „Noch nie hat bloßes Herumsitzen und Gucken am Deich so glücklich gemacht. Die Sort Sol, das ist große Kunst am Himmel, und Mutter Natur immer noch die beste Künstlerin“. Mit dem Bezug zu Gaia hat Frau Weiler das Thema Schöpfung elegant umschifft. Wie auch immer, das Himmelsereignis scheint geradezu himmlich zu sein. Göttlich.

In der Kapitelübersicht für Kapitel 3, „Miniurlaube 36 h“ auf Seite 172/ 173, die ein ganzes Dutzend solcher Urlaube ankündigt, wird die Tour dann dementsprechend hervorgehoben. Die vorletzte Tour des Buches nach dem Motto: Das Beste kommt zum Schluss. Statt 36 Stunden heißt es „2 Tage oder mehr“. Warum sollte man auch das Weite suchen, wenn das Gute so nah fliegt.

Auf der Nordfrieslandkarte gibt es nur drei solche Hervorhebungen, eine betrifft Tønder unter der Überschrift: „Die ganz große Show“. Stars in Concert, heißt es im Estrel. Eine große Show ohne Stars beziehungsweise nur mit Imitaten. In Nordfriesland, wo die Vögel auch manchmal einfallen wie die Stare, oder im südlichsten Jütland nahe der deutsch-dänischen Landgrenze, gibt es noch echte Stars. Echte Stare.

Bibliographische Angaben zu Eskapaden von Sankt Peter-Ording bis Sylt

52 kleine und große Eskapaden von SANKT PETER-ORDING BIS SYLT, Buch von Elke Weiler. Der Titel sollte nicht missverstanden werden! Wenn hier SYLT großgedruckt ist, führt bei den ersten 20 Abstechern nur einer auf die Insel. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Verlag: DuMont-Reiseverlag

Verfasser: Elke Weiler

Titel: 52 kleine und große Eskapaden (von) Sankt Peter-Ording bis Sylt

Seitenzahl:
232

Konzept:
Monique Sorban

Preis
in Euro für Österreich: 16,50 [A], für die Bundesrepublik: 14,99

1.
Auflage 2018.

2. Auflage 2019? Preise können sich ändern und sind ohne Gewähr. Im Weltnetz kostet Neuware im Juni 2019 EUR 16,95, Gebrauchtes ist billiger (Abebooks.de).

ISBN 10: 3770180763 ISBN 13: 9783770180769

Um die deutsche Seite, vor allem Sylt, geht es in dem anderen Artikel über dieses Buch. https://kulturexpresso.de/sylt-mit-marmelade-eskapaden-auf-und-um-sylt-das-neuentdeckungs-buch/




Ein Dreieck auf dem Teller – Im „Duke“ in Berlin huldigt man dem Bauhaus

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die freundliche Bedienung serviert Geometrie pur. Ein blaues Dreieck, einen roten Quader, ein schwarzer Kreis und eine gelbe Kugel, auf einem weißen Teller. Abstrakt, sachlich und formvollendet. In die Küche des „Duke“ in Berlin scheint sich ein Bauhaus-Künstler wie Wassily Kandinsky oder Paul Klee verirrt zu haben. Er zaubert nicht nur etwas fürs Auge, sondern auch für den Gaumen, mit Tatar von Langstinos, Aioli, Sepia, Holzkohle, Safran, Gel von der Spirolina-Alge und Pimenton de la Vera, also geräuchertes Chilipulver aus der westspanischen Provinz Extremadura. Dann folgt ein Rat, der etwas irritiert: Alles zerstören. Einfach vermengen, so empfiehlt die junge Dame, dann kommen die Aromen so richtig zur Geltung. Schade um die Optik, dafür erlebt man dann ein vielstimmiges pikant-maritimes Aromen-Orchester.

Tatar von Langostinos – sachlich modern, international, Aioli, Sepia, Holzkohle, Safran, Spirulina, Pimenton de la Vera. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Das Bauhaus feiert in diesem Jahr
seinen 100. Geburtstag. Zu diesem Anlass wollte man sich im „Duke“
etwas einfallen lassen. Schließlich gehört das Restaurant zum
Ellington-Hotel, es residiert in einem Gebäude im Stil der neuen
Sachlichkeit. Ein Meisterwerk der Architektur, dem mit dem ersten
Gang originell und sehr gekonnt gewürdigt wurde. Dazu bedarf es auch
eines besonderen Weins. Hier ist es ein Abril Auxerrois aus Baden,
trocken und zugleich frisch, mit Aromen von Äpfeln, Kräutern und
einem Hauch Zitronengras. Auxerrois, eine weiße Rebsorte, gilt in
Deutschland als Rarität, die Kreuzung aus Gouais Blanc und Pinot
stammt aus der Gegend um Auxerre in Zentral-Frankreich. Ebenso
fruchtig-frisch auch der Apéritif aus Tanqueray-Gin, Himbeer,
Rhabarber und Eisenkraut. „Fruity Summer“, so der treffende Name.

Onsen-Ei mit Morcheln, Spargel, Nussbutter Crumble, Bärlauch-Butter und Sauce Bercy. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Vollendeten Genuss verspricht auch das
nächste Gericht, das Onsen-Ei. Aus Japan stammt diese Spezialität,
die bei 65 Grad eine Stunde lang gegart wurde. Dotter und Eiweiß
erhalten so ihre cremeartige Textur. Die „Sauce Bercy“, einer
Béchamelsoße aus Schalotten, Hühnerbrühe, trockener Weißwein,
Petersilie, Butter, Pfeffer und Meersalz, vervollständigt diese
Delikatesse, schon durch die entsprechende Würze. Garniert wurde das
Ganze mit Nussbutter-Crumble, grüner Bärlauch-Butter,
Kalbsbries und Thymian-Jus. Ein angenehm leichter Gang, schon
dank der Beilagen: Morcheln, Spargel, diverse Kräuter, unter anderem
Sauerampfer, Kerbel, Bärlauch, Blutampfer, Blüten von roter
Shiso-Kresse und Petersilie. Der Briedeler Riesling von der Mosel vom
Weingut Walter, trocken, mineralisch-würzig und von einer
erfrischenden Säure, passt trefflich zu diesem sommerlichen Gang.

Huhniges Allerlei mit Herz und Haut oder „Nur Huhn O&T, Amchoor, Shiro Miso“. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Das wohl appetitlichste Federvieh überhaupt bildet den Höhepunkt. Verschiedene Variationen tummeln sich auf dem Teller. Sieben Hühnerteile, sieben Gararten, alles sehr schön angerichtet. Zunächst die Klassiker wie knusprig gebackener Flügel, geschmorte und glasierte Keule, sowie am Torso geröstete Brust. Auch Freunde der Innereien kommen auf ihre Kosten, mit zweimal gebratenem Herz sowie Leber, in Nussbutter pochiert. Auf die Wagemutigen unter den Feinschmeckern wartet dann ein Crumble aus getrockneter Hühnerhaut und confiertem Hahnenkamm. Die historisch interessierten Gourmets wiederum können sich über ein walnussgroßes Stück freuen, das schon wegen der viel dunkleren Farbe und seinem intensiven Aroma auffällt. Gebratenes Sot-l’y-laisse, das sogenannte „Pfaffenschnittchen“. Diese hierzulande nahezu in Vergessenheit geratene und erst kürzlich wiederentdeckte Delikatesse wurde früher dem örtlichen Pfarrer serviert, wenn er seinen Schäfchen einen Besuch abstattete. Das Fleisch ist zart und verfügt über einen köstlichen Eigengeschmack, wie zu Omas Zeiten. Weidehuhn, handgefüttert, aus der Freilandhaltung, von einem besonderen Züchter aus Niedersachsen. Es ist ungewürzt – solange man es nicht in den kleinen Mini-Berg auf dem Teller stippt. Amchoor nennt sich dieses Gewürz-Mango-Pulver. Oder in die tiefbraune Soße tunkt, unter anderem aus Hühnerfond zubereitet. Als Beilage dient eine Miso-Jus auf Sojabohnen-Basis, daher die geleeartige Konsistenz. All das harmoniert bestens mit dem weißen Burgunder aus Rheinhessen, Sonnenhof vom Weingut Bischel. Trocken, mit einer Note von Ananas und Kräutern.

„Spring break“ – Erdeere, Rhabarber, Verveine, Joghurt, Birkenwasser. Beachtlich! © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Bei dem Dessert glaubt man sich ein
wenig im Wald. Es soll jedenfalls an Birkenstämme erinnern. Hier
besteht das „Holz“ aus Joghurt-Mousse, das mit Verveine
(Eisenkraut) verfeinert und mit Kakaopulver bestäubt wurde sowie
Minzblättern, Blutampfer und Honigkresse. Dazu Birkenwasser-Gel und
hellgrüne Verveine-Baisers. Säuerlich-leicht geriet auch die
Komposition auf dem zweiten Teller mit Rhabarber-Joghurt-Sorbet auf
Erdbeer-Rhabarber-Ragout samt Veilchenkrokant. Da kommen ungeahnte
Frühlingsgefühle auf, nicht von ungefähr nennt sich diese
Komposition „Spring Break“, nach den Ferien, die US-amerikanische
Studenten mit ausgiebigen Partys verbringen. Die mögliche
aufgekommene Ausgelassenheit erdet der letzte Gang umgehend. Käse
vom namhaften „Maitre Affineur Waltmann“, mit Chutney und
Früchten, dient hier als Magenschließer. Brie, Camembert und Co.
fallen extrem pikant aus. Wirklich etwas für wahre Liebhaber, die es
ja meist etwas strenger mögen. Freunde von eher milden Sorten
könnten diese recht intensiven Aromen als eher etwas
gewöhnungsbedürftig empfinden. Der Digestif dürfte sie aber wieder
milde stimmen, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Mandelbrand von
„Fräulein Brösel“ ist herrlich weich im Abgang und verströmt
intensiven Marzipanduft.

Käse mit Brot „Maître affineur Waltmann“ mit Chutney und Früchten. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Insgesamt ein sehr gelungenes und auch sehr originelles Menü. Auch wegen den kleinen Appetizern zur Einstimmung – hier ließ die Küche gleich zweimal grüßen. Nach Ceviche vom Thunfisch mit Avocadocreme, Edamame und Essblüten bringt die Mitarbeiterin eine kleine Milchflasche. Der Inhalt deutet, rein farblich, auf Eierlikör hin. Tatsächlich ist es eine warme Schaumsuppe aus gelbem Paprika.

Restaurant Duke

Adresse: Nürnberger Straße 50-55, 10789 Berlin, Deutschland

Kontakt: Telefon: 0049 (030 683154000, E-Mail: contact@duke-restaurant.com

Heimatseite im Weltnetz: duke-restaurant.com

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 12:00 bis 23:00 Uhr
(ab 22:00 Uhr Légère-Karte)




"Publikumsbeschimpfung" von Peter Handke in den Kammerspielen in Berlin.

Peter Handke für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Nestroy-Theaterpreis auch für Vor Sonnenaufgang

Berlin/ Wien, Deutschland/ Österreich (Kulturexpresso). Theater an der Wien im 6. Bezirk – 15 Auszeichnungen, 16 Preisträger: Am 17., also vor Sonnenaufgang des 18. Novembers, fand die 19. Verleihung des Nestroy-Theaterpreises statt. Regisseur Dušan David Pařízek war wohl früh aufgestanden, fängt doch der frühe Vogel den Wurm. Er, der bei Vor Sonnenuntergang die Regie führte am Akademietheater, der kleinen Spielstätte des Wiener Burgtheaters, stach Simon Stone aus, der am selben Theater wirkte. Auch die Erfolgsquote gab Vor Sonnenaufgang recht: Dreimal nominiert, zweimal gewonnen. Stones Hotel Strindberg nach August Str. erhielt zwar auch zwei Auszeichnungen, damit aber nur die Hälfte der nach der Nominierung möglichen. Hotel Strindberg ist eine Koproduktion mit dem Theater Basel in der Schweiz.
Auch wurde Peter Handke für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Dazu unten.

Caroline Peters und Peter Simonischek (Film „Der Dolmetscher“, Start 22.11.) unter den Nestroy-Preisträgern

Peter Simonischek, zuletzt im 2018er Film Der Dolmetscher, der am 23. Februar auf der Berlinale debütierte und am 22. November in den deutschen Kinos startet, und unvergessen im oscarnominierten und zurecht preisüberhäuften Spielfilm Toni Erdmann war wohl der Grund, dass das Hotel S. nicht noch mehr abräumte. Simonischek erhielt die Auszeichnung „Bester Schauspieler“. Das Stück heißt The Who and the What (Rolle: Afzal) und lief – Sie ahnen es – im Akademietheater. Darum wurde es nichts mit Michael Maertens aus Alfred Loths Hotel Strindberg.

Vor Sonnenaufgang machte auch in der Kategorie „Beste Nebenrolle“ das Beste aus der Nominierung. Dörte Lyssewski, die am genannten Theater in Vor Sonnenaufgang die Annemarie Krause gab, bekam den Preis. Während ein Hauptdarsteller genauso ausgezeichnet wird wie eine Hauptdarstellerin gab es den Nestroy-Theaterpreis nur einmal in der Nebenrolle. Anders als beim Oscar. Dort gibt es zwei Preise nach Geschlecht sortiert, so dass auch die schlechteste Nebendarstellerin noch einen Award abbekommen kann, vorausgesetzt, sie wird besser bewertet als ihre Kolleginnen. Besser als die männlichen Darsteller braucht sie nicht zu sein. Ja, und das gilt umgekehrt natürlich genauso. (Wer hatte hier schon wieder mit der Gender-Büchse auf den Autor gezielt, um den Vogel abzuschießen?)

Dörte Lyssewski stach also einen Mann aus. Dieses Jahr gewinnt keiner. Der Preis für die Beste Nebendarsteller/-in ging eindeutig an die -rin.

Hotel Strindberg triumphierte mit Caroline Peters als Bester Schauspielerin und Alice Babidge (Beste Ausstattung).

Caroline, Simone und die Peters

Neben Peter H. gewann so auch Caroline. Caroline mit dem Nachnamen, der sich wie der Plural von ‚Peter‘ liest.

Eine Menge Peters also, aber keine Simone, so scheint es. Simone muss man schon suchen; besonders erfolgversprechend ist das in Peters Familiennamen. Nicht Peter H’s, sondern Peter S’s. Gecheckt. Wer nun anmerkt, dass Simone zwar in Simonischek steckt, aber der Vorname Simone doch immer eine Frau bezeichnet, irrt. Viele Italiener würden gleich aufschreien und anmerken „uns gibt’s auch“. Simone ist sogar ein Nachname: Nina Simone.

Simon dagegen ist ein eindeutig ein Männername. Gott sei Dank. Im Anagramm von Simone Stone – ein echter Tippfehler – Simon Stone verbirgt sich ohne viel Rätselraten noch eine Simone. Auch wenn sich der Regisseur nicht ‚Siemon‘, sondern ‚Ssaimen‘ ausspricht.

Letztgenannte Auszeichnung für die Ausstattung war bereits zusammen mit dem Preis für Peter Handke für sein Lebenswerk und dem Autorenpreis für das beste Stück – jedermann (stirbt) Regisseur Ferdinand Schmalz vom Burgtheater – am 10. Oktober mit den Nominierungen bekanntgegeben worden.

Kein Wunder: Peter Handke für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Aus ‚wunschlos glücklich‘ machte der Wortspieler Peter Handke, der auch „die Angst des Tormanns vorm Elfmeter“ schrieb, durch Negierung ‚wunschloses Unglück‘, einen Begriff mit Koan-Qualitäten. Der Titel erschien seit 1972 und bereits in vier verschiedenen Ausführungen, hier die Erstausgabe der Erzählung als Tabu. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Peter Handke für sein Lebenswerk ausgezeichnet – diese Nachricht zu verdauen fällt nicht schwer. Er kritisierte Schubladen- oder schablonenhaftes Denken genauso wie eine solche Sprache, die das widerspiegelt.
Außer Briefen und Gedichten („Das Ende des Flanierens“, 1977) schrieb er Aufsätze, Stücke, Hörspiele („Wind und Meer“, 1970), Märchen („Mein Jahr in der Niemandsbucht. Ein Märchen aus den neuen Zeiten“, 1994), übersetzte 1991 von Shakespeare „Das Wintermärchen“.

In „Das Gewicht der Welt – Ein Journal“ besagt der Verlagstext: „Mit seinem Aufsatz ‚Gerechtigkeit für Serbien. Eine winterliche Reise an den Flüssen Donau, Save, Morawa und Orina‘ erregte Handke Anfang 1996 erhebliches Aufsehen.“

Die schönen Tage von Aranjuez. Ein Sommerdialog (2012) wurden 2016 von Wim Wenders mit Sophie Senin in der Hauptrolle verfilmt.

Handke machte Theater (Das Mündel will Vormund sein, 1969, Regie: Claus Peymann), (Die Unvernünftigen sterben aus, 1973, Regie: Horst Zankl) und Film.

Nicht zuletzt drehte er 1987 mit Wim Wenders „Der Himmel über Berlin“.

Der Himmel über Berlin in 4K – Ein Kultfilm feiert Weltpremiere auf der Berlinale

Der unsterbliche Weg. Peter Handke zeigt in einem Film, wie und wo er arbeitet – und allerorten fragen sich die Leute, wie sie leben sollen

Vor Sonnenaufgang ist ein Stück von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann,
Hotel Strindberg von Simon Stone nach August Strindberg.




Szene aus dem Film "Hotel Artemis" von Drew Pearce.

Fotoreportage: Jodie Foster führt als alleinunterhaltende Oberärztin mit Mount Everest als Gehilfen im Film „Hotel Artemis“ durch L.A.s Club-Krankenhaus für Kriminelle aller Couleur

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Im Film „Hotel Artemis“ führt Jodie Foster als gealterte Schwester ein Kleinstkrankenhaus für Großganoven in einem Moloch namens Los Angeles. Draußen zieht eine Revolte durch die Metropole, drinnen zieht Foster als alte Frau alle Register ihrer Schauspielkunst, die ihr Drehbuchautor und Regisseur Drew Pearce bietet.

Die düstere Geschichte spielt in dunklen Räumen, genauer gesagt in L.A.s exklusivstem Club-Krankenhaus für Kriminelle aller Couleur, in dem es in bester Action- und Krimi-Manier drunter und drüber geht.

Mehr Text zu den Bildern im Beitrag Bis die Polizei kommt oder Jodie Foster als Engel der Bengel im Einsatz in L.A. – Zum Film „Hotel Artemis“ von Lenina Sachs.




Die Originale stehen in den Alpen – Annotation zum Buch „Eighty Four Rooms – Alpine Edition“ von Sebastian Schöllgen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In seiner Reihe Eighty Four Rooms stellt der teNeues Verlag in einer Winterausgabe ausgewählte Hotels und luxuriöse Aufenthaltsorte vor – nach weltweiten oder tropischen Zielen – dieses Mal mit dem Fokus auf die Länder der Alpenregion.

Wohl kaum eine Region der Erde verfügt über ein solches Netz an hochwertigen, aber individuellen Hotels. Vielfach hat man auf anderen Kontinenten – vornehmlich in Nordamerika – versucht, diesen Stil zu kopieren. In den Anrainerstaaten der Alpen finden wir die Originale. Es ist erstaunlich, mit wie viel Liebe zum Detail historische Bausubstanz den heutigen Anforderungen internationaler Gäste entsprechend modernisiert wurde, ohne aufgesetzt oder künstlich zu wirken. Auch die zeitgenössischen Bauten zeigen eine gelungene architektonische Linie – innen und außen.

Von jedem der insgesamt 84 Hotels die nach Ländern gegliedert sind, wird jeweils ein Zimmer aus verschiedenen Perspektiven vorgestellt. Gezeigt werden oft auch andere wichtige Details aus Speisesaal, Wellness-Bereich oder Außenanlage, meist mit mehreren professionellen Fotos und einer Gesamtaußenansicht des Hauses. Der Blick durch die Fenster zeigt Winterlandschaften für begeisterte Skiurlauber und Schneeliebhaber. Diese ausgesuchten Unterkünfte bieten für jeden das richtige Ziel, egal ob er sich beim Wintersport entspannen möchte, oder einen Familienurlaub im Schnee genießen will. Dementsprechend enthält der Local Guide Hinweise auf Skipisten, das regionale Schneeaufkommen und Tipps rund um Winteraktivitäten in der Umgebung, wie auch zur Lage und Anreisemöglichkeiten, z.B. Informationen über den nächstgelegenen Flugplatz. Infos für das leibliche Wohl kommen in der Rubrik „Wine and Dine“ ebenfalls nicht zu kurz. Insofern kann dieser Band während der Planung eines Winterurlaubes zuhause als Reiseführer dienen.

Einige der Regionen bzw. Orte sind gar durch eine Vielzahl von Luxusherbergen vertreten, z. B. in Lech/Österreich. Jedenfalls sind die Bayrischen Alpen, Österreich, die Schweiz, Frankreich und Italien ebenso angemessen vertreten. Dem Preis entsprechend ist das Buch repräsentativ gestaltet, großformatig auf gutem Papier gedruckt und sehr übersichtlich aufgemacht. Wer solche Herbergen für die kommende Wintersaison sucht und sich über dieses Weihnachtsgeschenk freut, wird auch damit klarkommen, dass der Text in Anlehnung an internationale Kundschaft komplett in Englisch gehalten ist. Eine sehr gelungene Darstellung vieler besonderer Herbergen für den anspruchsvollen Gast.

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Sebastian Schöllgen, Eighty Four Rooms – Alpine Edition, Verlag teNeues, 208 Seiten, 250 Farbfotografien; 24,6 x 32 cm; Hardcover mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-8327-3407-7, Preis: 49.90 EUR (D)




Hören Sie Gerhild Herrmann, solange es sie noch gibt – Die Sängerin zu Gast bei einer Veranstaltung zum Thema „Schonende Kritik“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Gerhild Herrmann, die perfekt englisch sprechende Berliner Sängerin mit dem großen Repertoire, die nicht nur in der Hauptstadt auch in abendfüllenden Programmen immer wieder zu hören war, wird nach einer kleinen kreativen Pause am 28. Februar erstmals wieder auftreten. Wenn man mal vom Mitsingekonzert im Molly Malones am 20. Februar absieht.

In hochwertigem Rahmen inklusive Abendbuffet findet ein Vortrag mit dem Titel „Die Kunst zu kritisieren, ohne zu verletzen“ statt.

Der Buchautor Ralf Juhre ist Gründer und Geschäftsführer einer international tätigen Unternehmensberatungsgruppe. Der Managementtrainer und Organisationsentwickler ist Vater von drei Kindern und leitet ehrenamtlich und nebenberuflich einen gemeinnützigen Verein, der sich der Familienförderung verschrieben hat, insbesondere den Vater-Kind-Beziehungen.

Ein wichtiger Bereich, in dem durchaus noch etwas zu tun ist. Sowohl im Bereich Aufklärung, wie es Julia Onkens Buch „Vatermänner“ seit 20 Jahren tut, ein Bericht über die Vater-Tochter-Beziehung und ihren Einfluss auf die Partnerschaft, der aus psychologischer Sicht deutlich macht, wie verhängnisvoll sich das Vom-Vater-nicht-Geliebtwerden auf eine Frau und ihre Beziehungen zu Männern auswirken kann – mit all seinen negativen Folgen für die Gleichberechtigung und die ganze Gesellschaft. Als auch im Bereich Praxis und Öffentlichkeitsarbeit, in dem sich Dr. Ulrike Detmers aus Gütersloh engagiert, in dem sie regelmäßig den Spitzenvater des Jahres kürt, der zum Beispiel beruflich zurücksteckt, um für Frau und Kinder da zu sein.

Juhre schöpft dabei aus der christlichen Anthropologie, die auch auch Gerhild Herrmann nicht fremd ist, so dass es durchaus passt, wenn sie mit einigen Liedbeiträgen die Vortragsveranstaltung mit Leckerbissen musikalisch umrahmt.

Die Überschrift soll andeuten, dass ein Konzertbesuch Freude macht, aber in Zukunft nach einem anderen Namen gesucht werden muss, wenn man Gerhild hören will. Sie ist zeitweise viel unterwegs; das Bild wurde zum Jahresende im Wilmersdorfer Auenkeller aufgenommen. Da ist es gut zu wissen, dass es im Bereich ihres Nachnamens in Kürze eine Veränderung geben wird.

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– Mitsingekonzert: Samstag, 20. Februar 2016, 20 Uhr, im Molly Malones Irish Pub, Hanauer Straße 80, 14197 Berlin, Telefon: 030 82 00 78 66, Eintritt frei
– Gesprächsforum mit Livemusik: Sonntag, 28. Februar 2016, ab 18 Uhr, Hotel Steglitz International in Berlin, Eintritt: Buffet ohne Getränke 23 Euro, Anmeldung erforderlich per E-Mail an wilfried-franz@gmx.de; Info: Telefon: 030 803 14 48




Mond und Sterne zum Anfassen – Exklusive Kultur-und-Wellness-Reise mit Wladimir Kaminer und Moon Suk

Alt Madlitz, Brandenburg, Deutschland (Kulturexpresso). Vier unvergessliche Tage mit den beiden Ausnahmekünstlern in dem Wellness-Hotel „Gut Klostermühle“ in Alt-Madlitz östlich der Hauptstadt Richtung Oder genießen. Eine seltene Gelegenheit wurde da geboten. Wladimir Kaminer und die leidenschaftliche Moon Suk reisten dabei mit den buchenden Gästen zusammen in das „Sterne“-Hotel und boten dann ein außergewöhnliches kulturelles Programm, das individuell durch die beiden Künstler geprägt und zusammen gestaltet wurde. Das kann man wirklich exklusiv nennen. Stars zum Anfassen.

Das kulturelle Programm fand überwiegend am späten Nachmittag und Abend statt und bestand aus humorvollen und poetischen Lesungen und Diskussionen und zum Beispiel aus einem musikalischen-erzählerischen Nachtspaziergang unter Sternen, so wie die Wolken es erlaubten. Das erinnert einen an taschenlampenbewehrte Nachtausflüge der Jugend, wenn man sich in einer kleinen Gruppe aus dem Schullandheim in Berlin oder auf Wangerooge durch das Fenster aus dem Haus stahl, den anderen imponieren wollte und sich Hoffnungen machen, mit einem bestimmten Jungen oder Mädchen gehen zu können. Dazu gab es in der Klostermühle Gute-Nacht-Geschichten, die sich mit Gute-Nacht-Musik mit Liedern und Arien abwechselten, die im Hotel und in der umgebenden Natur stattfinden. Ideal die kühle Wetterlage die einem Sternensicht erlaubte und nach den gedrängten Tagen der Vorwoche unter Vollmondeinfluss einmal Ruhe bot. Die richtige Voraussetzung für Entspannung.

Während der Vor- und Nachmittage standen den gebuchten Gästen selbstverständlich die Wellnesseinrichtungen des Hotels zur Verfügung sowie diverse Sportmöglichkeiten.

Alt-Madlitz ist ein Ortsteil der Gemeinde Briesen (Mark) im Landkreis Oder-Spree. Wenn man sich von Berlin nach Osten auf den Weg macht, liegt es auf dem halben Weg zum Grenzfluss. Die ganze Gegend ist ziemlich ruhig, wenn man von der lärmenden A 12 mit ihrem Durchgangsverkehr nach Frankfurt, Polen, Weißrußland und weiter nach Rußland und ins Baltikum mal absieht. Sogar Frankfurt an der Oder, die „regionale Metropole“, gehört nicht zu den Gewinnern der jüngsten Bevölkerungsbewegungen. Berlin dagegen lockt immer mehr Menschen an. Obwohl für eine Hauptstadt nicht ungewöhnlich, ist dieser Trend doch neu und setzte im Wesentlichen nach der Wirtschafts- und Finanzkrise ein, die betrügerische Banker und Fonds in den USA ausgelöst hatten und ab 2007 manifest wurde. Berlin ist nun auch keine Oase mehr. Umso mehr locken die ruhiger und ruhiger werdenden Regionen östlich des Speckgürtels. Allerdings haben es alternative Projekte auch dort teilweise schwer. Meditativ ist die Landschaft, doch zu weit erscheint der Weg. Eine richtige Entscheidung also, ein derart besonderes Musik- und Kulturereignis hier stattfinden zu lassen. Auch der Zeitraum ist ideal. Wenn man einen Tag als Anreisetag betrachtet und einen als den, an dem die Pflichten vielleicht schon wieder unangenehm rufen, bleiben noch volle zwei Tage und drei Nächte für Entspannung und Kulturgenuss. Zu wünschen wäre also, dass diese Reise, die am letzten Novemberwochenende veranstaltet wurde, ähnlich nochmal einmal wiederholt wird.

Moon Suk in ihrem Salon in Berlin

Bis dahin kann man immerhin die grandiose Moon Suk noch einmal erleben. Gerade feierte die Künstlerpersönlichkeit drei (3!) Jubiläen. Seit 25 Jahren ist die gebürtige Koreanerin in Deutschland, seit 15 Jahren in der Hauptstadt und seit einem Jahr gibt es den „Salon Moon“. Die Künstlerin widmet sich ja nicht nur der bildenden Kunst, sondern unter anderem auch der Koch- und Sangeskunst. „Back to the basics“, könnte man wohl sagen. Als Sopranistin beherrscht sie 150 Stücke, ohne ein Notenblatt vor den Mund nehmen zu müssen. Starke und vor allem ideal ergänzende Unterstützung erfährt sie dabei von der Pianistin Nadezhda Filippova, die beweist, dass der sanfte Anschlag kein Widerspruch sein muss.

Die kurz-und mittelfristig anstehenden Termine sind die Weihnachtsgala am 13. Dezember 2015 und Anfang 2016 vier Sonntagsgalas unter dem Motto „Moon spielt verrückt“ am 10., 17., 24. und 31. Januar. Der volle visuelle, akustische und kulinarische Genuss wird unter anderem dadurch gewährleistet, dass nach einer gewissen Kulanzfrist am Veranstaltungsort, einem stattlichen Altbau aus der Kaiserzeit in Ku’dammnähe, einfach – die Klingel abgeschaltet wird. Oft geschrieben, selten erreicht, aber hier: Genuss pur.

Gala zum Jubiläum 13.12.2015; „Moon spielt verrückt“ am 10., 17., 24. und 31. Januar 2016 im Salon Moon, Moon Suk c/o Wewerka/Becker, Olivaer Platz 12, 10707 Berlin, Web: www.moonsuk.de