Ruhrtriennale 2019 hat begonnen

Ruhr, Deutschland (Kulturexpresso). Nun läuft sie wieder: die Ruhrtriennale. Sie gilt gemeinhin als ein internationales Festival der Künste, zu dem seit 2002 unter einer alle drei Jahre wechselnden künstlerischen Leitung zeitgenössische Künstler eingeladen werden, die beeindruckenden Bauten der Industriearchitektur im Ruhrgebiet zu bespielen.

Zu den Orten gehören Häuser und Hallen, Kokereien und Maschinenhäuser, aber auch Halden und Brachen des Bergbaus und der Stahlindustrie. Die Jahrhunderthalle Bochum mit der angrenzenden Turbinenhalle und dem Dampfgebläsehaus gilt als Zentrum, aber auch die Gebläsehalle, Kraftzentrale und Gießhalle im Landschaftspark Duisburg-Nord gehören wie die Halde Haniel in Bottrop oder die Zeche Lohberg in Dinslaken dazu.

Laut Pressemitteilung der Ruhrtriennale vom 16.8.2019 wurde das diesjährige Festival mit der Premiere von Christoph Marthalers „Nach den letzten Tagen. Ein Spätabend“ am 21. August im Audimax der Ruhr-Universität Bochum eröffnet.

Heute, am Donnerstag, den 22. August 2019, wird die Uraufführung „All the good“ in der Maschinenhalle Zweckel geboten und morgen, am Freitag, den 23. August 2019, wird in der Bochumer Jahrhunderthalle die Deusche Erstaufführung von Heiner Goebbels „Everything that Happened and Would Happen” angepriesen.

Was zwischen dem 21. August 2019 und dem 29. September 2019 noch alles stattfindet, das wird auf auf der Heimatseite der Ruhrtriennale im Weltnetz mitgeteilt.




Fotoreportage: Flussgenuss mit kulturellem Tiefgang

Potsdam, Stralsund, Deutschland (Kulturexpresso). Einst bewegte eine „Blaue Blume“ die Gemüter. Als Sinnbild der Romantik verzehrten sich die Künstler einer ganzen Epoche nach ihr, doch stets ohne Erfolg. Denn kaum hatten sie sich ihr in ihrem inneren Empfinden angenähert, entzog sie sich wie von Geisterhand gelenkt ihrem Zugriff. So blieb sie gleich einer ungreifbaren Fata Morgana auch weiterhin nur das imaginäre Symbol unerfüllter Träume und Sehnsüchte.

Doch auch jenseits der „Blauen Blume“ gab es im Zeitalter der Romantik Orte, vor deren spezieller Lichtkulisse sich bei sensiblen Menschen Gefühle verfestigten. Und dabei zum Anlass wurden, über sich selbst und seine Winzigkeit im riesigen Universum nachzudenken. Die Uferlandschaften von Ostsee und Oder gehören sicherlich dazu.

Mehr Text zu den Bildern im Beitrag Auf der Suche nach der „Blauen Blume“ – Auf Ostsee, Oder und Havel – Flussgenuss mit kulturellem Tiefgang von Dr. Bernd Kregel.




Arme Ritter, kalte Hunde und ein Vampir – Hauptstadt-Lounge im „Hotel Berlin, Berlin“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Sein Lieblingskiez? Da muss Martin Hikel nicht lange überlegen. Na klar, Neukölln. Von dem berühmt-berüchtigten Berliner Stadtteil ist der SPD-Mann schließlich Bezirksbürgermeister. Jetzt aber befindet er sich in einer etwas anderen Welt, wenn auch nur wenige Kilometer entfernt. Berlin-Mitte, Ortsteil Tiergarten, „Hotel Berlin, Berlin“, erster Stock. Martin Hikel blickt aus dem Fenster. Beantwortet, wie vor ihm schon Schriftstellerin und Schauspielerin Bastienne Voss, geduldig die Fragen von Moderator Sven Oswald. Der steht unter ihm, im Hof, mit lauter geladenen Gästen in Feierlaune. Schick oder leger, jung oder das wenigstens innerlich, vor allem aber hungrig und durstig. Anlass war die diesjährige Hauptstadt-Lounge des „Hotels Berlin,Berlin“. Motto des Events: das ist Berlin – zwischen Hinterhof und Penthouse.

Hüftgold gab es auch zur sechsten Hauptstadtlounge im Hotel Berlin, Berlin © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

In diesen Sphären
bewegte sich auch das Finger-Food. Herzhaft beißen die Anwesenden in
ihr lauwarmes Reuben-Sandwich – wie schnell doch das Sauerkraut aus
den Toastbrot-Hälften quillt. Sauerkraut-Gelee hingegen begleitet
die Eisbein-Praline, bei diesem Snack bleiben die Finger immerhin
sauber. So auch bei den Königsberger Klopsen und den noch deftigeren
Nudeln mit Wurstgulasch. Wellness-Charme hingegen verbreitet der
ebenso schmackhafte Avocado-Salat mit Garnelen. Mit gutem Gewissen
kann man sich dann den armen Rittern, bei denen eine Kugel
Karamell-Eis die ärgste Not lindert, oder kalten Hunden zuwenden.
Desserts mit einem gewissen Retro- und Kindergeburtstags-Charme. All
das lässt sich trefflich mit Wein, Radler oder Limo herunterspülen.
Als Absacker dann schnell noch einen Schnaps von Mampe.

Musik liegt in der Luft im Hinterhof des Hotels Berlin, Berlin wärhend der sechsten Hauptstadtlounge. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Ole Bolle

Geballte Kulinarik, hinter der sich die
Kultur nicht verstecken muss. Vilte Sta beeindruckt mit einer guten
Stimme zur Gitarre, Konrad Küchenmeister genügt das Mikrofon für
seine Beatbox-Performance. Schnellzeichner Gero Hilliger zaubert in
Sekundenschnelle Bilder wie aus dem Nichts, Anna-Jorinde Pursche
verbiegt sich an einem Luftring. Potentiellen Nachahmern bietet die
Artistin mit der bunten Punkfrisur kurz darauf kostenlose
Mini-Workshops an.

Und dann erfahren die Gäste noch
Unerhörtes. Sven Oswald gelingt es, dem Bezirksbürgermeister, der
zuvor als Mathe- und Politik-Pauker tätig war, ein Geheimnis zu
entlocken. Ob er denn einen Spitznamen bei den Schülern hatte? Na
gut, Vampir. Wegen der stattlichen Statur und den markanten
Augenringen.




Geister und Fabelwesen, Wald und Baumwipfelpfad rund um Bad Harzburg

Bad Harzburg, Deutschland (Kulturexpresso). Mit Geistern und Fabelwesen erschafft
sich die Natur zuweilen ihre eigene Wirklichkeit. Ein Zusammentreffen
mit diesen illustren Gestalten ist daher nicht von vornherein
auszuschließen. Auch dort nicht, wo sie sich in unüberschaubarem
Gelände der Entdeckung durch neugierige Blicke entziehen. Eine jener
Landschaften, in denen man stets mit Überraschungen rechnen muss,
ist der Harz. Seinen geheimnisvoll raunenden Wäldern und den von
Nebelfetzen umhüllten Felsklippen gelingt es auch heute noch, dem
unbefangenen Wanderer einen gehörigen Schrecken einzujagen.

Den jährlichen Höhepunkt dieses schauerlichen Treibens bildet die Walpurgisnacht. Wenn der Teufel höchstpersönlich auf dem Brocken Hof hält und ihm eine Schar ausgelassener Hexen dabei in wildem Ritual zu Diensten ist. Jene wendigen Luftakrobatinnen, deren beschwerliche Anreise auf einem Besenstiel ihrer Begeisterung jedoch keinerlei Abbruch tut. Davon konnte sich einst Doktor Faust überzeugen, der sich in dubioser Begleitung zu diesem mitternächtlichen Spektakel hinaufwagte und dabei ungeahnt auch die höchsten Stufen der klassischen Literatur erklomm.

Sagen, Mythen und Legenden

Waldbaden am Harzburger Burgberg. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Den großen Schatz Harzer
Erzähltradition pflegt seit Jahrzehnten eine Ausstellungshalle auf
dem Bad Harzburger Burgberg. Detailverliebt gelingt es hier in
anschaulich gestalteten Schaukästen, die Welt der Harzer Sagen,
Mythen und Legenden erneut ans Tageslicht zu befördern und dabei
nicht zuletzt ein Stück der Harzer Volksseele freizulegen. So in der
Geschichte vom Wilden Reiter, der in seiner Gier nach Jagdbeute alle
Warnungen trotzig in den Wind schlägt und – entsprechend der
düsteren Vorahnung – den scharfen Hauern eines Keilers zum Opfer
fällt.

Auch die Burgruine selbst birgt ihre
Geheimnisse. Seinerzeit erbaut von König Heinrich IV. als prächtige
Trutzburg gegenüber den aufbegehrenden Sachsen, wurde sie bereits
kurze Zeit später fast völlig dem Erdboden gleichgemacht. Erst vor
wenigen Jahren, so Heimatforscher Horst Woick, fand man im
Burgbrunnen den Zugang zu einem Fluchtstollen hinaus ins Freie.

Sinnbild der Naturverbundenheit

Rabenklippe mit Blick auf Brocken. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Nur einen Steinwurf entfernt findet sich das neu errichtete Standbild des antiken Gottes Krodo. Um die Zeitenwende verehrt von den römisch-germanischen Legionen als ein Sinnbild tiefer Naturverbundenheit, ist seine Statue heute der Beginn eines „Besinnungsweges“, der an mehreren Stationen zur Meditation einlädt. Zum Beispiel am „Himmelsloch“, einer von Baumwipfeln freigehaltenen Öffnung nach oben, die auf eine andere Dimension verweist.

Dagegen lenkt die Station „Brockenblick“ das Interesse zurück auf den Boden der Tatsachen, wie sie sich aus dem Klimawandel ergeben. Dabei zeigt sich deutlich, wie unbedacht es war, die einstige Natürlichkeit des Harzwaldes allein aus wirtschaftlichen Gründen in die Monotonie von Fichtenplantagen zu verwandeln. Denn gegen anhaltende Dürre und den Ansturm von Borkenkäfern ist offenbar noch kein Kraut gewachsen.

Umbau des Waldes

Perspektiven des Baumwipfelpfades. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Oder doch? Ein Hauch von Hoffnung liegt in dem Lösungsvorschlag von Wanderführer Horst, der mit den natürlichen Zusammenhängen des Harzwaldes bestens vertraut ist. Eine mögliche Lösung des Problems sieht er nicht bei einer hektischen Wiederaufforstung im alten Stil. Vielmehr schwebt ihm ein Umbau des Waldes vor, der auf resistentere Baumarten setzt. Ein Umbau, der dem Waldboden einen größeren Spielraum zugesteht, um sich ungestört in einen natürlichen Urwald zurückzuentwickeln.

Als Fantasie
anregend erweist sich auch der „Baumwipfelpfad“ am Fuß des
Bugberges. Am Gebirgsrand des Nordharzes stellt er eine kleine
Sensation dar. Denn sein Holzsteg führt in luftiger Höhe mitten
durch die Baumwipfel eines Mischwaldes. So wird schnell deutlich,
welchen natürlichen Reichtum ein Wald der anderen Art darstellt.

Kiepenfrau und Luchsfütterung

Kiepenfrau auf dem Baumwipfelpfad. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

An einzelnen Haltepunkten macht
Begleiterin Eva Ronkainen zudem deutlich, wie Natur und Kultur bei
diesem Projekt zusammenwirken. An einer der Stationen erscheint eine
grob geschnitzte Holzfigur. Sie erweist sich als die legendäre
Harzer „Kiepenfrau“, wie sie einst die Rückseite der
50-Pfennig-Münze schmückte. Auf Knopfdruck berichtet sie aus ihrem
anstrengenden Leben in hoher Armut, bei dem es oftmals kaum zum
Überleben reichte.

Auch an den Rabenklippen kann die Stadt
mit ihren Pfunden wuchern. Gleichen diese doch einem
Abenteuer-Spielplatz ungestümer Riesen. Doch ist es nicht allein das
mächtige Felsengewirr, das die Besucher anlockt. Vielmehr sind es
die Luchse, von denen als neuem Wappentier der Stadt besonders
während der Fütterungszeiten eine besondere Anziehungskraft
ausgeht.

Galopprennen und Jungbrunnen

Illustre Gestalten am Jungbrunnen. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Als äußerst anregend und unterhaltsam erweist sich auch das alljährlich auf dem Rennplatz der Stadt vom Harzburger Rennverein veranstaltete Galopprennen. Die gesamte Kulisse trägt während dieser Zeit dazu bei, die mit dem Renngeschehen bestens vertrauten Besucher in ein wahres Renn- und Wettfieber hineinzuversetzen.

Bei allen Angeboten, gesund und innerlich ausgeglichen zu bleiben, setzt die Stadt noch eins obendrauf. Sie bietet neben ihrem bewährten Sole-Thermalbad neuerdings einen Jungbrunnen, der allein durch die Freude an dem originellen Figurenensemble zu verjüngen scheint. Fest hält eine betörende Dame ihren Gesichtsspiegel in der Hand, als wolle sie die Zeit daran hindern, zu schnell an ihr vorbeizueilen. Und selbst Gott Krodo hofft geduldig auf Verjüngung, die ihm auch sicherlich gut zu Gesicht stehen würde. Oder wäre er nicht besser beraten, es doch lieber mit dem Waldbaden zu versuchen?

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Waldbaden in Bad Harzburg von Dr. Bernd Kregel.

Reiseinformationen „Bad Harzburg“

Anreise: Gelegen am Nordrand des Harzes im Grenzgebiet von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, ist Bad Harzburg mit Bahn und PKW bequem zu erreichen.

Reisezeit: Bei grundsätzlich ganzjähriger Reisezeit lassen die Sommermonate jedoch die meisten Aktivitäten zu.

AttraktionenBaumwipfelpfad HarzLuchsprojekt HarzHarzburger Rennverein.

WohnenSonnenresort EttershausBraunschweiger HofSolehotel Tannenhof.

Essen und Trinken: Café Winuwuk, Waldgaststätte Rabenklippe, Restaurant und Café Sagenhaft Harz.

Auskunft: Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsbetriebe der Stadt Bad Harzburg GmbH, Nordhäuser Straße 4, 38667 Bad Harzburg, Telefon: 05322-75330, Fax: -23, E-Mail: info@bad-harzburg.de, Web: www.bad-harzburg.de

Anmerkungen:

Vorstehender Beitrag von Dr. Bernd Kregel ist eine kürzere Fassung der Erstveröffentlichung unter dem Titel Zu Fuß zurück zur Natur – Waldbaden in Bad Harzburg am 6.8.2019 im WELTEXPRESS.

Die Recherche wurde unterstützt von der Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsbetriebe der Stadt Bad Harzburg GmbH und dem Sonnenresort Ettershaus.




In Berlin auf der Museumsinsel soll am Freitag die teuerste Garderobe der Welt eröffnet werden

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Fünf Museen auf einer Insel, da muss ein Eingang reichen. Mit der Insel ist die Berliner Museumsinsel gemeint und der Eingang trägt den Namen James-Simon-Galerie. Der soll weniger Galerie als vielmehr Garderobe sein, Laden und auch sonstigen Ringelpietz mit Anfassen sowie Kaffee mit Kuchen bieten.

Einen deutschen Architekten fanden die Verantwortlichen wohl zu doof. Das Geld für einen Eingang bekam größtenteils David Chipperfield, also ein Brite. Das passt, wurde doch auch die Museumsinsel wie Berlin auch von Briten bombardiert.

Viel Rückschau auch bei der Namensgebung. Mit James Simon (geboren 1851, gestorben 1932) wurde ein Jude gefunden. Immerhin einer, der Geld für Kultur auch in Berlin gab. So ist das, wer viel Geld hat, der kann viel Geld geben.

Womit wir beim Thema wären, die Garderobe, die nach den mehrfach überarbeiteten Entwürfen des Briten gebaut wurde, dürfte nicht nur eine schmale sein, das Grundstück hat die Form eines schmalen Handtuchs, sondern auch die teuerste der Welt. Die neue Garderobe befindet sich an einem Graben, genauer: am Kupfergraben. In den hätte man die Millionen gleich versenken können und mit dem Rest etwas Billigeres und Besseres bauen können, das auch funktioniert.

Immerhin ist das, was 1997 begann, und ab 2009 gebaut wurde, 2019 endlich fertig geworden. So ist das in Merkel-Deutschland. Alles müssen scheinbar Ausländer bauen, alles wird offensichtlich teurer, alles taugt nichts.

Zum Taugenichts-Teil schrieb Bernhard Schulz im „Tagesspiegel“ (2.1.2018): „Denn unter funktionalen Gesichtspunkten kann einem schon ein wenig bange werden. Es geht über die Freitreppe hinauf, daneben aber auch auf Straßenniveau geradeaus; es geht im Gebäude nach unten und nach oben, es gibt Kassen oben und Garderobe unten, die Sonderausstellung seitlich und das Auditorium ganz nahe am Eingang Bodestraße, aber von dort nicht unmittelbar zugänglich.




Eine Insel mit Fondation – die Fondation Carmignac auf der Insel Porquerolles

Porquerolles, Frankreich (Kulturexpresso). Zwischen Marseille und Saint-Tropez liegt eine Insel mit Fondation. Die Insel heißt Porquerolles und die Fondation Carmignac.

Die Fondation Carmignac wurde im Jahr 2000 auf Initiative von Edouard Carmignac gegründet und sei nach eigenen Angaben eine Unternehmensstiftung mit zwei Schwerpunkten: einer Kunstsammlung mit fast 300 Werken und dem jährlich vergebenen Photojournalism Award.

Seit Juni 2019 stellt dort in einem umgebauten provenzalischen Bauernhaus aus Naturstein Charles Carmignac vor allem die Kunstsammlung seines Vaters aus, vor allem Werke aus der Nachkriegszeit, darunter namhafte Künstler wie Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat und Maurizio Catellan.

Gelände und Gebäude sind mehr oder weniger öffentlich zugänglich. Das Gebäude wurde so gestaltet, dass die Sammlung präsentiert werden kann, aber auch Veranstaltungen stattfinden können.

Durch die Räume im Untergeschoss gehen Besucher bestenfalls barfuß und zwar auf kaltem Stein. Im 15 Hektar großen Garten, in dem Skulpturen stehen, wird hingegen mit Schuhen geschlendert. dürfen sie die Schuhe wieder anziehen und Skulpturen bewundern.

Das besondere scheint für viele die gläserne Decke zu sein, die den Boden eines flachen Wasserbeckens bildet, sodass das Sonnenlicht durchdringen kann. Sehen Sie selbst!

Weil der Andrang groß ist, werden jede halbe Stunde höchstens 50 Besucher hineingelassen.

Mehr Infos auf der Heimatseite fondationcarmignac.com im Weltnetz.




Oper für alle in München oder „Salome“ von Richard Strauss auf dem Max-Joseph-Platz

München, Deutschland (Kulturexpresso). Kürzlich wurde der Bebelplatz wurde zur Piazza Opera, denn es war wieder Staatsoper für alle angesagt und viele kamen.

Manche kamen mit Schirm und Charme, doch der Regen fiel ins Wasser. Tropenhitze zu Richard Wagners „Tristan und Isolde“  in der Hauptstadt.

Gefördert wurde die Berliner Veranstaltung erneut von BMW, die auch für Oper für alle in München Geld geben. Im Rahmen der Münchner Opernfestspiele soll am 6. Juli 2019 die Oper „Salome“ von Richard Strauss ab 20 Uhr direkt auf dem Max-Joseph-Platz übertragen werden.

In einer Pressemitteilung der BMW-Gruppe (19.6.2019) heißt es dazu, dass Generalmusikdirektor „Kirill Petrenko … die musikalische Leitung des Musikdramas, das auf der gleichnamigen Dichtung von Oscar Wilde basiert“ übernehme. „Inszeniert wird die Oper von Krzysztof Warlikowski, die Titelrolle singt Marlis Petersen. Wolfgang Ablinger-Sperrhacke wirkt als Herodes, Herodias wird von Michaela Schuster dargestellt. Außerdem übernimmt Wolfgang Koch die Rolle des Jochanaan und Pavol Breslik den Part des Narraboth.“

Wer nicht vor Ort in München sein kann, der könnte die Inszenierung Livestream auf staatsoper.tv genießen.




Die Nasenschilder der Warschauer Altstadt – Zeichen der Erinnerung und Zierrat

Dresden, Deutschland (Kulturexpresso). Seit dem 24.5.2019 ist im Kraszewski-Museum in Dresden die Sonderausstellung über die Warschauer Altstadt, genauer gesagt über ihr charakteristisches Kunsthandwerk, welches seit den 1950er Jahren die wieder aufgebauten Häuser der Warschauer Altstadt auszeichnet, zu sehen.

Die Rede ist von den sogenannten Nasenschilder. Dazu heißt es in einer Pressemitteilung der Museen Dresden vom 24.5.2019: „In Westeuropa kamen sie erstmals im 14. Jahrhundert auf, erreichten den Höhepunkt ihrer Popularität aber erst im 16. und 17. Jahrhundert. Auch in Warschau warben sie jahrhundertelang für Waren und Dienstleistungen. Dann jedoch kamen sie aus der Mode. Die letzten historischen Exemplare wurden bei den ersten Sanierungen der Altstadt im Jahr 1918 entfernt. Als beim Wiederaufbau Warschaus nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entschieden worden ist, die Altstadt einerseits als Wohnsiedlung, andererseits als Ort kulturellen Lebens zu rekonstruieren, entschloss man sich, visuell einheitliche Gewerbeflächen zu gestalten. In zwei Phasen – während des Wiederaufbaus in den 1950-er und 1960-er Jahren sowie in den frühen 1970-er Jahren – wurden dazu von renommierten Künstlern und Handwerkern neue Nasenschilder entworfen. Ihre Motive orientierten sich in der Tradition mittelalterlicher Gilden an den angebotenen Produkten, bezogen sich auf grafische Logos staatlicher Unternehmen oder auf alte Sagen und Legenden. Die meisten von ihnen sind heute noch erhalten. Durch ihre kreative Gestaltung und die ausgezeichnete handwerkliche Umsetzung ihrer filigranen schmiedeeisernen Details prägen sie das Bild der Warschauer Altstadt, die seit 1980 UNESCO-Weltkulturerbe ist.“

Die rekonstruierte Warschauer Altstadt sollten Besucher der polnischen Hauptstadt einmal gesehen haben, doch wer es nicht bis Warschau schafft, erreicht vielleicht wenigstens das Kraszewski-Museum, Nordstraße 28, 01099 Dresden, wo die Sonderausstellung noch bis zum 8.9.2019 immer mittwochs bis sonntags von 13 Uhr bis 18 Uhr gezeigt wird.

Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 3 Euro, Gruppen (ab 10 Personen) 3 Euro, freitags ab 13 Uhr Eintritt frei




Wiglaf Droste ist tot

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wiglaf Droste, der am 27. Juni 1961 in der ostwestfälischen Stadt Herford geboren wurde, ist nach kurzer und schwerer Krankheit am 15. Mai 2019 in Pottenstein bei Bayreuth gestorben.

Bayreuth, so schlug er, der Dichter, der dachte, und der Denker, der dichtete, einmal vor, sollten doch die Piloten der israelischen Luftstreitkräfte statt Beirut bombardieren und bis auf das Jean-Paul-Museum plattmachen. Jetzt wurde er, der von uns vor allem als Gründer des Benno-Ohnesorg-Theaters in Berlin und als Autor des Politmagazins Kalaschnikow, der Zeitschrift Häuptling Eigener Herd sowie der Critica Diabolis geschätzt wurde, in der oberfränkischen Provinz plattgemacht.

Zeit seines Lebens wurden Worte genug gewechselt. Eine offizielle, eine öffentliche Trauerfeier wird es nicht geben. Der Lebens- und Wortkünstler kann keine Worte mehr hören und wir wollen sie nicht zur Werbung werden lassen in einer Welt der Ware und des Spektakels. Wir trauern und werden uns so lange wir können erinnern.




Blick in die Staatsoper Unter den Linden in Berlin.

Ein neues Licht am Leuchtturm – Die Staatsoper unter den Linden eröffnete ihr Opernkinderorchester

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit Ostern gibt es in Berlin ein neues Opernorchester, das Opernkinderorchester der Staatsoper Unter den Linden. Zwar gab es in Berlin wiederholt Streit, ob das vereinigte Berlin drei Opernhäuser (und Opernorchester) brauche, aber heute, in Zeiten höherer Steuereinnahmen, ist das (auf dieser Ebene) kein Problem mehr. Die jungen Musiker bekommen ja auch kein Gehalt, und die Staatsoper bringt es bei Zuschüssen von 56 Millionen Euro und zusätzlich Geld von Stiftungen und Sponsoren mit unter. Das Orchester muss auch nicht im Opernbetrieb spielen, sondern nach heutigen Plänen in den alljährlichen Festtagen der Staatsoper, gewissermaßen als öffentlicher »Leistungsnachweis». Die Hauptsache ist ja auch, dass 86 Kinder Freude am Spiel haben und in den Proben und Konzerten das Zusammenspiel beherrschen lernen.

Die Idee hatte der Intendant Matthias Schulz. Die Staatsoper wählte in Zusammenarbeit mit den acht bezirklichen Musikschulen die besten Schüler im Alter von 7 bis 12 Jahren aus. Im Februar 2018 begannen die ersten Proben. Eine intensive Schulung erhielten die Kinder an einem Probenwochenende in der ehemaligen Pionierrepublik am Werbellinsee. Am 20 April fand das erste (ausverkaufte) Konzert in der Staatsoper statt. Wie in der »richtigen» Oper spielte das Orchester die Ouvertüre zur Oper »Apollo und Hyacinthus» von Wolfgang Amadeus Mozart und begleitete Rolando Villacon und Serena Saenz bei den beliebtesten Duetten aus der »Zauberflöte». Bei Auszügen aus Engelbert Humperdinks »Hänsel und Gretel» wirkte der Kinderchor der Staatsoper mit. Schließlich, unter Leitung von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim, erklang das komplette musikalische Märchen »Peter und der Wolf» von Sergej Prokofjew, der Text gesprochen von Rolando Villazon.

Berlin hat eine neue elitäre Einrichtung. Ziemlich unklar ist der Zweck des Opernkinderorchesters. Zunächst das Neue: Gemeinsam mit vielen engagierten Künstlern und Mitarbeitern wurden Verbindungen zu den acht bezirklichen Musikschulen geschaffen, die gegenseitig befruchtend sein werden. Das Opernkinderorchester pflegt spezifische Fertigkeiten wie die Begleitung von Sängern und Opernchören und lernt die Musiksprache der Opernliteratur – Fähigkeiten, die bei den Teilnehmern Talente fördern und Berufswünsche wecken können. Die jungen Musiker aus den Musikschulen sind eine Auswahl, die hohe Leistungen verspricht, aber keine Breitenwirkung entfaltet. Sehr verschwommen wirkt die bereits vor einem Jahr von Schulz formulierte Aufgabe, die Kinder zu motivieren, »den alltäglichen Betrieb eines traditionsreichen Opernhauses hautnah zu erleben», und das »auf internationaler Ebene». Das dürfte für Schulkinder praktisch kaum möglich sein, und der Stress und die Theaterkräche sollten ihnen ohnehin erspart bleiben. Die nächste Gala, gemeinsam mit Sängern und Solisten, ist für die Festtage 2020 geplant, und über die weiteren Pläne wird man dann sprechen, sagt die Pressesprecherin Leonie Stumpfögger.

Der Vergleich mit anderen Formen der Musikvermittlung drängt sich auf. Eine gute Breitenwirkung erzielt zum Beispiel das alljährliche Schulorchestertreffen der Berliner Philharmoniker. Dort kommen jeweils sechs Orchester mit 100 bis 200 Kindern und Jugendlichen zusammen (auf die Bühne passen gar nicht alle). Die sind in ihren Schulen verankert und tragen mit ihren Auftritten zum Schulleben bei, wecken bei den Schülern Musikbegeisterung und finden mit jedem Jahrgang neue Mitspieler. Zwischen den Schulorchestern besteht ein gesunder Wettbewerb. Das kann das Opernkinderorchester nicht leisten, aber die Staatsoper hilft ihrerseits den Orchestern der Musikschulen. Das Education-Programm der Berliner Philharmoniker (Kirill Petrenko bevorzugt übrigens den Begriff Musikvermittlung) schart in einigen Berliner Bezirken sangesfreudige Kinder um sich. Die »Vokalhelden» – sie sehen gar nicht so aus – sind nicht ausgewählt, sondern jedes Kind kann kommen, das Lust hat.

Eine eigene Note der Musikvermittlung pflegt das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, dessen Musiker Kammermusikensembles in mehreren Schulen betreuen, was auch eine individuelle Anleitung der Schüler einschließt. In diese Arbeit stürzt sich auch der Chefdirigent Robin Ticciati. Er will die beteiligten Ensembles zur Aufführung des dritten Satzes der Achten von Dvorak im großen Sendesaal des Hauses des Rundfunks zusammenführen.

Den Clou, ein Stück echter Volkskultur, leistet das Deutsche Symphonie-Orchester mit dem Symphonic Mob, der jedes Jahr in der Mall of Berlin hunderte, ja bis zu 1200 Laienmusiker und Sänger vor einer dicht gedrängten Zuschauermenge zum Konzert vereinigt. Da produzieren sich keine Profis. Jeder kann mit seinem Instrument mitspielen. Die Begeisterung bei allen ist unermesslich.

Die Staatsoper selbst unterstützt mit Erfolg eine andere populäre Form des Musizierens und der Musikvermittlung: das »Kinderopernhaus Berlin». Dessen Urform, das Kinderopernhaus Lichtenberg, gründete Regina Lux-Hahn im Jahre 2010. Sie hat inzwischen auch Kinderopernhäuser an Grundschulen in Marzahn und Reinickendorf organisiert. Kleine Ensembles von Grundschülern singen und spielen Oper, erfinden selbst Singspiele, führen sie im Bezirk auf und machen Kinder auf die Oper neugierig. Unterdessen hat die Staatsoper ihre Förderung übernommen und will weitere Projekte in Mitte, Friedrichshain und Köpenick entwickeln. Lux-Hahn hat ihren festen Platz in der Staatsoper.

Mit dem Opernkinderorchester ist eine neue produktive Form der Musikförderung entstanden, aber, nicht zu übersehen, zugleich eine elitäre Form für wenige Auserwählte.

Nicht unproblematisch ist auch: Um die Staatsoper Unter den Linden ist dank der Ambitionen und der Autorität Daniel Barenboims ein Imperium entstanden, das die Oper, einen Kammermusiksaal, eine Musikakademie, ein Opernstudio, eine Orchesterakademie, einen Musikkindergarten sowie die ehrenamtlich fundierten Gemeinschaften, das Opernkinderorchester, einen Jugendchor, Jugendklubs, eine Kompositionswerkstatt und vieles andere umfasst. Derartige »Leuchttürme» werden von Ministern, Parlamenten, großen Sponsoren und Stiftungen gern gefördert, weil der Erfolg sicher ist und der eigene Name Glanz erhält. Das aber ist gewöhnlich »einsame Spitze» und hat mit der deklaratorisch erstrebten Breitenwirkung der Kunst wenig zu tun. Vorzeigeobjekte helfen nicht, das Orchestersterben, das Zusammen-Schrumpfen von Orchestern und Theatern, die Schließung von Bibliotheken und Museen aufzuhalten. Vor allem wird der schrumpfende Musikunterricht in den Schulen und die skandalöse Unterbezahlung der Lehrer an den Musikschulen damit nicht verhindert. Und bei weitem nicht alle interessierten Kinder werden in die Musikschulen aufgenommen. Niemand wird von der Staatsoper oder anderen »Leuchttürmen» verlangen, dass sie staatliche Kulturpolitik machen. Sie haben Ideen und wünschen sich die Mittel, um sie zu verwirklichen. Doch »der Staat», Bundesregierung, Landesregierungen und so weiter, muss sich überlegen, wie er seine Mittel verteilt, um auch »in der Fläche» ein interessantes Kulturangebot zu sichern und die Teilhabe seiner Bürger am Kulturleben zu fördern. Dann könnte es nicht passieren, dass zum Beispiel das »klingende Klassenzimmer» der Berliner Symphoniker weggespart werden konnte.

Dennoch: das Opernkinderorchester ist eine schöne Erfindung, macht den musizierenden Kindern, den Lehrern und Mentoren aus der Staatsoper Spaß, fördert Talente und begeistert das Publikum. Drei Konzerte werden noch stattfinden: am 5., 6. und 19. Mai in der Staatsoper Unter den Linden.

Karten unter 030 20354555 oder tickets@staatsoper-berlin.de