Sängerin Julia Zhao auf der IFA. Tanzgruppe auf der Bühne in Halle 9

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Was machte die Sängerin Julia Zhao auf der IFA? Frau Zhao, eigentlich Zhao Songzi beziehungsweise europäisiert Songzi Zhao (sprich Ssung-dse Dschau) singt nicht nur, europäisch wie chinesisch, sondern kann auch tanzen. Eine ganze Tanzgruppe erfreute in Halle 9 auf der Bühne die Messebesucher in ihren traditionellen Kostümen. Nicht nur Musik und Tanz, auch talkshowähnliche Formate wurden dort gezeigt im Rahmen eines chinesisch-deutschen (Kultur-) Austauschs.

Julia Zhao auf der IFA in Halle 9. Auf dem Berliner Messegelände in Charlottenburg. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Julia Zhao, wie sich die Sängerin hier für diejenigen nennt, die meinen, nicht in der Lage zu sein, ihren Namen aussprechen zu können, kam nach Deutschland um klassischen (Opern-) Gesang zu lernen. Zu studieren. In China sang und singt sie Peking-Oper. Dabei hat sie einen ganz eigenen Stil gefunden, beides zu kombinieren.

Julia Zhao auf der IFA in Halle 9. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Wir fragen sie, ob es noch jemand gäbe, der das tut. Die Antwort ist: Eigentlich nicht oder kaum, und die einzige Sängerin, die Frau Zhao auf Anhieb einfällt, ist bereits über 60 Jahre alt.

Julia Zhao auf der IFA in Halle 9. Im Hintergrund auf der Bühne: Logo der Stiftung deutsche und chinesische Kultur. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Wir versuchen, Julia Zhao auf Film zu bannen; keine einfache Aufgabe, eine tanzbegeisterte Sängerin zu photographieren, die sich gern bewegt. „Die Kamera ist zu langsam“, meint sie, während sie von einer Pose zur anderen wechselt.

Julia Zhao auf der IFA: Von Anfang an Musik

Julia Zhao unter dem Funkturm in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Geboren wurde die tanzende Sängerin als Zhao Songzi in einem Dorf in der Nähe von Zhangzhou (Dschang-dschou) in der Provinz Henan. He-nan bedeutet „südlich (nan) des Flusses“. Der Fluss (He) ist der Gelbe Fluss oder Huanghe, der so heißt, weil er viel Löss mit sich führt. Es ist der nördlichste der drei großen Flüsse, die auf einer kleinen Karte von China eingezeichnet sind.

Julia Zhao unter dem Funkturm in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Schon als Kind begann sie bei ihrem Onkel Musiktheorie zu lernen. Anfang der 1990er Jahre arbeitete sie in der Schule als Musiklehrerin. In der Grundschule und in der Sekundarstufe. Später trat sie an verschiedenen Orten auf. Da sie heute in Berlin lebt, ist ein Auftritt auf der IFA nur folgerichtig.

Julia Zhao auf dem Berliner Messegelände unter dem Funkturm in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Auf dem Messegelände erklingt allerorten Musik. Oft aus der Konserve, doch häufig auch live. Nicht nur tagelang im Sommergarten mit Rap und Pop, sondern auch an den Ständen wie zum Beispiel bei Siemens in Halle 1.1 regelmäßig Jazz zum Feierabend mit Nelson Müller und Band (17.15 bis 18 Uhr, Nähe Eingang Messe Süd). Chinesische Klänge, Tänze und Kostüme runden eine Messe ab, auf der von Technik made in China wirklich nicht zu wenig zu sehen ist.

Julia Zhao in Bewegung. Studie. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Hinweis: Auf der Bühne in Halle 9 wird unter anderem oder vor allem deutsch gesprochen. Eine schöne Abwechslung, da zum Beispiel die Supplier in der Station Berlin bei IFA Global Markets zwar von ihren Produkten viel verstehen, aber bei ihren Fremdsprachenkenntnissen vielfach noch Luft nach oben haben.

Julia Zhao zur IFA auf der Messe Berlin zwischen Sommergarten und großem Stern, im Hintergrund der Funkturm. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser




Beim Algenfang in Galicien, einem Meeresalgenerntegebiet des Atlantiks vor Spanien.

Algen essen und die Welt retten. Wie Umweltschutz lecker und gesund sein kann

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Algen? Haben manche noch nie gegessen. Die grüne Farbe verjagt viele – zumindest bei Smoothies. Manche Berliner Anbieter haben nicht nur gelbe, rote und orange Sorten im Angebot, sondern auch grüne. Nicht der Renner. Flüssigem Fruchtbrei und Algen gemein ist das Vegetarische. Und vegetarisch zu essen, ist nicht nur „gesegnet“ – angeblich waren Noah und seine Familie Vegetarier und Gott hat damals vor dem langen Regen und der Sintflut außer den Tieren nur die Vegetarier gerettet: Noah, seine 3 Söhne und ihre Frauen, also 8 Personen – es ist auch gesünder und rettet vor allem die Welt vor einer Klimaaufhitzung. Gott sei Dank waren die Inder fast alle Vegetarier, bis auf eine muslimische Minderheit (von immerhin heute 172 Millionen indischen Moslems oder 14 Prozent) und andere Minderheiten (gut 2 Prozent Christen, knapp 2 Prozent Sikhs und weniger als ein halbes Prozent Juden, Zoroastrier, Unreligiöse und andere). Warum wir Indien erwähnen?

Die Welt vegetarisch? Ohne Indien geht es nicht

Wenn wir eine weltweite Betrachtung anstreben – und Klimawandel ist nicht hausgemacht – kommen wir an Indien nicht vorbei. Vor vier Jahren wuchs Indiens Wirtschaft schneller als die Deutschlands, Chinas und aller anderen G20-Staaten. Indien ist nominell die sechsgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, obwohl es nicht zu den G7 zählt. Italien ist überholt. Kaufkraftbereinigt ist Indien wirtschaftlich sogar die Nummer 3 in der Welt – trotz der vielen Armen.

Was die Bevölkerungszahl angeht, hat die Volksrepublik China, der große chinesische Staat, die 1,3 Milliarden lang überschritten und stand vergangenes Jahr nur 4 Millionen und 620.000 Menschen von den 1,4 Milliarden entfernt. Etwa die Einwohnerzahl Berlins fehlte noch. Doch Indiens Bevölkerungszahl hatte 2017 auch bereits die 1,3 Milliarden überschritten – um 40 Millionen. Als sicher gilt, dass es bald mehr Inder als Chinesen gibt. Und da es immer noch Hunderte Millionen arme Inder gibt, aber eine wachsende Zahl von wohlhabenden – und wir sprechen hier nicht von Tausenden, sondern von einer viel größeren Zahl – kann man nicht mehr davon ausgehen, dass dort fast kein Fleisch verspeist wird. In einem der jüngsten Dokumentarfilme zum Thema, die dem neuen „Climate Warriors“ (2018, Regie: Carl-A. Fechner, Co-Regie: Nicolai Niemann, Fsk 6) vorausgingen, zeigte ein indischer Unternehmer stolz eine seiner vielen Hühnerfarmen.

Wie wir wissen, kann man mit einer Portion Getreide jemanden sattmachen. Um Schweine- oder Rindfleisch „herzustellen“, braucht man aber 8 bis 12 Portionen. Obendrein produzieren die Kühe viel Methan, das auch als Treibhausgas gilt. Wir brauchen also dringend Alternative und Alternativen – zum Beispiel Algen. Viele Vegetarier helfen viel und können das Weltklima retten, sich selbst und das Leben vieler Tiere, die sonst geschlachtet würden.

Überleben auch 2040: Der Film „2040“, bei Berlinale Generation präsentiert, zeigt die Lösungen

Rein aus Klimasicht sind Algen einfach grandios. Wir wissen, dass warmes Salzwasser starkes Wachstum ermöglicht. Eigentlich ist auch der menschliche Körper mit seinen zwei Dritteln Wasseranteil und seinem 0,9 prozentigen Kochsalzmilieu eine Art Warm-Salzwasserbehältnis mit Seele.

Im warmen Meerwasser wachsende Algen sind eine der Turbolösungen, mit der man viel Kohlendioxid wieder einfangen könnte, neben Biolandwirtschaft, um im Boden wieder mehr Kohlendioxid anzureichern.

Aus Recyclingplastik gebaute Plattformen dienen als Wuchsstelle für Algen. Von Wellenkraft angetriebene Pumpen bringen nährstoffreiches Wasser von tieferen Schichten nach oben. In Oberflächennähe wachsen die Algen schnell. Sonnenlicht und Photosynthese, deswegen das Grün – da war doch was? War das nicht im Bio-Unterricht? Gemeint ist hier nicht der Unterricht fürs Leben („Non scholae, sed vitae discimus“), sondern der Biologieunterricht.

Okay, Algen, die retten also das Klima. Aber was macht man damit?

Essen.

Gesund und nährstoffreich, darüberhinaus vegetarisch und sogar vegan; ein nachwachsender Rohstoff.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wir haben uns mal umgeschaut. Woher kriegt man die Algen? Aus dem Bioladen, schon klar, und woher nehmen die die?

Was läge näher, als auf der Grünen Woche nach doppelt grünen Produkten zu suchen. Gleichzeitig sollte es natürlich gut schmecken – Gourmetqualität, wenn‘s geht. Und das gibt es. Wir sind fündig geworden in Halle 1 am Stand von Algamar. Algen aus dem Atlantik – naheliegend, naheschwimmend, nahetreibend.

Algen: Aller Anfang ist grün

Atlantisches Gemüse auf der Internationalen Grünen Woche Berlin 2019.
Stand 151 in Halle 1.2 der Grünen Woche: Meeresalgen satt. Algen, das Gemüse des Ozeans. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Wo fängt man an?

Wir haben uns mal eine Starterbox von Algamar besorgt (algamar.de). Sie enthält im recycelbaren Tragekarton fünf Päckchen Meeresalgen inklusive 5 Rezeptkarten. Je eine Tüte Wakame, Nori und Dulse, dann ein Tütchen „Algen für Salat“, die alle drei Sorten enthalten, und eine Packung Meeresspaghetti (25 Gramm).

Apropos Anfang: Kam das Leben nicht aus dem Meer? Am Anfang war die Alge?

Ach nein, das Wort.

Algen als Produkt: Kein Glas gleich

Direkt vor Ort auf der Grünen Woche konnte man am Algamar-Stand auch Produkte aus dem Glas probieren. Zum Beispiel eingelegte Algen (wer nur englisch versteht: Marinated Seaweed – dieses Weed ist legal). Diese Algen in Marinade sind leckerer als gedacht. Das 190-Gramm-Glas, das abgetropft 165 Gramm Algen enthält, wurde sichtbar schnell leer. Auf der Messe.

Bio und vegan sind auch Algen und Shiitake in Marinade. Da jetzt auch noch die Pilze dabei sind, kommt eine andere Geschmacksrichtung auf und man braucht mehr Platz im Glas. Zum Glück sind die Gläser mit 265 beziehungsweise 185 Gramm größer. Verzehrfördernd wirkt auch, dass der Inhalt des Glases verzehrfertig ist. Er soll „ideal als Beilage oder zusammen mit Gemüse, Kartoffeln, Reis, Nudeln, Tofu, Seitan oder Sandwiches“ sein, steht auf dem Etikett. Das konnte man auf der Grünen Woche nicht ausprobieren.

Wer Algen sucht und essen will, der kommt um japanische Namen nur schwer herum. Ein weiteres Algamar-Glas enthält „Gomasio mit Nori-Algen“. Gomasio kennen wir noch von anno dazumal aus Food-Coop und Bioladen; es ist Sesamsalz. Die Zutaten sind dann auch … Sesam, Algen, Salz; sonst nichts. Gut ist das. Je länger die Zutatenliste, desto größer die Gesundheitsgefährdung. Bei drei Zutaten kann man schon mal genauer hinschauen. Hier sind aller dreier Dinge gut: Sesam und die atlantische Nori-Alge (Porphyra) stammen aus biologischem Anbau. Das Meersalz aus dem Atlantik nicht. Denn es wurde nicht angebaut, sondern durch die Bäche und Flüsse aus den Bergen herausgespült.

Das Gomasio-Glas enthält 150 Gramm – ist aber größer als das Glas mit maninierten Algen, denn es enthält keine Flüssigkeit. Der Inhalt ist lecker und leicht. Gomasio mit einem Anteil von 40 Gramm Algen pro Kilogramm. 40 von 1000, das sind 4 von Hundert, vier v.H. oder vier Prozent. Gerade genug gen Gourmet-Gomasio.

Nicht al dente, sondern al gen.

Algen auf dem „Markt des guten Geschmacks“, der „Slow-Food-Messe“, vom 25.4. bis 28. April 2019 (Halle 5 Gang A Stand H5 A17) in Stuttgart.

Internationale Grüne Woche unter dem Berliner Funkturm. Eingang Ost am ICC. © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser




Grüne Woche und Fruit Logistica. Gojibeeren aus Griechenland, Peanuts aus Großbritannien?

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Not macht erfinderisch. Wer hätte gedacht, dass Gojibeeren in Griechenland wachsen? Doch mal der Reihe nach. Griechenland hat, scheint es, das Ärgste hinter sich, Großbritannien das Ärgste noch vor sich und damit meinen wir nicht das Einsickern der Einsicht, dass das Empire kein Weltreich mehr ist, sondern eher eine mittelgroße Nordseeinsel mit einigen vorgelagerten Inselchen und einem Teilgebiet auf Irland, das ganz besondere Probleme bereitet. Großbritannien und Griechenland – beides beginnt mit einem großen „Gr…“ … Britannien endet mit einem „-nien“, hört sich das nicht wie ein „Nein“ an? Vielleicht zu Europa? Das plattdeutsche „he seggt“ (er sagt) liest sich englisch „he says“. Doch der volle Name ‚Englands‘ ist ja Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland“. Königreich endet mit „-reich“, wie lange das so bleibt, können wir nicht sagen.

Die Engländer, und am besten alle Briten, können sich ja schon mal Gedanken machen. Wie sie die Krise überstehen. Vielleicht finden sie Kranbeeren im Norden und kombinieren sie mit echtem englischen Tee. Ach nein, Cranberries gibt es schon. Oder sie bauen grauen Earl selbst an, damit sie ihn nicht importieren müssen. Vielleicht tun es auch Peanuts; Jimmy Carter, der demokratische Farmer, ist dadurch Präsident geworden.

Das Wort für Ausgang – EXIT – gibt es jetzt auch in den unschönen Varianten weißblau oder rotweißblau: Grexit und Brexit.

Brexit als unausweichliches Thema auf der Fruit Logistica

Über vielen Detailfragen, zum Beispiel an Monica Bratuti von einem weltweit tätigen neuseeländischen Unternehmen, die am 8. Februar eine Hundertschaft Frauen aus dem management versammelte, um deren Rolle in der Obstbranche zu stärken, hing der Brexit-No-Deal wie ein Damoklesschwert über der Media Preview, dem Startereignis für die Presse. Der Moderator: Ein Brite. Als nicht seine wechselnden Gesprächspartner auf der Bühne befragt wurden, sondern er selbst zum British Exit, verschob er die Beantwortung der Frage, was es darüber denke, weiter und weiter nach hinten, bis ihm die Gäste und Gesprächspartner ausgegangen waren.

Sein Fazit: „I hope it is just a bump in the road.“ Der Brexit als Schlagloch in den britisch-resteuropäischen Handels- und sonstigen Beziehungen. Jetzt geht es um die Größe. Manche Schlaglöcher sind so groß, dass man sich die Achse brechen kann oder gar einen Totalschaden am Fahrzeug erleiden. Manche Fahrt endet direkt im Schlagloch.

Schäuble ließ vor kurzem verlauten, er glaube, die Briten würden in kürzester Zeit zurückkommen.

Theresa May, die britische Regierungschefin, versucht eine minderschwere Variante des Ausstiegs zu finden. Während sie mit der EU verhandelt, die natürlich lieber mit Vertrag als ohne den Ausstieg vollziehen möchte – oder gar nicht – versucht sie mit dem Gespenst des „No Deal“ (Ausstieg ohne schriftliches Vertragswerk, kein Vertrag, kein „Handel“) die Fraktionen im britischen Parlament, dem Unterhaus, zusammenzubringen. Um die Monatswende Februar/ März brachte eine schottische Partei einen Gesetzentwurf ein, der abgelehnt wurde. Es war auch eine Testabstimmung für Mays ähnlichlautenden Interessen. Die Zeit drängt, Ende März ist Ultimo und die Uhr läuft ab.

Bei der Media Preview der Fruit logistica verwies man auf die gleichzeitig stattfindenden Verhandlungen zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen. Es schien so, als ob im günstigsten Fall schon am selben oder am folgenden Tag eine Lösung anstünde oder stehen könnte. Einen Monat später: Fatalismus. Die Aktienkurse leiden.

Hätten die Briten nach einem Brexit genug zu essen?

Umfragen zufolge glauben die meisten Briten, die meisten frischen Lebensmittel in den Läden stammten von den britischen Inseln. Mitnichten. Nur ein Drittel stammt aus heimischer Produktion, ein Drittel aus Europa, der Rest aus Übersee. Urban Gardening ist auch auf britischem Mist gewachsen; müssen die winzigen innerstädtischen Beete jetzt die Frischversorgungslücken schließen? Am 12. Januar 2017 startete der Dokumentarfilm „Wild plants“ in den bundesdeutschen Kinos. Der Film führt zu verschiedenen Projekten, zum Beispiel zu den privaten Gärtnern in der Stadt, die teils öffentliche Flächen nutzen, den sogenannten „Urban Gardeners“ im zusammengebrochenen Detroit. Auch andere Dokumentarfilme beschäftigten sich in den vergangenen fünf Jahren mit dem Thema. Es scheint so, als könne man den Briten den deutsch-schweizerischen Dokumentarfilm „Wild plants“ von Nicolas Humbert aus dem Jahr 2016 und ähnliche Streifen nur dringendst empfehlen.

Zwar reden May, die britische Opposition und Brüssel auch über einen Aufschub von ein paar Wochen bis zu maximal drei Monaten, um die Verhandlungen doch noch einer geordneten Lösung zuzuführen.

Doch ist ein Chaos ein reale Möglichkeit. Der zollfreie Binnenhandel innerhalb Europas beschleunigt die Warenströme enorm und verringert den Papierkrieg. Bei frischem Obst und Gemüse zum Beispiel aus Holland und Deutschland können zwei Tage längere Bearbeitung ein Aus für die Belieferung bedeuten. Die Lebensmittel wären schon schlecht, bevor sie ankämen oder zumindest weder frisch noch präsentabel, vom Wert einmal ganz zu schweigen.

Keine guten Nachrichten aus dem Nordwesten Europas, wo die britischen Inseln liegen. In der Diagonal gegenüberliegenden Ecke, im griechischen Südosten, keimt jedoch starke Hoffnung auf und beschert uns nicht nur die Gewissheit, dass die griechischen Wirtschaft bald wieder viel besser gehen wird, sondern auch ein Vielfalt neuer Produkte. Diese sind teils nicht nur äußerst gesund, sondern haben durchaus Gourmet-Qualität.

Paradebeispiel dafür ist Marke „Goji Spirit“.

The new Spirit aus Griechenland heißt Goji Spirit

Internationale Grüne Woche (IGW) sei dank kann der deutsche Gourmet, Feinschmecker und Otto Normalverkoster mit einem Quer-durchs-Land-Ticket der Deutschen Bahn zu Spezialitäten aus aller Welt fahr‘n. Für manche reicht aus schon ein S-Bahn-Fahrschein, immerhin fast jeder 20. Deutsche ist Hauptstädter. Nimmt man das Umland hinzu, ist die Grüne Woche in Reichweite ohne wie Goethe beschwerlich nach Italien oder Schliemann nach Kleinasien zu reisen, um dort zu speisen.

Zu gegeben, die Gruppe der Jetsetter, die mal eben zum angeblich besten Steak nach Dublin fahren, am nächsten Tag nach Canberra oder Perth, um den besten Catfish zu probieren und zwei Tage darauf an der Côte d‘Azur sitzen, um irgendein Szenegetränk in einem Michelin-Sterne-Etablissement zu schlürfen, ist klein. Zum Glück. Sonst hätte sich die Erde bereits jetzt so erwärmt, dass man sich für nichts anderes mehr als das Überleben erwärmen würde.

„For now“, für den Moment, freuen wir uns einfach über kurze Wege innerhalb Deutschlands bei Urlaub und Verkostung. Denn die Neugierde ist nie aufzuhalten und sehr gesund. Vielleicht nicht so gesund wie Ingwer, Gojibeeren und Vitamin C, doch sie gehört zu (einem spannenden) Leben dazu. Auf der Grünen Woche wurde sie befriedigt. An einem einzigen Stand, einem der das erste Mal gesichtet wurde, gab es allein etwa ein Dutzend Novitäten! Eigentlich war es nur ein halber Stand, denn die Newcomer teilten sich einen und kommen aus einem … reichen Land. Reiche sind bekanntlich geizig (in einem „blog“ stünde hier ein Smiley). Warum Griechenland nicht Griechenreich heißt, kann ich kaum verstehen, denn die Griechen sind nicht nur reich an Geschichte und gutem Willen, sondern auch an Ideen. Das beweist allein schon so eine Veranstaltung wie Hellas Filmbox. Doch das Vereinigte Königreich von Großbritannien und so weiter heißt in Deutschland auch nur England.

Weltneuheiten – oder neue Produkte auf dem europäischen Markt

In einem schönen Design kommen Sie ja daher, die essbaren Erzeugnisse unter der Firma „Goji Spirit“ – auf jedem Etikett eine andere Figur. Auf der Apfelsaftflasche scheint ein Herkules mit Äpfeln zu jonglieren. Eine Frau in gepunkteter Kleidung präsentiert eine Tomate, eine andere huldigt der Roten Bete.

Auf dem kleinen Tisch auf der Grünen Woche stehen mehrere Probiergläser. Ich probiere aus einem – ein sehr leckerer (Brot-) aufstrich mit Apfel, Zimt und Gojibeeren. Wir wollen schon fast weiter – die Grüne Woche ist groß und die Zeit knapp – da werden wir von freundlichem Standpersonal zum Bleiben aufgefordert. Ich probiere aus einem weiteren Glas und stelle fest, dass ich in der Eile in eine (Verständnis-)Falle getappt wäre. Die gleich großen, fast quadratischen, aber abgerundeten Gläser enthalten weder alle gleichviel noch dasselbe. Ich erwartete wieder einen Brotaufstrich – doch im zweiten Glas ist eine Biosauce mit „Goji Berry, Tomato, Oregano“, wie das englische Etikett verständlich verrät. Die herrliche, leckere Sauce, die zu „Teigwaren, Gerichten mit Tomatensauce oder Pizza passt“, macht mich wach und neugierig.

Ich schaue noch einmal das erste Glas an: Apfel-Zimt-Brotaufstrich „Organic Spread“, also Bioaufstrich, steht über der Sorte „Goji Berry, Apple, Cinnamon“. Es sind 240 Gramm darin. Und im Soßenglas? 200 Gramm „Organic Sauce“.

Im dritten Glas ist werde etwas zum Schmieren noch Soße: Organic Chutney (!) Wieviel Gramm? 220. Potzblitz. Ein Chutney, mit Gojibeeren, so etwas hat die Welt doch noch nicht gesehen. Die Sorte: Gojibeeren-Rote-Bete-Orange-Chili. Wow. Ich weiß nicht, was mich mehr umhaut: die Einzigartigkeit, die Neuheit oder der Geschmack.

Ein Flyer wird mir gereicht. Alles ist bio –und vegan! Zucker wird nicht hinzugefügt, glutenfrei ist das sowieso. Der hohe Vitamingehalt ist Standard. Das gilt auch für die anderen Produkte, so die Säfte, halbe halbe mit Äpfeln oder 80/20% Goji/ Orange oder -Apfel, oder Orangensaft (77%) mit 19% Beeren und Agave.

Eine Überraschung nach der anderen

„Wer hätte das gedacht“, sagt der Sohn, der Student, „Gojibeeren mit griechischem Bergtee zu kombinieren.“ Niemand vorher! Und so gibt es ein „Organic Dressing“, ein Bio-Dressing, mit Beeren, Bergtee und Anis (Goji Berry, Mountain Tee, Anise). Das Dressing probiere ich jetzt nicht mehr, nehme aber den Flyer mit, auf dem ich die Website www.gojispirit.gr finde und weitere Sorten. So ein Chutney mit Apfel und Curcuma und einen Aufstrich mit Orange, Basilikum und Agave. Das Motto gefällt uns: „Happiness is tasty!“

Gesundheit im Vordergrund

Überzeugend auch, wer hier warum zu Werke geht. In erster Linie ging es darum, super-gesunde Lebensmittel zur Verfügung zu stellen, die dem Stress, den Umwelteinflüssen und dem ungesunden Stadtleben in der Moderne etwas Entscheidendes entgegensetzen können. Das ist glaubhaft aufgrund der Ausstrahlung der Menschen, die diesen Familienbetrieb vor kurzem auf die Beine gestellt haben: Die ganze vierköpfige Familie ist da – und alle sind und waren im Sinne und Dienste der Gesundheit unterwegs: Die Mutter ist Ärztin, der Sohn studiert Medizin, der Mann und ein weiterer Sohn sind auch im Gesundheitswesen tätig. Als Arzt, der manchmal nicht heilen kann, sieht man die wunderbaren Wege der Prophylaxe.

Gesundheit erhalten, statt sie wiederherzustellen, ist der Weg. Das wusste auch schon Dr. Shelton, der darüber ein Buch schrieb. Vorbeugen ist besser ist heilen, weiß der Volksmund.

Um möglichst vielen Menschen zu helfen, kam die Familie auf die Idee mit den Gojibeeren. Einziger Nachteil, den wir bisher herausfinden konnten: auf dem Stück Land in der Petridistraße in Vrahati (Korinth) lag das Land nicht brach, sondern standen Olivenbäume. Diese mussten weichen, um der neuen Pflanzung Platz zu machen. Dabei musste die Familie Geduld aufbringen, nicht nur, weil die neuen Pflanzen erst wachsen mussten, sondern weil eine Bio-Zertifizierung erst nach einiger Zeit erfolgt.

Der Gesundheitsaspekt: Gojibeeren oder Erdnüsse (=peanuts)

Um es einmal klarzustellen: Wir haben nichts gegen Peanuts. Zum einen sind die Millionen, die Ackermann und der Deutschen Bank verlorengingen, nur „Peanuts“. Wer den Heller nicht ehrt … Wenn diese Peanuts bei der Deutschen Bank nicht gebraucht würden, bei uns wären sie schon recht willkommen.

Auch Erdnussbauern sind willkommen. Jimmy Carter wurde immer als „Erdnussfarmer“ bezeichnet. Jimmy Carter war einer von den Guten. Der Ex-Präsident hatte den Mut, zuzugeben, dass er ein UFO gesehen hatte und schämte sich nicht, Farmer zu sein. Ob man es nun Farmer oder Bauer nennt – auf beides kann man stolz sein.

Physiologisch betrachtet ziehen wir Gojibeeren vor. Sie sind nicht nur glutenfrei – das ist Mineralwasser auch – sondern ein Superfood mit hohem Vitamingehalt. Wenn die Beeren dann auch noch lecker daherkommen, kommt man in Versuchung und darf sich getrost gesund verführen lassen …

Fazit zum Exit: Gojibeeren gewinnen gegen „England goes nuts“

Ein Ausweg ist auch ein Exit. Man muss nicht immer raus aus einer Gemeinschaft, manchmal reicht es, etwas besser zu machen.

Auf den Punkt gebracht: Gojibeeren aus Griechenland sind mir lieber als Peanuts aus Großbritannien. Lieber Goji Spirit als Exit Strategy.




Immer wieder anders. Grüne Woche mit Rekord, hin zu diesem Ort

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Bereits einen Tag vor Beginn, als die ersten Pressekonferenzen liefen, meldete die Messe Berlin: „Mit 125.000 Quadratmetern ist die zur Verfügung stehende Hallenfläche auf dem Berlin ExpoCenter City ausverkauft. Die Messe Berlin erwartet in den zehn Messetagen rund 400.000 Fach- und Privatbesucher.“ Der letzte Satz spricht noch von Erwartungen, doch der feststehende Rekord von 125.000 Quadratmetern spricht für sich, 2018 waren es noch nicht einmal 118.000. Vordergündig liegt das daran, dass die Modemesse Panorama sich diesmal nicht mit der Grünen Woche überschnitt.

Die Panorama ging vom 15.-17., die Internationale Grüne Woche Berlin (IGW) vom 18.-27. Januar 2019. In den Vorjahren flanierten Modefachbesucher von Grünwöchlern unbemerkt durch die Hallen 1.1 bis 6.1, während über ihnen die Grüne Woche in vollem Gange war in den Hallen 1.2 bis 6.2 und weiteren. Es war die 84.; die erste Grüne Woche 1926 füllte 7.000 Quadratmeter und es war noch keine internationale.

Rekorde haben also manchmal ganz banale Gründe. Wir kennen das vom deutschen Bruttosozialprodukt. Es erreichte unlängst von einem Jahr auf das andere Rekordniveau bei annähernd gleicher, sehr guter Wirtschaftslage. Was aber hatte konkret den obersten Platz auf dem Treppchen bewirkt? Nichts anderes als der Kalender. Es fielen in dem Jahr viele Feiertage auf einen Sonntag, dadurch wurde einen Tag länger gearbeitet. Das war es schon.

Dass Berlins Regierender Bürgermeister Müller nun stadtweit einen neuen Feiertag (wir berichteten) ausrief, wird dem Berliner Sozialprodukt, von dem unter anderem die Hartz-IV-Empfänger bezahlt werden, automatisch einen Dämpfer versetzen. Die Hartz-IV-Empfänger werden von dem Feiertag fast so wenig mitkriegen wie von dem Schuldenberg der Stadt, mit dem Unterschied, dass sie vielleicht im März bei Aldi vor verschlossenen Türen stehen werden.

Welcher Feiertag? Es ist der Tag, bis zu dem in Russland die Weihnachtsbäume stehen dürfen. Anfang März, von einer Deutschen erfunden. Woanders gefeiert.

Kein gewöhnliches Jahr

Bei der Internationalen Grünen Woche Berlin sind die verfügbaren 125.000 Quadratmeter (aus-)verkauft gewesen, das ist nicht selbstverständlich. Bloß weil sie zur Verfügung standen, hätten sie nicht ausgebucht sein müssen. Was also macht die Attraktivität aus? Und warum lohnt der Besuch jedes Jahr aufs Neue?

Die Berliner zumindest sind ja so leicht nicht aus der Fassung zu bringen. Damit sie endlich mal zuhause bleiben können und die Füße hochlegen – immerhin dauert jeder normale Weg von A nach B in der Hauptstadt 30-45 Minuten – sagen sich einige einfach: „Naja, auf der Grünen Woche ist es ja immer wieder dasselbe. Dieses Jahr muss ich da nicht hin.“ Das mit dem ‚müssen‘ stimmt im Prinzip und mal Pause machen ist eine gute Sache. Doch die zweite Januarhälfte ist dafür der falsche Zeitpunkt.

Ein paar wenige Gründe von vielen lassen sich sofort aufführen. Zwar sind einige Aussteller hier seit 20 Jahren Stammgäste. Herrmann‘s Gewürze, ein Familienbetrieb aus dem Saarland, ist seit 2 Jahrzehnten jedes Jahr dabei. Welcher Grüne-Woche-Dauerbesucher hätte nicht schon einmal die mit Mayonnaise und Ketschup angerührten Gewürzmischungen probiert, die zum Beispiel „Jambalaya“ heißen? Zwanzig Jahre sind noch nicht einmal ein Viertel von 84 und Herrmann‘s hat sich verändert, hatte jetzt einen zweiten Stand mit Biogewürzen.

Wela mit seinen Trockenmischungen und Pasten für Suppen und Saucen ist auch seit Jahren bekannt; wohl kaum ein Deutscher, der sie nicht schon einmal probiert hätte. Ihre Qualität hat sich gesteigert; viele löffelten ahnungslos die „leckere Suppe“, die ihnen die „Hausfrau nach Hausmacherart“ präsentierte. Doch auch hier gibt es neue Sorten und Produkte. Außer Spargelcreme- Kokos-Ingwer- oder Waldpilzsuppe.

Nicht zuletzt bietet Wela eine Kakaopulvermischung. Wer weder die Hausmarken der Discounter dauerhaft goutiert noch mit der Politik und dem Geschäftsgebaren der Weltmarktführer einverstanden ist, findet hier eine Alternative für seinen Frühstückskakao.

Erstes Fazit: Selbst die bekannten Aussteller bringen Überraschungen.

Echte Novitäten

Von Algen über Gojibeeren bis hin zu finnischen Eiweißriegeln gab es soviele Neuheiten, dass wir sie weder alle gesehen haben noch zählen können. Unzählige Neuheiten, im wahrsten Sinne des Wortes. Überhaupt Finnland. Von den Malzbrotbackmischungen, Knäckebrot, das nicht wie solches aussieht und Joghurt aus Hafer, das sich nicht so nennen darf, soll an anderer Stelle extra berichtet werden. Finnland war dieses Jahr Partner und das wird noch lange nachwirken. Es hat sich als Produzent außergewöhnlicher (Bio-) Lebensmittel ins Gedächtnis eingebrannt und zusätzlich als Reiseland.

Auch die Novitäten verdienen gesonderte Berichterstattung. Gojibeeren hatten wir in Japan verortet. Dass diese jetzt ausgerechnet in Südosteuropa angepflanzt werden, hätten wir weder klimatisch noch wirtschaftlich vermutet. Dass Goji für Superfood steht, ist bekannt. Das G von Goji gibt‘s jetzt aus Griechenland. Griechische Gojibeeren sind ganz groß im Kommen. Und woher kommen sie? Aus Korinth, nur 70 Kilometer von Athen entfernt am Isthmus. Die Rosinen im griechischen Kuchen waren bisher Korinthen; wer jetzt nach echten Rosinen sucht, pickt sich Gojibeeren heraus. Klein, rot, lecker und gesund.

Leckere tschechische Sanddorn-Rezepturen

Sanddorn aus Tschechien ist auch gesund, aber schon bekannt; irgendwie hat es die Familie von Ing. Pavel Cvrcek geschafft, Rezepturen und Erzeugnisse auf den Markt zu bringen, wonach die Leute Schlange stehen. Es verging kein Tag auf der Grünen Woche, wo man in den Durchgangshallen 8/10 in der Nähe des Großen Sterns bei Cvrcek-Sanddorn nicht auf eine Menschen-Traube stieß. Die Menschenmassen stockten, das Durchkommen war erschwert. Wohl dem, der kein großes Kamera-Equipment mit sich herumschleppen muss.

Erst am letzten Tag der Grünen Woche gelang es, am Ausgabefensterchen – eine Gewohnheit aus sozialistischen Zeiten oder dem knappen Platz geschuldet? – mit Pavla Hatasová zu sprechen. Pavla ist Pavels Tochter, aha. Ihr Nachname spricht sich Hataschowa. Sie hat einen Magister – tschechisch Mgr. – und ist für výroba zuständig, die Herstellung
– oder, wer das deutsche Wort nicht mehr versteht, die Produktion.

Pavel und die schöne, kompetente Pavla haben den Geschmack vieler Mitteleuropäer getroffen. Zum Beispiel mit einer Art Himbeer-Sanddorn-Marmelade, die Stärke enthält. Für Russen ein No-Go. Russische Varenje ist flüssig und wird zum Tee gelöffelt. Deutsche Marmelade enthält dagegen für viele Geschmäcker oft zu wenig Obst und schmeckt einfach nicht gut genug, selbst wenn sie aus Bad Schwartau in Schleswig-Holstein kommt.

Vielleicht ist es auch nur der Reiz des Neuen und Ungewöhnlichen, der das Internationale der Grünen Woche so gut schmecken lässt. Wer sich selbst überzeugen will, findet die Sanddornprodukte von Paul, Paula und Tatjana aus Lhota pod Libcany in unserem Nachbarland unter www.rakytnik.eu . Die Website ist auch slowakisch, deutsch und englisch.

Ob es nun schmeckt oder nicht, lässt sich mit Sanddorn zumindest die nächste Grippewelle elegant umschiffen.

Zum Markenzeichen gezeichnet eine lustige Grille, die einen Zapfhahn in eine riesige Sanddornbeere geschlagen hat und sich in ihre Bechertasse einen labenden Trank abfüllt.

Algen essen im Trend

Gesundheit bringen auch die Algen. Viele kennen wir nur aus Japan. Sie sind teuer, wie alle japanischen Lebensmittel, und seit Fukushima scheuen wir uns ein bisschen. Ähnlich wie bei den Gojibeeren findet sich hier eine europäische Alternative: Bioalegria-Algen aus Galicien. Eigenname: „Biofreude aus Spanien“. Alegria ist das spanische Wort für Freude, fängt aber auch mit Al- an und geht mit „eg“ weiter.

Erzeugnisse aus der EG oder EU sind immer auch eine Freude für das Kohlendioxidkonto. Gojibeeren aus Griechenland und Algen aus dem Atlantik statt aus Japan, Sanddorn vom Nachbarn statt aus der Ferne … bei aller Meckerei über Europa sollten wir das Energieplus nicht aus den Augen verlieren. Nicht nur bei den Algen, die ein eigenes Thema sind, auch in Berlinalefilmen. Und gerade immer wieder zum Thema CO2 um Verwüstung zu verhindern, sprich: globale Erwärmung anzuhalten.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Garten seines Amtssitzes. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Noch gar nicht erwähnt wurde die Politikerschwemme auf der Berliner Internationalen Grünen Woche, über 70 Minister reisten an, darunter die wichtigen deutschen für Landwirtschaft und Umweltschutz. Nicht zu vergessen der erste Mann im Staate, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.




Basar und Bazaar. Auf der neuen Seidenstraße und in Berlin am ICC – Basare im 21. Jahrhundert

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Geschichte der Seidenstraße, die Ostasien mit dem Mittelmeer verbindet, reicht bis in der Antike. Sie begann im zweiten vorchristlichen Jahrhundert. Von China nach Westen führend, spaltete sie sich in die nördliche und südliche Routen, weshalb es richtig heißt: die Seidenstraßen. Die nördliche durchquerte den Pamir und ging nach Fergana und in die kasachischen Steppen, während der Süden den Pamir Richtung Indien und den Nahen Osten bis ans Mittelmeer durchquerte. Kamelkarawanen, beladen mit Seide, erreichten das Abendland. Auch Trampeltiere wurden benutzt, sie stammen aus Zentralasien, haben ein Winterfell und können so den großen Temperaturschwankungen standhalten; sie sind leicht an den zwei Höckern zu erkennen. Eine solche Reise dauerte recht lang.

Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter – ein Zitat, das es in die Politik der Bundesrepublik Deutschland geschafft hat. Weder Ochs noch Esel halten … auf, hörte man in der DDR. Jedes Mal geht es um eine recht langsame, doch stetige Bewegung. Nicht zu vergleichen mit heutigen Flugreisen, mit dem man zwar Menschen schnell befördert, doch zum Beispiel dem Jetlag aussetzt.

Waren der Basare und der Seidenstraße, die man in Richtung Osten als Glasstraße bezeichnen könnte

Stoffe, Farben, Muster aus dem Orient. 1a-Basarware. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Seide war die wichtigste, aber bei weitem nicht die einzige Ware, die entlang der transkontinentalen Route transportiert wurde. Aus China trugen Karawanen Porzellan, Metallgegenstände und Bronzespiegel, lackierte Produkte und Kosmetika, Tee und Reis. Elfenbeinstoßzähne, Nashornhörner, Schildkrötenpanzer, Gewürze und vieles mehr finden sich in den Reisetaschen der Kaufleute. Pferde, die in China hochgeschätzt werden, militärische Ausrüstung, Gold und Silber, Halbedelsteine und Glaswaren, Leder und Wolle, Teppiche und Baumwollgewebe, exotische Früchte wie Wassermelonen und Pfirsiche, Jagdhunde, Leoparden und Löwen wurden aus Zentralasien exportiert.

Die Seidenstraße mit ihren Abzweigungen hat eine lange Geschichte

Im 15. Jahrhundert war die Seidenstraße aufgrund der Wiederaufnahme militärischer Konflikte in Mittelasien, die die Entwicklung des Seehandels angeregten, zurückgegangen. Die beiden flächenmäßig größten Weltreiche der Geschichte, das Reich Dschingis-Khans und das britische Weltreich, sind direkt und indirekt mit der Seidenstraße verbunden. Die Mongolei liegt nördlich Dunhuangs und in den ausgedehnten Machtbereich der Khane geriet unter anderem Persien sowie ganz Innerasien bis hin nach Polen. Durch den Niedergang des kontinentalen Land-Handelsweges – Krieg macht alles kaputt – erstarkten die Flotten der westeuropäischen Kolonialmächte Portugal, Niederlande und Großbritannien, die gern das Ostasien- und Südostasiengeschäft mit Seide und Gewürzen übernahmen. Macao, Hongkong und Indonesien sind die Stichworte. Nach dem siebenjährigen Krieg bis 1763 und dem Sieg am Kap Trafalgar gegen die spanische und französische Flotte 1805 begann die mehr als hundertjährige Vorherrschaft der Briten zur See. Die ein halbes hundert zählenden Commonwealth-Staaten zeugen bis heute von der einstigen Größe des Inselkönigreichs.

Hätte der Handel auf dem Landweg der Seidenstraßen im ausgehenden Mittelalter bis in die Neuzeit hinein weiterfunktioniert, wären nie so große Margen bei Portugiesen und Briten erzielt worden. Der Aufstieg und die Ausbreitung der Kolonialreiche wäre in Asien und Afrika vielleicht anders verlaufen.

Westenden der Seidenstraße

Die westlichen Enden der Seidenstraße teilten sich in Palmyra in Syrien, das wir aus den Nachrichten kennen. Die Nordroute ging dann über die syrischen Orte Aleppo und Antakya und über Tyros nach Konstantinopel am Bosporus, heute Istanbul. Die Südroute ging von Palmyra nach Damaskus, heute syrische Hauptstadt, und über Gaza und Kairo nach Alexandria am Mittelmeer im Nildelta, das für seine verbrannte, einst enorme Bibliothek bekannt ist.

Seidenstraße heute: Touristenrallyes, Basare, architektonische Freilichtmuseen

In den 1960er Jahren wurde die Transsibirische Eisenbahn zwischen Europa und Asien in der UdSSR gebaut. Nun, was ist mit heute? Heute sind diese historischen Stätten für die Öffentlichkeit zugänglich. Auf der ehemaligen Karawanenroute werden mehrtägige Touristenrallyes arrangiert, eine Fahrt mit der Transsib war lange Zeit eine der beliebtesten Attraktionen für westliche Touristen, und die dank Gorbatschow unabhängig gewordenen ehemaligen Sowjetrepubliken in Mittelasien wetteiferten miteinander, um sich gegenseitig mit orientalischer Gastfreundschaft zu übertrumpfen.

Seidenstraßenland Usbekistan mit Taschkent, der Partnerstadt Berlins, und Samarkand

Und es gibt wirklich viel zu zeigen. Die heutigen Städte verbinden Moderne und überlieferte Tradition. Usbekistan mit seiner Hauptstadt Taschkent, der Partnerstadt Berlins, steht für die Perlen des südlichen Teils der Großen Seidenstraße. Die alten Städte Samarkand und Buchara sind Freilichtmuseen. Chiwa gilt als Wiege der Turkvölker, und nur wenige wissen, dass der berühmte persische Arzt Avicenna in Afschan in der Nähe von Buchara geboren wurde. Das moderne Samarkand wird von 1001 Lichtquellen beleuchtet, und ein Hochgeschwindigkeitszug, der die wichtigsten Touristenstädte verbindet, bringt die Passagiere in nur zwei Stunden von Taschkent nach Samarkand.

Im Norden der Seidenstraße das riesige Kasachstan, das sich eine neue Hauptstadt gönnte, die Alma-Ata/ Almaty ablöste

Die Republik Kasachstan mit ihrer neuen Hauptstadt Astana hat während der internationalen Ausstellung EXPO 2017 fünf Millionen Touristen empfangen. Das mittelasiatische Land mit der am weitesten entwickelten Infrastruktur ist das neuntgrößte der Welt mit 9000 historischen und archäologischen Stätten und 11 Nationalparks. Im Frühling ist eine Reise nach Kasachstan besonders reizvoll, wenn endlose Steppen mit einem rot-gelb-lila Blütenteppich bedeckt sind. Hier entwickelt sich auch der Öko-Tourismus: Man kann das Wasser der fischreichen Flüsse sogar trinken. Jeep-Safaris durch die Wüste werden angeboten. Die Einheimischen sagen: „Es gibt keine Straßen, es gibt nur Richtungen“.

Südliches Mittelasien: Kyrgystan und Tadschikistan

Extremsportler können sich in Kirgisien austoben. Die Republik Kyrgystan ist ein gebirgiges Land, das einst von Nomaden aus Sibirien gegründet wurde. Hier ist viel Platz für Bergsteiger, Pferdeliebhaber und Reiter; es gibt Seen mit kristallklarem Wasser, darunter natürlich den Issyk-Kul, den zweitgrößten Hochgebirgssee der Erde (nach dem Titicacasee).

Neue Attraktion: Seit 2016 finden in Kirgisien die Internationalen Nomadenspiele statt.

Das Fergana-Tal ist der Obstgarten ganz Mittelasiens. Berge von duftendem Obst und Gemüse, riesige Melonen und Wassermelonen – das alles ist noch immer auf den Märkten von Duschanbe, der Hauptstadt des sonnigen Tadschikistans, präsent. Die Hauptsprache dieses kleineren, südlichen Staates Mittelasiens, tadschikisch, ist übrigens die einzige unter den fünf, die keine Turksprache ist, sondern dem Persischen verwandt. Und die Preise dort sind Augenzeugen zufolge lächerlich niedrig. Natürlich sind die traditionellen orientalischen Basare, die alle Geschmäcker zufriedenstellen und jede Farbe zeigen, hier, wie in den benachbarten Republiken, noch nicht ausgestorben.

Innerhalb mitteleuropäischer Städte gibt es einen Marktplatz. Vor dem Lüneburger Rathaus zum Beispiel liegt er auf dem Stadtmittelpunkt. Bis heute, nach über 1000 Jahren, findet an mehreren Tagen ein Wochenmarkt unter anderem mit frischen Erzeugnissen umliegender Bauern statt. Wie man anhand der Straßennamen bis heute nachverfolgen kann, gab es nebenan einen Ochsenmarkt. So auch in Brunsbüttel und Flensburg, in Hamburg einen Gänsemarkt, in Oldenburg einen Pferdemarkt. Dass es die Straße Am Eselsmarkt ausgerechnet in Unstruttal in Thüringen gibt, lassen wir unkommentiert.
Auf dem Basar findet man im Idealfall „das alles, und noch viel mehr“.

Reiseinformationen zur Seidenstraße: ITB Berlin

Für diejenigen, die einen Ausflug auf die Große Seidenstraße planen, gibt es eine gute Gelegenheit, sich mit den Details der Touren auf der Internationalen Tourismusmesse ITB vertraut zu machen, die vom 6. bis 10. März 2019 in Berlin stattfindet.

Basar vor Ort: Bazaar auf dem Messegelände an Funkturm und ICC

Stoff und Stoffmuster aus Asien auf der Bazaar Berlin. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2017

Einen vollwertigen orientalischen Basar zu besuchen, auf den verschiedene Kuriositäten aus der ganzen Welt gebracht werden, wird nächste Woche möglich sein. Die Verkaufsmesse Bazaar Berlin wird auf dem Gelände der Messe Berlin stattfinden, wo unter anderem Kunst- und Industriegüter aus Mittelasien präsentiert werden werden. In diesem Jahr wurde der Eintrittspreis an der Tageskasse auf 9,50 Euro und beim Online-Ticketkauf auf 8 Euro reduziert. Kinder bis zum Alter von 6 Jahren: kostenloser Einlass, bis zum Alter von 14 Jahren – immerhin Eintritt frei am Samstag und Sonntag.
Eine großartige Gelegenheit, für sich und seine Lieben originelle Weihnachtsgeschenke zu besorgen, ohne die Seidenstraße selbst bereisen zu müssen.




Die IFA macht Berlin wieder zur Welthauptstadt der Consumer electronics. Internationale Funkausstellung 2018 ab 31. August

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Internationale Funkausstellung 2018, kurz IFA, ist laut Selbstauskunft „ die global führende Messe für Consumer und Home Electronics“. Also Unterhaltungselektronik inklusive Handys und „weiße Ware“ – Waschmaschinen, Kühlschränke und Geschirrspüler, die immer digitaler werden. Und das ist so. Die weltweite Ausnahmestellung wurde gerade durch eine doppelte Ausgebuchtheit bestätigt. Am 23.8. Das heißt, dass beide Ausstellungsbereiche voll sind bis unters Dach.

Internationale Funkausstellung 2018 in Berlin an zwei Standorten

Die IFA findet vom 31. August bis zum 5. September 2018 statt, wie gewohnt auf dem Messegelände unter dem Berliner Funkturm ( im Fachjargon auch ExpoCenter City). IFA Global Markets ist die internationale Handelsplattform der IFA für Zulieferer, Komponenten-Hersteller, OEMs und ODMs. So wie diese Abkürzungen ist das der nur für das Fachpublikum zugängliche Bereich in der STATION-Berlin am Gleisdreieck. Dort ist nur vom 2.-5. September geöffnet. Er ist das Ausstellungs- und Informationsangebot für Fachbesucher und Experten.

Die Internationale Funkausstellung 2018 ist doppelt ausgebucht!

Wie gesagt: Beide Orte „where You want to be“ ausgebucht. IFA ohne Englisch ist wie Wörterbuch ohne Buchstaben. Eine gute Gelegenheit zu lernen. Morgen im Fernsehladen weiß man dann schon, wofür die Begriffe stehen, ohne dass einem ein Verkäufer einen Berliner Bären aufbinden kann. Im Vordergrund stehen „Intelligente“, vernetzte Geräte für zu Hause, Künstliche Intelligenz (KI) und Fernseher mit einer immer besseren Bildschirmqualität. Immer größer und wichtiger werdend, aber noch klein: der Bereich der VR, die virtuellen Realität oder virtual reality.

Auf der Funkausstellung: KI und VR

Gott, oder wer auch immer das war, hat „einen prima Job gemacht“ bei der „Herstellung“ der Realität. Diese zu imitieren ist schon ein hartes Stück Arbeit. Davon können die Berliner Entwickler der Kreuzberger Interactive Media Foundation mit einer Chefin und einem vorbildlichen Frauenanteil von zwei Dritteln ein Lied singen. Dabei ist auch diese Berliner Institution weltweit anerkannt und gewann viele Preise. So den Red Dot 2018 – Interface und User Experience Design illustrations. Und bereits am 26. April in Berlin den Deutschen Digital-Award in Gold. Damit hat das Berliner Team der Interactive Media Foundation für das Virtual Reality Projekt „Ulm Stories – Der Traum von Fliegen“ nicht nur im Medien- und Kulturbereich, sondern auch im Design- und Digitalbereich Preise gewonnen.

Um das alles geht es auch auf der IFA. Kein Fernseher, der nicht auch Kultur zeigen kann. Medien sowieso. Digital ist trotz des Vinyls, das wieder kommt, der große Sieger über analog und Design ist Trumpf! Im Zweifel kauft man das schönere Produkt, auch wenn es ein paar Funktionen weniger aufweist.

Viel Kultur auf der IFA – Exklusive (!) Sommergartenkonzerte zur Funkausstellung 2018

Die IFA „produziert“ selbst auch viel Kultur. Darunter die tollen Sommergartenkonzerte. Ganz Berlin hat viele Wintergärten, an erster Stelle natürlich den Wintergarten – das Varieté in der Potsdamer Straße Nähe Lützowstraße. Doch bei Sommergarten denkt man nur an den einen – riesigen, den aufmerksame Beobachter schon mal auf einem Falkplan entdeckten. Das zentrale Oval des Messegelände-Innenhofs beherbergt ein modernes Amphitheater im Grünen. Eine der großen Bühnen Charlottenburgs. Vielleicht die größte? Jedoch selten bespielt. Dafür dann richtig!

Am 30. August beginnt der Reigen der die IFA begleitenden Sommergartenkonzerte mit Wanda und Olli Schulz.
Und damit auch nach 1990, als die Bundesrepublik Deutschland die Hoheit über ihren Luftraum zurückerhielt, alles in Ordnung ist, schaut die amerikanische Luftwaffe mal nach dem rechten. Unter Freunden und nur mit Musik: U.S. Air Forces in Europe Band feat. Till Brönner am Dienstag, den 4. September 2018 um 17.30 Uhr, Einlass 16.00 Uhr. Das Beste: Die Eintrittskarte gilt auch für den Besuch der Funkausstellung 2018 am selben Tag.

Wanda und Olli, die Deutschpoeten oder die US-Luftstreitkäfte in Europa, irgendwas sollte man sich aussuchen, denn: „Der Sommergarten ist nur während der IFA, der weltweit bedeutendsten Messe für Consumer und Home Electronics, für Konzerte geöffnet“!

IFA als Designhochburg. Auf der Internationalen Funkausstellung werden die UX-Design-Awards vergeben




Inge Werth: Demonstration gegen die Regierung von Charles de Gaulles, Paris, 24. Mai 1968..

„Paris, Frankfurt am Main und die 1968er Generation“ – Ausstellung der Fotografin Inge Werth im Museum Giersch der Goethe-Universität

Frankfurt am Main, Deutschland (Kulturexpresso). Im Museum Giersch der Goethe-Universität am Schaumainkai in Frankfurt am Main wird vom 9. August bis zum 14. Oktober 2018 die neue Sonderausstellung „Paris, Frankfurt am Main und die 1968er Generation“ mit Fotografien der 1931 in Stettin geborenen Inge Werth gezeigt.

Werth arbeitete für Publikationen wie „Frankfurter Rundschau“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Die Zeit“ und „Pardon“ und fotografierte das Leben, das Unbehagen, die Rebellion der 1968er Generation, die gegen autoritäre Systeme wie Staat und Familie, den Krieg der USA mitsamt ihrer Vasallen gegen den Vietkong und aus vielen anderen Gründen mehr auf die Straße als Ort proletarischer Öffentlichkeit gingen.

Hauptpersonen der Ereignisse im öffentlichen Raum fotografierte Werth ebenso wie Auffälligkeiten auf Nebenschauplätzen.

In der Pressemitteilung des Museums Giersch der Goethe-Universität vom 26.7.2018 heißt es: „Die Ausstellung mit rund 100 Schwarzweiß-Fotografien zeigt, wie die Fotografin Inge Werth mit ihrer Kamera eine bewegte Zeit gesellschaftlicher Umbrüche festhielt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Rebellion der 1968er Generation gegen die bestehenden Verhältnisse. Die Bilder in ihrer Verbindung von Kunst und Reportage führen den Betrachter an Schauplätze in Paris und Frankfurt am Main, sie zeigen studentische Unruhen und Protestaktionen ebenso wie kulturelle Ereignisse in jenen Aufbruchszeiten. Zu sehen sind beispielsweise Aufnahmen der Frankfurter Buchmesse, der Aufführung von Peter Handkes Theaterstück „Publikumsbeschimpfung“ und des Ostermarsches 1966 unter Beteiligung der Sängerin Joan Baez.“

Diese Sätze finden Leser auch auf einem Flugblatt zur kommenden Ausstellung im

Museum Giersch der Goethe-Universität

Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main




Festgelände Stralauer Straße 1 am rechten Spreeufer gegenüber des S-Bahnhofs Treptower Park.

Tropical Island. AFFB mit Kunstmesse, Designermarkt und Livemusik – erst das Essen, dann die Kultur

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das afrikanische Essensfest Berlin heißt original African Food Festival Berlin (AFFB). In Berlin führt der Weg nach Afrika übers Englische. Berlin ist eben keine Insel (mehr). Warum sollte das AFFB eine (tropische) Insel sein? A tropical island? Auch wenn wir alle verglobalisiert werden, oder nun aufgrund des Trumpschen Rückzugs aus G7 ja jetzt irgendwie doch nicht, verstehen die meisten Deutschen deutsch noch am besten. Schon klar, Weltsprache englisch. Die Filmfestivals Berlinale und SEEFF führen englisch als Festivalsprache genau wie manch andere Hauptstadtveranstaltungen (z.B. „Writing in Migration)“.

Natürlich hat die englische Sprache weltweit eine gewisse Dominanz erreicht. Doch feixen die Latinos seit den 80er Jahren, dass von Miami bis San Diego bald alles spanisch spricht. Die meisten Sprecher eines Volkes hat das Chinesische – und die Einwohnerzahl Indiens könnte bald, nachdem China die Ein-Kind-Politik jahrelang verfolgte, die Chinesen von ihrem Spitzenplatz ablösen. Auf die Sprachen gehen wir unten in einem eigenen Abschnitt ein, damit es einem wie Schuppen von den Augen fällt.

Kurz gesagt ist englisch eine Lingua franca für die (Exil-)Afrikaner. Für wenig Sprachbegabte ist englisch – auch unter Landsleuten – die Krücke, mit der man so gut laufen kann, dass deutsch bisweilen vernachlässigt wird. Berlin macht es ihnen leicht, nicht nur der Coffee ist aus Togo.

Anderseits führen die ausschließlich englischsprachigen Handzettel und Flyer dazu, dass deutschsprachige Berliner sich abgeschreckt fühlen oder schlicht nicht verstehen, was dort annonciert wird. Für Zweisprachigkeit mag ja auf einer postkartengroßen Werbung nicht viel Platz sein. Doch einladend und aufgeschlossen geht noch besser.

Eine Postleitzahl ist auf der Karte, die unter anderem im Babylon-Kino in Mitte auslag, auch nicht zu finden. Halten wir einfach mal fest: Es gibt Kommunikationshindernisse.

Das AFFB am 9. und 10. Juni: Ein Tropical island

Das Food Festival hatte je nach Betrachtung schon ein, zwei oder drei Vorgänger unter derselben Leitung, aber in anderem Rahmen. Es hieß eben nicht immer so. War kleiner.

2017 war es schon einmal am Osthafen. Warum tropisch? Warum Insel?

Tropisch waren die Temperaturen am Samstag, den 9. Juni allemal. Die Sonne schien krass und die abendlichen dunklen Wolken verdunkelten zwar die Sonne, aber die nicht mitgebrachten Regenschirme konnte man steckenlassen. Mancherorts in Deutschland maß man 42 Grad im Schatten. Am Sonntag dann nachmittags drei Regengüsse mit großen Tropfen, ohne dass die Wärme – sagte ich Hitze? – verschwand.

Warum Insel? Das Gelände am Hafen – welche bewohnte Insel hätte keinen, nicht wenigstens einen kleinen Anleger? – hat eine natürliche und zwei künstlich-natürliche Grenzen. Es ist überhaupt nur von einer Seite zugänglich – von der Straße – und von dort wegen der straßenseitigen Gebäude nicht einsehbar. Im Süden – hört sich auch schon nach Insel an, „Süden“ – bildet die Spree die Grenze. Im Osten und Westen Brücken. Nur im Norden ist das eindrucksvolle Haus Alt-Stralau 1 Zugang und Bollwerk zugleich.

Das Essen im Vordergrund, die Kultur im gut sichtbaren Hintergrund

Von der Esskultur mal abgesehen wurde dem Geist viel geboten. Writing in Migration, ein von der KBB (Kulturveranstaltungen des Bundes) veranstaltetes Festival afrikanischer Literatur, kooperiert mit dem AFFB. Es gab einen Büchertisch.

Für die Ohren und zum Tanzen „Live Acts“, also Konzerte, und zwar von MARY MAY und Gue Gue. Musik auch von Discjockeys: Selecta Maestro aus London, Djs Jamie, Jon, Nomi, Boris, Mo Lateef, Haizel und Chadna.

Fürs Auge die Kunstmesse „AFFB Art Fair“ mit „Upcoming African artists“, also Künstern, denen eine große Zukunft bevorsteht und den AFFB Designer Market, Kunsthandwerk, Design, Textildesign. Im Fachjargon „African inspired goods“. Waren, deren Herstellung vom Geist des afrikanischen Kontinents angeregt wurde.
Weiterhin wurden „Workshops“ und „Talks“ angeboten. An die Werkstätten hat man sich schon gewöhnt, Gespräche und Podiumsdiskussionen kennt man auch noch unter anderen Namen.

Natürlich gab es eine Kinderecke „Kids corner“ mit „beach“, am Strand.

Die Sache mit der Sprache: Was in Indien und Afrika anders ist

In Indien gibt es etwa 20 Hauptsprachen, Telugu, Kannada, ja, auch Hindi. Doch sollte uns die phonetische Ähnlichkeit der Wörter „Indien“ und Hindi“ nicht darüberhinwegtäuschen, dass weniger als jeder Sechste Inder Hindi spricht. Die Lösung für Wirtschaft und Volk: Englisch ist die Verkehrssprache. Und in Afrika?
Da wir hier kein Afrikanistikstudium ersetzen können, greifen wir nur drei Länder des südlich von uns gelegenen Kontinents heraus.

Angola: die Kolonialsprache weit verbreitet, und trotzdem …

Kühlschrankmagnet Angola, Sammelzugabe einer Tankstelle aus dem Jahr 2006 (WM). Afrikanisches Land
Flagge Angolas auf einem Magneten zur Herren-Fußball-WM 2006 („Sommermärchen“). © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser
Zuerst Angola. Warum Angola? Erstens wollen wir wegen des Alphabets im Westen anfangen, im Westen des Südteils (also im Südwesten), zweitens aus verschiedenen Himmelsrichtungen Staaten stichprobenartig betrachten.

Außerdem ist Angola wohl das Land, in dem sich die Kolonialsprache am weitesten verbreitet hat. Ein Drittel der Angolaner sind portugiesische Muttersprachler. Und trotzdem sehen wir sogar hier, dass es einfach „zu viele“ Sprachen gibt. Von vielen davon kennt man in Europa noch nicht mal den Namen.

„Unter den afrikanischen Sprachen Angolas am weitesten verbreitet sind das Umbundu, von der ethnischen Gruppe der Ovimbundu gesprochen, das Kimbundu der Ambundu und das Kikongo der Bakongo sowie dessen Kreolvariante Kituba .“ Der Wikipediaartikel fährt in der Version des AFFB-Wochenendes fort:
„Andere Sprachen sind Ngangela, Oshivambo (Kwanyama, Ndonga), Mwila, Nkhumbi, Otjiherero und Chokwe sowie das im 20. Jahrhundert von Rückwanderern aus dem Zaire eingeführte Lingala.“
11 beziehungsweise 12 Sprachen habe ich gezählt, portugiesisch war noch gar nicht dabei. Ein Einzelfall? Nein.

Die Sklaven auf den Farmen im Süden der USA konnten auch nicht miteinander sprechen, darauf wurde zum Beispiel in der Berliner PFF (Protestant Faith Fellowship) zurecht immer wieder hingewiesen.

Vielleicht ist Angola einfach zu groß? Kolonien wurden ja meist den Völkern ziemlich link abgeluchst, um es einmal salopp und umgangssprachlich auszudrücken.

Der Senegal

Also schauen wir einmal nach Senegal. Der Senegal liegt im Westen am Atlantik, nicht allzuweit südlich von den Kanaren. Insgesamt gibt es zurzeit etwa 15 Millionen Senegalesen.
Die sechs senegalesischen Hauptsprachen Wolof, Serer, Diola, Pulaar, Soninke und Mandinka gehören zwar alle zur Niger-Kordofanischen Sprachfamilie, doch die Sprecher können sich nicht verstehen.
Dabei ist der westafrikanische Senegal klein. Die Bonner Republik, die Bundesrepublik Deutschland in den Grenzen von 1988, war bereits ein Viertel größer als das Land, das aussieht wie ein Gesicht, das nach Westen guckt, mit Dakar als Nase. Der Staat umschließt außerdem das längliche Gambia, als sei es die Zunge im Munde Senegals.

120 Sprachen im Tschad

Hangeln wir uns weiter im Alphabet nach Tschad, sind wir wieder in einem großen Land, das etwa dreieinhalbmal soviel Fläche aufweist wie das heutige Deutschland.

Der Tschad ist nur unwesentlich größer als Angola. Ein Binnenland zwischen Niger und Sudan, zwischen Libyen und der Zentralafrikanischen Republik. Hier wohnen weit weniger als 14 Millionen Menschen auf einer Riesenfläche. 10 Einwohner pro Quadratkilometer. Im Norden ist es nicht heiß wie in der Sahara. Da ist Sahara.

Im Tschad gibt es 120 Sprachen. Die Amtssprachen sind französisch und arabisch, wichtig ist auch das Sara. Ja, Sara ist eine Sprache. Nicht nur ein Name. Weitere nennenswerte Sprachen sind Bagimi, Dazaga, Tedaga und Zaghawa. Sara ist mit knapp einem Drittel der tschadischen Sprecher die zweitwichtigste Sprache.

Zum Vergleich: In der Bundesrepublik gibt es nur eine Handvoll deutsche Sprachen, bei sechsmal soviel Einwohnern.

Die Bibel spricht nicht umsonst von Babylon und meint damit weder das Babylon-Kino in der Dresdner Straße noch das in Mitte.

Das viele Englisch sei also vorübergehend verziehen. Auf die Dauer ist die Frage allerdings berechtigt, warum deutsch für das AFFB nicht wichtiger ist. Das Fest in der deutschen Hauptstadt hätte bestimmt mehr deutschsprachige Gäste, wenn diese von dem Festival erfahren würden.

Ein tropical island ist Berlin nicht, trotz der um die Wiedervereinigung und in den 80er Jahren beliebten Postkarten von Claudia Katz-Palme. Sie kolorierte beliebte Motive wie von der Gedächtniskirche und dem Kurfürstendamm und fügte von Hand Palmen und wilde Tiere hinzu.

Ob ein solches tropical island ein Paradies wäre, ist auch noch zu klären. Klärungsbedarf heißt Kommunikation. Und die sollte in der deutschen Hauptstadt ab und zu mal auf deutsch ablaufen. Understand? Vastehste?




Ein Stand auf der Internationalen Grünen Woche 2018 in der Halle des Partnerlandes Bulgarien.

Das Grüne-Woche-Partnerland Bulgarien überrascht! Rosenöl, ja – aber auch Bio, vegan und Schokolade ohne Milch

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Grüne-Woche-Partnerland Bulgarien ist in aller Munde. Nicht nur wegen der veganen Schokolade. Die EU-Größen trafen sich dort, nicht in der Hauptstadt Sofia, sondern am schönen Schwarzen Meer in Warna. Hier aus der Nähe, wo man bei schönem Wetter die Türkei schon fast sehen kann, wollte man Staatschef Erdogan mal milde auf die Finger klopfen, wo er doch reihenweise Journalisten verhaftet hatte und einfach völkerrechtswidrig mit Panzern nach Syrien eingedrungen war – und geblieben. Bulgarien hat auch die EU-Ratspräsidentschaft inne und erlebt einen wirtschaftlichen Aufschwung. Dabei gibt es immer wieder eine deutsch-bulgarische Zusammenarbeit. Wo wir gerade im wunderbaren Warna waren: Der Flughafen, der der drittgrößte des Landes ist, wurde 2012 modernisiert. Von der Frankfurter Fraport AG, einem MDAX-Unternehmen. Da Warna, mit etwa 350.000 Einwohnern Bulgariens drittgrößte Stadt, hauptsächlich vom Tourismus lebt, gibt es meist Charterflüge. Die wenige Ziele im Linienverkehr – drei an der Zahl – liegen im Lande selbst (Sofia), in Österreich (Wien) und in der Bundesrepublik Deutschland (Memmingen).

Das Grüne-Woche-Partnerland Bulgarien präsentierte sich mit Leckereien und Musik

Die Internationale Grüne Woche (IGW) und Bulgarien – das passte 2018 wunderbar zusammen. Mit bulgarischer Folklore, Musik und Volkstänzen wurde man in Halle 10 auf das Land eingestimmt. Das ist auch nötig, denn auf der IGW wechselt manchmal alle paar Schritte die Nationalität. Die bekannten bulgarischen Spezialitäten und Spirituosen gab es zu sehen. Zum Speisen gab es ein großes Restaurant in der Hallenmitte, gleich an der Bühne. Wie auf einem Dorfplatz war man mitten im Geschehen und konnte nicht nur probieren, sondern auch sitzen und bestellen. Eine wunderbare Atmosphäre. Auch Milchprodukte von Kuh, Schaf und Ziege gibt es Lande zwischen Griechenland, Rumänien, Serbien und Ungarn in großer Zahl und guter Qualität. Noch ahnte ich nicht, dass auch moderne Trendprodukte, die auf die gute Milch verzichten, hier ihren Ursprung haben.

Einmal probieren bitte: Nur echt aus dem Grüne-Woche-Partnerland Bulgarien

Am Nachbarstand von Biobenjamin, einem Schokoladenhersteller, probierte ich verschiedene Honige, sie waren lecker – und süß. Ich hatte aber gerade keinen Bedarf und noch drei Gläser deutschen Imkerhonig zuhause in den typischen Gläsern. Da kann ich mich auch auf die Rückstandskontrolle verlassen, aber vielleicht hole ich mir nächstes Mal bulgarischen.

So süß eingestimmt hatte die Schokolade nebenan, die unter den Marken Happy Benjamino und Benjamissimo daherkam, eigentlich keine Chance. Doch die Tafeln enthielten nur Überraschungen!

In kleinen Schälchen winzige Bruchstückchen zum Kosten. Verständlich, dass einem hier keine ganzen Riegel angeboten wurden, enthält eine Tafel Benjamissimo ja nur 10 Stück Schokolade. Jedes einzelne ist also gut stolze 3 cm im Quadrat groß.

Zuerst probierte ich die Sorte Amaranth Pop. Die lila Packung mit dem Regenschirm, auf den gepufftes Amaranthgetreide prasselt, ist lustig gestaltet und verrät: „I‘m crispy“, „Ich bin knusprig“. Außerdem steht DARKY darauf und „Superchoc for Happiness“. Sie ist mir ein bisschen zu dunkel, enthält 70% Kakao und ist mir nicht süß genug, doch das kann auch an dem Honig liegen, den ich Leckermaul gerade probiert hatte. Doch auch das Puffgetreide reißt mich nicht vom Hocker. Deswegen probiere ich danach Quinoa Pop aus der gleichen Serie Happy Benjamino, da hat der Schokoladenanteil nur 50% Kakaoanteile. Doch das Inkagetreide Quinoa, dass die NASA wiederentdeckte, weil sie nach etwas suchte, was die Astronauten essen könnten und alles in bester Zusammenstellung enthält, reißt mich immer noch nicht vom Hocker, Knusper hin oder her. Immerhin ist der Inhalt der mittelblauen Packung nicht so herb und ein gelbes Bild mit Sonne, Liegestuhl und halber Kokosnuss mit Strohhalm verheißt Entspannung. Die Aufschrift: „I‘m fun – COCO MYLK“.

Ich bin verwirrt. Mylk? Ich denke, das sei alles vegan?

Man lernt nie aus: Schokolade kann auch ohne Milch sein

Ja, richtig, wird mir erklärt, Quinoa-Pop sei mit Kokosmilch, aber alle Sorten vegan. Der Chef wird herbeigerufen, der besser deutsch könne. Das stimmt tatsächlich.

Die meiste Schokolade auf dem Markt sei Milchschokolade, aber bloß, weil man meistens verkürzend von Schokolade spräche, müsse sie noch lange nicht mit Milch sein.

Die vier Eigenschaften der Schokolade aus dem Grüne-Woche-Partnerland Bulgarien

Vegan – die schärfere Version von vegetarisch. Milchschokolade ist vegetarisch, Happy Benjamino und die Schwestermarke sind sogar vegan, da ohne Milch und Honig. Da kommt schon mal was aus dem Land, wo Milch und Honig fließen, und dann ist beides nicht drin. Da staunste.

Bio – Martin Benjamin, der Chef oder General Manager, versichert schriftlich, dass hochwertigste Zutaten verwendet werden, welche zu „100% bio-zertifiziert sind“. Da das Unternehmen auf zwei Beinen steht, der Bio Benjamin Ltd. In Sofia und der gleichnamigen GmbH in der deutschen Hauptstadt, kann man sich darauf verlassen.

Roh – Roher Zucker schmeckt super. Was machen die eigentlich immer mit dem Zucker sonst, dass der so schädlich wird? Raffiniert kling gut, doch dunkel erinnere ich mich an die Mahnungen von Dr. med. M.O. Bruker aus Lemgo, der seitenlang erklärt, was dem Rübenzucker angetan wird. Hier aber steckt Rohrzucker drin. In der Frühzeit der Bioläden, als es noch keine Ketten gab, sondern nur inhabergeführte Läden oder Genossenschaften und ein paar Foodcoops, kursierte der Witz vom Rohrohrzucker. Anders ausgesprochen wird nämlich aus dem Roh-Rohr-Zucker Rohr-Ohr-Zucker.
Rohr enthält der wohl auch.

Superfood – hätte man aus Bulgarien am wenigstens erwartet. Das passt besser nach Ibiza oder Gomera, nach Zypern oder Lateinamerika. Selbst aus Mexiko kann man es sich besser vorstellen als aus Südosteuropa. Doch bei genauerem Hinsehen findet man in SÜDOSTEUROPA nicht nur Dose, Düse und Tür, sondern auch Oster und Super, sogar mit einem großen S. (Duroplast gibt es aber beim besten Willen nicht (mehr), da kann man scrabbeln soviel man will; dafür Pasteur)

Soziale Aspekte: Fair Trade mit Nicaragua

Fair – Als wär‘ das nicht schon gut genug, gibt es noch ein gutes Gewissen gratis obendrauf: Nur 5 Prozent (!) der weltweiten Kakaoproduktion werden fair gehandelt. Die Biobenjamin-Produkte gehören dazu. Die Firma unterstützt nachhaltigen Kakaoanbau und verspricht, dass durch den Schokokauf Kakaobauern in Nicaragua geholfen wird, ein besseres Leben zu führen. Hier werden sie geholfen! Sagte schon Verona Feldbusch aus La Paz. Aus Bolivien kommen vielleicht auch Zutaten und was nicht ist, kann ja noch werden. Aber fair bleiben!

Was ist Superfood?

Die Marke Benjamissimo gibt es in sieben Sorten, alle „Bean-to-bar“, von der (Kakao-)Bohne zum (Schoko-)Riegel bzw. der Tafel.

Wobei KAKAO selbst schon ein „absolutes“ Superfood sei, aus 300 Nährstoffen bestehend, mit Flavanoiden und Magnesium.

CHIA bedeutet in der MAYA-Sprache „Kraft“. Die Samen enthalten Omega-3-Fettsäuren (wie in Algen), Eiweiße, Vitamine und Mineralien.

MAKA ist eine südamerikanische Pflanze aus der Hochgebirgsregion Perus und wird auch peruanischer Ginseng genannt.

MAULBEEREN enthalten Vitamine, Kalium, Eisen und Magnesium. Der Maulbeerbaum lebte und trägt jahrhundertelang.

MATCHA-TEE ist Grüntee, der aus der japanischen Teezeremonie bekannt ist. Grün ist er wegen des hohen Chlorophylgehalts

PFEFFERMINZÖL und seine Frische kennen wir, und zu guter letzt sind wir mit

ROSENÖL endlich wieder in Bulgarien angekommen, hergestellt im Rosental. Es verzaubert, vitalisiert und entspannt den Geist.

Von den dargebotenen Sorten schmeckte mir am besten „Lemon Spirulina“, angenehm mehlig und nur 45 Prozent Kakao. Obwohl mit 70 Prozent, mochte ich auch „Chia Grapefruit“ sehr.

Doch an die 100 Prozent Geschmack aus der 70prozentigen „Bulgarian Rose Oil Chocolate“ kam alles andere nicht heran.

Als ich am letzten oder vorletzten Tag der Grünen Woche diese nochmal probieren wollte, war sie unter den bereits ausverkauften Sorten.

Wer die bulgarische Schokolade selber kosten möchte, für den ist es gar nicht so einfach, da heranzukommen. Meine Frage, ob es denn einen Onlineshop gäbe oder wann, wurde erst verneint und dann mit „im Laufe des Jahres“ beantwortet. Zwar war Martin Benjamin sogar während der IGW auf der Internationalen Süßwarenmesse ISM, doch bisher gab es die Tafeln nur in einigen Bioläden sowie Berliner Spätis und Tankstellen. Berlin ist eben eine Reise wert.

www.happybenjamino.com

Weiteres über das Partnerland wie die Geheimnisse bulgarischer Urwälder:

Sie laufen durch Hessen und Partnerland Bulgarien … Die Internationale Grüne Woche ist auch ein Ort für Musik, Tanz und kleine Konzerte

Abendliche Impressionen aus Halle 10 und den Nachbarhallen:

Marktplatz Streetfood ist=? Internationale Grüne Woche, Halle 12: Von Aal bis Öl, von Schlagsahne bis Sticks




Kanokporn Holtsch, Gründerin und Geschäftsführerin von PookSpaFoods am Stand C-11 in Halle 21 der Berliner Messe Fruit logistica am 9. Februar 2018

Pook ist die Nr. 1! Kokos-Chips bei Fruit Logistica zur besten Innovation gewählt und mit Golden FLIA geehrt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Manchmal lohnt es sich, zur Grünen Woche zu gehen. Es lohnt sich natürlich immer, doch dieses Jahr gab es einen großen Stand, der aussah wie in einem thailändischen Urlaubsparadies. Ein großer Pavillon mit typisch südostasatischen Dachformen in der Russlandhalle. Gut gelegen am Ein- und Ausgang. Angenehm höfliche Thailänderinnen boten einem 3 verschiedene Sorten Chips an – nicht aus Kartoffeln oder Bananen, sondern aus der Kokusnuss. Nicht frittiert, nur gesalzen. Die Innovation heißt Pook.

Innovation Pook-Chips – präsentiert auf der Grünen Woche, prämiert auf der Fruit logistica

Einfach getrocknete Kokosnussscheibchen in mundgerechten Flocken. Leicht unterscheidbar durch die drei Farben weiß (natur), orangegelb und braun-dunkel. Die entsprechenden Sorten heißen „Original Sea Salt“, „Mango Sea Salt“ und „Chocolate Sea Salt“. Durch Wasserentzug sind sie sehr leicht, was nicht nur beim Einkaufsbummel von Vorteil ist, sondern auch bei der Reduktion von Dieselabgasen beim Transport.

Leichter Einkauf, Vorteil bei Logistik

Die getrockneten Chips werden in 40-Gramm-Tütchen angeboten. Die Mindesthaltbarkeit beträgt mehrere Monate, die tatsächliche Durchschnittshaltbarkeit liegt wahrscheinlich wesentlich höher. In der Realität dürfte diese selten erreicht werden, da die Tütchen mit dem leckeren Inhalt wohl meist sehr schnell geöffnet werden dürften.

Simple, but wonderful!

Die auf der Vorderseite ausschließlich englische Tütenaufschrift erklärt das leichte und einfache Produkt wie folgt: Pook Toasted Coconut Chips. In der Grundsorte: „SIMPLE, EASY, NATURAL: Thai Coconuts, Cane Sugar and Sea Salt.“ Die beiden „Os“ des Markennamens sind von halbierten Kokusnüssen geschmückt.
Übersetzung: Geröstete Kokusnuss-Chips. Einfach, leicht, natürlich: Thailändische Kokusnüsse (mit) Rohrzucker und Meersalz.
Die Tütenrückseite ist jeweils zweisprachig deutsch-englisch.

Innovation Pook: Glutenfrei und vegan

Durch die wenigen Zutaten – drei bei der Natursorte – und die bereits gewährleistete Haltbarkeit ergibt sich eine Reihe von Vorteilen.
Eine Liste führt sie auf. Vegan, gluten- und cholesterinfrei, weder Geschmacksverstärker noch Konservierungsstoffe.
Außerdem wird die Herstellungsmethode als Vorteil vermerkt: „baked never fried“, d.h. gebacken, nie gebraten. Braten oder frittieren würde minderwertige Fette addieren.
Thai-Kokosnüsse, vom „Baum des Lebens“, enthalten bereits Fette, „gute Fette“. Außerdem reichlich Eiweiß.

Pook: Eine Berlinerin steht für Innovation

Der Fruit Logistica Innovation Award (FLIA) in Gold ging an die „Pook Coconut Chips“ des Unternehmens PookSpaFoods aus Deutschland.
Das haben die Fachbesucher der Fruit Logistica 2018 entschieden. Zwei Tage lang konnten sie ihre Stimme abgeben.

Bei der großen Konkurrenz ist es unwahrscheinlich, dass ein deutsches Unternehmen gewinnt. Noch seltener das Ereignis, dass die Firma aus Berlin stammt. Obendrein eine Firma, die von einer Frau geleitet wird.

Kanokporn Holtsch, Gründerin und Geschäftsführerin PookSpaFoods GmbH, die wahrscheinlich schönste Frau, die jemals diesen Preis gewinnen wird, hat augenscheinlich alles, was man braucht, um etwas zu unternehmen. Mut, Einfallsreichtum und das gewisse Fingerspitzengefühl. Aber auch den Sinn für Ästhetik: Das Auge isst mit. Die Snacktütchen sind sehr ansprechend gestaltet. Die Entscheidung für ein gesundes und leckeres Produkt. Schließlich eine überschaubare Produktlinie: Aller guten Dinge sind drei. Regalplatz ist teuer und selten und viele Jungunternehmer sind schon über zu schnelles Wachstum oder Verzettelung gestolpert. Davon ist hier nichts zu sehen.

„Wir sind ein kleines Unternehmen und … im September 2016 gegründet“, sagte die Geschäftsführerin.

Holtsch nahm am 9. Februar den Preis entgegen, dort, wo mehr als zwei Tage lang ein knappes Dutzend Anwärter ihre Neuerung vorstellen durften. Am Übergang von Halle 20 zu 21.

Innovation: Silber und Bronze

Die Messe Berlin schreibt über den Zweiten auf dem Treppchen: „Silber holte sich die dunkelbraune Tomate „Adora“ von HM Clause aus Spanien. Sie ist eine Varietät der Sorte Marmande, eine besonders robuste, alte gerippte Fleischtomaten-Sorte, die sehr früh reift. Was die neue Adora auszeichnet, ist ihr ausbalancierter, intensiv süß-säuerlicher Geschmack, ihre ausgezeichnete Haltbarkeit, Festigkeit und ihre guten ernährungsphysiologischen Eigenschaften.“

PAPIER aus GRAS spart Wasser und Energie

Der FLIA in Bronze ging an das Graspapier der deutschen Papierfabrik Scheufelen. Das ökologische Verpackungsmaterial besteht bis zur Hälfte aus Frischgrasfaser, ist vollständig recycel- und biologisch abbaubar. Der Einsatz von Gras(-fasern), einem nachwachsendem Rohstoff, soll dazu beitragen, den Energie- und Wasserverbrauch zu senken: Herkömmliche Zellstofffasern benötigten 30.000 Liter Wasser und 6.000 kW/h Energie pro Tonne – verglichen mit null Litern und 150 kW/h für Grasfasern.

Das senkt den Stromverbrauch um das 40fache! Während Wasser überflüssig wird.

Enorm.

Der Innovation Award für Pook – Ein Preis, der viel wert ist

Der FLIA ist die wichtigste Auszeichnung der Branche.

Zum einen ist es ein sehr verlässlicher, demokratischer Preis. Ähnlich wie der Panorama-Publikumspreis der Berlinale oder ähnliche Auszeichnungen, die nicht von einer Jury vergeben werden.

Zum anderen ist die Fruit Logistica die führende Fachmesse für den Obsthandel weltweit. Sie findet seit 1993 jährlich statt. 2018 waren über 3.100 Aussteller aus mehr als 80 Ländern und über 75.000 Einkäufer und Fachbesucher aus 130 Ländern vor Ort.

Der FLIA wurde 2018 zum dreizehnten Mal verliehen.

Bereits vor zwei Jahren war die Kokusnuss das Ei des Kolumbus mit dem Erzeugnis „Genuine Coconut“. 2009 und ‘12 war der Pfeffer auf dem Siegertreppchen ganz oben: Erst der grüne, Green Pepper, dann Angelio Pepper. Anderes Gewinnerobst sind „Limeburst Fingerlimes“ 2011 und SEEDLESS PAPAYA 2015.

Es können aber auch Werkzeuge gewinnen – wie 2010 ART – Arils Removal Tool – oder Methoden, wie 2013 CITY-FARMING. Die Konkurrenz ist stark und international. Israel war unter den Gewinnern und immer wieder die Niederlande, das Land der Holland-Tomaten.

Pook ist in bester Gesellschaft. Herzlichen Glückwunsch!

www.pookspafoods.com

www.messe-berlin.de

www.fruitlogistica.de

Mehr von der diesjährigen Fruit logistica: Süße Ananas, emissionsfreie Schiffe und Kirschen aus Kanada:

Oh, wie süß! Auf Obst können sich alle einigen bei der Fruit logistica