Berlin spendet Wärme. Brunchen für Straßenkinder im Hofbräu-Wirtshaus

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Berlin spendet Wärme. Wie so viele Überschriften ist auch das doppeldeutig gemeint. Menschliche Wärme und tatsächliche physische Wärme in Wärmestuben oder Unterkünften zum Beispiel. Essen muss man, wenn man nicht Jasmuheen heißt oder wie Gandhi gerade sein Land vom Kolonialimus befreien will. Das Gute an der Aktion Berlin spendet Wärme ist, dass jeder, der im Hofbräu München – Wirtshaus Berlin bruncht, Geld für den eingetragenen Verein „Straßenkinder“ spendet – ob er nun von der Aktion weiß oder nicht. Wer an einem Sonntag endlich mal ausschlafen will und hinterher einfach nur am Alex brunchen, kann das tun. Er tut sich und anderen automatisch Gutes. Wer aber vielleicht sich wegen der Aktion etwas mehr mit dem Thema beschäftigen möchte, erfährt leicht einiges. Zum Beispiel, dass der e.V. nach eigenen Angaben im „Oktober 2000 … in den Räumen des Foyers an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Zoologischen Garten offiziell gegründet“ wurde. Dort, wo auch die Noten für das Glockenspiel im Turm ausgestellt sind. https://kulturexpresso.de/60-jahre-melodie-des-glockenspiels-der-kaiser-wilhelm-gedaechtniskirche/

Oder, dass Straßenkinder „rund 29 Festangestellte“ habe und „mit seiner Arbeit an drei Standorten täglich bis zu 200 Kinder, Jugendliche und junge Menschen sowie deren Familien“ erreiche.

Kinder, die krank werden oder kein Dach über dem Kopf haben, werden zu Recht besonders bemitleidet. Denn warum sollte so etwas Schlimmes einem Kind passieren? Nur die Konzepte von Reinkarnation, also Wiederverkörperung, und Karma, (Folgen von) Handlungen in diesem (und früheren) Leben könnten das erklären, doch wer glaubt hierzulande schon an so etwas?

Auf der Straße

Zurück zu den Wohnungslosen, wie die Obdachlosen gern neuerdings genannt werden. Genauso viele Silben, zwei Buchstaben mehr, aber vielleicht etwas weniger abqualifizierend, wird man sich gedacht haben. Der Name des Vereins Straßenkinder ist dagegen genial. Diese haben zwar kein Dach über dem Kopf, sind Waisen oder ausgebüchst, doch das wird nur indirekt gesagt. Kinder auf der Straße könnten ja auch spielen.

„Auf der Straße“ heißt auch ein Stück von Karen Breece, das vergangenes Jahr die Saison im Kleinen Haus der Berliner Ensembles eröffnete. Es thematisiert Obdachlosigkeit insgesamt und schließt die Kinder ein. Es sollte im Oktober und November diesen Jahres wiederaufgeführt werden, was zurzeit aus Personalmangel nicht möglich ist. Auch Stadt- und Bahnhofsmission sowie „Kältebus“ versuchen, gegen Kälte, Regen und Hunger beizustehen.

Viel Leid und viele Leidende heißt zum Glück auch viel Hilfsbereitschaft verschiedener Gruppen. Kerstin-Bettina Kaiser weiß mehr und sprach mit Beteiligten des Straßenkinder-Vereins, der sich „zu fast 100 Prozent aus Spenden“ finanziert. „Die Förderung der Kinder- und Jugendpflege sei, so Eckard Baumann, Vorstandsvorsitzender Straßenkinder e.V. gegenüber Weltexpress, „eines der Vereinszwecke und ein konkretes Projekt ist neben der Straßensozialarbeit der Aufbau eines ‚Butze‘ genannten Straßenkinderhauses.

Spenden dafür kommen auch aus dem Hofbräu München – Wirtshaus Berlin. Die beiden Betriebsleiter Christan Gohl und Marcel Werner weisen darauf hin, dass auch in diesem Jahr die Aktion Berlin spendet Wärme laufe und man seit dem 1. September 2019 mitmache.

„Bei unserem Sonntagsbrunch wird pro verkauftem Brunch ein Euro gespendet“, berichtet Werner und weist darauf hin, dass die Summe „zu unserem Adventsbrunch am ersten Advent (Sonntag, den 1. Dezember 2019, von 10 Uhr bis 15 Uhr) feierlich an Ilka Bessin, Schirmherrin des Projektes, und Eckhard Baumann, übergeben“ werde.“

Bayern kann nicht nur Tankstelle und Auto, Bayern kann auch feiern.

Wer am Sonntag nicht arbeiten muss, kann Leckeres mit Karitativem verbinden.

Berlin spendet Wärme wo?

Hofbräu München – Wirtshaus Berlin

Platzreservierung funktioniert telefonisch – 030 67 96 65 52 0 – oder per E-Mail: reservierung@berlin-hofbraeu.de .

Website von Straßenkinder e.V. (strassenkinder-ev.de).




Wachwechsel bei Lulu Guldsmeden Potsdamer Straße: Stephan Hein tritt an

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wachwechsel im Hotel und Restaurant Lulu Guldsmeden in der Potsdamer Straße 67: Stephan Hein tritt an, Marc Lorenz tritt ab. Bei einer Welcome-Farewell-Party in Tiergarten, dass seit 2001 Teil des Berliner Bezirks Mitte ist, flossen der Wein, Champagner und Wasser. Wasser auch gleich in großen Mengen von oben. Der gemütliche, begrünte Hof mit großen, stabilen Regen- und Sonnenschirmen war anfangs der ideale Ort um lauschig zu plauschen und anzustoßen. Bei beginnendem Regen hielten die Großschirme lange das Nass von oben ab. Doch der Wucht des Starkregens, der im Verbund mit böigem Wind auch irgendwann die Kissen auf den gemütlichen, straßenseitig aufgestellten Bänken benetzte, waren die Schirme bald nicht mehr gewachsen.

Gute Atmosphäre in hervorragender Lage

Imposante Möbel verbreiten Atmosphäre im Hotel-Restaurant Lulu Guldsmeden. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

An den Tag und Nacht verkehrenden Linien M45 und M85 gelegen, ist das Hotel leicht und umweltfreundlich erreichbar. In Zeiten wachsenden Einflusses von Great Greta und ihren Freunden sowie stärkeren Umweltbewusstseins nicht zu verachten. Die genannten Busse verbinden die Bahnhöfe Bülowstraße und Potsdamer Platz der roten Linie 2 miteinander und den Bahnhof Kurfürstenstraße der U3 und U1, nach der sogar ein Musical benannt wurde. Um die Ecke das urige Kumpelnest 3000 auf dem Weg zum neuen Gleisdreieckpark. Eine Bushaltestelle weiter verkehrt Tag und Nacht der M29er Autobus, der die Szenebezirke Kreuzberg und Neukölln über die Oranienstraße (SO36) und das Zeitungsviertel mit dem Kurfürstendamm und Grunewald verbindet. Potsdamer Brücke aussteigen; diese führt über den Landwehrkanal, an dem man spazierengehen kann und IBA-Häuser entdecken. Vom Hotel aus gesehen direkt hinter dem Kanal liegt Scharouns Kulturforum mit Staatsbibliothek, Philharmonie und Musikinstrumentenmuseum.

Direkt am Gewässer ist die Neue Nationalgalerie (Potsdamer Straße 50) gerade Baustelle, so dass Gelegenheit bleibt, nur ein paar Schritte weiter die Matthäikirche, Gemäldegalerie, Kunstgewerbemuseum (mit Lüneburger Ratssilber) und die Gedenkstätte deutscher Widerstand im Bendlerblock zu besuchen.

Damit ist die herausragende West-Berliner und denkbar zentrale Lage zwischen City-West und Unter den Linden schon schlagkräftig skizziert. Unter Weglassung vieler weiterer Anziehungspunkte im Umkreis wie Sony-Center, Diplomatenviertel und das nur schräg über die Kreuzung wartende Varieté Wintergarten.

Ein besonderes Hotel

Ein Mietshaus als Hotel. Die weitverbreiteten vierstöckigen Mietshäuser, die die Traufhöhe von 22 Metern bei hoher Deckenhöhe ausnutzten, kennt man. Doch hier tritt man in einen Hotelflur ein. Links und rechts geht es ins Restaurant und an die Theke statt in zwei verschiedene Läden. Sie sind beide vom Flur aus zugänglich, statt wie üblich von außen. Auch der Innenhof ist in den Eindruck integriert.

Serviert werden orientalische Köstlichkeiten, koreanischer grüner Tee sowie anderes Leckere. Beim Verlassen erhält man, solange der Vorrat reicht, ein frisches Glas Erdbeermarmelade mit Lulu-Etikett.

Das erste Hygge-Hotel am Platze: Stephan Hein tritt an

Nachhaltigkeit wird großgeschrieben im Hotel Lulu Guldsmeden: ALL YOU CAN EAT – „Nimm alles, was Du essen kannst. (Aber:) Iss alles auf, was Du nimmst.“ © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Stephan Hein wird noch einiges auf der Karte ändern. Marc Lorenz wies in seiner Farewell-Speech auf den Aufbau des ersten Berliner Hygge-Hotels hin, mit dem Ehrgeiz, immer etwas anders sein zu wollen. Die Hotelkette nicht von der Stange hat in Skandinavien einen starken Stand: Norwegen und Dänemark sind Schwerpunkte. Südfrankreich und Berlin sind bisher mit einem Haus vertreten. Ein zweites soll hinzukommen. Außer den Hotels von Arhus (277.000 Einwohner) und Oslo sind alle Häuser nach den Vornamen der Kinder der Familie und von Freunden benannt. Sympathisch.

Ein Gastbetrieb, wo man gern mal wiederkommt. Wir wünschen Stephan Hein ein gutes Händchen und haben da Gefühl: Das kriegt der hin.

Das Hotel

Anschrift: Lulu Guldsmeden Hotel Potsdamer Straße 67, 10785 Berlin, Bundesrepublik Deutschland

Telefon: +49 (0) 30 255 587 20, aus Deutschland: 030 25 55 87 20

E-Mail: lulu@guldsmedenhotels.com




Ein Dreieck auf dem Teller – Im „Duke“ in Berlin huldigt man dem Bauhaus

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die freundliche Bedienung serviert Geometrie pur. Ein blaues Dreieck, einen roten Quader, ein schwarzer Kreis und eine gelbe Kugel, auf einem weißen Teller. Abstrakt, sachlich und formvollendet. In die Küche des „Duke“ in Berlin scheint sich ein Bauhaus-Künstler wie Wassily Kandinsky oder Paul Klee verirrt zu haben. Er zaubert nicht nur etwas fürs Auge, sondern auch für den Gaumen, mit Tatar von Langstinos, Aioli, Sepia, Holzkohle, Safran, Gel von der Spirolina-Alge und Pimenton de la Vera, also geräuchertes Chilipulver aus der westspanischen Provinz Extremadura. Dann folgt ein Rat, der etwas irritiert: Alles zerstören. Einfach vermengen, so empfiehlt die junge Dame, dann kommen die Aromen so richtig zur Geltung. Schade um die Optik, dafür erlebt man dann ein vielstimmiges pikant-maritimes Aromen-Orchester.

Tatar von Langostinos – sachlich modern, international, Aioli, Sepia, Holzkohle, Safran, Spirulina, Pimenton de la Vera. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Das Bauhaus feiert in diesem Jahr
seinen 100. Geburtstag. Zu diesem Anlass wollte man sich im „Duke“
etwas einfallen lassen. Schließlich gehört das Restaurant zum
Ellington-Hotel, es residiert in einem Gebäude im Stil der neuen
Sachlichkeit. Ein Meisterwerk der Architektur, dem mit dem ersten
Gang originell und sehr gekonnt gewürdigt wurde. Dazu bedarf es auch
eines besonderen Weins. Hier ist es ein Abril Auxerrois aus Baden,
trocken und zugleich frisch, mit Aromen von Äpfeln, Kräutern und
einem Hauch Zitronengras. Auxerrois, eine weiße Rebsorte, gilt in
Deutschland als Rarität, die Kreuzung aus Gouais Blanc und Pinot
stammt aus der Gegend um Auxerre in Zentral-Frankreich. Ebenso
fruchtig-frisch auch der Apéritif aus Tanqueray-Gin, Himbeer,
Rhabarber und Eisenkraut. „Fruity Summer“, so der treffende Name.

Onsen-Ei mit Morcheln, Spargel, Nussbutter Crumble, Bärlauch-Butter und Sauce Bercy. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Vollendeten Genuss verspricht auch das
nächste Gericht, das Onsen-Ei. Aus Japan stammt diese Spezialität,
die bei 65 Grad eine Stunde lang gegart wurde. Dotter und Eiweiß
erhalten so ihre cremeartige Textur. Die „Sauce Bercy“, einer
Béchamelsoße aus Schalotten, Hühnerbrühe, trockener Weißwein,
Petersilie, Butter, Pfeffer und Meersalz, vervollständigt diese
Delikatesse, schon durch die entsprechende Würze. Garniert wurde das
Ganze mit Nussbutter-Crumble, grüner Bärlauch-Butter,
Kalbsbries und Thymian-Jus. Ein angenehm leichter Gang, schon
dank der Beilagen: Morcheln, Spargel, diverse Kräuter, unter anderem
Sauerampfer, Kerbel, Bärlauch, Blutampfer, Blüten von roter
Shiso-Kresse und Petersilie. Der Briedeler Riesling von der Mosel vom
Weingut Walter, trocken, mineralisch-würzig und von einer
erfrischenden Säure, passt trefflich zu diesem sommerlichen Gang.

Huhniges Allerlei mit Herz und Haut oder „Nur Huhn O&T, Amchoor, Shiro Miso“. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Das wohl appetitlichste Federvieh überhaupt bildet den Höhepunkt. Verschiedene Variationen tummeln sich auf dem Teller. Sieben Hühnerteile, sieben Gararten, alles sehr schön angerichtet. Zunächst die Klassiker wie knusprig gebackener Flügel, geschmorte und glasierte Keule, sowie am Torso geröstete Brust. Auch Freunde der Innereien kommen auf ihre Kosten, mit zweimal gebratenem Herz sowie Leber, in Nussbutter pochiert. Auf die Wagemutigen unter den Feinschmeckern wartet dann ein Crumble aus getrockneter Hühnerhaut und confiertem Hahnenkamm. Die historisch interessierten Gourmets wiederum können sich über ein walnussgroßes Stück freuen, das schon wegen der viel dunkleren Farbe und seinem intensiven Aroma auffällt. Gebratenes Sot-l’y-laisse, das sogenannte „Pfaffenschnittchen“. Diese hierzulande nahezu in Vergessenheit geratene und erst kürzlich wiederentdeckte Delikatesse wurde früher dem örtlichen Pfarrer serviert, wenn er seinen Schäfchen einen Besuch abstattete. Das Fleisch ist zart und verfügt über einen köstlichen Eigengeschmack, wie zu Omas Zeiten. Weidehuhn, handgefüttert, aus der Freilandhaltung, von einem besonderen Züchter aus Niedersachsen. Es ist ungewürzt – solange man es nicht in den kleinen Mini-Berg auf dem Teller stippt. Amchoor nennt sich dieses Gewürz-Mango-Pulver. Oder in die tiefbraune Soße tunkt, unter anderem aus Hühnerfond zubereitet. Als Beilage dient eine Miso-Jus auf Sojabohnen-Basis, daher die geleeartige Konsistenz. All das harmoniert bestens mit dem weißen Burgunder aus Rheinhessen, Sonnenhof vom Weingut Bischel. Trocken, mit einer Note von Ananas und Kräutern.

„Spring break“ – Erdeere, Rhabarber, Verveine, Joghurt, Birkenwasser. Beachtlich! © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Bei dem Dessert glaubt man sich ein
wenig im Wald. Es soll jedenfalls an Birkenstämme erinnern. Hier
besteht das „Holz“ aus Joghurt-Mousse, das mit Verveine
(Eisenkraut) verfeinert und mit Kakaopulver bestäubt wurde sowie
Minzblättern, Blutampfer und Honigkresse. Dazu Birkenwasser-Gel und
hellgrüne Verveine-Baisers. Säuerlich-leicht geriet auch die
Komposition auf dem zweiten Teller mit Rhabarber-Joghurt-Sorbet auf
Erdbeer-Rhabarber-Ragout samt Veilchenkrokant. Da kommen ungeahnte
Frühlingsgefühle auf, nicht von ungefähr nennt sich diese
Komposition „Spring Break“, nach den Ferien, die US-amerikanische
Studenten mit ausgiebigen Partys verbringen. Die mögliche
aufgekommene Ausgelassenheit erdet der letzte Gang umgehend. Käse
vom namhaften „Maitre Affineur Waltmann“, mit Chutney und
Früchten, dient hier als Magenschließer. Brie, Camembert und Co.
fallen extrem pikant aus. Wirklich etwas für wahre Liebhaber, die es
ja meist etwas strenger mögen. Freunde von eher milden Sorten
könnten diese recht intensiven Aromen als eher etwas
gewöhnungsbedürftig empfinden. Der Digestif dürfte sie aber wieder
milde stimmen, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Mandelbrand von
„Fräulein Brösel“ ist herrlich weich im Abgang und verströmt
intensiven Marzipanduft.

Käse mit Brot „Maître affineur Waltmann“ mit Chutney und Früchten. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Insgesamt ein sehr gelungenes und auch sehr originelles Menü. Auch wegen den kleinen Appetizern zur Einstimmung – hier ließ die Küche gleich zweimal grüßen. Nach Ceviche vom Thunfisch mit Avocadocreme, Edamame und Essblüten bringt die Mitarbeiterin eine kleine Milchflasche. Der Inhalt deutet, rein farblich, auf Eierlikör hin. Tatsächlich ist es eine warme Schaumsuppe aus gelbem Paprika.

Restaurant Duke

Adresse: Nürnberger Straße 50-55, 10789 Berlin, Deutschland

Kontakt: Telefon: 0049 (030 683154000, E-Mail: contact@duke-restaurant.com

Heimatseite im Weltnetz: duke-restaurant.com

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 12:00 bis 23:00 Uhr
(ab 22:00 Uhr Légère-Karte)




Matera als Mahlzeit oder Bestes aus der Basilikata in der Berliner Trattoria a‘ Muntagnola

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dass die Trattoria a‘ Muntagnola für Pino und Vino, Basilikata und Mama steht, das weiß in Berlin jeder Besseresser.

Beinahe von Beginn an – die Eröffnung liegt lange zurück, sie war im  Juli 1991 – gab es in diesem mit Backsteinwänden und Fensterfronten, Holzbalken an der Decke und getrockneten Peperoni-Zöpfen, die von der Decke hängen, Bildern an der Wand und allerlei Flaschen mit Spirituosen und vor allem Wein an der Bar, die Küche des Mezzogiorno. Besonders die Küche der ländlich-bergigen Region der Basilikata, wo die Hausfrau extrem einfach, aber allemal aromenreich kocht und schmort, wird guten Gästen ans Herz gelegt.

Pino Bianco inmitten seiner Gäste. © 2017, Photo: Fritz Hermann Köser

In diesem Jahr wird dabei Bezug auf die EU-Kulturhauptstadt Matera genommen und auch ein Besuch empfohlen. Keine Frage: Pino Bianco ist einer der besten Botschafter der Basilikata in Berlin. Und bei ihm geht die Liebe zur Heimat auch durch den Magen.

Schmorgerichte wie „Kaninchen und Lamm im Ofen mit Kartoffeln und Rosmarin“ seien typisch, sagt er, „aber auch Zutaten wie wilde „Zwiebeln, Löwenzahn, Sauerampfer, Zichorien.“ Und in diesem rustikalen und lebensbejahenden, bunten und lebhaften Restaurant in der Berliner Fuggerstraße schmecken sie einfach famos.

© 2019, Photo: Fritz Hermann Köser

Dass Kochen Arbeit ist, aber auch eine Freude, die mit der Wertschätzung der Produkte einhergeht ist, das sieht der Gast, denn in die Küche kann man gucken. Und etwas lernen.

© 2019, Photo: Fritz Hermann Köser

Pino Bianco: „In den ersten Jahren in unserer Trattoria lernten die Deutschen von uns, was es heißt, selbstgemachte Pasta, lukanische Wurstspezialitäten wie Soppressata, Capocollo und Pancetta, Saubohnen (Fave), wilde Rübenblätter und gefüllte Zucchiniblüten zu essen und ich denke, dass sie froh waren und auch sind, dass wir zeigen, dass Italien eigenständige Regionalküchen hat und unendlich mehr als Spaghetti und Pizza bietet.“

© 2019, Photo: Fritz Hermann Köser

Dass muss man so sagen und schmecken. Wir, darunter ein Kollege vom Magazin GASTROSOFIE, wurden verwöhnt. Fritz Hermann Köser schreibt (27.3.2019): „Wurst- und Käsesorten aus der Region, Pecorino, mit und ohne Trüffel, und Ricotta. Der Trüffel verleiht dem Käse eine besondere Note, aber Salsiccia und Salami, tiefrot und fettglänzend, fallen ebenfalls herrlich pikant aus. Nichts für Veganer. Und auch nichts für Kalorienzähler. Ein Löwenzahnherz-Salat beruhigt das Gewissen in Sachen Gesundheit recht schnell, in seiner Mitte thront eine Sardellen-Kapern-Creme. Salziges Fischaroma paart sich hier wunderbar mit dem säuerlich-scharfen Geschmack der Kapern. Eher süß-sauer fällt eine weitere Vorspeise aus, Caponata. Gekochte Auberginen, fein zubereitet mit Tomaten, Sellerie, Rosinen, Sellerie, Mandeln und Pinienkernen. Hinter der „Favette e Cicoria“ verbirgt sich Saubohnenpüree mit Löwenzahn. Diese dicke Bohne fristet nach wie vor in den Küchen ein eher stiefmütterliches Dasein, zu Unrecht, wie das angenehme, leicht nussige Aroma des sehr sättigenden Pürees beweist. Ganz leicht hingegen die hauchdünnen Zucchinischeiben, gefüllt mit Garnelen und Minze, in einer Soße aus Zitrone und Minze. Ideal für heiße Sommertage.

© 2019, Photo: Fritz Hermann Köser

Dann bringt die freundliche Mitarbeiterin einen großen Käselaib herbei. In dem befinden sich Stücke von besagtem Pecorino mit Trüffeln. Sogleich fügt sie heiße, hausgemachte Nudeln hinzu und zaubert mit Gabel und Löffel die Taglioni „cacio e pepe“, wohl der Höhepunkt des Abends. Da bleibt dann kaum noch Platz für den Fleischgang, hier Ossobuco mit Polenta. Das Schmorfleisch um den großen Knochen, es stammt vom Kalb, ist sehr zart geraten, wirkt aber auch gänzlich ungewürzt. Da kann dann jeder nach eigenem Belieben nachhelfen, auf dem Tisch steht neben Salz und Pfeffer auch eine pikante Soße…

© 2019, Photo: Fritz Hermann Köser

Alleine das Semifreddo, hier ein Rosenparfait mit Limoncello-Soße, lohnt den Besuch. Genauso wie das Kaffee-Panacotta mit einer ebensolchen Soße. Das Ganze wurde noch mit einigen knusprigen Kaffeebohnen garniert. Wer braucht da noch einen Espresso?“

Wohl wahr, aber man möchte weiterhin authentischen Wein aus der Basilikata und gerne wieder eine Mahlzeit aus Matera und umzu.

Trattoria a‘ Muntagnola

Fuggerstraße 27, 10777 Berlin

Mehr Infos unter: www.muntagnola.de

Kontakt: Telefon: (030) 211 66 42, E-Mail: trattoria@muntagnola.de

Öffnungszeiten: täglich von 17 Uhr bis Mitternacht




Haxe im historischen Stadtbad – Slow Food Genussführer für 2019/20 erschienen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wohin bloß, wenn der Hunger zwickt? Und man gleichzeitig Qualität zu vernünftig kalkulierten Preisen wünscht? Helfen kann da der neue Slow-Food-Genussführer 2019/20. Das 752 Seiten starke Werk, inzwischen im Buchhandel erhältlich, stellt 548 Lokale mit Slow Food vor. In ganz Deutschland. Alle seien mit ihrer Region verankert, so Manfred Kriener bei der Pressekonferenz im „Landhotel Potsdam“ in Potsdam-Golm. Hochwertige Produkte aus der Umgebung sollen für Frische und Qualität auf dem Teller sorgen. Ausflüge in die internationale Küche, etwa Sashimi von der Schwarzwaldforelle, seien dabei stets willkommen, versichert der Redaktionsleiter weiter. Weitere Kriterien seien neben einer saisonalen Küche und fairen Preisen der Verzicht auf Convenience Food sowie auf Geschmacksverstärker.

125 Adressen wurden neu aufgenommen, 70 gestrichen. Die Abgänge hätten keineswegs nur mit mangelnder Qualität zu tun. Manchmal hätte sich das Konzept geändert, manchmal fehlten auch einfach nur geeignete Nachfolger. Zu den Neuzugängen gehören auch zwei Berliner Restaurants: Das „Restaurant Oderberger“ sowie die „Speisewirtschaft“. Nun kann neben Kreuzberg nun endlich auch das Szeneviertel Prenzlauer Berg mit einer Slow-Food-Adresse aufwarten. Und das sehr stilvoll. In einem alten, historischen Bad residiert das „Restaurant Oderberger“, das junge Team um Chefkoch Matthias Schmidt möchte das historische Gebäude auch kulinarisch wiederbeleben. Dabei setzen die Macher auf deutsche Kost mit Anleihen und Zitaten aus der alten Berliner Küche. „Dit is Berlin“ nennt sich so auch eine Sektion der Speisekarte, die unter anderem mit Kartoffel-Sauerkraut-Suppe, Haxe oder Berliner-Luft-Küchlein aufwartet.

Es fällt auf, dass der Guide vor allem die ländlichen Regionen abdeckt, die Metropolen sind hier eher eine Randerscheinung. Ohnehin geht es hier eher um einfache Lokale und Gasthäuser als um Sternetempel und Szene-Restaurants. Sie sind, wohl auch wegen der hohen Mieten, einfach zu teuer. Die Preisgrenze für drei Gänge, so Manfred Kriener, liege bei 50 Euro.

In Brandenburg gab es jedenfalls gleich vier Neuzugänge, neben dem „Landhotel Potsdam“ auch das „Restaurant 1 A im Hotel Reuner“ in Zossen. Inhaber Daniel Reuner schwingt hier zugleich den Kochlöffel, er hat das Geschäft von der Pike auf gelernt. Sein ganzer Stolz ist der große Gemüse- und Kräutergarten, Wirsing, Tomaten oder Rote Bete wachsen hier unter anderem. Die kleinen Gerichte, die Matthias Hamisch im Anschluss an die Pressekonferenz kredenzt, fallen ebenfalls vitaminreich aus. So ziert das Carpaccio als ersten Gang reichlich Grün. Kapuzinerkresse. „Die habe ich meiner Mama geklaut“, gesteht der „Landhotel“-Küchenchef.

 

Slow-Food-Genussführer 2019/20, Oekom-Verlag 2019




Im Solar – Dinner über den Dächern von Berlin oder erst Gourmetrestaurant, dann Skybar

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Gehobene Küche und das noch über den Dächern von Berlin, von denen es bei Regen in der Regel aus Traufhöhe trieft, gibt es im Gourmetrestaurant Solar am Anhalter Bahnhof.

Der Außenfahrstuhl. © Farbrausch GmbH

Um ins Solar zu kommen, muss man erst in einen frei zugänglichen Hinterhof, dann Jacken und Mantel abgeben, um hoch hinaus zu entschweben. Wer Höhenangst hat und diese Hürde nicht überspringen vermag, der nehme einen Innenfahrstuhl, alle anderen genießen die Reise aufrecht stehend im Außenfahrstuhl hinauf ins oberste Stockwerk, genauer gesagt: in die 16. Etage.

Hoch oben befindet sich der Speisesaal des Restaurants Solar mit einer Bar, das mehr noch als der verglaste Fahrstuhl eine gute Um- und Weitsicht auf die Metropole an Panke, Spree und Havel bietet. Höher hinaus geht es auch noch, besser nach dem Essen, und zwar in die Skybar mit Lounge. Auch dort 270-Grad-Blick auf gemütlichen Sofas und Schaukeln oder Couches im Raucher-Separée. Der aparte Mix aus Skybar, Wohnzimmer-Atmosphäre und Disco über den Dächern hat was. Höhepunkt ist die Fahrt des Disc Jockeys in seinem DJ-Fahrstuhl. Getanzt wird auch und die Musik der Nachtschwärmer dringt eine Etage tiefer ans Ohr der Besseresser.

Abends im Feinschmecker-Restaurant Solar. © Farbrausch GmbH

Deswegen ist das Solar Berlin eben beides: Eine Skybar in den Wolken und ein Gourmetrestaurant im Gastro-Himmel dieser Hauptstadt. Das Solar Berlin steht für Kultur und Kulinarik, für Kunst und Klub, bei dem das Sehen und Gesehenwerden nicht weniger zählt als Speis und Trank.

Der eingangs erwähnte Speisesaal ist ein von Schnickschnack und Tand reduzierter Raum, bei dem es auf den Ausblick ankommt. Immerhin bietet das Solar Berlin ein prächtiges 270-Grad-Panorama und dazu Blicke auf ein Menü, das Gaumen Freude bereitet und der Geldbörse keinen Feindblick.

Sieht lecker aus und schmeckt auch so – im Solar. © Farbrausch GmbH

Vor der Ouvertüre ein Gruß aus der Küche, in dem Jon Direktor sei. Mit Nachnamen heißt der Chef Kremin, aber Vornamen sollen im Solar reichen. Onsen-Ei, genauer gesagt grüßt das Gelbe vom Ei einer Wachtel. Gut, wenn der Dotter eine Dreiviertelstunde bei 64,5 Grad gart. Und weiter mit „Label Rouge Lachs“. Der Lachs wird von unserer Kellnerin, die sich als Martina vorstellt, mit Erbsen und Senf gereicht. Im Solar ist das Du beim Dinner gang und gäbe. Dazu trinken wir einen ausgewählten Chardonnay vom Weingut Hess aus dem Weinanbaugebiet Rheinhessen.

Munter machen wir mit „Kalb und Imperial Kaviar“ weiter. Die eine oder andere konfierte Kartoffelscheibe, Samen von Raps und – wie wir meinen – Mayo mit Schnittlauch. Schön anzusehen und schmackhaft.

Bei der Arbeit in der Küche des Gourmetrestaurants Solar. © Farbrausch GmbH

Auf das köstliche Kalb folgt ein leckeres Lamm, ja doch, nur ein kleines Stückchen davon, und zwar eines, das in eigener Haut gebraten wurde. „Lamm mit tasmanischem Pfeffer“ nennt sich dieser Hauptgang, zu dem es auch Kohlrabi gibt. Der Bergpfeffer vom anderen Ende der Welt gibt dem Gericht in der 16. Etage eine feine, intensive Schärfe. Dazu riecht es nach Dill, der mild, leicht kümelig schmeckt. Ja, das ist gewagt, aber gekonnt.

Nun reicht Martina „Rosa US-Tafelspitz“. Der Spitz bellt und beißt nicht, er wedelt auch nicht mit dem Schwanz. Das Stück aus der Hüfte eines Rindes, an das beim Braten Macadamia-Nussbutter gekommen sei, die wir auch auf dem Teller finden wie Weiße Bete, wird von einer Sauce mit einem längst vergessenen Kraut namens Portulak umkränzt. Der köstliche Gang kommt gut durch den Gaumen wie der Rote aus der Bodega Otto Bestué, der rasant die Röhre runterrinnt.

© Farbrausch GmbH

Und schon wieder ein Gruß aus der Küche. Eine Art Kaltschale oder Quittensuppe mit gefrorenen Korianderbällchen, die auf der Zunge schmelzen wie das Federkleid des Ikarus im Höhenflug und wir Edelfedern bei so viel Guten, das uns über den Dächern von Berlin serviert wird. Gruß zurück an Jon Kremin und seine Kollegen, die eine junge und kreative, freche und frische Küche auf der 16. Etage und auf der Höhe der Zeit kreieren. Wir erheben unser Glas Mouton Cadet Réserve, einen Dessertwein von Baron Philippe de Rothschild, auf das Wohl der Helden am Herd.

„Kürbis mit Amaretto“ beziehungsweise Kürbisküchlein, in Amaretto eingelegte Birnen und Feigensorbet bilden mit einer Kaffeespezialität sowie einem süßen Banyuls Grenache Noir am quadratischen Tisch in einer Ecke des Restaurants den runden Abschluss eines langen Abends im Restaurant Solar.

Und zum Abschluss: Noch ein Gruß aus der Küche. Hören die köstlichen Höhenflüge denn gar nicht auf?

Darauf einen Digestif!

Wem das alles noch nicht genug ist, der geht eine Etage rauf: trinken und tanzen bis weit nach Mitternacht, oder fährt mit dem Außenfahrstuhl abwärts in die Nacht von Berlin.

Solar Berlin Sky Lounge & Restaurant

Stresemannstraße 76, 10963 Berlin

Kontakt: Telefon: +49 (0) 163 7652700, E-Mail: info@solarberlin.com

Webwww.solarberlin.com

Öffnungszeiten: sonntags bis donnerstags von 18 Uhr bis 2 Uhr, freitags und samstags von 18 Uhr bis 3 Uhr




Kunst auf der Burg in Neustadt/ Glewe. Architektur, Feste und Grafik in einem Kleinod am Wegesrand

Neustadt-Glewe, Deutschland (Kulturexpresso). Neustadt gibt es öfter, Neustadt/ Glewe ist einmalig. Die Burg in Neustadt/ Glewe trägt viel dazu bei. Die meisten, die schon einmal von Berlin nach Hamburg unterwegs waren – oder umgekehrt – sind hier unachtsam vorbeigefahren. Wer im Flixbus saß, dem sei das verziehen. Autofahrer haben die Wahl – und die 2 Kilometer von der Autobahnabfahrt bis in den Ort hinein sind wirklich kein großer Kohlendioxid-Fußabdruck.

Die A24 (Autobahn 24 Hamburg-Berlin) beginnt am Berliner Ring A10 oder in Hamburg-Horn im Osten der Hansestadt. Wer aus der Hauptstadt kommt, durchquert lange Brandenburg – zurzeit besonders lange, wegen vieler 60er-Baustellen – bis ungefähr Wittstock/ Dosse, wo die A19 zur Ostsee abgeht. Brandenburg dauert dann noch ein bisschen an, während Namen wie Pritzwalk, Heiligengrabe und Putlitz auftauchen.

Putlitz, einer der ältesten Städte der Prignitz

Putlitz liegt 57 Meter hoch; 2.700 Seelen wohnen dort. Es ist eine der ältesten Städte der Prignitz (Wittstock gehört zur Ostprignitz). Ein Schild im eher kleinen Ort nennt ein Alter von 1050 Jahren. Das muss 1996 aufgestellt worden sein und ist also schon mehr als 20 Jahre alt. Tatsächlich ist Putlitz älter als Lüneburg (!) und das will hier im Norden schon etwas heißen. Die erste Erwähnung einer slawischen Burg stammt aus dem Jahr 946.

Die Sache mit dem Amt Neuhaus – britisch, verschenkt, dann Ost, jetzt West

Lüneburg wurde „erst“ 956 sicher genannt. Der Landkreis Lüneburg übrigens m.W. der einzige, der als „West“-Landkreis auf das Gebiet der ehemaligen DDR hineinreicht, umfasst seit 1993 nicht nur wieder das rechtselbische Amt Neuhaus, sondern auch das historisch zu Mecklenburg gehörende Niendorf, da es 1974 nach Sumte eingemeindet worden war. So gelangte ein Stück Mecklenburg nach Niedersachsen.

Amt Neuhaus: Zunächst gehörte dieses ehemalige Stück Kurhannover beziehungsweise Königreich Hannover auch 1945 zur britischen Besatzungszone. Die Engländer verschenkten es aber an die sowjetische Besatzungszone, da es keine Elbbrücke gab.

Immer wieder Mecklenburg

Wer an Wittstock, Pritzwalk, Heiligengrabe und Putlitz vorbeigebraust ist, sieht endlich das Schild „Mecklenburg-Vorpommern“ (MVP). Parchim mit seinem kuriosen Flughafen Schwerin-Parchim gehört zum Bundesland und wird auch an der A 24 passiert. MVP reicht in Boizenburg bis an die Elbe, dazu müsste man in Zarrentin abfahren.

Schon zwischen den Kilometern 120-100 sollte man auf die Schilder achten, um die Burg in Neustadt/ Glewe nicht zu verpassen. An der Autobahnabfahrt wird gerade gebaut, zwischenzeitlich war sogar die Abfahrt gesperrt. Ende September war die Ausfahrt aber möglich, rechtzeitig zum Burgfest und zur Ausstellung Grafik Nord.

Die Burg in Neustadt/ Glewe – ein Anziehungspunkt für Kenner

Glocke am Flaschenzug an der Uhr. Burg Neustadt-Glewe: Wenn hier keine Romantik aufkommt … dann ab nach Rothenburg ob der Tauber! © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Nur zwei Kilometer sind es nach Neustadt. (Vorsicht bei der Rückfahrt zur A24, bitte innerhalb der Geschwindigkeitsbegrenzung bleiben.) Kurz bevor die Hauptstraße mit abknickender Vorfahrt rechts in den Ortskern einbiegt, sieht man bei entlaubten Bäumen vor sich halblinks die Burg in Neustadt/ Glewe. Sie spiegelt sich im Wasser. Wenn man hier links in die kleine Straße einbiegt statt halbrechts in den Ort weiterzufahren, hat man vom Parkplatz oder Ufer aus einen hervorragenden Blick auf die Burg in Neustadt/ Glewe, vielleicht den besten. Wer ihn ausdehnen möchte, kann in dem Restaurant mit großen Fenstern Platz nehmen. Essen kann man sehr gut auf der Burg bei bestem Ambiente.

Am Wasser liegen immer wieder Sportboote, die durch die Schleuse wollen, über die die Hauptstraße führt. Man kann die Burg direkt auf dem Wasserweg ansteuern, ein weiterer Vorteil. Wo wir schon beim Wasser sind: Es ist neben politischen und historischen Gegebenheiten der Grund, warum die Burg in Neustadt/ Glewe zu den besterhaltenen in Mecklenburg-Vorpommern gehört. In einem Bogen geht ein Graben ab, der auch hinter der Burg den Burggarten oder Park umschließt. Die angrenzende Straße heißt Wasserstraße. Sie ist keine Wasserstraße.

Der Park ist übersichtlich und enthält keine dunklen Ecken, was ihn für Spaziergänger recht sicher macht. Ein angenehmes Fleckchen Erde.

Fahren wir nun endlich ein kurzes Stück weiter auf der Hauptstraße, biegen wir die nächste links ab zur Burg in Neustadt/ Glewe. Mächtig die Mauern, kurios die Uhr. Wo andernorts mit dem Flaschenzug Lasten transportiert wurden, scheint hier die Uhr aufgehängt. Bei diesem Anblick bitte verweilen. Das Fahrzeug kann auf dem Parkplatz direkt vor der Burg abgestellt werden. Wer zu spät kommt, findet ein verschlossenes Tor vor.

Die Burg in Neustadt/ Glewe – Ort der Kunst

Plakat für die Grafik Nord 05 Grafikausstellung MVP
Grafik Nord 5, Grafikausstellung Mecklenburg-Vorpommern auf der Burg in Neustadt-Glewe. Mi-So 11-16 Uhr. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Durch das Tor gelangt man auf den hochliegenden Burghof, rechts und links geräumige Flügel. Der linke beherbergt das Restaurant, das gern für Feste gemietet wird. Geräumig, historisch, gute Küche. Wer nicht einkehren will, für den ist, wenn nicht wie am 7. Oktober gerade ein Fest gefeiert wird auch vor der Burg, Grafik das Zauberwort der Stunde. Mittwochs bis sonntags zwischen 11 und 16 Uhr nix wie hin zur Grafik Nord 05. Die überflüssige Null führen wir mal mit auf, vielleicht hat ja ein Schalkefan die Nummerierung mitbestimmt. Die Grafikausstellung Mecklenburg-Vorpommern ist in der Galerie auf der Burg zu sehen – noch bis 21. Oktober 2018.

Die Burg in Neustadt-Glewe ist auch bei wiederholtem Besuch ein freudeauslösender Ort. Sie lädt zum Flanieren und Einkehren ein. Bietet Architektur mit Überraschungen: die vierte Hofseite ist schlicht mit einer Mauer geschlossen. Bietet Kunst und Burgfeste. Ein feste Burg ist …

Wer nicht weiß wohin, hier ist ein schöner Ort. Es gibt einen Neustädter See und drei Naturschutzgebiete in der Stadt. Neben der Burg auch noch ein Schloss (von 1717). Einen Marktplatz und ein Rathaus. Hinten links eine Tankstelle, die rund um die Uhr geöffnet hat. Hinten rechts eine Autowerkstatt. Der Name der Werkstatt findet sich auf den Autokennzeichen wieder: STA-NG. Die anderen Wagen hier tragen regionale Nummernschilder. Auf dem Gelände der BMW-Werkstatt gibt es auch eine Telefonzelle – mit Wählscheibe! Sehenswürdigkeiten gibt es hier wirklich genug.

Glewe bedeutet ‚Stall‘ und hieß erst so, dann Neustadt-Glewe, dann sechs Jahrhunderte lang einfach nur Neustadt. Erst seit 1926 heißt es wieder so wie heute.

In der Umgebung liegt u.a. Wöbbelin, das man auch als Autobahnabfahrt kennt, und die Landeshauptstadt Schwerin ist nur 30 Kilometer entfernt.




Uruguay sehen und leben. Das New Montevideo zeigt alle WM-Spiele im Terrassengarten mit Fontänenblick

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das New Montevideo hat ein Logo aus vier Buchstaben. Ein großes M bietet durch seine Form Platz für die drei Buchstaben, die auf englisch „neu“ bedeuten. Neu-Montevideo ist keine Stadt, sondern ein Restaurant-Café am Viktoria-Luise-Platz. Legendär das „Montevideo“, das 2016 seine Pforten schloss. Am 2. Mai 2017 eröffnete der legitime Nachfolger, das New Montevideo. Neu-Montevideo klingt wahrscheinlich zu altbacken wie Neu-York oder Neu-Amsterdam; außerdem können die Deutschen zwar ‚njuu‘ aussprechen, Ausländer aber nicht selbstverständlich das Wort ‚neu‘.

Das New Montevideo konnte nicht anders, als in große Fußstapfen zu treten. Deshalb nahm man sich viel vor. Deckte den Speisesaal linker Hand vom Eingang in weißes Linnen ein. Das fanden viele Berliner toll, aber es schreckte auch ein klein wenig ab. ‚Wenn das hier alles so gut aussieht, was mag es denn wohl kosten? Reicht das Geld nur, um zu kosten? Bin ich überhaupt gut genug gekleidet?‘ Wunderschöne Bilder auf der Homepage des New Montevideo zeugen noch von dieser jüngsten Vergangenheit. Heute dominieren die Decken aus feinem Leinen den Gastraum nicht mehr, und das ist gut so.

Berliner kleiden sich nicht, sie ziehen sich an. (Fast) jeder so, wie er mag. Die Berliner fühlen sich wohl dabei und ziehen beim Presseball auch schon mal Kleid und Smoking an. Geht man essen, möchte man sich wohlfühlen. Das New Montevideo versteht sich als Familienrestaurant mit guter Küche.

Den Anspruch kann es mit einer Riesen-Kinderecke unterstreichen, mit einer tollen Kinderküche und Platz zum Tollen. Clever gelegen vom Gastraum hofwärts, als doppelte Sicherheit, damit keine Kurzen türmen können. Oder die wenigen Stufen vom Restaurant zum Garten herunterkullern.

Selten eine Gaststätte, wo der Weg zum nächsten gefährlichen Auto so weit ist. Denn die Straße vor dem Vorgarten ist für den Autoverkehr gesperrt. So hat das New Montevideo neben dem Lette-Verein genau genommen zwei Terrassen. Viel Platz. Mehr Kindersicherheit geht kaum. Vielleicht im Wald.

Uruguay und der WM-Fußball in Berlin – Public Viewing

Terrasse am Lette-Verein: Restaurant-Café New Montevideo. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Uruguay gelangte bei der Herren-Fußball-WM 2018 ins Achtel- und Viertelfinale. Das ist viel mehr als, was die deutsche Mannschaft von sich sagen kann. Und das trotz der Tatsache, dass es nur gut 3einhalb Millionen Uruguayer gibt. Wir haben recherchiert, ob es vielleicht irgendwo ein spezielles Screening gibt: Fehlanzeige.

Wir wollten das Viertelfinalspiel am 6. Juli in der Gegenwart dieses fußballbegeisterten Völkchens verbringen. Doch Uruguay ist nicht Dänemark. Dänemark organisierte im Felleshus ein Public Viewing. Die Botschaft der Republik östlich des Uruguay – der ein Fluss ist – ist zu klein für derartige Veranstaltungen. Die Kulturbrauerei, dem Straßenlärm entrückt und mit einer großen Leinwand, zieht Fans an, auch aus diesem kleinen, fußballbegeisterten südamerikanischen Land. Doch abgesehen von der unzentralen Lage gibt es auch ein paar indirekte Nachteile. Gerade weil viele Fußballfans kommen, ist es so laut, dass man die Ansagen des Kommentators oder die Analysen von Oliver Kahn & Co. nicht verstehen kann. Da sind kleinere Gaststätten wie der Inder neben dem Hinterausgang der Brauerei an der Lychener Straße besser. Dafür gibt es dort fast keine Gleichgesinnten. Die Indische Union ist bekannter für Cricket.

Uruguay und seine Geschichte als Fußballland

Uruguay ist eines der vier Gründungsmitglieder des ältesten Kontinentalverbandes CONMEBOL. Während Mitteleuropa im Krieg versank und an manchen Tagen Zehntausende Männer starben, niedergemäht wurden, gründeten vor 102 Jahren und 3 Tagen am 9. Juli 1916 die Verbände aus Paraguay, Argentinien, Brasilien und dem erwähnten Lande östlich des Flusses die CONMEBOL. Sie trugen dann in die Copa America aus. Alle anderen Kontinentalverbände, die Mitglied der FIFA sind, wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet.

Uruguay ist kein Anfänger, ist man versucht zu sagen. Doch waren sie genau am Anfang da und wurden 1930 und 1950 Fußballweltmeister. Dann gab es eine ruhigere Phase und seit 2000 sind sie wieder da. Als einer der beiden südamerikanischen Vertreter im Viertelfinale besaßen sie wirklich Chancen, hatten allerdings als Gegner den Ex-Weltmeister Frankreich.

WaruM WM-Fußball im New Montevideo?

Fußball Live im Restaurant-Café New Montevideo. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Ein wichtiges Spiel, das nicht irgendwo geguckt werden wollte. Ein Insider gab uns den Tip mit dem New Montevideo, gleich darauf hinweisend, dass der Name nur ein Name ist. Wir besuchten es an Vortag des Uruguayspiels, haben es getestet und für gut befunden.

So ist zum Beispiel das fußballlose Speisen auch an den Spieltagen möglich. Die Großen Flachbildfernseher zeigen nach außen in den Garten. Bei Regen natürlich nach innen. Wer drinnen sitzt oder auf der weitläufigen Terrasse mit Blick auf die Fontäne, wird unbehelligt bleiben.

Außerdem ist die WM Mitte des Monats Juli vorbei.

WM-Karte im New Montevideo

Zur Wahl steht eine ganze Palette von Speisen, angefangen bei einem Gemüsespieß mit Grillkäse und Kräuterdip für 7,30 Euro über Spargelpasta für 11,90 Euro bis hin zu einer Reihe nichtvegetarischer WM-Specials für Preise zwischen 7,90 und 15,90 Euro.

Eine eigene WM-Karte hat nicht jeder, auch in der besseren Gastronomie nicht.
(In der Trattoria a’Muntagnola in der nahen Fuggerstraße zeigen sie noch nicht einmal Fußball. Pfui!)

Der Nachtisch kostet nur 4,90 Euro. Limonenparfait. Alternativ bietet man mir ein Mandelparfait an, das ich dankend ablehne. Wenn, dann wollte ich doch schon aus gegebenem Anlass das Dessert der WM-Karte probieren und ein Essen ohne Nachtisch ist kein richtiges Essen, oder?

Zudem man sich doch in so einem innen und außen edlen Ambiente befindet.

Der Service war übrigens auszeichnet. Die Bedienungen sämtlich ausnehmend höflich und beinahe verbindlich. Das vermittelt ein gutes Gefühl. Man fühlt sich wahlweise wie zuhause oder so, als ob einem der rote Teppich ausgerollt würde. Aber unauffällig. So soll es sein.

Suberbe Pfifferlingskarte

Sommer, Sonne, Ausflugsziel für Fahrräder: Fontäne am Viktoria-Luise-Platz. Rechts ein Sonnenschirm auf der Terrasse des New Montevideo. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Beim Essen entscheide ich mich saisongemäß und auf Empfehlung für die Pfifferlinge. Sie sind viel mehr wert, als man allgemein denkt. Allerdings wird der Ausdruck langsam obsolet, da der Pfennig auf den Heller folgt. Der Heller überlebt in unserer Sprache außer bei Münzsammlern nur durch das Sprichwort „Wer den Heller nicht ehrt, …“

Die Pfifferlinge auf dem Teller sind eine Menge wert, nicht nur wegen des gesunden Eiweißes. Im New Montevideo werden sie in vielen Variationen dargeboten, preiswert mit Blaubeeren für Vegetarier oder entsprechend teure mit allerlei frei wählbaren Beilagen. Lecker.

Dauerhafte Vorteile im New Montevideo

Frische und gute Produkte werden verwendet, zum Beispiel Frischmilch für die Kaffeespezialitäten und ausschließlich Bio-Eier.

Man kann lange frühstücken. Von 9-15 Uhr, samstags, sonn- und feiertags bis 16 Uhr. Das ist auch ideal für Berlinbesucher oder all die, die sich am langen Wochenende mal einen Tapetenwechsel im Hotel gönnen. Von vielen Unterkünften im Hotelviertel und am Wittenbergplatz, wo das KaDeWe steht, ist der Vicky für Geübte fußläufig zu erreichen. Auch vom neuen Hotel Riu Plaza, das oberhalb der Kreuzung Lietzenburger/ Martin-Luther-Straße/ An der Urania thront (ehemals Philips).

Erstaunlich, aber wahr: Vieles wird selber hergestellt: Marmeladen und Nudeln zum Beispiel. Die Nudeln kann man sogar für zuhause kaufen.

NEWMONTEVIDEO – Geheimer Code geknackt!

Man konnte sich natürlich schon fragen, warum das New Montevideo so heißt.

Das Video-Geheimnis

Video bedeutet „Ich sehe“. Wir Deutschen betonen es gern auf der ersten Silbe. In dem Wort Montevideo wird das letzte „e“ betont. Montevideo ist die Hauptstadt Uruguays und wurde Weihnachten 1726 gegründet, im Barock, als Friedrich Wilhelm I. König in Preußen war – in Personalunion brandenburgischer Kurfürst – und unter anderem in Berlin residierte. Der erste König in Preußen, der 1705 Charlottenburg gegründet hatte, war bereits tot, Friedrich der Große trat 1740 an.

Montevideo ist auch die Primatstadt Uruguays, vorher wohnten die Ureinwohner dort und von einer „Stadt“ in unserem Sinne war nichts zu sehen, genausowenig von einem „Staat“ Uruguay. Das Wort „Arbeit“ war unbekannt, auch wenn natürlich gearbeitet wurde.

„Monte“ bedeutet in drei Sprachen „Berg“ – italienisch, spanisch, portugiesisch . Video heißt auf nur latein „ich sehe“.

„Montevideo“ ist in Holland der Name für einen künstlichen Berg mit Aussicht. Das Rotterdamer Hochhaus ist etwa 150 Meter hoch – gute Aussichten – und das zweithöchste Wohnhaus der Niederlande.

Das Haus hat eine Fahne (Ein Haus mit Fahne) – M

Sommerfontäne an einem Platz in Schöneberg.
Speisekarte des Restaurant-Cafés New Montevideo mit Platz-Panorama. © Foto: Andreas Hagemoser, 2018

Das Symbol ist ein großes „M“, das als 8 mal 8 = 64 Quadratmeter große Wetterfahne auf dem Dach thront. Ähnlich wie an der Kantstraße Ecke Fasanenstraße das von der Stadtbahn aus sichtbare Riesensegel mit drei Etagen.

Im New Montevideo prangt das große „M“ auf der Speisekarte. Etwas verloren gruppieren sich die drei neuen Buchstaben N, E und W dazwischen.

Man hätte das neue Restaurant nicht Buenos Aires, VICKY oder Fontänenblick nennen dürfen. Auch Santiago de Chile, Malwinen oder Fontainebleau, nach der Stadt südlich Paris mit dem guten Wasser (fontaine belle eau), kamen nicht infrage. Montevideo musste es irgendwie schon sein. New liegt nahe, doch wäre auch ein spanisches Wort infrage gekommen.

Die Lösung

Letztlich fiel die Entscheidung dafür, weil man alle vier Jahre hier ein großes Fest feiern wollte und die ganze Welt dazu einladen. Der Lösung des Rätsels kommt man näher, wenn man die Leerstelle zwischen den Wörtern New Montevideo weglässt. NewMontevideo ist ungültig, in Großbuchstaben ergibt sich NEWMONTEVIDEO.

Nun braucht man nur noch genau hinzusehen, um eine haushohe Überraschung zu erleben. Was sage ich, eine berghohe. Video WM. Wer noch?

Das NEW MONTEVIDEO gehört zu den ganz wenigen deutschen Restaurants, die die WM (Weltmeisterschaft) im Namen führen. Weltmeisterlich. Meisterhaft!

Für mich ist das NEWMONTEVIDEO so das ultimative WM-Restaurant.

Von mir aus auch für Basket-und Volleyball.

+ NEWMONTEVIDEO

 

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Als die Römer frech geworden – Antike römische Villen und Tempelanlagen an der Mosel

Trier, Deutschland (Kulturexpresso). Viele Wege führen bekanntlich nach Rom – genauso führen sie jedoch von Rom weg. Auf ihren Eroberungsfeldzügen führten die leichengepflasterten, blutigen Wege der Römer auch an die Mosel. Auf beiden Seiten der Mosel findet man viel Relikte ihrer damaligen Ursurpatoren-Gewaltherrschaft, Villen, Götter-Tempelanlagen, Gladiatorenschule und vieles andere mehr.

Der römische Kaiser Augustus residierte in Trier. Seine Subalternen ließen sich in der weiteren Region prächtige Villen von ihren Sklaven bauen. Eine davon, die Villa Borg – unweit Perl – wurde rekonstruiert. Eine kundige Führung durch eine Trierer Gästeführerin, verkleidet als Patrizier-Hausherrin der damaligen Zeit, erklärt der Gruppe von disziplinierten Lateinschüler*innen die damaligen Gepflogenheiten und Errungenschaften.

Porta Negra in Trier.
Ein Blick auf die ab 170 nach unserer Zeitrechnung errichtete Porta Negra in Trier. Quelle: Pixabay

Ja, sie hatten Fußbodenheizung – wirklich erstaunlich! Auch Latrinen, die mit Wasser gespült wurden. Das Reinigungswerkzeug der damaligen Zeit, ein auf einen Stock gespießten Schwamm, erklärte uns die Frau und dass dieses Utensil nach in Wassertunken von allen benutzt wurden – alle saßen auf derselben Toilette zur selben Zeit. O tempores, o mores!

Die Badekultur ist ebenfalls erstaunlich: ein Raum beherbergt ein riesiges Kaltwasserbad, Frigidarium, ein anderer ein riesiges Warmwasserbecken, Kaldarium. Erhitzt wurde das Wasser im Souterrain – von Sklaven, wie sich „versteht“, und dann in einer Warmwasserleitung in das Becken geleitet. In einem Tepidarium stand dann eine Badewanne. Auch, dass die Hausherrin einen Stuhl hatte, der niedriger war, als der ihres Gatten, wurde erklärt und dass dieser das Recht hatte, ein neugeborenes Kind entweder anzunehmen oder zu verstoßen (wenn es zum Beispiel missgebildet war). Die alten Römerinnen hatten nicht viel zu lachen, scheint’s! In puncto Gleichberechtigung hat sich ja bis heute nicht so viel geändert.

Die Villa Borg bietet einen sehr eindrucksvollen Rundum-Einblick in die Hochkultur der Römer, die sie aus SklavInnen mit deren Blut, Schweiß und Tränen herauspressten.
Ein eingegliedertes Restaurant mit teilweise alten römischen Speisen dient auch als Ausflugsziel neben dem Sightseeing.

Opus tes­se­la­tum – ein römisches Fußbodenmosaik in Nennin an der Mosel. © 2018, Foto: Eva-Maria Koch

Ein paar Kilometer weiter befindet sich in Nennig, ebenfalls an der Mosel auf der deutschen Seite, das „besterhaltenste Fußbodenmosaik nördlich der Alpen“, so der Hüter des darüber errichteten Besucherhauses. Er erklärt vorzüglich, wie die Römer hier alles in Beschlag nahmen. Der Hausherr der Anlage, die zu dem Fußbodenmosaik gehörte, war wohl ein Steuereintreiber, der auch eine riesige Gladiatorenschule betrieb. Hier wurden versklavte Männer gezwungen und geschult, sich gegenseitig zur Belustigung primitiver Menschen in dem Amphitheater im nahegelegenen Kaisersitz Trier abzuschlachten. Von dieser Anlage gibt es jedoch lediglich ein Modell zu bestaunen – archäologische Ausgrabungen finden ständig und permanent statt – die ganze Gegend ist ein einziges archäologisches Fundstück.

Auf Reservierung hin wird auch ein Film gezeigt, der die Anlage und das damalige Leben erklärt. Nicht nur Lateinschüler kommen scharenweise, auch von anderen Kontinenten finden die alten Römer Anklang – ein Filmteam kam aus den USA – sie wollten nur wirklich authentische alte Römerrelikte filmen – die nachgebaute Villa Borg fiel durch’s Raster – so der Angestellte. Er hat viel zu erzählen und überfüllt ist es dort nicht.

Eine römische Tempelanlage in Tawern an der Mosel. © 2018, Foto: Eva-Maria Koch

Noch mehr Römerkultur gibt es im ein paar weiter gelegenen Tawern zu bestaunen – eine exzellent erhaltene Tempelanlage mit mehreren Häusern zu Ehren Jupiters trohnt mit Weitblick bis nach Trier hoch in der Hügellandschaft.

Auf der luxemburgischen Moselseite befindet sich hoch in den Weinbergen bei Bech-Kleinmacher gelegen, eine ebenfalls gut erhaltene Villa, deren Terrasse einen unbezahlbar schönen Panoramablick auf die Weinberge und die Mosel bietet. Eine nachträglich dorthin gestellte Hollywoodschaukel lädt zum Chillen ein während die Augen die Schönheit genießen dürfen.

Archäologiepark Römische Villa Borg, Im Meeswald 1, D-66706 Perl
Tel (0 68 65) 9 11 70. Geöffnet ab 11 Uhr.
(Angaben ohne Gewähr)




Das Rusty im Berliner Reuterquartier.

Knuspriges Risotto – Das „Rusty“ bietet gehobene Küche in lässiger Atmosphäre

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Hier kocht der Chef noch persönlich, so verspricht es auch die Website. Nur an diesem Abend nicht. Fabrizio Cervellieri, Koch und neuerdings Inhaber des „Rusty“ in Berlin-Neukölln, hat es kurzfristig in die italienische Heimat verschlagen. Geschenkt, das junge Team, unter anderem Sous-Chef Brett Cocking, schlägt sich auch ohne den Patron recht tapfer. Am Herd wie beim Service. Ein Mitarbeiter, flink, freundlich und aufmerksam, kredenzt zunächst eine lauwarme Blumenkohlsuppe. Das blanchierte Gemüse wurde dazu in Sahne eingekocht. Das gleiche Gemüse, knusprig geröstet, sowie Senfsaat sorgen für eine interessante Textur. Dennoch wurde etwas gegeizt, nämlich an Gewürz im Allgemeinen und an Salz im Besonderen.

So auch bei dem gebratenen Zander. Der wurde als zweiter Gang von Kürbisrisotto und glasiertem Chicorée begleitet. Beim dazugehörigen Hummer-Bisque-Schaum harmoniert das Krustentier vortrefflich mit den weiteren Zutaten, unter anderem dem Sud aus Knoblauch, Schalotten, Weißwein und Safran. Formvollendet. Das Gemüse, bissfest und nur ganz leicht bitter, entspricht ebenfalls ganz den Erwartungen. Ebenso wie der auf den Punkt gegarte Fisch, bei dem eigentlich, wie bereits angedeutet, nur eine Prise Salz fehlte. Das Reis im sonst sehr schmackhaften Risotto war eine Winzigkeit zu weich geraten, der sauer eingelegte Kürbis glich das mit seiner interessanten Note aber wieder aus. Kürbiskerne sorgen für einen entsprechenden „Crunch“. Knuspriges Risotto, das geht.

Und knusprig geht es auch beim nächsten, recht deftigen Gericht zu. Dafür sorgen die Paprikachips, die statt zu Bier und Fußball-WM zu einer Ochsenbacke gereicht werden. Sie zieren jedenfalls die Beilage, Kartoffelstampf mit Stückchen, zubereitet mit Milch und Schalottencreme. Das geschmorte Fleisch zerfällt fast auf der Gabel, so weich, so zart ist es geraten. Eine Brühe aus geschmorten und getrockneten Pilzen, unter anderem Champignons und Shitake, macht das Ganze angenehm saftig und zudem pikant.

Da ist für den Nachtisch kaum noch Platz. Zu allem Überfluss liegt tatsächlich ein Brownie auf dem Teller, jenes fudgig-schokoladige, wenig magenschonende Bleigewicht. Aus den USA eingeschleppt wie einst der Ochsenfrosch und ähnlich aufregend wie manch andere der üblichen Dessertkarten-Verdächtigen, etwa Lava Cake, Mousse au Chocolat oder Creme Brulée. Hier ist er aber gelungen, leicht, locker, luftig. Und nicht zu süß, so wie auch das köstliche Tonkabohnen-Eis, das mit Kaffee, Kardamom, Sahne und Vanille verfeinert wurde.

Neben dem Geschmacksinn wird auch das Gehör verwöhnt, mit David Bowie, dessen Hits in erträglicher Lautstärke aus den Boxen schallen. Gehobene Küche, knapp vor dem „Fine Dining“, in lässiger Atmosphäre, das ist das Ziel. Entsprechend das Interieur, schnörkellos und schlicht. Eine offene Küche, ein langer Tresen, einige Holztische. Das Rustys ist eigentlich ein typisches Kiezlokal, nur etwas gediegener. Der Raum im dem Eckgebäude blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück: Steakhaus, Technoklub, Burgerbude, Bordell. Vielleicht hält das neue Konzept etwas länger durch. Darauf einen Drink, einen Gin-Tonic mit Kold-Brew-Kaffee, Rosmarin und Limette. Der Aperitif, frisch, mit einer herben Note und reichlich Coffein. „Der heißeste Scheiss im Glas“, verspricht der Barkeeper. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Knuspriges Risotto im „Rusty“ von Fritz Hermann Köser.

Rusty

Sanderstraße 17, 12047 Berlin, Telefon: +49 30 23 93 9663, E-Mail: kontakt@rusty-rusty.de, Web: rusty-rusty.de

Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags von 18 bis 22:30 Uhr (Küchenschluss).