Die schönsten Kinderlieder aus aller Welt. CD mit Liedertexten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Claude Koob hatte die Idee. Er hat auch das Konzept entwickelt. Die Idee: die schönsten Kinderlieder aus aller Welt auf einer CD zu versammeln. Gesungen und instrumental. Mit Liedertexten. Das Konzept geht auf. Im August 2013 produziert, ist diese Compact Disc immer noch eine, die gebraucht, die nachgefragt wird. Selten werden Erwachsene einfach so allein auf dem Sofa Kinderlieder hören wollen, es sei denn, sie kannten sie schon.

Häufiger werden es Erwachsene, darunter nicht wenige Frauen sein, die unter anderem beruflich so einen Tonträger verwenden können. Egal wofür, ob für ein Kinderfest, für den Alltag in einer Kita, einem Kindergarten oder freien Einrichtungen wie dem Berliner „Seepferdchen“, es ist toll, eine gute Mischung von Kinderliedern von verschiedenen Kontinenten zu haben und die Texte gleich dabei. Das Mitsingen kann beginnen, die Kinderchorprobe oder die Singgruppe. Oder einfach das fröhliche Picknick im Park.

Die schönsten Kinderlieder aus aller Welt: Die Liste der Titel

  1. Komm, geh mit mir in das Land
  2. Jimba, Jimba
  3. I Like the Flowers/ Ich lieb den Frühling
  4. Hava nagila/ Lasst uns glücklich sein und uns freu‘n
  5. Karl, der Käfer
  6. Bella Bimba/ Wenn ich Musik höre, will ich tanzen
  7. Uelle
  8. Sascha
  9. El condor pasa / Ich möchte gern ein bunter Vogel sein
  10. Von den blauen Bergen kommen wir
  11. Tiritomba / Frühling, komm‘ doch über‘s Land
  12. Schnappi, das kleine Krokodil
  13. Blühe Blume (Chinesisches Blumenlied)
  14. Rock my Soul/ Sing ein Lied
  15. Bajuschki Baju/ Schlaf, mein Kind

Die Nummern 1-15 gibt es auch in der Instrumentalversion mit den Nummern 16-30.

Gerne kann der Leser raten, aus welchen Ländern oder Kontinenten die Stücke stammen. Auflösung unten!

Sind es wirklich die schönsten Kinderlieder aus aller Welt?

Rückseite der CD „Die schönsten Kinderlieder aus aller Welt“. Mit Liedertexten. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Und sind dies nun wirklich die schönsten Kinderlieder aus aller Welt? Diese Entscheidung kann natürlich nur subjektiv sein. Genauso wie die Frage, ob der Spessart-Kinder-und-Jugendchor und seine Chorleiterin Susanne Mutterer „einen guten Job gemacht“ haben. Was wir bejahen würden.

„Die schönsten Kinderlieder aus aller Welt“ sind in ihrer Schönheit nicht messbar. Ins Guinnessbuch der Rekorde könnte keines kommen. Denn Schönheit ist nicht mit dem Zentimetermaß oder Zollstock abzuzirkeln. Das längste Kinderlied oder das kürzeste, das mit den meisten verschiedenen Wörtern und das mit den meisten verschiedenen Wörtern aus verschiedenen Sprachen, so etwas wäre schon mess- und machbar.

Doch die Schönheit der Musik hingegen, obwohl unbestritten in unserer Mitten, liegt im Auge oder Ohr des Betrachters. Geschmackssache und von verschiedenen vergangenen Ereignissen beeinflussbar. Was man immer singen musste, aber nicht wollte, was immer die schrille Monika sang, obwohl sie die Töne nicht traf, was man durch ein Zuviel des Konsums als abgenudelt empfindet wie ein zu häufig im Radio gespieltes Weihnachtslied.

Genau wie viele ehemalige DDR-Bürger russisch lernen mussten und es heute nicht können oder nicht gut. Klavierspielen ist eine tolle Sache, wenn die Kinder zum Unterricht gezwungen werden, verkehrt sich das Gute ins Gegenteil.

Auflösung zur Herkunft der Kinderlieder aus aller Welt

Aus Russland stammen die Lieder 2, 8 und 15, aus Italien die 6 und 11, aus Israel die 4, und die 5 und 12, das haben wohl die meisten gewusst, kommen aus der Bundesrepublik Deutschland. Ich lieb‘ den Frühling (Nr. 3) ist ein englisches Lied aus Großbritannien. Herkunftsangabe: England. Kleiner als ein Staat. Größer als ein Staat ist die Angabe „Afrika“, die bei der Nummer 7 steht. Ebenfalls größer angekündigt sind die Nummern 1 und 14 aus den (Vereinigten Staaten von) Amerika. Nr. 13 ist aus China; müßig, zu fragen, ob aus der Republik oder Volksrepublik. Es ist chinesische Kultur. Aus Südamerika kommt die Nummer 9 (einfach) und aus „Nordamerika“ die Nummer 10.

Gesamtspielzeit 77,48 Minuten

Arrangiert
wurde das Ganze von C. Seeger.

Im Handel oder bei Santec-Music. Bestellnummer 13 165.

Anschrift/ Postanschrift: Santec Music GmbH, Max-Braun-Straße 2/4, 97828 Marktheidenfeld; Tel. (09391) 504737.

www.santec-music.de




Hrant-Dink-Gedenken im Maxim-Gorki-Theater mit Filmen, Texten, Dokumenten, Gesprächen und Musik aus Anlass des 12. Todestages

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am 19. Januar 2007 wurde der Journalist, Redakteur sowie Mitbegründer- und Mitherausgeber der türkisch-armenischen Wochenzeitung „Argos“ Hrant Dink beim Verlassen des Zeitungsgebäudes in Istanbul erschossen.

Im Berlin Maxim-Gorki-Theater möchten Berliner und solche, die es werden wollen, anlässlich seines zwölften Todestages am 19. Januar 2019 ab 17.00 Uhr, Bühne, Studio Я, Lichtsaal, an ihn erinnern und seiner Gedenken. 

Unter dem Titel „Hrant Dink (Ge)denken“ soll es Filme, Texte und Dokumente, aber auch Gespräche und Musik geben. Mitmachen würden laut Gorki-Presseinfo vom 13.12.2018 Gork Can Dündar, Sesede Terziyan, Mehmet Atesçi, Nedim Hazar, Merlyn Solakhan, Fethiye Çetin, Karin Karakşlı, Stepan Gantralyan und Meline Popovian.

Das Programm

17.00 Uhr Film Lichtsaal, Eintritt frei 
Ein Chor von Merlyn Solakhan, 65 min, 1996, dt. 
Anschl. Q&A mit Merlyn Solakhan 

Schwalbennest von Bülent Arınlı, 20 min, 2007, türk. m. dt. Untertiteln
Anschl. Q&A mit Nedim Hazar, Producer des Films

19.00 Uhr Gespräch Studio Я, Eintritt frei
12 Jahre später  
Fethiye Çetin, Anwältin der Familie Dink und Karin Karakşlı, Autorin der Zeitung Agos im Gespräch 

Bühne 20.30 Uhr
Gedenkveranstaltung: Hrant Dink (Ge)Denken (10 EU / erm. 8 EU)
Von und mit Can Dündar
sowie mit Mehmet Ateşçi und Sesede Terziyan Live-Musiker François Regis Szenische Einrichtung Hakan Savaş Mican und Arsinée Khanjian

Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur von »Cumhuriyet«, hat eine Auswahl von Hrant Dinks Texten zusammengestellt, kontrastiert durch Protokolle des Prozesses gegen die Mörder.

Auf Türkisch und Deutsch mit englischen Übertiteln

Studio Я 22.00 Uhr Konzert, Eintritt frei
Konzert von Stepan Gantralyan und Meline Popovian  




Vorhang auf, Bühne frei. Und immer schon fair.

Lange Nacht der Autorinnen mit „Entschuldigung“ von Lisa Danulat, „Ruhig Blut“ von Eleonore Khuen-Belasi und „Zu unseren Füßen, das Gold, aus dem Boden verschwunden“ von Svealena Kutschke

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Autorentheatertage kommen bestimmt. Geplant werden sie für die Zeit vom 29. Mai bis zum 8. Juni 2019. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird die Lange Nacht der Autorinnen stattfinden.

Dafür hat die Jury der Autorentheatertage 2019, die aus 
Esther Boldt, Valeska Grisebach und Steffi Kühnert besteht,  aus allen 113 Einsendungen diese drei Gewinnertexte ausgewählt.

–  Lisa Danulat: Entschuldigung
–  Eleonore Khuen-Belasi: Ruhig Blut
–  Svealena Kutschke: Zu unseren Füßen, das Gold, aus dem Boden verschwunden

Das Theater Neumarkt Zürich, das Schauspielhaus Graz und dass Deutsche Theater Berlin werden diese drei Stücke in der Langen Nacht der Autorinnen zur Uraufführung bringen. Und die Preisträgerinnen werden ein Uraufführungshonorar von jeweils 10.000 Euro erhalten. Hurra. Die Begründungen dokumentieren wir nachfolgend.

Lisa Danulat, Entschuldigung

Lisa Danulats Entschuldigung montiert die Geschichten zweier Frauen miteinander: Einer Mutter, die sich aus Einsamkeit und Schmerzen im Rhein ertränkt. Und einer Liebenden, die in einem Indizienprozess für schuldig befunden wurde, zwei Menschen aus Eifersucht ermordet zu haben. Elegant entrollt die Autorin diese – auf den ersten Blick sehr ungleichen – Frauenschicksale und verschlingt sie aufs engste miteinander. Dabei springt sie blitzschnell und virtuos zwischen den Ebenen, sie knüpft immer neue Verbindungen zwischen den – nur grob skizzierten, doch gleichwohl berührenden – Biografien und bringt damit auch einfache Zuweisungen von Täter_in und Opfer, Schuld und Unschuld ins Wanken. Darf man sich einfach mal einen Selbstmord gönnen? Und was kostet die Sehnsucht? Danulat stellt brachiale Fragen in den Raum, Entschuldigung ist existenziell und von beeindruckender Konsequenz.

Eleonore Khuen-Belasi: Ruhig Blut

Wann betrifft uns ein Problem? Wann engagieren wir uns? Und was ist es (uns) wert, gerettet zu werden? Drei Frauen sitzen in weißen Plastikstühlen auf dem Bürgersteig und entdecken Risse im Asphalt. Mit ihren bloßen Händen, mit Spucke und Blut versuchen sie, diese zu kitten, um ihre Welt zusammenzuhalten. Während des so emsigen wie erfolglosen Scharrens entspinnen sich witzige, kluge Dialoge, in die sich per Fußnoten andere Stimmen einschalten, die vom Mikro- auf den Makrokosmos zoomen: Sie berichten von ökonomischen und sozialen Schieflagen, von Missständen und Aufständen. Und auch der aufrührerische Asphalt mit seinen Rissen und Verwerfungen mischt sich ein in den Disput um Identität und Engagement, um Macht und Ohnmacht. In einem sehr eigenen, poetischen Sound entwirft Eleonore Khuen-Belasis ruhig Blut ein absurdes Szenario, das gleichwohl über zahlreiche Ankerpunkte in der Gegenwart verfügt und eine reizvolle Einladung zum Spiel ausspricht.

Svealena Kutschke: Zu unseren Füßen, das Gold, aus dem Boden verschwunden

Ein Wohnhaus in Berlin. Darin: ein alter Trinker, ein lesbisches Paar, ein Geflüchteter, eine depressive Frau und ihr Ex-Mann. Um den Alltag, das Neben- und Miteinander dieser Sechs entspinnen sich zahlreiche Gegenwartsfragen wie Gentrifizierung und Verdrängung, vor allem aber unser Umgang mit Fremdem – mit Menschen, die uns nicht verständlich sind, sei es aufgrund von Kultur, Herkunft oder auch nur von Missverständnissen und verstellten Blicken. Die klar gezeichneten Figuren entwickeln verschiedene Strategien, um mit der Selbst-Entfremdung wie mit der Fremdheit in der Welt umzugehen, und wetteifern in einer Hierarchie des Elends um die besten Gründe, sich zugrunde zu richten. Svealena Kutschke zeichnet in zu unseren füßen das gold, aus dem boden verschwunden ein präzises Gesellschaftspanorama und lässt ihre Antiheld_innen so wortgewandt wie hochreflektiert zu Wort kommen: Ihre scheinbare Sprachmächtigkeit, die um die Hintergründe und Untiefen der eigenen Situation weiß, erzählt jedoch vor allem von der eigenen Ohnmacht.




Die Farben der Erde. Asien.

Die faszinierendsten Naturlandschaften in dem Bildband „Die Farben der Erde, Asien“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es gibt sie: Bildbände, wo Faktenwissen und brillante Fotos in einer sensiblen Kombination präsentiert werden. Kein Kontinent auf dem Globus zeigt eine größere Vielfalt von Klimazonen und Landschaftstypen. So reicht Asien von Polarwelten am 80. Grad nördlicher Breite bis hinab zum Äquator.

Anja Kaupert und Andrea Lammert sind für die präzisen und einfühlsamen Texte zur Begleitung der meist großformatigen Fotos verantwortlich.

Zwischen den Höhenzügen des Himalaya waschen Frauen auch noch heute in Bergbächen ihre Wäsche, singend, lachend und Geschichten austauschend.

Was für ein Segen! Mit dieser Kernaussage wird unserem technisierten und durchorganisierten westlichen Lebensstil mit seinen narzisstischen Auswüchsen und Depressionen ein Spiegel vorgehalten.
Weiter heißt es: Landschaften liegen so stumm da, als seien sie tot. Ja von weitem, aber die Bilder bringen dem Betrachter wichtige Details nahe; auf Farbtafeln mit Vögeln oder farbenprächtigen Pflanzen wird die Vielfalt des Lebens unter tropischen Verhältnissen offenkundig.

Gerade in Südasien, zwischen Afghanistan und Indochina lebt mehr als ein Fünftel der Menschheit. Dazwischen trennen die höchsten Gebirge mit alleine 14 Achttausendern Kultur- und Vegetationsregionen der unterschiedlichsten Art.

Dieser Band ist der vorläufig letzte einer Reihe von sehr gewichtigen Bildbänden – alle jeweils im Schuber. Sie widmen sich einzeln den Kontinenten (und der Heimat der Deutschen, der Bundesrepublik). Der erste Band erschien über den ganzen Globus, ein Band erschien über Deutschland allein, jedes Produkt sehr aufwändig gestaltet und gefertigt. Eine Meisterleistung ist die Bildauswahl, die eine monatelange akribische Arbeit erfordert, um zu dieser Zusammenstellung zu kommen.

Das Kompendium „Die Farben der Erde“ ist eines der derzeitig besten Vermächtnisse eines Verlages über die Naturschätze unseres bedrohten Globus.

Bibliographische Angaben

Die Farben der Erde, Asien, Die faszinierendsten Naturlandschaften des größten Kontinents, außergewöhnliches Großformat, Doppelseite 92,4 cm, 360 Seiten, 576 Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag und Schuber, Format: 36,2 x 29,5 cm, Verlag: Kunth, 1. Auflage, München 2018, ISBN: 978-3-95504-124-3; Preis: 98 EUR (D)

Aus dieser Reihe über Südamerika und die Antarktis:

Sinfonien in Bildern – Annotation zu den Farben der Erde „Südamerika und Antarktis“

Aus dieser Reihe über Australien und Ozeanien, also mit Traumzielen der Südsee:

Vom Ayers Rock nach Bora Bora – Annotation zum Bildband „Die Farben der Erde – Australien und Ozeanien“

Der Bildband über die Bundesrepublik Deutschland aus dem Kunth-Verlag:

Immer wieder „neu“: Deutschland – Annotation zum Bildband „Deutschland“




Oleg Jurjew

Zum Tod von Oleg Jurjew

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In der Nacht zum Donnerstag ist der deutsch-russische Schriftsteller Oleg Jurjew am 5. Juli 2018 in Frankfurt am Main gestorben. Er wurde 58 Jahre alt.

Der Romancier, Lyriker, Dramatiker, Übersetzer und nicht zuletzt literarische Essayist Oleg Alexandrowitsch Jurjew erblickte am 28. Juli 1959 in Leningrad das Licht der Welt.

Seit 1991 lebte der Sohn einer Hochschullehrerin für englische Sprache und eines Violinisten und Konservatoriumsdozenten mit seiner Frau, der Autorin Olga Martynova und seinem Sohn, dem Übersetzer Daniel Jurjew, in Frankurt am Main.

Jurjew, der 1982 an der Leningrader Hochschule für Volkswirtschaft und Finanzen in der Fachrichtung Wirtschaftsmathematik und Systemtheorie ein Studium absolvierte, veröffentlichte auf russisch (und in deutscher Übersetzung) die Romane „Frankfurter Stier“ (2001), „Spaziergänge unter dem Hohlmond“ (2002), „Der neue Golem oder Der Krieg der Kinder und Greise“ (2003) und „Die russische Fracht“ (2009), sowie mehrere Dramen (etwa „Kleiner Pogrom im Bahnhofsbuffet“ 1984) und zahlreiche Essays und Aufsätze zur Literatur.

Der Verbrecher-Verlag teilte per Pressemitteilung vom 6.7.2018 mit: „Zuletzt erschienen ‚In zwei Spiegeln. Gedichte und Chöre‘ (2012), eine überarbeitete Neuausgabe seines Romans ‚Halbinsel Judatin‘ (2014) sowie die Poeme ‚Von Zeiten‘ und ‚Von Orten‘ (jeweils 2015) und im Jahr 2017 schließlich sein erster auf deutsch verfasster Roman ‚Unbekannte Briefe‘.

Seine Texte sind ins Deutsche, Französische, Englische, Italienische, Tschechische, Polnische und Bulgarische übersetzt. 2010 erhielt Jurjew den mit 15.000 Euro dotierten Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil der Stadt Heidelberg…

Mit Oleg Jurjew verlieren wir alle einen wunderbaren Autor – und die Literatur hat einen großen und unermüdlichen Vorkämpfer für ihre Sache verloren.“

So muss man das schreiben.




Ballett (Symbolbild).

Verlangen hoch drei – Ballette von Stijn Celis, Jiří Kylián und Andonis Foniadakis

Saarbrücken, Deutschland (Kulturexpresso). Im für Millionen hervorragend renovierten Staatstheater Saarland gibt es Feuer und Ekstase – das Saarländische Staatsballett, ein internationales Ensemble choreographiert vom renommierten, belgischen Ballettdirektor Stijn Celis reißt alle zu Begeisterungsstürmen von den sehr bequemen Stühlen.

Drei Choreographien von weltberühmten Choreographen werden präsentiert: „Your Passion is pure joy to me“ (Musik ursprünglich von Johann Sebastian Bach), choreographiert von Stijn Celis wird von „Nick Cave and The Bad Seeds“ romantisch-dramatischen Songs untermalt, die sehr zu Herzen gehen. Seine Songs kreisen um das Thema Gläubigkeit und wie man trotz quälender Erinnerungen überleben kann, ohne zu zerbrechen. Die sieben TänzerInnen in legerer Alltagskleidung zeigen individuelle und eigenständige Ausdrucksformen in der Balance zwischen Leid und Trost, zwischen Schmerz und Heilung. Im Kontrast zu Caves Musik steht die Musik der Avantgardekünstler Pierre Boulez und Penderecki, die in der Mitte des Tanzwerks einen Kontrapunkt setzen mit kakophonischen Klangwelten. Am Ende versöhnt klanglich ein Klavierstück des kubanischen Jazzpianisten Gonzalo Rubalcaba – leichtfüßig und elegant von den TänzerInnen wiedergegeben – welch ein Hochgenuss.

Weiter geht es mit der Choreographie „27‘52“ von Kiri Kylián nach Musikmotiven aus Gustav Mahlers „Sinfonie Nr. 10“. Die sechs TänzerInnen bat Kylián vor der Inszenierung von ihnen selbst gewählte Texte zu sprechen, die dann während des Tanzes sowohl vorwärts als auch rückwärts abgespielt wurden. Sprüche des Kampfkunst-Schauspielers Bruce Lee oder „Darf ich Sie fragen, wer Sie sind?“ aus Martin Scorseses Film „Kundun“ über den Dalai Lama oder auch „Der Albatros“ von Charles Baudelaire werden hier tänzerisch kunstvoll und atemberaubend getanzt.

In der dritten Choreographie „Selon désir“ des Griechen Andonis Foniadakis geht dann endgültig „die Post ab“ – zur Musik von J.S. Bach (Eröffnungschöre aus der Matthäus- und Johannespassion). Was man sonst nur auf Fotos sieht, wenn sich Arme und Beine sehr schnell bewegen, ist hier life zu sehen – die Bewegungen sind so schnell, dass die Augen die Bilder nicht richtig zusammensetzen können und man Mehrgliedrigkeit zu sehen glaubt. Lange, wild herumfliegende Haare, alle in griechisch anmutenden Kostümen, die Tänzer tragen die typischen griechischen Röcke – Feuer und wilde Bewegung – es ist unglaublich, was das Ensemble hier an Feurigkeit zu bieten hat.

Laut Foniadakis geht es bei „Selon désir“ um einen Gang durch das Feuer – das Leben als permanenter Kampf. „Himmel“ und religiöser Aufschwung werden gefolgt von „Hölle“, dem Chaos der Seele, Seelenqualen, Anarchie.

Atemlos bleibt man als Zuschauer zurück – wunder-, wunderschön! Tosender Beifall des Publikums folgte.




Die Magie des Augenblicks von Mario Marino.

Beeindruckend – Der bombastische Bildband „Die Magie des Augenblicks“ von Mario Marino

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Mario Marino ist 1967 in Österreich geboren worden und heute in Deutschland lebender unabhängiger Fotograf, der als Mann hinter der Kamera Kinder, Frauen und Männer selbst dann in Würde und als Persönlichkeit abzubilden versteht, wenn das Drumherum, die Armut und das Elend der Belogenen und Betrogenen nur schwer zu ertragen ist.

Dass Marino „zu den leidenschaftlichsten und begabtesten Portraitfotografen unserer Tage“ zählt, wie der Bielefelder Verlag Kerber in seiner Pressemitteilung vom 8.2.2018 mitteilt, das sieht der an den offensichtlich emphatischen Erlebnissen und Erfahrungen nicht teilhabende Betrachten vom ersten Augenblick. Beim Blättern durch das dicke und großformatige Buch mit „164 Fotografien“, die laut Marino im Vorwort (S. 7) „zwischen 2013 und 2016 in Indien entstanden sind“, begreift man nach einigen Seiten Beachtung, dass man nicht unbedingt teilnehmender Beobachter hat sein müssen. Marino reicht. Und das ist gut so, denn alle Fotografen dieser Welt in Situationen wie jenen, die Marino auf dem indischen Subkontinent suchte und in Agra, Allahabad, Delhi, Jaipur, Jaisalmer, Jodhpur, Leh, Pushkar, Rnakpur und Varanasi  fand, das wäre Paparazzi-Porn nicht an Prominenten, sondern an einerseits Verlassenen und Vergessenen und andererseits …, aber sehen Sie selbst die Leute aus einem Land „von mrächenhafter Pracht und bitterer Armut“, wie Marino feststellt und ebenfalls im Vorwort festhält.

Dass die Bilder des Fotografen Marino längst in „zahlreichen Galerien und Museen national und intenational ausgestellt“ werden, „unter anderem in Amsterdam, Basel, Beijing, Berlin, Bristol, Brüssel, Dubai, Edinburgh, Essen, Genf, Köln, Miamu und München“, worauf der Kerber-Verlag hinweist, das wundern wenig, denn Fotografieren heißt für den in der Welt rumgekommenen Fotografen, diese „besser zu verstehen“ (S.7). „Wie ist das Leben in den Slums unserer Welt, wie sehen die täglichen Sorgen aus, welche Geschichte verbirgt sich hinter dem einzelnn Menschen?“, sind Fragen, die sich Marino nach eigenen Angaben stellt. „Anteil zu nehmen und die Persönlichkeit im Portrait zu verdichten, einzutauchen und mit der situation zu verschmelzen, darum geht es mir auf meinen Reisen“, ist die Weise, wie sich Mario Marino diesen Fragen nähert. Dass Bilder nur das Tüpfelchen auf dem i sind und nicht die auf den Begriff gebrachten Gegenstand, die Verhältnisse in einer Gesellschaft konfligierender Interessen, das ist leider so. Doch mit Bildern voll „unmittelbarer Eindringlichkeit“, die er laut Pressemitteilung „mit einfachen Mitteln und natürlichem Licht erreicht“, hält Marino den Verhältnissen den Spiegel vor, vielleicht bringt man sie auch zum Tanzen.

Bibliographische Angaben

Mario Marino, Die Magie des Augenblicks, Herausgeber: Thomas und Regina Starke, Texte: Ulrich Rüter, Sprachen: Deutsch und Englisch, Gestaltung: Daniel Lasetzke, 40 farbige und 125 s/w Abbildungen, 336 Seiten, Hardcover, gebunden, Format: 28,50 x 36,00 cm, Verlag: Kerber, 1. Auflage, Bielefeld Februar 2018, ISBN 978-3-7356-0444-6, Preis: 78 EUR, 95,78 CHF




Werner Schmidbauer

Werner Schmidbauer auf Solopfaden

Aschaffenburg, Deutschland (Kulturexpresso). Nach Jahrzehnten der Auftritte mit seinem Musikerkollegen Martin Kälberer hat sich Werner Schmidbauer zur Aufgabe gestellt, sein Publikum neu zu erobern.

Im Herbst diesen Jahres kam Werner Schmidbauer an den Untermain ins Hofgartenkabarett in Aschaffenburg. Kurz und bündig heisst der Titel auch „Bei mir“ Schmidbauer wird dabei auch sehr persönlich.

Nach einem Jahr ohne Auftritte auf deutschen Bühnen will er es wieder Wissen. Er hatte sich viel Zeit genommen und mit dem VW-Bus ganz allein Europa erobert. Das Soloprogramm ist so gestaltet das Schmidbauer versucht mit einer Geschichte zu erklären wie ein neues Lied entstanden ist. So bad seine fünfjährige Tochter den Vater auch mal ein Lied für und über sie zu schreiben. Manche Lieder konnten aber erst nach Jahren entstehen, weil der persöhnliche Bezug immer noch so ergreifend war.

Als Lied umgesetzt wurde auch die Trennung von seiner ersten Frau und Mutter seiner beiden Kinder. Als Familienmensch schafft es Werner Schmidbauer auch die Geschichte über den frühen Abschied von seinem Vater in ein Lied zu verwandeln.

Die Überraschung an diesem Abend war der gemeinsame Auftritt mit seinem 30-jährigen Sohn Valentin. Er zeigt seine eigene Persönlichkeit durch eigene Texte und eigene komponierte Lieder. Auch im Duo mit dem Vater kann der Generationswechsel sehr überzeugend auf der Bühne zelebriert werden.

Der Sohn sucht überzeugend seinen eigenen Weg in die Zukunft zu finden.

Auf der einen Seite die leisen Lieder mit viel Textinhalten und auf der anderen Seite die Lieder zum Mitsingen und Mitklatschen, eben das was das Publikum von Werner Schmidbauer erwartet.

Für alle Fans von Werner Schmidbauer die Information für das Jahr 2018. Im neuen Jahr findet das Projekt „Süden“ seine Fortsetzung. Mit den Kollegen Pollina und Kälberer geht es wieder auf Tournee, also jetzt schon freuen.




Tolles für Tisch und Wände – Zum Buch „Narrenhände“ von Christian Adam

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Normalerweise, aber was ist das schon, beschmieren Narrenhände Tisch und Wände. Dass der Autor dieser Annotation zum quadratisch Bilderbuch „Narrenhände“, bei dem sowohl die Handzeichnungen als auch die Texte von Christian Adam stammen, nicht nur Tisch und Wände beschmierte, das muss an dieser Stelle nicht besonders hervorgehoben werden.

Nun halte ich ein „unverkäufliches Freiexemplar“ des Buches „Narrenhände“ aus dem Heidelberger Verlag Morio in Händen und staune über den Humor, den die Zeichnungen offenbaren. Frivol und frech, das kann der 1941 in Oppeln, Oberschlesien, geborene Künstler, der in Köln, Frankfurt am Main, München und Berlin lernte und arbeitete.

Laut Wikipedia seien Adams Arbeitsschwerpunkte „die Malerei, Objekte (dreidimensionales Gestalten), Kunst am Bau, Brunnen, Installationen, Fotografie, neue Medien, Grafik und satirische Zeichnungen“. Prosa und Lyrik soll er „nebenbei verfasst“ haben. Ja, wenn das so ist.

Die in „Narrenhände“ versammelten satirischen Zeichnungen seien „ein Werk der Nachtstunden“, lese ich am Rande des Buches, betrachte – draußen vor der Tür ist es dunkel – bei einem leckeren Syrah aus dem Jahr 2015 vom Weingut Abbazia Santa Anastasia auf Sizilien die eine oder andere schöne Schweinerei, lese die im Seitenmittel zentrierten Randbemerkungen, schmunzle und runzle. Jawohl, ich schlutze und stutze ebenso bei den Bemerkungen wie bei den Bildern.

Richtig, dass Hans Gercke im „Trojanisches Pferd mit Fußangeln“ überschrifteten Vorwort darauf hinweist, dass Adams Kopfgeburten in „Narrenhände“ nicht voneinander getrennte werden, weil der Meister beider Medien es so wollte und „obwohl Texte und Bilder auch losgelöst von einander rezipiert werden können und ihre Verbindung für den Rezipienten nicht immer, zumindest nicht auf Anhieb, ersichtlich ist“, das hilft genau so wenig wie der Rote.

Eine Flasche auf dem Tisch scheint zu wenig für den Spott, der aus „Narrenhände“ Bände für Wände spricht. Noch einmal nach Sizilien. Subito.

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Christian Adam, Narrenhände, Handzeichnungen und Texte, mit einem Vorwort von Hans Gercke, 132 Seiten, gebunden, Format 200×200 mm, Bilder in Schwarz/Weiß und Farbe, Morio Verlag, Heidelberg 2017, ISBN: 978-3-945424-42-1, Preis: 19,95 EUR




Fassbinder für die Ewigkeit – Annotation zu „Illustriertes Werkverzeichnis 1969-1982“ von Rainer Werner Fassbinder mit dem Titel „Die Filme“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Grandios, fantastisch, einmalig, ein Schmuckstück… Unendlich sind die Superlative, um dieses wundervolle Buch zu beschreiben.

Frau Lorenz und Herr Schirmer haben einen Traum aller Fassbinder-Freunde erfüllt. Endlich gibt es eine fein bebilderte Kompilation aller filmischen Taten des unerreichten Meisters. Auf über 300 Seiten fächert sich sein Lebenswerk vor uns aus. Alle 44 Kino- und Fernsehfilme auf 1368 Filmbildern und 46 weitere Photographien. Dieses Buch schönt jede Bücherwand und ist ein Muss aller Fassbinderfreunde der Menschenwelt. Mit wohltuenden Texten angereichert, die nie schwafelig oder eitel rüber kommen, ist es die Ergänzung jeder Fassbindersammlung.

Ich kann allen nur raten, sich sehr schnell in die Buchhandlung ihrer Wahl zu begeben, bevor dieses Buch ausverkauft ist! Denn das wird sehr schnell der Fall sein.

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Lothar Schirmer und Juliane Lorenz (Hrsg.), R. W. Fassbinder, Die Filme, Illustriertes Werkverzeichnis 1969-1982, mit Texten von Laurence Kardish, Juliane Lorenz und Lothar Schirmer sowie Rainer Werner Fassbinder, 326 Seiten, 1414 Abbildungen, 24,5 x 30,5 cm, Softcover, Verlag Schirmer Mosel, München 2016, ISBN: 978-382-960698-1, Preis: 49,80 Euro