Sängerin Julia Zhao auf der IFA. Tanzgruppe auf der Bühne in Halle 9

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Was machte die Sängerin Julia Zhao auf der IFA? Frau Zhao, eigentlich Zhao Songzi beziehungsweise europäisiert Songzi Zhao (sprich Ssung-dse Dschau) singt nicht nur, europäisch wie chinesisch, sondern kann auch tanzen. Eine ganze Tanzgruppe erfreute in Halle 9 auf der Bühne die Messebesucher in ihren traditionellen Kostümen. Nicht nur Musik und Tanz, auch talkshowähnliche Formate wurden dort gezeigt im Rahmen eines chinesisch-deutschen (Kultur-) Austauschs.

Julia Zhao auf der IFA in Halle 9. Auf dem Berliner Messegelände in Charlottenburg. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Julia Zhao, wie sich die Sängerin hier für diejenigen nennt, die meinen, nicht in der Lage zu sein, ihren Namen aussprechen zu können, kam nach Deutschland um klassischen (Opern-) Gesang zu lernen. Zu studieren. In China sang und singt sie Peking-Oper. Dabei hat sie einen ganz eigenen Stil gefunden, beides zu kombinieren.

Julia Zhao auf der IFA in Halle 9. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Wir fragen sie, ob es noch jemand gäbe, der das tut. Die Antwort ist: Eigentlich nicht oder kaum, und die einzige Sängerin, die Frau Zhao auf Anhieb einfällt, ist bereits über 60 Jahre alt.

Julia Zhao auf der IFA in Halle 9. Im Hintergrund auf der Bühne: Logo der Stiftung deutsche und chinesische Kultur. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Wir versuchen, Julia Zhao auf Film zu bannen; keine einfache Aufgabe, eine tanzbegeisterte Sängerin zu photographieren, die sich gern bewegt. „Die Kamera ist zu langsam“, meint sie, während sie von einer Pose zur anderen wechselt.

Julia Zhao auf der IFA: Von Anfang an Musik

Julia Zhao unter dem Funkturm in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Geboren wurde die tanzende Sängerin als Zhao Songzi in einem Dorf in der Nähe von Zhangzhou (Dschang-dschou) in der Provinz Henan. He-nan bedeutet „südlich (nan) des Flusses“. Der Fluss (He) ist der Gelbe Fluss oder Huanghe, der so heißt, weil er viel Löss mit sich führt. Es ist der nördlichste der drei großen Flüsse, die auf einer kleinen Karte von China eingezeichnet sind.

Julia Zhao unter dem Funkturm in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Schon als Kind begann sie bei ihrem Onkel Musiktheorie zu lernen. Anfang der 1990er Jahre arbeitete sie in der Schule als Musiklehrerin. In der Grundschule und in der Sekundarstufe. Später trat sie an verschiedenen Orten auf. Da sie heute in Berlin lebt, ist ein Auftritt auf der IFA nur folgerichtig.

Julia Zhao auf dem Berliner Messegelände unter dem Funkturm in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Auf dem Messegelände erklingt allerorten Musik. Oft aus der Konserve, doch häufig auch live. Nicht nur tagelang im Sommergarten mit Rap und Pop, sondern auch an den Ständen wie zum Beispiel bei Siemens in Halle 1.1 regelmäßig Jazz zum Feierabend mit Nelson Müller und Band (17.15 bis 18 Uhr, Nähe Eingang Messe Süd). Chinesische Klänge, Tänze und Kostüme runden eine Messe ab, auf der von Technik made in China wirklich nicht zu wenig zu sehen ist.

Julia Zhao in Bewegung. Studie. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Hinweis: Auf der Bühne in Halle 9 wird unter anderem oder vor allem deutsch gesprochen. Eine schöne Abwechslung, da zum Beispiel die Supplier in der Station Berlin bei IFA Global Markets zwar von ihren Produkten viel verstehen, aber bei ihren Fremdsprachenkenntnissen vielfach noch Luft nach oben haben.

Julia Zhao zur IFA auf der Messe Berlin zwischen Sommergarten und großem Stern, im Hintergrund der Funkturm. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser




Agapemahl in der Kapernaumkirche mit Musik. Sängerin Julia Sunzi Zhao zu Gast

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Agapemahl – noch nie gehört? Das gibt es in Wedding am Ende der Karwoche kurz vor Ostern. Dem Vernehmen nach bedeutet es „Liebesmahl“. Man sollte die Feste feiern, wie sie fallen. In der Kapernaumkirche in Wedding im Berliner Bezirk Mitte hat man das getan. Sopranistin Songzi Zhao war ein Highlight dabei (sprich: Sunze Dschau).

„Feiern“ oder feiern

Das anlasslose „Feiern“ – wir „machen Party“, trinken Alkohol (warum eigentlich?) – ist ein störendes Wort der Jugendsprache, das sich verbreitet hat. Viele brauchen keinen Anlass und verwenden das Wort „feiern“ völlig falsch und irreführend. Selbst der Feierabend ist noch kein Grund, sich zu besaufen, zudem unter Kollegen mit Gruppenzwang.

Das Osterfest ist ein bewegliches Fest, das sich nach dem ersten Frühlingsvollmond richtet. Der wiederum nach der Tag-und-Nacht-Gleiche. Dadurch Osterfeierlichkeiten manchmal im noch frostigen März, manchmal so wie dieses Jahr 2019 n.Chr. bei strahlendem Sonnenscheine und einem fleckenlosen blauen Himmel. Dabei wärmte die Sonne durchaus schon kräftig. Im Berlin umgebenden Brandenburg gab es, auch wegen großer Trockenheit, die ersten Waldbrände. Da kann man sich nur wünschen, dass die Zahl der Nichtraucher und verantwortungsvollen Menschen steigt.

Ein echtes Fest ist mit Musik verbunden. Die gab es an Ostern in der Kapernaumkirche und dem dazugehörigen Gemeindehaus zuhauf. Nicht nur, wie man sich vorstellen kann, Gesang, sondern auch Instrumentalmusik zum Beispiel auf dem Flügel und der Geige. Seit sechs Jahren ist Julia Zhao in Deutschland. Sie steht in ihrer Musikausbildung kurz vor dem Abschluss. Die Sopranistin trug beim gründonnerstäglichen Agapemahl unter anderem das lange Johann Sebastian Bach zugeschriebene Lied “BIST DU BEI MIR“ vor, aus: „Diomedes, oder Die triumphierende Unschuld“ von Gottfried H. Stölzel (1690-1749). Es ist in Andante gehalten. Der im Dreivierteltakt gesungene Text reduziert sich auf den Satz „Bist Du bei mir, geh‘ ich mit Freuden zum Sterben und zu meiner Ruh‘“. Die Solistin sang es zeitnah zu „Von guten Mächten … (wunderbar geborgen)“, das Dietrich Bonhoeffer in seiner Zelle schrieb, nach dem er während des Krieges von den Nationalsozialisten eingekerkert wurde. Das Lied hat überlebt.

Das Agapemahl – schweigen und hören

Die Sängerin Songzi Zhao. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Das Agapemahl wurde unter dem Motto „ein ander ma(h)l – … schweigen, hören“ annonciert. Schon vor der Begrüßung erklang das Lied „Ich hab den Herrn allzeit“. Englisch kann man hier auch, so ertönte bald „Our God“ und dann der Psalm „Von allen Seiten“. Da ein gemeinsames Mahl folgte, bei dem das Brot gebrochen wurde, passte als Lied „Wenn das Brot“ selbstverständlich sehr gut.

Das letzte Abendmahl in der Kunst

In der Kunst ist „Das letzte Abendmahl“ sehr bekannt und wurde immer wieder nachgeahmt, teils auch satirisch aufs Korn genommen. Zu den originären Werken gehört das in der Lüneburger Nicolaikirche seit Jahrhunderten ausgestellte Bild, bei dem man auf den ersten Blick nur zwölf Personen sieht. Neben diesem sinnvollen Suchbild hängen hinter und neben dem Altar weitere wichtige Kunstwerke. Darunter die ersten mit Landschaftsdarstellungen der realistischen Art und solche mit goldenem sowie blauen Himmel. Die etwa 600 Jahre Nikolaikirche in Lüneburg in Hafennähe ist also nicht nur wegen ihrer über ein halbes Jahrtausend alten Architektur einen Besuch sicher wert, sondern schon allein wegen der einzigartigen Kunst.

Das Agapemahl, andere musikalisch begleitete österliche Veranstaltungen und ihre Sänger und Musiker

Musikalische Angebote der Kapernaumkirche in Berlin. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Das sogenannte Agapemahl in der Kapernaumkirche mit Musik war aus Sicht der Verantwortlichen ein voller Erfolg. Noch bevor die Arbeitswoche recht zu Ende war, versammelten sich an diesem Werktag schon um 18 Uhr mehrere Dutzend Gleichgesinnte zum gemeinschaftlich-besinnlichen Mahl mit Musikgenuss.

Musikalisch erheblich aufgewertet durch die Gastsängerin Julia Songzi Zhao, Silke Fischbeck (Gesang, Piano), Peter Darby (Geige) und an der Gitarre Markus Steinmeyer. Songzi Zhao (sprich Sungze oder Sunze, ‚o‘ wird mündlich zu ‚u‘) heißt in China Zhao Songzi, da im Reich der Mitte der Famlienname vorn steht.

Weitere Festveranstaltungen waren das Osterfeuer mit dem Gospel-Projektchor und Johannes Pangritz (Keyboard) und die Karfreitagsmusik mit Werken von Bach, Händel, Mozart und anderen. Kristina Haller spielte Blockflöte und Gambe, Sopran: Anne Haller, an der Orgel: Gesine Hagemann.




Nie wieder Rodeo – Kritik zum relativ unkritischen Film „Der Reiter“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Verstanden zu Zeiten, als der Norden Amerikas noch von Ureinwohnern gesäubert werden musste, die Einwanderer unter Rodeo das schnelle Einreiten von Wildpferden und die Arbeit mit dem Lasso, so ist das heute eine Schauveranstaltung, bei der keine Wildpferde einsetzt werden, sondern für wenig Geld gekaufte Tiere, die als „nicht reitbar“ gelten.

Das wird in dem Film „Der Reiter“ zwar nicht thematisiert, aber auch nicht verheimlicht, aber das Drehbuch und die Kamera (Joshua James Richards) rotieren um die raue und harte Prüfung menschlicher Fähigkeiten und um die Frage nach Männlichkeit und Mut, dem Sieg über die eigene Angst und die des ängstlichen Fluchttieres, das keine Chance hat – wie die Ureinwohner Nordamerikas keine Chance gegen die Einwanderer hatten.

Die Organisation PETA nennt Rodeo eine „billige und manipulierte Darstellungen der primitiven menschlichen Dominanz über Tiere, versteckt hinter einer mageren Verkleidung als Unterhaltung“. Das dokumentiert der Film, der als Neo-Western von Hofberichterstattern und solchen, die das werden wollen, abgefeiert wird, sehr selten. Chloé Zhao, die sowohl das Drehbuch schrieb als auch Regie führte, wollte wohl eine Erzählung über den jungen indianischen Pferdetrainer Brady Blackburn (Brady Jandreau), der in Folge eines verhängnisvollen Sturzes aus dem Sattel mit einer beinahe tödliche Kopfverletzung gezwungen ist, das Rodeo aufzugeben. Mit einer verkrampfenden Hand kann er im Notfall nicht rechtzeitig vom Pferd springen, aber immerhin noch gemütlich über die Prärie reiten.

Die Geschichte spiel in einem Indianereservat in South Dakota. Brady lebt fünf Jahre nach dem Tod seiner Mutter mit seiner geistig behinderten Schwester und seinem mehr oder minder von Alkohol abhängigen und nach Glücksspiel süchtigen Vater. American life also, wie er seltener gezeigt wird.

Das Besondere: die spielen sich alle selbst – der Hauptdarsteller, die Schwester und der Vater. Auch die anderen sind Laiendarsteller. Bradys bester Freund Lane Scott, ein einst erfolgreicher Rodeo-Champion, der seit einem Autounfall (im Film ist es ein Rodeo-Unfall) körperlich schwer behindert in einem Pflegeheim wohnt, ist ebenfalls in die Handlung einbezogen. Auch Cat Clifford spielt Cat Clifford, Terri Dawn Pourier spielt Terri Dawn Pourier, Tanner Langdeau spielt Tanner Langdeau und James Calhoon spielt James Calhoon.

Cool? Das fanden zumindest einige Cineasten, sie zeichneten die Filmemacher und vor allem Chloé Zhao mehrfach aus, obwohl der Film unkritisch mit dem Rodeo an sich umgeht, als sei das nur die Hintergrundrauschen oder -geschichte eines jungen Mannes auf seinem Weg ins Leben, der sich nicht fragt, wer es ist, aber scheinbar weiß, was er will.

Rodeo ist viel mehr. „Elektroschock-Stäbe, Stäbe mit scharfen Spitzen, ätzende Salben und anderes Folterwerkzeug, das in den USA bei Rodeos verwendet wird, um die Tiere zu reizen und in Wut zu bringen“, sei laut PETRA Tierquälerei. Die oft äußerst eng geschnürten Flankenriemen sind Folterwerkzeuge, damit die Tiere, die „Rodeo-Pferde“ bocken.

PETRA verweist zudem auf Dr. C. G. Haber, einem Tierarzt, „der 30 Jahre seines Lebens als Bundesfleischbeschauer in den USA zubrachte“. Haber sei „in Schlachthäusern tätig“ gewesen und habe „viele ausrangierte ‚Rodeo-Tiere‘, die zum Schlachten verkauft worden waren“ gesehen. Er beschrieb die Tiere als „so extrem mit Quetschungen und blauen Flecken versehen, dass diese Tiere nur noch am Kopf, Nacken, an Beinen und Bauch Haut auf dem Fleisch besaßen. Ich habe Tiere gesehen, die sechs bis acht Rippen vom Rückgrat gebrochen hatten, die ihnen teilweise sogar die Lunge durchstoßen hatten. Ich habe gesehen, wie sich sieben bis elf Liter Blut unter der abgelösten Haut gesammelt hatten.“

Nein, das alles zeigt der unkritische, bisweilen kitschige und dabei durchaus wirklichkeitsnahe Film nicht.

Filmografische Angaben

Originaltitel: The Rider
Deutscher Titel: Der Reiter
Land: Vereinigte Staaten von Amerika
Jahr: 2017
Regier und Buch: Chloé Zhao
Kamera: Joshua James Richards
Musik: Nathan Halpern
Schnitt: Alex O’Flinn
Länge: 104 Minuten
Altersfreigabe FSK ab 12