Über der Nordseeküste – Zum Buch „Faszination Nordseeküste“ fotografiert von Martin Elsen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Nordseeküste ist Heimat von Friesen und Sachsen, Dithmarschern, Holsteinern und Hansestädtern. Sie ist auch Urlaubsort für Bewohner des Binnenlandes. Warum es die Landratten immer wieder an die Nordseeküste zieht, darüber muss man an der Küste nicht viele Worte verlieren, zumal die oft ausdrucksstarken Bilder von Martin Elsen weit mehr sagen.

Elsen gilt als bekannter Luftbildfotograf, der es laut Verlag Koehler meisterhaft verstehe, „Dokumentarisches mit Künstlerischem zu verbinden“. Seine Bilder seien „brillante Ansichten aus der Vogelperspektive, die Raum für Entdeckungen bieten“ würden, zugleich „fein nuancierte Stimmungen“ vermitteln würden und „mitunter beinahe surreales Zusammenspiel von Landschaft, Licht und Farbe“.

Das klingt nicht nur gut, das sieht auch schön aus. Wasser und Watt, Inseln und Deiche, Leuchttürme, Häuser und Schiffe „von dort aus gesehen, wo sonst nur die Seevögel kreisen“, heißt es im Vorwort (S. 10). So kann man es sehen.

Bibliographische Angaben

Martin Elsen, Faszination Nordseeküste – Fotografien von Martin Elsen, Bildband mit 240 Seiten, Sprache: Titel ist zweisprachig Deutsch und Englisch, Format: 29,5 x 25,5 cm, Einband: Gebunden mit Schutzumschlag, Verlag: Koehler im Maximilian-Verlag, einem Unternehmen der TAMM Media, Oktober 2019, ISBN: 978-3-7822-1356-1, Preis: 29,95 EUR (D)




Spektakuläre Naturreservate in 864 Bildern auf 400 Seiten – Zum Bildband „Der Bioplanet“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es ist ein riesiger weltumspannender Fundus auf den dieser renommierte Verlag zurückgreifen kann. So sind aus allen Regionen der Erde repräsentative Bildbände erschienen. Frei von effekthascherischen Extremen betonen die Aufnahmen in diesem Buch das Ursprüngliche der Landschaften, ihre topografischen Besonderheiten, die natürlichen Farben. Dabei finden sich doppelseitige Panoramaaufnahmen ebenso wie ansprechend gegliederte Seiten mit ausführlichen Bildlegenden.

Hinzu kommen zahlreiche bebilderte Darstellungen der jeweiligen Pflanzen und Tiere vorgestellter Regionen, wie sie sich an die unterschiedlichsten Klimabedingungen und landschaftlichen Gegebenheiten angepasst haben. Denn selbst in den kältesten Gebieten oder in heißen Quellen ist Leben vorhanden.

Das Buch ist Botschaft und Appell an alle, denen die Bewahrung und Zukunft unseres Planeten am Herzen liegt – gerade in dieser Zeit, wo das Bewusstsein über die Verletzlichkeit der Schöpfung an internationaler Bedeutung gewinnt.

Bibliographische Angaben

Der Bioplanet – die spektakulärsten Naturreservate weltweit, 400 Seiten, 864 Abbildungen, gebunden mit Halbleinen, Sprache: Deutsch, Format: 23,1 x 29,5 cm, Verlag: Kunth, München 2019, ISBN: 978-3-95504-880-8, Preise: 49,95 EUR (D), 51,40 (A), 68 sFr




Naturlandschaften in Dänemark, Island und Norwegen – Annotation zum Bildband „Wilder Norden“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Im Namen des Bären könnte man sagen, denn der Name Arktis geht auf Arctos als Synonym für Bär zurück. Es reicht der Bilderreigen vom noch beinahe zu Mitteleuropa gehörenden Dänemark bis hinauf über den 80. Breitengrad am Nordrande Spitzbergens. Nach Ländern gegliedert werden zunächst die Naturräume vorgestellt. Dabei gewährt man auch großformatigen Panoramaseiten spektakulärer Landschaften breiten Raum. Zu den berücksichtigten Gebieten gehören Dänemark, Schweden, Norwegen, Island, arktische Inseln und die Färöer. Neben systematischer Präsentation der bekanntesten Naturräume widmet sich der Verlag mit Sonderseiten zum Beispiel Seehunden der Nordsee, der Vogelwelt Dänemarks oder den europäischen Braunbären.

Es ein sehr informatives Werk für Liebhaber/innen nordischer Landschaften. Sehr aktuell, da eben in Nordeuropa der Einfluss der Zivilisation am geringsten ist.

Bibliographische Angaben

Wilder Norden – einzigartige Naturlandschaften in Skandinavien, 424 Seiten, 729 Abbildungen, Einband gebunden mit Halbleinen, Format: 23,1 x 29,5 cm, Verlag: Kunth, München, 2019, ISBN: 978-3-95504-769-6; Preise: 36 EUR (D), 37 (A), 47,90 sFr




Rotes Hühnerblut auf weißem Schnee – Die Bandini-Romane: Zum Buch „Arturo Bandini, Die Trilogie“ von John Fante

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Fast wäre der amerikanische Autor John Fante in Deutschland vollständig in Vergessenheit geraten, doch dank der unermüdlichen Trommelei seines Übersetzers Alex Capus, erlebt der italienischstämmige Fante aktuell eine verdiente Renaissance.

Fante hat leider nichts mehr davon, er starb 1983 an den Folgen einer Zuckerkrankheit, die ihm bereits 1976 beide Beine, sowie das Augenlicht gekostet hatte. Seinen letzten Roman, der im vorliegenden Buch der dritte ist, diktierte er 1983 im Sterben liegend seiner Frau.

Er war 1983 nicht mehr auf der Höhe seiner Schaffenskraft, immerhin erschienen die ersten beiden Bandini-Romane „Wait until Spring, Bandini“ (dt. „Warte bis zum Frühling, Bandini“) 1938 und 1939 die Fortsetzung „Ask the Dust“ (dt. „Frag den Staub“). Warum er sich 1983 zu einer Fortsetzung entschlossen hat, ist mir nicht schlüssig. Vielleicht haben ihn die Geister der Vergangenheit zu sehr gequält?

Der erste Roman behandelt ein Weihnachten in der Jugend Bandinis. Der pubertierende Arturo hasst seine italienischstämmige Herkunft, besonders seine frömmelnde Mutter und den Bruder, ihre Armut kotzt ihn an, er dackelt verliebt einer gleichaltrigen Mitschülerin hinterher, die ihn für ein kleines dummes Tier hält. Er bewundert seinen Vater, ein selbstherrlicher Maurer, der um Weihnachten zur reichen Nachbarin verschwindet.

Es ist kalt, der Schnee plättet jedes aufkeimende Gefühl, die bösartige Oma kommt und wirft hämisch Kleingeld unter die Geschwister. Die Mutter nestelt gestört am Rosenkranz und wird langsam irre, indes Arturo den letzten noch lebenden Hahn der Familie in einem Wutanfall grausam tötet. Rotes Hühnerblut auf weißem Schnee, fast ein romantisches Bild.

Arturo Bandini ist das Alter Ego Fantes. Im zweiten Roman ist er ein kleiner, kompakter Mann geworden, nun nach Kalifornien, nach L.A. entschwunden, um Schriftsteller zu werden.

Wieder verliebt er sich hoffnungslos, diesmal ist es eine Barfrau. Er beleidigt sie aufs Widerlichste, weil sie einem anderen ihre Gunst schenkt, lebt in bitterer Armut und schreibt schmalzige Geschichten – bis das Wunder passiert und ein Verleger sein Talent erkennt.

Wer nun denken mag, es würde alles gut, hat die Rechnung ohne John Fante gemacht. Bandini ist immer im Kampfmodus, ein flackerndes Irrlicht im Kreuzfeuer seiner Leidenschaft.

Arturo Bandini wird pausenlos vom Leben hart gefickt, es ist ein dramatisches Hin und Her, dass man das Buch an die Wand klatschen möchte… doch es ist so gut, so überzeugend in seiner dokumentarischen Härte und Klarheit, bisweilen mild wie eine Sommernacht am großen Ozean… dann wieder bitter wie ein Mix aus kaltem Kaffee und stinkenden Kippen. In jedem Fall sind die Bandini-Romane große Werke eines Außenseiters der amerikanischen Literaturgeschichte, nicht ohne Grund ist das Vorwort von Charles Bukowski, dessen Vorbild Fante war.

Lasst Fante zu eurem Gott werden und rennt den Buchläden die Türen ein!

Bibliographische Angaben

John Fante, Arturo Bandini, Die Trilogie, Übersetzer: Alex Capus, 608 Seiten, gGebunden mit ausklappbarem Vorsatz, Verlag: Blumenbar, Berlin 2019, ISBN: 978-3-351-05055-9, Preis: 24 EUR (D)




SchleFaZ oder das Buch „Die 100 schlechtesten Filme aller Zeiten“ von Oliver Kalkofe und Peter Rütten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ein Bild von verroteten Tomaten präsentieren, das hätte prima gepasst, doch der vordere Buchdeckel mit der Titelseite des Buches „Die 100 schlechtesten Filme aller Zeiten“ geht auch.

Denn das, was Oliver Kalkofe und Peter Rütten auf gut und gerne 200 Seiten präsentieren, haut einen um und ist nur eine Schneeflocke auf der Spitze des Eisbergers aus millionenfachem Bewegtbild-Müll. Mehr Schrott bieten nur noch Staats- und Kapital-TV in deutschen Landen.

Ob die Filme, auf die sich Kalkofe und Rütten gestürzt haben müssen wie Schmeißfliegen auf Scheißhaufen, wirklich „so schlecht“ sind, dass das Anschauen schon wieder lustig ist“, das ist schwer nachvollziehbar. Bei mir fehlt schon das Nachvollziehenwollen.

Im Grunde genommen ist doch jeder Katastrophenfilm kacke und nicht nur „Airplane vs. Volcano“. Ob Musikfilm oder nicht, alle Filme mit Rudi Carrell sind zum Heulen wie ein Hund, nicht nur „Wenn die tollen Tanten kommen“. Hunde, kommen die eigentlich in der britischen Horrorkomödie „Strippers vs. Werewolves“ aus dem Jahr 2012 vor?

Ob mehr Monster in Monsterfilmen wie in den „Scharknado“-Streifen auftauchen oder in Erotikschwänken wie „Pudelnackt in Oberbayern“, das ist doch auch die Frage.

Von Killerfischen zum „Laserkill – Todesstrahlen aus dem All“ (Ein Zukunftsfilm aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten ist es gedanklich nur ein Katzensprung in der Schüssel. Sowohl für die bereits genannten Filme als auch für „Knightrider 2000 schlüften die Autoren in die Rollen von Darstellern. Oliver Kalkofe als David Hasselhoff? Hahaha! Kalkofe und Rütten sind auch „Captain America“ und „Der unglaubliche Mann mit den zwei Köpfen“, „Die Brut des Bösen“ und so weiter.

Wer`s mag, der kaufe das Buch derer, die bereits beruflich die schlechtesten Filme aller Zeiten (SchleFaz) schauen (müssen). „So richtig, richtig schlechte“ Film, „dass das Anschauen schon wieder lustig ist“. Man muss es zweimal schreiben, um es zu glauben.

Nebenbei bemerkt raten wir den Lohnarbeitern des Riva-Verlag zu Mut zum Flattersatz und größeren Schriftzeichen, auch bei kleinen Filmen.

Bibliographische Angaben

Oliver Kalkofe und Peter Rütten, Die 100 schlechtesten Filme aller Zeiten, 208 Seiten, fester Einband, Gewicht: 713 g, Verlag: Riva, München, September 2019, ISBN: 978-3-7423-1070-5, Preis: 19,99 EUR (D)




Literatur als Quiz? – Zum Buch „Das Literaturquiz“ von Maximilian Hauptmann und Stefan Kutzenberger

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Kulturwandel ist immer, oder? Dass immer mehr „Geschichten per Knopfdruck auf den Bildschirm geliefert“ werden, wie Maximilian Hauptmann und Stefan Katzenberger in ihrem 240 Seiten starken Buch „Das Literaturquiz“ aus dem Verlag Edition a schreiben, das ist wohl so wahr wie die Behauptung, dass „Netflix und ähnliche Dienste boomen“ würden. Shit happens, meine Herren!

Boomte nicht im alten Rom der Blödsinn mit der christlichen Religion, der sich zur römisch-katholischen Kirche konstituierte, mit dessen Segen auch Deutsche bombten? In einer Welt der Ware und des Spektakels müssen diejenigen, die im Kopf voraus sind, auch „Netflix und ähnliche Dienste“ ertragen. Einerseits.

Andererseits sollten ihre Antworten Kopfbomben sein, oder etwas nicht? Nichts gegen „123 Antworten, die Sie kennen sollten, um über Literatur mitreden zu können“, aber mehr als ein nettes Brimborium für die sich zum Bildungsbürgertum wähnenden Bluffer sind sie nicht. Immerhin bieten Hauptmann und Kutzenberger nicht nur Fragen in der Manier eines Hans Rosenthal und jedes Mal drei mögliche Antworten wie einst bei Michael Schanze, sondern die richtige darunter auch etwas ausführlicher, sodass der Wiener Verlag dessen Buch mit „Infotainment für Anspruchsvolle in Form eines Quizbuches mit 123 spannenden Fragen aus der Literatur“ anpreist, so falsch nicht liegt. Bleibt es am Ende nicht doch dabei, dass das ein Gaudi für die Möchtegern-Masse ist, die sich Klasse vorgaukelt?

Unter der Überschrift „123 Tore zur Welt“ heißt es eingangs (Seite 5): „1998 wechselte ich die Seiten und wurde vom Studenten der Literaturwissenschaft zum Lehrbeauftragten. Oft frage ich meine Studierenden, warum sie sich für dieses Studium entschieden haben. Die Antworten darauf haben sich in den letzten zwanzig Jahren stark verändert. Ende des vergangenen Jahrhunderts führte noch die Begeisterung für die Klassiker der Literaturgeschichte, für Goethe oder Thomas Mann, junge Menschen zur Literaturwissenschaft.

Einige Jahre später war ihre Motivation nicht mehr von so hohen bildungsbürgerlichen Maßstäben geprägt, sondern auffallend oft durch Harry Potter.

Ich fand das ganz in Ordnung, Literatur ist etwas Lebendiges und der Kanon der Werke, die »man gelesen haben muss«, verändert sich ständig. Doch heute, weitere zehn Jahre später, haben viele meiner Studentinnen und Studenten Harry Potter nur noch als Film gesehen, die Bücher dazu jedoch nicht gelesen.

Auf meine Frage nach dem Motiv für ihr Studium bekomme ich heutzutage immer wieder eine Netflix-Serie genannt.“

Kutzenberger scheinen das traurig zu finden und sich zu mühen, eine Lanze für die Literatur zu brechen, die „einfühlsamer, präziser und mitreißender“ sein könne als alle Harry-Potter- und Netflix-Filme zusammen. „Vor allem“ halte die Literatur „länger an“ und könne „auf geheimnisvolle Weise Teil des ganz persönlichen Lebens werden“.

Ob dieses besondere Literaturquiz den allgemeinen Kulturverfall bremsen kann, das darf bezweifelt werden.

Maximilian Hauptmann war übrigens Student bei Dr. Stefan Kutzenberger am Institut für Vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität Wien. Hauptmann studierte in Wien auch Philosophie. Seit 2015 arbeitet er zudem für die edition a.

Bibliographische Angaben

Maximilian Hauptmann, Stefan Kutzenberger, Das Literaturquiz, 123 Antworten, die Sie kennen sollten, um über Literatur mitreden zu können, 240 Seiten, gebundene Ausgabe, Verlag: edition a, Wien, 2019, ISBN: 978-3-99001-335-9, Preis: 16,90 EUR (A)




„Die drei Leben der Hannah Arendt“ gezeichnet und gelesen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Aha, Hannah Arendt hatte drei Leben. Zumindest in einem davon galt sie den einen als zu jüdisch, den anderen als nicht jüdisch genug.

Aus den drei Leben der Arendt beziehungsweise aus dem Buch “ Die drei Leben der Hannah Arendt“ von Ken Krimstein soll am 25. November 2019 im Auditorium der W.-Michael-Blumenthal-Akademie dessen Übersetzer Hanns Zischler lesen. Und weil ein Comic ein Comic ist, auch wenn er Graphic Novel genannt wird, dürfen die bunten Bilder nicht fehlen.

Krimstein werde direkt zeichnen. Die Stiftung Jüdisches Museum Berlin nennt das in einer Pressemitteilung vom 19. September 2019 „Live Comic Drawing“ und teilt mit, dass „Hannah Arendts Lebensweg in einer Graphic Novel nachzuzeichnen … eine herausfordernde Ausgabe“ sei. Eine Aufgabe ist das allemal, auch für Krimstein, der als Cartoons im „New Yorker“, „Punck“, dem „Wall Street Journal“ und anderen Publikationen ein großes Publikum erreicht.

Krimstein Cartoons würden „rasant und liebevoll ihren Lebensweg“ zeigen, der die 1906 als Johanna Arendt in Linden (heute Teil von Hannover) geborene Philosophin, Politikwissenschaftlerin und Publizistin 1933 aus dem Deutschen Reich über die Tschechoslowakische Republik, Italien, die Schweizer Eidgenossenschaft und Frankreich in die Vereinigten Staaten von Amerika führte.

Als Ihr Hauptwerk gilt das Buch „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“.

Veranstaltung

Bibliographische Angaben

Ken Krimstein, Die drei Leben der Hannah Arendt, Übersetzer: Hanns Zischler, 240 Seiten, Klappenbroschur, Verlag: dtv, München, 15. November 2019, ISBN 978-3-423-28208-6, Preis: 16,90 EUR (D)




Bauhäuslerinnen oder die Frauen des Bauhauses in Weimar – Zum Buch „Bauhausmädels“ von Patrick Rössler

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das gewichtige und 480 Seiten umfassende Buch „Bauhausmädels“ von Patrick Rössler ist laut englischem Untertitel „a tribute to pioneering women artists“ eine Hommage an die Bauhaus-Künstlerinnen. Ja, das i bleibt klein.

© Taschen

In „Bauhausmädels“ stellt Rössler wirklich nur die Wegbegleiterinnen der Moderne vor. Zu ihnen zählt er Ida Thal, Margarete Willers, Helene Nonne, Benita Otte, Marianne Brandt, Hedwig Arnheim, Lucia Schulz, Ilse Fehling, Grit Kallin, Margaret Scholl, Alice Vollmer, Marguerite Friedlaender, Ilse Frank, Adelgunde Stölzl, Friederike Dicker, Otti Berger, Irene Hecht, Alma Buscher, Lene Wulff, Immeke Schwollmann, Anneliese Fleischmann, Margarete Heymann, Alexandra Gutzeit, Louise Berkenkamp, Elsa Franke, Charlotte Weisz, Erna Niemeyer, Olga Okuniewska, Mila Lederer, Lore Leudesdorff-Engstfeld, Martha Erps, Lotte Beese, Gertrud Hantschk, Eleonore Enders, Irene Blüh, Grete Stern, Karla Grosch, Ruth Hollós, Marianne Gygg, Gertrud Herold, Marie Helene Heimann, Hilde Isoy, Meta Kuhr, Lotte Gerson, Katt Both, Käthe Schmidt, Etel Fodor, Monica Bella Ullmann, Margot Loewe, Iwon Scheerbarth, Elisabeth Jäger, Wera Meyer-Waldeck, Ellen Rosenberg, Annemarie Wilke, Annemarie Hennings, Elisabeth Beyer, Ivana Tomljenovic, Ljuba Monastirsky, Helene Bergner, Ruth Vallentin, Greten Köhler, Margaretha Reichardt, Margaret Leischner, Margaret Leiteritz, Catharina Louisa van der Mijll Dekker, Alice Grau, Tonja Rapoport, Margaete Dambeck, Edith Suschitzky, Elisabeth Henneberger, Hilde Rantzsch, Grete Krebs, Margot Meschke, Mathilde Reindl, Gerda Marx, Vlasta Jajek, Charlotte Voepel, Hilde Reiss, Lotte Rothschild, Marie Dolezelová, Elsa Franke, Annje Urias, Michiko Yamawaki, Ricarda Meltzer, Zsuzsanna Bánki, Gertrud Wysse Haegg und Judit Kárósz.

© Taschen

Diese 87 Frauen waren Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen, die in dem 1919 eröffnete Staatliche Bauhaus in Weimar lebten und lernten. Sie würden laut Taschen-Verlag „einen neuen, selbstbewussten Typus Frau verkörperten und ihr Recht auf künstlerische Selbstverwirklichung einforderten.“

Weiter heißt es: „Neue archivarische Funde vervollständigen darüber hinaus unser Bild der wenigen prominenten Bauhaus-Frauen wie Lucia Moholy, die, nach der Machtübernahme der Nazis aus Deutschland geflohen, ihr Archiv mit 650 Glasnegativen ihrer berühmten Architektur-, Objekt- und Porträtaufnahmen Gropius anvertraut hatte und später nur auf juristischem Wege ihr Urheberinnen- und Eigentumsrecht geltend machen konnte, Gertrud Arndt, die eigentlich Architektur studieren wollte, dann in der Weberei landete und sich schließlich ganz der Fotografie zuwandte, oder Marianne Brandt, die als erste Frau in der Metallwerkstatt des Bauhauses arbeiten durfte und deren Entwürfe für Leuchten, Aschenbecher und andere Haushaltsgegenstände bis zum heutigen Tag von Alessi verwendet werden.“

© Taschen

Das sind wahrlich viele Frauen beziehungsweise beachtliche Bauhäuslerinnen in einem „Bilder-„Buch für Gebildete. Der Verlag Taschen aus Köln teilt dazu mit, das in diesem Werk „bislang nie publizierte Portäts und neu entdecktes Archivmaterial sowie biografische Informationen … Einblicke in das Leben der Frauen“ geben würden, die von ihren Zeitgenossen „in einer Mischung aus Skepsis und heimlicher Bewunderung … schlicht als „die Bauhausmädels“ bezeichnet worden seien.

© Taschen

Sehen sie selbst! Die Bilder der Pionierinnen der Moderne sprechen für sich, der Text dazu und darum herum wird in den Sprachen Englisch, Deutsch und Französisch präsentiert.

Bibliographische Angaben

Patrick Rössler, Bauhausmädels, 480 Seiten, Format: 17 x 24 cm, Leinen, Verlag: Taschen, Köln, 2019, ISBN: 978-3-8365-6353-6, Preis: 30 EUR (D)




Nazibauern und andere miese Molche am Schwanz der Kuh – Zum Buch „Völkische Landnahme“ von Andrea Röpke und Andreas Speit

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit Jahren zieht es auch den Nazi und seine Lieben aufs Land, wo die Luft noch frisch, der deutsche Wolf noch zäh und die gute Kuh allzeit artig den Volkskörper ernährt. Keine Angst, ich habe nicht die Seiten gewechselt, der erste Satz ist ein bisschen ironisch gemeint, wenn sie wissen was ich meine. Denn man kann sie auch sehr gut auslachen, die jungen, mittelalten und alten Nazis, die „frei-sozial-national“ (Motto der Dorfgemeinschaft Jamel) ihr, gern auch veganes, Süppchen kochen.

Mit
„Völkische Landnahme“ liegt nun ein spannendes Buch zu
„Dorfnazis“ vor. Die Autoren Röpke und Speit erforschen seit
langem das rechte Treiben in der BRD, in diversen Publikationen
bringen sie die deutsche Öffentlichkeit auf den aktuellen Stand. Das
ist höchst löblich, natürlich nicht ungefährlich, weil es nicht
jedem in den Kram passt. Nazis sind in einigen ländlichen Regionen
zuweilen schon gefährlich nah an den Hebeln der Macht und wissen
natürlich ganz genau, wer ihnen durch das Öffentlichmachen ihres
ideologischen Wirkens weh tun kann.

Röpke und Speit nehmen uns mit auf einen Rundgang durch rechte, ländliche Infrastruktur. Die Nazis kümmern sich vielerorts um das aussterbende, alte Handwerk, betreiben ökologische Landwirtschaft und rennen mit langen Haaren und weiten Röcken über die Wiese. Sie sind mitunter nicht auf den 1. Blick als Faschos erkennbar, weil sie sich in die Dorfgemeinschaft integrieren und das Brauchtum pflegen. Sie haben eigene Zeitschriften, wie „Umwelt und Aktiv“. Dazu kommen freie Schulen, Kaufgruppen, Wehrdörfer, der ganze Mulm. Natürlich kämpfen sie mit allen Mitteln gegen die liberale Gesellschaft, sehen Europa als Identitätskiller und verbreiten ihr rechtsnationales Weltbild wo sie nur können. Sie infiltrieren Gemeinden und gehen in die Öffentlichkeit, weil sie meinen, ihre Zeit sei gekommen.

In sieben lesenswerten Kapiteln wird uns deutlich gemacht, wo der Feind steht, was er plant und wie er seinen Plan umsetzen will.

Ein Buch für noch ahnungslose Dorfbewohner, engagierte Bürger und den Verfassungsschutz, der bestimmt wieder von nichts weiß.

Bibliographische Angaben

Andrea Röpke und Andreas Speit, Völkische Landnahme, Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos, 208 Seiten, Abbildungen s/w: 25, Format: 12,5 x 20,5 cm, Broschur, Verlag: Ch. Links Verlag, Berlin, Juni 2019, ISBN: 3-86153-986-5, 18 EUR (D()




Der Geist Ernst Jüngers – Zum Buch „Ernst Jünger, Gespräche im Weltstaat, Interviews und Dialoge 1929-1997“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Obgleich Ernst Jünger bereits seit 22 Jahren tot ist, geistert er noch immer durch die Hirne vieler Intellektueller in Europa.

Als einer der ersten deutschen Autoren verkündete er schon frühzeitig die Idee vom „Weltstaat“, der nach dem Verschwinden der Nationalstaaten für ihn eine unvermeidbare Konsequenz im Zeitalter der Atombombe war. Nur so sah er die Menschheit befähigt, auch noch ein 22. Jahrhundert erleben zu können.

Gegenwärtig
erleben wird dank Trump, Putin und anderer geistloser und
zweitklassiger Populisten, die wahrscheinlich auch gern die letzte
Klippe zum Diktator erklimmen würden, einen Rückschritt auf dem Weg
zu „Love and Peace“.

Umso süßer ist es, sich Jüngers alte Interviews und Dialoge vorzunehmen und ein wenig in der Vergangenheit zu nippen.

Sechzig Jahre Kommentar zu Werk und Alltag. Natürlich lässt Jünger keine Fragen zu Sexualität und anderen für ihn schlüpfrigen sogenannten Boulevard-Themen zu, für ihn zählt das dubiose und vernebelte Große und Ganze. Manchmal lässt er sich aber doch von seinen Interviewpartnern aus der Reserve locken. Und gerade die ersten Texte im Buch sind weit entfernt von Heldenverehrung, er wird von einigen seiner Besucher als dünnlippiger, asketischer und aus der Zeit gefallener Widerborst beschrieben. Vielleicht wollte er aus Unsicherheit „einen auf dicke Hose“ machen, möchte man heute mitunter hineininterpretieren.

Nichtsdestotrotz, der umstrittene Autor, dem Zeit seines Lebens die Nähe zu rechten bis ultrarechtes Kreisen vorgeworfen und nachgewiesen wurde, zeigt sich als fixer Beobachter der Dinge des Dichterlebens.

Auch wenn die früheren Jüngerbände bei Klett-Cotta etwas prunkvoller rüberkamen, lohnt sich der Besitz dieses Buches, weil es die Lücke vom Dichter Jünger zum Alltagsphilosophen schließt, der sich auch profanen Fragen zuwendet.

Bibliographische Angaben

Rainer Barbey und Thomas Petraschka (Hrsg.), Ernst Jünger, Gespräche im Weltstaat, Interviews und Dialoge 1929-1997, 575 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Verlag: Klett-Cotta, Stuttgart 2019, ISBN: 978-3-608-96126-3, Preise: 45,00 EUR (D), 46,30 EUR (A)