„Unberührte Waldwildnis oder Urwald für alle – Zum Buch „Die Schönheit des Augenblicks, Natur im Nationalpark Bayerischer Wald“ von Steffen Krieger

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Bunte Bilder von „unberührter Waldwildnis“ von der ersten bis zur letzten Seite bietet der 176 Seiten starke Bildband „Die Schönheit des Augenblicks, Natur im Nationalpark Bayerischer Wald“ von Steffen Krieger.

Über die „unberührte Waldwildnis“, den Urwald beziehungsweise den Bayerischen Wald schreibt Dr. Franz Leibl, Leiter der dortigen Nationalparkverwaltung, im Vorwort, dass er „eine Artenvielfalt“ böte, „die ihresgleichen“ suche. Sein Credo und das seiner Kollegen laute: „Natur Natur sein lassen.“ Das sollten sogar Laien hören und sehen, denn die „Tier- und Pflanzenwelt“ unterscheidet sich „deutlich von Wirtschaftswäldern“.

Wohl wahr und deswegen wäre es wichtig und richtig, private Waldbesitzer zu enteignen, damit Wald in deutschen Landen Gemeinschaftseigentum wird und wieder Wald sein darf, statt einen Anschein davon zu erwecken.

Wie schön so eine Waldwildnis sein kann, zeigen die Bilder des „seit vielen Jahren ehrenamtlich für den Nationalpark als Waldführer im Einsatz“ tätigen Steffen Krieger, der sich laut Leibl im Bayerischen Wald bestens auskenne. Dass er sich mit seiner Kamera auch bestens auskennt, das beweist der Bildband, über den der Südost-Verlag notiert: „Der Naturfotograf Steffen Krieger zeigt mit faszinierenden Aufnahmen durch die Jahreszeiten seine ganz persönliche Sicht auf dieses Schutzgebiet im Osten Bayerns an der Grenze zu Tschechien. Dabei ist es sein Wunsch, den Sinn für die Verletzlichkeit der Natur, ihre Schönheit und Schutzbedürftigkeit zu schärfen.“

Bei Vollmond und Wolf, Biber und Buche, Kauz und Kastanie, Reh und Ringelnatter, Auerhahn und Arnika, Luchs und Lilagold-Feuerfalter und so weiter und so fort ist Krieger genau das mit seinen schönen Bildern gut gelungen. 

Bibliographische Angaben

Steffen Krieger, Die Schönheit des Augenblicks, Natur im Nationalpark Bayerischer Wald, 176 Seiten, Abbildungen: durchgehend farbige Abbildungen, Hardcover, Format: 27 x 24 cm, Südost-Verlag in der Battenberg Gietl Verlag GmbH, 1. Auflage, Regenstauf, 2018, ISBN: 978-3-86646-786-6, Preis: 29,90 EUR (D)




Annamirl Zuckerschnirl: Edelweiß & Steckerleis

„Holzbetten krachen, Mieder platzen und Heuballen brennen“ – Zum schlüpfriger Heimatroman „Edelweiß & Steckerleis“ von Annamirl Zuckerschnirl

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Annamirl Zuckerschnirl ist anstößig und will das auch sein mit ihrem angeblich erotischen Heimatroman „Edelweiß & Steckerleis“.

Dass die blau-weiße und Bayern genannte Welt weit mehr zu bieten hat als Rekordmeister und Rekord(steuer)betrüger, hohe Berge und tiefe Dieselsümpfe, Hofbräuhaus und Hitlerputsch, Schickerie und (Märchen-)Schloss.

Die Bewohner Bayerns würden „ganz besonders gerne flirten, bussln und auf d’Stanz gehen“ wie der Südost-Verlag mitteilt und zwar „von Miederhausen bis zur Reiteralm sind paarungswillige Bayern auf der Suche nach der Liebe – oder einfach nur dem nächsten Gspusi.

So auch Anderl, Fridl, Sepp und Vinz, die bei einem feuchtfröhlichen Abend den Plan schmieden, es wieder einmal richtig krachen zu lassen. Als Anderl von seinem Onkel die Reiteralm erbt, erhoffen sich die vier Freunde unvergessliche Erlebnisse und machen sich auf die Reise zur urigen Almhütte. Begeben Sie sich mit den Burschen auf ein frivoles Abenteuer in luftigen Höhen und werden Sie Zeuge, wie Holzbetten krachen, Mieder platzen und Heuballen brennen – denn eins ist sicher: Obandln is unter weiß-blauem ­Himmel – bsonders schee und a bisserl was geht fast ollawei!“

Bibliographische Angaben

Annamirl Zuckerschnirl, Edelweiß & Steckerleis, Ein erotischer Heimatroman, 168 Seiten, Format: 13,5 x 20,5 cm, Klappenborschur, Südost-Verlag  in der Battenberg Gietl Verlag GmbH, 1. Auflage, Regenstauf, 2018, ISBN: 978-3-95587-737-8, Preis: 14,90 EUR (D)




Präsentation des neuen Kalenders „Dreaming“ von Albert Watson in Mailand

Mailand, Italien (Kulturexpresso). Kalender führen ihr notwendiges Eigenleben in einer verplanten Welt. Der Digitalisierung trotzt ein Traditionskalender aus Mailand. Eine starke Marke macht es möglich. Albert Watson wurde als Fotograf erwählt. Er ist von Geburt an auf einem Auge blind. Seine Aufnahmen sollen wirken, als hätte man die Einzelbilder eines Films vor sich.

Ewige Nörgler könnten anmerken, dass wieder Männer Frauen fotografieren. Dagegen sprechen der Kalender 2000, den Annie Leibovitz aufnahm, und viele männliche Fotomodelle. Und das Frauenbild? Der halbblinde Albert Watson schuf nicht umsonst eine Situation, aus der „ein positives Bild der Frau von heute entspringt“ (siehe unten).

Die Qualität der Photos ist hoch und macht sie zur Photo-Kunst.

Zu dem Kalender erreichte uns am Präsentationstag 5. Dezember 2018 frisch aus Milano aus dem feinen Italia folgende Pressemitteilung: – „Dreaming heißt der Pirelli-Kalender 2019. Seine Aufnahmen erzählen die Geschichte von vier Frauen, ihren Erwartungen und ihrem Bemühen, ihre Ziele zu erreichen. Wobei jede von ihnen den eigenen Träumen und Leidenschaften folgt.

Der Fotograf der sechsundvierzigsten Ausgabe des legendären Kalenders, die heute im Pirelli Hangar Bicocca präsentiert wird, ist Albert Watson. Er machte die Aufnahmen im vergangenen April in Miami und New York. Vor seiner Kamera agierten Gigi Hadid, Alexander Wang, Julia Garner, Misty Copeland, Calvin Royal III., Laetitia Casta und Sergei Polunin.

Leidenschaft für den Film

„Die vierzig Aufnahmen in Farbe und Schwarzweiß, Format 16:9, können Albert Watsons große Leidenschaft für den Film nicht verhehlen. „Als ich das Projekt in Angriff nahm“, erklärt Watson, „wollte ich es anders machen als meine Vorgänger und ich fragte mich, wie das wohl am besten zu realisieren sei.

Ich wollte qualitativ hochwertige Aufnahmen mit Tiefe, die etwas erzählen. Ich wollte mehr, als einfach nur Personen abbilden. Jede Aufnahme sollte den Eindruck entstehen lassen, man habe das Einzelbild eines Films vor sich. Jeder, der den Kalender betrachtet, soll erkennen, dass ich die Frauen, die vor meiner Kamera agierten, entdecke und eine Situation schaffe, aus dem ein positives Bild der Frau von heute entspringt“. Als der Fotograf erläutert, wie er den Kalender realisierte, erzählt er von seinen eigenen Träumen sowie den Mühen und Opfern, die mit ihnen verknüpft sind“:

Träumen, ohne die Leiter in einem Sprung bis nach ganz oben erklimmen zu wollen

„Wenn man einen Traum verwirklichen will, muss man hart dafür arbeiten. Ich bin dabei stets schrittweise vorgegangen und habe ein Ziel nach dem anderen erreicht, ohne die Leiter in einem Sprung bis nach ganz oben erklimmen zu wollen. Obwohl ich bisweilen den Eindruck habe, diese Leiter steigt bis ins Unendliche empor, wobei die oberste Sprosse sich immer weiter entfernt, glaube ich doch, dass es sich lohnt, immer höhergesteckte Ziele und Träume vor Augen zu haben.“

„Jede der vier Frauen“, fährt er fort, „hat ihre eigene Individualität, ein ganz besonderes Ziel im Leben und ihre eigene Art zu handeln. Jede von ihnen blickt auf ihre Zukunft. Das Grundthema des gesamten Projekts sind die ‚Träume‘, präsentiert als Erzählung in vier ‚kleinen Filmen‘. Was ich vermitteln wollte, waren die Hoffnungen der Protagonisten und ihre Art, über die Zukunft nachzudenken, und das derart, das der Aspekt des Träumens mitschwingt.“

Gigi Hadid. © Pirelli-Kalender 2019, Albert Watson

Ein Beispiel dafür ist die Figur, die Gigi Hadid dargestellt. Sie hat sich von ihrem Lebensgefährten getrennt und lebt einsam in einem Glasturm. In Alexander Wang findet sie ihren einzigen Freund und Vertrauten. „In diesen Bildern liegt für mich ein Hauch von Melancholie. Mit der Figur von Gigi Hadid wollte ich das Bild einer Frau vermitteln, die in die Zukunft blickt, doch mit einem Gefühl der Einsamkeit. Wir sehen sie, wie sie darüber nachdenkt, wohin sie gehen wird und was sie morgen tun wird. Ich wollte sie und das Ambiente, das sie umgibt, wesentlich „minimalistischer“, als bei den anderen Stories.“

Die Frau, die die Natur liebt – und die Einsamkeit

Julia Garner in einem Garten in Miami. © Pirelli-Kalender 2019, Albert Watson

Julia Garner übernimmt die Rolle einer jungen Fotografin, welche die Natur und die Einsamkeit liebt. „Julia ist eine sehr erfahrene Schauspielerin und hat sich perfekt in ihre Rolle hineinversetzt. Sie fotografiert botanische Motive und träumt davon, ihre Fotos erfolgreich auszustellen. Wir haben die Aufnahmen in einem wunderschönen tropischen Garten in Miami gemacht, der sich für unsere Arbeit als perfekt erwies.“

Misty Copeland oder die Frau, die eine große Balletttänzerin werden will

Auch Misty Copeland, der im Kalender Calvin Royal III. zur Seite gestellt wird, blickt in die Zukunft und träumt davon, sich in der Welt des Balletts einen Namen zu machen. „Das Streben nach Erfolg ist ihre Antriebskraft. Die von Misty Copeland dargestellte Figur tanzt in einem Lokal, um sich ihren Unterhalt zu verdienen. Aber in ihrem Garten hat sie eine kleine Bühne errichtet, auf der sie tanzt, um ein Star zu werden, manchmal mit ihrem Verlobten, dargestellt von Calvin Royal III.“

Laetitia Casta verkörpert eine Malerin, die mit ihrem Freund, dargestellt von Sergei Polunin, in einer Einzimmerwohnung lebt, die ihr auch als Atelier dient. Beide träumen vom Erfolg, sie als Malerin, er als Tänzer. „Das Interessante ist“, erzählt Watson, „dass sich Laetitia in ihrer Freizeit wirklich der Skulptur widmet und Kunstgegenstände kreiert. Dieser günstige Zufall hat es ihr erleichtert, sich in ihre Rolle hineinzuversetzen. Wir haben beschlossen, auch im Freien zu fotografieren, um die Szene in ein natürliches Licht zu setzen. Miami und seine tropische Natur sind eine wesentliche Komponente des Bildes.““

Das Team hinter dem Kalender „Dreaming“

„FOTOGRAF ALBERT WATSON KUNSTDIREKTION BARON & BARON EXECUTIVE PRODUCTION THE PRODUCTION CLUB PRODUCTION DESIGNER STEVE KIMMEL“

Photomodelle: „LAETITIA CASTA, MISTY COPELAND, JULIA GARNER, GIGI HADID, SERGEI POLUNIN, CALVIN ROYAL III., ALEXANDER WANG MODEL ASTRID EIKA.“

„CASTING DIRECTOR PIERGIORGIO DEL MORO POST PRODUCTION EMI ROBINSON PHOTO ASSISTANT TARO HASHIMURA DIGITAL TECHNICIAN ADRIEN POTIER CALLIGRAPHER NICOLAS OUCHENIR ATELIER NICOLAS OUCHENIR REPRESENTED BY ZZO MAKE UP ARTIST JAMES KALIARDOS HAIR STYLIST KERRY WARN PROP STYLIST ARNOLD BARROS STYLIST JULIA VON BOEHM WITH THANKS TO ALLISON BORNSTEIN SET DECORATOR BELINDA SCOTT“

Das vollständige Interview mit Albert Watson

Das Kalenderprojekt

„Wie sind sie das Projekt des Pirelli-Kalenders angegangen?“
„Der Pirelli-Kalender ist für jeden Fotografen ein einzigartiges Projekt. Als ich es in Angriff nahm, wollte ich es anders machen als die Fotografen vor mir und ich fragte mich, wie ich das wohl am besten realisiere. Ich suchte nach qualitativ hochwertigen Bildern mit Tiefe, die etwas erzählen. Ich wollte mehr machen als einfach nur Personen abbilden. Alles sollte den Eindruck entstehen lassen, man habe Einzelbilder eines Films vor sich. Ich möchte, dass die Betrachter des Kalenders verstehen, dass ich pure Fotografie machen wollte, dass ich die Frauen, die vor meiner Kamera agierten, entdecken und eine Situation schaffen wollte, aus der ein positives Bild der Frau von heute entspringt.“

„Wie haben Sie das Projekt dann angelegt?“

„Ich wollte sichergehen, eine aussagekräftige Story zu haben und dachte: „Versuchen wir, die Aufnahmen wie die Einzelbilder eines Films wirken zu lassen“. Die Aufnahmen wurden als Panoramabilder gemacht, was ziemlich aufwändig war. Jede der vier Frauen hat eine eigene Individualität, ein ganz besonderes Ziel im Leben und ihre eigene Art zu handeln. Und alle blicken auf ihre Zukunft. Das zugrunde liegende Thema sind also die ‚Träume‘, aber der Grundgedanke des gesamten Projekts ist die Erzählung in vier ‚kleinen Filmen‘.“

„Können Sie uns etwas zu den Geschichten sagen, die Sie in Ihren Kalender beleben?“

„Jede Figur übernimmt im Pirelli-Kalender 2019 eine Rolle. Bisweilen nähert sich die Rolle dem an, was ihre Darstellerin im Leben macht. Doch letztlich spielen alle einfach eine Rolle. Sie sind nicht sie selbst. Und das ist es, was ich wollte.“

Die Rollen der Frauen: Einsam in die Zukunft blickend …

„Die Frau, die Gigi Hadid wird, hat sich kürzlich von ihrem Lebensgefährten getrennt. Sie hat einen Vertrauten, dargestellt von dem Modedesigner Alexander Wang. Er hilft ihr, diesen schwierigen Moment zu überwinden. In diesen Bildern liegt für mich ein Hauch von Melancholie. Mit der Figur von Gigi Hadid wollte ich das Bild einer Frau vermitteln, die mit einem Gefühl der Einsamkeit in die Zukunft blickt. Ich wollte, dass sie wesentlich ‚minimalistischer‘ erschien als die anderen Frauen, die ich fotografiert habe. Und ich wollte, dass sie sich in den Umgebungen widerspiegelt, in denen ich sie dargestellt habe. Die anderen Protagonisten agieren vor üppigen Hintergründen, und auf fast allen Aufnahmen ist Aktion zu sehen.“

… oder in Aktion: der Fotograf fotografiert eine „Fotografin“ …

In Schwarzweiß: Julia Garner. © Pirelli-Kalender 2019, Albert Watson

Julia Garner übernimmt die Rolle einer Fotografin, die botanische Motive aufnimmt und davon träumt, ihre Fotos erfolgreich auszustellen. Julia ist eine sehr erfahrene Schauspielerin und hat sich perfekt in ihre Rolle hineinversetzt. Wir haben die Aufnahmen in einem wunderschönen tropischen Garten in Miami gemacht, der sich für unsere Arbeit als perfekt erwies. Misty Copeland und Calvin Royal III. stellen zwei Tänzer dar, die in einer Wohnung im Stil des Art Déco leben. Sie träumt davon, ein Star zu werden und in Paris zu tanzen. Wie sie in die Zukunft blickt, hat sie ein Ziel vor Augen. Das Streben nach Erfolg ist ihre Antriebskraft.

… eine „Tänzerin“ und eine „Malerin“

Die von Misty Copeland dargestellte Figur tanzt in einem Lokal, um sich ihren Unterhalt zu verdienen. Aber in ihrem Garten hat sie eine kleine Bühne errichtet, auf der sie tanzt, manchmal mit ihrem Verlobten, dargestellt von Calvin Royal III.

Misty Copeland ist die „Balletttänzerin“. © Pirelli-Kalender 2019, Albert Watson

Die von Laetitia Casta dargestellte Künstlerin lebt in einer Einzimmerwohnung, die ihr auch als Atelier dient und die sie mit ihrem Lebensgefährten teilt, dargestellt von Sergei Polunin. Beide träumen vom Erfolg: sie als Malerin, er als Tänzer. Das Interessante ist, dass sich Laetitia in ihrer Freizeit wirklich Skulpturen widmet und Kunstgegenstände kreiert. Dieser günstige Zufall hat es ihr erleichtert, sich in ihre Rolle hineinzuversetzen. Wir haben beschlossen, auch im Freien zu fotografieren, um die Szene in ein natürliches Licht zu setzen. Miami und seine tropische Natur sind eine wesentliche Komponente des Bildes.“

Albert Watson, Alfred Hitchcock und das Licht

„Welche Rolle hat das Licht in diesem Projekt gespielt?“
„Die erste berühmte Persönlichkeit, die ich als junger Fotograf abgelichtet habe, war Alfred Hitchcock. Er sagte zu mir: „Mein lieber Junge, wenn das Storyboard beendet ist, ist auch der Film beendet. Ich muss ihn nur noch drehen.“ Das Wesentliche dieser Aussage blieb mir immer in Erinnerung. Der Kalender 2019 ist wie das Storyboard eines Films. Ich habe es gut getroffen, denn ich habe eine vierjährige Ausbildung als Grafiker gemacht und dann drei Jahre die Royal College of Art Film School besucht, wo ich Regie studierte. Ich habe nie einen Fotokurs besucht und musste also lernen, Fotos zu machen und mit dem Licht zu arbeiten.

Die technischen Aspekte der Fotografie waren für mich immer schwierig, denn ich hielt sie für unnatürlich. Rein intuitiv war es für mich dagegen ganz natürlich, einer filmischen Ästhetik zu folgen. Ein Großteil meiner Arbeit basiert auf grafischen Aspekten und Filmstreifen, mitunter auch auf einer Mischung daraus. In dieser Hinsicht war es für mich einfach, mich in den Kalender einzuarbeiten und Bilder wie Einzelbilder eines Films zu erzeugen. Es ging um ein Verschmelzen all der verschiedenen Elemente, um daraus eine Story entstehen zu lassen. Der gemeinsame Nenner besteht darin, dass jede der dargestellten Figuren dynamisch ist. Sie denken an ihre Zukunft und träumen davon, wo sie in fünf, zehn oder zwanzig Jahren sein könnten.“

Albert Watson: Bessere Arbeit, wenn ich mich mit den Menschen wohlfühle

„Wie hat Ihnen die Arbeit am Set gefallen?“
„Ich weiß, dass einige Personen am besten arbeiten, wenn am Set Spannung herrscht. Nur so können sie ihre Kreativität voll freisetzen. Für mich trifft das genaue Gegenteil zu. Wenn ich mich mit Personen amüsiere, wenn ich mich in ihrer Gesellschaft wohl fühle und mit ihnen Spaß habe, kann ich aus ihnen wesentlich mehr herausholen. Manchmal sage ich den jungen Fotografen, entscheidend sei die Location, die Location und nochmal die Location, doch bei einem Projekt wie diesem heißt es Vorbereitung, Vorbereitung und nochmals Vorbereitung.

Je mehr man sich auf eine Arbeit vorbereitet, desto kreativer wird sie sein. Es gilt nachzudenken und zu programmieren, programmieren, programmieren. Das ist es, was wirklich zählt. Ich hatte großartige Unterstützung, als ich die Atmosphäre für den Kalender schuf. Steve Kimmel war der künstlerische Leiter, zusammen mit Arnold Barros und Belinda Scott, und sie haben ausgezeichnete Arbeit geleistet. Dank ihres Engagements war alles perfekt. James Kaliardos hat sich um die Schminke gekümmert. Seine Arbeit war fantastisch, schön, unsichtbar, aber dennoch präsent.

Die Frisuren, um die sich Kerry Warn kümmerte, wirkten bei allen Frauen ganz natürlich. Er hat viel Erfahrung beim Film gesammelt und war für dieses Projekt genau der richtige. Julia Von Boehm kümmerte sich um das Styling und das Fashion Editing. Außerdem hatte ich mein eigenes Assistenten-Team mit Taro Hashimura und Ed Smith. Alles Digitale wurde gesteuert von Adrien Potier, und Emi Robinson hat wunderbare Retuschen gemacht. Alle haben einen großen Beitrag geleistet, und am Ende war der Kalender wohl eher ein filmisches Projekt als ein fotografisches.“

Haben Sie Ihre Träume verwirklicht?

Eine Frage an Albert Watson und jeden von uns

„Glauben Sie, dass Sie Ihre Träume verwirklicht haben?“

„Wenn man einen Traum verwirklichen will, muss man hart arbeiten. Ich bin dabei immer schrittweise vorgegangen und habe ein Ziel nach dem anderen erreicht, ohne die Leiter sofort bis ganz nach oben erklimmen zu wollen. Obwohl ich manchmal den Eindruck habe, dass diese Leiter ins Unendliche emporsteigt und sich die oberste Sprosse immer weiter entfernt, glaube ich doch, dass es sich lohnt, immer höhergesteckte Ziele und Träume vor Augen zu haben.“

Biografie von Albert Watson

„Albert Watson wurde in Edinburgh geboren und wuchs dort auf. Er studierte Graphic Design am Duncan of Jordanstone College of Art and Design in Dundee sowie Film am Royal College of Art in London. Obwohl er von Geburt an auf einem Auge blind ist, nahm er Fotografie in seinen Studienplan auf. 1970 ging er mit seiner Ehefrau Elizabeth, die eine Stellung als Grundschullehrerin in Los Angeles erhalten hatte, in die USA und er begann, sich als Hobbyfotograf zu betätigen. Heute ist Albert Watson einer der erfolgreichsten und schöpferischsten Fotografen weltweit. Dies hat er seiner ganz persönlichen Fähigkeit zu verdanken, Kunst, Mode und Werbefotografie miteinander zu verschmelzen“ und so äußerst symbolträchtige Bilder zu schaffen.

„Die Vielfalt und der Umfang seines Schaffens sind ohnegleichen: das Spektrum reicht von Aufnahmen von Alfred Hitchcock und Steve Jobs bis hin zu den Beauty Shots von Kate Moss, von den Landschaftsaufnahmen in Las Vegas bis hin zu den Stillleben der Grabbeigaben des Königs Tutanchamon.

Seine Fotografien sind in den Galerien und Museen der ganzen Welt zu sehen, und die Zeitschrift «Photo District News», quasi die Bibel der Fotografie-Branche, nahm Albert in ihre Liste der zwanzig einflussreichsten Fotografen aller Zeiten auf, neben Namen wie Irving Penn und Richard Avedon. Watson gewann zahlreiche Preise, darunter einen Lucie Award, einen Grammy Award, drei Andys, einen Steiger Award, einen Hasselblad Masters Award und die Centenary Medal für die Karriere von der Royal Photographic Society. Im Juni 2015 wurde dem schottischen Fotografen für seine Verdienste um die Kunst der Fotografie von Königin Elisabeth II. das Offizierskreuz des Order of the British Empire (OBE) verliehen.“

Fotos in Mode

Seine Fotos erschienen weltweit auf über 100 Covern von «Vogue» und in unzähligen anderen Zeitschriften wie „Rolling Stone“, „Time“ und „Harper’s Bazaar“. Viele seiner Fotos sind Ikonen der Welt der Mode oder Porträts von Rockstars, Rappern, Schauspielern oder anderen prominenten Personen. Von ihm stammen die Aufnahmen zu Hunderten von Werbekampagnen für große Unternehmen wie Blumarine, Prada, The Gap, Levi’s, Revlon und Chanel.

Filmplakate von Albert Watson

Er hat zahlreiche Filmplakate realisiert, wie für Kill Bill und Die Geisha, über 100 Fernsehspots gedreht und sich gleichzeitig Projekten für Ausstellungen in Museen und Galerien gewidmet.

Die sechs Bücher des Albert Watson

„Albert hat fünf Bücher veröffentlicht: Cyclops (Bullfinch, 1994), Maroc (Rizzoli, 1998), Albert Watson (Phaidon, 2007), Strip Search (PQ Blackwell/Chronicle 2010) und UFO: Unified Fashion Objectives (PQ Blackwell/Abrams 2010). Sein jüngstes Buch mit dem Titel Kaos wurde von Taschen im Herbst 2017 veröffentlicht. Viele Kataloge seiner Fotos wurden von Museen und Galerien zu seinen Ausstellungen veröffentlicht.

Albert Watsons Ausstellungen: Wien, Hamburg, Stockholm, Moskau …

„Seit 2004 wurden Albert Watsons Werke in Einzelausstellungen im Museo d’Arte Moderna in Mailand, im Kunst Haus Wien, im City Art Centre von Edinburgh, im FotoMuseum von Antwerpen, im NRW-Forum von Düsseldorf, in der Forma Galleria in Milano, der Fotografiska in Stockholm und im Multimedia Art Museum in Moskau gezeigt. Eine umfangreiche Retrospektive mit einem neuen Korpus von Fotos, die Watson in Benin aufnahm, wurde in den Deichtorhallen von Hamburg 2013 präsentiert.

Die Fotografien von Watson wurden in Kollektivausstellungen in zahlreichen Museen ausgestellt, darunter im National Portrait Gallery in London, im New Yorker Metropolitan Museum of Art, im Pushkin Museum of Fine Arts in Moskau, im Lianzhou Museum of Photography in China, im International Center of Photography in New York, im Brooklyn Museum und in den Deichtorhallen. Seine Fotografien sind zudem Bestandteil ständiger Ausstellungen in der National Portrait Gallery, im Metropolitan Museum of Art, im Smithsonian, im schottischen Parlament, in den Deichtorhallen und im Multimedia Art Museum in Essen.“

„Watson geht vollkommen in seiner Arbeit auf. Sein Atelier in Manhattan, das ihm auch als seine persönliche Galerie dient, füllen Millionen Fotos und Negative sowie zahlreiche Gigantografien.

Seine bildliche Sprache folgt einem Kodex, der seine Fotografien durch ihre Intensität und die technische Virtuosität eindeutig als Aufnahmen von Albert Watson identifizierbar macht, sei es ein Foto von einem Wald in Schottland, von einem Kleid von Yohji Yamamoto, getragen von einem Topmodel, oder eine Nahaufnahme des von dem Astronauten Alan Shepard auf dem Mond getragenen Raumfahreranzug, oder das ikonische Porträt von Steve Jobs. Sein unaufhörliches Streben nach Perfektion machten Watson zu einem der gefragtesten Fotografen der Welt.“

Über 50 Jahre Kalendertradition mit vielen großen Namen

Nicole Kidman, Rooney Mara, Julianne Moore, Lupita Nyong’o, Alicia Vikander, Robin Wright, …

„PIRELLI-KALENDER: FOTOGRAFEN, LOCATIONS UND MODELS: 1964 Robert Freeman auf Mallorca, Spanien Jane Lumb, Sonny Freeman Drane, Marisa Forsyth 1965 Brian Duffy in Monaco und der Côte d’Azur, Südfrankreich Pauline Dukes, Annabella, Virginia, Pauline Stone, Jeannette Harding 1966 Peter Knapp in Al Hoceima, Marokko Peter Knapp, Shirley Ann, Sue 1967 keine Veröffentlichung

1968 Harry Peccinotti in Djerba, Tunesien Ulla Randall, Elisa Ngai, Pat Booth, Jill La Tour 1969 Harry Peccinotti in Big Sur, Kalifornien

1970 Francis Giacobetti auf Paradise Island, Bahamas Alexandra Bastedo, Anak, Pegga, Paula Martine

1971 Francis Giacobetti auf Jamaica, Große Antillen Caileen Bell, Angela McDonald, Kate Howard, Christine Townson, Gail Allen 1972 Sarah Moon in Villa Les Tilleuls, Paris Suzanne Moncurr, Mick Lindburg, Boni Pfeifer, Inger Hammer, Magritt Rahn, Barbara Trenthan 1973 Brian Duffy in London, England Erica Creer, Sue Paul, Nicki Howorth, Kubi, Nicky Allen, Jane Lumb, Kate Howard, Vida, Penny Steel, Kari Ann, Elizabeth, Vicky Wilks 1974 Hans Feurer auf den Seychellen, Afrika Eva Nielson, Kim, Marana, Chichinou, Kathy Cochaux 1975 – 1983 keine Veröffentlichung;“

In die 80er passten sie

„1984 Uwe Ommer auf den Bahamas, Mittelamerika Angie Layne, Suzy-Ann Watkins, Jane Wood, Julie Martin 1985 Norman Parkinson in Edinburgh, Schottland Anna, Cecilia, Iman, Lena, Sherry 1986 Bert Stern in den Cotswolds, England Julia Boleno, Jane Harwood, Louise King, Deborah Leng, Suzy Yeo, Beth Toussaint, Gloria, Joni Flyn, Caroline Hallett, Samantha, Juliet, Clare Macnamara 1987 Terence Donovan in Bath, England Ione Brown, Colette Brown, Naomi Campbell, Gillian De Turville, Waris Dirie

1988 Barry Lategan in London, England Hugo Bregman, Briony Brind, Victoria Dyer, Nicola Keen, Kim Lonsdale, Sharon MacGorian, Naomi Sorkin, Carol Straker 1989 Joyce Tennyson in den Polaroid Studios, New York Lisa Whiting, Nicky Nagel, Dannielle Scott, Brigitte Luzar, Gilda MeyerNichof, Kathryn Bishop, Susan Allcorn, Susan Waseen, Rosemarie Griego, Akura Wall, Gretchen Heichholz, Rebecca Glen 1990 Arthur Elgort in Sevilla, Spanien Laure Bogeart, Laurie Bernhardt, Christina Cadiz, Anna Klevhag, Florence Poretti, Debrah Saron

1991 Clive Arrowsmith in Frankreich Alison Fitzpatrick, Lynne Koester, Monika Kassner, Paola Siero, Nancy Liu, Katherina Trug, Jackie Old Coyote, Tracy Hudson, Rachel Boss, Carole Jimenez, Saskia Van Der Waarde, Rina Lucarelli, Susie Hardie-Bick 1992 Clive Arrowsmith in Almeria, Spanien Alison Fitzpatrick, Julienne Davis, Judi Taylor.

1993 John Claridge auf den Seychellen, Afrika Christina Estrada, Barbara Moors, Claudie

Wieder Photoaufnahmen auf Paradise Island

1994 Herb Ritts auf Paradise Island, Bahamas Karen Alexander, Helena Christensen, Cindy Crawford, Kate Moss.

1995 Richard Avedon in New York, Vereinigte Staaten Nadja Auermann, Farrah Summerford, Naomi Campbell, Christy Turlington.

1996 Peter Lindberg in El Mirage, Kalifornien, Vereinigte Staaten Eva Herzigova, Natassja Kinski, Kristen Mc Menamy, Navia, Carre Otis, Tatjanna Patitz

1997 Richard Avedon in New York, Vereinigte Staaten Honor Fraser, Ling, Cordula, Sophie Patitz, Ines Sastre, Waris Dirie, Anna Klevhag, Monica Bellucci, Gisele, Kristina, Tatiana, Irina, Jenny Shimizu, Marie Sophie, Brandy, Julia Ortiz, Nikki Uberti

1998 Bruce Weber in Miami, Vereinigte Staaten Tanga Moreau, Stella Tenant, Milla Jovovich, Carolyn Murphy, Eva Herzigova, Patricia Arquette, Shalom Harlow, Kristy Hume, Elaine Irwin Mellencamp, Georgina Grenville, Kiara, Rachel Roberts, Daryl Hannah

1999 Herb Ritts in Los Angeles, Vereinigte Staaten Chandra North, Sophie Dahl, Karen Elson, Michele Hicks, Carolyn Murphy, Shirley Mallmann, Laetitia Casta, Audrey Marnay, Elsa Benitez, Bridget Hall, Angela Lindvall, Alek Wek 2000 Annie Leibovitz in Rhinebeck, New York, Vereinigte Staaten Lauren Grant, June Omura, Mireille Radwan-Dana, Laetitia Casta, Alek Wek, Julie Worden, Jacqui Agyepong, Marjorie Folkman“

Das 21. Jahrhundert beginnt, den Kalender gibt es immer noch

„2001 Mario Testino in Neapel, Italien Gisele Bundchen, Aurelie Claudel, Karen Elson, Rhea Durham, Marianna Weickert, Fernanda Tavares, Angela Lindvall, Ana Claudia Michael, Liisa Winkler, Noemi Lenoir, Frankie Rayder, Carmen Kass 2002 Peter Lindbergh in Los Angeles, Vereinigte Staaten Lauren Bush, Erika Christensen, Amy Smart, Bridget Moynahan, James King, Shannyn Sossamon, Selma Blair, Kiera Chaplin, Brittany Murphy, Monet Mazur, Rachel Leigh Cook, Mena Suvari, Julia Stiles

2003 Bruce Weber im Cilento und in Paestum, Italien Jessica Miller, Lisa Steiffert, Heidi Klum, Isabeli Fontana, Mariacarla Boscono, Natalia Vodianova, Karolina Kurkova, Sienna Miller, Alessandra Ambrosio, Rania Raslan, Bridget Hall, Sophie Dahl, Eva Riccobono, Yamila Diaz-Rahi, Filippa Hamilton, Valentina Stilla

2004 Nick Knight in London, England Adina Fohlin, Amanda Moore, Jessica Miller, Natalia Vodianova, Karolina Kurkova, Mariacarla Boscono, Esther de Jong, Frankie Rayder, Liberty Ross, Dewi Driegen, Ai Tominaga, Pollyanna McIntosh, Alek Wek 2005 Patrick Demarchelier in Rio de Janeiro, Brasilien Adriana Lima, Julia Stegner, Michelle Buswell, Erin Wasson, Marija Vujovic, Fillipa Hamilton, Liliane Ferrarezi, Valentina, Diana Dondoe, Isabeli Fontana, Naomi Campbell

2006 Mert and Marcus in Cap d’Antibes, Frankreich Marcus Piggott, Jennifer Lopez, Gisele Bundchen, Guinevere Van Seenus, Kate Moss, Karen Elson, Natalia Vodianova“

Weitermachen trotz Finanzkrise

„2007 Inez and Vinoodh in Kalifornien Sophia Loren, Penelope Cruz, Lou Doillon, Naomi Watts, Hilary Swank

2008 Patrick Demarchelier in Shanghai, China Maggie Cheung, Agyness Deane, Lily Donaldson, Du Juan, Doutzen Kroes, Catherine Mc Neil, Mo Wan Dan, Sasha Pivovarova, Coco Rocha, Caroline Trentini, Gemma Ward

2009 Peter Beard in Abu Camp/Jack’s Camp, Botswana Daria Werbowy, Emanuela De Paula, Isabeli Fontana, Lara Stone, Rianne Ten Haken, Malgosia Bela, Mariacarla Boscono 2010 Terry Richardson auf Bahia, Brasilien Daisy Lowe, Georgina Stojiljokovic, Rosie Huntington, Eniko Mihalik, Catherine McNeil, Ana Beatriz, Abbey Lee Kershaw, Marloes Horst, Lily Cole, Miranda Kerr, Gracie Carvalho“

„2011 Karl Lagerfeld in Paris, Frankreich Bianca Balti, Eliza Sednaoui, Freja Beha Erichsen, Isabeli Fontana, Magdalena Frackowiak, Anja Rubik, Abbey Lee Kershaw, Lakshmi Menon, Heidi Mount, Erin Wasson, Natasha Poly, Lara Stone, Daria Werbowy, Iris Strubegger, Jeneil Williams, Baptiste Giabiconi, Sebastian Jondeau, Brad Kroenig, Garrett Negg, Jake Davis

2012 Mario Sorrenti in Murtoli, Korsika Isabeli Fontana, Natasha Poly, Saskia De Brauw, Lara Stone, Joan Small, Guinevere Van Seenus, Malgosia Bela, Edita Vilkevictiute, Kate Moss, Milla Jovovich, Margareth Made, Rinko Kikuchi 2013 Steve McCurry in Rio de Janeiro, Brasilien Isabeli Fontana, Adriana Lima, Sonia Braga, Marisa Monte, Elisa Sednoui, Petra Nemcova, Hanna Ben Abdesslem, Liya Kebede, Karlie Kloss, Kyleigh Kuhn, Summer Rayne Oakes“

Jubiläum und kein Ende, dabei enthält jeder Kalender eines

„2014 Feier des 50. Jubiläums des Kalenders in Mailand Kalender 1986 von Helmut Newton, in Montecarlo und in Chianti Antonia Dell’Atte, Susie Bick, Betty Prado

2015 Steven Meisel in New York, Vereinigte Staaten Karen Elson, Anna Ewers, Isabeli Fontana, Gigi Hadid, Candice Huffine, Adriana Lima, Sasha Luss, Cameron Russel, Joan Smalls, Natalia Vodianova, Raquel Zimmerman

2016 Annie Leibovitz in New York, Vereinigte Staaten Yao Chen, Natalja Vodjanova, Kathleen Kennedy, Agnes Gund und Sadie Rain Hope-Gund, Serena Williams, Fran Lebowitz, Mellody Hobson, Ava Duvernay, Tavi Gevinson, Shirin Neshat, Yoko Ono, Patti Smith, Amy Schumer

2017 Peter Lindbergh in Berlin, Los Angeles, New York, London und Le Touquet Jessica Chastain, Penelope Cruz, Nicole Kidman, Rooney Mara, Helen Mirren, Julianne Moore, Lupita Nyong’o, Charlotte Rampling, Lea Seydoux, Uma Thurman, Alicia Vikander, Kate Winslet, Robin Wright, Zhang Ziyi. Special Guest Anastasia Ignatova

2018 Tim Walker in London, Vereinigtes Königreich Adut Akech, Adwoa Aboah, Alpha Dia, Djimon Hounsou, Duckie Thot, Jaha Dukureh, King Owusu, Lil Yachty, Lupita Nyong’o, Naomi Campbell, RuPaul, Sasha Lane, Sean “Diddy” Combs, Slick Woods, Thando Hopa, Whoopi Goldberg, Wilson Oryema, Zoe Bedeaux

2019 Albert Watson in Miami und New York Laetitia Casta, Misty Copeland, Julia Garner, Gigi Hadid, Sergei Polunin, Calvin Royal III., Alexander Wang“ und Astrid Eika.




Haxe im historischen Stadtbad – Slow Food Genussführer für 2019/20 erschienen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wohin bloß, wenn der Hunger zwickt? Und man gleichzeitig Qualität zu vernünftig kalkulierten Preisen wünscht? Helfen kann da der neue Slow-Food-Genussführer 2019/20. Das 752 Seiten starke Werk, inzwischen im Buchhandel erhältlich, stellt 548 Lokale mit Slow Food vor. In ganz Deutschland. Alle seien mit ihrer Region verankert, so Manfred Kriener bei der Pressekonferenz im „Landhotel Potsdam“ in Potsdam-Golm. Hochwertige Produkte aus der Umgebung sollen für Frische und Qualität auf dem Teller sorgen. Ausflüge in die internationale Küche, etwa Sashimi von der Schwarzwaldforelle, seien dabei stets willkommen, versichert der Redaktionsleiter weiter. Weitere Kriterien seien neben einer saisonalen Küche und fairen Preisen der Verzicht auf Convenience Food sowie auf Geschmacksverstärker.

125 Adressen wurden neu aufgenommen, 70 gestrichen. Die Abgänge hätten keineswegs nur mit mangelnder Qualität zu tun. Manchmal hätte sich das Konzept geändert, manchmal fehlten auch einfach nur geeignete Nachfolger. Zu den Neuzugängen gehören auch zwei Berliner Restaurants: Das „Restaurant Oderberger“ sowie die „Speisewirtschaft“. Nun kann neben Kreuzberg nun endlich auch das Szeneviertel Prenzlauer Berg mit einer Slow-Food-Adresse aufwarten. Und das sehr stilvoll. In einem alten, historischen Bad residiert das „Restaurant Oderberger“, das junge Team um Chefkoch Matthias Schmidt möchte das historische Gebäude auch kulinarisch wiederbeleben. Dabei setzen die Macher auf deutsche Kost mit Anleihen und Zitaten aus der alten Berliner Küche. „Dit is Berlin“ nennt sich so auch eine Sektion der Speisekarte, die unter anderem mit Kartoffel-Sauerkraut-Suppe, Haxe oder Berliner-Luft-Küchlein aufwartet.

Es fällt auf, dass der Guide vor allem die ländlichen Regionen abdeckt, die Metropolen sind hier eher eine Randerscheinung. Ohnehin geht es hier eher um einfache Lokale und Gasthäuser als um Sternetempel und Szene-Restaurants. Sie sind, wohl auch wegen der hohen Mieten, einfach zu teuer. Die Preisgrenze für drei Gänge, so Manfred Kriener, liege bei 50 Euro.

In Brandenburg gab es jedenfalls gleich vier Neuzugänge, neben dem „Landhotel Potsdam“ auch das „Restaurant 1 A im Hotel Reuner“ in Zossen. Inhaber Daniel Reuner schwingt hier zugleich den Kochlöffel, er hat das Geschäft von der Pike auf gelernt. Sein ganzer Stolz ist der große Gemüse- und Kräutergarten, Wirsing, Tomaten oder Rote Bete wachsen hier unter anderem. Die kleinen Gerichte, die Matthias Hamisch im Anschluss an die Pressekonferenz kredenzt, fallen ebenfalls vitaminreich aus. So ziert das Carpaccio als ersten Gang reichlich Grün. Kapuzinerkresse. „Die habe ich meiner Mama geklaut“, gesteht der „Landhotel“-Küchenchef.

 

Slow-Food-Genussführer 2019/20, Oekom-Verlag 2019




Herzerwärmende Punkrockschnurre aus Dänemark – Annotation zum Buch „Wie aus mir kein Tänzer wurde“ von Kent Nielsen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Unter dem sympathischen Nichttitel Wie aus mir kein Tänzer wurde, der im Untertitel mit Ein Leben in der dänischen Punk- und Hardcoreszene näher definiert wird, wirft uns Kent Nielsen eine feine Außenseitergeschichte aus den 1980ern in die Weihnachtsfeierlaunenvitrine.

Eine Jede von uns weiß, Dänen wie auch Däninnen lügen nicht. Insofern sind die klaren Sätze Herr Nielsens eine recht wohltuende Lektüre, die uns die fiesen Kämpfe junger dänischer Dörfler gegen Eltern, Bullen und sonstige Lebensverhinderer erklärt.

Kent bemüht sich schon im zarten Alter von fünfzehn um höchste Punkerehren, er spielt herrlich falsch einen (immerhin) zweiseitigen Bass, gründet Fanzines und Bands mit Gleichgesinnten und schafft es, auch dank seiner uneitlen Schreibe, den Sound des Punkrock im Land der Dänen gut rüberzubringen. Er ist kein Mann der dicken Hose, kann über sich selbst lachen und kennt den Geschmack der Niederlage.

Das Buch endet im Jahr 1988 – das ist eine kluge Entscheidung, weil wir doch nicht jede spätere, vielleicht langweilige Wendung im Leben Kents erfahren müssen. Kent konzentriert sich auf seine großen Jahre des Punk – das macht das Buch authentisch, verleiht ihm Drive und schenkt dem Leser und seiner Leserin hohes Vergnügen. Feines Buch, das spielend in jede PunkrockerInnenbibliothek passt.

Bibliographische Angaben

Kent Nielsen, Wie aus mir kein Tänzer wurde, Ein Leben in der dänischen Punk- und Hardcoreszene, 216 Seiten, Broschur, mit zahlreichen Abbildungen, Ventil-Verlag, Mainz 2018, ISBN 3-95575-103-6, Preis: 16 EUR




Christian Füller: Muss mein Kind aufs Gymnasium?

Pisaversteher Christian Füller plädiert für „Die gute Schule“ – Zum Buch „Muss mein Kind aufs Gymnasium?“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der 1963 in München geborene freie Journalist und Autor Christian Füller, der unter anderem für „Welt am Sonntag“, „Spiegel-Online“, „Neue Zürcher Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine“, „Die Tageszeitung“, „Freitag“ und „Cicero“ schreibt, scheint reich an Erfahrungen und Erkenntnisse über Schulen in deutschen Landen. Das und noch viel mehr prädestiniert ihn, ein Buch mit dem Titel „Muss mein Kind aufs Gymnasium?“ zu schreiben.

Schließlich war der „Pisaversteher“ am Jack-Steinberger-Gymnasium in Bad Kissingen. Nach der Oberschule kamen noch Hochschulen hinzu. Die Schule des Lebens wollen wir auch nicht verschweigen.

In seinem neuen Buch „Muss mein Kind aufs Gymnasium?“, das am 1. Oktober 2018 im Dudenverlag erschien, präsentiert Füller sein Verständnis der deutschen Bildungspolitik und deren Folgen und erklärt in einem aktuellen sowie verständlichen formulierten Überblick die wichtigen Entwicklungen in der Bildungsbürgerlandschaft.

Füller schreibt: „Fast 200 Jahre nach der Einführung des Abiturs findet eine Revolution in den Bildungssystemen statt. Nur eine neue Oberschule mit gymnasialen und sanften Lernformen wird unsern Kindern gerecht.“

Angepriesen wurde dessen Buch von „Literaturtest“ am 14.8.2018 mit den Worten: „Seit dem vielzitierten Pisa-Schock wandelt sich die deutsche Bildungslandschaft radikal. Die Hauptschule stirbt, aber auch das Gymnasium gerät unter Druck, gerade durch das dilettantische Hin und Her beim „G8″, der verkürzten Lernzeit zum Abitur. Die elitäre Vorzeigeanstalt muss zugleich erleben, dass Schüler ihr Abitur lieber auf eine softe Art bekommen – in neuen integrativen Schulen. Angesichts des Abitur-Booms wird gern das Gespenst eines „Akademisierungswahns“ heraufbeschworen. Eltern werden verunsichert, was der richtige Pfad durchs Schullabyrinth sein kann – der ihrem Kind beste Chancen eröffnet, ihm aber auch guttut. Christian Füller plädiert für mehr Gelassenheit. Fundiert beschreibt er die Entwicklung hin zu neuen, auch digitalen Schul- und Lernformen. Die Entwicklung verläuft nicht reibungslos, aber sie schafft vielversprechende Grundlagen für das Lernen im 21. Jahrhundert.“

Bibliographische Angaben

Christian Füller, Muss mein Kind aufs Gymnasium?, Bildungserfolg ohne Druck, 240 Seiten, Format: 12,5 x 20,0 cm, Hardcover, Verlag: Duden, 1. Auflage 2018, ISBN: 978-3-411-74222-6, Preis: 18 EUR (D), 18,50 EUR (A)




Ulli Langenbrinck, Pascal Violo: Der kleine Kuba-Verführer.

Einmal Zuckerinsel hautnah, Rum und Oldtimer inklusive – Annotation zum Buch „Der kleine Kuba-Verführer“ von Ulli Langenbrinck und Pascal Violo

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Kuba kann vieles sein: Zuckerinsel, Ruminsel, Oldtimerinsel. Immerhin werden sich selbst diejenigen auf den Begriff Insel einigen können, die unter Kuba Karibik-Kommunismus verstehen.

Ob kommunistisch oder sozialistisch, auf jeden Fall regiert seit der Revolution das Proletariat über eine Einheitspartei die República de Cuba. Das mag man die Abwesenheit der Gewaltenteilungen nennen oder die Diktatur des Proletariats, auf jeden Fall ist das Parlament zum Abnicken da und alle Macht liegt beim Staats- und Ministerrat. Doch wer von „der Insel der Musik und Lebensfreunde“ schreibt, wie die Autoren Ulli Langenbrinck und Pascal Violo in ihrem Buch „Der kleine Kuba-Verführer“, der klammert wohl oder übel Wirklichkeit in Geschichte und Gegenwart aus.

Warum auch nicht? Warum nicht über Traumfrauen und Traumstrände schreiben?! Auf ins schöne Kuba! Dazu laden die Autoren dieses Reise-Lesebuches ein. Für den Leser gilt, „die größte Antilleninsel in spannenden Geschichten zu entdecken“ oder wie der Verlag formuleirt: „Fahren Sie im bunten Oldtimer zu Traumstränden, eine Zigarre zwischen den Zähnen, und lassen Sie sich warmen Wind um die Nase wehen. Hören Sie Musik in den Bars von Havanna, stromern Sie durch Trinidads Gassen, schmecken Sie die Küche der Karibik, atmen Sie das einzigartige Lebensgefühl und freuen Sie sich auf Ihren Kuba-Urlaub!“ Und zwar auf 144 reich bebilderten Seiten.

Bibliographische Angaben

Ulli Langenbrinck und Pascal Violo, Der kleine Kuba-Verführer, Impressionen von der Insel der Musik und Lebensfreude, 144 Seiten, ca. 130 Abbildungen, Format: 12,0 x 18,5 cm, Klappenbroschur mit Fadenheftung, Verlag: Bruckmann, 1. Auflage, München 2018, ISBN-13: 978-3-7343-1092-8, Preis: 14,99 EUR (D)




Erstmals so verliehen. Orden vom aztekischen Adler an Sigmar Gabriel, Monika Grütters und weitere Persönlichkeiten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Queen Elisabeth II. hat einen. Der vierzigste Kaiser Japans Akihito hat einen. Haile Selassie erhielt einen. Nelson Mandela bekam einen. Eisenhower, der Schah von Persien, Tito. König Carl Gustaf XVI. von Schweden. Königin Margrehte II. von Dänemark; König Juan Carlos I. von Spanien, König Olav V. von Norwegen und sogar Konrad Adenauer. Den Orden vom aztekischen Adler. Der aztekische Adler ist das Wappentier Mexikos, des etwa 200 Jahre alten Staates mit einer über 2000 Jahre alten Geschichte. Der aztekische Adler ergreift die Schlange. Auf jeder Silbermünze finden wir den auf einem Kaktus sitzenden Adler mit der Schlange. Manche interpretieren das so: Die Schlange ist das Böse, das Laster, die Versuchung, die der Adler, die Kraft und Tugend Mexikos in den Griff bekommen hat. Solange die Tugend stark ist, ist das Böse automatisch schwach. Natürlich gibt es ganze Bücher über Heraldik und die Gründungsmythen des stolzen Mexikos.

Der Legende nach gründeten die Azteken Tenochtitlán, die Stadt, dort, wo sie einen Steinadler fanden, der sich auf einem Feigenkaktus niedergelassen hatte und eine Schlange festhielt.

Der Orden vom aztekischen Adler wird nur vom Präsidenten vergeben. Eigentlich. Üblicherweise in Mexiko. Ihn können Staatsoberhäupter und Premierminister erhalten sowie alle die, die sich besonders um Mexiko verdient gemacht haben. Früher gab es ihn in acht verschiedenen Klassen beziehungsweise Versionen. So, wie es das Bundesverdienstkreuz am Bande gibt.

So haben alle oben genannten Träger des Ordens vom aztekischen Adler die höchste Klasse bekommen, den Collane. Bis auf Olav V. Von Norwegen und Konrad Adenauer, die das Großkreuz erhielten, eine Stufe darunter (Nelson Mandela erhielt die Stufe „banda“). Dann folgt das Komturkreuz, die Schriftstellerin Alexandra Kollontai erhielt es 1944. Darunter gibt es noch das Ritterkreuz. Das bleibt für Bill Gates. Aber auch Pablo Neruda und Juri Knorosow.

Nach der Reform der Ordensstruktur im März 2011 gibt es nur noch sechs verschiedene. In aufsteigender Rangfolge: Insignia, Venera, Placa, Banda, Banda en Categoría Especial und Collar. Davor waren es acht Ränge: Mención Honorífica, Insignia proper, Venera, Placa, Medalla, Banda, Cruz und Collar; beziehungsweise fünf: Insignia, Encomienda, Banda, Cruz, Collar. Die deutschen Bezeichnungen sind: Ritter (placa), Offizier (medalla), Kommandeur (banda), Großkreuz (cruz) und Collane (collar) wegen der Ordenskette.

Wer erhält den Orden vom aztekischen Adler?

Orden vom aztekischen
Adler. © Alexeinikolayevichromanov, 2015

Schauen wir uns doch einmal die Geschichte von Juri Knorosow an. Der sowjetische Ägyptologe marschierte 1945 mit der Roten Armee in Berlin ein. Dort in der Reichshauptstadt fand er in der Preußischen Staatsbibliothek den Dresdner Kodex. Das ist eine Reproduktion einer Maya-Handschrift. Außerdem stieß er auf „Relación de las cosas de Yucatán“. Dieser Text von Diego de Landa, der in einer manuellen Kopie vorlag, ist eine Rechtfertigungsschrift. Der Bischof von Yucatan war gegen die einheimische Bevölkerung vorgegangen, die MAYA. 1566 wurde er deswegen angeklagt. Indem er sich rechtfertigte, ging er auf die Maya-Schrift ein. Knorosow übersetzte das Buch später ins Russische und publizierte es 1956 in Moskau.

Die faszinierende Geschichte eines Mannes, der zwei Bücher hatte „mitgehen“ lassen

Er hatte den Dresdner Kodex und die Abschrift von de Landas Rechtfertigung mit nach Russland genommen, also in die Sowjetunion. Das wurde später von Bedeutung. Denn Knorosow leistete hervorragende Arbeit. Seine Doktorarbeit von 1952 – „Drevnyaya pis’mennost’ Tsentral’noy Ameriki“, zu deutsch „Alte Schriften Mittelamerikas“, beschäftigte sich mit der Entzifferung der Maya-Schriftzeichen. Zunächst führte seine Kenntnis des Mittelägyptischen und ein Vergleich der Anzahl der „Buchstaben“, also der Maya-Schriftzeichen, dazu er eine Gemeinsamkeit erkannte. Beides sind Silbenalphabete, das wusste allerdings niemand sicher und de Landa scheinbar auch nicht, sonst hätte er die Schriftzeichen anders notiert und nicht so viele verschiedene. Ein einzelnes Schriftzeichen, das Zeichen für Westen, war in der Scientific Community, also unter Gelehrten, bekannt. Knorosow zeigte, wie es zu lesen sei (chi-kin, wobei Kin die Sonne ist) und präsentierte damit schon 1952, als noch der Koreakrieg tobte, einen verheißungsvollen Ansatz zur Entzifferung des Maya-Schrift: den phonetischen.

1954 folgte das in Mexiko-Stadt und Moskau veröffentlichte Werk „La antigua escritura de los pueblos de America Central“, zu deutsch „die alte Schrift der Völker Mittelamerikas“.
Zwei Jahre später dann die erwähnte Übersetzung: „Diego de Landa. Soobshchenie o delakh v Yukatani“ oder „Mitteilung über die Angelegenheiten in Yukatan“ ist die russische Ausgabe der aus Berlin mitgenommenen Abschrift Diego de Landas.

Bereits 1963, in dem Jahr, als Kennedy ermordet wurde, erschien „Pis’mennost Indeitsev Maiia“ in Moskau. „Die Schrift der Maya (-Indianer)“ oder einfach „Die Mayaschrift“. Vier Jahre später erschien vom Peabody-Museum eine englische Ausgabe: „The Writing of the Maya Indians“.

Der „blöde“ Kalte Krieg: Energieverschwendung und Erkenntnisblockade

Doch Knorosow wurde trotz seiner bahnbrechenden Erkenntnisse keine weltweite Anerkennung zuteil. Denn es herrschte ja seit 1947 noch Kalter Krieg. Zudem hatte Knorosow einen Feind. J. E. S. Thompson, den führenden britischen Maya-Archäologen. Thompson behauptete, Knorosows Gedanken seien kommunistische Propaganda. Damit verhinderte er vorübergehend die Anerkennung der Knorosowschen Erkenntnisse. Erst nach dem Tod des Briten 1975 setzte sich die Erkenntnis langsam überall durch. Zum Glück hatte der Akademiker ein langes Leben, er starb 1999 in Sankt Petersburg.

Erst 1995, 20 Jahre nach dem Tod seines Rivalen, wurde er von der mexikanischen Regierung mit dem Orden vom aztekischen Adler belohnt. Vier Jahre vor seinem Tod. Knapp, aber nochmal gutgegangen.

Daran kann man sehen, dass, wer nicht gerade als Prinzessin geboren wurde, einiges „auf dem Kasten“ haben muss, um den begehrten Orden zu ergattern.

Orden vom Aztekischen Adler: Fünf Preisträger 2018

Die Initiative für die Preisverleihung ging von Seiner Exzellenz dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Mexiko, Rogelio Granguillhome, aus.

Der Orden vom aztekischen Adler wird sonst nur vom Präsidenten übergeben. Rogelio Granguillhome trat an Enrique Peña Nieto heran, der drei Jahre nach der Veröffentlichung von Knorosows „Maya-Schrift“ geboren wurde.
Neto stimmte zu und so werden die Orden am 22.November 2018 in Berlin überreicht. Für ihren Beitrag „zur Stärkung der Beziehungen zwischen Mexiko und Deutschland werden fünf Persönlichkeiten geehrt“:

Sigmar Gabriel, Mitglied des Bundestages (MdB) und Bundesminister a.D. (außer Dienst); Die Staatministerin für Kultur und Medien, Prof. Monika, Grütters MdB, Staatssekretär a.D. Uwe Beckmeyer. Michael Leutert, ehemaliger Vorsitzender der deutsch-mexikanischen Parlamentariergruppe und Prof. Gereon Sievernich, Kurator des Hauptstadtkulturfonds und ehemaliger Direktor des Martin-Gropius-Baus.

Die feierliche Verleihung des Ordens des aztekischen Adlers wird in der zweiten Tageshälfte des zweiundzwanzisten November in einem der wenigen Gebäude auf deutschem Boden vollzogen, die mexikanische Architekten erbaute.

Der Orden vom aztekischen Adler ist die höchste mexikanische Auszeichnung, die Ausländer im Lande erhalten können. Er heißt im Original Orden del Águila Azteca.

Die oben genannten fünf Persönlichkeiten waren in den vergangenen Jahren wirklich ziemlich aktiv im Austausch mit Mexiko. Man denke nur an das duale Jahr, in dem sich einerseits der G7-Staat Bundesrepublik Deutschland in Mexiko präsentieren konnte und andererseits der nordamerikanische Staat bei uns.

Die Maya-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau war eines der Highlights.




"Ramones" von Flo Hayler.

Ramones forever forever Ramones – Annotation zur Liebesgeschichte „Ramones“ von Flo Hayler

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Viele lustige Musikanten wirken endlose Jahre später mit ihrer Musik, auch wenn sie schon längst die Radieschen von unten sehen. Die Ramones aus dem fernen Amerika erfreuen sich großer Beliebtheit, was ihren Erben zupasskommt, weil sie (Die Ramones!!!) eben fast alle schon längst hinüber sind. Ihre eingängigen, punkigen Melodien, sowie klaren und wahren Botschaften erfreuen die Herzen von Bänkern wie Pennern gleichermaßen. Es läuft, wie man so schön sagt.

Und wenn’s läuft, bleibt auch Raum für leicht abseitige, liebenswerte Eumel, die sich ins Gebälk setzen und mit romantischen Ritualen die ewige Liebe zu ihren Idolen proklamieren. Flo ist einer von ihnen.

Es gibt wahnsinnige Sammler, pedantisch-irre Sammler, symphytisch verpeilte Sammler und Sammler für die Unendlichkeit. Flo Hyler gehört eindeutig zur letzten Kategorie. Sein Ramonesbuch ist: Der Irrsinn zwischen zwei Buchdeckeln.

Oh ja, es ist gnadenlos subjektiv, Flo ist ein echter Fanatiker, der sofort bei Rot über jede Kreuzung sprintet, wenn irgendwo ein Ramonesfetzen leuchtet oder einer von ihnen elvismässig seine Wiederauferstehung (Gerüchte, Gerüchte) feiert.

Sein Buch ist voll weitschweifiger Geschichten (ein Beispiel: 1985 trägt Joey Ramone nicht mehr nur Lederhandschuhe, sondern auch Lederhosen (kurioserweise ist das auf dem Beweisfoto im Buch nicht zu erkennen)), Devotionalien, Beschreibungen von Konzerten, Begegnungen, kurzum, bzw. langum – es bietet bis ins kleinste Kinkerlitzchen alles, was man vielleicht mal über die Ramones lesen will.

Ein Lektor muss daran scheitern, das ist aber bei dieser Sorte Buch egal, was man wie die Bibel im Ramonesgedenkschrein lagert und ab und an aufschlägt, um im Ramonesuniversum zu versinken.

Bibliographische Angaben

Flo Hayler, Ramones, Eine Lebensgeschichte, 640 Seiten, gebundenes Buch, 640 Seiten, Format: 21,0 x 26,0 cm, durchgehend vierfarbig, Verlag: Heyne Hardcore, München 2018, ISBN: 3-453-27051-0, Preise: 48 EUR (D), 49,40 EUR (A), 65 sFr




Mutter der Nanas – Künstlerin Niki de Saint Phalle wäre 88 Jahre alt geworden

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 1930 wurde sie am 29. Oktober geboren, im Mai 2002 starb sie 71jährig in La Jolla, einer Community von 50.000 Einwohnern in den USA. 7 Meilen oder 11 Kilometer lang ist die Küstenlinie La Jollas am Pazifik, das zur Stadt San Diego gehört, seit Kalifornien um 1850 ein Staat wurde. Der heutige Bundesstaat der USA gehörte zu Mexiko und war eine Kriegsbeute nach dem mexikanisch-amerikanischen Krieg wie Arizona, New Mexico und andere Provinzen auch. Niki de Saint Phalle hatte es geschafft.
Ihr Name und ihre Kunst wurden weltweit berühmt, vor allem in Europa und in den Vereinigten Staaten von Amerika. Besonders herausragend im doppelten Sinne sind riesige bunte Frauenfiguren, die sogenannten Nanas.

Wer an einem Ort wie La Jolla seinen Alterssitz hätte, dem stünden lange Sandstrände und felsige Uferbereiche in allernächster Nähe sehr abwechslungsreich zur Verfügung. Hier an der Ostküste des Stillen Ozeans geht die Sonne, so die Wolken es zulassen, immer im Meer unter. Im größten Weltmeer, das der blaue Planet zu bieten hat.

Niki de Saint Phalle und ihr Werk. Zum Beispiel „Hon“

Der Lebensweg von Niki de Saint Phalle war lang und interessant. Sieben Jahrzehnte mit Reisen, von denen man viel erzählen könnte. Sie gewann wichtige Freunde und Mitstreiter in der Kunstwelt und lernte viele Menschen kennen.

Zum Beispiel Claes Oldenburg und Martial Raysse. Pontus Hulten hatte sie nach Schweden eingeladen. Im Moderna Museet in Stockholm sollte parallel zur elften Ausstellung des Europarates im Nationalmuseum, „Königin Christina“, eine Skulptur gezeigt werden. Herr Hulten bat die vier Künstler, Jean Tinguely eingeschlossen, sie zu bauen. Da die anderen drei absagten, verhindert waren, oder, wie Tinguely, keine rechte Lust hatten, machte Niki de Saint Phalle es allein. Schweden ist kein armes Land und recht groß. Das stolze skandinavische Königreich war durch seine Erze ziemlich unabhängig und blieb im Zweiten Weltkrieg neutral. Das ‚moderne Museum‘ für moderne Kunst ist nicht klein; die große Halle erst recht nicht. So entstand „HON“ (schwedisch für Sie). „Die größte Nana aller Zeiten“, wie es ihre Düsseldorfer Biographin, die Kunsthistorikerin Dr. Monika Becker ausdrückt.

Keine Reise nach Moskau

Letztlich machte Tinguely doch mit und Per O. Ultvedt stieß dazu. Doch den dreien fiel nichts ein. Pontus Hulten „wollte die Inspiration beflügeln, indem er den Künstlern anbot, ein paar Tage nach Moskau zu reisen“. Vielleicht dachte Hulten an die Zwiebeltürme, die den Rundungen der Nanas in nichts nachstehen.

Die Erlöserkirche in Leningrad, wie Sankt Petersburg damals noch hieß, ist ein Beispiel für den beeindruckenden Gebrauch der Farben. Auch in der russischen Hauptstadt gibt es unzählige kunsthistorische Beispiele. Die Petersburger Kirche ist von so einer beeindruckenden Schönheit und Andersartigkeit, dass sie aus einer anderen Welt zu stammen scheint. Staunend hält man an und ein. Ähnlich wie die Sagrada familia in Barcelona, sind das die Orte, wo Kunst Ehrfurcht bewirkt – und Transzendenz.

„Leider wurde nicht daraus“. Aus der Reise in die Sowjetunion, schreibt Dr. Becker.

Also blieb Niki de Saint Phalle bei den Farben aus Henri Matisses Palette. Hellgrün, Gelb, Blau, Rot und Orange. Ergänzt durch ein leuchtendes Rosa. Für Sprachverführte und -verirrte: Rosa ist das, was viele heute „pink“ nennen.
Dazu kam an einigen Stellen Schwarzweiß.

Zeitdruck und Zufälle

Das Problem, rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung im Moderna Museet fertigzuwerden, löste Pontus Hulten. Er schlug eine Nana vor, die die ganze Museumshalle ausfüllen sollte. Höchste Eisenbahn. Bis zum Eröffnungstermin 9. Juni waren nur noch 6 Wochen geblieben. Da die Halle sich in die Waagerechte erstreckt, musste „SIE“ liegen. Fast 27 Meter lang sollte sie werden und von innen begehbar! „Oberweite: 24 Meter.“

In anderthalb Monaten hätte die drei Künstler – ja, zwei Künstler und eine Künstlerin verflixt – das nie allein schaffen können. Tinguely leitete andere an.

Wieder wurde Pontus Hulten aktiv. Er wohl mehr als die Künstler war in der Verantwortung, wenn sein Stadion erst nach den Olympischen Spielen fertig geworden wäre.

Er organisierte eine Mannschaft. Darunter Rico Weber. Der war auch aus der Schweiz. So ein Zufall. Doch damit nicht genug: Weber, der sich zu dem Zeitpunkt als Koch in der Snackbar des Museums etwas dazuverdiente, war Künstler. Als deutsch und französisch sprechender Künstler war die Kommunikation im fernen Schweden kein Problem.

Jetzt hatte er für die nächsten zehn Jahre einen Job; solange arbeitete er nämlich dann mit Tinguely und de Saint Phalle zusammen. Im Register der Beckerschen Biographie taucht er allein zwölfmal auf.

Kopfkino? Nein, Kino im linken Arm

In einem Arm war ein kleines Kino vorgesehen mit genau einem Dutzend Plätze. Es sollte immer derselbe Streifen gezeigt werden. Gretas Garbos erster Film. „Luffarpetter“. ‚Luffar-Petter‘ bedeutet „Peter, der Vagabund“. Der mittellange Stummfilm von 1922 ist ein Slapstickkomödie. Ein Stummfilm, versteht sich. Dieser Spielfilm ist nie in Deutschland in die Kinos gekommen und wurde auch im Fernsehen nie gezeigt. Manchmal lohnt es sich eben doppelt, nach Schweden zu fahren.

Big Brother oder Kein Datenschutz auf der Liebesbank

Verschiedenes für Kinder und Erwachsene fand im Innern Platz. Ein halbes Tausend Besucher täglich hatte man eingerechnet, 1.800 wurden es. Ein Kritiker hatte sich sehr positiv geäußert und so strömten ein Vierteljahr lang die Leute nur so ins Museum.

Und das, obwohl es einen klaren Bruch des Datenschutzes, der Privatsphäre gab. Die Datenschutzgesetzgebung war um 1970 noch nicht so ausgefeilt.

Im Knie gab es die „beschallte Bank der Verliebten“ mit beleuchtetem roten Samt. „Von der Liebeslaube aus hatte man einen Ausblick auf die Galerie der Fälschungen, daneben ein Münzfernsprecher.

Das Geflüster der Liebenden wurde heimlich per Mikro in die Colabar in der rechten Brust übertragen.“

„Die Idee für diese Indiskretion hatte man aus der phantastischen Grottenarchitektur aus dem italienischen Orsini-Park in Bomarzo. Dort trug der Schall das, was im Innern des Felsenraumes geflüstert wurde, nach draußen in den Park.“

Leergut ohne Pfandrückgabe

„Das Leergut der Flaschen aus der Cola-Bar wurde einer komplizierten Maschine im Verdauungstrakt zugeführt, die es zermalmte.“ Gebaut, na klar, von Jean Tinguely, dem Maschinenbauer.

Selbst in Malmö würde so etwas heute nicht mehr durchgehen. Wo das Überleben der Welt gefährdet ist, werden Solarzellen, Recycling und Kreislaufdenken Existenz-entscheidend.

Kleinkopferter Großkörper

Weitere Attraktionen waren ein bewegliches Holzgehirn im Kopf, eine Radioskulptur in der Nana-Hüfte, in der linken Brust ein Planetarium. Im Herzen den „Mann im Schaukelstuhl“ von Ultveldt.

„Daß man in der Tatsache, die Figur durch das Geschlecht betreten zu müssen, absolut nichts Pornographisches zu sehen habe, wurde explizit auf der Innenseite des rechten Oberschenkels notiert.“ Warum dort? Nun zum einen war das neben dem Eingang.
Viele mussten warten. Eine rote Ampel regelte den Verkehr. Waren 150 Menschen im Innern, mussten sich die anderen die Füße vertreten. „Ein Blick durch ein beleuchtetes Aquarium mit Goldfischen und ein versilbertes Schaufelrad einer Wassermühle verwandelte“ eventuell aufkommende Unruhe, Ungeduld und Unwillen in Ruhe und „Neugierde“.

Zum anderen stand der Hinweis auf einem schwarzen Streifen, der sich als Strumpfband interpretieren ließ: „Honi soit qui mal y pense“. Der englische Hosenbandorden benutzt diesen französischen Vers, der auf deutsch bedeutet: Ein Schelm sei, wer Schlechtes dabei denkt. „Die Anregung, den Eingang mit einem Leitspruch zu versehen, hatte man von dem Höllenmaul aus dem Heiligen Hain von Bomarzo bekommen.“ Es trägt die Inschrift „Ogni pensiero vola“.

Was blieb von „IHR“, von „HON“?

Nur der Kopf blieb erhalten. Dass er so klein war, löste Diskussionen aus. Alle Köroerteile, die sie mit Emotionen verbunden sah, betonte Niki de Saint Phalle.

Neue Neuro-Forschungen strafen sie lügen. Ohne Kopf kein Gefühl, steuert doch die Hypophyse mit Hormonen alles.

„HON“ hatte Folgen – für die Theaterbühne

Dass Niki de Saint Phalle nicht nur wahrgenommen wurde und polarisierte, sondern auch inspirierte und aufgegriffen wurde, zeigt das Beispiel von „LYSISTRATA“, der Aristophanes-Komödie, im nordhessischen Kassel. Den jungen Regisseur Rainer von Diez inspirierte das berühmte Pressephoto, das das Publikum in einer Warteschlange zwischen den monumentalen Beinen der HON abbildet.

Das athenische Volk sehnt sich nach Frieden. Er wird durch die List der „Heeresauflöserin Lysistrata“ erzwungen. „Sie überredete alle Frauen Griechenlands, in den Liebesstreik zu treten“ – gemeint ist natürlich Sexualiät – „bis ihre Männer Frieden schlössen“.

Niki de Saint Phalle baute dann in Kassel eine 10 Meter große Nana im Theater.

Diez hatte Erfolg: „LYSISTRATA“blieb ausverkauft.

Rundungen im Freien

Niki de Saint Phalles Werke stehen heute in vielen Museen oder im Freien. Einiges schuf sie allein, anderes mit anderen zusammen. Als Frau wurde sie von Feministinnen besonders wahrgenommen. Ihr Tun verstand sie jedoch selbst auch frauenbefreiend.
Die erste zusammenfassende deutschsprachige Biographie erschien mit ebendiesem Hinweis 1999 und 2001 als Taschenbuch. Das Paperback wurde in den drei Jahren der Abschaffung der D-Mark in mindestens drei Auflagen gedruckt. Und das zu einer Zeit, als das gedruckte Buch bereits ernsthafte Konkurrenz erhalten hatte und das ebook am Horizont drohte. 2001, im ersten Jahr des neuen Jahrtausends (das Jahr 2000 gehört ja zum 20. Jahrhundert), war das deutsche Buch also im Schnitt schon einmal jährlich gedruckt worden. Das ist umso bemerkenswerter, als dass es noch zu de Saint Phalles Lebzeiten geschah. Natürlich erfuhr die Künstlerin posthum, ab Mai 2002, nochmals eine gewisse Aufmerksamkeit.

Das phantastische Paradies

„Le Paradis Fantastique“ (sprich Le paradi fantastiehk, alles hinten betont) ist in Zusammenarbeit Saint Phalles mit dem Frankoschweizer Jean Tinguely in den Jahren 1967-1971entstanden. Die beiden kollaborierten immer wieder. Dieses Werk ist ein gemeinsames Frühwerk. Es brachte den beiden den Durchbruch.

Die Expo 2000 in Hannover und der damit verbundene Schuldenberg sind nur ein Abglanz früherer Weltausstellungen. Viele kennen diese Phase vielleicht nur von der Innenseite eines Flakons Kölnischwasser. In einer Zeit. Als Reisen nicht so selbstverständlich und preiswert war, wirkten die Weltausstellungen und die Berichte darüber in den Zeitungen wie Magneten.

Die Ausstellungen waren auch ein Anlass, in die Zukunft zu weisen oder etwas für die Zukunft zu hinterlassen. Das Atomium in Brüssel und der Eiffelturm sind solche Wahrzeichen.

Montreal hatte sich 1967 zum Ziel gesetzt, „einem neuen Weltbild zur Reife zu verhelfen, einem Weltbildes totalen Engagements, zu dem der schöpferische und soziale Mensch fähig ist“. Was wäre für die Neuen Realisten der Nouveaux Réalistes ein besserer Anlass für eine Beteiligung gewesen? Doch zuerst musste der Auftrag an Land gezogen werden. Das erledigte die kämpferische Niki. Die Französischkenntnisse des Künstlerduos waren nicht nur in Paris, sondern auch in der Schweiz und in Quebec, dem französischsprachigen Osten Kanadas, von Vorteil. Letztlich gelang es. Die französische Regierung erteilte einen exklusiven Auftrag für eine Außenskulptur, den Dachgarten des französischen Pavillons.

Tinguelys schwarze Maschinen griffen quasi die bunten Riesenfiguren de Saint Phalles an. Seit Radha und Krishna, wie Lakshmi und Narayan in ihrer Kindheit hießen, gehört necken wohl dazu. Der indische Tanz drückt das mit verschmitzten Blicken und vielerlei Gesten bis heute aus.

Die Kosten des Ruhms

Das Konzept wurde verstanden und kam an. Zu dem großen Erfolg des PHANTASTISCHEN PARADIESES trug bei, dass der französische Pavillon beim Publikum der Welt nicht gut aufgenommen wurde. Dabei war er der größte auf der Expo und hatte acht Ebenen. Doch wurde er als zu schwer und kompliziert empfunden. Dagegen der Kontrast, wenn man auf das Dach hinaus kam. Die Fröhlichkeit der bunten Figuren, obwohl von dunklen Maschinen bedrängt, und das bei Tageslicht und frischer Luft muss wie eine doppelte Befreiung gewirkt haben nach acht Etagen bedeutungsschwangerer Schwere.

Wie sehr ein Künstler unter den Ausgaben für das Material zu leiden hat, dafür ist das phantastische Paradies ein Lehrbeispiel. Zwei Tonnen Polyester und 300 Kubikmeter Schaumstoff verarbeitete de Saint Phalle für die neuen Skulpturen auf dem Pavillon-Dach.

De Gaulle hatte zwar das beauftragt, die Finanzierung war damit aber nicht abgesichert!

Anschließend kaufte das Ministerium für Kunst und Wissenschaft vier Figuren. 80.000 DM. Immerhin. Die Materialkosten waren damit eigentlich nicht gedeckt, geschweige denn die Kosten für Produktion und Transport. Aber das nordamerikanische Publikum liebte das „Paradies“. Nach der Expo ‘67 in Montreal verließ es Kanada, ging nach nach Buffalo in den Innenhof einer Galerie und dann 1968 in den Central Park in Manhattan, New York. De Saint Phalle und Tinguely überließen es dann dem Moderna Museet. Sammler aus Texas bezahlten des Transport aus den Vereinigten Staaten von Amerika nach Schweden.

Bibliographische Angaben

Monika Becker: Starke Weiblichkeit entfesseln. Niki de Saint Phalle. In der Reihe „Rebellische Frauen“. Als List-Taschenbuch im Econ Ullstein List Verlag GmbH und Co. KG München 2001. Copyright 1999/2001. Anhang, Quellen, literatur, Register, 249 Seiten. „Originalausgabe“

Titelabbildung: Thilo Tuchscherer – „Schutzengel“ in der großen Halle im Hauptbahnhof Zürich