
Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Berliner Figuralchor, den kennen Sie nicht? Es gibt ihn ja auch erst seit 30 Jahren, also fast so lange wie das neue Deutschland, das aus den zwei Teilstaaten Bundesrepublik und DDR 1990 entstand. Aber Herrn Friedrich kennen Sie? Nein. Nicht den mit dem Vornamen, den mit dem Nachnamen. Ja, kein Wunder, die Solisten dieser Aufführung sind Spitzenklasse. Die Psalmen Davids, also Gesänge, gibt es schon etwas länger, je nach Betrachtungsweise ein paar hundert oder tausend Jahre. Gute Alte Musik. Heinrich Schütz schrieb nicht an der Bibel, wohl aber die Musik zum Konzert am 25. + 1. = ‘26. Bei dem großen Kulturangebot in Berlin sei diese kleine Eselsbrücke gestattet. Zudem Kopfrechnen in der Gesellschaft nachlässt. Falls Sie den Kammermusiksaal, mit über 1023 Plätzen nicht nur für Kammerchöre gedacht, die „kleine Schwester“ der Berliner Philharmonie, noch nicht kennen, besuchen Sie doch einfach dieses Konzert. Es ist gut.
Wie Alte Musik aus der guten alten Zeit, gute alte Musik, sowieso. Das liegt unter anderem an der Schwingung. Der Vibration. Die „Vibes“ waren nämlich damals planmäßig andere. Während heute meist mit 443 Hertz gespielt wird, also Schwingungen pro Sekunde, waren es in der Alten Musik 440, 415 oder gar nur 392. Die Tendenz zeigt nach oben und heute soll ja eh alles schneller gehen. Am Sonntag jedenfalls erwarten Sie 440 Schwingungen pro Sekunde im besten Konzertsaal der Welt. In einem von beiden, dem kleineren. Und das auch noch zu er-schwing-lichen Preisen. Höchstens 54,- Euro, bei 14 fängt es an. Soviel müsste man schon als Eintritt für die Besichtigung nehmen. Die Architektur des großen Saals, der Philharmonie, der Neubau 1963 nötig geworden durch Kriegsschäden und den Verbleib des Konzertsaals bzw. seines Reste in Ost-Berlin, geht auf Scharoun zurück, den Kammermusiksaal realisierte Wisniewski, Grundsteinlegung 1984, da waren wir schon dabei.
Heinrich Schütz in der Schwingung, die nach Heinrich Hertz benannt wurde
Der Namensvetter Heinrich Hertz (HH, lebte von 1857-1894, stammt aus HH) war Physiker, nach ihm wurde die deutsche Einheit benannt, nein, nicht die von 1990, das war ja eher eine Wiedervereinigung, aber auch keine Ganz-Wiedervereinigung. Nein, die Einheit für Schwingungen pro Sekunde. Wie nach Watt die Leistung (W) und nach Ampère (A) die Stromstärke benannt wurde, so nach Hertz die Schwingung. Haushaltsüblicher Wechselstrom zum Beispiel wechselt 50 mal pro Sekunde hin und her. Was für ein Stress. Aber das kann nicht hören. Bei Neonröhren noch nicht mal sehen, dafür sind unsere Augen nicht gemacht. Aber die Ohren hören den Unterschied. Nicht nur zwischen Bach, der auch sehr schön fließt, und Schütz, sondern zwischen 440 Hertz und weniger. Nach HH ist auch das Heinrich-Hertz-Institut benannt, die Abkürzung der Einheit ist Hz. 1 Hz = 1/s, benutzt für periodische Vorgänge wie (Schall-) Wellen, beispielsweise in der Funktechnik.
Besuchen Sie mal die Internationale Funkausstellung (IFA), Albert Einstein und Willy Brandt waren auch da. Da befinden Sie sich in guter Gesellschaft.
Im Kammermusiksaal auch. Hinterher ist man immer ganz beschwingt. Das liegt am Oxytoxin. Gemeinsames Musizieren und besonders Singen führt zu Hormonausschüttungen, übrigens bei den Musikern – Sängern – genauso wie bei den Zuhörern. In Leipzig hat man das mal herausgefunden und an Freiwilligen überprüft bei den Musikfestspielen.
Wie alt ist Alte Musik?
Eins sagen wir Ihnen gleich, die Antwort gibt es hier nicht. Im Barock gab es Alte Musik, als die Stadt Charlottenburg von König Friedrich als Planstadt gegründet wurde und Schweden Russland in Großen nordischen Krieg angriff, das war Barock, da lebte auch Leibniz. Aber bald kam Bach, der sang in Lüneburg im Chor, war in Ohrdruf und schrieb dann ganze Messen – im Dezember wurde im großen Saal die tolle H-moll-Messe aufgeführt unter einem neuen Dirigenten der Philharmoniker – und andere auch. Deren Musik nennen wir Klassik. Was neue Musik ist, ist schon einfacher zu sagen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass Musik lokal war. Alles ist lokal. Kirchenmusik, höfische Musik.
Erst, wer ins Netz geht oder einen 100-Hertz-Fernsehbildschirm anschaltet, kann heute – nicht im 18. Jahrhundert und schon gar nicht im 17. – live ein Konzert in Australien anschauen, obwohl der Kontinent weit weg ist, zumindest, wenn man auf der Erdkugel außenrum fährt und nicht den direkten Weg ab durch die Mitte nimmt. Fern-Sehen eben – einschließlich Fern-Hören.
Ein Orgel in dem einen Dorf war früher anders gestimmt und anders benutzt als die Orgel in dem anderen Kirchspiel.
Tendenziell würden wir vereinfachend sagen, dass die gute Alte Musik älter ist als die klassische. Aber je mehr man in die Einzelheiten geht, desto weniger einfach wird ist. Wir wollen ja Harmonie, nicht nur in der Musik und geben nur Hinweise.
Es liegt auch an den Instrumenten. Orgeln, Gamben, Cembali. Flöten sind wohl die ältesten Instrumente überhaupt Krishna spielte schon auf eine Flöte, im Paradies sozusagen, wo Radha auch war. Später nannte man Sie Lakschmi und Narayan.
Was gibt’s? Was wird gegeben? Wer gibt?
Die Psalmen Davids von Heinrich Schütz. Schütz war Waage (und nicht etwa Schütze, außerdem war er ja Komponist und nicht Schütze). Er ging also recht harmonisch vor und war auf Ausgleich bedacht. Als Bach in der Lüneburger Michaeliskirche sang, lebte Schütz nicht mehr. Sie begegneten sich nicht. Bach könnte aber von Schütz beeinflusst worden sein, umgekehrt wär’ es verkehrt und also unmöglich. Heinrich Schütz starb in der Skorpionzeit am 6. November 1672 in Dresden an der Elbe. Angefangen hatte es mit seinen Schallwellen mit dem ersten Schrei am 18. Oktober 1585 – ja genau Alte Musik! – in Bad Köstritz. Später war Schütz der letzte Schrei.
Es spielen auf und singen: Der Berliner Figuralchor, Berlin Baroque unter der Leitung von Gerhard Oppelt.
Solistinnen: Johanna Ihrig, Magdalena Podkoscielna und BB (Bernadette Beckermann). Frau Beckermann singt Alt. Besser kann man Alte Musik nicht repräsentieren, oder?
Solisten: Tenor: Tobias Hunger, Bass: Felix Schwandtke und Wolf Matthias Friedrich.
Alte Musik/ Berliner Figuralchor: Eintritt mit echten Eintrittskarten
Apropos Alte Musik: Die ist ja analog. Analog dazu gibt es beim Berliner Figuralchor gedruckte, also echte Programmhefte mit dem besseren Überblick. Die gibt es gratis dazu! Das ist auch nicht selbstverständlich! Beim Berliner Philharmonischen Orchester, in München und Köln zahlt man schon mal 4 Euro. Oder mehr. Bei Holiday on Ice eher 5. Beim Collegium musicum der FU und TU (Heinrich-Hertz-Institut! Franklinstraße Ecke Landwehrkanal, an der Kuppel zu erkennen) gab es auch Programme gratis, aber Standard ist das nicht.
Und die Karten erst! Wie in der guten alten Zeit, als die in der Philharmonie noch bunt waren und jeden Tag eine andere Farbe hatten (80er Jahre z.B., als der Grundstein für den Kammermusiksaal (KMS) gelegt wurde). Im übrigen klein und dadurch viel papiersparender als die Ausdrucke heute. Echte Eintrittkarten! Da zahlt man doppelt gern die 14,- bis 54.- Taler.
Der Berliner Figuralchor – da kann man schon ins Schwärmen kommen. Die schicken einem Programmhefte oder Flyer zu. Mit der Post! Wenn man das will. Also wer jeden Tag in den Briefkasten guckt und traurig ist, wenn niemand an ihn denkt – Stammkunde werden und viele beschwingte Tage erwarten Sie. Die Freude beim Briefkastenöffnen und erst recht die Schwingungen, die im Konzertsaal in den Körper gelangen, besonders ins Ohr.
Kartenbestellungen beim Berliner Figuralchor – auf allen Wegen
Und wenn man die Karten haben will, kann man anrufen! Ja, wirklich, Telefonnummer (030) 80 90 80 70.
Berliner Figuralchor. Wählen Sie mal die Nummer auf einem Tastentelefon, da kommt Freude auf.
Und das Beste: Da geht jemand ran. EIN MENSCH. So hätte sich das Magda von Garrel („Mensch als Beute“) auch gewünscht. Nix Alterdiskriminierung, nix mit Digitalzwang.
Schön fein, freiwillig die Bestellmöglichkeit auswählen. Sie wollen eine E-Mail schicken? Bitteschön! Wer E-Mails
old school
nennt, schrei-be an info@berlinbaroque.de . Ja, und für die, die schon wieder ins Netz gehen wollen, gibt es sogar einen Ort im Netz: www.berliner-figuralchor.de .
Hier geht es um die Psalmen Davids, um gute alte Musik, Sie können mit dem Fahrrad kommen, mit der Bahn zum Bahnhof Potsdamer Platz (Oder Hauptbahnhof und Bus M85 tag und nacht), zu Fuß vom Kammermusiksaal nach dem Konzert schwelgend quer durch den Tiergarten und durch das Charlottenburger Tor und dann rechts einen Block am Landwehrkanal entlang und die oft von innen beleuchtete Kuppel auf dem Heinrich-Hertz-Institut der Technischen Universität Berlin entdecken, Sie dürfen mit dem Auto kommen, das Parkhaus ist groß, der oberirdische Parkplatz allerdings verschwunden. Es fahren Busse direkt zur Philharmonie, vom Zoo der 200er über Philharmonie zum Potsdamer und Leipziger Platz und weiter die Leipziger Straße …
Anfahrt vom Ku’damm oder Kreuzberg Richtung Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie mit dem 29er Bus (M29) Tag und Nacht bis Potsdamer Brücke. Kurzer Fußweg.
Auswahl und Freiheit, Freiwilligkeit, die das Herz begehrt. So geht Begeisterung.
Und wir können sogar wahrsagen, allerdings ohne Gewähr:
Ein Blick in die Zukunft
Wer am Sonntag schon was vorhat, nach der Kirche noch den Rasen mähen muss und die Wochenwäsche machen und den Einkauf im Niezuspäti oder in den Supermärkten in den Bahnhöfen Hauptbahnhof, Gesundbrunnen oder Zoologischer Garten oder das Eis zum Schlittern ausnutzen: Der Berliner Figuralchor tritt dieses Jahr nochmal auf! Im ersten Halbjahr. Und sogar mit Bach, Johann Sebastian! Ja, der Neu-Lüneburger, der viel herumgekommen ist!
Matthäuspassion
BWV 244, nein das ist nicht die Schwingung, das steht auch nicht Hz hinter, das ist die Nummer im Bach-Werke-Verzeichnis. (Geschrieben wurde dieser Text um 2:44 Uhr. Kein Scherz. Es gibt keine Zufälle.)
Karfreitag, 3. April ‘26, 15 Uhr. Eselsbrücke: am 3. April um 3, das ist mir nicht einerlei. Und wieder im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie. Zwischen Tiergartenstraße und Potsdamer Straße, die Margaretenstraße am Eingang des Kammermusiksaals, wie sie in den 80ern noch hieß, wurde umbenannt.





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