Hettie und die Hippies von Sunset Hall oder Leben und Sterben in einer Senioren-WG – Annotation zum Kriminalroman „Mord in Sunset Hall“ von Leonie Swann

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"Mord in Sunset Hall" von Leonie Swann. © Goldmann-Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Leonie Swann scheint so geheimnisvoll wie ihr Kriminalroman „Mord in Sunset Hall“. Der Name sei nämlich das Pseudonym einer laut Wikipedia „Krimiautorin, die 1975 in Dachau“ geboren worden sei und nach einem Studium der „Philosophie, Psychologie und englischen Literaturwissenschaft in München“ sowie „nach längeren Aufenthalten in Paris … derzeit in Berlin“ lebe. Doch laut Goldmann-Verlag würde sich „heute umzuingelt von Efeu und Blauregen in England“ leben. Wenn das nicht geheimnisvoll klingt, was dann?

Nach „Glennkill“ und dem Fortsetzungsroman „Garou“, „Dunkelsprung“ und „Gray“ legt der Goldmann-Verlag mit Sitz in München nun 15 Jahre nach Swanns erstem Krimi „Mord in Sunset Hall“ vor. Die Erwartungen sind groß, dass auch in der Senioren-WG Sunset Hall, ein von Agnes Sharp in eine Wohngemeinschaft umgewandeltes Herrenhaus „on the countryside“ (also auf dem Land), allerdings ohne Schafe, aber mit rüstigen Rentnern, die hier ihre letzten Tage verbringen wollen – und wie! -, „gehobene Unterhaltung mit britischem Flair, Sprachwitz und schrulligen Figuren“ auftauchen wie Tote.

Hettie und die Hippies von Sunset Hall oder Leben und Sterben in einer Senioren-WG

Nicht nur ein Haus mit rosafarbenen Steinen und Ziegeln findet sich auf dem Schutzumschlag, in dem wohl die Hippies von Sunset Hall wohnen, sondern auch Eingemachtes: „Eigentlich hat Agnes Sharp mit der Hüfte, dem Treppenlift und den Bewohnern ihrer umtriebigen Senioren-WG genug zu tun. Und dann ist da auch noch die Tote im Schuppen. Und die Tote im Nachbarsgarten. Ganz klar: das englische Idyll trügt, und ein perfider Mörder hat es auf alte Damen abgesehen! Kurzentschlossen machen sich die streitbaren Senioren samt Schildkröte auf Mörderjagd – eine Suche, die sie nicht nur auf das trügerische Parkett des örtlichen Kaffeetreffs führt, sondern auch in den dubiosen Lindenhof und schließlich tief in die eigene Vergangenheit. Denn auch Agnes und ihre Mitbewohner haben das eine oder andere Geheimnis zu hüten…“

Lilith, die mit einer Kugel im Kopf im Gartenhaus gefunden wird, und Mildred, die ermordet in der Nachbarschaft liegt, können ihres nicht mehr selbst lüften.

Swanns aparte Mischung aus einer anpassungsfähigen Schildkröte und alten Schabracken – Agnes hat Hüfte, Bernadette ist blind, Winston hockt im Rollstuhl, Marshall schwindet das Gedächtnis -, bei denen der Leser trotz Morde – der Mörder scheint es auf alte Schachteln abgesehen zu haben, aber was ist sein Motiv? – auch mal schmunzeln möchte, ist lockere Krimi-Kost, flüssig formuliert, für lauwarme Sommertage – und die Nächte!

Bibliographische Angaben

Leonie Swann, Mord in Sunset Hall, 448 Seiten, fester Einband mit Schutzumschlag, Format: 13,5 cm x 21,5 cm, Verlag: Goldmann in Verlagsgruppe Random House GmbH, 1. Auflage, München, 25.5.2020, ISBN: 978-3-442-31556-7, Preise: 20 EUR (Deutschland), 20,60 EUR (Österreich), 28,90 SFr (empfohlener VK-Preis)

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