Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Noah Baumbach zeigt in seinem romantischen Mix aus Tragödie und Komödie „Jay Kelly“ auf komischen wie berührende Weise, was es heißt ein Filmstar zu sein und präsentiert einen George Clooney, der wie maßgeschneidert für die Rolle des Filmstars auf dem Selbstfindungstrip ist.
Von John Lennon stammt das bekannte Zitat“ Das Leben ist das, was passiert, während Du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen.“ Dieses Zitat gibt sehr genau wieder was in Noah Baumbachs neustem Film Jay Kelly seinem Hauptprotagonisten widerfährt. Hat er doch feste Pläne aber das Leben will es anders und lässt ihn zweifeln über seine Rolle und Position als Filmstar. Der namensgebenden Filmstar wird hier von George Clooney verkörpert, der im Grunde genommen sich mehr oder weniger selbst spielen kann. Und was sich wie ein Film über Selbstfindung anhört ist er im Kern auch. Als Jay Kelly vom Tod seines väterlichen Mentors und Freundes des Regisseurs Peter Schneider (Jim Broadbent) überrascht wird, er sich mit seinem alten Schauspielkommilitonen Timothy einen verbalen wie körperlichen Schlagabtausch liefert und zu guter Letzt seine jüngste Tochter Daisy (Grace Edwards) kurzerhand mit ihrem Freund nach Italien fährt anstatt Zeit mit ihm zu verbringen gerät sein Leben komplett aus den Fugen. Er wirft alle Pläne über Bord, sagt eine fest terminierten Film-dreh ab und entscheidet sich einen Ehrenpreis eines Filmfestivals in der Toskana anzunehmen um seiner Tochter nach Italien nachzufolgen. Sehr zum entsetzen seines Agenten und Freundes Ron ( Adam Sandler), des Leben genau wie das von Jay Kelly nun ebenfalls durcheinandergerät. Was folgt ist eine Roadtrip nach Paris, durch Frankreich und Italien bis in die Toskana, immer wieder unterbrochen durch Rückblenden in den Jay Kelly seine Vergangenheit reflektiert und dessen Lebenskrise sich genauso zu einer Krise für seinen Agenten Ron entwickelt.
Der Film zeigt was es heißt ein Filmstar zu sein und welche Nachteile und Entbehrungen dies mit sich bringt. Jay Kellys Lebenskrise hat Noah Baumbach zusammen mit seiner Co-Autorin Emily Mortimer in eine charmante wie amüsante Komödie mit ernsten Untertönen verwandelt. Jay Kelly wartet mit Dialogwitz sowie komischen Missverständnissen auf und besticht mit einem überzeugendem Cast. Zugleich schafft er es seine Hauptthemen wie Identität und Selbstreflexion nicht zu vernachlässigen. Und die, betrifft wie schon erwähnt nicht nur Jay Kelly sondern genauso seinen Agenten und Freund Ron, der im Grunde Jay Kellys Schatten ist und sein Leben ist auch Jay Kellys Leben. Ron fragt sich genauso wie Jay Kelly welchen Sinn sein bisheriges Leben hatte und wie es nun weitergehen soll. Ron ist das Gegengewicht zur Person Jay Kelly. Mit Ron wird gezeigt, was es heißt Agent einer solchen Person zu sein und immer nach deren Pfeife zu tanzen und sich in dieser Rolle genauso selbst zu verlieren. Durch diese Gegenüberstellung der beiden Positionen von Filmstar und Agent gewinnt der Filme seine eigentliche Stärke. Die berufliche wie freundschaftliche Beziehung von Jay und Ron hat im Film Spuren eine Buddykomödie, wird aber hauptsächlich geprägt durch das aufeinandertreffen zweier Menschen die nach dem Sinn ihres bisherigen Lebens fragen und denen klar wird das sich etwas ändern muss. Denen ihre berufliche Abhängigkeit aber im Weg steht. Und die Figur des Agenten Ron gibt dem Film hier das notwendige Gegengewicht zu Jay Kelly. Und Adam Sandler kann in seiner Rolle vollkommen überzeugen und stiehlt George Clooney durchaus die Show. Die Figur Jay Kelly steht klar im Zentrum der Geschichte. Da aber Noah Baumbach und Emily Mortimer den anderen Menschen in Jays Umfeld eine entsprechende genauso wichtige Rolle zusprechen wird der Film glücklicherweise nicht zum selbstgefälligen Egotrip. So spielen Jays Töchter Daisy und Jessica (Riley Keoug), mit der er sich zerstritten hat, Jay Assistentin Liz (Laura Dern), wie sein Vater (Stacy Keach) zwar Nebenrollen aber geben der Figur Jay Kelly eine größere und tiefere Dimension. Noah Baumbach gelingt hier eine gelungene Gratwanderung von Komödie, Selbstfindungstrip, Ensemblefilm und Roadmovie, der zugleich gespickt ist mit Seitenhieben auf die Filmindustrie. Jay Kelly hat sein Hauptthema, der Star in der Krise und weiß dies intelligent mit den ihm nahestehenden Personen zu verweben, verliert sich aber ein wenig in seiner eigenen Komplexität, was Jay Kelly eine Idee zu lang und zu überfrachtet erscheinen lässt. Dennoch ist Baumbachs Film eine komisch-lockere wie nachdenklichen Besinnungsreise, der das anschauen lohnt und zu unterhalten weiß. Und Insbesondere seine Darsteller George Clooney, Adam Sandler, Laura Dern wie auch auch Billy Cudrup, Riley Keough, Satcy Keach, Alba Rohrwacher , Greta Gerwick, Emily Mortimer und Lars Eidinger in Nebenrollen geben dem Film schließlich das besondere Etwas, das ihn zu einem mehr als sehenswerten Film erheben.
Filmographische Angaben:
Titel: Jay Kelly
Originalsprache: Englisch
Staat und Jahr: USA, 2025
Regie: Noah Baumbach
Drehbuch: Noah Baumbah, Emily Mortimer
Kamera: Linus Sandgreen
Schnitt: Valerio Bonelli, Rachel Durance
Musik: Nichols Britell
Darsteller: George Clooney (Jay Kelly), Adam Sandler (Ron Sukenick), Laura Dern (Liz), Billy Crudup (Timothy Galligan), Riley Keough (Jessica Kelly), Grace Edwards (Daisy Kelly), Stacy Keach (Vater von Jay), Jim Broadbent (Peter Schneider), Patrick Wilson (Ben Alcock), Eve Hewson (Daphne Spender), Greta Gerwig (Lois Sukenick), Alba Rohrwacher (Alba, Festivalassistentin), Josh Hamilton (Carter, Therapeut), Lenny Henry (Larry, Schauspiellehrer), Charlie Rowe (Jay als junger Mann), Louis Partridge (Timothy als junger Mann), Emily Mortimer (Candy, Hairstylistin), Nicôle Lecky (Krista, Lizs Assistentin), Thaddea Graham (Meg, Jays Assistentin), Sadie Sandler (Vivienne Sukenick), Isla Fisher (Melanie Alcock), Lars Eidinger (deutscher Radfahrer), Jamie Demetriou (Clive, Zugpassagier)
Produktion: Noah Baumbach, David Heymann, Amy Pascal
Spieldauer: 132 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12






![[Hellas Filmbox] Gewaltiges Werk: Sounds of Vladivostok von Marios Joannou Elia ist ein Filmkonzert Der griechische, zypriotische oder griechisch-zypriotische Komponist Marios Joannou Elia von "Sounds of Vladivostok"](https://kulturexpresso.de/wp-content/uploads/2018/01/20180128_002601VeröKE-100x70.jpg)








